Volltext der Zeitschrift Flugsport 1910
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Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für die gesamte Flugschiffahrt Unfall Leon Delagrange’s. Wie die Tageszeitungen bereits berichteten, ist Leon Dela- grange auf dem Flugplatz Croix d’Hins bei Pau mit seiner Bleriot- Maschine abgestürzt. De- lagrange lıat mit seiner Maschine, welche vor- zügliclı funktionierte, be- reits vorhier melırere Flüge ausgefülirt und erhob sich an den Unglückstage in eine Höhle von 30 m. Er hatte bereits 3 Runden vollendet, als infolge eines leitixen Windstolles die linke Tragfläche brach und der Apparat gegen eine 20 m Irolle Anhöhe geschleudert wurde. De- lagrange wurde aus dem Sitz geschleudert und blieb auf der Stelle tot. Man sagt, daß die Ma- schine, welche besonders leicht zerlegbar einge- richtet, nicht sorgfältig genug montiert war. Delagrange hatte in den Flieger, die bekannte Leon Delagrange. + Seite 2 „FLUGSPOoRT“ No. 1 kleine Bleriot-Type Nr. 11 einen SOPS Gnom-Motor eingebaut. Der Apparat flog mit einer Geschwindigkeit bis zu 90 km. Die Tragflächenkonstruktion war viel zu schwach für die holıe Motorleistung und Fluggeschwindigkeit. Auclı scheint in dem Apparat von Delagrange die vordere Tragspante, wie es bei dem kleinen Bleriot üblicli ist, nur in die Rohrhülse auf dem Chassis olıne Befestigung eingesteckt gewesen zu sein. Durch Reißen eines Drahtes hat sich die Hauptlängsspante aus dem Rohr herausgedrückt. Das ganze Tragilächensystem hat seine Steifheit verloren, wodurch die Maschine lıerabgestürzt ist. Zeugnisse für Flugmaschinenführer. Oder wie man die Deutschen von den internationalen Konkurrenzen fern hält. Ohne Kommentar. Ab 1. Januar 1910 können sich an Flugmaschinenkonkurrenzen, welche von Vereinen des deutschen Luftschiffer-Verbandes ausge- schrieben sind, nur solche Führer beteiligen, welche vor dem Meldeschluß im Besitze eines Führerzeugnisses für Flugzeuge von einer der Federation Aeronautique Internationale angehörenden Sportmacht sind. Die Zeugnisse für deutsche Führer werden auf Veranlassung der Motorflug-Kommission vom Vorstand ausgegeben. Die Aus- händigung dieser Führerzeugnisse kann nur an deutsche Staats- angehörige und an solche Ausländer, welche sich mindestens 6 Monate in Deutschland aufgehalten haben, erfolgen. Die Sport- macht des Vaterlandes eines solchen Ausländers ist vor Aus- händigung des Zeugnisses zu benachrichtigen. Solchen Aus- ländern, deren Vaterland nicht in der F. A. J. vertreten ist, kann ein deutsches Führerzeugnis direkt ausgestellt werden. Der Vorstand stellt auf Vorschlag der Motorflug-Kommission Führerzeugnisse für Flugzeuge an solche Bewerber aus, welche das achtzelinte Jahr überschritten, ein schriftliches Gesuch einge- reicht und die nachstehenden Bedingungen erfüllt haben: Der Bewerber muß mindestens drei geschlossene Rundflüge von je mindestens 5 km Länge, ohne den Boden zu berühren, ausgeführt haben. Der Bewerber ist verpflichtet, nach jedem Rundflug zu landen und seinen Motor anzuhalten. Die Landung und das Anhalten des Motors dari höchstens 150 Meter weit von dem Punkte erfolgen, welcher dem Bewerber vorher hierfür be- zeichnet wurde. “ Die Gesuche müssen—in--zwei- Exemplaren mit der Photo- graphie des Bewerbers, Angabe seines Vor- und Zunamens, seiner Adresse, seiner Nationalität, seines Geburtsortes und des Datums an den Vorsitzenden der Motorflug-Kommission gerichtet werden. Der Vorstand hat das Recht, solche Zeugnisse ohne Angabe von Gründen zu erteilen, zu verweigern oder bereits erteilte Führerzeugnisse zeitweise oder ganz zurückzuziehen. Das Zeugnis in Paßform wird kostenlos abgegeben. Ein zurückgestellter Bewerber kann sich nach Ablauf von zwei Monaten wieder melden. Der deutsche Luitschifter-Verband lehnt jede Verantwortlich- keit für Unfälle, Schäden usw. ab, welche vor oder nach Ertei- No. 1 _ „FLUGSPORM. Seite 3 lung des Führerzeugnisses den Flugzeugführern, ihren Flugzeugen, dritten Personen oder deren Eigentum durch die Flugtätigkeit zustoßen. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Das Jahr 1909, das für den Entwicklungsgang des modernen Flugsports eine so außerordentliche Bedeutung gehabt hat, sollte nicht. zu Ende gehen, ohne noch in seinen letzen Zügen einige aviatische Großtaten zu bringen. Es war zu erwarten, daß der herannahende Jahresschuß, und mit ihm der Ablauf der Bewerbs- rist für eine Anzahl wichtiger Aviationspreise, den französischen Aviatern noch einen kräftigen Ansporn geben und außerordent- liche Anstrengungen bei ihnen veranlassen werde, um, was irgend angängig, an Lorbeeren — und Goldstücken hereinzubringen. Lesseps Unfall. Das meistumstrittene Objekt war der Michelin-Pokal‘, je Trophäe, die bekanntlich am Schlusse jeden Jahres demjenigen Piloten zufällt, der im Laufe des Jahres auf seiner Flugmaschine den längsten ununterbrochenen Flug zu Wege gebracht hat. Fs galt, Henri Farn:an, der sich durch seinen denkwürdigen Flug vom 3.. November v.]. (232,212 km in 4:17:05) die Anwartschaft — — auf den Pokal an sich gebracht lıatte, diese streitig zu Selbstverständlich war Farman entschlossen, sich Seiner Haut zu wehren und so sahen wir, namentlich auf dem Flugfelde von ourmelon-Ie-Grand „sich einen Kampf entwickeln, der in einer Beziehun on hö ich mehr als gv ıöchstem flugsportlichen Inter- Wenn auch eine große Anzahl mehr oder minder erfole- gewohnter Aviater an dem Kampfe teilnahm, so spitzte ee sich doch in der Hauptsache zu einem Duell Farman-Latham zu. Beide hatten den offiziellen Kommissaren Anzeige erstattet, daß Seite 4 „FLUGSPORT“. No. 1 sie die bislierigen Rekords offiziell angreiien wollen und so hatten sich neben den Delegierten des Aero-Klubs zalılreiche Sports- interessenten eingeitmden. Es sei gleich vorweg nesant dab keinen der Konkurrenten selungen ist, den Farman schen Rekord zu brechen. Anı Freitag verinochte Lathanı, das Aerodrom 31 mal zu umkreisen; er hatte 83,700 km in I Stunde 20 Minuten zurückgelegt und ımußte den Flug unterbrechen, da sein Motor zu versagen begann. Am Sonn- abend erneuerte er den Versuch, doch hatte er das Mißeeschick, daß der Antriebsriemen der Pumpe riß und der Motor zu lhitzen begann. Leider vollzog sich auch die notwendig gewordene plötzliche Landungr nicht glatt, indeın der Apparat scharf auf den Boden aufstieß und erheblich beschädigt wurde. Aın gleichen Tasre stieg Farmen auf und legte in 2 Stunden +45 Minuten eine Distanz von 124 km zurück. Erst als Farnıan salı, daß Latham aufgegeben hatte. landete er glatt und olıne jeden Unfall. Er war definitiv der Sieger im „Pokal Michelin‘ geworden. Außer diesen beiden Matadoren versuchten sich noch de Baeder, Legagneux, Delagrange, Cliateau und andere, mit teil- weise recht bemerkenswertem Erfolee. Namentlich gelang es Delarrange, in einem vorzüglichen Fluge ziemlich dicht an den Farınan schen Rekord heranzukommen. Er lıatte das Acrodrom von Juvisv zu seinem Versuche gewälılt. Am Freitag erliob sich Delagrange nit seinem Bleriot-Eindecker (Motor Gnom) um I Uhr und blieb in ununterbrochenem Fluge bis 3 Ulır 32 Minuten in der Luft, also 2 Stunden 32 Min., während welcher Zeit er eine Di- stanz von 200 kın durchmessen hatte. Es dürfte dies ein neuer Rekord für Eindecker sein. Von den anderen Aviatern, die in Mourinelon experimentierten, vermochte de Baeder einige hübsche Flüge zu vollbringen, da- runter einen solchien von 22 Minuten in 107 m Hölle. Am Sonn- abend senkte sich sein Zweidecker aus noch nicht aufigeklärten Ursachen plötzlich aus einer Höhe von 20 Metern zur Erde und blieb in einem Tannengehölz in den Baumzweigen hängen, von wo der Pilot und sein Apparat unverselirt herabgeholt werden konnten. (Siehe nebenstehende Abbildung). Aın Tage vorlıer hatte de Baeder mit einem Fluge von 8,200 km den „Pokal Arch- deacon” an sich gebracht. Angeregt durch diese Erfolge, wollte Frevt, gleichfalls ein Anfänger, mit seinem Farınan-Zweidecker einen größeren Flug ausführen. Fr stieg bis zu einer Höhe von etwa 10 m, als sich der schlecht &csteuerte Apparat überschhrr. Die Schraube, der rechte Flügel und die Landunesschienen des Apparats wurden dabei zerstört. Kurz darauf unternahm Farman einen Flug, bei dein er den bekannten Radfahrer Van den Born auf seine Maschine nahm, den er nach sechsmallwer Umkreisung der Flugbalın glatt landete. Abends spät machte schließlielı Legagneux noch einen Versuch. Er war kaum 50 ım vctlogen, als sein Motor miolge Zurück- schlagens eines Finkens zum Vergaser, in Brand weriet. Im Nu stand der Apparat in Flammen, sodaß man eine Tolgenschwere Explosion befürchten mußte. Aber den herzueilenden Arbeitern und Zuschauern welane es, en Brand zu löschen. Mi... .FKLtosport“ Seite 5 Auch einige neue Piloten sind in Chalons aufgetaucht, so der Amerikaner Singer-Mortimer, der schon einen Flug von 62 km (1 Stunde 1 Min.) ausführen konnte. Küller, der ebendaselbst un- ermüdlich übt, wäre dieser Tage beinahe das Opfer eines schweren Unfalls geworden. Er befand sich mit seinem Antoinette-Fin- Photographische Aufnahmen aus einem Antoinette-Flieger. Blick in der Fahrtrichtung | Blick nach der Seite lL.atham überfliegt Farmar in 50 m Höhe. Photographische Auinahmen aus einem Antoinette-Flieger. Blick auf die Fliegrerhallen L.uatham überfliegt in 150 m Flöhe aus SO ın Höhe. ein Giehölz. decker in 15 m Höhe, als sich ein Flügel der Schraube loslöste. Der Motor. der weiter lief, ri die Stahlklammern durch, die ihn aut dem Chassis testhielten und wurde etwa 2 m weit yon «lem Apparat fortgeschleudert Hierdurch verlor der Apparat natürlich sem Gleichzewielt und stürzte mit fürchterlichem Krachen zur Seite 6 „FLUGSPORT.“ No. I Erde. Es ist geradezu ein Wunder, daß der Pilot bei diesem Abenteuer, das in der Geschichte des Flugsports wohl vereinzelt dasteht, heil davon gekommen ist. Auch Picard, der einen Farman-Zweidecker steuert, hatte das Mißgeschick, zu dicht über einen aufgeschütteten Graben hinweg zu Streichen; das Chassis des Apparats, die Schraube und andere Teile wurden dabei zerstört. Madame Laroche, die kühne Pilotin, hat gleichfalls kleine Flüge bis zu 7 Minuten vollbringen können. Duray, der ehemalige Automobil-Rennfahrer, und Van den Born, der belgische Radfahrer, machen anscheinend gute Fortschritte. Letzterer flog bereits 15 Min. selbständig und Duray konnte 10 km in 15 m Höhe zurücklegen. Latham machte dieser Tage das interessante Experiment, einen Kinematographen mit seinem Mechaniker an Bord zu nehmen, wo höchst interessante Aufnahmen während des Fluges gemacht worden sind, die in Paris bereits allenthalben in den Kinematographen-Schaustellungen zu sehen sind. Ein pikantes Interesse wird das Interview haben, das Latham dieser Tage mit dem Herausgeber eines Pariser Blattes hatte. Latham beklagte sich, daß die französischen Aviater in Berlin, trotzdem man ihnen einen begeisterten Empfang versprochen hatte, von niemandem weiter, als von dem französischen Botschafter empfangen worden wären Und was die gewonnenen Preise anbelangt, so hätte man ihm jetzt, anstatt der ihm zustehenden 30000 Mark, die Summe von 10000 Mark anbieten lassen, die er glatt abgelehnt habe. Er zöge es vor, alles zu verlieren, als auf einen derartigen Handel einzugehen, der seiner unwürdig sei. (?) echt rege greberdet sich die „Hanriot-Schule“ in Reims, in der außer Hanriot, Vater und Sohn, noch die Eleven Ratore, Cronier, Devence, Roberts und Megho, teilweise mit schönem Er- folge, Flugversuche unternehmen in neuer Schüler, der Deutsche Wagner, konnte schon nach der ersten Stunde selbständige Flüge von 500 m ausführen. Eine große Anzahl weiterer Eleven wird demnächst nach Reims kommen. In Pau bildete die Rückkehr des von seinem in Konstan- tinopel erlittenen Unfalle anscheinend wieder hergestellten Bleriot die Sensation. Am Neujahrsmorgen hat Bleriot zum ersten Male wieder einen Apparat bestiegen und seinen Besuchern aus der benachbarteu Wright-Schule einige schöne Kurvenflüge vorge- führt. Viel besprochen wird hier die Absicht der Engländer, Bleriot an der Stelle, wo er bei seinem Kanalfluge landete, also “nm Northfall’Meadows bei Dover, ein Denkmal zu errichten, das schon durch seine äußere Form Beachtung verdient. Man hat den originellen Gedanken gehabt, diesem Denkmal die Gestalt eines Bleriot-Eindeckers zu geben, der, aufrecht stehend, in Granit nachgebildet sein wird. Sonst sind in Pau noch immer eine große Anzahl von Pi- loten tätig, unter denen Leblanc, Graf Vogue, Prinz Bibesco, Mamet und Duval genannt seien. Balsan hat einen neuen Darracq- Motor probiert und einige kurze Flüge mit großer Geschwindig- keit ausgeführt. Leblanc flog am Sonnabend 15 km und mußte landen, weil die Schmierung nicht funktionierte, am Tage vorher No, I „FLUGSPORT.“ Seite 7 war er 34 Minuten geflogen. Am Donnerstag endlich brachte Balsan, der sich für die Woche von Heliopolis vorbereitet, einen Flug von einer Stunde zu Wege. Der ehemalige ‚Rad-Meister- fahrer Lesna demolierte bei einem Flugversuche seinen Apparat vollständig. Zum Jalıresschluß ist übrigens der oftgenannte Prinz Bibesco zum „Meisterpiloten“ erklärt worden, ein Titel, der jetzt olıne das offizielle Pilotenpatent nicht viel mehr be- sagen will. Im Wright'schen Lager zu Pau experimentieren nach wie vor Tissandier, Graham White und Graf Malinski. Am Sonntag hatte Graham White einen ungewöhnlichen Unfall. Er hatte die Flugbahn einmal umkreist und schickte sich eben an, in eine be- trächtliche Höhe zu steigen, als der Apparat von einem heftigen Windstoß erfaßt und vollständig umgekehrt wurde. White fiel M. de Baeder’s Voisinflieger nach dem Sturz. natürlich aus seinem Sitz, glücklicherweise aber auf ein morastiges Feld, sodaß er ohne Verletzungen davonkam, der Apparat wurde zertrümrnert. Maurice Farman setzt unentwegt seine -,Spezialität‘, die Stadt—-zu—Stadt-Flüge fort. Nachdem er am 9. Dezember, wie berichtet, die Etappe Buc-Chartres geflogen war, hat er am Syl- vestertage den zweiten Teil der projektierten Reise und zwar von Chartres nach Orl&ans, eine Distanz von 74 km, über Voves, Or- geres und Patay passierend, zurückgelegt. Diese besondere Art von Flugunternehmungen scheint einen Aviationsanfänger, den bereits erwähnten de Lesseps, zur Nach- eiferung angespornt zu lıaben. De Lesseps hat gleich von Be- ginn an sehr rapide Fortschritte gemacht; er hat vor einigen agen bereits zu Issy-les-Moulineaux einen Flug von 1 Stunde Seile 8 „FL.UOGOSPORIL. No. 1 30 Minuten 28 Sekunden mit seinem Eindecker (Anzani-Motor) vollbringen können. Das scheint dem jungen Manne großes Selbstvertrauen gegeben zu haben, denn er sandte dieser Tage lie Anzeige an die Ligue Nationale Aerienne, daß er sich mit einem Fluge von Etampes nach Nouan-le-Fuzelier um den Preis ler Fachzeitschrift „La Nature“ bewerben wolle, der bekanntlich von einem Piloten einen ununterbrochenen Flug von mindestens 2 Stunden über eine Distanz von 100 knı, in gerader Linie von Stadt zu Stadt gemessen, verlangt. In der Tat stieg er am Frei- tag bei herrlicliem Wetter zu Etampes auf und erhob sich mit seinen BlEriotflieger sogleich bis zur anselınli.hen Höhe von 150 m 20 Minuten später passierte er Toury und es hatte den Anschein, als ob er mit Sicherheit seinen Flug fortsetzte. Aber etwa 2 knı vor Angerville braclı ein Schraubenflügel los und, um vrößeres Unheil zu verhütelı, stellte de Lesseps die Zündung ab, um schwebend die Erde zu erreichen. Er konnte dabei niclıt verliindern, daß er auf ein .urclhfurchtes Ackerfeld geriet, wo das Chassis seines Apparats einige Beschädigungen erlitt. Außer Lesseps befi den sich in Issy noch die Aviater Roueier, Vendönıe und Plessety Auch Penteado manövrierte mit einen Demoiselle-Apparat und scheint sich mit dessen Steuerung ver- traut zu machen. Maurice Cl&ment, der einen „Bayard-Clenıent“ steuert, landete nach einem kurzen Fluge von 200 m ungeschickt und brach die Schraube. Rougier hat jetzt seinen neuen Voisin- Zweidecker, der einen E.N V.-Motor erhalten hat und auclı sonst einige Verbesserungen aufweist. Er ist vorallen Dingen sclıneller, als die bislierige Type. Rougier hofft, mit dieser Mascliine zum Frühjalır sensationelle Flug-Leistungen zu Wege zu bringen. Das bereits erwälınte Meeting von Heliopolis scheint in der Tat einen großen Umfang annehmen zu sollen. Außer de Caters, werden Latlıam, Delagrange, Le Blon, Balsan, Rougier und Singer starte). Wir lıaben bereits mitgeteilt, daß das Meeting von He- liopolis mit vielen namlıaften Preisen, auch mit täglichen Preisen, dotiert ist. In Havre operiert immer noch Molon, der aber am Donners- tax das Peclı lıatte, mit seinem Bl£riot-Flieger aus einer Höhe von 20 m brüsk niederzugelien. Pilot und Apparat kamen ohne ernstere Beschädigungen davon. Der bekannte Autoniob:list Rigal steuerte einen Voisin auf dem Manöverfelde von Ollioules mit vielem Geschick. Auclı Dr. Marlier hat jetzt den Flugsport aufgenommen, nachdem er einen Eindecker eigener Konstruktion fertig gestellt hat. Dieser - - Apparat ist mit einem 50 PS-Motor ausgestattet. Die Schraube, von 2,50 m Durchmesser, macht 900 Umdrehunge ı Ein Demulti- plikator soll eine Geschwindigkeit von 85 km in der Stunde er- niöglichen. Dr. Marlier, der auf einem Bleriot die Steuerung der Flugmaschine erlernt lat, will demmächst mit seinem Apparat Jlerauskommıen. Roger Sommer wird noch im Laufe dieses Monats die ersten Versuche mit einen Zweidecker vornelımen, der nach seinen eirenen Ideen gebaut ist: Der Apparat hat 40 Quadratmeter Traefläche und zwar sind die Flügel bedeutend weniger von ein- No. I _ „ FLUGSPORT. Seite d ander abstehend, wie auf dem Farman-Apparat Die Fläclıen- Wölbung ist etwas accentuierter als bei den bislıerigen Typen. Das vorn befindliche Gleichgewiclitssteuer ist aus einenı Stück, lıat 4 m Spannweite und wird durch einen rechts vom Piloten befindlichen Hebel mit doppelter Sicherung betätigt. Das zwischen den Flügeln und dem Schwanz plazierte vertikale Steuer wird durch Fußhebel in Funktion gesetzt. Der Einflächen-Schwanz von 2 m Länge und 3,50 m Spannbreite ist mit einer neuen und selır ingeniösen Vorrichtung versehen, welche denı Piloten ge- Fräulein Aboukaia, die frühere Radrennfahrerin in ihrem Sautos-Dumont-Flieger. Stattete, nachı Belieben, vermittels eines Jinkerlıand befindlichen Steuerrades, sowohl beim Abflug, sowie auch in vollem Fluge den Neigungswinkel jenes Schwanzstücks zu verringern oder zu erhöhen, je nachdem es der Augenblick erforderlich maclıt. Die Holzschraube befindet sich hinter den Tragflächen und wird durch einen 40 PS CGinom-Motor angetrieben. Das Chassis ist viel nie- driger, als das Farman’sche und ruht auf Rädern und Gleit- schienen. Eine der interessantesten Neuerungen des Sommer- Apparats, die er auchı soeben patentiert hat, ist die Möglichkeit, den Umfang des Apparats naclı der Landung auf die zwei Haupt- flächen zu beschränken, die alsdann niclıt mehr als 2 Meter Breite haben, nachdem sich Equilibreur und Schwanzstück ınit großer Seite 10 „FLUGSPORT.“ No. 1 Leichtigkeit transversal gegen sie angelegt haben. Der ganze Apparat wiegt zwischen 350 und 400 kg; er soll in der Ebene von Douzy, einige Kilometer von Mouzon entfernt, zuerst erprobt werden. Der eigentliche Pilot dieser Maschine wird Henri Visson werden, während Sommer sich in Zukunft dem Apparate- Bau widmen will. In einem der letzten Pariser Berichte war bereits der Neu- seründung eines „Syndikats der Aviation“ Erwähnung getan. Aus den inzwischen aufgestellten Satzungen dieser Interessen-Vereini- gung seien die wesentlichsten hier wiedergegeben: 1. Die Be- ziehungen der Kameradschaft und Harmonie zwischen allen Aviatern zu pfleren. 2. Die ökonomischen, industriellen und kommer- ziellen Interessen zu verteidigen. 3. Die Verbindung mit den Aero-, Automobil-Clubs und mit anderen französischen und aus- ländischen Gruppierungen, mit französischen und ausländischen Organisationsgesellschaften von Meetings, Ausstellungen u dergl. lıerzustellen und alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um gegenüber allen solchen Vereinigungen die Interessen der Mit- glieder, wenn dies nötig ist, zu vertreten. 4. Den Mitgliedern alle notwendigen Aufklärungen zu geben, um ihnen inihren pro- fessionellen, industriellen und kommerziellen Beziehungen behülf- lich zu sein. 5. Die Kosten gerichtlicher Angelegenheiten für die Mitglieder dadurch zu verringern, daß besondere juristische Kom- missionen die Streitifragen prüfen und die notwendigen Schritte ausführen. 6. Alle ökonomischen Maßnahmen und gesetzgeberischen Reformen, die den Interessen der Mitglieder förderlich sein könnten, zu prüfen, deren Verwirklichung zu betreiben, alle sportlichen Reglements zu übernehmen. 7. Alle Eingaben und Beschwerden der Mitglieder genau zu prüfen und über die sich daraus ergeben- den Schritte zu beschließen. 8. Alle Bestrebungen, die auf die moralische, intellektuelle und professionelle Förderung der Mit- glieder abzielen, eifrigst zu unterstützen, sowolıl durch Lehrkurse, onferenzen, sowie durch Einrichtung von Bibliotheken, Organi- sation von Bewerben, Ausstellungen, Zuteilung von Prämien und Vergütungen und durch alle sonst geeignet erscheinenden Mittel. 9, Auf Errichtung einer groben Unterstützungskasse hinzuwirken, die den Mitgliedern bei Krankheit und in Notfällen an die Seite tritt, Versicherungen gegen Unfälle, Arbeitsunfähigkeit, Krankheit usw. übernimmt, ohne dazu die eigenen Mittel des Syndikats in Anspruch zu nelımen. 10. Den Mitgliedern, die von beruflichen Unfällen betroffen werden, Beistand aus den Mitteln des Syndikats zu gewähren. Wie man sieht, ist das Programm, das sich diese neue Ver- einigung stellt, ein so sympatisches, daß man wünschen möchte, daß sich sämmtliche Aviater anschließen; denn selbstverständlich läßt sich nur durch die Zusammenfassung aller Kräfte ersprieß- liches leisten. RI No. 1 „FLUGSPORT." Seite Il Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Der hervorragendste und erfolgreichste Flieger für das Jalır 1910 verspricht C. S. Rolls zu werden. Mit reichen Mitteln aus, gerüstet — sein Vater trägt jetzt den Titel „Lord Llangattock* — hat er sich jetzt dem Flugsport mit demselben Eifer und derselben Energie hingegeben, mit welchen er vor einigen Jahren den Motor- sport aufnahm. Am 21. Dezember machte er von Shellness aus, wo sein Wright-Aeroplan von der Firma Slıort Brotliers repariert war, einen 24 km langen Flug nach Eastchurch und schloß den Flug mit mehreren Rundflügen ab, um zu zeigen, daß er völlig Herr seiner Maschine sei und nur absteige, weil die große Kälte seine Finger erstarren machte. Am 30. Dezember machte er zum Abschluß des alten Jahres einen längeren Flug in Eastchurch, der Sich auf 77 km ausdehnte.e Am Nachmi.tage desselben Tages trug er 20 Minuten einen Passagier, wobei er die Maschine vö lig unter Kontrolle hatte; und zur Eröffnung des neuen Jahres, am 1. Januar, machte er in Shellbeach unter starkem Winde einen Flug, der an Lathams berühmten Flug in Blackpool erinnern konnte. Die Maschine schwankte und stampfte in bedrohlicher Weise und wurde vom Winde von der Bahn weit abgetrieben, aber dem Piloten gelang es, sie immer wieder in die rechte Lage und Bahn zu bringen. Beim Fluge vor dem Winde erreichte er bisweilen eine Geschwindigkeit, die auf über 90 km per Stunde eschätzt wurde. Dieser Wagemut Rolls erinnert an seine Fr- alırungen als Motorfahrer, wobei sein Wagen mehrere Male um- gekippt und zweimal verbrannt ist. Aber er hat schon jetzt den uf als bedeutendster Flieger Englands und übertrifft auch Cody, wobei jedoch zu gunsten des letzteren zu bemerken is’, daB Rolls eine fertige und vollkommene Maschine, die Wright-Maschine, übernahm, während Cody seine Maschine von Anfang an selbst entwickelt hat Am 29. Dezember machte Cody den Versuch, noclı vor Jahresabschluß den Preis für den Flug von Liverpool nach Man- chester zu gewinnen, jedoch vergeblich. Der Anfang ließ sich - gut an; die Maschine erreichte mit Leichtigkeit eine Höhe von 30 m und flog mit ungeheurer Schnelligkeit. Aber der Nebel, der den ganzen Morgen geherrscht hatte, verdichtete sich immer mehr, und in der Nähe von St. Helens sah Cody sich plötzlich vor Te- legraphendrähten, die er infolge des Nebels vorher nicht beachtet hatte. Da es zu spät war, die Drähte zu überfliegen-- mußte er niedergehen und den Versuch abbrechen. Von den 60 km, welche die Entfernung zwischen Liverpool und Manchester ausmachen, hatte er etwa ein Drittel glücklich durchflogen. Cody hatte die Absicht, den Versuch in den nächsten Tagen zu wiederholen doch ist aus dieser Absicht nichts geworden‘ Noch unglücklicher verlief der Flug Ogilvie’s in Rye am 17. Dezember. Sein Zweide.ker stürzte aus einer Höhe von etwa 45 ın herab und ging vollständig in Trümmer, während der Flieger selbst schwere Kopfverletzungen erlitt. Auf dem Flugplatze des Aeroklubs auf der Insel Slıeppey Seite I2 „FLUGSPORT“. No. I iliegen außer Rolls auch die Herren Maurice Egerton und Franc MacClean, die beide gute Fortschritte machen; der letztere machte anmı 30 Dezember einen guten Flug von 7 km. Zu den beiden bislıerigen Flugplätzen in England, demjenigen des neroklub und demjenigen der Aeronautical Society, ist jetzt der Fluggrund in Brooklands gekommen. Da Brooklands von London aus bequem zu erreichen und eine unabhängige kommerzielle Unternelimung ist, so wird dieser Flugplatz sehr bald bevorzugt werden. Einige Schuppen, die von Fliegern gemietet werden können, sind sclıon erbaut, andere sind in der Errichtung begriffen. Drei Flieger haben dort sclıon ihren Uebungsplatz gewählt, Mr. H. J. D. Astley mit einer kleinen selbsterbauten Maschine, die dem Antoinettemnodell gleiclhıt, Neale mit seiner Bleriotmaschine, und Moreing mit seiner Voisin- Masclıine. Es bestelıt die Hoffnung, daß auch der Rennplatz von San- down Park, der sich in unmittelbarer Nähe Londons befindet, in derselben Weise dem Flugsport zugänglich gemaclıt wird. Ein in Fambridge gebauter Monoplan wurde vor kurzeni von dem Erfinder, Mr. Mac Fae über Maplin Sands gepflogen. Zum Betrieb dient ein Acht-Zylinder-Motor (35 HP) mit Luftkülı- lung, von J. A. Prestwich. Zwischen dem Hauptplan und dem Schwanzruder sind zwei kleine Schwingen, sodaß die ganze Hebefläche 200 Quadratiuß beträgt. Der Propeller am Vorder- ende gibt eine Kraft von 200 engl. Pfund; die Geschwindigkeit wird auf 35 Meilen (56 km) per Stunde berechnet. Die Länge ist 22 Fuß, das Gewicht mit Flieger 625 engl. Pfund, darunter 200 Pfd. für den Motor. 40 Liter Benzin können in einem Tank hinter dem Platze des Fliegers mitgefülrt werden. Da in der Sitzung der Federation Aeronautique Internationale in Paris am 10. Januar die Daten für die internationalen Flug- sportveranstaltungen für 1910 festgesetzt werden sollen, so fordert der Aeroklub von Großbritannien und Irland jetzt durch die Zeitungen Öffentlich alle Korporationen, die in England einen in- ternationalan Flugsport-Wettbewerb veranstallen wollen, auf, dem Club ihre Wünsche bis zum $8. Jannar mitzuteilen; der Club würde sich dann bemühen, diese Wünsche in Paris durchzu- setzen. Soeben kommt aus Paris die Nachıriclit, daß Blertot nıelirere Aeroplane an die englische Regierung verkauft hat. Weiteres ist darüber bisher nicht bekannt geworden. Selbsttätig wirkende Flugmaschinensteuerung. Das Hauptaugenmerk der Flugmaschinenkonstrukteure war bislıer in der auptsaclhıe darauf gerichtet, die Flugmaschinen be- züglich ihrer Fliegedauer und ihres Tragvermögens zu verbessern. Den Bedürfnissen, die Handliclhkeit zu vervollkommnen, z. B. durcli Zusammenlegen von Flügeln etc., hat man verhältnismäßig noch wenig Beachıtung geschenkt. Erst neuerdings lıaben außer Re- gierungsrat Hoffmann auch verschiedene französische Konstruk- No. 1 „FLUGSPOR. Seite 13 teure solche Konstruktionen lıerausgebrachit. Ein selır wichtiges Verbesserung bedürftiges Moment bildet weiter die Handhabung der Steuerung. Der Flugmaschinenführer muß unausgesetzt die Lage des Fliegers zur Horizontalen neben der Flugrichtung mit äußerster Anspannung seiner Nerven beobaclıten. Bei nichtstabilen Maschinen, wie beim Wrigthflieger, kann die geringste Unauf- merksamkeit zu einem Sturz führen. Die Wright's lıaben das längst erkannt und konstruieren seit längerer Zeit an einer auto- matischen Steuerung. Auch ie Wrights haben hierbei sofort er- kannt, daß die Stabilität nicht allein aus der Tragflächenform und Anordnung derselben. um die Oekonomie des Auftriebsvermögens nicht zu beeinträchtigen, gewonnen werden kann. Auf die ver- schiedenen Nachteil< der Stabilisierung durch die Anordnung der Tragflächen und deren Profile hier einzugehen, würde zu weit führen. Wie schon oben erwälhnt, sind die Anforderungen in der Handhabung der Steuerung in den 3 Dimensionen an einer Flug- maschine sehr groß. Man hat daher versucht, die beständige Be- wegung von 2—3 Hebel durch Hände und Füße wegfallen zu lassen und den Flieger bei normalem Pendeln durch eine besondere Einrichtung automatisch in seine Gleichgewichtslage zurückzu- bringen. ol Neuerdings hat Ingenieur Franz Drexler in Zürich versucht, die Erfahrungen auf dem Gebiete des Regulatorenbaues, auclı auf die Flugtechnik zu übertragen und hat eine Steuerung, wie Sie im Maschinenbau verwendet wird, nämlich unter Zuhilfenahıne einer ventilgesteuerten Hilfskraft-Zwischenschaltung konstruiert. In Nach- stehendem ist zur Erläuterung die autornatische Reguliervorrichtung in einen Bleriotflieger eingebaut. Im Prinzip bleibt dieser Regu- liermechanismus für andere Flugmaschinen der gleiche, nur daß sich einige Anordnungsdetails ändern. Der Einbau eines solchen Regulierappa:ates in den Bl£riot- fieger ist in den Abbildungen 1, 2 und 3 auf Tafel I dargestellt, während in den rechts unten befindlichen Abbildungen 4, 5 und 6, welche mit Zahlen bezeichnet sind, die Konstruktion der auto- miatischen Steuerung detailliert wieder gegeben ist. Vollständig unabhängig voneinander sind die Reguliermecha- nismen für das Höhensteuer links und_die für die seitliche Stabilität und das Seitensteuer rechts vom Fülrrersitz (in der Flug- richtung geselien) angeordnet. Je nachdem der Flugapparat steigen oder fallen und damit langsamer oder schneller fliegen will, wird ein steliendes- Pendel H}, — dem Tiägheitsausschwung der Pendelmasse, dem sich ver- drehenden Aufhängepunkt und dem sich ändernden Luftdruck auf das breitgestellte Pendelgewicht entsprechend — mit oder gegen die Fahrrichtung mehr oder weniger ausschlagen un! damit ein entlastetes Ventil 3 betätigen, welches den Preßölzu- oder abilul in den einfach wirkenden, durch Federdruck ausgeglichenen Servomotorzylinder 4 beeinflußt. Will man num den Flugapparat in eine andere Höhe bringen, so hat ınan nur durch ein kleines Hebelchen 2 den Pendelaufhängepunkt unı einen gewissen Brucli- teil der Ventilhublänge vor- oder rückwärts zu verschieben Je Seite 14 „FLUGSPORT.“ No. I nach der Stellung dieses arretierten und leicht auslösbaren Hebel- chens bewegt sich die Flugmaschine horizontal oder in einer um einen bestimmten Winkel naclı oben oder unten gerichteten Bahn, und sobald der Flieger aus irgend eirenı Grunde diese vorge- schriebene Rıchtung verlassen will, wird er automatisch durch den Pendelausschlag wieder in seine Norimalfluglage zurückgeführt‘ Zur Komplettierung des Höliensteuermechanismus gehört dann des weiteren noch bei der gewählten Anordnung das Rück- führgestänge 5, das über das Kettenrad 7 laufende Rundgang- kabel 8, an welchem die Steuerseile 9 angreifen, und das aus- und einrückbare Handsteuerrad 6 für den Fall eines Motordefekts. Der Steuerstift des Ventils 3 besitzt zur Dämpfung der Pendel- sclıwingungen Federaufhängung. Ein stabiles, rechtwinklig zur Falırtrichtung schwingendes Pendel 10 reguliert rechtsbord des Chassis durch ein Drehventil 12 den Oelzu- und Abiluß zu einem zweiten Steuerzylinder 13, an dessen Kolbenstange vermittels des über das Kettenrad 16 führenden Rundlaufkabels 17 die Schnüre 18 für die Verwindung der Tragflächen oder für die besonders angebrachten Stabilisie- rungsflächen anschließen, so daß auch hier, analog dem Vorgang beim Höhensteuer, der Apparat, sobald er sich nach rechts oder links neigen will, automatisch in seine norııale Fluglage zurück- gezwungen wird. Ein am Rückfülirgestänge 14 sitzendes, mit dem im Ventilinnern drelıbar gelagerten Steuerhohlzylinder in Verbindung stehendes Schalthebelchen Il gestattet eine Verschie- bung der Oeldurchflußöffnungen iin Ventil ohne Beeinträchtigung des Pendelausschlagwinkels, sodaß z.B. bei Seitenwind der Flieger wie notwendig schräg gegen den ankommenden Wind gestellt werden kann und durch die vom Pendel etwa herbeigeführten Bewegungen der Stabilisierungs- oder Verwindungsflächen stets in dieser Schräglage erhalten wird. Für Regulierung von Hand läßt sich das Steuerrad 15 eimücken. Zwei gegenläufige Dämpfungsfedern befinden sich in dem Gehäuse 19, welches drelıbar ist und in dessen Außenzahnung das Schneckenrädchen 23 eingreift. Das Steuerkabel 21 des Seiten- steuers läuft über die Kettenscheibe 20 und wird durch das Hand- rad 22 betätigt. Bei einer Verdrehung dieses Rades wird aber infolge des Schneckenradeingrifis gleichzeitig durch künstliche Spannung resp. Entspannung einer der Dämpfungsfedern das Stabili- sierungspendel gezwungen, der Seitensteuerverstellnng entsprechend auszuschlagen, so daß je nach der Schärfe der zu beschreibenden Flugkurve auch die Tragflächen_aus ihrer normalen Fluglage heraustreten. Die Gefalır eines Kippens beim Wenden ist da- durch ausgeschlossen, ohne daß .das Pendel am Ausschwingen liierbei verhindert würde. Versagt etwa der Motor im Fluge, so erfolgt die Seitensteuerung durch den Fußhebel 24, während, wie erwähnt, Höhenlage und Balance durch Betätigung der Hand- räder 6 und 15 gesichert ist, . Bei geradem, regelmäßigen Horizontal-Vorwärtsilug braucht also der Lenker eines automatisch regulierten Flugapparaies keinerlei Steuerbewegungen zu maclıen; will er auf- oder absteigen, so lıat er nur das Hebelclien 2 für einen Moment zu bedienen ; No. I „FLUGSPORT." Seite 15 herrscht Seitenwind, so stellt er entsprechend dem vom einfallen- den Wind un I der Falırtrichtung gebildeten Winkel das Hebel- chen H um; will er eine Kurve beschreiben, so betätigt er aus- schließlich das Handrad 22. Der Regulierungsmechanismus ist in kurzer Zeit betriebs- fähig. Man läßt den Motor kurz anlaufen, stellt nach Erzeugung des nötigen Oeldrucks die Steuerhebelchen so um, daß der Servo- motorkolben die eingezeichnete Mittelstellung einnimmt und alle Steuerflächen nunmehr nach beiden Seiten ausschlagen können. Dann kann der Aufstieg beginnen. .. Die zur Steuerbewegung erforderliche Hilfskraft ist verhält- nismäßig sehr gering, so daß ohne wesentliche Vergrößerung die mit dem Motor gekuppelte Schmieröl-Umlauipumpe auch den Gesamtbedarf der auf ca 3 Aatm. gepreßten Druckflüssigkeit (bei vollgefüllten Steuerzylindern höchstens 2 Liter) anliefern kann. Das Mehrgewicht durch den Einbau dieses Regulierapparates soll 10 bis 15 kg nicht überschreiten. Flugtechnische Rundschau. Inland. Hans Grade hat sich, wie bekannt, auf dem Fiugfelde „Mars“ nieder- gelassen und richtet daselbst seine Flugmaschinenfabrik ein. Mit der Fabrikation ist bereits begonnen worden. Grade ist indessen weiter bemüht, seine Apparate zu vervollkommnen. Am 1. Januar machte er einen Flugversuch, wobei er in einer scharfen Kurve mit dem linken Flügel den Erdboden streifte und seine Maschine beschädigte. Grade wird voraussichtlich an der Flugwoche von Cairo teilnehmen. Flieger Haves. Ingenieur Haves hat bei dem Halleschen Automobilwerk Lauer einen Flieger in Auftrag gegeben. Das Flugzeug, dessen Erfinder der Ingenieur Paul Haves ist, wird als Eindecker konstruiert. Es ruht auf Rädern, hat vorn die Hauptantriebsschraube, seitlich vier Manövrierschrauben und trägt die Höhensteurung zwischen Hauptantriebsschraube und Tragfläche. Die ganze Länge beträgt 14 Meter, die Tragfläche mißt 30 Quadratmeter. Flieger Röttges. Hans Röttges aus Bremen läßt bei der Fliegerbauanstalt von Pega und Emich in Griesheim einen Drachenflieger bauen. Der deutsche Militär-Flugapparat ist bekanntlich von Regierungsbau- meister Hoffmann, 2. Zt. in Charlottenburg, konstruiert und gebaut worden. Der Flieger wurde in der Montage fertiggestellt und der 50 PS von der deutschen Firma Palous & Beuse erbaute Motor Bremsversuchen unterworfen. Die Flug- versuche sollen, sobald sich die Witterungsverhältnisse gebessert haben, beginnen. Die Gebr. Schirrmeister haben bei Königsberg i. Pr. Gleitflugversuche mit einem Zweidecker ausgeführt. Es wurden Flüge bis zu 20 m erzielt. Kätchen Paulus hat sich eine Bleriot-Maschine beschafft. Zurzeit wird der Flieger nach Deutschland gebracht, wo Kätchen Paulus als erste deutsche Fliegerin debutieren wird. Seite 16 „FLUGSPORT“. No. 1 Otto und Paul Timm probieren zurzeit in Johannisthal ihren 175 kg schweren Eindecker. Die bisherigen Versuche haben gute Resultate ergeben Ausland. Lehrapparate für Flugmaschinenführer. Für lernende Flugmaschinen- führer ist es von Wichtigkeit, dass sie sich, bevor sie sich in die Luft erheben, vorher an den Luftzug, und an die grosse Geschwindigkeit, insbesondere bei schnell fliegenden Apparaten, gewöhnen. Pisher begnügte man sich damit, dass EEE Lehrapparat für Santos-Dumont-Flieger. Der Schüler muß sich zunächst an Luftzug und hohe Geschwindigkeit gewöhnen. man’ den,Flieger mit einer kleineren Schraube versah, welche den Apparat auf dem Boden dahin rollen liess. Dass der Flieger dabei allen mög- lichen Unfällen ausgesetzt ist, ist selbstverständlich. In Frankreich bedient man sich neuerdings besonderer Lehrmaschinen, die keine Tragflächen besitzen und sehr stark gebaut sind. Die neben- stehende Abbildung zeigt einen solchen Lehrapparat, wie er zur Ausbildung von Führern für Santos Dumont-Flieger benutzt wird. Das Fahrgestell ist besonders stark konstruiert. Ausser- dem besitzt die Maschine vorn noch einen Sporn, welcher das Ueberstürzen des Apparates verhindert. Der Schüler übt auf dem Terrain das Kurvenfahren und beginnt, nach- dem er hierin genügend Sicherheit erlangt hat, mit den Fiugversuchen. Santos Dumont unternahm am >. Januar auf dem Flugfeld in Saint- Cyr mehrere Aufstiege mit seinem neuen Modell. Bei diesem Flieger Fräulein Dutrieu (in Fliegerkostüm) verwendet Santos Dumont einen So PS hat sich einen Santos Dumont-Flieger Motor. Der Pilot stieg bis zu einer rTeA.. .. «Po... 4 snunabe- ned „Flugsport“ ) En 52 US y SYABILTATS - Stuvem SYABLITATS : STEVE H t m ui Ir ’ ı ' | \ ' ' } i ı ı ' ‚ ‚ ’ ı 1 1 ı » Rn ” \ ı ı ' . fi f 1 } ’ + N Hl SEITEN 4 STamiLı var 1 neyyrlamum fi iM : [1 / si - - Bin i + q h — h 8 AESZIITIIWISSSIII ba a Tun pen Zn > Abb. 1. MOUan- Braven NOren- Breven ‚ Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine 1910. SEITEN - sraugn SIIEN- sTeven nirenstaugaung Döhemugulinung, N STemenDes MAnodL Arkummnsze LEGENDE: FAnRTRICHTNS Sun ömawerLuerung + Selbsttätig wirkende Flugmaschinen-Steuerung. Abb. 4,5 u. 6. Abb. 3. I AR Ur NÖHEN- REGULIERUNG seiren-k STABILITATS- REQLLUIERUNG, an; = FREtHERINgE) Se——ee r 7 1 13:5) EEE per \ v NH — ; Shbilian-# Belemegilie _ Noemisa;jinrs - [1 N& 22 sr. 232 sc KauaTRiuHTung 46 rwswenae LEGENDE: RoiseRserung No. 1 „FLUGSPORT." Seite 17 bald im Nebel. Nach seinem eigenen Bericht riß plötzlich in 25 m Höhe ein Spanndraht der Tragfläche, wodurch der Apparat nach einer Seite kippte und zu Boden glitt. Santos Dumont erlitt nur leichte Hautabschürfungen. Baronin de Laroche, die unseren Lesern bekannte Fliegerin, ist am 2. Januar in 5 m Höhe mit ihrem Voisin-Flieger gegen einen Baum geflogen und hat ihren Apparat demoliert. Die Fliegerin wurde hierbei aus dem Sitz geschleu- dert, wodurch sie einige innere Verletzungen erlitt. Gaubert hat mit seinem Wright-Flieger am 1. Januar in Prag eine Havarie erlitten. Um halb 3 Uhr stieg Gaubert auf und flog in einer Höhe von etwa 15 m 500 m weit. In der Kurve versagte plötzlich der Motor. Der Flieger glitt langsam herab und zerbrach sich, wie üblich, die Gleitkufen. Wie es scheint, hat der Motor nicht versagt, sondern Gaubert hat den Motor absichtlich oder unabsichtlich abgestellt. Fräulein Dutrieu hat sich einen Santos Dumont-Flieger beschafft und sucht sich zur Zeit mit der Führung des Apparates vertraut zu machen. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldung. 77h. H. 43939. Flugmaschine mit zusammenlegbaren Tragflächen. Jacob Christia Hansen-Ellehammer, Fredericksberg, Dänem.; Vertr.: Dr. A. Levy u. Dr. F. Heinemann, Pat.-Anwälte, Berlin SW. 11. 22, 6. 08. Gebrauchsmuster. 77h. 400049. Flugmaschine mit trichterförmigem Dach. Demeter Ricci, Straßburg i. E, Pariser Staden 1. 11. 10. 09. R. 25325. zrh. 400 141. Ballon- u. Gleitflugapparat. Heinrich Triefenbach, Klingerstr. 20, u. Carl Wilhelm Koch, Nibelungen-Alle 15, Frankfurt a. M. 14. 6. 09. K. 39359. 77h. 400330. Drehbare Luftschraube mit Fußbetrieb. Georg Roch, Berlin, Eisenacherstraße 103. 9. 10, 09, R. 25169, 77h. 400507. Gleitflieger mit zwei nach rückwärts gerichteten Propellern. Friedrich Heinemeyer, Treseburgerstr. 2, u. Carl Herold jun., Wulfhoopstr. 47, Bremen. 11. 11. 09. H. 43727. zrh. 402661. Flugapparat mit vogelflügelähnlichen Gleichgewichtsflächen und Schwanzende in T-Querschnitt. Johannes Dingler, Stuttgart-Wangen. Hedel- fingerstr. 32. 6. 12.09 D. 17316, zrh. 403538. Schraubenflieger Max Mannesmann, Remscheid-Blieding- hausen. 18 11. 09. M. 32430, Verschiedenes. Eine geheimnisvolle Flugmaschine, welche mit drei Leuten bemannt sein soll und zur Zeit über einigen Städten in Massachusetts, die auch des Nachts mit Scheinwerfern manövriert haben sollen, erregt großes Aufsehen. Ein reicher Einwohner von Worcester, Ballace E. Dillingham, behauptet, daß er diese Flug- maschine konstruiert habe und damit bereits von Boston nach New-York ge- flogen sei. Dillingham erklärt, daß er die beste Flugmaschine besitze, die zurzeit existiert. Er will, wenn er alle Einzelheiten seiner Maschine verbessert hat, an einem der nächsten Tage mit drei Mechanikern einen Flugversuch unternehmen. Die Maschine soll in der Lage sein, ein Gesamtgewicht von 300 kg zu tragen. Die in München gegründete Akademie für Aviatik wird in diesem Jahre bei der Station Puchheim Fliegerwochen veranstalten. In Puchheim werden sechs bis zehn Fliegerschuppen und die nötigen Baulichkeiten für einen Wirtschafts- betrieb erstehen. Das Publikum wird Gelegenheit haben, die Leistungen deutscher Seite i8 „FLUGSPOR“. No. I und ausländischer Flieger kennen zu lernen. Den deutschen Flugschifferfindern soll der Platz zur Prüfung ihrer Konstruktionen offen stehen. Außerdem ist die Errichtung einer Fliegerschule zur Ausbildung von Zivil- und Militärpersonen geplant. Als Termine für die Flugwochen sind die Tage vom 5. bis 12. Juni und vom 4, bis 11. September bestimmt. Die Mitglieder der Akademie haben auf dem Flugplatz jederzeit, auch während der Flugwochen, freien Zutritt. Mitglied kann jedermann gegen Zahlung eines Jahresbeitrags von 20 Mk werden. Die Anmeldungen können mündlich und schriftlich beim Generalsekretariat (Theatinerstraße 36/1) erfolgen. Für Nichtmitglider werden Dauerkarten zum Preise von 35 Mk. für die Flugwoche ausgegeben. Für das vielversprechende Unternehmen haben schon zahlreiche einfluß- reiche Förderer durch Uebernahme von verzins- und rückzahlbaren Anteilscheinen den finanziellen Grund gelegt. Zeichnungen von Anteilscheinen zu 500 Mk. nimmt der Vizepräsident der Akademie, Herr Kommerzienrat Waitzfelder, München, Prinzregentenstraße 48, entgegen. Ein Flugmaschinen-Rennen zwischen Petersburg und Moskau plant der Aero-Klub von Petersburg anläßlich einer flugsportlichen Veranstaltung in Peters- burg. Die Strecke soll ähnlich wie der französische Grand Prix zwischen Paris und Brüssel mit verschiedenen Zwischenlandungen zurückgelegt werden. Außer den namhaften Klubpreisen soll noch eine öffentliche Sammlung für weitere Preis- stiftungen veranstaltet werden. Internationales Flugmaschinenwettfliegen über den Genfer See. Nach Vereinbarung zwischen den Luftschiffervereinen Frankreichs und der Schweiz soll vom 19. bis 26. Juni zwischen dem Dorf Renan bei Lausanne und dem fran- zösischen Kurort Evian les Bains ein großes internationales Flugmaschinenwett- iliegen über den Genfersee auf seiner größten Breite stattfinden. Der Aufstieg soll auf schweizerischem, die Landung auf dem savoyschen Ufer stattfinden. Vfele Preise sind in Aussicht gestellt. Die Bedingungen für einen französischen „Kriegs-Flugapparat“. So- eben hat die französische Heeresverwaltung den Aviatikern Frankreichs die Be- dingungen übermittelt, unter denen sie einen „Kriegs-Flugapparat“ als Grundtyp für alle in Zukunft anzukaufenden Flugapparate verwenden würde. Der Kriegs- minister General Brun, der als eifriger Vorkämpfer des Flugapparates gilt, hat nach eingehenden Konferenzen mit Militärs- und Flugfachleuten folgende Be- dingungen festgesetzt: 1. Der Flugapparat muß im Stande sein, gegen einen Wind von 15 Metern anzukämpfen; 2. muß er unter allen Umständen zwei Mann tragen können, da einer die Führung des Flugapparates übernehmen muß und der andere Mann notwendig ist, die Aufzeichnungen zu machen (Bleriot hat sich zwar bereit erklärt, allein den Apparat zu lenken und zu gleicher Zeit die Auf- zeichnungen zu machen, im allgemeinen ist aber diese Kunstfertigkeit von den Fliegern nicht zu verlangen); 3. der F.ugapparat muß eine Landungsmöglichkeit im Schwebeflug zulassen; 4. der Flugapparat muß die Möglichkeit gewähren, von einer beliebigen Stelle, selbst auf dem schwierigsten Terrain, den Abflug zu be- werkstelligen; 5 der Flurapparat muß eine halbe Stunde lang in Höhen von 500 Metern über dem Boden und 1000 Metern über dem Meeresspiegel fliegen ; 6. es müssen an dem Flugapparat zur vollständigen Sicherung der Mannschaften zwei Motore eingebaut werden, von denen einer allein schon die Flugmaschine im Fluge zu erhalten im Stande ist. Flugapparate können bis zum 31. Mai zur . Prüfung eingeliefert werden. .. Geschäftliche Nachrichten. Aviatik G. m. b. H. Unter dieser Firma ist in Mülhausen in Elsaß am 10. Dezember eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung errichtet worden. Gegen- stand des Unternehmens ist die Herstellung und der Vertrieb, der An- und Ver- kauf von Flugapparaten und aller in diesen Geschäftszweig einschlagenden Artikel, sowie die Beteiligung an Veranstaltungen von Wettbewerben. Die Gesellschaft ist befugt, gleichartige oder ähnliche Unternehmungen zu erwerben, sich an solchen zu beteiligen oder deren Vertretung zu übernehmen. Das Stammkapital beträgt 30000 Mark. Geschäftsführer ist Julius Spengler, Kaufmann in Mülhausen, No. I ; BORT un. „FLUGSPORT.“ Seite 19 TTTTTTT Die Fiugplatz-Gesellschaft Berlin i i \ J : “ 1 in ist reorganisiert j Johannista) ist gekindiel warden "Ten. ‚Sämtlichom Personal des Flugpiaten . digt v ‚ Das Kapita höht In den Aufsichtsrat sind eingetreten: Grat Sierstorpft u a mark erhöht m Aeroklub Hauptmann von Kohler Fü i sein, von welchen das erste an Pfingsten statten drei “lugmeetings Beplant Offizielle Mitteilungen des Vereins. Deutscher Flugtechniker Sitz Berlin. Gustav Lilien Ehrenmitglieder: ustav Lilienthal, Groß Licht Orville Wright, Dayton. erielde. Wilbur ‚Wright, Dayton. 1. yorsitzender Dr. Fritz Huth, Rixdorf . vorsitzender : Major von Parseval, Charl r Schriftführer : O. Schmal, Berlin S, W. 48 a yndikus: Rechtsanwalt Eschenbach, Berlin str 218, Beisitzer: Diplom-Ingenieur H. Dorner, Berlin Ingenieur J. Grade, Magdeburg. j Ober-Ingenieur H. Rosenstein, Elbing. Ingenieur Max Schüler, Chemnitz. Vorsitzender der technischen Ko Ober-Ingenieur Zix, Berlin. Vorsitzender der Platzkommission: km T. Jen A Kap an z. S. a. D. von Pustau. 7. var Tindet abends 8 Uhr di i D r die 19. V Vereins auhungen des Vorstandes ist es gelungen für die Me a S, erlin weilen, die Benutzung des Flugfeldes Mars ba B Ai n $ erlin zu sehr günstigen Bedin i 2 Ä gungen zu vereinbaren. Di i i i haben, auf dem Flugfelde „Mars“ Versuche zu Unterneh aeh, ge Absicht orstand hiervon Mitteilung zu machen. *n werden gebeten, a m ä ı are a ua || Gummi „_ teren mmission: Ungezwungene Zusammenkünfte, Wir bringen zur gefl. Kenntnis, daß für unsere Mitglieder in Berlin jeden Freitag ein Stammtisch im R ; Mitglieder von audık estaurant Heidelberger belegt ist. Wir bitt machen ieser Gelegenheit zur ungezwungenen Aussprache Gebrauch zu Studien-Gesellschaft für Aviatik. Breslau - Krietern % Kgl. Erdbebenwarte, Vorstand: 1. Vorsitzender: Ober-Ingenieur E. Schrader. 2. Ingenieur G. Winkler sen. 1. Schriftführer: Ingenieur W. Bruch. Sitzungen, zu denen die Einladungen schriftlich ergehen. finden Freitag, abends 8.30 Uhr statt. jeden Seite 20 „FLUGSPORT“ | No. 1 Mi - Offizielle V Mitteilungen EN E des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: 1. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. n Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civilng. © skar (prsinus. . wart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. . Kasiaer: "berleutnänt a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., - Bergweg 12. Beisitzer: Wittich. _ . Mitelied ammlung statt 17. Dezember fand im Savoy-Hotel eine Mitgliedervers . Der Verstzende, Herr Schubbert. ‚berichtete über die Arbeiten des Vorstandes seit Schluß der :lla.. Der?Verein ist der Kommission vür luesportihe ran mit 3 Stimmen beigetreten. Dieser Kommission gehören ferner an der Frankfurter Flugsportklub und der Frank- furter Verein für Luftschiff- fahrt. Mitglieder, welche sich an flugsportlichen Veranstal- tungen zu beteiligen ge- denken, haben vorher dem Mitteilung zu machen. Als Flugplatz ist vorläufig gemeinschaftlich mit den an- deren 2 Vereinen der Gries- heimer Exerzierplatz seitens derMilitärbehörde in dankens- werter Weise zur Verfügung gestellt worden. Nach umfangreichen Ver- handlungen erteilte 9 Uhr 45 der Vorsitzende Herrn Bö- ninger zu seinem Vortrag „Statische und dynamische Luftdruckmessungen“ das Wort. Der Vortragende, einer der versiertesten Flugtech- niker unseres Vereins, zeigte in einem einstündigen Vor- trag, wie es möglich ist, mittels primitiver Instrumente exakte Luftdruckmessungen vorzunehmen. Der Vortrag soll im Fiugsport den offi- ziellen Mitteilungen des Ve- reins demnächst veröffentlicht werden, damit den Mitgliedern jederzeit die Einzelheiten er- halten bleiben. Reichelt führt einen 72 m-Flug aus. Vorstand des Vereins hiervon No. 1 „FLUGSPORT." Seite 21 Es wurde ferner ins Auge gefaßt, bei den Vereinsfliegern derartige Mes- sungen vorzunehmen. Flugbericht. Unser Mitglied Reichelt-Dresden hat Ende vorigen Jahres von einem 16 m hohen Abflughügel einen Gleitflug von 72 m mit einem Euler-Flieger ausgeführt. Vereinslokal: Savoy-Hotel. Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 6 . . .... 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . Fernsprecher 3071 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 377 . . . 2.2... ....10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 10. . . » .2.2.2.2.2..10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 41 . . 2 2 2 20202..2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 . . 2 2 22 2002...3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 33. . . . . . 2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 21 . . . 2.2..2..%888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107_ . . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 43 on 9054 Beisitzer: Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 3. . . 2.2.2. 1166 Freiherr von Durant, Langendorf Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 . . . 2 2 2 22.2... 2%701 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1. . 2. 2 2 2.2..2....689 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14. . . 2 .2.2..2...9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . 0. 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . . . . 2701 bet Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. Die ordentliche Hauptversammlung, welche am Freitag, den 3. Dezbr. stattfand, erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches; ungefähr 60 Mitglieder waren erschienen. Unter Punkt 1 der Tages- ordnung wurde die seitens des Vorstandes beschlossene Aufnahme von insgesamt 48 neuen Mitgliedern bekannt gegeben. Aus dem ausführlichen Geschäfts- und Kassenbericht ging hervor, daß der Klub einen starken Aufschwung nimmt. Er ist heute auf die stattliche Anzahl von 138 Mitgliedern angewachsen, trotzdem er eine ganze Reihe früherer Mit- glieder verlor, oder aus seinen Listen streichen mußte, zum Teil weil von diesen auch auf Anmahnung die Beiträge nicht eingingen. Der oben angegebene Bestand darf daher als sicherer Mindestbestand betrachtet werden. . Mit dem Schlesischen Rennverein sind Verhandlungen wegen Ueberlassung eines Teiles der Pferderennbahn bei Hartlieb zu Uebungszwecken gepflogen worden, und der Platz wird voraussichtlich in Kürze zur Verfügung stehen. Ferner sind wegen Schaffung eines Luftschiffhafens, sowie mustergiltigen großen Flugplatzes mit allen notwendigen Einrichtungen Verhandlungen durch „FLUGSPOR!." No. I ierfür i sinschaft mit dem Schlesischen Verein für Luftschiffahrt ge- ae nn hteescnoß mit dem Magistrat, der Heeresverwaltung und privaten en beieae wurde auf 12 Mk. herabgesetzt und wird jährlich am Anfange des Geschäftsjahres erhoben. Für Studierende und außerhalb Schlesiens wohnende Mitglieder beträgt der Beitrag 8 Mk. Die Beitragspflichten sind ür alle in Schlesien wohnenden Mitglieder die gleichen. Die Herabsetzung tritt mi Besinn des neuen Geschäftsjahres, das ist der 1. Januar 1910, in Kraft. ” Die Neuwahlen des Vorstandes ergaben die obenstehende neue Zusammen- setzung. Herr Dr. Pfeiffer schied leider aus dem Vorstande aus, da er Bres au demnächst verläßt. Freiherr von Kloch, unser bisheriger sehr verdienter 2. vor sitzender, übernahm die Leitung der Geschäftsstelle des Klubs. Diese befin et sich Neue Schweidnitzerstraße 4 (Norddeutscher Lloyd) und erteilt bereitwilligs jegliche Auskunft. j . besriffenen ich der Klub als solcher an der in Gründung begriffen. Ostdeutschen Fginduetrie G. m b. H.“ mit einem Anteil beteiligt, wurde ein- stimmig angenommen. Mitglieder, die sich ‚persönlich an diesem Unternehmen beteiligen wollen, erhalten nähere Auskunft in der Geschäftsstelle. Von einigen Mitgliedern sind dem Klub 300 Mk zur Anschaffung eines Projektions-Apparates zu Propagandazwecken. eventuell aber auch zu anderer Verwendung gestiftet worden. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Erster Vorsitzender. Consul Hermann v. Passavant,, € Zweiter n 35 Dr. Alex Meyer, j Pesor v. 'Schey, ’ Schatzmeister. j \ Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Ehrenmitglieder: Der Kommandierende General des Excellenz von Eichhorn. Hubert Latham, Paris. "Als lebenslängliches Mitglied wurde aufgenommen: Walther v. Rath. Als ordentliche Mitglieder: Baron Louis v. Steiger, Wilhelm Mößinger, August Euler, Oberleutnant v. Gorrissen, Oberst Ilse, Polizeipräsident Scherenberg, . ter Schuster. j " ir außerordentliche Mitglieder: Prinz Albert v. Schleswig-Holstein Glücks- burg, Regierungspräsident Dr. v. Meister Wiesbaden. , Ueber den heutigen Stand und die Zukunfts-Aussichten der Fliege- kunst hielt am 6. ds. Mts. Dr Ing. Bendemann aus Berlin im kleinen Saal des Kaufrnännischen Vereins einen Vortrag. Flugbericht, itgli Zt. u n-den--Mitgliedern des Frankfurter Flugsportklubs erlernen z. Zt. 3 Herren die Steuerung von Flugmaschinen. Während Walter von Mumti auf seinem Antoinette-Apparat unter Latham’s Leitung in Reims bereits gute Flüge ausgeführt hat und voraussichtlich an der internationalen Flugwoche in Kairo schon aktiv teilnehmen kann, üben der Chef des Generalstabs des XV. Armee- korps Herr Oberst Iise und Herr v. Gorrissen auf dem Griesheimer Exerzierplatz bei Darmstadt auf Eulerapparaten. Herr Oberst Iise unternahm als Vorübung einige ausgezeichnete Gleitflüge; Herr v. Gorrissen in ca. Il m Höhe einen Flug von 32 Sekunden. . j kt Elup- Der Zweck des Klubs ist Pflege und Förderung des Fiugsportes mit Flug aschi ter Ausschluß jeglichen Ballonsports. Sch Anfragen und Briefe sind zu richten an Assessor Dr. Meyer, Frank- furt a. M., Beethovenstr. 23. 18. Armeekorps, „FLUGSPORT“. Seite 23 Offizielle Mitteilungen Vorstand: Vorsitzender: Schülle r, Bürgermeister a.D. Schriftführer: Heinrich Timmer ‚ Hafenbahnmeister ! Meiderich. / Schatzmeister: Heußer, Ingenieur. Gerätewart: Trutenau ‚ Maschinenmeister. Beisitzer: Redakteur Huhn. Vorträge. Ueber die Technik und Rechtslage der Wright-Patente wurde im Berliner Verein für Luftschiffahrt am Montag, den 3. Januar 1910 ein Vortrag gehalten, der in Bezug auf das Thema besonders interessant war. Der erste Teil, die Technik der Wright - Patente, wurde von Ingenieur E. Rumpler, dem Inhaber einer Luftfahrzeugfabrik, behandelt. Da die flugtech- nische Industrie heute in erster Linie daran interessiert ist, Klarheit zu haben, ob bezw. in welchem Umfange die Wrigt-Patente bestehen, war es eine glückliche Wahl, einen Vertreter der flugtechnischen Industrie zu Worte kommen zu lassen. Der juristische Teil der Frage wurde von Justizrat Dr. Richard Alexander- Katz behandelt. Rumpler führte aus, daß, obwohl die Frage der Wright - Patente in den letzten Wochen die Fachzeitungen stark beschäftigt habe, es dennoch wichtig sei, die Frage so lange zu erörtern, bis eine Entscheidung bezw. eine Einigung der Geister, von der heute noch nicht gesprochen werden könne, erfolgt sei. Rumpler hebt hervor, daß zunächst festgestellt werden müsse, daß die Wright - Patente und die Wright - Konstruktionen von einander in vielen Punkten Abweichungen zeigen, daß er sich aber nur mit der Besprechung der Konstruktion der Brüder Wright befassen werde. Er teilt ferner mit, daß es sich in der Hanptsache nicht um die Höhen- steuerung, sondern um die Quersteurung der Flugfahrzeuge handelt, die in Be- ziehung zur Seitensteuerung gebracht ist. Die Konstruktion der Brüder Wright Ist aus der Kenntnis hervorgegangen, daß es wünschenswert und in vielen Augenblicken des Motorfluges sogar unerläßlich sei, den einen Flügel der Flug- maschine zu heben, während der andere gesenkt werden müsse. Dieser dem Vogelflug abgelauschte Wunsch besteht nicht nur beim Kurvenflug, sondern auch in allen Fällen der Störung des seitlichen Gleichgewichtes, bei unrichtiger Lage des Schwerpunktes, bei einseitig auftretenden Böen etc. Diese Drehung des Flugzeuges wird bei den Brüdern Wright durch Vergrößerung oder Verkleinerung der Tragwirkung erreicht» die wieder durch die Veränderung der Flächenwölbung herbeigeführt werde. Das System dieser Wölbungsveränderung wird durch ein System von Schnüren erzeugt, die der Vortragende an einem 24. m großen, sehr lehrreichen Modell praktisch vorgeführt. Gleichzeitig mit dieser Veränderung der Tragfähigkeit der Fiächen tritt aber eine unbeabsichtigte, nicht gewünschte Nebenerscheinung auf, die darin be- steht, daß der Horizontalwiderstand sich verändert. Um dem entgegen zu wirken, müsse gleichzeitig das Seitensteuer verstellt werden. Seite 24 „FLUGSPORT“. No. 1 Rumpler führt nun eine Reihe von Nachahmungen der Wright - Patente im Lichtbilde vor und zwar zeigt er Konstruktionen, wie Antoinette und Bleriot, welche fast ebenso wie Wright eine Verwindung der Tragflächen vornehmen. Andere, z. B. Grade, verwinden nicht die normal geformten Tragflächen, sondern geben denselben eine Verlängerung, welche erst der Verwindung ausgesetzt wird. Andere, wie z. B. Farman und Hauptmann Ferber fügen der normal ge- formten rechteckigen Fläche eine scharnierartig angelenkte Zusatzfläche bei, welche nach auf- oder abwärts bewegt wird, während bedeutende englische und amerikanische Konstrukteure wie Curtiß und Cody vollständig von den Haupt- tragflächen getrennte Flächen besitzer, die zum Zwecke der Erhaltung der seit- lichen Stabilität verdreht werden. Der Vortragende stellt fest, daß im allgemeinen nur dann ein Eingriff in die Wright-Konstruktionen angenommen werden könne, wenn die Verwindung der Tragflächen gleichzeitig mit einer Versteliung des Seitensteuers Hand in Hand gehen. Dies festzustellen, sei aber sehr schwer, da die Fahrer der verschiedenen Typen natürlich keine Veranlassung haben, sich darüber auszusprechen und im Gegenteil bestrebt seien, die Tatsachen zu verdunkeln. Nach Ansicht Rumplers hat Wright das hervorragende Verdienst, als erster die Notwendigkeit der Erhaltung der seitlichen Stabilität erkannt zu haben und die Mittel zur Durchführung dieses Grundsatzes gefunden und mit großem Erfolg angewendet zu haben. Dieses große Verdienst der Brüder Wright werde auch in keiner Weise von der Tragweite und dem Gültigkeitsbereich der Wright- Patente berührt und seien die Brüder Wright, auch wenn sie gar keine Patente besäßen, den größten Genies aller Zeiten beizuzählen. Flugtechnische Literatur. Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT“, Frankfurt a. M. Hilfsbuch für den Luftschitf- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luftschiifen, Flugmaschinen aller Art ‚und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Dallwitz. Preis Mk. 4— Wie der Vogel fliegt und wie der Mensch fliegen wird von Ingenieur Wilhelm Kress. Preis Mk. 4.—. Motorballon und Flugmaschine von Major A. von Parseval, Berlin. Preis Mk. 1.—. Flugaprarate von Ingenieur Fritz Rost. Preis geb. M. 1.60. Der Vogelflug als Grundlage der Fliegerkunst von Otto Lilientha.. Preis Mk. 10.--. Leitfaden der Luftschiffahrt und Flugtechnik von Dr. Raimund Nimführ Preis Mk. 12.—. Luftkrieg von R. P. Hearne mit einem Geleitwort von SirH. Maxim. Preis Mk. 6.—. Wie der Vogel fliegt von Milla. Preis Mk. 1.—. Die endgültige Lösung des Plugproblems von Nemethy. Preis Mk. 2.--. Der Flug, ein auf der Wirkung strahlenden Luftdrucks beruhender Vorgang von -.. Dr. Emil Jacob, Kreuznach Preis Mk. 3.—. Der praktische F:ugschiffer von Dr. Wegener von Dallwitz: Preisgeb- Mk. 3: brosch. Mk. 2.—. Mechanik des Vogeliluges von Major A. von Parseval. Preis Mk. 5.—. In die Lüfte empor von Hauptmann von Krogh. Preis Mk. 1.-. Die Luftschiffahrt von Hauptmann H. Gross. Preis Mk. 0.30. Die Ortsbewegung der Tiere von Petigrow. Preis geb. Mk. 5.—. brosch. Mk. 4.-. Luftfahrten einst und jetzt von F. M. Feldhaus. Preis Mk. 2.—. Im Reich der Lüfte von A. Santos-Dumont. Preis Mk. 4.—. Eroberung der Luft von Gref Ferdinand von Zeppelin. Preis Mk. 0,75. Das Plugproblem und die Erfindung der Flugmaschine von Eugen Kreiß. Preis Mk. 2.80. Die Luftschiffahrt von Graf Ferdinand von Zeppelin. Preis Mk. 1.60, Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ (L’ Aviation) Le seul organe allemand traitant particuliörement les interdts de l’Aviation unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Representant pour la France: E, Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 62. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Sonnabend jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bel portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr —— Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 2. Frankfurt a. M., 22. Januar 1910. Jahrg. Il. Vom Brüsseler Salon. (Orginal-Bericht.) Wenn man schon durch die Reichhaltigkeit der Pariser Ver- anstaltungen verwöhnt war, so hatte man doch vor dem Besuch der belgischen Ausstellung, gewarnt durch die Mißerfolge der Frankfurter „ILA*“ auf flugtechnischem Gebiete, seine Erwartungen von vornherein etwas zurückgesclraubt. Ein Rundgang durch die Halle beweist indessen, daß der Flugtechniker mehr neues findet, als er erwartete. So sind außer dem bekannten Flieger von Antoinette zu nennen: Die Flieger von Henriot, der zwei Eindecker in verschiedenen Größen ausgestellt hat, die in ihrem Aeußeren dem Flieger von Antoinette ähneln. Neu ist die Konstruktion des Fahrgestelis, eine Kombination von Schlittenkufen und 2 Rädern. Die Steuerung wird durch 2 Hand- räder, ähnlich wie bei Antoinette, bewirkt. Die Ausführung des Apparates ist sehr solide. Der Eindecker von G. Goffaux besitzt ein eigenartiges, aus Stalılrohren hergestelltes Fahrgestell. Das hinten liegende Höhen- und Seitensteuer ist ähnlich wie bei Antoinette angeordnet. Die eigentümliclı konstruierte Schraube wird mittels Kettentrieb durch einen 35 PS-Motor angetrieben. Plıantastisch erscheint der Flieger von Hespel, bei welchem das Falırgestell gondelartig aufgeliäugt ist. Zur seit- . lichen Gleichgewichtserhaltung verändern die beiden Tragdecken, welche ein starres Ganzes bilden, relativ ilıre Lage zum Falır- xestell. EFTTLLLL, | Q Blick in den Brüsseler Salon. Abt. Flugmaschinen. Weiter sehen wir noch einen eigentümlich konstruierten Zweidecker von ba Mouette. Der Flieger älınelt der Konstruktion von Bleriot, nur daß noch zwei weitere Tragdecken über die unteren, ohne Strebenver- bindung, V-förmig angeordnet sind. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Wie in einem meiner letzten Briefe bereits angekündigt, war für den Beginn des neuen Jahres der Zusammentritt des Vor- standes der Internationalen Aeronautischen Föderation geplant, No. 2 „FLUGSPORT.“ Seite 27 der für dieses Jalır den Kalender der flugsportlichen Ver - tungen gemeinsam beraten und aufstellen Sollte. en lıatte diese Konferenz ja schon ihre Marschroute bekommen, denn + au: EOEREREEN — — ; VLIUSHOLZ LAPERIKE Vom Brüsseler Salon. [Flieger Henriot. Von oben: Flieger Goffanx. Flieger Hespel. in der letzten Konferenz im September 1909 ir | | ten | zu Zürich war bere als grundsätzlich entschieden worden, daß diejenigen Meines „FLUGSPOR destens 200,000 Francs an Preisen Beratungen de ero-Club de stürmischen, ja zeitwei Vorstandes der Internatio de um 2 Uhr nachmittags d Bonaparte eröfine (Deutschland), nalen Aeronauti- unter dein Präsi- Anwesend waren d Jacobs, de la Haulx tillon de Saint Victor, Paul W. Wallace (England), Hauptmann bert (Rußland). Die Sitzung des schen Föderation wur dium des Prinzen u. a. Proiessor Busley Graf de la Vaulx, (Frankreich), Ro Castagneri (Italien), Graf Lam ro-Club de France. — Jacobs — Professor Bussley — tillon de St. Victor. onautigne internationale im A& Graf de Lambert — Cast Prinz Roland Bonaparte Ulitz — Cloremont — Cas Sitzung#der Federation aer Von rechts nach Graf de la Vaulx — dem Vorschlage Frankreichs, ihm die Ta 28. Juli zuzuteile auf die Tage v dabei von einer er nspruch nicht abbringen. hland. Die Franzosen verschiedene Teil is 10. Juli) mit 200, s Aero-Club de Franc Als die Gegenpar die Frage zur 28. Juni bis zum “ die Forderung Englands war von diesem A bei von Deutsc Der Vertreter ekeit und ließ sich t wurde er da- machten geltend, dab ihr e zerfalle, und zwar: 000 Francs Preisen und 2A. Juli) mit 300,000 geben wollte, Abstimmung bringen zu freulichen Festi Meeting von Reims (3._b die Woche de Francs Preisen. erklärte der Präsident, tei nicht nac No. 2 „FLUGSPORT“. Seite 29 müssen, wobei natürlich Frankreich siegreich blieb, denn außer ihm mit seinen 2 Millionen Francs Preisen stimmten noch Italien (mit 500,000 Francs) und Belgien (mit 300,000 Francs) zusammen. Die Gegenseite bestand nur aus England mit 200,000 Francs, Deutschland mit 100,000 Francs und Dänemark, ohne Garantie- summe. Vorderhand schien die Angelegenheit durch Ueberstim- men der Minorität erledigt und man beendete die Beratungen mit Festsetzung der übrigen Daten, für die sich unter den beteiligten Ländern leicht eine Verständigung erzielen ließ. Nach einer kurzen Pause aber brachte England das Thema von neuem zur Sprache und mit anerkennenswertem Freimute erklärte Wallace, daß er seine Forderung trotz alledem aufrecht erhalten müsse. Der Vor- stand zog sich infolgedessen zu einer geheimen Beratung zurück und erklärte bei Wiederaufnahme der Verhandlungen, daß nun- nıehr alles nach Wunsch geregelt sei, indem man für England einige Tage zwischen die französischen Bewerbe eingeschaltet lıabe.e. Außerdem verkündete Graf Castillon den Beschluß, wonach das Bureau der Föderation entschieden habe, daß Mee- tings mit weniger als 200,000 Francs Preisen unter der doppelten Bedingung stattfinden Könnten, daß diese Bewerbe nur national seien und nicht mehr als insgesamt 50,000 Francs an Preisen zur Verteilung bringen dürfen. erren dieses Beschlusses, durch den die Franzosen ihr „Monpol“ bedroht sahen, erhob sich neuerdings eine lebhafte Diskussion, der Prinz Bonaparte durch Schluß der Verhandlungen ein Ende bereitete. Aber die Franzosen wollten sich mit dem Teilerfolge nicht zufrieden geben; sie hielten unmittelbar hinterher in einem andern Saale des Aero-Club in Gemeinschaft mit den ihnen zustimmenden Delegierten eine Sitzung ab, in der sie einen flammenden Protest gegen den Beschluß des Vorstandes redigierten, angeblich, weil durch diesen Beschluß die Konkurrenz der „kleinen“ Veranstal- tungen, durch welche die großen Meetings schwer geschädigt würden, geradezu begünstigt werden. Sie erklärten ierner, daß unter diesen Umständen sie die be- kannt gegebenen Garantiesummen, die unter ganz bestimmten Voraussetzungen gezeichnet worden waren, nicht mehr aufrecht erhalten können und verlangten, daß der zweite Beschluß des Vorstandes aufgehoben werde. Das Präsidium der Föderation nahm den Protest sofort ent- gegen und trat in eine neue Beratung ein. Nach einiger Zeit wurde als deren Ergebnis verkündet, daß man sich dalıin ent- schieden habe, daß „an denjenigen Daten, welche für die inter- nationalen Meetings durch denKatender sanktioniert seien, andere Meetings nur dann organisiert werden dürfen, wenn die zur Ver- teilung gelangenden Preise höchstens die Summe von 50,000 Frs. erreichen und daß solche Meetings ausschließlich für Piloten des eigenen Landes offen seien“. Damit haben die Franzosen also tatsächlich erreicht, daß man für sie die lästige „kleine“ ausländische Konkurrenz einfaclı totgeschlagen hat. Allerdings werden sie sich noch derjenigen ini eigenen Lande zu erwehren haben, die ja bekanntlich bedeutend zahlreiclier und wesentlich „lästiger‘‘ sein wird. No. 2 Seite 30 „FLUGSPORT. u: , Kla- trhus-Sieg der Franzosen ist in Iıohem Maße be senswerl dem er entspricht keineswegs den Interessen der inter- nat ı ie denn überhaup! bei den Verland ungen nentlich bei dem Verhalten der iranzoSIS er die "Förderung der internationalen fugsportlichen InieT icht als Richtschnur gedient zu haben SChemt. ae Rücksicht schein! für die Herren maßgebend ewesen zu sein, wie man den „Meetings“ und „Doppelwochen“ die mögliclS R . in fast iliet: Es ist doch im höchsten Maße beklagenswert, ja Beschämend, daß Deutschland nicht einmal forderliche Summe von 200,000 Francs aufgebracht hat, um auch n en einziges Meeting mit exklusivem Datum für sich verlange können. Es heißt das also, daß die junge, mit So erfreulie ‚em Elan aufgekommene Flugsportbewegung ın Deutschlan sic 1, zwar nicht von kleinen, lokalen Veranstaltungen, aber von ie er umfangreicheren flugsportlichen Demonstration von internationaler Bedeutung für die Dauer eines Jahres ausgeschlossen hat. v Der für 1910 aufgestellte Kalender enthält nun folgende Ver- i en: anstaltung bis 25. April: Nizza, 250,000 Francs. 10. bis 16. Mai: Berlin, ohne Exklusivität. 20. bis 30. Mai: Verona, 210,000 Francs. 5. bis 15. Juni: Budapest, 600,000 Frans. 18. bis 24. Juni: St. Petersburg, olıne Exklusivität. 28. Juni bis 10. Juli: Reims, 200,000 Francs. . Juli: England. 14 bis IN Jul Automobil-Club de France, 200,000 Francs. 24. Juli bis 4. Augus: Belgien, 200,000 Francs. i . August: England. est bis 4. September: Deauville, 240,000 Francs. 8. bis 18. September: Bordeaux (Große Woche des Aero Club), 200,000 Francs. 24. September bis 3. Oktober: Mailand. 18. Oktober bis 2. November: Amerika . .. (18. bis 25. Oktober: Gordon Bennett für sphärische Ballons und Lenkballon-Wettbewerb; 26. Oktober bis 2. November: Aviationsbewerbe und Gordon-Bennett für Acroplane) Meet Last ußerdem finden eine größere Anzalıl von Meetings In Tas „allen ändem statt, die kleineren ges sind. Für Frankreich ‘z. B. sind geplant: 27. März bis 3. April: Cannes; . 26. März is 1. April: Tours; 7. bis 9. Mai: Bordeaux; 14. bis 22. Mai} yon; 5. bis 12. Juni: Vichy; 12. bis 27. Juni: Juvisy; 24. bis 31. Jul Caen; August: Fernflug un am „Main -Preis; 21. bis 28. August: jarritz; is 13. Oktober: Juvisy. Biarritz; 0850 wie ersichtlich, in Frankreich auch im laufen- den Jalıre, eifrig fortgemeetingt werden und was anderwärts bedauerliclerweise ganz vernachlässigt wird, wird Iier m U er triebeneın Maße zu Wege gebraclıt Mit den Meetings lıaben die Franzosen eine viel zu leichte Hand, und wir lıaben erst neuer- No. 2 „FLUGSPORT“ Seite 31 dings wieder derartige Veranstaltungen siclı abspielen selıen, für die weder die Organisatoren, noch die Aviater gerüstet waren. Hier glaubt jeder, dem einmal ein Flug von einigen Metern ge- lungen ist, er müsse zu seinem hölıeren Rulıme ein Meeting maclıen. Anders sind die eklatanten Mißerfolge der letzten Tage nicht zu erklären. Nicht nur inländische Meetings werden von völlig unerfalırenen Anfängern besuclit, sondern auclı in das Aus- land schickt man sie, wo sie naturgemäß der Popularisierung der Aviation mehr schaden als nützen müssen. In Issy-les-Moulineaux sind außer den bekannten Aviatern, wie Rougier, Jacques de Lesseps, Vendome und Kauffmann noch einige neue Adepten aufgetaucht, von denen Nieuport auf einem Aeroplan seiner eigenen Konstruktion ein glückliches Debut lıatte. Es ist dies ein kleiner, selır eleganter Eindecker von großer Flug- geschwindigkeit, der mit einem 30 PS Darracq-Motor ausgestattet ist und bis auf 80 km die Stunde kommt. Sein Totalgewiclıt be- trägt 200 kg. | Ein interessantes Experiment machte Rougier dieser Tage. Er stellte in 150 Meter Höhe die Zündung ab und vermoclite in sicherem Gleitfluge mit seinem Voisin-Zweidecker, der jetzt übri- . gens einen E.N. V.-Motor hat, zu landen, Das Aerodrom, das durch den beklagenswerten Tod des sympathischen Delagrange, über dessen Unfall bereits in der letzten Nummer des „Flugsport“ berichtet wurde, in Trauer ver- setzt worden ist, hat seitdem die Flugexperimente nicht wieder aufgenommen. Das Aerodrom von Juvisy hatte zum Zeichen der Trauer für Delagrange seine Pforten einige Tage geschlossen. Eine in die Wege geleiteteSubskıiption für ein dem Verstorbenen zu setzendes Denkmal hat überraschende Resultate gehabt. Während in Juvisy Köchlin jetzt mit mehr Glück operiert, hatte Canton neulich das Malheur, nit seinem Apparat infolge eines falschen Manövers umzuschlagen. Der Pilot blieb unver- letzt, aber die Maschine ging in Trümmer. In Chalons gab es einige sehr interessante Sensationen. Hubert Lathham hat noch kurz vor seiner Abreise nach Heliopolis von sich reden gemacht. Er flog dieser Tage mit seinem Antoi- nette-Eindecker in 1000 Meter Höhe. Diese Leistung ist, wie alle Sachkenner betonen, eine außerordentliche und für die Aviation viel versprechende. Und wenn man dazu berücksichtigt, daß, wie Telegramme aus Amerika besagen, Paulhan zu Los Angelos sogar Hölıen von 1380 und 1520 Metern erreicht hat, so ist das ein schöner Beweis dafür, was man von der Aviation, wenn leider sie auch einige unausbleibliche Opfer verlangt, in der Zukunft zu erwarten hat. Jedenfalls verlangt ein solclier Flug, namentlich in in einer Jahreszeit, wie der jetzigen, ein Maß von Kaltblütigkeit und Ausdauer, das ungeteilte Bewunderung verdient. Der ehemalige Radfalırer Van den Born maclıt zu Chalons . staunenswerte Fortschritte. Der Belgier lıat es dieser Tage sclıon auf eine Distanz von 52 km gebracht. Auclı Farman, Küller und andere operieren daselbst mit schönem Erfolg. Leider hatte der Deutsche Frey auf einem Farman-Zweidecker kürzlich das Mal- heur zu stürzen. Naclıdem er etwa 200 Meter auf dem Boden Seite 3? „FLUGSPORT." No. 2 dahingerollt war, wollte er sich in zu brüsker Weise in die Luft erheben; er fiel aus ungefähr vier Meter Höhe schwer zurück, wobei der rechte Flügel und das Vorderteil des Apparats zer- trümmert wurden. Frey wurde aus dem Apparat geschleudert, erhob sich aber glücklicherweise, ohne Schaden genommen zu aben. In der Hanriot-Schule zu Reims liegen Wagner, Cordonnier, Gournay, Schreck u. a. m. den Flugversuchen ob; auch Hanriot selbst ist eifrig an der Arbeit. In Cannes wird jetzt fleißig geflogen. Dort experimentieren die Engländer Neale und Hauptmann Dawes, die für die Humber- Gesellschaft, welche das Bl&eriot-Monopol für England erworben hat, Monoplane dieser Type steuern. Es ist hier wiederholt darauf hingewiesen worden, mit wel- chem verständnisvollen Interesse die französische Militär-Verwal- tung alle aviatischen Bestrebungen im Lande fördert. Abgesehen von der schon erwähnten Abkommandierung von Offizieren als Piloten-Eleven bereitet sich die Heeres-Verwaltung vor, die Aus- bildung von Offizieren in großem Umfange zu betreiben. Zu Beginn des Monats Juni werden die Artillerie und die Genietrup- pen nicht weniger als 21 Aeroplane zur Verfügung haben. Ferner hat der kommandierende General des 6. Armeekorps verfügt, daß eine Anzahl von Offizieren bei den Flugexperimenten auf den verschiedenen militärischen Geländen als offizielle Kommissare fungieren sollen, damit sie sich auf diese Weise mit den Einzel- heiten und Erfordernissen der Chronometrisierung und der mannig- fachen Berechnungen vertraut machen. Die Ligue Nationale A&rienne setzt von neuem einen Preis für einen Flug bei stärkstem Winde aus, bei dem die Durch- schnittsgeschwindigkeit nicht geringer als 5 Meter pro Sekunde sein darf. ‘Das bereits erwähnte Syndikat der Aviation hat sich nun endgiltig konstituiert und die Herren de Manthıe zum Präsidenten, Surcouf und Voisin zu Vize-Präsidenten, Roger zum Schatzmeister, Haufeurt zum Schriftführer erwählt. wecke gezeichnet sein. Das Meeting soll Bewerbe um die Geschwindigkeit, die Höhen, die Distanz und den Transport von Passagieren oder Waren umfassen. Alle amerikanischen Staaten sollen an der Organisation teilnehmen, die sich über einen Monat erstrecken wird. Als Datum des Monstre-Meetings ist der Monat Oktober in Aussicht genommen. Eine andere interessante Frage wirft sich jetzt auf, und zwar die: Wo und wie soll in diesem Jahre der „Internationale Pokal“ No. 2 „FLUGSPORT“. Seite 33. bestritten werden? Bekanntlich ist der Gordon-Bennet-Pokal bei Gelegenheit der Woche von Reims von dem Amerikaner Curtiß errungen worden. Nun besagt das Reglement, daß die Trophäe alljährlich in dem Heimatslande des vorjährigen Siegers bestritten wird. Darnach müßte also der Aero-Club von Amerika den dies- jährigen Gordon Bennet-Pokal in Szene setzen. Durch das Vor- gehen der Wrights ist es aber einer großen Melırzahl der euro- päischen Aviater unmöglich gemacht, in den Vereinigten Staaten zu starten (wir nennen nur Bleriot, Antoinette, Farman). Was soll also werden? Sollen die Wrights in diesem Jahre konkurrenzlos die Trophäe bestreiten? Es scheint, daß eine gemeinschaftliche Aktion der europäischen Aviations-Clubs nötig sein wird, um diesem Unding vorzubeugen und den Pokal nicht eine unbestrittene Domäne der Amerikaner werden zu lassen. Die Meldungen, daß sich der Aero-Club de France und der Aero-Club von Italien „be- reit erklärt“ haben, den Bewerb zu organisieren, sind ja völlig unverständlich, denn es kommt nicht darauf an, wozu sich die europäischen Clubs .bereit“* erklären, sondern, was der Aero- Club von Amerika dazu sagt, der sicher nicht ohne energischen Druck die Sache aus der Hand lassen wird. . , . Der Michelin-Pokal, der für 1909 an Henri Farman gefallen ist, ist natürlich für dieses Jahr wieder offen und das vom Aero- Club de France veröffentlichte Reglement hierfür weist keinerlei Abweichungen von dem vorlährigen auf. „per auch in Deutschland wohlbekannte Senat d’Estournelles de Constant hat eine öffentliche Bewe ung einge, leitet, um zur Errichtung eines Denkmals für die Opfer der Avi- ation aufzufordern. Der Gedanke findet hier sympatischen Wider- kn ist zu erwarten, daß die damit geplante Ehrung der werten Märtyrer der modernen f ) verwirklicht wird. ’ vgsportlichen Bewenn r Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) In der Sitzung der Federation A&ronautiaue Internationale i Paris am 10. Januar wurde auf Antrag des englischen Aero-Club beschlossen, in diesem Jahre in England zwei internationale Flug- sportmeetings abzuhalten. Das erste soll am 14. bis 24. Juli statt- finden, das zweite im August; und zwar sollen auf dem ersten Meeting Preise im Werte von Fres. 200000 zur Verteilung kommen. Vertreter des Aero-Clubs sind jetzt auf derSuche naclı dem eün- stigsten Platze für diese Meetings, und es wird an renom der Badeort Bournemouth an der Südküste, der Insel Wight gegenüber, am meisten Aussicht hat, für die erste Veranstaltung gewählt zu werden. Dort wäre auch Interesse genug für die ache vorhanden, um die Summe von 200000 Frs. zu garantieren. Im folgenden geben wir (größtenteils einer Zusammenstellung der Zeitschrift „Aerocraft“ folgend) eine Liste der Preise die$im: nächsten Jatıre in England von Fliegern gewonnen werden Seite 34 „FLUGSPORT.“ No. 2 Lstrl. 10000, Preis der Zeitung „Daily-Mail“ für eiren Flug von London nach Manchester (ca. 290 km) innerhalb 24 Stunden mit nicht mehr als 2 Aufenthalten für Benzin- einnalıme. | Lstrl. 10000, Preis der australischen Regierung für den ersten Flug eines Australiers auf einer englischen oder australischen Maschine. IL Lstrl. 5000, Preis des Birminghamer Aeroplan-Preis-Comites für den ersten Flug von Birmingham nach Coventry auf einem in Birmingham_erbauten Aeroplan. Lstrl. 4000, Preis des Baron de Forest für den längsten Flug eines Engländers auf einer englischen Maschine über den Kanal nach dem Kontinent; offen vom 1. Januar bis 31. Dezember 1910. ne Lstrl. 3000, Preis für den ersten Flieger, der auf einer in Birming- ham erbauten Maschine von Birminglıam nach Wol- verhampton fliegt. Lstrl. 2500 und Pokal im Werte von Lstrl. 500, ausgesetzt von Michelin Tyre Co. für den Flieger, der bis31. März 1910 in Großbritannien die größte Entfernung geflogen ist. Lstrl. 1000, Preis der Zeitung „Glasgow Daily Record“ für den ersten Schotten, der auf einer schottischen Maschine von Edinburg nach Glasgow fliegt (64 km). Lstrl. 1000, Preis der Zeitung „Daily Mail* für denjenigen Flieger, der in England oder Frankreich zwischen dem 19. August 1909 und dem 14. August 1910 die größte Entfernung zwischen zwei Orten zurückgelegt lıat. Lstrl. 1000, Preis von Sir William Hartley für den ersten Flieger beliebiger Nationalität, der von Liverpool nach Man- chester fliegt. an u Lstrl. 1000, Preis von Mr. Patrick Alexander für einen britisclien Flugmaschinen-Motor, der 24 Stunden läuft, olıne i irgendwelche Aufmerksamkeit zu erfordern. Lstrl. 525, Preis des Lord Montagu of Beaulieu für den Flieger, der inGroßbritannien die größte Entiernung zurücklegt Lstrl. 500, Preis der Gesellschaft „Marine-Gärten“ in Edinburg für den ersten Engländer, der auf einem englischen Aero- plan über den Firth of Fortlı fliegt (14 km), . Lstrl. 500, Preis des Herrn Harry Keen für den ersten Flug über London. Lstrl. 500, Preis des Sir Clıarles Freswell für den ersten Flieger, der eine Minute lang in einer Höhe von 50 Fuß an : demselben Punkte bleibt. I Lstrl. 100, zwei Preise des Aero-Club von Lstrl. 50 für die ersten Flüge von einer Meile in geschlossenem Kreise. Lstrl. 50, Preis des Mr. Mac Meekin vom „Yacht-Club von Osteng- land für den ersten Flug eines Engländers von dem Fluggrunde der Gesellschaft „Aerocraft“ inCambridge zu dem Yachtclubllause in Burnhem-on-Crouch. Lstrl. 75, drei Preise von je Lstrl. 25, ausgesetzt vom Aero-Club run für die ersten drei Flüge von 250 Meter. | Das sind zusaınmen über 801500 Mark. Dazu konmen je- doch noclı die noclı nicht festgesetzten Preise auf den verschie- No 2 „FLUGSPORT.“ Seite 35 denen Flugsportmeetings, die sicher auch noclı 200000 Mark aus- nıachen werden. Also über I Million Mark setzt England für die Förderung des Flugsports im Jalıre 1910 aus. ‘Die am Schlusse unseres letzten Berichts mitgeteilte Pariser Nachricht, daß die englische Regierung mehrere Bl&riot-Aeroplane angekauft habe, erschien von vorn herein unwalırscheinlich und ist jetzt auch offiziell dementiert worden. Die britische Regierung lıat keinerlei Aeroplane angekauft uni gegenwärtig auclı gar nicht die Absicht es zu tun. Ebenso wird sich auchı wohl die andere Zeitungsnachricht, wonach in Leicester ein bekannter Motorist mit einem Aeroplan eigener Erfindung einen Probeflug - von 110 km Länge gemacht haben soll, als Humbug herausstellen. Die Herren C. S. Rolls und A. Mortimer Singer lıaben auf Antrag des englischen Aero-Club die Pilotencertificate des Aero- . Club de France erhalten. Rolls machte am Sonnabend den 15. Januar wieder melırere erfolgreiche Flüge mit seiner Wriglıt-Ma- schine auf dem Fluggrunde auf der Insel Sheppey. Ueber statische und dynamische Luftdruck - messungen. Vortrag, gehalten von Ing. Böninger im Frankfurter Flugtechnischen Verein. Meine Herren! Wohl weist der Vogelflug noch manche Erscheinungen auf, welche bisher eine genügende Erklärung nicht gefunden haben. Ich verweise z. B. auf den Segelflug und speziell auf das bekannte Kreisen mancher Vögel. Es gibt für diese beiden Arten des Fluges bereits eine große Anzahl von Hypo- thesen, von verschiedenen Gelehrten aufgestellt. Am bekanntesten sind die- jenigen von Langley, der in seinem bekannten Buche „International Work of the Air“ das Kreisen der Vögel, sowie den Segelfug dadurch zu erklären sucht, daß die notwendige Kraft, bezw. Arbeitsleistung aus den Pulsationen der be- wegten Luft gewonnen wird. Ich will auf diese Erklärungen heute nicht weiter eingehen, sie scheinen mir aber alle nicht stichhaltig zu sein. Am interessantesten erscheint mir die Erklärung von Professor Ahlborn. Er versuchte nachzuweisen, daß durch die Zentrifugalkraft des einen Flugbogens, welcher konvex gegen den Wind gerichtet ist, Arbeit gewonnen wird, während bei dem konkaven Teil Arbeit verzehrt wird. Schließen sich die beiden Luv- und Leebogen zu einem Kreise, so haben wir die Erscheinung des Kreisens, im anderen Falle diejenige des Segelns. Aber auch diese Erklärung scheint mir an einigen Stellen nicht unbe- denklich zu sein. Des weiteren erwähne ich, daß der Insektenflug meines Wissens nach noch recht wenig behandelt worden ist. Wenn wir bedenken, daß ein Tierchen sich fast Tage lange mit eigener Muskelkraft in den höchsten Höhen zu halten vermag, so kommen wir bei Anwendung der gewöhnlichen Betrachtungsweise über die dynamischen Vorgänge in der Luft zu Arbeitsleistungen, welche sicher- lich..mit. den-Tatsachen in Widerspruch stehen. Ich glaube, daß wir es beim In- sektenfluge mit einer wellenförmigen Pulsationsbewegung zu tun haben und nicht mit einer Druckgewinnung durch rein dynamische Luftfortbewegung. Ich bin der Meinung, daß bei dem Insektenfluge speziell Spannungserscheinungen auf- treten, die mehr den Charakter eines statischen Druckes tragen, als denjenigen einer dynamischen Arbeitsleistung. Es deutet hierauf schon die in der Natur nie versagende Geschicklichkeit bei der Auswahl der jeweiligen Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zweckes.” Denn die Anwendung dieser statischen Wellen- pressungserscheinungen, wie ich sie annehme, kann nur bei sehr großer Ge- schwindigkeit, aber nicht bei großen Wegen der betreffenden Organe in Be- tracht kommen. Diese Anschauung führt zu dem Resultat, daß wohl oft ein bedeutender Kraftaufwand, nicht aber eine bedeutende Arbeitsleistung notwendig ist!! Seite 36 „FLUGSPORT“. _ No. 2 Ich möchte hier ein Beispiel anführen, daß Ihnen wahrscheinlich allen be- kannt ist. Wenn Sie einen Zylinder, der oben und unten mit einem Deckel ver- schlossen ist, an eine Wage befestigen, so wiegen sie dessen Gewicht gleich G. Setzen Sie eine Fliege an die innere Wand des Zylinders, so werden Sie ohne weiteres einsehen, daß Sie nun das Gewicht der Fliege mitwiegen. Wenn die Fliege sich jetzt von der Wandung entfernt und im Innern herumschwirrt, so schlägt die Wage nicht aus. Sie wiegen das Gewicht der Fliege ebenfalls mit, obgleich eine direkte Berührung nicht stattfindet. Wenn Sie jetzt den oberen Deckel öffnen, so wiegen Sie die im Innern herumschwirrende Fliege ebenfalls mit Und weiter, wenn Sie den oberen Deckel schließen und den unteren öffnen, so werden Sie die im Inneren herumschwirrende Fliege auch mitwiegen. Wenn Sie aber beide Deckel öffnen, so schlägt die Wage aus, und Sie wiegen nur das Gewicht des Zylinders ohne Fliege. Ich bitte, mir für diese Erscheinung eine Erklärung zu geben. Es ist mir bisher noch keine bekannt geworden. Ein nach unten gerichteter Luftstrom auf so verhältnismäßig große Ent- fernungen ist nicht vorhanden und jedenfalls auch nicht im Stande, auf diese Entfernungen hin eine angesammelte kinetische Energie ohne Verlust in Druck umzusetzen. Am wunderbarsten erscheint der Fall, daß die Fliege unterhalb einer Platte ihr Gewicht auf diese überträgt. Sie erscheint gewissermaßen oben aufgehängt. Ich finde, dieses Beispiel führt fast zwingend zu der Anschauung, daß wir die Luft in diesem Falle wie eine gespannte Feder zu be- trachten haben, die in Schwingungen versetzt wird, Es handelt sich also hier nicht um eine dynamische Arbeitsleistung; denn was bei der Spannung der Feder geleistet wird, wird bei der Entspannung wieder gewonnen. Ich glaube, daß man leicht Modelle bauen könnte, um diese Erscheinungen zu untersuchen. . . . Zunächst ist es aber nötig, sich überhaupt mit dem Gebiet der statischen und dynamischen Spannungs- und Pressungsverhältnisse der Luft etwas vertraut zu machen. Ich möchte daher auf dieses Gebiet näher eingehen und beziehe mich dabei auf die kleine Schrift von Otto Krell jun., erschienen 1904. Der Ver- fasser zeigt zunächst an einem Beispiele die ungeheure Bedeutung, auch für die Praxis von derartigen theoretischen Untersuchungen. Herr Professor Prandtl z. B. untersuchte eine Entstaubungsanlage, welche mit einem Kraftaufwande von 110 PS. arbeitete. Durch Anwendung richtig theoretischer Grundsätze gelang es ihm bei gleicher, sogar vermehrter Saug- wirkung, den Kraftaftbedarf von 110 PS auf 35 PS. herabzumindern. Was das für die Praxis bedeutet, meine Herren, werden Sie alle einsehen. Ich möchte nun zuerst feststellen, daß man unter dynamischem Druck der Luft in der Physik denjenigen Pressungszustand der Luft versteht, welcher in der Umgebung eines in einem bewegten Luftstrom gebrachten festen Körpers unmittelbar und ausschließlich durch die lebendige Kraft der Luft erzeugt wird. Unter statischem Druck dagegen versteht man denjenigen Presszustand, welcher an der Preßstelle völlig unabhängig von den durch die Luftbewegung hervor- ebrachten Druckverhältnissen noch besteht. Der dynamische Druck wird der egel nach auf manometrische Messung, der Luftgeschwindigkeit zurückgeführt. Schon Peclet wandte ein derartiges Verfahren an; er eliminierte dabei den statischen Druck durch folgende Einrichtung: . In Abb. 1 sehen wir in einem Rohr (b) ein rechtwinkelig umgebogenes Röhrchen (c) dem Luftstrom entgegengerichtet. Der ankommende Luftstrom stößt in das Rohr hinein und überträgt somit seine Geschwingkeitshöhe + dem statischen ‚Druck auf das damit verbundene U förmige Mano- IN meter. Um nun den statischen Druck zu elimi- A nieren, bringt er möglichst nahe bei dem ersten ei Fr Röhrchen ein zweites (e) an, welches senkrecht in die Wandungen des luftdurchströmten großen Rohres mündet Der Luftstrom geht an diesem Abb. 1 vorbei, ohne von seiner lebendigen Kraft abzu- . eben. Dagegen überträgt sich der vorhandene statische Druck selbstverständlich durch dasselbe, welches mit dem anderen Ende des U förmigen Manometers (a) verbunden ist. Auf diese Weise arbeitet Peclet mit einem Differentialmanometer, dessen Angabe also direkt der Geschwindig- keitshöhe entspricht. Krell untersuchte nun zunächst das Verhältnis zu dem in dem Luftstrom gebrachten rechtwinkeligen Röhrchen. (Abb. 2) Da es sich bei diesen No. 2 „FLUGSPORT. Seite 37 Messungen nur um vergleichende Resultate handelte, so wurden die Koeffi- zienten, welche den jeweiligen Barometerstand, der Temperatur und den Feuch- tigkeitsgehalt der Luft bestimmen, nicht in Anrechnung gezogen, da sie jeweils gleichgesetzt werden konnten. Es wurden zunächst mit dem rechtwinkeligen Röhrchen (Abb. 2) Versuche gemacht, wobei das Röhrchen in den ver- schiedensten Stellungen zu der Windrichtung in den Luftkanal gebracht wurde. Die so erhaltenen Re- sultate sind für 3 Wind- geschwindigkeiten in dem Diagramm (Abb. 3) dar- gestellt. Dieses Diagramm ist derartig gezeichnet,daß zunächst ein Kreis mit be- liebigem Durchmesser ent- worfen wurde und von diesem aus zu den ver- schiedenen Stellungen des Mefßrohres auf den Radien . die gemessenen Drucke abgetragen wurden, und zwar die positiven nach außen und die negativen nach innen. Es ist ersichtlich, daß die größte Staupressung, welche sich ergibt, wenn die Mündung des Preß- rohres dem Luftstrome ge- rade entgegen gekehrt ist, genau der Geschwin- Abb. 3. digkeitshöhe gleich- kommt, ebenso die größte Saugpressung bei fast rechtwinkelig zum Luftstrom stehendem Rohrschenkel beinahe genau den negativen Zahlenwert der Ge- schwindigkeitshöhe zeigt. Besonders bemerkenswert ist aber die Schenkel- stellung für den Druck + -- 0. Derselbe kommt dadurch im Diagramm zum Ausdruck, daß die Diagrammlinien den Nullkreis schneiden. Sie sehen, daß die sämtlichen Schaulinien für die verschiedensten Geschwindigkeiten durch den- selben Punkt des Nullkreises gehen. Der Winkel zwischen 0 — Pressung und der maximalen Saugpressung ist 26°. Die Pressung tritt im Meßrohre auf und zwar wohlverstanden die dynami- sche Pressung, wenn der rechtwinkelig abgebogene Rohrschenkel unter einem Winkel von 62,5 Grad gegen die Windrichtung gestellt wird. Ich kann auf dieses Verhalten nicht näher eingehen. Sie sehen aber, dal; diese Messungen zu außerordentlich interessanten Betrachtungen führen. Krell erklärt die Tatsache, daß für die Nullpressunng das Rohr für sämt- liche Geschwindigkeiten der Windrichtung in einem bestimmten Winkel ent- gegengerichtet werden muß, aus der Bildung eines Stauhügels. Er stellt sich die Luftströmung vor wie sie Abb. 4 zeigt. Ich möchte nur kurz andeuten, daß dieses “ — ... _ Verhältnis von sehr großer Wichtigkeit zu sein 2272 scheint, auch für die Erbauung von Flugmaschinen. maschinen ähnliche Verhältnisse obwalten. Wenn _ Sie z. B. den Bieriot-Apparat betrachtet haben, so werden Sie speziell bei diesem gefunden haben, daß die obere Seite der Tragfläche nicht tangen- tial einschneidet, sonde:n daß dieselbe direkt gegen die Luft anfährt, was recht bemerkens- wert ist. Bei den neueren Apparaten finden Sie Profile Abb. 4. der Tragflächen, die diese Eigenschaften noch mehr aufweisen. Auch bei den Vogelflügen haben wir ähnliche Wirkungen fest- zustellen in der Höhlung der Flügel, namentlich beim Segelflug. Es wurde dann nun weitergehend der Einfluß der verschiedenen Formen des zur Messung verwendeten Rohrschenkels untersucht und man wandte dabei Seite 38 „FLUGSPORT.“ No. 2 bb. 5, 6, 7, 8. Nur bei Abb. 5 wurde eine gewisse Un- Re ot wefunden, während bei den anderen die lich eut geeipret j übereinsti rkzeuge sind also sämtli genau übereinstimmten. Die MeBwerkzeug A dynamischen Druckmessungen. Es haftet ihnen aber der Nach- 0 \ O\ Ö \ teil an, daß sie zunächst primären =) vorhandenen statischen Druck mitmessen. Wir haben aber ge- sehen, daß es möglich ist, den- selben ohne weiteres zu elimi- nieren. Die Methode von Peclet ist aber deshalb nicht ganz einwand- frei, weil die Messung des stati- schen Druckes nicht genau an [| derseiben Stelle erfolgt, wie an derjenigen des dynamischen Abb.7 Diesen Nachteil vermeidet Reck- Abb.2. Abb. 5. Abb. 6. "nagel, indem er ein Messwerk. bb. 9. Es ist dies eine sogenannte Stauschei e. s lä zeug anwendet a a Messungen feststellen, daß bei einem derartigen Meß- werkzeuge die Unterpressung, welche Dun u! auf der dem Luftstrom abgekehr- >>> ten Seite entsteht, stets den Wert - mn 0,37 der vorne, dem Luftstrom ent- gegengekehrtenUeberpressung besitzt, welche ihrerseits der vollen Geschwin- digkeitshöhe entspricht. Bezeichnet man den an der Meßstelle herrschen- den statischen Druck mit po, die Stau- pressung vorne an der Scheibe mitpv, die Unterpressung hinten mit pn, So ist die vorne gemessene Gesamtpres- sung gleich po + pv._ Die hinter der Scheibe gemessene Gesamtpressung _ u ist dagegen po — pn. Mißt man Abb.8. Abb.9. Abb. 11. nun mit diesem Instrumente den, vor- deren Druck, dreht die Scheibe dann um 180°, mißt dann die hintere Pressung und bildet die Differenz der beiden Messungen, so erhält man folgendes Resultat: (Pv + P ) u (Po — pn) =DPv + ph = 1,37 Pv Ss ist also die Differenz gleich 1,37 mal der gesuchten Geschwindigkeits- höhe. De vorhandene statische Druck der Luft ist also bei dieser Messung vollständig eliminiert. Es ist also einerlei, ob der gewöhnliche atmosphärische Druck herrscht, oder ein mit Ueberdruck versehener Luftdruck besteht, oder gar einer mit Unterdruck. Dieses Verfahren übertrifft also die vorherigen an Brauchbarkeit sehr wesentlich. u oo Ich will hier noch kurz einen Windmesser erwähnen, der sich für die Praxis sehr zu bewähren scheint. Es ist der Multiplikateur von Bourdon, Bour- don verwendet drei ineinandergesetzte ejektorartige Doppelconen, von denen jeder die Saugwirkung des von ihm eingeschlossenen potenziert, so daß z. B. bei 4 m mittlerer Windgeschwindigkeit im größten Conus 4 mm, im 2ten 16, im 3ten und kleinsten ca. 64_mm W..S. gemessen wurde. Durch diese be- detitende Steigerung der Saugwirkung soll es Bourdon gelungen sein, mittelst der W. S. einen Schreibstift zur Registrierung der Windgeschwindigkeit zu be- nutzen. Es ist natürlich Vorsorge getroffen, dab der Apparat sich wie eine Wetterfahne selbständig in die Windrichtung einstellt. Wesentlich schwieriger wie die Messung des dynamischen Druckes scheint die des statischen Druckes allein zu sein. Krell machte zunächst mit der Reck- nagelschen Stauscheibe allgemeine Versuche. Die Resultate sind in dem Diagramm Abb. 10 dargestellt. Dieses Diagramm ist als Nullpunktdiagramm aufgetragen. Zu jeder Stellung der Scheibe ist vom Mittelpunkte aus der zugehörige Druck auf dem Radius aufgetragen. Die rechtsseitige Fläche bedeutet natürlich nega- tiven Druck. Wir haben auch hier als maximale Staupressung natürlich die volle Geschwindigkeitshöhe bei senkrecht zur Fläche von vorn auftretendem Luftstrom. No. 2 „FLUGSPORT." Seite 39 Bei senkrecht von rückwärts kommendem Winde finden Sie die Bestätigungen, daß die Saugpressung 0.37 davon beträgt. Wir finden, daß jetzt der Schnitt- unkt der Druckkurve mit der Null-Linie um volle 90 Grad von der größten taupressung entfernt ist, was damit erklärt wird, daß infolge des tellerartigen Randes ein Stauhügel wie vorher sich nicht bilden kann. Bemerkenswert ist aber, daß | die besonderen Stellungen für _ die Nullpressung mit dem maxi- | malen Unterdruck um den gleichen Winkel von ca 26 Grad von ein- ander entfernt sind, was wieder- um auf eine Gesetzmäßigkeit dieser Erscheinungen schließen läßt. Man kann also mit diesen Instrumenten den statischen Druck an dem 0-Punkt des dynamischen Druckes messen. Da man sonst den dynamischen Druck mitbe- kommt. Das steile Ansteigen der Druckkurve auf der Leeseite bei verhältnismäßig geringer Ab- weichung von der Windrichtung (Abb. 10) zeigt übrigens die Ge- fahr bei Verwendung dieses Meß- werkzeuges zu statischen Druck- messungen, sobald nur einiger- maben unregelmäßige Luftströ- mungen vorhanden sein können. Zu statischen Druckmessungen werden deshalb eine Reihe ande- Abb. 10. rer Meßwerkzeuge verwendet und zwar vornehmlich solche, welche der Bildung eines dynamischen Druckes überhaupt aus den Wege zu gehen suchen. Hierher gehört zunächst dasjenige, welches Prandtl bei seinen Untersuchungen von Entstäubungseinrichtungen zuerst verwendet hat. (Abb. 11.) Das Rohr ist einfach vorne durch eine Schneide ge- schlossen. Im Mittelteile des Rohres sind beider- seits einige kleine Meßlöcher angebracht, durch welche der statische Druck ins Innere der Meß- röhre fortgepflanzt wird. Mit der Schneide gegen - den Luftstrom gehalten, soll dieses einfache In- strument sehr gute Resultate ergeben. Dieses Instrument wurde dann später weiter ausge- bildet als Druckfahne, die sich automatisch in die richtige Windrichtung einstellt (Abb. 12.) Auf beiden Seiten der hohl ausgebildeten Fahne sind kleine Meßröhrchen angebracht, welche mit der hohlen Drehachse in Verbindung stehen. Von dieser aus geschieht die Weiterleitung des Druckes durch ein sehr nachgiebiges Meßröhrchen zu dem gleichfalls hohl ausgebildeten Fahnenstock. Es sind noch weitere Instrumente angegeben worden, um den statischen Druck unabhängig von dem dynamischen zu messen. Ab. 13 zeigt einen derartigen Apparat. Zwei dünne kreisförmige Stahlblätter werden in im Verhältnis geringem Ab- stand miteinander verbunden, das Meßrohr wird mit seiner Oeffnung in die Mitte der einen Scheibe hineingeführt, ohne daß es über dieselbe vorsteht. Es können nur die rechtwinkelig zu dem Meßrohr stehenden Luftströmungen dasselbe Abb. 12. passieren, sodass jede dynamische Stoßwirkung ausgeschlossen scheint. Ein solches Instrument soll also nur den statischen Pressungsdruck wiedergeben. Es wurde ferner, um den statischen Druck an einem Punkte zu messen, der Weg eingeschlagen, daß man den dynamischen Druck, durch möglichst viele Seite 40 „FLUGSPORT“ No. 2 i isse. welche die bewegte Luft in ihrem Wege immer wieder ablenken, zu a entenWir haben gesehen, daß die sehr vorzügliche Recknagelsche Stauscheibe, wenn sie zur Messung von Windgeschwindigkeiten benutzt werden soll, den kleinen Mangel noch hat, daß zwei Messungen gemacht werden müssen. Diesen Mangel beseitigt Krell in sehr geschickter Weise dadurch, daß er sowohl die Vorderseite, wie die Rückseite der hohlen Stauscheibe in der Mitte durchbohrte und eine Scheidewand ansetzte, wie Abb. 20 zeigt. Mittels der an den Kammern angesetzten Meßröhrchen wird direkt die Differenz der Drucke vorn und hinten, also der Wert 1,37 py gemessen. Diese Einrichtung in Verbindung mit einem Mikromanometer erhielt den Namen Pneumometer und stellt einen in Gebrauch äußerst zuverlässigen und bequemen Windgeschwindigkeitsmesser dar. Der Ap- parat ist universell, denn außer seiner Verwendbarkeit als automatischen Ge- Seite 42 „FLUGSPORT. No. 2 schwindigkeitsmesser stellt er gleichzeitig ein einwandireies Mittel dar, an jeder Stelle den statischen Druck py .u errechnen, wie eine einfache Rechnung ergibt. Es muß viel Zeit und Arbeit aufgewendet werden, um an den meteorologischen Stationen die Rotationsanemometer, die Schalenkreuze etc. durch genaue Be- stimmungen der Konstante in einem wissen- [6 [9 Abb. 19. Abb. 20. schaftlich gebrauchsfähigen Zustande zu er- | | | halten. Deshalb erscheint ein Instrument wie ——L dieses, welches frei von mechanischen Reib- | ungskoeffizienten ist, ein äußerst schätzens- — || wertes zu sein. Das Pneumometer scheint rzi lb au derart einfach und zwar zuverlässig zu sein, 7» daß es seinerseits sogar zur Eichung anderer Instrumente verwendet werden kann. Das Gebiet der Luftdrucke ist ein der- artig großes und ungenügend erforschtes, daß es wohl wünschenswert erscheint, dab, wo im- mer es möglich ist und die Vorbedingungen dazu erfüllt sind, ein eifriges Studium derselben Piatz greift. Theorie und Praxis müssen, wie immer, Hand in Hand gehen, um ein gedeihliches Resultat auch in der Flug- technik zu erzielen. Hier ist der Ort, wo die Theorie der Flugtechnik ganz besonders ge- pfiogen werden könnte, und es würde mich freuen, wenn dem in Zukunft so wäre. Zn der Theorie gehört in erster Linie das Studium über die Eigenschaften des merkwürdigen Mediums Luft. ‘Wir müssen uns frei machen von dem Glauben, daß wir auf diesem Gebiete schon Nennenswertes wissen; denn was wir zu wissen meinen, ist kein Wissen. Wir müssen erkennen, daß die bisher angewandten sogenannten Luftwider- standsgesetze durchaus nicht auf exakter Grundlage stehen und für viele Fälle direkt falsch sind. Wir haben heute noch keine einwandsfreie Darstellungsweise für den Luftdruck und seine Verteilung an Flugmaschinen; ich glaube, man könnte ohne große Schwierigkeit, Instrumente, wie sie vorher beschrieben, an den verschiedenen Stellen der Flugapparate anbringen, und so sehr wichtige und interessante Resultate erhalten. Als registrierende Apparate würden sie den Flieger nicht stören. Ich hoffe, daß wir bald von solchen Versuchen hören werden. N NIEDER A N TARIIIIN Die Erfolge der Flugmaschinen. Die -französische „Commission'”Aerienne mixte“ hat in einer besonderen Sitzung die Feststellung der offiziell anerkannten Flugmaschinen-Rekords vorge- nommen, deren Resultat wir nachstehend zusammenstellen: Dauer: 12. November 1906 (Bagatelle) Santos Dumont 21 Sek. 1 26. Oktober 1907 (Issy) H. Farman 592 „3 13. Januar 1908 (Issy) do. I Min. 8 „ 21.:März 1908 (Issy) do. 3,39, 11. April 1908 (Issy) Delagrange 6,» 80 , 30. Mai 1908 (Rom) do. 5 „26 „4 6. Juli 1908 (Issy) H. Farman 2 „ 9,3 6. September 1908 (Issy) Delagrange 9% 5, 8,593 21. September 1908 (Auvours) W. Wright 1Std. „9 „4 18. Dezember 1908 ‘Auvours) do. I, 4 „53.02 31. Dezember 1908 (Auvours) do. 2,» 0, 3 . 1 25. August 1909 (Betheny) Pauihan 28 u.a, A 27. August 1909 (Betheny) H. Farman 3,04, 56,09 3. November 1909 (Mourmelon) do. 4,„19,.53,.02 No. 2 „FLUGSPORT.“ Seite 43 ON , Distanz: . November 1906 (Bagatelle Santos Dum 26. Oktober 1907 (Issy) H. Farmer 770 Meter 13. Januar 1908 (Issy) do. 1,000 " 21. März 1908 _ (Issy) do. 2.004 ” 11. April 1908 (Issy) Delegrange 3,925 " 30. Mai 1908 (Rom) do, 12,750 " 6. September 1908 (Issy) do. 24,125 - 21. September 1908 (Auvours) W. Wright 66,600 " 18. Dezember 1908 (Auvours) do. 99,800 ” 31. Dezember 1908 (Auvours) do. 124,700 ” 25. August 1909 (Betheny) Paulhan 134,000 " 26. August 1909 (Betheny) Latham 154,620 " 27. August 1909 (Betheny) H. Farman 180,000 " 3. November 1909 (Mourmelon) do, 234.212 " Geschwindigkeit: 12. November 1906 (Bagatelle) Santos Dumont pr. Stunde 41,292 25. Oktober 1907 (Issy) H. Farman n n 52,700 " Rekords der größten Geschwindigkeit über eine gegebene Distanz: 3l. Mai 1909 3. September 1909 21. September 1908 20. Mai 1909 21. September 1908 20. Mai 1909 21. September 1908 20. Mai 1909 21. September 1908 20. Mai 1909 2. September 1908 20. Mai 1909 21. September 1908 20. Mai 1909 21. September 1908 I Kilometer: (Juvisy) Delagrange (Juvisy) Ferber 2 Kilometer: (Auvours) W. Wright 5 Kilometer: (Pont Long) Tissandier 10 Kilometer: (Auvours) W. Wright (Pont Long) Tissandier (Reims) Bleriot 20 Kilometer: (Auvours) W. Wright (Pont Long) Tissandier (Reims) Curtiss 30 Kilometer: (Auvours) W. Wright (Pont Long) Tissandier (Reims) Curtiss 40 Kilometer: (Auvours) W. Wright (Pont Long) Tissandier (Reims) Latham 50 Kilometer: (Auvours) W. Wright (Pont Long) Tissandier (Reims) Latham 60 Kilometer: (Auvours) W. Wright (Reims) Latham 1 Std. 1 Min. 18 Sek. 3 1 ] 15 33 44 ” Seite 2 „FLUGSPOR LER No. 2 70 Kilometer: (Reims) Latham 1St. 3 Min. 6 Sek. 80 Kilometer: (Reims) Latham 1, 1,2%, 098 90 Kilometer: (Reims) Latham 1,19, 56,. 0.2 100 Kilometer: (Reims) Latham 1,8 ,„ 177, 150 Kilometer: (Reims). Latham 2, 18,9, 3 200 Kilometer: 3. November 1909 (Mourmelon) H. Farman 3,» %2 4 „ (wirklich durchflog. Distanz: " 200,832 km) Rekords der größten Geschwindigkeit in einer gegebenen Zeit: 1, Stunde: 20. Mai 1909 (Pont Long) Tissandier j 12,500 Meter '/, Stunde: 91. September 1908 (Auvours) W. Wright 2,000 „ 20. Mai 1909 (Pont Long) Tissandier 27,00 » 1 Stunde: 20. Mai 1909 «Pont Long) Tissandier 55,000 „ 2 Stunden: 3. November 1909 (Mourmelon) H. Farman 108,990 „ 3 Stunden: 3. November 1909 (Mourmelon) H. Farman 162,276 „ 4 Stunden: 3. November 1909 (Mourmelon) H. Farman 215.622 „ Rekords mit einem Passagier an Bord: . Dauer: 3, Oktober 1908 (Auvours) W. Wright (an Bord: Franz Reichel) 10. Oktober 1%8 (Auvours) W. Wright 1Std 9 „ 5, 3 j (an Bord: Paul Painleve) 55 Min. 33 Sek. 3 Distanz: 10. Oktober 1008 (Auvours) W Wright 58,000 Meter (an Bord: Paul Painleve) Geschwindigkeit: 58. August 1909 (Betheny, H. Farman 10km in-9-Min. 52.Sek. 4 Rekords mit zwei Passagieren an Bord: 98, August 1%9 (Betheny) H. Farman 10 km in 10 Min. 39 Sek. Höhen-Rekords: (Reims) Latham 155 Meter 18. Oktober 1909 (Chalons) de Lambert 300 „ i. Dezember 1909 (Chalons) Latham „ Die Zuteilung der Preise erfolgte folgendermaßen: No. 2 „FLUGSPORT.“ Seite 45 Preis der Flugdaner: . Paulhan 653,767 km 5000 Francs . Tissandier 315410 „ 2500 „ . Bleriot 191,200 „ 1000 „ . Delagrange 76,250 „ 500 . Rougier 60,000 . Ferber 42,414 „ Preis der Reise: Bleriot, Pilot, Etampes-Orleans, 41,200 km 5000 Francs DA WDR Bleriot, Konstr. d. Apparats 4000 „ Chauviere, Konstr. d. Schraube 2000 Michelin-Pokal: Henri Farman, mit 234,212 km, am 2. November 1909, Chalons. Ri. "ag ZINSEN RN z Inland. Fritz Heidenreich, Breslau, hat mit seinem Flugapparat, Gewicht 160 kg, mehrere Flüge in 10 m Höhe ausgeführt. Heidenreich verwendet einen 24 PS Zweizylinder-Motor von Escher. Fingtechnische Rundschau. Flieger Dorner. Ingenieur Dorner, welcher in Johannistal arbeitet, hat seinen Eindecker umgebaut. Die vorderen Tragflächen sind etwas verkleinert worden. Die bewegliche Tragfläche ist 25 qm. Das Gesamtgewicht des Fliegers beträgt 280 kg. Anstelle des luftgekühlten ist ein wassergekühlter Motor von 24 PS eingebaut worden, welcher durch Kettenübertragung eine Schraube von 2,3 m Durchmesser und 900 Touren antreibt. Flugapparat Schüler. Der in Fachkreisen bekannte Flugtechniker Schüler hat am 14. d. Mts. nachmittags bei Chemnitz einen Filugversuch ausgeführt. In einer Höhe von 8 m wurde der Apparat plötzlich vom Winde erfaßt, überschlug sich und stürzte zu Boden. Schüler, einer der eifrigsten Förderer der deutschen Flugtechnik, verwendet in seinem Flugapparat einen Motor eigener Konstruktion von 16 PS. Der Flugapparat wiegt 80 kg. Schüler will sofort seinen Flieger wieder herstellen und die Flugversuche fortsetzen. Das erste Flugmaschinenführer-Zeugnis in Deutschland ist August Euler vom Deutschen Luftschiffer-Verband zugesprochen worden. Euler hat be- kanntlich auf seinem Darmstädter Flugfeld_ drei.Probeflüge sämtlich über 7 km ausgeführt. in den. Werkstätten von Euler geht es sehr lebhaft zu. In den nächsten Tagen wird Euler eine neue Type, und zwar einen Zweidecker von 50 qm Trag- fläche, welcher nur 280 kg wiegt, herausbringen. Infolge des geringen Gewichtes ist Euler in der Lage, ca. 200 kg Benzin mitführen zu können. Die Einrichtungen auf dem Eulerschen Flugplatz sind mustergültig. Zur Zeit führte dortselbst Baron Ellery von Gorissen vom Frankfurter Fingsport-Club mehrere schöne Flüge in gerader Linie aus, u. zw. einen solchen von 350 m, 370 m und 420 m Länge in einer Höhe von 3-9 m. Bei Euler lernt auch zur Zeit die Kunst des Motor- fliegens Oberst Ilse, Chef des Generalstacs des 18. Armeekorps. Seit einigen Tagen hat er mit seinen Fahrübungen mit Euler-Motorflieger begonnen. Seite 46 „FLUGSPORTL.“ No. 2 Flieger Konrad. Auf dem Flugfeld von Johannistal wird Fritz Konrad demnächst mit seinem neuen Eindecker von 40 qm Tragfläche seine Versuche beginnen. Konrad hat zwei Propeller angeordnet, die mittels Kegelrädern durch einen 35 PS Motor betrieben werden. Der Apparat soll eine neue Art der Flächenverwindung besitzen. Flieger Müller. Siegfried Müller-Stettin baut 2. Zt. nach den Plänen und unter dem technischen Beistand von Ingenieur Brandt-Stettin einen Eindecker von 11 m Spannweite. Das Gerüst besteht aus dünnwandigem Mannesmannrohr, das durch Hartlötung mittels Muffen verbunden ist. Die Tragflächen von 40 qm Inhalt haben in der Mitte eine Breite von 3 m und an den Enden eine solche von 2,5 m. Die Tragdeckrippen bestehen aus Holz, das mit Aluminiumschuhen auf den Haupt- streben befestigt ist. Der Führer sitzt unter der Tragfläche, der Motor liegt vorn auf derselben. Zur Stabilisierung in der Breite dienen kleine an den Tragflächenenden angebrachte Ausgleichsflächen Der Schwanz dient gleichzeitig wie bei Antoinette als Höhensteuer und trägt unten das Seitensteuer. Der An- lauf geschieht auf zwei vorn angebrachten Rädern und einem hintenliegenden Sporn. Zum Antrieb ist ein 50 PS Motor vorgesehen, der eine zweiflügelige Schraube antreibt. Walter Aust in Mügeln bei Leipzig hat eine Flugmaschine konstruiert, welche eine Spannweite von 4,8 m und eine Gesamtlänge von 8m besitzt. Der komplette Apparat wiegt ohne Motor 75 kg. Flieger Schultze. Der erste Flugapparat der deutschen Flugmaschinen- bau-Ges. m. b. H., Berlin-Rummelsburg, welcher von deren Direktor Wilty Schultze konstruiert wurde, ist nach dem Flugfeld Bork bei Berlin gebracht worden. Der Apparat ist der Bleriot-Type nachgebildet. Zum Betriebe dient ein 45 PS Argus-Motor. Flieger Onigkeit. Onigkeit hat in Magdeburg einen Eindecker mit 50 qm Tragfläche gebaut, welcher 3 Personen tragen soll. Die Maschine wiegt 250 kg. Flugmaschine Grawert. Grawert hat bekanntlich seinen Flieger nach Reinickendorf gebracht und will in ca. 14 Tagen mit Flugversuchen bei Tegel beginnen, Flugmaschine Zist und Schlegel. Zwei Techniker dieser Namen in Konstanz haben einen Eindecker gebaut, welcher Mitte Februar auf dem großen Konstanzer Exerzierplatz probiert werden soll. Zum Betriebe dient ein Dür- kopp-Motor. j Ausland. | Clenn H. Curtiss hat in Los Angeles mit einem Passagier einen Distanz- flug von 89 km ausgeführt. Der Flieger stieg leicht nach 30 m Anlauf vom Boden auf. F Paulhans 1524 m-Hochflug. Wie die Tageszeitungen bereits berichteten, ist Paulhan bei seinen Flugvorführungen in Los Angeles auf seinem Farman-Zwei- decker bei einem Flug bis zu einer Höhe von 1524 m gestiegen. Der Fiug dauerte 51 Minuten. Zu dem Abstieg benötigte er 7', Minuten, Die Höhe wurde mit einem Barometer registriert. Bei seiner Ankunft in Amerika beabsichtigten die Wright-Leute seinen Apparat infolge seiner Steuerung durch einen Gerichtsvollzieher pfänden zu lassen. Paulhan ließ sich jedoch nicht im geringsten dadurch einschüchtern. Er führte weiter einen sehr bemerkenswerten Distanzflug von 70 km nach der im Stillen Ozean gelegenen Insel Catalina hin und zurück aus. Die insgesamt durch- flogene Entfernung betrug 140 km. „FL UGSPORT“. Seite 47 Flieger Taris. Taris hat einen Eindecker von 85 mS i einer Gesamttragfläche von Iebe dient an 8 14 qm konstruiert. Zum Betriebe dient ein 50 PS f Siebenzylinder-Gnom-Motor, ist. Der Apparat wiegt kom Die Maschine wird von M. struktion von Santos Dumont an. Flieger Taris. welcher mit einer vierflügeligen Schraube gekuppelt plett mit einem Benzinvorrat für eine Stunde 350 kg. Gaul de Lesseps gesteuert. Flieger Botty. Dieser Apparat, ein Eindecker, lehnt sich an die Kon- Der Führersitz befindet sich unter den Trag- m TI ne Flieger Botty. Seite 48 FLUGSPORT". No. 2 decken. Das Fahrgestell ist die bekannte Kombination von Schlittenkufen uud Rädern, Das hintere Höhen- umd Seitensteuer ist genau dem von Santos Dumont nachgeahmt. Die Spannweite beträgt 8m, die Gesamttragfläche 20 qm. Der Apparat wiegt komplett mit einem 30 PS Anzani-Motor 250 kg. Flieger John Moisant. Eine eigenartige Type hat John Moisant kon- struiert. Der Apparat ist. wie nebenstehende Abbildung zeigt, ein Eindecker. Das Vorderteil des Rumpfes ist als Benzinreservoir ausgebildet und trägt vorn E® Mn eh I\ Ben 0°. Flieger John Moisant. einen Siebenzylinder-Gnom-Motor. Das Fahrgestell ist aus Stahlrohren und die hinteren Steuerflächen teilweise aus Aluminiumblech hergestellt. Diese Kon- struktion läßt erkennen, wie man im modernen Flugmaschinenbau immer mehr dazu übergeht, gedrungenere Formen anzunehmen. Bleriot bringt eine neue Fliegertype heraus. Am 17. ds. Mis. probierte Bleriot in Issy-les-Moulineaux einen neuen Eindecker, welcher mit einem 50 PS Gnom-Motor versehen ist. Der Apparat ähnelt dem der Kanaltype, und ist nur kräftiger gebaut. Nach kurzem Anlauf erhob sich der Apparat und flog mit großer Geschwindigkeit. u nn “ Der Gnom-Motor ist übrigens in neuester Zeit sehr modern geworden. Hoffentlich erscheint eine ähnliche Type auch auf dem deutschen Motorenmarkt, und zwar ein solcher deutscher Konstruktion. Der jüngste Flugmaschinenführer dürfte der zwölfjährige Sohn des be- kannten französischen Flugtechnikers Henriot sein. Der kleine Marcel Henriot, der auf der Flugmaschine seines Vaters einen Flug unternahm, wußte zum Er- staunen aller Anwesenden den Apparat sogar besser und sicherer zu handhaben, wie sein Vater. Der Knabe sieht noch jünger aus, als 12 Jahre, aber bei seinen Versuchen zeigt er eine ungewöhnliche Kaltblütigkeit und eine Kraft der Nerven, die die Bewunderung aller Zeugen herausforderte. Nn 2 „FLUGSPORT. Seite 49 Flieger Etrich. Wie wir bereits in No. 25, 09 des „Flugsport“ berichteten, hat Etrich mehrere erfolgreiche Flüge absolviert. Die beistehende Abb. zeigt Etrich im Fluge. Etrich im Fluge. Baron de Caters, welcher in Athen eine Vorführung von Schauflügen ver- ınstaltet, ist aus politischen Gründen die Ebene von Phaleron für seine Vor- führungen versagt worden. Falls ihm noch weitere Hindernisse in den Weg ge- legt werden, will er seine Versuche dortselbst überhaupt aufgeben. Einiges über Lathams Höhenrekord. Die erreichte Höhe war genau gemessen. Er hatte ein kleines selbstregistrierendes Barometer umgehängt, weiches eine Höhe von 000m zeigte Ein größeres Barometer hingegen registrierte 1050 m. Das Diagranım dieses Barometers zeigt nebenstehende Abbildung. Das Baro- DE Fi Bar ometer-Diagramm von Latham’s Höhenflug. meter muß derart an den Flieger angebracht sein, daß es dem dynamischen Druck der Schraube nicht ausgesetzt ist. Wie sich das ermöglichen läßt, hat Ingenieur Böninger in seinem Vortrag im Frankfurter Flugtechnischen Vereine (Siehe diesen) gezeigt. Latham verließ beim Landen seinen Apparat mit den Worten: „Ich habe diesen Rekord zu Ehren des Andenkens an Delagrange gemacht“. „eite_ 50 „FLUGSFORT". No. ? Verschiedenes. Zu den Flugmaschinenrennen in Heliopolis vom 6. bis 13. Februar haben sich gemeldet: Hans Grade, Hubert Latham, Henri Rougier, Guyot, Jacques Balsan, Mortimer Singer, Le Blon, Arthur Duray, Riemsdyck, Jean Gobron, Hau- vette, Metrot und die Baronin de Laroche. Die zur Verfügung stehenden Preise betragen 212000 Fres. Außerdem ist eine Lotterie vorgesehen, in welcher mai Plakat für Heliopolis. einen Bleriot-Flieger gewinnen Kann. Die Ligue Nationale Aerienne hat be- sondere Reisen nach Cairo mit folgendem Programm arrangiert: Abfahrt von Marseille 30. Januar: Port Said, Sueskanal, Ismailia, Kairo, Heliopolis, Pyramiden von Gizeh, Sakkara-Alexandria.- Rückfahrt nach Marseille am 18. Februar. . Preise: Erster Klasse 825 Fres. Zweiter Klasse 695 Frcs,. Diese _Preise umschließen alle Ausgaben (Sch’ff, Eisenbahn, Hotels, Ausflüge). Ein ergänzender Reiseplan über Edfou, Assouan, Esneh, Theben, Kar- nack, Abydos vom 12. Februar bis 2. März erfordert noch einen Zuschlag von 635 Frcs, erster Klasse. Ueber den Wright-Patentstreit. Die Wrights haben bekanntlich gegen Clenn H. Curtiß und seine Gesellschaft den Prozeß gewonnen In der richter- lichen Entscheidung wird erklärt, daß das Verwinden der Tragflächen an einer Flugmaschine zur Rufrechterhaltung des Gleichgewichts eine absolut originelle Idee der Wrights wäre; der Zeugenbeweis hätte dargetan, daß die Wrights das Problem nicht nur richtig erfaßt, sondern auch die geeigneten Mittel zur Siche- rung der Balance gefunden hätten. u Es wäre falsch, hieraus Schlüsse auf die Einwirkung der Wright-Patente in Deutschland zu ziehen, da die Verhältnisse ganz andere sind. Bekanntlich No. 2 „FLUGSPORT“. Seite 51 haben die Wrights ihr Patent genau in demselben Wortlaut wie zur ameri- kanischen Anmeldung in Deutschland eingereicht. Sie mußten bei der deutschen Anmeldung verschiedene Ansprüche fa'len lassen, und zum Schluß blieb nur noch die Verwindung.. in Verbindung mit der gleichzeitigen Einstellung des Seiten- steuers übrig. Das amerikanische Patent geht daher weiter als das deutsche. Ueberdies sind Gesetzgehung und Voraussetzungen in Patentangelegenheiten in Amerika und Deutschland grundsätzlich verschieden. Während zum Beispiei auf Grund einer Vorveröffentlichung innerhalb zweier Jahre vor der Patentein- reichung in Amerika das Patent nicht angefochten werden kann, gilt in Deutsch land eine Veröffentlichung vor der Patenteinreichung, wann immer sie erfolgt ist, als Grund, das Patent zu verweigern oder ungültig zu erklären. In Frankreich hat übrigens der Ausgang des Prozesses große Erregung hervorgerufen. Die Franzosen weisen darauf hin, daß schon vor 18 Jahren der Ingenieur Ader eine ähnliche Vorrichtung benutzte. Geschäftliche Nachrichten. Mitteldeutsche Kühlerfabrik Frankfurt a. M. Unter dieser Firma hat der als Vertreter in Fachkreisen bekannte Kaufmann Alfred Teves, Frank- furt a M,, Hohenzollernplatz 10, zusammen mit Ingenieur M. Braun eine Fabrik errichtet, in welcher Kühler für den Automobil-, Motoren- und Luftfahrzeugbau nach einem bewährten Svstem, welches größtmöglichste Kühlwirkung mit ge- ringstem Gewicht verbindet, hergestellt werden. Ingenieur Braun ist ein im Kühlerbau seit Jahren erfahrener Fachmann. Literatur. Die Theorie und Berechnung der Luftschrauben mit Beispielen und Ver- suchsresultaten aus der Praxis. Von Dipl. Ing. C. Eberhardt. Mit 60 Abb., 128 Seiten. Preis Mk. 6. - Die Literatur der heutigen modernen Flugtechnik hat sich im Laufe der letzten Jahre sehr vergrößert; speziell auf dem Gebiete der Theorie der Flug- maschinen. Es ist auf diesem Gebiete bisher viel Minderwertiges und wenig Gutes geschrieben worden, sodaß es direkt ein Bedürfnis ist, ein wirklich brauchbares Werk in die Literatur einzufügen. Zu einem solchen Werke kann man das oben ge- nannte zählen. Man braucht nur wenige Seiten desselben mit Ernst zu lesen, um sofort den Eindruck zu gewinnen, daß hier kein Dilettant, sondern ein Mann, der Theorie und Praxis beherrscht, geschrieben hat. Eberhardt vermeidet in seinen Besprechungen alle komplizierten Formeln, welchen der Praktiker ja stets mit ganz besonderem Mißtrauen begegnet, sondern ist bemüht gewesen, das. was er bringen wollte, in einfacher und klarer Weise zu bringen. Dies gelang ihm umsomehr, da er sich besonders der graphischen Rechnung bediente und Theorie mit der Praxis Hand in Hand gehen ließ. Das Werk ist sehr dazu geeignet, auch dem weniger mit der Luftschraubentheorie und -Praxis Ver- trauten ein klares Bild über den notwendigsten Teil der Flugmaschinen gewinnen zu lassen. Man kann überzeugt sein, daß das Werk viel Irrtümer in Bezug auf Luftschrauben beseitigen wird. Die Brüder Wright. Eine Studie über dieEntwicklung der Flugtechnik von Lilienthal bis heute. Herausgegeben von Hauptmann Hildebrandt. 64 Seiten, 44 Abbildungen. Verlag von Otto Elsner, Berlin S. 42. Verfasser schildert in treffender Weise die Entwicklung der Flugmaschine von Lilienthal bis heute. Er würdigt darin die verdienstvollen Arbeiten von Lilienthal, welche den Brüdern Wright das Fundament zu ihren Versuchen und Arbeiten gaben. Die Schrift ist vor allen Dingen dazu bestimmt, dem Laien einen genauen UÜeberblick über die Entwicklung der Flugmaschine zu geben. seite 52 „FLUGSPORT.“ No. 2 Briefkasten. Jul. Sch. in Kiel. Warum Vorreiter in „Kritik der Drachenflieger“ auf Seite 110 ein Betreiben des Gleitflugsportes wegen seiner Nutzlosigkeit und Ge- fahr verwirft, ist uns allerdings unverständlich. Soviel uns bekannt, besitzt Vor- reiter auf dem Gebiete des Gleitfluges überhaupt keine Erfahrung und hat den- selben niemals betrieben. Wir haben hingegen selbst bei praktischen Versuchen feststellen können, daß die Uebung des Gleitfluges einzig und allein gestattet, Untersuchungen über Stabilitätsverhältnisse, Flächenwölbungen, Luftwiderstand etc. anzustellen, So war z. B. Herr Heidenreich in Breslau nur infolge seiner Erfahrung auf dem Gebiete des Gleitfluges in der Lage, einen Motorflieger zu bauen, welcher allen Anforderungen bezüglich der Stabilität entsprach. Ebenso 1äßt Euler seine Schüler zuvor mit Gleitflieger üben. Wer behauptet, daß die Gefahr des Gleitfluges größer ist als die Gefahr des Motorflugs, ist über das Wesen desselben überhaupt nicht orientiert. Wit empfehlen Ihnen daher, sich durch derartige Auslassungen nicht von ihren Versuchen abhalten zu lassen, sondern unentwegt weiter zu arbeiten. Offizielle Mitteilungen en tg net, des Vereins u 4 Deutscher Flugtechniker. Sitz Berlin. Ehrenmitglieder: Gustav Lilienthal, Groß Lichterfelde. Orville Wright, Dayton. Wilbur Wright, Dayton. 1. Vorsitzender: Dr. Fritz Huth, Rixdorf. 2. Vorsitzender: Major von Parseval, Charlottenburg. Schriftführer: ©. Schmal, Berlin S. W. 48, Fiiedrichstr. 218. Syndikus: Rechtsanwalt Eschenbach, Berlin. Beisitzer : Diplom-Ingenieur H. Dorner, Berlin. Ingenieur J. Grade, Magdeburg. Ober-Ingenieur H. Rosenstein, Elbiug. Ingenieur Max Schüler, Chemnitz. Vorsitzender der technischen Kommission: Ober-Ingenieur Zix, Berlin. Vorsitzender der Piatzkommission: Kaptan z. S. a. D. von Pustau. In der am 7. Januar stattgefundenen Generalversammlung wurde durch mehrere dem Oldenbourgschen Verlag nahestehende anwesende Interessenten versucht, ein von genanntem Verlag zu gründendes Fachblatt dem Verein als Organ aufzudrängen. Da indessen dieses Blatt überhaupt noch nicht erschienen ist und außerdem auch die Ballonluftschiffahrt berücksichtigt, soll erst dessen Erscheinen abgewartet werden. nn. Von einer Seite wurde geltend gemacht, das Beste sei, den Beschluß auf ein Jahr zu vertagen und inzwischen auf die verschiedenen, in Betracht kom- menden Zeitschriften zu abonnieren, sie im Vereinslokal auszulegen, bei den Mitgliedern kursieren zu lassen, kurz, einen reifen, wohlerwogenen Beschluß vor- zubereiten. Doch fand der Vorschlag wenig Gegenliebe, da bestimmte Gründe eine frühere Lösung der Frage in der Tat wünschenswert machen. So wurde der durch Zuwahl einiger besonders geeignet erscheinender Mitglieder für diesen Sonderzweck verstärkte Vorstand ersucht, die nächsten 4 Wochen zur sorgfältigen Prüfung der Frage zu benutzen und dann mit bestimmten Vorschlägen an die Versammlung heranzuireten. Im Anschluß hieran wurde auch über ein ständiges Vereinslesezimmer beschlossen, in dem man sicher sein könne, die interessierenden Zeitschriften ausgelegt zu finden. Es wurde hierfür das „Zentralcafe“ in der No. 2 „FLUGSPORT. Seite 53 Dorotheenstraße vorgeschlagen und geeignet gefunden. Eine dritte auf der Tagesordnung stehende Frage, ob es sich empfehle, die Beiträge für die außer- ordentlichen Mitglieder zu erhöhen, vielleicht den Unterschied zwischen „ordentlich“ und „außerordentlich“ zu gunsten eines mittleren Satzes ganz fallen zu lassen, wurde als eine Aenderung der Satzungen erfordernd abgesetzt, um mit andern etwa notwendig werdenden Aenderungen des Vereinsgrundgesetzes später beraten zu werden. — Sehr energisch soll in nächster Zeit die Agitation für Errichtung eines „Otto Lilienthal-Denkmals* an der Stelle, wo der ausgezeichnete Mann seinen Tod bei einem zu kühnen Fluge fand, betrieben werden. Ein Komitee wurde hierfür gewählt. Es dürfte nicht allzu schwer sein, die zahlreichen in Deutschland vorhandenen aeronautischen Vereine zu Beiträgen zu bestimmen, um ein einfaches, würdiges Erinnerungszeichen in dem von Berlin nicht fernen märkischen Flugterrain zu schaffen, das Lilienthal zur Aufnahme ausgedehnter Flüge ausgewählt hatte. — Sehr eifrig verspricht auch die technische Kommission nach verschiedenen Richtungen tätig zu sein, um den Vereinsmitgliedern, soweit sie aussichtsvollen erfinderischen Gedanken Wirklichkeit zu geben beabsichtigen, Hilfe zu leisten, sei es durch leihweise Beschaffung von Motoren oder billige Erwerbung solcher, vielleicht unter Bürgschaftsleistung durch den Verein. Eine Hauptsache dünkt den meisten zur Sache sprechenden Rednern die Verbilligung der Mieten auf dem Flugplatz bei Adlershof. Die jetzt zu zahlenden 150 Mk. monatlich im Winter und 400 Mk. im Sommer für einen Schuppen erscheinen reichlich hoch. Die technische Kommission wird über diese Frage mit der Ver- waltung des Flugplatzes in Verhandlung treten. Sie hofft, dort bereitwilligst Ent- gegenkommen zu namhaften, den Vereinsmitgliedern zu gewährenden Nachlässen an den gegenwärtigen Sätzen zu finden. Ungezwungene Zusammenkünfte. Wir bringen zur gefl. Kenntnis, daß für unsere Mitglieder in Berlin jeden Freitag ein Stammtisch im Restaurant Heidelberger belegt ist. Wir bitten unsere Mitglieder von dieser Gelegenheit zur ungezwungenen Aussprache Gebrauch zu machen. Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 6 . . . .2....39071 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . . 2 2m 00 nn 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 37 . . . . . 2... 10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 10 . . 2. 22.202020... 10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 41 . 2 2 2 220202... 2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 5 . 2. 2 2 22220... 3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 33. . . . . ... 2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 2i . . . ........2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107° . . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 43 nn. 9054 Beisitzer: Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13. . . 2 2.2..2...1166 Freiherr von Durant, Langendorf Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4. 2. 2 2 2 20 nn. 2701 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraßbe 1. . 2. 2 2.2.2.2....68 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14. . . .2.2.2..2...9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 9 . . 2 2 2 2 nennen 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . . 2701 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. An unsere Mitglieder! Die Versammlung vom 7. d.Mts. war von zirka 30 Mitgliedern besucht. Es wurde angeregt, Sonntag, sowie an jedem Freitag, an welchem keine Ver- Seite 54 „FLUGSPORT“. No. 2 sammlung stattfindet, Abende in zwangloser Zusammenkunft einzu’ichten. Unsere Mitglieder finden also künftig an diesen Abenden einen Stammtisch im Klublokal reserviert, und wir bitten von dieser Gelegenheit zu ungezwungener Aussprache Gebrauch zu machen. Es liegen 12 Neuanmeldungen vor, die in der nächsten Vorstandssitzung Erledigung finden. . Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Erfolge unseres Mitgliedes Fritz Heidenreich, über die schon die Sonntagsblätter der hiesigan und auswärtigen Zeitungen berichteten. Bereits bei den ersten Flugversuchen hatte Heidenreich den Erfolg, daß sich der Apparat von dem Boden erhob, ein Beweis dafür, daß die Konstruktion im Prinzip richtig durchgeführt war. Zum Betrieb diente ein 24 PS 2Zyl.-Escher-Motor (deutsches Fabrikat), der zunächt streikte. Nach marcherlei Veränderungen scheint Heidenreich kraft seines praktischen Talentes und seiner Energie auch diese Schwierigkeit zu überwinden. Am Sonnabend lief der Motor einwandfrei, und Heidenreich konnte zahlreiche längere Flüge in ge- rader Richtung fast über den ganzen Rennplatz ausführen, bei welchen er zum Teil eine Höhe von 10 Metern erreichte. Der Apparat hob sich stets bei ver- hältnismäßig geringer Abfluglänge glatt vom Boden ab. Nach Aeußerungen Heidenreichs kommen ihm hinsichtlich der sichereren Schwebelage, in der sich der Apparat hielt, seine reichen Erfahrungen aus der Praxis des Gleitfluges sehr zu statten. ‘ Bei dem letzten Fluge in größerer Höhe schien sich nach Annahme Heiden- reichs ein Stewerungsdraht verfangen zu haben. Um deshalb nicht in noch höhere Regionen zu geraten, stellte Heidenreich kurz entschlossen den Motor ab und ging im GleitfIng herab. Bei dieser Landung erlitten Fahrgestell und ein Pro- pellerflügel Beschädigungen, die jedoch binnen kurzem behoben werden konnten. Diese Flüge bedeuten einen großen Erfolg, insbesondere, wenn man in Betracht zieht, daß Heidenreich mit den Versuchen im Motorflug erst vor ganz kurzer Zeit begonnen hat. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard :Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 Central - Hotel Telefon 11 634. Am 6. Januar fand die General-Versammlung des Klubs unter dem Vorsitz des Herrn G. H. v. Passavant statt, der u. a. auch S. Hoheit Prinz Albert von Schleswig-Holstein-Glücksburg beiwohnten. Assessor Dr. Meyer berichtete über die bisherige Tätigkeit des Klubs; v. Rottenburg über die Verhandlungen, welche zwecks Anschaffung eines Flugapparates gepflogen worden sind. Es wurde be- schlossen, einen deutschen Fiugapparat als Klubapparat anzuschaffen, jedoch sollen die hierzu erforderlichen Geldmittel nicht aus den Mitgliederbeiträgen ge- deckt, sondern besondere Mittel hierfür flüssig gemacht werden. Zu Mitgliedern des Aufhahme-Ausschusses wurden außer den Herren des Vorstandes gewählt: Carl v. Weinberg und Walter Sommerhoff. Zu Mitgliedern der technischen Kommission wurden für das Jahr 1910 gewählt: Oberst Iise, Bernhard Flinsch, Freiherr Hans v. Seldeneck, August Euler, Ingenieur de Stoutz, Otto v. Rotten- burg und Richard Meyer. Neu aufgenommen wurden: Als ordentliches Mitglied: S. Hoheit Prinz Friedrich Karl v. Hessen, Schaumainka: 17. Als Ehrenmitglied: Oberbürgermeister Dr. Adickes, Guiolettstr 55. In einer weiteren Vorstandssitzung ist inzwischen beschlossen worden, daß für den Klub eine Euler-Maschine beschafft wird. Der hierzu erforderliche Be- trag wurde von Gönnern des Klubs gezeichnet.. Der Zweck des Klubs ist Pflege und Förderung des Flugsportes mit Flug- maschinen unter Ausschluß jeglichen Ballonsports. No. 2 „FLUGSPORT“. Seite 55 Der heutige Stand und die Zukunftssaussichten der Fliege- kunst (mit einigen Bemerkungen über die theoreiisch ge- gebenen Möglichkeiten). (Vortrag von Dr. Ing. Bendemann, Lindenberg, Kr. Beeskow gehalten am 5. Januar 1910 im Frankfurter Fiugsport-Club.) Ich habe Bedenken getragen, ob ich einem Frankfurter Hörerkreis auch enügend Neues zu bringen weiß. Frankfurt ist auf dem Gebiete der Luftschiff- ahrt ja in mancher Hinsicht führend vorangegangen. Aber als einer der Wenigen, die technisch und wissenschaftlich an der Entwicklung der Luftschiffahrt mitzu- arbeiten berufen sind, ohne doch selbst geschäftlich oder als Erfinder einseitig interessiert zu sein, hoffe ich für meine Ansichten zu einigen aus Theorie und Praxis herausgegriffenen Punkten Interesse zu finden. Ein kurzer Rückblick wird uns zugleich zu einer für Gegenwart und Zu- kunft hochwichtigen Frage führen. Des deutschen Altmeisters der Fliegekunst, Otto Lilienthals, unsterbliche Bedeutung ist zwar heute in der Fachwelt völlig anerkannt. Auch auf der Ila ist er hoch gefeiert worden. Aber in der deutschen Oeffentlichkeit nimmt sein Name doch längst noch. nicht den Rang ein, den ihm die Geschichte sicher zu- weisen wird, und den das Ausland ihm bereitwillig eingeräumt hat, hoch über vielen anderen, die ihn heute wohl überstrahlen. Ein Irrtum, aus Lilienthals tragischer Geschichte her bis heute sehr ver- breitet, bedarf energischer Richtigstellung: Es ist nicht wahr, daß die wissen- schaftliche Kommission von 1873 in Berlin (Helmholtz) menschliches Fliegen ein für alle Mal für unmöglich erklärt hat, wie in einer weit verbreiteten Schrift vom vorigen Jahre zu lesen. Sie hat vielmehr die jetzt mehr als je giltige Tatsache ausgesprochen, daß die eigene Muskelkraft des Menschen zum Fliegen nicht aus- reicht und wahrscheinlich nie ausreichen wird. Damit sind wir sogleich bei einem wichtigen theoretischen Kapitel. Wie viel Arbeit ist mindestens nötig, um ein bestimmtes Gewicht auf Drachen- flügeln schwebend zu erhalten, also durch Erzeugung von Luftwiderstand ? Ueber das Wesen des Luftwiderstandes herrschten lange und herrschen noch heute viefach sehr unklare Begriffe. Ein abwärts gerichteter Luftstrom erzeugt einen bestimmten Rückdruck nach oben. Wir können auch die zur Unterhaltung des Luftstroms nötige Arbeitsleistung angeben. Aber diese Rechnung läßt eine untere Grenze des Arbeitsaufwandes nicht nach- weisen. Denn je mehr es gelingt, sehr große Luftmengen zu fassen, um sie sehr langsam abwärts zu drücken, um so weiter können wir.den Arbeitsaufwand ver- mindern und ihn im idealen Grenzfall für beliebig große Last — Null machen. Diese Ueberlegung ist bündig, obwohl sie außer Acht läßt, daß die abwärts be- wegte Luft, weil der Luftraum stetig erfüllt bleiben muß, irgendwo wieder nach oben zurückkehrt. Erst eine vollständige Erkenntnis der Bewegungsvorgänge vermag über die gegebenen Möglichkeiten genauere Aufschlüsse zu liefern. Das sind die Aufgaben der Hydro- oder Aerodynamik, Ob man es mit Wasser oder Luft zu tun hat, ist nämlich für das Wesen der Sache unbedeutend. Einige Schulbeispiele mögen uns die Schwierigkeiten dieser Fragen vor Augen führen. Die ebene, senkrecht oder schräg vom Luftstrom getroffene Fläche zeigt in den Stromlinienbildern, worauf es ankommt, um bei möglichst geringem Bewegungswiderstand große Tragkräfte zu erzeugen. Warum gewölbte Flügel günstiger wirken als ebene, ist danach einleuchtend. Weniger einleuchtend die eigentümliche, wellenförmige Luftbewegung, die ein gewölbter Flügel her- vorruft und die stark von dem abweicht, was die unbefanzene Anschauung meist vermutet. Die „wirbelfreie Bewegung an einem richtig geformten Flügel be- dingt in einer idealen, reibungslosen Flüssigkeit überhaupt keinen Widerstend gegen die Fortbewegung. Wir können beliebig große Hebekräfte erzeugen, ohne überhaupt eine Arbeitsleistung aufzuwenden. Aber die Luft ist nicht reibungsfrei, oder, wie wir besser sagen, nicht ohne Zähigkeit; und allein in dieser Eigenschaft ist die Girenze des unvermeidlichen Arbeitsaufwandes zu suchen, die wir aber nach dem heutigen Stande unseres Wissens noch nicht an- geben können. Helmholtz Schlußfolgerung von der Unzulänglichkeit unserer Muskelkraft beruhte nicht auf Iragwürdigen Luftwiderstandsberechnungen, sondern sie war abgeleitet aus unseren Wuhrnchmungen in der belebten Natur: die Ge- wichts- und Größenverhältnisse der kleineren und größeren Vögel beweisen, daß die Natur Vögel vom Giewicht eines Menschen nicht hervorzubringen ver- Seite 56 „FLUGSPORE“. — _ Ne. 2 mag, weil sich mit wachsender Größe die den Flug bedingenden Verhältnisse so ungünstig verschieben, daß eine immer günstigere Ausnutzung der Muskel- kraft ‘nötig wird. Die wichtigen Aehnlichkeitsgesetze, welche uns gewisse Schlüsse vom Kleinen ins Große ermöglichen, sind von Helmholtz zuerst klar formuliert worden. Der Mensch ist freilich gelegentlich im Stande, die Natur zu übertreffen, deren Geschöpfen das technische Mittel der Rotation nicht zu Gebote steht. Das Fahrrad nutzt unsere Muskelkraft so günstig aus, daß wir es mit dem schnellfüßigsten Pferd aufnehmen können. Man müßte aber den Vogel- flügel um ein so unwahrscheinlich hohes Maß übertreffen, daß Helmholtz Voraus- sage schwerlich je in Frage gestellt werden wird i " Vermag die Aerodynamik so auch gewisse qualitative Aufschlüsse zu geben, so versagt sie doch noch, wenn wir nach zahlenmäßigen Angaben fragen. Da sind wir auf wissenschaftliche Versuche angewiesen. Ein Blick in das ärodyna- mische Laboratorium von Prof. Prandtl (Göttingen) und die von mir geleitete Versuchsanstalt der Jubiläumsstiftung der deutschen Industrie in Lindenberg, die beide auch vom Verein deutscher Ingenieure unterstützt werden, zeigt, wie man diesen Fragen experimentell beizukommen sucht. Die verschiedenen Ver- suchsmethoden kämpfen alle damit, daß man die Messungen an Tragflügeln nicht ganz unter den Verhältnissen der Wirklichkeit ausführen Kann. Am nächsten kommt man dem wohl bei dem in Lindenberg zuerst von uns angewandten Ver- fahren, wobei ein vollständiges Drachenflugzeug im freien Winde so zum Schweben gebracht wird, daß alle praktisch wichtigen Größen unmittelbar gemessen werden. . j Konstruktion und erzielte Leistungen der erfolgreicheren Flugmaschinen sind so bekannt, daß wir wieder nur einzelne Punkte von besonderem Interesse szugreifen brauchen. heran Bei der klassischen Flugmaschine Wright steht augenblickl.ch die Frage nach der Tragweite des Wrightschen Patentes im Vordergrund des Interesses. Bei den lebhaften Erörterungen kommen merkwürdig widersprechende Ansichten zu Tage, lediglich daherrührend, daß der deutsche Flugtechniker vielfach vom deutschen Patentrecht und der Bedeutung des Patentanspruches recht wenig weiß. Viele halten das Wright-Patent für sehr gefährlich und umfassend. Tat- sächlich ist es aber so eng beschränkt, daß es Niemanden ernstlich im Wege ist. Man verwechselt nämlich die Ueberschrift, die als Beschreibung der Gattung auch im Patentanspruche das Bekannte ausdrücklich voranstellt, leicht mit dem eigentlichen, geschützten Inhalt, der erst hinter den Worten „dadurch gekenn- zeichnet, daß“ beginnt. Nach dem Wortlaut des Patentanspruches und nach den Erteilungsakten war die Verwindung biegsamer Tragflächen bereits bekannt, so- gar auch schon gewisse Arten der Kuppelung der Verwindungs- mit der Seiten- steuerbewegung. Das Wright-Patent schützt nur eine ganz bestimmte Art dieser Kuppelung, wobei das Seitensteuer überhaupt nicht unabhängig von den Flügeln bewegt werden kann, sondern nur als Korrektiv der Flügelbewegung wirkt, wo- i aber praktisch nicht auskommt- j . ni“ "Diese Sachlage ist vom Standpunkt der Brüder Wright entschieden be- dauerlich, man kann es auch der deutschen Wright-Gesellschaft nicht verdenken, daß sie eine möglichst weitherzige Auslegung des Patentes wünscht. Aber bei einiger Kenntnis unseres Patentrechts kann man nicht im Zweifel sein, daß sie - damit nicht weit kommen wird. Wir treten dem unvergänglichen Verdienst des nicht genug zu bewundernden amerikanischen Brüderpaares nicht zu nahe, wenn wir uns freuen, daß die glänzende Erfindung, deren moralische Priorität wir ihnen unbeschränkt einräumen, durch ihr Patent so weit gedeckt ist, daß es der freien Entwicklung in Deutschland keinerlei ernste Schranken setzt. \ Praktisch ist die Flugmaschine Wright heute schon in manchem überholt. Sie leidet an den Fehlern ihrer Vorzüge. Das Fehlen der bequemen Abflugart wegen fortgelassenen Dämpfungsschwanzes und die hochempfindliche Höhen- steuerung vorn bedingen unzureichende Stabilität, wellenförmigen Flug. Ein kleiner Mißgrift des Fliegers wird, weit schneller als bei anderen Arten, ver- hängnisvoll. . j Die Sicherheit des Fluges wird, viel mehr als die Fragen der Schnellig- keit und selbst der Tragfähigkeit und des Aktionsradius für die Zukunft der Fliegekunst entscheidend sein. Denn ihre Leistungen genügen an sich schon längst, um als wichtige Verkehrsart im praktischen Leben aufzutreten. Man kann 100 bis 200 und mehr km weit fliegen. ein oder zwei Passa- giere mitnehmen; man fliegt mit Schnellzugsgeschwindigkeit von 60-80 km/Std. und erreicht Höhen über 500 m. No. 2 »FLUGSPORT“. Seite 57 Die Flugzeuge übertreffen die Luftschiffe fast um das Doppelte an Ge- schwindigkeit. Denn diese fliegen in der Regel nur mit 35-40 kmj/Std.; 50 km/Std. sollen äußerstens vorgekommen sein, sind aber noch nicht authentisch festgestellt. Ihnen sind auch durch den großen Widerstand des Gaskörpers ge- wisse Grenzen gezogen, besonders dem starren System, dessen in Deutschland noch wenig beachteter wunder Punkt darin liegt, daß das hohe Gewicht des starren Ballonkörpers, das ja auch kleinere Ausführungen verbietet, nur ver- hältnismäßig wenig Motorgewicht zuläßt. Jedenfalls wird sich in den Geschwindig- keiten das heutige Verhältnis zwischen Luftschiff und Flugmaschine nicht wesent- lich verschieben. Das Flugzeug könnte, wenn es nur auf die Schnelligkeit an- käme, noch gegen Winde anfliegen, bei denen das Luftschiff in der Halle bleiben muß. Winde von 72 km/Std. (20 m/sk) kommen kaum je vor. Danach könnte die Fiugmaschine also immer fliegen. Nimmt man hinzu die viel größere Ein- fachheit, die Anspruchslosigkeit in Bezug auf Bedienungspersonal und Unter- kunftsräume, die wahrscheinlich erreichbare Zusammenlegbarkeit der Flügel und die damit gegebene Möglichkeit des einfachen Transports in Straßen, endlich ihre geringen Änschaffungskosten, die schon heute erschwinglich und in Zukunft sicher auf wenige tausend Mark zu ermäßigen sind, so scheint die Zukunfts- frage eigentlich ganz glatt zu Gunsten der Flugzeuge entschieden. Es scheint das ideale Verkehrsmittel der Zukunft werden zu sollen. Eigentlich ist es gar nicht mehr das Luftschiff, sondern das Automobil, dem ein Rivale erwächst. Das Automobil hat trotz seiner allbekannten Unzuverlässigkeit und seiner ganz ab- schreckenden Kostspieligkeit eine so gewaltige Bedeutung im praktischen Leben nur deshalb gewinnen können, weil ein sehr intensives Bedürfnis besteht für Verkehrsmittel, die unabhängig sind von Fahrplänen und bestimmten Verkehrs- linien. Für den Sammelverkehr haben wir ja längst die Eisenbahn mit ihrer fast unfehlbaren Pünktlickeit, Bequemlichkeit und Zuverlässigkeit. Dennoch konnte das Automobil dagegen aufkommen. Wie viel mehr darf die Flugmaschine auf das Bedürfnis des unabhängigen Einzelverkehr rechnen, die viel einfacher und billiger ist als das Automobil, keinen Straßenschmutz und keine Pneumatik- schäden kennt und obendrein noch viel schneller ist. Fliegt sie doch in der „Luftlinie“, So kommt es, daß nicht nur fanatische Flugtechniker, sondern auch schon viele ernste Beurteiler und selbst persönliche Vertreter des Luftschiffes mit immer stärkerem Optimismus in die Zukunft der Flugmaschine blicken. So haben sich in Frankreich, das. doch schließlich der klassische Boden der Luftschiffahrt bleiben wird, der Kriegsminister General Brun, der Kommandant Bouttieaux vom Luftschifferpark in Calais u. a. lebhaft in diesem Sinne ausgesprochen. Selbst Henri Kapferer, der bekannte Erbauer und Führer der französischen Militärluft- schiffe, soll sich ähnlich geäußert haben. Aber es ist nicht deutsche Art, dem französischen Elan unbesehen zu folgen. Vor der Zukunft der Flugmaschine liegt noch ein großes Fragezeichen, dessen Beseitigung noch nicht sicher abzusehen ist. Was hilft die dem Winde überlegene Geschwindigkeit, wenn man mit den Böen und Stößen, die stärkere Winde stets begleiten, nicht ganz sicher fertig zu werden vermag. Besonders in - der Nähe das Erdbodens erzeugt ein kräftiger Wind stets heftige, tückisch wechselnde Stöße. Der Wind brandet am Boden, wie das Meer am Gestade. Luftwellen und -wirbel wälzen sich über die Oberfläche, und wer einmal mit Flugzeugen einiger Größe in kräftigem Winde gewesen ist, der weiß, wie schwer solcher Apparat zu regieren und selbst schon am Boden zu handhaben ist, wenn Windböen an ihm herumzerren, die, wenn auch nur momentan, diejenige Stärke erreichen, die den unbelasteten Apparat in die Höhe wirft. Es wird an Versuchen und Menschenopfern nicht fehlen, aber erst längere Erfahrung wird hier die Grenzen. menschlichen Könnens klar erkennen lassen. Heute ist die FIngmaschine stärkeren Winden mindestens noch nicht besser als das Luftschiff gewachsen. Noch kann, selbst bei mäßigem Winde, keiner der erfahrenen Flieger die volle Verantwortung für die Sicherheit seines Fahrzeuges auf sich nehmen. Da ist der entscheidende Gesichtspunkt für die praktische Be- urteilung der Gegenwart. Die auch bei ruhigem Wetter immer noch drohende Gefahr der Motor- pannen dürften die Zukunft der Flugzeuge weniger ernstlich gefährden. Wenn man nicht gerade über große Wald- oder Wasserflächen seinen Weg wählt, und das kann man ja vermeiden, dann droht den Insassen keine ernste Gefahr. Aus- gebildete Flieger werden schulmäßig, wie an etwas Selbstverständliches daran „FLUGSPORT". N? gewöhnt sein, mit stillstehendem Motor im Gleitflug aus beliebiger Höhe zu landen. . on . j ‘+ intensiver wird in Frankreich mit viel reicheren Mitteln und zahl- reichern Kräften an der weiteren Entwicklung gearbeitet, als in Deutschland, und doch dürfen wir das sichere Gefühl haben, den Franzosen in der Luft weit über- legen zu sein, denn die praktische Bedeutung der Luftschiffahrt_liegt gegen- wärtig noch allein auf militärischem Gebiet. Und da kann die Flugmaschine überhaupt noch nicht ernstlich mitsprechen. Das Luftschiff beherrscht, allen Zu- kunftsträumen zum Trotz, jetzt noch allein die Luft ; freuen wir uns, dab deutscher Wirklichkeitssinn, Tatkraft und Gründlichkeit uns hierin weit an die Spitze ge- stellt haben. Offizielle Mitteilungen des, Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstaind: 1. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. » Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. e. EN M N I N N Der Vortrag des Herrn Böninger über „Statische und dynamische Luftdruck- messungen“ ist in der heutigen Nummer der Vereinszeitschrift enthalten, Diens- tags abends 8 Uhr finden in der „Alemania“ regelmäßige Zusammenkünfte statt. (Stammtisch.) | Offizielle Mitteilungen _ des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. Sitz Oberhausen i. Rhld. Vorstand: Vorsitzender: Schüller, Bürgermeister a.D. \ Schriftführer: Heinrich Timmer, Hafenbahnmeister | Meiderich. “ / Schatzmeister: Heußer, Ingenieur. ‘ Gerätewart: Trutenau, Maschinenmeister. Beisitzer: Redakteur Huhn. Der Verein hielt am 5. Januar unter dem Vorsitz des Bürgermeisters a. D. Schüller eine außerordentlich gut besuchte Versammlung ab, in welcher zunächst 17 Mitglieder, darunter eine ganze Reihe auswärtiger Herren, aufgenommen wurden. Die Mitgliederzahl ist damit schon erheblich über 100 gestiegen; unter den Mitgliedern befinden sich verschiedene, welche eigene Apparate besitzen und bereits erfolgreiche Flüge unternommen haben. Die von einer Kommission No 2 „FLUGSPORT“ Stite 59 ausgearbeiteten Satzungen, die äußerst klar und übersichtlich gehalten sind. wurden einstimmig angenommen. Danach wird der Verein alsbald gerichtlich eingetragen werden; ordentliche Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 6 M., Körperschaften einen solchen von mindestens 50 M. und stiftende Mitglieder einen einmaligen Beitrag von mindestens 109 M. Sollte der Verein einmal auf- gelöst werden, so wird das Vermögen der Stadtverwaltung Oberh ıusen über- wiesen, die es in Gemeinschaft mit dem Holtener Gemeindevorstand für deutsche Flugzwecke zu verwenden hat. Nach Annahme der neuen Satzungen, die einen neungliedrigen Vorstand vorsehen, legte der bisher aus 7 Personen bestehende Vorstand seine Aemter nieder. Redakteur Huhn hob die Verdienste des bis- herigen Vorsitzenden, Bürgermeister a. D. Schüller, hervor, der unermüdlich für die Vereinssache tätig sei, und dem man es besonders zu danken habe, daß der Verein trotz seines kurzen Bestehens heute schon bei den maßgebenden Be- hörden Westdeutschlands. in hohem Ansehen stehe, und daß sich ihm aus dem Westen bereits eine große Zahl von Fliegern anschlossen, deren Namen in der Flugtechnik oder in der Förderung derselben einen guten Klang haben. Er bat daher um die einstimmige Wiederwahl des Herrn Schüller, die denn auch unter dem Beifall der Versammlung erfolgte. 2 Vorsitzender wurde Gemeindevor- steher Fritz Nohlen in Holten; Schriftführer Uhrmacher Hallen; Schatzmeister Maschinenmeister Trutenau, beide in Oberhausen; Vertreter für die letzteren beiden Gutsbesitzer Carl Nohlen in Holten; 1. Flugwart Mechaniker Niehuls in Wesel; 2. Flugwart Architekt Schnarre in Holten und Beisitzer Ingenieur Heuser und Redakteur Huhn in Oberhausen. Bekanntlich hatte seinerzeit die Gute- hoffnungshütte den Verein in liebenswürdiger Weise unterstützt, indem sie ihm den Schlackenberg an der Duisburgerstraße für seine Flugversuche zur Ver- fügung steltte. Leider erwies sich bei den immer mehr fortschreitenden Ver- suchen di se Abflugstelle als nicht zweckentsprechend, weshalb man nach einem anderen, den Anforderungen aller Apparate genügenden Flugfelde Umschau halten mußte. Ein geradezu ideales Gelände fand sich nun im sogenannten Bruch in Holten, und die Gemeinde Holten erkannte sofort, wie wertvoll die Errichtung einer Abflugbahn auf ihrem Grund und Boden sein würde; sie gab das Terrain unentgeltlich her und spendete zum Bau des Abflugturmes n ch 500 M. So mußte denn der Verein der Stadt Oberhausen — so leid es ihm auch tat — den Rücken kehren; er beschloß aber, Sitz und Vereinslokal in Oberhausen zu be- lassen. Wir sind überzeugt, daß unsere Stadtverwaltung mit der Zeit doch ein- sehen wird, was ihr mit dem Weggang des Vereins und der Verlegung des Flug- feldes nach Holten verloren ging. Der Abflugturm, entworfen von Architekt Schnarre in Holten, dessen Bau mehrere Tausend Mark erfordert, wird der erste derartige Abflugturm, den Deutschland überhaupt besitzt. Er wird 8 Meter hoch, die Abflugbahn 20 Meter lang; letztere läuft unten auf 8 Meter Breite aus und ist um den ganzen Turm drehbar, also nach jeder Windrichtung einstellbar. Mit dem Bau wird alsbald begonnen; er soll so gefördert werden, daß Anfang März die feierliche Einweihung stattfinden kann; für diese, bei welcher mit den ver- schiedensten Flugmaschinen Flüge unternommen werden, wird ein besonders her- vorragendes Programm aufgestellt, welches Tausende von Zuschauern nach Holten führen dürfte. Die Pläne zum Abflugturm sind durch den Vorsitzenden persön- lich Herrn Oberst Schmiedecke, dem zuständigen Dezernenten im Kriegs- ministerium, vorgelegt worden, der sich sehr anerkennend darüber wie über die Bestrebungen des Vereins aussprach. In der nächten Vereinssitzung hält Redak- teur Krause aus Köln einen fachlichen Vortrag mit anschließender Diskussion. Die Vereinsabzeichen sind inzwisehen fertiggestellt; nach einem Entwurf des Vereinsmitgliedes König in Wesel zeigen sie auf den deutschen Farben einen drehbaren Motor; darüber sind erhaben zwei Propellerflügel angebracht. Die Umschriftt “des in der Größe eines Markstückes angefertigten Äbzeichens, zu dessen Beschaffung jedes Mitglied verpflichtet ist, enthält Namen und Gründungs- jahr des Vereins. Der Verein, in welchem nur wirkliche und ernste Arbeit ge- leistet wird, geht von dem Bestreben aus, deutschem Geist und deutscher Schaffenskraft die ihnen gebührende Anerkennung zu verschaffen und die deutsche Flugsegelei zu einer Stufe höchster Vollkommenheit zu führen; der Verein, der alles daran setzt, durch eben dieses Streben sich die Achtung und Wert- schätzung der Mitwelt zu erringen, er bedarf zur Ausführuug des gesteckten großen, aber schönen Zieles der Unterstützung der weitesten Kreise. Durch den mäßigen Satz seiner Beiträge will er auf eine breite Basis gestellt sein und Allen die Mitwirkung ermöglichen. Möchten sich, das ist unser Wunsch, neben einer mögliehst großen Zahl ordentlicher Mitglieder, auch noch recht viele Seite 60 „FLUGSPORT“. No. 2 stiftende Mitglieder und Körperschaften — unter letzteren sollte und dürfte auch die Stadt Oberhausen nicht fehlen — finden, welche ihrerseits den Verein in den Stand setzen, auf der begonnenen Bahn weiter zu schreiten zum Segen der für unsere Zukunft überaus bedeutungsvollen Flugsegelei ! Studien-Gesellschaft für Aviatik. Breslau. Vorstand: 1. Vorsitzender: Ober-Ingenieur E. Schrader. 2. n Ingenieur G. Winkler sen. 1. Schriftführer: Ingenieur W. Bruch. Sitzungen, zu denen die Einladungen schriftlich ergehen. finden jeden Freitag, abends 8.30 Uhr statt. Flugtechnische Literatur. Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT“, Frankfurt a. M. Hilfsbuch für den Luftschiff- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie. Anleitung zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luftschifien, Fiugmaschinen aller Art und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Daliwitz. Preis Mk. 4.— Wie der Vogel fliegt und wie der Mensch fliegen wird von Ingenieur Wilhelm Kress. Preis Mk. 4.—. Motorballon und Flugmaschine vor Major A. von Parseval, Berlin. Preis Mk. 1.—. Plugapparate von Ingenieur Fritz Rost. Preis geb. M. 1.60. Der Vogelflug als Grundlage der Pliegerkunst von Otto Lilientha. Preis Mk. 10.— Leitfaden der Luftschiffahrt und Flugtechnik von Dr. Raimund Nimführ. Preis Mk. 12.— Luftkrieg von R. P. HKearne mit einem Geleitwort von SirH. Maxim. Preis Mk. 6. _, Wie der Vogel fliegt von Milla. Preis Mk. Die endgältige Lösung des Plugproblems von Nemethy. Preis Mk. DE Der Flug, ein auf der Wirkung strahlenden Luftdrucks beruhender Vorgang von Dr Emil Jacob, Kreuznach Preis Mk. 3.— Der praktische Flugschiffer von Dr. Wegener von Dallwitz. Preis geb. Mk. 3.—. brosch. Mk. 2.—. Mechanik des Vogelfluges von Major A. von Parseval. Preis Mk. 5.—. In die Lüfte empor von Hauptmann von Krogh. Preis Mk. 1.—. Die Luftschiffahrt von Hauptmann H. Gross. Preis Mk. 0.30. Die Ortsbewegung der Tiere von Petigrow. Preis geb. Mk. 5.—. brosch. Mk. 4.—. Luftfahrten einst und jetzt von F. M. Feldhaus, Preis Mk. 2.—. Im Reich der Lüfte von A. Santos-Dumont. Preis Mk. 4.—. Eroberung der Luft von Grzf Ferdinand von Zeppelin. Preis Mk. 0.75. Das Flugproblem und die Erfindung der Flugmaschine von Eugen Kreiß. Preis Mk. 2.80. Die Luftschiffahrt von Graf Ferdinand von Zeppelin. Preis Mk. 1.60. Flugmaschinen-Motore aus erstklassigem deutschen Material, System Anzani, 3 Cyl. 25-30 HP 105X130, 60 Kilo, liefern schnell und billig WEILAND & GILDEMEYER, Essen-Ruhr. Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ (L’ Aviation) Le seul organe allemand traitant particuli&rement les interöts de !’Aviation unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Repre&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 62. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Sonnabend jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 3. Frankfurt a. M., 5. Februar 1910. Jahrg. II. Ueber Tragdeckenprofile. Civ.-Ing. Oskar Ursinus. Bei unseren jetzigen Flugmaschinenkonstruktionen ist man außer der Erzielung einer guten Stabilität bemüht, die beiden wichtigsten Maschinenelemente, die Schrauben und die Tragdecken, zu verbessern. Die konstruktive Durchbildung der Schraube ist viel weiter vorgeschritten als die der Tragdecken. Die Schraube gestattet experimentell bequemere Versuche auszuführen als die Tragdecken. Von vornherein sei gleich darauf hingewiesen, daß die Unter- suchungen von Tragdeckenmodellen zu Resultaten, welche in der Praxis verwendet werden können, nicht führen. Die einzige Möglichkeit bleibt, die Versuche an Flugmaschinen in natürlicher Größe oder an Gleitflugapparaten (wie sie Dr. Ing. Bendemann und Verfasser dieses ausgeführt haben) vorzunehmen. Leider sind wir bis jetzt noch nicht in der Lage, uns an auch nur einiger- maßen einwandsfreie theoretische Voraussetzungen zu halten. Die vielen Anfragen nach der Formgebung der Tragdecken, welche in letzter Zeit an mich gelangten, veranlassen mich, dieses Thema in den nächsten Nummern etwa eingehender zu behandeln.) \ Die Ansicht, die Tragdecken nach der Parabel zu profilieren, dürfte allgemein als falsch anerkannt worden sein. Ich verweise *) Ich bitte die geehrten Leser, diese Ausführungen als Antwort auf Ihre Anfragen zu betrachten. Seite 62 hierbei auf den Artikel unter „Zeitschriftenrundschau“ von Petit in „Revue Aerienne“. Die Lineisten Konstrukteure sind bemüht, ihre Tragdecken so zu profilieren, daß die Luit stoßfrei eintreten soll und versehen ihre Tragdecken vorn miteiner scharfen Kante. Die Luft soll hierbei unterhalb der Tragfläche entlang streichen und nach unten geschleu- „FLUGSPORT“ 5 No. 3 —. -- __ —-- dert werden. Bereits vor --_-"_- - — Eintrittunterdie Tragdecke ı--”7__- ____ tutdie Luft nicht das, was _--- 77-07 [_.0_-07 0 von ilır verlangt wird. _ „A Nämlich es tritt bereits an Abb |. Non der scharfen Kante eine Abweichung des Luftstromes, wie in Abb. 1 dargestellt, ein Diese Ablenkung zerstört die ganze Theorie und zwar entsteht in erhöhtem Mabe oberhalb der Trag- decke bei a je naclı der Krümmung der Fläche, ein mehr oder weniger großes Vakuun, welches sich an den hinteren oberen Enden der Tragdecke mit den von unten kommenden Luft- strom ausgleicht. - Die Bestim- FE mung der Luft- . - . u _-7L_.--— stromrichtung 7" Lo = sowie die Fest- Te LLLLLD. --._. ‚stellung der hier- -”__-- 7 bei auftretenden Abb. 2. dynamischen Luftdrücke können einzig und allein mittels feiner Manometer bestimmt werden Ich möchte nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß die vielfaclı zur Darstellung gebrachten Luft- strombilder mittels Rauch oder Staub zu gefährlichen Trug- schlüßen Anlaß geben können. Iclı lıabe «dies durcli das Ex- periment festgestellt. Bei unserem Beispiel in Abb. I kann der Rauch nicht dem abgelenkten in sich verdichteten Luftstrahl folgen, sondern wird sofort eigentümlicher Weise den vom Vakuum eingenommenen Raum a erfüllen. Der Experimenteur wird daher No. 3 on „FLUGSPORF" Seite 63 logischerweise schließen, daß die Luft an der Tragfläche entlang strömt. Auch spielt die Verschiedenartigekeit der Massen (Luft oder Staub) eine erhebliche Rolle. Bei der erwähnten starken Ablenkung des Luftstromes bildet sich vor der Deckenkante ein Luftpolster, dessen Projektion größer ist als die Schnei.!kante, der Stirnwiderstand wird sich dalıer nichht N Abb. 5. erheblich vergrößern, wenn man den vorderen Teil der Tragdecke stark abrundet, wie dies bereits Wriglit und vordem Lilienthal getan haben. Seite 64 „FLUGSPORT.“ No. 3 Dem geneigten Leser, welcher in der vorigen Nummer den Vortrag von Ingenieur Böninger studiert hat, wird der drucklose Winkel von 28°, wenn ich solchen so bezeichnen darf, aufgefallen sein. Für den Konstrukteur liegt daher niclıts näher, als diesen Winkel bei der vorderen Tragdeckenkante anzuwenden, bezw. die obere Seite der Tragdecke so zu konstruieren, daß sie durch den Aufstoß des Luftstromes, keinen dynamischen Druck und damit keinen starken Widerstand erfährt. Diese Erkenntnis dürfte m. E. einen erheblichen Fortschritt bei der Formgebung der Tragflächen ergeben. Bereits im Juni vorigen Jahres habe ich eine Tragdecke nach diesen Gesichtspunkten (Abb. 2) für meine Flugmaschine konstruiert und praktisch gebaut. Die vordere Wulst ist als Hauptträger ausgebildet. Die Luftstromführung geht aus der Ab- bildung deutlich hervor. Fantastisch erscheint vorerst die Luft- stromführung unter dem ersten Drittel der Tragdecke, welche der Tragdecke sogar einen Vortrieb erteilt. Der Vortriebswinkel be- trägt hierbei 62 Grad. Ich werde in späteren Abhandlungen, nach- dem ich meine Versuche beendet habe, auf diesen zurückkommen. . So viel mir bekannt, ist das die erste Tragdecke, welche naclı diesen Prinzipien überhauptkonstruiert und praktisch ausgeführt wor- den ist. Jedenfalls ist der vorbezeichnete Weg der einzige jetzt gang- bare und Erfolg versprechende, Interessant ist, daß man im Ausland beginnt, in dieser Richtung gleichfalls intensiv zu arbeiten, Sehr interessant und eine Parallele zu dem Böninger'schen Vortrag ist ein Vortrag von M. H. B. Kaptein, welchen er in der „Adro Me&canique* auszugsweise veröffentlicht. Bereits früher hatte Kap- tein über das birnenförmige Profil, das von Maxim Versuchen unterworfen worden war, berichtet. Bekanntlich behauptete Maxinı, daß ein Profil nach Abb. 3, wenn die runde Fläche dem Luftstrom zugekehrt ist, weniger Widerstand bietet, alseine zugespitzte. Abb. 4 ‚So viel mir indessen bekannt ist, soll Professor Prandtl expe- rimentell das Unzutreffende dieser Behauptung erwiesen haben. Kaptein gab indessen für den Vorgang folgende Erklärung. Er behauptet, daß sich um den runden Teil a und b ein luft- verdünnter Raum bilde, welcher durch die Ablenkung des Luft- stromes von der runden Fläche hervorgerufen wird Ebenso bilde sich, wenn die runde Fläche dem Luftstrom abgekehrt ist, ein Vakuum, das eine Reaktion hervorruft und den Widerstand ver- erößert und zwar soll der Widerstand in letzterem Falle ca. 25 % höher sein. Auch von Professor Klopper wurde diese Richtigkeit ange- zweifelt. Seiner Meinung nach kann sich unmöglich am runden Teil eim luftverdünnter Raum bilden, sondern nur ein Druck. Die horizontal ankommenden Luitteilchen müssen nach der Seite hin ausweichen, wasnur geschehen kann durch ein Zusammendrücken des dreieckigen Raumes. Auf diese Ausführungen erklärte hingegen Kaptein, daß dieser Druck nur an den Punkten a und b bestände, was aus seinem nachfolgenden Experiment hervorgehe. Da für die Versuche nur die vordere Fläche a und b bezw. hintere e, & und f Interesse biete, so dachte er sich die beiden No. 3 „FLUGSPORT.“ Seite 65 Halbkreise zu einem Zylinder vereinigt. Diesen prüfte er mittels. eines Apparates (Siehe Abb. 5), den er den Ent- decker nannte. | Dieser Entdecker besteht aus einer Metallbüchse A, welche durch eine in ihrer Mitte eine Platte B tragende Mermbrane ge- schlossen ist. In die Rückseite der Büchse mündet ein durch einen Gummischlauch D verlängertes Rohr. Das freie Ende des Schlauches wird mit dem Versuchsobjekt verbunden. Letzteres ist in diesem Falle ein um seine Längsachse drehbar angeord- neter Metallzylinder, durch dessen Mittelebene ein Rohr F gelegt, dessen eines Ende bis zur Zylinderoberfläche geführt ist. “Hier- selbst ist dieses Rohr durch eine Scheibe abgeschlossen, welche I) L] % / IX 7 h Ri os f . &| SS Z I 0 IM o 60 Abb. 6, in ilırer Mitte eine kleine Oefinung besitzt. Das zwei > des Rohres F ist mit dem freien Ende des Gummischlauahes verbunden, Du ——— Irkt nun ein Luftstrom auf dem Zylinder, so wird Druck oder das Vakuum durch das Rohr F und den Schlauch D auf die Membrane übertragen. Dadurch wird die Membrane be- einflußt, die damit verbundene Aluminiumnadel schlägt aus und zeigt auf einer Skala die Intensität des Druckes oder des Vakuums an. Damit man genau den Anstellwinkel des Rohres F zur Luftströmung ersehen kann, ist der Zylinderumfang in 360 Grade eingeteilt. Den einen Schenkel des Anstellwinkels bildet stets die horizontale Querachse, den anderen das Rolır F. Während der Versuche brachte Kaptein die Oefinung des Rohres F in verschiedene Winkel zur Luftströmung, welche Seite 66 __„ELuospori“. _ N.3 durcli einen Ventilator erzeugt wurde. Die von der Nadel an- gezeigten Drucke oder Vakuum trug er in einem Diagramm (Abb. 6) auf, derart, daß er die jeweiligen Resultate auf den mit denı Anstell- winkel korrespondierenden Radien eines beliebigen Kreises auf- trug. Die Drucke sind außerhalb des Kreises, die Vakuum inner- halb des Kreises aufgetragen. Aus den Versuchen ergab sich, daß bei einem Anstell- winkel der Rohrmündung gegen die Luftströmung unter 65 Grad kein dynamischer Druck an der Zylinderoberfläche herrschte. Dieses ist auch bereits von Krell festgesteilt worden. Den Beweis für die Be- lıauptung, daß sich an der Oberfläche eines von einem Luftstrom angeblasenen Zylin- ders ein Vakuum bilde, er- bb 8. bringt Kaptein durch folgenden Versuch. Auf eine Papprolle klebte er mit einer Kante eine dem Rollenumiang entsprechend ge- Abb. 9. Wölbte Karte. Diese so präpa- rierteRolle brachte er derart in die Luftströmung, daß dieselbe den aufgeklebten Rand der Karte traf, was zur Folge lıatte, daß sich die freie Kante der Karte gegen die_Luitströmung AB. 10. einstellte. Diese Erscheinung ist ein sehr gelungener Beweis der obigen Behauptung. (Abb. 7.) Nach weiteren Versuehen kanı Kaptain zu der Ansicht, - un. 17. daß die Natur mittels der Be- wegung des tierischen Flügels sorgfältig die so schädliche Druckzone vermieden habe, um so viel wie möglich sich : der nützlichen Zugzone zu be- dienen. In der punktierten Zugzone Abb. 8 ist eine derartige ziemlich pliantastische Flügelform eingezeichnet. Da Kaptein diese Flügelform des tieferen Forschens für wert hielt, so bog er dieser Form entsprechend eine Kupferplatte und lötete in dieselbe auf ihre innere Seite eine Reihe kleiner Röhr- chen. (Abb. 9 u. 10.) Um die Luftwiderstandsverhältnisse an dieser Flügelform genau zu untersuchen, verband er die Röhrchen ein- zein mit dem Entdecker. Das Ergebnis ist entsprechend der ersten Diagramme in Abb. 11 dargestellt. Druck und Zugzone sind wieder den Vektoren gemäß aufgetragen. \bb. 12 No 3 „FLUGSFORTT. u... Sette 67 Wir sehen, daß die Zugzone sehr bedeutend ist; wälırend die Druckzone vorn am Flügel ein Minimuni ist. Die Versuclie, die Kaptein mit einem Vogeltlügel vornalhım, fülırten zu demselben Resultate. Letztere sind in Abb. 12 graphisclı dargestellt. Im Jahre 1905 maclıten Dr. G. Finzi nnd Dr. N Soldati Luft- widerstandsversuche und erhielten dabei ein demjenigen Kapteins ähnliches und symetrisches Diagraınm. Sie haben ebenfalls einen Körper in Gestalt eines Torpedos in den Luftstronı gebraclıt, den sie zuerst an der abgerundeten Seite und dann an der spitzen Seite einwirken liessen. Hierbei haben sie geiunden, daß diese Torpedoform mit der Spitze nach vorn gerichtet, einen gewissen positiven Widerstand erleidet; aber das der Gesamtwiderstand ein negativer wird, sobald man den Körper herumdrelit und die abgerundete Seite in die Luftströmung brachte. Aus allen diesem «eht hervor, daß es wohl möglich ist, eine Tragdecke zu konstruieren, welche ein Minimum an schädlichem Widerstand und ein Maximum an nützlichem Widerstand besitzt, ja sogar einen gewissen Vertrieb Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Wie in meinem letzten Briefe eingehend bericlıtet, Iıatte die Internationale Aeronautischie Vereinigung in ilırer zu Paris abge- haltenen Vorstandssitzung zwecks Aufstellung des flugsportlichen Kalenders für das laufende Jahr nach heftigen Debatten den von Deutschland unterstützten Wünschen Englands insofern naclıge- geben, als man im Monat Juli, den die Franzosen ganz für sich beansprucht hatten, einige Tage für England zwischenschob. Durch geringfügige Konzessionen auf beiden Seiten schien somit der drohende Konflikt beschworen. Aber den Franzosen wollte die von der Internationalen Vereinigung getroffene Entscheidung nicht gefallen. Sie bestanden darauf, für sich allein die Rosinen aus demKuchen zu nehmen und das so übrig gebliebene Gebäck konnte den Vereinigungen anderer Staaten naturgemäß nicht mehr recht appetitlich erscheinen. Am vorigen Dienstag trat die Commission Aerienne Mixte, die höchste flugsportliche Instanz in Frankreich, unter Vorsitz des Herrn L&on Barthou zu einer außer- ordentlichen Sitzung zusammen, um zu der Entscheidung der Internationalen Förderation Stellung zu nehmen. Unter den An- wesenden bemerkten wir die Herren Surcouf, Esnault-Pelterie, Deutsch de la Meurthe, Archdeacon, Bleriot, Marquis de Dion, Major Renard, Rousseau, Soreau, Major Ferrus. Nach einer durch ihre Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit bemerkenswerten Aus- sprache beschloß die Commission A&rienne Mixte, in der sich nur eine einzige Stimme erhob, die zur Mäßigung malınte, daß man die Entschlüsse der Internationalen Aeronautischen Vereinigung nicht akzeptiere, sondern sich auf die ursprünglichen Beschluß- fassungen zu Zürich berufe. Der aufgestellte Kalender wurde ver- worfen und ein neuer Kalender festgesetzt. aus dem die kleine Seite 68 „FLUGSPORT“. No. 3 Konzession, die man den Engländern gemacht hatte, indem man für sie im Monat Juli einige Tage zwischengeschoben hatte, wie- der ausmerzte und ferner die an Deutschland und Rußland be- willigten „Daten ohne Exklusivität“ entfernte. Dieses bedauer- liche Vorgehen der Franzosen, das jede Rücksichtnahme auf die Interessen der i:ternationalen aviatischen Bewegung vermissen läßt, hat einen schweren Konflikt heraufbeschworen, indem der Aero-Club von Großbritannien bereits erklärt hat, daß er sich an die Beschlüsse der Internationalen Vereinigung halte und seiner- seits die Entscheidungen der Commission A6rienne Mixte für sich nicht als giltig anerkenne. Es wäre zu wünschen, daß auch Deutschland energisch Stellung zu der Sache nehme und keinen Zweifel darüber lasse, daß es das rücksichtslose Vorgehen der Franzosen gleichfalls nicht billige und anerkenne. Da haben wir nun bedauerlicherweise einen wirklichen „Sport — Krieg“, bei dem die internationale Aviation natürlich der leidende Teil sein wird, und dessen Verantwortung ausschließlich auf die Franzosen ällt. Das Verhalten der Franzosen kann auch dadurch nicht ent- schuldigt werden, daß es freilich einer besonders stark entwickel- ten Begeisterung für die Aviation entspringt; man sieht hier die Aufrechterhaltung der. Suprematie in aviatischen Dingen geradezu als eine nationale Ehrensache an. Besonders für dieses Jahr be- reiten sich die hiesigen aviatischen Kreise aui große Demonstra- tionen vor. Allerdings haben die Flugübungen auf den verschie- denen Aerodromen durch die beklagenswerte Hochwasser-Kata- strophe eine unliebsame Unterbrechung erfahren. So sind zum Beispiel einige der Flugplätze, wie Juvisy, vollständig über- schwemmt und es wird, auch nachdem das Wasser sich wieder zurückgezogen haben wird, noch langer Zeit bedürfen, ehe man die Terrains wieder in brauchbaren Zustand versetzt haben wird. Natürlich ist auch der Materialschaden ein beträchtlicher. In Issy-lex-Moulineaux, das von den Wasserfluten verschont blieb, herrscht eine rege Tätigkeit. Voisin sind dabei, einen neuen Zweidecker, den sie „Renn-Type“ nennen, weil er eine be- sonders hohe Geschwindigkeit entwickeln bestimmt ist, zu mon- ‚tieren. ‘Sie haben diesen Apparat mit einem starken Motor zu vier horizontalen Zylindern, die zu zwei und zwei gegenüber ge- lagert sind, und eine Bohrung von 130 mm und einen Kolbenhub von 120 mm haben, ausgestattet, der 50 PS ergeben soll. Einen anderen an Pauwels gelieferten Apparat haben Voisin mit einem 50 PS-Vierzylinder-Dansette-Motor versehen. Ferner sehen wir dort die von Clement gesteuerte „Demoiselle“, sowie einen Ap- parat gleicher Type, mit dem die bereits erwähnte Theaterkünst- erin Mademioiselle Dutrieux operierte, die neulich infolge eines falschen Steuerungsmanövers zu Fall kam, ohne irgend welchen Schaden zu erleiden. Ferner experimentiert jetzt in Issy ein iunger Aviater Nieuport mit einem Eindecker, den er nach eige- nen Angaben hat konstruieren lassen. Der anscheinend sehr solide gebaute Apparat hat einen 30 PS-Darracq-Motor erhalten, der eine vorn angebrachte Schraube antreibt. No. 3 „FLUGSPORT." Seite 69 Die Hanriot-Schule in Reims ist gut besucht. Außer den beiden Hanriots, Vater und Sohn, üben dort Wagner, Schreck, Gournay, Bathiat, Cordonnier etc: DieFlugversuche werden äber durch das rauhe Wetter sehr beeinträchtiet. Am interessantesten ging es ohne Zweifel im Lager von Chalons zu, wo vor allen Dingen der ehemalige Radrennfahrer Van den Born erstaunliche Fortschritte gemacht hat. Der Belgier, der erst verhältnismäßig kurze Zeit dem Flugsport obliegt, ver- mochte schon Flüge von 1 Stunde und 16 Minuten und von 52 Kilometer zurückzulegen und am letzten Freitag haben die Kom- missare konstatiert, daß er bei einem Fluge nach Suippes eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 85 km die Stunde erreicht habe. Jetzthat man dem Belgier eine Tournee durch Canada ange- boten, die drei Monate dauern und ihm beträchtliche Summen einbringen wird. Van den Born dürfte sich schon in Kürze mit seinem Farman-Flieger nach Canada einschiffen. Der Russe Efimoff, der gleichfalls in Chalons übt, vermochte einen 53 Mi- nuten-Flug über 55 km in einer Höhe von 100 bis 150 m auszu- führen. Burgeat, der einen Antoinette steuert, stürzte nach etwa Il km Flug mit seinem Apparat infolge schlechter Steuerung ab. wobei die Maschine in Trümmer ging. Cheuret und Kinet, auf Farman-Apparalen, kommen gut voran. Einen originellen Unfall erlitt Morell. Beim Landen blieb die Schraube seines Apparates in einem Stück Kabel hängen, das sich um die Welle aufwickelte. Die Schraube brach in hunderte Stücke, die weit umher flogen und den Apparat schwer beschädigten. Wie durch ein Wunder blieb der Pilot selbst völlig unverletzt. Küller und von Mumni steuern Antoinette-Apparate, anscheinend mit Erfolg. Molon in Havre und Breguet in Douai gehen gut voran. Letzterer flog kürzlich bei starkem Winde 1% km mit einem Passagier. Von Interesse dürfte sein, daß Baron de Caters jetzt zwei Sommer-Apparate für sich bestellt hat, mit denen er fortab Flug- übungen vornehmen will. Zwei aviatische Veranstaltungen sind es, die das Hauptinter- esse der hiesigen flugsportlichen Kreise erwecken: das soeben beendete Meeting von Los Angeles, das gewissermaßen zu einer Apotheose fürPaulhan wurde, und das kurz bevorstehende egyp- tische Meeting von Heliopolis. Die Leistungen Paulhans während des kalifornischen Mee- tings erregen mit Recht allgemeine Bewunderung, besonders sein 140 km Flug von Los Angeles nach der Insel «atalina und zu- rück und sein großartiger Höhenflug, der soeben offiziell mit 1260 Metern registriert worden ist. Paullan hat zu Los Angeles an Preisen 125000 Francs gewonnen. Das kalifornische Meeting war überhaupt ein glänzender Erfolg, auch rechneris.h. Die Ein- nahmen haben einen Ueberschuß von 250000 Dollars (!) ergeben und die Zeichner des Garantiefonds konnten außer ihrem (ielde noch eine Dividende von 25 pCt. einheimsen. Nur ein einziger Unfall ist während dieses Meetings vorgekommen, indem Misca- rol mit seinem Bleriot-Eindecker aus einer Höhe von 5 Metern abstürzte und seinen Apparat schwer beschädigte; auclı er selbst hat mehrfache Verletzungen erlitten. Seite 70 „FLUGSPORT“" No. 3 Die andere Veranstaltung, das Meeting von Heliopolis, ver- spricht einen großartigen Umfang anzunehmen. Nicht weniger als 15 Aviater sind zu diesem Bewerbe, der anı 6 Februar seinen Anfang nimmt und bis zum 13. Februar dauert, angemeldet, da- runter auch Hans Grade und Madame De Laroche, und zum großen Teile bereits an Ort und Stelle mit den Probeflügen be- schäftigt. Dabei ereignete sich am letzten Mittwoch leider ein Unglücksfall, dem Hubert Latham zum Opfer fie). Er stürzte aus einer Höhle von 40 m lıerab, wunderbarerweise, ohne ernsten Schaden zu nelımen; der Antoinette-Apparat ist vollständig in Trümmer gegangen. Da sich aber alle Marken mit Ersatzappa- raten vorgesehen lıaben, dürfte die Beteiligung Latlıams am Mee- ting dadurch nicht verhindert werden. Natürlich herrscht in He- liopolis eine fieberliafte Tätigkeit. Man bereitet sich auf außer- ordentlich glanzvolle Manifestationen vor, ummsomelir, als jetzt Prinz Alımed Fuad Pascha, der Onkel des Khedive, das Präsi- dium des Organisations-Komitees übernonımen hat. Die Flug- balın, die als Schauplatz der interessanten Veranstaltung dienen wird, lat eine Länge von 5 km und eine Breite von 300 Metern; ein Abflugterrain von 300m Breite und 500 m Länge ist in zweck- mäßigster Weise hergerichtet worden. Selbstverständlich sind auch geräumige Tribünen vorgesehen, da man einen außerordent- lichen starken Andrang zu den Demonstrationen erwartet. Man kann sich auf sensationelle Vorgänge gefaßt machen. Wir kom- men auf das Meeting von Heliopolis zu gegebener Zeit zurück. Das Meeting von Nizza, das an den Tagen vom I0. bis 15. April vor sich geht, kündigt sicli recht vielversprechend an. U. a. werden Latlıam und Rougier daran teilnelimen, welch letzterer die Absicht hat, bei dieser Gelegenheit eine Flug von Monako naclı Kap Martin zu unternehmen. Wie bereits gemeldet, er- reichen die ausgesetzten Preise die Höhe von 205000 Francs. Auch Rouen wird auf dem zu einem Aerodrom umeestalte- ten Manöverfelde von Essarts in Kürze eine aviatische Veran- staltung haben, für welche die Ligue Nationale A&rienne gegen- wärtig das Programm ausarbeitet. Die Bewerbe, die international sind, werden sich über den Zeitraum einer Woche erstrecken und mit: 120000 Francs Preisen ausgestattet sein. Vom 27. Märzbis 3. April, gelıt wie nunmehr bestimmt ist, das Meeting von Cannes vor sich, das mit 125000 Frances do- tiert ist. Das Aerodrom von Biarritz, wo sich in diesem Jalıre, ge- mäß den Beschlüssen der Commissiön Aerienne Mixte, zwei roße Meetings abspielen sollen (und zwar das eine am vom 27. März bis 3. April, das andere vom. 25. September bis 3. Oktober), wird mit allem Eifer hergerichtet. Es ist an den Ufern der Niva, etwa 0 km von der Stadt Biarritz gelegen und hat dieForm eines Dreiecks, dessen drei Seiten 1500, 1200 und 1200 m messen. Die Breite der Flugbalın wird 180 m betragen. Die Lage des Flug- platzes ist eine außerordentlich günstige, direkt an der Linie Paris—Madrid und wird auclı die Anlage einer direkten Halte- stelle der Halın beabsichtiet. Außerdem soll ein regulärer Motor- bootdienst auf der Niva naclı dem Aerodronı eingerichtet werden. No. 3 „FLUGSPORT" Seit 74 Die Herstellung des Aerodroms lat eine Gesellschaft zu dem Be- trage von 250000 Francs übernonmen. Gleichfalls eine großartige Anlage ist das zu Crau, in der Nähe von Marseille, errichtete Aerodrom, das übrigens dieser Tage von den Delegierten der Commission Ae&rienne Mixte be- sichtigt und ganz außerordentlich günstig beurteilt worden ist. Die Flugbalın wird 3333 Meter im Kreise messen und etwa 60 m breit sein. Zwei große Meetings werden dort vor sich x«elıen, für welclie die Daten vom 15. bis 23. Mai un! vom 4. bis 18. Dezember reserviert sind. Oben: Ein Santos Dumont, wie er von verschiedenen französischen Firmen jetzt fabrikationsmäßig hergestellt wird. Unten links: Eine Gruppe beschäftigungsloser Fiugtechniker auf dem Flugplatz von Juvisy während. des Hochwassers. Unten rechts: Marcel Hanriot, der kleinste Flieger der Welt auf seinem Eindecker in Betheny im Fluge. Der Aero-Club de France hat in seiner kürzlichen Sitzung die Liste derjenigen Aviater aufgestellt, die das Diplom dieses Clubs zugeteilt erhalten. Es sind dies: Bleriot (Bleriot), Curtiß (Curtiß), Delagrange (Voisin), Esnault-Pelterie (R. E. P.), Henri Farman (Farman), Maurice Farmaan (M.Farman), Gobron (Voisin), Graf Lambert (Wright), Latham (Antoinette), Paulhan (Voisin), Rougier (Voisin), Santos Dumont (Santos Dumont), Tissandier (Wriglit), Orville Wright (Wrisht), Wilbur Wriglit (Wrischt), Bunau-Varilla (Voisin), Leblanc (Bleriot), Mamet (Bleriot), Metrot (Voisin), Prinz Bibesko (Bleriot), Aubrun (Bleriot), Balsaıı (Bleriot), Rolls (Rolls), Mortinıer Singer (Farman), Molon (Bleriot), Bregi (Voisin), de Lesseps (Bleriot). Seite 72 „FLUGSPORT“. No. 3 Gewisse französische Kreise hatten dahin zu wirken gesucht, die militärische Aviation gleichmäßig in alle Truppengattungen einführen zu sehen. Nach langen durch angesehene Personen unterstützten Verhandlungen hat nun die französische Heeresver- waltung bestimmt, daß die Aviation naclı wie vor ausschließliclı der Artillerie und dem Geniekorps zugeteilt bleibt. Allerdings können sich Offiziere auch aus anderen Truppenteilen, wie schon früher berichtet, für die Aviation melden und wenn sie sich in dieser Technik als brauchbar erweisen, So werden sie in die be- treffenden Truppenteile versetzt werden. Gleichzeitig hat das Kriegsministerium eine größere Anzahl von Offizieren designiert, die nunmehr nach Pau und Chalons gelıen sollen, um dort ihre Unterweisung in der Steuerung von Aeroplanen verschiedenen Systems zu erhalten. A a 2.7 u EN DER Flugtechnische Rundschau. Inland. Flugmaschine von Major von Parseval. Die Montage der Parsevalschen Flugmaschine ist beendet. Mit den Flugversuchen soll demnächst in Plau in Mecklenburg begonnen werden. Oberingenieur Blochmann wird die Führung der Maschine übernehmen. Der Apparat ist, wie wir bereits früher berichteten, ein Eindecker und hat eine Spannweite von 14 m und eine Länge von 7 m. Zum Betriebe dient ein 114pferdiger Daimler-Motor. Das eigentliche Fluggestell bezw. Versteifungsgerüst besteht aus Mannes- mann-Stahlrohr. :Es besitzt ein Gesamtgewicht von 30 Zentner. Hierbei ist allerdings die Besatzung, die aus 5 Personen bestehen soll, mit einbegriffen. Die bisherigen Apparate überschreiten kaum ein Gesamtgewicht von 8—10 Zentner und gestatten außer dem Führer auch nur 2 Personen mit aufzunehmen. Außer- .dem hat Major von Parseval an seiner Flugmaschine, um einen ruhigen, leichten und auch sicheren Auf- und Abstieg gewährleisten zu können, über den Trag- flächen im eigentlichen Flugkörper einen Luftsack angewendet, wie er bereits beim Armee-Drachenfesselballon und den Parseval-Luftschiffen Verwendung gefunden hat. Letzterer ermöglicht vor allen Dingen bei plötzlich einiretenden Störungen, wodurch der Führer des Flugapparates zum Landen gezwungen ist, einen langsamen, allmählich nach unten gleitenden, man könnte sagen lufthemmenden Abstieg, ohne Gefahr dabei zu laufen, däß sich der Apparat bei einem Sturze aus beträchtlicher Höhe überschlagen oder vielmehr beim Landen durch starken Aufprall zerstört werden könnte. Auf den Ausgang der Flugversuche darf man gespannt sein. Flugversuche mit dem Militär-Flugapparat. Auf dem Tempelhofer Felde wurde am 25. Januar mit den Flugversuchen des von Regierungsbaumeister Hoffmann gebauten Zweideckers begonnen. Nachdem die Maschine ca. 40 m auf der Ablaufschiene gelaufen war, entgleiste der hintere Teil des Wagens und der Apparat kippte um. Von mißglückten Flugversuchen, wie die Tageszeitungen schreiben, kann nicht gesprochen werden. Die Versuche sollen in den nächsten Tagen weiter fortgesetzt werden. No. 3 „FLUGSPORT“. Seite 73 Flugapparat von Delfosse. Ingenieur Delfosse in Köln hat einen leichten Fingapparat, dessen Rahmen und Rumpf aus Stahlrohr hergestellt sind, gebaut. Die Maschine wiegt 145 kg. Zum Betriebe dient ein 24 PS Motor eigener Konstruktion. Das Höhensteuer wird, wie bei Bleriot, von der hinteren Trag- fläche gebildet. Ebenso wird die Seitensteuerung durch ein Schwanzsteuer be- wirkt. Die Schraube liegt vorn und hat einen Durchmesser von 2,10 m. Flugmaschine Echter. Schlossermeister Andreas Echter hat auf dem Exerzierplatz von Landan vorgestern seinen ersten Flugversuch ausgeführt. Die Maschine erhob sich nach kurzem Änlauf ca. 1 m über den Boden. Der Gehilfe, welcher sich auch in der Flugmaschine befand, bewegte sich nach vorn, wo- durch der Vorderteil der Maschine überlastet wurde und .dieselbe wieder zu Boden ging. Flugmaschine Heidenreich. Fritz Heidenreich hat mit seiner Flugma- schine am 25. Januar zwei sehr schöne Flüge ausgeführt. Neuerdings baut Heidenreich eine Flugmaschine für Ingenieur Fahlbusch nach dessen eigenen Angaben. Der Apparat soll 26 qm Tragfläche mit einem 30 PS Escher-Motor erhalten. Weiter hat Heidenreich eine Flugmaschine für den früheren Rennfahrer Scheuermann von 20 qm Tragfläche und 30 PS Motor in Auftrag erhalten. Amerigo, früher Rennfahrer, hat in Leipzig einen Zweidecker konstruiert. Das vordere Höhensteuer und die seitlichen Schräglagensteuer sind ähnlich ange- ordnet wie bei Curtiß. Die Holzschraube wird durch Kettentransmission ange- trieben. Flugmaschine Amerigo. Vom Flugfelde Mars bei Bork. Der Apparat der deutschen Flugmaschinen- bau-Gesellschaft Rummeisburg ist auf dem Flugfeld Mars bei Bork vor kurzem in Betrieb genommen worden und hat bereits einige kleine Flüge ausgeführt. — U. a. übt zurzeit mit diesem Flugapparat auch die Schauspielerin Ida Perry vom Metropole-Theater. Die vorgenannte Flugmaschine wird mit einem 50 PS Argus- Motor mit vorn liegender Schraube angetrieben. Weiter ist in Bork der Rennfahrer Hintner mit einem Eindecker, System Schultze-Herfort. erschienen. Diese Flugmaschine besitzt einen 30 PS Anzani- Motor. Die Schraubenflugmaschine von Ingenieur Degn geht ihrer Vollendung entgegen. Bekanntlich dienen zwei große gegenläufige vertikale Schrauben dazu, Seite 74 „FLUGSPO RT." No. 3 um die Maschine schwebend zu erhalten. Die Gleichgewichtserhaltung wird durch Verschiebung der Gondel erinöglicht. In der Gondel ist der Vierzylinder- Daimler-Motor nebst Kühlwasser- und Bezin-Behälter untergebracht, sowie der Platz für die Führer vorgesehen. Die Schrauben sind nicht starr, sondern bestehen aus sehr dünnem Stahlblech und sind an ihren Enden beschwert. In ruhigem Zustande hängen sie schlaff herunter. Der Apparat ist 15 m hoch. Der Durchmesser der Schraube während der Rotation beträgt I1 m. Der Auftrieb der Schraube beträgt insgesamt 1500 kg. Degn hofft, mit seiner Maschine eine Geschwindigkeit von 70 km in der Stunde zu erreichen. Sobalı! der Motor fertig eingebaut ist, wird man mit den Versuchen beginnen. Hans Grade ist bereits nach Heliopolis abgereist. Bis jetzt hat er 22 Apparate in Bestellung erhalten, welche nach seiner Rückkehr in Angriff ge- nommen werden sollen. Oberleutnant von Gorrissen, Mitglied des Frankfurter Flugsport-Clubs, hat am 22. Januar mit einer Euler-Maschine auf dem Griesheimer Exerzierplatz bei Darmstadt einen Flug von über I km in ca. 6 m Höhe ausgeführt. Ausland. Peugeot freres Rossel haben einen Zweidecker mit zwei hinten liegenden gegenläufigen Schrauben konstruiert. Zum Betriebe dient ein Motor von Esnault Pelterie. Das Gestell ist aus Bambus hergestellt. Oben: Flugmaschine Peugeot freres Rossci. Unten: Flugwnaschine Maelie. No. 3 „ELUGSPORT" Seite 75 Maelie, ein Engländer, hat in Croix d’Hins ınit Flugversuchen mit seinem Apparat begonnen. Der Apparat ist ein Eindecker von 10 m Spannweite. (Siehe nebenstehende Abb.) Bertrand in Paris hat einen Eindecker gebaut mit zwei gegenläufigen Schrauben, welche innerhalb eines Zylinders (siehe untenstehende Abbildung) bezw. vor und hinter einem Zylinder arbeiten. Durch die Anordnung des Zy- linders beabsichtigt Bertrand einen besseren Wirkungsgrad zu erzielen. Die Spannweite der Flugmaschine beträgt 13.4 m, die Gesamttragfläche 40 qm. Zum Fiugmaschine Bertrand. i Betriebe dient ein Motor „Unic“ von 30 PS. Interessant sind die am vorderen Höhensteuer bezw. hinten am Schwanzsteuer angeordneten Schräglagensteuer.: Wright beabsichtigt, nach dem Nordpol zu fliegen. Der Nordpolfahrer Peary erklärte in einem Gespräch, er halte das Projekt Wrights, mit einer Flug- maschine nach dem Nordpol zu fliegen, für durchführbar. Wright beabsichtigt de- kanntlich, von einem Punkte, der 500 km vom Nordpol entfernt ist, die Reise in ca. 3 Tagen auszuführen. Fiugversuche über den Oeresund. Der dänische Flieger Thorup beab- sichtigt, bei günstigem Wetter mit seinem Bleriot-Apparat den Oeresund zu über- fliegen und zwar von Malmö nach Kopenhagen. Der Flieger Olieslager ist bekanntlich mit seinem Bleriot-Eindecker bei einem Aufstiege in Oran in Algier gegen eine Telegraphenleitung geflogen und abgestürzt. Sein Apparat fing Feuer und verbrannte vollständig. Die hervor- Seite 76 „FLUGSPORT“. No. 3 ragendsten Persönlichkeiten von Oran veranstalteten sofort eine Sammlung, um den Ankauf eines neuen Apparates für Olieslager zu ermöglichen. Flugmaschine von Adorjan. Johann Adorjan, Budapest, ein bekannter Automobil-Rennfahrer, hat eine Maschine konstruiert, mit welcher er bereits Flüge von 10 Minuten Dauer ausgeführt hat. Die Maschine ist ein Eindecker und ähnelt der Bleriot-Konstruktion. Als Baumaterial ist Bambus verwendet. Die Adorjansche Maschine ist die erste in Ungarn hergestellte Maschine, welche sich in die Luft erhoben hat. Neue Welt-Rekords für Passagier-Flüge. Am letzten Montag ist der bisherige Rekord Orville Wrights (zu Berlin 1 Stunde 32 Minuten) durch Van den Born und den Russen Efimoff geschlagen worden. Beide manövrieren be- kanntlich zurzeit in Mourmelon-le-Grand Voisinsche Zweidecker. Am genannten Tage führte zuerst Van den Born einen Flug von | Stunde 40 Minuten (151 km) mit einem Passagier aus; kurz darauf Efimoff einen solchen von I Stunde 50 Minuten (158 km) gleichfalls mit einem Passagier. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldung. 77h. K. 36375. Schraubenflieger mit beweglichem Fallschirm. O. v. Krempelhuber, Eichstätt, Bayern. 18. 12. 07. Gebrauchsmuster. 77h. 406310. Aus Blech bestehender, einen Hohlkörper bildender Träger. Rudolf Chillingworth, Nürnberg-Ostbahnhof, Walzwerkstr. 68. 17. 12. 09. C. 7534. 77h. 406 354. Gleitflieger. Fritz Fahlbusch, Breslau, Fränkelplatz 6. 30. 12. 09. F. 21386. 77h. 406966. Drachenflieger, der mittels verstellbaren Motors gesteuert wird. Max Richter, Berlin, Motzstraße 92. 28. 12. 09. R. 258%. Flugvorrichtung mit vorn zugespitzten und mit seitlichen Um- biegungen oder Verstärkungen versehenen Tragflächen.*) Gegenstand der Erfindung ist eine Flugvorrichtung mit wagerechter, vorn zugespitzter, mit seitlichen Umbiegungen versehene Tragfläche, die in eine Schwanzflächke endet und unter welcher ein hoher, kegel- oder doppelkegel- förmiger, vollkommen geschlossener Körper in der Längsrichtung angeordnet ist, der zur Aufnahme aller Belastung und Ausrüstung mit Motor usw. dient und es gestattet, daß selbst Flügelschrauben und Steuer teilweise verdeckt werden. Die Flugvorrichtung zeichnet sich von den bisher bekannten durch ihre Form, besonders den kegel- oder doppelkegelförmigen, unter der Tragfläche an- geordneten Hohlraum aus, der mit dieser starr verbunden ist. Dieser Kegel- oder doppelkegelförmige geschlossene Hohlkörper bewirkt eine günstige, auf die wagerechte “Tragfläche hebend oder tragend einwirkende Luftverteilung. Die Luftvorrichtung kann als Lehrmittel für die Darstellung der Flug- gesetze, als Fahrzeug, als Spielzeug und als Geschoß Verwendung finden. In nebenstehender Zeichnung ist die Flugvorrichtung in einer beispielsweisen Ausführungsform dargestellt und zwar zeigt: Abb. I die Unteransicht, Abb. 2 einen Längsschnitt und Abb. 3 die Vorderansicht der Flugvorrichtung. ”) D. R. P. 215159. Rohert Krause in Köln. No. 3 „FLUGSPORT“. j Seite 77 Wie die Zeichnung erkennen läßt, ist unter einer wagerechten, vorn zu- gespitzten und mit seitlichen Umbiegungen oder VerstärkungenTd versehenen, aus Kopf-, Flügel- und Schwanzflächen a, b und c bestehenden Tragfläche ein hoher, kegel- oder doppelkegelförmiger, vollkommen geschlossener Körper f in der Längsrichtung angeordnet und mit der Tragfläche starr verbunden. ee N ! Ri e\ ’ 4 ! Abb. 1. Abb. 3. Wie insbesondere Abb. 3 erkennen läßt, wird durch die Fläche desl'starren Hohlkörpers f die keilförmig durchschnittene Luft zur Seite gepreßt und ver- dichtet, wodurch sie eine hebende Wirkung auf die Tragfläche ausübt. Der Innenraum des Hohlkörpers f soll ganz oder nur zum Teil in Form eines abge- teilten, parallel zu seiner Längsachse liegenden Raumes engeren Querschnittes zu besonderen. Be- und Entlastungszwecken dienen. Patent-Anspruch. Flugvorrichtung mit vorn zugespitzten und mit seitlichen Umbiegungen oder Verstärkungen versehenen Tragflächen, dadurch gekennzeichnet, daß an den in einer Schwanzfläche endenden Tragflächen ein hohler, kegel- oder doppelkegel- förmiger, vollkommen geschlossener Körper in der Längsrichtung angeordnet ist, der zur Aufnahme aller Belastung und Ausrüstung mit Motor usw. dient und: es gestattet, daß selbst Flügelschraube und Steuer teilweise verdeckt---—-. werden. Verschiedenes. Das Programm für das Meeting von Nizza, welches an den Tagen vom 10. bis 25. April vor sich geht, ist nunmehr wie nachstehend, festgesetzt worden. Die Bewerbe, die unter dem Reglement der Commission Agrienne Mixte bestritten werden, umfassen: Seite 78 „FLUGSPORT." No. 3 Preis der Gesamtheit der zurückgelegten Distanzen 50 000 Francs Flug Nizza—Cap Ferrat— Nizza 3500 „ Flug Nizza - Antibes - Nizza 35000 „ Preis der Bahnrunde 2500 „ Preis der Distanz 20000 „ Höhen-Preis 15000 Abflug-Preis 10000 „ Preis der Passagiere 1000 „ Preis der Mechaniker 10000 „ Diese Bewerbe verteilen sich auf die einzelnen Tage wie folgt: l. Tag (15. April): Preis der gesamten Distanzen 1. Bewerb Abflug-Preis, 1. Bewerb Preis der Bahnrunde, 1. Bewerb Il. Tag (16. April): Preis der gesamten Distanzen 2. Bewerb Distanz-Preis, I. Bewerb Abflug-Preis, 2. Bewerb Preis der Bahnrunde, 2. Bewerb Il. Tag (17. April): Preis der Passagiere, 1. Bewerb Preis der gesamten Distanzen 3. Bewerb Abflug-Preis, 3. Bewerb Preis der Bahnrunde, 3. Bewerb IV. Tag (18. April): Preis der gesamten Distanzen 4. Bewerb Preis der Passagiere, 2. Bewerb Abflug-Preis, 4. Bewerb Preis der Bahnrunde, 4. Bewerb V. Tag (19. April): Preis der gesamten Distanzen 5. Bewerb Preis der Passagiere, 3. Bewerb Preis der Bahnrunde, 5. Bewerb Abflug-Preis, 5. Bewerb VI. Tag (20. April}: Preis der gesamten Distanzen 6. Bewerb Preis der Mechaniker, 1 Bewerb Abflug-Preis, 6. Bewerb Preis der Bahnrunde, 6. Bewerb VIL Tag (21. April): Preis der gesamten Distanzen 7. Bewerb Höhen-Preis Preis der Bahnrunde, 7. Bewerb Abflug-Preis, 7. Bewerb VI. Tag (22. April): Preis der gesamten Distanzen 3. Bewerb Abflug-Preis, 8. Bewerb Preis der Bahnrunde, 8. Bewerb IX. Tag (24. April}: Flug Antibes— Nizza, 24 km X. Tag (25. April): Flug Nizza - Cap Ferrat—Nizza, 24 km. RI. Verbot von Schauflügen infolge-Nichtbesitzens des Flugmaschinen- führerzeugnisses. Das von der deutschen Luftschiffahrts-Gesellschaft auf dem Flugplatze Miügeln bei Dresden veranstaltete Schaufliegen konnte nicht_statt- finden. Nachdem etwa 30000 Zuschauer zwei Stunden lang auf den Beginn des Schauspiels gewartet hatten, holte Gaubert-Paris seinen Zweidecker aus einem Schuppen hervor und stellte ihn in großer Entfernung vom Publikum auf, indessen wurden keinerlei Flugversuche veranstaltet, bis dann dem Publikum be- kannt gegeben wurde, daß Gaubert überhaupt keinen Aufstieg unternehmen werde. Ein furchtbarer Tumult brach aus, und eine große Schar Menschen stürzte sich auf den Flugapparat, um ihn zu zertrümmern. Die Polizei war je- doch stark genug, diese Gewaltaktion zu verhindern, und schließlich machte der Aeronaut Lämmel mit einem Luftballon einen Aufstieg. Wie ınan hört, hat die nd L___..__.FLVasport. Seite 79 Amtshauptmannschaft noch im letzten Au i i 2 genblick die Auffahrt i g000 Mark Strafe verboten, bevor nicht ein Probeaufstieg Send ha -ine bei dieser Behörde eingegangene Anzeige sol! Gaubert alle Qualifikati eines Fliegers abgesprochen haben. “ onen Wiesbaden und Worms beabsichtigen, eine Flur Die Wright-Gesellschaft hat bereits eine Flugmaschine Zur Verfieune Aestent it Latham, Bleriot und Baron de Caters werden Unterhandlungen gepflogen. Flugmaschinenzubehörteile für die Konstrukteur ar , e, welche B ür di Streben bei Doppeldeckern verwenden. Interessant und sehr ea ur die » W S i Direbenver! Abbe ie sie Julius Nihues in Oberhausen verwendet. (Vergl. 2 Verbindungs-' Ei.» Mr stück Aufrechre Strebe-, a Bambusstrebenverbindung. Ein neuer englischer Flugplatz wird von einer Vereini i ä . € nigung, d & nom Kapital von Den Mark gegründet wurde, in. der Nähe von London sichtigt. eichzeitig soll auch ei i - i ä des Flugplatzes errichtet werden. 5 eine Flieger-Schule in der Nähe Geschäftliche Nachrichten. Flugapparate-Bauanstalt Deutschland G. m. b.H., Schön i Unter dieser Firma wurde mit dem Sitz in Schöneberg eine ee ein eingetragen. Gegenstand des Unternehmens: Anfertigung und Verwertung von Aeroplanen und sonstigen Flugapparaten, sowie von Motoren für Flugzwecke Veranstaltung von öffentlichen Flugunternehmen. Das Stammkapital beträgt 20 000 Mk. Geschäftsführer: Ingenieur Hugo Allers senior in Schöneberg, In- genieur Johann Kluytmans in Schöneberg. "Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft ste mankter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 10. Januar 1910 fest- eilt. Au“erdem wird hierbei bekannt gemacht: i ke erfolgen im Deutschen Reichsanzeiger. ü Oeitentliche Bekanntmachungen Seite 80 „FLUGSPORT“. No. 3 Zeitschriftenschau. Um welchen Punkt dreht sich ein Flugkörper? Von E. Sparmann, Wien. (Flug- und Motor-Technik. 25. Januar 1910. S. 44-48. erfasser liefert einen wertvollen Beitrag zu dieser wiederholt behandelten Frage Ind weist zunächst auf die diesbezüglichen Abhandlungen von Dr. Nimführ und Dr. Elias hin. Während Nimführ die Behauptung aufstellt, daß sich ein Flug- körper um den Druckmittelpunkt dreht, sieht Elias den Schwerpunkt des Flug- körpers als Zentrum der Drehung an. Sparmann ist im Gegensatz zu den genannten Behauptungen der Meinung und festen Ueberzeugung, daß sich, ein Flugkörper nur in ganz bestimmten Fällen und da wiederum auch nur in einem Augenblicke um den Schwerpunkt oder im anderen Falle um den Druckmittel- punkt dreht. Sparmann stellt die Behauptung auf, daß im allgemeinen das Zentrum der Drehung in einem Punkte liegt, welcher sich je nach der momen- tanen Lage des Druckmittelpunktes zwischen diesem und dem Schwerpunkte in räumlichen Kurven bewegt. Der Luftwiderstand auf Grund neuerer Versuche. Von W. Schile. (Z.d. V.D. ]J. Heft 1, 2, 3.) Beitrag zur Theorie des Luftwiderstandes der ebenen Flächen. Eingehende Besprechung des Luftwiderstandes unter Berücksichtigung der erhaltenen Resul- tate bei den gemachten Versuchen mit einfachen und kombinierten Flächen. Untersuchung des Reibungswiderstandes, der Ursache des Luftwiderstandes und der Bewegungsvorgänge in der verdrängten Luftmasse. Vergleichende Beschreibung der erfolgreichen Aeroplantypen. Von 5 G. L. Loening. (Flug- und Motor-Technik S. $%—60). Zusammenstellung der bekannten Flugmaschinen und Vergleichung ihrer konstruktiven Ausführungen. Angaben über die Leistungsfähigkeiten und den Kraftverbrauch dieser Flugmaschinen. Die Steuerungs- und Stabilisierungseinrichtungen der Luftschiffe und Flugzeuge. Von Prof. M. Weber (D. Z. f. Luftsch. S. 5—12.) Betrachtung und erläuterte Uebersicht der Steuerung und Stabilisierung der Flugmaschinen. Vergleichende Besprechung der Konstruktiven Anordnung der Höhensteuer. Aufklärung über folgende Arten störender Bewegungen der Luftfahrzeuge: Stampfen, Rollen und Bocken. Aufhebung dieser Bewegungen durch die Stabilisierung. Tragfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Aeroplane in Theorie und . Praxis. (Fachz. f. Automob. S. 16-17.) Die Veröffentlichung dieses Artikels soll besonders dazu dienen, den bisher zur Berechnung der Tragfähigkeit, sowie des Leistungsbedarfes der Flugzeuge (wozu Aeroplan?) dienenden Ausdruck N=k". L F.v?. sin a aus der Theorie der Flugzeuge auszuschalten. In sehr klarer und eindeutiger Weise wird uns hier die Unhaltbarkeit der obigen, von Lößl aufgestellten Formel und des Newtonschen Gesetzes vor Augen geführt. Diese Formeln gelten wohl für ebene Flächen, nicht aber für profilierte, wie dies ja schon längst bewiesen ist. Sehr -- unsinnig wäre es, diese Formeln zur Berechnung der Motorleistung zu benützen, .V . . . j ergibt, worin W=F.sina.cosa.—.v’.K welche sich aus der Formel L = ist. Der Beweis dieser Behauptung stützt sich darauf, daß bereits Flüge ausge- führt wurden, wobei a=1, 2, 3 ja auch 0° war. Bei a=0° wäre sina =(0 und somit W—=0, woraus folgt, daß auch L = 0 ist. Wir haben eben bei den jetzigen Flugzeugen Keine ebene Flächen als Tragdecken, sondern gewölbte, für welche sich ganz andere Verhältnisse herausstellen. Es ist bisher leider noch nicht gelungen, eine diesen Verhältnissen entsprechende Formel zur Berechnung der Motorleistung aufzustellen. Vollkommen genau erhält man jedoch die Motor- leistung, wenn man die Schraubenbreite mit in die Berechnung zieht. Andern- No. 3 „FLUGSPORT.“ Seite 81 falls genügt es, die Zugkraft der Schraube zu '—"/, des Flugzeuggewichtes anzunehmen urid unter Berücksichtigung der Marschgeschwindigkeit und des Schraubenwirkungsgrades die Effektivleistung des Motors zu berechnen. Die Wölbung der Tragdecken bei Flugmaschinen. In der letzten Nummer der Revue A6rienne stellt R. Petit Betrachtungen über die Wölbung von Tragdecken an. Er behauptet, daß man der Profilierung noch zu wenig Beachtung geschenkt habe und die Luftströmungsverhältnisse an den Tragdecken noch zu wenig studiert seien. Bekanntlich war Lilienthal der Erste, welcher zur Erhöhung des Auftriebes die konkaven Decken einführte. Lilienthal schlug nach eingehendsten Versuchen mit diesen Flächen eine Bogen- höhe vor, die ein Zwölftel der Sehnenlänge betrug. Mit den so profilierten Decken wurden bisher auch sehr gute Resultate erzielt. Petit verwirft aber die Auffassung Lilienthals und sagt in seiner Aus- führung unter anderem: Sämtliche Anhänger Lilienthals glauben, man müsse den Vogelflügel nachahmen. .. Ferber, Wright und fast alle Flugtechniker sind bei der Bildung ihrer Tragdecken durch die Anschauungen Lilienthals beeinflußt worden, d. h. sie wählten einen konkaven Schnitt, der eine Wölbung darstellt, die nach vorn mehr ausgesprochen ist, als nach hinten. Diese Wölbung würde ewöhnlich einen großen Einfallswinkel erfordern und dadurch die Geschwindig- Reit verringern. Ändere Flugmaschinendecken, z. B. Antoinette, zeigten eine Wölbung, die nichts anderes als ein Teil der Kreislinie sei. (Abb. 1.) Unter diesen Bedingungen wäre es natürlich unmöglich, einen guten Wirkungsgrad zu erreichen. Wenn auch hier ein korrektes Einströmen erreicht würde, so würde doch beim Ausströmen durch die großen Wirbelbildungen eine beträcht- liche Menge Energie verschwendet. . . Hierzu sei bemerkt, daß durch Versuche und durch die im Laufe der Zeit gesammelten Erfahrungen zur Ge- nüge bewiesen wurde, daßgerade die zuerst be- sprochenen Decken den kleinsten Einfallswinkel benötigen und bisher die besten Auftriebs- resultate geliefert. haben. . Was die zweite Art der Abb. I Formgebung betrifft, so stehen uns zu deren Be- urteilung noch zu wenig positive Resultate zur Verfügung. Zu verwerfen ist sie jedoch nach den großen Erfolgen, welche ge- nt rade die oinettemaschine gezeitigt hat, auf keinen Fall, Die nach Abbildung 2 geformten Tragdecken werden von Petit dahin kritisiert, daß sie wohl ein gutes Ein- = : —===.- strömen der Luft herbeiführen, aber —— —— — die Luft wurde hier zu wenig zur Arbeitsleistung herangezogen. ... Das Abb. 2 letzte der Behauptung dürfte richtig sein, nicht aber das erstere, denn schon das Gefühl sagt hier allein schon, daß an der Einfallskante beträchtliche Kontraktionen stattfinden müssen, die selbstverständlich nur zu größerer Antriebs- arbeit dienen und soviel wie möglich zu vermeiden sind. ... Petit istder Meinung, daß man nur durch parabolisch gewölbte Decken einen wirklich guten Auftrieb erhalten könnte, und sucht dies auf folgende Weise zu erklären: Das gesteckte Ziel ist die Konstruktion einer Fläche, bei’welcher die Luft, vom Einströmen bis zum Verlassen der Decken zur Auftriebsarbeit verwendet wird. Das Ideal wäre, wenn alle vorhandene Energie als relative Geschwindig- keit auf den Apparat überging; aber in diesem Fall hätte die Luft, wenn sie an das Ende der Fläche gelangt, keine relative Geschwindigkeit mehr und würde die folgenden Luftmassen hindern, einzuströmen. Es würde also hier eine Luft- stauung stattfinden. Folglich muß man der Luft eine gewisse Ausströmungs- geschwindigkeit lassen. Sehen wir, wie man eine gute Decke verwirklichen kann. a—b sei der Schnitt (Abb. 3), V ihre Vorwärtsgeschwindigkeit. Aus der Abbildung ersehen wir, daß die Fläche im Punkte a so gerichtet sein muß, daß sie mit V parallel läuft. In der folgenden Auseinandersetzung kann man an- nehmen, daß die Decke die Energie der Luft durch einen Zusammenstoß zwischen Seite 82 „FL VUG5PORT“. No. 3 der Decke und der Luft empfängt, die sich in einer Geschwindigkeit v in vertikaler Bewegung befindet. Diese Geschwindigkeit v muß konstant und der geringsten . Ausströmungsgeschwindigkeit gleich sein. Dadurch würde jede verfügbare Energie zum Auftrieb benützt werden. Welche Bedingung ist notwendig, daß v konstant bleibt ? Folgende, daß die Luft nicht nur durch die Tätigkeit der Decke mit einer Vertikalgeschwindigkeit v belebt wird, sondern daß sie eine Beschleunigung v erfährt, die die Energie liefert. oZUu 4 führen uns diese F Igerungen ? Nach einer gewissen Zeit t kommt das Luftmolekül, das unter die Decke Abb. 3 eingeströmt ist, an irgend einen Punkt der Wölbung, dessen Koordinaten x und y sind. In diesem Moment können wir folgende Gleichung aufsetzen: [6] dx V dy_, dt dt? y sei die Vertikalbeschleunigung der Luft. Setzt man — == u, dann hat d . . man nt -— Y° Multiplizieren wir mit dt und integrieren, dann haben wir sofort: dx _ dy _ _ at Y dort An der Einströmungskante ist t =: 0. Man schließt daraus, daß die Inte- grationskonstante C gleich Null ist. Daraus folgt: dx y t Fr Man wird bemerken, daß die zweite Gleichung die Geschwindigkeit ausdrückt, da sie die Entfernung auf die Zeit bezieht. Integrieren wir ein letztes Mal: 7 F x Vt y 5 t Wenden wir den Wert von y auf x an und eliminieren die Zeit zwischen den beiden Gleichungen, so ist die Gleichung der Wölbung, die die Decke einer Flugmaschine haben soll, die folgende: Y 3 may Dieses ist die Gleichung einer Parabel, was sehr gut mit unseren voran- gegangenen Betrachtungen über einen guten Wirkungsgrad übereinstimmt. Daraus kann man schließen, dab die Wölbungen, die heute bei Flugmaschinen in Gebrauch sind, eine größere Leistung erzielen werden, wenn man die Einfallskante der Fläche ändern würde. Hierauf kommt Petit auf eine Deckenform zu sprechen, wie sie Abb. 4 zeigt. en ° Petit entwickelt hierbei die- ie selben Anschauungen, wie sie allgemein in der Theorie der Fiugmaschine verbreitet sind. Die Luftmassen, welche im ersten Teile ihres Verlaufs an der Tragdecke parallel zu der- selben laufen, werden, je mehr Abb. 4 sie nach der hinteren Kante " der Decke gelangen, zusammen- gedrückt und erzeugen beim Verlassen der Decke beträchtliche Wirbelungen. Dieses geht daraus hervor, daß die zusammengepreßte Luft in Luft niedrigerer Spannung einströmt. No. 3 „FLUGSPORT“ Seite 83 Um diesen Verlust zu A vermeiden, wäre}es gut, an dem hinteren Ende der Decke, gleichgültig, welche Form sie vorher hatte, eine Abzugsfläche anzubringen, die die Druckverschieden- heiten ausgleicht und noch zur Vergrößerung des Auf- triebs beiträgt. (Abb. 5.) Die Brüder Wright hatten die Vorteile, die man aus einer solchen Folgerung ziehen kann, wohl erkannt: Bei ihrem Flugapparat sind in der Tat die Rippen nach hinten beweglich und können, wenn die Wirbel hinten zu III stark werden, annähernd den Luftmassen folgen (Abb. 6). au mm Noch ; ganz s ;andere Be- SS —— Ge trachtungen könnten bei der — Bestimmung derWölbung der nn Decken einer Flugmaschine gebracht werden. Wir haben nur diejenigen aufgezeichnet, die eine zufriedenstellende Abb. 6 Wirkung versprechen, und haben versucht, in die leider so verwirrten Ideen, die man heute über diese Frage besitzt, einige Klarheit zu bringen. Soweit Petit! Die Parabelform ist doch längst abgetan. Vergl. den Leit- artikel. D. Red. Briefkasten. Internationale Orientierungsmethode. Diese Orientierungsmethode wurde von Herrn Rittmeister a. D. v. Frankenberg vor einiger Zeit in Vorschlag gebracht und lief darauf hinaus, daß man an geeigneten Stellen, wie Dächer, Türme, trigonometrische Punkte etc. schwarze Tafeln anbringt, auf welchen mit weißen Buchstaben die Namen der betreffenden Städte nebst zugehöriger Pro- vinz, Regierungsbezirk oder Staat geschrieben sind. Diese Tafeln sollten des Nachts beleuchtet werden, um so den Luftschiffern .ur Orientierung zu dienen. Frankenberg sah jedoch ein, daß dieses Verfahren zu umständlich sei und außer- dem die Beleuchtung zu teuer wurde. Aus diesem Grunde arbeitete er ein Be- zeichnungssystem mittels Kombination von Zahlen und Buchstaben aus, derart, daß er das ganze Deutsche Reich in 90 Bezirke einteilte. Jeder Kleinstaat und jeder Regierungsbezirk oder dergleichen erhält eine von Berlin mit I beginnende sich anreihende Nummer. Die .ersten 25 Ortschaften in jedem Bezirk erhalten je einen Buchstaben des Alphabetes. Die Ortschaften an der Grenze des Reiches und an der Küste erhalten einen bunten Strich teils oberhalb, terits unterhalb der Aufschrift. Z.B. hat Holland einen roten Strich oberhalb und Frankreich einen roten Strich unterhalb der Schrift. Würde dieses System für alle Länder gelten sollen, so würde jedes Reich nach Verabredung ein bestimmtes Unterscheidungs- zeichen erhalten, z. B. einen Buchstaben des Alphabetes. Literatur. „Comment on construit un A&roplane‘“ von Robert Petit. Librairie Aeronau- tique Editeurs, 32 Rue Madame, Paris. Die Flugmaschinenindustrie ist geschaffen. Und zwar hat sie sich, trotz der kurzen Zeit ihrer Entwicklung, zu einer starken, ganz eigenen Industrie em- Seite 84 „FLUGSPORT. No. 3 porgearbeitet. In den weitesten Kreisen ist das Interesse für die Flugtechnik wach geworden, und nicht nur das Interesse, sondern vor allem der Erfindergeist hat sich der neuen Idee bemächtigt und zeitigt täglich neue Fluguaschinenarten, die jedoch nicht immer lebensfähig sind und auch nicht sein können, da sich ihre Erbauer gar nicht der Schwierigkeiten, die bei der Konstruktion einer Flug- maschine entstehen, bewußt sind. Gerade für sie scheint uns das vorliegende Buch Robert Petits sehr lehrreich zu sein. In klaren verständigen Worten zeigt uns den Autor, was alles dazu gehört, eine Flugmaschine zu konstruieren. Um dem Ziel erecht zu werden, gibt der Verfasser zunächst einen Einblick in die wichtigsten Berechnungen, die dem Bau der Flugmaschine vorangehen. Da gilt es gar vielen zu berücksichtigen, Luftwiderstand, die Wölbung der Flächen, um in der Luft ein Unterstützungsmoment für die Flächen zu erhalten, Schraubenberechnungen über die Schwerpunktslage. die Stabilität u. s. f. ad -» Wichtiger und interessanter erscheint uns der folgende Teil, in dem er auf die Praxis eingeht. Ehe er die einzelnen Teile der Flugmaschine bespricht, betrachtet er kurz die anzuwendenden Materialien; die Festigkeit und Zähigkeit der Metalle und Holzarten, die Spannschrauben, Drähte, den Bespannungs- stoff u. s. f. Sehr interessant ist seine Abhandlung über die vorhandenen Motortypen und vor allem über die Schraubenkonstruktionen. Bei letzteren gibt es verschiedene Theorien, wobei wohl die von Drzewiecki in der Praxis die gebräuchlichste ist Durch eine Reihe von Modellen wird das Profil der Schraubenflügel, die übrigens keine Wölbung aufweisen, hergestellt. Beim Material, das zur Verwendung ge- langt, zeigt die Holzschraube vor der Metallschraube viel Vorzüge, vor allem den der Festigkeit. Unter den Holzschrauben wiederum gibt es verschiedene Herstellungsarten, doch dürfte die Chauvieresche Art am besten sein. Es werden, je nach der Größe der Schraube, mehr oder weniger Hölzer übereinander geleimt und dann ausgehobelt. Ebenso wichtig wie eine gute Schraube ist das Fahrgestell für die Flug- maschine. Es soll einfach und leicht sein und doch den Apparat tragen und Stöße beim Landen abwehren können. Vorzüglich ist die neueste Art des Fahr- gestells, das beide früheren Arten, Räder und Kufen, vereinigt. Endlich/zum Schluß bespricht Verfasser die Flächenkonstruktion, wobei er als günstigstes Profil die Parabelform vorschlägt. H. U _‚ Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Fiugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission, Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 Central - Hotel Telefon 11 634. Unser Mitglied, Oberleutnant von Gorrissen, hat am 22. Januar auf dem Griesheimer Exerzierplatz bei Darmstadt einen Flug von über 1 km in 6 m Höhe ausgeführt. Der Zweck des Klubs ist Pflege und Förderung des Flugsportes mit Flug- maschinen unter Ausschluß jeglichen Ballonsports. No. 3 „FLUGSPORT“. Seite 85 Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 6 . . 2. .2.....8071 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . . 2: 2: 20m nn .. 9209 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 37 . . .» 2. ........10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 10. . . 2 2.2.2.2.2..10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 41 . . 2 2 2 2.202..2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 . ». . » 2» 2 22.202... 3013 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 33. . . . . .. 2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 21 . . . . 2... 2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107° . . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 3. . 2 2 2 220002.. 9054 Beisitzer: Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13 . . . 2.2.2.2...1166 Freiherr von Durant, Langendorf Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 . . 2 2 2222020. 2701 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1. . . 2 2.2.2.2..2..689 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14 . . 2. 2 2.2.2... 9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . » : 2 222 m ne ern 2701 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. In der letzten Versammlung wurde Herr Haıptmann Engel als Beisitzer in den Vorstand gewählt. Das Schriftführeramt wurde Herrn Dr ing. Heller iiber- tragen, während Herr Universitätsprofessor Dr. Lummer den Vorsitz in der tech- nischen Kommission übernahm Offizielle Mitteilungen des furter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Mi Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand:- 1. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. n Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., ‚Bergweg 12. Dienstags abends 8 Uhr finden in der „Alemania“ regelmäßige Zusammen- nkünfte statt. (Stammtisch.) In der am 28. Januar stattgefundenen X. Mitglieder-Versammlung hielt J. N. Busch einen Vortrag über: „Eine neue Fliegeridee“ welcher durch Vorführung von Gleitflugmodellen erläutert wurde. Der Vortrag Seite 86 „FLUGSPORT“. on 5 No, 3 wurde mit Beifall aufgenommen. An der hieran anschließenden Diskussion be- teiligten sich Schubbert, Krastel, Ursinus Hiernach erteilte der Vorsitzende Schubbert dem zweiten Vortragenden, Civ.-Ing. Ursinus, das Wort, welcher über die Festsetzung flugtechnischer Ausdrücke referierte. Während der langwierigen Diskussion kam die Bedeutung dieser Frage zum Ausdruck Man war allgemein der Ansicht, daß man den Ausdruck „Flugzeug“ oder „Flugmaschine“ anstatt Flieger gebrauchen soll und daß ledig- lich der Flugmaschinenführer mit „Flieger“ zu bezeichnen sei. Weiter wurde vor- geschlagen: Ein-, Zwei- und Mehrdecker für Maschinen mit übereinander- liegenden Tragdecken, Ein-, Zwei- und Mehrflächner für Maschinen mit hinter- einander liegenden Tragdecken und Zwei-, Drei-Staffeldecker für Maschinen mit staffelförmig hintereinander angeordneten Tragdecken anzuwenden. Redakteur Flüchtner übernahm es, sich in der Angelegenheit mit dem deutschen Sprach- verein in Verbindung zu setzen Weiter teilte die Firma Pega & Emich mit, daß sie ein Stück Gelände neben dem Griesheimer Exerzierplatz den Mitgliedern des Frankfurter Flug- technischen Vereins zur Verfügung stellen. Offizielle Mitteilungen des Vereins Deutscher Flugtechniker. Sitz Berlin. Ehrenmitglieder: Gustav Lilienthal, Groß Lichterfelde. Orville Wright, Dayton. Wilbur Wright, Dayton. l. Vorsitzender: Dr. Fritz Huth, Rixdorf. 2. Vorsitzender: Major von Parseval, Charlottenburg. Schriftführer: O. Schmal, Berlin S. W. 48, Friedrichstr. 218. Syndikus: Rechtsanwalt Eschenbach, Berlin. Beisitzer: Diplom-Ingenieur H Dorner, Berlin. Ingenieur J. Grade, Magdeburg. Ober-Ingenieur H. Rosenstein, Elbing. Ingenieur Max Schüler, Chemnitz. Vorsitzender der technischen Kommission: Ober-Ingenieur Zix, Berlin. Vorsitzender der Platzkommission: _ Kap'ta'n z. S a. D. von Pustau. Den Bemühungen des Vorstandes ist es gelungen, für die Mitglieder des Vereins, die in Berlin weilen, die Benutzung des Flugfeldes „Mars“ bei Berlin zu sehr günstigen Bedingungen zu vereinbaren. Die Herren, die die Absicht haben, auf dem Flugfelde „Mars“ Versuche zu unternehmen, werden gebeten, dem Vorstand hiervon Mitteilung zu machen. Ungezwungene Zusammenkünfte. Wir bringen zur gefl. Kenntnis, daß für unsere Mitglieder in Berlin jeden Freitag ein Stammtisch im Restaurant Heidelberger belegt ist Wir bitten unsere Mitglieder von dieser Gelegenheit zur ungezwungenen Äussprache Gebrauch zu machen _— ä “EN; pen er . Nr. 3 „FLUGSPORT“. Seite 87 Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. Sitz Oberhausen i. Rhld. Vorstand: \ 1. Vorsitzender: Schüller, Bürgermeister a.D., Oberhausen. nr 2. Mi Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten pe Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. IF) Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. GL a) Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten FAND / 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. » Redakteur Huhn, Oberhausen. Studien-Gesellschaft für Aviatik. Breslau. Vorstand: 1. Vorsitzender: Ober-Ingenieur E. Schrader. 2. » ‚Ingenieur G. Winkler sen. l. Schriftführer: Ingenieur W.: Bruch. Sitzungen, zu denen die Einladungen schriftlich ergehen. finden jeden Freitag, abends 8.30 Uhr statt. Flugstechnische Literatur. Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT“, Frankfurt a. M. Hilfsbuch für den Luftschiff- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luftschiffen, F.ugmaschinen aller Art und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Dallwitz. Preis Mk. 4.— Wie der Vogel fliegt und wie der Mensch fliegen wird von Ingenieur Wilhelm Kress. reis Mk. 4.-. Motorballon und Piugmaschine von Major A. von Parseval, Berlin. Preis Mk. 1.—. Flugapparate von Ingenieur Fritz Rost. Preis geb, M. 1.60. Der Vogelflug als Grundlage der Pliegerkunst von Otto Lilientha. Preis Mk. 10.—. Leitfaden der Luftschiffahrt und Fiugtechnik von Dr. Raimund Nimführ. Preis Mk. 12.-. Luftkrieg von R. P. Hearne mit einem Geleitwort von Sir H. Maxim. Preis Mk. 6.—. Wie der Vogel fliegt von Milla. Preis Mk. 1.—. Die endgültige Lösung des Flugproblems von Nemethy. Preis Mk. 2.--. Der Plug, ein auf der Wirkung strahlenden Tuftdrucks beruhender Vorgang von Dr. Emil Jacob, Kreuznach Preis Mk. 3.—. Mechanik des Vogelfluges von Maior A. von Parseval. Preis Mk. 5.—. In die Lüfte empor von Hauptmann von Krogh. Preis Mk. 1.—-. Gelegenheitskauf Ein Original Bleriot-Flugapparat Kanaltype) gegen Cassa sofort lieferbar. Der Flieger steht versuchsbereit in Deutschland. Preis M. 13500.—. Gefl. Zuschriiten an die Exp. d. Flugsport erbeten. „FLUGSPORT“. 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Flugsport Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ (L’ Aviation) Le seul organe allemand traitant partieulierement les interäts de l’Aviation unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhoisplatz 8. Repr&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 62. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Sonnabend jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 4, Frankfurt a. M., 19. Februar 1910. Jahrg. II. Das Aviations-Meeting von Heliopolis. Man hätte sich für eine flugsportliche Veranstaltung in der Tat ein interessanteres Terrain wohl schwerlich denken können, als dasjenige, auf dem sich die Flugwoche von Heliopolis ab- spielt, wo von der sagenumwobenen Sphinx und der Cheops- Pyramide, den jahrtausendealten Wahrzeichen einer untergegange- nen Kultur, mehr als vierzig Jahrhunderte Weltgeschichte auf den Triumph modernen Geistes herabblicken. Welch ein eigen- artiges und stimmungsvolles Bild, dort, in ı er Ebene von Gizeh, an der Erinnerungsstätte der egyptischen Dynastien, angesichts der Ruinen von Memphis, die modernen Flugmaschinen, hell bestrahlt von der heißen egyptischen Sonne, gegen den blauen Zenit anstreben zu sehen... Indessen das geräuschvolle Treiben, das sich ringsum ent- faltete, eignete sich wenig zu andachtsvoller Rückschau. Die naive jubelnde Bewunderung der in dichten Scharen herbeigeeil- ten Eingeborenen, die orientalische Prunkentfaltung der hohen Würdenträger, an ihrer Spitze der Klıedive selbst, die wogende Bewegung auf dem Flugplatze und in dessen Umgebung ge- wälhrrten ein so ungemein fesselndes Bild, daß es die Sinne völlig gefangen nalım. Man hatte eine Flugbahn in Form eines Rechtecks von 5 km Länge und 1,5km Breite angelegt und eine Abflugbahn von 500 m Länge und 30%0 m Breite geschafien. Zwanzig Flugma- schinenhallen waren errichtet und geräumige Tribünen aufgebaut Seite 89 „FLUGSPORT“. No. 4 worden, deren eine, für die Damen des Harems bestimmt, mit grünseidenen Mousselinvorhängen ausgestattet war, durch die hin- durch sich die Schönen des Serails das ungeahnte Schauspiel an- selıen konnten. Zwölf Piloten waren, wie schon früher an dieser Stelle ge- meldet worden ist, zu dem Meeting in Kairo eingetroffen: Hans Grade (Grade), Latham, Miclielin (Antoinette), Rougier, Gobron, Metrot, Madame de Laroclıe (Voisin), Balsan, Le Blon (Bl£riot), Duray, Mortimer Singer (Farman), Riemsdyck (Curtiß). er Eröffnungstag des Meetings, zu dem sich der Khedive mit seinen sämtlichen Ministern und hohen Würdenträgern ein- gefunden hatte, verlief schon vielversprechend, denn trotz u - eünstigen Windes wurden recht hübsche Leistungen erzielt. Be- kanntlıch war die Einrichtung getroffen, daß außer den am Schlusse des Meetings zur Verteilung kommenden Hauptpreisen an jedem Tage drei Tagespreise (für Distanz-, Höhen- und Ge- schwindigkeitsilüge) zum Austrag kamen Am ersten Tage er- rang Rougier den Höhenpreis mit 195 m; ferner den Distanzpreis ınit 65km und auch den Geschwindigkeitspreis mit 9 Min. 30 Sek. (10 km). Unser Landsmann hatte sich am ersten Tage leider noch nicht am Bewerb beteilist. Gobron war mit seinem Appa- rat aus 4) m Höhe herabgestürzt, wunderbarerweise, ohne sich zu verletzen. Der Apparat (es war dies der Paulhan-Apparat) ging in Trünımer. Der zweite Tag war ein Ehrentag für Hans Grade Er er- rang den Distanzpreis mit 20 km in 22:57, sowie den Gieschwin- digkeitspreis mit 11:06, wälırend der Höhenpreis an Rougier (mit 219 m) fiel. Am dritten Tage, an dem sich wiederum eine ungeheuere Menschenmenge eingefunden lıatte, herrschte ziemlich heftiger Wind. Man zögerte mit dem Abflug; als aber eine Aenderung des Wetters nicht zu erwarten war, unternahm man die Flugver- suche. Der erste der aufstieg, war Balsan. Zwei Minuten lang kämpfte der Bleriot-Eindecker gegen das Wetter; dann aber stürzte er wie ein Stein schwer zu Boden und zerschellte voll- ständig. Der junge Pilot kam mit dem Schrecken davon. Der Distanzpreis dieses Tages fiel an Rougier mit 85,5 km, während sich Grade mit 35 km als dritter plazierte. Den Höhenpreis er- rang gleichfalls Rougier mit 219 m und auch im Kampfe um den Gescliwindigkeitspreis blieb Rougier mit 9:30 Sieger, wälırend auclı hier sich Grade mit 11:06 als dritter qualifizierte. Selır schöne Flüge brachte der vierte Tag, an dem sich Metrot, Duray, Rougier, Grade, Balsan besonders auszeichneten. Einen prächtigen Anblick gewährte es, als sich vier Piloten, Bal- san, Rougier, Latham und Metrot, zugleich in die Luft erhoben und ein brausender Jubel quittierte das tatsächlich reizvolle Bild. In dem Tages-Distanzpreis wurde Metrot mit 85,5 km erster und Hans Grade gelang es, auclı diesmal wenigstens den vierten Platz (nıit 15 km) zu erobern. Der Geschwindigkeitspreis dieses Tages ging an Balsan mit 9 : 50-2; der Höhenpreis an Latham mit 52 m. ies ist der erste kleine Erfolg Latlıams, der diesmal nicht von Glück begünstigt ist. No. 4 „FLUGSPORT“. Seite 90 ‚, Auch der fünfte Tag hatte unter dem starken Winde zu leiden und dennoch vermochten die Piloten, einige hübsche Re- sultate zu erzielen. Vor allen Dingen war es die Baronin de Laroche, welche unter dem Jubel der Anwesenden einige ge- lungene Flüge ausführte, durch die sie dasRecht auf das Biloten- patent des Aeroclub de France erworben hat. Den übrigen Pi- Ioten gelangen trotz des heftigen Windes einige, wenn auch nur unwesentliche Flüge. Der Khedive mit den Prinzen und den Ministern auf den Tribünen während der Flüge. Günstiger verlief der sechste Tag, nur für Latham hatte er noch ein besonderes Pech sebracht. Nachdem wiederholt sein Abflug durch Versagen des Motors vereitelt worden war, stieg er endlich auf, aber im nächsten Augenblick schon berührt der Apparat, den Latham.-in-einer Kurve zu kurz herumgesteuert hatte, den Boden und einer der Flügel wird zerbrochen. Die Resultate des Tages waren folgende: den Distanzpreis erringt Le Blon mit 90 km, den Geschwindigkeitspreis gleichfalls Le Blon mit 8: 07-4 und den Höhenpreis Rougier mit 255 m. Grade nimmt im Distanzpreis mit 14 km den fünften Platz ein. . Der siebente und vorletzte Tag des Meetings verlief leider gänzlich resultatlos, weil infolge eines jener afrikanischen Wüsten- stürme, die dichte Wolken von Sand vor sich herjagen, jeder Versuch eines Abflugs absolut ausgeschlossen war. Geduldig Seite 91 „FLUGSPORT“. No. 4 Ten No. 4 „FLUGSPORT“ Seite 9 Heliopolis. Oben links: Balsan auf Bleriot. Darunter: Blick auf die Flugmasch.-Hallen. Unten: Die große Tribüne. a Heliopolis. Oben: Metrot passiert die Haremstribüne. Mitte: Grade vor dem Start. Unten: Rougier vor den Tribiinen. Seite 93 „FLUGSPORT“. No. 4 hharrte die Menge ebenso, wie die Aviatiker und Mechaniker, immer noch in der Hoffnung, daß das furchtbare Unwetter nach- lassen und noch einige Flugversuche gestatten würde, aber ver- geblich. Besonders Latlıam, der, wie wir geselien hatten, bisher in diesem Meeting recht schlecht abgeschnitten hat, glaubte am Sonnabend endlich, nachdem sein Motor anscheinend in Gang gebracht war, sich zu Taten aufraffen zu können, um von dem verlorenen Terrain, was eben noclı möglich, zu retten. Aber das launische Wetter hatte es anders gewollt. Der Sonntag, der Sclhlußtag des Meetings, hat noch eine ganz gewaltige Mensclienmenge lıerangezogen und außer den egyptischen Würdenträgern waren die ausländischen Kolonien namentlich die englische, italienische, französische und amerika- nische, fast vollzählig erschienen. Leider aber wehte noch ein ziemlich heftiger Wind, der alle umfangreicheren Flugversuche . vereitelte, sodaß das recht gelungene egyptische Meeting ohne Sensationen abschließen mußte. Das Cieneralklassement_ stellt sich nun wie folgt: Preis der zusammenaddierten Distanz: l. Rougier (Voisin) 153,5 km 2. Le Blon (Bleriot) 13 , 3. Balsan (Bleriot) 139,5 „ 4. Metrot (Voisin) 1385 „ 5. Hans Grade (Grade) 64 6. Riemsdyck (Curtiß) 20,5 7. Latham (Antoinette) 15 8. Mad. deLaroche(Voisin)20 „ 9. Michelin (Antoinette) 5, 10. Duray (Farman) 5, 11. Sands (Antoinette) 5 „ (disqualifiziert). Höhen-Preis: l. Rougier 255 m 4. Latlıam 52 m 2. Rougier 219 „ 5. Rougier 3 „ 3. Rougier 193 „ 6. Metrot 4 „ Geschwindigkeits-Preis: (10 km). 1. Le Blon 8:07-4 4. Balsan 10:09 2. Rougier 9:30 5. Grade 11:06 -3. Balsan--- 950-2. 6. Rougier 11:24 Preis der größten einmaligen Distanz: 1. Metrot 85,5 kın ll. deLaroche 20 km 2. Rougier 65 „ 12. Metrot 18 ,„ 3. Le Blon 50 „ 13. Grade 15 „ 4. Rougier 48 „ 14. Grade 14 „ 5. Balsan 4 „ 15. Latham 10 „ 6. Balsan 30, 16. Latham 5, 7. Balsan 25 „ 17. Duray 5 ,„ 8’Riemsdyck24 „ 18. Michelin 5 „ 9. Metrot 20.4, 19. LeBlon 5 „ 10. Le Blon 20 ,„ No. 4 „FLUGSPORT"“. Seite 94 Was sie gewinnen: Rougier 50 000, 25000, 10000 und 6000 91000 Francs Metrot 50000 und 1000 SI000 , Le Blon 10000, 5000 und 2000 17000, Balsan 5000, 2500 und 1000 850 , Riemsdyck 2500 „ Hans Grade 200 , Madame de Laroclıe 1 000 Bei dem Rückblick auf das Ergebnis des Meetings von Heliopolis muß außer dem großen Erfolge der Voisin vor allen Dingen die wenig glimpfliche Rolle, welche die Antoinette mit dem Favoriten Latlıam gespielt haben, auffallen. Der Eindecker von Grade, darüber besteht auclı in denjenigen Kreisen, die es nur ungem zugeben, kein Zweifel, bot eine Üeberraschung. Man wird in den zukünftigen Meetings mit diesem Apparat und seinem Piloten, der sich äußerst gewandt und ruhig gezeigt hat, zu rech- nen hhıaben. Jedenialls hat sich, und darüber können wir uns auf- richtig ireuen, Grade bei diesem ersten internationalen Meeting, bei dem er mit den erfalırenen „Koryphäen“ des Flugsports zu- sammentrai, ehrenvoll gehalten. R]. Die neue Euler-Flugmaschine. Die vorliegende Type kann man als reine deutsche Kon- struktion betrachten. Schon ein flüchtiger Ueberblick läßt er- kennen, daß der Konstrukteur bemüht war, die Maschine mög- lichst luitstabil zu machen. Auch in der Ausführung der hinteren Steuerorgane sowie des Fahrgestells unterscheidet sich diese Type wesentlich von allen ausländischen Konstruktionen. Das Höhensteuer ist, wie die umstehende Abbildung zeigt, vorn angeordnet. Das am Schwanz montierte Seitensteuer wird aus 3 Steuerflächen gebildet, die ‚geichzeilig als Dämpfungs- flächen dienen. Um eine intensive Wirkung zu erzielen, sind die Steuerflächen vorn spitz und verdicken sich nach hinten auf ca. 10 cm. Sie erhalten demnach von beiden Seiten in der Nullage einen Luftdruck. Die Schräglagensteuerung besteht aus zwei an den unteren Tragdeckenenden angebrachten dreieckigen Hilisflächen. Die Maschine besitzt 50 qm Tragfläche einschließlich -Sehwanzfläche und Höhensteuer. Das Eigengewicht olıne-Be- triebsstoff beträgt 280 kg. Zum Betriebe dient ein 55 PS Sieben- zylinder-Gnom-Motor, auf dessen Gelıiäuse eine Schraube von 2,6 m Durchmesser montiert ist. Die ganze Länge des Apparates beträgt 9 m, die Spannweite 10 m. nteressant und neu ist die konstruktive Durclibildung des Fahrgestells. Das Hauptgewiclit der Maschine wird durch vier Streben auf zwei Aluminiumlager, in welchen das Rohr a ge- lagert ist, übertragen. Auf diesem Rolır sitzen zwei Bremskufen b, welche vorn durch Gummizüge am oberen Teil des Fahrge- stells befestigt sind. Die beiden Laufräder an der Achse c sind Seite 9 „FLUGSPORT“, No. 4 durch starke Gummiringe an der Achse a aufgehängt. Beim An- fahren heben sich die beiden Bremskufen b selbsttätig vom Ter- rain ab. Beim Aufsetzen der Maschine auf den Eriboden hin- Die neue Euler-Flugmaschine. No. 4 „FLUGSPORT“. Sette 96 gegen erlıalten die beiden Laufräder einen starken Stoß und die Bremskufen b treten selbsttätig bremsend in Funktion. Zur Siche- rung des vorderen Höhensteuers bei starkem Aufkommen ist eine weitere Bremskufe vorgesehen. Die Maschine erhob sich beim ersten Versuch bereits nach 20 m vom Erdboden und stieg bis auf 180 m. Infolge Fest- klemmens des vorderen Höhensteuers mußte in obiger Höhe der Motor abgestellt werden, wobei die Maschine etwas stark auf- kam, so daß das Fahrgestell beschädigt wurde. ‚Wir möchten bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen da- rauf hinzuweisen, doch bei derartigen Versuchen mit ganz neuen Maschinen etwas vorsichtiger zu sein. Bei jeder neuen Ma- schine ist die Empfindlichkeit der verschiedenen Steuerorgane verschieden. Der Führer muß siclı erst daran gewöhnen. Also, erst kleine Distanzen fliegen und dann erst, wenn man die Un- arten der Masclıiine genau kennt, größere Höhen aufsuchen! Moderner Flugmaschinenbau. Civilingenieur Oskar Ursinus. Hierzu Tafel II. (Fortsetzung von Seite 748, Nr. 26, 1909.) . Flugmaschine Farman.‘) Die Konstruktion der Flugmaschine von H. Farman, mit welcher er den Weltrekord von 4 Stunden 20 Min. aufgestellt hat, zeigt uns Tafel II im Auf- und Grundriß. Die Ausführung der Einzelteile erscheint äußerst primitiv. Das Fahrgestell besteht hier aus zwei Kufen, welche je durch ein Räderpaar ge- Iragen werden. Um die durch die Unebenheit des Terrains ent- stehenden Erschütterungen abzudämpfen, sind die Kufen mittels Gummibändern A anden Radachsen' aufgehängt (s Taf. II). Den Schwanz der Flugmaschine tragen zwei von einander getrennte, abgefederte Räder, welche, um den seitlichen Abweichungen der Flugmaschine von der graden Bahn folgen zu können, wie die vorderen Räderpaare seitlich drehbar angeordnet sind. Der; Rumpf oder das (iestell ist gitteriörmig ausgebildet und durch Spann- ‚drähte in der üblichen Weise verspannt. Die Konstruktion be- steht aus Molzstäben, auch verschiedentlich teilweise aus Stalıl- Röhren. Die Tragdecken sind senkrecht übereinander angeordnet und durch vertikale Holz- streben abgestützt. Das Material der Längsträger, sowie der Tragrippen bestelıt aus Eschenholz. Die Tragdecken-Konstruktion ist mit Gummistoff einseitig überzogen. *). Anmerkung der Redaktion. Die Besprechung dieser bekannten Ma- schine erfolgt auf Ersuchen vieler Leser der Vollständigkeit wegen. Seite 97 „FLUGSPORT“. No. 4 Die Konstruktion und Anordnung der Steuerorgane geht aus der Zeichnung, sowie aus dem Steuerungsschema llervor. Das Höhensteuer B befindet sich vor den Tragdecken. Die Betätigung gescliielıt durch Vor- und Rückwärtsbewegen des Hebels C. Das Seitensteuer D ist, wie bei den meisten Flugmaschinen, hinter den Tragdecken montiert. Die Betätigung erfolgt durclı den Fußlhiebel E Die seitliche Stabilität wird durch 4 am Hinterende der Tragdecken angebraclıte Klappen F aufrecht erhalten. Die Bewegung dieser Klappen erfolgt vom Hebel C aus, indem dieser nach rechts oder links gedrelit wird. Die Seilzüge sind auf Taiel Il klar ersichtlich. Der Motor ist ein SO PS, in letzter Zeit vielfach ein 7-Zylinder luftgekülıilter Gnommotor M, auf dessen Gehäuse die Schraube unmittelbar befestigt is. Die Schraube S ist eine Chauviere- Schraube aus Holz mit einer Steigung von s=1,40 m und einem Durchmesser von d=2,59 m. Die Tourenzalıl beträgt 1200 per Minute. Motor, Schraube, sowie Bezinbehälter G sind hinter dem Führersitz H angeorinet. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Abgeselıen von dem egyptischen Meeting ist es die heftige „Salon-Fehde“, die unter den verschiedenen Interessenvereinigungen der französischen Automobil- und aeronautischen Industrien aus- rebrochen. ist, welche das Hauptinteresse der hiesigen aviatischen reise auf sich lenkt. ‘Der Streit dreht sich bekanntlich um das Vorrecht der Ver- anstaltung des Pariser „Salons“, dessen Organisation nach der bisherigen Praxis von dem gemeinschaftlichen Konsortium, dem alle in Betracht kommenden Gruppen angehören, auszugehen hat. Nun ist vor kurzem aus Gründen, die hier nicht interessieren, innerhalb der französischen Automobilindustriellen eine Spaltung erfolgt, die die Gründung einer neuen „Chambre Syndicale des Constructeurs* zur nächsten Folge hatte. Diese neugegründete Kammer hatte, um ihrer Unabhängigkeit von dem bisherigen Kon- sortium, naınentlich aber von der allmächtigen „Chambre Syn- dicale de l’Automobile* Ausdruck zu geben, dieser Tage den Be- schluß gefaßt, in Gemeinschaft mit dem Syndikat der aeronautischen Industriellen (Präsident Robert Esnault-Pelterie) in diesem Jahre einen internationalen Pariser Salon zu veranstalten, der in der Zeit vom 15. Oktober bis 2. November im Grand Palais des Champs nn u. No. 4 „FLUGSPORT“. Seite 98 Elysees stattfinden soll. Jetzt hat nun die alte Gruppe erstaun- licherweise beschlossen, im Anschluß an diesen Salon „ihren“ Salon abzuhalten, sodaß wir wahrscheinlich, wenn nicht noch mächtige Einflüsse eine Verständigung herbeiführen, in diesem Jalıre gar zwei Salons haben werden, ın denen natürlich auclı die Aviation, allerdings gespalten, vertreten sein wird. Wir fürchten, daß es bei diesem häuslichen Streite keinen „tertius gaudens“, ‚sondern allseitie nur Leidtragende geben wird. Der Kriegsminister General Brun hat den Artilleriehauptmann Estienne nach Mourmelon le Grand entsandt, damit er den mili- tärischen Aviationsdienst organisiere. Hauptmann Estienne hat die Farman- und Antoinette-Schulen besucht, um sich von den Fortschritten der daselbst übenden Offiziere zu überzeugen. Er stieg auch wiederholt mit Van den Born und Küller auf und ver- Von der Bleriot-Schule in Pau: Leblanc im Fluge. einbarte, daß die Unterweisung der Offiziere in schnellerem Tempo als bisher vor sich gehien soll Der Kriegsminister selbst besuchte das Flugfeld von Villacoublay, woselbst sich die 4 für die Heeres- Verwaltung konstruierten Wright-Apparate befinden. Die Flug- versuche, die Graf Lambert bei dieser Gelegenheit vornelimen wollte, scheiterten allerdings an der Ungunst der Witterung. Da- _ gegen gelangen dem Major Renaud einige kurze Flüge. Außer diesem militärischen Aerodrom, das in der Nähe von Chaville, auf der Strecke von Versailles nach Choisy-le-Roi liegt, beab- sichtigt man, auch ganz in der Nähe von Paris und zwar auf dem Manöverfelde von Vincennes, ein Offiziers-Flugfeld ein- zurichten. Ferner hat sich die Militärverwaltung mit der Stadtgemeinde von Pau in Verbindung gesetzt und diese um Ueberlassung der erforderlichen Terrains für eine ständig mit 25 Piloten zu belexende Militär-Aviationschule ersucht. Selbstverständlich hat die Ge- meinde gern dem Wunsche entsprochen, sodaß sich auch hier Seite „FLUGSPORT“. No. 4 selır bald eine neue Militärschule erheben wird. Wie man sieht, betreibt die französische Heeresverwaltung die Einführung der Aviation in die Armee mit allem Ernste und Eifer. Auch Bl£riot unternahm in Pau einige Aufstiege mit seinem neuen Eindecker, dessen Länge er gegen die bisherige Type um einen Meter, auf 6,50 m, reduziert hat. Der Apparat ging sehr ruhig und sicher und auclı das von Bleriot unternommene Ex- periment, die Zündung im Fluge abzustellen, sich schwebend her- ab zu lassen und, noch bevor er den Boden berührt, wieder in die Höhe zu steigen, gelang vollkommen. In Issy-les-Moulineaux, wo jetzt wieder das Terrain einiger- maßen hergestellt ist, konnte Rigal seinen Voisin-Zweidecker von der „Renn*- 2°, wie Rougier ihn benutzt, proben. Der Apparat lıat einen op Motor und erwies sich bei den ersten Versuchen, die freilich unter der schlammigen Beschafienheit des Bodens litten, als leistungsfähig. | Am Freitag wollte Pauwels einen Voisin-Flieger versuchen, der eben fertiggestellt worden war. Der Apparat konnte siclı, wie es heißt, infolge starken Windes nicht vom Boden erlıeben und schlug schließlich völlig um, wobei er ganz in Trümmer ging. Pauwels erlitt keinerlei Verletzungen. Sommer macht mit fortlaufenden Flugübungen auf seinem Flugfelde zu Douzy für seine neue Aeroplan-Type Propaganda. In der Hauptsache erstrecken sich seine Experimente auf die De- ıiıonstration der Tragfähigkeit seines Apparats So unternalım er wiederholt Flüge, bei denen er die Maschine mit 210 kg belastete. Er will diese Belastung allmählich steigern. ‚ „Auf dem Aerodrom von Crau, in der Nähe von Marseille, wird es dieser Tage beginnen, lebendig zu werden, da Serrailler seinen neuen Zweidecker, dem er einen 60 PS Mercedes-Motor gegeben hat, vorführen und auch Henri Blanc einen mit einem 15 PS Motor versehenen Eindecker eigener Erfindung, der in voller Ausrüstung nur 120 kg wiegt, erproben will. Von bevorstehenden avilatischen Veranstaltungen-sind zu er- wähnen, das Meeting von Nizza, über welches eingehend ge- sprochen worden ist, und für welches nur vier Meldungen, und zwar von Hans Grade, Latlıam, Rougier und Sands (Antoinette) eingegangen sind. Rougier wird sich wahrscheinlich direkt von Heliopolis nach Nizza begeben, woselbst sein Voisin-Zweidecker bereits eingetroffen ist. Wie es heißt, hat Rougier die Absicht, bei seinen Trainierungsexperimenten auch einige Flüge über das Meer lin zu unternehmen. Das Aerodrom von Mandelieux wird für die Canner Woclıe lıergestellt, und schon sind einige Piloten dort mit ihren Uebungs- flügen beschäftigt, Moissant hat am Donnerstag mit einem Ein- decker eigener Konstruktion einen 300 m Flug zu Wege gebraclit, daıım aber bei einer ungeschickten Landung den Apparat ziemlich stark beschädigt: Ebenso wenig glücklich war Braun mit einem Giregoire-Eindecker, den er nach einem 50 m-Fluge bei der Lan- dung beschädigte. Für die Woche von Caen ist nun auclı das Datum festge- setzt worden; sie soll vom 27. Juli bis 3. August vor siclı gelıen. No. 4 „FLUGSPORT“. Seite 100 Verschiedene Vereinigungen befassen sich schon eifrig mit der Organisation. nn on Man interessiert sich hier lebhaft für einen vom schweize- rischen aviatischen Klub geplanten Bewerb, der die Ueberfliegung des Genfer Sees zum Gegenstande hat. Der genannte Klub hat den Eynard-Preis in Höhe von 10.000 Francs für den ersten schweizerischen Aviater, der mit einer schweizerischen Maschine diese Leistung vollbringt, ausgesetzt, während der Perrot-Duval- Preis in Höhe von 5000 Francs für dieselbe Leistung, aber für einen Aviater irgend einer Nationalität, bestimmt ist. Der Flug soll von Ouchy nach Evian gehen. Auch die französische Ligue Nationale A&rienne lıat zwei neue Preise ausgesetzt, die dazu bestimmt sind, die kleinen Flugmaschinen-Typen zu fördern. Der eine Preis verlangt einen 1 km-Flug auf einer mit Bäumen dicht bestandenen Chaussee, der andere ist für einen Aeroplan von kleinsten Maßen bestimmt, der einen Schleifenflug von I km ausführt. Der Bewerb für Aviationsmotoren, der am 1. Februar seinen Anfang nehmen sollte, ist wegen der hiesigen Ueberschwemmungen auf den Monat April verschoben worden. Die Firmen Cinom, Gyp, Clerget, Chenu, Aster, Farcot, Gobron, de Dion-Bouton, Breton und Cockburn werden ausstellen. Das weibliche Element beginnt sich in der Aviation bemerk- bar zu machen. Ausser der Baronin de Laroche, die sich in Heliopolis soeben die Sporen, d. h. das offizielle Pilotenpatent verdient hat, und einige andere Damen, die früher bereits genannt sind, haben in Pau zwei neue Pilotinnen, die Marquise de Camp- bell und Miss Spencer Kavanaglı, ihre Exerzitien begonnen. Auch eine deutsche Dame trifft dieser Tage hier ein, um ihre Uhnter- weisung in der Aviation zu empfangen. Der Aero-Club de France bereitet eine große Festlichkeit- vor, die am 5. März im großen Amphitheater der Sorbonne vor sich gehen wird und bei der die im Jahre 1909 gewonnenen Medaillen, Pokale und Preise an die Aviater zur Verteilung kom- men sollen. | Schließlich sei noch eines Prozesses Erwähnung getan, der hier soeben sein Ende nahım und der in aviatischen Kreisen viel Aufsehen gemacht hat. Die Gebrüder Voisin hatten gegen den Konstrukteur A. Clement einen Patentverletzungsprozeß angestrengt, indem sie be- haupteten, daß das von Clement benutzte Steuerungssystem sich auf einem ihnen im Jahre 1908 patentierten Verfahren stütze. Sie verlangten 10.000 Francs Schadenersatz. Die Firma Clement jührte dagegen aus, daß Penaud und Gauchot schon im Jalıre 1876 ein analoges Patent herausgenommen hätten. Das. Gericht entschied, daß eine Patentverletzung nicht vorliegen könne, da alle Welt Gelegenheit gehabt habe, schon vor 18 das gleiche System auf den Farman’schen Apparaten zu sehen und entschied gleichzeitig die Null- und Nichtigerklärung des Patents Voisin. Nun verlangte Clement von Voisin 50.000 Frances Schadenersatz für den ihm durch diesen Prozeß zugefügten Schaden. Das lehnte der Gerichtshof freilich ab, aber er verurteilte die Gebrüder Voisin zur Tragung der erheblichen Kosten des Verfahrens. Seite 101 „FLUGSPORT“. No. 4 Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Die Pariser Streitigkeiten über die Daten der internationalen Flugsportfeste in England haben hier natürlich großes Aufsehen erregt. Bekanntlich hat der englische Aero-Club, der die FEde- | ration Aeronautique Internationale in England vertritt, am 10. Ja- nuar in Paris durchgesetzt, daß die Woche vom 10.17. Juli d. js. für ein internationales Meeting in England reserviert würde. Trotzdem erklärte die Kommission aerienne mixte am 18. Januar, daß alle Daten vom 3.--24. Juli für internationale. Meetings in Frankreich reserviert bleiben sollten, und da viele Mitglieder der Commission aerienne mixte auch einflußreiche Mitglieder des französischen Aero-Clubs und der Federation sind, so erwartete man, daß die Ansprüche des englischen Aero-Clubs in Frankreich überstimmt werden würden. Das ist jedoch nicht geschehen. Als der englische Aero-Club es ablehnte, die Beschlüsse der Commission a&rienne mixte irgend welcher Beachtung zu wür- digen und energisch erklärte, daß er eventuell die nötigen Kon- sequenzen ziehen würde, hat die Federation sich veranlaßt ge- sehen mitzuteilen, daß kein Grund vorhanden sei, die ursprüng- lichen Beschlüsse zurückzunehmen. Die englischen Meetings werden also unter Autorität der Federation A&ronautique inter- nationale an den im Januar beschlossenen Daten stattfinden, und zwar ist für das Meeting vom 11.—17. Juli Bournemouth gewählt, wo schon 430000 Mk. als Garantiefonds gezeichnet sind; für das zweite Meeting im August ist Southport in Aussicht genommen. So bleibt also zunächst alles beim alten; aber die Stellung des Aero-Club in England, die schon durch die willkürliche Dis- qualifikation des Meetings in Doncaster erschüttert war, ist durch iese Streitigkeiten niclıt verbessert worden, und der Gedanke eines Zusammenschlusses aller aeronautischen Vereine in Groß- britannien zu einem nationalen Ausschuß findet immer mehr An- ang. Freilich kann ınan es andererseits den Franzosen auch niclıt verdenken, daß sie England nicht als ‘gleichberechtigt betraclıten, solange die Zahl tüchtiger Flieger hier so gering ist, und auclı für die Engländer ist es vielleicht besser, wenn sie sich noch einige Zeit als Jünger Frankreichs in der Flugkunst fühlen; der Vorsprung Frankreichs ist doch zu_ groß, trotz aller Fortschritte, die während des letzten Jahres in England gemacht sind. Die Verbesserung des Fluggrundes in Eastchurcli macht gute Fortschritte, und eines Tages konnte man dort sogar zwei Flieger gleichzeitig üben sehen, Mr. Grace auf einem Voisin und CS. Rolls auf seinem Wright-Doppeldecker. Der letztere trug dabei mehrere Male einen Passagier. Wie man erfährt, ist Rolls von der Militärverwaltung als Instrukteur in der Flugkunst in Aussicht genommen. Dagegen ist Cody gezwungen worden, seine Uebungen auf dem Rennplatze in Aintree einzustellen. Die Nachricht von dem Unfall Mortimer Singer's in Helio- polis hat hier große Trauer erregt, da man auf diesen englischen Flieger große Hofinungen gesetzt hatte. Nachdem auch Lathıams No. 4 „FLUGSPORT“ Seite 102 Maschine dort bei einem Sturze zerstört ist, hat England unter den Fliegern in Heliopolis keinen einzigen Vertreter mehr. Latham der früher auf der Universität Oxford studiert hat, hat übrigens dem Aero-Club von Oxford versprochen, daß er im Frühjalıre dort einige Flüge ausführen werde. . Inzwischen rüstet man sich in England für die zweite inter- nationale Aero- und Motorboot-Ausstellung, die organisiert von dem Vereine der Motor-Fabrikanten und unterstützt von dem englischen Aero-Club am 11.--19 März in Olympia stattfinden wird. Es sind für dieselbe bereits 30 Aeroplane angemeldet, da- runter mehrere englische. So hat die Firma George & Jobling in Newcastle-on-Tyne deren Tätigkeit im Flugmaschinenbau bislier noch nicht bekannt war, zwei Modelle angemeldet (mit Green-Motor von 50-60 PS ) Abgesehen von der schon öfter erwähnten Huniber-Co. hat jetzt auch die Motorwagen-Fabrik der Sheffield Simplex Motor Co. in Tinstey siclı für den Bau von Flugzeugen eingerichtet. Die Wol- seley Motor Co. hat soeben auf Bestellung einen 50-pferdigen Flugmaschinen-Motor feıtiggestellt, der für eine Wrigthi-Maschine bestimmt ist. Während einer Probe von 4 stündigem beständigen Laufen zeigte sich, daß der Motor durchschnittlich 55 PS ent- wickelte und am Schlusse zu einer Höchstleistung von 80,5 PS ähig war. Die gegenwärtige Situation am französischen Flugmaschinenmarkt. Von Igo Etrich, Wien. Während meiner Mitte Januar nach Paris und Mourmelon unternommenen Reise hatte ich Gelegenheit, Authentisches darüber zu ermitteln, welche Resul- tate und Erfahrungen die Käufer der heute bekannten Aeroplantypen bis- her gemacht haben, die doch vor allem ausschlaggebend sind für die Bewertung einer Type. Die anfangs reißend verkauften Wright-Biplane finden heute fast keine Käufer mehr, weil das Fliegenlernen damit beinahe unmöglich und mit größter Lebensgefahr verbunden ist. Wenn die Brüder Wright nicht bald eine neue stabilere Type herausbringen, werden sie trotz ihres Patentes und amerikanischen Monopols die Früchte ihrer Pionierarbeit anderen überlassen müssen. Die Voisinbiplane werden noch in genau derselben Ausführung gebaut - wie Anfang 1908, und läßt die Nachfrage dafür bereits stark nach, da sie zu schwerfällig und langsam sind; die etwas bessere Stabilität kann die übrigen Mängel nicht ausgleichen. Fine neue Type mit vorderer Schraube und rück- wärtiger Steuerzelle soll sich nicht bewährt haben. Die Farmanbiplane, die eigentlich nur eine Kombination der beiden vorhergehenden darstellen, sind heute (außer Voisin) die relativ am leich- testen zuer lern ende Type, und es besteht daher gegenwärtig nach ihnen sfarke Nachfrage, die durch die Rekordleistungen Paulhans noch mehr zu- nehmen dürfte. (Bis Mitte Januar waren ca. 70 Stück bestellt.) Seite 103 „FLUGSPORT“. No. 4 Der wunde Punkt der Farmanapparate ist die minutuiös richtige Ein- stellungder rückwärtigen Zelle; ist diese in O dnung, dann ist das Fliegen mit dieser Type bei ruhigem Wetter relativ leicht und ohne Gefahr zu erlernen. Viele Anfänger, die in Mourmelon schon hübsche Flüge erzielen konnten, machten damit im Auslande infolge von Montagefehlern schlechte Er- fahrungen. (Kutassy, Budapest etc.) Die Antoinettemonoplane, welche durch Latham zu so beispiel- losen Erfolgen gesteuert wurden, haben ihre zahlreichen (ca. 100 Stück bestellt) Käufer stark enttäuscht, denn bis heute kann noch kein einziger Schüler damit wirklich fliegen, wenn man von einigen kurzen Aufstiegen absieht, die zumeist mit Flügelbrüchen endigten. Latham ist ein ähnlicher Flug- künstler wie W. Wright, und können seine Leistungen nicht als Maßstab dienen für die Bewertung der betreffenden Type; es ist sehr fraglich, ob sich unter den vielen Käufern noch einige „Lathams“ befinden werden! Die Type wird eine durchgreifende Rekonstruktion erfahren müssen, wenn sie unter die gebrauchsfähigen Aeroplane gezählt werden soll. Die Bleriotmonoplane sind ein Massenartikel geworden; der niedrige Preis und die rasche Art der Erzeugung haben es ermöglicht, daß von den verkauften ca. 300 Apparaten bereits fast ein Viertel abgeliefert ist. Wöchent- lich werden 6 komplette Apparate und 4 Stück ohne Motor geliefert; letztere als Ersatz für die abgestürzten, die aber kaum hinreichen, das. viele „zer- brochene Holz“ (wie man in Frankreich sagt) zu ersetzen. In allerletzter Zeit macht sich trotz der vielen Meetings auch im Absatz dieser Type eine Abflauung geltend, da unter den vieleı Käufern sich auch “wenige befinden, die ohne öftere Stürze fligge geworden sind. Die Demoiselle-Monoplane von Santos-Dumont haben zwar infolge des geringen Preises viele hunde’t Käufer gefunden, die Resultate lassen aber sehr zu wünschen übrig: bis auf einige mit Accidents beendigte Versuche Santos-Dumonts in Issy hat man von Flügen dieser Type bisher nichts mehr ge- hört. Das Frühjahr wird zeigen, wie weit ein so kleiner, relativ starker Apparat in seiner jetzigen Form existenzfähig ist. Außer diesen bekannten Normaltypen befinden sich unzählige Appa- rate unbekannter Erfinder in Paris in Konstruktion, die alle mehr oder weniger K’opien der andern oder meist Kombinationen der selben sind. j Besonders beliebt ist gegenwärtig eine bleriotähnliche Monnplantype mit Antoinetteschwanz, die durch einen vorne angebrachten Gnome-Rotations- Motor von 50 PS getrieben wird. Ich fürchte, daß diese auf Schnelligkeits- exzesse berechnete Tendenz noch viele Stürze ä la Delagrange zeitigen wird, da man sich in Frankreich der Gefahr, dieein so starkes, vorne befind- liches Gyroskop für einen leichten Monoplan bedeutet, heute noch nichtbewußt ist. ..._Es kann sich gegenwärtig nicht so sehr darum handeln, die. durch. einzelne ehrgeizige Todeskandidaten rapid hinaufgetriebenen Rekordleis- tungen zu steigern, sondern in ruhiger, systematischer Arbeit und Forschung die Betriebssicherheit (Motoren) unddie Stabilitätder Apparateim Winde zu verbessern, damit der jetzige gefährliche Flugsport bald in einen relativ ungefährlichen Luft- verkehr umgewandelt wird. Die forcierten Rekordleistungen haben nur das eine Gute, daß dadurch den noch immer zahlreichen Anhängern des Lenkballons endlich die Augen geöffnet werden und man vielleicht auch in Oesterreich der ( „Flugsport“, Organ der”deutschen Flugtechniker-Vereine 1910. Tafel Il. Flugmaschine Farman. Z. moderner Fliegerbau von Civ.-Ing. Ursinus N ww No. 4 „ELUGSPORT“. Seite 104 Entwickelung des Aeroplans mehr Aufmerksamkeit schenken wird, als dies bis heute der Fall war. Der letzte Einwand, daß der Aeroplan nicht hoch genug fliegen könne, ist jetzt mit den Leistungen Lathams und Paulhans gefallen! Meine Erfahrungen beim Fliegenlernen. Von Dipl.-Ing. Hermann Dorner. Es gibt heute zwei Methoden, fliegen zu lernen. Die eine, auf zwei- sitzigem Apparat an Seite des Führers die Handgriffe zu üben, ist leicht, die zweite, das Steuern einer Maschine selbst zu erlernen, ist schwerer und wird zu einer gewaltigen Aufgabe, wenn die Konstruktion dem eigenen Kopfe entstammt, ohne vorher erprobt zu sein; der letztere war mein Weg. Zu den Vorversuchen benutzte ich einen Gleitflieger nach eigenem Ent- wurf von etwa 20 qm Tragfläche; die Höhensteuerung geschah durch Verstellung der Hauptfläche, während die Seitenlenkung durch ein drehbares Hinterrad in Ver- bindung mit einem Schwanzsteuer ermöglicht wurde. Mit diesem Apparat gelan- gen Herrn G. Begas und mir im Sommer 1908 auf dem Nebengelände der Schöneberger Rieselfelder bei Deutsch-Wusterhausen hinter dem Pferde Gleit- flüge bis zu etwa 80 m Länge und 7 m Höhe. Der spätere Motorflugapparat, dessen Konstruktion mir durch finanzielle Unterstützung des Berliner Vereins Dorner. Oben: Gleitversuche in liegender Stellung. Unten: Gleitversuche in sitzender Stellung. für Luftschiffahrt ermöglicht wurde, ist ein Eindecker von ca. 360 kg Flug- gewicht, 25 qm Tragfläche und 24 Pferdestärken. Die Höhen- und Stabilitäts- steuerung wurde anfangs durch Verstellen una Verziehen der Hauptfläche ge- handhabt, später kam ein besonderes hinteres Höhensteuer hinzu. Die Versuche ( Seite 105 „FLUGSPORT“. No. 4 begannen im April 1909 unter technischer und finanzieller Unterstützung vonseiten des Herrn G. Schwager, in dessen Werkstätten der Apparat gebaut wurde, auf dem obengenannten Flugfeld und wurden vom Oktober 1909 auf dem Flugplatz Johannisthal fortgesetzt. Bei der Zusammenstellung meiner Erfahrungen im folgenden habe ich auf Einzelheiten rein konstruktiver Natur verzichtet, weil diese zu zahlreich sind und größtenteils auch nur für die angewandten Konstruktionen Wert haben. Dagegen habe ich mich bemüht, ‘alle Erfahrungen allgemeiner Natur zu nennen, wobei ich auch einige konstruktiv mit aufführen werde. Meine Körperlage auf dem Gleitflieger war ursprünglich die auf dem Bauche, um den Luftwiderstand zu verringern: die Erfahrungen damit waren aber durchweg sehr schlechte. Die Genauigkeit jeder Schätzung, ob über Entfernung vom Boden oder Lage des Apparates oder Steuerbetätigung, zeigte sich so man- gelhaft, daß mir die Bauchlage geradezu gefährlich zu sein schien. Es kam noch dazu, daß die Beine, die zum Auffangen des Landungsstoßes am geeignetsten sind, fast ganz ausgeschaltet wurden. Nach meiner ersten scharfen Landung, wobei die Schultern auf den Stangen und der Wagen auf den Tragegurt hart aufschlugen, ging ich zum Sitz über. Ich will an dieser Stelle auch die Frage erörtern, ob der Platz für den Führer besser über oder unter die Decke gelegt wird. Ich habe auf Eindeckern beider Systeme Beobachtungen gemacht, bin allerdings nur unter der Tragfläche geflo- gen. Auf der Decke kann man zweifellos die Spurbreite der weit ausladenden Flügelenden besser einschätzen und vermeidet ein Anfahren von Schuppen und anderen Apparaten, was mir beides passiert ist, im übrigen aber ziehe ich den Sitz unter der Decke in jeder Beziehung vor. Die Geschwindigkeit der Maschine das erste Tanzen und Abheben der Räder, die Seitenstabilität mit genauer Ent- fernungsschätzung des Flügelendes vom Boden, und vor allem die Terraineinzel- heiten lassen sich unter der Fläche weit besser iibersehen als über ihr. Der scheinbare Vorteil eines freieren Sitzes über der Fläche wird beim Sturz meistens zum Nachteil. Denn ein Ueberschlagen des Apparates, ob nach vorn oder seitlich, ist beim Sitz auf der Fläche jedenfalls lebensgefährlich, während ich unter der Decke die schwersten Stürze gemacht habe, ohne mich nennens- wert zu verletzen. Beim Eind&cker, der ohnehin wenig natürliche Stabilität besitzt, liegt schließlich auch aller Grund vor, das Eigengewicht zur Tieferlegung des Schwer- punktes zu verwenden. Bei kleinen Apparaten mag der Sitz auf der Fläche manchem schöner erscheinen, bei größeren ist er es aber sicher nicht, sobald man bei der Konstruktion der Linien auf Schönheit Rücksicht nimmt. Meine Gleitmethode hinter dem Pferde kann ich niemanden empfehlen. Der Ackergaul, der von dem reitenden Knecht nicht schlecht gelenkt wurde, galoppierte in seiner Abhängigkeit von den Stockhieben so unregelmäßig, daß an den Apparat und den Führer außerordentliche Anforderungen gestellt wurden. Zudem war. die Richtung der Zugleine von der des Apparates meistens schon nach wenigen Sekunden verschieden, wodurch seitliche Kräfte in das System kamen, die durch Seitensteuerung keineswegs immer zu beherrschen waren. Havarien konnten wir deshalb nicht vermeiden. Immerhin ergab sich, daß bei dem Gesamitfluggewicht von 140 kg die Höhensteuerung durch die Haupttrag- fläche durchaus möglich war, was mich verleitet hat, sie auch beim Motorapparat anzuwenden. Das Resultat war hier, wie ich gleich vorwegnehme, im wesent- lichen ein Mißerfolg, weil es nicht möglich zu sein scheint, eine Achse in der Fläche zu finden, um die sie sich bei 300 kg Tragkraft und 50-60 km Geschwindig- keit einigermaßen indifferent drehen läßt. Die Drehmomente, teilweise negativ, No, 4 „FLUGSPORT“. Seite 106 teilweise positiv, in gewissen Stellungen aber auch gleich Null, übersteigen die verfügbaren Arm- und Beinkräfte größtenteils beträchtlich. Nach meinem ersten Sprung, den ich beim dritten Galopp versuchte — er war etwa |2 m lang und 2 m hoch —, habe ich meine Ansicht über das Fliegenlernen einer Revision unterziehen müssen. Während ich vorher von %0 bis 50 m Höhe geträumt hatte, wo ich bleiben wollte, solange der Gaul lief, um ‚dann in eleganten Kurven nach unten zu schweben, wußte ich_von diesem Augenblick an, daß jedes Zentimeter Höhe und Weite durch Uebung erkauft werden mußte, durch Uebung in Verbindung mit außerordentlicher Energie und Selbstbeherrschung. Beim ersten Abheben von der Erde empfand ich damals ein derartiges physisches und seelisches Unbehagen, daß ich nur einen Gedanken hatte, um Gotteswillen wieder herunterzukommen, so schnell als möglich. Es mag teils das absolut Neue gewesen sein, die Erde plötzlich unter sich fallen zu sehen, teils der Gedanke, daß der ganze Kasten und ich selbst von meinen richtigen Bewegungen abhing, jedenfalls habe ich niemals, obwohl ich öfters in ungewöhn- lichen körperlichen Lagen gewesen bin, etwas Aehnliches, Ausserordentliches empfunden. Zu wirklichem Genuß, wenigstens während des Fliegens, bin ich auch erst ein Jahr später gekommen. Die Erfahrungen über das Fliegen selbst waren wegen der Kürze und Unregelmäßigkeit der Flüge, bei denen man ja kaum zu vernünftigen Steuer- bewegungen kam, nur Anfänge. Ich stelle mich deshalb bei dem Folgenden auf meinen heutigen Standpunkt, wo ich auch viele Versuche mit dem Motorflug- apparat hinter mir habe. Bei der Orientierung im Raume ist das wesentlich Neue beim Fliegen die Erhaltung der Höhenlage in der Flugrichtung ein Moment, das bei keinem andern Fahrzeug in Betracht kommt. Ich war erstaunt, zu erfahren, daß auch die theo- retische Erlernung dieser Lagenerhaltung auf Schwierigkeiten stößt. Während der Außenstehende mit einem Blick, selbst ohne die wagerechte Oberfläche der Erde oder ähnliches zu sehen, sofort beurteilen kann, ob der Apparat sich z. B. nach vorn neigt, ist dies dem Lernenden im Apparat nicht möglich. Niemals habe ich anfänglich eine Höhensteuerbewegung gemacht, unmittelbar deshalb, weil ich schräg lag, sondern stets erst mittelbar aus dem Grunde, weil die Folge der Schräglage eintrat, nämlich die Entfernung oder Annäherung an die Erde. Später gelang es mir, durch scharfe Visierung über Teile der Maschine und den Horizont oder fernliegende Gegenstände, die Höhenlage selbst zu beurteilen, während ich heute auch ohne Visierung infolge meines neuen Lagensinnes jede Unnormalität empfinde. Hierbei bemerke ich, daß sich mein Sitz etwa andert- halb Meter vom vordersten sichtbaren Teil der Maschine befindet. Bei größerer Entfernung oder bei vorgebautem Höhensteuer hätte ich vielleicht weniger Schwierigkeiten gehabt. Auch die Schätzung der Erdentfernung ist keineswegs leicht, weil jedes Bindeglied, an dem man entlangsehen kann, fehlt. Anfänglich ergab sich das eigentümliche Resultat, daß ich bis etwa 2 m zu hoch, darüber hinaus aber zu gering schätzte gegenüber den Aussagen der Zuschauer. Diese Tatsache ist dadurch verständlich, daß die Spannung auf das erste Abheben der Räder die Schätzung anfangs vergrößert, später aber bei größerer Höhe ein Zu- wachs an Abstand geringer auf die Sinne wirkt. In enger Verbindung mit der Beurteilung der Höhenlage und Erdabstand steht die der Geschwindigkeit. Dem Automobilisten ist die verschiedene Schätzung je nach dem kurz vorher innegehabten größeren oder kleineren Tempo bekannt; es ist ihm ferner bekannt, wie ungleich oft das Urteil je nach dem Abstand der Chausseebäume und der Chausseebreite ausfällt. Aber hier Seite 107 „FIUGSPORT" No hat man wenigstens Gegenstände von kräftigem und gesondertem Gesichtsein- druck. Beim Fliegen auf einigermaßen gleichmäßigen Gelände fehlt aber jeder Anhaltspunkt, die spezifischen Schnelligkeitsstriche im Auge, die bei senkrechten Blick auf den Boden von der Eisenbahn oder dem Automobil her jedem bekannt sind, fallen schon bei drei Meter Höhe vollständig weg. Da bei vorn liegender Schraube ein Schluß aus dem Luftzug auch nicht möglich ist, fällt dem Anfänger eine richtige Geschwindigkeitsbeurteilung sehr schwer. Dieser Mangel wäre an sich noch nebensächlich, wenn nicht Aenderungen der Höhe, besonders in Verbindung mit denen der l.age, durch absolut falsche Geschwindigkeits- schätzung übertrieben stark wirken würden. Ich glaubte z. B. bei schnelleın Hochkommen und um etwa 15 Grad tiefer liegendem Schwanz, am Orte stehen zu bleiben und, während ich nach dem Urteil der Zuschauer noch mindestens IO m Geschwindigkeit besaß, nach hinten zu stürzen, was eine ver- heerende Wirkung auf meine Ruhe ausübte. Mehrere Sekunden verlor ich die Beherrschung meiner Sinne und damit der Steuer, machte dann eine extreme Tiefsteuerbewegung und zertrümmerte infolge unsanfter Landung das Fahrgestell. Nahe der Erde freilich erkannte ich wieder, daß ich noch immer eine beträcht- liche Geschwindigkeit besaß. Im gewissen Gegensatz zur Höhenlage steht die Seitenlage in der Be- obachtung. Es ist geradezu auffallend, wie ungemein empfindlich der Anfänger gegen Schrägliegen ist. Alle Winkel werden übertrieben eingeschätzt, bei einem vom Beobachter festgestellten Abstand der Flügelspitze von der Erde von min- destens ";, Meter, meinte ich die Erde zu berühren. Ich muß hierbei allerdings eine gewisse Ueberempfindlichkeit von meiner Seite zugeben, damir das Knacken eines Flügels bei meinem Gileitflieger, der im Winde auf einen Flügel kam tnd sich nach Bruch auf den Riicken legte, als eines der unangenehmsten Geräusche, die ich jemals gehört habe, immer in Erinnerung bleiben wird. Bezüglich der Kurshaltung ist die Schätzung einwandfrei, wie es von vorn- herein nach der Uebung, die jeder Sporttreibende durch die Steuerung eines kurshaltenden Vehikels sich angeeignet hat, zu erwarten war; die Genauig- keit büßt auch ohne besondere Uebung durch größere Höhe wenig ein. Freilich ist auch hier die Steuerung, besonders bei seitlichem Wind, durchaus nicht ein- fach. Abgesehen von der Möglichkeit direkt falscher Manöver (Hebel nach vorne, statt nach hinten), die mir anfänglich mehrmals unterliefen, haben sämtliche Steuerbewegungen beim Lernenden zwei Schwierigkeiten gemeinsam. Erstens kennt man zunächst nicht die Stärke der Stenerwirkung im Verhältnis zur Hand- habung, was natürlich wegen der zeitlich verspäteten Wirkung beim Steuern in der Luft zu extremen Ausschlägen führt und zweitens hört die Wirkung einer Steuerbewegung mit dem Ausschlage selber keineswegs auf, infolge des Träg- heitsmomentes des Apparates. Dieses letzte Moment ist so schwierig, dab ich nach Versuchen mehrerer Monate bei Windstille selbst in der einfachen Kurshaltung noch keinen pendel- freien Flug usführen konnte, während ich bei meinen Bemiihungen, die Höherr- lage zu erhalten, einen ausgesprochenen tnd unregelmäßigen Wellenflug voll- führte, allerdings noch mit dem schwer zu handhabenden Hauptsteuer. Hieraus resultiert ohne weiteres, daß geeignete Dämpfungsflächen, die ich später auch anwandte, das lernen sehr erleichtern. Beim Höhensteuer, wo die Lagenschätzung mangelhaft ist. dürften sie geradezu eine Bedingung sine qua non sein. Ich möchte jetzt einige spezifische Erscheintungeu bein Fliegen durchgehen und komme zunächst al die oben angeführte Havarie zurück. Sie war noch durch ein zweites Moment begründet. Bei dem steilen Anstieg überwog infolge EEE RR No4__,._._ ._„ELUGSPORT“ Seite 108 meiner ohnehin kaum ausreichenden Maschine der Widerstand der stark geneigten Decke beträchtlich den Schraubenzug. Ich stieg also größtenteils auf Kosten der lebendigen Kraft und verringerte bei etwa 15 m Höhe meine ursprünglichen 16 m pro Sekunde auf zirka 10-12 m. Es gab demnach keine Möglichkeit mehr, bei meiner Flächenbelastung von nahezu 14 kg pro Quadratmeter die Höhe zu halten. Dice einzige Rettung lag darin, den Apparat sofort leicht nach vorne zu neigen und bei anfänglich starkem Fallen die Geschwindigkeit wieder heraus- zuholen. Da ich aber bereits um mindestens 5 m gesunken war, ehe ich an die richtige Steuerbewegung dachte, und um weitere 5 m sarık, ehe ich den Apparat von der Neigung nach hinten „u der nach vorne brachte, so war der Sturz un- vermeidlich. Dorner. Oben: Gileitflieger mit Pferdezug. Unten: Motortflieger vor dem Start. Ielı habe später oft dieselbe Frecheinung bemerkt, wenn die Zusskraft der Schraube nicht die volle war. In einem Falle bin ich im aiwe 12 Sekunden lang- sım au 10m gestiegen, dabei ständige den Trayllächenwinkel vergrößernmd, was natürlich Gesehwindirkeit kostete, wieder nitoder bolee einer weiteren nofweniren Winkelvergrößerung: jeh verimied aber dureh zein. 8 Naelrorneneigen die Kate stroplie. ine Zweits speälisehe brscheimung mitt Dein Antinger beim Nehiten einer Kurve uf, besonders wenn der Schwerpunkt des Appärates tet heut Des einer Werslung mach Hnas nejgte ich meh alureh N urzteliost der Traurkiele ga orsch tiger Weise Jeiehtogyech Iuks. Dell mochte wohl Les Seffensteier inet passen einzestelll Bopen. jedenfahs Bafteogil dio Keefilil um] habe es Seite man, als geh lt Seliwerpuiml erkulesti- a ctterilo 1 Beeciktele ber mich Ha DIET ERIR | der Apparat neigte sich trotz Gerenverwirdtne fie allerdings nur schwach war. mehr eb nmeehr Des its dma Sl Una, der Dake Plälo Deräßrte des Dabei, Saund spmitzie und gen henelete ehr aussi, daedent geh che din ler Bone ein Seite 109 „ELUGSPORT“. No 4. lungene Kurve reichlich nachholte, wobei die Haupttragstange des ‚Schwanzes durch seitliches Aufschlagen des Hinterrades abgedreht wurde. Der Flügel wurde seltsamerweise kaum verletzt. Der Unfall beweist, daß ein tiefliegender Schwer- punkt — mein Motor liegt unmittelbar über der Laufachse —, von fraglichem Wert ist, und daß eine sehr starke Flächenverziehlung, die neuerdings nicht für vorteilhaft gehalten wird, in manchen Fällen nützlich sein kann. Vor allem aber hat mir der: Unfall die Ueberzeugung gegeben, die freilich schon bei geraden Flügen nahelag, daß der Motor für Anfänger zirka 20 pCt. stärker sein sollte, als unbedingt nötig. Ich wäre mit stärkerem Motor trotz des größeren Kraft- verbrauche in der Kurve nicht heruntergekommen und ‚hätte Zeit gehabt, den Apparat wieder geradezurichten. Die größere Kraftverzehrung in der Kurve liegt darin begründet, daß in dem Teil des Widerstandes, der vom Gewicht des Apparates herrührt, statt des Gewichts die Komponente von Gewicht und Zentrifugalkraft eintritt. Jede Flugmaschine muß demnach in der Kurve, leicht aufgerichtet werden, wozu aber nicht unbedingt eine Höhensteuerbewegung notwendig ist, indem Jas Seitensteuer beim Ausschlag die nötige Komponente ergeben kann, wie ich es bei meinem Apparat von vornherein berücksichtigt habe. Ein ;gewöhnliches Seitensteuer mit senk- recht eingebauter Achse dagegen erzeugt, gleichgültig, ob es hinten oder vorne liegt, in der Kurve ein den Apparat nadh vorne kippendes Moment. Sowohl diese ungünstige Wirkung, als auch die Zentrifugalkraft und damit der Kraftverbrauch' vererößern sich mit kleinerem Kurvenradius und stärkerer Neigung. Der An- fänger muß das Gesagte berücksichtigen, wenn er ein Herunterkommen in der Kurve vermeiden will. Denn letzteres ist gefährlich, erstens weil man in der Kurve ohnehin unsicher ist, zweitens weil der Apparat schräg liegt und ein Flügel cefährdet ist, und drittens, weil die Längsachse mit der augenblicklichen Bewe- gungsrichtung selten spurt, was beim Lander die,Räder kosten kann. Ob man nach Eintritt in die Kurve die Verwindung beibehält oder ver- ringert oder entgegengesetzt anwendet, oder man ferner den Körper wenig oder stärker aus der Mittellinie des Apparates herauslegt, das hängt völlig von der Konstruktion der Maschine, dem Radius der Kurve und der Art der Manö- rierung ab: sicher ist nur das eine, daß mun beim Austritt aus der Kurve eind ‚umgekehrte Verwindung anwenden muß. Der Oberkörper wird in der Kurve . natürlich stets zwischen der Mittellinie des Apparates und der Senkrechten zur Erde bleiben. Sobald ich mich in geraden Flügen einigermaßen sicher fühlte, versuchte ich gegen mittlere Winde von 5—8 m zu fliegen, wobei ich zunächst überrascht war, wie hervorragend Wind und besonders Böen tragen. Die anfänglich harten Steuerbewegungen erinnerten zwar lebhaft an meine erste Lernzeit, ich über- wand aber bald auch Böen in sachgemäßer Weise, hatte dabei keinen Unfall, — und erhielt infolge der hohen (Anforderungen an meine Geschicklichkeit _ eine Uebung, die mir nachher das Fliegen ohne Winkl zur Spielerei machte. Uebrigens ist bei Böen die Unregelmäßigkeit der Windstärke viel weniger erschwerend als der Windrichtung. Ich glaube, daß es kein anderes Mittel dagegen zibt, als daß man vermeidet, kurz nach einer Böe, die den Ajpparat erstens seitlich neigt und zweitens aus der Spur bringt, zu landen. Eine Höhe von 5-6 m’ dürfte hierfür meistens ausreichen. Sehr interessant ist der Flug bei seitlichem Winde. Immer und immer wieder versucht der Anfänger den: Apparat zum Spuren zu bringen, bis er endlich das Vergebliche seiner Anstrengungen einsieht, dabei den gewünschten Kurs halten zu können. No. 4 „FLUGSPORT“. Seite 110 Endlich will ich noch das Aussetzen oder Abstellen des Motors berühren. Bei einem meiner ersten Motorflüge vermochte ich nach dem Abflug die große Tragfläche infolge der schon gekennzeichneten schlechten Ausbalancierung nicht mehr zurückzustellen und erreichte die beträchtliche Höhe von 12 m. Ich weiß heute nicht mehr genau, was ich dabei gedacht habe, wahrscheinlich hatte ich eine fürchterliche Angst, daß ich nicht wieder herunter könnte, kurzum ich stellte den Motor ab und befand mich 3 Sekunden später auf der Erde unter den Trümmern des Apparates. Weitere günstige Erfahrungen habe ich darin bisher nicht gemacht, ich denke mir aber die Manövrierung beim Aussetzen des Schraubenzuges folgendermaßen. Der Apparat wird zunächst besonders bei tiefem Schwerpunkt und hohem Widerstandsmittelpunkt aufbäumen; es kommt darauf an, ihn schnell wieder nach vorne zu neigen und die Geschwindigkeit nicht zu verlieren. Denn Fahrgeschwindigkeit ist alles, ohne sie keine Lenkfähigkeit, ohne diese keine sichere Landung. Andererseits dürfte jeder Apparat, den ınan zu einer Neigung nach vorne auch ohne Schraubenwirkung zwingen kann, einen sicheren Gleitflug mit einwandfreier l.andung machen können. - Wie ınan inı einzelnen manövriert, um den starken Fall über dem Boden allmählich vermöge der kinetischen Energie der Fahrgeschwindigkeit in geringes Senken und sanftes Aufsetzen zu verwandeln, ist Sache der Uebung. Jedenfalls darf man das Dreh- moment der ruhenden Schraube, entgegengesetzt dem der rotierenden, nicht außer acht lassen und muß die Beeinflussung des ausbleibenden Schraubenwindes auf die Geschwindigkeitsschätzung berücksichtigen, um unzulässige Geschwindigkeiten mit eventuellem lebensgefährlichen Flügelbruch zu vermeiden. Das ganze Manöver wird sehr erleichtert werden, wenn mlan anfangs nur. mit zedrosseltem Motor arbeitet und in genügender Höhe ideelle Landungsmanöver übt. Da das Aussetzen des Schraubenzuges bei jedem Flugapparat aus ımannig- fachen Gründen möglich ist, scheint es mir Pflicht eines gewissenhaften Führers zu sein, das Schweben bei Zeiten zu lernen, und ich stelle es für später als wünschenswert hin, daß die Erteilung des Führerpatentes von der Absolvierung eines einwandfreien Schwebefluges mit abhängig gemacht werde. Meine Erfahrungen fasse ich in folgende Ratschläge für den Anfänger zusammen. Nur bei völliger Windstille fahre man anfangs eine passende Strecke oftmals ab mit verschiedenen Geschwindigkeiten, wobei man Seitensteuer handhabt. den Motor reguliert und sich zwingt, die Schnelligkeit zu schätzen. Ohne auf eventuellen Spott der Zuschauer Rücksicht zu nehmen setze ınan diese Fahrten solange fort, bis völlige innere und äußere Sicherheit erreicht is. Dann erst ist es ratsam, zum ersten Sprung überzugehen. Durch möglichst geringe Höhen- steuerbewegung, der anfangs prinzipiell kurz hinterher die entgegengesetzte zu folgen hat, versuche der Anfänger, zunächst die Räder zum Tänzeln zu bringen, dann einen Sprung zu wagen, möglichst kurz und niedrig. Legt sich bei Wieder- holung und allmählicher Verlängerung der Sprünge der Apparat schief, was meistens schon nach 50-—-100 nı"der Falt'seim wird, so komme man sofort herunter. denn es ist vorteilhaft, die Höhensteuerung allein zu lernen, bis man sie völlig beherrscht. Hiernach ist es unter Benutzung des Stabilitätssteuers an der Zeit, die geraden Flüge weiter auszudehnen, anfänglich in 2—3 m Höhe, später aber auch 10 m nicht scheuend. : Also zuerst Seitensteuer und .Motorbedienung, darauf Höhensteuer, dann endlich Stabilitätssteuer, das nächste immer werst anfangend, wenn das vorige absolut sicher sitzt! Hat der. Lernende gerade Strecken von mehreren hundert Metern Länge und 10 m Höhe sicher absolviert, «dann ist der Augenblick gekommen, einc Kurye zu “ren, und zwar von großem Durchinesser, mit geringen Schräglagen Seite 111 „FLUGSPORT“. No. 4 . . . ae‘ und nicht unter 5--6 m Höhe. Unter Dreimeterkurven lernen zu wollen, wäre absolut verfehlt, weil die Gefahr des Aufkommens eines Flügels zu groß ist. Man achte sorgfältig auf die Folgen des größeren Kraftverbrauchs in der Kurve, auf Verlangsamung der Geschwindigkeit und Aenderungen der Höhenlage, und gche zeit'g wieder zum geraden Kurs über, che die größte Schwierigkeit, näm- lich die Verwindung, das Können des Anfäingers übersteigt. Sind nach mehr- fachen Ansätzen Kurven von einem rechten Winkel nach links und rechts ge- lungen, dann ist alles weitere gegenüber dem ersten eine Spielerei. Ich betone nochmals ausdrücklich, daß am schnellsten derjenige zum Ziel konmt, der langsam und korrekt vorgeht, der nur das übt, was er beabsichtigt und vorher in allen seinen Möglichkeiten überlegt hat. Dies ist der einzige Weg, niemals die Ruhe und Sicherheit zu verlieren, was die Quelle fast. jeder Havarie ist. Man wird freilich auch dann vor Unfällen nicht gefeit sein: denn selbst der geübteste Flieger, wie Latham, leistet sich von Zeit zu Zeit „Kleinholz“, und ich erinnere an scine Worte: „Es ist mein Stolz, jedes Stück an meinem Apparat zerbrochen zu haben.“ Doch darum nur Mut, die Sache wird schon schief gehn. RAS Flugtechnische Rundschau. Inland. Eindecker von Schultze, Herford. Wie wir bereits in der letzten Nunmer des „Flugsport“ berichteten, ist der erste Apparat der deutschen Flugmaschinen- bau-Ges., Berlin, Rummelsburg vor kurzem auf dem Flugfeld „Mars“ in Bork in Betrieb genommen. worden. Neben verschiedenen anderen wird auch Taddy Robel einen gleichen Apparat erwerben. Die untenstehende Abbildung zeigt Adolf Behrend mit der Maschine im Flug. Eindecker Schultze-Herford auf dem Flugfeld Mars. No. 4 „FLUGSPORT“ Seite 112 Die ersten Flüge der Essener Flugmaschine. Der erste Februar 1910 wird für den Niederrheinischen Verein für Luftschiffahrt, Sektion Essen, als denkwürdiger Tag in seiner Geschichte vermerkt werden, denn bei schönstem Frühlingssonnen- schein gelangen auf den Ruhrwiesen die von langer Hand vorbereiteten ersten Flüge mit der von der Sektion erbauten Flugmaschine. Wenn es auch noch keine Flüge von weltbewegender Dauer und Schnelligkeit waren, die ausgeführt wurden, sondern meist nur Luftsprünge von 60 bis 100 ın Länge, so muß man dabei daran denken, daß unsere berühmtesten Flugtechniker, wie die Wrights, Farman, Bl£öriot etc., auch mit keinen größeren Anfangsleistungen begannen. Dabei ist zu berück- sichtigen, daß die Ruhrwiesen in ihrer jetzigen Form durchaus noch kein ideales Flugfeld sind, wohl aber durch Wegräumung der Hindernisse ein solches werden könnten. Daß fernerhin der Führer der Maschine, Herr Otto Hilsmann, zum ersten Male in einem Flugapparate saß. Unter diesen Umständen sind die Er- gebnisse hochbefriedigend. Die Maschine, die nach den Plänen und Berechnungen des bei der Sektion Essen als Flugtechniker beschäftigten Herrn Hilsmann aus- geführt ist, hat sich in jeder Beziehung gut bewährt. Nach kurzem Anlauf wirkte das Höhensteuer ausgezeichnet und hob den Apparat in die gewünschte Höhe von 3 bis 5 m, in der er sich mit geringen Schwankungen während des Fluges hielt. Auch das Seitensteuer und die zur Erhaltung der Gleichgewichtslage an- gebrachten Organe, die bei Schwenkungen und seitlichen Windstößen in Funktion treten, wirkten ausgezeichnet. — Es sei gleich bemerkt, daß die Stabilisations- organe nichts mit der Wrightschen Verwindung zu tun haben. — Als ganz be sonders günstig erscheint der Umstand, daß die Anflüge gegen und mit dem Winde nahezu gleich gut gelangen, und daß die Landungen stets glatt und sanft ohne die geringste Beschädigung des Fliegers erfolgten. Der Zweidecker ist bis auf den Motor ganz aus deutschem Material gebaut, leider ließ sich im vergangenen Herbst noch kein leistungsfähiger deutscher 20 PS- Motor auftreiben, doch ist zu hoffen, daß sich bei dem Aufschwung, den dic Flugmotorenfabrikation besonders in der letzten Zeit in Deutschland genommen hat, auch bald ein passender deutscher Motor für den Flieger finden wird. Die Flugmaschine ist von Dipl.-Ing. Düll konstruiert und von Flugtechniker Hilsmann gebaut. Bei günstigem Wetter werden die Uebungen fortgesetzt, und wenn sie sich einigermaßen vervollkommnet haben, werden die Mitglieder sowie die Freunde und Gönner des Vereins demnächst zur Besichtigung eingeladen werden. Dr. Bamler. Schmidt-Nordhausen baut einen Flugapparat, welcher ohne Anlauf direkt vom Terrain aufsteigen soll. Vom Flugplatz Johannistal. Der Antoinette - Eindecker des Oberleut- nants a. D. Huth ist eingetroffen. Der Aviatiker Brunnenhuber wird die Ma- schine einfliegen. Robel ist mit seiner Maschine bei seinem letzten Versuch sehr stark aufgekommen. Er vergriff sich in der Höhensteuerung und der Apparat beugte sich vorn über. Hierbei stellte Robel den Motor ab. Der Apparat fiel zu Boden. Ausland. Gleitflüge auf dem Semmering. Die Sektion für Gleitflüge im österreichi- schen Wintersport-Ciub hat in Gemeinschaft mit dem Flugtechnischen Verein aur dem Semmering Gleitflüge ausgeführt. Das Komitee hat auf dem Semmering drei Balınen angelegt. Um den Gleitflug auszuführen, bedarf es bekanntlich einer gewissen Anfangsgeschwindig- keit des. Apparates; dann hebt sich dieser vom Boden ab, schwebt je nach der = Dan PP re In En "VPE mm vr or Be » wu ra FR bc u g.5% Y I re . e ERRET re r “ an gt . ri m or I PER fl % Eindecker Schultze-Herford auf dem Flugfeld Mars. „FLUGSPORT". No. 4 Seite 113 Geschicklichkeit des Piloten längere oder kürzere Zeit durch die Luft und landet dann wieder. Die Anfangsgeschwindigkeit wird im gegebenen Falle dadurch er- zielt, daß die mit Kufen ausgestatteten Apparate auf der abschüssigen Meierei- wiese des Semmerings die nötige Anfangsgeschwindigkeit erlangen und sich so in die Luft schwingen. Die drei Bahnen haben verschiedene Neigungswinkel. Eine Bahn ist nur gering geneigt. Auf dieser sind die ersten Experimente mit dem Doppeldeckef des Komitees ausgeführt worden. Der Anlauf ist ca. 80 bis 100 Meter, dann kommt eine kleine Sprungschanze. Hier hebt sich der Apparat vom Boden ab und landet schließlich im weichen Pulverschnee, wo er von selbst zum Still- stand komnt. Die zweite Bahn ist ca. drei Meter breit. Sie ist etwas steiler, als die erste, der Anlauf beträgt ca. 50 Meter, desgleichen der Auslauf. Die dritte Bahn ist wohl nur für geübte Piloten von Gleitfliegern em- pfehlenswert. Sie hat ein beträchtliches Gefälle und ist außerdem noch künst- lich vereist, so daß der Apparat nach kurzen Gleiten auf dem Boden bereits eine sehr hohe Eigengeschwindigkeit erreicht. Der erste Versuch auf dieser Bahn verwandelte denn auch einen hübschen Gleitflieger augenblicklich zu Brenn- holz, zum Glück, ohne daß der Lenker, Herr Leo Reiner, verletzt worden wäre. Die sicherste Bahn ist natürlich die Bahn Nummer 1. Hier gelang bisher jeder Gleitflug, mochte er kurz oder lang sein, mit gleicher Sicherheit. Sogar drei Damen schwangen sich in die Lüfte, und zwar Fräulein Ruston, Fräulein , Köchert und Fräulein Ehrenzweig. Nachtrag. Die Konkurrenz fand am 13. Februar statt. Den längsten Gleitflug führte Rittmeister von Umlauf auf einem Zweidecker von 7,2 m Spann- weite mit Kopfsteuer, rückwärtiger Stabilisierungsfläche sowie seitlichem Schräg- lagensteuer aus. Flieger Adorjan. Zu dieser Mitteilung im „Flugsport* Nr. 3 Seite 76 ist zu berichtigen: Adorjan ist nicht 10 Minuten, sondern nıır 10 Sekunden geflogen und der Apparat bei der Landung havariert. Flugpreise. Für die in Budapest stattfindende Flugkonkurrenz sind 500000 Kronen Preise garantiert. Der Distanzpreis ist dotiert mit: einem 1. Preis von 100000 Kronen, einem 2. Preis von 30000 Kr. und einem 3. Preis von 20000 Kr. Die belgischen Flugkonkurrenzen im Jahre 1910. Von den belgischen Klubs wurden für das Jahr 1910 folgende Preise ausgesetzt: 1. Höhenpreis 500 Frcs. für den ersten Aviatiker, der höher als 30 Meter fliegt. 2. Preis Mercier: 5000 Fres. für den Flieger, der mit einem Passagier vor dem 31. Dezember 1910" in der kürzesten Zeit die Strecke Brüssel—Antwerpen zurücklegt. 3. Preis Crawhez: Dieser Preis von 2000 Fres. ist für den Flieger ausgesetzt, der aus einer Umzäunung von 200 Meter Umfang auffliegt, in einer gleichen in 1200 Meter Entfernung landet und dann in die erste Umzäunung zurückkehrt. Falls sich mehrere Flieger um den Preis bewerben, fällt er demjenigen zu, der die Strecke in der kürzesten Zeit zurücklegt. 4. Preis Van Hoegarden: 1000 Fres. für einen geschlossenen Kilometer-Kreisflug. Bedingung ist, daf der Flug auf dem Felde von Casteau ausgeführt wird. 5. Großer Preis des Aero-Klubs von Belgien: 20000 Fres. für den Flieger, der vor dem 31. Juli 1911 die größte Strecke zurück- legt. 6. Preis Marguet: Dieser Preis von 25000 Frces. f*!It dem Flieger zu, der \ No. 4 „FLUGSPORT“ Seite 114 als erster sich über das Manöverfeld erhebt und auf dem Dach des Palasthotels landet. Zur Teilnahme sind nur solche Flieger berechtigt, die mit der Lizenz des Belgischen Aeroklubs versehen sind. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldung. 7Th. ). 11027. Flugmaschine mit elastischen, durch eine Kurbelwelle und Schubstangen angetriebenen Schlagfügeln. Albert Clemens Just, Forst i. L. 18. 9. 08. 7Th. M. 34969. Flugfläche mit stoßfreiem Eintritt. Motorluftschiff- Studiengesellschaft m. b. H. Berlin-Reinickendorf. 9. 5. 08. 77h. H. 46371. Steuervorrichtung für Drachenflieger. Joseph Hofmann, Genf; Vertr: Max Hofmann, München, Schnorrstr. 1. 15. 3. 8. 7rh. Z. 5970. Luftschraube mit dem Luftdruck entsprechend sich selbst- tätig einstellenden Flügeln. Theodor Zeise, Altona, Friedensallee 7 9. 23. 10. 08. Patenterteilungen. 77h. 219601. Elastische Aufhängung der Motore in den Ciondeln an Luft- schiffen und Flugmaschinen. Adolphe Clement, Levallois-Perret, Seine; Vertr.: A. Loll, Pat.-Anw., Berlin SW. 48. 30. 12. 08. C. 17469. 7zrh. 219636. Einrichtung zur Abgabe von Signalzeichen von Flug- maschinen o. dergl. James Means, Boston, V. St. A.; Vertr.: O. Sack, Pat.-Anw., Leipzig. 22. 5. 09. M. 38074. Gebrauchsmuster. 77h. 408150. Luftverteiler für Luftfahrzeuge. Hermann Basse, Mühle Holtensen b. Weetzen. 8. 12. 09. B. 45641. 7’h. 408618. Als Luftbremse zu benutzendes Höhensteuer für Flug- " apparate. Wilhelm Rühl, Frankfurt a. M., Eppsteinerstr. 38. 13. 1. 10. R. 259386. 77 . 408746. Motorzweirad mit seitlich angeordneten Klappschlagflügeln. Arthur Kucksdorf‘ Fürstenwalde a. Spree. 6. 11. 09. K. 41147. England. Anmeldungen vom 3. August bis 4. September 1909. 19808. W. Ch. L. Gillam, Brixton Hill: Verbesserung an Aeroplanen. 19810. P. Valvers und.W. E. Galleys: Verbesserungen an Aeroplanen usw. 19874, H. A. Sanders, Croydon: Instrument, um Projektile aus Luftmaschinen zu schleudern (Zusatzpatent zu Nr. 4624/09). 19896. ). Nolan, Accrington: Flugmaschine. 19952. Planes Ltd. und w. P. Thompson, Liverpool: Flugmaschinen. 19976. ). Linkleter, Tynemouth: Verbesserungen an Flugmaschinen. 19977. Derselbe: Verbesserungen an Aeroplanen. 20024. Th. Granville: Verbesserte Flugmaschine. 20078. E. ©. Brown, Bournemouth: Automatische_Balanzierung.von Aeroplanen. 20108. W. J. Potter: Verbesserung an Äeroplanen. 20145. R. Stehlau: Apparat, um Luftmaschinen in Bewegung zu setzen. 20164. H. A. Stratton, Warwick: Verbesserungen an einem Apparate, um Aero- plane direkt in die Luft steigen zu lassen. 20173. W. Tattersall, Manchester: Verbesserung in der Konstruktion von Schwingen für Flugmaschinen. 20180. ). Platt, Manchester: Verbesserung an Aeroplanen usw. 20232. L. T. G. Evans: Verbesserung an aeronäutischen Apparaten. 20249. „Astra“, Societe de Constructions A6ronautiques, Ancient Etablissermnent Surcouf: Verbesserung an Luftmaschinen. (In Belgien angemeldet 17. Juli 1909.) Seite 115 „FLUGSPORT“. No. 4 \ Drachenflieger mit Motorrad und zwei Propellern.*) Vorliegende Erfindung betrifft einen Flugapparat mit einer Tragfläche in Verbindung mit einem Motorrad und zwei Propellern und besteht darin, daß das Motorrad durch zwei Gelenkstangen mit der Tragfläche verbunden ist und mittels einer Schraubenspindel zur Tragfläche verschoben werden kann, wobei die Be- wegung der Steuerschraube unter Benutzung der Gelenke der hinteren Gelenk- 'stange zur Anbringung der Uebertragungsmittel und die Bewegung der Antriebs- schraube von dem unteren Gelenk der hinteren Gelenkstange aus erfolgen. Die Zeichnung stellt dar: Abb. 1: Längschnitt, Abb 2: Querschnitt nacb A-B und Abb. 3: obere Ansicht, verkleinert. An der aus einem Rohr a bestehenden Achse der Tragfläche ist am hin- teren Ende eine Steuerschraube b und an dem Schwerpunkt des Drachens mittels zwei Gelenkstangen c und c! frei hängend ein Motorrad mit einer An- triebsschraube f angeordnet. Mittels der Schraubenspindel m, deren Drehlager sich in dem an der Drachenachse a befestigten Lagerbock n und deren Mutter o sich in der Ge- lenkstange c! befindet, wird das Motorrad aus dem Schwerpunkt der Tragfläche verschoben. Diese Verschiebung hat den Zweck, die Tragfläche in ihrer Lage zu ver- ändern, um dadurch die Richtung für Auf- oder Abstieg zu regulieren. In be- kannter Weise ist die Kraft des Radmotors h auf das Tretkurbellager i und das Hinterrad k übertragen. Abb. 1 Abb. 2. r R \ ‘ » fl Auersatnitt wa EB. / Cerdpnga ‘ Abb. 3. Der Antrieb und die Umsteuerung der Steuerschraube b erfolgt durch die am unteren Ende der Gelenkstange c mit dem Hinterrad k verbundenen Um- steuervorrichtung und das am oberen Gelenkstangenende befindliche Rad 1. Der Antrieb der vorderen Antriebschraube f erfolgt von dem an dem unteren Gelenk der Gelenkstange c angebrachten, mit dem Hinterrad k ver- bundenen Uebertragungsmittel, durch welches das konische Zahnrad g und die in der obersten hohlen wagerechten Verbindungsstange d des Motorrades gelagerte Welle e mit der vorderen Antriebsscheibe f in Umdrehung gesetzt wird. Zum Bau dieses Drachenfliegers wird möglichst leichtes Material ver- wendet und dementsprechend die Stärke des Motors bestimmt. Patent-Anspruch: ‚Drachenflieger mit Motorrad und zwei Propellern, dadurch gekennzeichnet, daß die am hinteren Ende mit einer Steuerschraube (b) ausgerüstete Tragfläche *) D.R.P. Nr. 216182. Carl Gimmy und Heinrich Gimmy in Rheingönheim (Pfalz). No. 4 „FLUGSPORT“. Seite116 durch zwei Gelenkstangen (c,c') mit dem Motorrad verbunden ist, das mittels einer Schraubenspindel (m) zur Tragfläche verschoben werden kann, wobei der Antrieb und die Umsteuerung der Steuerschraube unter Benutzung der Gelenke der hinteren Gelenkstange zur Anbringung der Uebertragungsmittel und der An- trieb der vorn angeordneten Antriebschraube (f) von dem auf dem unteren Ge- lenk der hinteren Gelenkstange befindlichen Uebertragungsmittel aus erfolgen. Vorrichtung zur Erzielung eines Auf- und Vortriebes an Flug- maschinen und anderen Fahrzeugen.”) Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine Vorrichtung zur Erzielung eines Auf- und Vortriebes an Flugmaschinen und anderen Fahrzeugen. Die Abb. 1 bis 3 veranschaulichen die Ausführungsform, und zwar: Abb. 1 eine Draufsicht, Abb. 2 eine Vorderansicht, Abb. 3 eine Seitenansicht, Abb. 4 stellt schematisch die jeweilige Stellung der bewegten Flächen während einer Kurbelumdrehung dar. Abb. 5 und 6 zeigen die Wirkungsweise des Kurbelmechanismus und die Verstellung des Kurbelzapfens. Abb. 1. Abb. 5 Abb. 4. Abb. 6. Vom Motor a wird die Kraft auf die Seil- oder Riemenscheiben b und die Kurbeln c übertragen. Zwischen je zwei Kurbeln c ist eine Fläche oder sind übereinander mehrere mit leichtem Stoff überspannte Flächen d an den Enden des Rahmengestelles f in den Kurbelzapfen e aufgehängt, welche bei Drehung der Kurbeln auf- und abbewegt werden. Um eine gleichmäßige Bewegung der paar- weisefnebeneinander angeordneten Flächen d zu erreichen sind die Kurbeln c durch die Welle g und Kegelräder h zwangläufig gekuppelt. :) D. R. P. 217533. Robert Strehlau in Berlin-Westend. Seite 117 „FLUGSPORT“. No. 4 Zur Vorwärtsbewegung des Fahrzeuges werden die bewegten Flächen bei ihrer Abwärtsbewegung durch das mit der Kurbel I oder dergl. verbundene Gestänge n so geneigt, daß außer dem Auftrieb noch eine Kraitkomponente in der Fahrtrichtung wirkt, welche das Fahrzeug vorwärts zu treiben sucht. Be- wegen sich die Flächen d z. B. abwärts, so wird das ganze Antriebsystem, welches in der Achse m im Gestänge drehbar gelagert ist, durch die Kurbel | und die Kurbelstange n, die wiederum mit der Tragfläche oder dem mit letzterer verbundenen Gestänge k im Punkte s drehbar in Verbindung steht, in der Fahrt- richtung geneigt (Abb. 5 und 6), sodaß die Luft bei Abwärtsbewegung der Flächen nicht allein senkrecht nach unten, sondern auch entgegengesetzt der Fahrtrichtung gedrückt wird und hierdurch das Fahrzeug vorwärts treibt Bei Aufwärtsbewegung der Flächen wird dagegen das Abtriebsystem zwangsläufig durch die Kurbel gegen die Fahrtrichtung geneigt, so daß der Luftstrom infolge der Vorwärtsbewegung stets die unteren Seiten der Flächen d trifft, und bei entsprechender Neigung ein Abtrieb nicht erfolgt. Je nach der Fahrgeschwindig- keit kann man die Kurbellänge auch während der Fahrt ändern. Der Kurbel- zapfen r wird nämlich durch die Umdrehung der Schraubenspindel o verschoben, deren Schaltvorrichtung p mit der Klinke q durch entsprechendes Einstellen der letzteren so in Eingriff gebracht werden kann, daß eine Rechts- oder Links- drehung der Schraubenspindel erfolgt. Die günstigste jeweilige Länge der Kurbelstange n kann durch das Spannschloß t eingestellt werden. Um möglichst große bewegte Flächen bei verhältnismäßig kleinen Ab- messungen der Vorrichtung zu erhalten, wird man zweckmäßig mehrere Flächen übereinander anordnen. Die vorstehend beschriebene Vorrichtung kann zur Erzielung eines Auf- und Vortriebes an Flugmaschinen, Ballons, sowie auf Fahrzeugen, die auf der Erde, dem Wasser, Eise oder auf dem Schnee bewegt werden sollen, mit gleichem Vorteil und der gleichen Wirkung dienen. Patent-Ansprüche: 1. Vorrichtung zu Erzielung eines Auf- und Vortriebes an Flugmaschinen und anderen Fahrzeugen, dadurch gekennzeichnet, daß das an der Tragfläche oder dem mit letzterer verbundenen Gestänge schwingend aufgehängte Gestell, in dem die Kurbeln der bewegten Flächen gelagert sind, durch ein von der Be- wegungsvorrichtung angetriebenes Gestänge o. dgl. mit der Tragfläche oder dem mit letzterer verbundenen Gestänge zwangläufig verbunden ist, so daß die er- forderliche Einstellung der beweglichen Flächen zum Auftrieb und zur Vorwärts- bewegung erzielt wird. 2. Ausführung der Vorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch mehrere übereinander angeordnete Flächen. 3. Ausführung der Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Grad der ‘Ausschwingung der bewegten Flächen durch Verstellung des Kurbelzapfens auf der Kurbelscheibe während der Fahrt beliebig geändert werden kann. Antriebsvorrichtung für Luftschiffe, FIugmaschinen u. dergl.mitjalousie- . artigen, ia der Fahrtrichtung hin- und herbewegten Treibflächen*). Die Erfindung betrifft einen Antrieb für Luftschiffe, Flugmaschinen und dergl. und soll große Geschwindigkeit bei verringerter Kraftaufwendung ermöglichen. Die Erfindung besteht darin, wagerecht laufende, jalousieartige Treib- flächen gradlinig schlagartig, schneller ‚als die größten _Windgeschwindigkeiten betragen, hin’und her zu bewegen, bei- fortwährend wirkendem Vortrieb. Die bisher bekannten schlagartig bewegten Flächen sind um eine Achse drehbar oder werden auf kurzem Wege :mit großer Umwechselung hin und heı bewegt. Dadurch können weder Windgeschwindigkeiten übertroffen, noch über- haupt ein genügender Luftwiderstand erzielt werden. Die neue Bauart, welche die Ausführung der Erfindung erfordert, benutzt das lange Konstruktionsgerippe des Luftfahrzeuges, um unter Anwendung von Treib- und Führungsrädern Treibflächen an Zugorganen entgegengesetzt und ab- hängig voneinander zu bewegen und hierdurch fortwährend Vortrieb zu erzeugen. Die Umfangsgeschwindigkeit des Antriebsrades ist gleich der Geschwindigkeit (* D.R. P. Nr. 215602. Vincent Wisniewski in Berlin. No. 4 „FLUGSPORT“ Seite 118 der Treibflächen. Durch entprechende Wahl der Länge der Zugorgane und der Durchmesser des Antriebsrades wird ermöglicht, daß Wechsel der Bewegungs- richtung, welcher durch beliebige Umkehrgetriebe bewirkt werden kann, in ange- messenen Zwischenräumen erfolgt. Die unmittelbare Befestigung der Treibflächen an den Zugorganen (Stahl- kabeln, Bändern oder dergl.) kann seitlich oder in der Mitte, ; an einem oder mehreren Angriffspunkten stattfinden. . Im vorliegenden Falle sind die Kabel gleichzeitig die Träger der Treib- flächen; jedoch können je nach den Anforderungen besondere Führungs- und Tragkabel angeordnet werden. Auch sind die oberen und unteren Teile der Zug- organe wechselseitig als Führungs- und Angriffspunkte an den Flächen ge- nommen; man kann natürlich auch nur durch die oberen oder nur durch die unteren Teile den Angriff bewirken. Die Treibflächen sind jalousieartig mit Klappen gedacht oder überhaupt derartig, daß sie bei der auf Vorwärtsgang des Fahrganges zielenden Bewegung einen großen, beim Rückgang einen kleinen Widerstand bieten. in Luftschiff mit dem neuen Antrieb ist auf beiliegender Zeichnung dargestellt. Abb. 1 ist eine Seitenansicht, Abb. 2 eine Draufsicht, Abb. 3 eine Endansicht, ‚. Abb. 4 ist eine Endansicht in größerem Maßstabe unter Weglassung einiger Teile. Abb. 1 u.2. Abb. 4 Abb. 5. Abb. 3. Abb. 4a. ‚ Abb. 4a ist eine Seitenansicht einer Treibfläche mit geöffneten Ja- lousien und , Abb. 5 eine Draufsicht auf eine Treibfläche und deren Antriebs- mechanismus. Die Anwendung der Erfindung ist hier an einem Ballon gedacht, kann aber auch an Flugmaschinen-und-dergl-- verwendet werden. Die Unterseite des Ballons ist als Gleitfläche ausgebildet. Auf der Zeichnung ist je ein oberer und unterer Teil des Zugorgans als gleich oder ent- gegengesetzt laufend angenommen. So läuft beispielsweise das Kabel oder Zugorgan b über die Rolle d und c über e. Die Rollen d und e aber werden abwechselnd in entgegengesetzter Richtung bewegt, so daß c und b sich ab- wechseld nach vorwärts oder rückwärts bewegen müssen. Die Rollen e und d werden nun gleichzeitigt dazu benutzt, um ein zweites Treibflächenpaar entgegen- gesetzt anzufreiben. Der Antrieb der Rollen d und e durch Umkehrgetriebe ge- schieht auf beliebige Weise von einem Motor. Das Treibflächengestell, welches hier seitlich gefaßt ist, kann natürlich auch beliebig geformt und in der Mitte gefaßt werden. Falls beide oberen Teile der Zugorgane mit dem Flügel ver Seite 119 „FLUGSPORT“. No. 4 bunden würden, wären entgegengesetzt die beiden unteren Teile zusammen- wirkend. In diesem Falle würden die Rollen d und e gleichlaufen. Die Lenk- barkeit wird durch bekannte horizontale und vertikale Steuer hervorgebracht, Patent-Ansprüche. 1. Antriebsvorrichtung für Luftschiffe, Flugmaschinen und dgl. mit jalousie- artigen, in der Fahrtrichtung hin und her bewegten Treibflächen, dadurch ge- kennzeichnet, dab die Treibflächen an über Äntriebs- und Führungsrädern laufenden Zugorgangen befestigt sind, um bei der gradlinigen Hin- und Her- bewegung größere Geschwindigkeiten zu erreichen. 2. Antriebsvorrichtung nach Anpruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß jede Treibfläche durch zwei oder mehrere parallel nebeneinander laufende Zugorgane seitlich oder in der Mitte unmittelbar gefaßt und gezogen wird, um sie gegen Drehung zu sichern. 3. Antriebsvorrichtung nach Anspruch I, dadurch gekennzeichnet, daß die Treibflächen abhängig voneinander entgegengesetzt bewegt werden, um fort- während Vortrieb zu erzeugen. Verschiedenes. Aus Luxemburg wird uns geschrieben: Am 23. Januar hielt der franzö- sische Kommandant Paul Renard, Offizier der Ehrenlegion, Professor am Institut Sup£rieur d’Aeronautique de la Sorbonne in Paris, in Luxemburg einen Vortrag über die Aviatik. Derselbe war vom hiesigen Aero-Klub organisiert und hatte einen vollen Erfolg, so daß der große Saal des Bürger-Kasinos lange vor Beginn der Konferenz vollbesetzt war. Am 24. Januar sprach Kommandant Renard über dasselbe Thema in Esch a. Alzette, wo sein Erfolg nicht minder groß war. Außer dem Aero-Klub in Luxemburg besteht unter seinen Auspizien in dem bekannten Staatsbade Mondorf ein Aviationskomitee, welches im Laufe der nächsten Badesaison (Mai-—-Oktober) in Bad Mondorf ein Flugmeeting ver- anstalten wird. Das Datum für dieses Meeting wurde auf die Pfingstwoche _ 17. bis 22. Mai — festgesetzt. Der Großindustrielle, Herr Ch. Bettendorf, welcher das Präsidium dieses Komitees übernommen hat, läßt momentan auf seine Kosten das Flugfeld herrichten. Man ist am Bau von zwei Hallen. Sobald diese fertig- gestellt sein werden, wird auch der luxemburgische Aviatiker Jacques Wiesen- ach seinen Voisin-Zweidecker nach Mondorf transportieren lassen und sofort mit seinen Probeflügen, die er wegen Mangel an Platz nicht in Luxemburg aus- führen konnte, beginnen. Die Organisationsarbeiten für diese internationale Flugwoche sind in vollem Gange und liegen in bewährten Händen. Die Preise werden voraussichtlich die Höhe von 40, Franken erreichen und folgendermaßen verteilt sein: Drei täg- liche Preise von je 1000 Franken für a) den höchsten Flug, b) den längsten Flug und c) die größte Schnelligkeit während des Tages, Preis für die Totalisation der zurückgelegten Strecken 5000, 3000 und 1000 Franken; ein Ueberlandflug von 20—25 km 7000 resp. 3000 Franken. Einen neuen Rotationsmotor hat die Firma Sächsische Werkzeug- maschinen-Fabrik Bernhard Escher A.-G., Chemnitz, gebaut. Die Gaszuführung erfolgt bei diesem neuen reaktionsfreien Rotations-Äero-Motor, wie ihn die -___ Firma bezeichnet, nicht, wie üblich, durch das Gehäuse und die-hohle Welle- sondern von:‘oben durch die Zylinder, wie bei jedem anderen Automobilmotor, Die Steuerung sämtlicher Ventile erfolgt durch einen einzigen Nocken in Ver- bindung mit einem Planetrad. Flugsport-Kiub Rorschach. In der Zeit vom 9. bis 16. April a. c. wird der Flugsport-Klub Rorschach eine Luftschiffahrts-Ausstellung veranstalten. Die- selbe enthält Flugmaschinenmodelle schweizer. Konstrukteure, Handgleitflieger, Ballons, Motore, Zubehöre, Metalle und Holzarten, Aeroplanstoffe etc. etc. Im weiteren soll auch eine literarisch-künstlerische Abteilung angegliedert werden. Alifällige Interessenten, welche die Ausstellung mit Fabrikaten zu be- schicken gedenken, werden gebeten, sich mit dem Flugsport-Klub Rorschach umgehend in Verbindung zu setzen. Die Anmeldefrist läuft Ende Februar ab. .—t. No. 4 „FLUGSPORT“. Seite 120 Flugtechnischer Verein für Leipzig. Am 26. Januar wurde in Leipzig ein flugtechnischer Verein gegründet. Zweck des Vereins ist die Förderung der deutschen flugtechnischen Bestrebungen durch Abhaltung von Unterrichtskursen, Schaffung einer Fachbibliothek, Abhaltung von Uebungen in Gleit- und Motor- flug, Unterstützung flugtechnischer Erfindungen und Erfinder. Zum Vereinsorgan wurde der „Flugsport“ gewählt. Interessenten werden dringend gebeten, sich an den Arbeitsabenden, zu welchen Gastkarten von Öberlehrer Ingenieur Alfred Freund, Leipzig, Weststraße 28Ill., erhältlich sind, zu beteiligen. Ein neuer Flugplatz soll bei Teltow, auf einem Gelände der Vorort- Boden-Gesellschaft angelegt werden. Der Flugplatz wird der größte in der Um- gebung Berlins werden; allein für seine Einzäunung sind 300000 Mark vorge- sehen. Die Lage des Platzes ist sehr günstig; für den Verkehr ist durch die unmittelbare Nähe des Bahnhofs Teltow der Anhalter Bahn gesorgt. Ein neuer Fortschritt im Löten von Aluminium. Wir berichteten vor längerer Zeit über die von Ötto Nicolai, Boppard am Rhein, erfundenen Lötmittel. Wie alle Neuheiten, so hat auch die Anwendung der Nicolai-Lötmittel ihre Kinderkrankheiten durchmachen müssen. Durch eine geeignete, sehr einfache Konstruktion ist nun gelungen, die Lötungen in durchaus einfacher Weise tadellos auszuführen. Als weiterer Fortschritt muß noch hervorgehoben werden, daß der Erfinder den zur Befeuchtung des Flußmittels benutzten Schwefeläther durch absoluten Alkohol ersetzt hat; hierdurch wird mit dem Flußmittel bedeutend sparsamer gewirtschaftet, auch der Schmelzpunkt des Flußmittels und des Lotes wird da- durch herabgesetzt; weiter wird das lästige Aufschäumen des Flußmittels, durch welches häufig das Lot abgeworfen wurde, vermindert, ein Bedecken des Lotes mit Flußmittel ist nicht mehr erforderlich, es genügt ein einfaches Ausstreichen der Lötfugen mit dem feuchten Flußmittel, dann wird das Lot hingelegt, durch leises Aufbrausen des Flußmittels, jedoch nicht so stark, daß dasLot abgeworfen wird, wird das Lot mit Flußmittel überdeckt und das Lot fließt glatt in die Löt- nähte hinein, eine Trennung derselben ist selbst bei Anwendung größter Gewalt unmöglich, die Festigkeit der Lötstellen ist so groß, daß gelötete Rohre umge- bördelt werden können, aufeinander gelötete Bleche können beliebig dünn ge- hämmert werden, ohne daß die Lötnaht den geringsten Schaden leidet. Der Erfinder, welcher sich seit dem Jahre 1892 mit dem Problem, Alumimuni zu löten, befaßt hat, hat seine Erfindung derart durchprobiert, da* er in der Lage ist, bei allen Gegenständen den entsprechenden Rat zu geben. Sehr ein- fach ist z. B. das Stumpfzusammenlöten von Drähten; hier wird ein Stückchen dünnes Lot zwischen die beiden Enden gesteckt, mit feuchtem Flußmitte) bestri- chen und mit der Flamme gelötet. Mit den Nicolai-Lötmitteln lassen sich die schwierigsten Lötungen aus- führen. So lötete am 15. Januar 1910 der Werkmeister des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt im Laboratorium des Erfinders in Boppard ein dünnes Rohr in ein dickes, sehr umfangreiches Gußstück. Die Lötung fiel tadellos aus. Noch soll bemerkt werden, daß sich mit den Nicolai-Lötmitteln auch Alu- miniumlegierungen, z. B. Magnalium, Nickelaluminium, sowie auch alle Kupfer-, Zink-, Aluminium-Legierungen, überhaupt alle Legierungen, bei denen Aluminium im Ueberschuß vorhanden ist, löten lassen. Auch andere Metalle können mit Aluminium mittelst der Lötmittel gelötet werden. in den Rhinower Bergen, indem er nach einem schon über 300 m langen Fluge plötzlich aus 18 m Höhe abstürzte. An der Absturzstelle wird ebenfalls auf Ver- anlassıng des genannten Vereins ein Gedenkstein errichtet, ugı den Verwirk- licher der großen Idee der Flugkunst, der auch ihr erstes Opfer war, zu ehren. Seite 121 „FLUGSPORT“. No. 4 Auch in Groß-Lichterfelde, dem letzten Wohnort Lilienthals, erinnert man sich jetzt des Mitbürgers; es hat sich daselbst ein Lokalkomitee gebildet, um am Teltow-Kanal ebenfalls ein Denkmal zu errichten. Die Anregung zu dieser Sonderehrung gaben wohl die vom Verein Deutscher Filugtechniker einge- leiteten Schritte. Geschäftliche Nachrichten. Deutsche Flugplatz-Gesellschaft m. b. H., Johannistal. In das Handels- register ist folgendes eingetragen worden: I. Gemäß Beschluß vom 3. Januar 1910 ist die Firma geändert und lautet nunmehr: Flug- und Sport-Platz Berlin- Johannisthal Gesellschaft m. b. H.; II. Gegenstand des Unternehmens ist nun- mehr: Die Herstellung von Platzanlagen und sämtlichen Einrichtungen für alle mit der Aviatik und Luftschiffahrt zusammenhängenden Zwecke sowie ferner der Betrieb sportlicher Unternehmungen aller Art und der Abschluß aller Geschäfte, welche zur Erreichung und Förderung dieser Ziele dienen können oder mit denselben überhaupt in Zusammenhang stehen; IIL der Gesellschaftsvertrag_ ist geändert und vollständig neu gefaßt worden; dadurch sind die besonderen Be- stimmungen über die Vertretungsbefugnis (Einzelvertretung) in Fortfall gekommen. Außerdem wird hierbei bekannt gemacht: Oeffentliche Bekanntmachungen erfolgen im Deutschen Reichsanzeiger. Die Automobilfabrik Humber Company in England hat den Bau von Flugmaschinen aufgenommen. Zeitschriftenschau. Um welchen Punkt schwingt ein Flugkörper? (Flug- und Motor-Technik r. 3 Dieses Referat führt uns die wichtigsten Punkte aus den Reden und Be sprechungen eines Diskussionsabends vor Augen. Diese Diskussion, welche von den bekanntesten und hervorragendsten Persönlichkeiten in der Flugtechnik, wie Budan, Knoller, Nimführ usw., über obengenanntes Thema geführt wurde, dürfte sehr viel dazu beigetragen haben, Aufklärung über dasselbe zu bringen. Aus den verschiedenen Ausführungen ging hervor, daß es das Richtige sei, den Schwerpunkt als Drehpunkt eines Flugkörpers zu bezeichnen. Diese Lösung der obigen Frage ist jedoch noch keine vollkommene, da im Laufe der Diskussion Meinungen laut geworden sind, daß sich der Drehpunkt nur zuweilen im Schwerpunkt befinde, und da auch nur ganz kurze Zeit. Im übrigen würde sich der Drehpunkt in einem Punkte, welcher sich zwischen Schwerpunkt und Druckmittelpunkt bewegt, befinden. Aus obigem ersieht man, wie nützlich es ist, Diskussionsabende zu ver- anstalten, daselbst Fragen aufzuwerfen und zu versuchen, dieselben endgültig zu lösen. Derartige Abende sollten von jedem Vereine und von allen denen, welche sich für die Flugtechnik interessieren, eingerichtet werden, da diese Abende dazu beitragen, dunkle Punkte in der Theorie der Flugtechnik aufzuhellen. Briefkasten. „Some Aeronautical Experiments“. Die gewünschten Broschüren von Wright: „Some Aeronautical“ und „Observations in Sonring Flight“ können Sie in der Buchhandlung von F. B. Auffarth, Frankfurt a. M., Zeil 72 erhalten. Aus- kunft über das Werk: „Comment on construit un A&roplane“ von R. Petit wird Ihnen gern die Firma: Librairie Aeronautique Editeurs, Paris, 32 Rue Madaınce, erteilen. No. 4 „FLUGSPORT“. Seite 122 Literatur. Hilfsbuch für den Luftschiffbau und Flugmaschinenbau. Von Dr.R. Wegner von Dallwitz. Mit 210 Abbildungen und vielen Leistungs- und Preis- tabellen. 9 Mark. — Verlag von C J. E. Volkmann Nacht. Rostock i. M. . „Die dritte und vervollständigte Auflage dieses Werkes bringt eine über- sichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zum Bau und zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luft- schiffen, Flugmaschinen und Treibschrauben. Verfasser beabsichtigt, durch dieses Buch dem Flugtechniker und allen sich für die Flugtechnik Interessierenden ein Hilfsmittel in die Hände zu geben, durch welches” ihnen Gelegenheit gegeben wird, sich über die Konstruktionen von Luftschiffen, Flugmaschinen und deren Zubehörteile zu informieren. , Der Inhalt dieses technisch und wissenschaftlich gut bearbeiteten hat in dieser Auflage verschiedene Verbesserungen und Erweiterungen erfahren” so daß es jetzt einen guten Rückhalt für den praktischen und theoretischen Flugtechniker bildet. H. B The Aeroplane Annual. The first complete aviation catalogue. Published by he Aeroplane Supply Company and compiled by Bernard Isaac. ondon, . Piccadilly 111. — Preis, durch den Buchhandel bezogen Der von der Aeroplane Supply Company, einem Zweige der Motor Suppl Company, herausgegebene Katalog ist der erste ausführliche Katalog von Flug maschinen und Teilen derselben. Der Katalog ist mit vielen Abbildungen ver- sehen und ansprechend ausgestattet. Er ist durch den Buchhandel zu beziehen und soll jährlich in Neuauflagen mit monatlichen Supplementen erscheinen. Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport=Club. Sitz Bresiau. Vorstand: Fernsprecher I. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 16 . . . 2.0. 3071 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . en 9209 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 7... .. 10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 0 . . . . . rn 10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 4 . . 2... 2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 . . © 2.2.2.2... 2 3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 3. . ......2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße I . 2 2 2202029888 . Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107. . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 3 . . 2 2200... 9054 \ Beisitzer: niversitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13 . , . Freiherr von Durant, Langendorf SB j Sn 1166 Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 > 2 22 2 2 22229701 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1. 2 2 2 .2.2.2.22.680 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14 nn. 9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . . 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . 2 2 222 oo nn. 2701 het Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrm Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. j Das neue Fluggelände zwischen dem Dorfe Wilhelmsruh bei Breslau und der Oder ist jetzt von dem Verein in Benutzung genommen worden. Fritz . Heidenreich hat bereits mit seinen Flugversuchen begonnen und mehrere schöne Flüge ausgeführt. ( Seite 193 „FLUGSPORT“. No. 4 Ee-- Da, Offizielle Mitteilungen ——— des Vereins Cu "Z Deutscher Flugtechniker. "Sitz Berlin. Ehrenmitglieder: Gustav Lilienthal, Groß Lichterfelde. Orville Wright, Dayton. Wilbur Wright, Dayton. 1. Vorsitzender: Dr. Fritz Hutb, Rixdorf. 2. Vorsitzender : Major von Parseval, Charlottenbury. Schriftführer : ©. Schmaj, Berlin S. W. 48, Friedrichstr. 218. Syndikus : Rechtsanwalt Eschenbach, Berlin. Beisitzer: Diplom-Ingenieur H Dorner, Berlin. Ingenieur J. Grade, Magdeburg. Ober-Ingenieur H. Rosenstein, Elbing. Ingenieur Max Schüler, Chemnitz. Vorsitzender der technischen Kommission: Ober-Ingenieur Zix, Berlin. Vorsitzender der Platzkommission: Kaptan z. S. a. D. von Pustau. Den Bemühungen des Vorstandes ist es gelungen, für die Mitglieder des Vereins, die in Berlin weiten, die Benutzung des Flugfeldes „Mars“ bei Berlin zu sehr günstigen Bedingungen zu vereinbaren. Die Herren, die die Absicht haben, auf dem Fiugfelde „Mars“ Versuche zu unternehmen, werden gebeten, dem Vorstand hiervon Mitteilung zu machen. Ungezwungene Zusammenkünfte, Wir bringen zur gefl. Kenntnis, daß für unsere Mitglieder in Berlin jeden Freitag ein Stammtisch im Restaurant Heidelberger belegt ist Wir bitten unsere Mitglieder yon dieser Gelegenheit zur ungezwungenen Aussprache Gebrauch zu machen. | Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. DEI, Sitz Oberhausen i. Rhld. a Vorstand: NO\ 1. Vorsitzender: Schüller, Bürgermeister a.D., Oberhausen 1 m — 2. » Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten hi Schriftführer: Uhrmacher Halten, Oberhausen. ZI) Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. DD Vertreter dieser: Cari Nohlen, Gutsbesitzer, Holten 7 1. Fiugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 4 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. » Redakteur Huhn, Oberhausen. No. 4 „FLUGSPORT“, Seite 194 N Sitz Frankfurt a. Main. i Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: ir Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. on ‚ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer : Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M Dienst Bergweg 12. “ . lenstags abends 8 Uhr fi i künfte statt. (Stammtisch.) 1 finden in der „Alemania“ regelmäßige Zusammen- Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Consul Hermann v. Passavant Erst i Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter itzender. Ber Yschey, Schatzmeister. sch, Vorsitzend i issi Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer, Üer technischen Kommission. Central=H Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 entral - Hotel Telefon 11634, Seine Königliche Hoheit d Protektorat über den Verein übernommen nerzog von Hessen haben das Der Zweck des Klubs ist Pflege und Förderu maschinen unter Ausschluß jeglichen Ballonsports. "8 des Flugsportes mit Flug- Studien-Gesellschaft für Aviatik. Breslau. Vorstand: 1. Vorsitzender: Ober-Ingenieur E. Schrader. 2. „ Ingenieur G. Winkler sen. I. Schriftführer: Ingenieur W. Bruch. Sitzungen, zu denen die Einlad iftli i Freitag, abends 8.30 Uhe enate nladungen schriftlich ergehen. finden jeden „FLUGSPORT“. Offizielle Mitteilungen des Filugtechnischen Vereins Leipzig. Vorsitzender: Georg Specht, Leipzig-Taucha, Bismarckstraße 4. Zu den regelmäßigen Arbeitsabenden sind Gastkarten bei Herrn Oberlehrer Ingenieur Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 28 III, zu haben. Zu kaufen gesucht: ca. 30 PS. gebrauchten Aeroplanmotor sofort gegen Cassa. Gefl. Offerten unter D. 82 die Exped. ds. Bl. Maschinentechniker 24 Jahre alt, Absolvent einer höh. Königl. 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Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte r „Flugwesen“ Le seul’ organe allemand traitant' partieulierement les inter&ts de l’Aviation unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner lıerausgegeeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Repr&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 62. . Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Sannabend jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahır Der Nachdruck nnserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genaner Quellenangabe zestattct. Nr. 5. Frankfurt a. M., 5. März 1910. Jahrg. II. Vorrichtung zur Erhaltung der seitlichen Stabilität. Von Ingenieur Hermann Blank. Trotzdem das Problem der Erhaltung der seitlichen Stabili- tät durch die erfolgreiche Anwendung der Flächenverwindung vollkommen gelöst ist, suchen die Flugtechniker fortwährend nach anderen Hülfsmitteln. Es erscheint ausgeschlossen, daß auf diesem Gebiete noch etwas besseres erfunden werden kann. Das Beste ist und bleibt die einfache Verwindung der Tragdecken (Abb. 1, Seite 126). Dies ist. von allen praktisch und technisch gebildeten Flugtechnikern vollkommen erkannt Daß es aber trotzdem noch viele unter ilınen gibt, die auf ein besseres Mittel zur Betätigung der Schräglagensteuerung sinnen, ist darauf zu- rückzuführen, daß sie glauben die Flächenverwindung nicht an- wenden zu dürfen. — In einer Berliner: Versammlung wurde ge- sagt, man solle doch nicht die Flächenverwindung nachalıı:en, -— sondern man solle etwas besseres erfinden. Es --ist -dies-m.-E. dasselbe wenn ich sage: „Erfindet ein neues Fortbewegungs- mittel für das Automobil, welches besser ist als die runden Räder.“ Ich bin fest überzeugt, dab es kein besseres geben wird, ebenso- wenig wird es gelingen ein besseres Mittel zur Erlangung einer vollkommenen Seitenstabilität zu finden. Es ist ganz zweck- los zu versichern etwas besseres zu erfinden. Die dazu nötige Zeit würde viel besser angewendet sein, würde man sie dazu benutzen die Tragdecken, Steuerungen, Fahrgestelle etc. zu verbessern und gebrauchsfähiger zu machen. Also nochmals: „Wenn ihr euerer Flugmaschine eine gute vollkommene Schräg- { Seite 126 „FLUGSPORT“. No. 5 eben wollt, so verwendet die einfache ‚Flächen- ung dazu und zwar nur einzig und allein diese! Abb. 9 No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 127 In Nachstehendem möchte ich jetzt kurz die zu Ungunsten der Flugmaschinen angewendeten Mittel"zur Erhaltung der seit- lichen Stabilität besprechen. Abb. 1, S. 126, zeigt uns die bereits genug besprochene einfache Verwindung der Tragdecken. Sie wird jetzt meistenteils an den Eindeckern verwendet, und zwar mit bestem Erfolge. In der französischen Schule verwendet man außer dieser Flächenverwindung Hilisflächen die sogenannten Ailerons (Abb. 2-5). Besonders häufige ist ie Kon- struktion 2 angewendet, bei welcher dieHilisflächen an den äuße- ren hinteren Kanten der Tragdecken anmontiert sind. Durch Hoch- oder Niederklappen dieser Flächen wird der Auftrieb vermindert oder erhöht, je nachdem sich der Flugapparat auf einer Seite hebt oder senkt. Weniger gute Konstruktionen sind die, welche Abb. 6-9 darstellen?} Nicht nur, daß hier die Kon- struktionen sehr kompliziert sind, ist auch zu ihrer Betätigung ein selır großer Kraftaufwand nötig. Von allen diesen unbewährten Konstruktionen dürfte Konstruktion 9 noch die zuverlässigste sein. Die Luftwiderstanderhöhung durch diese Schräglagensteuerungs- anordnung ist hier sehr minimal, dagegen ist die Wirkung der Anordnung eine relativ gute. Die jetzt soviel besprochene Ein- ziehbarkeit der Haupttragdecken dürfte zu großen Komplikationen hinsichtlich der seitlichen Stabilität führen. Ich bin der festen Leberzeugung, daß wir damit sehr wenig Erfreuliches erleben werden. Aus allem zuletzt Angeführten ist der Beweis meiner obigen Behauptung vollkommen erbracht. Ich möchte wünschen, daß meine Ausführungen dazu beitragen mögen, die irrigen Bestre- bungen, etwas Neues auf diesem (iebiete zu erfinden, auszu- schalten. Auf dem Papier läßt sich ja viel malen, aber die Aus- führung ergibt dann meistenteils: „zu viel Gewicht; schwere Be- tätigung‘,; geringe Regulierfähigkeit; große Luftwiderstände.“ Ein oder zwei Propeller für Aeroplane? Civ.-Ing. Trutschel, Düsseldorf. Der Sturz Lathams bei der egyptischen Flugwoche aus einer Höhe von 40 m scheint wiederum einmal zu beweisen, daß die Anwendung des Einpropellersystens für Flugapparate zu ver- werfen ist. Es bietet dieses System zwar den Vorteil einer (ie- 'wichts-Ersparnis gegenüber”der Anordnung von zwei sich in ‚entgegengesetzter Richtung”drehenden Propellern; doch_sind die Nachteile des Einpropellersystems so schwerwiegende, daß es kaum zu verstehen ist, weshalb bei der überwiegenden Mehrzahl von Aeroplanen dieses System immer noch Anwendung findet. Zur näheren Erklärung möge folgende Betrachtung dienen: Wird bei einem Aeroplan ein Motor von beispielsweise 50 PS verwendet mit einer Umdrehungszahl von 1200 Touren p- M., so erzeugt diese Maschine ein Drehmoment von etwa 30 Kilogramm- metern,. Mit diesem Drehmoment wird der Propeller durch die Luft geschraubt. Der Widerstand, welchen der Propeller hierbei Seite 128 No. 5 | ist gleich dem Drehmoment des Motors. Das sog. Reak- Honsmoment des Motors, das dieselbe Grösse hat wie das er- wähnte Drehmoment, hat nun die Tendenz, den ganzen Aeroplan entgegen dem Drehsinn des Propellers, um seine horizontale |ängsachse zu dreien Man kann sich diese Wirkung des Re- aktionsmomentes ohne weiteres dadurch klar machen, daß man sich vorstellt, der Propeller und mit ihm die Kurbelwelle der Ma- schine würde festgehalten. Dann wird das Drehmoment der Ma- schine bestrebt ein, den ganzen Motor um die feststehende Welle zu drelien, und zwar entgegengesetzt zur Drehrichtung des Pro- pellers. Motore, bei welchen eine derartige Dreliung der Maschine zum Antriebe des Propellers benutzt wird, existieren ebenfalls bereits in größerer Zahl, speziell für Flugzwecke. Der bekann- teste Motor dieser Art ist der französische Gnom-Motor, bei welchem die Welle fest mit dem Fahrzeug verbunden ist und die örmig angeordneten Zylinder Kreisen. ee den bisher bekannten Fahrzeugen zu Wasser und zu Lande wurde das Reaktionsmoment ohne weiteres durch die natür- liche Stabilität des Fahrzeuges aufgenommen. on Anders ist die Sache bei Luftfahrzeugen, welche sich niemals im vollkommen stabilen Gleichgewicht befinden können. Hier bewirkt das Reaktionsmoment des Motors, daß die eine Seite des Aeroplanes herunter und die andere heraufgedrückt wird, und zwar derart. daß in dem erwälınten Beispiel des Motors von 50 PS eine Kraft von 30 kg in einem Abstande von | m von der Mittelaclıse bestrebt ist, den Aeroplan zu drehen. Dieses Drelı- moment muß nun unbedingt aufgehoben werden, was auf ver- eise zu erreichen ist. u een kann zunächst den Schwerpunkt des Aeroplans seitlich legen, was durch Anbringung eines seitlichen Gewichtes mögliclı ist oder man kann mit Hilfe der seitlichen Stabilisterungssteuer ein Drehrnöment erzeugen, welches die Reaktion des Motors aut- hebt. Beide Methoden haben aber ihre Nachteile, und zwar wird bekanntlich.durch jede Steuerung Kraft resp. Geschwindigkeit verzehrt. Dieser Umstand, der in der Luft ebenso Geltung lıat, als auf dem Wasser, ist jedem Wassersportsman längst bekannt: Den geringsten Geschwindigkeitsverlust erreicht man dureli die Verwindung der Tragdecken, wie Sie u.a. Wright und neuerdings auch Bleriot und Antoinette anwenden. Doch hat diese Flächen- Verwindung den Nachteil, daß gleichzeitig mit ihr ein ungewolltes seitliches Äbweichen des Aeroplans aus seiner Flugrichtung statt- findet. Um das zu vermeiden, muß nun das Seitensteuer in Tätigkeit treten, das gleichfalls einen Geschwindigkeitsverlust vorbringt . ver Es wäre nun selır einfach, das Reaktionsmoment des Motors dadurch aufzuheben, daß man zur seitlichen Schwerpunkt- verschiebung einzelne schwerere Teile des Aeroplans_ seitlich t. . “ a dem erwälnten Beispiel könnte etwa ein Gewiclit von 10 kg in einem Abstande von 3 m von der Mittelachse oder ein solches von 5 kg mit 6 m Abstand auf denjenigen Aeroplantlügel drücken, welcher durch das Reaktionsmoment nach oben gedreht ( No. 5 „FLUGSPORT". Seite 129 werden würde. Diese Ausbalancierung durch Seitwärtslegen des Schwerpunktes hat aber den großen Fehler, daß bei einem Aus- setzen des Motors, wo also auch dessen Reaktionsmoment aufhört, unbedingt ein Seitwärtskippen durclı die seitliche Lage des Schwer- punktes eintreten müßte. In den meisten Fällen hilft man sich bei einer Einpropeller- Maschine nun dadurch, daß man sowohl den Schwerpunkt etwas seitwärts legt, als auch durch die Balancesteuerung dem Reaktions- druck des Propellers entgegenwirkt. Setzt nun, wie es leider bei Flugmotoren noch häufig der Fall ist, ein Motor plötzlich aus, so entsteht nicht nur durch das Aufhören des Reaktionsmomentes ein Seitwärtskippen, sondern außerdem noch dadurch, daß der nunmehr stillstehende Propeller nach Art der Windmühlenflügel das Bestreben hat, das Fahrzeug in der früheren Propellerrichtung zu kippen, also in derselben Richtung, in welcher auch das seitliche Gegengewicht wirkt. Bei einem stärkeren Motor, von beispielsweise der doppelten Leistung, sind diese schädlichen Einwirkungen des Drehmomentes nicht etwa nur doppelt so groß, sondern, da die Umdrehungszahl einer stärkeren Maschine meist auch geringer ist, so ist das Dreh- moment ein mehr als doppelt so großes als bei der schwächeren Maschine. Latham, der an die Stärke einer bestimmten Maschine ge- wöhnt war, und dessen Aeroplan für eine bestimmte Motorleistung gebaut war, hat nun offenbar das durch das plötzliche Aussetzen seines Motors verursachte seitliche Kippmoment, welches weit mehr als das doppelte desjenigen betrug, was er bei seinen früheren Motoren gewohnt war, nicht schnell genug durch starke Betätigung der Flächenverwindung parieren können, und hierdurch ist sein Aeroplan seitlich umgekippt. Bei der Anwendung von 2 Propellern, welche in entgegen- gesetzter Richtung umlaufen, heben sich die Drehmomente voll- ständig auf, sodaß auch bei einem plötzlichen Versagen des Motors keine seitlichen Kippmomente entstehen können. Außerdem wird auch durch Anbringung von 2 Propellern das gyroskopische Reaktionsmoment, welches durch die sogenannte Kreiselkrait der Propeller hervorgerufen wird und welches ein seitliches Schlingern des Fahrzeuges ‚hervorruft, vollkommen beseitigt, was natürlich bei einem Einzelpropeller nicht möglich ist. In neuerer Zeit findet glücklicherweise die Anwendung von 2 in entgegengesetzter Richtung umlaufenden Propellern wieder mehr Aufnahme, sodaß hierdurch Unglücksfälle, wie der Lathams, vermieden werden. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. .. Mit dem Eintritt milderer Witterung hatte man hier gleich- zeitig damit gerechnet, daß nun die Aviationspraxis mit voller Kraft von neuem einsetzen werde. Bisher erfüllt sich diese Hoft- nung night, Die unheilvollen Wirkungen der ausgetretenen Flüsse, nee un Minuten, deren zwanzig in der Luft blieb. Alsdann stiegen auch | is ‚5 Seite 130 „FLUGSPORT“. No der monatelangen Regengüsse sind bei weiten noch nicht über- wunden. a Daris ä rden die Aerodrome in der Nähe von Far mit a Juvisy ist immer noch geschlossen, das Feld ist nicht zu betreten. In Issy les Moulineaux herrscht trübe Stim- mung. Nach den Schäden, die die Ueberschwemmung ange-......... | h von t ist dieses Aerodrom letzter Tage auch noc einem heit! en Sturm heimgesucht worden, der arg gewütet hal- Totenstille lagert über jener Stätte, „gie „glich die iege der ösi Aviation genannt werden Kann. a atter geht es An der Bleriot-Schule zu Pau zu, wo der Meister selbst dieser Tage der militärischen a ee. j iegestellten parat Nr. ‚vorfül nnte. Trotz en neigen Windes vollführte Bleriot einen schönen Flug, bei dem er, anstatt, wie von der Kommission verlangt, zelın Hauptmann Marie und Miß Spencer auf. Später führte Bleriot einen neuten Versuch, verbunden mit Schwebeflug, vor, wobel er ö ‘e Zündung abstellte und schwebend ohne Unfall Fo Hlöne reichte. Ferner experimentierte dort Jacques nie Lesseps, Leblanc, die Leutnants Aquaviva, Bellanger, sowie De- ans, u elit-Schule unterweist Tissandier die Offizier- Eleven, darunter den Hauptmann Eteve, der anscheinend gut zu- recht kommt. Rene Gasnier, der soeben die Steuerung eines Wright-Zweideckers begonnen hat, konnte schon am ersten Tag i ändigen Flug au . En er von Cha ons schwirrt eine große Anzahl von Pr loten und solchen, die eswerden wollen, umher. Auch „ner sind es die Offiziers-Eleven, die mit einem bemerkenswerien. ihrer Aufgabe obliegen und sich durch, die Unbil der A itterung ie d. hindern lassen. In der , malige eizische Radfahrer Van den Born, der sich so erstaun lich schnell in der Aviation zurecht gefunden hat, die! us ildung der Schüler übernommen hat, machen die Leutnants ‚ame manlı, Lardet, sowie Herbster, Bruneau und der englische f aupli an! Dickson recht beachtenswerte Fortschritte. Auch eine Dame, heißt, sie habe bereits aus Amerika ein Angebot bekommen, wO- wären! . 1 Ge hen wird die außerordentliche Umsicht und ( wandtheit, mit der Geo A. Chavez, ein sehr bekannter ehemaliger französischer Ballonfahrer, sich die Fähigkeit, einen Farman-- wei decker zu steuern, angeeignet hat. Man verspricht sic 1 v diesem Piloten viel. eniger bewegt geht es bei Antoine € zu, wo unter des Holländers Küller Leitun Hauptmann Burgea und Daniel Kinet die Steuerung ihrer Eindecker erlernen. Ersierer konnte dieser Tage zehn Bahnrunden glatt zurücklegen, Kine führte einen Flug von 37 Minuten selbständig aus. No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 131 Recht rührig ist jetzt Roger Sommer, der durch wiederholte Aufstiege und Flugleistungen eine kräftige Propaganda für seine Type zu machen bestrebt ist. Er experimentiert in Mouzon mit ‚roßem Fleiß und flog am letzten Sonntag von dort über Douzy, emilly, Mairy und Breuilly zurück nach seinem Abflugorte, eine Gesamtdistanz von allerdings nur 23 km. In Havre setzt Moulon seine Flugexperimente mit anschei- nend gutem Erfolge fort. Es gelang ihm kürzlich sogar ein Flug von 40 km in offenem Felde, wobei er .die Ortschaften Eleville, Sainte-Adresse und Octeville berührte. Von Hubert Latham ist es jetzt merkwürdig ruhig geworden. Er bedarf nach den moralischen Anstrengungen, die ihm sein egyptischer Mißerfolg verursacht hat, dringend der Erholung und Die Bieriot-Schule in Pau. Besuch der militärischen Kommission. ist deshalb nach Konstantinopel gegangen, wo er sich bei einem nahen Verwandten während einiger Wochen ausruhen will, um, so sagt man, Ende März nach Pau zu kommen und dort wieder die Leitung der Antoinette-Schule zu übernehmen (?). In Cannes gehen die Vorbereitungen zu der großen aviati- schen Manifestation gut voran. Es ist an anderer Stelle von dem Programm dieser interessanten Veranstaltung: eingehend die Rede. Erwähnt sei hier nur noch, daß bereits einige Piloten dort ihre Uebungen begonnen haben. | Das Veranstaltungskomitee des Meetings von Nizza (10. bis 25. April) gibt bekannt, daß beschlossen worden ist, im Zusam- menhange mit dem Aviationsmeeting eine Ausstellung der Flug- maschinen zu veranstalten, die an den Tagen des 12., 13. und 14. April vor sich gehen wird. Die Beteiligung ist für diejenigen Piloten, die in dem Meeting starten wollen, obligatorisch. Es handelt sich also offenbar um ein möglichst merkwürdiges Prä- ludium für die eigentliche Aviations-Sensation, das eventuell auch für die Besitzer der Apparate freilich nicht ohne Interesse sein kann. Seite 132 „FLUGSPORT“. No. 5 Von dem schon früher berichteten, in den Ateliers von „Maison Blanche“ zu Vincennes unter Leitung des Hauptmanns Lucas Gerardville konstruierten Militär-Aeroplan heißt es nun, daß er dieser Tage das Licht der Oeffentlichkeit erblicken solt. Die Militä: verwaltung ist, wie aus den verschiedenen Einzelheiten ersichtlich ist, ernstlich bestrebt, die Aviation in den Dienst der Kriegskunst zu stellen. Aber auch die Marineverwaltung scheint nicht in dieser Beziehung zurückstehen zu wollen. Soeben er- läßt der Marineminister, Admiral Boue de Lapeyrere, ein Rund- schreiben an sämtliche Marinepräfekten, worin-er um schleunigste Aufgabe der Namen derjenigen Marine-Offiziere ersucht, welche Neigung und Anlage besitzen, um an den soeben beginnenden Unterweisungskursen für Offiziere in der Theorie und Praxis der modernen Aviation teilzunehmen. Von Interesse ist auch, in welcher Weise der durch die öffentliche Sammlung, die seinerzeit, wie berichtet, der Pariser „Temps“ organisiert hatte, eingegangene Betrag nunmehr zur Verwendung bestimmt worden ist. Es werden nämlich für jenes Geld zwei Lenkballons (ein „Zodiac“ von 1400 Kubikmetern und ein „Astra“ von 8000 Kubikmetern) und vier Aeroplane (ein Bleriot, ein Voisin, ein Henri Farman und ein Maurice Farman) erworben und der Heeresverwaltung zum Geschenke gemacht werden. Bekanntlich handelte es sich nämlich bei der ursprüng- lichen Idee, für das Geld die gegen Deutschland rückständige Lenkballonflotte zu fördern. Nun aber hat man, offenbar auf Wunsch der Militärverwaltung selbst, davon Abstand genommen, den ganzen Betrag in Lenkballons „anzulegen“, sondern hat da- für vier Flugmaschinen gekauft. Das ist recht bezeichnend. Nun will man allen Ernstes die Stadt Orl&ans als französi- schen Luftschiifahrts-Kriegshafen einrichten. So will es wenig- stens die dortige Stadtgemeinde, die alle Schleusen ihrer Ueber- redung und Opferwilligkeit aufgezogen hat, um die Militärver- waltung, zur Annahme ihres umfangreichen Projektes zu bewegen. Als Hauptargument dient dabei natürlich die Distanz von 310 Kilometer von der deutschen Grenze, eine Entfernung, wie sie für die gedachten Zwecke als gerade genau geeignet bezeichnet wird. Denn, so heißt es in dem Expose, für den Fall, daß die französischen Heere dem ersten Ansturm der Gegner nicht stand- zuhalten vermögen sollten und derFeind also ins Land eindringe, würde Orleans bei seiner Entfernung von der Grenze vor jeder Ueberrumplung sicher sein. Es würde eine sichere Operations- basis für die militärische Aviation und Luftschiffahrt abgeben und dafür, daß die deutschen Heere nicht wieder, -wie-im Jahre 1870, ihre Promenade bis nach Orleans ausdehnen, dafür würden die Orleanesen sorgen. Qui vivra vera... Die diesjährige Abhaltung des klassischen „Gordon Bennett- Pokals für Flugmaschinen‘ scheint ja nun durch die „Gienerosität“ der Herren Gebrüder Wright in den Bereich der Möglichkeit gerückt. In dem letzten Termin, der in dem bekannten Rechtsstreit stattfand, erklärten sie, daß sie das ihnen nunmehr gerichtsseitig definitiv zugestandene Beschlagnahmerecht ausländischer Appa- rate ımit Verwindungsvorrichtung für die erwälnte Gelegenheit ( No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 133 suspendieren würden, um die Teilnahme der Europäer an dem Wettstreit zu ermöglichen. Dabei fügte Wilbur Wright in treff- licher Naivität hinzu, daß es ihm bei seiner Aktion nicht auf die Störung sportlicher Veranstaltungen, sondern auf die Wahr- nelımung kommerzieller Interessen ankommt. Als etwas anderes lıat kein Mensch das Vorgehen der Wriglits angeselien. Der Aero-Club de France hat in seiner letzten Sitzung vom vorigen Sonnabend beschlossen, die von dem Kaiserlichen Aero- Club von Deutschland erteilten Pilotenpatente an deutsche Avia- tiker bei allen von dem Aero-Club de France ausgehenden Ver- anstaltungen in genau demselben Umfange, wie seine eigenen Pilotenpatente anzuerkennen. Ein interessanter Bewerb soll gegen Mitte des Monats Juli, das Datum ist noch nicht definitiv bestimmt, zu Biarritz statt- finden. Es handelt sich dabei um den Versuch der Flugmaschinen, nachdem sie eine gewisse Flughöhe erlangt haben, den Boden zu gewinnen, olıne ihren Motor zu gebrauchen. Zur Förderung derartiger Versuche, deren Aufgabe es ist. die Stabilität der Ap- parate zu vervollkommnen, wird jener Bewerb gesclıaffen, für den auch die Stadt Biarritz einen Preis gestiftet hat. Der Ap- parat wird in vollem Fluge, aber mit bereits abgestellter Zündung, unter einem in etwa 20 m Höhe gespannten Faden hindurchpas- sieren und, von dieser Stelle aus gerechnet, in möglichst weiter Entfernung landen müssen. Wie bereits erwähnt, muß die Zündung abgestellt sein, bevor der Apparat unter dem Faden wegrfliegt. Ein in hohem Maße bedeutungsvoller Beschluß ist dieser Tage von der mit Prüfung der betreffenden [rage beauftragten Kommission in der französischen Deputiertenkammer gefaßt worden. Die Kommission entschied sich, dem Parlamente die Veranstaltung einer Riesen-Ausstellung von Aviation und Aero- nautik, selbstverständlich internationalen Charakters, vorzuschlagen und zwar handelt es sich hierbei, wie schon der Ursprung des Projekts erkennen läßt, um ein großzügiges Unternehmen, wie es in dieser Art in Frankreich bisher nicht stattgefunden lat. Es sollen nämlich mit der Ausstellung sehr große Terrains verbunden sein, auf denen imposante :Flugvorführungen aller Art vorgenom- men werden sollen. Als voraussichtlicher Termin ist das Jahr 1911 in Aussicht genommen, doch soll eine starke Strömung innerhalb des Parlaments bestehen, welche das laufende Jahr vor- ziehen würde. Jedenfalls kann man sich auf eine grandiose Ma- nifestation gefaßt machen, deren materielles Gelingen schon da- dureh gesichert ist, daß sie vom Staat in die Hand genommen wird. EEE B Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Sir George Wlıite, Baronet, führt in England den Beinanıen „Tramway-König“, weil er zusammen mit seinem Bruder die Tramways der meisten Städte Englands begründet hat. Dieser bedeutende Manu, der auclı in englischen Börsenkreisen eine fülı- ( Seite 134 „FLUGSPORT“. No. 5 rende Rolle spielt, hielt am 16. Februar bei der Generalversamm- lung der Tramway-Company in Bristol folgende Ansprache: „lelı möchte Ihnen mitteilen, daß mein Bruder und ich seit geraumer Zeit unsere Aufmerksamkeit der Flugkunst gewidmet lıaben, welche in nicht allzu ferner Zukunft eine große Entwick- lung verspricht. Wir haben uns dalıer entschlossen, auf eigene Kosten diese neue Technik zu pflegen, nicht nur sportmäßig, sondern auch nach ihrer commerziellen und fabrikmäßigen Seite. Wir haben bereits miehrere Aeroplane von den besten bisher fabrizierten Modellen bestellt und hoffen, später eine britisclıe Industrie zu entwickeln, die in Bristol ihren Mittelpunkt haben wird. Im Laufe weniger Jahre wird ohne Zweifel ein beträcht- licher Teil des Transportwesens durch Aeroplane vermittelt werden.“ j Aber was Sir George White für Bristol plant, hat die Humber Company bereits für Coventry geleistet. Wir berichteten bereits am 1. Oktober v. J. (vgl Flugsport S. 596), daß diese Fahrrad- und Motorwagenfabrik auch die Fabrikation von Aeroplanen auf- genommen habe und die Herstellung von 50 Bleriot-Maschinen plane, sowie, daß der Direktor der Gesellschaft Vize-Präsident des Midland Aero Club sei. Jetzt sind nun die ersten Flug- maschinen in Coventry fertiggestellt. Als Flugmaschinen-Sachverständigen hat die Humber Co. Herrn Le Blon engagiert, der auf dem Flugsportmeeting in Don- caster als Schüler Delagrange’s einige sehr gute Flüge machte. Die Firma hatte auch drei Maschinen nach Heliopolis gesandt, doch gelang es nicht, dieselben rechtzeitig zusammenzustellen, und da Le Blon auch keine Zeit mehr hatte, einige vorläufige Flugversuche mit denselben zu machen, so konnten die Humber- Maschinen dort nicht in den Wettbewerb treten. Die Humber Company stellt auf Bestellung jedes beliebige Modell her. Der Biplan, den diese Firma fabrikationsmäßig herstellt, hat eine Länge von 36 Fuß, eine Breite von 41’: Fuß und eine Ge- samt-Deckenfäche von 482 Quadratiuß, wozu noch eine Steuer- fläche von 44%» Fuß kommt Preis mit Vierzylinder-Motor von 50 PS: 22000 Mark. Die Motoren werden in der Humber- Fabrik. selbst hergestellt und können auch allein bezogen werden. Sehr interessant ist auch ein neuer Steuermechanismus, wel- clıer der Firma patentiert ist Emporziehen des Steuerrades hebt die ganze Maschine; Niederdrücken des Steuerrades senkt die Maschine; Drehen des Rades dirigiert das Seitensteuer; Neigen der Steuerstange nach rechts oder links, betätigt die Verwindung, sodaß die Maschine sich nach derjenigen Seite überlegt, nach welcher die Steuerstange geneigt wird. So werden alle nötigen Bewegungen durch ein einziges Steuer kontrolliert. in dritter Großindustrieller, der sich mit der Flugmaschine seit längeren Jahren beschäftigt, ist bekanntlich Sir Hiram Maxim. Dieser hat während des letzten Winters eine eigene Maschine konstruiert und am 21. Februar einem Reporter des „Evening Standard“ in der Fabrik von Vickers, Sons and Maxim in Cray- No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 135 ford bei Dartford (Grafschaft Kent) das Resultat seiner Arbeiten vorgeführt. Der Reporter ist natürlich ganz entzückt von dieser neuen Erfindung, doch ist zu bemerken, daß die Maschine die Probe praktischer Versuche noch nicht überstanden hat. Es ist ein Biplan, 44 Fuß breit. Das Rahmenwerk ist größten- teils von amerikanischer Fichte, doch sind auch ovale Stahlröhren verwendet. Die untere Tragfläche hat die größere Hebekraft, wo- durch automatische Stabilität erreicht werden soll. Die Gesamt- fläche der Decken ist 250 Quadratyard. Als Ueberzugsmaterial ist ein besonderes Seidenfabrikat verwendet, welches wasser- und luftdicht ist, und wovon zwei Quad'atyard nur eine Unze (20 gr.) wiegen. Alle Verbindungsstreben, seien sie aus Stalılröhren oder Holz, haben einen ovalen Durchschnitt, um den Luitwiderstand so gering als möglich zu machen. Der Motor, von Maxim selbst konstruiert, hat Wasserkühlung, 4 Zylinder und 80 PS. Das Ge- wicht beträgt mit Vergaser und Magneto 220 englische Pfund Dreidecker von Roe im Fluge im Wambley Park bei London. oder nur 2% Ib (= 1150 gr.) per PS. Mit dieser Kraft kann die Maschine außer dem Führer zwei Passagiere tragen. Die schweren Teile, Motor, Petroltank und Sitz des Führers liegen ungewöhnlich niedrig, sodaß der Schwerpunkt sehr tief unter den Tragflächen zu liegen kommt. Da Maxim die kleine Luftschraube an den französischen Maschinen als Kraftvergeuder betrachtet, weil sie zu wenig Luft faßt, so hat er an seiner Maschine 3 Schrauben angebracht, welche einen Raum von 26 Fuß bedecken. Die mitt- lere Schraube ist kleiner als die beiden Seitenschrauben und direkt am Motorschafte befestigt; alle drei Luftschrauben sind von Holz. Das Horizontalruder ist vorn, das Vertikalruder hi:ten Die vier Räder des Fahrgestells stehen in weiten Zwischenräumen. Zwischen den Vorderrädern und dem Rumpfe der Maschine ist ein pneuma- tischer Puffer. Bei den ersten Versuchen soll die Maschine mit Seite 136 „FLUGSPORT“. No. 5 der Hand gesteuert werden; für später ist ein gyroskopischer Regulator geplant, von welchem der Reporter nichts weiter zu sagen weiß, als daß das .ein ganz wundervoller Mechanismus“ sei. Für die vorläufigen Versuche ist auf dem Fabrikgelände eine Kreisbahn von 25 Fuß Breite und 2200 Fuß Umfang angelegt, in deren Mitte ein Stahlmast von 130 Fuß Höhe steht. Von diesem Maste gehen drei starke Drähte nach der Periplierie der Balın, die mit dem Aeroplan so verbunden werden, daß dieser sich zwar lıeben und senken, aber nicht von der Kreislinie entfernen kann. Die Flugmaschine bewegt sich also bei den Versuchen wie ein Karussel, und der Flieger kann olıne (Gefahr siclı an den Mecha- nismus seiner Maschine gewöhnen. Der Aero Club, der jetzt 1000 Mitglieder zälılt, hat am 16. Februar durch königliches Patent das Recht erhalten, sich als „Royal Aero Club von Großbritannien“ zu bezeichnen. Bei dieser Gelegenheit mag daran erinnert werden, daß dieser Club am 24 September 1901 während einer Ballonfahrt 1600 m über dem Cristallpalast von den beiden Aeronauten F. H Butler und C. S. Rolls gegründet wurde. j Augenblicklich betreibt der Club nun energisclı die Vor- bereitungen für das Meeting in Bournemouth am 11.—:16. Juli. Der dortige Ciarantiefonds beträgt bereits 500000 M., sodaß die Preise von 160000 M längst gesichert sind. Ein großer Preis wird für einen Fernflug über die See nach Southbourne (ca. 30 Kilometer) ausgesetzt. Dagegen hat man Schwierigkeiten, einen Platz für das zweite Meeting am 6.- 13. August zu finden. Man hatte an Southport und den Lanark-Rennplatz bei Glasgow gedacht; doch hat der Aero-Club neuerdings dem Stadtrat von Doncaster mit- geteilt, daß ein Antrag, das Meeting auf dem Rennplatz zu halten, wo voriges Jahr das verunglückte Flugsportiest stattiand, wohl- wollend geprüft werden würde. Die Antwort war jedoch ab- lehnend; nachdem der Aero Club im letzten Jahre versucht habe, das Fest in Doncaster zu ruinieren, habe man an dem Wohl- wollen des Aero Club kein Interesse mehr. — Wie man sich er- innert, betrug der Verlust des Stadtrats von Doncaster im letzten Herbste 49000 M. Der Fluggrund des Aero Clubs in Eastchurch, ist der ein- zige, der regelmässig benutzt wird. Hier übten am 26. Februar Brabazon, Rolls und Grace gleichzeitig ; die ersten beiden machten jeder Flüge von über eine Viertelstunde Dauer, und der Letztere ilog höher als je vorher. Petersburger Brief. Wie bereits im letzten Briefe berichtet worden ist, war auf dem XlIl. Verbandstage der russischen Naturforscher und Aerzte eine Untersektion für Flugtechnik gebildet worden, dessen Vorsitz dem Professor N. Joukowsky (Universität Moskau) übertragen war. Die treflliche Organisation dieser Sektion, sowie die große Zufriedenheit aller Teilnehmer über das Gebotene bewies, dal man die Leitung in die richtigen Hände geleg ıatte. No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 137 Abb. 1 Abb. 3 Abb. 3 Petersburger Brief. 1. D. Priahnnchinsky. 2. Prof. N. Jnukowsky. -3. Prof. Woglikoff, f Seite 138 „FLUGSPORT“. No. 5 Unter anderem hielt Prof. N. Joukowsky über folgende drei Themen sehr interessante Vorträge: „Aerodynamik und aero- dynamische Untersuchungen in der Flugtechnik“, „Die Luftschrau- ben“; „Die Stabilität der Flugmaschinen‘. Während des letzten Vortrages wurden auch die Arbeiten des leider so früh verstorbenen Hermann Zwick in Erinnerung ebracht. Zum besseren Verständnis der Stabilität der Flug- aschinen wurden die Stabilitätsvorrichtungen der Bleriot- und Wright-Apparate vorgeführt und erläutert. Finen sehr lehrreichen Vortrag hielt an Hand von Photo- eraphien Herr D. Riabonchinsky, der bekannte Gründer des ersten privaten Instituts für Aerodynamik und Flugtechnik, über Wirbel- bildungen der Luft an Flächen und Körpern. Die hierbei ge- machten Versuche wurden folgendermaßen ausgeführt. In einem Kanal von 12 m Durchmesser und 14,5 m Länge (Abb. 1) wurde eine mit schwarzem Papier beklebt Platte einge- baut und mit Lycopodium-Pulver bestreut. Auf diese so präparierte Platte wurden dann Flächen und Körper in verschiedenen Lagen aufgestellt. Traf nun der durch den auf Abb. 1 ersichtlichen Ven- tilator erzeugte Luftstrom auf die Platte, so wurde das Pulver mitgerissen und man war in der Lage, die sich jetzt an den Flächen und Körper ı einstellenden Luitwirbel photographisch fest- zuhalten. Die Abb. 2 und 3 zeigen zwei derartige Aufnahmen. Am 4. Januar erfolgte eine offizielle Besichtigung des 17 km von Moskau entfernten Instituts für Flugtechnik, wozu den Be- suchern ein Eisenbahnzug kostenlos zur Verfügung stand. Die Führung durch das Institut übernahm Herr Riabonchinsky mit seinen Mitarbeitern und gaben diese Herren den Besuchern die weitgehendsten Auskünfte über alle vorhandenen Apparate und deren Arbeitsweise. Abbildung 4 läßt uns einen Blick in das Innere des Haupt- kollegs werfen, während Abbildung 5 eine Gruppe Gäste, wOo- runter sieh auch die Herren Riabonchinsky und Joukowsky be- finden, darstellt. Den Gästen wurde unter anderen Apparaten auch ein Bl£riot- apparat vorgeführt, dessen 30 PS-Anzanimotor jedoch nicht ein- gebaut war. Auch eine Chauviere-Schraube war ausgestellt. -Ferner wurden Versuche mit Flugzeugmodellen und Schlitten mit Luftschraubenantrieb angestellt. Die Schlitten waren mit 6 PS-Motoren ausgerüstet und erreichten auf horizontalen Strecken eine Geschwindigkeit von 30 kmist, "Nach der Besichtigung des Institutes wurden noch verschie- dene Vorträge gehalten. Hauptmann Lonkyovihe, welcher seit 1898 Versuche macht, Personen mittels Drachen in die Luft zu erheben, führte hier von ihm neu konstruierte Drachen vor, welche zu Serien von je 8 Stück verbunden, bei einer Windgeschwindigkeit von 6 bis 10 misec 2 Personen bis zu einer Höhe von 200 m tragen sollen. Ferner erklärte er einen von ihm ausgearbeiteten sehr sinn- reichen Apparat, welcher an dem Drachen befestigt, dazu dienen soll, autoınatisch photographische Aufnahmen in 200 m Höhe vorzunehmen. No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 139 General A. Kowanko sprach in sehr ausführlicher Weise über den Wert und die Verwendung einer Luiftflotte, wobei er besonders die lenkbaren Luitschiife in Betracht zog. Ferner wies J. Schirmann auf den schlechten Wirkungsgrad der heutigen Flug- maschine hin und führte theoretische Beweise über die Vorteile, welche Flugapparate mit, Schlagflügeln gegenüber denjenigen ohne Schlagilügeln. _besitzen, woran anschließend Ingenieur Zaonschinsky mittels Lichtbilder die verschiedensten Konstruk- tionen der Details der Flugmaschinen vorführte und erklärte. Sehr viel Interesse zur Flugtechnik zeigen jetzt auch die hohen und höchsten Kreise der Gesellschaft von Petersburg. Daselbst erklärte während eines Vortrages vor einer Kommission, bestehend aus Vertretern von Marine und Heer Ing. W. Arschen- low einen von ihm konstruierten Flugapparat mit Schlagfilügeln, welcher großes Interesse wachrief. Wie verlautetsollen Arschen- low 30—40000 M. zum Bau des Flugapparates zur Verfügung ge- stellt worden sein. j Anläßlich einer Konferenz, welcher auch der Ministerpräsident P. Stolypin beiwohnte, wurden von verschiedenen Professoren Vorträge über die Flugtechnik gehalten, und sehr gut aufgenom- men. Besonders hervorzuheben ist der Vortrag des Professors Fürst Solytzine über Direktiven für den Bau von Flugapparaten. Redner wies ganz besonders auf die Notwendigkeit eines Zu- sammenarbeitens der Flugtechniker und der Regierung hin, um so den Flugtechnikern die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die letzteren besonders von derPolizei gemacht werden. Vor allen ist es der Polizeipräsident zu Moskau, welcher mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die Flugversuche zu ver- hindern sucht. Es ist jedoch nach dem Verläufe der genannten Konferenz zu erwarten, daß derartigen Uebelständen nunmehr abgeholfen wird und den Flugtechnikern Flugfielder zur unum- schränkten Benutzung zugewiesen werden. J. S. Die große Woche von Cannes. Wir geben heute in nachstehendem das definitive Programm und Reglement der großen Aviationswöche von Cannes, die an den Tagen vom 27. März bis 3. April stattfindet. Bekanntlich ist die Organisation dieses Meetings seitens eines Aviationskomitees zu Cannes unter Mitwirkung des Aero-Club von Cannes und des Aero-Club de France in die Wege geleitet worden. Die einzelnen Bewerbe der Canner Woche werden nach dem Reglement der Internationalen Aeronautischen Föderation bestritten werden, und zwar von Piloten, welche von einer der zur eben genannten Föderation gehörigen Vereini- gung anerkannt sind. Es gelangen zum Austrag: „Preis der Bahnrunde“ (10,000 Francs). Ein Preis von 500 Francs wird denjenigen Aviatikern zugeteilt, welche eine Bahnrunde ausführen. Seite 140 „FLUGSPORT“. .N0.5 No. 5 „FLUGSPORT.“ Seite 141 „Dauer-Preis“ (10,000 Francs). Zahl der Käufer und der Schüler eine ganz außerordentlich große ist, so trat In drei Preisen von 6000, 3000 und 1000 Francs, welche denjenigen oft der Fall ein, daß letztere tagelang keine Flugversuche unternehmen konnten, Apparaten zufallen, welche die längste Zeit ohne Zwischenlandung speziell bei der ungünstigen Witterung in den letzten Monaten. in der Luft geblieben sind, mindestens aber eine Stunde. . Nach Anbringung der ‚Räder unter den Maschinen ist es jedoch den „Zuverlässigkeits-Preis“ (5000 Francs). Schülern nunmehr möglich, bei jeder Witterung zu üben, wenngleich in den ersten In drei Preisen von 3000, 1500 und 500 Francs, die denjenigen Piloten Tagen wohl nur kurze Sprünge ausgeführt werden. Immerhin gewöhnt sich der zugesprochen werden sollen, welche mit ein und demselben Apparat Neuling an die große Anfangsgeschwindigkeit und kann sich vor allen Dingen während der ersten sieben Tage des Meetings einen täglichen Flug mit der Handhabung der beiden Steuterungshebel leicht vertraut machen. Auch von mindestens einer halben Stunde zuwege gebracht hat. die richtige Benutzung der Verwindung der Tragflächen läßt sich sehr leicht ausführen, wenn die Maschine noch auf dem Erdboden rollt, wenn naturgemäß Passagier-Preis* (5000 Francs) die Verwindun . - ‘ » - N . . . g auch nicht so scharf genommen werden darf, als dies beim für denjenigen Apparat, der vier Bahnrunden mit der höchsten Zahl . Kurvenfahren in der Luft möglich ist. von Passagieren an Bord zurückgelegt haben wird. „Mechaniker-Preis“ (1000 Francs) in drei Preisen von 600, 300 und 100 Francs, für die Mechaniker derjenigen drei Aviatiker, welche die größte Zahl von Preisen an sich gebracht haben werden. „Landungs-Preis“ (5000 Francs), der demjenigen Aviatiker zugeteilt wird, der nach Zurücklegung einer. Bahnrunde innerhalb eines auf der Bahn abgesteckten Raumes landet, ohne mit den Absteckungslinien in Kontakt zu kommen. a | | „Preis des Abflugs zu festgesetzter Zeit“ (5000 Francs), 5 B : be nr Na dem ein Flug über eine Bahnrunde folgen muß. ER | - \ 5 | \ Bir „Großer Preis von Cannes“ (10,000 Francs) "To ; be. ' in zwei Preisen von 7000 und 3000 Francs für diejenigen Piloten, die u Ba Im mit ihren Apparaten während der gesamten Dauer des Meetings die . längste Zeit in der Luft geblieben sein werden (zusammenaddierte nn “age Flugdauer). ur \ „Geschwindigkeits-Preis* (5000 Francs) N \ für denjenigen Apparat, der bei einem Fluge von fünf Balınrunden die größte Fluggeschwindigkeit- realisiert haben wird. „Preis der Reise“ (25,000 Francs) in zwei Preisen von 20,000 und 5000 Francs für diejenigen Piloten, die die Reise: Aerodrom von Mandelieu - Schiehplatz (Insel Sainte Marguerite)- Spitze des Cap Croisettes ausgeführt haben werden. Schließlich sei noch erwähnt, daß das Nennungsgeld für die Aviater 500 Francs beträgt, die aber demjenigen Piloten zurückerstattet werden, der inindestens einmal gestartet hat. Die Anıneldungen werden nur bis zum 15. März Das Wright-Flugzeug mit Fahrgestell. Diefersten beiden, mit Rädern versehenen Schulmaschinen werden zur Zeit in Johannisthal täglich von den Wrightschülern benutzt und haben in den letzten entgegengenommen. Rl. f - Tagen Neulinge, die erst zum zweiten mal auf der Maschine saßen, Sprünge | von 50—100 m glatt unternommen, wobei sie schon mit 100 m Anlauf gegen den an Wind und-ea. 150-m mit dem Wind vom Boden frei kamen. Es ist nunmehr - ——-- Das neue Wright=Flugzeug. 1 ernen auf den Wrighimaschinen nicht nur leichter als auffirgend einer Vielfachen Anregungen Folge leistend hat sich die Deutsche Wright-Ge- Havarien verbunden. Gerade Ye a a ea vier weniger sellschaft nunmehr auch entschlossen, ihre Fluginaschinen mit Rädern zu ver- schrauben hinten angeordnet sind, hat zur Folge daß ein Fer großen "Luft- sehen. Der Grund hierfür ist, dab das Fliegen mit solchen Maschinen viel peller beim Landen nie eintreten kann. Selbst wenn die Ma ra der Pro- schneller erlernt werden kann, als wenn die Laufschiene oder gar das Fallgewicht schwer auf den Boden aufschlägt, brechen höchstens einzelne Holst 1. noch so Verwendung finden muß. Bei der alten Startmethode war es unbedingt not- oder es wird die untere Tragfläche an den äußersten Enden eins abeschädiet wendig, dab die ersten Flugversuche mit einem erfahrenen Piloten ausgeführt Diese Reparaturen lassen sich meist in wenigen Stunden oh hebli . ur S° n werden mußten, und da sowohl der deutschen als auch der französischen Ge- ausführen. e erhebliche Kosten sellschaft nur wenige tüchtige Fahrmeister zur Verfügung stehen, dagegen die ( Seite 142 . „FLUG SPORT", _ No. 5 Da die Werkstätten der Gesellschaft in Reinickendorf-West nicht mehr ausreichen, um die Bestellungen rechtzeitig ausführen zu können, hat die Deutsche Wright-Gesellschaft mit dem bekannten Konstrukteur der Kaiser-Yachten Max Oertz in Hamburg einen Vertrag geschlossen, wonach derselbe gleichfalls die Fabrikation der Wrightmaschinen, was das eigentliche Flugzeug anbetrifft, über- nommen hat, und zwar sollen zum mindesten 5 Maschinen der ersten Serie von 15 Apparaten noch im Mai geliefert werden. Gleichzeitig hat die Deutsche Wright-Gesellschaft auch den Alleinverkauf der Öertz’schen Neukonstruktion aufgenommen, nnd zwar handelt es sich hier um einen Flugapparat, der in den letzten Tagen auf dem Flugplatz in Schnever- lingen bei Soltau sehr hübsche Erfolge erzielte. Von den verschiedensten Truppenteilen haben sich eine Anzalıl Offiziere bei der Wright-Gesellschaft zum Unterricht gemeldet, und zwar wird die erste Gruppe bereits im April ausgebildet werden. kei gehe mann ar \ KR. Rundschau. Inland. Die®Flugmaschine Züst und Schlegel, über welche wir bereits in Nr. 2 berichteten, wird zur Zeit in Mainz von fder Fachschule für Flugtechnik gebaut und demnächst nach Konstanz gebracht. Die Tragdeckenkonstruktion zeigt Rumpf und Tragdecken-Konstruktion der Maschine von Züst u. Schlegel. nebenstehende Abbildung. Der Apparat ist ein Eindecker und besitzt 40 qm Tragfläche bei einer Spannweite von 15,6 m. Die Tragdeckenenden sind am Rumpf 3,5 m und am Ende 2 m breit. Die Maschine besitzt eine Gesamtlänge von I3 m. Zum Betriebe dient ein 50 PS Mator, welcher zwei Schrauben von 29 m Durchmesser, die hinter den Tragdecken angeordnet sind antreiht. Das Gesamtgewicht der Maschine mit einem Führer beträgt 400 kg. ln Seite 143 Der Gleitflugsport wird in Deutschland an mehreren :Stellen erfolgreich und mit Eifer betrieben. Jedenfalls sind die Gleitflugübungen lehrreicher als alle mitunter Kostspieligen Experimente mit Modellen. Hans Weidler, Oberhausen, hat sich einen zusammenlegbaren Gleiter gebaut. Der Apparat wiegt bei 14 qm Tragfläche 15 kg. Weidler hat mit diesen Apparat kürzere Flüge ausgeführt. Gleilflugversuche. Oben: Weidler vom Westdeutschen Verein der Flugsegler. Darunter: Schürren Kiel. Einen größeren Apparat, einen Zweidecker, hat Schürren in Kiel zur Zeit in Benutzung, Der Gleiter besitzt 20 qm Tragfläche und wiegt 30 kg. Die Strebenverbindungen und Spanten sind aus Bambus hergestellt. Der längste Gleitfleg betrug 34 m. Die nebenstehende Abbildung zeigt Schürren im Fluge. Seite 144 „FLUGSPORT“. No. 5 Auf dem Fiugplatz Johannisthal führte am Montag Aviatiker Keidel mit einem neuen Schüler, Herrn Dr. Heim, einen Flug aus. Des Nachmittags ver- suchten Timm und Schüler trotz des ungünstigen Wetters Flüge, wobei an dem Apparat von Schüler ein Propellerflügel abflog, glücklicherweise ohne jemand zu verletzen. Der Vorfall beweist, wie notwendig es ist, die eigentliche Flugbahn streng vom Publikum abzuschließen. Auf dem Flugplatz befindet sich die Hügeltribüne, welche sich an sehr un- günstiger Stelle im Vorjahre befand, in Abbruch, um an geeigneter Stelle wieder aufgebaut zu werden. Gleichzeitig ermöglicht der Umbau der Tribüne: eine Ver- größerung der Flugbahn, welche dadurch von 2,5 km Umfang auf 3 km vergrößert wird. Der Untergrund des Platzes wird für die eines Anlaufes benötigenden Maschinen durch umfangreiche Walzenarbeiten mit einer Motorwalze geglättet. Die Direktion hat für die Verbilligung des Besuches Abonnementskarten, die für das ganze Jahr und alle Veranstaltungen Gültigkeit haben, eingeführt. 14 Flugzeugschuppen sind mit Apparaten, zum Teil deutschen Ursprungs besetzt. Hans Grade ist wieder in Bork eingetroffen. Er beabsichtigt zunächst, sich der Fertigstellung mehrerer bestellter Flugmaschinen zu widmen und dann an den Schaufligen von Dresden und Leipzig teilzunehmen. Ebenso hat sich Grade für die internationale Konkurrenz in Nizza von 10. 25. April verpflichtet. Wie Grade mitteilt, hat der Flugsand in Heliopolis das Arbeiten der Motoren sehr erschwert. Flugmaschine Oertz. Die Oertzsche Flugmaschinen-Konstruktion, welche in den Tageszeitungen sehr viel von sich reden machte, soll im wesentlichen eine Verbesserung der Tragdecken, die Zanonia-Form besitzen, aufweisen: Die Tragdecken sind vom Rumpfe ausgehend nach unten geneigt und biegen sich in der Mitte durch und an den Enden V-förmig nach oben. Die Enden der Tragdecken sind elastisch. Die obere Tragdecke ist gegen die untere nach vorn gestaffelt, wie dies bereits von Goupy ausgeführt wurde. Der Motor ist vor dem Führersitz angeordnet, während der Propeller, sowie die Höhen- und Seiteu- steuer nach hinten verlegt sind. Zum Betriebe dient ein 35 PS Körting-Motor. Flugmaschine Thiele, Leipzig. In Nr. 3 des „Flugsport“ berichteten wir über eine, Flugmaschine von Amerigo. Diese Flugmaschine ist nicht, wie wir irrtümlich berichteten, von Amerigo, sondern von Ingenieur Thiele konstruiert worden. Amerigo hat mit der Konstruktion absolut nichts zu tun, sondern hat nur beabsichtigt, mit dem Apparat zu fliegen. Thiele ist mit der Inbetriebnahme des Apparates beschäftigt und wird demnächst seine Versuche fortsetzen. Kapitän Engelhardt hat in St. Moritz mit seiner Wright-Maschine einen Flug von 10 km in 8 Minuten ausgeführt. Flugmaschine Bernhard Lendner. Bernhard Lendner in Würzburg ist mit dem Bau einer Flugmaschine beschäftigt. Zum Betriebe dient ein 20 PS Schraube antreibt. Der Apparat soll nur 65 kg wiegen. Zweizylinder-Motor, welcher bei 1800 Touren eine vorn und eine hinten liegende Ausland. Der Flugtechniker Wiesenbach hat in Wien auf einem Wvright-Apparat mehrere längere Flüge, den längsten bis zu 50 Minuten, ausgeführt. " Paulhan ist in Amerika das Fliegen verboten worden und soll ihm nur gegen Zahlung einer Summe von 100000 Mk. gestattet werden. Paulhan versucht zur Zeit, die Abfindungssumme aufzutreiben, um an den Veranstaltungen in Amerika teilnehmen zu Können. { No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 145 Flugmaschine Klug. Der Oesterreicher Max Klug hat, wie berichtet wird, einen Eindecker von 9,5 m Spannweite und 9,5 m Gesamtlänge konstruiert Die Tragdecken sind nicht verwindbar und hesitzen eine besonders eingebaute Stabilisierungs-Steuerfläche. Das Gewicht des Apparates beträgt 190 kg, komplett mit Führer, Benzin etc. 290 kg. Die spezifische Flächenbelastung beträgt 12 -l4 kg. Flugmaschine Saulnier. Dieser Apparat, dessen Fahrgestell, Rumpf und Tragdecken nach der Bleriot-Konstruktion ausgeführt sind, unterscheidet sich Flugmaschine Saulnier. von dieser Type durch die Anordnung des hinteren Seiten- und Höhensteuers, Die Maschine ist in den nebenstehendenfAbbildungen in Vorder- und Rückansicht dargestellt. Zum Betriebe dient ein 30 PS wassergekühlter Motor von Darraca. _ Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldung. 5 77h. J. 11332. Abflugvorrichtung für Flugmaschinen. Bohumil Jirotka, Berlin, Boeckhstraße 5. 28. 1. 09. 77h. R. 27290. Gleitfläche für Luft- oder Wasserfahrzeuge. Dr. Ing. Hans Reißner, Aachen, Lütticherstr. 166. 4. I1. 08. 7rh. K. 36132. Flugapparat mit Hubschrauben und Tragflächen. Paul onitzen, Graz; Vertreter: M. Abrahamsohn, Patentanwalt, Berlin SW. 11. Patenterteilungen. 77h. 220044. Flugmaschine mit in Gehäusen sich drehenden Flügelrädern. Karl Hanschke, Berlin,“ Franseckistr. 29. 4. 2. 09. H. 45 949. / Seite 146 „FLUGSPORT“. No. 5 Gebrauchsmuster. 77h. 407563. Vogelartiger Gleitflieger. Hermann Witte und Alexander Witte, Charlottenburg, Erasmusstr. 9. 13. 12. 09. W. 29 344. 77h. 407765. Zerlegbarer Flügeläroplan mit freistehender, geneigter Be- dachung und seitlich stellbaren Stabilisierungsflächen. Albert Fey, Stettin Falkenwalderstr. 133. 11. 1. 10. F. 21454. 77h. 409833. Flugapparat Alb. Clemens Just, Forst i. Lausitz. 27. 1. 10, J. 9901-.- 77h. 410186. Motor-Kastenflieger. Paul Pohl und Leo Pohl, Saärloüis. 15. 1. 10. P. 16500. England. Anmeldungen vom 30. August bis 4. September 190. 20256. J. Gardner, Manchester: Verbesserung an Aeroplanen. 20267. E. G. ©. M. Kuhl und P. F. Otto, Liverpool: Verbesserung an Aero- planen. 20268. Dieselben: Verbesserung an Luftmaschinen. 20283. Giuseppe Gidino: Verbesserung an mechanischen Flugmaschinen, 20295. S. L. Salzedo, Dalston: Verbesserung an Aeroplanen. Anmeldungen vom 6. bis 11 September 1909. 20349, 20350, 20351. J. Thomas: Verbesserungen an Flugmaschinen. 20357. J. Gaunt, Leeds: Verbesserungen in der Steuerung und Stabilität von Aeroplanen. 20422. Michael Casey, Dundalk: Automatischer Sicherheitsfallschirm für Aero- plane. 20448. J. Clarkson, Manchester: Flugmaschine. 20477. F. Capone: Yerbesserung an Aeroplanen. 20520. A. F. Fairchild und F. Simkins, Highgate: Verbesserter Propeller für aeronaufische Maschinen. 20530. E. A. Vessey, Bristol: Verbesserung an Flugmaschinen. 20555. W.E. Back, Oulton Broad: Verbesserung an Aeroplanen und selbstän- digen Startapparaten für dieselben. 20575. Planes Ltd. und W. P. Thompson, Liverpool: Verbesserung an Flug- maschinen. 20577. J. Despois, Bradford: Verbesserung an Aeroplanen. 20594. A: G. Macleod: Apparat, um das Gleichgewicht eines Aeroplans auto- ; matisch zu erhalten. 20609. J. Gourdie, Edinburgh: Longitudinal-Stabilisator für Aeroplane. 20630. W. G. Potter: Verbesserung an ÄAeroplanen, Biplanen und Turbinen- Flugmaschinen. 20675. W. A. P. Werner und Fr. W. Baker, Stourbridge: Verbesserung in der Fortbewegung in der Luft. 20723. J. W. Dunne: Verbesserter Unterrahmen für Aeroplane usw. 20753. )J. M. Hakkel: Verbesserung an Aeroplanen. 20846. A. J. Arnold und V. fr. Forbes: Verbesserung an Luftmaschinen. 20854. Th. Chr. Murphy und J. M. Bett, Hammersmith: Verbesserung an Aero- planen, deren Fortbewegung und Balanzierung. Anmeldungen vom 13. bis 18, September 190%. 20877° ]J. Higginbottom, Liverpool: Verbesserung an Flugmaschinen. 20887. F. Allinson, Plumstead: Verbesserung an ÄAeroplanen, insbesondere in | Beziehung auf Mittel, ihren Flug durch andere als mechanische Kraft zu veranlassen. 0897. J. Wahlen ınd J. Schreiner: Verbesserung an Flugmaschinen. 20925. L. Foley, Luftmaschine. 20954. R. Sh. Dobbie, Liverpool: Verbesserung an Apparaten, das Gleichgewicht von Flugmaschinen zu kontrollieren. 20962. A. Placek, Glasgow: Verbesserte Flugmaschine. 21045. J. M. Turnbull: Verbesserung an Flugmaschinen. 21052. J. Collett, Poole: Verbesserung an Aeroplanen. 21132. Ch. F. Halsall: Verbesserung an Aeroplanen, Flugmaschinen usw. 5 e) N Pu Zai No. on FLUGSPORT . Seite 14 21200. A. Cook, Liverpool: Verbesserte Flu 1 i 21210 NH. Stieffler: Apparat zum Abfliegen End Landen von F 21220. J. D. Roots: Verbesserte Flugmaschine, 21360. A. und E. Fletcher: Verbesserter Aeroplan 21373. E. Jacquelin: Verbesserte Flugmaschine, 21354. W. Pega und K. Emich: Verbessertes Horizontalruder für Aeroplane. Anmeldungen vom 20 bis 3. September 190. 21413. Th. Th. : 21486. N enter Verbes F Ba aan, in kin ron) Coventry: Verbesserung an Kersenine. 21785. F. E. Jackson, Shetiende vanischer Apparat, Zusat 21922. ET Dee und P. E. Aime: Verb BR . Da reich angemeldet 3 September 1908.) esserte Flugmaschine, Flugmaschine.*) Jugmaschinen. angemeldet (In Frank- Gegenstand der Erfindung ist eine Flu i i i 1 { &maschine, bei welch yon Fnauhen Verwendung finden, die in wagrechter Richtung an An Ra 5 nd her bewegt werd ii i 3 äti umgestellt wird, wenn die Bewegung umgekehrt a "re Neigung selbsttätig Der Erfindungsgegenst i i ; 0. führungsbeispiel one and ist auf beistehenden Abbildungen in einem Aus- © 'gaV Abb. 1 ist eine Seitenansicht. Abb. 2 eine Endansicht. Abb. 3 zeigt in größerem Maßstabe die Umstellvorrichtung 5° *") D. R. P. 214866. Wallace Atherthon Mc. Curd in Bellbrock. Seite 148 „FLUGSPORT“. No. 5 Das Gestell a der Flugmaschine, welches von beliebiger Form und Gesamt- anordnung sein kann, trägt eine Reihe von Führungspaaren b in Form von Lauf- stangen, Schienen oder dergleichen, welche zweckmäßig parallel zueinander angeordnet sind und auf denen Tragflächen c sich befinden; die Lagerung der letzteren ist derart, daß ihre Neigungsebene umgestellt werden kann. Zu diesem Zwecke ist in dem dargestellten Ausführungsbeispiel' die Lagerung jeder Tragfläche derart gewählt, daß sie in der Mitte ihrer Länge oder in der Nähe ihres Druckmittelpunktes ein Paar Führungslager d trägt, mit deren jedem vier Rollen e!, e?, e’, e* in Verbindung stehen. Von den beiden ersteren Rollen e!, e* kommt die eine unterhalb, die andere oberhalb einer Führungs- schiene b derart zu liegen, daß sie mit derselben in Eingriff sich befinden, wäh- rend die zwei anderen Rollen e?, e!* vor und hinter den ersteren Rollen zu liegen kommen; wenn die betreffende Tragfläche c sich in der wagrechten Lage der Abb. 3 befindet, haben die beiden Rollen e?, e* einen kurzen Abstand von der Laufschiene b. Dieser Abstand kann gegebenenfalls veränderbar gemacht werden, um die Neigung jeder der Tragflächen nach Bedarf einzustellen. In der Mitte jedes Führungslagers d ist ein nach abwärts sich erstreckender Arm f vorgesehen, mittels dessen die Einstellung der Tragfläche in der ge- wünschten Schräglage erfolgt und außerdem die Verschiebung der Tragfläche in dem Gestell a eingeleitet wird. Der Antrieb der Tragflächen kann in beliebiger Weise erfolgen, bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel geschieht dies durch Zugorgane h, welche an den Armen f angreifen und in an dem Gestell a gela- gerten Rollen j geführt werden. Die Bewegung der Zugorgane h geht von einer beliebigen Kraftquelle aus und ist derart zu gestalten, daß, während eine Trag- fläche in der einen Richtung sich bewegt, gleichzeitig eine Bewegung der anderen Tragflächen in der gleichen oder entgegengesetzten Richtung hervor- gerufen wird. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel wird die zur Bewegung der Tragflächen benötigte Kraft von einem Motor I auf eine Welle m übertragen, die mittels Kurbeltrieb m! und eine Lenkerstange n ein ausschwingbares Rahmen- estell o beeinflußt; letzteres überträgt seine Hin- und Herbewegungen auf eine cheibe p, an welche die Zugorgane h angreifen. Die Wirkungsweise ist derart, daß die Scheibe p mittels der Zugorgane h zuerst die Tragflächen unter dem gewänschten Winkel einstellt und dann deren Längsverschiebung hervorruft; der Neigungswinkel jeder Tragfläche und ihre Bewegungsrichtung wird also immer gleichzeitig geändert. Es kann eine beliebige Anzahl von Tragflächen an einer einzigen Flug- maschine angebracht werden, welche gleichzeitig miteinander ihre Längsverschie- bung in dem Gestell der Flugmaschine vollziehen und zwar entweder, wie aus dem dargestellten Ausführungsbeispiel ersichtlich ist, in entgegengesetzten Rich- tungen oder in der gleichen Richtung. Patent-Anspruch. Flugmaschine, gekennzeichnet durch eine Anzahl von Tragflächen, welche gleichzeitig entweder paarweise in entgegengesstzien Richtungen oder in der gleichen Richtung in dem Rahmen der Flugmaschine sich hin und her bewegen, wobei ihre Neigung selbsttätig umgestellt wird, wenn ihre Bewegungsrichtung sich ändert. Gleitflieger mit Schlagflügeln.*) Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine Flugmaschine, welche nach Art der bekannten Gleitflieger gebaut ist. Für die Bewegung dieser Flug- maschine sollen Schlagflügel benutzt werden, welche aus federartig-gestaiteten- schmalen, um eine unsymmetrisch liegende Längsachse drehbaren Flächen be- stehen, die sich bei der Abwärtsbewegung öffnen. Bei dieser Oeffnung ent- weicht die durch den Flügelschlag komprimierte Luft und treibt somit die Flug- maschine vorwärts. Die zum Abwärtsbewegen dieser Schlagflügel notwendige Kraft muß naturgemäß von einem Motor erzeugt werden. Das Wesentliche der vorliegenden Erfindung besteht nun darin, daß dieser Motor auf einer festen Tragfläche angeordnet ist, über welcher die Schlagflügel sich befinden, sodaß also während des Flügelschlages, d. h. bei Oeffnung der federartigen Flächen tund Entweichen der Luft, der Gleitflieger der Hauptsache *) D, R. P. 216181 Hermann Tieszen in Meldorf. ( wird erreicht, daß die langsame Aufwärtsbewe von dem Kolben zu leistende Kompressionsarb oder Rahmen 6 unterstützt werden. en _„FLUGSPORT“. Seite 149 nach auf der den Motor tragenden festen Tragflä i i i : _ q gfläche gleitet. Bei B des Arbeitsganges der Schlagflügel schließen sich dann die federartigen PIren® und wirken ihrerseits ebenfalls als Tra flächen. Ei i ’erbi zwischen den Schlagflügeln und dem Motor in d "Were dal aka andung unter diesen Umständen würde der durch den Motor ng der Schlagflügel regelmäßig eine ebenso rasche absichtigte Wirkung Net Motor ıngleichnäbigen Gang € lich einer zum Aufwärtsbewegen der Schlaeflüsr flächen vv näbig nnesamen Küickwärtshub, während dessen die end i enen Schlagflügel si angs u s r ter i hindurchetreichenden nen lügel sich langsamer durch den Druck der unter ihnen Zu diesem Zweck wird gemäß d . . , , . Motors mit den Snlanni nun, Seäß er vorliegenden Erfindung der Kolben des. bindung gebracht, so daß bei einer Explosion Der Rückwärtsgang des hebenden Schlagflügel bewirkt. Hierbei Abb. 3 in dem Motor die Schlagflügel abwärts bewegt Kolbens wird durch die Sich langsam B' werden. Abb. 2 5 o 5 & OÖ | O — n 6 #3 5 —— F BL ee ° Tg Abb. ı Abb. 5 u. 6 Abb. 4 gung der Schlagflügel durch die verzögert wird. } ng von Viertaktmotoren mit zwei Arbeitszylindere, en e Kolben an einer und derselben leitfliegers dienen jalousie- eder von Hand, oder von : geöffnet werden können, nung einer dieser Jalousie- flug zu erzielen. Die bei- stehendee Abbildungnn veranschaulicht die vorliegende Erfindung. gestellten Gleitflieger. Abb. 2 ist die Vorderansicht in schematischer Darstellung. gen, im übrigen gegen die weiteren Teile d Gleitfläche 1, auf welcher ein Motor 2 angeordnet Schlagflügel 4 verbunden. elarme 3 der Die Schlagflügel schwingen um die Drehpunkte 5, welche von den Stangen ’ Letztere sind ihrerseits bei 7 auf der festen 5 Seite 150 „FLUGSPORT“. No. j i Beweglichkeit des Systems j äche benfalls drehbar, um die erforderliche bringen. "Die Schlagflügel bestehen, wie All Nun 3 en lassen, aus einer Mehrzahl schwung ederartiger Pläc ven, ‚welche, 1 pekan ıter weise nach Art des Federkiels eine Stange 9 besitzen, durch die } einzelne Fäche 13 i ä teilt wird. Die Stangen 9 sind, wie Abb. zwei getrennte Flächen 10 u. II ge ange 9 ee zeigt, I iebi einem Rahmen 12 angeordnet, u ar, : zeigt, In been We sie an der Innenscite dieses Rahmens nicht „girent, sondern mit Hilfe von senkrecht stehenden Blattteacnn Ei befestigt, won e eine Bu . . A Pl a e - ewisse Verdrehung der ‘Stangen 9 ermöglichen. Die Ä ‚natür- i i Diese Federn sind aber so stark z lich durch Spiralfedern ersetzt werden. € ae zur wählen, daß sie nur eine verhältnismäßig geringe _ erdreh Een nee zu lassen (vieleicht um 10"). Die weitere ‚Drehung, wir inc jon An ä ht dargestellte Hilfsmittel verhindert. schlägen oder durch andere beliebige, hier nic a fliel weicht diese Dem weiteren Druck der Luft auf die breitere Seite ( icht diese i is z tere Seite der Schlagflügel aus um weitere 15° bis 20° dadurch aus, daß die ‚brei a chung 4 ge aus | i g der Fläche einem federnden Material hergestellt ist. Die größte nen An rel von der Horizontalen würde so etwa 3 etra h der te 1 st hinten eine beliebige Steuerfläche 15 in ekannter Weise angeordnet, welche zur Hühensteuerung dient. A A Alte + T i ———— % | Abb. 7 \ a‘ \ u ‚A — N eo —— 20 1 — Abb. 8 . . oo. Sy- ie.seitliche Steuerung wird durch Oeffnen oder Schließen je eines_S stems ensienrtiger Flächen 14 und 14 a in der Gileitfläche 1 bewirkt. Beim Oeffnen dieser jalousieartigen Flächen 14 senkt sich diese Seite des Gleitiliegers il die Luft durch die Oeffnungen von entweicht. - a drückt auf die schrägen Flächen der Jalousien 14 und dreht den ganzen Gleitflieger, so daß bei längerem Oefinen a Schzeitig der mehr oder weniger großen Kreis bewegen würde. ird dabei zeitig der ückt, so senkt sich der Gleitflieger schraubenartig zur Erde. A aeen cine sehr viel ungefährlichere Landung desselben bewirkt. A Die Bedienung von dieser Jalousievorrichtung kann entweder ‚durch den Führer erfolgen, oder sie geschieht selbsttätig, wenn ein seitlicher Windsto jen Gleitflieger trifft. Zu diesem Zwecke befindet sich über der Gleitfläche „eis Fläche 19 die fest an der drehbaren Achse 20 befestigt ist. Die Fläche No. 5 nn. „FLUGSPORT".. Seite 151 steht bei normalem Flug nach hinten in der Richtung des Fluges. Dieser Flug muß stets mit größerer Kraftentwicklung erfolgen als die Kraft der Luftrömungen. Ist eine seitliche Luftströmung stärker als die Kraft des Gleitfliegers, so dreht sich die Fläche 19 aus der Flugrichtung ab in ihre. eigene Richtung. Diese Drehbewegung wird in der aus Abb. 7 und 8 ersichtlichen Weise auf die Jalou- flächen 14 übertragen und der Gleitflieger macht diese Drehung sofort mit und stellt sich dabei je nach Bedarf etwas schräg zur Horizontalen, genau in derseiben Art, wie die Vögel es in solchem Falle machen. Andererseits kann durch obige Vorrichtung durch verstärkten Schrauben- flug ein schraubenartiges Hochsteigen des Gleitfliegers bewirkt werden. Die ganze Flugvorrichtung soll in folgender Weise wirken: Angenommen, die Schlagflügel befinden sich in der in Abb. 2 voll ausge- zogenen Lage und der Motor oder der eine Zylinder desselben ist mit dem kom- primierten Gasgemisch gefüllt. Wenn nun die Explosion stattfindet, so wird der Kolben aufwärts geschleudert und bewegt die Schlagflügelflächen 4, sodaß sie in die punktierte Stellung der Abb. 2 gelangen. Hierbei wird unter den Schlag- flügeln die Luft zusammengedrückt. Die einzelnen federartigen Flächen drehen sich in bekannter Weise um ihre Stangen 9, wobei die größeren Teile 11 dieser Flächen etwas nach auswärts gerichtet werden. Die unter den Schlagflügeln zusammengedrückte Luft kann entweichen und drückt dabei die federnden Flächen 11 noch weiter nach oben, sodaß sie um etwa 30° nach oben ausweichen. Durch das Durchströmen der zusammengedrückten Luft erhält die Vorrichtung einen Antrieb, der den Gleitflieger nach vorn bewegt, Wenn die Abwärtsbewegung der Schlagflügel ihr Ende erreicht, so stellen diese sich wieder horizontal und sind Gleitflächen. Die in der punktiert angedeuteten Stellung (Abb. 2) befindlichen Schlag- flügel 8 werden nun durch die darunter hinwegstreichenden Luftmengen gehoben und gelangen langsamer wieder in die in Abb. 2 in vollen Linien ausgezogene Stellung zurück. Dabei wird der Kolben des Zylinders in seine Anfangsstellung zurückgeführt, und es werden die Verbrennungsgase aus dem Kolben heraus- gedrückt. Da nun, wie Abb. 2 und 4 veranschaulichen, zwei Zylinder überein- ander angeordnet sind, deren Kolben an einer einzigen Kolbenstange sitzen, so können Viertaktmotoren benutzt werden, wobei die Explosion abwechselnd in jedem Zylinder stattfindet, so daß bei jedem Hub der Kolben eine Explosion erfolgt. Dabei leisten die sich hebenden Schlagflügel die Arbeit des Heraus- drückens der Verbrennungsgase aus dem einen Zylinder und die Kompression des angesaugten Gasluftgemisches in dem andern Zylinder. Die Konstruktion des Motors ist eine beliebige. In Abb. 4 ist schematisch angedeutet, daß die Ventile der beiden überein- anderliegenden Arbeitszylinder durch eine Daumenwelle 16 bewegt werden. Diese Daumenwelle erhält ihren dauernden Antrieb mittels%eines Sperrades 17, das durch die Klinken 18 an der Kolbenstange dauernd in einer Richtung umgetrieben wird. Die Steuerung des Motors undzseine Konstruktion ist im übrigen beliebig. Dabei ist natürlich darauf Rücksicht zu nehmen, daß schädliche Stöße im Motor nicht auftreten dürfen; diese Gefahr läßt sich in bekannter Weise durch Bildung von Luftkissen hinter den Kolben beseitigen. Die gedrosselt aus diesen Luftkissen entweichende Luft wird ebenso wie die in den Auspuffgasen noch vorhandene Kraft ats Rückstoß zur Vorwärtsbe- wegung des Gleitfliegers ausgenutzt. Patent-Ansprüche. 1. Gleitflieger mit aus federartig gestalteten, schmalen, um eine unsym- metrisch liegende Längsachse drehbaren, bei der Abwärtsbewegung sich öffnen- den Flächen als Schlagflügeln, dadurch gekennzeichnet, daß die Schlagflügel über einer festen Tragfläche angeordnet sind, wobei die einzelnen federartigen Flächen- teile, welche sich entgegen der Wirkung von Federn bei der Abwärtsbewegung in bekannter Weise etwas Öffnen, bei Beendigung der Abwärtsbewegung sich sofort schließen und sodann bei ihrer Aufwärtsbewegung den Kolben der auf der festen Tragfläche angeordneten Kraftmaschine in die Anfangsstellung zurück- ühren. 2. Gleitflieger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in der festen Tragfläche jalousieartig zu öffnende Flächen angeordnet sind, die entweder von Hand oder von einer beweglichen Steuerfläche oberhalb der Gleitfläche durch Hebelübersetzung gesteuert werden, um die Seitensteuerung und Stabilität sowie einen sich schraubenartig senkenden Landungsflug zu erzielen, Seite 152 „FLUGSPORT“. No. 5 Verschiedenes. Flugmaschine und Grenzschmuggel. Die Zollbehörden der Vereinigten Staaten und die von Mexiko wohnten vor kurzem, wie aus New-York berichtet wird, einem interessanten Schauspiel an der amerikanisch-mexikanischen Grenze bei. Der Aviatiker Charles Hamilton führte vor, mit welcher Leichtigkeit mit der Flugmaschine Grenzschmuggel getrieben werden kann. Dreimal überflog der Aviatiker im Verlauf von einer Stunde die Grenze, indem er bei jedem Aufstieg amerikanische Waren aus EI Paso in Texas nach dem Orte Juarez in Mexiko führte und auf der Rückfahrt mexikanische Waren nach den Vereinigten Staaten mitnahm. Mit großer Leichtigkeit landete der Flugkünstler außerhalb der beiden Städte. Die Zollbehörden erklärten, daß es in dunkler Nacht für einen ge- schickten Flugkünstler eine Leichtigkeit sei, im Aeroplan Waren über die Grenze zu schmuggeln, diese außerhalb der Städte auf freiem Felde abzugeben und von dlort weiter transportieren zu lassen. Vom Wright-Patent. Bekanntlich hat Hauptmann Robitzsch gegen einen Teil des Wright-Patentes im November vorigen Jahres Nichtigkeitsklage einge- leitet. Die Vertreter des Wright-Patentes haben hiergegen Einspruch erhoben. Zur Begründung ihres Einspruches ist ihnen eine Frist bis zum 3. März vom Kaiserlichen Patentamt bewilligt worden. Firmennachrichten. Eine süddeutsche Flugmaschinengesellschaft hat sich in Stuttgart unter der geschäftlichen Leitung von Gabriel Richheimer gebildet, deren Zweck es ist, eine von dem jungen Ingenieur Otto Lehmann konstruierte Flugmaschine zu verwerten. Die Flugmaschine ist ein Zweidecker von 60 qm Tragfläche. Ein Propeller von 2,20 m Durchmesser wird von einem 36 PS Motor angetrieben. Eine von anderen Flugmaschinen abweichende Neuerung besteht darin, daß die Gewichtsverteilung so angeordnet ist und der Schwerpunkt so verlegt wurde, daß ein Kippen des Aeroplans unmöglich ist. In 3-4 Wochen will man mit den ersten Flugversuchen beginnen, und wenn man günstige Resultate erzielt, sofort eine Fabrik zur Ausnutzung dieses Systems gründen. Personalien. Hermann W. L. Moedebeck ist am 1. März im 53. Lebensjahre ver- storben. Hermann W. L. Moedebeck, geboren am 10. Juni 1857 in Berlin, widmete sich im Jahre 1883 der Luftschiffahrt. Besondere Bedeutung hat er als aero- nautischer Schriftsteller erlangt. Er ist der Herausgeber des Taschenbuches für Flugtechnik und Luftschiffahrt. Im Jahre 1897 begründete er die Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen und hat, trotz schwieriger Verhältnisse und zunächst geringen Interesses, diese -Zeitschrift zum führenden Organ in der Luftschiffahrt für die ganze Welt gemacht. Im Jahre 1908 gründete er die Zeitschrift „Die Luftflotte“. Von ihm ging die Anregung aus, Luftschifferkarten anzufertigen. Er rief zu diesem Zwecke eine Internationale Kommission für Luftschifferkarten ins Leben, zu deren Präsident er gewählt wurde. Auch war er Mitglied der inter- nationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt. Charakteristisch für Moedebeck ist sein unverwüstlicher Optimismus, ohne welchen ja Fortschritte nicht zu erlangen sind und der ihm dazu verhalf, trotz mannigfacher Schwierigkeiten, den Fortschritt der Luftschiffahrt immer im Auge zu behalten sowie unverwandt seinem Ziele nachzustreben. Seine liebenswürdige Persönlichkeit und seine unverwüstliche Rednergabe halfen ihm dieses Ziel er- reichen. Moedebeck hat sich sowohl als sportlicher wie als wissenschaftlicher Luftschiffer betätigt. Man kann sagen, daß er in ällen Zweigen der Luftschiff- fahrt gleich bewandert war. | Im Jahre 1907 nahm er seinen Abschied und ließ sich als Oberstleutnant zur Disposition stellen, um sich voll und ganz der Luftschiffahrt zu widmen, da ihm von seinen militärischen Vorgesetzten Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden. Ä \ \ No. 5 „FLUGSPORT“. Seite?153 Zeitschriftenschau. Hydraulischer Stabilisationsautomat für Flugmaschin F Bämki, Budapest. (Der Motorwagen, Ne 5.) inen. Von Prof. Donät Nachdem der Ruf, man kann sagen der voreilige Ruf n j . ur . >, . “ ach - © en fischen abilisation von irgend einem grünen Tische” erschollen ist nat man ereils eine ganze Reihe derartiger Apparate konstruiert icl tigste gavon zu sein scheint, patentieren lassen. ’ und was das. wich- o ist nın von D. Bänki wieder ein automatischer Stabilisator k i worden, welcher alle guten Eigenschaften, die wir von einem solchen Apparat verlangen müssen, besitzen soll und vielleicht auch nach den Ausführungen des Konstrukteurs theoretisch besitzt. Wie sich jedoch der Apparat in der Praxis bewährt, darüber ‚schweigt der Konstrukteur sehr vorsorglich. nn ‚Yas beste ıst es wohl auch, vorläufig über diese ganzen A i schweigen, denn wir wollen doch erst einmal unsere Maschinen vervallkommnen und dazu ‚müssen wir sie erst selbst lenken und vollkommen beherrschen können Ist dies nicht der Fall, so wird man nie und nimmer dazu kommen, einen Flu - apparat zu bauen, welcher automatisch stabilisiert werden kann. Wir wissen ja heute überhaupt noch nicht genau, ob das so häufige Versagen der heuti en Flug- maschinen an falscher Steuerung, der Stabilisation, oder am ganzen Bau der Euigmaschine hängt. ‚Dies meweist vor ‚lem die große Meinungsverschiedenheit sachen bei Unglücksfällen etc., d A Ö a Ursachen. g und deshalb möchte man den Flug- ‚Lernt erst eure Flugmaschinen lenken und beher ’ is ınd beherrschen & baut einen automatischen Stabilisator in eure Flugmaschine ein weicher allen An forderungen entspricht,. die ihr im Fluge erkannt habt.“ Literatur. Motorluftschiffe und Flugmaschinen. Von D. i Verlag H. Hillger, Bern Solft, Ing. Preis 50 ur Blickt man als Fachmann einmal etwas tiefer in ie heuti i der Flugtechnik, so ist man erstaunt zu sehen, daß die meisten au Herausgeber der die Literatur ausfüllenden Werke Laien sind, die ich möchte fast. behaupten, die Flugmaschinen, welche sie in ihren Werken aufs ausgiebigste kritisieren, überhaupt noch nicht gesehen haben. Derartige, von: Laien ge- schriebene Sachen sollte man doch einfach aus der Literatur ausschalten denn sie dienen nur dazu, den Wert der letzteren herabzusetzen. Vorliegendes Werkchen ist auch eines von denen, die man lieber nicht herausgeben sollte, sind doch darin Ansichten vertreten, welche von jedem Fach- mann als nicht mehr ‚vorhanden angesehen werden. Wenn auch dieses Buch nur für die größere, unwissende Masse geschrieben ist, so sollte es trotzdem vor der Herausgabe erst ‚einmal von einem Fachmann durchgelesen we den, und es wäre weniger Unsinn und weniger grundfalsche Erklärungen in diesem Buche zu finden. „, Dies Buch ist wohl gut für diejenigen, die eben nur lesen um zu lesen, für jeden anderen jedoch in keinem Falle zu empfehlen. " . . Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 16 . . 3071 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern Kreis Breslau ebenwarte nn 9209 | | Seite 154 „FLUGSPORT“. No. 5 | — |; | Fernsprecher | l. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 37 . . . . ....... 10972 li 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Öhlauufer 10. . . 2.2 2.2.2.2.10993 N Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 41 . . 2.22 20220. 2454 a Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15... 2 222 202020..83513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 33. . . . . .. 2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 21 . . . 2 2... 2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107° . . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 3. . 2 2222.22. 9054 Beisitzer: Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13... 2.2.2.2... 1166 Freiherr von Durant, Langendorf | Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4. 2 2 2 2220202. 2701 | Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1. . 2 2 2.2.2.2....689 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14. . . .2.2.2.2...9980 L; Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . . 2 2 2 2 nn nn. 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . >: 2 Connor. M0l , Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 \ erbeten. i Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. Sitz Oberhausen i. Rhld. Vorstand: 1. Vorsitzender: Schüller, Bürgermeister a.D., Oberhausen. AN . „ Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. \ Seele) Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. h \r N J&y) Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. I / Verireter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten. Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. s Redakteur Hulin, Oberhausen. Offizielle Mitteilungen * fdes Düsseldorfer - Flugsport-Club. : Sitz Diisseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Direktor Probst. Schriftführer: C. Kremer. Der Verein wurde am 18. Februar im Hotel „Römischer Kaiser“ zu Düssel- dorf gegründet. Der Zweck des Vereins, die Entwicklung der Flugtechnik zu . fördern, soll erreicht werden durch Schaffung von Flugfeldern, Fliegerschuppen, Veranstaltung von Wettbewerben, Vorträgen usw. Vor allen Dingen beabsichtigt | der Club den Zusammenschluß aller Interessenten zum Austausch wissenschaft- licher Ansichten und praktischer Erfolge. Anmeldungen sind zu richten an den Schriftführer C. Kremer, Geibeistraße 75. Tl. No. 5 „FLUGSPORT“. Vereins Leipzig. Vorsitzender: Georg Specht, Leipzig-Taucha, Bismarckstraße 4. Am 24. 2. hielt der Verein seinen zweiten Arbeitsabend im Hotel Palm- baum ab. _Im Anschluß an das Thema des vorhergehenden Abend, Lilienthal . - -—..- und sein Werk, lautete das heutige „Die Tragdecken“. Zu Beginn gab Herr Oberlehrer Ing. Freund eine Zusammenfassung des bisher verarbeiteten Stoffes um dann dem Leipziger Flugtechniker Kühn das Wort zu überlassen, der von seinen ungünstigen Erfahrungen berichtetete, die er mit graden Tragdecken gemacht hat. Herr Kühn gab dann eine Beschreibung seiner jetzigen, die gewölbt sind. Eine aus deutscher Rotbuche gefertigte Fragrippe, parabolisch mit '/r. Pfeilhöhe, wie er sie an seiner Maschine montiert hat, lag zur Besichti- gung aus. Allgemeinen Beifall fand das überaus sauber aus Maenalium efertigt Modell des Herrn Kutschbach, das ein Zwischentyp von Antoinette BlEion dar- stellt. Anstatt der Verwindung werden die Flügelenden ohne besonderes Ansatz- stück durch Drehung eines Handrades gehoben. bezw. gesenkt und zu gleicher Zeit das Seitensteuer betätigt. Die um ihre Längsachse drehbaren Tragdecken dienen gleichzeitig als Höhensteuer. Der Vorsitzende gab die erfolgte Gründung einer Prüfun sabteilung be- kannt, deren Vorsitzender Herr Oberlehrer Ing. Alfred Freund, Leipzig, \ est. straße 28, ist. 21 Anträge um Unterstützung waren hereits von den verschiedenen „Erfindern“ eingelaufen. Der nächste Arbeitsabend wird im Fliegerschuppen des Herr Küt i dessen Maschine als Anschauungsobjekt abgehalten werden. nt ‚Zu den regelmäßigen Arbeitsabenden sind Gastkarten bei Herrn Oberlehrer Ingenieur Alfred Freund. Leipzig, Weststr. 28 Il, zu haben. Offizielle x SELL] \ EN R) NIII> Mitteilungen [N N III S des | Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofspiatz $. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. » Dipl.-Ing. Krastet. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. t. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Ciberleutnant a. D. zur See Dornlieim., Frankfurt a. M. u Bergweg 12. Beisitzer: Dr. Älbrecht, Haller und Pega. Dienstags abends 8 Uhr fin i ia“ äßi kflnfte Jiens Stammtisch) h den in der „Alemania regelmäßige Zusammen- Am 26. Februar fand abends 8 Uhr im Savoy-Hotel die zweite Gen - Versammlung statt. Nach retattung des Jahres- und Kassenberichtes erfolkte u die Neuwahl des Vorstandes. Die sammensetzung für d insj ( \ . s s as ist bereits oben wiedergegeben. e Tr das neue Vereinsjahr Seite 156 „FLUGSPORT“. No. 5 Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consult Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter n Freilierr v. Sclıey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 Central - Hotel Telefon 11634. Ucber das Thema die Lnitschiffahrt in früheren Kriegen und ihre Bedeutung für das Kriegs- recht der Zukunft wird der 2. Vorsitzende des Clubs, Assessor Dr. Alex Meyer, am 7. März, 7 Uhr im Frankfurter Hof einen Vortrag halten. Der Vortrag findet vor geladenen Gästen statt. Der Zweck des Clubs ist Pflege und Förderung des Flugsportes mit Flug- maschinen unter Ausschluß jeglichen Ballonsports. Ueber unaufgeklärte Erscheinungen bei Luitströmungen. Ueber das Theina „Tragdeckenprofile* erschien in der letzten Nummer des „Flugsport“ vom Herausgeber desselben ein Aufsatz, welcher viel dazu beigetragen haben dürfte, Aufklärung über das nächst der Schraube wichtigste Element der Flugmaschine zu bringen. Verfasser wies darauf hin, daß sich der schädliche Stirn- widerstand der Tragdecken nicht erheblich vergrößern, cher sich vermindern würde, würde man den Tragdecken vorn keine scharfe Kante geben, sondern dieselbe stark abıunden. Diese Abrundung ist so auszuführen, daß die Normale zur Tangente der Abrundung mit der Windrichtung einen Winkel von 62° einschließt, wodurch kein dynamischer Druck auf die Vorderkante der Tragdecken wirkt, also auch kein schädlicher Widerstand erzeugt wird. Der Einfallswinkel der Luft beträgt gleichfalls 62°. Diese-Folgerung ist durch Versuche bestätigt worden, welche in umfangreichster und gewissenhaftester Weise vorgenommen worden sind. Diese Tragdeckenformgebung ist vom Herausgeber dieser Zeitschrift an seiner Fiugmaschine angewendet; jedoch ist abzuwarten, ob sie sich praktisch bewähren wird. Ueber die Ausführungen in dem obengenannten Aufsatze sind, wie es ja immer der Fall zu sein pflegt wenn etwas Neues erscheint, die Meinungen verschieden. So sind der Redaktion diesbezüglich verschiedene Anfragen und Erläuterungen zugegangen, von welchen hier die interessanteste wiedergegeben werden soll. Einer unserer Abonnenten machte im Winter an einer Telegraphenstange die durch die nebenstehende Skizze veranschaulichte Beobachtung, während welcher eine Windstärke von 15 Metersekunden herrschte. Aus dem 20 cm hohen Schnee wurde durch den Wind um die Telegraphen- a stange vom Durchmesser a ein 5 starker Ring bis auf den Erdboden ausgefegt, Gewicht : 2 kg per PS. Preis 100.— Fr. per PS. No. 5 „FLUGSPORT“. Seite 157 dem sich eine allmählich verlierende Furche (F) anschließt. Die Länge dieser Furche, welche kaum '/, der Tiefe des Ringes besaß, war rd, 5a = (A —- B). Von hier ab bemerkte Beobachter einen ca. 3 cm hohen und von BC rd. 5a langen leichten Schneerücken (S). Zu denken gibt bei diesen hochinteressanten Beobachtungen die Tatsache, daß hinter der Stange der Ring ebenso stark und gleichmäßig ausgebildet ist wie vorn und an den Seiten der Stange, sowie die sich an den Ring anschließende BEREITETE. WERE 3 OH RLEEE REIZE . tt ____G 5 R 2 Ryr| Furche. Es müßte sich doch nach den bisherigen Versuchen bezüglich des dyna- mischen Druckes hinter der Stange ein Schneehügel bilden, welcher sich in einem Rückenzuge fortsetzt; wir sind also auch durch die Resultate der bisherigen Versuche noch zu keinem endgültigen ‚Schlusse gekommen. Wir finden auf diesem Gebiete noch sehr viel Unaufgeklärtes vor, was zu ernster Fortsetzung der Versuche Veranlassung gibt. Sehr interessant und lehrreich wäre es, hier an dieser Stelle eine kleine Diskussion über die Frage: „Wie ist es möglich, daß der Teil r des Ringes in gleicher Stärke ausgebildet ist als der übrige Teil desselben?“ zu veranstalten, und ist es deshalb wünschenswert, diesbezügliche Aeußerungen der Redaktion dieser Zeitschrift zukommen und veröffentlichen zu lassen. H. B. Konstrukteure f. Automobilwesen und Flugtechnik speziell für Flugapparatebau gesucht. Nur ältere Herren wollen Offerte mit Gehaltsansprüchen stellen unter „Kon- strukteur“ an die Expedition dieses Blattes. Eintritt kann sofort erfolgen. RERZSIIERRSLER BA SH HT HH 1 A. ANZANI — | Ingenieur, Akad. Absolvent einer Techn. Hoch- II2 Boulevd. de Courbevoie COURBEVOIE (Seine) Frankreich schule, 20 Monate Praxis, bei der Kaiserl. Marine gedient, wünscht sich in der Der ‚AnzaniMotor allein gestattete es Bleriot, den Kanal zu überfliegen. . i d Flugtechnik_ auf dem Bremsstand vorgeführt. einzuarbeiten. Motoren- od. Fahrzeugbau. 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M., 19. März 1910. Jahrg. II. ws Um mehrfachen Wünschen zu entsprechen, wird der „Flugsport“ von April ab jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat erscheinen. Redaktion u. Verlag „Flugsport‘“. Betrachtungen über die Lage der Druck- resultierenden bei ebenen und gewölbten dünnen Platten im Luftstrom. H. Reissner, Aachen. Die Lage des Druckpunktes ebener und gewölbter Trag- und Steuerflächen spielt bei dem Entwurf eines Drachenfliegers eine große Rolle. Die richtige Gewichtsverteilung auf dem Apparat und die Lage der Drehachsen von Höhen- und Seitensteuer sollte mehr als bisher planmäßig und nicht erst durch zeit- raubendes Hin- und Herversuchen festgestellt werden. Die Verschiebung dieses Druckpunktes steht ferner in enger Beziehung zu der Sicherheit des Gleichge- wichts von Flugmaschinen. Wenn auch die bisher veröffentlichte Versuchsliteratur die Frage nach der Lage der Druckresultierenden nur unvollständig löst, so ist doch wohl eine ver. gleichende Zusammenstellung der bisherigen Ergebnisse nützlich. Bevor wir diese weiter unten geben, möge zunächst auf die Lücken der Versuchsergebnisse und auf die zahlenmäßige Verwendung der Druckpunktlage etwas eingegangen werden. Die unten mitgeteilten Versuche sind nicht genügend zahlreich und nicht genügend von unabhängigen Forschern nachgeprüft, um sie zuverlässig zu machen. Ganz besonders bedarf das von Pratt, Turnbuil, Rateau und Eiffel bei schwach Seite 159 „FLUGSPORT“. No. 6 ü Druckpunktes bei kleinen öibten Platten beobachtete Zurückwandern des b ebnehmenden Winkeln der Nachprüfung, da sich daraus unwahrscheinliche Folge- rungen ergeben. Ferner sind noch viele Untersuchungen über Flächen ver- schiedener Umrißform und Wölbungsart nötig, insbesondere, welchen Einfluß es auf den Druckpunkt hat, wenn die Wölbung kreisförmig oder nach vorn zu ae die Frage der Gewichtsverteilung und der Stabilität zu beleuchten, wurde folgende Rechnung angestellt. Sei in Abb. 1G der Schwerpunkt des ganzen Systems, S der geometrische Schwerpunkt der Tragflächen, P der An- griffspunkt der Resultante aller nicht von den Tragflächen herrührenden Widerstände. Die Lage dieser 3 Punkte gegeneinander werde in einem rechtwinkligen Koordinatensystem mit dem Anfangspunkt im Schwerpunkte, dessen X Achse ın der erwartenden Fahrtrichtung unter dem Winkel i zu den Tragflächen liegt, angegeben nach Abb 1. Die Tragflächen mögen also alle denselben Einfalls- winkel i haben und die stark ausgezogene Linie bedeutet die Wölbungssehne der i “ Tragfläche. a kauf die Tragflächen habe die Komponente Y senkrecht zu dem durch die Fahrt gegebenen Luftstrom und die Komponente x in der Fahrt- richtung. Der schädliche Widerstand W wirkt natürlich ebenfalls in der Fahrt- S Luftstrom 22 -- Fr Ss Abb. 1. richtung. Der Abstand des Druckpunktes vom Flächenschwerpunkt S werde mit s bezeichnet. Mit diesen Bezeichnungen läßt sich als Bedingung für diejenige gegenseitige Lage der 3 Punkte G, S und P, bei der ein vorgeschriebener (zweckmäßiger) Flugwinkel i zustande kommt, aussprechen, daß die Summe aller Drehmomente um einen belie Systemes z. B. den Schwerpunkt gleich Null werden soll. Man erhält so: 1) 22.2.0. X Yu t+Wn=0. Darin können wir als Ergebnis experimenteller Forschungen für ebene oder ge wölbte Flächen setzen Y=c.F.v?(ite) X==c,F.v?(? +5) wW=c,®v’ nn wo F die Gesamtgröße der Tragflächen, v die Systemgeschwindigkeit, an C., C Coefficienten, c, F ve der Auftrieb bei verschwindendem Einfallswinkel des bigen Punkt der Symmetrieebene des ganzen No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 160 Luftstroms gegen die Wölbungssehne, c, F v?d der aerodynamische Wider- stand bei derselben Lage und ® die Summe aller hemmenden Querschnitte (Drähte, Rohre, Räder, Steuer u. dergl.) bedeuten. Die genauere Begründung dieser Formeln soll in einer anderen Mitteilung gegeben werden. Die Koordinaten des Luftdruckpunktes D x, u. y, können nun nach Abb. 1 in der Form angeschrieben werden x =X,-5.Cosi y=y+HtSs.sini Darin ist der Abstand s des Druckpunktes vom Flächenzentrum abhängig vom Einfallswinkel i d. h. also: s=f(ir und diese Funktion ist es gerade, um die es sich in dieser ganzen Mitteilung handelt. Die Gleichung 1) wird also, wenn wir c, F v? herausziehen: .) Ä 7) Er EEE = (+3) y-(i4e)x + er 10 Sind die Coefficienten c,, C,, C., 6, &, die gesamten Flächengrößen F und P und die Höhe n, des Angriffspunktes der schädlichen Widerstände gegeben, so kann also für jeden vorgeschriebenen Winkel i eine Beziehung zwischen den Ab- ständen x, y, des Tragflächenmittelpunktes S vom Schwerpunkt G oder eine grade Linie, auf der der Flächenmittelpunkt liegen muß, gegeben werden, wenn die Funktion s von i bekannt ist. Es möge sich z. B. um einen Eindecker von 27 qm Tragfläche von !/, Wölbung und 1:4,5 Seitenverhältnis von sehr kleiner Luftwiderstandsfläche ® = 1,4 qm handeln. Wir entnehmen den Versuchen von Rateau, Aerophile, Februar 1910 und von Langley über den Einfluß der Umriß- form die folgenden Coefficienten e=0,08 3—=0,018 c,--095 0,18 Der Flugwinkel möge nur 4° betragen d. h. i = 0,07 in Bogenmaß und alle Wider- stand leistenden Körper mögen vorn und hinten zugespitzt sein, sodaß an angenommen werden kann. Alles in kg, m sek. Außerdem sei der Angriffspunkt des Luftwiderstandes in gleicher Höhe mit dem Tragflächendruck- punkt y, =Y, wie es gewöhnlich der Konstruktion entspricht: Aus 2) ergibt sich dann: x,=0/17y, Die durch dieses Verhältnis angegebene Neigung der Luftdruckresultierenden bestimmt offenbar auch das Verhältnis von Propellerschub zu Gewicht also: 1 H=017G=w 3” G. Die Entfernung x, des Druckpunktes vom Schwerpunkt nach hinten, hat sich also nach der Tiefe des Schwerpunktes :y, unter dem Flächendruckpunkt zu richten und zwar nach der letzten Gleichung. Wie hoch andererseits der Druckpunkt mindestens über dem Schwerpunkt zu liegen hat, wird sich jetzt aus einer Stabilitätsbedingung ergeben. Es muß nämlich verlangt werden, daß bei Vergrößerung des Einfallswinkels i ein Dreh- moment entsteht, das den Winkel wieder zu verkleinern bestrebt ist. Es muß also bei einem kleinen positiven Zuwachs di des Einfallswinkels ein Zuwachs dM des Drehmomentes vom entgegengesetzten Vorzeichen entstehen oder analytisch gesprochen am, di Um diesen Differentialquotienten zu bilden, muß das Drehmoment um einen be- liebigen Punkt z. B. den Schwerpunkt angegeben werden auch für den Fall, dah der Einfallswinkel durch irgend eine Störung nicht gleich dem normalen Winkel, jetzt i genannt, ist. Seite 161 „FLUGSPORT“. No. 6 Nach Abb. 2 hat man also Drehmoment um den Schwerpunkt: M=X.y-Y.x,+W.n. Aus der Abb. kann mann ablesen: y=y+s.sini; 1 =xX—8s.cosi x=x.c008(i-%) + »sin(i —i) y=yc0s(ii—1)—x%,sin(i —i,) = 1 C08 (i — in) — & sin (i — ih) Differenziert man unter Benulzung dieser Beziehungen und der oben ge- gebenen Werte von X, Y, W den Ausdruck von M, so erhält man: dM d ‚ . 6, ‚ds 29 I. Mur ulm )6+9+n21 + (in) 6 cv» „IZz --&:-4]<0 Die geringste zulässige Tiefe des Schwerpunktes unter dem Druckpunkt ergibt sich hieraus zu: c’p 2.0. ylits-2i >ds (+ Hl) Hr4a nr 7 di Y Luftstrom (ala Ss y ILL_- oo. ur. Abb. 2. Mit den Zahlen des vorigen Beispiels erhält man, wenn 5 =x, gesetzt wird, d. h. wenn Druckpunkt und Widerstandspunkt zusammenfallen: ‚® ds f. es fire om ira Sa (HH) ds Yı- 0,2256 > di - 0,152 Bei der Ebene entspricht einem Zuwachs di des Einfallswinkels eine Ab- .. d . nahme ds der Druckpunktentfernung. also ist T dort negativ. Dann darf also, soweit es das besprochene Stabilitätskriterium anlangt, der Flächendruckpunkt sogar noch etwas unter dem Schwerpunkt liegen. Nach der Rateauschen Kurve VI für ebene Fläche 500x300 mm liest man auf der Kurventafel ab bei i = 4", = — --0,146.a, wo a die Flächenbreite in Strom- richtung. Es dürfte also sein yı > - 0,675— - 0,146.0,675..a. = — 0,0985 a und fürra=2 m y, 22-0197 m. No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 162 So hoch dürfte der Schwerpunkt aus anderen Stabilitätsgründen allerdings nicht liegen. Für gewölbte Flächen 1:14 und vorm Seitenverhältnis 1:6 lese man nun aus Kurve I nach Eiffel bei 4° ab: 2 = + 0,763a und für a=2 m y,Z1,03m. Man erhält dann das sehr unwahrscheinliche Ergebnis, dab Stabili- tät nur dann möglich ist, wenn die Tiefe des Schwerpunktes unter dem Flächen- druckpunkt mindestens 1,03 m ist. Das Resultat ist deswegen nicht wohl an- nehmbar, weil man weiß, daß Systeme mit viel höherem Schwerpunkt stabil fliegen. Für kleine Winkel bedürfen also die Rateau’schen und Eiffel’schen Kurven sehr der Nachprüfung. Bei der vorhergehenden Rechnung war die Voraussetzung gemacht worden, daß alle Tragflächen, auch die Schwanzflächen, unter demselben Winkel i schweben und dieselbe Wölbung besitzen. Wie der Rechnungsgang wird, wenn das nicht der Fall ist, möge gezeigt werden an dem Beispiel einer ebenen Schwanzfläche von der Flächengröße F’ in der Entfernung x’ vom Schwerpunkt. dM Man erhält das zu di hinzukommende Glied, indem man in dem Aus- ._ &® ap, AM druck 3), CF verschwinden läßt. di verkleinert sich dann um c, FF v?’ x‘ 1] (145) und die linke Seite der Gleichung 4) um F/;F x’ (143). Nehmen wir z. B. F/F=0/1, x =6 m, so ergibt sich die Mindesttiefe des Schwerpunktes unter dem Druckpunkt zu: — ds 0,1.6.1,018 y> gi 0675 056 und bei dem letzten Beispiel: . y,S — 1,68 m. Wenn es nur auf diese Stabilitätsbedingung ankäme, könnte der Schwer- punkt hier also erheblich über dem Druckpunkt liegen. Wegen dieses günstigen Einflusses einer ebenen, horizontalen Schwanzfläche würde man sie wohl immer anwenden, wenn sie nicht ein Mehrgewicht und Mehrwiderstand ohne Tragkraft bedeutete. Nach Erledigung des mechanischen Zusammenhanges folge riun die Zu- sammenstellung der bisher veröffentlichten Druckpunktversuche d. h. der Fest- stellungen des Schnittpunktes von Druckluftresultierender und Wölbungssehne. Auf der Abeissenachse in der Tafel III sind nach links die Winkel der Flächensehne mit dem Luftstrom, auf der Ordinatenachse nach oben die Größe - d. h. der Quotient aus Druckpunktabstand von der Mitte und aus Flächen- breite in der Stromrichtung in % aufgetragen. Die Bedeutung der Zahlen ist die folgende: I Eiffel, Fläche 900x150 nım, lange Seite quer zum Strom, Kreiswölbung 1:13,9 Aerophile, Februar 1910, Angesaugter Luftstrom von v= 10 m/sek Ge- schwindigkeit; zeigt das Zurückwandern des Druckpunktes für kleine Winkel sehr stark. II. Jössel, Quadratis:he ebene Platte in Wasser, Versuchskurve gegeben durch Gleichung s=0.3 a (I-sin i) Memor, du Genie Marit. 1870. Ill. Kummer, Ebene Glasplatte 90x 180 mm, kürzere Seite quer zum Luftstrom im Rundlaufapparat von 2 mı Durchmesser, v—= 8 m/sek Geschwindigkeit. Seite 163 „FLUGSPORT“. No. 6 IV. Kummer, Ebene Glasplatte 90x90 mm zeigt für mittlere Winkel eine starke Verschiedenheit der Druckpunktlage beider Platten. Abh. d. Kgl. Ak.d. Wiss. Berlin 1875—176. V. Langley, Quadratische ebene Metallplatte 305 x305 mm im Rundlaufapparat von 182 m Durchmesser bei Geschwindigkeiten bis zu 14 m/sek. Experiments in Aerodyn., Washington S. 91. VI. Rateau, Ebene Metallplatte 500x300, lange Seite quer zum Strom vor der Ausströmungsdrüse eines Ventilators, Luftgeschwindigkeit bis zu 35 m/sek zeigt instabiles Gebiet von 30-40". VIi. Rateau, Kreisförmig gewölbte Platte 1:22,8, 500x300 mm lange Seite quer zum Strom, sonst wie oben, zeigt ein starkes Zurückwandern des Druckpunktes von 15 bis O und Unbestimmtheit bei 30°. Vlil. Rayleigh, Theoretische Kurve für unendlich lange ebene Platte, endliche _ 08! _, Siehe z. B. Lamb, Hydro- 4-+-rsini dynamik, zeigt gute Uebereinstimmung mit Langley. IX. Riabouchinski, Kreisförmig gewölbte Platte 1:30, Seitenlängen 300x100 mm, längere Seite quer, Konvexe Seite voran, im angesaugten Luftstrom, dessen Gleichförmigkeit bis auf 3,6 % erzielt wurde. Luftgeschwindig- keit 3, 4,5 und 6 m/sek. X. Riabouchinski, desgl., Konkave Seite voran, zeigt keine Rückwanderung des Druckpunkts, keine Angaben für kleine Winkel. Bullet. de I’Institut Aerodynamique de Koutschino, Moscou, Fasc. II 1908. XI. Turnbull, Gewölbte Platte ohne Angabe der Wölbungstiefe, 430x215 mm, vor der Auss'römmungsöffnung eines Ventilators, längere Seite quer zum Strom, zeigt starke Rlickwanderung bei kleinen Winkeln. Luft- geschwindigkeit 4,5 m/sek. Physikal. Review, 1907, S. 205. XII. Rateau, Rechteckige Platte von spindelförmigen Querschnitt 500x300 mm, längere Seite quer zum Strom, sonst wie VI, zeigt starkes Vorrücken des Druckes bis zu 10° dann starkes Zurückwandern. Revue de Mecanique Ang. 1900, S. 125. Seite a in Stromrichtung s=a Was wird den deutschen Fliegern an Preisen geboten ? Sehr wenig. Fast gar nichts. Außer dem emeuerten Lanz- reis ist nichts zu gewinnen. Für unsere strebsamen deutschen lugtechniker sind irgend welche Gewinnchancen vorläufig nicht vorhanden. Ueberall baut man Flugmaschinen. Der letzte Pfennig wird verbaut: Und welcher Lohn winkt diesen ener- eischen Bemühungen? Fast gar keiner. .. Andererseits. Die Aussicht, irgend eine Flugmaschinen- Konstruktion durch Gründung einer Gesellschaft zu realisieren, ist noch größere Spekulation. In den weitaus meisten Fällen ungesund. Ueberall hört man, daß geflogen wird. Ihr Flieger, fliegt Ihr um die Sensationslust zu befriedigen?! Was gibt man Euch da- für?! Was gibt man Euch dafür, wenn Ihr mit Stolz behaupten könnt, eine Stunde in der Luft geblieben zu Sein, den längsten Weg zurückgelegt zu haben? Selır schön! Was habt Ilır davon, No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 164 Eure Arbeitskraft, das beste, was der Mensch geben kann, ge- geben -— vergeudet zu haben — — ? Darum haltet mit Euren Leistungen zurück! Fliegt Eure Ma- schinen nicht entzwei! Wartet, bis man Euch etwas bietet! Ihr könnt verlangen, daß das deutsche Volk das Flugwesen in gleicher Weise fördert, wie es die Ballonluftschiffahrt geför- dert hat. De Man wird mich verstanden haben. IKarus. EN Die neue Ursinus-Flugmaschine. Der Herausgeber dieser Zeitschrift ist, wie nicht anders zu erwarten, unter die Flieger gegangen. Diese Maschine (S. neben- stehende Abbildung) hat er vollständig selbst gebaut. Material alles deutsch. Zum Betrieb dient ein 20 PS Zweizylinder luft- gekühlter Motor von Escher mit Ruthard-Zündung. Ursinus verfolgte mit dem Bau dieser Maschine vor allen Dingen den Zweck, zu beweisen, daß es möglich ist, die Wir- kungsweise der Tragdecken durch geeignete Profilierung zu ver- bessern. Die Voraussetzungen, welche bei der Konstruktion maß- gebend waren, sind unseren Lesern bekannt. Diese Voraussetzungen _ Flugmaschine Ursinus. (Seitenansicht.) haben sich bestätigt. Bei den dieser Tage stattgefundenen Flugversuchen ging der Apparat mit Leichtigkeit hocıı. Die Theoretiker können jetzt nachrechnen. Der Motor lief ‚hierbei mit 800-850 Touren und leistete demnach ca. 12—15 PS. Die Fluggeschwindigkeit betrug ca. 55 km. Das Seite 1065 „FLUGSPORT“. No. 6 Tragdeckenareal beträgt 20 qın, das Gewicht der Maschine mit Führer 3l0 kg. Die Ispezifisclie Flächenbelastung ist demnaclı 15,5 Kilogramm. Interessant ist die konstruktive Durchbildung der Maschine. Der Motor ist vorn eingebaut und treibt eine zweiflügelige Schraube von 2,08 m Durchmesser. Der Rumpf ist skiff-förmig ausgebildet und vollständig wasserdicht hergestellt. . Das Fahrgestell ist äußerst stabil und bestelit aus zwei Kufen, welche einerseits mit dem Rumpf am Führersitz und Flugmaschine Ursinus. (Vorderansicht.) andererseits durch Stützen mit dem vorderen Teil des Rumpfes kurz hinter dem Motor verbunden sind. Die beiden Kufen sind an je einem Räderpaar mit Gummischnüren aufgehängt. Die tragende Schwanzfläche ist dreieckförmig ausgebildet und, ebenso wie die Tragdecken, sehr elastisch. Die Haupttrag- decken sind nur einseitig bespannt. Ursinus beabsichtigt, demnächst systematische Luftdruck- messungen an den Tragdecken vorzunehmen. Die vorliegende Konstruktion zälılt zu den elegantesten und am saubersten ausgeführten Maschinen in Deutschland. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Der Aero-Club de France hat mit der Geueralversammlung, die er am vergangenen Freitag unter dem Vorsitze seines Vize- präsidenten, des Grafen de la Vaulx, abhielt, sowie mit der am Abend darauf in dem großen Amplıitheatersaale der Pariser Sor- bonne veranstalteten Feste, bei welclıer die feierliclie Verteilung der Preise an die Sieger des Jalıres 1909 vorgenommen wurde, die Bilanz der französischen Aviation für das vergangene Jalır No. 6 1 FLUVSPO R T “ Seite 166 vezogen, eine Bilanz, die sowolıl mit Bezug auf den gegenwär- tigen Stand der flugtechnischhen Bewegung, als auclı Iinsichtlichh der Wirksamkeit des Aero-Club innerhalb derselben als eine vor- zügliche bezeichnet werden muß. Nicht olıne ein gewisses Neid- gefühl hören wir den Bericht des Generalsekretärs Besancon, welcher uns ein übersichtliches Bild gibt von der Entwicklung der französischen Aviation-im Jalıre 1909, von der spontanen Be- geisterung in allen Bevölkerungsschichten, aus denen tagtägliclı inner neue Mitarbeiter sich zu dem Werke einfinden, von der beispielslosen Opferwilligkeit jener Kreise, die sicli durcli anselın- liche materielle Beilıilfen die Förderung der gewaltigen Bewegung angelegen sein lassen. Mit berechtigter Genugtuung konnte der Bericht hervorheben, daß sich die 1500 Mitglieder, die der Aero- Club jetzt zählt, nicht an der platonischen Aufmerksamkeit für die aviatische Bewegung Genüge sein lassen, indem sie etwa glauben Könnten, durch Hergabe von pekuniären Hilfsmitteln ihre Schuldigkeit getan zu haben: ein jeder setzt seinen Ehrgeiz da- rein, praktisch mitzuarbeiten an dem großen Werke, das die Menschheit im Karnpfe geren das Element zu vollbringen im Begriff ist. Innerhalb des Clubs zälılt man gegenwärtig 130 Pi- lotenpatente für sphärische, 10 für Lenkballons und 34 für Flug- maschinen. Die Summen, die im Jahre 1909 durclı den Aero- Club in den verschiedenen Bewerben an Piloten und Konstruk- teure zur Verteilung gelangt sind, belaufen sich auf die ansehn- lichie Ziffer von 600000 Francs. Für das Jalır 1910 stellt der Aero-Club selbst an Preisen, Pokalen und sonstigen Wertgegenständen einen Betrag von 400000 Frs. zur Verfügung Dazu kommen die Beträge, welche für die verscliiedenen, offiziell anerkannten Meetings dieses Jahres als Preise garantiert sind, und die die Summe von eineinhalb Millionen Francs über- steigen, sodaß also an zwei Millionen Francs für die Aviation in diesem Jalıre an Preisen bereit gestellt sind. Fürwalır, ein stolzes Resultat, das, so sollte man meinen, auf andere Länder anspornend wirken müßte. Einer der feierlichisten Momente des Abends aber war es, als Michelin seinen Pokal dem Sieger aus dem Jalıre 1909, Henri Farman, mit einer herzlichen Ansprache überreichte. Gleichzeitig mit dieser mehr dekorativen Verlierrlichung der aviatischen Bewegung Frankreichs hat hier auch der praktisclie Flugsport in dem Maße eingesetzt, als die beginnende mildere Witterung die Benutzung der bis dahin ungastlichen Flugfelder nach und nachı wieder ermöglicht. Effektvoller konnte die neue Flugsaison sicherlich nicht eröffnet werden, als durch die präch- tigen Leistungen von Henri Farman und Rougier, welche in hie- sigen Fachkreisen eine berechtigte Sensation hervorgerufen ı1aben. Henri Farman lıat am vorigen Sonnabend zu Mourmtlon-le- Grand einen Flug mit zwei Passagieren über nalıezu 8I km in I Stunde 2 Minuten 25 Sekunden zu Wege gebracht und damit einen neuen Passapier-Rekord aufgestellt, der seinen eigenen bis- herigen (von 16 Minuten 35 Sekunden) ganz beträchtlich ver- Seite 167 „FLUGSPORT“. No. 6 bessert. Interessant ist hierbei, daß außer Mr. Hewardson, dem Korrespondenten der Londoner „Daily Mail“, auch eine Dame, eine Frau Franck, diese Fahrt mitgemacht hat. Der Ap- parat, mit dem Farman diese Leistung vollbracht hat, ist von ihm vor etwas mehr als einem Jahre gebaut, aber bisher öffentlich nicht benutzt worden. Er war ursprünglich für die Reimser Woche bestimmt worden, im letzten Augenblick aber platzte bei einem Versuche der Motor, sodaß Farman die Maschine bei Seite stellen und das bekannte Meeting in der Champagne mit einem ihm von einem Kunden geliehenen Apparat bestreiten mußte. Später hhat Farman den Motor ersetzt, dochı stellte es sich heraus, daß der Apparat, obzwar ziemlich schnell, doch nicht stabil genug einge. Er behielt ihn deshalb für seinen eigenen Gebrauclı zurück und mit ilım hat er jetzt die schöne Passagierfahrt aus- geführt. Aber auclı sonst geht es in Mourmelon recht lebhaft zu und namentlich van den Born und der bereits früher erwähnte Chavez machen durch ihre andauernden rapiden Fortschritte viel von siclı reden. Van den Born flog dieser Tage vom Felde zu Mourme- lon nach der Stadt Reims und zurück nach der Abilugstelle in 66 Minuten ıhavez erhob sich mit seinem Farman-Zweidecker am Mittwoch bis zu einer Höhe von 510 m, ging dann langsam auf 200 m herab und stellte dann die Zündung ab, worauf er schwebend glatt und sicher den Boden erreichte. Am Tage vor- her hatte Chavez einen Flug von I Stunde 47 Minuten ausge- führt, was umso bemerkenswerter ist, als dies der sechste selb- ständige Aufstieg des außerordentlich gewandten Piloten war! Weniger glücklich war Legagneux, der Leiter der Voisin-Schule, der aus einer Höhe von 10 m herabstürzte, glücklicherweise, ohne sich ernste Verletzungen zuzufügen. ‚Crochon, der am Montag einen Flug von 6l Minuten über 70 km in Höhen von zwischen 40 und 150 m ausgeführt hatte, stürzte am ’Tage darauf ab, nachdem sein Zweidecker infolge eines falschen Steuerungsmanövers gegen die den Flugplatz ein- säumenden Eichenbäume angerannt war. Der Apparat wurde stark beschädigt; der Pliot blieb unverletzt. Auch Frey hatte Pech: er kollidierte mit dem Apparate des Hauptmanns Moreau, .doch kamen beide mit dem Schrecken davon. Jetzt wird zu Mourmelon zwischen der Farman- und der Voisin-Schule noch eine solche von Bleriot eingerichtet, deren Leitung Borel über- nimmt. Uebrigens ist van den Born dieser Tage für seinen Flug von Chalons nach Reims das Pilotenpatent erteilt worden und beabsichtigt der Belgier nunmelir, an dem Meeting von Nizza teilzunehmen. Auch Chavez hat sich für diesen Bewerb ein- schreiben lassen. . Die zweite Sensation bildet, wie scl on oben erwälınt, die Serie von Flugleistungen, die Henri Rougier augenblicklich zu Monakv vollführt, wo er begreiflicherweise Gegenstand vielfacher Ovationen ist. Zu wiederholten malen hat Rougier, von denı Uferquai zu Monako abfliegend, Fahrten über die See hin unter- nommen, wobei er das bekannte Kap Martin umsegelte. Auch nach der Landseite zu unternahm er waghalsige Flüge, wobei No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 168 er am letzten Mittwoch bis_zu 1000 m über dem Meeresniveau aufsteigend, sich über den Gipfel der Turbie erhob. Sowohl der Fürst von Monako, als auch sämtliche Notabilitäten des Ortes wohnen täglich mit großem Interesse den Flugexperimenten Rougiers bei. Die rührigste der Bl&riot-Schulen ist unzweifelhaft diejenige in Fau. Dort sind nicht weniger als 18 Eleven im Augenblick ätig. Pariser Brief. Oben: Zweidecker Maurice Farman. (50 qm Tr., 50 PS Renault). Mitte: Doppelflächner von Cö6sar. (4 Zyl. 50 PS Prini-Berthaud). Unten: Eindecker von Peugeot. (50 PS Gnom). .. Miß Spencer scheint nicht reclıt inGang komnıen zu wollen. Ciraham White hat schon Flüge von einigen Kilometern zurück- legen können. Bleriot selbst steigt lıin und wieder auf. Dieser Tage machte er auf einem seiner Eindecker der Wright-Schule einen Besuch. Die Landung naclı seiner Rückkelır vollzog sich Seite 169 „FLUOGSPORT“. No. 6 niclit olıne Unfall, weil Bleriot sicli in der Abschätzung der Ent- fernung von der Erde geirrt hatte. Einen kleinen, aber folgen- losen Unfall lıatte Baron von Unruli, der in zelın Meter Höhe die Zündung abstellte und ungeschickt landete. Der Apparat wurde beschädigt. In Issy-les-Moulineaux beginnen jetzt bei besserer Witte- rung wieder einige Flugübungen. Namentlich rührig sind de Lesseps, Busson und Bunau-Varilla. Ein einbeiniger Pilot, namens Cesar, sowie Kauffmann haben sich als neue Flugschüler einge- funden. Beide haben bisher den Boden noch nicht zu verlassen vermocht. Busson unternahm dieser Tage den Versuch, sich mit einem achtmaligen Fluge um die 633 m messende besonders ab- gesteckte Flugbaln um das Pilotenpatent zu bewerben. Aber schon nach 3 km mußte er landen, angeblich weil sein Motor heißgelaufen war. Der Apparat Lorr&-Witzig u. s. w. rollt noch immer auf dem Boden. Ein neuer Apparat ist auf dem Felde von Issy eingetroffen; es ist dies der von Regy fröres gebaute Apparat Peugeot, ein Eindecker von 93 m Länge und 10,2 m Breite. Seine Schraube wird durch einen 50 PS Gnom-Motor angetrievden. Der von Goux zu steuernde Apparat wiegt, ein- schließlich des Piloten, 350 kg. Der Zweidecker von Maurice Clement beginnt sich endlich in die Luft zu erheben; er hat schon kurze Distanzen zurücklegen können. Auch Olieslagers ist in Issy angekommen. Sein eklatanter Mißerfolg in Algier scheint sein Selbstbewußtsein nicht erschüttert zu haben, denn er gefällt siclı darin, seine „Pläne für die Zukunft“ zum besten zu geben. Er hat tatsächlich einen neuen Bleriot-Eindecker (mit einem Fünizylinder-Motor) erworben und will sich damit nach Spanien begeben, wo er zunächst vom 1. bis 7. Mai zu Sevilla, später in Barcelona und Madrid Flugversuche anstellen will. . Spanien scheint jetzt überhaupt als das Eldorado für die- jenigen Flugschiffer angesellen zu werden, die — es erst werden wollen. So geht Edmond Poillot, der vor einem Jahre einmal einen schüchternen Flugversuch gemacht hat, mit einem Voisin- Zweidecker nach San Sebastian, von wo aus er die ganze iberi- sche Halbinsel bereisen will. Der Apparat ist von einem neuen Modell, er hat 11 m Länge und eine Spannbreite von 10 Meter; seine Tragfläche mißt 36 Quadratmeter. Einschließlich des 50 PS Gnom-Motors wiegt er 350 kg. Auch Plaisetty will in San Sebastian sich vor Alions Xlll produzieren und Leblanc, Barrier, Tyck, Kühling gehen nach Sevilla, wo vom 1. bis 7. April eine große Aviationswoche stattfindet. In Reims ist außer der Schule Hanriot, in der Wagner, Geltenniaux, Mansion u. a. experimentieren, auch Mignot mit einem Voisin-Apparat tätig. Obgleich er erst wenige selbständige Auistige unternommen hat, vermochte er doch am Dienstag schon einen 30 Minuten-Flug zu Wege zu bringen, wobei er eine Flugliöhe von 15 m inne hielt Die Organisation des Meetings von Reims, die wiederum in den Händen des Marquis de Polig- nac liegt, schreitet gut voran. Als Datum dieser Veranstaltung ist bekanntlich der Monat August in Aussicht genommen. Sogar in Juvisy, dem Schmerzensaerodrom, beginnt eine zwar noclı zaghafte Tätigkeit. Hier ist es Gaudart, der einige kurze, No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 170 aber gelungene Flüge ausführt. Dieses Aerodrom vor den Toren von Paris soll wieder einmal eine „vollständige innere Umgestal- tung“ erfahren. Eine neue Gesellschaft hat sich zu dessen Be- triebe gefunden, die mit hinlänglichen Mitteln ausgerüstet sein soll, um die Dinge, wie es heißt, „in grandiosern Maßstabe“ zu arrangieren. ı u Die hübschen Fortschritte, welche seit längerer Zeit schon von Molon, der in Saint-Adresse, 7 km von Havre, sein Quartier aufgeschlagen hat, gerneldet werden konnten, haben sich neuer- dings noch accentuiert. Am letzten Donnerstag hat Molon mit seinem Bleriot-Eindecker, trotz ziemlich heftigen Windes, einen 50 km Flug ausgeführt und nur das Einsetzen eines starken Regens zwang ihn schließlich zu landen. Molon soll übrigens die ernste Absicht haben, demnächst seinen angekündigten, Flug von Havre nach Trouville zu unternelimen. Er wird dabei das bekannte Seine-Delta zu überfliegen haben, in dem besonders widrige Windverhältnisse herrschen. Aber der Pilot scheint sich seines Apparats sicher zu fühlen. on Maurice Farman setzte in letzter Zeit seine Flugexperimente zu Buc ununterbrochen fort, hatte auch mehrere Flüge von mehr als einer Stunde und in Hölıen von fast 150 Metern zu verzeicli- nen, brachte aber sonst keine Sensationen. Dagegen ging es in der Schule von Roger Sommer zu Douzy sehr lebhaft zu. Som- mer selbst erlıob sich am Mittwoch Vormittag bei ziemlich scharfen Winde, erreichte bald eine Höhe von 50 Metern, wandte sich als- dann gegen die Stadt Villiers, überflog diese, sowie den Meuse- Fluß und gelangte nach Remilly; hier stieg er höher, passierte die überschwermmten Ebenen von Balan und Bazeilles, über den dichten Wald von Bazeilles, überflog die Linie von Luxemburg, als eben ein Schnellzug unter ihm wegfuhr und gelangte nach Sedan, wo er umkehrte, um auf gleichem Wege, ohne jeden Un- fall auf seinem Flugfelde schießlich zu landen. Der Apparat, der einen Gnom-Motor hat, zeigte sich in jeder Hinsicht leistungs- fähig. Sommer hat jetzt eine große Anzahl von Schülern ; neuer- dings ist auclı der ehemalige Motorfahrer Amerigo lıinzuge- kommen. Außerdem sind zu nennen: Verstraeten, Petrowsky, Bouvier und Paillette, von dem oben die Rede war. In Chartres sollen auf dem _ dortigen Manöverfelde große Fliegerhallen errichtet werden. Ein Deutscher, namens Sclımidt, at einen Zweidecker dorthin geschafit, den er gegenwärtig aufmontiert. Auch in der Nähe von Casteljaloux will man ein Aerodrom schaffen, wo Bertin, der ehemalige Meisterradfahrer seine Flug- experimente vornelimen will. Eine Bahn von 15 km bei 600 m Breite ist vorgesehen. Ein militärischer Flugpark wird bei Saint- Cyr gegenwärtig angelegt. Genietruppen sind mit der Errichtung der Hailen und den sonstigen Arbeiten beschäftigt. Von neu beschlossenen aviatischen Veranstaltungen sind zu nennen: das Meeting von Niort, das schon in der Osterwoche vor sich gehen soll und in dem de Lesseps und Buisson Bl£riot- Eindecker und Dosiel einen Voisin-Zweidecker steuern werden. Ferner das Meeting von Caeı, das Ende Juli vor sich gelien soll Seite 171 „FLUGSPORT“. No. 6 und für das bereits 190,000 Frs. gezeichnet sind. Die Commission Aerienne Mixte verlangt allerdings, daß ein Garantiefonds : von 250,000 Fr. vorlıanden sei; aber es unterliegt keinem Zweifel, daß der fehlende Betrag noch aufgebraclt wird, zumal Henri Deutscl: de la Meurtlie das Elrenpräsidium dieser Veranstaltung über- nommen hat. j Die Woche vonLyon verspricht sehr interessant zu werden, Die neu angelegte Balın wird 1666,66 m umfassen, sodaß die 6 malige Umaquerung eine Distanz von 10 km ergeben wird. Die Vor- arbeiten sind eifrig im Gange Für das Meeting von Anjou, das in der ersten Hälfte des Juni stattfinden wird, hat der Gemeinderat der Stadt die Preise garantiert. Tissandier und Zens haben sich dortliin begeben, um ihren fachmännischen Rat zur geeignetsten Umgestaltung des Manöverfeldes zum Aeredrom zu erteilen. Die große Woche von Biarritz beginnt am 27. März und endet am 3. April. Die Veranstalter haben ein Kapital von 100,000 Fr. ver- einigt. Das zwischen Biarritz und Bayonne gelegene Aerodrom ist sehr vorteilhaft eingerichtet und es läßt sich erwarten, daß gerade dieses Meeting, ähnlich wie das von Nizza, die elegante Welt anziehen wird. Ein spanischer Aviatiker, de Salamanca, hat in Biarritz von dem Konstrukteur Nicolas einen Eindecker von 13 m Länge nach eigenen Ideen bauen lassen, mit dem er an dem vorerwähnten Meeting teilnehmen will. _ Für das Meeting von Cannes, über dessen Einzelheiten wir eingehend berichtet haben, und das am 12. April mit einer 3 Tage dauernden Ausstellung der Flugmaschinen seinen Anfang nimmt, sind nunmehr definitiv gemeldet: 1. Hans Grade (Eindecker Grade, Motor (Grade). 2. Henri Rougier (Zweidecker Voisin, Motor E.N. V.) 3. Hubert Latham (Eindecker Antoinette, Motor Antoinette). 4. Riemsdyck (Zwei- decker Curtiß, Motor Curtiß). 5 Sands (Eindecker Antoinette, Motor Antoinette). 6. Mortimer-Singer (Zweidecker Farman, Motor Gnom). 7. Van den Born (Zweidecker Farman, Motor Gnom). 8. Metrot (Zweidecker Voisin, Motor E. N. V.) 9. Le Blon, (Ein- decker Bleriot, Motor Cnom). 10. Duray (Zweidecker Farman, Motor E. N. V.) 11. Effimoff (Zweidecker Farman, Motor Gnom), 12. Geo. Chavez (Zweidecker Farman, Motor Gnom). 12. Olies- _ lagers (Eindecker Bleriot, Motor Anzani). 14. Swenson (Zwei- decker Voisin, Motor E. N. V.). | Natürlich wendet sich das Hauptinteresse den beiden wich- tigsten Veranstaltungen zu: Der Großen Woche des Aero-Club de France, die im September auf dem neuen Aerodrom von Croix d’Hins:bei Bordeaux abgehalten wirdund für welches 200,040 Fr. an Preisen bestimmt sind, und dem “Gordon Bennet-Pokal für Aeroplane, der bekanntlich in den Vereinigten Staaten, und zwar, wie der Aero-Club von Amerika soeben beschlossen hat, zu Saint Louis (im Staate Missouri) vor sich gehen wird. Als Terıiin ist der Monat Oktober festgesetzt; die amerikanischen Aus- scheidungsbewerbe zu diesem großen Bewerbe werden im Sep- tember zu Indianapolis abgehalten werden. Wie es den Anschein hat, werden die (jebrüder Wirielit, nachdem sie nunmelır die Sperre während der Dauer dieses Meetings aufzuheben erklärt haben, starke Konkurrenz aus der alten Weltbekommen. Jeden- No. 6 „FLUGSPORT.“ Seite 17% falls machen die Franzosen große Anstrengungen zu diesem Mee- ting. Nebenlier geht hier eine ganz auffällig heftige Campagne gegen die Gebrüder Wright, in der fast täglichı neue Namen auf- treten, und dieser Tage hat das Syndikat Generale de l’Aviation den Beschluß gefaßt, auf Kosten der genannten Vereinigung einen Prozeß gegen Amerikaner anzustrengen, der die Aufllebung der von den amerikanischen Gerichten ausgesprochenen Entscheidung in Sachen der bekannten Patentaffaire zum Ziele hat. Das ist aber bekanntlich nicht nur in Amerika eine langwierige Sache und inzwischen werden die Europäer auf den „guten Willen“ der Wrights angewiesen sein, die sie übrigens nicht ohne Not reizen sollten, weil sonst schließlich sich die Amerikaner die Sache wieder überlegen könnten. Wie telegraphische Meldungen besagen, sind die Gebrüder Wright im Augenblick mit der. Installation des Aerodroms zu Newport (Rhode Island) beschäftigt. Dort will sich Wilbur Wriglit zur Verfügung der sensationslüsternen New-Yorker Millionäre halten, von denen sich schon eine große Anzahl für Aeroplan- flüge mit dem Amerikaner haben einschreiben lassen. Uebrigens wird soeben bekannt, daß der bekannte Multimillionär Andrew Carnegie einen Preis von 25,000 Dollars ausgesetzt hat für den ersten Schüler des von ihm gegründeten Polytechnikums, der einen flugfähigen Flugapparat gebaut haben wird. Die Vorgänge, die sich sonst in den allerletzten Tagen „jen- seits des großen Teiches“ abgespielt haben, entbehren nicht einer gewissen Komik. Man weiß, wie die Amerikaner es verstanden haben, Paulhan, dessen Erfolge von Los Angeles doch etwas zu grosse waren, aus dem Lande „herauszugraulen“. Entmutigt gab der arme gehetzte Paulhan den ungleichen Kampf auf und ent- schloß sich, heimzukehren. Vor einigen Tagen wırde dann be- richtet, daß die Anwälte Paulhans vom New- Yorker Richter Hands eine zeitwillige Suspension der Verfügung zugunsten der Wrights erwirkt hätten, sodaß der Franzose die Möglichkeit erlange, den New-Yorkern etwas vorzufliegen. Zwei Tage später hieß es, daß Paulhan jeden weiteren Flugversuch in den Vereinigten Staaten aufgebe und sich nach Europa einschiffe. Mußte dies schon nach dem Voraufgegangenen nicht recht verständlich erscheinen, so gewann das Ganze aber noch ein besonders interessantes Aus- sehen, als am Sonntag Telegramme aus New-York eintrafen, daß Paulhan dort am Sonnabend vor einem nicht zahlenden Publikum auf einem Farman-Zweidecker zwei Flüge von zwei bezw. drei Kilometern in einer Höhe von 200 bis 300 m ausgeführt habe. Wilbur Wright war mit seinem Rechtsbeistand Delancey Nicoll persönlich erschienen und konstatierte „die gesetzwidrige Be- nutzung seines patentierten Systems“. Paulhan demonstrierte öffentlich, daß er sich der umstrittenen Steuervorrichtung garnicht bedient habe und das Publikum soll vielfach für ihn Partei ge- nommen haben, aber Wright nahm protestierend das Protokoll auf und entfernte siclı alsdann.. Am Montag wiederholte Paulhan seine Flugvorführungen, diesmal vor zahlendem Publikum. Er lıatte zu diesem Zwecke, wie es die Verfügung des amerikanischen Richters verlangte, 6000 Dollars hinterlegen müssen. Nun ist er „zu Schiff nach Frankreich‘. . RI. Seite 173 „FLUGSPORT“. No. 6 Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Im März vorigen Jahres konnten wir von der ersten briti- schen Aero-Ausstellung berichten. Die zweite britische Aero- Ausstellung, die jetzt (vom 11. bis 19. März) wiederum in der Olympia-Halle stattfindet, unterscheidet sich von der vorjährigen sehr wesentlich dadurch, daB sie den großen Aufschwung der englischen Flugmaschinenindustrie deutlich erkennen läßt. Im vorigen Jahre waren die französischen Maschinen auf der Aus- stellung bei weitem in der Ueberzahl; dies Jahr ist das Verhält- nis umgekehrt, und man bemerkt mehrere neue Firmen, welche sich jetzt dieser Industrie widmen. Es sind in Olympia im ganzen 33 Flugmaschinen ausgestellt, nämlich 22 Eindecker, 10 Zwei- decker und ein Dreidecker. Von diesen sind 10 Maschinen im Auslande und alle übrigen in England gebaut. Von den franzö- sischen sind Farmans Biplane ausgestellt, welche die Weltre- korde für Zeit, Höhe und Entfernung besitzen, Bleriotsche Mo- noplane und Fabrikate von Sommer, Clement und Gregoire (Surısnes). Von englischen Maschinen begegnen wir wieder den Fabrikaten von Slıort Brotliers, Handley Page undHoward Wright, die schon im vorigen Jalire ausstellten, und etwa ein Dutzend neuer Firmen Short Brotliers, die aeronautischen Ingenieure für den Royal-Aero-Club und alleinigen Agenten für die Gebrüder Wright in England, stellen auch eigene Maschinen mit verschie- denen patentierten Neuheiten aus. Von den neuen Firmen heben wir die „Britisıı and Colonial Aeroplane Co.“ hervor, die mit einem Kapital von 500000 Mk. in Bristol von der Familie White gegründet ist. Ihre Fabrikate tragen den Namen „Zodiac“. Die irma scheint, naclı ihrem Namen zu schließen, hauptsächlich auch auf Export nach den Kolonien zu rechnen. Ein ganz besonders gut ausgeführter Monoplan ist von Mul- liner Ltd., einer bedeutenden Carosserie-Fabrik in Nortlillampton, ausgestellt. Den besten Eindruck auf der ganzen Ausstellung macht jedoch naclı den Urteile aller Besucher der Stand der Humber Company, wo ein Monoplan und ein Biplan naclı dem System Lovelace .und zwei Monoplane nach dem System Le Blon-Delagrange ausgestellt sind. Ganz besonders interessant ist : das sogenannte „racing model“, gezeichnet von Le Blon naclı Plänen, welche der verstorbene Delagrange hinterlassen lıatte. Der ganze Rumpf der Maschine von der Luitschraube bis zum Steuerdeck besteht aus einer etwa 25 Fuß langen und sich nach hinten verjüngenden Holzröhre, die mit Canvas bedeckt ist. So ist der Luftwiderstand auf das geringste reduziert, alle Drähte und Verbindungsstücke u. s. w. fallen weg, und die ganze Maschine macht den Eindruck unübertreffliclier Einfachlieit und Sauberkeit. Es ist wohl nicht fraglich, daß diese Form bald auch von anderen Konstrukteuren angewandt werden wird. Im folgendenden stellen wir die übrigen englischen Maschi- nen auf der Ausstellung zu einer Liste zusammen. 1. „Ayis Eindecker, von dem „Scottish Aeroplane Syn- icate * „Flugsport“, Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine 1910. Druckpunktverschiebung in °/, der Plattenbreite von der Plattenmitte aus gemessen bei verschiedenen Winkeln zwischen Luftstrom und Wölbungssehne nach verschiedenen Autoren. Tafel IM. o° 4 M :Tn w,Y v1 :T, MD) ua, 30% 65% 8% 15% 10% 5% No. 6 | „ELUGSPORT". Seite 174 „Ornis-Monoplan“, von R. Lascelles & Co., London. „Petre-Monoplan“, von Leo Ripault & Co., London. „Spencer -Stirling-Monoplan“, gebaut von der Firma „Berliet Motors“, London. „Star-Monoplan“, von der Star Engineering Co., Wolver- hıampton. 10. „Twining-Biplan“, von der Twining Aeroplane Co., Han- well (Middlessex). _ 11. Monoplan von Warwick Wriglit Ltd., London. 12. „Demoiselle-Monoplan“ (naclı Santos - Dumont) von Mann & Overton Ltd., London. Motoren sind im ganzen 46 ausgestellt, in allen Stärken, von 5 PS bis über 100 PS. Die meisten der oben genannten Firmen fabrizieren auch Motoren. Sehr lehrreich ist auch eine Zusam- menstellung von 56 verschiedenen Holzarten, die für den Aero- pranbau brauchbar sind, ausgestellt von W. Mallinson & Sons, ondon. Auch dies Jalır wieder ist mit der Aero-Ausstellung eine ausgezeichnete Ausstellung von Motorbooten verbunden. Man hörte unter den Besuchern der Ausstellung viele fran- zösisch sprechen, woraus wolıl der Schluß gezogen werden kann, daß auch die französischen Fabrikanten die Bedeutung dieser englischen Ausstellung würdigen. Als einen neuen erfolgreichen englischen Flieger nennen wir Mr. A. Rawlinson, der auf dem Flugstunde der Firma Handley Page in Barking (Essex) mit einer Farman-Maschine 10 km weit flog und eine Höhe von 30 m erreichte. 2. „Aeroplane”, Dreidecker, von A. V. Roe & Co., Man- chester. 3. .G. u. J.”, Zweidecker, von(eorge & Jobling, Newcastle- on-Tyne. 4. „Lane Monoplane“, von Lanes British Aeroplanes Ltd., London. 5. „Nicholson Monoplane“, gebaut von Holland & Holland, London. 6. 7. 8. d. UeberdieErfindertätigkeitaufdem Gebiete der Luftfahrzeuge. -- Ein-Mahnwort von Ingenieur Oberlehrer Alfred Freund, Leipzig. Es liegt in der Natur des Menschen begründet, daß sich seit Anfang der Entwicklung der Luftfahrzeuge hauptsächlich Laien als Erfinder betätigten. Die Sehnsucht, sich von der Erde in die Luft zu erheben, ist eben rein menschlicher Natur und entsprang nicht fachmännischem Interesse. Man kann die Tätigkeit jener Erfinder nicht hoch genug einschätzen. Sie waren die, die der Welt neue Ziele zeigten und besassen den Optimismus, ohne den hohe Ziele überhaupt nicht erreichbar sind. Ihnen gebührt vor allen Dingen das Verdienst, Techniker und Ingenieure zu ernstem Schaffen aufgerüttelt zu haben. Damit ist aber gleichzeitig eine Wandlung vollzogen, der heute nicht genügend Rechnung getragen wird. Seite 175 „PLUGSPORT“. No. 6 Es ist aus planlosen Versuchen und sprunghaften Ideen durch zielbewußtes Arbeiten ein neuer Zweig der Technik entstanden. An Stelle des Erfinders hat nunmehr der Konstrukteur zu treten, derjenige, der mit dem Rüstzeug technischer Wissenschaft versehen, an die Aufgaben herangeht, die ihm die Erfordernisse auf dem Gebiete des Luftverkehrs stellen. Man wciß heute, welche Wege der Konstrukteur zu gehen hat, um Brauch- bares zu schaffen, welche theoretischen Grundlagen noch fehlen und wie diese zu beschaffen sind. Es liegen schon eine große Menge von Erfahrungen vor, die der Konstrukteur gelernt hat in Anwendung zu bringen. Damit beginnt eine neue Periode schaffender Tätigkeit, eine Periode, die dadurch gekennzeichnet ist, daß das durch den Techniker angewandte konstruktive Mittel wenigstens voraus- sichtlich zum Ziele führt. Es ist kein bloßes Tasten mehr, eine Spekulations- tätigkeit, sondern ein zielbewußtes Arbeiten. Neben dieser Entwickelung ist die ursprüngliche Praxis des sogenannten „Erfindens“ zu einer krankhaften, also hemmenden Nebenerscheinung geworden. Diese Erscheinung kennzeichnet sich dadurch, daß, trotzdem wissenschaftliche Beobachtungen und Erfahrungen, überhaupt ein Rüstzeug für die Konstruktion bereits vorliegt, eine ungeheure Menge Menschen auf dem fraglichen Gebiete Erfindungen machen wollen, ohne die geniügende Kenntnis des Vorangegangenen und der technischen Hilfsmittel, die zur Konstruktion zur Verfügung stehen. Ungeheure Kräfte werden hier mit unzulänglichen Mitteln, sowohl in geistiger als auch materieller Beziehung vergeudet. Jeder will durchaus etwas neues machen, ohne eine Ahnung vom Werden des bereits Bestehenden oder von den schlechten Erfahrungen zu haben, die vor ihm anderen die Augen öffneten. Jeder glaubt etwas besonderes geleistet zu haben, Jeder sucht einen Kapitalisten zur Ausbeutung „seiner“ Erfindung. Wieviel gesünder würde die Entwickelung gestaltet werden können, wenn diese Leute sich mit einem Fachmanne in Verbindung setzten, um entweder sich von der Unzulänglichkeit ihrer Idee überzeugen oder feststellen zu lassen, daß etwas ähnliches schon ins alte Eisen geworfen wurde oder sich bewährt hat und anderswo als ausprobiert zu kaufen ist. Oder wenn der Bemittelte sich ein bewährtes Luftfahrzeug kaufte und an diesem Erfahrungen zu machen versuchte, um dann eventuell Verbesserungen anzubringen, am besten mit Hilfe eines bewährten Fachmannes ? Muß denn durchaus jeder etwas erfinden ? Es fragt sich nun, ob es Möglichkeiten gibt, den bestehenden krankhaften Zustand zu beseitigen, da wir nun einmal mit menschlicher Unvollkommenheit zu rechnen haben. Hier können die flugtechnischen Vereine Bedeutendes leisten durch Aufklärung und zwar in doppeitem Sinne. Einmal können sie dem Laien durch Vorträge und ähnliche Mittel zeigen, daß so eine Flugmaschine oder ein anderes Luftfahrzeug nicht gar so einfach ist, daß man sich nicht ohne weiteres an eine Tragdecke Rängen kann und nun hinaus in die Welt fliegen, sondern daß so eine Maschine ein recht verzwicktes Ding is. — Auf diese Weise würde schon ein Teil der sogenannten Erfinder abspringen und Konstrukteuren Platz machen. Ferner sollten die flugtechnischen Vereine sich angelegen sein lassen, die technisch veranlagten oder gebildeten Elemente zu sammeln und diese durch Kurse, Vorträge u. dgl. fortbilden. Ein weiteres Mittel, um gesunde Verhältnisse zu schaffen, sind Prüfungs- Kommissionen für Neuerungen, die den flugtechnischen Vereinen angegliedert werden können. Diese Kommissionen, die sich aus wirklichen Fachleuten zusammensetzen müssen, müßten ihnen vorgelegte Neuerungen eingchend prüfen und ihre Meinung zum Ausdruck bringen. Erachten sie die ihnen vorgelegte Erfindung als unbrauchbar, so müssen sie versuchen, den Erfinder in mündlicher Verhandlung aufzuklären, damit er seinen Plan fallen läßt und nicht unnütze Kräfte und Geld für die aussichtslose Sache verausgabt. Scheint die Sache aus- sichtsreich zu sein, so kann die Kommission dem betreffenden Erfinder ihre Meinung schriftlich geben und dieser mag versuchen, einen Kapitalisten für seine Sache zu interessieren. Viel besser wäre es aber auch hier, solche Neuerungen, die Aussicht auf Erfolg haben, nicht durch neuzugründende Fabrikationsstätten herstellen zu lassen, sondern von Firmen, die auf dem Gebiete des Baues von Luftfahrzeugen Erfahrung haben und beim Bau noch einige Ideen hinzubringen No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 176 j i ) i ten Idee önnen, denn es ist durchaus nicht gesagt, daß der Mann mit der gu Auch der ist, der sich für die Durcharbeitung und Ausführung dieser Idee am ignet. Bee Fort mit der Erfindungswut und hervor mit Konstruktionen auf Grund- lagen, die wir zum Teil_schon entwickelt haben, zum Teil mit allem technischen und wissenschaftlichen Rüstzeug entwickeln wollen! Gerinan constructors to the front! Die Wahrheit über den Unfall Delagrange’s. Der Todessturz dieses bekannten Aviatikers hatte in der ganzen Welt großes Aufsehen erregt und über die Ursachen ist sehr viel geschrieben und noch mehr behauptet worden. In der französischen Zeitschrift „L’Ae&rophile veröffentlicht Herr Andr& Noel einen Artikel, in welchem er eine genaue Unter- suchung des zertrümmerten Apparates gibt und zu Resultaten gelangt, die sicher interessant sein dürften. oo Es ist durchaus nicht zu spät den Unfall Delagrange’s noch einmal zu besprechen, vor allem nicht den Versuch zu machen, diesen Punkt in der Ge- - schichte der Aviatik zu präzisieren. j Denn wenn man unter den zahlreichen Hypothesen über diesen Punkt ein wenig aufgeräumt hat. scheint es nicht, daß man überhaupt einen Bericht heraus- gegeben hat, der sich mit den tatsächlichen Feststellungen deckt, welche man an dem an der Erde liegenden Apparat nach dem Sturze herausfand. Und es ist von Wert, diese Uebereinstimmung festzustellen, weil nur sie uns den wahren Tatbestand erbringen kann, aus dem wir einige nützliche Lehren für die Zukunft schöpfen können. Schon am ersten Tage verbreitete sich das Gerücht, der Unfall sei durch den Bruch eines Flügejs eingetreten Und alsbald gab sich jeder alle mögliche Mühe die Ursache des Bruches herauszufinden. Für die einen stand fest, daß die Spannschlösser gebrochen waren; für die anderen — die Spanndrähte; wieder andere dachten an das Seitensteuer; einige schoben die Schuld auf das Holz der Flügel ; sogar die Güte der Stoffbespannung ifelt. u ee e ewvar geschahen diese Angaben so bestimmt, daß der große Bleriot sich herablassen mußte, für seine ungerechfertigter Weise angezweifelte Kon- ion in die Schranken zu treten. er Hiese riesenhaften Anstrengungen wären durchaus nicht nötig gewesen und eine hinreichend aufmerksame und kritische Prüfung der Tatsachen würden genügt haben, den Beweis zu liefern, daß die Ereignisse sich viel einfacher ab- spielten. Ich meinerseits stand aber der Sache sehr skeptisch gegenüber. Darum ergriff ich die Gelegenheit während eines kurzen Aufenthaltes in Bordeaux, zum Platze des Unfalles hinauszugehen, um mich persönlich dort zu erkundigen. Dann, nachdem ich die Augenzeugen sorgfältigst befragt und die Orts- gelegenheit in allen Einzelheiten Tgenau betrachtet hatte, erkundigte ich mich nach der Stellung der Zuschauer, der Windrichtung, den Manövern, die der Aviatiker ausgeführt, der Stellung jedes einzelnen Beobachters und der Möglich- keit zu beobachten, dem Eindruck, den das Anschauen des Unfalles verursachte — kommentiert, erklärt von jedem der Leute — nach der Lage des Apparates am Boden, des Lenkers, dem Zustand der einzelnen Teile des Apparates usw. Heute glaube ich eine Darstellung liefern zu können, wie sie mir klipp und klar vor Augen steht, wie sie jeder geben könnte, der wie ich, mit derselben Sorgfalt, Folgerichtigkeit und Mühe gesucht hätte. Seite 177 „FLUGSPORT“. No. 6 Man gebe acht. Der oder vielmehr die Flügel des Apparates sind nicht in der Luft ge- brochen, sie sind nicht einmal zusammengeklappi. Der Beweis ergibt sich daraus, daß die Feststellungen, die ich an dem gestrandeten Apparat machte, ergaben, daß weder ein Draht noch ein Spannseil gerissen war, welche die Flügel in Spannung halten sollten. Alle diese Drähte waren intakt und an ihren Be- festigungspunkten noch sorgfältig vor einer Verletzung bewahrt. Andererseits, wenn keines der auf Zug beanspruchten Teile gewichen wäre, daß der eine oder andere Flügel hätte zurückklappen können, hätte das Holz des Maschinen- gerippes, welches dem Druck des Flügelschlages widerstehen soll, zerbrochen sein müssen. Aber gerade da konnte man feststellen, daß nichts von dem der Fall war, und daß einzig und allein einige Streifen und Längsstützen durch den Aufprall zerbrochen waren. Ein anderer merkwürdiger Zufall, der mich in meiner Ansicht bestärkt. Delagrange hatte oft genug, da es nach seiner Ansicht unnötig war, seine Hilfstraverse verworfen, welche das Haus Bleriot zwischen beiden Flügeln unterbringt, um die Widerstandsfähigkeit dieses Konstruktionsteiles zu vergrößern. Aber gerade an dem Tage hatte Delagrange diese Querversteifung an ihrem Platz belassen, und sie wurde unversehrt vorgefunden, Der Zustand der einzelnen Teile beweist also zur Evidenz, daß die Flügelin der Luft nicht zusammengeklappt sind. Aber es werden auch noch andere Tatsachen erwiesen. Der Apparat lag am Boden das unterste zu oberst. Wären die Flügel in der Luft zusammengeklappt, würde er senk- recht gefallen sein, ohne umzukippen. Könnte ıman behaupten, daß er umschlug, nachdem er den Boden berührt, weil der Motor noch lief und ihn zum Kentern gebracht habe? Das ist ausgeschlossen, denn erstens die unteren Teile des Apparates, das Gestell, die Räder und vor allem die Steuersäule, welche die Leitrollen für die Lenkschnüren trägt — sie reicht bis einen Meter unter das Gestell — waren intakt und konnten infolgedessen die Erde nicht berührt haben. Die Maschine ist also umgekehrt auf der Erde angekommen. In der Tat sind alle unteren Teile in gutem Zustand, und alle oberen durch den Sturz in Stücke zerbrochen. Unter diesen Umständen ist es mehr wie gewiss, daß der Aeroplan Delagrange’s umgekippt ist, bevor er den Boden berührte, und daß die Flügel vor dem Sturze nicht die geringste Havarie erlitten hatten. Wie war denn der Vorgang und ist die Angabe „Mathis“ zugänglich, welcher behauptet aus nur zehn Meter Entfernung gesehen zu haben, daß der Apparat vor dem Sturze das Dach seines Schuppens berührt habe ? Ich glaube ihm trotzdem nicht, denn andererseits besitzen wir die Aussage Maurice Matins, der 150 Meter entfernt auf der Tribüne in gleicher Höhe mit dem Dache des Schuppens stand und den Aeroplan von der Querseite sah, d. h. allein auf Grund seiner Stellung beobachten konnte, ob der Aeroplan das Dach berührfe oder nicht. Maurice Matin versicherte mir auf Ehrenwort, er habe ganz genau einen Zwischenraum von einigen Metern zwischen Apparat und Dach beobachtet, während Mathis vom Fuße besagten Speichers aus den Abstand nicht genau zu beurteilen vermochte, in dem Delagrange über das Dach flog. Andererseits hätte Delagrange durch seine Fluggeschwindigkeit etwas entfernter fallen müssen, wenn er das Dach berührt hätte, anstatt neun Schritte von der rechten Ecke des Schuppens herunter zu fallen. Schließlich sahen wir ja schon, daß keines der unteren Teile des Aero- planes zerbrochen war. Seite 178 Was ist denn nun schließlich die wahre Ursache? Ich gebe sie als Ergeb- nis meiner Nachforschungen und unter meiner eigenen Veran!wortlichkeit, ohne mich auf einen derjenigen zu berufen, die ich befragte. Delagrange flog sehr niedrig über das Publikum hinweg, dessen Besichti- gung oder Prüfung ihn für eine Viertelsekunde ablenkte. ‚Oder aber, eben am Ende der Zuschauerreihe, sah er sich in einer Kurve begriffen und in unmittel- barer Nähe der beiden berühmten Schuppen. Er mußte also in einer Art Schrecken nach seiner kurzen Unachtsamkeit, gleichzeitig verwinden, um die Kurve zu fahren und die Glocke anziehen, um die Schuppen zu überfliegen. Er vollführte aber ohne Zweifel diese Bewegungen mit der fieberhaften Eile eines Menschen, der, aus momentaner Geistesabwesenheit erwachend, sich der Gefahr plötzlich gegenübersieht. Möglicherweise übertrieb er die Verwindung, wodurch sich der Apparat heftig zur Seite neigte und dadurch, daß der eine Flügel sich hob, den bange gewordenen Zuschauern den Eindruck machte, als löse sich der Flügel, so schnell war die Bewegung. Denn sofort richtete er denApparat wieder auf durch-eine überstarke Gegenverwindung; diesmal schlug der andere Flügel hoch, ader diese beiden Bewegungen folgten sich so schnell, daß die Augenzeugen nur die Flügelspitzenin der Luft wahrnahmen und daß dieser Eindruck noch auf der Netzhaut ihres Auges stand, als der Apparat am Boden lag. Sie konnten also alle im guten Glauben behaupten, die einen, daß der eine Flügel sich gelöst habe, die anderen, daß sie nach oben zusammengeklappt seien. Sie hatten nicht die Zeit, etwas genau zu beobachten und hatten in ihrem Auge noch den Eindruck, den die schnellen und starken transversalen Schwan- kungen des Apparates hervorgerufen hatten. Der Aeroplan kam durch diese letzte überstarke Verwindung mit der Nase nach unten und beschrieb eine Kurve nach der geneigten Seite, nach deren dung er kopfunterst am Boden lag, wie man ihn fand“. et die Ausführungen des Herrn Andre Noel. Ob sich der Unfall genau so abgespielt hat, möchte ich dahingestellt sein lassen, sicher sind noch andere Zufälle eingetreten. Auf alle Fälle sind die Untersuchungen an dem zertrümmerten Apparat mit äußerster Sorgfalt vorgenommen. Wer es eventuell wohl am besten hätte sagen können, das wäre — Delagrange. Er. Win. S. Flugtechnische IS Ammilschan. Inland. Otto Lissak in Deutsch-Krone baut, wie wir bereits berichteten, einen Zweidecker, der sich zur Zeit im Bauschuppen der Bootswerft Koch-Weichsel- miünde bei Danzig in Arbeit befindet. Die ersten Proben sollen in Zoppot auf der Rennbahn des westpreuhischen Reitervereins stattfinden. Seite 179 „FLUGSPORT“. No. 6 Flugmaschine Jatho. Jatlıo hat jetzt einen Eindecker konstruiert, mit dem er vor kurzem mehrere Sprünge von 300 m ausfiührte. Zweidecker Euler, Darmstadt. Euler macht mit seinem neu konstuierten verbesserten Flugapparat sichtlich gute Fortschritte Am 12. März unternahm Euler verschiedene Flug - Versuche mit dieser Maschine Er erreichte dabei eine Höhe von 120 m. Die längste Flug- dauer betrug 31 Minuten. ei einem dieser Versuche stieg Euler bis zu 90 m auf, stellte hier die Zündung ab und ging bis zu 10 m Höhe im Gleitfluge herab um dann wieder in die Höhe zu,steigen. Säntliche Landungen erfolgten glatt. Die Essener Flugrmaschine. Zu unserer Notiz ist noch nachzutragen, daß der besprochene Zweidecker das geringe u Gewicht von 155 kg besitzt. Der Flug- apparat dürfte mithin der leichteste aller | Zweidecker sein. Die Tragdecken sind 20 qm groß. Der 20 PS Dreizylinder- Motor soll in nächster Zeit durch einen deutschen Motor ersetzt werden. Die Flugmaschine (siehe untenstehende Abb.) hat sich bei den letzten Flugversuchen gut bewährt. Die Flugmaschine der Siemens- Schuckert-Werke ist von Ingenieur Bourcart Konstruiert. Sie ist ein Doppel- F decker von 60 qm Tragfläche und 16,5 m Euler am 12. März 1910. Spannweite. Das zweiflächige Höhen- Flugdauer 31 Min. steuer ist in bekannter Weise vorn angeordnet. 6 m hinter den Tragdecken befinden sich zwei Stabilisierungsflächen und das Seitensteuer. Das Gewicht ohne rg Essener Flugmaschine Düll-Hilsmann. Besatzung beträgt 5350 kg. Zum Betriebe dient ein 50 PS Vierzylinder Argus- Motor. Mit der Maschine sollen’5 Personen befördert werden können. Am 9. März führte die Maschine ihren ersten Flug aus und legte in ge- rader Linie 1000 m in 5 m Höhe zurück. Die 'Landung erfolgte glatt. Am 11. d. Mts. nachmittags 5 Uhr wurde unter der Führung des Ingenieur Bourcart ein „FLUGSPORT“. Seite 180 i i 1 iker Rau siterer Flugversuch vorgenommen. Als Begleiter flogen mit Techni Yhd Ingenieur Ditzius. Der Apparat stieg auf 15 m Höhe und stieß an einer rechten Kurve mit dem rechten Flügel aut, wodurch derselbe zertrümmert wurde. Das neue Wright-Flugzeug hat außer einem Fahrgestell eine Stabili- sierungsfläche erhalten. Diese Stabilisierungsfläche wird bei den neuen Maschinen hinter dem Seitensteuer angebracht. Die neu angeordnete Stabilisierungsfläche ist 3,7 m lang und 65 cm breit. Die untenstehenden Abbildungen zeigen das neue Flugzeug mit Rädern und Stabilisierungsflächen auf dem Flugplatz Johannis- tal im Fluge. Eyring, Heim, Schaumburg, Thelen, Dr. Sabladnig, Dr. Arntzen, vorn Fridolin Keidel, _Keidel mit einem Schüler auf dem fahrbaren" Wright. Flugmaschine Eipperle. in der Gewerbehalle zu Stuttgart war dieser Tage eine Flugmaschine ausgestellt, welche der Konstruktion von Bl£riot ähnelt. Die Maschine wiegt inkl. Motor 360 kg. Die Länge beträgt 9 m, die Breite S m. Die Höhensteuerung ist links und rechts an den vorderen Tragdecken an- gebracht. Das Seitensteuer ist in bekannter Weise im Schwanz untergebracht, Die Flugmaschine Häusler-Holl. In Finsterwalde ist von genannten Herren eine Flugmaschine gebaut worden. Die Höhen- und Seitensteuterung ist an den Schwanz verlegt. Der Führersitz befindet sich in dem Rumpfe über den Tragdecken. Der 30 PS Motor ist vorn angeordnet. Das Gewicht der Maschine beträgt 350 kg, das Flächenarcal 50 qm. Seite 181 u „FLUGSPORT“. No. 6 Flugmaschine Lontzkoy. Direktor Lontzkoy, ein bekannte i Flugtechniker, hat sich bei den Daimlerwerken nach” seinen Angaben einen Ein decker, ähnlich wie Antoinette von 18 m Spannweite bauen lassen. Der Apparat besitzt 3 Schrauben. Das Gewicht beträgt incl. Führer 950 kg. Bei einem am 10. März stattgefundenen Flugversuch brach ein Schraubenflügel. „ Dorner geriet am 9. März bei einem Flugversuch in den Luftwirbel vor ihm fliegenden Flugtechnikers Keidel. Der Apparat kam dadurch aus dem Gleichgewicht und schlug mit einem Tragdeckenende auf den Boden. Ausland. Die fabrikationsmäßige Herstellung der Santos Dumont-Apparate hat außer Dutheil & Chalmers auch Clement-Bayard seit einiger Zeit aufgenom- men. Beistehende Abbildung gestattet uns einen Blick in die Montagehalle. Die Bau von Santos Dumont-Maschinen.” 3 TITaa ymw Oben: Blick in die Montagehalle. Unten: Verpackung der Maschine. u Apparate von Santos Dumont sind wesentlich r Jume nd wes vervollkommnet worden. 5on- dere ist durch die fabrikationsmäßige Herstellung die Ausführung. eine on einere. DieYTragflächen”können abgenommen werden, so daß die ganze M schine in einer kleinen Kiste von 2 x 15x 6m untergebracht werden kann. No. 6 „FLUGSPORT“. Eu Seite 182 Eindecker Nissole. Prinz Nissole hat einen Eindecker von 16 qm Trag- fläche konstruiert. Die ganze Länge des Apparates beträgt 9 m, das Gewicht 320 kg, Zum Betriebe dient ein 25 PS Anzani-Motor. Das Höhensteuer ist unter den Tragdecken angeordnet, Weiter sind unter den Tragdecken zwei Eindecker Nissole. Hilfsseitensteuer, welche gleichzeitig als Stabilisierungsflächen dienen, montiert. Die Tragdecken sind nicht verwindbar. Zur Betätigung der Schräglagensteuerung sind zwei Hilfssteuerflächen vorgesehen. Zweidecker Zodiac. Dieser Zweidecker ähnelt dem Farmann-Apparat, nur daß der- Apparat Querwände besitzt. Die Tragdecken sind doppelseitig be- Zweidecker Zodiac. -——-. .._—. spannt. Interessant ist das aus Stahlrohren hergestellte Fahrgestell mit zwei skiartigen Kufen. Zum Betriebe dient ein 4 Zylinder-Clement Bayard-Motor von 50 PS. Eindecker Zselyi. In Budapest ist dieser Tage eine Flugmaschine fertig- gestellt worden, die bereits in dieser Woche Probeflüge absolvieren wird. Die Konstruktion der Maschine stammt vom Maschineningenieur Aladär Zselyi. Der Zselyi’sche Eindecker hat bei einer Spannweite von 7 m und einer Länge von 7,1 Metern eine Tragfläche von 12 qm. Das hintere Schwanzsteuer ist der Dumont-Konstruktion nachgebildet. Zum Antrieb der Chauviere-Schraube von 2 Meter Durchmesser dient ein 30 pferdekräftiger Darracq-Motor. Die Anord- nung der Wasserkühlung ist eine ähnliche wie bei den Antoinette-Apparaten. Seite 183 —FLVUG SPORT“. No Das Gewicht des Apparates beträgt im ' ähi 3 gebrauchsfähigen Z samt Führer 210 Kilogramm, so dah die Belastung per Quadrameı , ılogranım beträgt, (hei Bleriot 24, bei Antoinette 16 kg). Flugmaschine von Zselyi. Flugpreise. Was ist aus dem O i i vas { pel-Preis geworden? Wie wir hi at die Fi Opel, ae an Ben Sommer einen Preis von 20,000 Mk. für denjenigen ee | 1 gesetzt hatte, der die Strecke Frankfurt-Rüss i . leider diesen Pros nutzt hatte rankfurt-Rüsselsheim durchflog ES st hs een kommenden Sommer nicht wieder. ausgeschrieben. j cher, als im vorigen Sommer die d ieper kaum in der Lage waren, die gestellten Bedingungen zu erfüllen währeng oßer diesem Somm j er nicht ausgeschl ä ; werden könnte, 8 ossen wäre, daß der Preis auchX gewonnen Der neichröder-Preis für Flugmaschinen in Höhe von 10,000 Mk. wird ‚ 1 nicht gewonnen wurde, 5 ie rs auf dem Flugplatze Berlin-Johannisthat während der Flugmeelinen ne nd Aal! ewerber zufallen, und Oktober ausgetragen werden und demjenigen deutschen 50 Kilogramm, ter Tragfläche No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 184 der die 2,5 km lange Flugbahn in der schnellsten Zeit dreimal umfliegt und nach jeder Runde eine Zwischenlandung von mindestens einer Minute Dauer an einer bestimmten Stelle ausführt. Der Preis wird also erst nach deın letzten Flug- meeting zur Verteilung gelangen und zum erstenmal während der Fliegerwoche im Mai in den Tagen vom 10. bis 16. Mai bestritten werden. Unter denselben Bedingungen hat der Kaiserl. Automobilklub 1000 Mk. als’ zweiten Preis angesetzt. Patentwesen. Flugapparat.*) Der vorliegende Apparat soll zur Ausübung des freien Fluges für den Menschen dienen und sowohl den Segelflug ohne Flügelschlag als auch den Ruderflug mit beweglichen Flügeln bewirken. Der Apparat besteht aus einer leicht gewölhten Fläche, die aus einem Holzgerüst mit Stoffbespannung hergestellt’ ist. In der Zeichnung zeigt Abb. I den Apparat von oben gesehen, Abb. 2, 3 und 4 sind die bez. Schnitte A B,C D, E-F. Abb. 5 zeigt den Apparat in zusammengelegter Form, Abb. 6 mit durch Maschinen- und Me schenkraft bewegten Flügeln, Abb. 7 zeigt einen Flügel, dessen äußeres Ende in kleinere Abteilungen gegliedert ist. Abb. 8 ist der Schnitt nach G---H beim Flügelaufschlag und Abb. 9 beim Niederschlag. Die Konstruktion des Apparates ist folgende: Zwei ein spitzwinkliges Kreuz bildende Hölzer a tragen an ihren oberen Enden b durch zwei Brettchen hergestellte Taschen d. In diesen sind die hölzernen Flügeirippen e drehbar befestigt. Eine an den Spitzen der Rippen herumführende Schnur f und ein Abb. 1. oo Abb. 2. Abb. 3. Abb. 4. *), D.R.P. Nr. 77916 Otto Lilienthal in Berlin. Diese Patentschrift, weiche bereits im Jahre 1894 ausgegeben wurde, ist nur, um mehrfachegÄnfragen‘ zu erledigen, wiedergegeben. D.R, Seite 185 „FLUGSPORT“. No. 6 Draht g, der an der ersten Flügelrippe befestigt und an dem Bügel h ei ist, spannen diese Rippen in der Horizontalrichtun . Die Spannung ach un erhalten die Rippen durch Drähte i, die von den Punkten k derselben nach den untersten Enden c des Kreuzholzes a führen, so daß ein umgekehrtes Hängewerk gebildet wird. Zwischen den Kreuzhölzern a sind die Polster | befestigt. Außer- dem sind mit dem Kreuzholz a der Bügel h in den Taschen d durch ernageln und Verleimen, sowie die Stangen m fest verbunden, an welche letztere wieder vorn das Querholz n mit den Stäben o und hinten zwei divergierende Stäbe p befestigt sind. An letzteren ist der Schweif q drehbar an ebracht, und zwar so daß er nach oben frei aufklappen kann, nach unten jedoch einen Stützpunkt an dem feststehenden Steuer r findet. Diese Befestigung des Schweifes ist nötig damit derselbe, wenn der Apparat als Fallschirnı dient, nicht tragend wirken kann und dadurch das Ueberkippen des Apparates nach vorn verhindert wird Das Steuer r, welches zur selbsttätigen Einstellung des Apparates gegen den Wind beim Absprung dient, ist eben alls an den Stangen m und dem Bügel h ar befestigt. Die mit Stoff bespannten Flächen d i i Hälfte der go . 1 schraffiert. r °s Apparates sind in der ur Benutzung des Apparates bringt man die Unterarme zwis i dem Kreuzholz a, Abb. 3 befestigten Polster I und erfaßt mit den ändern aaa Abb. 5. Abb. 7. Abb.8. Abb.9. Abb, 6. Querholz n, so daß man in sehr bequemer Weise, ohne die aufre Ö & tung zu verändern, sowohl beim Anlauf den Apparat tragen und ainstenperhal als auch beim Fluge im Apparat hängend durch entsprechende Bewegung des Körpers (Verschiebung des Körperschwerpunktes) der Apparat im Gleichgewicht halten und lenken kann. Da hierbei die Beine stets frei nach unten hängen, so ist auch die Landung durch Aufsetzen der Füße sicher zu bewirken. No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 186 Die Zusammeniegung des Apparates wird bewirkt, indem man die vorderen Spanndrähte g aus dem Bügel h aushakt, die Rippen um ihre Stifte in den Taschen d nach hinten dreht und die Spanndrähte g in die an den Stangen m befindlichen Oesen einhakt. Der Apparat bildet dann wieder ein festes anzes. Um bei einem Apparat die Flügel auf- und niederzuschlagen, werden die Spanndrähte i nicht an den festen Punkten c, sondern an den Endpunkten der ebel s befestigt, so daß durch Zusammenziehen dieser Hebel beide Flügel federnd heruntergezogen werden können. Die Bewegung kann entweder durch den mit dem Apparat fliegenden Menschen oder durch eine besondere Maschine hervorgebracht werden. In Abb. 6 zeigt die linke Seite die Bewegung der Flügel durch Menschenkraft, indem man die Füße in pantoffelartige Leder steckt und so durch Anziehen und Aus- stoßen der Beine die Bewegung hervorgerufen wird. Die rechte Seite dagegen veranschaulicht die Bewegung durch eine besondere Maschine, von deren Kolben- stangen zwei über Rollen laufende Ketten nach den Hebeln hin führen. Der Flügelaufschlag erfolgt durch die Federung der Flügelrippen und den von unten wirkenden Luftdruck. Abb. 5 und 6 veranschaulichen diese Anordnung. Damit der auf und nieder bewegte Teil des Fle‘ Is sich ventilartig öffnen und schließen kann, ist das Ende des Flügels, wie in Abb. 7 angegeben, gegliedert. Durch kleine Querrippen t wird die Stoffbespannung in der geeigneten Form erhalten. Die Rippen t sind derartig auf den Rippen e befestigt, daß dieselben nach vorn wenig und nach hinten viel überstehen, so daß durch den Luftdruck selbst die nach hinten liegende größere Fläche der einzelnen Flügelteile auf und nieder bewegt wird und beim Aufschlag nach Abb.8 und beim Niederschlag nach Abb. 9 sich einstellt. Patent-Ansprüche: l. Ein Flugapparat, dessen Flügelrippen (ee) mit den behufs Aufnahme der Unterarme des Fliegenden gekreuzten Flügelrippen (bb) durch Drähte (i) derartig verbunden sind, daß ein umgekehrtes Hängewerk gebildet wird, wobei die Flügelrippen (ee) zusammenlegbar eingerichtet sein können. 2. An dem unter 1 gekennzeichneten Flugapparat ein feststehendes, die Einstellung desselben nach der Windrichtung bewirkendes Vertikalsteuer und ein Horizontalsteuer, welches unter dem Druck der Luft nach oben ausschwingen kann, um ein Ueberschlagen des Apparates zu verhindern. 3. Eine Ausführungsform des unter I und 2 gekennzeichneten Flugappa- rates, bei welcher eine Bewegung der Flügel dadurch erfolgt, daß zwischen die unteren Enden (c) des Kreuzgerüstes (bb) und die an den Flügelspitzen angrei- fenden Spanndrähte (i) Hebel (s) eingeschaltet werden, welche am Kreuzgerüst drehbar befestigt sind und durch Maschinen- oder Menschenkraft bewegt werden. 4. Eine Ausführungsform des unter 3. gekennzeichneten Flugapparates, bei welcher der äußere Flügelteil in einzelne, ventilklappenartig wirkende Flügel zerlegt ist, welche mit Hilfe kleiner Querrippen t an den Hauptrippen befestigt und deren vor den Hauptrippen gelegene Flächen schmäler sind als die hinter den Hauptrippen befindlichen. Fiugmaschine mit schwingenden Flächen. Die Erfindung bezieht sich auf Flugmaschinen mit schwingenden Flächen, _.die ihre Bewegung durch motorische Kraft erhalten und besteht darin, dafß_jede Fäche an zwei Kurbeln befestigt ist, die in entgegengesetzter Richtung mit gleicher Geschwindigkeit umlaufen, wodurch die Kräfteverteilung eine günstigere wird. Die Abb. 1 bis 3 veranschaulichen die Ausführungsform der Flugmaschine und zwar: Abb. 1 einen Querschnitt, Abb. 2 eine Draufsicht, Abb. 3 einen Längsschnitt derselben. Abb. 4 zeigt schematisch verschiedene Kurbelstellungen und die damit ver- bundene Längenänderung der Schwingfläche. Vom Motor a wird die Kraft auf die Seil- oder Riemscheiben b und die mit ihnen verbundenen Kurbeln c übertragen. Zwischen je zwei Kurbeln c, die sich entgegengesetzt bewegen, ist je eine mit leichtem Stoff überspannte Fläche d befestigt, und zwar ist diese an einem Ende im Punkte e drehbar, am anderen Seite 187 „FLUGSPORT“. No. 6 Ende im Punkte f dreh- und verschiebbar. Je zwei Kurbeln c sind so zwang- läufig geführt, daß sie in ihrer senkrechten Stellung um }80° versetzt sind. Drehen sich die zwangläufig miteinander verbundenen Kurbeln c in der Pfeilrichtung, so werden die Flächen d in Schwingungen versetzt und rufen in jedem Moment, mit Ausnahme in der Nähe der Horizontalstellung einen Auftrieb hervor, wobei sie die in Abb. 4 angegebenen Stellungen während einer Kurbelumdrehung durch- laufen. Da die Entfernung e-f von Kurbel zu Kurbel in ihrer jeweiligen Stellung verschieden ist, ist das Rahmengestell der Schwingfläche ir: den Punkten f ver- schiebbar angeordnet, wodurch der Längenausgleich ermöglicht wird. Man könnte ER % lesen Fe = 4 b) £ a Abb. 2 Ka 7 a " % Abb. 3. Abb. 4. auch diesen Ausgleich dadurch erreichen, daß man zwei übereinander verschieb- bare Flächen anbringt oder Federn oder sonstige elastische Zwischenglieder an- ordnet. Die zwangläufige Bewegung der Kurbeln c wird durch die Welle g und durch die Kegelräderpaare h bewirkt. No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 88 An dem Rahmengestell i sind in dem Punkte | drehbar gelagerte Trag- flächen k angebracht. Um eine Vorwärtsbewegung der Flugmaschine hervorzurufen, bringt man die Tragfläche durch den Hebel m in eine schräge Lage, wie in Abb. 3 angc- deutet. Hierdurch werden die Flächen k gezwungen, so auf die Luft zu wirken, daß eine Kraftkomponente hervorgerufen wird, welche die gauze Flugmaschine vorwärts treibt. Die Neigung der Flächen kann auch während der Fahrt ge- schehen, um einen mehr oder weniger-schniellen Vorwärtsflug und eine Höhen- steuerung zu ermöglichen. Das stabile Gleichgewicht der Flugmaschine wird, abgesehen von der Lage des Schwerpunktes, durch die Form der Tragflächen k gesichert... Letztere sind wie der Körper des Vogels nach unten schalenförmig gewölbt, weil eine derartige Fläche beim Fallen stets die Wölbung nach unten richtet. Patenut-Ansprüche. 1. Flugmaschine mit schwingenden Flächen, dadurch gekennzeichnet, dab jede Schwingfläche (d) an zwei in entgegengesetzter Richtung mit gleicher Ge- schwindigkeit umlaufenden Kurbeln (c) befestigt ist. 2. Flugmaschine nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß das zur Ver- steifung der Fläche dienende Gestänge zwecks Längenänderung an einem Kurbel- paar verschiebbar befestigt oder in sich selbst verschiebbar ist. D. R. P. 214863. Robert Strehlau in Berlin-Westend. Verschiedenes. L. Chauviere in Paris hat in Deutschland eine Filiale L. Chauviere, Frankfurt a. M., Hansahaus, errichtet. Die Firma L. Chauviere ist bekanntlich durch ihre Schrauben zu einer großen Berühmtheit gelangt. Der bekannte Aviatiker Farman verwendete bei seinem jüngsten Rekord, bei welchem er mit 2 Passagieren flog, gleichfalls eine Chauviere-Schraube. Vorträge. Im Kaiserlichen Automobilklub hielt Ing. Rumpler letzter Tage eineu Vortrag, in welchem er sich gegen die auf Rekorde abzielende übliche Art der Wettbewerb-Ausschreibung wendet, die wenig geeignet erscheint, die Bestre- bungen der Flugtechniker in wünschenswerter Weise zu fördern. Der Vortra- gende führt im wesentlichen folgendes aus: Die im letzten Jahre erzielten Erfolge auf dem Gebiete der Flugtechnik entsprechen nur teilweise den Hoffnungen, die man auf die rasche Entwicklung der Konstruktion und Klärung der diesbezüglichen Fragen gestellt hat. Es sind wohl große Leistungen in sportlicher Hinsicht vollbracht worden, doch haben dieselben in wissenschaftlicher Beziehung die wichtigsten Fragen unbeantwortet gelassen oder widersprechende Lösungen ergeben. Eine Entscheidung der zweckmäßigsten Bauart imallgemeinen ist fast nicht von der Stelle gerückt. Die meisten Firmen bauen, von unwesent- lichen Aenderungen abgesehen, fast unverändert ihre frühere Flugtype weiter, da keine beweiskräftigen, anerkannten Versuchsresultate vorliegen, daß eine bestimmte Gesamtanordnung unbestrittene Vorzüge biete. Aehnlich wie bezüglich der Gesamtanordnung liegen die Verhältnisse bezüglich der Details. Auch hier ist im großen und ganzen kein unbestrittenes Gesetz wahrzunehmen. Die Frage, ob der Ein- oder Zwei-Decker vorzuziehen sei, ob ein oder zwei Schrauben bezw. ob dieselben mit Vorteil vor oder hinter den Tragflächen anzuordnen seien, hat wohl eine Fülle einander sehr widersprechender Theorien, aber keine Entscheidung gezeitigt. Ebenso erfreut sich das Problem, ob die Steuer vorn oder rückwärts anzuordnen seien, einer glänzenden Unstimmigkeit. Noch schlimmer ist es bezüglich der so wich- tigen Frage der Motoren bestellt. Man hat sich bisher weder über Zylinderzahl noch Motorenstärke, weder über die zweckmäßigste Bauart noch über die zweckmäßigste Kühlung (Wasser- und Luftkühlung) eeinigt. i Die einzige Klärung ist nur durch die Erkenntnis geschaffen, dab die Quer- und Schrägsteuerung ein unbedingtes Erfordernis einer stabilen Seite 189 „FLUGSPORT“. No. 6 Fiugmaschine bildet. Die Quersteuerung wurde zuerst, wie bekannt, von den Brüdern Wright als notwendig erkannt und konstruktiv ausgeführt und hatte das Schicksal, nach und nach von fast allen Konstrukteuren in mehr oder minder gelungener Form nachgeahmt zu werden Ob diese Nachahmungen so weit gehen, daß sie einen Eingriff in die Wright-Patente darstellen, läßt sich nur von Fall zu Fall entscheiden. Der Vortragende besprichtt nun ausführlich die Flugmaschine von Antoinette, Bleriot, Wright, Santos Dumont, Voisin, Curtis, Oberst Cody, Chauvi&re, Farman und Grade. Desgleichen bespricht er die Vor- und Nachteile der Motoren von Antoinette, Wright, EN. V, Anzani, Mors und Gnom. Hierauf erklärt der Vortragende an einem 2 m großen Wright-Modell das Verwinden der Tragflächen. Am Schlusse seines Vortrags meint Ing. Rumpler, daß in der Art der gegenwärtigen Betätigung der Flugtechniker eine Gefahr für die Entwickelung der Fiugimaschine liege. Nach seiner Meinung wäre ınehr Gewicht darauf zu legen, die innere Ausgestaltung und die Details der Flugmaschine auszuarbeiten, statt auf Sensationen hinzuwirken. Oeffentliche Wettbewerbe sollten so organi- siert werden, daß nicht rein sportliche und nur von der Geschicklichkeit des Führers abhängige Ergebnisse (wie Dauer- und Höhen-Flüge) den Maßstab für die Bewertung der Güte der einzelnen Fabrikate abgeben sollen. Es wäre zweckmäßig, konstruktive Fragen, wie beispielsweise die der Stabilität in den Vordergrund zu rücken. Eine Flugmaschine, die bei lebhaftem Wind mit Sicher- heit fliegt, ist viel höher einzuschätzen, als irgend ein Dauerflug bei Windstille. Letzterer Flug ähnelt in vieler Beziehung der Fahrt eines Autos in der Ebene auf Asphalt-Bahn. Auch das Auto würde erst vollkommen, nachdem es im Gelände seine Feuertaufe empfing, nachdem es bei Rennen auf Steigungen und in Kurven bei forciertem Betrieb sein Können zeigen mußte, und ähnliche Gesichtspunkte müßten bei den Ausschreibungen der Flugkonkurrenzen maß- gebend sein. Der Abflug und das Landen, diese beiden wichtigsten Momente, spielen bei den jetzigen Ausschreibungen eine viel zu untergeordnete Rolle. Ebenso wird die vom Fahrzeug fortzuschaffende Nutzlast bezw. der Wir- kungsgrad des ganzen Fahrzeuges sehr vernachlässigt. Eine Reihe von Vor- schriften, welche einzig auf Erhöhung der Betriebssicherheit hin arbeiten, ähnlich wie es bei den Automobilrennen in der ersten Zeit ihrer Entwicklung der Fall war, würde der Flugfrage außerordentlich nützen. Die zukünftigen Ausschreibungen sind nach Ansicht des Vortragenden so zu gestalten, daß besonders dem Konstrukteur Gelegenheit geboten wäre, sich zu betätigen und sein bestes Können zu zeigen (vorläufig vielleicht sogar auf Kosten des Sportes). Der Konstrukteur muß schon durch die Art der Ausschrei- bung aus seiner Zurückhaltung, in der er sich jetzt befindet, herausgelockt werden. Es wird dann mehr gerechnet und konstruiert und weniger erfunden werden. Die Industrie würde ein neues weites Feld erfolgreicher Tätigkeit finden, wenn die eingangs erwähnten, bisher unbeantworteten Fragen geklärt sein würden; wenn alle, auch die scheinbar unwesentlichsten Details mit Sorg- falt und Gründlichkeit ausgearbeitet sein würden. Der Vortragende stützt seine Ansicht auf den Ausspruch eines der ver- ‘dienstvollsten Förderer flugtechnischer Bestrebungen. Der leider vor wenigen Tagen verschiedene Oberstleutnant Moedebeck hat übereinstimmend mit dem Vortragenden wiederholt die Ansicht ausgesprochen, daß es im Augenblick zweckmäßiger wäre, statt durch Ausschreibungen auf Rekordleistungen lieber Flüge in genau vorgeschriebener Bahn oder vielleicht Landstraßen-Flüge- - -auszufi -ufiihren, derart, daß die Flugmaschine auf der Straße selbst, zwischen den beiden seitlichen Baumreihen abfliegt und hierauf längs des Straßenzuges genau den Windungen der Straße folgt, um hierauf nach einer gewissen Entfernung wieder auf der Straße zu landen. Ein derartiger Flug würde für den prak- tischen Ausbau einer Flugmaschine von ungleich größerer Bedeutung sein, da er an die Stabilität, an die Lenkfähigkeit, arı das Abfliegen und an das Landen viel größere Anforderungen stellen würde, als irgend ein Dauer- oder Höhenflug. Ing. Rumpler meint, daß die Rekorde wohl eine suggestiv wirkende Kraft besitzen und dem Flugsport immer neue Anhänger zuzuführen, aber es ist zu befürchten, daß, wenn die geworbenen Massen sehen werden, wie unvollkommen im Grunde genommen die Flugmaschine noch ist, eine Enttäuschung Platz greifen No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 190 = i i fährli ü i ittli Bewegung ü die einen gefährlichen Rückschlag in der ‚fortschrittlichen eigen könnte. Diese Gefahr zu vermeiden, wäre die Aufgabe, das anstrebens- werte Ziel nächster Arbeiten. Zeitschriftenschau. Der Flieger im Heeresdienst. Von Olszewski (D. Z. f. Luftschiffahrt.) Mehr und mehr kommt man jetzt in den höchsten militärischen Kreisen zur Einsicht, daß man in der Kriegstechnik ernstlich mit den Flugmaschinen rechnen muß und daß dieselben dereinst eine führende Stelle im Aufklärungs- dienst einnehmen werden. Olszewski stellt in oben genanntem Artikel die Arten der Verwendung von Flugmaschinen und den Nutzen derselben im Feldzuge in kurzen Zügen dar. Er weist auf die unverkennbaren Vorzüge der Flugmaschinen hin, welche dieselben allen anderen Hilfsmitteln gegenüber im Aufklärungsdienste besitzt und hebt vor allem die gute Brauchbarkeit der Flugmaschinen im Festungskriege hervor. Ueber das Maximum des Nutzeffektverlustes bei Luftschrauben. (L’A&ro- phile du ler Mars 1910). i ti rinet eine Vergleichung der Berechnungen des Maximums des ee etverlusten der Tragschrauben von Renard und Taffoureau. Hierbei erweist sich die Berechnung Taffoureaus als die zutreffende. Den Berechnungen nach zu schließen, gilt: Die Schraube, die das Maximum des Nutzeffe tes, ver- tilgt, hat einen bestimmten Durchmesser, ist abhängig von ihrer Konstru Kon vom Gewicht des Motors, vom Nutzeffekt desselben und vom Widerstande ser diese unzutreffende Folgerung dürfte wohl zur Genüge durch die Resultate, welche die neueren Schrauben geliefert haben, bewiesen sein. Literatur. Die Luftschiffahrt. Von R. Nimführ. Preis Mk. 1.28. Druck und Verlag von B. G. Teubner, Leipzig. 3 i it lä it heraus- Das größere Werk, welches Verfasser dieses seit längerer Zeit h gegeben hat. dürfte wohl allen geneigten Lesern zur Genüge bekannt sein, als daß es notwendig wäre, noch einmal an dieser Stelle darüber zu sprechen. Neuerdings hat nun Nimführ in der Bibliothek „Aus Natur und Geisteswelt“ ein kleineres Werk erscheinen lassen, welches in erster Linie zur Orientierung in der Flugtechnik für den Laien dienen soll. Daß ein derartig allgemein ver- ständlich geschriebenes Buch in der flugtechnischen Literatur gefehlt hat, beweist, daß dieses Buch bereits nach sehr kurzer Zeit die vorliegende zweite Auflage erfahren hat \ i eite Auflage ist verschiedener Verbesserungen und Ergänzungen unterworfen worden, so daß sie in dieser Ausgabe für den Laivn zu einen auten Leitfaden geworden ist. en mn .B. Die Winde in Deutschland. Von R. Aßmann Preis 5 Mk. Druck und Verlag von F. Vieweg & Sohn, Braunschweig. ie Li ur dieses Gebietes ist bereits mit einer ganzen Reihe sehr guter N erke ausgestattet, welche sich aber nur mehr oder minder auf einzelne Teile dieses Gebietes beschränken. Durch die in Deutschland nun mehr un mehr zunehmende Verbreitung der Luftfahrzeuge war es erforderlich, eine weit“ gehende, erschöpfende Statistik über die Luftströmungen ın Deutschland aufzu- stellen. Mit dieser Aufgabe wurde Verfasser von der „Motorluftschif Studien gesellschaft“ in Berlin betraut. Er hat diese Aufgabe sehr schön und er olgreich gelöst. Das Werk gibt eine sehr gute Darstellung aller ‚Windgeschwindig! eiten und Luftströmungen innerhalb Deutschlands, welche gewiß für alle Flugterhnn er von größtem Interesse sein wird, ‚B. Seite 191 „FLUGSPORT". No 6 Ueber den Einfluß der Luftdichte auf den dynamischen Flug. Von A. Jarolimeck. «H. P. Fachztg. für Automobilismus, Nr. 6, 1510. Ueber dieses noch sehr wenig behandelte Thema stellt Verfasser, getiützt auf die Arbeiten Wellners, eine interessante mathematische Untersuchung an, welche sich speziell auf die günstigste Luftdichte für den Fern- und Dauerflug bezieht. ._. Diese. Studie gibt jedoch auch noch keine vollkommene Lösung obiger -- Frage, um so weniger da hier die ganze Rechnung auf die für die heutige Flug- maschinentheorie ungültige Formel von Loeßl aufgebaut ist und schon aus diesem Grunde keine genaue Bestimmung der günstigen Luftdichte zuläßt. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 Central - Hotel Telefon 1163. Im Frankfurter Flugsportklub hielt am 7. März vor geladenem Publikum Assessor Dr. Meyer, wie er dies schon ähnlich im Dezember v. J. im Kaiserlichen Aeroklub zu Berlin getan hatte, einen Vortrag über das Thema: „Die Luftschiffahrt in früheren Kriegen und ihre Bedeutung für das Kriegsrecht der Zukunft.“ Dem Vortrag wohnten der Großherzog von Hessen, der kommandierende - General von Eichhorn, Regierungspräsident vor Meister, Polizeipräsident Scheren- berg, die Kammerherren Frhr. von Flotow und von Bothmer, sowie zahlreiche Zu- hörer bei, unter denen das Militär besonders stark vertreten war. Dr. Meyer, der bereits mehrfach auf luftrechtlichem Gebiete literarisch hervorgetreten ist und u. a. auch an der Spitze der deutschen Gruppe des Comite Juridique International de l’Aviation steht, sprach zunächst über die geschichtliche Entwicklung und Verwendung der Luftfahrzeuge für Kriegszwecke. Er erörterte dann in historischer Reihenfolge die Benutzung der Fahrzeuge in den Kriegen des 18. und 19. Jahrhunderts, wobei er besonders der Schlacht bei Fleurus (1794) und des Krieges 1870/71 gedachte. Im zweiten Teil des Vortrags unterzog der Redner die Probleme einer Betrachtung, die dem Kriegsrecht dadurch erwachsen werden, daß jetzt, infolge der Lenkbarkeit der Luftfahrzeuge, diese im Kriege eine vermehrte Verwendung finden würden. Hierbei erörterte der Redner die Frage nach der Benutzung des Luftraums afs Kriegsschauplatz, die dahin zu lösen sei, daß der Luftraum über neutralen Gebieten auch neutrales Gebiet werde; unterzog sodann de Gestaltung des Luft- schiffverkehrs der Kriegführenden und Neutralen im Kriege einer Betrachtung und legte endlich seine Ansicht über die Behandlung der auf dem Kriegsschau- platze ergriffenen Luftschiffer dar, wobei er besonders betonte, daß die Luft- schiffahrt keine Praesumtion für das Delikt der Spionage schaffe. Zum Schluß zeigte der Redner, der schon vorher den Vortrag durch Licht- bilder von aeronautischen Begebenheiten aus früheren Kriegen illustriert hatte, an Lichtbildern, die zum Teil dem hervorragenden Atelier des französischen Photo- graphen Branger entstammten, die letzten Hauptereignisse auf dem Gebiete der Aviatik, deren Förderung sich der Frankfurter Fiugsportklub ja insbesondere an- gelegen sein läßt; so Bleriots und Lathams Kanalflug, Lamberts Flug um den Eiffelturm, Grades Flug in Heliopolis, Eulers neue Flugmaschine, die erste No. 6 „FLUGSPORT“. Seite 192 deutsche Flugmaschine dieser Art und zuletzt verschiedene Flugschüler Lathams, des Ehrenmitgliedes des Klubs. Nach dem Vortrag vereinigten sich die Mitglieder des Klubs zu einem Klubessen, an dem auch der Großherzog teilnahm. Nach Aufhebung der Tafel zeigte Dr. Meyer noch einen Teil seiner bedeutenden Sammlung von Stichen aeronautischer und aviatischer Begebenheiten. Oifizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Direktor Probst. Schriftführer: C. Kremer. In der am 1. März stattfindenden Mitglieder - Versammlung wurden die Satzungen endgültig genehmigt. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Steinstr. 70 Vereinsabend statt. Gäste willkommen. N; ER;;- u a _ ME 74 Zar 00 uni 1 rn ü [\ O | Offizielle S_ _ , Mitteilungen N > ey EL, IX vu dr j ET A Ar IL: des ‚Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. | | Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. . Vorstand: l. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. n Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus, 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus, Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a M., Bergweg 12. Beisitzer: Dr. Albrecht, Haller und Pega. Dienstags abends 8 Uhr finden in der „Alemania“ regelmäßige Zusammen- küntte statt. (Stammtisch.) Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Vorsitzender: Georg Specht, Leipzig-Taucha, Bismarckstraße 4. 2. Vorsitzender: Oberlehrer Ingenier Alfred Freund. Zu den regelmäßigen Arbeitsabenden sind Gastkarten bei Herrn Oberlehrer Ingenieur Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 28III, zu haben. Seite 193 „FLUGSPORT“. No. 6 Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 16 . .. 3071 2’ Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . . ne. 9209 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, "Gartenstraße 7 ©... .......10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 0 © 2 2.2 .2.2.2.2.2,.10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße Men. 2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, 'Museumsplatz 15 . nn. 3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 3.2222. 02655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 2. 2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107° . . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 3 2 2222222022 9054 Beisitzer: Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13. . . 22.2... 1166 Freiherr von Durant, Langendorf Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 1 7 (1) | Universitätsprofessor Dr. Lummer, pertstraße 1. . 2 2 2202020...689 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser ee 4 2.22 020202020...9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . 2701 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. 'Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. Sitz Oberhausen i. Rhld. Vorstand: 1% I Vorsitzender: Schüller, Bürgermeister a.D., Oberhausen. N Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. 4 | Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. DS) Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. AN, Versreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten ° 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen n Redakteur Huhn, Oberhausen — . Gesucht wird Fabrik behufs Ausführung Künstlerisch geprägte "Flugmaschine Einbanddecken die vertikalen Auf- urd Abstieg sowie für den horizontalen und schrägen Drachen ug | Flugsport Jahrg. 1909 bei automatischer Stabilität ermöglicht. . . Einen Teil der Kosten würde der Erfivder en aD un zum Preise von tragen. Anträge erbeten sub „W. 1584" 1 . BElIeIerl. a Haasenstein & Vogler A.-G., Wien 1. \ „Verlag des Flugsport.“ . Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner lıerausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Rep:&sentant pour la France: E, Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Pastbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 7. Frankfurt a. M., 6. April 1910. Jahrg. II. Wissenswertes über die Konstruktionen der Betätigungs- einrichtungen für die Stenerorgane. O. Ursinus. Am leichtesten zn hanudhabende Steuerungen sind diejenigen, welche sich an die instinktive Glejehgewichtserhaltung des Menschen anschließen. Weiter wäre auzuknüpfen an die bei anderen Beförde- mingsmitteln geübten Gewohnheiten, welche sich verschiedentlich auch anf Flngmaschinen übertragen lassen. Seitensteuerung. Wenn wir von der Seitensteuerung, der am ersten zu übenden Richtngsbeibehaltung ausgehen, so finden wir bei fast allen Flug- masebinen ım Prinzip die Lenkungsart vom Fahrrad oder vom Anto- mobil wiedergegeben. In den weitaus meisten Fällen wird die Seiten- stenemngädurch Pedale betätigt.“ (S. Abb. 1.) Soll der Flugapparat eine Bechtskmve beschreiben, so drückt. der rechte Fuß auf das rechte Pedal, das Seitenstener macht einen Seite 195 „FLUGSPORT“. No. 7 Ansschlag nd zwar, wenn es hinten liegend angeordnet ist, nach rechts. Die Betätignng der Stencrorgane bei Flugmaschinen weicht im wesentlichen von anderen Bewegnngsorganen, vom Automobil oder Falrrad, insofern ab, als die Wirkmng ler Stenernng erst nach einen kurzen Zeitraum in Tätigkeit tritt. Dieser Umstand bildet bei An- fangern mit die FHauptschwierigkeit. Sobald z. B. beim Automobil das Stenerrad nach rechts gedreht wird, erhalten «die Räder eine Schrägstellnng, ind «das Antomobil beschreibt noch in demselben Angenbhek eine Rechtskurve. Sobald «das Stenerrad geradeaus ge- ! Ä T , ' oo { [mo {0[0{ 0 0 A— |: 3 In Y S_ N 0 Bi -_ ! / 4 - . Sn 00 u — Abb. 2. «dreht ist, fährt das Antomobil auch schon wieder geradeaus. Anders bei der Fingmaschine. Die Wirkung des Steners tritt ımgefähr 1:2 Sekunden nach der Rechtsstellung des Steners ein. Der Anfänger glanbt, nicht genügend Steneransschlag gegeben zu haben nnd gibt noch mehr Stener. Die verhängnisvolle Wirkung zeigt sieh in dem nächsten Augenblick. Es empfiehlt sich für Lernende, zunächst kleine Stenerausschläge zu geben und, noch bevor die Maschine den beabsichtigten Kreisbogen zurück- Dr gelegt. hat, das Stener gerade zu stellen und dam den zurüekgelegten. Kreisbogen zu prüfen. Ich möchte nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit die Bernts- aviatikern bekannte Tatsache festzustellen, dab Antomobilisten, welche (die Flngmaschinenstenerung erlernen, die Pedalstenering verhaßt ist. Der Antomobilist Ist. gewohnt, bei imgend einer Unsicherheit oder einem «drohenden Umheil seinem Antomobil Bremse zu geben, ge- wöhnhich ınit dem rechten Fnß. Scharfe Beobachter werden bemerkt haben, daß trühere Automohilisten bei Erlernnng des Fliegeus mn- No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 196 ausgesetzt scharfe Rechtskurven beschreiben. Dies tritt besonders bei den Bleriot-FlIngmaschinen sehr dentlich hervor. Um «ie nngewohnte Betätienng der Pedalstenemng zu nmgehen, haben verschiedene Flngtechniker versneht. che Seitenstenerung mut der Hand zu betätigen. In den meisten Fällen wird dies dadnreh versmcht, daß eme Stenersänle. wie sie Ellehammer nme Bleriot au- wenden, noch drehbar eingerichtet wird. Diese Kimmiehtmng: ISt TmIeht nen. In praxi wohl durchführbar. aber sehr schwer gebranchsfählg. Anch Bleriot hat sie frü- her versucht. Diese Kon- stinktion wird noch ott Verwendnug finden nmel erfnuden. und ebensoschnell wieder weggeworfen wer- den. Ob nnnm die Stener- säule aufgestellt wird wie bei Bleriot, oder anfge- hängt wie bei Grade oder die beabsichtigte Beweg- Abb. 4. nng durcli Hilfselemente nach Abb. 3 ausgeführt wird, bleibt sich im Prinzip gleich. Eine bestinmte Richtung, nnd zwar nm. die Stenermg selbst- henmend zu machen, hat Le ‚VAVASSCHT eingeschlagen, indem er für jede einzelne Steuer bewegung ein Handrad vorgesehen hat. Diese Stener- einrichtnng ist unseren Lesern ans „F Ingsport“ Nr. 25 Jahrgang FOOU „Moderner Fliegerban“ bekannt. Die Selbsthemmmmge soll weniger dazn dienen, um die Hand von den Stenerorganen loslassen ym können. als eine Entlastıng herbeiznführen. Da man in nenerer Zeit «lie Stenerzüge ın Rohre legt tes ist dies die bewährteste md beste Führnng der Stenerzüge), tritt schon eine Dämpfung, dnreh das An- schmiegen der Stahldrähte au den Rohren em. Diese Dämpfmug D Pe [4 13 genügt, nm die betätigende Kraft am IHebel oder an den Petdalen etwas zn entlasten. Die Selbsthemmmng darf dureh große Teber- setzungen. wie bei Antomette. en nieht zum weit getrieben werden. damit der Führer das Gefühl in der Stenernng nieht verliert Seite 197 „FLUGSPORT“. No. 7 Die Höhensteuerung wird anch in den meisten Fällen dem Instinkt gehorchend betätigt. Damit das Pferd nicht stürzt, wird man es straffer aın Zügel nelunen. Hleichbedentend ist: bei der Flugmaschme das Anziehen der Steuer- sänle, das Zurückziehen des Stenerrades beiin Anfstieg, beim Nieder- gehen das Vorwärtscrücken desselben. Bei voru liegendem Höhenstener (vergl. Abb. 2) bleibt die Be- wegung eine direkte. Bei hinten liegendem Höhenstener müssen die Stenerzüge gekrenzt werden. Die Hauptschwierigkeit ist bekanutlich die Betätigung der Schräglagensteuerung. Befindet sich beispielsweise eine Flugmaschine, in der Hug richtung gesehen, mit dem linken Flügelende nach ınten geneigt, ist: der nächste Gedanke des Fülırers, die Maschine wieder aufsmie ken. entweder dadnreh, daß man em Stenerrad in der Richtung A. (Abh. 4) dreht, oder eine Stenersänle in der Richtung A bewegt, d.h. «die Maschine aufriehtet (Abb. 5). Diese Voranssetzung ist falsch. Der Führer wird in der Schräglage (ohne Berücksichtigmng dergZentri- Abb. 6 fugalkraft in der Kurve) instinktiv seinen Körper nach rechts neigen, nnd zwar sucht er dabei einen Stützpuukt. Da er sich au dem Hand. rad, bezw. an der Stenersänle befindet, wird er das Handrad nicht in der Richtung A, sondern in der Richtung B und die Steuersäule nicht in der Richtung A, sondern nach B drücken. Curtiss ging bei der Konstruktion seiner Steuerung von den gleichen Voraussetzungen aus (s. Abb. 6). Der Körper wird sich in der Richtung A neigen nnd die unter die Arme greifende Steuergabel init nach rechts ziehen. (In der Abbildung ist. ler Einfachheit. halber statt der Hilfsstenerflächen eine Verwindung gezeichnet.) Bei der Unrtiss-Schräglagensteuerung wird der Führer instinktiv veranlaßt, auch - die Rückwärtsbewegung in-die Normallage der Steuerung aus- zuführen. Wenn die Maschine in der Kurve liegt, sucht der Führer der Zentrifugalkraft entgegenzuwirken und stellt selbsttätig, ohne es zu wollen, vor Beendigung der Kurve das Steuer auf normal zurück. Die Verhältnisse dürften sich wesentlich ändern bei Maschinen mit tief liegendem Führersitz, wie bei Santos Dumont und Grade, über die ich leider hier nicht urteilen kann, da ich in solchen Maschinen noch nicht gesessen habe. Es wäre interessant, die Eın- pfindungen der Zentrifngalkraft bei diesen Maschinen in der Kurve kennen zu lernen. No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 198 Nachdem ich im vorliegenden die Voraussetzungen bei der Kon- struktion der Steuerungsorgane der Vollständigkeit wegen aufgeführt. habe, werde ich in einer der nächsten Nummern unter „Moderner Fliegerbau“ die konstruktive Durchführung der einzelnen Details bo- sprechen. Farman-Maschine Type 1910. Wie bereits im Pariser Brief berichtet, hat Farman für 1910 einen neuen "Typ herausgebracht. Die Maschine unterscheidet sich von der früheren hauptsächlich durch die Verkürzung des unteren Tragdecks, welches nur 6 m Spannweite besitzt. Die obere Trag- lecke besitzt 10 m Spaunweite. Der überragende Teil von 2 ın (siehe unstehende Abbildung) ist an beideu Seiten angesetzt nud clurch Spanndrähte mit dem Hauptkörper verspaunt. Dieser au- gesetzte Teil ist nur einseitig bespannt, während der mittlere & m breite Teil doppelseitig bespannt. ist. Diese Anordnung der Trag- (leeken ‚dürfte den Vorteil haben, dab die Maschine, wenn sie ın der Nähe der Erde stark in der Kwve liegt, nicht so leicht deu Boden streift. Weiter ist die rückwärtige Seite der oberen 'Iragdecke des unteren Schwanzsteuers verstellbar eingerichtet. Der Schwanz wird bei dieser neuen Maschine nur von einem Sporn getragen. Damit die vorderen Teile der Kufen beim Landen nicht im den Erdboden bohren, sind dieselben je mit einem kleinen Räderpaar versehen. Der Schwerpunkt liegt bei der neuen Type ım Verhältnis zum Wider- standsmittelpunkt verhältnismäßig tief. Wie von Fachleuten berichtet. wird, soll die Maschine auch etwas unrulig geflogen sein. Farınau lat eine weitere Type versucht, in dem er den Schwauz nur mit eimer horizontalen Dämpfungsfläche und einem. vertikalen Seitenstener, ähnlich wie Sommer, versehen hat. Bei dieser Anord- nung wird che horizontale Schwanzfläche in der gleichen Weise ge- tragen wie das vordere Höhensteuer. Da der Schwanz bei schrägem Aufkommen auf den Boden stark beansprucht wird, dürfte erfahrungs- gemäß diese Ausführung etwas sehr leicht ausgefallen sein. Sommer hat bekanntlich auch bei Anordnung von nur einer Fläche den Gitter- träger beibehalten. Christiaens hat in Cannes mit der ın nebenstehender Abbildung dargestellten Maschine den Schnelligkeitspreis mit 89 ku au sich gebracht. Von den Aviationsmeetings. Eine Reihe zum Teil sehr interessanter avjatischer Bewerbe geht gegenwärtig vor sich, und schon die ersten Tage dieser Veranstaltungen haben manches bemerkenswerte Ereignis gezeitigt, wenngleich von eigentlichen „Sensationen“ nirgends wohl gesprochen werden kann. Das Hauptinteresse konzentriert sich auf die „Woche von Cannes“, wo bekanntlich, wie semerzeit au cheser Stelle eingehend besprochen worden ist, eine große Anzahl von Aviatikern in dem reich «do- tierten Wettbewerb getreten sind. Der erste Tag verlief bis anf Seite 199 „ILUGSPORL". No. 7 No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 200 einen Unfall Molons ziemlieh günstig. Der sonst sehr gewandte Blöriot-Pilot hatte die Unvorsichtigkeit begangen, wohl zur Erzielung eines höheren Effektes, zusammen mit Christiaens, der einen Farınan- Apparat: steuerte, Seite an Seite zu fliegen. Bei einem etwas heftigen Windstoß prallte der Farman-Zweidecker gegen den Bindecker an und Molon wurde mit seinem Apparat Aus der Balın gedrängt, sodaß er ‘1 einem benachbarten Felde landen mußte, nicht, olme schwere Materialschäden erlittev zu haben. Ausgezeichnet zeigte sich am cisten Tage von Cannes der junge, bislier sonst nicht gerade vom Glück begünstigte Frey anf seinem Farman. Er vermochte drei Flüge von je über eine Stunde zu verwirklichen. Wie schon früher gesagt, ist: Frey eim Dentscher. Er war seitens der zahlreichen. Zuschaner- inenge Gegenstand lebhafter Ovationen. Das Resultat des ersten Tagen war folgendes: „rober Preis der Stadt Cannes“: 1. Frey (Farınan) 2 Stunden 58 Minuten 29°; Sekunden; 2. Christiaens (Farınan), 1:48:22 4; 3. Edmond (Farman) 0:38: 45—%2; 4. Baratoux (Wright), 0:21:57 -8; 5. Molon (Blenot), 0: 13:58. „Preis für Dauerflug ohne Unterbrechung“. 1. Crochon (Farman) 1:01: 09—2; 2. Frey (Far- man) 1:09:02—2. „Preis für regelmäßigen Flug“: 1. Crochon (Far- man) 1:09:29; 2. Frey (Farman) 1:09: 02—2; 3. Cristiacus (Farman) 0:35:49 8. Es war also ein richtiger „Farman-Tag“. Am zweiten Yage zeichnete sich Ryemsdyck auf seinem Curtiss-Apparat aus. Er vermochte in dem „Bewerb des Abflugs zu festgesetzter Minnte“ mt ) Sek. Abstaud als erster abzufliegen. Zweiter war Crochon (Farıman) nit % Sek. Abstand; 8. Christiaens (Farman) mit 1”; Sek. Abstand; 4. Molon (Bleriot) mit 1’, Sek. Abstand. In „Großen Preis von 'annes“ placierte sich an diesem Tage Crochon (Farıman) mit 1:13:35-—1 als erster, während Edmond (Parman) mit 1:10:0—3 als zweiter und Frey (Farman) mit 0:41 :25—8 als dritter rangieren. Der dritte Tag brachte außer einigen nennenswerten Resultaten auch einige Unfälle, deren schwersten Rigal (Voisin) betraf. Er stieß im Fluge gegen einen Baum; der Apparat. überschlug sich und zerschmetterte vollständig am Boden. Die Verletzungen Rigals sind anscheinend erhebliche. Anch der Antoinette, von Sands gesteuert, und ein Wright, von Weidenbach gesteuert, gingen in Trümmer; die Piloten kamen olınc Schaden davon. Der Wind war au diesem Tage ziemlich heftig, sodal die Resultate gegen die der Vortage etwax zurückblieben. Im „Großen Preis von Cannes“ wurde Edmond (Farman) mit 1:09:52-—4 erster; 3. Crochon (Farman) 0:35:58—1; 3; Christiaens (Farmıan) 0:21:24—1; 4. Baratonx (Wright) 0:18:02—1; Popoff (Wright) 0:07:18. Den Preis für regelmäßigen Flug erlaugte an diesem Tage Crochon (Far- man) mit 1:09:29, während user Landsmann Frey mit 1:09:02—2 zweiter wurde. Auch im Danerflug olıne Unterbrechung hielten diese beiden Farman-Piloten die Spitze, und zwar Crochon init 1:09:09 -—-2, Frey mit 1:09:02—2. Am vierten Tage wurden durch deu an- haltenden starken Wind fast alle Flugversuche vereitelt. Nur Edmond und Popoff flogen einige Minuten. Ebenso ergab der fünfte Tag nichts besonders Nennenswertes, weil immer noch eine starke von der Scc kommende Brise den Fig erschwerte. Nach Abschluß dieses Tages steht das Generalklasement für den „Großen Preis von Cannes“: . Crochon (Farman) 4:07:20, 2. Frey (Farınan) 3:09:48—2, 3. Edl- mond (Farman) 8:14:40—2, 4. Christiaens (Farman) 2:58:25—1. 5. Ba- (In der Maschine: Christiaens.) Farman Typ 1910. Seite 201 „ELUGSPORT“. No. 7 ratoux (Wright) 0:49:33—-3, 6. Molon (Bleriot) 0:29:46—3. Im Regelmäßigkeits- und Danerflug ohne Unterbrechung halten Crochon und Frey die Spitze. Recht unglücklich begann die Woche von Niort. Dort sinel Nocl, Jacques de Lesseps, Busson und Weyman vertreten. Nach eimigen gelungenen aber kurzen Flügen der Blöriot-Piloten, der lingste Flug war 9 Minuten, stieg Chanpel mit seinem Voisin-Zweicdecker auf, nach 100 Metern landete er brüsk und zerbrach dabei die Schraube. Weyman versuchte vergeblich, sich mit seinem Santos- Dumont vom Boden zu erheben. Am Tage darauf hatte Noel eine unglückliche Landung, wobei sein Apparat: schwer beschädigt wuutle. Aber auch die anderen Aviatiker vermochten nicht, über ganz be- langlose Leistungen hinauszukommen, An dem Meeting von Biarritz-Bayonne nehmen teil: Killer (Antoinette), Duray (Farman), Chavez (Farman), Hauptmann Burgeat, (Antoinette), Leblanc (Bleriot), Leforestier (Olga), Miguot (Voisin). Der letztgenannte Aviatiker hatte am zweiten Tage einen. Unfall. Der Apparat, der beim Landen durch heftigen Wind von der beabsich- tigten Landungsstelle fortgedrängt wurde, stieß gegen einen aufgc- schütteten Graben und schlug um. Miguot wurde dabei, wie es scheint, nur leicht verletzt. Auch dieses Meeting hat sehr unter der windigen Witterung zu leiden. Aus Florenz, woselbst inzwischen das angekündigte Aviations- wmecting, an dem 9 Aviatiker,"nämlich Rougier (Voisin), van den Born (Farman), Faccioli (Spa-Faccioli), Cagno (Avis), Cobianchi (Müller), Grasso (Grasso), A. Grasso (Santos Dumont), del Pauto (Bleriet), Cordonnier (Bleriot) teilnehmen, begonnen hat, wird von einem Unfall gemeldet, der den Voisin-Piloten Rougier betroffen hat. Als er sich in etwa lÜm Flughöhe befand, erfaßte ein heftiger Windstoß seinen Apparat und drückte diesen gegen die Tribünen. Um eine Kata- strophe zu vermeiden, stellte Rougier die Zündung an seinem Motor ab, in der Erwartung, schwebend den Boden erreichen zu können. Aber ein nener und noch heftigerer Windstoß stieß den Acroplau mit solcher Wucht auf den Boden auf, daß der rechte Flügel zertrümmert und KRougier einige Meter weit aus seinem Sitz geschleudert wurde. Durch einen glücklichen Zufall kaın der Pilot ohne ernsten Schaden davon. Glücklicher operiert van cleun Born auf seinem Par- man-Zweidecker, wennzwar auch seine Flugversuche (hurch den anßer- gewöhnlich heftigen Sturm wesentlich beeinträchtigt werden. Die übrigen Piloten vermochten noch weniger, gegen das eutfesselte Kleinent anzukämpfen. Das Meeting, das aus Anlaß der Eröffnung des Aerodroms von Crau .dorten stattfindet, _ vereinigt sieben Konknirenten. Am ersten Tage taten sich besonders Dufour auf einem Santos Dumont Demoi- selle-Apparat, sowie Metrot auf einem Voisin-Zweidecker hervor. Hauvette-Michelin mit seinem Antoinette kam über Versuche zum Abflug nicht hinaus. Gegen den Schluß des Tages erleidet Dufow: durch ein ungeschicktes Abflugmanöver noch mit seinem Santos- Dumont einen bedauerlichen Unfall, bei dem der zierliche Eindecker schwer beschädigt wurde. Ein Flügel wurde verbogen und ein Rad zerbrochen. Der zweite Tag war noch unglücklicher. Hauvette- Michelin zertrümmert seinen Antoinette vollständig... Er flog gegen No. 7 .„FLUOSPORT". __ Seite 202 eine kleine Brücke, welche einen das Flngfeld durehumerenden Kanal überzieht. Dev Apparat stieß vorm gegen die Pfeiler und Sc Ins nn. (Wücklicherweise konnte der Pilot unversehrt aus dem nen au “ gezogen werden. Gegen Mittag waren mehr als dad Nersond 1 dem Aerodhom anwesend. Der Sicherheitscienst war fin einen PH Menschenandrang absolut unzureichend. sodab die Menge, auiperegt dureh den lange verzögerten Beginn der F hugversue 10. n nendht Haltung auf die Bahn und gegen die iegerkallen Hirn ( Na Menge einigermaßen zu beruhigen, unternahmen Metret un gue Flugwoche von Cannes. Oben: Christiaens inı Fluge gewinnt den Schnelligkeitspreis. Unten: Ryemsdyck auf Curtiss. einige vergebliche Versuche. Mit vieler Mühe gelang es. die Aviatiker be) ‘ . u u . B \ A und ihre Apparate vor der wütenden Menge zu schützen. An \ . : ‚isr’ Fe r r r >f“ Fa r71° nächsten Tage war der Flugplatz fast leer. nın vereinzelte Zusch I \ waren noch erschienen, da die Lokalpresse aufgefordert hatte, daß Seite 203 „FLUGSPORT“. No. 7 man derartige auf wertlosen Reklamen basierte Veranstaltungen meiden solle. Die Organisatoren wollen nun eine beträchtliche Ermäßigung des tatsächlich viel zu hoch bemessenen Eintrittsgeldes vornehmen : das soll das Heihnittel sein, mit dem das drohende Defizit beschworen werden soll. Die beiden gleichfalls sehr interessanten Meetings von Monaco und Sevilla haben nun auch begonnen. Wir Kommen auf deren Ver- lauf, sowie auf cas Endergebnis der vorerwähnten Meetings in der nächsten Nummer zurück. Reaktionsfreier Escher-Rotationsmotor. Die vorschiedenen Vorteile der Motore mit rotierenden Zylindern und die gute Aufualıne, welche cieselben in fIngtechnischen Kreisen gefunden haben, veranlaßte die Firma Sächs. Werkzeugmaschinen- Fabr. Bernh. Esclıer, Chemnitz, dieser Frage ınehr Beachtung zu schenken und neben ihren gangläufigen Typen vn 4 6 und 8 Zylinder - Flugmaschineu - Motoren einen derartigen Rotations- motor zu konstrweren. Sie war dabei bestrebt, sich nicht mit den bisherigen Koustmktionen zufrieden zu geben, sondern zu versuchen. noch etwas besseres zu schaffen und gleichzeitig noch verschiedene Nachteile dieser Motoren auszuschalten. Der neue Motor ist: in nebenstehender Abbildung dargestellt. Dadurch, daß das Gehäuse in der entgegengesetzten Richtung der Motorwelle rotiert, wird das Reaktionsmoment. vollständig ausgeschaltet. Der Rotationsmotor ist ein Viertaktmotor und wird normal mit 3 Zylindern gebaut. Motore für größere Leistwigen mit 5 und 7 Ziy- lindern sind in Vorbereitung. Die Motorachse ist. zweiteilg. Den einen Achsenteil bildet die Kurbelwelle, die zum Gegensatz anderer Koustruktionen 3 mal gelagert ist. Den anderen Teil bildet die als Achse ausgebildete Verlängerung des Kurbelgehäuses, welche wiederum in zwei Kugel- lagern eelagert: ist. Infolge der geringen Masse im Gehäuse werden die beiden Achsenteile, auf welche je eine Schraube montiert ist, in entgegengesetzter Richtung mit gleicher Tonrenzah] rotieren. Das Kurbelgehäuse besteht aus einer hochwertigen Bronce-Legierung von 70 kg Festigkeit und 30% Dehnung. Die drei Zylinder ans Chromnickelstahl mit 110 kg Festigkeit sind aus einem Stück aus dem Vollen gearbeitet und mittels Mutterschrauben auf dem Gehäuse in solider Weise befestigt. In dem Zylinderbodeu, welcher mit dem Zylinder aus einem Stück gearbeitet. ist, sind clie Saug- und Auspuffventile montiert. Die Steuerung der Ventile ist »waugläufig wud geschieht durch ein eigenartig kombiniertes Planetgetricbe, welches ermöglicht, alle 3 Zylinder mit ein und demselben Nocken, welcher besonders kräftig ausgeführt: ist, zu steuern, Die Zuführung des fertigen (rasgeimisches in die Zylinder erfolgt durch eine besondere (rassammelkammer, welche mit eimem fext- stehenden Deckel versehen ist. in (en cas Gaszufülimnesrohr vom Vergaser mündet. Die zentrale Schmiermng (ler Maschine ist derartig eingerichtet, „FLUGSPORT“. Seite 204 V wo Noto wg 191 ‚Rotat [3 W jer forche IM Aetuffritit - Ansguorieti - — den nn ba EEE m 1} AITTTTTIT- FED EI E/ - - Paotiiise- = g r A 4 EEE & ” he ’ MRGTEEADIs— un Seite 205 _„FLUGSPORT“. No. 7 daß sie während des Betriebes bedient und reguliert werden kann. Das Oel gelangt automatisch nach allen” Teilen, [welche Schmierung brauchen. “ Der Magnet-Zündapparat rotiert wit dem Motorgehäuse. Die Funkenbildung erfolgt: durch cine besondere Abreißverteilervorrichtung. Dadurch, daß alle Zylinder auf eine Kurbel arbeiten, erhält die Maschine eine geringe Breite und hiermit das geriuge Gewicht von 1’, kg pro PS. Infolge der gegenlänfigen Umdrehung der Schrauben, wird die beim Rotatiousinotor an sich schon intensive Kidulung noch bedeutend vermuchrt. Ein Hanptvorteil des reaktionsfreien Motors ist der, dal durch die Gegenläufigkeit die Tomvenzahl auf die Hälfte herabge- mindert wird. Es können dadnreh größere Schrauben, welche be- kamntlich nit besseren Wirkungsgraden arbeiten, als kleine schnell- anfende verwendet werden. Diese nenne Motortype dürfte dam beitragen, «ab unter der Ver- wendung von zwei gogenläufigen Schrauben die Konstruktion nnserer Fhugapparate anf andere Bahnen gelenkt wird und von Frankreich abweichende Typen geschaffen werden. Das Flugwesen auf der Internationalen Motorboot- und Motoren-Ausstellung Berlin. Der moderuste Sport, der Flugsport, ist, wem anclı iu geringen Maße, anf der Internationalen Motorboot- nnd Motoren-Anwstellung in Berlin vertreten. Wir sehen im erster Linie einen inodernisierten Wright-Apparat, ansgestellt von der „FPlingmaschine Wright“ Gr. ın. b. H. Berlin, mit Stabilisierungsfläche, wie wir ilu bereits friiher im „Flugsport“ besprochen haben. Die Ansführung zeigt eine bedeutende Verfeinerung, gegen die früheren französischen Konstruktionen. Weiter "hat die Firma E. Ruunpler, Luftfahrzeugebau &.m.b. H., zwei Eindecker, welche nach deu Konstruktionen von Eggers und Pegelow (siehe nebeustelende Abbildungen) gebaut sind, ausgestellt. Die Flugmaschine Eggers hat 12 ın Spannweite und 12 m Gesamtlänge. Die Tragfläche beträgt 30 qın, das Gesamtgewicht (betriebsbereit, jedoch olıme Führer); beträgt ca.250 kg. Der Rumpf des Eindeckers, welcher zur Aufnahme, bezw. Befestigung sänıtlicher übriger Teile dient, ist nach einem ganz neu- artıgen System angefertigt, welches -ın-Bezug- auf Leichtigkeit uud Festigkeit den weitgehendsten Ansprüchen genügt. Jede einzehre Eck- verbindung dieses trapezförnnigen Körpers ist anf «das sorgfältigste, ımter Rücksichtnahme auf die anftretenden Kräfte ausgebildet. Die Abfederung des Rnınpfes, welche namentliclı beim Landen von größter Wichtigkeit ist, wird dureh eime einzige, zentral angeordnete, sehr lange nud daher sehr weiche Feder bewirkt. Sie wirkt anf das Lauf- gestell, welches ans einem in sich abgeschlossenen dreicckigen Ralımen bestelit. dessen mittleres Rohr in zwei langen wit dem Rımpfe fest verbundenen Büchsen gleitet. Diese lange Lagernng bezw. Führnng schließt. jedes Ecken des abgefederten Uutergestelles gegenüber dem No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 206 Rnmpfe aus md beseitigt dadnreh in glüicklichster Weise einen Uebel- stand, der bisher fast allen Flieger-Ronstinktionen anhaftete. Die Flngmaschine besitzt emen 50 .PS Rannpler-Motor, welcher in dem Vorderteil der Flngmaschine augeordnet ist. Ant dem vor- deren. verlängerten Gouns der Kurbelwelle sitzt eme 2,4 m Schraube. Der Motor ist ein S-Cylinder-Motor mit V-förmng angeordneten Oy- lindem. Sein Gesamtgewicht beträgt ca. 105 Kilogramm incl, sämt- licher Armatnrteile wie Wasserpumpe, Oelpnnpe, Magnet-Apparat. etc. Die Oylinder z. B. sind an Ihrem oberen ‚Wnde halbkangelförmig ann gebildet und die Ventile sitzen direkt im Gylinder-RKopf, so dad chireh Portfall des bei andem Motoren üblichen Ansbanes eine ganz be- Von der Internationalen Motorboot- und Motoren-Ausstellung Berlin. Oben: Flugmaschine Eggers. Unten: n Pegelow. Jentende Ersparnng an Konstruktionsgewicht erzielt wird. Die Kaurbel- welle ist hohl ausgeführt, so daß deren Gewicht ann 6,6 kg. beträgt. Die Tragflächenform des Eindeckers ı8t nach ganz nanartigen, von Ingenienr Eggers, Mainz, herrührenden, eine ausserordentlich gute Tragwirkung sichernden Grundsätzen ansgebildet. ” Der schlanke Körper der ganzen Flngmaschine endet in einer Stabilisierungsfläche, deren hintere Verlängerung unter- Umgehung eines Scharniers direkt in einem Höhensteuer ‚endigt. Diese Anordnung gibt dem ganzen Apparat ıu der Höhenrichtung O11Te ] ıtät. ee Desi tensteuer wird in bekannter Art durch zwei, oberlıall undnnterhalb des Höheusteuers symetrisch angeordnete Flächen gebildet, Die Flugmaschine Pegelow hat eine Spannweite von 8 m, die Gesamtlänge des Apparates Ist 7,7. m, die Tragfläche beträgt al qm, (las Gesamtgewicht betriebs- bereit, jedoch ohne Führer, beträgt ca. 150 ke. Seite 207 „FLUGSPORT“. No. 7 Der Tragkörper dieses Eindeckers ist aus zwei oberen und einer unteren Bambnsstange gebildet. Die Querverbindung dieser drei Bambnsstangen geschieht. Are :h diagonal angeordnete, dinmere Bambns- stäbe, welche durch eigenartig ausgebildete Eekverbindnngen mit den Hanptbambnsstangen Verbunden werden. Diese Eckver bindungen sind aus autogen zusammengeschweißten Rohrstücken hergestellt. Ihr Verband mit «den Baimbusrohren geschieht duch ein System von selbstiemmend geknüpften Schmummmwicklungen. Der dnrch diese Koustrmktion eutstandene Körper besitzt infolge dieser Vereimignng von bisher einander fremden Konstruktions-Elementen ein ganz auber- ordentlich geringes Gewicht bei größter Steifigkeit. Eine besondere Abtederung des "Rumpfes ist: bei dieser Konstmktion im Tıteresse der Einfachheit unterdrückt. Die Flngmaschine besitzt einen 25 PS Anzani-Motor. Die Seiten- stabilisiernng wird durch Verwindung des änßeren hinteren Ver- längerungsstückes der Tragflächen herbeigeführt. | Am hinteren Ende der Flngmaschine befinden sich Stabilisernngxs- flächen, welche in federnde Spitzen endigen. Dnreh Heben nnd Senken dieser Spitzen wird die Höhenstenerung des Flngfahrzeuges herbeigeführt. Das Seitenstener ist ähnlich der Latham’schen Konstimktion. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. In meinem letzten Berichte konnte ich von den stattlichen Be- trägen melden, mit denen die französische Aviation für das lanfende Jahr dotiert sein wird, und deren Umfang der Bewegung einen äußerst wertvollen Impuls verleihen muß. Nun ist heute wiederum eine Entscheidung nach jener Richtung zu konstatieren, die nicht verfehlen wird, auch un Auslande das lebhafteste Interesse auszulösen. Wie erinnerlich sein wird, hatte der Antomobil-Cnb de France sich bei Aufsteliwg des Internationalen aeronantischen Kalenders eine eigene avlatische Veranstaltung zu Reims, kwz nach dem dortigen großen Meeting; des Aero- Clubs, reserviert und das hatte damals, da das hierfür angesetzte Datum mit der von England angemeldeten Veran- staltung kollidierte, zu den bekannten Kontroversen geführt. In- zwischen ist die Diskussion über diese Frage natürlich nicht zur Ruhe gekommen und man hat hüben nud drüben eifrig versncht, die Sache wieder einzurenken. Eigentümlicherweise hatten . die Engländer auch bei den französischen Aviatikeru Biuindesgenossen gefunden, weil die hiesigen interessierten Kreise die präponderante Stellung, die sich der große Anutomobil-Clnb de France anch in aviatischen Fragen usurpiert hatte, als lästig empfanden. Man stränbte sich dagegen. daß auch in Zukunft diese, für die Entwicklung des Antomobilisinns allerdings bedentungsvolle nd außerordentlich einflußreiche, Ver- eiNigung ın tlugsportlichen Dingen gewissermaßen die letzte Ent- scheidung habe ıuıd es entspann sich eine recht lebhafte Campagne, die umn durch einen Beschlnb des Antomobil-Cinb de France ihr Ende getnnden hat, einen Beschluß, der am besten die würdevolle No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 208 Stellnug (lex großen Clubs dartut und nnn von allen Frennden der aviatischen Beweenng mit frenciger GFenngtnnmng begrüßt wird: der Antomobil-Club de France verzichtet auf die von ihm geplante Reimser Veranstaltnng, will aber mehtsdestoweniger sen großes Ti- teresse an der Lnftschiffahrtsbewegung belmnden und setzt den Betrag von 2I0,O0H Fraues für Zwecke diesen Bewegung aus, und zwar derart, daß 50,000 Franck für Lenkballons und 150,000 Franex für Acroplane ZU Ver wendwng gelangen. Die besondere Commission anto-aerıenne des genannten Kinbs soll die Reglements der betreffenden Bewerbe fest- stellen, doch kann ich auf rnnd zuverlässiger Information schon heute sagen, daß der Betrag von 50,000 Francs für einen Leukballon- flug von _ Paris nach London, die 150,000 Frances fir emen großen Aeroplanbewer b Paris---Brüsse] bestimmt werden dürften. Für die noch ferner liegenden aviatischen Demonstrationen wird rege gearbeitet. Hierhin gehören das Meeting von Nizza (12. bis 14. April), über das ıch bereits gemeldet habe; die große Woche von Lyon (7. bis 15. Mai), für die bis- her drei Apparate: 1 Voisin (Metrot), 1 Farman (Van den Born) nnd 1 Bleriot (Le Blon) gemeldet sind. Wie es heißt, soll auch Latham mit einem Antoinette-Ein- decker starten wollen, was mit Rücksicht auf die recht unklare Lage bei Antoinette, von der nachlier die Rede sein wird, doch noch zweifel- haft erscheint. : Für das letztgenannte Meeting sind ganz beträchtliche Preise von Kommnnen nnd Ver- einigungen gestiftet wor- den; das Meeting von Niort, in dem 6 Bewerber, näm- lich Bnsson (Bleriot), Dostel, Caınpel (Voisin), Nyemanı (Santos Dumont), de Les- seps, Noel (Bleriot) starten: die große Woche von Anjon (4. bis 8. Juni), für die umfangreiche Vorbereitungen getroffen werden. Bei dieser (e- legenheit soll zum ersten Male ein Bewerb von Stadt zu Stadt arrangiert werden, nämlich ein Flug Angers—Saumnr— Dugas. Das natürlich das Große Meeting der Champagne. (vom 3. bis 10. Juli) einen „Clou“ der Fliegesaison “bilden wird, versteht sich von selbst. Das Aerodrom von Betheny wird für diesen Zweck eine Ver- änderung erfahren. Abgesehen von den 200,000 Frances Preisen, die für dieses Meetiug ansgeworfen sind, werden bei dieser Gelegenheit anch die französischen Ansscheidnugsbewerbe für den „Gordon Ben- Seite 209 „FLUGSPORT“. No. 7 nett für Flugmaschinen“ stattfinden. Das Meeting steht unter dem Protektorat des Acro-Clnb de Krance, genan wie die vorjährige große Veranstaltung. lie trotz ihres mmbestreitbaren sportlichen Erfolges leider mit einem starken Defizit abschloß. Die Rechnungslegung für das vorjährige Meeting ist jetzt socben erfolgt und weist eine Unter- bilanz von mieht weniger als 205,000 Franes auf! In Pau führte Bleriot in dev vergangenen Woche einige in- teressante Plüge aus, damnter einen solchen von 5 kım mit dem Holländer van Maasdiek an Bord. Leblauc hatte einen kleinen Un- fall, der leicht bedenkliche Folgen hätte haben können. Er befand sich in 200 Meter Höhe. als seine Motorwelle brach, sodaß die Schraube zur Krde stürzte. Ohne seine Rule zu verlieren, ging Lie- blane im Schwebeflige nieder me landete oline Schwierigkeit. Leut- mant Agnaviva. Mac Ardle und Darroch stenerm tıre Bleriot-Apparate wit ziemlicher Fertigkeit. In der Antoinetteschule experimentieren Küller md de Mwmm. Bei Wrights hat Rene Gasiyier schöne Flüge von etwa halbstündiger Dauer auszuführen vermocht. Erwälnt sei noch. «aß Bleriot an seinem nenen Apparat, dem „Eliegeuden Hol- länder“, insofern eine Konstinktionsänderung vormmnt, als cr den Pilotensitz nm 60 Zentimeter zurückrückt. Graham White, der sieh von seinem letzten Stuiz erholt zu haben scheint, wird demnächst in Pan wieder Abflüge vornehmen. Tn Issy-les-Monlineaux gab ces diese Woche einen ziemlich be- woaten Tag. Amı Dienstag stieg Trauchart zun ersten Male mit einem Bleriot-Apparat auf. Er erhob sich in etwa 15 Meter Höhe, stenerte gegen die dort befindlichen Fortifikationen nnd, ängstlich geworden, stieß er gegen eine der Mauern an nud stürzte in eine Bastion, wo der Apparat zeischmettert liegen blieb. Der Pilot kam, so scheint es vorlänfig, ohne ermstlichere Verletzuugen davon. Eine Viertelstunde später stürzte Umbert mit einem Bleriot-Eindecker; anch dieser Apparat ist völlig vernichtet, der Pilot ziemlich erheblich verletzt worden. Mit besserem Erfolge manövrierten Noel und Olies- lagers, die trotz heftigen Windes mit ihren Bleriot-Maschinen recht hübsche Flngleistungen iu Höhen von 35 und 45 Metern zu Stande brachten. Auch der Apparat „Albatros“, dem Prinzen Nipolis gehörig, ist, dieser Tage zu Issy m Trümmer gegangen. Gut voran kommen Kaufmann, Gnyard, Bariole nnd Weiß. Dagegen hatte Andemars mit seiner Demoiselle Pech; er stürzte infolge ungeschickten Manövers ab nnd zertriümmerte die Maschine vollständig. In Oroix d’ Hins feiert gegenwärtig Rigal Triumphe. Er stenert dort einen Voisin-Zweidecker mit bemerkenswertem Erfolge nnd brachte dieser-Tage-den-„Preis Chapon“ an sich. Molon, der in Havre unermüdlich weiter experimentiert, hat in- dessen seinen angekündigten Flug über das Seine-Delta noch nicht unternommen. Allerdings waren die Windverhältnisse in den letzten Tagen dort ungewöhnlich ungünstige. Aber Flüge von mehr als einer Stunde Daner bringt Molon fast täglich in der Ebene von Bleville zu Stande. Auf dem Manöverfelde von Monrmelon-le-Grand geht es lebendig zn. Einen eigenartigen „Rekord“ kann dort Van den Born für sich in Anspmeh nehmen, der innerhalb cmer Woche vier Eleven zu selbständigen Piloten ausgebildet hat. In der 'Tat scheint der Belgier No. 7 _ _„FLUGS PORT“. . Seite 210 eine große Fähigkeit in der Unterweisung anderer zu bekunden. Die betreffenden vier Eleven, Kinet, de Lavine, Ohristiaens und Graf Malynski, haben bereits ihr Pilotenpatent erworben. In der Bleriot- schnle sind Kühling, Barrier, Tadeoli und Hubert bemüht, sieh zu vervollkommnen:; Barrier hat schon Flughöhen von 50 Metern er veicht. In der Farmanschule betätigen sich außer dem voreenamiten Van den Born noch die früher erwälnten Öffizierspiloten, von denen die Hauptlente Somerset und Gibbes Evwäluung verdienen. Bei Voisin sind es Poillot, Forest, Graf Laval und die Schwestern Anne und Rose Itier, die sich mit ihren Apparaten anscheinend gut zurecht- Enden. Mignot, der sich große Fertigkeit in der Stenerung seines olsın-Zweideckers augeeigne „ filhr 1e wer Flüge aus, darunter ee on hr " Pe "Meter Höl © Flüg K n mehr als 20 km m 30 Meter Höhe. Der Eleve der dortigen Antoinette-Schule hatte einen erusteren Un- fall:. der junge Mann, namens Wächter, geriet nach mehrmaliger Umkreisung der Flugbahn mit ‘seinem Eindecker in eine heftige Windströmung; der Apparat schlug um und zerschellte am Boden, während der Pilot glücklicherweise mit dem Schrecken davon kam. Ein neuer Eindecker Saulnier verunglückte bei den ersten Vermchen und mnß eimer gründlichen Reparatur nnterzogen werden. Vorher war er von de Lesseps ziemlich sicher gestenert worden. Anch der bekannte Antomobilist Pizzagalli ist in Monrmelon angekommen, wo er mit der Steuerung eines Voisin-Zweideckers beginnen will. In der Hanriotschule zu Reims sind außer dem Vater und dem jungen Han- riot auch Bathiat, Taile, Parand, de Larochefoncauld n. a. m. tätig vor allem aber Wagner, der wiederum schöne Flugleistungen zn ver- zeichnen hat. Am Donnerstag hatte er, von einen Windstoß er- griffen, eine tmglückliche Landung. bei der leichte Verletzungen seiner Maschine vorgekommen sind. Uebrigens haben jetzt Wagner und auch Hanriot selbst auf ihren Apparaten „Gyp“-Motore ange- bracht, die anscheinend gut arbeiten. ” Auch Henri Farman soll im Begriff stehen, eine nene Flieger- type zu schaffen, eine Art. Mittelding zwischen Eindecker und Zwei- decker. Als besonderer Vorzug des neuen Apparats wird gerühmt, daß er „nicht mit den Wright-Patenteu kollidiere“. Farman will sich init dem neuen Apparat, über den nichts näheres zu erfahren ist, zu Etampes auf einem nen Nhergerichteten Flugfelde von 44 Hektaren installieren. Dort hat er eine Flngbahn von 2,500 km im Umkreise geschaffen; außerdem sollen daselbst: Ateliers errichtet werden. | Gleichfalls sehr rührig zeigt: sich Roger Sommer, der zu. Douzy ununterbrochen Anfstiege vornimmt. Am Sonnabend flog er, mit -—— emem-Eleven an Bord, während 1 Stunde und 8 Minuten, Auch Verstraeten und Bonvier haben ansehnliche Flüge mit ihren, Sommer- .. = = [747 kA re ” = Kl ’ " 7 N BR ii " " Apparaten ausgeführt, ersterer solche von mehreren Kilometern. ar iy 1& "a ıay oo sch r . Er aan Sand ogar in Juvisy fängt es a, sich zu regen. Dort operieren saudart nnd Unni-Öanton mit ihren Apparaten mit leidlichem Er- folge. Aber die Sensation von Juvisy ist der neue Tellier-A pparat e . . R eng) Mu set eis n u der von Dnbonnet gestenert wird. Es ist dies dev früher von. mir beschriebene Eindecker, den die bekannte Motorbootrumpf - Firma * ” ‘ . r1 4 » 2 D n a Tellien erbant hat. Ei hat, wie erimmerlich. eme Länge von 11 m. eine Spanubreite von ebenfalls I] m nnd 24 «qm Tragfläche. Die ” “ Ir u “I; = u ” .. - > " trausversale Stabilität wird duch Flächenverwindung erreicht. Seite 211 „FLUGSPORT". No. 7 Die Längenstabilität ist automatisch. Zum Antriebe dient ein 35 PS Panhard Levassor-Motor, der ihm eine Geschwindigkeit von 0 kın die Stunde geben soll. Das Gesamtgewicht, einschließlich des Piloten, beträgt 500 kg. Den ersten Experimenten, bei denen (ler Apparat: bereits einen halbstündigen Flug ausführte, wolnnte eine anserfesene Gesellschaft. bei. Man proplhiezeit_ Wimnderdinge von dem nenen Apparat. 2. In den anderen Aerodromen, wie Donai, Croix d’Hins u. s. w., herrscht andauernd reges Treiben nnd überall strömen immer neue Bleven heran, die sich dem Fliegersport: widmen wollen. Zu erwähnen ist hier noch, daß der Präsident der französischen Republik zugesagt. hat, der Eröffnung des Aerodroms von Bordeanx, «die im Monat. Mai vor sich geheu wird, persönlich beiznwohnen. Der Pilot Laurens, der einen Esnanlt-Pelterie-Eindecker steuert, hatte am Sonnabend einen bedawerlichen Unfall. Er experimentierte auf einem Felde in der Nähe von Paris, als er plötzlich, während er sich iu geringer Höhe über dem Boden befand, ein Pferdegespann vor sich sah. Lanrens, der noch Anfänger in der Flugtechnik ist, steuerte zu brüsk hermm, so daß einer der Flügel des Apparats gegen die Erde stieß und zerbrach. In dem Augenblick mnß Laurens völlig seine Ruhe verloren haben, deun er sprang aus dem Apparat zu Boden, wo er natürlich besinnungslos liegen blieb. Man schaffte ihn u eiu nahegelegenes Hospital, wo die Aerzte sich über die Natnr seiner Verletzungen noch nicht zu äußern vermochten.. Le Blon, der zu San. ‚Sebastian mit einem Bleriot-Eindecker Schauflüge veranstaltet, ist am’ letzten Montag bei einem seiner Flüge ins Meer gestürzt. Nachdem ihm unter dem Jubel der anwesenden Menge zwei Flüge von 9 und 8 Minuten über das Meer hin gelungen waren, ließ bei dem dritten Versuche plötzlich der Motor nach nnd Apparat und Pilot stürzten in die See. Von allen Seiten eilten Rettungsboote herbei, denen es auch gelang, den Piloten unversehrt aus den Wellen zu fischen; an die Bergung des Apparats konnte man wegen der hochgehenden See vorläufig noch nicht denken. :.Die Ma- schine liegt in der Nähe der Küste zwischen den ' vorspririgenden Felsformationen 'eingeklemmt und’ soll mit seiner Bergung "begonnen werden, sobald es das Wetter zuläßt. Inzwischen wurde telegraphisch mitgeteilt, daß Le Blon bei einem späteren Flug dnrch Ueberschlagen des Apparates wieder ins Meer stürzte und der Apparat so unglücklich auf ihn fiel, daß er seinen Tod fand. Näheres über den bedanerlichen Unfall werden wir noch mitteilen. „Von Latham ist es still, auffällig still geworden. Man wird sich erinnern, welches Aufsehen es seinerzeit erregte, als der alte und be- kannte Levavassenr, einer der ersten praktischen Vorkämpfer der aviatischen Bewegung, aus der Antoinette-Gesellschaft austrat. Damals übernahm Latham, der damals gefeierte Liebling der Aviation, die Leitung der Firına, nachdem anch durch eine Erhöhung des Aktien- kapitals eine innere Sanierung vorgenommen worden war. Von dem Augenblicke au verblaßte der Stem Latlams nnd als nach seinem mnibglückten Kanalübergnerungsversuch auch noch die Woche von Heliopolis ihm einen eklatanten Mißertolg gebracht hatte, zog er sich, wie seinerzeit gemeldet, verstimmt und verärgert nach Konstantinopel No. 7 „FLUGSPORT“ Seite 212° zurück, wo nahe Verwandte von ihm ansässig sind. Naturgemäß er- regte es 11 hiesigen aviatischen Kreisen das größte Aufsehen, als dieser Tage bekannt wurde, daß der alte Levavasseur wieder in die Firma Antoimette eingetreten wäre ımd daß Gastambide, anch ein be- kannter avıatischer Pionier, die Leitwug der Firma iibernommen habe. Anch sonst: bereitet sich ein lebhafter Austausch französischer Aviatiker an das Ausland vor und zwar in einem Umfange, wie es iu früheren Jahren nicht beobachtet werden konnte. Bleriot hat ein Angebot, an der großen Aviationswoche von Barzeloua, iu der 136.000 Pesetas an Preisen zum Austrag gelangen, telegraphisch au- genommen. Guyot ging nach Rußland: er will am 2. und 4. April in Warschau, am 10. April m Petersburg nnd später in Moskau, Nishni-Nowgorod u. s. w. Flugvorführuugen veranstalten. Uebrigens heißt es, daß auch Latham im Mai in Rußland aviatische Experimente vormehmen wird, aber auch das klingt nicht sehr;walhrscheinulich. Bröegi und Stoeckel sind in Buenos Aires, two sie, wenn manfden Der neue‘ Farman im Fiuge. siegestrunkenen Telegrammen glauben will, einen wahren Enthusias- mus der Argentinier auslösen. Brögi soll dieser Tage auf seinem Voisin 15 km zurückgelegt haben. Valeton, der zu gleicher Zeit dort. mit einem Farman experimentiert, berichtet ebenso günstige Erfolge. Nach Florenz, zu der dortigen großen Aviationswoche (vom 28. März bis 7. April) sind außer deu Italienern de Zara, Faccioli, Cobianchi, Grasso auch Van den Born, Rongierund Guyot gegangen. Effimoff istnun in seine russische Heimat zurückgekehrt und begeistert in Odessa das Pub- likum, das in zahllosen Mengen seinen Flugvorführuugen zuströmt. Aım Freitag führte er vor mehr als 50.000’Personen einige gelungene Flüge in 100 Meter Höhe aus, wofür er stürmische Ovationen erntete. Auch der frühere Schah von Persien wohnte dem’eindrucksvollen Schauspiele bei. Nach dem neu angelegten Aerodrom Kiewit-Hasselt, welches der Aero-Clnl» von Lüttich-Spa bauen hieß, siedeln m wenigen Tagen Lanser (Farmıan'. Seite 213 „FLUGSPORT“. No. 7 de Lamine (Farman), Allard (Voisin), Baar (Voisin), Trasenster (Voisin), Kinet (Farman), de Petrowski (Sommer) über. Dagegen sind aus Rußland sechs von der dortigen Militärverwaltung abkommandierte Offiziere in Paris eingetroffen, wo sie die Stenerung von Farman- und Bleriot-Apparaten erlernen sollen. Von allgemeinem Interesse ist der Schritt, den die französische parlamentarische Kommission unternommen hat: sie hat sich an die Ligue Nationale Aerienne mit dem Ersuchen gewandt, gemeinschaftlich mit ihr die Organisation einer Ausstellung der aeronautischen In- dustrien, verbunden mit einem internationalen Kongreß, auf dem die aeronautischen Fragen besprochen werden sollen, vorzunehmen. Die Ligue Nationale Aerienne hat ihren Vizepräsidenten, den bekannten Major Renard, mit Prüfung der Angelegenheit betraut. Zum Schlusse möchte ich noch zweier Projekte Erwähnung tıın, welche der Einrichtung zweier neuer Aerodrome gewidmet sind: das eine wird bei Etampes, in der Ebene von Beauce, an der Eisenbahn- linie Paris-Orleans, liegen und wird die oben erwähnte Schnle von Henri Farman zur Nachbarin haben. Ein wesentlich wichtigeres und bedeutungsvolleres Projekt ist dasjenige des „Aerodroms von Paris“, für welches ein immenses Terrain von 400 Hektaren in Aussicht genommen ist, das nur 4 km von den Pariser Fortifikationen entfernt liegt. Es handelt sich um eine mustergiltige Riesenanlage, die geschaffen werden soll und die durch ihre bequeme Lage allerdings für die Pariser einen starken An- ziehungspunkt bilden dürfte. Die Vorarbeiten für diese Anlage sollen schon in den nächsten Tagen beginnen. Sie wird sich bei dem aus len Kämpfen der Jahre 1870 71 bekannten Dorfe Le Bourget be- finden, nahezu an den Toren der Hauptstadt. Das Aerodrom wird cine Bahn von 2 km umfassen, die lediglich für Anhänger bestimmt ist, sowie eine größere Flugbahu von 5 km. Das „Aerodrom von Paris“ wird mit seinen zahlreichen Fliegerhallen, seinen Villen für die Aviatiker, seiner Hydrogenfabrik, seinen Schuppen für Lenkballons eine ganze Stadt darstellen. Selbstverstäudlich werden auch große Tribünenbanten aufgeführt. Man hofft die Vorarbeiten so beschleu- vigen zu können, daß die Eröffnung des Aerodroms mit einer grob- artigen aviatischen Veranstaltung, bei der nicht weniger als 80 Appa- rate ınd Ballons aufsteigen sollen, einweihen kann. Das wird dem schwergeprüften ‚Juvisy den Todesstoß versetzen. Der Flugsport in England. “ (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Iı den Ostertagen konnte man auf dem Rennplatze von Brook- lands verschiedene Flieger mit ihren Maschinen bemerken, wnter anderen Le Blon und Kapitän Lovelace von der Humber Co., A. V. Roe, A. ©. Moreing, Charles Lane und Alan Boyle. Die Direetion (les Rennplatzes hatte am Östermontage einen Pokal im Werte von 5300 Mk. ausgesetzt für den ersten Flieger, der 50 m weit fliegen würde, nud dieser Preis wurde vou Mr. Lane Mander mit seinen Bleriot-Monoplan gewonnen. No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 214 Noch eifriger wurde jedoch auf dem Fluser £ Aero Club. in Eastchurch geflogen, wo die Herren og Kae a Moore-Brabazon sich gegenseitig den Michelin-Preis streitig inachten Die Bewerbung um diesen Preis endigte nämlich am 31. März Er soll demjenigen zufallen, der während der letzten 12 Monate mit einer englischen Maschine in England die größte Entfernung zurück- gelegt hat. Der Preis besteht in einem Pokale im Werte von 10000 Mk. und einem Geldpreise von derselben Höhe. Die geringste Entfernung, ‚die in Betracht kommt, ist 5 engl. Meilen (8 km); diese Entfernung ist jedoch bei weitem von 3 Fliegern überschritten worden nämlich von den obengenannten Heıren Moore-Brabazon und Rolls und außerdem von A. Ogilvie, der mit: seiner Wright-Maschine in Camber verschiedene Flüge gemacht hat. Die Enfscheidun v des Aero Olub ist noch nicht getroffen worden, doch scheint Rolls um meisten Anspruch auf den Preis zu haben. Dieser legte z. B. am an eo Entfernung von 40) kın zurück und erreichte dabei eine . Sehr schöne Eıfolge hat in Eastchureh auch '. Grace seinem Short-Wright-Biplan zu verzeichnen gehabt. u mehren Flügen von 10 Minuten Dauer hat er mehr als 8 km zurückgelegt und Höhen von 60 m erreicht. Leider hatte Mr. Grace jedoch am 30. März in Eastchurch einen ernsteren Unfall. Er flog in einer Höhe von 30m, als plötzlich ein Draht riß und die Maschine zu Boden stürzte, wo sie völlig zerschmettert: wurde. Der Flieger kaı mit einem verletzten Beine davon. © In Eastchurch haben außerdem die Herren Rawlinson und Jezi ihre Quartiere aufgeschlagen; doch ist Rawlinson’s neue Farman- Maschine noch nicht ganz von den Schäden repariert worden, die sie a dem Transporte erlitten hat, und die Flüge Jezi’s mitı einem ! ‚hlan eigener Konstruktion haben das Anfangsstadium noch nicht . Einen ernsteren Unfall erlitt auch Mr. N. Hornstein. der mit einem Biplan eigener Konstruktion in Upper-Halliford bei Chertse übte. Mr. Hornstein hatte am Charfreitag einen Flug von 2 km 20 macht und dabei eine Höhe von 15 m erreicht. Am’27. März machte er jedoch einen Fehler in der Steuerung; die Maschine kippte um und elirzte a oden. Der Flieger kam unter die Maschine und erlitt schwere Verletzungen an Gesicht | ; di schi Bea etmunge man und Hinterkopf; die Maschine wurde Das Publikum ist jetzt schon so sehr an Flüge gewöhnt, daß eine Vorstellung des Franzosen Andree Tourin in Wembley Park, die ‚ die __. im vorigen Jahre noch’ großes Aufsehen erre hätte, di ahr gaı unbeachtet blieb. ° ei itte, dies Jahr gauz In Frankreich üben jetzt auf dem Fl \ " ugplatze von Mourmelon drei Engländer mit Farman-Biplanen, nämlich Mr. Graham White, Kapitän Dickson und Mr. Gibbes. Mr. White flog einmal 65 Minuten ın einer Höhe von 150 m und nahm später seine Mutter zu einem kürzeren Fluge als Passagier mit. nd Für das Tngmeeting von Nizza sind Meldungen von 2 Ene- ndern eing ämlic \ ti Ion a „amee aufen, nämlich von Mr. A. Mortimer Singer und Hon. Für das zweite internationale Wettfliesen in E ist: 7 ‚JE ‚e internationa tfliegen ın England ist jetzt definitiv der romantisch gelegene Rennplatz von Lanark bei Hasgow Seite 215 „FLUGSPORT“. No. 7 gewählt worden. Der Garantiefonds _ beträgt schon jetzt nahezu 220000 Mk. Da das erste internationale Wettfliegen in Bournemouth jetzt aus dem offiziellen Programm des französischen Aero-Clhub ee- ‚streichen worden ist, so erwartet man dort nur wenige französische Flieger, obwohl die dort ausgesetzten Preise das Minimum von 200000 Fres. weit übersteigen werden. Auber diesen beiden internationalen Meetings werden noch spezielle euglische Flugmeetings in diesem Jahre gehalten werden, das erste um Pfingsten in Huntingdon, andere in Blackpool, Southport und Wolver- hampton. Alle diese Meetings stehen unter dem Schutze des Royal Aero-Club, während der Stadtrat von Doncaster seinen Rennplatz gegen eine Miete von 20000 Mk. an die Firma „Aviation Courses (Ltd.)“ m London zur Abhaltung eines Flugmeetings vom 4.—11. Juni vermietet. hat. Die dort zu erringenden Preise werden sich auf 60000 Mk. be- laufen. Die Flugsport-Abteilung der „Motor-Unioun von Großbritannien“ hat jetzt eine „Aero-Modell-Vereinigung“ gegründet zur Pflege und Förderung äronautischer Experimente. Dem Komitee gehören unter anderen die Herren J. W.K. Clarke, M.L. Blin Desbleds, C. H. Dodd, Oberst Fitzgerald und Major Kennedy an. Die Vereinigung hat eine gute Bibliothek, einen eigenen Versuchsplatz, und gibt auf ihrem In- formations-Bureau auf Wunsch fachmännische Auskunft. . Inland. Eindecker Jatho. Wie wir bereits im letzten „Flugsport“ auf Seite 179 . berichteten, hat Jatho einen Eindecker (siehe beistehende Abbildung) gebaut. Zum ‚Betriebe dient der in seinem früheren Zweidecker verwendete 36 PS Koerting- No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 216 Motor. Jatho hat mit diesem neuen Apparat auf der Vahrenwalder Haide einige gelungene Flüge ausgeführt. Hans Grades Unfall in Leipzig. Am 19. und 20. März waren Grade- Schauflüge auf dem Leipziger Sportplatze angesetzt. Am 19. März gelang ein eleganter Flug von 31, Minuten, der selbst über die anliegenden Straßen und Wälder ausgedehnt wurde, trotzdem ein Wind von etwa 8 m wehte. Am 20. März führte-Grade.3 Flüge aus. Die ersten beiden von 4 und 5 Minuten Dauer gelangen vorzüglich. Zum dritten Fluge nahm Grade ein Registrier- Barometer mit, um einen Höhenflug auszuführen. Durch eine ungünstige vertikale Luftströmung wurde der Apparat vor einem hohen Baume auf den Wald herab- gedrückt und stieß mit der linken Tragdecke gegen den Baum, so daß der Apparat herumgerissen wurde und abstürzte. Grade blieb unverletzt, doch ist der Apparat stark beschädigt. Die linke Tragdecke ist völlig zerstört und der Schwanz zerbrochen. Flieger jfeannin von der Gesellschaft „Aviatik“ in Mülhausen hat sich mit seinem Farman-Apparat, welcher mit einem deutschen Argus-Motor betrieben wird, zu der Berliner Flugwoche vom 10.—16. Mai einschreiben lassen. Fiugmaschine Huth. Der unseren Lesern bekannte Ingenieur Dr. Huth hat jetzt seinen kreisförmigen Doppeldecker nach Johannisthal bringen lassen. Der Führersitz befindet sich hinter dem Motor. Zum Betriebe dient ein 50 PS Huth- Motor. Auf die Erfolge mit diesem Apparat darf man sehr gespannt sein, da er einen vollständig neuen Typ darstellt. Dr. Vollmoeller hat mit seiner neuen Maschine auf dem Cannstatter Exerzierplatz vor mehreren Offizieren einige Flüge von 200 m ausgeführt. Dr. Alberti, München, hat mit einer Bleriot-Maschine einen Flug von 200 m in 5 m Höhe ausgeführt. Ausland. Flugmaschine Mauer-Hofmann I, Wien. Dieser Eindecker hat eine Tragfläche von 20 qm, Spannweite von 10 m, Flächenbreite von 2,2 m, Länge Fesnian | Flugmaschine Mauer-Hofmann I Seite 217 „FLUGSPORT“. No. 7 des gesamten Flugapparates 9,5 m. Das Fahrgestell besitzt Bleriot-Abfederung. Im Schwanz ist das doppelte Höhensteuer und ein einfaches Seitensteuer unter- gebracht. Eigenartig ist die patentierte Steuersäule, auf welche wir später aus- führlich zurückkommen. Zum Antriebe dient ein 30 PS Darracg-Motor, welcher eine Schraube von 2,2 m antreibt. Eindecker Dufour. Der Apparat hat eine Spannweite von 10,8 ın, Trag- fläche von 25 qm und ein Gewicht von 310 kg. Der Motor ist von Labor-Picker gebaut. Interessant ist die einfache Durchbildung des Fahrgestells. Vorn be- finden sich zwei weit ausragende Kufen, welche, nach hinten gegabelt, die Räder Eindecker Dufotr. (Br.) tragen. Das hintere Seitensteuer ist zwangläufig mit dem den Schwanz stützenden Rad, welches in einer Gabel gelagert ist, starr verbunden. Diese Einrichtung soll das Kurvenfahren auf der Erde erleichtern. Zselyi in Budapest hat mit seiner Maschine, welche wir tinseren Lesern im „Flugsport“ Nr. 6 im Bilde vorführten, am 25. März mehrere Flüge von 25 m ausgeführt. Beim-Jetzten Flug betätigte Zselyi zu energisch die Flächenver-- windung, wodurch der Apparat mit dem linken Flügelende den Boden streifte, Von den dortigen Fliegern wird sehr über die schlechte Beschaffenheit des Flugplatzes Klage geführt. Hoffentlich wird man an zuständiger Stelle energisch für eine Planierung des Platzes einwirken. Es kann hierdurch viel Kleinholz gespart werden. Eindecker von Chantiers Tellier. Dieser der Bleriot-Type ähnelnde Eindecker, gebaut von der Gesellschaft „des Chantiers Tellier“, hat eine Spann- weite von 11 m, ein Länge von 11 m und eine Tragfläche von 24 qm. Das Ge- wicht mit Benzin für 6 Stunden und dem Führer beträgt 500 kg. ° Die Ge- No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 218 schwindigkeit soll 70 km pro Stunde betragen. Zum Betriebe dient ein 35 PS Motor von Panhard Levassor. Die Schräglagensteuerung wird durch Flächen- PREEEEE EBEN, u 2 R Eindecker von Chantiers Tellier. (R.) verwindung. bewirkt. Damit das Seitensteuer kräftig wirkt, ist dasselbe ver- hältnißmäßig hoch montiert. (Vergl. Pariser Brief). Eindecker „Avia“. Diese der Bleriot-Type ähnliche Maschine ist in den _ Werkstätten von Vosgiens d’Industrie Mecanique gebaut. Die beistehende Ab- Eindecker Avia. (R.) Seite 219 „FLUGSPORT“. No. 7 m bildung zeigt die Type 1910. Zum Betriebe dient ein 25 PS Anzani-Motor. Die Konstruktion des Fahrgestells ist in sehr einfacher Weise durchgeführt. Aller- ‚dings gestatten die Räder kein seitliches Ausweichen. Eindecker „Liore“. Die Maschine besitzt 24 qm Tragfläche und zwei vorn liegende gegenläufige Schrauben. Zum Betriebe dient ein 35 PS Motor von Gregoire. Die Sehnenhöhe der Tragdecken ist variabel und zwar in sehr weiten-Grenzen. Der hintere Teil der Tragdecke kann scharnierartig nach unten -— geklappt werden. Falls eine Schraube durch Reißen der Kette etc. außer Tätig- keit tritt, wird der hintere Tragdeckenteil nach oben geklappt und auf der anderen „Eindecker Liore. (Br) Seite, auf der sich die-Schraube noch in Tätigkeit befindet, nach unten. Hier- . durch will man versuchen, den Flugapparat einigermaßen steuerfähig zu erhalten. - Der Gedanke ist bei dieser Maschine zum ersten male praktisch durchgeführt worden. : Flugpreise. 50000 Mark Kathreiner-Preis Berlin-München. Von der bekannten Münchner Firma ist ein Flugpreis gestiftet worden dessen Bedingungen derartig hohe sind, daß er nicht geeignet erscheint, unserer Flugtechnik förderlich zu sein. In diesem Jahre wird der Preis nicht gewonnen werden. Mit Bestimmtheit ist zu erwarten, daß der Preis modifiziert wird. Wir behalten uns vor, noch später darauf zurückzukommen. No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 220 Verschiedenes. Der französische Aviatiker Hubert hat am 27. März, nachts {1 Uhr mit seinem Eindecker auf dem Flugfelde von Chalons eine Nachtfahrt unternommen. Hubert flog mehrere km in hellem Mondschein landeinwärts. Er irrte sich dann infolge der eingetretenen Dunkelheit in der Flughöhe und berührte den Boden, wodurch der Apparat beschädigt wurde. Auf der Londoner Luftschiffahrts-Ausstellung sind nicht weniger als 50 Flugmaschinen verkauft worden. Die Mehrzahl der Maschinen waren eng- lisches Fabrikat. Die Beteiligung der europäischen Aviatiker an der internationalen Fiugwoche in Amerika wird durch die Brüder Wright unter Umständen vereitelt werden. Wie berichtet wird, hat der amerikanische Aero-Club einen Fünferaus- schuß eingesetzt, der sich mit den Brüdern Wright in Verbindung setzen soll, um von diesen eine offizielle Erklärung darüber zu erhalten, wie sie sich auf Grund des von ihnen erlangten Gerichtsspruches gegenüber europäischen Teilnehmern an der internationalen Flugwoche im Oktober d. J. verhalten sollen. Die Ver- handlungen sollen. beschleunigt werden. Denn. der Präsident des Aeroklubs, Courtland F. Bishop, will das Ergebnis der Verhandlungen der Internationalen Luftschiffahrt-Vereinigung während der diesjährigen, Ende April oder Anfang Mai in der Schweiz stattfindenden Tagung mitteilen. Hieronymus ist am A. April in Prag mit seinem Bi£riot-Eindecker abgestürzt. Der Flieger kam mit erheblichen Verletzungen davon. Dubonnet führte am 3. April einen 100 km Flug aus und gewann hiermit den Preis der „Nature“ mit 10000 Francs. Dubonnet bediente sich eines Tellier- Eindeckers, mit welchem er in Juvisy aufstieg und das Ziel, Orleans, 109 km, in 1 Stunde 40 Minuten erreichte. Firmennachrichten. Ostdeutsche Flug-Industrie G. m. b. H. Unter. dieser Firma ist in Breslau eine neue Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen worden. Den Aufsichtsrat: der „OFI“%, so wird die Ostdeutsche Fiug-Industrie bezeichnet, bilden die Herren Prof. Dr: Lummer als Vorsitzender, -Generalbevoll- mächtigter Erich Breit als’ stellvertr. Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Bohn, Privat- dozent Dr. von dem Borne, Fabrikbesitzer Dr. Heckmarn, Kaufmann Georg Barasch, Rentier Mallison. .Zum Direktor der Gesellschaft ist der-Bürgermeister v..Schrabisch aus Berlin gewählt worden; stellvertrender.Direktor ist Herr Hans Ledermantı. _ ne ef es Th: . Zweck der Gesellschaft ist: 1. Die Erwerbung und Ausnützung aller Art Verkaufslizenzen für Luftschiffe, Flugapparate und sonstiger mit der Luftschiffahrt und Flugtechnik im Zusammenhang stehender Fabrikate. 2. Uebernahme der Vertretung von Firmen für Ballons und Flugmaschinen, sowie für alle zu Luft- schiff und Flugmaschinen gehörenden Apparate und Teile. 3. Einrichtung und Ausstattung von Flug- und Landungsplätzen, Lufischiff- und Flugmaschinenhallen, sowie Werkstätten. 4A. Veranstaltung von Schaufligen für eigene oder fremde Rechnung. Was den letzteren Punkt, Veranstaltung von Schauflügen, anbetrifft, so wird die „O FI“ in dieser Beziehung erstmalig auf der diesjährigen Breslauer Festwoche auf den Plan treten. oo: o ® Zeitschriftenschau. Einige Luftwiderstandsversuche. Von S. J. Buchalo (Der Motorwagen). Durch die Erfahrungen, die in der letzten Zeit mit gewölbten Tragdecken emacht worden sind, hat es sich herausgestellt, daß das „Sinus-Gesetz* für die lugtechnik von keiner Gültigkeit mehr ist. Ein unumstößliches Gesetz für den Widerstand geneigter Flächen haben wir bis jetzt noch nicht und kann ein solches nur auf Grund gewissenhaft durchgeführter Versuche aufgestellt werden. Buchalo gibt durch Veröffentlichung seiner Versuchsresultate einen kleinen Beitrag zur Theorie des Luftwiderstandes geneigter Flächen und damit eine, Vergrößerung der Basis, auf welcher das genannte Gesetz aufgebaut werden kann, Seite 21 „FLUGSPORT“. No. 7 Literatur. Ballon- und Flugmotoren von A. Haening. Verlag C. J. E. Volckmann, Nachfolger, Rostock i. M. Preis geb. 6,50 Mk. Die großartigen Fortschritte, die in diesem Jahrhundert die Flugtechnik gemacht hat, sind wohl vor allem dem Motorenbau zu verdanken. Es ist deshalb interessant dem Entwicklungsgange des Motorenbaues zu folgen. Hierzu ist uns jetzt durch das neu erschienene Werk „Ballon- und Flugmotoren“ Gelegenheit gegeben. Verfasser stellt in seinem Werke alle mehr oder minder bewährten Motortypen zusammen, wodurch es ermöglicht ist, eine gute vergleichende Ueber- sicht zu erhalten. Fir den weniger Eingeweihten ist das Werk aufklärend und zu empfehlen. Briefkasten. Julius Nadas, M. Ingenieur Grade beantwortete Ihre Fragen wie folgt: Die längste Dauer meines Fluges war bis jetzt 54 Minuten 30%, Sekunden; Länge der Strecke ca. 70 km; Motorleistung maximal 24 PS; Benzinverbrauch pro PS und Stunde 0,5 |. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 Central - Hotel Telefon 11 634. Ta Offizielle > = | Mitteilungen a des | r Flugtechnisch. Vereins [| Sitz Frankfurt a. Main. I | Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. » Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., u Bergweg 12. Beisitzer: Haller und Pega. RAN Frankf No. 7 „FLUGSPORT." Seite 222 Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holten. Vorstand: 1. Vorsitzender: A. Breuer, Wasserwerksdirekt. Oberhausen. 12. „ Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. 4 Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten. 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. n Redakteur Huhn, Oberhausen. Geschäftsführer des Vereins ist Redakteur Rudolf Huhn zu Oberhausen; an diesen sind ausnahmslos alle Sendungen zu richten. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Direktor Probst. Schriftführer: C. Kremer. In der am 1. März stattfindenden Mitglieder - Versammlung wurden die Satzungen endgültig genehmigt. n jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Steinstr. 70 Vereinsabend statt. Gäste willkommen. Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Vorstand: 1. Vorsitzender: Lehrer und Schriftsteller Georg Specht, Taucha-Leipzig, Bismarckstr. 41I- 2. » Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 2811 Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. Schatzmeister; Bergdirektor Otto Prochnow. nn Lu Bücherwart: stud. math. Hans. Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vereinslokat: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Am dritten Arbeitsabende, am 17. März, sprach Herr Oberlehrer Ingenieur Alfred Freund über Flugmaschinensteuerungen. Der Vortragende erläuterte an Hand von Zeichnungen die Erfordernisse der Höhen- und Seitensteuerung, sowie der sogenannten Seiten-Stabilisierung und der Anbringung der Stabilisierungs- flächen, um störende Nebenbewegungen zu vermeiden. Zunächst untersuchte er die Kraftwirkung auf eine schräg zur Windrichtung eingestellte Steuerfläche und leitete aus der von ihm gegebenen Theorie die praktisch verwendbaren Ergeb- nisse ab, besprach den Einfluß ebener und gewölbter Steuerflächen, die Bremsung Seite 223 „FLUGSPORT“. No. 7 der eingestellten Steuer, den Einfluß der Lage der Drehachse für die Steuer- flächen und den Einfluß sogenannter Leitflächen. Ferner die Frage, ob das Höhensteuer vorn oder hinten anzubringen sei. Bei der Besprechung der Seitenstabilisierung erläuterte der Vortragende, ausgehend von der allgemeinen Forderung, daß irgend eine Ungleichheit auf beiden Seiten der Längsachse hervorgerufen werden müsse, die verschiedenen Konstruktionsmöglichkeiten für die Seitenstabilisierung. Schließlich ging der Vortragende kurz auf die zukünftige Anwendung von Kreisein zur Stabilisierung der Apparate über. An den mit großem Beifall aufgenominenen Vortrag schloß \, sich eine sehr rege Diskussion an. Eintrittkarten zu diesen Abenden sind bei den beiden Vorsitzenden zu haben. Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 16 . . 2... ... 3071 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . . » 2 om ren... 9209 l. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 7 . . . . 2... .... 10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 10°. . . 2 .2.2.2..2.%..10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 41... 22222020. 2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 . : 2 2 22 202020.2.3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 3. . . . . . 2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 21 . . 2. 2... 2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107° . . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 43 nn. 9054 Beisitzer: j _ Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13... 2.2.2... 1166 Freiherr von ‚Durant, Langendorf Br Oo Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 ı . 2.2 2022 2.2 2. 4701 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1. . 2 2 2.2..2..2.....689 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14. . 2 2.2.2.2... 9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 8 . . . . 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von.Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . 2 2 20 m m nenn. 70 h Züschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. Zuschriften an die Redaktion. ’ (Ohne Verantwortung der Redakiion). Ueber unaufgeklärte Erscheinungen bei Luftströmungen. Geehrte Redaktion ! In: No. 5 des „Flugsport“ wurde in einem Artikel mit der obigen Ueber- schrift die Frage: Wie ist es möglich, daß der sich hinter der Telegraphenstange befindliche Teil des Schneeringes in gleicher Stärke ausgebildet ist als der übrige Teil desselben?, zur Diskussion gestellt. Ich erlaube mir dazu folgendes zu bemerken: . Trifft ein. starker Wind gegen eine mit trockenem Schnee umgebene Telegraphenstange, so prallt dieser an derselben nach vorn, nach oben, nach unten und nach den Seiten ein wenig zurück, wobei er verdichtet wird. In diesem No. 7 „FLUGSPORT“. Seite 224 Zustande geht er auf beiden Seiten um die Stange herum und schlägt hinter dieser zusammen. Dadurch erhält die Luft durch den Stoß nach der Erde, von welcher sie wieder zurückpralit, die schiefe Richtung nach oben und zwar genau so wie das Strömungsbild hinter der Stange ausgebildet ist. Durch die verdichtete Strömung der Winde wird der trockene Schnee mit fortgerissen und sobald sich der Wind wieder ausdehnt, fällt der mit fortgerissene Schnee durch seine eigene Schwere nieder und bildet hinter der Schneefurche den Schneerücken. Die Größe der Schneeaushohlung, daher auch die Stärke des Schneerückens, ist von der Stärke des Windes abhängig. Bei schwachem Wind und trockenem Schnee, auch bei starkem Wind und Teuchtem Schnee, ist die Strömung nicht mächtig, den Schnee hinter der Stange mit fortzureißen, sondern der Schnee fällt hinter der Stange nieder und bildet dicht hinter dieser einen Schneehügel. Flugsport Heft 2 | u [) l. Jahrgang, kauft zu annehmb. Preise Dangers, Metz-Montigny. Der Inhaber des D. R. P. 168088 Leva- vasseur betreffend Umsteuerung für Ex- plosions - Kraitmaschinen sucht zwecks Erfinder, im Besitz sehr sauber Ausbeutung derErfindung mit Interessen- ausgearbeiteten und auch im gr. ten in Verbindung zu treten. Der mit | | ausführb. Modells, wollen zwecks der patentierten Einrichtung versehene Teilnahme an Weltunternehmen Motor hat sich bei den von Latham auf Adressen sub J. H. 6804 durch dem Tempelhofer Feld und in Johansis- Rudolf Mosse, Berlin S. W. 19 tal unternommenen Flügen bestens be- einsenden. Kein Risiko, da ab- währt. Gefl. Offert. u. J. M. 7981 bef. solut kein Geld verlangt wird. 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Repre&sentant pour la France: E, Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bel portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nächdruck verboten* versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 8. Frankfurt a. M., 20. April 1910. Jahrg. I. Moderner Flugmaschinenbau. Civilingenieur OÖ. Ursinus. (Fortsetzung von Seite 97, Nr. 4, 1910.) Steuerbetätigungseinrichtungen. In Nummer 7 vorliegender Zeitschrift: besprach ich die Vorans- setzungen, die bei der Konstruktion der Betätigungseinrichtungen für die Stenierorgane zu Grunde gelegt werden müssen. Parallel zu diesen Ausführungen seien in nachstehendem die wichtigsten Stenerbetäti- gungseinrichtungen skizziert. Die Stenerzüge, das Uebertragungsmittel, sind in den meisten Fällen Drähte, Drahtseile, weniger Zugstangen (teilweise Wright). Das einfachste Stenerbetätigungsorgan ist em Hebel, an welchem die Seile angreifen (Farman). Um die Steuerung selbsthemmend zu gestalten, verwendet Le- vavasseur Handräder mit Seiltrommel (Autoinette). Und zwar verwendet Levavasseur für die Schräglagen und Höhensteuerung nnabhängig von einander zu bedienende Handräder. Abb.1 gestattet uns einen Blick anf den Führersitz der Antoinettemaschme. _Das_ linke Handrad a dient zur Verwindung der Tragdecken. Das rechts befindliche Hand- rad b betätigt (las Höhensteuer. Levavasseur ging dabei von der Vor- aussetzung aus, dab diese beiden Handräder wur in den seltensten Fällen gleichzeitig bedient werden müssen, und daß die Höhenstener- ung und Schräglagenstenerung nicht in dem Abhängigkeitsverhältnis stehen wie die Schräglagen- md Seitenstenerung. Bei allen Konstruktenren macht sich «das Bestreben geltend, die Betätigung aller Stenerorgane «durch eine Hand zu ermöglichen. Den meisten waren jedoch die vorerwähnten Voraussetzungen vollständig unbekannt. Wir finden daber an «den meisten Fingmaschimen (die- Seite 296 „FLUGSPORT“. No8. jenigen, die sich praktisch bewährt, haben), die voneinauder in einenn, Abhängigkeitsverhältnis stehenden Stenerbetätigungsorgane (Schräg- lagen- nnd Seitenstener) getrennt bedient. Ansuahmefälle zeigen solche Konstrnktionen, bei welchen «nrch eine geschickte Anordnung Abb. 1. Abb. 2. des Stenerhebels oder Rades der Einfluß der Schräglagenstenernng . 2m 7 v4: . An: . ac armiorort durch eime zwangläufige Betätigung des Seitensteners korrigiert wird. (Wright, Maner-Hofmann Abb. 2.) No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 227 Die bekauntesteu Stenerbetätigungseinrichtungen von Voisin, Ellehammer-Bleriot, Curtiss bedienen mit der Hand nur zwei Stener- organe. Der Stenerapparat von Voisin (Abb. 3) besteht ans einem in einen Bock "gelagerten verschieb- nnd drehbaren Rohr, auf dem eine Seiltrommel S für das Seitenstener sitzt. Durch Vor- und Rückwärts- schieben des Hand- rades wird unter Vermittlung eines zweiarmigen Hebels das hintere Höhen- steuer betätigt. Die koustrukitveDurch- führung gehtausder Zeiehnnng hervor. Der Stenerapparat dient fiir eine Maschine mit vorn- liegender Schraube und hintenliegen- dem Höhensteuer. Der in Abb. 4 dargestellte Stener- apparat von Curtiss ist sehr einfach, Zur Anordnung dürften sich weitere Ausführungen er- übrigen. Eine Kategorie für sich bilden die EPRIEIIITEFERI TIL HAT FT) aa Te BRIzzaden EDER. „OO AT Joach dem sobenstener. 63 Abb. 4. Seite 228 „FLUGSPORT“. No. 8 Stenersänlen, wie sie von Ellehammer und Bleriot angewandt werclen (Abb. 5). Die Stenersäule mit der Stenerglocke ruht auf cmem Oardangelenk und ist nach allen Richtungen beweglich. Durch Vor- driieken und Anziehen wird das Höhenstener und durch Tinks- und Rechtsneigen die Schräglagenstenerung betätigt. An Stelle des Cardau- gelenkes habe ich mit Erfolg Rngelgeleuke angewendet, wie solche zu eimem sehr geringen Preis von 8--10 Mark (Massenartikel) känt- lich sind. Das Stenerrad auf der Stenersänle hat einen sehr kleinen Durchmesser und dient nicht zum Dreheu, sondern nur als Hand- sriff. An der Steuersäule können ıuter «dem Handrad vorteilhaft Zündhebel nnd Depressionshebel ete. angebracht werdeu. Der bereits vormer- —————n wähnte Steuerapparat PR Maner-Hofmanın gestattet +----- E = I - von Hand, allerdings u anch mit zwei Stener- rädern, die Betätigung dreier Stenerorgane (Abb. 2). Durch Heben und Senken der Steuer- säule wird unter Ver- mittlung deszweiarmigen Hebels I das Höhenstener betätigt. Handrad II be- dient die Schräglagen- stenerungundHandradIll das Seitenstener. Durch gleichzeitiges Verdrehen der beiden Räder mit emem Griff soll ewme korrigierte Stabilisierung (zwangläufige Bewegung von Seiten- und Schräg- lagensteuerung) erreicht werden. Wright hat be- kauntlich eine ähnliche Anordnung wieder fallen lassen. Das Pedal IV dient dazn, die Stener- sänle in der jeweiligen Lage festznstellen, 'um einer Uebermüdnng durch_. langes Festhalten vor- zubengen. Ein sehr gut dnreh- lachter Stenerapparat, — +... AU N —— welcher mittels Hand- Abb. 5. bewegung gestattet, «rei Bewegungsrichtungen zu beherrschen, ist der von Pfitzuner (Abb. 6). Dieser Apparat besteht aus der drehbaren Stenersänle B, welche in dem oben gegabelten Teil ein Handrad A und unten emen Hebel D trägt. Die Steuersänle ist in der Traverse G drehbar angeordnet. Die Traverse C dreht sich in Lagern E No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 224 und trägt einen zweiarmigen. Hebel F zur Betätigung des Höheu- steuers. Durch Drehen des Handrades A wird unter Vermittlung der Seile S die Schräglagensteuerung betätigt. Durch Vorwärtscdrücken und Anziehen der Steuersäule B wird unter Vermittlung des Hebels F das Höhenstener beeinflußt. Ein Dreheu der Steuersäule B unter Vermittlung des Hebels D (siche Grundriß des Hebels) REN (1 il — _ x7\ Abb. 6, betätigt das Seitenstener. Die Kombination ist eine sehr glückliche und wohl bis jetzt die brauchbarste. Statt das Handrad A nach--- links und rechts zu bewegen, erscheint es vielen Konstrukteuren besser, die ganze Stenersäule nach links und rechts zu bewegen. Der Steuerapparat wird jedoch dadurch sofort gefühllos, und das hat der Konstrukteur in sehr guter Weise vermieden. Seite 230 „FLUGSPORT“. No. 8 Flugmaschine Rüb, Ulm. Die Hanpttwagflächen dieses Doppeldeckers besitzen 17m Spann- weite, die der Schwanzfläche 8 m. Bei 2 m Flächentiefe erhält die Maschine eine Gesamttragfläche von 80 qm. Die Entfoanung der Pragdeckent; voneinander beträgt 2,2 m, clie Gesamtlänge des Apparates + m. Die Selrwanzfläche legt 16 m von der hinteren Kante, cler Hanptttragftichen entfernt. Wie nebensteliende Abbildmigen zeigen, befindetisich über der Schwanzfläche eine große Stabilisierungsflosse, welche in die Seitensteuerung übergeht. Die beiden gegenlänfigen Schrauben von 4 m Durchmesser sind 23 m hinter den Haupttragflächen montiert und bestreichen 25 qm Fläche. ITISITIIILIISIIEE S en san - Auf- und Grundriß. Abb. 1 u. 2. Zum Betriebe dient ein 50 PS Motor. Das Gewicht der Flugmaschine ist ohne Motor uud Bemaunung 390 bis 360 kg = 4 bis 45 kg pro I u Tragfäche, Der 50_ HP Motor wiegt bei 3,5 kg pro I HP can. 175 ke. Für 15 Stiuulen, Be- triebsmaterial ca. 325 kg. Mit 2 Personen Besatzung a 75 kg, wiegt No.8 „FLUGSPORT“. Seite 231 die Flugmaschine 1000 kg. Das ergibt eine Flächenbelastung von \ € + » bien ia 12—-13 kg pro 1 qm. El \ ar sag Die Maschine soll 60-—70 km in der Stunde fliegen. Die Schrauben haben einen Durchmesser von 4 m und eine Steigung von 4 m pro 1 Umdrelmg ohne Ship = 22,5 Grad Winkel- 2... LT 1 £ EL". x ! f z. 2IE__---- @, d Ten. I#. Abb. 3 u.”4, stellung. Für die Schrauben ist eine Tonrenzahl von 420 Umdrehungen in der Minute oder 7 Touren in der Sekuurele bestimmt = 66 ın Um- faugs-Gesch windigkeit. Das Verhältnis der beförderteun Nutzlast bei + Personen ist zur ED | re = FE : Ä Pe | L 5 a. PORN [5 \ TILL. HEBERBHKERRREN Abb. 5. toten Last (Motor, Betriehsinaterial, P’inginaschuuc) etwa wie I zu ®. Auf ca. 20 kg Totalgewicht kommt I HP. Fir 75 kg Nutzlast oder | Person werden 12 bis 13 HP autgewendet. Das Charakteristische an dieser Maschine sind vor allem die elastischen Tragdeken, welche au zwei Längsspanten ce (siehe Abbil- Seite 232 „FLUGSPORT“. No. 8 dung 3) drehbar angeordnet sind. Die Rippen sind aus einer U-för- migen Schiene ans federhartein Stahl an den MHauptträgern c befestigt. Die Tragdeckenenden sollen bei Belastung nach der gestrichelten Linie dl dnrchfedern nnd sich, cer jeweiligen größeren oder kleineren Flä- chenbelastung entsprechend, der Fluggeschwindigkeit anpassen. Die runden Hauptträger c sind in Kngellagern drehbar, welche mit dem Hauptträger f durch Drahtseile verspannt sind. Die Verspannung geht aus dem Gmudrib (Abb. 2) hervor. Die vorliegende Doppeldecker-Konstruktion unterscheidet: sich vou den bisherigen hanptsächlich dadurch, daß nur eine Reihe senk- yechter Streben vorhanden ist. Abb. 5 zeigt eine (#esamtansicht dieser Maschine. Für den Transport, sowie zıun Aufbewahren ist vorliegende Flug- maschine zerlegbar. Die Drahtseilverspanunngen der Tragflächen nach vor- und rück- wärts sind durch Entfernen einiger Stifte nd Muttern zu lösen. Dann werden die Haupttragflächen an den zwei innersten senkrechten Stützen links und rechts vom Körper abgenommen. Die obere Fläche wird dann abwärts geklappt und die untere nach vorn aufwärts, so dab zu beiden Seiten der senkrechten Stützen eine Fläche anliegt. Man hat also nr noch eine, respektive zwei diume senkrechte Wände vor sich. Die Schwanzfläche ist an einem Stück abzunehmen, ebenso die senkrechte Stabilisiernngs-Flosse mit dem daran befindlichen Seiten- stener, sowie cie beiden Schrauben. Die Vorgelege sind an dem oberen Stützpunkt am Körper lösbar, werden dann zusammengeklappt und um den unten am Körper befindlichen, zu emem Scharnter ans- gebildeten Stützpunkt nach aufwärts gedreht, sodaß sie huks nd rechts vom Körper flach anliegen. Der 23 mcterige Körper ist in der Mitte abnehmbar. Das hintere Stück wird unter das vordere geschoben und dort befestigt. Zu beiden Seiten «les Körpers werden (die '"Trag- und Stenerflächen angeschnallt. Für die Schrauben ist im Innern des Körpers genügend Rauın vorhanden. Nachdem alles untergebracht ist, ist das Ganze nur noch ein 11,5 m langes, 35 m hrhes und 3,5 m breites, dreiräderiges Fahrzeng, das leicht transportfähig und seiner verhältnismäßig kleinen Abmex- sungen wegen überall gut ımterzubringen ist. Die Montage und De- montage der ferti tigen Flugmaschine wird von 2bis 3damit vertrauten Personen in je einer halben Stunde bewerkstelligt. Der Konstruktenr war bemüht, eine neue Flugmaschinentype zu schaffen und es ist zu hoffen, daß die Maschine bald zur Ausführung gelangt: Me Neues von Mourmelon-le-Grand. Ueber die haltlosen Spionagegeschichten von Mourmelon-le-Grand sowie die Anordnungen der französischen Militärbehörden haben die rm . ‘ { a . . . . - lageszeitungen zur (tenüge berichtet. Wir unterlassen es, hierüber zu sprechen. Das Einvernehmen der französischen Aviatiker mit den deutschen ist: das denkbar beste. Die Zeitungen werden es nicht fertig bringen, an dem freundschaftlichen Verhältnis etwas zn ändern. Man lacht darüber. No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 233 Von Deutschen ist: besonders der in Sportkreisen bekannte ehe- malige Motorrennfahrer Ingenieur Eugen Wiencziers zu nennen. Es gelangen ilım am 3. Aprıl zwei Flüge von 10 und 5 Minuten in einer Höhe von 15-30 m. Es war dies die fünfte Flugprobe, welche Wieneziers unternahm.! Die Erfolge desselben sind bemerkenswert. Wiencziers gehört zu den wenigen, welcher, olıne die Antoinette- Piloten-Schule absolviert zu haben, nach einer so kurzen Zeit die Maschine beherrschen konnte und, was noch besonders hervorzuheben ist, nichts zerbrochen hat. Am 5. April vormittags führte Wieneziers einen Flug von 20 Minuten in ca. BO m Höhe aus und nachmittags einen solchen von Mourmelon-le-Grand. Links: Ingenieur Wiencziers. Rechts: Wiencziers im Fluge. 17 Minuten in 100 m Höhe. Bei 30 m Höhe stellte er die Zündung ab und vollführte einen gelungenen Gleitflug. Am 6. April gelang ihm im Beisein von Latham, welcher zur Zeit seine Maschinen für Sizza einfliegt, ein Flug von 25 Minuten in einer Höhe von über 125 m. Als Kuriosum mag erwähnt werden, claß sich Latham selbst. über die Schönheit des Antoinette-Fliegers in größerer Höhe selbst begeisterte, was die zahlreichen anwesenden Zu- schauer belustigte. Er hatte bis dahin noch keinen Antoinette in größerer als 30 m TTöhe gesehen. es sei denn auf seinen eigenen Photographien. Seite 234 „FLU GSPORT“. Ne. 8 Am 11. April ist Graf von Verneuil init seien Eindecker seitlich umgekippt. Der Apparat wurde erheblich beschädigt. Am 15. April ist das hiesige Flugfeld von einem heftigen Wir- belstunm heimgesucht worden. Viele Haugars sind zerstört und Fast alle erheblich beschädigt. Mehrere Apparate sollen vollständig zer- träunmert sein. Besonders stark haben die Farman-Werkstätten ge- litten. wo drei Apparate zerstört worden sind. Pariser Briei-. Von unserem Pariser Korrespondenten. Schon in der vorigen Nummer des „Flugsport“ mußte kurz der becdanerliche Unfall gemeldet: werden, dem Le Blon, der Bleriot-Pilot. zum Opfer gefallen ist und wenn heute noch einmal mit emngen Worten anf dieses beklagenswerte Breignis zurückgekommen werden soll, so geschieht es mit tücksicht auf die begleitenden Umstände, die umso eher eine nähere Betrachtung verdienen, als dadurch nl- zweifelhaft dargelegt. wird, daß Le Blon lediglich seiner eigenen Uu- vorsichtigkeit zum Opfer fiel. Er war dureli den ersten, in meinem vorigen Brief bereits erwähnten Sturz ıus Meer genügend gewarnt worden und trotz aller Ermahnungen seiner Freunde hatte er es gleichwohl unterlassen, auch nur die allerselbstverständlichsten Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Wer heute mit einem Aeroplan über dem Meere evolutionieren will, kann nicht anders, als für die Anwesenheit von Rettungsbooten für den Fall eines Sturzes Sorge zu tragen; das ist ganz selbstver- ständlich. Le Blon hatte alle Hinweise hierauf, ja sogar das Aner- bieten der Hafenverwaltung von San Sebastian, einen Dampfer an der Stelle der Schauflüge zu stationieren, mit. jenem Uebermaß von Sorg- losigkeit zurückgewiesen, das die älteren Bekannten Le Blons schon von seinem früheren Berufe als Automobilrennfahrer an ihm gewohnt waren. Was über lang oder kurz einmal passieren mubte, trat em. Am Sonnabend der vergangenen Woche unternahm Le Blon gegen 3 Uhr nachmittags im Beisein seiner Gattin und weniger Freunde einen Abflug; das Wetter war trübe, es hing Schnee im der Luft. Gleich bei seinem Abflug stieg der Aviatiker rapid bis zu 50 Meter jun die Höhe, als plötzlich au seinem Apparat ‚em Flügel brach. Die Maschine überschlug sich in der Luft und fiel mit: schwerem Auf- schlag; ins Meer. Le Blon war von seiuen Apparat erdrückt und ge- tötet worden. Allerdings hatte er nachweislich noch einige Zeit 1m Wasser gelebt und wären irgendwelche Rettungsvorkehrungen ge- troffen gewesen, so wäre er vielleicht mit dem Leben davonge- komınen. Bei dieser Gelegenheit wird die Frage aufzuwerfen sein, ob die ernste Aviatik nicht mit allen Kräften gegen jene Art von Schau- fügen protestieren sollte, bei denen, nur nm der Menge einen Nerven- kitzel zu bieten, eine möglichst halsbrecherische Folie für die Vor- führnngen gesmcht wird. Welchen Zweck es für las Stmemum und die Fortentwicklung der Aviation haben soll, derartige k Ingversnche just über deu brausenden Wogen des heimtückischen Meeres, über No_8 __„FLUGSPORT« Seite 235 den weit in die See vorspringenden Spitzen des zerklüfteten Felsge- steins vorzunehmen, ist nicht erfindlich. Diese Demonstrationen wach- sen sich immer mehr zu Zirkusvorführmmgen ans, die mit der wirk- lichen Aviation fast nichts mehr gemem haben. Es kan nicht ein- dringlich genug darauf hingewiesen werden. An den Stätten. ernster aviatischer Kleinarbeit hat nun, da die zu den verschiedenen Meetings ausgeschwirrten Avsatiker, mit inelr oder weniger Lorbeeren beladen, heimgekehrt sind, wieder regeres Leben begonnen. In Pan belebt sich die Bleriotschnle zusehends. Leblanc hat dieser Tage mit einem neuen Bleriot-Eindecker einen Flug von 1 Stunde 15 Minuten und hat auch dann nur infolge Ben- zinmangels landen müssen. Bei den Wrights ist es zunächst Gasnier, der Erwähnnng ver- dient. Die Wrightschule hat eine Anzahl Schüler, ist aber augen- blicklich ohne Lehrer, was natürlich große Störungen hervorruft. Der Versuch Cederströms, sein Pilotenpatent zu erlangen, ist zum sechsten male mißlungen. Etampes hat jetzt durch die Auwesenheit Paulhans viel an In- teresse gewonnen, Auf dem dortigen Aerodronm sind es die Farman- schen Apparate, die besonders nach dem überaus günstigen Verlaufe der Canner Woche viel beachtet werden. Farman selbst fliegt un- ausgesetzt mit und ohne Passagiere. Dieser Tage unternalım er mit einem neuen Zweidecker einen kurzen, aber sehr eindrucksvollen Flug, indem er sich beim Abfluge rapid auf 300 Meter erhob, quer über das Feld flog und schwebend genau seinen Abflugspunkt erreichte. Auch Paulhan hat einige sehr beachtenswerte Flüge ausgeführt. Was das Lager von Chalons betrifft, so hat dieses in den ver- gangenen Tagen seine Sensation gehabt. Daniel Kinet hat den bis- herigen Passagier- Weltrekord mit einem Fluge von 2 Stunden 19 Minuten 15°, Sekunden, mit einem Passagier an Bord, geschlagen. Die zurückgelegte Distanz betrug bei diesem Fluge 152 Kilo- meter. Aber auch sonst wurde in Mourmelon, abgesehen von den ersten Tagen des Monats, wo ungünstige Witterung umfangreichere Flugversuche vereitelte, hübsch gearbeitet. In der Farman-Schule setzen Leutnant Camermann und die Hauptleute Marconnet und Nadiot ihre Studien fort. Leutnant Sido, ein neuer Eleve, macht auffällige Fortschritte. Daniel Kinet, Effimoff Herbster, Van den Born führen sehr schöne Flüge aus, besonders letztgenannter, welcher mit clem Apparat des Grafen Malinsky, den er diesem zur Abnahme vorführt, geradezu bewundernswert evolutioniert. Am Sounabend flog Morane ın 200 Meter Höhe von Mourmelon bis naclı Bouy, kehrte ohne Aufenthalt wieder zurück und stellte in 150 Meter Höhe vor der Landung die Zündung ab; er landete glatt im Schwebefluge, Osmond flog am gleichen Tage 40 km in durchschnittlich 20 mı Höhe; später unter- nahm er noch einen zweiten Flug, wobei er seinen Apparat: mit 85 Kilogramm Mehrbelastung, also dem Gewichte eines zweiten Passagiers, versah. Diesmal fliegt er 15 kın und landet wiederum olıne jeden Unfall. Der nene Apparat Saulnier, von de Lesseps gestenert, konnte bei seinem dritten Flugversuche 9 Minuten in derLuft bleiben: Peyret stenert can denselben Apparat während 17 bezw. IT Minnten. Einen interessanten Versuch machte Effimoff dieser Tage mit einem neuen E. N. V.-Motor, der sich ausgezeichnet bewährte. Der Seite 236 „ELUGSPORT“. _ No. 5 genannte Aviatiker stieg bis zu 400 m hinauf, ließ sich dann auf 150 m herab und stellte hier die Zündung ab. Ruhig und elegant schwebte der Apparat hernieder. In der Antoinette-Schule sind jetzt Wächter, Osmond, Labouchere, Jost und Lafond tätıg. Gastambide stieg mit einem Antomette-Eindecker auf nnd machte einige gelungene Evolutionen. Köchlin fülırte auf seinem Eindecker einen hübschen Flug von 32 Minuten aus. Uebrigens hat dieser Tage Hanptmaun Dickson mit: seinem Farman-Zweidecker sich das Awiations-Piloten- Patent erworben. Ravetto flog am letzten Mittwoch auf Voisin wäh- rend 45 Minuten. Ein nene Schule hat sich noch in Mourmelon auf- getan; diejenige von Sauchez Besa, welche auf dem ungeheneren dortigen Terrain, etwa 3 km von der Stadt Reims entfernt, installiert ist. Am Donnerstag hat Sanchez Besa ınit der Unterweisung seiner ersten Schüler begonnen. Hierbei sei erwähnt, daß die Ueberwachung des Flugfeldes von Mourmelon-le-Grand infolge der bekanuten spinnenriecherischen Canı- pagne der Presse eine wesentlich schärfere geworden ist. Vor allen Dingen hat das Generalkoınmando die Vornalme von Flugversnchen in der Zeit ven 8 Uhr morgens bis 3'. Uhr nachmittags, also zu den Stunden, während deren auf anderen Teilen des großen Uebungsfeldes die Truppen ihre Uebungen abhalten, gänzlich verboten. was gerade nicht selir befriedigt hat. In der Hanriotschule gelangen den uner- müdlichen Aviatikern Schreck, Bathiat, Parant, zu denen jetzt drei neue Eleven gekommen sind, einige nennenswerte Flüge. Auch der kleine Marcel Hanniot führt auf seiner Läibelle manche gelungene Flugleistung aus. Maurice Farman untemalım von seinem Hauptquartier zu Buc aus einige interessante Landeinwärts-Flüge, bei denen er von Madame Stonvenant, von Merville und anderen begleitet war. Gleichfalls in Buc steuert Guffroy den neuen Eindecker Robert Esnault-Pelterie, mit dem er 12 km zurücklegte. In vollem Betriebe ist die Schule Sommer zu Mouzon, woselbst Roger Sommer vor einigen Tagen wiederum durch einen Stundenflug iiber mehrere Ortschaften hinweg viel ven sich reden maclıte. Ame- rigo, Bouvier, de Petrowsky machen gute Fortschritte und führen einige schöne Flüge, darunter auch mit Passagieren, aus. Mademoi- selle Helene Dutrieux ist gleichfalls in Mouzon eingetroffen, um ihre Unterweisung an Sommer-Apparaten zu empfangen. Ebenso will Rene Demanest in Zukunft einen Sonmmerschen Zweidecker steuern. Amerigo geht übrigens dieser Tage nach Berlin. Sommer selbst flog cieser Tage mit seiner Gattin, sowie Feldmann. In Issy-les-Moulineaux- tat sich dieser Tage ein junger Eleve der Bleriot-Schule hervor. Bei seinem achten Flugversuche gelang ihm ein selbständiger Flug von 22 Minuten. Man verspricht sich von dem jungen Menschen, namens Tranchant, der eine ungewöhnliche Ge- wandheit. besitzen soll, viel. In Biarritz veranstaltet der Aviatiker Antelıme auf einem Voisin- Zweidecker Flugvorführungen, bei denen er einige lange Flüge iu ge- rader Linie auszuführen vermag. Eine vielbesprochene Flngleistung war diejenige von Emile Dubonnet, der wit dem bekannten und an dieser Stelle eingehend be- schriebenen Eindecker Tellier bei dem ersten Abflng mit diesem Ap- en No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 237 parat einen Stadt-zu-Stadt-Flug von Juvisy nach Orleans, eine Di- stanz von lÖO4 km, in prächtiger Weise ausführte nnd dadurch den „Preis La Nature“ gewann. Die Abwanderung französischer Aviatiker ins Ausland nimmt jetzt, mit cler beginnenden Saison, wieder großen Umfang an. Go- dlard fliegt in Barzelona, wo er am Sonntag nnter dem stürmischen ‚Jubel der Bevölkerung einen 50 km-Flug über der Stadt ansführte. Zunächst umflog er mehrere male das Aerodrom, erhob sich dann zu beträchtlicher Höhe nnd nahm seine Richtung direkt auf die Stadt; dort umflog er zunächst den Hafen, umkreiste zweimal den Tıwin des Christoph Columbus-Denkmals nnd schlug dann wieder die Richtung nach dem Aerodrom ein, wo er nach 55 Minuten langem Fluge glatt landete. Bekanntlich stenert Godard einen Voisin-Zweidecker. In Sevilla machte Tyclı mehrere Flüge, darnnter einen in 120 ın Höhe. Auch Kühling und Olieslagers führen einige hiibsche Flüge aus. Santos Dumont ist in Madrid, wo er vor einigen hervorragen- den Persönlichkeiten gelungene Flugdemostrationen veranstaltet. In Donai setzt Louis Brögnet seine Flugexperimente mit gntem Erfolge fort. Bekanntlich bedient er sich dabei des von ihm selbst gebanten Zweideckers, den er mit einem 50 PS Gnom versehen hat. Der Apparat evolutioniert mit großer Sicherheit nnd Br&guet ver- mochte schon einige recht bemerkenswerte Flugleistungen zn voll- bringen. So flog er dieser Tage nach Arras nnd wieder zurück, etwa 4) km, mit einer durchschnittlichen Strndengeschwindigkeit von mehr als 80 km. Die Arbeiten an dem nenen Riesen-Aerodrom, das, wie berichtet, dicht vor den Toren von Paris errichtet wird, beginnen dieser Tage und das gewaltige Terrain von 400 Hektaren soll durch ein Heer von Arbeitern in möglichst. kurzer Zeit für die beabsichtigten Zwecke her- gerichtet werden. Mit dem Bau der elektrischen Straßenbahnlinien von Paris aus, sowie mit der Legung der Gasleitung von Paris nach Le Bourget: hat man bereits begonnen. An Meetings stehen in Aussicht außer den bereits wiederholt besprochenen eine „Woche von Nimes“, die für den 7. bis 15. Mai in Aussicht genommen ist und für die die Beteiligimg von Nognes (Voisin), de Chaure (Farman), Gabilan (Eindecker Blanc), Dufonr (Bleriot) als sicher gelten. Ferner die „Woche von Rouen“ vom 19 bis 26. Juni, für welches die erforderliche Garantiesuümme von 300000 Franes nunmehr vollständig gezeichnet: ist. Eine „Große Woche von Trouville-Deanville-Havre“ wird für die Zeit vom 25. August bis 4. September geplant, also an der Seine-Bai. Das Präsidium dieser interessanten Veranstaltung hat: Baron Henri de Rothschild. Als Preise sind hente schon 200000 Francs ansgeworfen, doch wird sich die Summe aller Wahrscheinlichkeit nach noch erhöhen. Bei diesem Meeting sol] anch der „Preis Deutsch de la Meurthe“ für Ueberynerung der Seine bestritten werden. Das „Meeting von Anjon“, das von 3. bis 6. Juni vor sich gehen soll, wird eine große Anzahl namhafter Preise enthalten. Als Flngfeld wird gegenwärtig bereits das Manöverfeld von Avrille hergerichtet. Crochon hat sich mit einem Farman-Apparat schon für dieses Meeting gemeldet. Das italienische „Meeting von Palermo“, das in den Tagen vom 1. bis 7. Mai in der sizilischen Hanptstadt statthaben wird md das mit dem klassischen Seite 238 „FLUGSPORT“. No. 8 Antomobil-Meeting nın die „Targa Florio“ verbunden wird, verspricht ein schr stark besmichtes und bestrittenes aviatisches Meeting zu wer- den. Sehon liegen 7 Meldnngen vor: Riemsdyck (Unrtiss), Sands (An- toinette), Crochon (Farınan). Brusson (Blöniot). Rigal(Vorsin), Christiacns (Farman), Ravetto (Voisin). Für die „Große Woche von Tonrs“, die sich in der Zeit vom 30. April bis 9. Mai abrollen wird, Heganı be- reits 165 Neunnngen vor, um zwar von Metvot, Allard, Madame de Laroche, Champel (Voism), Duray, Chavez, Diekson (Farınan), Ohatena (Zodiac), Bnrgeat, Killer :Autoimette) Molon, Tyanchant (Bleriot.. Boeswilwald, Gmyot. Stahl 1@. B. S., Antelme (Voisin). Bei diesem Meeting wird anber einer Reihe namhafter Preise auch der „Pokal ‚Jacques Schneider für Anfänger“ bestritten werden. Diese Trophäe kann von solchen Aviatikern mınworbeu werden, die das Pilotenpatent weniger als sechs Monate vor Eröffnung des Meetings erst besitzen nnd die vorher uichs mehr als 5000 Franes an Preisen gewonnen haben. Die „Große Woche von Lyou“ geht, wie gemeldet, in der Zeit vom T. bis 15. Mai vor sich. Die Neunungsliste enthält gegenwärtig die Namen: Metrot (Voisin), Van «den Born (Farman), Latham (Antoinette), Molon (Bleriot.). Legagnenx (Sommer), Dnbonnet (Tellier), Panlhan (Farman), Harding (Jap), Chavez (Farman). Die Installation des Flugfeldes, die mit Eifer betrieben wird, soll eine mustergiltige werden. Von den namhaften Zeichnungen fiir «lieses Meeting verdienen einige hervorgehoben zu werden: die Stadt Lyon 50000 Francs, die Handelskammer von yon 10000 Tranes, die Eisenbahn-Direktion Lyon 1900 Frances, die Stadt Villenrbanne 19000 Franes nsw. Die Gesamtheit der Preise beträgt 200000 Frames. Das „Meeting von Nizza“ hat unn dieser Tage be- gonnen nnd bildet im Augenblick den Mittelpunkt des flngsportlichen Interesses. Hier sind 13 Bewerber vereinigt, «darunter aneh muser Landsmann Hans Grade. Ueber den Verlauf des Meetings, an dem 205000 Fraucs an Preisen zum Anstrag kommen, werden wir ein- gehend berichten. Ein eigenartiges Meeting verdient noch Erwähnung, dessen Or- ganisation auf einer völlig nenen Basıs vor sich gelten wird: die "Große Woche von Sankt Petersburg“, das erste große russische inter- nationale Aviations-Meeting. In der verständigen Erkenntnis, daß die Beteilignug der ausländischen Avıatiker, anf die in erster Linie ge- rechnet werden mnb, zu diesen Meeting: bei der Umständlichkeit und Kostspieligkeit der Reise- und Transportbedingungen eine sehr be- schränkte sei werde, habeu die Veranstalter den Beschluß gefaßt, das Meeting als „Einladungsmeeting“ zu organisieren. Das Komitee. wird sieben oder acht ausländische Aviatiker zu diesem Meeting ein- laden, ihre Apparate auf eigene Kosten nach Petersburg transpor- tieren, sowie die Reise- und Aufenthaltskosten der Aviatiker selbst tragen. Außerdem werden 100000 Francs an Preisen zur Verteilung gelangen; darunter der „Große Preis von Sankt Petersburg (15000, 10000, SO00, 5000, 3000, 2000, 1000 Frances), der „Preis des Aero- Club von Rußland“ (LOCO, 5000, 3000, 2000 Frances), der „Höhenpreis“ (SOH0, 3000, 2000 Francs). Ferner gelangten tägliche Preise während der acht Tage für Distanz- nnd Geschwindigkeitsflüge zur Verteilung. Wie verlantet, beabsichtigt der Minister der öffentlichen Ar- beiten, Merr Millerand, von der“ Regierung weitere LLUUOOO Frances zu No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 239 verlangen, die als Preise zur Fördernng der Avıation bestiunmt werden sollen. Die Verhandlungen darüber im Ministerrate sind im Gange. Ferner hat der genannte Minister soeben von dem Syndikat der Avi- ation ein „Projekt der Reglementiernng der Inftsehlffahrt nuter be- sonderer Berücksichtigung der Aviation“ entgegengenommien. Diese Arbeit. welche Herr de Manthe, der Pı äsident des genannten Syn- dikats gezeichnet hat, ist eingeteilt im verschiedene Rapitel: I. Pr- vatapparate: 2. Apparate im öffentlichen Dienst; 3. Regieruugs-Ap- parate. Das Syndikat ist bei chesem Schritt von der Ansicht ansge- gangen, daß sich in der Flngschiffahrt in aller Kürze die Erteihimg von Navigationsschemen, «die Antstellmmg änßerer Merkzeichen, Be- stimmmngen über den Verkehr nnd die Landung n. a. ın. notwendig machen wird. Aber es wird in dem Blaborat nachdrücklich betont. dab im Angenblick die Einschränkung der Flngschiffahrt «nreh ge- setziehe Bestimmnngen der E ntwieklng sehr nachteilig wäre. Es handele sich nur mn die Vorarbeit für lie Zmknuft. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Eine große kommerzielle Unternehmung zur Pflege des Fhig- wesens ist am 13. April unter der Firma „Aviation Investinent and Rosearch Ltd.“ mit einem Kapital von 2 Millionen Mark gegründet. worden. Die Gesellschaft beabsichtigt, die verschiedenen Zweige des Fingsports und Flugmaschmenbaus zu untersuchen nnd kommerziell anszmmiitzen nnd will zu diesem Zwecke Tochtergesellschaften grün- den, welche inter Leitung allererster Sachverständiger nene Erfin- lungen prüfen, Patente erwerben und alles fabrizieren sollen, was mit. der Flugtechnik in Zusammenhang steht. Zu diesem Zwecke sind vier Abteilungen geplant. Zunächst die „Aeroplanabteilnng“, welche sich bereits verschiedene Erfindnngen englischer uud kontinentaler Ingenieure gesichert hat. An der Spitze dieser Abteilung stehen die Herren Sir Hiram Maxim, T.W. K. Clarke, Major Baden-Powell und die praktischen Flieger Manvice Egerton nnd Moore-Brabazon. Die zweite Abteilung betrifft Propeller” und Triebkraft und hat. folgende Komitee- Mitglieder: Frederick R. Simms (von der Simms Magneta Company), Professor, Alexander Liwentaal (beratender Ingenieur des trafen Zeppelin), Warwick Wright (von der Flnginaschinenfabrik Warwick Wright. Ltd.) nnd andere Ingenienre. Die dritte Abteilung will Flnggründe, Fabrikplätze und Fliegerschuppen erwerben, und die vierte Abteilung soll alles andere untersuchen, was sonst noch mitdem Fhigwesen in Zusammenhang stelit, wie Fallschirme, Draht- spanner, Stoßfedern, Schntz gegen Fener und atmosphärische Elek- trizität, Wind- nnd Schuelligkeitsmesser, Neignungsmesser, Logs, Lam- pen u. s. w. Durch ihre Vertreter in allen Ländern soll die Gesell- schaft von jeder nenen Eıfindung sofort beuachrichtigt werden, so daß sie in der Lage ist, dieselben” umgehend für die Gesellschaft zu sichern, ıund falls dieselben sieh bewäliren, sollen Tochtergesellschaften gegründet werden, um diese Erfindmugen fabrıkmiäbig auszunützen. Also en ganz großzügiges Unternehmen, dessen Entwicklung man mit Interesse vorfolgen wird. „FLUGSPORL“. No. 8 Seite 240 Nach einer Schätzung in einer Fachzeitschrift sind augenblick- lich in England zwischen 500 nnd 1000 Flugmaschmen ım Ban, von (lenen vor dem 1. Juli etwa 150 wirklich fliegen werden, obwohl bisher nur 12 Fliuigmaschinen in England vorhanden sind, die wirklich geflogen sind. Nach allen Anzeichen wird im lanfenden Jahre die Emtwickhing des Flugwesens in England voraussichtlich eine ganz überraschende sein. Dazu werden auch die zahlreichen Flugmeetings beitragen, von denen die folgenden bisher definitiv festgelegt sind: Internationale Meetings vom 11.—16. Juli in Boninemonth nnd vom 6.—13. Angnst in Lanark; nationale Meetings vom 14.—21. Mai m Huntingdon, vom 4.—11. Juni in Doncaster, vom 25. Jımi bis 2. Jnli in Wolver- hampton. Die Daten für die nationalen Meetings von Angnst bis November sind noch nicht bestimmt. Ehrenvorsitzender des Meetings in Lanark ist der Herzog von Argyli, ein Schwager des Königs. An dem Meeting in Wolverhamp- ton können sich nrır englische Untertanen beteiligen. Der erste Preis für längste Dauer beträgt hier 20000 Mk., der zweite Preis 6000 Mk., der dritte Preis 2000 Mk. Betreffs des Michelin-Preises hat der Royal Aero Club am 5. April entschieden, daß derselbe Herrn J. T. ©. Moore-Brabazon zu- fällt, welcher mit einer englischen Maschine am 1. März in East- chnrch über 30 km flog. Dies ist der längste Flug, der vor dem 1. April in England offiziell beobachtet wnrde. Die in der vorigen Nrummer ausgesprochene Vermntung, daß Royce-Rolls den Preis er- halten werde, hat sich also nicht bestätigt; doch kann darüber gar kein Zweifel sein, daß Rolls angenblicklich der erste nnter allen eng- lischen Fliegern ist und daß er mit den besten französischen Fliegern in eine Klasse gerechnet werden muß. Sein Flug in Sheppey, wobei er trotz heftigen Windes cine Höhe von 300 m erreichte, war eine Leistung allerersten Ranges nnd nmso bemerkenswerter, als er auf einer ganz‘ neuen, noch tinerprobten Maschine ansgeführt wurde. — Um den Michelin-Pokal und einen Geldpreis von 10000 Mk. für das nächste ‚Jahr (1. April 1910 bis 31. März 1911) zu gewinnen, muß die Leistung des diesjährigen Gewinners mindestens verdoppelt werden. | Am 8. April wurde das Bleriot-Denkmal in Northfall Meadow bei Dover durch Lord Brassey, Kommandanten von Dover, in Gegen- wart von M. nnd Madame Bleriot enthüllt. Das Publikum nalım au dieser Feier jedoch kein Interessc. Dagegen hat die Nachricht von dem Tode Le Blons hier in weitesten Kreisen große Trauer erregt. Sein Mut, nnd sein vornehmer bescheidener Charakter wnrden seit seinen schönen Flügen in Doncaster hochgeschätzt, nnd als Ingenienr war er ein ideenreicher Mann, der nıın leider große Pläne nicht hat zur Ausführıng bringen können. Anf der Ansstellning in Olympia, wo er den Stand der Hınnber Company leitete, war er eine vielbe- merkte Persönlickeit. Zur Erklämug (des Unglücksfalles wird von englischen Saclı- verständigen daranf Gewicht gelegt, dab sowohl Delagrange wie Le Blon bei ihren verhängmisvollen Flügen cine Bleriot-Maschine mit 50 PS Gnom-Motor benntzten, während der gewöhnliche Motor für Bleriotmaschinen «der Anzanimotor ist. Delagrange erzählte noch ee = No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 241 kurz vor seinem Unglücksfalle einem Freunde: „Wenn ich diesen Motor benutze und schnell fliege, so ist es ganz unmöglich, durch Umstellung des Höhensteuers eine Aenderung der Höhe herzustellen. Die Maschine bleibt im Gleichgewicht. Ich kaun nicht herunter- steigen, ohne vorher die Maschine langsamer gestellt zu haben.“ Der Gmom-Motor hat sich bei der Farman- und Voisin-Maschine be- währt; aber die Bleriot-Maschine ist viel leichter als diese beiden Maschinen. i Ein neuer englischer Flieger ist Mr. J. Radley aus Bedford, der am 10. April in Huntingdon mit einer Bleriotmaschine drei kleinere Flüge machte und am folgenden Tage noch bessere Leistungen er- zıelte. Ein anderer neuer Flieger, Mr. Percy Richardson, der eben- falls einen Bleriotmonoplan benutzt, berichtet: zur Belehrung von An- fängern von seinen Erfahrungen mit dieser Maschine. Er ist vanz begeistert von der sanften und angenehmen Bewegung, wenn die Maschine über den Boden läuft, und von der Sicherheit, die man beim Fliegen selbst empfindet. Die einzige Gefahr für den Anfänger besteht darin, daß die Wirkung des Seiten- und Höhensteners erst nach einer beträchtlichen Zeit eintritt. Wenn man das Steuer zum Heruntergehen stellt, so steigt die Maschine doch noch einive Zeit. ehe die Umstellung des Steuers ihre Wirkungen äußert. Der An- fänger wird dann nervös, glaubt das Steuer nicht genug umgestellt. zu haben, stellt es weiter, und so muß ein Unglück folgen. Richard- son selbst ist infolgedessen aus einer Höhe von 30 Fuß herabgestürzt ; doch fand er, daß auch ein solcher Sturz nicht so ernst ist wie er aussieht, wenn man sich nur weit zurücklegt, wie auf einem sprin- genden Pferde, und er konnte sofort wieder neue Flüge unter- nehmen. Sir Hiram Maxim hat sich wieder einmal über seine neue Flug- maschine interviewen lassen und dabei betont, daß die an derselben angebrachten Verbesserungen und neuen Ideen so zahlreich sind, dab es ein ganzes Vermögen kosten wird, allein die Patentkosten zu be- zahlen. Doch hat man bisher noch gar nichts von praktischen Ver- suchen mit seiner Maschine gehört. . „Der Northumberland Aero Club, der jetzt zweihnndert Mit- glieder zählt, hat den Baldon-Rennplatz bei Sunderland für Flngzwecke angekanft. ” Flugtechnische Das Flugmaschinenführer-Zeugnis erwarben: Ellery v. Gorrissen am 7. April auf Euler, Flugplatz Griesheim bei Darmstadt, Adolf Behrend am 1i. April auf Schultze-Herfort, Flugplatz Johannistkal. Flugmaschine Rivoir, Offenbach. Dieser von Wilh. Rivoir, Offenbach, in Gemeinschaft mit Petri und Weisbarth erbaute Flugapparat ist ein Eindecker' mit einer Gesamttragfläche von 35 qm, größte Spannweite 13 m, größte Länge 9,5 m. Seite 242 „FLUGSPORT“. No. 8 Die Haupttragfläche besteht aus 2 Tragdeckenhälften von je 6 m Breite quer zur Flugrichtung und 2,5 m Länge. Am hinteren Ende des Fliegers ist eine feste Tragfläche von 2,5 qm ange- ordnet, zu deren beiden Seiten sich 2 Höhensteuerflächen von je 1,25 qm be- finden. Darüber sind zwei Seitensteuerflächen nebeneinander angeordnet. Zum Betriebe dient vorläufig cin Tuftgekühlter Motor mit 4 fächerförmig unter 60 Grad angeordneten Zylindern von 120 mm Bohrung und 130 mm Hub. Der Apparat unterscheidet sich von den bekannten Eindeckern dadurch, daß Führersitz und Motor ca. I m unterhalb der Haupttragdecke gelegt sind und die Luftschraube (Chauviere. 2700 mm Durchmesser) durch Kette angetrieben, nur mit der Hälfte der Motortourenzahl dreht. Die Schräglagensteuerung geschieht durch Verwindung der Haupt- tragdecken. Das Fahrgestell besitzt vorne in zwei abgefederten und seitlich drehbaren Gabeln gelagerte Räder und zwei nach vorne herausragende Kufen, hinten ein ebenfalls federnd und seitlich drehbar gelagertes Rad. Das Baumaterial ist in der Hauptsache Eschenholz. Die Traxdecken sind von beiden Seiten mit Continentalstoff überspannt. Das Gewicht des flugfertigen Apparates inbegriffen 50 I Benzin und den Führer ‚75 kg) beträgt 550 kg. Eindecker Vollmoeller IV. Dr. Carl Vollmoeller in Stuttgart hat jetzt eine neue Type Nr. 4 herausgebracht. Mit diesem Apparat hat sein Bruder am Eindecker Vollmoeller Nr. IV. 22. März 13 kleinere Flüge von 8—1!0 m bei 8 m Gegenwind ausgeführt. Der Apparat ist in Hinter- und Vorderansicht in nebenstehender Abbildung wieder gegeben. Einen neuen deutschen Dauerllugrekord stellte Jeannin am 11. April auf lem Flugplatz Johannisthal auf. Jeannin beabsichtigte, bereits am Sonntag, den No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 243 10. April mit seinem Farman, in welchem sich ein deutscher Argus-Motor befindet den von Kapitänleutnant Engelhardt am 5. November mit 1 Stunde 53 Minuten aufgestellten Dauerrekord für deutsche Aeroplanführer zu brechen. Der Flug begann um 6 Uhr 9 Minuten 23 Sckunden und wurde nach 2 Stunden | Minute und 55 Sekunden beendet | Eindccker Paul Senge, Karlsruhe. Dieser Eindecker hat 24,7 qm Trag- fläche und wiegt mit Benzin für dreistiindigen Betrieb mit Führer 280 ke. Der Eindecker Paul Senge. 25—30 PS Dreizylinder-Motor treibt eine 2,2 m Rapid-Schraube,. Ueber die Ver- suche mit dieser Maschine werden wir demnächst berichten. Hans Kirchhoff hat am 7. April auf einer von ihm selbst gebauten Flug- maschine auf den Ruhrwiesen bei Essen mehrere Aufstiege gemacht. Es gelang ihn, 8 Minuten in der Luft zu bleiben. j " Vom Flugplatz Johannisthal. Außer den bekannten Flügen von Jeannin und Behrend wäre von Johannisthal noch folgendes zu berichten: Der Wright- Pilot Keidel absolvierte mit seinen Schülern Eyring, Dr. Sablatnig und Hein mehrere sehr schöne Flüge von 2 bis 3 Runden Dauer in verschiedenen Höhen: Poulain, der alte Radweltmeister brachte seinen Eindecker zum Hüpfen und der russische Aviatiker Jesbe machte zum erstenmale Fahrversuche mit dem Mono- plan System Kluytmann der Fiugmaschinenbauanstalt „Deutschland“. Lehrapparat der Mainzer Automobil-Fachschule. Genanntes Institut hat in sriner Abteilung für Flugtechnik für Lehrzwecke einen Zweidecker gebaut. (Siehe umstehende Abb.) Der Apparat ähnelt der Farman-Type. Zum Betriebe dient ein 32 PS-Motor, auf dessen Welle die Luftschraube montiert ist. Die Schräglagensteuerung wird durch zwei dreieckige Flächen, welche zwischen den Tragdecken angeordnet sind, bewirkt. Unfall der Parseval-Maschine. Am 14. April wurden in Plau die Ver- suche mit der unseren Lesern bekannten Parseval-Maschine fortgesetzt. Um 10, Uhr glitt der Apparat auf dem Wasser mit großer Geschwindigkeit. Plötzlich erfaßte der böische Wind die rechte Tragdecke und hob den Apparat seitlich in die Höhe, so dab er in den See glitt. Die Passagiere, Ingenietr Blochmann und Hoff fielen ins Wasser, konnten sich jedoch retten. Nazshmittags gegen 6%, Uhr gelang es, den Apparat im Wasser wicder aufzurichten und nach der Halle zu bringen. Seite 244 „FLUGSPORT". “inyasyaujigomomy JozutsW J9P yeseddesy>] nr Ei 4 $ No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 245 Der Eindecker Pohlitzsch und Telchow, welcher mit einem 50 PS-Argus- Motor betrieben wird, wurde am 13. d. Mts. einer Motorprobe unterworfen, wo- bei die Propellerflügel wegflogen und den Konstrukteur Teichow leicht am Kopfe verletzten. Ausland. Flugmaschine Etrich II. Igo Etiich hat mit seinem Apparat Nr. II sehr gute Resultate erzielt. Die verbesserte Maschine Etrich I, Zanonia-Type in Flugmaschine Etrich Il. Vogelform, für 2 Personen, zeigen nebenstehende Abbildungen. Die Abmessungen sind folgende: “ Spannweite I4 m, Länge 10 m, Tragfläche 32 qm, Steuer- flächen 10 qm, Gewicht komplett ohne Insassen 30 kg, Motor 50 HP 4 Cyl. Clerget 80 kg, Schraube Anfangs 2200 m/m D., 1200 m/m Gang Syst. Chauviere, jetzt 1800 m/m D., 1200 m/m Gang, öst. Syst. Hofmann, Zug am Stand bei Vollgas (1300 Touren) 150 kg früher, 60 kg jetzt, im Flug Motor nur!/, offen; Zug nicht gemessen, Geschwindigkeit ca. 75—80 km p. Stunde, Einfallswinkel der Luft 4!/,°, Etrichs letzte Flüge und deren Ergebnisse seien wie nachstehend registriert: Am 6. April 1910: Kurzer Flug (ca. 100m, 1—2m hoch). Da zu starker Auftrieb Reduktion des Einfallswinkels-von 6° auf 4!/,, Am 8. April: Bei fast ganz geschlossenem Motor steigt der Apparat nacltı kurzem Anlauf rapid auf 10 m Höhe und landet infolge Verlust der Geschwindig- keit so brüsk, daß Radgestell und Schraube beschädigt werden. Am 12. April: Beabsichtigte Fahrversuche mit der kleinen (180 cm) Schraube, da infolge des geringen Vortriebs ein Flug ausgeschlossen schien, er- gaben einen Flug von 400 m in 2-5 m Höhe und einen von 2500 m in 5m Höhe mit einer Kurve. Mit '/, Gaseinlaß Tempo über 80 km p. Stunde. Am 13. April früh: Nach einigen kurzen Flügen bleibt der Apparat 8 Minuten in der Luft mit '/, Gaseinlaß und beschreibt 8er und S-Kurven in Höhen von 5—20 m. Landung willkürlich. Abends ein Flug von 4 Minuten in der- Seite 246 „FLUGSPORT“. No.8 selben Höhe. Landung im Gleitflug aus 10 m Höhe infolge plötzlichen Motor- stillstandes. Tempo ca. 75—80 km p. Stunde. Am 14. April: 2 Flüge von je 2 Minuten, die jedesmal durch Motordefekte und Gleitflug aus 10 bezw. 15 m Höhe beendet werden. Infolge des geringen Kraftbedarfes und der lästigen Motordefekte wird derzeit der leichte 50 HP durch einen normalen 18/22 HP 4 Cyl. Block-Automotor “ un ü " - „ Igo Etrich mit seiner Maschine Nr. Il. (100 kg) der österr. Daimlermotorengesellschaft ausgewechselt und dann die Ver- suche fortgesetzt. Den Flugwinkel von 4% ® wird Etrich sicher noch mehr verkleinern. Ueber den ferneren Ausgang der Versuche werden wir berichten. Ingenieur von Pischof hat am 13. April auf dem Wien-Neustadter Flug- felde: zum ersten male einige gut gelungene Flüge ausgeführt. Warchalowski führte am 13. d. Mts. gleichfalls auf dem Wien-Neustadter Flugfelde mehrere Passägierflüge von 2-3 km Länge aus. Zweidecker Simon. Dieser von der Firma Lohner in Wien erbaute Apparat mächte am 13. April seine ersten Fahrversuche. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. 77h. N. 9406, Schraubenflieger. Emil Neyen, Berlin, Schlegelstraße 12. 4. 11. 07. 77h. )J. 10%7. Schwernkbare Hubschrauben für Luftfahrzeuge. Hugo Jungmann, Rixdorf, Knesebeckstrasse 141. 25. 7. 08. No. 8 „FLUGSPORT“ Seite 247 77h. C. 17908, Schraubenflügel für Flugmaschinen; Zus. z. Pat. 203797. Rudolf Chillingworth, Nürnberg, Walzwerkstr. 68. 3. 5. 09. 77h. R. 25697. Flugmaschine mit zwei um eine zur Gondel unter belie- bigem Neigungswinkel einstellbare Achse sich entgegengesetzt drehenden Flügel- paaren. Heinrich Riedel, Charlottenburg, Suarezstr. 26. 13. 1. 08. Trh. W.28987. Drachenflieger. Julius Wiese, Hamburg, Neuer Steinweg 60. 31. 12. 07. Th. W. 32944. Verfahren zum Verbergen von Luftfahrzeugen. Dr. R. Wegner von Dallwitz, Heidelberg, Am Klingenthal 6. 17. 9. (9, 77h. H. 45260. Motor für Luftfahrzeuge. Wilhelm Hünn, Selb in Oberfr. 1. 12. 08. Th. B. 52507. Antriebsvorrichtung für gegenläufige Luftschrauben. Otto Baumgärtel, Dresden, Kamenzerstr. 62. 21. 12. 08. Patenterteilungen. 77h. 221 328. Vorrichtung zur Aufrechterhaltung der Stabilität von Flug- maschinen. Oskar Heeren, Paris; Vertr.: H. Neundorf, Pat.-Anw., Berlin W 57. 26. 1. 08. H. 42697. 77h. 221413. Luftfahrzeug mit senkrechtem Schacht. Karl Gimmy und Heinrich Gimmy, Rheingönnheim, Pfalz. 25. 11. 08. G. 28060. 7rh. 221 458. Schraubenflieger mit beweglichem Fallschirm. ©. v. Krempel- huber, Eichstätt, Bayern. 19. 12. 07. K. 36375. Gebrauchsmuster. 7rh. 411700. Vorrichtung zum sofortigen Aufstieg von Flugapparaten. Franz Schleif, Solingen, Sonnenstraße 13, 18. 1. 10. Sch. 34685. v 77h. 411836. Gummifeder. Fa. Franz Verheyen, Frankfurt a. M. 3. 2. I0 . 1868. 7rf. 412893. Flugapparat. Anton Habetin, Leipzig-Volkmarsdorf, Hilde- gardstraße 53. 21. 2. 10. H 45015. Th. 4'3756. Flugmaschine mit nach vorne spitz zulaufenden Tragflächen. Theodor Steinbach, Duisburg, Im Schlenk 87. 15. 1. 10. St. 12793. 77h. 414170. Flugapparat mit über den Haupttragflächen angeordneten verschiebbaren Hilfstragflächen. Wilhelm Effertz, Wesseling, Adolf Verbrüggen, Beuel, und Gottfried Hommers, Wesseling, 4. 3. 10. .E. 13946. 77h. 414319. Propeller mit beweglichen Schaufeln. Gg. Brogl, München, Blutenburgerstr. 44 5. 3. 10. B. 46920. Trh. 414425. Gleitflieger mit Schwungrad im Getriebe. Hans Stalıl, Hamburg, Burggartenstr. 8. 7. 2. 10. St. 12922, 7th. 414465. Flugapparat mit zwei steuerbaren Propellern. Wilhelm Liese, Rixdorf, Teupitzerstr. 10. 22. 2. 10. L. 23670. Verschiedenes. Die deutschen Flugwochen 1910 finden wie folgt statt: Berlin 10.—16 Mai; München 4.—12 Juni; Danzig 18.—26 Juni; Leipzig 10. - 17. Juli; Berlin 7.—13. August; München 8.—13. September; Berlin 7.—-13. Oktober. Von diesen Veranstaltungen ist die Mai-Flugwoche in Berlin international, während die üb- rigen Veranstaltungen einen nationaten Charakter tragen. Die Veranstaltungen sollen durch den deutschen Luftschiffer-Verband ge- nehmigt sein. Die Flugsport-Clubs und die Flugtechnischen Vereine hat man bei der Festsetzung iiberhaupt nicht gehört. — Für die Berliner Flugwoche haben sich bereits gemeldet: Hans Grade, der dänische Luftschiffer Svensen, Baron de Caters, Baronin de Laroche, Ellery von Gorrissen und Eugen Wiencziers. Ein ostdeutsches Flugamt, das der Mittelpunkt für das gesamte Flug- wesen des Ostens werden soll, ist in Breslau gegründet worden. Seine Ziele sind national. Schlesien, Posen, Ost- und Westpreußen bilden strategisch eine Einheit. Es lag daher nahe, sie in dem „Ostdeutschen Fluganıt“ zu vereinigen. Das preußische Kriegsministerium hat ihm daher auch seine Unterstützung zuge- sagt. Als erstere größere Arbeit ist der Entwurf einer Karte vorgesehen, auf der die Flugstraßen und Fligshäfen des Ostens unter Berücksichtigung der stra- Seite 248 „FLUGSPORT“. No. 8 tegischen und sportlichen Interessen festgelegt werden. Sollte sich die Organi- sation derart ausdehnen, daß die Arbeitskraft des Flugamts mit dem Sitz in Breslau übersteigt, so sollen besondere Flugämter für Schlesien, Posen, Ost- und Westpreußen unter der Oberleitung des Ostdeutschen Flugamts gegründet werden. Die Arbeit ist vorläufig folgendermaßen unter die Mitglieder des Ost- deutschen Flugamtes geteilt: Dr. Eri ch Bohn, Rechtsanwalt in Breslau; Organisation, Geschäftsführung, Rechtsfragen. Dr. Baer, Professor der tech- nischen Hochschule zu Breslau: Motorwesen. Dr. v. d. Borne, Direktor der Erdbebenwarte in Breslau: Atmosphärische Fragen, Instrumente, Luftschiffahrt. Burggraf und Graf Hermann zu Dohna-Schlodien: Luft- schiffahrt. Engel, Hauptmann im Infanterie-Regt. No. 5l in Breslau: Sport. Dr. Georg Heimann, Kgl. Kommerzienrat in Breslau; Finanzwesen. Dr. Lummer, Professor an der Universität in Breslau: Flugtechnik. Professor Poelzig, Direktor der Kgl. Kunstschule in Breslau: Architektur, künstlerische Fragen. Scharr, Oberstleutleutnant und Ingenieur, Offizier vom Platz in Breslau: Militärische Fragen. Internationaler Wettbewerb für Flugmotoren. Der „Oesterreichische Flugtechnische Verein“ veranstaltet im Jahre 1910 einen internationalen Wettbewerb für Flugmotoren, wobei diese nach dem Gewichte für die Pferdestärke unter Berücksichtigung der Laufzeit und des Verbrauches an Betriebsstoff be- wertet werden. Die Durchführung dieses Wettbewerbes obliegt einer Prüfungskommission, welcher angehören als Delegierte des k. k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten Exzellenz Sektionschef Dr. W.Erner und k.k. Baurat Joh. Trnovsky, ferner Oberinspektor A. Ritter von Boschan, Ing. Otto Freiherr von Czedik, Oberbaurat Ludwig Erhard, Prof. Georg Goebel, Prof. Richard Knoller, k. k. techn. Oberoffizial Hugo L. Nikel. An dem Wettbewerbe können sich Firmen oder auch einzelne Kon- strukteure des In- und Auslandes beteiligen. An Preisen stehen für diesen Wettbewerb insgesamt M. 24000 zur Ver- fügung, und zwar ein Preis des k. k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten für für den besten Motor im Werte von M. 10000, ein Preis des Oesterreichischen Flugtechnischen Vereines für den zweitbesten Motor von M. 5000, ein Preis des k. k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten für den besten von Oesterreich er- zeugten Motor von M. 5000, schließlich zwei Preise des Oesterreichischen Auto- mobilklub im Werte von M. 4000. Näheres bei der Geschäftsstelle des Oesterreichischen Flugtechnischen Vereins, Wien IV; Wienstrasse 31, Telefon 628, Berichtigung. In dem Artikel „Wissenswertes über die Konstruktionen der Betätigungseinrichtungen für die Steuerorgane“ ist in einem Teil der Auflage die Abb. 5 falsch gestellt. Die Fiugmaschine muß sich, wie in nachstehender Abbildung richtig wiedergegeben, in einer Schräglage nach links befinden. No. 8 „FLUGSPORT“. Seite 249 Briefkasten. E. in B. Ihre Fragen gehen etwas sehr weit. Bei der zu Grunde gelegten Geschwindigkeit und Tourenzahl beträgt der Neigungswinkel des Schrauben- blattes 8°, die Breite des Flügels an der Peripherie 32 cm, der Durchmesser der Schraube 2,40 m. Die Flugmaschine von Eliehammer sehen Sie in beistehender Abbildung. Die Tragdecken sind zusammenfaltbar. Das Gewicht betrug 100 kg. u. Löbliche Redaktion! _ iR REEL Flugmaschine von Ellehammer. -Firmennachrichten. Faerber & Co., Hamburg. Unter diesem Titel ist in Hamburg eine Firma gegründet worden, welche sich mit der ausschließlichen Herstellung der Holz- luftschrauben „Präcision“ befaßt. Technischer Leiter und Repräsentant der Firma ist der bekannte Ingenieur und Aviatiker Arthur Faerber, Hamburg, welcher mit!seinem selbsterbauten Aeroplan auf dem Wandsbecker Exerzierplatz gute Er- folge erzielte, die der präzisen Konstruktion seiner Luftschraube hautsächlich zu- zuschreiben sind. Zuschriften an die Redaktion. (Ohne Verantwortung der Redaktion). In der Nummer 5 des zweiten Jahrganges der Zeitschrift „Flugsport“ findet sich in der vom Zivilingenieur Trutschel verfaßten Abhandlung der folgende Satz: „Bei der Anwendung von zwei Propellern, die in entgegengesetzter Dreh- richtung umlaufen, heben sich die Drehmomente vollständig auf, so daß auch bei einem plötzlichen Versagen des Motors keine seitlichen Kippmomente entstehen können. Nun möchte ich mir erlauben, das folgende zu bemerken: Das Auftreten eines Kippmomentes (seitlich) ist auf nachstehende Art zu erklären. Das im Motor auftretende Drehmoment zerfällt nach dem Gesetze von Aktion und Reaktion in ein positives, das an der Kurbelwelle wirkende, und in ein negatives, das am Motorgehäuse wirkende. Das erstere wird zum Propeller geleitet und leistet doch Arbeit, ist also nicht imstande, dieses Kippmoment zu erzeugen. Das zweite wird infolge der starren Verbindung des Motorgehäuses ' Seite 250 „FLUGSPORT“. No. 8 mit dem Gestelle des Drachenfliegers, jenes seitliche Kippmoment erzeugen, das denselben (den Drachenflieger) im entgegengesetzten Sinne der Drehrichtung des Propellers, zu verdrehen sucht. Ein zweiter, entgegen dem ersten laufenden Propeller, welcher also vom positiven Drehmoment betätigt wird, kann doch niemals jenes Kippmoment annulieren, das ja vom negativen (Reaktions-) Drehmoment des Motors erzeugt wird! Dies wäre nur in dem Falle möglich, wenn man den ersten Propeller von positiven Drehmoment (der Motorkurbelwelle) und den zweiten, entgegen dem ersten laufenden, vom negativen Drehmoment (des Motorgehäuses) betätigen würde. Hochachtungsvoll Wien, 16. April 1910. V. von Walenta. Anmerkung der Redaktion. Hoffentlich ist jetzt Herr Trutzschel zufrieden Letzte Nachrichten. Henry Farman flog am 17. April die 50 km lange Strecke von Etampes nach Orleans mit einem Passagier in 40 Minuten. In Nizza flog Effimoff 6 km in 6 Minuten 45 Sekunden. Er gewann hiermit den Schnelligkeitspreis. Ebenso gewann er den Aufflugpreis. ohne Passagier 20 m Anlauf, mit Passagier 65 m Änlautf. Van den Born legte 106 und Effimoff 132 km zurück. Rougier stürzte ins Meer. Paulhan flog am 18. April die 190 km lange Strecke von Orleans nach Pouan in 3 Stunden 30 Minuten in 500 m Höhe. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. i Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter „ Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 Central - Hotel Telefon 11634. Herr von Gorrissen flog am 7. April mit einer Euler - Maschine vor den unterzeichneten Herren um das Flugzeugführer-Patent. Er flog; dreimal je 2 Runden üm den Truppenübungsplatz. Jeder Flug war ungefähr 12 km lang. Die Landungen und das Abstellen des Motors er- folgten 50, 60 und 70 m von der vorher bezeichneten Stelle entfernt. gez. von Goerschen gez. Prof. Dr. A. Kraemer Major beim Stabe des Thür. Ulanen- Oberleutnant der L. 1. Regt. No. 6, gez. Prof. Dr. H. Weber gez. von Xappard, Oberleutnant der Reserve. Rittmeister Ulanen 6. gez. von Vopelius gez. Eckert, Oberleutnant Ulan, Regt. 6. Hauptmann J. R. 88. gez. Picht gez. von Hiddessen Leutnant Ulan.-Regt. 6. Leutnant im Leib-Drag -Regt. No. 24. gez. August Euler. m nn nina „FLUGSPORT“. Seite 251 Frankfurte Il. Vorsitzender: 2. „ Schriftführer: Ci INN I Offizielle Mitteilungen des r Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: Civil-Ing. Paul Schubbert. Dipl.-Ing. Krastel. vil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: ©berleutnant a. D. zur See Dornlieim., Frankfurt a. M., Berg weg 12. Beisitzer: Haller ıınd Pega. Zuschriften an den ers erbeten, Difizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 6 . 2. 2.2.2... 3071 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . . 2 22 oo... 0.9200 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 37 . . » 2 2 2.2..10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 10 . 2. 2 2.2.2.2.2.2,10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 4 . 2 2 222020222454 Flugwart:: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 . 2 2 2 2 22 20202.3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 3. . . ...%55 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 21 . . 2. 2 ..2..2...2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107°. . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, ‚Gartenstraße 3. 2 222222209054 —— BEZ Beisitzer: —— Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13. . 2 22.2.2... 1166 Freiherr von Durant, Langendorf Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 . . 2 2 2 2222... 901 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1 . 2 2 2 2.2.2.2.2..689 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14 . . . 2.2 2.2...9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . 2 2 2 22 2 nn nu. 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lioyd) . . 2701 ten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 Seite 252 „FLUGSPORT“. No. 8 Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holten. Vorstand: 1. Vorsitzender: A. Breuer, Wasserwerksdirekt.,‚ Oberhausen. 2. n Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. # Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. } Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten. 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten. Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. „ Redakteur Huhn, Oberhausen. Geschäftsführer des Vereins ist Redakteur Rudolf Huhn zu Oberhausen; an diesen sind ausnahmslos alle Sendungen zu richten. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Direktor Probst. Schriftführer: C. Kremer. In der am 1. März stattfindenden Mitglieder - Versammlung wurden die Satzungen endgültig genehmigt. n jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Steinstr. 70 Vereinsabend statt. Gäste willkommen. N 1 NyeT Zu) mn LI" Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. mm Vorstand: l. Vorsitzender: Letirer und Schriftsteller Georg Specht, Taucha-Leipzig, Bismarckstr. 41. 2, „ Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 28 1 Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. Schatzmeister; Bergdirektor Otto Prochnow. Biücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund, Verenslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamie „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Rep:&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 150. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle. Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck nnserer Artikel ist, soweit nicht init „Nachdruck verboten“ verselien, nur mit genater Quellenanzabe gestattet. Nr. 9. Frankfurt a. M., 4. Mai 1910. Jahrg. II. Die Gründung des Deutschen Fliegerbundes ist am 23. April d. J. m Frankfurt a. M. erfolgt. Siehe die offiziellen Vereinsnachrichten dieser Nummer. Moderner Flugmaschinenban. Civilingenieur O Ursinus. Die Anfordernngen, welche an das Konstinktionsmaterial im Fluginasehinenbau gestellt werden, sind in ähnlicher Weise im anderen Zweigen «les Maschinenbaues nur in sehr vereinzelten Fällen vor- handen. Der mit dem Flugmaschimenban nächst verwandte Zweige. der Automobilbau, liefert dem Konstruktenr noch die wichtigsten Anı- haltspuukte. Es ist mit Sieherheit anzunehmen, daß der Flugmaschimen- ban noch seine eigmen für ihn bedeutungsvollen Konstinktions- materialien hervorbringen wird. Unter den Flugmaschinen-Erfindern dürften fast alle Handwerke vertreten sein nnd jeder einzelne von diesen wird bei der Konstruk- tion seiner Maschine das ihm gelänfigste aus seinem Handwerk ver- wenden. Wenn man es auch hier mit einem gewissen Dilettantismus zu tıım hat, so dürften diese Arbeiten dach nieht zu verwerfen sein. So habe ıch beispielsweise von Modelltischlern schr mteressant verleimte Tragrippen. von emem Holzbildhaner schr ent gearbeitete Holzschrauben, von einem Polsterer vorzüglich bespannte Tragdecken. von einem Rohrmöbelarbeiter sehr leichte nnd widerstandsfähige Trag- leckenrippen gesehen. Ich habe oft an wenn auch an und für sich aussichtslosen FIngmaschinen manches Detail gefnneen. welches nnter der geübten Hand mud dem planmäßigen Denken des Ingenienvs mit entsprechenden Verbesserungen schr gut im Flngwasechimenban vor wendet werden kann. Seite 254 „FLUGSPORT“. No. 9 In dieser Richtung ka ann noch sehr viel gearbeitet werden md durch eine Sammlung all dlieser- Konstrnktionsdetails au emer Lehr- frühere Abhandlungen vor J Abb. 1. - Abb. 2. ( Abb. 3. 3 Abb. 4. Abb. 5, Abb. 6. Angen geführt worden. stelle würden Vereine selır segensreich wirken können nnd dem einzelnen Flugmaschinen-Ingenieur Gelegenheit geben, bei dem Ban seiner Maschineu dieselben zu verwenden. Erst dam wird sich der Flugmaschinenban in einer bestimmten Richtnug o entwickeln. Vorlänfig könnte maı von drei Kategorien des Flngmaschinenbanes sprechen: 1. den Dilettanten, welche mit allen ihnen. greifbaren Mitteln arbeiten, 2. der französischen Schule nnd Ingenieurarbeiten, welche sich, soweit man in Deutschland feststelleu kaun, an die Erfahrungen im Auto- mobilbau anlehnen, jedoch durch den Einfluß der französischen Schwe ge- färbt sind. | Im nachstehenden sind einige wich- tige vielen Konstruktenren zum großen Teil noch nnbekannte Konstruktions- materialien angeführt. Bei der Ver- wendung von Stahlkonstrnktionen werden nenerdings die profilierten Stahlrohre nach den Abbildungen 1—-6 (natür- liche Größe 0,8 mm Wandstärke) viel verarbeitet. Die Profile Abb. 3 und 4 werden für Rippenkonstruktionen und die Profile Abb. 5 beim Rumpf- bau verwendet. Das Normalprofil, Abb. 5, eignet sich zu zweien oder dreien in der Längsrichtung, wie Abb. 6 zeigt, zusammengeschweißt vorzüg- lich für Längsträger. Dieses Trapez- profil ist dem gewöhnlichen runden Rohrprofil vorzuziehen, da Einbuch- tungen und Knicken der Eisenkonstrnk- tionen auf ein Minimum herabge- drückt sind. Die Behandlung von Details der Stahlkonstrnktionen behalte ıch mir für einen späteren Artikel vor. Eine ausgedehnte Verwendung hat das Holz im Flugmaschinenbau ge- funden. Die Bauart der französischen Schnle ist -den Lesern bereits dureh Die Vorteile der Holzkonstruktion sind germgos Gewicht bei größter Widerstands- No. 9 „FLUVSPORT“. Seite 255 fähigkeit nud leichte Bearbeitung. Man ist bei Holzkoustruk- tionen besser in der Lage, irgend ein kleines Hilfsdetail, eine Schranbe anznbriugen, als bei deu dünnen Stahlrohren. Nenerdings zeigen sich mehrfach B estrebnngen. die Holzkonstruktionen unter Berücksiebtigung güustiger (merschnitte ımd Profilie- rungen zu verbessern. So wird von H. Ü. Stratton, Boston, eine sehr gut profilierte Holzstrebe fabriziert, welche Abb. 7 zeigt. Diese Strebe wird in allen Dimensionen her- = gestellt. " N N Ein ebenso originelles als vorzügliches S Konstruktionsmaterial sınd die . Ss. - Wolf’schen Patentrohre S Abb. 8. Diese Holzrohre bestehen ans 0,5 —— - A mm starken Fournieren, welche kreuzweise 1 | übereinander geleimt sind. Die Konstruktion | geht ans der Abb. Shervor. Die Fasern des Fourmiers A gehen in der Richtung der Achse, B ıst " diagonal liegende Leinwand, C,D,E, F usw. sind in ihren Fasern sich krenzende Fourniere. Die Fonrniere werden vorher eingeweicht ınd mittels geeigneter Spannmaschinen schichtweise anfgezogen. Diese Konstruktionen besitzen eine enorme Festigkeit (vergl. die nachstehende Abb. 8. Versuchs-Tabelle.) Versuchstabelle über die Festigkeit der Holzrohre Patent „Wolf“. — ———— ve oa | wanne | Transen | Pace. | musteuan- | amanesur in Millimeter in Millimeter an Kilogramm. Kilogramm Kilogramm 1 20 4 225 150 YiB) 35 1 25 4 275 200 Sh 105 1 32 4 410 300 130 145 1 45 4 530 5001200 230 1 55 8 1280 O00 500 5 ) a| B6r16 4 290 250 120 13 4 36 4 375 300 135 145 Die Wolfschen Patentrohre werden in allen Profilen (siehe Abb. --14) hergestellt. Abb: 13 ne 14 sind kombinierte Profile. Durch ihre m Fasern sich krenzende Fonurniere lassen sich Flächen oder der ganze Rumpf der Flngmaschine herstellen. Seite 2356 „FLUGSPORT“. No. 9 Man kann die Buinpfkonstinktion anch in der Werse sehr wider- standsfäbig herstellen. wen man em &erippe (Abb, IA, mit Lein- wanel beklebt. nme lese f > ’ a u ‘ r Vic} bemerkt wurde ein Flug von 1 Stun 10 Minuten, we C ion Köchlin auf seinem Eindecker in 4) m Höhe mit einer Durchschnitts- geschwiudigkeit: von 80 km die Stunde ausführte. N. | Die Bleriotschnle zu Pan ist rührig an der Arbeit. ‚ Bleriot une Leblane probierten eine neue Eindeckertype. die anscheinend befrie- digende Resultate ergeben hat. Lesna. Sallenave und „Jentnant i “ . vn an Ne, An viug m A«uaviva, sowie ferner Mollien führen mehrere Flüge olıne Zwischen fälle ans. Bleriot hat jetzt einen seiner Eindecker mit emem Duthei u. Chalmers-Motor ausgestattet und macht mit dem Apparat een Besuch in der Wrigltschule. n. Das Meeting von Nizza: Rougier u. van den Born im Fluge über den Düne Auf dem Aerodrom (der Campagne u Reims steuern Hanriot nd Schreek mit ihren Eleven Martin und Farron die kleinen Ein- decker mit guten Erfolge. In der Sanchez Besa-Schule scheinen Hardy, Chemet und Bilovucie gut voran zu kommen. Letzterer flog 3 km und landete .in dem Dorfe Betheny, «da sein Benzinrohr ib. In Issy-les-Moulineaux gab es ein Benkontre zwischen „einer Dumaont-Demoiselle uud einem Zweidecker. Ensterer stürzte zu Boden, ler Zweidecker setzte seinen Flug noch eine Strecke weit fort. Per- sonen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Issy hatte am Donnerstag seinen „großen Tag“. Präsident Roosevelt besuchte (las Aerodrom und ließ sich von Dubonnet und vom Grafen Lambert einige Flüge vorführen. Zwei Kinder des Expräsidenten machten mt lem Grafen Lambert auf einem Wright - Zweidecker einige kurze Flüge. Zu Buc bei Maurice Farıman geht es jetzt recht lebendig her. Marquis Vivaldi, Stouvenant, Talıuteau, Derome machten schon einige kleine Flüge. Seite 264 „FLUGSPORT“. No. 9 Ueber das Uuglücksaerodrom von Juvisy ist jetzt die gericht- liche Liquidation verhängt. Erwähnf sei noch, daß die Firma Bleriot, die ihr Geschäftsjahr 1909 nach dem soeben bekanıt gewordenen Berichte mit eimem NettoüberschnßB von Frances 175.786 abschlob, in einigen Wochen zn London eine Zweigfabrik, sowie cine Pilotenschnle installieren will. Von sonstigen Flugversuchen verdienen noch hervorgehoben zu werden, diejenigen von Edmond zu Orleans. Der genannte Farman- Pilot. führte dieser Tage einige kurze aber gelungene Flüge ans, und zwar auf Einladung des Aero-Club du Geutre. In Chartres flog Savary bei starkem Winde zehu Minuten laug und landete glatt. Auf lem Manöverfelde von Meons bei Saint - Etienne experimentieren Bousson nud Poulignat ihren neuen Eindecker, «den sie nit einem (mon-Motor versehen haben. Bei einem dieser Versuche wurde (er Apparat von einem Windstoß erfaßt und so heftig zu Boden ge- schlendert. daß er mehrfach beschädigt wurde. In Quiney stürzte Tranchart anı Mittwoch mit seinem Bleriot-Eindecker ans 10 m Höhe herab. Der Apparat ist vollständig zerstört; der Pilot scheint mit unerheblichen Verletzungen davongekommen zu sein. Auch Bregnet ist in Douaı aus 20 m Höhe mit seinem Apparat abgestürzt. Es war 2 >22 oe nern 2701 | Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. Seite 292 „ILUGSPORTM 0. No. 9 Ua) Offizielle SS _ | Mitteilungen des rankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. „ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12, Beisitzer: Haller und Pega. Sonntag, d. 1. Mai, vormittags 10 Uhr besichtigten die Mitglieder die Ursinus-Flugmaschine. Der Vorsitzende Ingenieur Schubbert berichtete über die Gründung des Fliegerbundes und den Hallenbau. Weitere Exkursionen nach den Werkstätten der Mitglieder von Pega und Emich sowie Verheyen werden demnächst stattfinden. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — STERFI, Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holten. N Vorstand: NO\ 1. Vorsitzender: A. Breuer, Wasserwerksdirekt.‚Oberhausen. IN) 2. n Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. / Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten. 1. Flugwart:: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten. Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. . „ Redakteur Huhn, Oberhausen. Geschäftsführer des Vereins ist Redakteur Rudolf Huhn zu Oberhausen; an diesen sind ausnahmslos alle Sendungen zu richten. Offizielle Mitteilungen — des Düsseldorfer Flugsport=Club. Sitz Düsseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Dircktor Probst. Schriftführer: C. Krenter, An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser‘ Steinstr. 70 Vereinsabend statt. Gäste willkommen. — a % ll Be Ä Flugsport JHustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für Jas gesamie „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgereben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhoisplatz 8. Representant pour la France: F. Raphael, Paris, Rue du Faubourg }’oissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3, Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12 — pro Jahr Der Nachdrnck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genaner Quellenanzabe gestattet. Nr. 10, Frankfurt a. M., 18. Mai 1910. Jahrg. II. Von der Berliner Flugwoche. Die Berliner Flngwoche, das bedentendste diesjährige internatio- uale flugsportliche Ereignis in Dentschland wäre programmäbßiger zu Ende gegangen, wenn die Witternngsverhältnisse günstigere gewesen wären. Hoffentlich gelingt cs bei der Aufstellung des nächstjährigen Kalenders, für Dentschland eine vorteilhaftere Woche im ‚Juni oder Juli zn erhalten. Geflogen wurde genug. Selbst ein Bleriot oder Farman dürften angesichts der Preise und des Wetters nichts besseres zustande ge- bracht haben. Die Wright-Lente haben tüchtig gearbeitet. Manöver- tage könnten wicht austreugender sem. Dabei ist es sehr zu ver- wundern, daß der Besneh trotz des schönen Wetters an verschiedenen Tagen nnd der gmten Leistungen so viel zn wünschen übrig lieb. Von Groß-Berlin mnöte man doch mehr erwarten! Die Direktion hat versneht, die Wettbewerbe interessant zu go- stalten und dem Publikum neben den langweiligen Rıundflügen Ab- wechslung zu schaffen. Man sollte nicht zu sehr an den bisherigen internationalen Usancen festhalten. Die Konknrrenzen müßten nach Möglichkeit so ausgeflogen werden, daß das Publikum, beispielsweise “wie ber den Pferderennen, den Gang des Wettbewerbs besser ver- folgen kann. Vielleicht könnte durch Ansmfer selir viel zur Orien- tierumg über «den Stand der Konknrrenzen beigetragen werden. Keiner der Blau- oder Gelbgebänderten wußte siber den Stand der Konkurrenz eine Anskunft zu geben. — Wir wollen jedoch keime Kritik anlegen. Die Leitung hat ge- tan was sie tin konnte. Wenn aber das Pnbhikmm an den Schan- Flüssen Interesse finden soll, so müssen in dieser INnsicht noch mvch- sroifende Acnderungen vorgenommen werden. Die Organisation von len bisher mamer als. Muster angenommenen Reimser Meeting ist Seite 204 „FLUGSPORT“. No. 10 keinesfalls fehlerfrei. Das Prnblikum ist gewohnt. zu sehen, cab Konkurrenten bei der Bestreitung einer Konkurrenz sieh zu gleichen Zeiten iin Gesichtsfeld befinden. Die Leitung hat dureh die Be- wertung der Flüge in verschiedenen Zeiten in «daukenswerter Weise versucht. emen Druck auf die Flieger auszuüben. Allerdings ge- stalten siell bei der Kigenart ser Plngmaschine «he Verhältnisse wesentlich anders als bei jedem anderen Sport. Ueber den Verlauf der Flugwoche Kurz folgendes: Der erste Tag (10. Mai) litt unter einem & sec.m Wind, welcher zeit- weise sich auf 10 sec./im Wind steigerte. Es starteten um 3 Uhr, um den Früh- preis zu gewinnen, Engelhardt, Jeannin und Keidel. Der starke Wind zwang jedoch die Flieger abzustoppen. Die Sportkormmission entschloßb sich zu be- stimmen, daß der Frühpreis nochinals zwischen 5 und 6 Uhr bestritten werden kann. Engelhardt gelanx es nach energischen Bemühungen 3 Runden zu fliegen, womit er den Frühpreis (1000 Mark) an sich brachte. Der zweite Tag der Flugwoche, (11. Mai) brachte infolge des starken Stirmes überhaupt keine Flugleistung. Besser gestaltete sich der dritte Tag, :12. Mai). Engelhardt flog gegen 5 Uhr um den Frühpreis. Er umkreiste in elegantem Fluge 3 mal die Bahn und landete nach $ Minuten 34°, Sekunden, Nach ihm flow Jeannin, welcher 8 Min 36 Sckunden brauchte. Als dritter flog außer Konkurrenz der Württemberger Frey in einer Höhe von 80 bis 100 m. Um 6 Uhr 3 Minuten startete Engelhardt init einem Passagier tind umtlog das Flugfeld innerhalb der Pilonen. Eilery von Giörrissen schien auf den Danerpreis zu verzichten. Er legte 2 Runden in II Min. 2 Sek. zurück, Um 7',, Uhr staıtete Frey. Es bieß, daß er sich um den Bleich- röderpreis bewerbe. Er verlies die Flugbahn in einer Höhe von 150 ın in der Richtung nach ÄAlt-Glienicke und kehrte nach 10 Minuten zurück. 7 Uhr 20 Min. stieg Behrend auf seinem Schultze-Herfort-Apparat auf. senkte sich jedoch schon nach einer Runde zu Boden, 7 Uhr 23 Min. stieg der Däne Svendsen bis zu einer Höhe von 50 Metern auf. 7 Uhr 28 Min. stieg Trey zu einem zweiten Ücberlandflug anf und wurde bei seiner Landung stürmisch begrüßt. Der Däne Thorup versuchte mit seinem Blöriot-Eindecker wiederholt aufzusteigen, konnte jedoch keine vollwertige Runde zurücklegen, anscheinend infolge Fehlzündung seines Motors. Der vierte Tag, (13. Mai) hatte anfangs unter einem schweren Gewilter zu leiden. Um + Uhr 40 Minuten startete Jeannin um den Frühpreis vor Engecel- hardt, der die Zeit unbenutzt verstreichen lieb, und landete um 5 Uhr nach Zitrück- legung «der vorgeschriebenen drei Runden. Amcrigo lieb gleichfalls die Zeit zum Sıart um den Frühpreis vergchen und stieg dann zum Kampf um den Dauer- preis auf, Theelen bewarb sich um 4 Uhr 55 Min. um den Frühpreis und landete nach drei Runden um 5 Uhr 7 Min. Engelhardt tlewie drei Runden zurück und bewarb sich dann durch neues ÜeDberfliegen der Startlinie ohne Zwischenlandung um den Danerpreis. Um 5 Uhr 6 Min. flog Baron de Caters mit seiner Voisin- Maschine zum Wettbewerb um den Dauerpreis auf und nmikreiste in rulieen Flug die Balın, um um 5 Uhr 33 Min, zu landen Behrend. der + Uhr 10 Min. zum Daunerpreisanfgestiegen war. landete bereits nach I Minnten, Svendsen landete 5 Uhr 30 Min. nach einem ug von i9 Minnten, Um 5 Uhr 10 Min. bewarb sich Jeanninumden Danerpreis um zog kurzvor der Startlinie ie leichtem Plug davon, Runde auf Runde zurücklegend. 21 Minuten nachd Uhr startete Prev zum Totabisations- preis nm hielt sich 23 Minuten in der Luft. Behrend te 5 Uhr 25 Min. zum zweiten insle am dem Dianerpe is auf, ging über sehon nach 2 Mintten wieder nieder. Der Dine Thorup machte vonder Proberunden. — Rundschau. Inland. Die erste Grade-Maschine ist soeben in der Borker Fabrik fertig ge- stellt und an ihren Besteller, die Ikarus-Gesellschaft, abgeliefert worden. Die Maschine wird von Ing. Schwandt geflogen. Wie die nebenstehenden Abbildungen erkennen lassen, sind an diesen Maschinen, bei welchen auf serienweise Her- stellung Rücksicht genommen ist,verschiedenerlei Aenderungen vorgenommen Die erste fabrikmässig hergestellte Grade-Maschine. worden. Das hintere Höhensteuer ist nicht mehr wie früher nach hinten spitz zulaufend, sondern abgerundet ausgebildet. Eine Neuerung gegenüber der früheren Konstruktion besteht ferner darin, daß in die Drahtzüge für die Steuerung Ketten eingeschaltet sind, die den Verschleiß der Drähte beim Aufliegen auf den Führungs- rollen verhindern sollen. Der Rennfahrer Robl, der einen Schultze-Herfort-Apparat von der Deutschen Flugmaschinenban-Gesellschaft Berlin-Rummelsburg erworben bat, ließ sich einen luftgekühlten Haake-Motor von 50 HP einbauen. Bei der Laufprobe ergab der Motor eine ganz gewaltige Zugkraft, so daß man von der Maschine Seite 310 „FLUGSPORT". No. 10 wird die besten Leistungen erwarten können. Die ersten Versuche sollen in den nächsten Tagen in Johannisthal gemacht werden. Paul Haves in Haile hat einen Gleitflug - Eindecker gebaut, mit welchem er zur Zeit Flugversuche ausführt. Der Eindecker besitzt ein vorn liegendes Höhensteuer und wird mit Fallgewicht nach Wright Manier in die Luft ge- schleudert. (Siehe untenstehende Abbildung). Gleitilugapparat Haves. Ausland. Neue Erfolge Etrichs.. Nachdem am 11. Mai der Eindecker Etrich Hi unter der Führung Iliners mit 2 Passagieren, Igo Etrich und Oberleutnant Hirsch, einen Flug von 5 km ausführte, hat Iliner am 14. Mai ‚einen gut ‚Belungenen Ueberlandflug vollbracht. Um 7 Uhr 21 Minuten erhob sich der „Etrich Il unter Führung Illners vom Steinfeldee Nachdem er mehrmals das Flugfeld unkreist hatte, stieg er in drei Kreisen bis zu einer Höhe von mehr als 300 Meteı auf, in welcher er dann das Flugfeld verließ. Bald entschwand er dem freien Auge und ‚konnte nur mittelst Feldstechers verfolgt werden. In weitem voßen flog der „Etrich II“ um die ganze Stadt. Nachdem der Eindecker verschiedenste, weit außerhalb der Stadt gelegene Punkte berührt hatte, kehrte er auf das Flug- feld zurück, welches er noch mehrmals in weitem Bogen umkreiste, allmählich von der während des ganzen Wanderfiluges beibehaltenen Höhe von 300 m auf 20 m sich herabsenkend und landete schließlich anter dem Jubel der Zuschauer- r 32 Minuten glatt vor den Hangars. 5 ET le Geschwindigken bei halb gedrosseltem Motor ungefähr 70 km per Stunde betrug, so ist die in I Stunde 11 Minuten durchflogene Strecke un- gefähr S4 km gleichzuhalten. Igo Etrich und der wackerc Pilot Iliner wurden zu dem glänzenden Erfolg lebhaft begliickwünscht. No. 10 „FLUGSPORT“. Seite 311 Am 17. Mai vormittags führte Illner einen Ueberlandflug vom Wien-Neu- städter Flugfelde nach Wien, ca. 55 km, aus. Gegen 7 Uhr landete er auf der Simeringer Heide und um 9 Uhr flog er nach dem Wien-Neustädter Flugfelde zurück. Flugmaschine Klug. Auf dem Flugfeld Wiener-Neustadt probiert zurzeit Max Klug seinen neuen Eindecker. Der Apparat hat eine Spannweite von 9,5 m und eine Gesamtlänge von 9,5 m. Statt der Flächenverwindung sind in die Trag- decken zwei von einander vollkommen getrennte und unabhängig zu betätigende patentierte Stabilisierungsflächen eingebaut. Diese Steuerflächen können ent- weder korrespondierend oder auch unabhängig gleichartig betätigt werden. Der Konstrukteur beabsichtigt, mit diesen:Flächen gleichzeitig die Höhensteuerung Eindecker Klug. zu bewerkstelligen. Am Schwanz sind in üblicher Weise horizontale und verti- kale Stabilisierungsflächen, welche als Höhen- und Seitensteuer ausgebildet sind, untergebracht. Das Gewicht des Apparates beträgt 192 k ‚ koffiplett mit Benzin, Oel und Führer 290 kg. Diesem Gewicht entspricht eine Tragflächenbelastung von 12 kg pro gm. Flugmaschine Vorauer, Graz. Dieser Eindecker hat 11.5 m Spannweite und 8 m Länge. Die geteilte Haupttragfläche von 31 m? ist verziehbar einge- richtet und kann durch an der Hinterkante herausschiebbare Hilfsflächen um 7 m? vergrößert werden. Durch abwechselndes Herausschieben dieser Hilfsflächen soll die Seitensteuerung, durch gleichzeitiges Herausschieben der Auftrieb und die Flugeschwindigkeit reguliert werden. Auch der Ansteltwinkef ist einstellbar und zwar zwischen 0" und 22°, Die Fluggeschwindigkeit kann zwischen 10 und 25 m/sek. variieren. Der Apparat besitzt Räder mit Kufen und eine Stoßbremse. Hinten an dem dreiseitigen Traggerüst sitzt eine Stabilisierungsfläche ‚mit an- schließendem Höhensteuer. Der Motor ist ein Gnomrotationsmotor von 25—30 HP. Die Zugschraube ist Vorauerscher Spezialkonstruktion und besitzt konstanten Wirkungsgrad bei veränderlicher Tourenzahl des Motors. Die Steuerung des Apparates wird durch ein automatisches Pendel bewirkt, kann aber auch vom Piloten durch 4 Handräder und 2 Pedale beliebig betätigt werden. Die Belastung auf ein Flächengtadratmeter beträgt 9,6—14,2 kg, auf eine Pferde- kraft 16 kg. Das Gewicht der mit I Person bemannten Maschine beträgt 315 kg. Der Konstrukteur Artilleriehauptmann Vorauer war bemüht einen neuen Eindeckertyp mit wesentlichen Vorzügen zu schaffen, was ihm wohl auch gelungen Seite 312 ist. Der Apparat wird jetzt nur im Gleitflug und erst nach Einbau des Motors im Motorflug versucht werden. v. St. Ritter von Pischof führte, nachdem er vorher mit seiner Gattin einen Passagierflug vollbrachte. einen gelungenen Ueberlandfilug aus, für welchen er 41 Minuten benötigte. Roger Sommer hat einen Ucberlandflug von Mouzon nach Charlesville hin und zurück unternommen. Hierbei hat er die Stadt Sedan überflogen. Dic SO km lange Strecke legte Sommer in I Stunde 10 Minuten zurück. Zweidecker Goupy. Goupy hat in seinen nach vorn gestaffelten Zwei- decker, an welchem System er unentwegt festhält, cinen 50 PS Gnom-Motor eingebaut. Goupy hat mit dieser Maschine bereits schöne Flüge ausgeführt. Eindecker Robert Nau. Dieser Eindecker mit der bekannten Anordnung des Höhen- und Seitensteuers, besitzt einen 50 PS Renault-Motor. Das Fahr- gestell besteht aus zwei an den Rädern angeordneten Kufen Oben: Zweidecker Goupy- Unten: Eindecker Nau. Einen Höhenflug von 1250 m führte am 10. Mai Paullıan in Lyon aus. Vor einer ungeheuren Zuschauermenge und dem offiziellen Prüfungskomitee erhob sich Paulhan in großer Schnelligkeit zur Höhe von 1000 m, vollführte in dieser Höhe mehrere gut gelungene Schleifen, stieg langsam noch höher, bis er 1250 m hoch schwebte, machte auch in dieser Höhe einige Umkreisungen und ging, als er sich des genauen Funktionierens seines Apparates versichert hatte, mit hoher Geschwindigkeit zur Erde nieder. In geringer Entfernung vom Erdboden’erhob er sich nochmals vom Flugfelde, um in raschem Auf- und Nieder- steigen der Zuschauermenge zu zeigen, daß in geschickter Hand sein Apparat jeder Direktive des Führers gehorcht. Nach einer reichlichen halben Stunde landete er glatt kurz vor seiner Halle. No. 10 „FLUGSPORT“. Seite 313 Flugkonkurrenzen. Die Moudorfer Flugwoche findet in der Zeit vom 5. bis I2. Juni statt und wird vom Luxemburger Aero-Klub geleitet. Das Mondorfer „Comite d’aviation“ besteht aus folgenden Herren: Karl Bettendorf, Präsident; Ernst Feipel, Schrift- führer; Ferdinand Schumann, Kassenwart; Nikolaus Aulner, Eduard Cathelineau, Nikolaus Gales, Heinrich Huß, Dr. Kirpach, Julius Kohn und Martin Peters, Mitglieder. Das Komitee des Luxemburger Aeroklub wird in seiner nächsten Sitzung die Sportskommissionen ernennen, sowie die Reglements des Meetings festlegen. Der Wettbewerb ist international, doch werden nur 6 Aviatiker als Bewerber zugelassen. — Folgende Preise sind bis jetzt definitiv ausgeschrieben : 1. Preis für die größte Flugstrecke ohne Abstieg. Verlangtes Minimum 50 km: 4000 Fr. dem ersten, 2000 Fr. dem zweiten, itm ganzen 6000 Fr., vom Luxemburger Staate gestiftet. 2. Höhenpreis. Verlangtes Minimum 60 m Höhe: 3000 Fr. dem ersten, 1000 Fr. dem zweiten, im ganzen 4000 Fr, vom Luxemburger Staate gestiftet. 3. Tagespreis der Balhnrunde (schönster Flug auf 6 km). Acht Preise von je 500 Fr., im ganzen 4000 Fr 4. Schnelligkeitspreis auf zwei Runden des Flug- feldes (12 km). Einziger Preis 1000 Fr. 5. Totalitätspreis der Gesamtdauer aller Flüge während des Meetings, 3000 Fr. dem ersten, i000 Fr. dem zweiten, je 500 Fr. dem dritten und vierten ; im ganzen 5000 Fr. Der Betrag des Fahrgast- preises und des Abstiegpreises bleiben noch festzusetzen. Von der Budapester Fiugwoche. Bisher haben sich gemeldet:Frank- reich: Paulhan, Farman, Rougier. Latham, Baronin de Laroche, Jullerot, Balsan, Amerigo, Taurina, Chavez und Duray; Deutschland: Behrend und Steinbeck ; Rußland: Effimoff; Polen: Warschalowski; Oesterreich: Etrich Jilner; Italien: Angerone und Germano; Ungarn: Emerich Namethy, Franz Szatke, Nikolaus Kovacsy und Geza Antalffy. Um den Besuch des Meetings zu fördern, gibt die Königl. Ungarische Staatsbahn Eisenbahnfahrkarten, welche gleichzeitig zum Eintritt auf den Flugplatz berechtigen, heraus. Von der internationalen Petersburger Flugwoche. Die am 8. Mai begonnenen Flugveranstaltungen litten unter ungünstiger Witterung. Am I. Tage vollführte Popoff einen Flug von 25 Minuten. Die größte Höhe erreichte Moran mit 130 m. Der zweite Tag brachte einen Unglücksfall und zwar flog Wiencziers mit seinem Eindecker auf den Zweidecker des Schweizers Edmond. Beide Apparate wurden stark beschädigt. Am dritten Tage führte Christiaens mehrere Flüge von insgesamt | Stunde 28 Minuten aus. Die größte Höhe erreichte Popoff mit 450 m. Am vierten Tage wurde Popoff von einem heftiger Windstoß erfaßt und aus 15 m Höhe zur Erde gedrückt. Seine Maschine ist zertrümmert. Popoff selbst blieb unverletzt. Am 14. stürzte Wiencziers nochmals infolge Versagens seines Motors dicht vor den Tribünen ab. Weiter erlitten Unfälle Baronin de Laroche und Popoff. Moran auf Bleriot wurde durch einen Windstoß zur Erde gedrückt. Am 16. Mai besuchten der Zar und die Prinzesin Irene von Preußen die Flugveranstaltungen. Der Zar, welcher sich eingehend die Apparate erklären ließ, bekundete an der Veranstaltung reges Interesse. Den ersten Dauerpreis errang der Däne Christiaens, den zweiten Popoff und der Franzose Edmond den dritten Preis. Fast sämtlicse Flugapparate wurden von russischen Sportsmen erworben. Der Flugsport scheint in Rußland jetzt auch populär zu werden. An Preisen standen insgesamt zur Verfügung 100,000 Frces., darunter der große Preis von St. Petersburg mit 15,000 Frcs. für denjenigen Flieger, welcher die größte Distanz während der ganzen Woche zurücklegt. Eine Flugwoche in Schottland. Die Scottisch Aeronautical Society ver- anstaltet vom 10.—13. August bei Lanark in Schottland eine Flugwoche. Es sind 160 000 Mark an Preisen ausgesetzt. . Von der Düsseldorfer Flugwoche. Besondere Leistungen sind nicht zu registrieren. Daß überhaupt geflogen wurde, dafür sorgten Baron de Caters und Jeannin. Letzerer führte einen Höhenflug von 200 m aus. Am 8. Mai überschlug Seite 314 . „FLUGSPORT“. No. 10 sich Schwandt mit seiner Maschine, er selbst blieb jedoch unverletzt. Ferner streifte der Flieger Tych mit einem Flügel einen Baum, wobei die Maschine sich überschlug. Auch Tych kam ohne Verletzung davon. Coler startete vergeblich . Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. 7Th. N. 10626. Flugmaschine mit seitlich angeordneten Tragflächen. Gustav Nowka, Steglitz, Birkbuchstr. 86. 29. 4. 09. 77h. B. 53609. Flüssigkeitskühler für die Motoren von Luftschiffen und Flugmaschinen jeder Art. Louis Bleriot, Neuilly-Seine; Vertr.: B. Wassermann, Pat.-Anw., Berlin SW. 68. 22. 3. 09. Patenterteilungen, 7rh. 222265. Flugmaschine, mit elastischen, durch eine Kurbelwelle und Schubstangen angetriebenen Schlagflügeln.. — Albert Clemens Just, Forst i. L. 19. 9. 08. J. 11.027. rrh. 222266. Gleitfläche für Luft- oder Wasserfahrzeuge. Dr. Ing. Hans Reißner, Aachen, Lütticherstr. 166. 5. 11. 08, R. 27290. 7Th. 222493. Steuervorrichtung für Drachenflieger. — Josef Hofmann, Genf; Vertr.: Max Hofmann, München, Schnorrstr. 1. 16. 3. 09. H. 46371. 77h. 222659. Luftschraube mit dem Luftdruck entsprechend sich selbst- tätig einstellenden Flügeln. — Theodor Zeise, Altona, Friedensaltee 7/9. 24. 10. 08. Z. 5970. Gebrauchsmuster. 7rh. 417525. Spannschloß. Siemens-Schuckertwerke G. m. b. H., Berlin. 25. 11. 09. S. 20 884. 7Th. 417968. Flugfahrzeug. Martin Polka, Bremen, Kaiser Friedrichstr., Realgymnasium. 14. 3. 10. P. 17065. 7Th. 418068. Fahrradflieger. — Johann Krizok, Rehbrücke bei Potsdam. 29. 12. 09. K. 41812. 7rh. 418176. Motorgleitflugapparat.e. — Georg Höfig, Berlin, Tilsiter- straße 3. 1. 4. 10. H. 45604. 7Th. 418177. Vorrichtung zur gleichzeitigen Höhensteuerung und Erzielung der Drehung einer Flugmaschine um die Längsachse. Hans F. Kutschbach, Leipzig, Moltkestr. 22b. 1.4. 10. K. 43116. 7rh. 418258 Aus tangential verschmälerten Latten hergestellter Luft- propeller. Dr. H. Seltnick, Leipzig-Pl., Altestr. 1. 7. 3. 10. S. 21 597. 77h. 418348. Lenkbare Propellerachse. Richard Klein, Mainz, Renten- gasse 4. 2.4. 10. K. 43 131. Th. 418598. Kombinierte Höhen- und Seitensteuerung für Luftfahrzeuge. — August Euler, Frankfurt a. M., Forsthausstr. 105a. 2. 4. 10. E. 13802. Th. 419174. Steuervorrichtung für lenkbare Luftfahrzeuge. — F. Maaß, Lübeck, Kalandstr. 8a. 10. 10. 08. M. 28214. “ Tragfläche für Fiugmaschinen u. dergl.*) Es ist bereits bekannt, bei Flugflächen die Seitenkanten aufzubiegen, auch hat man die Hinterkante etwas nach oben aufgebogen, und Flächen mit nach oben aufgebogener Vorderkante sind ebenfalls vorgeschlagen. Nach der Erfindung soll nun die Tragfläche aus einzelnen nebeneinander liegenden Flächen mit aufgebogen Kanten zusammengesetzt werden, derart, daß zwischen den einzelnen Flächenstücken schlitzartige Lufträume entstehen, zwischen welchen die Luft hindurchstreichen kann. Die Schlitze sollen in erster Linie in der Flugrichtung liegen, doch können auch senkrecht dazu Schlitze angebracht *) D. R. P. Nr. 220752, Dr. Walter Lobach in Charlottenburg. No. 10 „FLUGSPORT“. Seite 315 werden, deren Kanten nach oben, und zwar, um Luftwiderstand zu vermeiden zweckmäßig schräg nach hinten aufgebogen sind. Hierdurch wird erreicht, daß’ da stets ein Luftdruck von unten auf die Tragfläche ausgeübt wird, Luft von unten durch die Schlitze nach oben .hindurchströmt und dadurch die Fläche stabil erhält. Noch verstärkt wird diese Wirkung, wenn man die aufgebogenen Kanten längs den Schlitzen nicht ganz senkrecht, sondern dachförmig verlaufen läßt. Dann wird die Luft beim Hindurchströmen durch die Schlitze zusammengepreßt Abb. I. C-—-- pi yız 18 n ehe sie an dem oberen engeren Teil der Schlitze entweicht. Um das Durch- strömen möglichst gleichmäßig zu machen, wird es zweckmäßig sein, die Kanten in Kurven aufzubiegen. Gleichzeitigkönmen dieselben auch federnd angeordnet sein, so daß sie durch den Luftdruck auseinander gebogen werden, um so bei böigem Wind gewissermaßen als Venlil zu dienen. Um zu starken Winddruck abzuschwächen, möge ınan die dachförmigen Schlitzflächen auch von Hand öffnen können, um so der Luft freieren Durchtritt zu gewähren. Die Anzahl der Schlitze wird natürlich ebenso wie ihre Größe durch die Erfahrung bestimmt werden und Kann von einem einzigen bis zu einer großen Zahl gehen. Auch bleibt es vorbehalten, die Schlilze in der Bewegungsrichtung oder senkrecht dazu ohne Unterbrechung durchzuführen oder aus konstruktiven Rücksichten nur stückweise mit Unterbrechungen anzuordnen, und endlich soll die Bezeichnung „in der Bewegungsrichtung oder senkrecht dazu“ keine genau mathematisch defi- nierte sein, sondern eine durch die Erfahrung zu bestimmende Abweichung von dieser Richtung für den Verlauf der Schlitze gestatten. Seite 316 n FLUGSPO R T“. No. 10 Abbildung 1 zeigt schematisch cine Tragfläche im Längsschnitt mit Schlitz- flächen a, in der Bewegungsrichtung. Abb. 2 zeigt schematisch eine Tragfläche von oben gesehen, bei welcher Schlitze a in der Bewegungsrichtung und Schlitze b senkrecht dazu durch- geführt sind. Abb. 3 zeigt schematisch einen Längsschnitt durch eine Tragfläche mil kurvenförmig aufgebogenen Schlitzflächen a, in der Bewegungsrichtung und den senkrecht dazu verlaufenden Schlitzflächen b. Abb. 4 zeigt schematisch einen Schnitt durch eine Tragfläche in der Be- wegungsrichtung mit den in dieser verlaufenden Schlitzflächen a, und den senk- recht dazu verlaufenden b. Abb. 5 zeigt eine perspektivische Ansicht einer Tragfläche mit Schlitzen in der Bewegungsrichtung. bb. 6 zeigt eine perspektivische Ansicht einer Tragfläche mit Schlitzen in der Bewegungsrichtung und solc' en senkrecht dazu. Patent-Ansprüche: 1. Tragfläche für Flugmasz.inen ı. dgl, dadurch gekennzeichnet, daß in der Bewegungsrichtung der Tragfläche schlitzartige, durch die aufgebogenen Kanten der Tragfläche begrenzte Zwischenräume angeordnet sind, zwischen denen die Luft hindurchstreichen kann. 2. Tragfläche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die schlitz- ‘ artigen Zwischenräume durch Zusammensetzen der Tragfläche aus einzelnen, mit aufgebogenen Kanten versehenen Flächen gebildet werden, so daß sowohl in der Bewegungsrichtung wie senkrecht dazu Zwischenräume entstehen, zwischen denen die Luft hindurchstreichen kann. 3. Tragfläche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die die Zwischenräume begrenzenden aufgebogenen Kanten dachförmig angeordnet und gegebenenfalls drehbar oder federnd sind, so daß die aufgebogenen Kanten beim Durchstreichen der Luft von selbst auseinander gepreßt werden oder von Hand aufgebogen werden können, um der Luft freieren Durchtritt zu gestatten. Fiugapparat mit Luftschrauben und beweglichen Flügeln.*) Die Erfindung betrifft eine Flugmaschine, die mittels motorischer Kraft durch Propeller und auf- und niederschlagende Flügel bewegt wird, und besteht darin, daß zwischen der den Auftrieb bewirkenden Luftschraube und den mit nach unten sich öffnenden Klappen versehenen Flügeln ein mit ebenfalls nach unten und innen sich öffnenden Klappen versehener Fallschirm angeordnet ist Dieser Fallschirm hat die Aufgabe, bei Wendungen, unerwarteten Luftstößen oder bei irgend einem anderen Zufall die Maschine vor dem Sturze zu bewahren, so daß dem Führer die nötige Zeit bleibt, die Wirkung dieser Zufälle auszugleichen, Auf beistehenden Abbildungen ist der Apparat durch die Fig. I bis 4 dar- gestellt, und zwar zeigt! Fig. 1 eine Vorderansicht, Fig. 2 eine Seitenansicht, Fig. 3 eine Draufsicht und Fig. 4 eine Draufsicht der Antriebsvorrichtung in größerem Maßstabe. In einem festen, einen rechtwinkligen Rahmen bildenden Gerippe a ist die Antriebsmaschine b eingebaut. Senkrecht iiber der Motorwelle ist eine zweite Kurbelwelle c parallel zur ersteren gelagert, die von dieser aus durch Riemen, Ketten oder dergleichen angetrieben wird. An den Kurbeln der Kurbelwelle c greifen die Pleuelstangen d an, die anderseits mit den um r schwingenden Winkelhebeln e gekuppeit sind. Die freien Enden dieser Winkelhebel stehen mit den an den Flügeln h ange- lenkten Zugstangen f in Verbindung, so daß bei der Rotation der Kurbelwelle c die Flügel h durch das Gestänge d, c, f, um die Drehachse g schwingend, auf und nieder bewegt werden. Die Flügel Iı sind in bekannter Weise mit nach unten sich öffnenden Klappen n versehen, so daß beim Aufwärtsgehen der Flüge *”) D. R. P. Nr. 211607. Bruno von Livonius in Stuttgart. No. 10 „FLUGSPORT"“. die Luft durchstreichen kann, während die Klappen n beim Niederschlagen der Flügel durch den Luftdruck geschlossen gehalten werden. In der Längsachse des das Gerippe bildenden Rahmens ist ein senkrecht stehendes Rohr i vorgesehen, in welchem eine den Propeller k tragende Welle sich dreh‘, die von der Kurbelwelle c aus mittels Kegelgetriebe angetrieben wird. An dem Rohr i selber ist über den Flügeln h der Fallschirm p angeordnet. Auch deser ist, ähnlich wie die Flügel h mit nach innen und unten sich öffnenden Klappen s ausgerüstet, die während des Aufstieges-der Maschine offen sind und sich schließen, sobald dieselbe eine Neigung zum Absturz zeigt wodurch dieser aufgehalten wird. Von der Welle c aus werden auch noch zwei auf parallel gelagerten wagerechten Wellen | angeordnete Propeller m angetrieben, die zur Vorwärts- bewegung dienen. Mit Hilfe des in wagerechter Ebene rotierenden Propellers k und der niederschlagenden Flügel wird der Apparat gehoben. Erst dann, wenn eitie gewisse oder gewünschte Höhe erreicht ist, werden die zur Fortbewegung die- nenden Propeller m in Bewegung gesetzt, während gleichzeitig der Propeller k abgestellt werden kann. Die Seitensteuerung wird mttels eines bekannten, durch Zugleinen oder in anderer Weise zu bewegenden Seitensteuers o bewirkt, wobeı zur Unter- stützung der eine oder andere der Propeller m stillgesetzt werden kann. Zur Unterstützung der Höhenstenerung können auch die beiden Propeller m verwen- det werden, wenn in ihre Wellen ein Universalgelenk eingeschaltet wird, das gestattet, dieselben schräg nach auf- oder abwärts zu stellen. Patent-Anspruch. Flugapparat mit Luftschrauben und beweglichen Flügeln, dadurch gekenn- zeichnet, daß zwischen der den Auftrieb bewirkenden Luftschraube (k) und den mit Klappen versehenen Flügeln (h) ein mit nach innen sich öffnenden Klappen (s) versehener Fallschirm (p) angeordnet ist. „FLUuUGsP ORT“ No. 10 Verschiedenes. Alumininm - Gummistoff. Mit dieser Bezeichnung hat die Firma Metzeler & Cie., München einen neuen Flugmaschinen-Stoff auf den Markt gebracht. Der Stoff wird in der Weise hergestellt, daß auf den gummierten Bespannungsstoff Mctallpulver nach einem besonderen Verfahren aufgetragen wird. Dieser Bespan- nungsstoff, welcher der Flugmaschine ein elegantes Aussehen gibt, ist äußerst wetterbeständig. Flugtechnischer Verein Steiermark. Der Flugtechnische Verein Steier- ınark in Graz hielt am 2. Mai eine außerordentliche Versammlung ab, in der unter anderesn auch das Verhältnis des Vereines zum Oesterreichischen Flug- technischen Verein in Wien in Beratung gezogen wurde. Die Versammltung beschloß mit Stimmeneinheit, das bisherige Verhältnis, nach dem der Verein ein Zweigverein des Wiener Vereines war, zu lösen und sich als selbständiger Verein zu erklären. Eine wichtige Entscheidung für die Fliegerwelt. Das Reichsver- sicherungsamt hat entschieden, daß die aviatischen und aeronautischen Betriebe sowoht was die Herstellung von Luftfahrzeigen jeder Art als auch die Ausübung der Motorluftschiff- und Fliegekunst angeht, zur Berufsgenossenschaft der Fein- mechanik und Elektrotechnik gehören. Bisher war es nirgends festgelegt, wo solche Betriebe anzumelden waren. So war z. B. die Zeppelin-Gesellschaft bei der Eisen- und Metall-Berufsgenossenschaft angemeldet, die die Aufnahme der Frankfurter „Ha“ abgelehnt hatte. Auf die Beschwerde der „la“ war bis zum Schluß der Ausstellung eine Entscheidung nicht ergangen. Es war daher ein glücklicher Zufall, daß sich Unfälle in der Luftschiffahrt nicht ereigneten, da die Erledigung der aus solchen entstandenen Ansprüche die größten Schwierigkeiten bereitet hätte. Für die Sektion Berlin der Berufsgenossenschaft für Fein- mechanik und Elektrotechnik ist nach d B. C. Major von Tschudi von der Berliner Flugplatzgesellschaft als Delegierter gewählt worden. Was aus Delagrange’s Nachlass wurde. Vor einigen Tagen wurde in Paris im Hotel Drouot die Hinterlassenschaft des verunglückten Delagrange versteigert. Die Hinterbliebenen, mit denen Delagrange keine Beziehungen mehr unterhalten, seit er entgegen dem Willen seiner Familie die Künstlerlaufbahn eingeschlagen hatte, hatten, um nicht für die Schulden des Verstorbenen haftbar gemacht zu werden, auf die Annahme der Erbschaft verzichtet, so daß zum Zwecke der Nachlaßregulierung die Habseligkeiten des verunglückten Aviatikers zur Ver- steigerung gelangten. Die Möbel der Wohnung brachten überaus klägliche Er- löse, nicht viel höher wurden die persönlichen Wertobjekte bezahlt. Was die Arbeiten des Bildhauers Delagrange anbetrifft, die sein Atelier geschmückt hatten und die mit den Reproduktionsrechten verkauft wurden, so erzielten sie insgesamt einen Erlös von 8000 Francs, von denen auf die Marmorgruppe „Liebe und Jugend“, die als das beste Werk des Künstlers gilt 960 Francs entfielen, während kleinere Skulpturen kaum für ein oder zwei Franken einen Liebhaber fanden, weil sich der Käufer verpflichten mußte, den Preis des Materials den Delagrange dem Lieferanten schuldig geblieben war, nachzuzahlen. Zu guter Letzt folgte dann im Hofe des Auktionslokals die Versteigerung der Reste der Maschine, mit welcher der unglückliche Aviatiker den Tod gefunden. Sie bilden ein trostloses Gewirr von alteın, rostigen und von Schmieröl verschmutzten Eisenteilen, die der Fuß eines Angestellten vergeblich auseinanderzuzerren sucht, _ während die neugierige Menge die Trümmer umsteht, die im aufleuchtenden Blitzlicht der aufnahmebeflissenen Photographen uns in so" erbärmlicher er- scheinen. Der Gnomemotor des Apparats, mit dem Delagrange die Todesfahrt machte, erzielte 7000 Frances. Ein Teil des Räderwerks ging für 102 Francs, die Voisinschraube für 39 Francs weg. Die Flügel und andere Ausrüstungsstücke erbrachten weitere 310 Francs. Die Pläne einer neuen Flugmaschine, die Dela- grange entworfen hatte und die nach seiner Berechnung dem Apparat einen längeren Aufenthalt in der Luft gestatten sollten, fanden für 18 Francs einen Käufer, dem für die lächerliche Summe auch noch die bis zum Tode des Aviatikers fertiggestellten Konstruktionsteile zugesprochen wurden. Am Schlusse wurden dann noch die beiden silbernen Pokale, die Delagrange bei der Preiskonkurrenz in Spa im vorigen Jahre gewonnen hatte, für‘ 375 Francs losgeschlagen. Dies unwürdige Schauspiel hätte unbedingt der Aero-Club de France verhindern müssen, No. 10 _„FLUGSPORT“. Seite 319 Geschäftliche Nachrichten. Hessische Flugstudiengesellschaft. Unter dieser Firma hat sich in Darmstadt eine Studiengesellschaft gegründet, welche amı 6. Mai ihre erste Generalversammlung hatte. Zum ersten Vorsitzenden wurde Baron v. Oetinger gewählt. Der Zweck der Gesellschaft ist die Unterstützung und Förderung von Flugproblemen jeder Art. Deutsche Flugmaschinenbau - Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Prokuren des Max Schultze und des Alfred Joachimezyk sind erloschen Die Geschäftsführerin Johanna Schultze, geborene Herfort, ist verstorben. Der Kauf- mann Max Schultze in Carlshorst und der Diplom-Ingenieur Alfred Joachinczyk sind Geschäftsführer. geworden. Pega-Emich-Sommer Ges. nı.b.H. Griesheim a. M Unter dieser Firma wurde in das Handelsregister (Höchst) eine G.m.b.H. eingetragen. Gegenstand des Unternehmens ist ein Fabrikationsgeschäft, das sich mit der Herstellung, der Verwertung und dem Vertrieb der von den Gesellschaftern W. Pega, K. Emich und R. Sommer gemachten Erfindungen, betreffend Flugmaschinen und Luft- schrauben, sowie allen sonstigen in die Luftschiff- und Flugmaschinen - Branche einschlagenden Fabrikate, befaßt. Das Stammkapital beträgt 100,000 Mark. Sämt- liche 5 Gesellschafter, nämlich: 1. Flugtechniker Wilhelm Pega in Griesheim a. M., 2. Flugtechniker Karl Emich in Griesheim a. M., 3 Rentner Karl Sommer in Haardt, Post Neustadt a. H., 4. Kaufmann Walter Sommer in Frankfurt a. M., 5. Architekt Robert Sommer in Bensheim an der Bergstr., bringen in die Gesell- schaft ein in Anrechnung auf ihre Stammeinlagen das unter der bisher uicht ein- getrageneu Firma „Flugmaschinenbau Pega & Emich“ in Griesheim a M. be- triebene Fabrikationsgeschäft mit allen Aktiven und Passiven nach dem Stande der Bilanz vom 30. April 1910. Die Aktiva belaufen sich nach letzterer auf 52,000 Mark. Davon wird jedem der 5 Gesellschafter ein Teilbetrag von 10,400 Mark auf seine Stammeinlage angerechnet und es hat jeder von ihnen noch eine Bar- einlage von 9600 Mark zu leisten, wodurch das Stammkapital von 100,000 Mark erreicht wird. Der Gesellschaftsvertrag ist am 7. Mai 1910 geschlossen. Zu Geschäftsführern sind bestellt: Flugtechniker Wilhelm Pega in Griesheim und Kaufınann Walter Sommer in Frankfurt aM. Die Gesellschaft wird durch einen oder melırere Geschäftsführer vertreten. Sind mehrere Gesellschafter bestellt, so wird die Gesellschaft durch 2 Geschäftsführer oder durch einen Geschäftsführer und Prokuristen vertreten. Zeitschriftenschau. Flieger mit zwei Schrauben. Von Ing. Ad. König (Der Motorwagen). Ueber die Vorteile des Zweischraubensystems gegenüber dem Einschrauben- system ist man sich in Fachkreisen wohl so ziemlich im klaren ; aber auch über die Nachteile des ersten Systems bestehen keine Zweifel mehr. Der Hauptnachteil ist der, daß wenn eineSchraube oder derenKraftübertragungsorgane eine Havarie erleidete, die andere Schraube ein ungleich großes Drehmoment auf die Flug- maschine ausübt und dieselbe zu drehen sucht. Das Moıinent ist so groß, daß es durch die Stabilitätsorgane und Steuwerungsorganismen nicht ausgeglichen werden kann. Eine Katastrophe-.ist unvermeidlich. Diesem Nachteil will nun König dadurch aus dem Wege gehen, daß er die beiden Schrauben im spitzen Winkel zu einander anordnet. Durch diese Anordnung wird aber wohl gauz das Gegenteil erreicht. Nicht nur daß dadurch der Pilot mehr denn je gefährdet wird, tritt auch bei Havarie einer Schraube außer deın genannten Drehmoment noch eine seitliche Verschiebung des ganzen Flugapparates ein. Diese Anord- nung ist also auf jeden Fall zu verwerfen, um so mehr, da dieselbe nicht den. geringsten Vorteil gegenüber den parallel gestellten wcgenläufigen Schrauben besitzt. Seite 320 „FLUGSPORT“. No. 10 Briefkasten. F. in Köln. Für das Preisausschreiben für Luftschrauben sind vom Kriegs- ministerium 6000 Mark ausgesetzt. Es werden zweierlei Luftschrauben verlangt, nämlich erstens für Luftschiffe und zweitens für Flugmaschinen. Die Schrauben für Luftschiffe dürfen einen Durchmesser von 5 m nicht überschreiten. Es wird von ihr auf ruhenden Versuchsstand eine Zugkraft von 300 kg verlangt. Die Fiugmaschinenschraube muß eine Zugkraft von 150 kg aufweisen und darf höch- stens 3 m groß sein. Es werden nur Prüfungen auf ruhendem Versuchsstande stattfinden. Dabei wird die Zugkraft, der Arbeitsbedarf und die Umdrehungszahl der Schraube gemessen. Bei jedem Entwurf muß die Steigerung und die größte Umdrehungszahl angegeben werden, für die die Schraube entworfen worden ist. Jede der beiden Schraubengruppen, nämlich die für Lenkballons und die fiir Flugmaschinen verfügt über einen Preis von 3000 Mk., der ausschließlich an deutsche Konstrukteure gezahlt wird. R. München. Die Konstruktion der Kufen der Ursinus-Maschine ersehen Sie aus beistehenden Abbildungen I u. 2. A u. B sind Drehpunkte. Die Kufe muß in Dampf gebogen werden und nach der punktierten Linie durchfedern. Abb. 2. Eine nach Abb. 1 aus mehreren Teilen profiliert geleimte oder gestifte Kufe federt nicht. Ihre Ausführung ist falsch, Der Sporn D ist abnehmbar, kann, wenn zerbrochen, ausgewechselt werden. Abb. 2. . M. in B. Die Rübel-Bronce besitzt ein spezifisches Gewicht von 1,8. Sie ist eine Legierung aus Zinn, Kupfer und Aluminium mit einem 4 prozentigen Magnesiumzusatz. Eingesandte Kataloge. Ernst Eisemanı & Cie. G. m. b. H., Stuttgart versenden soeben einen geschmackvoll ausgestatteten Katalog ihrer Spezialitäten. Es würde zu weit führen, auf die Fülle der Einzelheiten der Broschüre näher einzugehen. Unseren Lesern empfehlen wir speziell die interessante Beschreibung der neuen Apparate mit automatischer Zündmomentverstellung. No. 10 „FLUGSPORT“. Seite 321 Letzte Nachrichten. Flieger Euler hat am 18. 5. auf dem Griesheimer Fxerzierplatz zwischen 7 und 8 Uhr einige vorzügliche Flüge auf seiner neuen Maschine in 250 m Höhe, bei welchen er sich teilweise weit vom Platze entfernte, unternommen. Euler führte einen Gleitflug aus 100 m Höhe aus. Mehrere Offiziere wohnten diesem Schauspiel bei. Der Flieger Krastel führte am 17. Mai, wie uns telcgraphisch berichtet wird, in Pau einen Höhenflug von 100 m aus. Flieger Nau, dessen Apparat wir in der heutigen Nummer besprechen, stürzte am 18. mit seinem Eindecker in Juvisy aus 10 m Höhe ab und wurde er- heblich verletzt. Henry Weiß aus Paris, welcher in München einige erfolgreiche Flüge unternahm, stürzte am 16. d. Mts. mit seinem Apparat aus 30 m Höhe ab. Der ‚Apparat wurde zerstört, Weiß selbst blieb unverletzt. Später versuchte er, mit einen anderen Apparat zu fliegen, rannte aber gegen eine Barriere, wobei der Apparat beschädigt wurde. > i Offizielle Mitteilungen = u des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: l. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2, „ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. Beisitzer: Haller und Pega. Unser Mitglied, Ingenieur Hans Krastel, hat auf dem bekannten Flugfelde Lau in Südfrankreich einen Flug von 40 Minuten mit einem Bl£riotapparat aus- geführt. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Direktor Probst. Schriftführer: C. Kremer. j An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Steinstr. 70 Vereinsabend statt. Gäste willkommen. UaTT | | nn ein Seite 322 „FLUGSPORT“. No. 10 Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. -- Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holten. Vorstand: 1. Vorsitzender: A. Breuer, Wasserwerksdirekt.‚ Oberhausen 2 n Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. Schriftführer: Uhrmacher Halten, Oberhausen, } Schatzmeister: Trutenan, Maschinenmeister, Oberhansen. Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holteu 1. Flugwart: Julius Nichues, Mechaniker, Wesel. 2 Fingwart: Schnarre, Architekt, Holten Beisitzer: Ingenieur Hetser, Oberhausen. „ Redakteur Huhn, Oberhausen. Geschäftsführer des Vereins ist Redakteur Rudolf Huhn zu Oberhausen; an diesen sind ausnahmslos alle Sendungen zu richten. Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 2511. Vorstand: 1. Vorsitzender: Lehrer und Schriftsteller Georg Specht, Taucha-Leipzig, Bismarckstr. 41 2 » Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 2811 Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. 2. » Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister; Bergdirektor Otto Prochnow. Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vere nslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Am 7. April fand der IV. Arbeitsabend im Hotel „Palmbaum“ statt. Zunächst führte ein Mitglied des Vereins ein vollständig ausgestattetes Modell einer von ilım erbauten Flugmaschince vor. Wesentlich neu war nur die Anord- nung der Tragdecke. hre ‚größte Ausdehnung lag in der Flugrichtung. Propeller und Höheusteuer lagen vorn. Eine rege Diskussion ergab, dab man sich im all- gemeinen mit der Anordnung nicht beireundete, doch munterte die Diskussion den Konstrukteur zum weiteren Ausbau seines Systems an. Dann ergriff Herr berlehrer Ingenieur Alfred Freund-Leipzig das Wort zu einem Vortrage über die Wright-Pat ente, Die Frage ist in dieser Zeitschrift genügend erörtert worden und es gilt wohl heute als festgestellt, daß Wright in Deutschland nur ein sogenanntes Kombinations-Patent hat und daß die Trag- deckenverwindung an und für sich niemanden untersagt werden kann, sofern man nicht eine bestimmte Art der Verbindung dieser Verschränkung mit dem Seitensteuer anwendet. Am Dienstag den 9, April veranstaltete der Flugtechnische Verein Leipzig einen Vortragsabend großen Stiles im großen Festsaale des Zentral- theaters. Zu diesen Abend waren ı. 4. die Spitzen der Behörden und die Vor- stände hervorragender Vereine eingeladen. Es handelte sich um einen Vortrag Gustav Lilienthals über „Die Lilienthalschen Luftwider- standsmessungen und deren Beziehungen zur heutigen Flug- technik.“ L Der Inhalt dieses Vortrages ist allen, die das Buch von Otto Lilienthal „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegerkunst“ gelesen haben, bekannt. Dieser No. 10 un. „FLUGSPORT". Seite 323 - v . . , Vortragsabend prachte leider dem Flugtechnischen Vereine ein Defizit von j Am 28. April hielten wir unsern V. Arbei d „agesordnung stand chı wortrag des Herrn Oberlehr er ingenieu Alfred iber „Die aterialien zum Ba ” i “ Der Vortragende gab zunächst Gewichte, Preise und an a Despannungsstoffe ger Tragdecken und ging dann auf die festen Konstruktions. M: Ba j . Er verglich eine größere Anzahl verschiedener Matcrialicı indem er die Gewichte der Stäbe von I m Länge, die mit fünffacher Sicherheit eine Belastung yon 1000 kg aufnehmen können, nammenstellte Ex er nerheit dab Holz und Chromnickelstahl die gegebenen Baumaterialien und das Aluminium nur für gewisse 1 eile, die keine besonderen Beanspruchungen erleiden, anzu- sind bestimmte Danilo Dedi Schtehlich gr en na an ros 1 gt. Scällel zeigte de > i größere Anzahl von Proben besonderer Rohrprofile. Die a anre zende Dis. kussion ergab Uebereinstimmang mit den Ausführungen des Vortra h len. I er näch nie Arbeitsabend wird erst nach Pfiugsten abgehalten. . 4 Mai jo eizie Miteliederversammluns fand am Mittwoch den it „ enen Ei ah orn statt. In den Gesamtvorstand wurde noch Br älhtt Herr Redakteur Goldfreund-Leipzig als Il. Schriftführer Dann erstättete Herr Oberlcehrer Ingenieur Alfred Freund Bericht über R ‚aründungsversammlung des Fliegerbundes in Frank- furt Geber diese Ist eingchend schon in dieser Zeitschrift berichtet worden. aran $ b sich die Besprechung verschiedener interner Angelegenheiten. Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: ‘er h yorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Taucntzienstr. 16 NP . zender: Privatdo " ic Kreis Breslau “ Erdbebenwarl zent Dr. von dem Borue, Krietern, Kreis Breslau 9209 . Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 7... . . . 1097: 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, ae a oa Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 41 . en aa Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 . en 3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann Ring 33 nn Suse portkommission: Erz Heidenreich, Freiburgerstraße 2i Due j ans Ledermann, Rentier, Hohenzoller straße 107°... & Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße a zollen nstrabe Du 0054 Universitätsprofessor Dr. Rich. Abese. Parketr be 13 Bu Freiherr vom Drrant, Langendorf ” De Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4. . 27 gniversitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße I nn “ass teinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14 nn 0080 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . . nn 283 Geschäftsstelle: Freiherr von Klocl ;dnitzeretraße A (Norkl, deutscher Lloyd) on loch, Neie Schweidnitzerstraße 4 (Nord- 9701 uschriften : arste ftecheer Haren for Stansiccht Catan = echoten. n an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stocckicht, Gartenstr. 37 Seite 324 „F L U GS r O0 Rı T “ No. 10 _ Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bethmannstr. 52 Central - Hotel Telefon 11634. Flugtechnische Literatur. Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT“, Frankfurt a. M. Hilfsbuch für den Luftschiff- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luftschiffen, Fiugmaschinen aller Art und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Daltwitz. Preis Mk. 4.— Wie der Vogel fllegt und wie der Mensch fliegen wird von Ingenieur Wilhelm Kress. Preis Mk. 4.-. Motorballon und Flugmaschine voı Major A. von Parseval, Berlin. Preis Mk. 1.—. Flugapparate von Ingenieur Fritz Rost. Preis geb. M. 1.60. Der Vogelflug als Grundlage der Fliegerkunst von Otto Lilientha. Preis Mk. 10.—. Leitfaden der Luftschiffahrt und Fiugtechnik von Dr. Raimund Nimführ. Preis Mk. 12.-. Luftkrieg von R. P. Hearne mit einem Geleitwort von SirH. Maxim. Preis Mk. 6.—. Wie der Vogel fliegt von Milla. Preis Mk. 1.—. Die endgültige Lösung des Flugproblems von Nemethy. Preis Mk. 2.-.. Natürliche Fliege - Systeme, deren wissenschaftliche Enträtselung und praktische Ausbau von P. W. Lippert Preis Mk. 2 —. Die Fiugbewegung der Vögel von Karl Milla Preis Mk. 3.60. Der mühelose Segelflug der Vögel und die segelnde Luftschiffahrt von A. kitter von Miller Preis Mk. 2.40. Nähere Beschreibung der Erfindung eines lenkbaren Luitschiffes von Georg Stonawski Preis Mk 1.40. Die Entwicklung der Luftschiffahrt von Georg Storawski Preis Mk. 1.40. Erörterung der wichtigsten aeronautischen Streitfragen v. A. Platte Preis Mk. 1.20. Das Flugprinzip, eine popuär wissenschaftliche Naturstudie von Carl Buddenstädt Preis Mk. 5.50. Die Piugapparate, allgemeine Gesichtspunkte bei deren Herstellung und Anwendung von Otto Lilienthal Preis Mk. 0.80. Nachricht von dem fliegenden Schiffe Preis Mk. 1.—. Der Drachenballon von A. von Parseval Preis Mk. 1.50. Der Flug, ein auf der Wirkung strahlenden Luftdrucks beruhender Vorgang von Dr. Emil Jacob, Kreuznach. Preis Mk. 3.—. Mechanik des Vogeliluges von Major A. von Parseval. Preis Mk. 5.—. In die Lüfte empor von Hauptmann von Krogh. Preis Mk. 1.— Laviation, de Cröte A Cräte, de Ville ä Ville et de Continent ä Continent von Ferber, reis Fr. Der Vogelflug von Wilh. Winter. Preis Mk. 3.60. Luftwiderstand und Luftfrage von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.—. Flight-Velocity von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.—. Resistance of Air and the question of flying von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.—. Die Luftschiffahrt von A. Hildebrandt. Preis Mk. 15.—. Motorflugapparate von Ansbert Vorreiter. Preis Mk. 2.80. Luftreisen von Johannes Poeschel. Der Bau von Riesenluftschiifeu von Wetzel. Preis Mk. 2.—. Aeronautischer Kalender 1909|10. Preis Mk. 3.—. Flugsport Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte -„Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhoisplatz 8. Repr&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 11. Frankfurt a. M, 1. Juni 1910. Jahrg. I. Moderner Flugmaschinenbau. Civilingenieur O, Ursinus. (Hierzu Tafel IV.) Flugmaschine Sommer. Tafel IV zeigt uns die neueste Konstruktion der Flugmaschine von Roger Sommer in Grund- und Aufriß. Das Fahrgestell besteht, wie bei Farmau, aus zwei Gleitkufen, die durch die Welle der beiden Laufräder miteinander verbunden sind. Sommer hat die Kufen mit dem vorderen Höhenstener verbunden. Bekanntlich spiessen die vorderen Kufen beim Farman-Apparat in nnebenem Ge- lände leicht in den Boden ein, wodurch sich schon verschiedene Farman-Apparate überschlagen haben. Farman hat diesen Uebelstand dadurch zu beseitigen gesucht, daß er an der Spitze der Kufen ein weiteres kleines Räderpaar anordnete. Dieser Uebelstand ist bei dem Sommer-Apparat durch oben erwälinte Anordnung vermieden. Die zu dem Steuer führende Kufe P ist answechselbar angeordnet. Wie aus Abb. A ersichtlich, ist die Abfederung der Maschine gegen Landungsstöße, ähnlich wie bei Farman, durch Aufhängung der Rad- achse an der Kufe mittelst Gummischnüren bewirkt. Anßerdem be- sitzen die vier vertikalen Streben elastische Stoßfänger wie Abb. G zeigt. Die federnde Stallplatte f ist in der Mitte dnrch zwei Gummi- puffer s nnterstützt. Der Schwanz der Maschine wird durch zwei geschlossene Knfen getragen. Die senkrecht übereinander Iiegenden Tragdecken sind zweiseitig mit Gummistoff bespannt. Die Steuerorgane, tlıre Anordnnng, sowie tlıre Handhabnng sind dentlich aus der Zeichnung, sowie dem Stenermngsschema ersichtlich. Seite 326 „FLUGSPORT“. No. 11 Das vorn angebrachte Höhensteuer B ist nach der bekannten Art durch einen einfachen Handhebel © verstellbar. Das Seitensteuer D ist zweiteilig über nnd unter den hinteren Tragdecken angebracht. Seine Einstellung geschieht dnrch den Fußhebel E. Für die Schräglagensteuerung sind an dem Hinterende des oberen Tragdecks zwei Klappen ange- bracht, die durch die seitliche Neigung des Hebels C wechselseitig angezogen werden können. Der hinter den Tragdecken angebrachte Motor ist der in letzter Zeit wegen seines geringen Gewichtes und seiner Betriebssicherheit angewandte 50 PS Siebenzylinder-Rotationsmotor Gnom. Das charakteristische der Sommer-Flugmaschine ist die Verstell- barkeit des hinteren Tragdecks vermittelst eines Doppelhebels H. Die gewünschte Neigung der Tragfläche ist von dem Steuersitz aus durch ein neben demselben angebrachtes Handrad L mit Selbst- heinmung einstellbar. Abb. N zeigt die Versteifung der Längsträger des Unterdecks. Was die Flieger von einer Flugplaiz-Gesellschaft unbedingt verlangen müssen. In letzter Zeit sind öfters Klagen über die geringe Unterstützung der Flieger seitens der Flugplatz-Gesellschaften laut geworden. Die Hauptsache für die Flugplatz-Gesellschaften scheinen eine möglichst große Entreekasse und schillernde Armbinden zu sein. Daß der Flieger aber auch Bedürfnisse hat, wie: Benzin, Oel ete., darum machen sich die verschiedenen Direktionen keine Sorge. Es ist da- her oft vorgekommen, daß beim Beginn von Flugveranstaltungen plötzlich das Wichtigste fehlte. Es ist eine Hauptbedingung, daß zunächst Benzin und Schmieröl, und zwar bester Qualität, auf dem Flupglatz dem Flieger zur Verfügung stehen. Ebenso dürfen die wichtigsten Meßinstrumente, wie Tachometer, kleine Voltmeter ete. auf keinem Flugplatz fehlen. Auch die An- schaffung einiger Zündkerzen verschiedener Systeme verursacht keine übermäßigen Ausgaben. Die Flugplatz-Gesellschaft wird hierdurch wesentlich zum Gelingen ihrer Veranstaltungen beitragen. Ein weiterer großer Uebelstand ist der, wie die Spedition der Apparate gehandhabt wird. Die Flugplätze sind meist sehr abgelegen und die Bahnverhältnisse. bezw. die Verladestationen dem Flieger unbekannt. Er adressiert daher seine Maschine an die nächste Bahn- station und erwartet mit Recht, daß die Flugplatz-Gesellschaft sich jetzt darum kümmert, daß seine Maschine auf den Flugplatz trans- portiert wird. Er evwartetet dabei weiter, daß sie nicht im Regen No. 11 „FLUGSPORT“. Seite 327 stehen bleibt, sondern wenigstens in einem geschützten Raum unter. gebracht wird. Jeder Flieger sollte das zur Bedingung machen Eu Falls die Schuppen nicht genügend groß sind, muß weiter ein Platz vorgesehen werden, um die Kisten unterzubringen wo sie vor Zerstörung bewahrt bleiben. Ich habe oft Gelegenheit gehabt zu sehen, wıe an verschiedenen Flugplätzen durch Zaunpublikum | at diese unten als iizplätze benutzt und demoliert wurden Bu ‚„ „HolHlentlich tragen diese Zeilen dazu bei 3 die F 2 Direktionen in Zukunft diesem Mißstande Vorbeugen und den Ba | das Arbeiten erleichtern und unnütze Kosten ersparen. Ikarus Deutsche Flieger-Schulen. Wenn ich den Ausdruck „Flieger-Schnle“ hö teig cherlei Erinnerungen und Gedanken” meistenteils nn nen gen man- in mir auf. Flieger-Schule! Die Vorstellung, die sich mancher da. von macht und wie sie in Wirklichkeit. aussieht stimmt in den sel teısten Fällen überein. Man denke nur an die vielbes rochenen Flieger-Schulen in Pau, an die Bleriot-Schule. Die Schule besteht meistenteils darin, daß dem Schüler ein Platz zur Verfügung gestellt wird, auf welchem er, ohne irgend welchen Schaden anzurichten, seine gekaufte Maschine mühelos zerschlagen kann. Und d allerdings noch die besten Schulen. | a Neuerdings sind vielfach Unternehmen aufgetaucht, in denen man das Fliegen lernen kann. Ein Apparat ist verschiedentlich tiber- haupt nicht vorhanden. Diese Auswüchse auf dem Gebiete des Fin wesens werden mit der Zeit vertrocknen. Schweigen wir davon! Es ist nur mit Genugtuung zu begrüßen, daß wir auch Ein- richtungen besitzen, die als Flieger-Schulen im Sinne des Wortes bezeichnen sind. Für die Einrichtungen, welche zu einer Flieger- si wer eine Fliegerschule im Betriebe, wie sie in Wirklichkeit ; ın soll, sehen will, versäume nicht bei der Anwesenheit in Frank- ur a. M. den Eulerschen Flugplatz, auf dem Griesheimer Exerzier platz bei Darmstadt, zu besuchen. —. — ‚Des Nachmittags 6 Uhr. Der Wind weht mit 6-8 m 6 schwindigkeit. Sehnsüchtig wartend studieren die Schüler den anf Seite 328 „FLUGSPORT“. No. 11 dem Dach «er Flugmaschinenhalle sich drehenden kleinen Holzpro- peller. Der beste Geschwindigkeitsniesser. Wir müssen noch warten. — — Die Schüler nntersuchen inzwischen ihre Lehrmaschine. Sie reinigen die Zündkerzen, untersuchen die Kontakte, füllen frisches Oel ın den Charter nnd controllieren die Maschine, ob irgend ein Splint oder Sichernngsdraht in Unordmnng ist. Der Wind beginnt abzuflauen. Die Ungeduld der Schüler wächst. Die Maschine steht bereits auf der Anfahrtstraße. Man taxiert nach dem Holzpropeller nnd der wehenden Fahne noch 2 bs 3 m Wind. Ich dachte für nich, jetzt kann’s losgelien. Da lieb sich die Stimme des Lehr- meisters Euler vernehmen: „Bevor Ihr fliegt, will ich erst einmal den Platz umfliegen, um nachzusehen, ob keine störenden Winde vorhanden sind.“ Er sagt’s, stieg in seine neue Maschine, in welcher die Querwände herausgenommen sind und eine besondere Schräglagen- steuerung vorgesehen ist und dann noch eine halbe Umdrehung des Gnom-Motors. — — -- Brausend erhob sich nach 10 m der Apparat in die Luft, um in horizontalem Fluge im Abenddunst zu verschwinden. Plötzlich tauchten aus einer anderen Waldecke die Sılhouetten der Maschine wieder auf und in den nächsten Sekunden hörte man das Rauschen verstummen. Lautlos glitt der Apparat mit abgestelltem Motor zur Erde. Wie sanft die Landung erfolgte, zeigte die Räderspur in dem einen halben Meter tiefen Sande, die sich erst nur ganz leicht ritzend vertiefte und erst dann, als die Maschine stand, sanken die Räder in den Sand. „Ihr könnt fliegen. Aber ın der oberen Waldecke herrscht ein Seitenwind, daher nicht den ganzen Platz umfliegen.“ Ich war überrascht über die Vorsichtigkeit, welche Euler seinen Schülern an- gedeihen lieb. — — — Zunächst bestieg Leutnant Schäfer, der erste deutsche aktive Offizier, welcher wirklich fliegt, die Maschine und stieg programm- mäßig, genau wie es die Instruktion vorschreibt, nach 50 m in die Luft. Er landete instruktionsmäßig nach 1000 m Entfernung, drehte die Maschine und flog nach dem Aufstiegplatz zurück. Es wurden die Fehler besprochen und der zweite Schüler, Lochner-Aachen, stieg in die Maschine. Auch er erledigte seine Aufgabe, ebenso der ihm nachfolgende dritte Schüler, Thiele-Leipzig usw. Ich sagte nichts, wie man anf einem Flugplatz überhaupt nichts sagen darf, bezw. es ‘zum Anstand eines Fliegers gehört, niemals über eine andere Maschine zu sprechen. Ich war befriedigt. Die Dunkelheit brach herein. „Morgen früh 5 Uhr wird weiter geflogen“ war die letzte Anweisung des Lehrmeisters. Die Schüler gaben Anweisungen, daß die Maschine für den nächsten Morgen. startbereit ist, damit der Unterricht wieder beginnen kann. Nach dieser Arbeit machte man sich’sin den behaglichen Klnb- sesseln des gemeinschaftlichen Aufenthaltsraumes, in welchem das elektrische Licht aufflammte nnd der elektrische Teekesscl suurte, beqmem, um die Nerven von des Tagcs Arbeit zu beruhigen. Eine Flieger-Schule. „FLUGSPORT“. Seite 329 Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. ‚Pie mit begreiflichem Interesse erwartete Internationale Luft- schiffalhırts-Kunferenz ist am Mittwoch vergangener Woche zu Paris zusammengetreten. Bekanntlich soll sich diese Konferenz wit der der rayiden Bitwinkehsg ae ne aßen beschäftigen, die sich an piden lung © | schiffahrt. erecben. Die Konferenz ist in erster Reihe von Deutschland und Frank- veich sehr stark beschickt worden. Von den anwesenden Vertretern Deutschlands seien die Herren Geheimer Legatiousrat Kriege Ober- regierungsrat Lewald, Geheimer Regiernngsrat: Hergesell, Legationsrat (oeppert, Hanptmann von Bittenfeld vom Luftschifferbataillon. Baron Hahn vom Answärtigen Amt genannt. Für Frankreich nehmen u.a lie Herren Renault, Paiulöve, Veillet-Dufr&che Tissier, Hennion. Delaunay u. a. m. teil. a Die erste Sitzung der Konferenz, welche im Ministerium für auswärtige celeogenheiten ; arıs tao : . ge Angelegenheiten zu Paris tagt, wurde durch eine längere Lesseps’ Flug über den Kanal. Ansprache ; itsministers Miller i 1 | R pr“ h des Arbeitsministers Millerand eingeleitet, welcher sich ıingehend über die schwere Verantwortlichkeit ausließ, die in dem Augenblicke an die Regiernugen Lenkt a lila . . “ na lons und freie sphärische Ballons ungehindert in die Atmos- phäre erheben können. Zugleich ınit der Silhouette jener Luftfalır- lıeranträte, wo sich FIngmaschinen, Setie 390 „FLUGSPORT“. No. 11 zeuge, die am Horizont auftauchen, ergeben sich bisher ungeahnte Gefahren, welche einen Konflikt der mannigfachsten Interessen herauf- zubeschwören drohen. Polizei und Zollverwaltung, bisher (!) an den Boden gefesselt, sehen ohnmächtig über ihren Häuptern die modernen Fahrzeuge dahinfliegen. Wenn diese auch nicht für sie zu erreichen sind, so sollten sie wenigstens zu erkennen sein. Man wird sich bei der Reglementierung der Luftschiffahrt am besten wohl nach dem Vorbild der Seeschiffahrt richten können. Herr Millerand schloß seine Ansprache mit einem Hinweiss auf die Ehre, welche Frankreich darüber empfindet, dieser hochbedeutsamen Konferenz Gastfreund- schaft gewähren zu können. Wenn auf die Arbeiten der Konferenz in einer besonderen ein- gehenden Besprechung zurückgekommen werden soll, so muß doch schon heute vorweg betont werden, daß die Stellungnahme der fran- zösischen Regierung, wie sie aus der etwas übergroßen Aengstlichkeit des Ministers und aus den von ihren Delegierten gestellten Anträgen all- gemein stark enttäuscht hat. Sie scheint an die Frage der modernen Luftschiffahrt etwa mit derselben kleinlichen Anschauungsweise heranzugehen, von der heraus sie den Automobilismus in Fesseln zu schlagen gewußt hat. Es sind da eine ganze Anzahl von Anregungen, die vom Standpunkte, namentlich der Aviation, aufs entschiedenste zu bekämpfen sein werden. Aber geradezu hnmoristisch klingt der Antrag, daß „bestimmte Luftgebiete der Luftschiffahrt jeder Art streng verschlossen“ bleiben sollen. Die französische Regierung hat vergessen, bei diesem Antrag hinzuzufügen, wie sie sich dessen Aus- führung denkt. Leicht wird das jedenfalls nicht sein. Freilich, den Franzosen ist nichts unmöglich. Hat doch sogar de Lesseps wirklich den Kanal überquert. Er hatte das so lange vorher schon angekündigt, daß man schon ganz und gar ihn und seinen Kanal- flug vergessen hatte und daher rührt auch das allgemeine Erstaunen über die glücklich vollbrachte Tat. Herr de Lesseps wollte allerdings den „doppelten Flug“, das heißt den Flug über den Kanal hin und zurück, ausführen. Aber er wird wohl froh gewesen sein, daß ıhm die eine Hälfte gelungen ist. Die berühmte „ungünstige Witterung“ hat ihn verhindert, die Rückreise auf seinem Aeroplan anzutreten. Nun mehren sich die Kanalflieger in beängstigender Weise. Der Engländer Rolls kündet täglich seinen Flug an, den ebenso täglich das Wetter vereitelt und nun ist auch noch ein dritter Bleriot -Pilot ‘ Max Anthoine, für diesen Flug eingeschrieben. Uebrigens stand für den letzten Sonnabend ein interessanter Doppelflug bevor. Rolls hatte für jenen Tag seine definitive Absicht, über den Kanal zu fliegen angekündigt. Wie es hieß, wollte nun Latham zu gleicher - Zeit von dieser Seite des Kanals den Flug unternehmen, sodaß sieh. die- - beiden Piloten inmitten des Weges über dem Meere begegnet wären, wenn sie überhaupt geflogen wären, Aber es war wieder nichts. Rolls hatte mit seinem Doppeldecker den Versuch gemacht, mußte aber nach etwa 800 Metern landen, weil der Motor Versager gab. Mehr Interesse boten die verschiedenen aviatischen Meetings, die sich zurzeit abspieleu, bezw. unmittelbar bevorstehen, allen voran die beiden Wochen von Lyon und St. Petersburg, «lie soeben ihr Ende gefunden haben. Der weitere Verlauf der Lyoner Woche, über deren Beginn wir berichtet habeu, brachte leider einige schwere Unfälle, No. 11 „FLUuSPORT“. Seite 331 Der fünfte Tag zeigte Paulhan wieder in seiner „Spezialität“, dem Höhenfluge. Er erreichte 510 m Flughöhe. Am selben Tage zer- störte Metrot, indem er bei einem mißlungenen Abflug auf deu Boden zurückfiel, seinen Voisin - Zweidecker. Am sechsten Taoe wütete ein arger Sturm, der das Aerodrom verwüstete und alles mit sich fortriß: Die offizielle Tribüne, die Pressetribüne, die Bufetts flogen wie die Aeroplane in die Luft. Zum Glück zeigten sich die Fliegerhallen standhafter, sodaß die Apparate geborgen blieben. Den schwersten Unfall brachte der siebente Tag mit dem Tode Hauvette- Michelins, der aber nicht ein Opfer der Aviatik, sondern ganz be- sonders ungünstiger Verhältnisse geworden ist. Der junge Pilot hatte sich mit seinem Antoinette eben erhoben und segelte infolge falscher Steuerung gegen einen die Flugbahn einsäumenden Pfosten. Dieser fiel um und gerade auf den unglücklichen Piloten, dem er die Hirn- schale einschlug. Die Bezeichnung dieses Unfalls als „Todessturz“ ist also falsch. Auch am folgenden Tage gab es Mallıeur. Legagneux wurde mit seinem Sommer-Zweidecker von einem Wirbelwind erfalit und aus 15 m Höhe mit Wucht auf die Erde geschleudert. Während der Pilot anscheinend glimpflich davonkam, wurde der Apparat zer- stört. Latham geriet mit seinem Antoinette in die Furchen eines frisch gepflügten Feldes, der Apparat stellte sich auf die Spitze und der Pilot wurde hinausgeschleudert, ohne aber irgendwelche Ver- letzungen davonzutragen. Der Eindecker wurde schwer beschädigt. Bleriot No. 13 mif 7 Cylinder-Gnom-Motor 50 PS. Die sich in Verona abspielende aviatische Woche zeigt: bessere Resulte. Paulhan, Effimoff, Chavez, Duray, Molon, Cattaneo haben recht ansehnliche Flugleistungen zu Wege gebracht. Der Besuch ist ein sehr starker, das Publikum begrüßt jede Flugleistung mit leb- haften Ovationen. Im „Großen Distanz-Preis“ siegte Paulhan mit ‘0 km in 1:20:39, 2. Effimoff, 88,500 km in 0:44:09. Zwei präcl- fige Höhenflüge führten Pawlhan und Effimoff, ersterer in 1163 m. letzterer in 1096 m lIöhe, aus. Seite 332 „ULUGSPORT“. No. 1 Recht eigentümlich ging es in Neapel gelegentlich der dortigen aviatischen Veranstaltung zu. Als Busson nnd Kühling, beide mit, 3leriot-Kindeckern, am ersten Tage nur einige belanglose Flugver- suche machten, stürmte das Publikum die Flugbalın und stürmte gegen «ie Fliegerhallen an. Eine Emeute entstand und die Gendarnien Inussten mit der Waffe gegen die rasende Menge vorgehen. In dem allgemeinen Lärm hatten sich die Unternehmer, die sonderbarerweise ann Orte ganz uubekannt waren (), verduftet. Die genannten Avia- tiker uud Kinet setzten das „Meeting“ auf eigene Faust fort. Von neuen Meeting-Projekten in Frankreich selbst sind noch zu erwähnen diejenigen von Nantes und Toulouse. Ersteres wird ım Monat August stattfinden. Für beide Veranstaltungen werden große Anstrengungen gemacht. Dagegen ist das angekündigte Meeting von lämoges infolge finanzieller Schwierigkeiten aufgegeben worden. Von höherer Bedeutung ist aber die soeben kursiereude Mitteilung, daß die offizielle „Große Woche des Aero-Olub de France“ die bekanntlich auf dem Aerodrom von Croix d’Hins bei Bordeaux stätt- finden sollte, gleichfalls unterdrückt: ist! Ob sie überhaupt zustande kommt, ob sie anderswo abgehalten wird ist vorläufig noch unbe- kannt. Die Nachricht erregt in hiesigen aviatischen Kreisen grobes Aufsehen. In den verschiedenen Aviationslagern wird fleißig weiter gear- beitet. Issy-les-Monlineaux hatte in dieser Woche frenıdländischen hohen Besuch. Außer der inzwischen naclı Berlin gegangenen chinc- sischen Studien-Kommission unter Führung des Prinzen Tsai Tao kam auch der türkische Thronfolger auf seiner Rückreise von London dorthin, um sich die modernen Flugmaschinen anzuselien. Prinz Jussuff Izzidin Effendi folgte einer Einladung des Aero-Club de France; er konnte aber nur Leblanc etwa zwei Bahnrunden fliegen schen. Die anderen Aviatiker mühten sieh vergeblich, bei dem herrschenden Winde in die Luft zu kommen. Juvisy ist nun mit 599.000 Francs in Konkurs gegangen. Die Gläubiger werden wohl für ihre Forderungen nielıts als Frei- karten zum Besuche des Aerodroms erwarten können. Leider ist hier wieder dieser Tage ein schwerer Unfall passiert. Robert Nau versuchte seinen nach eigeneu Ideen erbauten Eindecker. LDı etwa 4 m Höhe befindlich, stieß er mit dem linken. Flügel auf den Boden. Infolge des Stoßes zerschellte das Gestell seines Apparates und einer der Drähte brachte Nau eine erhebliche Verletzung am Kopfe bei. Den Zweidecker (&oupy steuert jetzt Ladougne, anscheinend mit etwas besserem Erfolge. Dufonr, der dort mit einem Voisin experi- mentiert, scheint sich allmählich zurecht zu finden. Is. der Hanriotschule zu Reims leitet Wagner den Unterricht, an dem u. a. Martin, Faron und Lafargue mit gutem Erfolge teil- nehmen. Cheuret versucht einen neuen Motor, von dem er sich viel verspricht. Am lebhaftesten geht es natürlich in Mourmelon zu, wohin dieser Tage auch Latham wieder zurückgekehrt ist. Aufsehen er- regte die Flugleistung eines neuen Farman-Piloten, namens Martinet, AUS. Seite 333 um in den ‚orzten Lassen. wöedennm zwei neun Rekord zu verzeichnen. ıchre 8 ssagierrekort geschlagen, indem er mit scinenn Farman-Zweidecker einen Passagierflung von 1 12 Minuten ansführte. Am Tage daranf aber schlug Kinet, gleich- falls mit emen Farınan, diesen Rekord beträchtlich: er führte mit einem Passagier einen Flug von 2 Stunden 51 Minuten 10 Sekunden Aber auch sonst sind recht ausehnliche Leistungen in Monrme- Stunde lon zu Wege gebracht worden, namentlich von Lindpaintner, der auf einem Farman-Zweidecker den Schulen Hanriot und Sanchez Besa in Reims Omen Besuch abstattete. Die Lentnants F&ämant, Camermann T IF u Bean, der die Farmauschite beauchte, broben Ahror Kortechritt e, rer Fortschritte zeigen. Hauptmann Marconnet: und Leutnant Föyuant wollen dieser Tage von Mourinelen im Fluge ihre Garnison in Vincennes bei Paris zu erreichen suchen. Die militärische Aviationschule zu Mourmelon ist jetzt unter Leitung des Leutnant Camermanı gestellt worden und zahlreiel fizierseleven strö es 1 eiche Öffiziersecleven strömen dieser Schule zn. Anßerdem sind i TR ' A . “ i ur ! . “ Französische Offiziere als Flugmaschinenführer. neuerdings vier Artillerieoffiziere der Farmanschule beigetreten, ein weiterer ist zu Antoinette gegangen. In letzterer Schule kommen Lafond, Thomas und Gobe gut: voran. Wächter hat hier die Leitung Bei Voisin flog Albert Niel bei seinem ersten Versuche bereits 10 Min nten in ansehnlicher Höhe. Lathaın versuchte einen neuen Apparat, mit dem er eine halbe Stunde in der Luft blieb. h nommen, der bisher in Mouzon unausgesctzt seine Ueberlandflüge mit eınerkenswertem Erfolge fortsetzte verläßt nun diesen Ort und wird sich gleichfalls in Mourmelon installieren, wo cr aber nur etwa zwei Monate zu bleiben gedenkt. der bereis einen Stadt-zu-Stadt-Flug von Mourmelon über Vertus, Montfort, Montmirail, Rebais nach Neufmoutiers, eine Distanz von 140 km in 1 Stunde 30 Minuten ansführte. Außerdem hat Monrme- Seite 334 „FLUGSPORT“. u No. H1 Das neue Aerodrom von Beauce ist nun endlich am letzten Sonntag eingeweiht worden, und mit ihm zugleich die neue ‚„ehule von Henri Farman. Sein Bruder Maurice war zu dieser Feier au einem seiner Zweidecker, mit einen Passagier an Bord, von Bne über Rambouillet, Ablis Merobert, eine Distanz von 80 km, nach dem neuen Aerodrom gekommen. Die flugsportlichen Veranstaltungen, die bei dieser Gelegenheit geplant waren, litten stark unteı der un- günstigen Witterung. Nur Herbster hat einige kleine Flüge ausge- fährt. Die Tätigkeit der neuen Farmanschule hat begonnen. Brunean de Laborie flog neulich bei starkem Winde über eine halbe Stunde. Auf dem Militärübungsplatz von Satory bei Versailles hat der Genie-Hauptmann Eteve auf einem Wright-Zweidecker sein Piloten- patent erworben. In Chartres will in Kürze Mainguet mit einem neuen Eindecker herauskommen, den er mit einem Anzanimotor ver, sehen hat. Gregoire will dort zwei seiner Apparate durch Virel un euern lassen. orseille wird nunmehr bestimmt in den Tagen vom 12. bis 19. Juni eine aviatische Woche stattfinden, zu der schon jetzt Aubrun (Bleriot), Cheuret (Farman) und Wagner (Hanriot) fest zugesagt haben. Ferner beabsichtigt man, Martinet und Daniel ‚Kinet zur Teı a me zu bewegen. Auch Rougier soll nach seiner Rückkehr von Bu apes noch einige Tage an diesem Meeting teilnehmen. Das ‚nero vom von Crau geht seiner Vollendung entgegen. Vierzehn Flieger, nallen sind bereits fertig gestellt. Gegenwärtig Ist daselbst ein E inc 1er namens Leyat, mit der Montierung eines neuartigen Zweideckers be- schäftigt, dem er einen 50. PS Gnom-Motor gegeben hat. 1. In Douai ist Bröguet: dieser Tage das Opfer eines Unfalls ge worden. Der genannte Aviatiker führte auf dem Aerodrom Brayelle mehrere Flüge aus, die ohne Zwischenfall verliefen. Nachdem er eın wenig gerastet hatte, wollte er seine Exerzizien fortsetzen; der Apparat erhob sich auch sofort in die Luft. Als sich aber Breguet ın etwa 920 m Höhe ‚befand, sahen die erschreckten Zuschauer plötzlich, wie sich der Apparat stark auf die Seite neigte und dann mit rasonder Geschwindigkeit zur Erde sauste, wo der ‚Eindecker erst mit der Spitze aufstieß, und dann umschlug. Man eilte von allen Seiten her- bei und befreite den besinnungslosen und stark blutenden Piloten aus seiner unglücklichen Lage. Die sich verbreitenden Gerüchte, von den Hoffnungslosigkeit des Zustandes Breguets sind glücklicherweise über- ieh ni Fabre hat nun am letzen Donnerstag seinen ofterwähn- „Hydro-Aeroplan“ dem in Marseille auwesenden Paulhan vorgeführt, der selbst über die angestellten Versuche berichtet hat. Der Apparat —-—guröhlief üäach einem schnellen Anstart 5 bis 6 km mit großer -Ge- schwindigkeit und erhob sich mit Leichtigkeit aus dem Wasser os zu einer Höhe von 20 Metern. Als Fabre wieder ins Wasser zunie! wollte, erfolgte der Kontakt des mit ‚nahezu 100 km Geschwindig ei gehenden Apparats mit dem Wasser ın einer zu brüsken eise (wei Fabre verabsäumt hatte, die Geschwindigkeit zu ermäßigen), es er- folgte ein heftiger Stoll und Fabre flog aus seinem Sıtz ins Meer. Weder er, noch sein Apparat haben nennenswerten Schaden davon- getragen. Ein Danipfer tischte beide heraus. Nach Beendigung deı der erforderlichen Iteparaturen wı rd Fabre seine Versuche wieder No. I1 „FLUGSPORT“. Seite 335 aufnehmen, denen man (nach Paulhan) mit höchstem Interesse folgen sollte. Einen interessanten Flugversuch hat dieser Tage Graf Lambert unternommen, indem er einen zur Ablieferung an die Artillerie- Direktion zu Vincennes bestimmten Wright-Zweidecker, mit einem Ingnieur-Offizier als Passagier, im Fluge nach seinem Bestimmungs- orte bringen wollte. Infolge eines leichten Defekts am Motor aber mußte er in Gentilly landen, von wo der Apparat nach beendigter Reparatur am Motor voraussichtlich weitergehen wird. Der kürzlich an dieser Stelle erwähnte große Aviationspreis des „Matin“ für einen „Circuit de l’Est“, ein Projekt, das anläßlich dex | Paullıan’schen Fluges von London nach Manchester wieder auf die Tagesordnung kam, wird von seinen Organisatoren tatsächlich allen Ernstes betrieben. Wie erinnerlich, hat der „Matin“ einen Preis von 100,000 Frances für einen. noch näher zu definierenden Flug durch den Osten Frankreichs ausgesetzt. Jetzt hat das Comit& entschieden, daß dieser interessante Bewerb in der ersten Hälfte des Monats August vor sich gehen soll. Der Sekretär der Kommisson, Robert Guerin, ist bereits auf einer Reise durch den in Frage kommenden Bezirk begriffen, um in den betreffenden Städten die erforderlichen Arrangements zu treffen. Der Aero-Club von Amerika hat sich in direkte Gegnerschaft zu den Gebrüder Wright gesetzt. Es wurde beschlossen, keinerlei Vertrag mit. den Gebrüdern Wright zu schließen, nachdem sich eine sehr starke Opposition unter den Aviatikern zu erkennen gegeben habe, welche sich gegen jede Kontrolle des bevorstehenden inter- nationalen Meetings durch die Wrights richte. Die Organisation soll vielmehr solchen Persönlichkeiten anvertraut werden, welche in der Lage sind, für das Meeting die Beteiligung sowohl amerikanischer wie europäischer Aviatiker zu sichern. Die Wrights selbst beginnen demnächt ihre "Tournee, und zwar in Dayton, von wo sie nach Chicago gehen werden. Sie haben die Absicht, die von Paulhan aufgestellten Rekords zu schlagen. Uebrigens hat sich jetzt ein Finanzsyndikat in New-York ‚konstituiert, welches im Namen der falliten Gesellschaft Herring-Ourtiss intervenieren und deren Ange- legenheit vor die Gerichte bringen will, um das von den Wrights erstrittene Urteil umzustossen. Die leidige Sache soll also von neuem aufgerollt werden. Rl. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) In der vorigen Nummer berichteten wir, daß Vicomte Jacques de Lesseps dem Aero Club de France mitgeteilt habe, dab er walır- scheinlich am 14. oder 15. Mai einen Flug über den englischen Kanal und zurück versuchen werde. Wegen der englischen Landestrauer verschob de Lesseps den Flug um eine Woche, führte ihn dann aber am 21. Mai glücklich aus. Er ist ein Enkel des durch seine Kanal- bauten berühmten Ingenieurs und lernte im November vorigen ‚Jahres auf einem Bleriot-Monoplan fliegen. Vor einigen Wochen machte er einen größeren Ucberlandflug in Niort (Bretagne). — Lesseps Flug Seite 336 _„FLUGS ORT“. | No. über den Kanal dauerte 42 Mimmten, also einige Minuten länger als Bleriot im ‚Juli vorigen Jalıres gebranchte. Auch er flog, wie Bleriot, in Les Barwuuces bei Calais ab, um 3 Ulir 40 Min. nachmittags, und folgte ebenso wie Bleriot dem französischen Torpedoboote Escopettc. Bald aber machte der dichte Nebel ihm jede Uebersicht unmöglich, und da auch der Kompass nicht funktionierte, mußte er sich ım all- gcmeinen nach-der Sonne orientieren. Er landete deshalb auch nicht. bei dem Bleriotdenkmal bei Dover, wie ursprünglich beabsichtigt, sondern in ziemlicher Entfernung davon bei Wanstone Court. De Les- seps gewinnt durch diesen Flug den im Jahre 1906 ausgesetzten Ruinart-Preis von 10000 Mark. Einer der ersten Gratulanten war GC. 8. Rolls, der die Absicht hatte, sich um den Ruinart-Preis zu be- werben, falls Lesseps Versuch nicht geglückt wäre. Den Plan, mit der Flugmaschine nach Calais zurückzukeliren, mußte Lesseps auf- geben, da der Nebel über dem Kanale dauernd zu dicht blieb. Er hat jedoch die Absicht, den Flug von Oalais nach Dover und zurück später noch einmal zu versuchen. Auch Latham hält sich augenblicklich in Calais auf, um den Flug über den Kanal, der ıhm ım vorigen Jahre zweimal miblang, jetzt zu erzwingen, und in Dover hat Mr. C. S. Rolls mit seiner Wright-Maschine in der letzten Woche mehrere Probeflüge gemachıt, um sich auf einen Flug über den Kanal von England aus vorzube- reiten. Drei englische Torpedoboote stehen ılım dabei zur Verfügung, unı ihm ım Notfalle behilflich zu sein. Zwei Versuche am Freitag den 28. Mai mußten abgebrochen werden, das erste mal wegen Nebels und das zweite mal wegen einer Motorstörung. Bei dem herrschen- den schönen Wetter ist es aber sehr wahrscheinlich, daß der Telegraplı schon die Nachricht von der glücklichen Ausführung dieses Versuches gebracht hat, wenn diese Zeilen in den Druck gehen. — Wir werden in nächster Zeit wohl noch öfter von Kanalflügen zu berichten haben, da der Baron de Forest einen Preis von 80000 Mark ausgesetzt hat für den längsten Flug eines Engländers über den Kanal nach dem Kontinente, mit einer englischen Maschine. Der Preis ist offen bis zum 31. Dezember a. c. Auch Mr. Grahame White, der Rivale Paulhans beim Fluge nach Manchester, machte in den letzten beiden Wochen mehrere be- merkenswerte Flüge. Er hatte eine gerichtliche Vorladung wegen Ueberschreitung der Schnelligkeitsgrenze für Motorwagen erhalten, und stellte sich zu der Gerichtsyerhandlung am 20. Mai vom Flug- grunde von Brooklands aus vermittelst Flugmaschine; auf demselben Wege kelırte er auch zurück Am 27. Mai überflog er die Entfer- nung von Brooklands nach Ranelagh (24 km) in 15 Minuten, nach- dem er vorher einen Probeflug auf seiner Farman-Maschine mit Lord Wodehouse als Passagier ausgeführt hatte. Ueberhaupt ist in Brooklands jetzt ein reges aviatisches Treiben. Es sind dort augenclicklich 22 Maschinen ın den 17 Flie- gerschnppen. Vom Fluggrunde des Royal Aero Club in Sheppey ist. leider ein Unfall zu berichten. Als Mr. Grace nach längerem Fluge herab- kam, kippte die Maschine plötzlich nach vorn und schleuderte den Flieger kopfüber heraus. Doch scheinen die Verletzungen dieses tüchtigen Piloten glücklicherweise nicht ernstlich zu sein. No. 11 „FLUGSPORT“. Seite 337 Ein neuer Flugplatz wird in Shoreham bei Brighton einge- vichtet. Mr. H. H. Pifford hat dort mehrere male ecflosen und den Platz für passend erklärt. Die Stadtverwaltungen von Brighton, Hove ‚und Worthing stehen dem Plane sehr sympathisch gegenüber. ind die Finanzierung ist gesichert. Das große Aerodrom soll St 0000 ersonen fassen, und eın mit allem Komfort ausgestattetes Klubhaus soll sich daran anschließen. für Physik ie delt dem 1 Ma m oe en Reichslaboratorium „P is . er Motoren be- schäftigt, die in der Bewerbung um den Patrick-Alexauder-Preis ein- geliefert worden sind. Bekanntlich hat Mr. Alexander einen Preis von 20 000 Mark ausgesetzt für einen englischen Aero-Motor, der 24 Stunden läuft, ohne besondere Aufmerksamkeit zu erfordern. Zur Bewerbung zugelassen sind solche englische Motoren, welche 35 PS entwickeln und weniger als 245 englische Pfund (111 kg) wiegen. ie Prüfungen erstrecken sich auf Benzinverbrauch, Zuverlässiekeit des Laufs, Abnntzung der arbeitenden Teile, Feuersicherheit und Luft- widerstand. Unter anderem werden die Motoren einem 24stündieen Laufe unterworfen, und wenn dabei mehr als drei Störungen ein- treten, wird der Motor disqualifiziert. Zwei andere Proben werden ausgeführt, indem der Motor in Winkeln von 15 Grad geneigt: ist Die folgenden 5 Fabriken haben für diesen Preis Motoren zur Prü- fung eingeliefert: j Humber Ltd. Warwick Wright Ltd. Wolsely Tool and Motor Co. Green’s Motor Patents Syndicate Ltd. Ripley Strong, Farnborongh, Dullearian Ltd., Hendon. ie australische gierung | Ige ahre ei 1 von 100000 Mark a ae mm vorigen en Tusche ‘ ) Mar g struktion einer Flugmaschine die für as (ärische Zwecke besonders geeignet ist. Die Maschine ub mindestens ım pro Stı heg enzin für mindestens 5 Stunden tragen können. a nn für minde tan | h gi ntertau und mindestens seit 2 Jahren in Australien wolınhaft sein. Die Ma- schine muß Raum für 2 Personen bieten, von denen einer frei für Beobachtungen ıst. — Da bisher keine Bewerbungen für diesen Preis eingegangen sid, ist die Einliefernngsfrist bis zum 30. Jmni verlän- gert worden. Flngtechnische Rundschau. Inland. Frey flog am 23./5. über Berlin Dieser Flug welcher in den Tages- zeitungen zur Genüge besprochen wurde, sei in Nachstehendem der Vollständig- keit wegen registriert. Frey legte auf Farman die 28 km lange Strecke in 45 Min. zurück. Er stieg von Johannisthal in kleinen Kreisen bald in eine Höhe von 80 bis 100 m, überflog die Umzäunung des Flugplatzes und zog gegen 7 Uhr Seite 338 _„FLUGSPORT“. No. 11 30 Minuten in ruhigem, elegantem Fluge in der Richtung nach Berlin ‚davon. Da der Wind gegen 7 Uhr abgeflaut hatte, war der Flug sehr gleichmäßig. In einer Höhe von 100 m zog der Apparat gleich einem Riesenvogel dahin. Ab und zu gebrauchte Frey das Höhensteuer und senkte sich etwas zu Boden, um sich besser orientieren zu können. Als der Aviatiker über Buckow und Britz schwebte, liefen die Menschen, die durch das Knattern des Motors auf den Flug aufmerksam geworden waren; aus den Häusern und verfolgten den Flieger so lange, als das ungewisse Licht! der Dämmerung es gestattete. Frey flog dann über Mariendorf, Tempelhof und das Tempelhofer Feld nach Berlin W. und dem Tiergarten. Dort umkreiste er die Siegessäule in einem großen Bogen und fuhr über die Königgrätzerstraße nach dem Schloßplatze, worauf er über den Süden und Südosten Berlins in direkter Richtung auf Britz und Buckow zurücksteuerte. Frey kehrte um 8 Uhr 14 Minuten nach Johannisthal zurück und landete eine Minute später vor den Schuppen. Eindecker der Deutschen Flugmaschinenbau-Geseilschaft Berlin- Rummelsburg. Die Konstruktion, dieser Maschine ist unseren Lesern bekannt. Nebenstehende Abbildung zeigt das sehr solid durchkonstruierte Fahrgestell. Eindecker der Deutschen Fiugmaschinenbau-Geseilschaft Berlin- ° Rummelsburg. In die Maschine ist ein 40 PS luftgekühlter Vierzylindermotor von Haacke-Ber- lin eingebaut. | Paul Schmidt, Magdeburg, hat eine neue Flugmaschine gebaut, mit welcher auf den Magdeburger Rennwiesen bereits Flugversuche ausgeführt worden sein sollen. Für die Schräglagensteuerung ist eine neuartige Steuerung vorgesehen. | Einen Ueberlandflug führte August Euler am 28./5. aus. Der Flug ging vom Truppenübungsplatz Darmstadt über folgende Ortschaften ' Griesheim, Weiterstadt, Groß-Gerau, Durnberg, Wallerstädten, Dornheim, Wolfskehlen, Goddel- no. 11 „FLUGSPORT“. Seite 339 au, und Eschollbrücken. Die gesamte Flugdauer betrug 1 Stunde, 18 Minuten 22 Sekunden. Euler ging gegen 7 Uhr bei ziemlich starkem Wind hoch umkreiste den Truppenübungsplatz in Höhen von 70 bis 150 m bis 7°/, Uhr verließ das Uebungsfeld und trat dann den Ueberlandflug an, der etwa 30 Minten dauerte. Die Landung er- folgte vor der Fingmaschinenhalle glatt im Gleitfluge mit abgestelltem Motor. Auf seinem Ueberlandfluge erreichte Euler Höhen von 250 m und mehr. Beim Verlassen des Truppenübungsplatzes überflog er seine Flugmaschinen- halle, sowie die Kommandatur, das Offizierskasino und den Ort Griesheim in gerader Linie sowie die Eisenbahnlinie Darmstadt-Groß-Gerau, Groß-Gerau- Gernsheim an mehreren Stellen. Die durchflogene Gesamtentfernung beträgt etwa 112 km. Der Flug ist in dem offiziellen Flug-Kontrollbuch von den Herren: Rößler, Leutnant i. Füs. Regt. v. Gersdorf v Knoblauch „» nn» ” 2] » v. Zastrow nn Yon » Graf v. Geldern Egmond „ Don » bescheinigt. Euler benutzte bei diesem Fluge seine neue Maschine mit von einander unabhängiger Höhen- Seiten- und Schräglagen-Steuerung, welche auch alle mit einem Handgriff miteinander betätigt werden können. Die Schräglagensteuerung erfolgt durch von den Haupttragflächen unab- hängigen Flügeln. Die inneren Seitenstabilisierungswände sind in Fortfall gekommen, die ganze Maschine ist bedeutend kleiner und niedriger als die bis- herige Maschine.’ Dorner hat seinen Eindecker umgebaut und zwar hat er anstatt der einen schwachen Bambusstange unten eine starke Kufe angebracht, die vorne hochge- bogen ist. Von hier gehen zwei starke Stahlrohre nach hinten, auf denen der 4zyl. wassergekühlte Schwager-(Berlin)-Motor montiert ist, der 16 PS liefert- Nach hinten ist die Kufe durch Holzstreben in Dreiecksform versteift. Höhen- und Seitensteuerung hinten in bekannter Weise. Vordere Tragfläche verwindbar. Der Apparat, der übrigens für zwei Personen gebaut ist, macht einen sehr stabilen Eindruck. Er hat bereits durch gelungene Flüge auf dem Flugplatz Johannisthal Proben seiner Leistungsfähigkeit abgelegt, wobei vor allem sein großes Schwebevermögen bei abgestelltem Motor auffiel. Steinbeck, welcher für die Lübecker Flugveranstaltung engagiert war, stürzte am 23. Mai mit seinem Grade-Apparat nach einem Aufprall an einem Pfahl ab. Die Maschine wurde schwer beschädigt. Steinbeck blieb unverletzt. Auf dem Flugfeld „Mars“ hat das günstige Wetter der letzten Wochen .das Fliegerleben zu reger Entfaltung gebracht. Die Grade’sche Fabrik hat bereits 4 Apparate abgeliefert und 6 weitere werden in den nächsten Tagen folgen. Kürzlich konnte man 5 Apparate auf dem Fiugfelde nebeneinander, fertig zur Erprobung, stehen sehen. Täglich frühmorgens und abends kann man die Uebungen der verschiedenen Schüler beobachten, die gewöhnlich, ehe sie noch größere Leistungen vollbracht haben, davoneilen. um ihre eingegangenen Ver- pflichtungen erfüllen zu können. Gegenwärtig zeigen aber die Herren Dr. Lissauer, München und Meybaum, Riga, daß sie es in der Beherrschung des Apparates bereits sehr weit gebracht haben. Vor einigen Tagen zeigte übrigens Grade auch auf seinem ältesten Apparat, auf dem er auch den Lanzpreis gewonnen hat, daß der kleine Apparat ohne Weiteres auch zur Mitnahme von Passagieren ge- Seite 340 eignet ist. Verschiedene Herren bis zum Gewicht von mehr als 80 kg hob der Apparat anstandslos in die Luft. Mit einer leichteren Person erreicht er auch größere Höhen. In kurzem wird die Grade'sche Fabrik außer dem bisherigen Modelt noch ein kleineres und ein größeres herausbringen. Die gegenwärtig auf dem Flugfeld „Mars“ vorhandenen 7 Schuppen sind vollbesetzt. Die Insassen haben die allerersten Ucbungen hinter sich und man wird voraussichtlich in den "nächsten Tagen von den ersten größeren Flügen einzelner hören. 2 weitere Schuppen sind im Bau. Ausland. Flugmaschine von John Moisant. Erfreulicherweise finden sich, wenn auch vereinzelt, Flugmaschinen-Konstrukteure, welche nicht an der üblich ge- wordenen Bauweise festhalten, sondern versuchen, auf anderem Wege unter neuen Gesichtspunkten Maschinen zu konstruieren. Einen eigenartigen Typ hat John Moisant, welcher unseren Lesern bereits bekannt ist, wieder herausgebracht, Diese Maschine, die vollständig aus Metall hergestellt ist, besitzt eine Spannweite von nur 5,5 m und eine Gesamtlänge von 9m. Das Tragflächenareal beträgt 22 qm. Zum Betriebe dient ein 50 PS Gnom-Motor mit einer dreiflüge- ligen Holzschraube. Der Rumpf mit dem Führersitz, ist nach vorn als Benzin- Flugmaschine Moisant, (Vorder- und Rückansicht). reservoir ausgebildet, an welchem der Gnom-Motor montiert ist. Der Apparat besitzt vorn ein Höhensteuer und gleichzeitig ein Höhensteuer im Schwanz. Das „Flugsport“, Organ der 4000 ar ein Free urn, Bi „Flugsport“, Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine 1910. Tafel IV. Flugmaschine Sommer. Z. moderner Fliegerbau von Civ.-Ing. Ursinus. No. 11 „FLUGSPORT“. Seite 341 Seitensteuer befindet sich unter dem Schwanz. (Siehe die nebenstehenden Ab- bildungen). Der Apparat ist ein Doppeldecker. Das untere Tragdeck, welches am Rumpf befestigt ist, besitzt nur 2 m Spannweite. Das obere. Tragdeck, voll- ständig aus Aluminium hergestellt, zeigt eine eigenartige Profilierung in der Längsrichtung und 8 Querwänden zur Erhöhung der seitlichen Stabilität. Durch die wellenförmige Gestaltung des Tragdecks in Verbindung mit den Querwänden ist eine gitterträgerartige Konstruktion geschaffen, die das Tragdeck äußerst widerstandsfähig macht und weitere Verspannungen erübrigt. Man darf auf die Erfoige mit dieser Maschine, welche einen vol'ständig neuen Typ darstellt, sehr gespannt sein. Eindecker von Victor Fumat. Diese Maschine hat 16 qm Tragfläche bei 8 m Spannweite. Die Gesamtlänge beträgt 8 m. Zum Betriebe dient eih 25 PS Anzani-Motor. Die Konstruktion geht aus beistehender Abbildung hervor. Eindecker von Victor Fumat. Einen Höhenflug von 1463 m führte Paulhan am 26. 5. in Verona aus. Paulhan hat mit diesem Fluge seinen eigenen Höhenweltrekord vom 12. Januar 1910, den er in Los Angeles mit 1269,70 Meter aufstellte, geschlagen. Vorher stand der Rekord auf 1050 Metern und war von Hubert Latham (Antoinette) am 7. Januar 1910 in Chalons aufgestellt worden. Die Höhe wurde mit plombiertem registrierendem Barometer gemessen. Clenn H. Curtiß flog am 29. Mai von Albany nach New-York. Er durch- ..flog die 137 engl. Meilen lange Strecke in 2 Stunden 25 Minuten" Curtiß hat hiermit den Preis der „New-York World“ gewonnen. Curtiß, welcher einen be- sonders starken Motor verwendete, erreichte zeitweise eine Geschwindigkeit von 100 km. Der französische Kriegsminister Brun, der am 20. Mai in Mourmelon zahlreichen Flügen von Offizieren beiwohnte und selbst zwei Flüge als Passagier mitmachte, sprach sich in einer Unterredung sehr begeistert über die Eindrücke aus, die er dabei gewonnen hatte. General Brtun flog in einem Farmanapparat als Passagier mit. Die Maschine wurde von einem Offizier gelenkt, der Flug dauerte zehn Minuten und erreichte eine Höhe bis zu 100 Metern. Es sei ihm, erklärte der Kriegsminister, zumute gcwesen, als befände cr sich an der Tiir Seite 312 „PLVGSPORT“. No. 11 eines Kisenbahnwaggons, nur mit dem Unterschiede, daß einen keinerlci Kohlen- staub in die Augen fliege und man die ganze Gegend bequem studieren könne, sa dab die Plugmaschinen außerordentlich gute Dienste für Kundschafterzwecke leisten müßten. Er lege als Kriegsminister ganz besonderen Wert darauf, dal) recht viele Offiziere sich in der Führung von Flugapparaten ausbilden und habe zu seiner groben Zufriedenheit festgestellt, daß auf dem Flugfelde in Mourmelon nicht weniger als 30 Offiziere anwesend waren, die als Führer von Flngapparaten Aufstiege unternahmen, und dab eine große Anzahl anderer Offiziere mit großem Interesse sich den aviatischen Vorführungen widmete. Der 14 jährige Marcel Hanriot, ein Sohn des bekannten Automobilisten, führte auf dem Flugplatz von Betheny bei Chalons eine Reihe hübscher Flüge aus. Hanriot flog vom Flugplatz in ctwa 100 m Höhe über Reims hinweg, passierte den Güterbalnhof und kehrte darmn, dem Personenzug folgend, nach Betheny zurück. Prinz Carol von Rumänien unternahm am 18. Mai mit cinem Farman- Apparat mit dem Aviatiker Osmont einen Aufflug bis zu einem bei Bukarest gelegenen Dorfe nd landete auf deu militärischen Ucbungsfelde von Potroceni. Flugkonkurrenzen. ester Flugwoche. Für die Teilnaltme an dem Meeting haben sich bis et eier: Amerigo (Sommer- und Farman-Apparat), Chavez (Farman), Duray und Efimoff (Farman und Voisin), Engelhardt (Wright), Etrich „eigenes System), Frey (Sommer), Guilemna (Wright und. Farınan), Illner (Etric 0 ine (Farman), Latham (Antoinette), Leblanc ıBleriot), Moser (Hanriot), au ıan (Farman), Paul (Voisin), Piquet (Sanchez Besa), Mme. de la Roche N oisin), Rougier (Voisin), Pischof (eigenes System), Steinbeck :Grade , Wagner (Hanrio j A. Warchalowsky teigenes System), K. Warchalowsky (Farman, Werner an Pfleiderer), Wiencziers (Antoinette), Schindler (eigenes Systein) und außerdem arische Aviatiker. . noch Die‘ orarbeiten lassen erkennen, daß man die auf anderen Flugplätzen gesammelten Erfahrungen sich zu Nutzen macht. Der Nachrichtendienst ist gut organisiert. Dem Publikum wird durch Signalflaggen und Signalscheiben, über den Stand der Konkurrenzeu Aufschluß gegeben. Ob an einem Tage ge ogen wird oder nicht, das wird man an den in der ganzen Stadt verteilten wegen. masten ersehen können; ein rotes Flaggensignal bedeutet Nugrüinstiges | eiter, ein weißes Signal zweifelhaftes Wetter, ein schwarzes Signal Unterblei en er Flüge. Im letzteren Falle sind die gelösten Eintrittskarten für den nächsten Flugtag gültig. Die Signalmaste auf dem Flugplatze werden den jeweiligen Stand der Flüge durch die Kodexsignale des Internationalen Luftschiffahrt-Ver- bandes anzeigen, deren Erklärung im Programm enthalten sein wird. Die linke Seite des Signalmastes dient zur Aufnahme der Startnummer des Kon rrenten und dessen Resultat, die rechte Seite aber zur Signalisierung der Art des Fluges, der eventuellen Abstiege, des Anrufes von Mechanikern, Rettungsleufen etc. Die Presse wird durch eine große Anzahl in- und ausländischer Bericht- erstatter vertreten sein, weshalb das Arrangierungskommitee beschloß, ‚zur Er- leichteruug des Preßdienstes im Direktionsgebäude neben den Lokalitäten der Direktion, der Retter, der Polizei und der Aviatiker auch ein Post- und Tele- graphenamt zu installieren. Die Fostdirektion stimmte diesem Beschlusse des itees mit großer Bereitwilligkeit zu. . . j ent kommen die ungarischen und österreichischen Flieger auf ihre Kosten. Es wäre bedauerlich, wenn sämtliche Preise ins Ausland wanderten. m üsseler Flugmeeting. Wie uns aus Brüssel mitgeteilt wird, hat der Aero Club de Belgique s! Mitglied der Federation Aeronutique Internationale — die Absicht zu dem Flugmeeting in Brüssel nur belgische Flieger zuzulassen. Quelle Chinoiserie! \ No. 11 „FLUGSPORT“. Seite 343 Die Münchener Flugwoche, weiche vom 23. bis 26. Mai stattfand, brachte infolge der ungünstigen Witterungsverhältnisse keine allzugroßen Leistungen. Am_23. flog abends 6 Uhr 45 Baron de Caters auf einem Euler-Apparat von v. Gorrissen. Er stieg schnell bis auf 20 m Höhe und umkreiste 6 mal den Flug- platz. Hierauf flog Emil Jeannin mit seinem Farman-Doppeldecker eine Runde in einer Höhe von 5 bis 10 Metern, landete dann aber anscheinend wegen eines Motordefektes. Baron de Caters flog dann nochmals 5 Runden, worauf v. Gor- rissen selbst seinen Apparat bestieg und den. Flugplatz dreimal umkreiste. m 25. war v. Gorrissen in vorzüglicher Form. Er fülrte einen UÜeber- landflug von Puchheim nach Aubing in 7 Minuten 28 Sekunden aus. Baron de Caters vollführte einige Runden. Jeannin blieb 14 ‚ Minuten in der Luft. Von der Petersburger Flugwoche. Die vom 8, bis 16. Mai stattge- fundene Petersburger Flugwoche brachte keine besonders bemerkenswerten Re- sultate. Das Wetter war an manchen Tagen so ungünstig. daß überhaupt nicht geflogen werden konnte und die Leitung dem Publikum ı as Eintrittsgeld zurück- zahlen mußte. Die schönsten Flüge wurden am 10 und 11. Mai ausgeführt. Popoff blieb ununterbrochen I Stunde 10 Minuten und bei einem zweiten Fluge 2 Stunden 4 Minuten in der Luft, wobei er eine Höhe bis zu 454 m crreichte. Das Endresultat ist folgendes: l. Großer Preis von St. Petersburg für die Gesamtflugdauer: 1. Christiaens 5500 Rubel 4 Std. 15 M. 12 Sek., 2. Popoff 3800 Rubel 3 Std. 15 Min. 41 Sek., 3. Moran 2600 Rubel 2 Std. 46 Min. 41 Sek., 4. Edmond 1600 Rubel 1 Std. 11 Min., 56 Sek., 5. Wiencziers 1000 Rubel. H. Preis für die größte Distanz ohne Unterbrechung. 1. Popoff 3000 Rubel 2 Std. 4 Min,, 2, Christiaens 1875 Rubel 1 Std. 38 Min., 3. Edmond 750 Rubel 30 Min. 16 Sek. III. Höhenpreis des Kaiserl. Russ. Aero-Clubs: 1. Popoff 3000 Rubel und silberner Pokal, 454 m hoch, 2. Moran 1125 Rubel 191,6 m. 3. Wiencziers 375 Rubel 87 m. IV. Passagierpreis: Christiaens 1200 Rubel 5 Min. 10 Sek. V. Tägliche Preise: a) für die Gesamtzeit je 280 Rubel Christiacns 3 Preise, Popoff und Edmond je 1 Preis, b) für die Geschwindigkeit Christiaens 5 Preise, Edmond 1 Preis. Was sie gewinnen: Christiaens 10815 Rubel Popoff 10080 ,„ und silberner Pokal Moran 4850 Edmond 2850 Wiencziers 1375 Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. 77h. E. 14200. Steuerungseinrichtung für Flu zeuge. Robert Esnault- Selterie, Billancourt, Seine, Frankr.; Vertr.: M. Mintz, Pat.-Anw., Berlin SW. 11. 7’h A 16487. Vorrichtung zur Uebung im Kunstflug und zur Erprobung von Flugapparaten. Dr. Richard lexander-Katz, Berlin, Kleiststr. 8, 7. 12. 08 77h. C. 17611. Propellerantrieb. Bertram George Cooper, Surbiton, Engl.; Vertr.: Goldberg, Pat.-Anw., Berlin SW. 68. 5. 2. 00. 4 7Th. H 42087. Drachenflieger. Karl Hipssich, Bremen, Bollmannstr. 5, . 11.07, 7Th. D. 52762. Aufhängung für die Tragräder von Luftfahrzeugen. Louis Bl£riot, Neuilly, Frankr.; Vertr.: A. Elliot, Pat.-Anw., Berlin SW. 48. 13, 1. 69. Patenterteilungen. th, 222674. Drachenflieger mit verwindbarer Tragfläche. Robert Esnault- Felterie, Billancourt, Frkr.; Vertr.: M. Mintz, Pat.-Anw., Berlin SW. 11. on, 12, 08. .. 14 199. ---— — —Handgriffe -um ihre Längsachse, d. h. um die Seite 344 „FLUGSPORT“. No. 11 7Th. 222868. Schraubenflieger. Emil Neyen, Berlin, Schlegelstr. 12. 5. 11. 07. N. 9406. Gebrauchsmuster. 7Th, 419620. Schwingenflieger. Richard Knopp, Breslau, Brigittental 1. 11. 4. 10. K. 43 275. 77h. 419624. Aus winkelförmig gepreßten Blechstreifen bestehender Träger. Rudolf Chillingworth, Nürnberg, Walzwerkstr. 69. 13 4. 10. C. 7773. 7Th. 419866. Tragrohr für Flugmaschinen, aus mehreren schraubenförmig aufgewundenen Furnierstreifen. Wilhelm Philipp Enders, Nürnberg, Landgrabenstr.97. 15. 4. 10. E. 14123, 7rh. 419867. Gabelstück für Eindecker-Flugmaschinen, aus quer ver- leimten Holzschichten. Wilhelm Philipp Enders, Nürnberg, Landgrabenstr. 97. 15. 4. 10. E. 14124. , 7Th. 420107. Gekreuztes Höhen- und Seitensteuer für Luftfahrzeuge. Cezary Lubkowski, Posen, Bismarckstr. 5. 6. 4. 10. L.23991. . 420406. Schutzvorrichtung für Luftfahrzeuge. L. A. Hermann, Ham- burg, Papenhuderstr. 16. 16. 10, 09. . 43 390. A DRAU 420828. Flugmaschine. Hans Arl, Berlin, Bergmannstr. 102. 9.4.10, 77h. 420875. Als Eindecker, wie auch als Doppeldecker benutzbarer Gleitflieger mit nach oben zusammenklappbaren Gleitflächen und schwenkbar gelagertem Motor. Franz Egle, Oppenheim a. Rh. 21. 4. 10. E. 14151. 77h. 420934. Flügel für Flügel-Flugmaschinen. Heinrich Hippe, Frank- furt a. M., Wielandstr. 55. 26. 8. 09. H. 42774. Flugmaschine mit Schlagflügeln, deren Enden um die Längsachsen verdrehbar sind.*) Die Erfindung bezieht sich auf einen Flägelflieger, bei welchem die Flügel- flächen willkürlich verstellbar sind, und besteht darin, daß die Flügelenden durch die drehbare Mittelrippe gegenüber den inneren Flächenteilen windschief ver- dreht werden können. Diese Einrichtung ergibt einen Vorteil beim Flügelschlag, wobei der innere Teil der Flügel als Tragfläche wirkt. Die Abwärtsbewegung der Flügel wird durch Treten auf eine Trittstange, die Aufwärtsbewegung durch den auf die Flügel von unten wirkenden Luftdruck bewirkt. In den Zeichnungen zeigt Abb. 1 eine Vorderansicht des Flügelfliegers, Abb. 2 eine Seitenansicht und Abb. 3_ eine Oberansicht desselben. Der Luftfahrer sitzt während des Fluges auf einem Sattel z (Abb. 2), der auf der Mittelrippg der Schwanzfläche s angebracht ist. Die Mittelrippe des Schwanzes s ist mit dem übrigen Gestell durch die horizontale Achse c drehbar verbunden; die Achse c hat eine solche Lage, daß sie in Abb. 2 senkrecht zu der Ebene des Papiers dargestellt werden mub. Das Lager y. der Achse c (Abb. 1) ist an einer Stange q befestigt, die von. dem Gestell i getragen wird, in dem eine Stange t auf- und abwärts bewegt wird. Die Stange t dient als Trittstange für den Luftfahrer und ist in Gelenken an den Stangen n aufgehängt, die mit den Stangen h durch Gelenke verbunden sind, welche ihrerseits in den Achsen x an dem Gestell i drehbar befestigt sind. Die Mittelrippen f der Flügel, welche Handgriffe g tragen, sind durch diese Starfgen h befestigt sind. Die Stangen h besitzen Träger u, an dem die Stangen r befestigt sind. Die Flügelflächen werden gebildet durch einen Stoffüberzug e, der zwischen den Stangen r und d aufgespannt ist. Die Querleiste d ist mit der Mittelrippe f fest verbunden. Wenn nun die Mittelrippe f gedreht wird, so dreht sich auch die Quer- leiste d, nicht aber die Stange r, so daß dann die Flügelfläche in eine windschiefe Lage gebracht wird. Beim Fıuge sollen die Federn w dem Luftdruck, der auf die Flügel von unten wirkt, annähernd etwa das Gleichgewicht halten. Die windschiet einge- *, D. R. P. Nr. 222136. Dr. U. von Reden in Straßburg i. Els. chsen a drehbar, die _an .den _. No. 11 „FLUGSPORT“ Seite 345 stellte Flügelspi i i Se ba ehitze soll einen Antrieb nach vorn hervorrufen, wenn der Flügel Die Aufwärtsbewegung der Flügelspi ögli 4 k Klügelspitzen soll dadurch er lich dad man sg Jügelspitzen „indschich, aber so wie die Fläche eines Dan , ind unter dieselbe faßt, wobei, damit sich die Flügelspi schneiler heben als die mittleren Teile der Flügelflä i indschiefen . \ ügelflächen, bei der dschi Aigllung erstere steiler egen den Wind gestellt sind, als letztere. Während der nunwärts ewegung der lügelspitzen müssen dieselben also eine andere Lage haben als während der Abwärtsbewegung, und zwar während der Aufwärts- Stellung Since Drellung a mzachentläche, während der Abwärtsbewegung die 1 5 schraubenflügels, der sich im Zustande der Abwärtsb befindet. Während der Aufwärtsbew d ü jitzen müssen aloe as vorderen Teile derselben höher als die hint en een zen nissen also, die 4 eren liegen, während d ärts- (sayeelng im allgemeinen umgekehrt, die, vorderen“ niedriger als die mans at gleic er Höhe, wobei aber nur eine Aufwärtsbewegung des Luftfahrers werden kann, nicht gleichzeitig eine Vorwärtsbewegung). ana nanenennn Aotnen ne " r f} id Abb. ı fe F = „ f all r L. Fu c 7 r4 — Abb. 2 8... Abb. 3 "ck ? TUTTTSnger nn... Diese Stellung der Flügelspitzen wird durch die Ha i | h ndgriff dargestellt der ist noch ein ais weitere Tragfläche dienender Schirn m nenktiert Sarpesteilt, d en angen | gehalten wird, die an dem Gestell i er Schirm m ist in Abb. 2 und 3 fort elassen Die dem Luftfahrer zunächst gelegenen Teile der Fiü ä i u ügelfl Schirm m dienen als Tragfläche und würden bei horizontalem Elan eine a ver ernd horizontale Lage einnehmen müssen. i ne anne ieselben miissen aber auch durch Drehen des ganzen Gestelles i i Lager c durch Vor- oder Zurückschieben der Trittstange t verstellbar sein de Seite 346 „FLVUGSPORT“. No. 11 nachdem eine sofortige Auf- oder Abwärtsbewegung während des Fluges erzielt werden soll. In Abb.2 ist noch eine vertikale, an dem Schwanz s angebrachte Fläche p pumktiert dargestellt, die den Zweck hat, die Innehaltung der Richtung der Vor- wärtsbewegung zu erleichtern. Patent-Ansprüche. 1. Flugmaschine mit Schlagflügeln, deren Enden um die Längsachsen ver- drelibar sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Flügelenden (d) durch die drehbar gelagerte Mittelrippe (f) verstellt werden können, während die inneren Teile der Flügel, sowie die Tragfläche (m) durch Drehen des ganzen Gestelles um die Lager (c) vermittels Vor- und Zurückschiebens der Trittstange (t) zum Sitz des Fahrers beliebig eingestellt werden können. 2. Flugmaschine nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dal die Flügel mit dem Gestell durch Federn (w) verbunden sind, welche die Flügel nach unten zu ziehen suchen. Flügelflieger mit um die Längsachsen drehbaren Flügelenden.*) Die Erfindung bezieht sich auf einen Flugapparat nach Patent 222 136 und besteht darin, daß zwischen Stangen, die mit den Flügeln verbunden sind, Federn gespannt sind, und zwar so, daß durch Treten auf die Federn die Flüzei nach unten geschlagen werden. KRRENIRTUNIIIUINÄUUUÜUÜ Abb. 1 ? ——t Abb. 2 = = b N A Abb. 3 — > Rs \4petnar- au — \twW tr Abb. 4 Die Erfindung ist in den Abb. 1, 2 und 3 dargestellt. Die Federn w (z.B. aus starken Gummibändern bestehend) sind zwischen den beiden, um de Achsen x drehbaren Stangen | aufgespannt, die in der tiefsten Stellung (Abb. 3) an das Gestell i anstoßen, also nicht weiter zusammengezogen werden können. Die Kraft dieser Federn w wird durch die Stangen oder Seile 6 auf die Flügelstangen f übertragen. Die Federn w können gleichzeitig zur Uebertragung der Kraft der Beinmuskeln des Fliegenden dienen, wenn derselbe seine Füße auf die Mitte derselben drückt. Da nunmehr eine besondere Trittstange unnötig wird, so entsteht hierdurch eine Vereinfachung und Gewichtsverminderung des Flugapparates. *), D.R. P. Nr. 282 137. Dr. U. von Reden, Straßburg i. Els No. 11 FLVBGSPORT“. Seile 317 Patent-Anspruch. Flügelflieger mit um die Längsachse drehbaren Flügelenden nach Patent 222 136, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den Endpunkten der um die Flügel- drehpunkte (x) drehbaren, mit den Flügeln verbundenen und in der untersten Flügelstellung an das Gestell (i) anstoßenden Stangen (}} Federn (w) gespanuf sind, die gleichzeitig als Trittbrett für die Füße dienen. " Verschiedenes. Henry Farmaun hat, bevor cr sich naclı Budapest verpflichtete, eine Garanticsumme von 50000 Mark, welche in Paris hinterlegt wırrde, verlangt. Farcot hat einen neuen Rotations-Zweitakt-Motor herausgebracht. Der Motor besitzt nur zwei Zylinder und leistet 28 PS. Wic die nebenstehenden Abbildungen zeigen, ist der Motor in seirer Ausführung äußerst einfach. Durch Kl Dr Der neue Farcot-Rotationsmotor. Lösen von 10 Schrauben können beide Zylinder abgenommen und die Kurbel- welle vollständig freigelegt werden. Seite 348 „FLUGSPORT“. No. 11 Von der neuen Luftverkehrsordnung. Die internationale Konferenz für Luftschiffahrt, die nun in Paris zusammengetreten ist, um eine internationale Gesetzgebung vorzubereiten, hat ihre Arbeit aufgenommen. Von besonderem Interesse ist der Standpunkt, den die französische Regierung in den Beratungen eingenommen hat, und die Vorschläge, die sie den versammelten Vertretern der fremden Staaten unterbreitete. . Die französiche Regierung unterscheidet zwei Arten von Luftfahr- zeugen, diejenigen, die Polizeizwecken und militärischen Auf- gaben dienen, und die Privatluftschiffe. Jedes Luftschiff nimmt die Nationalität seines Eigentümers an. Kein Fahrzeug darf Flüge unternehmen, ohneeinen Erlaubnisschein, der die Nationalität und die wichtigeren Einzelheiten des Schiffes feststellt, Ueber die Bedingungen, unter denen die Erlaubnis erteilt wird, werden die einzelnen Staaten Verfügungen erlassen, die dann auch in allen anderen Staaten wirken. Die Ortsbehörden werden verpflichtet, an der Ausführung dieser Bestimmungen mitzuarbeiten; sie haben auch das Recht, die Luftschiffe zu inspizieren und die Zurückziehung der Erlaubnis zu veranlassen, wenn das Fahrzeug nicht in Ordnung ist. Alte Luftschiffe werden in besondereListen eingetragen, die die Staaten untereinander austauschen. Jedes Luftschiff muß ein deutlich erkenn- bares Zeichen tragen, an dem man sofort die Nationalität erkennt; außerdem erhält es eine Nummer. Die Erlaubnisscheine, die die Luftpiloten in ihrem Heimatsstaate erhalten haben, sollen auchindenanderen Staaten Gültigkeit haben. Die Luftschiffer werden verpflichtet, ihre Absicht, zu landen, vorher durch besondere Signale anzukündigen; die Festsetzung dieser Signale wird noch geregelt. Jeder Staat hat das Recht, über gewissen Gebieten seines Landes die Luftschiffahrt zu verbieten, vorausgesetzt, daß diese Stellen durch deutlich sichtbare Zeichen für die Luft- schiffer kenntlich gemacht sind. Die Luftschiffer, die bei ihren Flügen die Grenze kreuzen und in ein anderes Land kommen, werden verpflichtet, sofort nach der Landung die nächste Ortsbehörde zu verständigen. die danrı die Papiere prüft und die Pässe mit einem Visum versieht. Mißglückte Budapester Schauflüge. Eine neue Budapester Zeitung suchte das Interesse für die Flugtechnik als Reklame durch eine Flugveranstal- tung auszubeuten. Graf Montigny, welcher einen Bieriot-Eindecker benutzte, stürzte am 29. Mai mehrmals ab. Die Zuschauermenge betrug ca. 75,000. Gewiß ein Beweis für das große Interesse, das man in Budapest der Fiugtechnik entgegenbringt. Die Flugtechnik auf der Internatialen Ausstellung für Sport und Spiel in Frankfurt a. M. Die große Bedeutung, welche die Flugtechnik auf dem Gebiete des Sports gewonnen hat, brachte es mit sich, daß trotz der im Vor- jahre stattgefundenen Luftschiffahrts-Ausstellung, die Flugtechnik, wenn auch in geringem Maße, auf dieser Ausstellung wieder vertreten ist. Zu nennen ist zunächst die französische Firma Chauviere, welche in Frankfurt a. M. eine Filial- fabrik errichtet hat, die ihre Erzeugnisse von Weltruf, ihre Schraube „Integrale“ in mehreren Exemplaren ausgestellt hat. ‚Weiter hat die Fachschule für Flugtechnik, Mainz, einen Flugapparat, und zwar ähnlich der Farman-Apparate, ausgestellt. Diese Flugmaschine, die mehr als Lehrflugapparat dient, ist als Ausstellungsobjekt sauber ausgeführt. Besonderes Interesse erregt noch ein Motorschlitten mit einer hinten liegenden Luftschraube. Briefkasten. G. Gr. K. Ein Farman-Apparat ohne Motor kostet Fres. 13000.—, mit einem 50 PS. Gnommotor Frcs. 28000. Wegen des Sommer-Apparates wollen Sie sich an Roger Sommer, in Mouzon (Ardennes) wenden. Nach vorheriger Anzahlung erfolgt meistenteils die Ausbildung des Käufers auf der gekauften Maschine unentgeltlich. I Wegen der Euler-Flugmaschine wollen Sie sich an die Firma August Euler, Frankfurt a. M. wenden. Die Ausbildung erfolgt auf dem Euler-Flugplatz beim Ankauf der Maschine gleichfalls kostenlos. No. 11 „FLUGSPORT“. Seite 349 F. Hannover. Voisin verwendet, wenn nicht;janderes bestellt, Metall- Schrauben. Die Nabe ist aus Stahlguß. Die Details finden sie in untenstehender Abbildung. Pa Abonnent K. M. H. Der Grade-Flieger hat 29 qm Tragfläche incl. Schwanzfläche. Sein Gewicht ohne Motor beträgt 125 kg. Der Zweitaktmotor leistet 24 PS. Literatur. Vogelflug und Flugmaschinen. Darstellung und Kritik der Erfindung des Kraftfluges durch Natur und Technik von Dr. Oskar. Prochnow mit 36 Ab- bildungen. Preis 1 Mark geheftet, Mk. 1.60 eleg. gebunden. Verlag von Theod. Thomas, Leipzig. Vertasser -führt-uns im- ersten Teil in deutlicher, leicht verständlicher Weise die von der Natur geschaffenen Einrichtungen der Pflanzen und Tiere zum Flug und Gleitflug vor, um uns dann im zweiten Teil zu zeigen, wie weit wir uns bei dem Bau von Flugmaschinen an diesen Vorbildern halten können und oftmals es sogar umgekehrt machen müssen, Zunächst finden wir Erklärungen der Fallschirmwirkung bei einigen Samen, sowie iiber den Gleitflug des Bignonia- und Zanoniasamens. Weiter ist der Bau der Flügel von Vögel und Insekten, die Art des Fluges und seine Wirkungsweise genau ausgeführt. Der zweite Teil: Die Lösungen des Flugproblems durch die Technik dürfte aber den Praktiker weit mehr interessieren, da ihm durch genaues Studium desselben mancher Geld- und zeitraubende Versuch erspart bleiben dürfte. Die Pionierarbeit Lilienthals, und Brüder Wright, der Voisin usw,, ist einer ein- Seite 350 „FLUGSPORT'. No. 11 gehenden Betrachtung und Kritik unterworfen, wobei besonders die Abweichungen der Apparate von den Vorbildern der Natur hervorgehoben sind. Eine kurze Erläuterung der hauptsächlichsten Flugmaschinen und ihrer Er- folge bildet den Schluß dieses hochinteressanten Werkchens, das allen Laien sowie Fachleuten nur empfohlen werden kann. Die Kunst zu fliegen, ihre Anfänge — ihre Entwicklung. Von F. Ferber +, Hauptmann der Artillerie. Berechtigte Uebersetzung mit Nachträgen von Gymasialoberlehrer A. Schöning. 215 Seiten mit 108 Abbildungen. (Bibliothek für Luftschiffahrt und Flugtechnik Bd. 4) Berlin 1910. Richard Carl Schmidt & Co., W. 62 Kleiststraße 6. Preis in eleg. Originalleinen. Band Mk. 5.— Neben den Gebrüder Wright war wohl untreitig Hauptmann Ferber der bedeutendste unter den Schülern Lilienthals in der Erforschung der für die Flug- technik gültigen Gesetze. War er doch der erste Mann in Frankreich, der die Versuche des großen Meisters zu würdigen wußte. Unermüdlich setzte er seine Forschungen und Versuche ‘ort, bis er im vergangenen Herbst durch einen bedauernswerten Unfall seinen Tod fand. In dem vorliegenden Buche „Die Kunst zu fliegen“ führt er uns außer seinen eigenen Versuchen und Beobachtungen an Hand vieler Abbildungen und Skizzen alle bisherigen Versuche und Erfolge auf dem Gebiete der Flugtechnik vor Augen. . Um jedoch in dem Buche eine vollständige Uebersicht über die Erreig- nisse bis in die letzte Zeit zu geben, hat der deutsche Bearbeiter den letzten Teil im Sinne des Verfassers weitergeführt. Bedauerlicher Weise ist der mathematische Teil in dieser Uebersetzung weggelassen worden. Letzte Nachrichten. Flieger Aladar Zselyi. Budapest, dessen Apparat wir in Nr. 6 des „Flug- sport“ beschrieben -- wie nebenstehende Abbildung zeigt ein Eindecker -- hatte in den letzten Tagen sehr gute Erfolge. Am 27 Mai vormittags versuchte Zselyi einige kürzere Flüge, wurde aber von dem auf dem Fiugplatze noch immer übenden Militär fortwährend behindert. Abends },7 Uhr machte er einen weiteren Versuch. Der Motor funktionierte bei der vorangehenden Probe vortrefflich und als die Schraube angedreht wurde, erhob sich der Apparat zur allgemeinen Eindecker Zselyi. Ueberraschung nach kaum 30 Metern Anlauf. Der Aviatiker stieg in einem schiefen Winkel aufwärts und erreichte eine Höhe von etwa 20--30 Metern, in welcher er den Flugplatz, der an der Pilonlinie 3333 Meter, an der ätberen Linie aber 5000 Meter mißt, dreimal umkreiste. Zselyi ist somit offiziell 10 Kilo- No. 11 „FLUGSPORT'. Seite 351 meter, tatsächlich aber mindestens 14 Kilometer geflogen. Die Zeitdauer des Fluges betrug 13 Minuten 3] Sekunden. Nach dem Abstieg wurde der erste erfolgreiche ungarische Pilot von dem förmlich in Ekstase befindlichen Publikum mit lebhaften Ovationen überhäuft und zu seinem Hangar geleitet. Es mußte Polizei dazwischentreten, um zu verhindern, daß die Zuschauer den Flugschuppen stürmen. Am 28. Mai bewarb sich Zselyi um den Preis des Grafen Emerich Kärolyi. Zselyi startete zuerst um 6 Uhr 21 Minuten‘ 48 Sekunden und flog bis 6 Uhr 25:34, also 3 Minuten 46 Sekunden. Die zurückgelegte Distanz betrug 4000 Meter, die Höhe des Fluges 15-20 Meter. Mit diesem Fluge gewann Zselyi den ersten Kärolyi-Preis, der für einen Flug von 500 Metern in 10 Meter Höhe ausgeschrieben . war. Zselyi versuchte hierauf auch den zweiten Kärolyi-Preis zu gewinnen, doch blieb er während des zweiten Fluges bloß drei Minuten lang in der Luft und absolvierte nur eine Bahnrunde (3333 Meter), da der stoßweise Wind einen er- folgreichen Flug unmöglich machte. Nach den bisherigen Resultaten zu urteilen hat Zselyi die erste Anwart- schaft auf die nationalen Preise des Budapester Meetings. Hoffentlich muß der Flieger nicht vorzeitig durch einen Unfall oder Zertrümmern seines Apparates vom Wettbewerb ausscheiden. Er wird sicher große Gewinnchancen haben. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1522. Offizielle Sr | Mitteilungen des rankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. | Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2, „ Dipt.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. N INES BEL Kassierer: ! berleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. ‚Beisitzer: Ing. . öninger und Pega. Am 27. Mai fand im Savoy-Hotel die XI. Vereins-Versammlung_ statt. Nach Genehmigung des Protokolls der letzten Vereinsversammlung berichtete der Vorsitzende Schubbert über die Arbeiten des Flieger-Bundes. . Zu Punkt II der Tagesordnung „Erhöhung des Mitgliedsbeitrages“ wird nach Begründung dieses Antrages einstimmig beschlossen, den Mitgliedsbeitrag auf das Doppelte, 24 Mark pro Jahr, zu erhöhen. Infolge Wegzuges des Mitgliedes Baumeister Haller von Frankfurt a. M., wird Ingenieur Böninger als Beisitzer gewählt. Weiter wird einstimmig beschlossen, daß sämtlichen Mitgliedern das Vereinsorgan kostenlos zugestellt wird. Seite 352 „FLUGSPORT“. No. 11 Auf Veranlassung von Ingenieur Ursinus wird die viel umstrittene Frage über die Verschiedenheit der Verhältnisse „Ob man eine Fläche gegen Luft oder Luft gegen eine Fläche bewegt“ besprochen. Nach einigen Aufklärungen, welche Ursinus über diese Frage gibt, tritt in der anschließenden Diskussion, an welcher sich hauptsächlich Ingenieur Böninger beteiligt, die Meinung zu Tage, daß die Verhältnisse in beiden Fällen doch recht verschiedene sein sollen und daß es bedauerlich ist, daß man diesen Umstand bei Versuchen noch zu weng erkannt und ihm nicht Rechnung getragen habe. Eine weitere selır interessante Frage, der Unterschied zwischen Luftschraube und einem Ventilator, welchen verschiedene Fiugtechniker noch nicht kennen, wird gleichfalls lebhaft diskutiert. . L . . Zum Schluß gibt Ingenieur Krastel noch interessante Streiflichter über seine Erfahrungen und Empfindungen beim Fliegenlernen. . Der Vorsitzende dankt den an der Diskussion beteiligten Herren für ihre interessanten Ausführungen und schließt um 11 Uhr die Sitzung. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter „ Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1522. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holten. Vorstand: \ 1. Vorsitzender: A. Breuer, Wasserwerksdirekt.‚ Oberhausen 1 2.. » Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. 4 Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen, Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten. 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten. Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. . „ Redakteur Huhn,- Oberhausen. ek Geschäftsführer des Vereins ist Redakteur Rudolf Huhn zu Oberhausen; an diesen sind ausnahmslos alle Sendungen zu richten. Die Einweihungsfeier des vom Westdeutschen Verein für Flugsegler (e. V.) — Gleit- und Motorflug — (Sitz Oberhausen) im Holtener Bruch errichteten Abflugturmes für Gleitflieger fand am 23. Mai, nachmittags 5 Uhr, in Anwesenheit der Vertreter der Behörden und zahlreicher Mitglieder und Freunde des Flugsports statt. Ferner waren mehrere Fiugsegler aus der näheren und weiteren Umgebung erschienen, darınter Jatho-Hannover, der auf dem im Juli stattfindenden ersten Fliegen hier starten wird. Das Fluggelände ist im Umkreis 8 Kilometer groß und vollkommen eben. Der neuerbaute Abflugturm für Gleitflieger ist 9,5 m hoch und besitzt eine 23 m lange Ablaufbahn, welche oben an der 5 nı großen Plattform in einer Breite von 4 m beginnt und mit 8 m No. 11 „FLUGSPORT“. Seite 353 Breite ausläuft. Diese Ablaufbahn ruht, mit Rädern versehen, auf einer 140 m großen Zement-Rundbahn und ist völlig um das Turmgestell drehbar, also nach jeder Windrichtung leicht einzustellen. Die 5 m große Plattform des Turmes ist durch Ausbau auf 9 m erbreitert worden, um eine Anlaufbahn mit Fallgewicht für Doppelgleitflieger zu schaffen; unten ist im Turmgestell eine Werkstatt ein- gebaut. Dank dem Entgegenkommen der Gemeinde Holten und der Gutehoff- nungshütte war es dem Flugseglerverein vergönnt, gegenüber der Wirtschaft Scherrer in der Bahnstraße ein ideales Fluggelände in verhältnismäßig kurzer Zeit für den Flugsport herzurichten. Herr Architekt Schnarre-Holten hatte den ehrenvollen Auftrag erhalten, die Bauten des Flugturmes und der Fliegerhalle auszuführen und zu vollenden. Die Einweihungsfeier begann kurz nach 5 Uhr mit einem Festmarsch der Hüttenkapelle. Hierauf überreichte Herr Architekt Schnarre mit einer kleinen Ansprache den Schlüssel zum Flugturm dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Wasserwerksdirektor Breuer-Oberhausen. Derselbe dankte dem Vorredner zu- nächst dafür, daß er als sachverständiges Mitglied des Vereins es übernommen hat, die Konstruktion des Turmes, die eine ganz originelle sei und die Ausführung desselben, die ganz vorzüglich geraten wäre, zu übernehmen. Redner hofft, daB Herr Schnarre seine Unterstützung dem Verein auch für die Folge gewähren werde. Ferner dankte Redner den Herren Matten und Beer, welche dem jungen Verein in pekuniärer Weise entgegengekommen sind und ihn unterstützt haben. Wenn man bedenkt, daß der Verein erst im Herbst v. J. gegründet wurde, und zwar mit einer geringen Mitgliederzahl, und daß die Mittel recht schwach waren, so sei er herechtigt, mit Stolz auf den heutigen Tag zurückzublicken. Dann gab Redner ein Bild von der Entwicklung und Tätigkeit des Vereins. In der letzten Zeit hat der Verein einen tüchtigen Zuwachs an Mitgliedern konstatieren können. Alle Behörden sind dem Verein wohlgesinnt und wollen ihm ihre Unterstützung zuteil werden lassen. Durch den Flugturm sind die Gleitflieger in der Lage, hier ihre Uebungen machen zu können. Ferner ist ein Fliegerschuppen betriebsfähig und es sind noch zwei Fliegerschuppen, eine Zuschauwertribüne, ein Wirtschafts- zelt usw. zu errichten. Auch für Motorflieger sollen praktische Abflugeinrich- tungen geschaffen werden. Leider sei der Wind heute so stark, bemerkte Redner, daß mehrere Apparate, die dem Verein zur Verfügung stehen, nicht auffliegen könnten, sonst hätten die Anwesenden die Freude gehabt, den praktischen Teil des Flugseglersports kennen zu lernen. Zum Schluß bat er den Bürgermeister Dr. zur Nieden- terkrade, die Gebäulichkeiten in’ seine Obhut und in seinen Schutz gütigst übernehmen zu wollen. Herr Bürgermeister Dr. zur Nieden hieß hierauf im Namen der politischen Gemeinden Sterkrade und Holten die anwesen- den Mitglieder des Westdeutschen Flugsegler-Vereins herzlich willkommen und sagte dem Herrn Direktor Breuer für seine Worte besten Dank. Er erklärte sich dann im Namen der Holtener Gemeindevertretung bereit, den Flugturm in - Schutz und Obhut der Gemeindeverwaltung zu übernehmen. Dem jungen Verein wünschte er ein ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. Der nachfolgende Redner, der Geschäftsführer des Vereins, Herr Redakteur Huhn-Oberhausen, bemerkte in seiner Rede, daß der Verein zurzeit 400 Mitglieder zählt und sich noch vergrößern wird. Er brachte in poetischen Worten Gedanken der großen Dichter zum Ausdruck, die die Hingabe an das Schöne und Edle mit Begeisterung singen, Worte des Ansporns für die Mitglieder zu eifriger Werbe- tätigkeit für den Verein und die auch nach dem Verklingen des heutigen Tages segenbringend fortwirken werden. Denn sein Wunsch war, es möge der heutige Tag weiter zu ungeahnten Erfolgen für den Verein sowohl wie für die Flug- technik zum Segen des deutschen Vaterlandes führen. Hiermit war der Festakt am Flugturm beendet; -worauf eine Besichtigung des letzteren durch die Fest- gäste folgte. Unter Vorantritt der Hüttenkapelle begaben sich darauf die Teilnehmer zum Lokale des Mitgliedes Fritz Nohlen, wo ein obligates Festessen stattfand. Im Verlaufe desselben brachte Herr Amtsgerichtsrat Wilms-Oberhausen den Kaisertoast aus. Ferner kamen eine Anzahl Telegramme und Schreiben zur Ver- lesung, u a. von Landrat v. Wülfing-Dinstaken, Oberbürgermeister Havensiein- Oberhausen, Kommerzienrat Reusch-Öberhausen, Beigeordneten Sigloch-Hamborn, vom Frankfurter Flugsport-Club, v. Parseval aus Charlottenburg. Die Genannten dankten herzlich dem Verein für die Einladung und baten, ihre Abwesenheit mit ihrer dienstlichen Inanspruchnahme zu entschuldigen. Seite 354 „FLUGSPORT“ _No. u Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Club-Lokal: Hotel Royal. Schriftführer: Oskar.-Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37a. Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 16 . . .. 3071 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . . nn nn. 9209 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 7 . . 22 ....... 10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, OÖhlauufer 10. . . 2 2 2.2.2.2..10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße A. nn. 2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 . . en. 3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 3.222020. 2855 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 21 .. 2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107°. . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 3 . . . nn. 9054 Beisitzer: Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 13... 2. .2...2...1166 Freiherr von Durant, Langendorf Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4. . 2 22.220202. 2701 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1 . . 2 2 2202.020...68 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14 . 2 22 2.2.2...9280 Ingenieur C. von Sallwürk, "Gartenstraße 89 . 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . 2701 h Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. 'Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 281. Vorstand: 1. Vorsitzender: Lehrer und Schriftsteller Georg Specht, Taucha-Leipzig, Bismarckstr. 41. 2. Oberlehrer ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 2811 Schriftführer Kaufmann Arthur Erbe. Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Bergdirektor Otto Prochnow. Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Verenslokal: Goldenes Einliorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Flugsport Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter- Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben -von- Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Ädr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Repr&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonnitre 159, Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nieht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 12. Frankfurt a. M., 15. Juni 1910. Jahrg. II. Die Schwerpunktslage der Drachenflieger. Von H. Reissner, Aachen. In einer früheren Mitteilung‘) habe ich eine graphische Ver- gleichung der bisherigen Modellversuche über die Lage der Luft- druckresultierenden an dünnen ebenen und gewölbten Tragflächen ge- geben. Die unmittelbare Anwendung auf Systeme solcher Tragflächen führte jedoch zu Ergebnissen, die mit meinen eigenen Erfahrungen in großem Widerspruch standen, indem sich bei Systemen mit parallel gestellten Flächen durch die rechnerische Auswertung zu weit zurück und zu tief liegende Schwerpunktsorte ergaben. Ich zog damals daraus den Schluß, daß die Modellversuche noch mit Fehlerquellen behaftet seien, bin aber inzwischen durch das ge- nauere Studium der ausführlicheren Eiffelschen Veröffentlichung), durch die liebenswürdige Mitteilung von Versuchskurven aus dem Göttinger aerodynamischen Laboratorium und durch das Verhalten der Steuerflächen meines Apparates zu dem Schluß gekommen, daß es mit der starken Rückwanderung des Druckpunktes bei kleinen Winkeln und gewölbten Flächen seine volle Richtigkeit hat und daß der Grund der Unstimmigkeit an anderer Stelle liegen muß. Auf den höchstwahrscheinlich richtigen Grund brachte mich eine Bemerkung von Prof. Prandtl, der auf den hinter einer Trag- fläche auf große Erstreckung hin abwärts gerichteten Luftstrom hin- Ww1es. Hier können die Strömungsbilder gewölbter Platten für die Ab- schätzung zugezogen werden. Solche Bilder sind von Ahlborn mit Hilfe von Bärlappsamen in Wasser, von Riabonchinski?) ebenso in Luft photographiert worden, während Wellner Rauchfäden, Eiffel Seidenfäden für die Gewinnung von Strömungsdiagrammen "benutzt haben. Riabonchinskis und Eiffels Bilder zeigen einen auf vielfache Seite 356 „FLUGSPORT“. No. 12 Plattenbreite hin abwärts geneigten Strom hinter der Tragfläche so- wohl über als auch unter derselben, während Ahlborn“) und Wellner) eine verhältnisinäßig schnelle Umbiegung des Hinterstroms in die Horizon- tale erhalten haben. Strömungsbilder von in angemessener Entfer- nung von einander wenig geneigt liegenden Tragflächen besitzen wir leider noch nicht. Entnimmmt man den ersteren Bildern eine Neigung des Hinter- stroms, etwaentsprechend der Wölbungssehne derVorderfläche und rech- net damit sowohl die Lage der Druckresultierenden als auch die für die Längsstabilität notwendige Tieflage des Schwerpunkts aus, so gelangt man zu gut mit der Praxis übereinstimmenden Ergebnissen. Diese Schätzuugsrechnungen hier mitzuteilen, wäre wohl nicht am Platze. | Allgemein kann man aussprechen: Der Einfluß der Vor- derflächen auf die Hinterflächen verschiebt die für einen bestimmten Flugwinkel erforderliche Schwer- punktslage erheblich nach vorn und die für die Stabili- tät notwendige Mindesttiefe des Schwerpunktes erheb- lich nach oben. Es tragen eben einerseits die gleichwinklig gestellten Hinter- flächen weniger, weil sie unter kleinerem, wirksamen Winkel schwe- ben, weswegen die Vorderflächen verhältnismäßig stärker zu belasten sind, andererseits ändert sich gerade deswegen der Druck auf solche Hinterflächen bei Schwingungen des Systems stärker als bei den Vor- derflächen, wodurch sie ein größeres, rückdrehendes Moment bei Gleichgewichtsstörungen ausüben. Interessant ist hier der Unterschied zwischen Kopfflächensyste- men nach Wright und Schwanzflächensystemen. Der Grund der größeren Stabilität der Schwanzflächenapparate scheint nach eigenen Untersuchungen und neueren noch sorgfältigeren demnächst zur Ver- öffentlichung kommenden Rechnungen von Prof. Furtwängler nicht die Anordnung der von einander unabhängig gedachten Flächen an sich, sondern ihre gegenseitige Beeinflussung zu sein, indem die Schwanzflächensysteme infolge des abwärtsgeneigten Hinterstromes. immer eine nach unten konvexe stabilisierende „wirksame“ Winkel- stellung zeigen, während bei Kopfflächensystemen sich immer eine konkave „wirksame“ Winkelstellung ausbildet, indem eine hintenlie- gende Hauptfläche von: einer kleinen Vorderfläche weniger beeinflußt wird, als eine kleine Schwanzfläche von einer großen Vorderfläche. Allerdings ist auch der die oben genannten Wirkungen teilweise neutralisierende Einfluß des Reaktionsstromes hinter dem Propeller wiederum zu beachten. m Daß eine hohe Lage der Bewegungswiderstände die erforderliche Schwerpunktlage ebenfalls nach vorn verschiebt, war schon in der früheren Mitteilung‘) an Hand der Gleichgewichtsbedingung der Dreh- momente gezeigt worden. Aus dein vorhergehenden erkennt man wieder einmal, daß für ein planmäßiges Konstruieren von Flugmaschinen unsere experimen- tellen Grundlagen noch nicht ausreichen und daß der Ingenieur noch sehr auf kostspieliges Ausprobieren angewiesen ist. No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 357 . Was uns in der oben angeschnittenen Frage nottnt. ist die eixperimentelle gründliche Untersuchung der gegenseitigen} Beeinflussung über- und hintereinander- gestellter Tragflächen in bezug auf die Druckresul- tierende, an’Modellen und in großem Maßstabe, wo- bei aber die drehende Wirkung exzentrisch gelegener Bewegungs- widerstände möglichst auszuschalten ist. ” ., Die Druckpunktuntersuchung am einzelnen Modell kann nur als erster Schritt betrachtet werden. ' 1) Flugsport, März. d. J., S. 158 ff. 2) Bulletin de la Societe des Ingenieurs Civils, Jan. 1910. S. 44. 3) Bulletin de P’Instut-Koutchino Aerodynamique deFasc. III, Moscou 1910 4) Wiss. Vorträge geh. auf der ILA 1910, S. 1—6, Taf. II. 5) Weliner, Die Flugmaschine, 1910. Dentscher Flieger-Bund. Veberlandflug Frankfurt a. M.— Maioz — Wiesbaden — Mannheim. Sämtliche deutschen Vereine, welche sich mit der Flieger-Kunst beschäftigen, haben sich bekanntlich vor kurzer Zeit zu einem deut- schen Flieger-Bund zusammengeschlossen. Die gewaltige Entwick- lung, die das Flugwesen in Frankreich erfahren hat, ist zur Genüge bekannt, Auf allen „internationalen flugsportlicfen Veranstaltungen marschierte Frankreich an der Spitze. j i j ing re wrankreich Spitze. Die meisten Preise gingen Auch in militärischer Hinsicht ist die Bedeutung des Flug- wesens dortselbst erkannt worden. Ca. 40 Offiziere suchen sich zur Zeit mit der Handhabung der Maschinen vertraut zu machen. In Deutschland hofft man von Tag zu Tag in banger Er- wartung auf irgend einen flugtechnischen Erfolg. Die Resultate waren sehr spärlich und die Situation für Deutschland höchst kritisch. Die deutschen Flugvereine erkannten die gefährliche Lage und schlossen sich zur systematischen Förderung des deutschen” Flug- wesens zu dem Fliegerbund zusammen. Um nun die deutschen Flieger anzuspornen, hat neuerdings der Flieger-Bund einen Ueberlandflug Frankfurt a. M.—Mainz --Wiesbaden—Mannheim projektiert, welcher einzig . und allein von deutschen Fliegern mit in Deutschland hergestellten Ap- paraten bestritten werden soll. Die Preise sollen die Gesamthöhe von 50000 Mk. erreichen und ist ein größerer 'Teil dieser Summe bereits fest gezeichnet, auch sind verschiedene Ehrenpreise in Aussicht ge- stellt. _Wenn die Vorarbeiten es irgendwie gestatten, soll der Flug —- noch in diesem Jahre zum Austrag kommen. Damit die Propositionen möglichst sachgemäß ausgestaltet wer- den, beabsichtigt das Präsidium des Deutschen Fliegerbundes, dessen Vorsitzender Seine Hoheit Prinz Albert zu Schleswig-Holstein-Glücks- burg ist, eine Kommission bestehend aus aktiven Fliegern mit ihrer Ausarbeitung zu betrauen. Seit längerer Zeil wird in flugtechnischen Kreisen Klage ge- führt, daß keine größeren Preise für Flugleistungen entsprechend der Entwicklung des deutschen Flngwesens vorhanden sind. Seite 358 „FLUGSPORT". No. 12 Frankreich hat z. B. bis zu 2'/ Millionen an Preisen für Aviatik aufgebracht und das Budapester Meeting war mit 500000 Kronen dotiert. Es ist: daher mit Freude zu begrüßen, daß der Deutsche Fliegerbund in dieser Richtung Abhilfe zu schaffen bestrebt ist. Als besonders erfreulich mnß es auch bezeichnet werden, daß er seine Anfinerksamkeit den Ueberlandflügen ım Gegensatz zu den Wett- flügen anf geschlossenen Bahnen zuwendet, denn es ist zweifellos, daß für das Ziel des Flugwesens, Verkehrsmittel zu schaffen, die Ueberlandflüge förderlicher sind als Rundflüge anf hergerichteten Flugplätzen. Der von dem Deutschen Fliegerbund beschrittene Weg erscheint als der einzige, der dem genannten Ziel näher führen kann. Anch der Gedanke, den Flug national zu gestalten, erscheint uns besonders glücklich. Welchen Weg müssen die Flugmaschinen -Konstrukteure gehen? Diese Frage dürften sich mehr denn je jetzt die Fachleute vor- legen und zwar mit Recht. Es ist hohe Zeit, daß der Flugmaschinen- Ingenieur das Resumee aus den Erfahrungen der Flugwochen studiert. Es scheint, als ob die fortschreitende Entwicklung in der Konstruktion der Maschinen stagniert. Man vergleiche doch den Farman, den Bleriost vom Vorjahre mit den von diesem Jahre. Sind das etwa Verbesserungen? Wir müssen mit Nein! antworten. Von unseren Konstrukteuren sind wir gewohnt mehr zu verlangen. Betrachten wir die neuen Typen der französischen Schulen. Farman baut einen neuen Eindecker, welcher aus einer gewöhnlichen Tragdecke, mit Hilfsflächen und einem Schwanz a la Bleriot nur in größeren Dimensionen, besteht. Am Kopfe wird ein 50 PS Gnom- Motor eingebaut und die Maschine muß fliegen. Der Gnom-Motor würde auch ein Scheunentor in die Luft ziehen. Das sind keine Konstruktionen! Das sind keine Verbesserungen! Voisin machte bekanntlich mit seinem Zweidecker denselben Fehler, indem er die Schraube nach vorn verlegte. Von Bleriot ist überhaupt nichts neues zu berichten, als daß er gleichfalls den 50 PS Gnom-Motor eingebaut und die Schwanztläche nach Art Levavasseur ausgebildet hat. Es ist dies alles ein Tasten nach Zufälligkeiten und kein ziel- bewußtes Arbeiten. Man muß staunen, daß man den Tragdecken in Frankreich so wenig Beachtung schenkt. Es ist erste Hauptbedingung. daß ‘die Tragdecken nach hinten elastisch, und zwar in weitgehendstem Maße, ausgebildet werden müssen. (Vergl. den Artikel über Trag- deckenprofile in Nr. 3 1910 des „Flugsport“.) Die großen Erfolge Etrichs sind lediglich den elastischen Trag- decken zuzuschreiben. Anders wäre es ihm nicht möglich gewesen, mit einer nur so geringen Anzahl von PS seine Maschine in die Luft zu bringen. Hoffentlich wird Etrich auch seine Schraube wieder nach hinten verlegen. Gut durchdacht ist der von A. Ritter von Pischof konstruierte Apparat von Werner und Pfleiderer in Wien, nur etwas schwer. Um No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 359 das Tragdeckenareal zu vergrößern, werden Werner und Pfleiderer sicher in Zukunft noch weitere verkürzte Tragdecken, wie Farman sie bei seinem veränderten Zweidecker vorgesehen hat, anbringen. Diese Anordnung wird sicher den Typ der nächsten Zukunft ergeben. Resümieren wir. Grolies Tragdeck, 10 m Spannweite, in ca. 2,20 m Höhe vom Boden, in 1.50 m Abstand darunter verkürztes Tragdeck 3—4 m. Motor möglichst tief liegend. Schraube langsam übersetzt. Hinten eine horizontale Stabilisierungsfläche, verstellbar wie bei Sommer. Daran anschließend das Höhensteuer. Seitensteuer in der bisherigen Weise hinten. Tragdecken elastisch wie bei Etrich und Ursinus. Fahrgestell eine Kufe wie bei Curtiß. Ursinus. Was die Flieger von einer Flugplatz-Gesellschaft unbe- dingt verlangen müssen. In Nr. 11 dieser Zeitschrift stellt ein Anonymus Klagen über Flugplatz-Gesellschaften zusammen. Solche Flugplatz-Gesellschaften gibt es in Deutschland bis jetzt drei, von denen sich also doch wohl eine mindestens von den Klagen betroffen fühlen muß. Besonders der Satz „Die Hauptsache für die Flugplatz-Gesellschaft scheint eine möglichst große Entreekasse und schillernde Armbinden zu sein“ zeugt wohl von keinerlei Wohlwollen für die Gesellschaften. Sie irren, Herr Anonymus, die Hauptsache für eine Flugplatz-Gesellschaft ist ein genügend großer Flugplatz, die völlige Umzäunung des gesamten Flugplatz-Geländes einerseits und andererseits die Umzäunung der eigentlichen Flugbahn die geeignete Beschaffenheit der Flugbahn, eine ausreichende Zahl von Schuppen, das Vorhandensein von Fabriken auf oder an dem Platz für Reparaturen, eine hohe Haftpflicht-Ver- sicherung, ein dauernder Restaurationsbetrieb während des ganzen Jahres, nicht sowohl für das Publikum als vielmehr in erster Linie für die Flieger und ihr Personal, selbstverständlich auch Verkauf von tadellosem Benzin und Oel, sowie genügendes Wasser, ausreichen- des Aufsichts-Personal bei Tag und Nacht, vor allen Dingen aber eine Disziplin auf demFlugplatz, die auch bei zahlreich vorhandenem Publikum Unglücksfälle, so weit es irgend möglich ist, verhindert. Es ist eine durch nichts zu beweisende Behauptung, daß die Flug- plätze (zwischen den Zeilen ist zu lesen unter Vernachlässigung ihrer Pflichten) möglichst hohe Einnahmen erzielen wollen. Geradezu lächerlich ist die Bemerkung über die schillernden Armbinden, Wie fast alle Interessenten ist auch der Anonymus natürlich nicht unter- richtet über die Vorschriften der Federation Aeronautique Interna- tionale, in denen die Binden für Organisations-Ausschuß usw. vorge- schrieben sind. Daß diejenigen, welche die gefährdete Flugbahn be- treten müssen äußerlich kenntlich gemacht werden, sollte einem lo- gisch denkenden Menschen selbstverständlich erscheinen. Es würde Interessant sein zu wissen, wo beim Beginn einer Flugveranstaltung Benzin und Oel gefehlt haben. In einem Punkte muß man dem Anonymus zustimmen, nämlich dem Uebelstande, wie die Spedition der Apparate gehandhabt wird. Allerdings muß man dabei fragen, von wem gehandhabt wird. Seite 360 „FLUGSPORT“. No. 12 Man sollte doch erwarten, daß die Flieger den Flugplatz-Verwaltungen die Absendungen und Adressierungen ihrer Fluggpparate mitteilten, damit die Flugplatz-Verwaltungen wissen, ob sie den Transport ver- mitteln sollen oder nicht. Nicht alle Flieger sind so vorsichtig, ihre Mechaniker vor Eintreffen der Flugzeuge sich einfinden zu lassen, damit: sie die Sorge für Spedition und Unterbringung übernehmen. Dann sollten sie doch zum wenigsten bitten, daß die Platzverwaltungen sich diesem unterziehen. v. Tschudi. Herr Major v. Tschudi irrt. Wenn ich den Flugplatz-Gesellschaften nicht wohlgesinnt wäre, hätte der Artikel anders ausklingen müssen. Der Artikel ist keineswegs lediglich gegen Johannisthal geschrieben. Die Bestimmungen der Federation Aeronautique Internationale sind mir leider zu bekannt. Zur Pe- ruhigung teile ich hierdurch ausdrücklich mit, daß die Klage wegen des Benzin- und Oelmangels nicht Johannisthal betrifft. Mit den Ausführungen sollte den Flugplatz-Gesellschaften gedient sein. Es war nicht beabsichtigt, gegen eine Gesellschaft irgendwie vorzugehen. Aus die- sem Grunde unterbleibt die Nennung. Indessen sind im Zusammenhang mit Baron de Caters Klagen über schlechtes Benzin etc. in mehreren Tageszeitungen erschienen. Ikarus. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Die französische militärische Aviation hat einen schönen '['riumph zu verzeichnen. Der in früheren Berichten schon häufiger erwähnte Leutnant Fequant flog an Bord seines Farman-Zweideckers, mit dem Hauptmann Marconnet als Passagier, am letzten Donnerstag von Mourmelon nach dem Polygon von Vincennes bei Paris, eine Distanz von 140 km, in zwei Stunden 30 Minuten. Abgesehen davon, daß dies wohl der längste Passagierflug ist, der bisher zustande kam, stellt dieser Flug die erste große aviatische Leistung der französischen Militärpiloten dar und als solche dürfte er für die Entwicklung der Militär-Aviation die bedeutsamsten Folgen haben. Die Reise verlief in ungestörter Weise. Der Gnom-Motor, der dem Zweidecker zum Antrieb dient, funktionierte tadellos. Die beiden Offiziere waren um 4 Uhr 40 von Chalons abgeflogen und landeten um 7 Uhr 10 in Vincennes. Die mittlere Fluggeschwindigkeit betrug demnach 55 km die Stunde; die durchschnittliche Flughöhe war 300 m. Man unterschätze die Bedeutung-dieses-Fluges nicht. In uner- müdlicher, langsamer und lautloser Arbeit hat sich die französische Heeresverwaltung die moderne Flugtechnik nutzbar zu machen ge- wußt, nachdem sie den privaten Bestrebungen zur Förderung der Aviation jede nur mögliche Ermutigung hat zuteil werden lassen. Heute verfügt die französische Armee nicht nur über eine stattliche Reihe guter Flugmaschinen, sondern vor allen Dingen über eine große Anzahl gnt geübter und zum Teil außerordentlich geschickter Piloten. Der ÖffiziersfIng von Chalons nach Vincennes stellt nicht etwa eine auf Sensation berechnete Luftpromenade, sondern die erste Ritappe einer zielbewnßten Organisation dar, die, das ist sicher, sehr bald No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 361 greifbare Formen annehmen wird. Das kam nicht nur in der An- wesenheit des Kriegsministers, der die beiden Offiziere in Vincennes erwartete, sondern mehr noch in den Ehrungen zum Ausdruck, die man den beiden Piloten zuteil werden ließ. Schon verlantet, daß Chalons und Vincennes als „Kopfstationen“ eines regelmäßigen mili- tärıschen Aviationsdienstes ausersehen seien und daß zwischen diesen militäraviatischen Lagern ein ununterbrochener Austausch in Form von Hin- und Herflügen vor sich gehen soll. Ferner steht fest, daß in Zukunft bei allen militärischen Flügen außer dem führenden stets noch ein zweiter Offizier an Bord gehen soll, um sich inder Terrain- Beobachtung im Fluge zu üben. Man sieht, es handelt sich nicht etwafum eine müßige Spielerei, sondern um ein ernstes Vorgehen der Die Flugmaschine im französischen Heeresdienste. Leutnant Fequant mit Hauptmann Marconnet als Passagier einen Flug von Mourmelon nach Vincennes bei Paris ausführend. französischen Heeresverwaltung, welche den enormen Nutzen, die die Aviation für militärische Zwecke zu leisten berufen ist, am ersten erkannt hat. Was das wieder der französischen Aviation für einen mächtigen Impuls geben wird, kann man sich leicht denken. Wie ich schon früher gesagt habe, die Franzosen sind wirklich zu beneiden. Leider kann man nicht sagen, daß die französische Regierung eine entsprechende Großzügigkeit gelegentlich «der hiesigen Internatio- Seite 362 „FLUGSPORT"”. No. 12 nalen Luftschiffahrts-Ausstellung, von deren Beginn ich berichtet hatte, gezeigt hat. Es wohnen hier eben auch zwei Seelen in einer Brust: auf der einen Seite eine mit jedem Tage an Intensität zuneh- mende mächtig treibende Begeisterung, angefacht durch die ersten großen Erfolge, welche die gesamte Kulturwelt in Staunen versetzt und bei den Franzosen die leicht erregbare Eitelkeit entfacht hatte; auf der andern Seite ein unglaublich sclıwerfälliger, kleinlicher admi- nistrativer Apparat. Ein Teil der Vorschläge, welche die französische Regierung der Internationalen Konferenz zwecks Reglementierung der modernen Luftschiffahrt gemacht hat, ist schon wegen ihrer prak- tischen Undurchführbarkeit absolut wertlos. Ueber andere, gleich- falls von Frankreich angeregte Punkte herrschte allerdings auf der Konferenz ziemlich übereinstimmende Ansicht. Die ganze Konferenz wurde durch das Gefühl der Unsicherheit charakterisiert. Jeder hat das Empfinden, als müsse etwas geschehen, keiner aber weiß, wie man es machen soll. Wıe anders soll man sich den „Wunsch“ er- klären, daß der Luftschiffahrt verboten sein soll, über gewisse für die nationale Verteidigung wichtige Punkte ihre Luftfahrten auszu- dehnen. Wie will man eigentlich das Befolgen dieses Verbots er- zwingen? Oder wie stellt man sich die praktische Durchführung eines anderen „Verbots“ vor, daß nämlich die Luftfahrzeuge weder Waffen noch Munition, noch Sprengstoffe an Bord nehmen dürfen? Alle diese Verbote können doch nur so lange Wert haben, wie sie ein Staat befolgen will, kommen aber in dem Augenblicke nicht mehr in Betracht, wo sich ein Staat entschließt, sich darüber hin- weg zu setzen. Und wie soll die heimliche Umgehung jener Verbote kontrolliert oder gar verhütet werden? In dieselbe Kategorie der platonischen Wünsche gehören auch die anderen Anregungen, wonach man den Transport gewisser Waren, sowie das Ueberfliegen der Landesgrenzen seitens der Spione, Schmuggler und Verbrecher ver- hindern will. Kennzeichnend ist es, daß man die offiziellen, das heißt amtlichen Flugmaschinen von dem Verbot der Mitnahme von photographischen und radiotelegraphischen Apparaten ausnehmen wil). Andere Bestimmungen, wie sie bezüglich der Kenntlichmachung der Luftfahrzeuge, der Pilotenpatente für deren Führer und dergleichen mehr ‚angeregt wurden, sind ganz selbstverständlich und entsprechen zum großen Teile den Bestimmungen für den internationalen Ver- kehr der Motorfahrzeuge. Aber die Bestimmung, daß die Polizei je- derzeit das Recht habe, den Inhalt der Luftfahrzeuge vor deren Ab- fahrt zu prüfen, wird natürlich wieder nur die anständigen Sport- freunde, die harmlosen Lufttouristen treffen und ihnen die bekannten Polizei-Plackereien aufbürden. Derjenige, der sich und seinen Ap- parat zu verbergen Ursache hat, wird sicherlich der Polizei nicht die Gelegenheit geben, die eben erwähnte Bestimmung bei ihm auszu- führen. Kurzum, der Kongreß hat praktische Resultate nicht er- bracht, konnte sie auch gar nicht erbringen, weil die Luftschiffahrt für eine Reglementierung noch gar nicht reif ist. Man hätte mit der Einberufung der Konferenz nur ruhig noch etwas warten sollen. Im Gegensatze zu diesem theoretischen Meeting brachten die praktischen Aviationsmeetings cinige beachtenswerte Resultate, ja so- gar einige Sensationen. So trat auf dem Meeting von Anjou, an dem im ganzen acht Aviatiker, nämlich Crochon, Diekson, Kinet, Marti- No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 363 net für Farman, Legagneux für Sommer, Balsan, Aubrun für Bleriot, und von Mumm für Antoinette, teilnahmen, der schon kürzlich vor- teilhaft erwähnte junge Farman-Pilot Martinet: durch einige für einen Anfänger-Piloten geradezu staunenswerten Leistungen hervor. Ihm gelang nicht nur der Fern-Wettflug von Angers nach Saumur, (42 km) ın 31 Minuten 35 Sekunden als erster, sondern er stellte sich mit einem ununterbrochenen Fluge von 168,230 km au die Spitze des Klassements für den Großen Preis von Anjou. Den Preis für zusammenaddierte Distanzen errang Legaguenx mit 469,915 km, ebenso den Höhenpreis mit einem Fluge in 238 Meter Höhe, wälrrend Dickson den Passagier-Preis mit 98,755 Kilometer an sich brachte. Einen hübschen Verlauf hatte das italienische Meeting von Verona, an dem sich freilich erste Kräfte, wie Paulhan, Effimoff, Chavez usw. beteiligten. Ersterer ging sowohl im Preis der addier- ten Distanzen (mit 742 km), als auch im Passagier-Preis (mit 44 km) als Sieger hervor. Im Distanzpreis plazierte sicli Effimoff mit 326 km als zweiter, Cattaneo (Bleriot) mit 144 km als dritter. Natürlich hat Paulhan auch den Löwenanteil an den Preisen, nämlich die hübsche Summe von 66 500 Lire, davongetragen. Aber noch ein Meeting ist gegenwärtig im Gange: Juvisy, das Pariser Schmerzenskind der Aviation, hat neue Besitzer gefunden, die neues Kapital und eine ungeheure Reklame in die Sache ein- brachten, und man glaubte sich „einem hochgeneigten Publikum“ nicht besser empfehlen zu können, als durch ein jetzt mit Recht so beliebtes Meeting. Am letzten Mittwoch hats angefangen, und nur die Götter wissen, wie es zu Ende gehen wird. Von Juvisy soll man nicht prophezeien, ganz besonders nicht, wenn sich, abgesehen von dem Tellier-Piloten Dubonnet, nur eine Reihe von bisher in weitesten Kreisen unbekannten flugsportlichen Größen der neuen Administration zur Verfügung gestellt haben. Natürlich trägt Dubonnet die Kosten der Veranstaltung. Er fliegt, und die andern bilden die Kulissen. Der „sensationelle“ erste Tag, der Eröffnungstag des Aerodroms, sah nur eine beschränkte Zahl von unverwüstlicnen Meetingsbesuchern und solchen, die ihre Pflicht hinführte. Freilich brachte die hiesige Presse die rühmlichst bekannten Jubelhymnen über das neue Pariser Aerodrom, und die beigedruckten Abbildungen zeigten allerdings ein bunt bewegtes Bild. Wer ein gutes Gedächtnis hatte, erkannte aber in diesen Abbildungen alte Bekannte. Es waren das die Oliches, die die Zeitungen noch von der ersten Juvisy-Eröffnung her liegen hatten und die sie jetzt aus verständiger Sparsamkeit einfach wieder verwandt haben. Uebrigens beteiligt sich diesmal zum ersten Male ein „Demoiselle“-Eindecker (von Bayard-Cl&ment) an einem öffent- lichen Meeting. Audemars, der die Maschine steuert, errang am ersten Tage den Bahnrunden-Preis. Der zierliche schnelle Eindecker legte die Runde in 1 Minute 54 Sekunden zurück; ihm folgte Du- bonnet in 2 Minuten und Didier (Farman) in 3 Minuten. Die läng- sten Flüge vollbrachten an diesem Tage Dubonnet (Tellier) mit 37,320 km, Didier (Farman) mit 29,856 km, Champel (Voisin) mit 25,124 km und Audemars (Demoiselle) mit 5,598 km. Dice Ausbeute des zweiten Tages war ein 12 km-Flug Dubonnets. Die anderen Pi- loten vermochten den Boden nicht zu verlassen. Nur noch Ande- Seite 364 „FLUGSPORT“. No. 12 mars konnte sich bis zu 15 m erheben und einige Bahnrunden zurück» legen, mußte dann aber landen. Bemerkenswert: ist schließlich der Flug, den Morane am letzten Mittwoch anf seinem Bleriot-Eindecker ausführte, indem er von Issy-les-Monlineaux über Etampes nach Toury die Distanz von 93 km in 1 Stunde 11 Minuten 57 Sekunden hinter sich brachte. Der Apparat, den Morane benutzte, ist ein nener Bleriot Type XI bis zu zwei Sitzen mit Taubenschwanzstück. Er hat einen 50 PS Gnom-Motor. Inzwischen nimmt die Tätigkeit auf den einzelnen Aerodromen ihren ungestörten Fortgang. In der Bleriotschule kommen der rus- sische Leutnant Matziewisch, sowie der Artillerieleutnant Ajence gut voran. Bei Antoinette ist es jetzt, da Verliac zur Teilnahme am Meeting von Anjou gegangen ist, ruhig. Nur Wächter setzt seine Flugübungen fort. Die Schule von Wright hat nun, nachdem Gas- nier abgereist ist, ihre Pforten bis zum kommenden Herbst ge- schlossen. In Issy-les-Moulineaux experimentiert Bunau-Varilla auf einem Wright-Zweidecker mit hübschem Erfolge. Er führte längere Flüge in 50 und 60 Meter Höhe aus. Der kleine Montgolfier-Eindecker wurde von einem Windstoß erfaßt und ist völlig zertrümmert worden. Dagegen steuert Contenet einen Cl&ement-Zweidecker anscheinend mit vielem Geschick. Morane, von dessen schöner Flugleistung oben die Rede war, führte auch auf dem Aerodrom selbst einige recht ge- lungene Flüge mit seinem Bleriot-Eindecker aus, wobei er wiederholt den Hauptmann Brousse als Passagier mitnahm. Mit der Clement- schen „Demoiselle“ experementieren Garros, Audemars, Wattelfer, Maurice Clement; sie alle scheinen sich mit dem kleinen Apparat zu- rechtzufinden. Auch Masioli setzte seine Uebungen mit dem Ein- decker Saulnier fort. In Mourmelon herrscht andauernd reges Leben. Leutnant Fequant, bevor er den eingangs erwähnten Flug nach Vincennes unternahm, zeigte sich hier schon als ein gewandter Pilot, der offen- sichtliche Fortschritte in der Steuerung seines Zweideckers machte. Am Dienstag vergangener Woche flog er, gleichfalls mit Hauptmann Marconnet an Bord, über Betheny, Warmereville, Vitry les Reims ‚nach Reims, umkreiste diese Stadt und kehrte darauf, nachdem er eine Strecke von 98 km in 1 Stunde 37 Minuten zurückgelegt hatte, nach Mourmelon zurück. Die Nutzlast, die der Zweidecker bei diesem Fluge, den er in 200 m durchschnittlicher Höhe ausführte, mit sich trug, war 200 kg. Die übrigen Farmaneleven Tetard, die Leutnants Devaux,: Savoia, Bellanger führen schöne Flüge aus, wobei der letzt- genannte eine Engländerin, Miß Bird, an Bord hatte. Savol a steuert den vom italienischen Geniekorps angekauften Apparat. Bei Voisin lenkt jetzt besonders Niel die-Aufmerksamkeit auf sich, der dieser Tage ein interessantes Rennen mit Marcel Hanriot veranstaltete. Der junge Hanriot war mit seinem Eindecker zum Besuche von Reims nach Mourmelon gekommen und bei der Rückkehr suchte Niel mit seinem Zweidecker Voisin zu überholen. Niel blieb aber hinter dem Eindecker zurück. Nichtsdestoweniger setzte er seinen Flug naclı Betheny fort, wo er sechs Minuten hinter Hanriot cintraf und am nächsten Tage trat er auf dem gleichen Wege den Heimflug nach Mourmelon an. No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 365 Aber auch Colliex und Copetta scheinen Fortschritte zu machen. In der Antoinette-Schule üben Laffont, Thomas Gobe, sowie Haupt- mann Burgeat, welch letzterer cinige Flüge von 20 Minuten vollbringt. Oben: Audcemars auf Santos Dumont während des Meeting von Juvisy. Unten: v. Mumm wurde durch einen Windstoß zu Boden gedrückt und mußte in einem Walde landen. (Meeting von Anjon). Labouchere konnte schon einen Ueberlandflug iu 500 Meter Höhe ausführen. Bei Blöriot konnte Dufour infolge emıes leichten Unfalls Seite 366 „FLUGSPORT“. No. 12 die zur Erlangung des Pilotenpatents erforderlichen Flüge nicht aus- führen, Dagegen hat Major Colus durch einen geschickten Flug mit vorzüglicher Landung das Patent erlangt. Wächter führte einen 20 km-Flug mit großer Gewandheit aus. Viel beachtet wird der Ein- decker Nieuport wegen seiner Stabililtät und Geschwindigkeit. Nieu- port hat die zur Erlangung des Patents erforderlichen Flüge in ziemlich starkem Winde ausgeführt. Einen schönen Erfolg erzielte Leblanc mit seinem Bleriot-Ein- decker, indem er dieser Tage von Toury nach Öliartres, eine Distanz von 45 km, in 43 Minuten ohne Störung zurücklegte. Mainguet und Gregoire hatten mit ihrem Gyp-Eindecker zu Chartres weniger Glück. Infolge brüsker Landung müssen sie die Flugversuche einstweilen einstellen, da der Apparat stark gelitten hat. Auch Schmidt hat seinen Zweidecker bei einer ungeschickten Landung beschädigt. In Mouzon in der Sommerschule arbeiteten Sommer und seine Eleven bis zu ihrer Uebersiedlung nach Chalons mit bekanntem Eifer. Namentlich Verstraeten und Vallon zeigen große Gewandheit. Maurice Farman ist dieser Tage das Opfer eines bedauerlichen Unfalls geworden. Er unternahm mit seinem Freunde Georges Be- sancon, dem General-Sekretär des Aero-Club de France und Direktor des „Aerophile“, am Sonntag einen Flug auf dem Aerodrom von Buc. Nachdem sie einige Runden zurückgelegt hatten, schickte sich Farman an zu landen und stellte die Zündung ab. Der Apparat stieß mit großer Heftigkeit auf den Boden, überschlug sich und zer- schmetterte vollständig. Maurice Farman kam verhältnismäßig glimpf- lich davon, der Zustand Besancons aber scheint ernst zu sein. Auf dem neuen Aerodrom von Etampes scheint sich die Henri Farman-Schule recht tätig zu entwickeln. Der rührige Herbster hat hier die Leitung und er konnte dieser Tage einige bemerkenswerte Flüge mit Passagieren ausführen, unter denen sich u. a. einige russi- sche und japanische Offiziere befanden. Auch Bruneau de Laborie hat große Fortschritte gemacht; er vollbrachte in vergangener Woche einen Dauerflug von 1 Stunde 10 Minuten. Wie ich als wahrscheinlich vorausgesagt habe, ist die Woche von Marseille unterdrückt worden. An deren Stelle veranstaltete man auf dem Aerodrom von Miramas in den Tagen vom 12. bis 19. Juni ein großes aviatisches F'est, zu dem bereits Daniel Kinet, Cheuret (beide mit Farman-Zweideckern) und Dufour (mit Bleriot-Eindecker) zugesagt haben. Wie verlautet, soll bei jener Gelegenheit ein Aero- plan-Rennen Miramas-Palavas geplant sein, für dessen Zustande- kommen sich die beteiligten Stadtgemeinden sehr interessieren. Ir Amberieu ist dieser Tage Mignot auf seinem Voisin-Zwei- decker verunglückt. Gelegentlich eines dortigen lokalen Meetings stieg Mignot mit seinem Apparat auf, wurde aber in der Luft von einem heftigen Windstoß erfaßt, der die Maschine aus 30 m Höhe mit Vehemenz auf die Erde schleuderte, wo sie als Trümınerhaufen liegen blieb. Der Pilot ist leider schwer verletzt. Molon, der in Havre, wie bereits wiederholt früher berichtet, fleißig mit einem Bleriot-Eindecker operierte, hat jetzt daselbst eine eigene Schule eingerichtet, die schon guten Zuspruch hat. Molon og dieser Tage eine Distanz von 30km über die Ebene von Oudaille ahin. No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 367 Von kommenden Meetings sind zu erwähnen: die Woche von Angoulöme, deren Veranstaltung an den Tagen vom 12. bis 18. Juli beschlossen worden ist. General Girardel hat sich an die Spitze des Organisationskomites gestellt. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß in der Zeit von jetzt bis zum Monat Dezember nicht weniker als 17 Meetings noch ange- sagt sind. Es sind dies: Juvisy (soeben begonnen) mit 25,000 Frances Preisen; Rouen, international, 150,000 Francs, 19. bis 26. Juni; Reims, international, 250,000 Frances, 3.—10. Juli, Bournemouth, international, 242,00 Frances, 11.—16. Juli, Brüssel, interna- tional, 250,000 Frances, 24. Juli bis 4. August; Caen; national, 55,000 Francs, 26. Juli bis 2. August; Blackpool, national, 50,000 Frances, 28. Juli bis 3. August; Lanark, international, 200,000 Francs, 5. bis 13. August; Circuit de l’Eest, international, 200,000 Frances, 6. bis 21. August; Blackpool, national, 50,000 Frances, 15. bis 20. August; Cardiff, national, 50,000 Francs, 24. bis 27. August; Havre-Trouville, international, 240,000 Francs, 25. August bis 4. Sep- tember; Mailand, international, 300,000 Francs, 24. September bis 3. Oktober; Biarritz, national, 80,000 Frances, 25. September bis 3. Oktober; Juvisy, national, 25,000 Frances, 2. bis 9. Oktober; Ver- einigte Staaten (Gordon-Bennett der Lüfte), international, 200,000 Francs, 12. Oktober; Marseille, national, 50,000 Frances, 4. bis 15. Dezember. Interessant ist, daß auch der Papst sich für die Aviation ın- teressiert. Im Garten des Vatikans hat dieser Tage der Pfarrer von Spoleto dem heiligen Vater eine Flugmaschine praktisch vorgeführt. Der Papst soll sich von den Flugversuchen in hohem Maße befriedigt gezeigt haben. Sehr bemerkenswert ist ein. Preis in Höhe von 15,000 Dollars, den der bekannte amerikanische Millionär Edwin Gould für denjenigen Erfinder ausgesetzt hat, der den ersten Aeroplan mit zwei Motoren und zwei Schrauben herausbringen würde, durch den der Aviation eine größere Sicherheit gegeben werden soll. Hierbei sei noch einge- schaltet, daß die Oberlin-Universität den Gebrüder Wright das Ehren- doktor-Diplom der Rechte verliehen hat. Soll das etwa eine An- spielung auf die vielen Wright-Prozesse sein? Eine interessante Neuerung hat der Aero-Club von Belgien so- eben eingeführt. Er gibt bekannt, daß er, gestützt auf die von der Internationalen Aeronautischen Federation festgesetzten Reglements, in Zukunft den belgischen Aviatikern nur dann das Pilotenpatent zur Teilnahme an ausländischen Veranstaltungen geben wird, wenn sie wenigstens ihre Versuche in Belgien unternommen haben. Der Aero- Club von Belgien scheint es demnach zu bedauern, dal so viele tüchtige aviatische Kräfte, wie Van den Born, Verstraeten. Sommer, Olieslagers u. a. m. ihre Fliegekunst lediglich im Auslande ausüben und will durch die erwähnte Maßregel erwirken, daß die Belgier auch im Lande selbst. Flugexperimente vornehmen. Die Idee scheint nicht unpraktisch zu sein und läßt sich vielleicht anderswo auch mit Vorteil verwenden. Rl. Seite 368 „FLUGSPORT“. No. 12 Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Mr. Rolls hat den angekündigten Flug über den englischen Kanal nun endlich ausgeführt; und nicht bloß das, sondern er ist auch ohnePause in einem Fluge wieder nach Dover zurückgekehrt. Seine englischen Landsleute sind stolz darauf, daß ein Engländer so die Leistungen von Bleriot und Lesseps in den Schatten gestellt hat. Aber auch der Ausländer muß anerkennen, daß die ruhige und ent- schlossene, alles Reklamehafte und Theatralische vermeidende Art, in welcher Rolls seinen Flug ausgeführt hat, Bewunderung verdient. Seine Vorbereitungen waren seit mehreren Tagen vollendet worden, aber immer wieder war in letzter Minute ein Hindernis dazwischen gekommen, bald Nebel, bald eine Motorstörung oder andere Kleinig- keiten. Endlich am Nachmittag des 2. Juni war alles in Ordnung und die Luft ruhig und klar. So flog er um 6 Uhr 30 Min. abends von Dover ab und nahm seinen Kurs direkt auf Calais, das er deut- lich sehen konnte. Doch trieb der Wind ihn westwärts, in die Nähe von Sangatte, wo er die Küste um 7 Uhr 10 Min. überflog. Auf französischem Gebiet warf er in 3 Exemplaren einen Gruß an den Aero Club de France auf die Erde. Da die Maschine tadellos ar- beitete, entschloß er sich dann ohne Aufenthalt nach Dover zurück- zufliegen. Jetzt hatte sich jedoch ein Dunst iiber dem Meere gesammelt, sodaß Rolls sich ebenso wie einige Tage vorher Lesseps nur nach der Sonne orientieren konnte. Erst in einer Entfernung von 7 km ent- deckte er die Normannenburg von Dover, flog um dieselbe herum und landete dann um 8 Uhr glatt und ohne Schwierigkeiten bei seinern Schuppen. Sein Benzinvorrat hätte noch für weitere 20 km gereicht. Der Flug war größtenteils in einer Höhe von 250 m gemacht worden und die zurückgelegten 80 km hatten ca. 90 Minuten erfordert. Der Royal Aero Club hat Rolls für diese schöne Leistung seine gol- dene Medaille verliehen und die Herren Ruinart Pere et Fils haben ihm einen Pokal im Werte von 1600 Mark dediciert. Für den in letzter Nummer erwähnten Forest-Preis kommt dieser Flug jedoch nicht in Betracht, da dieser verlangt, daß die benutzte Maschine eng- lischen Ursprungs sei. Der von Rolls benutzte Motor war jedoch französischen Ursprungs, obwohl sonst seine Wright-Maschine in Eng- land von der Firma Short Bros. erbaut war. Zum Schutze gegen Untersinken ım Wasser waren an den Kufen Luftsäcke aufgehängt, und er selbst trug einen Korkgürtel. Mr. Rolls ist jetzt 33 Jahre alt und Chef der Motorwagenfabrik ©. S. Rolls & Co. ” Auch Mr. Graham White hat in den letzten Wochen verschie- dene Flüge vorgeführt, teils in Brooklands, teils auf dem Grundstücke des Krystallpalastes, In den nächsten Tagen will er durch einen Auktionator Passagierflüge in seinem Aeroplan versteigern lassen ; der Meistbietende soll sofort nach der Auktion einen Flug in die Luft mit ihm machen. Man kann wohl ohne Zögern sagen, daß eine solche Auktion noch nicht da gewesen ist. Der Biplan, mit welchem er nach Paris Fliegen willl, ist gegenwärtig in einem Londoner Waren- No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 369 haus gegen Eintrittsgeld ausgestellt. Als Puffer sind an derselben große Gummistücke verwendet, und die Rippen sind von Pappel-, die Streben von Eschenholz. Als das wichtigste Ereignis in den letzten beiden Wochen be- trachten jedoch manche nicht diese Einzelflüge, sondern den Erfolg der Dunneschen Flugmaschine. Leutnant J. W. Dunne, der jetzt der Luftschifferabteilung in Farnborough attachiert ist, hat seit mehreren Jahren der Flugmaschine seine Aufmerksamkeit zugewandt nnd schon vor zwei Jahren in Pertshire verschiedene Flüge gemacht. Wir be- richteten im Mai vorigen Jahres Näheres über ihn. Sein nener Bi- plan ist mit der Tendenz konstruiert, automatische Stabilität herzu- stellen. Am 27. Mai brachte er ihn auf dem Flugplatz des Royal Aero Club zum ersten Mal aus dem Schuppen, und die Maschine hob sich nach einem Lauf von 40 m. Als sie eine Höhe von etwa 20 m erreicht hatte, ließ Leutnant Dunne alle Stenergriffe los und überließ die Maschine ganz sich selbst. Trotzdem setzte die Maschine ihren IE N zen. - . sun FE A \ Be. } f eg \ / x Fre D i “ vs sc ll: h 2 Ir H 7. Y Erz . 24 J e FT re: k 4 # Rolls Flug über den Kanal von England nach Frankreich und zurück. (Rolls passiert Sangatte.) .___. -.-. Flug mit absoluter Gleichmäßigkeit und langsam steigend für 3 km fort. Die Griffe wurden nicht berührt, bis Dunne sich zum Nieder- flug entschloß, um zu hohes Steigen zu verhindern. In seinen Mit- teilungen an die Aeronautische Gesellschaft behauptet Dunne, daß die Maschine absolut stabil war, und der Flug so sanft, wie wenn ein Dampfboot durch ruhiges Wasser gleitet. Diese Dunnesche Maschine ist ein Biplan von völlig neuer Kon- struktion. Ein Schwanzstück und alle Steuerflächen fehlen. Die Seite_370 _.„FLUGSPORTY. No. 12 Tragfläche beträgt 47 Quadratmeter und die ganze Maschine ein- schließlich des 50 PS Green-Motors wiegt 750 kg. Mit einer anderen neuen Maschine experimentiert augenblicklich Mr. Neale in Brooklands. Das Bemerkenswerte an dieser Maschine ist, dali sie von einem Motor von mur 9 PS getrieben wird. Die Maseluine ist ein Monoplan mit doppelflächigem Schwanzstück, hat ein Gewicht von 160 kg und eine Tragfläche von 12 Qnadratmeter; Länge 6 m, Spannweite 8 m; 2-Zylinder J. A. P. Motor. Die Flüge waren nur 200 und 400 m lang, aber sie bewiesen doch, daß auch mit geringer Kraft Leistungen auf dieser FIngmaschine erzielt wer- den können. Von der Budapester Flugwoche. Das Budapester Meeting ist jetzt zu Ende gegangen. Den Export der Preise besorgen die bekannten Flieger. Wenn man die ungarischen und österreichischen Aviatiker mit diesen Geldpreisen successive unterstützt hätte, wäre das nicht besser gewesen? Es ist nicht zu bezweifeln, die Budapester haben die Erkenntnis mit schwerem Geld bezahlen müssen. Nach den vielen Erfahrungen, welche man anderwärts auf Flugwochen gesammelt hat, war mit Bestimmtheit vorauszusehen, daß auch Budapest mit einem Defizit abschliessen mußte. Allerdings ist eine halbe Million etwas sehr viel. Die Buda- pester sind jetzt um eine Erkenntnis reicher. Die bekannten Flieger Paulhan und Effimoff zeigten die üblichen Leistungen. Latham war widerholt vom Pech verfolgt. Die Leistungen von Ritter von Pischoff und Illner auf Etrich waren sehr gut. Der erste Tag, der 5. Juni, zählte mit zu den besuchtesten Etwa 40000 Zuschauer waren zugegen. Die Resultate waren folgende: Beim Startfliegen stellte Paulhan einen neuen Weltrekord auf, indem er sich schon nach 11'% Meter vom Boden erhob. Im Zeitdanerflug wurde Effimoff erster, Kinet zweiter. Der Distanzflug hatte das gleiche Ergebnis. Im Schnelligkeitsflug siegte Paulhan über zehn Kilometer in 8 Minuten 15 Sekunden; zweiter wurde Pischoff. Im Höhenflug ging Alfred Frey als Sieger hervor, indem er 184‘, Meter erreichte; zweiter wurde Chavez mit 162 Meter. Am zweiten Tag, den 6. Juni, wurden die Veranstaltungen durch starke Gewitterbildungen beeinträchtigt. Es flogen Engelhard, Kinet, Chavez, Paulhan, Effimoff, Pischoff, Warchalowski, Rougier, Wagner und Alfred Frey. Die Resultate sind folgende: 1. Höhenflug: Erster Effimoff (255 Meter), Zweiter Frey (77 Meter). 2. Distanzkonkurrenz: Erster Wagner (57.16 Kilometer), Zweiter Kinet (48.34 Kilometer). 3. Zeitdauerkonkurrenz: Erster Effimoff (1 Stunde 14 Min. 17 Sek.), Zweiter Kinet (1 Stunde 10 Min. 10 Sek.), Dritter Wagner (52 Min. 6 Sek.). 4. Schnelligkeitskonkurrenz: Erster Wagner (10 Kilometer in 8 Min. 46 Sek.), Zweiter Paulhan (8 Min. 53 Sek.), Dritter Pischoff (9 Min. 13 Sek.). __„FLUGSPORT“. Seite 371 Für den am 7. Juni stattgefundenen Ueberla o Raab, welcher mit 100000 Kronen dotiert war, on a am Start, Die Strecke Budapest-Raab ist 116 km lange und ınnß binnen 5% Stunden zurückgelegt sein. Eine Zwischenlandung ist gestattet. Um 2 Uhr 56 Min. startete Pischoff und flog in einer Höhe von ca. 7O ın über den Flurplatz davon. Pis ildert die Ei drücke während seines Fluges wie folgt: u \schoff schildert die Rin- Mein Apparat wurde erst j i „ st in den letzten Minuten i d und deshalb hatte ich kaum Zeit, die festgesetzte Startzeit na ae en Tribünen HIog 1 npiatz und dies sofort auf. Nach einem Halbkreis i 1 ac sten, um dann wi garen die Ofener Berge zu fliegen. Ich erreichte bald eine Kroße Höhe etwa Margereteninge , og in dieser Höhe über die Vorstadt, dann zur ch hielt mich immer in derselben Höhe und ka 1 Ic m daher b en a ördsvar. Erde zu nahe, weshalb ich beschloß,. cn derheb "zu en, „Ich die obachtung gemacht hatte, daß in den höh schichten gleichmäßigere Luftströmun | iInstigen. Nachdem ah C . gen den Flug begünstigen. N i diese Bodenerhebung passiert hatte, hielt ich nach den verfolgenden Atom holen zu lassen. Bald bemerkte ich eine ‚sennautomobil vermuten Konnte. Vor dem Militärla er von Pilis- ich, daß diese Vermutung richtig war. Ich unterschied De bemerkte wWinkten, ‚und grüßte zurück. Dann erblickte ich eine Pappelallee der ich aus- gie ‚ weil erfahrungsgemäß dort immer Luftwirbel herrschen. Ich hörte Hurra ufe der marschierenden Soldaten und schwenkte nach links, ohne das Auto- mobil aus den Augen zu verlieren. Ich flog nur noch eini e Minuten als vor mir eine riesige Sturmwolke auftauchte, Ä Von”der Budapester Flugwoche. Oben: Iliner auf Etrich, Unten links: Pischoff im Fluge. Rechts: Zselyi. Umschau und ermäßigte die Tourenzahl meines Motors auf 800, um mich ein- große Staubwolke, in der ich nur ein nfangs dachte Seite 372 „FLUGSPORT“. No. 12 No. 12 nn „FLUGSPORT“, ich daran, noch höher zu gehen und darüber hinwegzufliegen, doch bald mußte ich mich bescheiden und dachte an die Landung. Ein heftiger Windstoß trug mich jedoch hinauf, und ich mußte ordentlich arbeiten, um meinen Apparat trotzdem in der Richtung halten zu können. Ich paralysierte übrigens gar nicht die Windstöße, sondern ließ den Apparat ausschwingen. Er bewies damit seine große Sta- bilität. Nachdem ich geraume Zeit gegen den sich erhebenden Sturmwind geflogen war, prasselte plötzlich Regen und Hagel hernieder, die mich von neuem zwangen, nach einem Landungsplatze Umschau zu halten. Ich wendete mich der Donau zu und entdeckte bald an deren Ufer einen passenden Ort, trotzdem mir der Regen ins Gesicht peitschte, Baronin de Laroche sowie Pischoff, welcher nit dem Fürsten von Windischgrätz ıwıd Baron von Kdelsheim Passagierflüge noternahm f .r ax a alu 11a 1 DR M " Resultat: Tages-Dauerpreis Wagner mit I Stamde 16 Min, Höhen- preis Chavez 600 ın. x fan . FI. u . . . r - Dei fünfte "ag, der 9. ‚Jnni, war ein Unglückstag. Der Pran- zose Audit Frey beabsichtigte, einen Danerfing auszuführen. Naeh ca. 42 Minuten steigerten sich die Windböen derartig, dab sie den Apparat ins Schwanken brachten. ‚Frey snehte mit dem löhenstener zu parierein, wobei die Zugdrähte rissen. Die Maschine war dadurch . _lch stellte den Motor auf eine ganz geringe Tourenzahl und ging im vollständig steuerlos und flog gegen die Barriere, hinter der sich ca Sleitflug nieder, wobei ich auf ein annehmbares Ackerfeld geriet. Noch in der 20 Personen befanden. 4% Personen wnrden erheblic] erletzt sh. letzten Minute mußte ich darauf achten, daß ich nicht in eine Schweineherde rend Frey selbst nnverletzt blieb. Auch Lathan kürze ann 1% m oder in die Donau gerate. Der Abstieg gelang vollständig glatt, trotzdem man Höl 04 TI. zb DEN. ven Latlam stürzte aus 12 m per in die Donau gerate. Der Abstieg H ö en . Qlner, ‚welcher mehrere male anßerhalb über das Publi- Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte nnd Pischotf u An wurde in polizeiliche Strafe genommen. | seinen Motor einigermaßen von der Nässe befreien konnte, entschloß eb IK Juni, für welchen sich Pischoff nnd Tllner nochmals er sich zu einem neuerlichen Aufstieg, in der Hoffnung, den Ueber- Der A eberlandflug gemeldet hatten, erschien nur Ilner am Start. landflug doch .noch vollenden zu können. Er startete auf einer d B Par wurde jedoch bereits in 15 m Höhe zu Boden gedrückt, morastigen Wiese ohne jeden Zwischenfall und verschwand wieder ni aß die Maschine demaliert wurde. Infolge des starken Windes den Augen seiner Begleiter. Lgmnen die übrigen Anfstiege erst mm 5 Uhr 30 Min. Es starteten B 2 vn . R R . \ Ueber sone zweite Fahrt erzällt Pischoff: Latham, Panlhan, Wagner und Chavez. Wagner mdChavez wurden dnreh den starken Wind zn Boden gedrückt. „Ich flog nach meinem zweiten Aufstieg über die Donau und mochte 12 bis 15 Kilometer bereits zurückgelegt haben, als ich bemerkte, daß mein Motor nicht regelmäßig funktioniert, weshalb ich mich entschließen mußte, die Weiter- reise aufzugeben und zu landen. Wieder hob mich ein Windstoß, sodaß ich meine Absicht nicht sogleich ausführen konnte. Endlich gelang es mir, aus einer Höhe von 50 Metern in prachtvollem Gleitflug auf einem Ackerfelde zu landen. Die Schwierigkeiten des Motors ergaben sich daraus, daß der elektrische Zünder naß geworden war. Ich wanderte etwa 300 Meter bis zur Landstraße, setzte mich auf einen | Meilenstein und begann sofort zu pfeifen, als ein Wagen herankam. Es war ein Automobil, das dem beschmutzten Wanderer nicht gleich helfen wollte. Erst als Inland. _Flugtechnische Rundschau. ich mich vorstellte, waren die Insassen so freundiichh mich gegen Komorn zu fahren, damit ich meine Freunde aufsuche und den Apparat berge. Schon bei Duna-Almassy traf ich sie und kehrte mit ihnen zurück. Auf der Fahrt nach Budapest begegnete ich meiner Frau, die mir im Automobil entgegenfuhr und mich schluchzend umarmte, weil ich bereits als in Gefahr befindlich gemeldet worden war.“ An den Tageskonkurrenzen beteiligten sich, nachdem Pischoff fortgeflogen war, Kinct, Wagner und Effimoff, letzterer stürzte leider ab und mußte ins Sanatorium verbracht werden. Illner vollführte einen Höhenflug, wobei er 449 m erreichte. Die Resultate waren folgende: 1. Zeitdanerkonkurrenz. Erster Ulmer 55 Min. 48 Sek., Zweiter Wagner 54 Min. 58 Sek. .2. Distanzkonkurrenz.. Erster Wagner 62.33 Kilometer, Zweiter Kinet, 51 Kilometer. | 3. Höhenkonkurrenz. Erster IOlner 449 Meter, Zweiter La- tham 126 Meter. 4. Schnelligkeitskonkurrenz. Erster Jullerot 70.90 Kilo- meter per Stunde, resp. 10 Kilometer in 8 Minuten 27 Sekunden; Zweiter Wagner 70.59 Kilometer per Stnnde, resp. 10 Kilometer m 8 Minnten 30 Seknnden. Es flogen noch Panl, Amerigo nnd Rongier. Der vierte Tag, der 8. ‚Juni, brachte infolge heftiger Gewitter- bildungen eine längere Unterbreehnng der Flüge. Abends flogen Ueber Grades Passagierflug berichteten wir bereits in der letzten Nummer. Die beistehende Abbildung zeigt Grade im Fluge auf dem Flugfelde „Mars“. In den letzten Tagen hat Grade in Bork mehrfach Höhenflüge in melır als 100 Meter Höhe ausgeführt, unı aus der Vogelperspektive die Richtungszeichen zu erproben welche für die Route Bork-Johannisthal errichtet werden sollen Es ergab sich, daß die Entfernung der die Richtung anzeigenden zwei weißen Körbe, die auf Grades Passagierflug. „FLUGSPORT“. No. 12 Seite 374 (0 Meter bemessen war, zu gering ist; die Körbe werden nun wahrscheinlich eine Entfernung von &00 Meter von einander erhalten. Die Chinesische Studien-Kommission besichtigte in Berlin vor einigen Tagen ıie Werkstätten der „Flugmaschine Wright” (Gi. m. b. H. Beistehende Abbildung zeigt die Vorführung des verbesserten Wright-Apparates mit Stabili- sierungsfläche im Fluge vor der Kommission. - er Die Chinesische Studien-Kommission besichtigt die Wright-Apparate in Reinickendorf. Pegelow hat seinen bei Rumpler gebauten kleinen Eindecker ein wenig verändert und geht sehr vorsichtig zu Werke. Er hält sich auf dem Boden und nur beim Ueberfahren des das Marsfeld kreuzenden Landweges macht der Apparat einen Luftsprung. Auf diese Weise gewöhnt ihn sein Herr langsam an sein Flement und hofft, daß er sich in Anerkennung dieser sorgsamen Rehandiung uicht störrisch zeigen wird, went er er ihm demnächst einmal „Volldampf geben wird. Bruno Büchner, der bekannte Automobilfährer ist zur Aviatik über- gegangen. Fr hat Taddy Rohl’s Schultze-Heriort-Eindecker init 24 pferdigem Haacke-Motor erworben und diesen seit einigen Tagen in Bork erprobt. Am 7. d. Mts. gelang ihm ein erster Flug von 300 Meter bei H5- Meter ‚Höhe. - Auch die Landung verlief normal, allein alsdann zog der neue Aviatiker einen falschen Hebel, der Motor sing von neuem an und der Apparat lag gleich wieder in 153 Meter Höhe. Nun war aber der Wald sehr nahe und verwirrte den Führer, so daß die Landung unsanft erfolgte und der Apparat arg beschüdier wurde. Büchner selbst blieb unverletzt. Jeanin - Mülhausen und Kobt- München heabsichtigen bei Baden-Oos Schauflüge zn veranstalten. Einen Gleitflug von 00 Meter Höhe heabsichtiiet der Münchener Plug- techniker Hammel nit seinem Doppellecker von der Spitzu dus Grammmelsberaes bei München auszutühren. No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 375 Maschine II des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt ist nun- mehr nahezu fertiggestellt. Sie soll zum ersten male auf dem Ballonsportplatz anläßlich der Gordon-Bennettfahrt gezeigt werden. Die Flugmaschine stellt einen vollständig neuen Typ dar. Die ca. 12 m breite, 111, m lange Flugmaschine ist als Dreidecker gebaut. Trotzdem die Konstruktion der Mehrdecker von anderen Konstruktetiren des In- und Auslandes aufgegeben wurde, hat man sie hier doch beibehalten, da man mit der Staffelung der Tragdecken nach Rückwärts bei einem vertikalen Abstand von I m einen besonders günstigen Wirkungsgrad zu erzielen gedenkt. Ferner wird besonders großer Wert gelegt auf einen stoß- freien Eintritt der Luft bei den in ihrer Form vollständig neuen Tragdecken. Die Verwendung von Holz als Konstruktionsmaterial wurde verlassen und zu weitgehendster Verwendung von Aluminiumröhren übergegangen. In die Ma- schine ist ein Körting-Motor mit Wasserkühlung, welcher bei 125% Touren 65 PS leistet, eingebaut. Zur Verwendung kommt ein hinter den Tragdecken angeord- neter Holzpropeller eigner Konstruktion. Zur Stabilisierung dienen je 3 jalousie- artige an den äußeren Enden der oberen und mittleren Tragdecken angebrachten Abweicheflächen. Das Höhensteuer ist nach Art der Eindecker ausgeführt. Die Seitensteuerung erfolgt durch ein vertikales Schwanzsteuer. Die Tragfähigkeit der Flugmaschinen soll trotz des großen Motorgewichtes von über 200 kg noch stark genug sein, um außer dem Piloten noch 2 Passagiere mitzunehmen, da durch die Aluminium Konstruktion das Totalgewicht des Apparates auf ein Mini- mum herabgedrückt wird. Faerber, Hamburg, unternahm vor einigen Tagen auf dem Wandsbecker Exerzierplatz mit seinem Eindecker einen Flugversuch. Der Apparat hatte sich kaum von der Erde erhoben, als ihm ein Automobil in die Fluglinie fuhr, Trotz- dem der Flieger versuchte den Apparat nach links zu werfen, verfingen sich mehrere Drähte in dem Automobil, wodurch die Tragdecken schwer beschädigt wurden. Die Schuld an dem Unfall soll dem Automobil zuzumessen sein, da es trotz des an allen Ecken des Exerzierplatzes angeschlagenen Verbots den Platz befuhr und außerdem um 9°, Uhr, zur Zeit des Unfalles, noch keine Laternen angezündct hatte. Ausland. Zweidecker Clement-Bayard. Clement Bayard hat bekanntlich ncuer- dings den Bau von Zweideckern energisch in Angriff genommen. Die Apparate sind sehr sauber gearbeitet. Umstehende Abbildung zeigt eine Maschine „Clement Bayard“ mit einem Passagier im Fluge in Issy-les-Moulineaux. Hamilton flog am 13. Juni von New-Vork nach Philadelphia. Er benötigte für die 290 km lange Strecke I Stunde 47 Minsten. Während des Rückfluges nach New-York erlitt Hamilton einen Motordefekt und wußte in der Nähe von Perth Amboy niedergehen. Er stieg jedoch wieder auf, flog nach New-Vork und gewann den [Ö000 Dollarpreis Der neue Farman-Kindecker besitzt 15 qm Tragfläche bei 7,5 m Spann- weite. Die Gesamtlänge beträgt 9 m. Farman, welcher den Eindecker als Renn- naschine gebaut zu haben scheint, hofft hiermit 80 km Geschwindigkeit zu cr- zielen. Der Flugapparat im amerikanischen Heeresdienst. Wie aus New-York berichtet wird, sollen Dei dem dieser Tage stattiindenden Heeresübungen \Ver- suche gemacht werden, ob die Flugapparate imstande sind, 200 bis 300 Pfund Sprengstoff bei einer Geschwirsiigkeit von 15 bis 50 Meilen in der Stunde mit in die Höhe zu nehmen une ihn aus einer Höhe von einer viertel Meile auf Ziel- scheiben herabfallen zu lassen. \ie Befestigungen, Gebäude und auf einer Fläche No, 12 Seite 3706 „FLUGSPORT“. von zwei Quadratmeilen versammelte Truppen darstellen sollen. Der Flieger Hamilton hat sich der Aufgabe unterzogen, 75 Bomben herabzuwerfen. nn Maurice Clement mit Passagier auf „Clement-Bayard“ in Issy-les-Moulineaux. Schraubenflugmaschine Vuitton. Vuitton versucht noch unentwegt, seine Schraubenflugmaschine zu verbessern. Das Untergestell der Maschine ist wesentlich verkleinert worden Zum Betriebe dient ein 30 PS Clerget-Motor Schraubenfluginaschine von Vuitton. Nervö, welcher unseren Lesern von der Frankfurter „Jla“ her bekannt ’ . Ist, stieg am 3. Juni, abends 8% Uhr auf der Insel Amager bei Kopenhagen auf, überflog den Sumnd, die Seeforts, den Freihafen, und die Stadt, umkreiste den Rathansterm und landete nach 47 Minuten, No. 12 „FLUGSPORT. Clenn H. Curtiss hat durch seinen Flug von Albany nach New-York, über welche wir bereits in der letzten Nummer berichteten, sich in Amerika große Sympathie erworben. Als bekannt wurde, daß Curtiss in Albany abgeflogen ist, versammelte sich an dem Hudson-Ufer von New-York eine große Menschen- menge, welche Curtiss begeisterte Ovationen darbrachte. Dieser Moment ist in ıntenstehender Abbildung festgehalten. SL. ’ g- »i_ TTS ar 3 er} Clean H. Curtiss trifft in New-York ein. Flugpreise. Ein 30,000 Dollar-Preis. Die „New York World“ und der „St. Louis Dispatsch“ haben gemeinsam einen Preis von 30,000 Dollar für einen Flug im Aeroplan von New York nach St. Louis ausgesetzt. „New York Times“ und „Chicago Evening Post“ wollen einen Flug von New York nach Chicago mit 25,000 Dollar dotieren. Flugkonkurrenzen. Die Mondorfer Flugwoche ist programmäßig zu Ende gegangen. Ver- treten waren die bekannten Flieger Baron de Caters, Mollien, Christiaens, -— —Bärrier, und de Petrowsky. Ueber die Resultate werden wir wegen Platz-" imangel in der nächsten Nummer berichten. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. Tb. W. 34001. Luftpumpe mit Kurbelschleifenantrieb für pneumatische Gleichgewichtsregler von Flugmaschinen. Karl Willems, “ Saaralben, Lothr., Solvaydorf. 26. 1. 10. 7Th. R. 26165. Luftschraube. Hermann Rithenberg, Villenkolonie Grune- wald. 8. 4. 08. Seite 378 „FLUGSPORT“. No. 12 7rh. R. 27335. Rohre für Luftfahrzeuggerüste. Carl Edler von Radinger, Wellingdorf bei Kiel, und Dr. Rudolf Wagner, Stettin, Birkenallee 22. 9. 11. 09. 7rh. W. 28962. Flugmaschine mit auf wagrechten Weller zwischen be- sonderen Saug- und Druckkammern angeordneten Flügelrädern. Alfred Wunder- lich, Brüssel; Vertr.: R. Deißler, Dr. G. Döllner, M. Seiler und E. Maemecke, Pat.-Anwälte, Berlin SW. 61. 27. 12. 07. 77h. B. 50861. Steuerungsvorrichtung, für Flugzeuge, Luftschiffe u. dgl. Louis Bleriot, Neuilly sur Seine, Frankr.; Vertr.: C. Fehlert, G. Loubier, Fr. Harmsen, A. Büttner, Pat.-Anwälte, Berlin SW, 61. 24. 7. 08. Patenterteilungen. zrh. 223135. Treibflächen an Luftschiffen und Flugmaschinen. Vincent Wisniewski, Berlin, Unter den Linden 12. 8. 7. 08. W. 30103, och 223 252. Vorrichtung zum Fliegen. Ed. Breslauer, Leipzig. 18. 1. 06. B. 41983. zrh 223552. Luftschraube mit unstarren Flügeln; Zus. z. Pat. 214 228. P. F. Degn, Bremen, Wilhadistr. 3 12. 3. 08. D. 21338. 7Th. 223586. Drachenflieger. Julius Wiese, Hamburg. Neuer Steinweg 60 1. 1. 08. W. 28987. Gebrauchsmuster. 7Th. 421 696. Zusammenlegbarer Drachen mit am Schwanzende angebrachter, durch zw i aufblähbare Flächen gebildeter Steuerung. Emil Böhringer, Böckingen, O.-A. Heilbronn, Württ. 27. 4. 10. B. 47684. 77h. 421723. Auftriebs- und Treib-Einrichtung für Flugmaschinen, Luft- schiffe u. dgl. Arnold Munk, Leipzig, Löhrstr. 14. 21. 9. 09. M. 31857. 77h. 422663 Flugapparat ohne Motorantrieb. Carl Miller, Hamburg, Desenisstr. 27. 4. 4. 10. M. 33956. 7rh. 422787. Fliegevorrichtung. Karl Emil Buhler, Buttstädt i. Th. 7.5. 10. B. 47840. Verlängerung der Schutzfrist. 77h. 310060. Flugmaschine usw. Gottlieb Friedrich Gustav Freyberg, Esperstedt a. Kyffh. 15. 5. 07. F. 25623. 12. 5. 10. Verschiedenes. Die vom Aero-Club des France verliehenen Flugmaschinenführer-Zeugnisse. . Louis Bleriot (Bleriot-Eindecker) . Clenn H. Curtiss (Curtiss-Zweidecker) Leon Delagrange (Bleriot-Eindecker) . Robert Esnault-Pelterie (REP-Eindecker) . Henry Farman (Farman Zweidecker) Captain F. Ferber (Voisin-Zweidecker) Maurice Farman (M. Farman-Zweidecker) Jean Gobron (Voisin-Zweidecker) . Comte de Lambert (Wright-Zweidecker) . Hubert Latham (Antoinette-Eindecker) . Louis Paulhan (Voisin-Zweidecker) . H. Rougier (Voision-Zweidecker) . 11. A. Santos-Dumont (Demoiselle-Eindecker) F 12. P. Tissandier (Wrigt-Zweidecker) 13. Orville Wright (Wright-Zweidecker) 14. Wilbur Wright (Wright-Zweidecker) 15. E. Bunau-Varilla (Voisin-Zweidecker) 16. A. Leblanc (Bleriot-Eindecker) 17. J. Mamet (Bleriot-Eindecker) 18. R. Metrot (Voisin-Zweidecker) 19. Prince Bibesco (Bleriot-Eindecker) 20. E. Aubrun (Bleriot-Eindecker) 21. Jacques Balsan (Bleriot-Eindecker) 22. Hon. C. S. Rolls (Wright-Zweidecker\ 23. Mortimer Singer (Farman-Zweidecker) 24. L. Molon (Bleriot-Eindecker) 25. H. Bregi (Voisin-Zweidecker) Spnnan Bun wi No. 12 „FLUGSPORT“. Seite 379 26. Jacques de Lesseps (Bleriot-Eindecker) 27. Ernest Zens (Bleriot-Eindecker) 28. Roger Sommer (Farman-Zweidecker) 29. C. Grahame-White (Bleriot-Eindecker) 30. M. Effimoff (Farman-Zweidecker) 31. G. Chavez (Farman-Zweidecker) 32. Lieut. Kamerman (Farman-Zweidecker) 33. D. Riemsdijck (Curtiss-Zweidecker) 34. E. Morelle (Farman-Zweidecker) 35. Mme R. De Laroche (Voisin-Zweidecker 36. E. Van den Born (Farman-Zweidecker) Hubert Le Blon (Bieriot-Eindecker) 37. R. Gasnier (Wright-Zweidecker) 38. J. T. C. Moore-Brabazon (Voisin-Zweidecker) 39. M. Herbster (Farman-Zweidecker) 40. F. Deletang (Bleriot-Eindecker) 41. A. Crochon (Farman-Zweidecker 42. Capt. Burgeat (Antoinette-Eindecker) 43. Lieut. Bellanger (Farman-Zweidecker) 44. G. P. Küller (Antoinette-Eindecker) 45. Emile Dubonnet (Teltier-Eindecker) 46. A. Frey (Farman-Zweidecker) 47. M. Baratoux (Wright-Zweidecker) 48. N. Popoff (Wright-Zweidecker) 49. V. Wiesenbach (Farman-Zweidecker) 50. Louis Breguet (Breguet-Zweidecker) 51. C. L. Wächter (Farman-Zweidecker) 52. L. Morane (Bleriot-Eindecker) 53. G. Legagneux (Voisin-Zweidecker) 54. R. Tousin (Bleriot-Eindecker) 5%. G. Mollien (Bleriot-Eindecker) 56. Walter de Mumm (Antoinette Eindecker) 57. L. Gaubert (Wright-Zweidecker) 58. Victor Rigal (Voisin-Zweidecker) 59. H. Jullerot (Farman-Zweidecker) 60. L. Cheuret (Farman-Zweidecker) 61. Lieut. Fequant (Farman-Zweidecker) 62. R. Barrier (Farman-Zweidecker) 63. Lieut. Sido (Farman-Zweidecker) 64. H. Sallenave (Bleriot-Eindecker) 65. Bruneau de Laborie (Farman-Zweidecker) 66. Lieut. Aquaviva (Bleriot-Eindecker) 67. Comte de Montigni (Bleriot-Eindecker) 68. Haydn Sands (Antoinette-Eindecker) 69. Capt. Bertram Dickson (Farman-Zweidecker) 70. McArdle (Bleriot-Eindecker) 71 H. Weiss (Bleriot-Eindecker) 72. Baron C. de Cederström (Bleriot-Eindecker) 73. Graham Gilmour (Bleriot-Eindecker) 74. M. Mignot (Voisin-Zweidecker) 75. L. Didier (Farman-Zweidecker) 76. Capt. Marie (Farman-Zweidecker) 77. R. Martinet (Farman-Zweidecker) 78. G. Tetard (Farman-Zweidecker) 79. R Ladougne (Goupy-Zweidecker). Literatur. Denkschrift der ersten internationalen Luftschiffahrts-Ausstellung (Jla) zu Frankfurt a. M. 1909. Offizieller Bericht herausgegeben von Prof. Dr. Bernhard Lepsius und Prof. Dr. Richard Wachsmuth. 1. Band Wissenschaftliche Vorträge. Meine Erinnerungen an die „Jla“ sind nicht die angenehmsten. Ich habe vergeblich versucht, aus dem Konglomerat des Dargebotenen einen Kern heraus- Seite 380 „FLUGSPORT“. No. 12 zuschälen, welcher für die Zukunft von Bedeutung sein kann. Dieses Beginnen hatte ich längst aufgegeben und war daher nicht wenig überrascht, als dieser Tage ein stattliches Werkchen, betitelt „Denkschrift der ersten Internationalen Luftschiffahrts-Ausstellung“ sich auf meinem Schreibtische einfand. Mit großer Hast durchflog ich den Inhalt und mußte zu meiner Freude feststellen, daß das Buch wirklich den Namen „Denkschrift“ im Sinne des Wortes verdient. Im ersten Band dieses Werkes sind die im Laufe der Ausstellung von Fachleuten gehaltenen Vorträge über die Luftschiffahrt und ihre verwandte Gebiete, wie meteorologische Beobachtungen, elektrische Verliältnisse der At- mosphäre, Vogelflug, Ballonphotographie u. s. f. zusammengefaßt. Nach Ab- schluß der weiteren Bände werden wir sowohl ein vollständiges Bild des auf der Ausstellung Erstrebten und Erreichten, sowie auch einen wertvollen Beitrag zu der Entwicklung der Luftschiffahrt haben. Professor Wachsmuth und seine Arbeiter verdienen höchste Anerkennung. U. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1522, Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter ,„ Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1522. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. -- Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holten. Vorstand: 1. Vorsitzender: A. Breuer, Wasserwerksdirekt.‚ Oberhausen 2. „ Fritz Nohlen, Gemeindevorstelher, Holten. AL | Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten. 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. R Redakteur Huhn, Oberhausen. Geschäftsführer des Vereins ist Redakteur Rudolf Huhn zu Oberhausen; an diesen sind ausnahmslos alle Sendungen zu richten. No. 12 „FLUGSPORT". Seite 381 De Offizielle Mitteilungen ul des rankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. n Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: "berleutnarit a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., u Bergweg 12, Beisitzer: Ing. Böninger und Pega. Unser 2, Vorsitzender, Herr Ing. Hans Krastel, flog am 8. Juni : Münchener Oberwiesenfeld in Gegenwart der Generäle von Brue" und Schmidt vor einer Militärkommission einige vorgeschriebene Probeflüge auf Grund deren er sodann offiziell zum Fluglehrer der Offiziere der bayerischen Luftschiffer-Ab- teilung ernannt wurde. 2, Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fern h 1 VORUIZENdER: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 16 er . Vorsitzender: Privatdozent Dr. von d i Kreis Breslau u "Erdbebenwarte „cozent Dr. von em Borne, Krietern, Kreis Breslau 9009 . Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 7... 0° ’ 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 10 . . nn 10903 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 4 . . . . 2... 2454 Flugwart: Ingenieur Walzel, Museumsplatz 15 2 2 2 oo 2000. 3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 3. . . . . \ 2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 2i on 2888 ans Ledermann, Rentier, Hohenzolt t 107 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 43 ug Bi rade ” . 903 Universitätsprof Dr. Rich A a Init ofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraß .. Freiherr von Durant, Langendorf 58 sirafe 19 Sn 1188 Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 . . . . en 2701 Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße 1... . . 2.2689 Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 4 . . . ....0.. 9280 Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . . . 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue S \idnitzerstraße 4 (Nord. deutscher Lloyd) . en ‚ch weidhiizerstraße ' (Nord 2701 erbeten schriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 Seite 382 „FLUGSPORT“ No. 12 Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim. Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender : Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377. 2, » Ing. Gg. Schollmeier. . j Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37a. Kassier: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. eden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den hen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in dem Club-Lokal „Hotel “ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Royal Dem Club, der in der letzten Zeit einen stattlichen Mitgliedszuwachs zu ver- zeichnen hatte, ging dieser Tage die hocherfreuliche Nachricht zu, daß HerrFabrikant Dr. Karl Lanz, der warmherzige Freund und Förderer der deutschen Aviatik, sich bereit erklärt hat, das Ehrenpräsidium des Mannheimer Flugsport- Club und die Vertretung Mannheims im Vorstand des Deutschen Flieger-Bundes zu übernehmen. Der Club veranstaltet am Sonntag den 26. Juni und evtl. am darauf folgenden Montag auf dem hiesigen Exerzierplatz ein Schaufliegen, zu dem der Aviatiker Weiss (Bleriot) und ein Wrightfahrer gewonnen sind. Die Vorbereitungen fen der Veranstaltung sind bereits in vollem Gange. Die Behörden zeigen großes Entgegenkommen, so daß das Arrangement auf keine großen Schwierigkeiten stößt. Da in Mannheim noch kein Schaufliegen veranstaltet worden ist, rechnet man auf einen Massenbesuch aus ganz Unterbaden und der Pfalz. Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 281. Vorstand: 1. Vorsitzender: Lehrer und Schriftsteller Georg Specht, Taucha-Leipzig, Bismarckstr. 4I- 2% » Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 23H Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe | 2. » Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister; Bergdirektor Otto Prochnow. Bücherwart: stud. math. Hans Röse, Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vere’nslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Am 9. Juni fand im Saale des Börsen - Restaurants der VI. Arbeits- abend des Flugtechnischen Vereins-Leipzig statt. Herr stud. phil. HansRöse aus Halle sprach über das Thema: „Die bisherigen sportlichen Ergeb- nisse der Flugschiffahrt“ und Serie in fesselnder Weise die Ent- i der Rekords in den letzten ahren. wickein Ger Diskussion wurde insbesondere die Frage erörtert, wie weit in Deutschland die Resultate verbessert werden könnten. Eine wesentliche Schuld an den schlechten Resultaten der Flugwochen tragen die geringen Preise in Deutschland bei. Herr Oberiehrer Freund deutete darauf hin, daß dieser Mangel voraussichtlich beseitigt würde durch die rege Tätigkeit des neugegründeten Deutschen Fliegerbundes, der demnächst u. a. einen hochdotierten Ueberlandflug Frankfurt/Mannheim arrangiere. Es stehe in sicherer Aussicht, daß der Einfluß des Fliegerbundes nach jeder Richtung hin befruchtend auf den Fliegersport wirke. Ein grosser Mangel sei auch noch der Umstand, daß die Flugplatzgesell- schaften nicht mindestens den Apparat garantierten im Falle dessen Zerstörung. Es kamen dann noch die Meßmethoden für die Höhen, Entfernungen, Ge- indigkeiten usw. zur Erörterung. . ee dem Vortrage fand noch eine Vorstandssitzung statt. No. 12 „FLUGSPORT“. Offizielle Mitteilungen “ ID An .. LT des Düsseldorfer iv Flugsport-Club. " Sitz Düsseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Direktor Probst. Schriftführer: C. Kremer. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Steinstr. 70 Vereinsabend statt. Gäste willkommen. Die nächste Generalversammlung findet am 23. Juni statt. Aus der Industrie. Die deutschen Flieger haben sich während der Berliner Flugwoche wacker gehalten. So hat z. B. Emil Jeannin die ersten Preise für den Dauer- flug, den kleinsten geflogenen Kreis und die Gesamtsumme der während der Dlugwoche in der Luft zugebrachten Zeit gewonnen. Außerdem erhielt er den 2. Gleitflugpreis, den 2. Landungspreis und den Ehrenpreis des Berliner Vereins für Luftschiffahrt. — Im ganzen hat er an Geldpreisen Mk. 24,500 gewonnen. — Jeannin benützte einen mit Metzeler Fliegerstoff bespannten Flugapparat der Aviatik-Gesellschaft in Mülhausen i. El. — Auch Kapitän Engelhard hatte Er- folge und konnte Mk. 4000 an Preisen einheimsen. Seinen neuen Wrightapparat hat er ebenfalls mit Metzeler Fliegerstoff bespannen lassen. Die Aktiengesellschaft Metzeler, München, zählt die berühıntesten Kon- strukteure, wie z.B. die Deutsche Wri ht-Gesellschaft-Berlin, Siemens-Schuckert- Werke, Louis Bleriot, Voisin freres, Hanriot, Gregoire Gyp, M. Farman, Oberst Cody, Hans Grade und Clement Bayard zu ihren Kunden. Für Flugplatzgesellschaften. Ein Bogenlicht-Ersatz für 3 Pfg. Unser Zeitalter hat das Wort „Sensation“ zu einem Tagesgebrauch werden lassen. Ereignisse, die früher „welterschütternd“ gewirkt hätten, werden heute mit einer gewissen Selbstverständlichkeit hingenommen, so sehr ist man dem Eindringen es menschlichen Geistes in unerforschte Gebiete und seinem Entdecken schlum- mernder Kräfte und Eigenschaften überzeugt. Nur noch solche Erfindungen wirken revoltierend auf das Alltagsleben ein, die zum Gemeingut eines jeden Sterblichen werden können. Welche Umwälzung, als von Amerika die Kunde kam: „Ein Steinöl ist entdeckt, das viel heller brennt, als die Oellampe; das Petroleum ! Doch wie alles wandelbar ist hier auf unserem Planeten, der Kienspan der trüben Oellampe weichen mußte, und diese wiederum dem Petroleum, so schien auch die Zeit gekommen, wo durch die Elektrizität das Steinöl verdrängt werden sollte. Doch nur scheinbar, und nur um wieder zu erscheinen als das Juwel in der bekannten Krone der Beleuchtungsarten: als Imperial-Petrollicht. War früher die Leuchtkraft des Petroleums schwach und trüb, die Licht- fülle selbst bei großen Lampen immer eine ungenügende, so triumphiert heute das als Petrolgas wiedergeborene Petroleum — selbst allerminderwertigster Art — über alle Lichtarten. Nicht allein die unvergleichlich hell strahlende Licht- menge machen die Erfindung der Petrolgas-Erzeugung zu einer epochalen, son- dern der minimale Verbrauch an Petroleum und die hierdurch erzielte Leucht- kosten-Ersparnis von über 600 %, gegenüber allen anderen gebräuchlichen Licht- arten ist es, der diesen Fortschritt der Technik in den Vordergrund für Alle rückt und das regste Interesse von Industrie, Handel und Gewerbe zugunsten dieser neuen Lichtquelle wachruft. Und so ist wiederum die stattliche Zahl moderner Errungenschaften um ein brauchbares Glied reicher geworden, das durch seinen Hauptvorzug — dem Bogenlichtersatz für 3 Pfg. — nicht zuletzt steht in der Reihe dieser umwälzen- den Erfindungen mit praktischem Wert für die Allgemeinheit. Der Vertrieb der Imperiallampen erfolgt durch die Imperial Licht Compagnie G. m. b. H. in Frank- furt am Main. Seite 384 „FLUGSPORT“. No. 12 F. Ehrenfeld, Frankfurt a. M., Göthestraße, hat soeben einen hübsch aus- gestatteten Katalog ihrer freifliegenden Fiugmaschinenmodelle herausgegeben. Es gibt wohl keinen Katalog, welcher an Reichhaltigkeit mit dem vorliegenden gleichgestellt werden könnte. Flugtechnische Literatur. Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT“, Frankfurt a. M. Hilitsbuch für den Luftschiff- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zur Berechnung der Leistungen und des Wirkungsgrades von Luftschiffen, Flugmaschinen aller Art und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Dallwitz. Preis Mk. 9.— Wie der Vogel fliegt und wie der Mensch fliegen wird von Ingenieur Wilhelm Kress. reis Mk. 4. -. Die Luftschiffahrt von A. Hildebrandt. Preis Mk. 15.—. Laviation, de Cräte ä Crete, de Ville ä Ville et de Continent ä Continent von Ferber. reis Fr. 5.—. Das Flngprinzip, eine popuär wissenschaftliche Naturstudie von Car. Buddenstädt Preis Mk. 5.50. Original „Bleriot“ No. 95 Type Kanalflieger mit 24 PS. Anzani, flugfertig, sofort zu verkaufen Reflektanten erf. Näheres unter „Bleriot“ 137 durch Redaktion der Zeitschrift. Zu kaufen gesucht guterhaltene Flugmaschine (Ein-od. Zweidecker) Ausführliche Offerte erbeten unter Angabe der Konstruktion, Motors, PS, Gewicht, Flächeninhält und evtl. Abbildung an Hotel Bauer, Berlin, Unter den Linden, Zimmer 180. Verkaufe wegen Mangels eines Motors 2 Tragflächen 6,00 X 1,30 m mit la Continentalst. b.sp. (Bauart Voisin) 2 Stabilitätsflächen 1,25 X 0,65 m 60 Spannschr. etc. für Mk. 250.—. Gef. Anfragen u. „Fiugmaschine“ Haupt- postlagernd Brombeig. (8 Unter günstigen Bedingungen zu verk. Ein neuer Flugmotor wassergekühlt, 4 Cyl. ca. 55 PS Gewicht 125 kg, 85 qm Cont. — Aeroplanstoff (Marke 100 b) 160 Stück Spannschrauben 350 m Klaviersaitendraht 1°/, mm Durchm. Gefl. Offert. erb. unter A, J. 323 an Rudolf Mosse, Magdeburg. (1 D. R. P. ang. -— . Luftschrauben „Präcision‘“. von keinern ausi. Fabrik. übertroffen. Faerber & Co., Hamburg 19, Tornguistsir. 73. Verlangen Sie kostenlose Offerte. (1, Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Representant pour la France: E, Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portoireler Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 13, Frankfurt a. M., 6. Juli 1910. Jahrg. Il. Die Dunne-Flugmaschine. Die Flugmaschine von Leutnant J. W. Dunne zählt zu den wenigen Konstruktionen, welche von den bisherigen Typen erhebliche Abweichungen zeigen. Die V-förmig nach hinten gebogenen Trag- decken sind allerdings nichts neues. Die Maschine bietet in ihrer konstruktiven Durchführung jedoch so viel Interessantes, daß sie in Nachstehendem wiedergegeben sei. Das Fahrgestell besteht hier aus zwei unter sich unabhängigen Radsystemen. Der Vorderteil des bootförmigen Tragkörpers wird durch ein an demselben angebrachtes Räderpaar a getragen. Die Räder sind unter sich fest verbunden und nach oben durch Spiralfedern abgefedert. An dem hinteren Teil des Körpers ist ein drittes Rad b angebracht, welches zwischen einer zweiteiligen, federnden Holzkufe sitzt. Der Rumpf ist ein bootförmiges Gitterwerk mit flachem Boden aus Holz- und Stahlbändern. In der Mitte sind zur Anbringung des Motors starke Tragbalken eingebaut. Hinter diesem geht seitlich nach rechts und links ein Gitterwerk zur Anbringung der Holzschrauben. Der vorn und hinten spitz zulaufende Rumpf ist am Boden und den Seiten mit Stoff überzogen, sodaß sowohl der Luftwiderstand des Motors und Führers vermindert wird, als auch der Druck, der durch die an diesen Massen entstehenden Luftwirbelung, auf die Oberfläche der Tragdecken in Wegfall} kommt. Die Tragdecken liegen senkrecht übereinander und sind unter einem Winkel von 58° nach hinten gezogen, so daß ihre äußeren Enden lınter das Hinter- Seite 386 ar LUGSPORT*“. No. 13 ende «des Tragkörpers reiehen. Hierdurch wird bewirkt, daß die Tragflächenenden mit den daransitzenden Stenerflächen d hinter den Schwerpunkt der Maschine zn liegen kommen und somit eine be- sondere Schwanzfläche ersetzen. 3ei der eigentümlichen Form der Tragdecken ist von der Er- wägung ausgegangen worden, dab Tragdecken, die V-fürmig gebogen sind, natürliche Stabilität besitzen. Dieselben sind deshalb so gc- (relt worden, daß der Eintrittswiukel an den Enden kleiner ist als in «dev Mitte, wocdhnreh das Systein der V-förmigen Tragdecken ge- löst ist. Die Tragdecken sind doppelt bespannt und werden von zwei Tragbalken schalten, welche durch zahlreiche Tragrippen verstärkt sind. Das obere Deck ist als Hanptdeck angesehen nnd wird mit dem nnteren durch Streben nnd Diagonalverspannnngen verbunden. Die Befestigungen zwischen Streben und Tragbalken bestehen aus Stahlblech. An den Tragdeckenenden sind senkrechte Flächen angebracht. Die Vorderkanten der Flügel sind straff gespannt, jedoch bieten enge Spalten *) an der Vorderkante entlang nach den Enden zu der Imft einen Expansionsweg. Dies ist ein praktisch erprobter Vorteil, der sich aber vom acrodynamischen Standpnnkte ans nicht erklä- ron läbt. Als Höhen- sowohl als auch als Seitensteuer dienen die an den Enden des oberen Deeks angebrachten Klappen d. Diese Klappen sind mit 2 Stenerhebeln ı, die sich rechts und links vom Pilotensitz befinden, unabhängig voneinander verbunden. Durch gleichzeitige Bewegung der Hebel in gleichem Sinne dienen die Klappen als Höhenstener. Dies ist jedoch nur ermöglicht durch die Lage der Klappen hinter dem Schwerpunkt der Maschine. Die Seitensteternng wird dnreliı Bewegen der Hebel. und somit der Klap- pen ım umgekehrtem Stune bewirkt. Zum Betriebe dient ein 4- Cylinder wassergekühlter Green-Motor &, der bei 1100 Touren 50 PS leistet. Der Kühler k ist zweiteilig ausgeführt und an den seitlichen Streben links nnd rechts vom Motor zwischen den Decks ange- bracht. -Der Benzintank | hängt direkt über der Maschine an einem eigenen Rahmen. Die beiden in gleichem Sinne umlaufenden Holzschrauben I haben 2133 mm Dnrchmesser bei 2285 mm Steigung. An den- selben sind je ein Zalmrad mit 20 Zälınen fest angebracht, die wie- dernm dnreh ein anf der Knrbelwelle sitzendes Zahnrad mit 12 Zähnen angetrieben werden. *) Vergl. Flight No. 77. ms Dunne- Flugmaschine. Tragfläche 55 qm. Green-Motor 50 PS. Seite 388 „FLUGSPORT“. No. 13 Das Drehmoment ist durch ein an der einen seitlichen Kufe an- gebrachtes Gewicht aufgehoben. Leutnant Dunne hat mit dieser Maschine bereits mehrere schöne Flüge ausgeführt, darınter einen von 2 englischen Meilen. Die Flugmaschinen-Ausstellung des Schlesischen Flugsport-Club. Der Schlesische Flugsport-Club veranstaltete vom 19.—23. ‚Juni auf der Festwiese im Scheidniger Park eine Flugmaschinen- -Anısstel- lung. Anusgestellt waren zehn "Flngmaschinen in natürlicher Größe nd mehrere Modelle. Es sei festgestellt, daß noch keine flugtech- nische Ausstellung in Deutschland eine derartig große Anzahl von Flugmaschinen aufzuweisen hatte. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Die Ansstellung wird in den Annalen der Geschichte des Schlesischen Flugsport- -Oinbs ein würdiges Denkmal bilden. Der Schlesische Flugsport-Chub kann mit den Resultaten zufrieden sein. Die intensive aufopfernde Tätigkeit der während der Ausstellung tätigen Herren verdient höchste Anerkennung. Beim Betreten des Ausstellungszeltes bemerkte man rechts einen von der „Pilot“-Flugtechn. Ges. m. b. H., Berlin, ausgestellten nnd von den Albatros- Werken erbanten Antoinette-A pparat. Diese Maschine gleicht in ihrer Konstruktion genan der Original- Antoinette-Maschine, ist jedoch in allen ihren Teilen von den Al- batros-Werken hergestellt. Zum Betriebe dient ein 50 PS Argus- Motor. _ Der zweite links vom Eingang befindliche Apparat ist der un- seren Lesern bekannte Eindecker von Ingenieur Ursinus. Die „Flugmaschine Wright“ G. m. b. H., Berlin, zeigt ein selır groß ausgeführtes Modell ihres Wright-Doppeldeckers. In der linken Seitenhalle bemerkte man zwei Apparate von Fritz Heidenreich, eines der eifrigsten Mitglieder des Schles. Flug- . sport-Qlubs. nn Der Eindecker Nr. 1 von Fritz Heidenreich besitzt einen Motor von Weiland & Gildemeyer, Stärke 25/30 PS, Zylinder, Tourenzahl 1500, Batteriezindung. Zum Antriebe Ant eine Holzschranbe von 1,8 m Durchmesser. "Das Seiten- und Hölıen- stener wird bei diesem Apparat, mittels Stenerrad betätigt, während die seitliche Stabilität vermittels Rückenhebel, wie beı Santos Du- mont, beeinfinbt: wird. Der Sitz des Führers befindet sich unter der Tragılocke. Das Gewicht der Maschine mit Motor beträgt 150 kg, No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 389 un —w I TITTT il eu | Hl u Du) La \ N m Zu en ll ji AN || nn ee an; n zul I br EL Oben: Fiugmaschine Ursinus Frankfurt a. M. Unten: Antoinette-Maschine der Pilot-Ges. Berlin. N? I CC mem! . Na N Ill | Oben: Eindecker Heidenreich No. I und 2. Unten: Eindecker Riemay. Seite 390 „ILUGSPORT“ No. 13 olıns Motor 8O kg. Die Spannweite beträgt 8,5 ın, «he Gesamtlänge 7 m, das Tragflächenareal 19 qm. Der Eindecker Nr. II von Fritz Heidenreich besitzt einen luftgekühlten Vierzylinder-Grade-Motor, welcher bei 1500 Touren 40 PS leistet. Der Motor hat Magnetzünduug und arbeitet im Zweitakt. Die Holzschraube von 2 m Durchmesser ist, direkt auf die Motorachse gekuppelt. Die Stenernng ist genau wie beim Apparat Nr. I, ebinso die Sitzanordmuug und die Abmessungen der Tragdecken. Die Maschine wiegt mit Motor 170 kg. Neben dem Hetdenreichschen Stand befindet sich der Eindecker von Scheuermann. Diese Maschine besitzt eine Spannweite von 9 m und eino Gesamt- länge von S m. Zum Betriebe dient ein luftgekühlter Vierzylinder Haacke-Motor mit Batteriezündung, welcher bei 1400 Touren 40 PS leistet. Die Holzschraube hat 2,2 m Durchmesser. Der Führersitz befindet sich verhältnismäßig sehr tief unter deu Tragdecken. Das Höhen- und Seitenstener sowie die Flächenverwindung werden durch Hebel betätigt. Das Gewicht der kompletten Maschine beträgt 190 kg. Eindecker von Georg Riemay. Der Apparat hat eine Spannweite von 7 m und eine Gesamt- länge von 9 m. Zum Betriebe dient ein Zweizylinder luftgekülter Motor von Philibert in Bourdieaux, welcher bei 1800 Touren 28 PS leistet. Die Holzschraube hat einen Durchmesser von 2 m. Der Führersitz befindet sich unterhalb der Tragdecken. Das Gewicht der kompletten Maschine beträgt 115 kg. Im rechten Flügel der Halle waren weitere 4 Apparate unter- gebracht. Der vorn befindliche Apparat von Ingenieur Fahlbusch ist sehr gut durclikoustrwert. Die Gesanıittragfläche dieser Maschine beträgt 26 qm. Interessant ist die Anordnung zweier hintereinander ' liegender Tragdecken. An den vorderen Tragdecken A (siehe neben- stehende Abbildung) befindet sich außer dem Schräglagensteuer B zur Erhaltung des seitlichen Gleichgewichts eine verstellbare Trag- decke ©. Die Holzschraube S von 2,25 m Durchmesser ist zwischen den beiden Tragdecken angeordnet und wird durch Kettenübertragung von einem wassergekühlten Wunderlich-Motor mit Magnetzündung, der ber 140 Touren 25 PS leistet, getrieben. Der Führersitz befindet. sicli unter dem vorderen Teil der Tragdecken vor der Schraube. Das (Gewicht der Maschine beträgt komplett mit Motor 230 kg. Ver Eindecker von Gebrüder Müller hat Il ıı Spannweite uud eine Gesamtlänge von 7 m. Das Trag- flächenareal beträgt 20 qnı. Zum Betriebe dient ein Zweizylinder luftgekühlter Motor Fabrikat (sebrüder Müller, welcher bei 1500 No. 13 „FLUGSPORT“ Seite 391 . . . Touren 25 PS leistet. Der Motor besitzt 125 mm Bohmng und 120 Hub. Die Holzschraube von 2 m Durchmesser 1st direkt. mut cleın Oben: Eindecker von Fahlbusch. Unten: Eindecker von Gebr. Müller. Oben: Eindecker von Winkler. Unten: Eindecker von Wrobel. Setie m „FLUGSPORT“. No. 13 Motor gekuppelt. Das Höhen- und Seitensteuer wird mittels Steuer- rad und die Schräglagensteuerung durch Hebel betätigt. Der Führer- sitz ıst oberhalb der Tragdecke angeordnet. Das Gewicht der Ma- schine mit Motor beträgt 160 kg. Der Eindecker von Paul Winkler besitzt: 24 qm Tragfläche. Zum Betriebe dient ein Dreizylinder luft- gekühlter Motor von Weiland und Gildemeyer, der bei 1400 'Tonren 30 PS leistet. Die Holzschraube von 2,30 m Durchmesser ist vorn angeordnet und wird durch ein riemenartiges Friktionsgetriebe in Be- wegung gesetzt. Eigenartig ist die Profilierung der Tragdecken, sowie die kastenartige Ausbildung derselben im mittleren Teil der Ma- schine. Weiter fanden wir am Ende der Halle noch eine Flugmaschine von Wrobel & Co, Oppeln, eine sehr kompentiös konstruierte Maschine, die aber bereits einige Flüge ausgeführt hat. Zum Betriebe dieses Eindeckers dient ein Dreizylinder wassergekühlter Wunderlich-Motor von 25 PS. An Zubehörteilen waren ausgestellt von der Firma Basse und Selve, Altena i. Westf., Aluminium-Kühler und Benzinbehälter. Von Erich Römer, Frankfurt a. M., Luftschrauben „Rapid“ sowie alle zum Flugmaschinenbau gehörigen Zubehörteile wie: Oesenschrauben Spannschrauben, Stahlrohre, Holzrohre usw. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. . Das. „große“ Meeting von Juvisy, über dessen Beginn ich in meinem vorigen Berichte Mitteilung gemacht habe, ist genau so ver- laufen, wie zu erwarten war: als ein furchtbares Fiasko. Es soll hier von der durch eine skrupellose Reklame bewirkten Irreführung des Publikums nicht die Rede sein, auch nicht von der in jeder Be- ziehung mangelhaften sportlichen Organisation. Was uns hier inter- essiert, ist die Erscheinung, daß eine Reihe glücklich verlaufener Meetings für gewisse unbedenkliche Unternehmer die Veranlassung gewesen ıst, nun auch ihrerseits ein „Großes Meeting“ oder eine „Große Woche“, wenn nicht gar eine „Doppelwoche“ zu veranstalten wobei es sich ganz augenscheinlich lediglich um das Füllen der Tasche ganz und gar aber nicht um irgend ein entferntes sportliches In- teresse handelt. Solcher „Unternehmungen“ hat es ja allenthalben leider gegeben und es kann deshalb nur befriedigen, wenn solch eine Manipulation einmal durch einen kläglichen finanziellen Mißerfolg bestraft wird. Ein sportliches Interesse hatte bei diesem Meeting nur das Mitwirken von Dubonnet und Didier, die beide zwar keine sen- sationelle, aber jedenfalls ernste Arbeit lieferten, sowie die erstmalige Erscheinung eines Eindeckers von der Demoiselle-Type in einem öffentlichen Bewerbe. Der kleine Cl&ment-Bayardsche Apparat, wurde von Atdemars mit viel Geschick gesteuert und behauptete sich recht No. 13 „FLUGSPORT". Seite 393 vorteilhaft, ja er errang sogar im „Abflug-Preis“ mit 9 Sekunden den ersten Platz. Weit höheres und berechtigteres Interesse erregte natürlich das Meeting von Rouen, das an diesem Sonntag zu Ende ging und in dem 20 Aviatiker, darunter Effimoff, Van den Born, Latlıam, Chavez, Morane, Metrot, Christiaens, Dubonnet, Hanriot, Dickson und Mignot, teilnahmen. Leider wurde das sonst recht schön verlaufene Meeting durch mehrere Unfälle beeinträchtigt, die aber einen ernsteren Cha- rakter nicht trugen. Van den Born (Farman), Bathiat (Bregmet) und Madame de Laroche (Voisin) büßten bei diesen Unfällen ihre Appa- rate ein; namentlich das hierdurch bedingte Ausscheiden Van den Borns schon am ersten Tage war recht zu bedauern. Ein Ersatzap- parat war nicht zur Stelle. Gut bewährten sich Dickson (Farman), der schöne Distanzflüge von 140, 93, 140 km vollbrachte; Hanriot, dem gleichfalls hübsche Distanzflüge gelangen; Cattaneo (Bleriot) mit Flügen von 80, 54, 80, 117 km, sowie vor allen Dingen Morane (Bleriot), der einen Höhen- flug von 521 Metern ausführte. Fernere bemerkenswerte Höhenflüge waren diejenigen von Chavez, 497 m; Effimoff 444 m; Morane 434 Meter; Chavez 223m. Audemars errang am sechsten Tage mit seiner kleinen Demoiselle den Geschwindigkeits-Preis über 9 km in 7 Min. 3 Sekunden. Für den am Schlußtage zu bestreitenden „Großen Preis der Geschwindigkeit“ haben sich Oattaneo, Dubonnet, Audemars, Christiaens, Latham und Hanriot qualifiziert. Den Sieg in diesem Bewerbe trug Üattaneo (Bleriot) davon; ferner brachte der letzte Tag zwei schöne Distanzflüge der beiden Antoinette-Piloten Küller mit 99 km und Latham mit 54 km. Das Generalklassement des Meetings von Rouen stellt sich dem- gemäß folgendermaßen dar: „Höhen-Preis“ 1. Morane (Bleriot 521 m, 2. Chavez (Farman) 497 m; „Gesehwindigkeits-Preis“ 1. Cattaneo (Bleriot) 7:17, 2. La- tham (Antoinette) 7:26, 3. Dubonnet (Tellier) 7:59; „Preis der größten Distanz ohne Unterbrechung“ 1. Diekson (Farman) 141 km ın 2:27:44, 2. Cattaneo (Bleriot) 117 km, 3. Latham (Antoinette) 84 km; „Preis der schnellsten Bahnrunde“ 1. Cattaneo (Bleriot) 2: 18-3, 2. Audemars (Demoiselle) 2 : 24-1, 3. Morane (Bleriot) 2: 30-3; „Passagier-Preis“ 1. Effimoff (Farman 180 km, 2. Morane (Bleriot) 157 km; „Preis der addierten Distanzen“ 1. Dickson (Farman) 747 km, 2. Cattaneo (Bleriot) 735 kın, 3. Latham (Antoinette) 521 km, 4. Dubonnet (Tellier) 507 km, 5. Hanriot (Hanriot) 489 km, 6. Audemars (Demoiselle) 261 km. | 7 An Preisen gewannen Dickson 28100 Fres., Morane 22800 Frs., Cattaneo 22800 Frs., Effimoff 14 900 Frs., Latham 14460 Frs., Du- bonnet 12400 Frs., Hanriot 9100 Frs., Audemars 6900 Frs. usw. Das hervorragendste Charakteristikum der beendeten Woche von Rouen war die unleugbare 'latsache, daß sich die Eindecker mit Be- zug auf ihre Stabilität bei starkem Winde entschieden den Zwei- deckern überlegen gezeigt haben. Wir sehen im Klassement für die zusammenaddierten Gesamtdistanzen nicht weniger als sechs Eindecker auf den ersten acht, Plätzen. Zum Teil wird das vielleicht auch auf die bewundernswerte Gewandtheit der Piloten, wie Dubonnet, Mo- rane, Lathanı usw. zurückzuführen sein. Besonders auffällig sind die Seite 394 „FLUGSPORT“. No. 13 lEirfolge von Oattaneo nnd Aucdemars. Ersterer scheint einer der wert- vollsten Piloten für Bleriot werden zu wollen, und Audemars hat uns gezeigt, daß die kleine Demoiselle bei guter Steuerung sehr wohl Nennenswertes zu leisten vermag. Nun sicht man dem Meeting der Champagne, das sich zu Reims in der Zeit vom 3. bis 10. Juli abspielen wird, mit großer Spannung entgegen nnd man kann die Bedentnug dieser flugsportlichen Mani- fostation schon daran erkennen, daß nicht weniger als 42 Aeroplane dazu angemeldet sind. Als Neuerung ist hier zu erwähnen ein Preis der Konstrukteure, in Höhe von 50W0 Francs, welcher demjenigen Koustrukteur zufallen soll, von dem lıöchstens drei Apparate die weiteste Distanz (unter Zusainmenrechnung der von den drci Appa- raten zurückgelegten Distanzen) zu verzeichnen haben wird. Dieser Modus ist umso eher zu begrüßen, als in der Tat die Aviation gegen- wärtig in die kommerzielle Phase eingetreten ist, in der Pilot und Erbauer des Apparates von einander verschiedene Verdienste haben können, sodaß es im manchen Fällen ungerecht wäre, nicht anch den Konstrukteur der Apparate zu entschädigen, der ja nicht alle von ilım hergestellten Flugmaschinen selbst steuern kann. Auberdem sind eine große Anzahl von Preisen, wie der „Geschwindigkeits-Preis“ (15000 Franes), der „Preis der zusammenaddierten Distanzen (30 000 Francs), der „Distanz-Preis“ (30000 Francs), der „Preis der zusanı- menaddierten Höhen“ (5000 Francs), sowie die jetzt üblichen täglichen Preise, ausgeworfen. Ferner wird zu Reims gelegentlich der Woche der Champagne zum ersten Male ein „Öffiziers-Preis“ über 50 km be- stritten werden, der, wie schon die Bezeichnung sagt, ausschließlich für Offiziere (aktive und Reserve-) offen ist. Für diesen Bewerb hat der französische Kriegsminister den Hauptmann Eteve (Wright- Zweidecker), den Leutnant Cammerman (Farman-Zweidecker) und den Leutnant Acquaviva (Bleriot-Eindecker) zur Teilnahme kommandiert. Sicherlich wird dieses Meeting eine der interessantesten aviatischen Veranstaltungen des ‚Jahres werden. Das Tagesgespräch bildet im Augenblick natürlich der große Preis des Pariser „Matin“, der „Circuit de ’Est“, ein Rundflug durch die östlichen Regionen Frankreichs, für den bekanntlich der „Matin“ einc Summe von 100000 Frances ausgesetzt hat. Nachdem, wie iclı bericlitet, die Kommisson dieses Bewerbs einen Abgesandten zur Son- - dierung der betreffenden Gebiete ausgesandt hatte, ist nnnmehr das endgiltige Reglement dieses sensationellen internationalen Bewerbs festgestellt worden. Darnach soll der Flug in sechs Tagesetappen (am 7., 9., 11., 13., 15., 17. August) von a) Paris nach 'Troyes, b) von 'Troyes nach Nancy, ’c) von Nancy nach Mezieres, d) von Mezieres nach Douai, e) von Douai nach Amiens, f) von Amiens nach Paris fülıren. Die Gesamtdistanz beträgt 782 km und zwar werden die Etappen a) mit 135, b) mit 160, e) mit 160, d) mit 139, e) mit 78, f) mit 110 km angerechnet. Offen ist der Bewerb für alle durch die Internationale Aeronautische Federation qualifizierte Piloten und für Flugmaschinen jedweden Systems. Das Wesentliche bei diesem Bewerb ist, dab zum ersten male die Aviatiker nicht dic Freiheit haben, die ihnen geeignet er- scheinenden Tage und Zeiten für ihre Flüge selbst zu wählen, son- dern daß die von dem Reglemeut festgesetzten Etappen und Stunden Seite 395 No. 13 „FLUGSPORT“ genau innegelialten werden müssen, was natürlich das Gelingen der Aufgabe beträchtlich erschwert. Flugunterbrechungen während deı einzelnen Etappen sind gestattet, doch dürfen die Apparate nur au den Etappenstationen gegen solche gleichen Systems ausgetauscht werden. Gewinner des 100000 Francs-Preises Ist derjenige Pilot, der sämtliche sechs Etappen vorschriftsmälig und in der kürzesten Zeit. zurückgelegt haben wird. Sollte keiner der Bewerber che sechs Etappen durchgeführt haben, so kommt mu ein Betrag von St Franes an den Sieger zur Auszahlung. Als solcher wird dann der- jenige Pilot angesehen, der die gröbte Anzahl von Etappen in vor- schriftsinäßiger Weise vollbracht haben wird. Für den Fall, dal zwel oder mehrere Bewerbe die gleiche Anzahl von Etappen zurückgelegt lıaben, gilt derjenige als Gewinner, welcher die größte Anzahl von Kilometern (jede Etappe nach obiger Kilometer-Skala gerechnet) linter sich gebracht haben wird. Und ‚sollten zwei oder mehrere Be- werber die gleiche Kilometerzalhl anfweisen, so fällt der Betrag dem- jenigen zu, der die kürzeste Zeit dazu gebraucht hat. Die teilnelmen- den Apparate müssen am 6. August, 2 Ulır naclımittags an der zur Abfahrt bestimmten Stelle eingeliefert werden (die Abflugsstelle wird später bekannt gegeben). Für das Zustandekommen des Bowerbs bedingt der „Matin“ die Zahl von ‚mindestens sechs Teilnelimern. Das Präsidium des Organisations-Comites hat der ehemalige Präsident (ler französischen Deputiertenkammer, Paul Doumer, übernommen. Uebrigens wird außer dem Betrage von 100000 Francs, der an den endgiltigen Sieger fallen soll, auch noch jede einzelne Etappe mit einem Preise von 10000 Franes dotiert. Diese Beträge sind von len Städten, welche der Bewerb passiert, aufgebracht worden. Ferner werden die Städte gelegentlich des inredestehenden Flugbewerbes große Festlichkeiten veranstalten ; die Begeisterung ist allgemein eine große. Bedauerlich ist nur, daß der „Matin“ es sich nicht versagen konnte, in seinen Aufruf zu diesem internationalen Bewerbe eine politische Spitze gegen Deutschland einzuflechten. „Auf der anderen Seite der Grenze“, heißt es in dem Aufruf, „haben sie schon eine ganze Flotte von enormen Luftkreuzern. Dort, lieben sie alles, was groß, was im- posant ist. Ihre natürliche Neigung hat sie sich ebenso den gigantischen Luftfahrzeugen zuwenden lassen, wie sie sich den gigantischen Ozean- panzern zugewendet hat. Wir, wir verfügen über eine große Anzahl „kleiner“ Aeroplane, wie wir auch über viele „kleine“ Unterseeboote verfügen. Wem können wir wohl besser die großen Dienste zeigen, die diese kleinen Aeroplane zu leisten imstande sein werden, als jener patriotischen Bevölkerung im Osten, die heute gewissermaßen das Herz Frankreichs ist und die seit Jahrhunderten das natürliche „Boll- werk gegen die Invasionen der nördlichen Barbaren ‚gewesen sind 1 Besonders geschmackvoll ist dieser Aufrnf bei dieser Gelegenheit woh nicht. Er steht vor allen Dingen in krassem Widerspruch zu der so oft und mit vollem Rechte betonten internationalen Interessengemein- schaft der modernen aviastichen Bewegung. Iıı meinem letzten Berichte in der vorigen Nummer des „Flug- sport“ hatte ich bei Besprechung des Fluges der französischen Offi- ziere von Mourmelon nach Vincennes die Erwartung ausgesprochen, daß sich dieser Flug als der Ausgangspunkt einer regelmähigen fran- Seite 396 „FLUGSPORT“. No. 13 zösischen Militär-Aviation erweisen wird. Schon heute bestätigen die Ereignisse diese Annahme. Nicht nur daß die beiden Offiziere in einer ganz ungewöhnlichen und auffälligen Weise offiziell gechrt. worden sind, es sind inzwischen weitere Ereignisse zu verzeichnen, welche ein planmäßiges und bewußtes Vorgehen der französischen llceresverwaltung klar erkennen lassen. Von der Abkommandierung dreier Offiziere zu einem militärischen Flugbewerb zu Reims ist oben die Rede gewesen. Nun hat dieser Tage der vielgenannte Leutnant Föyuant wiederum einen Fernflug von Vincennes nach Issy unter- nommen, von wo er gleichfalls auf dem Luftwege zurückgekehrt ist. Hauptmann Eteve, übrigens der einzige französische Offizier, der die drei Diplome als aviatischer, aeronautischer und aerostatischer Pilot. besitzt, flog dieser Tage vom Militärlager zu Satory nach dem Ma- növerfelde von Issy-les-Moulineaux, und schon werden weitere Flüge von Offizieren angekündigt, die sich demnächst von Villacoublay nach Vincennes und von Vincennes nach Mourmelon begeben wollen. Der Kriegsminister hat angeordnet, daß bei jedem militärischen Fluge ein zweiter Offizier in dem Apparat Platz nimmt und Aufnahmen und Beobachtungen der zurückgelegten Strecke macht. Louis Bleriot, der Reserveoffizier ist, erhielt dieser Tage vom Oberstleutnant Esti- enne, dem Chef des militärischen Aviationsdienstes, den Befehl, sich zur Ableistung einer dreizehntägigen Uebung auf seinem Eindecker nach seinem Garnisonsorte Vincennes zu begeben und sich beim dor- tigen 36. Artillerieregiment, dessen Offiziere er während der 13 Tage in der Steuerung von Aeroplanen unterweisen soll, zu melden. Ble- riot kam am Donnerstag früh dem Befehle nach und traf auf seinem Eindecker wohlbehalten auf dem Polygon von Vincennes ein, wo sich seitdem eine rege Tätigkeit entfaltet. Bei seinem ersten Flug- experiment nahm Bleriot den Hauptmann Marie mit auf seinen Ap- parat und blieb mit ihm 35 Minuten in der Luft. Leutnant Bellan- ger, der gleichfalls auf dem Polygon von Vincennes übt, erlitt dieser Tage einen Unfall; sein Apparat stieß mit der Spitze auf den Boden und wurde stark beschädigt. Von Interesse dürfte es sein, daß Frankreich nun auch einen General als Aviatiker aufzuweisen hat. General Bonnier, von der Marine-Infanterie, hat nach kurzer Unterweisung, die er in Chalons ‚erhalten hat, dieser Tage schon einen selbständigen Flug auf einem Farman-Zweidecker unternommen, und dabei eine Distanz von 8 km ohne jede Störung zurückgelegt. Zum Kapitel „Militär-Aviation“ sei noch ein Kuriosum erwähnt: Martinet, der bekannte junge Farman-Pilot, der schon durch mehrere. Sensationsflüge von sich reden machte, hatte Befehl erhalten, sich zur Ableistung einer 19tägigen Uebung bei seinem Truppenteil ein- zufinden. Martinet, der sich von seinem Apparate ungern trennen mochte, erbat vom General Roques die Erlaubnis, seinen Zweidecker mit in die Kaserne zu nehmen und in seinen Mußestunden auf dem Kasernenhofe Flugübungen machen zu dürfen. Gleichzeitig mit der Erlaubnis hiezu erließ der General die Anweisung, daß Martinet zu dem genannten Zwecke ein geeignetes Gebäude zur Unterbringung seines Apparatles zur Verfügung gestellt werden soll. Natürlich geht es auch in der „Zavil“-Aviation nicht minder eifrig hier zu, und namentlich in Mourmelon wetteilern die einzelnen No. 13 „FLUGSPORT." Seite 397 Schulen untereinauder mit ihren Flugexperimenten. Bei Antoinette üben jetzt Labouchere, Graf Robillard, Goffin, Cure, Mademoiselle Marvingt. Bei Voisin sind es de Ridder, de Langhe, Carabelli und Copetta, die sich mit der Steuerung der Zweidecker vertraut zu machen snchen. In der Farman-Schule experimentieren Loraine, der einen Flug von 1 Stunde 20 Minuten zuwege bringt; Hauptmann Madiot fliegt sogar 1 Stunde 30 Minuten, und auch die anderen Eleven, namentlich Leutnant Sidot, welcher wiederholt den Genera Bonnier auf seinen Apparat nimmt, und Fischer kommen gut voran. Madame Herveu zeigt eine große Fertigkeit in der Steuerung eines Bleriot-Eindeckers, den sie sicher in der Hand hat. Niel, von dem kürzlich die Rede war, als er mit seinem Voisin-Zweidecker gegen Der Zar der Bulgaren läßt sich auf dem Felde von Chalons das ncıe Maschinen-Gewehr zur Bekämpfung der Flugmaschinen vorführen. den vom jungen Marcel Hanriot gestenerten Hanriot-Eindecker wett- flog, will sich jetzt dem Eindecker zuwenden und wird einen Nien- port-Apparat stenern. Dieser Tage hatte man in Mourmelon den Be- such König Ferdinands von Bulgarien. In Issy-les-Monlineaux brachte die Anwesenheit der ottomani- schen Sonderkommission eine gewisse Anfregung hervor, da man es Tale . u j für angezeigt gehalten hatte, den Türken in Form eines zu oem \ \ M ' " N > ArT N _ Ehren veranstalteten Festes die Fortschritte der modernen Lnftseln Seite 398 „FLUGS PORT“. No, 13 fahrt vorzuführen. Außer großen Ballon-Exerzitien führte man den Gästen auch mehrere Aeroplane vor: Leblanc steuerte einen Bleriot- Eindecker, Leutnant Fequant (mit Hauptmann Marconnet an Bord) einen Farman-Zweidecker. und schließlich bestieg sogar der türkische (teneral Nechad Pascha den Feqnantschen Apparat, nm der Sensation eines Luftfluges teilhaftig zu werden. Abgeschen von diesem Feste fliegt man aber auch sonst fleißig in Issy. Aubran macht. vorzüg- liche Höhenflüge auf seinem Bleriot. Maurice Cleinent und Vercepuis steuern die Demoiselle-Type; letzterer hat dieser Tage damit sein Pilotenpatent erworben. Hanptmann Eteve übt eifrig in Issy und zeigt große Gewandtheit, hatte aber dieser Tage einen Unfall, indem er ans 20 m Höhe zur Erde stürzte, glücklicherweise, ohne sich zu verletzen. Der Wright-Zweidecker aber wurde arg dabei mitgenom- men. Darioli, der ehemalige bekannte Motorradfahrer, stenert jetzt den Saulnier-Apparat, der einen Anzani-Motor zum Antrieb erhalten hat. Eine schöne Leistung vollbrachte Morane mit seinem Bleriot- Eindecker. Er stellte mit einem Passagierfng von 85 km in 1 Stunde 30 Minuten einen neuen Passagier-Rekord für Eindecker anf. Leut- nant. Derr übt fleißig mit seinem Eindecker eigener Idee, freilich bis- er ohne nennenswerten Erfolg. In der Sommerschule zu Betheny, die übrigens demnächst wieder nach Sedan übersiedeln wird, üben außer Roger Sommer selbst noch Vallon, Verstraeten, Legagnenx, Paillette nnd Mignot, soweit sie nicht zur Teilnahme an den Meetings abgegangen sind. Sommer, dem die Militärverwaltung vier Zweidecker in Anftrag gegeben hat, hat dieser Tage den ersten zur Ablieferung gebracht. Die Reimser Hanriotschnle genoß gleichfalls die Ehre des Be- suchs seitens der türkischen Mission, wo Hanriot ihnen seinen Apparat in gelungenem Fluge vorführte. Ein junger Hanriot-Eleve, namens Vidart, erlangt mit einem Fluge von 80 km Geschwindigkeit sein Pilotenpatent. Der junge Marcel Hanriot bereitet sich für das Meeting von Reims vor, in dem er die Type seines Vaters steuern wird. Ein eigentümlicher Vorgang spielt sich zurzeit auf dem Aero- drom von Marseille ab, wo gegenwärtig eine „Woche“ abgehalten wird, die aber von dem Leiter des Aerodroms in einer Zuschrift an die Zeitungen desavouiert wird. Es heißt darin, daß diese Veranstal- tung auf Täuschung berechnet sei, denn die „richtige“ Woche von Cran wird erst Mitte Juli vor sich gehen. Nichtsdestoweniger fliegen aber Cheuret und Daniel Kinet, sowie Dufour vor einem zahlreichen Publikum, dem offenbar weniger an der offiziellen Anerkennung des Meetings, als an der Befriedigung seines Interesses am Flugsport gelegen ist, zumal ja manches offiziell anerkannte Meeting resultat- los verlaufen ist. Kinet hat sogar einen Höhenflug mit Passagier in 500 m Höhe ausgeführt, was wohl einen neuen Rekord darstellt. In der Zeit vom 4. bis 21. August: soll also nım definitiv das oft genannte Meeting von Nantes stattfinden, für das eine snperbe 5 km-Bahn hergerichtet wird. Dieser mit 70000 Francs dotierte Bewerb dürfte starke Beteiligung finden. Mit großem Interesse sieht man hier auch dem schon früher angekündigten großen italienischen Meeting entgegen, dessen Organisationsprogramm soeben, in seinen wesentlichsten Zügen wenigstens, bekannt wird. Darnach wird das von der. italienischen No. 13 „FLUGSPORT“. 5 Seite 399 & Ir. on Aviation-Gescllschaft veranstaltete Meeting in der Zeit vom 25. Sep tember bis 3. Oktober zu Mailand vor sich gehen. Der Aero-Chıb von Italien hat seine Mitwirkung zugesagt. Das Programm ist in seinen Einzelheiten noch nicht festgelegt, doch kann schon hente - . . . ” * . ” . Y gesagt werden, daß die Preise voraussichtlich die Höhe von 300 000 2, - . . » . . or \nuenreten Läre erreichen werden. Hiervon entfallen : 70 000 Lire auf Tagespı eisc für Geschwindigkeits-, Höhen- und Distanzflüge; 90000 Lire auf . an . . .. 5, u, | vi aalun: Generalpreise für die gleichen Flüge; 40000 Läre füu Spezialpreise; und wahrscheinlich 100.000 Lire auf einen Stadt-zu-Stadt-Wettflug. Wir kommen auf die Einzelheiten der interessanten Veranstaltung seinerzeit zurück. | Ganz nach französischem Muster hat nın Italien jetzt seine erste Aviationsschule eingerichtet, die von Ramhaldo Jacchia geleitet . DT werden soll. Die Organisatoren dieses Unternehmens waren in Pan nnd Mourmelon gewesen, um die Einrichtung der dortigen Aviations- Die Fiugmaschine im französ. Heeresdienst. Mikrophon von Hauptmann Marconnet, welches während des Fluges eine bequeme Verständigung mit dem Piloten gestattet. schulen zu studieren. Zahlreiche Eleven, darunter sehr bekannte ita- lienische Sportsleute haben sich für die nene Schule einschreiben lassen. Durch die hiesige Fachpresse ging dieser Tage eine Meldung, wonach das Apellationsgericht in dem Prozesse der Gebrüder Wright gegen Ourtiss das für die Wriglits günstige Urteil aufgehoben hätte. Diese Meldıing ist ganz falsch. Es handelt sich einfach um eine anf Grund einer Beschwerde verfügte Aufhebung des gegen Paulhan und Curtiss ergangenen einstweiligen Urteils. Der eigentliche Prozeßgegen- Seite 400 „FLUGSPORT“. No. 13 stand ist hierbei garnicht in Frage gekommen. Wenn Curtiss also in dieser Beziehung nicht den ihm angedichteten Sieg erfochten hat, so kann er sich mit seinen aviatischen Triumphe trösten, über den neulich berichtet worden ist. Inzwischen ist „drüben“ noch eine andere aviatische Großtat vollbracht worden. Der amerikanische Aviatiker Charles K. Hamilton hat einen Flug von New-York nach Philadelphia und zurück in zwei Etappen ausgeführt, eine Leistung die sich an die Seite der besten bisher erzielten stellen kann. Hamil- ton hat in etwas weniger als 12 Stunden eine Distanz von 296 km zurückgelegt.. Uebrigens soll ein anderer Amerikaner Walter Broo- kins, nach Meldungen der „New-York Times“ alle bisherigen Höhen- rekorde geschlagen haben, in dem er auf dem Flugfelde von Eagle, in der Nähe von Indianopolis, sich auf eine Höhe von 4384 Fuß, also 1335 m erhoben haben soll. Man wird aber abwarten missen, ob dieser Flug vom Aero-Chıb von Amerika offiziell bestätigt wird. Brookins war bisher ganz unbekannt; die Meldungen besagen nicht einmal, mit welcher Aeroplan-Type er diesc staunenswerte Leistung vollbracht hat. Hanptmann Marconnet, der oft erwähnte Begleiter des Leutnant Föqnant bei dessen Fernflügen, ist der Erfinder einer sinnreichen Vorriehtung, welche dem begleitenden Observationsoffizier bei seinen Flügen im Aeroplan die wesentlichsten Dienste zu leisten bestimmt ist. Es handelt sich um einen Kartenleser, den er auf den Rücken des vor ihm sitzenden Piloten befestigt und die ihm gestattet, die Karte, je nach Bedarf bequem abzurollen und zu lesen. Die Karte ist über zwei Zylindern aufgerollt, deren eine sich aufrollt, wenn die andere sich abrollt. Da es während eines Fluges infolge des alles übertönenden Geränschs, welches der Motor verursacht, unmöglich ist: sich mit dem Piloten durch die Stimme zu verständigen, hat. Hauptmannn Marconnet zwei kleine Sprechrohre angebracht. (Siehe vorstehende Abb.) Für Frankreich soll eine oberste Instanz für den Lnftsport geschaffen werden. Bekanntlich hat bisher die „Commission aerienne mixte“ infolge eines vor 14, ‚Jahren zwischen dem Aero-Olnb de France, dem Automobil-Club de France, der Ligue Nationale Aerienne und der Handelskammer für die aeronantischen Industrien geschlossenen Abkommens die Entscheidung in allen einschlägigen Fragen gehabt. In Folge von Meinungsverschiedenheit hat sich die genannte Handels- kammer ans der Vereinigung zurückgezogen. Auf Veranlassung von Edonard Snrcouf soll nın eine neue Instanz geschaffen werden nnter der Bezeichnung „Kommission für Luftsport“, welche die Entschei- dung in den in Betracht kommenden Fragen für Frankreich haben soll. Schließlieh möchte ich noch einen neuen interessanten aviati- schen Bewerb erwähnen, der gleichfalls für die Entwicklung der französischen Militär-Aviation bezeichnend ist. Der bekannte Sports- mann Lazare Weiller hatte dem Oberstleutnant Estienne, dem Chef der militärischen Aviation, eine größere Summe zu Verfügung gestellt, die der Fördernug der Aviation dienen sollte. Oberstleutnant Estienne hat sich entschlossen, einen militärischen Aviationsbewerb zu organi- sieren, wie er sicherlich in der modernen Luftscliffahrtsbewegung ein Novum darstellt. Die zum DBewerbe zugelassenen aktiven oder Reserve-Offiziere erhalten am 20. Angnst, min 2 [hr morgens, eine „Flugsport, Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine 19109. Tafel V. Schnilt A-B u Be ae _ ee Be [2 TILL Lu in SI ea sumTon SOmmemnnn Er jan > = Nah a Fee Due > ANSZ EN £ , , NS " — \ ET N m ; f N F j N N T, SE Torizonfal, . DD \Y y Ip IN ern... Prtzonfale bei Mon JE unZ \ . j I en De Kerle Prngelea sth, ) N e | ’ Ne | Z Grundriß in der Richluna de: Pfeiles gesehen / o 3 ar an Be a 2. - = X m - >= _ | f io HS — —; Mn, | r.- —- —- - —- - Le ie _ BER A — > j Flugmaschine mit Kreisel-Stabilisierung und Hubschrauben-Steuerung System Mees für ca. 400 kg Nutzlast. No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 401 Depesche, die sie an den Gonverneur von Verdun zu befördern haben, Die Offiziere, die einen observierenden Kameraden anf ihrem Apparat mitzunehmen haben, können zu irgend eimer ılınen günstig erschei- nenden Zeit nd sogar an eimem beliebigen Tage den Abtlug antreten und haben in Verdum auf cdlenı Manöverfelle von Bevard zu landen, das sich nnmittelbar an die dortige Husarenkaserne anschließt. Einer (der beiden Insassen hat sich zu Fuß in die Kaserne zn begeben und dort die Depesche denı General, au den sie gerichtet ist, einzuhändigen, eine Antwort in Empfang zu nelunen und sich mit dieser auf schnellstem Wege zurück zı begeben und sie den Kommandanten des Jaagers von Chalons zu überbringen. Sieger ın diesem Bewerbe werden diejenigen Offiziere sein, welche am schnellsten die Antwortdepesche au den Kommandanten im Chalons überbrimgen. Die Distanz zwischen den genannten Punkten beträgt 75 km in der Lnftlinie, erhöht sich aber anf etwa 90 km, soferu die Piloten aus Vorsicht, um micht den Gebirgszug der Argomme zu übergnmeren, einen weiter südlich gelegenen Umweg wählen. Es wird in der gestellten Anfgabe angenommen, daß die Gegend nicht vom Feinde besetzt ist, so daß die Teilnchner während der Reise landen und et- waige Reparaturen vornehinen könuen. In kemem Falle darf irgend- wo und irgendwie die Hilfe von Zivilisten in Anspruch genommen werden. Man bringt diesem nenartigen Bewerbe, und nicht nur in wnlitärischen Kreisen, ein lebhafteste Interesse entgegen. RI. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Seit dem 27. Jnni findet das erste nationale englische Flngsport- Meeting dieses Jahres in Dunstall-Park bei Wolverhampton statt. Da dieser Platz im Zentrum Englands gelegen und von allen Seiten leicht zugänglich ist, so hätte man eines zahlreichen Besuches sicher sem können, wenn nicht das rognerische und stürmische Wetter da- zwischen gekommen wäre. Der Park ıst ziemlich klein und von hohen Bäumen nımgeben, sodaß die Flieger bei dem herrschenden Winde recht behindert sind, und die Resultate sind im allgemeinen nicht so gut, wie man erwartet hatte. Im ganzen sind 15 Flieger, alle englischer Nationalität, zu dem Preisfliegen zugelassen, nämlich: ©. S. Rolls (Short-Wright-Biplan), Alec Ogilvie (Short-Wright-Biplan), Cecil Grace (Short-Biplan), C©. Graham White (Farman-Biplan), ___. P. G. Coekburn (Farman-Biplan), Rawlinson (Farman-Biplan), Leutnant Launcelot Gibbs (Farman-Biplan und Sommer-Biplan), J. Radley (Bleriot-Monoplan), D. Grabam Gilmour (Bleriot-Monoplan) Lionel Maunder (Bleriot-Monoplan), Holder (Humber-Monoplan), Barnes (Humber-Monoplan), Kapitän Dawes (Ilumber-Monoplan), Charles Lane (Lane-Monoplan), Alan Boyle (Avis-Monoplan). ’ Seite 402 „FLUGSPORT“. No. 13 Alle die Genannten waren vorher durch Probeflüge qualifiziert worden, während mehrere andere Flieger von den Preisrichtern wegen ungenügender Leistungen bei den Probeflügen zurückgewiesen wurden. Die Hauptpreise betragen 20000 Mk. für längste Daner, erster Preis, nnd 4000 Mk. für längste Daner, zweiter Preis. Kleinere Preise sind ausgesetzt für Passagier-Flüge, Figuren-Fliegen, kürzesten Abflng nnd Bomben-Werfen naclı einem Ziele. Den Preis für kürzesten Abflug gewann Mr. Cockburn mit einem älteren Farman-Biplan, einer der ersten Maschinen, die aus der Farmanschen Fabrik hervorgegangen sind. Seine Maschine erhob sich nach 30,5 m, während White (Far- man) 31,1 m, Gibbs (Farman) 32 m und Radley (Bleriot) 48,5 m ge- brauchten. Die Ueberlegenheit der Farmanschen Biplane über den Monoplan in dieser Beziehung konnte nicht besser bewiesen werden. Die übrigen Preise sind bisher noclı nicht entschieden worden. Der Flugsport auf dem Fluggrund des Royal Aero-Clubs anf der Insel Sheppey war in letzter Zeit wieder sehr lebhaft. Am 19. ‚Juni erreichte hier Mr. Armstrong Drexel eine Höhe von 330 m, wurde aber am folgenden Tage von Mr. Grace geschlagen, der eine Höhe von 360 m erreichte und von dieser Höhe in 70 Seknnden zur Erde flog. Mr. Grace, einer der hervorragendsten englischen Flieger, benutzt eine Short-Maschine mit E. N. V. Motor. Eine Short-Ma- schine benntzt auch G. 6. Colmore, der das Piloten-Certificat des Royal Aero-Olub erwarb, nachdem er im ganzen nicht länger als eine Stnnde mit seiner Maschine geübt hatte. Leider hat der Flngsport in England in den letzten Wochen melırere ernstere TInglücksfälle zn verzeichnen gehabt. Bei einer land- wirtschaftlichen Ansstellung in Worcester am 10. Juni gab Kapitän 0. L. Clayton Vorstellungeu mit einem Bleriot-Monoplan. Als einer seiner Gehilfen, Ernst Beresford, auch d’Artigan genannt, einmal einen Flug versuchte, kippte die Maschine halb über nnd stürzte in die Zuschanermenge. Eine Frau erhielt dabei tötliche Verletzungen, mchrere ‚andere brachen Arme und Beine und erlitten Schulterver- renkuugen. Einzelne Stimmen haben infolge dieses Vorkommnisses die Beschränkung von Flngvorstellungen durch polizeiliche Maßregeln verlangt. Doch hofft man, daß die Flugklubs selbst durch schärfere Bestimmungen eingreifen werden, sodaß polizeiliche Vorschriften un- nötig werden. Am 11. Juni stürzte Maurice Egerton mit seiner Maschine anf der Insel Sheppey. Ein zersplitterter Eschensparren drang dnrch seinen Stiefel und durchbohrte das linke Bein. Egerton hatte erst kurz vorher das Pilotencertificat des Aero-Club erhalten. .Am 23. Jnni stürzte”der"Veteran der Flugknnst, S. F. Cody, bei Versuchen mit seiner nenen Flugmaschine. Seit Herbst vorigen Jahres hatte man nichts mehr von diesem Flieger gehört. In der Stille hatte er sich mit der Konstruktion einer neuen Maschine be- schäftigt, die der früheren in den meisten Fällen glich, jedoch nur cinen Propeller hat. Jetzt drängt es ihn nın, die neue Maschine zu probieren, ıınd obwohl ein heftiger Südwest-Wind wehte und alle seine Frennde ılın baten, die Versuche zn verschieben, ließ er sich nicht „urückhalten. Mit großer Schnelligkeit ıumkreiste er zweimal den Kxerzierplatz von Farnborongh. Beim dritten male bekam der Wind jedoch Gewalt iiber seme Maschine. Cody wollte landen, dabei schlng No. 13 „FLUGSPORT“, Seite 403 —r die Maschine nach vorn iiber und begmb Cody nnter ihren Trüm- nern. Cody erlitt eine Gehirnerschütterung. Man fürchtete (das schlimmste, doch ist sein Zustand jetzt: besser, nnd er selbst hofft. sich an dem Flugmeeting von Bonrnemonth beteiligen zu können. Auch Mr. Graham White ist nicht ganz vom Unglick ver- schont geblieben. Am 18. Juni fand die von ilm angekündigte Anktion von Passagierflügen statt. Den ersten Flug erstand Lady Abdy zu einem Preise von 2500 Mk. Bei dem Fluge trat aber eine Motorstörung ein, die Maschine erhob sich nur wenige Fnö und stürzte gegen eine Erderlöhung. Beide Passagiere wurden heranx- geschleudert, erlitten jedoch keine schwere Verletzuneen. während die Maschine zerstört wurde. So konnten die weiteren Passagierflüge nıcht stattfinden. ” ‚ Die „Daily Mail“ veröffentlicht jetzt die Bedingungen für den zweiten Preis von 20000 Mk., den sie zur Fördemng des FIngsports ausgesetzt hat. Es hat lange Ueberlegung gekostet, bis man eine Aufgabe fand, die eines solchen Preises würdig ist und die Weiter- entwicklung des Flugsports anf dem rechten Wege günstig beeim- tlıssen kann. Jetzt endlich, zwei Monate naclı der ersten Ankün- digung des Preises, ist mit Unterstützung dex Royal-Club die Ent- scheidung getroffen worden. Der Preis soll danach demjenigen zufallen, der in der zweiten Woche des Juli nächsten ‚Jahres eine Strecke von 1000 enelischen Meilen (1600 kın) von London über England nnd Schottland und zwrück nach London in der kürzesten Zeit zurücklegt. Es sind 12 Kontrollstationen vorgesehen, an welchen der Flieger an emer bo- stimmten Stelle landen mnB. Die längste Strecke ist die erste, von London nach Harrogate (182 englische Meilen = ca. 300 kan). Im bergigen Norden sind kürzere Strecken bestimmt, wie ans der lolven- den Tabelle hervorgeht: ” Harrogate bis Newcastle (68 Meilen — 110 km), Newcastle bis Edinbnrgli (93 Meilen = 150 km), Kdinbnrgh bis Stirling (31 Meilen :.- 50 km), Stirling bis Glasgow (22 Meilen = 35 km), Glasgow bis Carlisle (86 Meilen — 140 km), ‚arlisle bis Manclıester (103 Meilen —: 165 km). Manchester bis Bristol (141 Meilen — 225 km), Bristol bis Exeter (65 Meilen — 94 km), Exeter bis Newport (98 Meilen :- 157 km), Newport bis Brighton (52 Meilen -- 83 km), Brighton bis Tunbridge Wells (28 Meilen — 45 km), - Tinbridge=Wells bis London (31 Meilen -- 50 km). — . Uns scheint. diese Aufgabe ansgezeichnet gewählt zm sein als cine Probe für die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit: der Fine- maschine und die Ausdauer und Geschicklichkeit des Flieeers. Der Preis ist international —- ob sich wolıl anch ein Dentscher um ihn bewerben wird? Ein Preis von 200000 Mk. ist immerhim des Schweißes der Edlen wert, nnd die bevorstehenden 12 Monate schen Zeit genng für die Vorbereitung. Mr. 0. 8. Rolls hat den Unterricht von englischen Offizieren in der Flngknnst bei der Militär-Ballon-Abteilune in Parmbormeh begonnen. ” ” ’ Seite 404 „FLUGSPORT“. No. 13 Flugmaschine mit Kreisel-Stabilisierung und Hubschrauben-Steuerung, System Mees, für zirka 400 kg Nutzlast. *) Von Gustav Mees, Charlottenburg. Der kühne Flug Paulhans von Londorm-nach Manchester läßt bereits die Zeit voraussehen, in der die Flugmaschine nicht ausschließlich sportlichen Zwecken, sondern vor allen Dingen auch dem praktischen Reiseverkehr dienen wird. Allerdings werden zu diesem Zwecke noch mancherlei teils grundlegende Verbesserungen angebracht werden müssen, denn daß die Flugmaschine in ihrer heutigen Gestalt den Anforderungen des praktischen Verkehrs noch recht wenig oder garnicht gerecht wird, darüber können ja am allerwenigsten Fachleute im Zweifel sein. In erster Linie wird man darnach streben müssen, die Nutzlast zu steigern, und hierfür bietet sich als einzig gangbarer Weg die Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit; denn mit der Steigerung der Nutzlast durch Vergrößerung der pro Flächeneinheit nur schwach belasteten Tragdecken kommt man sehr bald zu einer praktisch nicht zu überschreitenden Grenze, bei der der Gewinn an ab- soluter Tragkraft der Flächen durch das erhöhte Eigengewicht aufgehoben und zu- dem die Steuerung in hohem Grade erschwert wird. Durch Erhöhung der Geschwindig- keit hingegen kann die Tragkraft der Decken, die bekanntlich mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt, in weit höherem Maße gesteigert werden, als das Eigengewicht der Maschine durch die erforderliche stärkere Bauart und die größere Motorleistung anwächst. Abgesehen von der Vergrößerung der Nutzlast nimmt auch die Sicherheit des Fliegens und die Unabhängigkeit von Wind und Wetter in gleichem Maße zu, als die Fahrgeschwindigkeit gesteigert wird. Nicht nur werden dem Winde durch eine für große Geschwindigkeit gebaute Maschine, also durch eine Ma- schine mit verhältnismäßig kleinen pro Flächeneinheit stark belasteten Tragdecken, geringere Angriffsflächen dargeboten, sondern die Gewalt des Windes über die rasch dahinschießende, von einer großen lebendigen Kraft beseelte Maschine ist auch an und für sich nicht so groß wie bei einer langsam fliegenden Maschine. Für große Fahrgeschwindigkeit spricht ferner noch der Umstand, daß sie es ermöglicht, verhältnismäßig große Tragkräfte mit kleinen Einfallwinkeln der Tragdecken zu erzielen. Nun wird bekanntlich das Verhältnis der vertikalen Komponente des Luftdruckes, d. h der Tragkraft zur horizontalen Komponente, d. h. dem Stirnwiderstand bis zu einer gewissen Grenze mit abnehmenden Win- keln immer günstiger. So ergibt nach den von Lilienthal angestellten Messungen im Winde ein Einfallwinkel des Vogelflügels von 3" die geringste Flugarbeit Nach Drzewiecki, einem französischen Ingenieur, der besonders durch seine Theorie der Luftschrauben hervorgetreten ist, soll der günstigste Einfallwinkel, insbesondere auch für die Propellerflügel, sogar bei nur 1° 50’ liegen, während andererseits Schüle mit seinen in der Zeitschr. des Vereins deutscher Ingenieure veröffentlichten Untersuchungen '*) zu dem Resultat kommt, daß bei kleineren Einfallwinkeln als 4-5° der Einfluß der Luftreibung sich in so hohem Grade bemerkbar macht, daß eine Verminderung des Stirnwiderstandes durch kleinere Einfaltwinkel nicht erzielt werden kann. Hierzu ist indessen zu bemerken, dab diese Untersuchungen sich nur auf ebene Flächen beziehen. Am zuverlässigsten dürften in dieser Beziehung noch die Resultate direkter Messungen von Eiffel sein,. nach denen das Verhältnis der Tragkraft zum Stirnwiderstand einer kreis- bogenförmig gewölbten Fläche mit einer Wölbung gleich 2/27 der Sehne sich für die in Betracht kommenden Einfallwinkel wie folgt gestaltet: Für 15° = 4,46, für 10° — 7,92 und für 5° = 9,25. Jedenfalls geht, welche Angaben nun auch der Wirklichkeit am nächsten kommen mögen, aus allem bisher über diese Frage veröffentlichten Material unzweifelhaft hervor, daß bis herab zu den für die Tragdecken einer Flugmaschine praktisch in Betracht kommenden kleinsten Ein- fallwinkeln von etwa 4-—-5° die aufzuwendende Flugarbeit, soweit sie vom Stirn- widerstand der Tragdecken herrührt, mit abnehmendem Winkel immer kleiner *) D. R. P. angemeldet; Auslands-Patent angemeldet. **) Vergl. Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1910, S. 12 und fol- gende: „Der Luftwiderstand auf Grund der neueren Versuche“, No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 405 wird.*) Eine praktische Grenze dürfte da erreicht sein, wo der Arbeitsgewinn durch Verkleinerung des Einfallwinkels durch den infolge der erhöhten Fahr- geschwindigkeit vergrößerten sonstigen Luftwiderstand der Maschine, herrührend vom Gerüst derselben (Streben, Räder etc.), aufgehoben wird, welche Grenze man durch geeignete Maßnahmen zur Verminderung dieses schädlichen Wider- standes möglichst weit hinauszuschieben trachten muß. Nach dem Gesagten kann es als sicher gelten, daß die Flugmaschine der Zukunft schnell und mit kleinem Einfallwinkel fahren wird. Soreau sieht in seinem Buche „etat actuel et avenir de l’aviation“ bereits den Zeitpunkt voraus, wo man Flugmaschinen mit 150 bis 200 km Stundengeschwindigkeit bauen wird, doch können wir vorerst schon zufrieden sein, wenn wir Geschwindigkeiten bis zu 90 oder 100 km pro Stunde erreichen. Eine Hauptschwierigkeit bei der Verwirklichung großer Fahrgeschwindig- keit besteht nun zunächst darin, daß das Anfahren und vor allen Dingen das Landen der mit verhältnismäßig kleinen und entsprechend schwer belasteten Tragdecken versehenen Maschine außerordentlich erschwert und von einer gewissen Grenze an ganz unmöglich gemacht wird Man wird demnach darnach trachten müssen, daß der Aufstieg und das Landen bei wesentlich geringerer als der normalen Fahrgeschwindigkeit vor sich gehen kann. Hierfür bieten sich nun zwei Wege: der eine besteht darin, daß man dieFlugmaschine so einrichtet, daß der Einfallwinkel der Tragdecken zum Zwecke des Änfahrens und des Landens anz bedeutend (auf das Doppelte bis Dreifache des Winkels bei normaler Schnellfahrt) vergrößert werden kann, welcher Forderung man mit einem gewöhn- lichen Höhensteuer nur in sehr beschränktem Maße gerecht zu werden vermag. Das zweite Mittel ist darin zu sehen, daß die Tragdecken zunı Zwecke des An- fahrens und des Landens entlastet werden, was nür durch Hubschrauben geschehen kann. Natürlich können beide Mittel zweckmäßigerweise kombiniert werden. Nun ist ja bekannt, daß die Versuche mit den Schraubenfliegern bislang keine befriedigenden Resultate ergeben haben, was zum Teil auf die Sehr bedeu- tenden konstruktiven Schwierigkeiten, zum Teil aber wohl auch auf prinzipielle Schwierigkeiten des Problems zurückzuführen sein mag. j Es läßt sich, wenigstens nach dem heutigen Stande der Technik, .den eigentlichen Schraubenfliegern auch keine günstige Zukunft voraussagen;; dagegen dürfte die Hubschraube als Hilfs- und Steuerungsorgan zum Zwecke der Erleich- terung des Anfahrens und des Landens, sowie zur Ermöglichung des Langsamı- fahrens in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. . Ein weiteres Problem, das unbedingt erst der Lösung bedarf, bevor von einer Flugschiffahrt im_eigentlichen Sinne des Wortes die Rede sein kann, ist das der zuverlässigen Stabilisierung der Flugmaschine. Solange man sich damit hegnügte, eine einzige Person, oder, in seltenen Fällen, deren 2 oder 3 behufs Aufstellung von Rekorden durch die Flugmaschine in die Höhe tragen zu lassen, konnte bezw. kann füglich von e'ner mechanischen Sicherung der Stabilität Abstand genommen werden. Sobald man aber darauf hinausgeht, die Flug- maschine gewissermaßen als „Luftautomobil“ dem praktischen Reiseverkehr nutz- bar zu machen, für den sie sich ja an sich infolge ihrer großen, durch keinerlei Fahrthindernisse eingeschränkten Fahrgeschwindigkeit vorzüglich eignet, kann eine zuverlässig wirkende mechanische Stabilisierungs-Vorrichtung nicht entbehrt werden, denn ohne eine solche hängt die Sicherheit der Passagiere vollständig von der körperlichen und geistigen Zuverlä-sigkeit des Piloten ab. Schon bei den heutigen, für geringe Nutzlast gebauten Flugmaschinen bedarf es der gespanntesten Aufmerksamkeit und einer großen Gewandtheit des Piloten, um Stürze durch Stabilitätsstörungen zu vermeiden; man darf also wohl behaupten, daß die sichere Beherrschung einer für eine große Nutzlast von etwa 400 kg gebauten Flugmaschine mit den heutigen Stabilisierungs- und Steurungsmitteln ein Ding der Unmöglichkeit ist, schon deshalb, weil diese Mittel zu ihrer Betätigung einen viel zu großen Kraftaufwand er’ordern würden, als daß eine Person wäh- rend längerer Zeit imstande wäre, die Maschine selbst, windstilles Wetter vor- ausgesetzt, mit Sicherheit zu regieren. An ein Ausfahren bei auch nur mäßig bewegter Luft wäre mit einer solchen, zur Beförderung von 4—6 Personen die- nenden Maschine ohne eine zuverlässige mechanische Stabilisierung erst recht nicht *) Dies wird auch bestätigt durch die in der Göttinger Modellversuchs” anstalt angestellten Versuche. Seite 406 „FLUGSPORT“. No. 13 zu denken. Soll also ein eigentlicher Reiseverkehr, der natürlich wenigstens bis zu einem gewissen Grade vom Zustand der Atmosphäre unabhängig sein müßte, praktisch ermöglicht werden, so wird man sein Augenmerk außer auf eine kräftig wirkende und leicht zu betätigende Steuerung auch auf eine geeignete, zuver- lässig wirkende Stabilisierungsvorrichtung richten müssen. Als solche bietet sich in erster Linie der Kreisel dar. Derselbe ist, wie bekannt, vom Konsul Schlick bereits mit Erfolg zur Verminderung des Rollens von Schiffen verwendet worden, und es liegt daher kein Grund vor, daran zu zweifeln, daß er sich auch für die Stabilisierung von Flugmaschinen bewähren würde. Dahinzielende Vorschläge sind denn auch bereits von verschiedenen Seiten gemacht worden. Zunächst gehen diese Vorschläge dahin, einen oder mehrere Kre'sel in ähnlicher Weise wie das beispielsweise bei den Torpedos der Kriegsn:arine geschieht, in geeigneter Weise mit Steuerungsorganen zu ver- binden, durch deren automatische Ein-tellung das gestörte Gleichgewicht wieder hergestellt werden soil. Indessen, abgesehen davon, daß eine dergestalt stabili- sierte Maschine schon bei mäßig bewegter Luft aus dem Hin- und Her- bezw. Auf- und Abschwanken gar nicht herauskommen würde, werden diese sogenann- ten „Stabilisationsautomaten“, die also gewissermaßen den Führer ersetzen sollen, sich nach meinem Dafürhalten auch wohl kaum jemals so feinfühlig und zuverlässig ausbilden lassen, daß man des Eingreifens des Piloten entraten könnte. Muß der Automat aber von letzterem überwacht und korrigiert werden, so kann er eher schädlich wie nützlich wirken. Weitaus einfacher und zuver- lässiger gestaltet sich dagegen die direkte Kreisel-Stabilisierung, d. h. die unmit- telbare Einwirkung des natürlich entsprechend stärkeren Kreisel-Widerstandes auf die Maschine, ohne jedwede Zwischenschaltung von automatisch: n Steuerungs- organen. ü Freilich darf man dabei nicht an eine absolute Stabilisierung in dem Sinne denken, daß auch der stärkste Windstoß die Maschine nicht aus ihrer normalen Lage zu bringen vermöchte. Das würde sich nicht nur wegen der aufzuwendenden großen Kreiselmasse verbieten, sondern noch mehr dadurch, daß zu diesem Behufe die Maschine außerordentlich stark gebaut werden müßte, um die auf- tretenden Beanspruchungen mit Sicherheit aushalten zu können. Man wird sich daher damit begnügen müssen, die Stabilität insoweit zu sichern, daß die Flug- maschine nicht durch jeden nur mäßig starken Windstoß aus ihrer normalen Lage herausgedreht werden kann und daß auch beim Auftreten sehr starker Windstöße die Lage der Maschine nicht plötzlich verändert wird, sodaß der Pilot Zeit findet, diesen starken störenden Kräften durch entsprechende Einstel- lung der kräftig wirkenden Steuerungsorgane beizeiten entgegenzuwirken. Aber selbst eine derartige nur beschränkte Kreisel-Stabilisierung bietet der Schwierigkeiten für den Konstrukteur noch genug. Zunächst ist auf die Schwierigkeit hinzuweisen, die aus der bekannten Tatsache entsteht, daß der Kreisel bei Ablenkung seiner Achse aus ihrer jeweiligen Lage rechtwinklig zu der störenden Kraft auszuweichen sucht. Diese Ausweiche-Kräfte lassen sich verhältnismäßig leicht dadurch gegenseitig aufheben, daß man nach dem Vorbild des verbesserten Schiffskreisels von Prot. Skutsch zwei Kreisel von gleichem Maße. und gleicher Umdrehungszahl, aber mit entgegengesetzter Umdrehungs- richtung, anordnet. Weitaus schwerwiegender ist jedoch der Umstand, daß durch den Kreiselwiderstand die Steuerung der Maschine mit den bislang bekannten Mitteln in hohem Grade erschwert, wenn nicht gänzlich unmöglich gemacht wird. Wendet man einen Kreisel mit horizontaler, mit der Längsachse der Maschine zusammenfallender Achse an, so ist zur Ueberwindung des Kreiselwiderstandes bei der Seitensteuerung-ein sehr großes Seitensteuer erforderlich, das zu seiner Betätigung naturgemäß einen großen Kraftaufwand erheischt. Zudem wird da- durch die Stabilität zwar in der Längsrichtung gesichert, nicht aber in der Quer- richtung. Ordnet man dagegen den Kreisel mit vertikaler Achse an, so wird dadurch zwar die Maschine nach allen Richtungen hin stabilisiert, doch ist als- dann die Höhensteuerung durch den Kreiselwiderstand sehr erschwert, wenn nicht praktisch unmöglich gemacht. Man sieht also, daß das Problem der mechanischen Stabilisierung ebenso wie auch das weiter oben erörterte Problem. der Verminderung der Fahrgeschwin- digkeit einer normalerweise schnellfahrenden Maschine zum Zwecke des Landens, der Beobachtung des Geländes etc. im. engsten Zusammenhaug steht mit dem Problem der Steuerung, das mit den bisherigen Steuerungsmitteln in rationeller Weise nicht gelöst werden kann. Aus diesem Gedankengange heraus ist mein Entwurf meiner Flugmaschine mit Kreiselstabilisierung für ca. 400 kg Nutzlast No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 407 entstanden, deren wesentlichstes Merkmal die beiden mit Kreiselrädern kombi- nierten Hubschrauben mit während des Betriebes verstellbarer Steigung („Stabili- sator-Propeller“) sind, welche Schrauben sowohl zur Höhensteuerung als auch zur Seiten- und Schräglagen-Steuerung und zur Erhaltung der Stabilität, sowie ferner zur Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und zur Erleichterung des Abb. 1. Anfahrens und des Landens dienen und mit denen man die Maschine nach jeder dieser Richtungen hin trotz der Kreisel-Stabilisierung sicher in der Gewalt hat. Einer der beiden „Stabilisator-Propeller“, die nach dem Gesagten die Seele meiner Fiugmaschine darstellen, ist in den Abbildungen 1—4 dargestellt. Seite 408 „FLUGSP ORT". No. 13 Der Schwungkranz K ist mit der hohlen, aus gezogenem Stahlrohr hergestellten Achse a durch drei Speichenkränze verbunden: die Horizontal-Speichen b sind zur Aufnahme der Zentrifugalkraft des Kranzes bestimmt, während die oberen, an Zahl geringeren Schräg-Speichen c hauptsächlich den Widerstand, den der Stabilisator der Lagenveränderung seiner Achse entgegensetzt, auf das Kırgel- lager q und damit auf den Rahmen der Flugmaschine übertragen sollen. Die unteren gleichfalls in der Zahl & angeordneten Schrägspeichen d endlich sollen die Hubkraft der Schraube unter Vermittlung des Doppelkugellagers e, durch das die Stabilisatorachse an der Verschiebung nach oben oder unten gehindert ist, auf den Rahmen der Maschine übertragen. Vier der Horizontalspeichen, mit k bezeichnet, sind aus gezogenem Stahl- rohr hergestellt und zur Aufnahme der Propellerflügel bestimnit. Diese bestehen aus je zwei aus geschmiedetem Stahl oder sonst einem geeigneten zuverlässigen Material gefertigten Rahmenhälften m und m, und dem mit diesen vernieteten, aus ganz dünnem Stahlblech hergestellten Flügelblatt. Wesentlich ist, daß die Flügel äußerst leicht gebaut sind, um durch die von ihrer Masse erzeugte Zentri- fugalkraft die tragenden Speichen nicht zu sehr zu belasten. Diese Zentrifugal- kraft wird an zwei Stellen durch kleine, leichte Kugellager v v, aufgenommen, von denen das eine sich gegen das Auge I des Schwungkranzes und das andere sich gegen den mit der Speiche k durch einen Keil verbundenen Ring t stützt. Die Propellerflügel werden normalerweise, d. h. wenn das Rad nur als - Stabilisator, nicht aber als Propeller wirken soll, durch kräftige Torsionsfedern f f,, die in den Aussparungen der Rahmenhälften angeordnet sind, in ihrer horizon- talen Lage festgehalten. Dergestalt durchschneiden die Flügel mit ihrer scharfen Vorderkante einfach die Luft, ohne indessen einen wesentlichen Widerstand und natürlich auch ohne als Schraubenflügel eine Hubkraft zu erzeugen. Soll die Schraube als solche, d. h. hebend wirken, so müssen die Flügel auf ihren Achsen schräg eingestellt werden, und dies geschieht mittels Zugdrähten, welche einer- seits an den Oesen u u, der Rahmenhälften angreifen und andererseits an einer auf der Achse a verstellbaren Gleitmuffe r befestigt sind. Diese Gleitmuffe kann mittels eines durch die hohe Stabilisator-Achse geführten Zugseiles s, das unter Zwischenschaltung eines kleinen Kugellagers i an einer im Innern der Achse angeordneten Gegenmuffe p angreift (vergl. Abb.5) nach unten gezogen werden. Hierdurch werden die Schraubenflügel schräg eingestellt, so dal sie als solche, d. h. hebend wirken, und es ist dabei nicht unwesentlich, daß, wie aus den Ab- bildungen 3 und 4 ersichtlich, die innere Rahmenhälfte wesentlich stärker ver- dreht wird als die äußere, die Schraubensteigung also auf der ganzen Flügel- länge annähernd konstant bleibt. Das aus ganz dünnem Stahlblech hergestellte Propellerblatt wird natürlich durch die verschiedene Verdrehung der beiden Rahmenhälften etwas verschränkt. Die Verteilung der Propellerflügelflächen vor und hinter der Drehachse ist natürlich so gewählt, daß die zur Einstellung der Flügel erforderliche Kraft so gering als möglich ist. Dieser „Stabilisator-Propeller“, der bei einem Kranzdurchmesser von 2,3 m mit etwa 60-70 m Umfangsgeschwindigkeit rotiert, ist nun doppelt angeordnet und zwar, wie aus der Tafel V ersichtlich, zwischen den beiden Haupttragflächen der Flugmaschine und mit zur einander geneigten Achsen, derart, daß der Antrieb von der Welle der Hauptantriebschraube aus erfolgt (vergl. Abb. 6). Von dieser wird zunächst mittels des Kugelräderpaares b c die Stabilisator-Achse a ange- trieben, und diese treibt ihrerseits mittels des zweiten kleineren Kegelräder- paares d f die andere Stabilisator-Achse a, an. Durch diese Doppel-Anordnung werden zunächst die störenden Ausweichekräfte der Kreisel ausgeglichen, da der Antrieb der beiden Stabilisator-Propeller mit entgegengesetzter Umdrehungsrich- tung erfolgt. Sodann heben sich auch die beim Schraubenantrieb entsprechenden Reaktions-Drehmomente in der bekannten Weise gegenseitig auf. Daneben wird jedoch mit dieser Anordnung vor allen Dingen der Zweck verfolgt, die Hubschrauben nicht nur zur Höhensteuerung und zur Entlastung der Haupt- tragflächen beim Anfahren und Landen, sowie beim Langsamfahren verwenden zu können, sondern auch zur Seitensteuerung. Werden nämlich nur die Schrau- benflügel des einen der beiden Stabilisator-Propeller auf Steigung eingestellt, bezw. wird die eine Schraube auf stärkere Steigung eingestellt wie die andere, so wird durch die auf diese Weise erzeugte freie Seiten-Komponente der Hub- kraft der betr. Schraube die Maschine von ihrer graden Bahn nach der betr. Seite kin abgelenkt. Sollen die Schrauben dagegen nur hebend wirken, so „FLUGSPORT.' Seite 409 müssen sie beide gleichzeitig und auf gleiche Steigung eingestellt werden, sodaß sich die Seitenkomponenten der Hubkräfte gegenseitig ausgleichen und die verti- kalen Komponenten sich summieren. Man kann also, wenn man die eine der beiden Schrauben auf große Steigung und die andere aul Null-Steigung einstellt, sehr scharfe Kurven beschreiben. Hierbei ist cs wesentlich, daß sichdie zu diesem Behufe erforderliche starke Schräglage der Maschine infolge des Spiels der Kräfte ohne Zutun des Piloten ganz. von selbst einstellt, wie aus den naclıfol- genden Betrachtungen erhelit wird. Die Steuerungsschrauben werden nämlich zweckmäßigerweise mit solcher Umdrehungsrichtung angetrieben, daß die Schrau- benflügel sich auf der der Längsachse der Maschine zugeneigten Innenseite in der Fahrtrichtung bewegen, so wie dies aus den in der Tafel im Grundriß ein- gezeichneten Pfeilen ersichtlich ist. Auf dieser Seite summieren sich also die Eigengeschwindigkeit des Schraubenflügels und die Fahrgeschwindigkeit der ' Maschine zu einer sehr großen Relativgeschwindigkeit, wohingegen auf der anderen Seite nur die Differenz zwischen der Eigengeschwindigkeit der Flügel Abb. 6. Abb. 5. Abb. 7. und der Fahrgeschwindigkeit als Relativgeschwindigkeit zur Geltung kommt Die Folge davon ist, daß die Schraubenflügel auf der Innenseite eine ganz bedeutend größere Hubkraft ergeben als auf der Außenseite, und das aus dieser verschie- denen Wirkung sich ergebende Kippmoment, das natürlich um so größer ist, auf je größere Steigung die Schraube eingestellt und je schärfer also die Flugbahn der Maschine gekrümmt ist, ist bestrebt, die Maschine entgegen dem Kreisel- widerstand um ihre Längsachse zu drehen, d. h. in die der scharfen Kurve ent- sprechende Schräglage einzustellen. Diesem Kippmoment kommt infolge der tiefen Anordnung des Schwerpunktes der ganzen Maschine die pendelartig an einem bestimmten Hebelarm angreifende Zentrifugalkraft zu Hilfe, um den be- trächtlichen Kreiselwiderstand zu überwinden. In Abb.7 ist die Betätigungsvorrichtung für die beiden Steuerungsschrauben dargestellt. Diese besteht aus einem Steuerungshebel H, an dessen gegabeltem Ende in an sich bekannter Weise auf einer kurzen Achse ein großes Handrad W mit einer Seiltrommel T angeordnet ist. Um diese Trommel ist in mehrfachen Windungen das Steuerungs-Zugseil geschlungen, dessen an den Gleitmuffen r r, der Stabilisator-Propeller angreifende Enden s s, über zwei Rollen n n, geführt sind, die in einem bestimmten Abstand von der Drehachse x des Steuerungs- hebels H angebracht sind. Seite 410 „FLUGSPORT". No. 13 Wird dieser Hebel in der Richtung des eingezeichneten Pfeiles umgelegt, ohne daß gleichzeitig das Handrad mit der Seiltrommel gedreht wird, so werden, da die beiden am Hebel befestigten Führungsrollen n n, nach rechts verschoben werden, die beiden Zugseile s s, gleichmäßig angezogen, so daß die beiden Gleitmuffen r r, auf den Stabilisatorachsen a a, um ein gleiches Stück nach unten gezogen und damit die Hubschrauben auf gleiche Steigung eingestellt werden. Die Flugmaschine wird in diesem Falle durch die Entlastung der Haupttragdecken vorn aufgerichtet und steigt daher, teils infolge des vergrößer- ten Neigungswinkels der Tragdecken, teils infolge der von den Hubschrauben selber erzeugten Hubkraft, in die Höhe. Die beiden seitwärts gerichteten Kom- ponenten der Hubkräfte der Schrauben heben sich dabei, wie bereits erwähnt, gegenseitig auf. Will man dagegen die Flugmaschine zur Seite steuern, so hat man den Hebel H um einen bestinnmten Betrag umzulegen und gleichzeitig das Handrad W um einen solchen Betrag und in solcher Richtung zu drehen, daß nur das Steuerungszugseil derjenigen Hubschraube angezogen wird, durch deren Betätigung die Maschine von ihrer geraden Flugbahn seitwärts abgelenkt werden soll. it anderen Worten: Durch die gleichzeitig mit der Umdrehung des Hebels erfolgende Drehung des Handrades wird das eine der beiden Zugseile s s, — d. h je nach der Drehrichtung des Rades das eine oder das andere — um den leichen Betrag verlängert, als die Führungsrolle n (bezw. n,) durch das Umlegen es Hebels nach rechts verschoben wird, dergestalt, daß ein Anziehen des Seiles nicht erfolgt. Umgekehrt wird durch die Drehung des Handrades das andere Seil um den gleichen Betrag verkürzt, so daß also hier die durch die Umlegung des Hebels bewirkte Lagenveränderung der Rolle n (bezw. n,) und die durch die Drehung des Handrades bewirkte Verkürzung des betreffenden Seiles sich sum- niieren, so daß die betreffende Schraube auf entsprechend große Steigung ein- gestellt wird, während die Flügel der anderen Schraube auf Null-Steigung verharren. Selbstredend ermöglicht die Vorrichtung es auch, beide Hubschrauben zwar gleichzeitig, aber in ungleichem Maße auf Steigung einzustellen, so daß außer einer Veränderung der Höhenlage der Maschine auch eine Seitwärtsschwenkung stattfindet, dergestalt, daß sie in einer Schraubenlinie in die Höhe steigt. Zu diesem Behufe braucht das Handrad nur in entsprechend geringerem Maße ge- dreht zu werden, derart, daß die Wirkung der Umlegung des Steuerungshebels bei dem in Betracht kommenden Seilende nicht völlig paralysiert wird, sondern noch eine bestimmte Differenz zwischen der Lagenveränderung der Rolle n ({n,) und der durch das Handrad bewirkten Verlängerung des betreffenden Seilendes übrig bleibt. Es kommt also jeweils auf der einen Seite nur die Differenz zwischen der Seilverschiebung durch das Handrad W und der durch die Umlegung des Hebeils H bewirkten Lageveränderung der Rollen n bezw. n, als Steuerwir- kung zur Geltung, auf der anderen Seite dagegen die Summe dieser beiden Bewegungen. An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß die Hubschrauben infolge ihrer zu einander geneigten Lage die Luft gewissermaßen zwischen sich verdichten, und da sie zudem im Luftstrom der Hauptantriebsschraube liegen, so dürfte sich eine gegenüber gewöhnlichen Hubschrauben bedeutend verstärkte Wirkung ergeben, .so daß mit den beiden Schrauben von verhältnismäßig kleinem Durchmesser von 2.2 m recht erhebliche Hubkräfte erzieit werden können, zumal wenn dieselben zum Zwecke des Landens auf sehr große Steigung (3—4 m) eingestellt werden (normalerweise sind sie natürlich beim Steuern auf ganz bedeutend kleinere No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 411 dieser Ursachen die Maschine plötzlich, d.h. so schnell als der Kreiseiwiderstand dies überhaupt zuläßt, vorne allzu stark aufgerichtet, so wird infolge des dadurch sehr stark vermehrten Stirnwiderstandes und der hierdurch verursachten großen sekundlichen Verzögerung der Fahrgeschwindigkeit in der sehr beträchtlichen Pendelmasse eine starke Trägheitskraft wachgerufen, vermöge deren das Sitz- pendel nach vorne ausschwingt und durch die Zugstangen S S, die Schwanz- Tragdecke auf einen größeren Neigungswinkel einstellt, so daß diese infolge der vermehrten Tragkraft die Tendenz hat, die Maschine hinten hochzuheben und sie damit wieder in ihre normale Lage zu zwingen. Am Ausschwingen nach hinten wird das Sitzpendel dadurch verhindert, daß sich das Rohr z gegen die Stütze P anlegt, und damit dasselbe während der normalen Fahrt nicht hin- und her- schwingen kann, wird es in dieser Lage durch Gummizüge g festgehalten, deren Spannung entsprechend eingestellt werden kann. Durch die beiden Kreisel und die vorbeschriebene Einrichtung ist die Stabilität zur Genüge gesichert, solange der Motor arbeitet. Versagt dieser, so wird die 3 oder 4flügelige Hauptantriebsschraube als Windmotor zum Antrieb der Stabilisatorpropeller benützt, wobei der Motorwiderstand in bekannter Weise durch Offenhalten der Auslaßventile ausgeschaltet wird. Die hierfür erforderliche Arbeit liefert dabei die natürlich auf einer schiefen Ebene niedersinkende Ma- schine selbst, inden die in ihr aufgespeicherte potentielle Energie der Lage in Stirnwiderstandsarbeit umgesetzt wird. Der Vorgang beim Versagen des Motors wird sich etwa wie folgt abspielen. Sinkt beim Versagen des Motors die etwas unterhalb der Haupttragdecke angreifende Zugkraft der Hauptantriebsschraube auf Null, so wird die Maschine im ersten Augenblick die Tendenz haben, sich unter dem durch die Flächen der Schraubenflügel noch vermehrten Luftwiderstand vorne aufzubäumen. Ein wirk- liches Aufkippen wird indessen verhindert, einerseits durch die stabilisierende Wirkung der Kreiselräder ınd andererseits dadurch, daß infolge der starken Verzögerung der Fahrgeschwindigkeit das Sitzpendel nach vorne ausschwingt und die Schwanz-Tragdecke auf einen stärkeren Neigungswinkel einstellt. Diese wirkt infolgedessen als automatisches Höhensteuer, d. h. sie hat die Tendenz, die Maschine hinten hochzuheben und damit den Neigungswinkel der Haupt-Trag- decken zu verkleinern. Inzwischen hat sich auch die Geschwindigkeit der Ma- schine vermindert und es wird daher die Tragkraft der stark belasteten Haupt-Trag- decken rasch abnehmen, so daß die Maschine unter der doppelten Einwirkung der als automatisches Höhensteuer wirkenden Schwanz-Tragdecke und der ab- nehmenden Tragkraft der Hauptdecken sich unter Ueberwindung des Kreisel- widerstandes langsam vorne herabneigen wird. Infolgedessen wird die Maschine niedersinken und, da die hierdurch gewonnene Energie auf Vermehrung der Horizontal-Geschwindigkeit wirkt, seine normale Fahrtgeschwindigkeit bald wiedergewinnen und sogar unter Umständen unter andauerndem Fallen eine noch wesentlich größere Geschwindigkeit annehmen. Um nun zu verhindern, daß die Maschine zu rasch fällt, wird der Führer die Hubschrauben auf mehr oder weniger Steigung einstellen, also gewissermaßen bremsen. Die hierführ erforderliche Arbeit wird, wie bereits erwähnt, von der als Windmotor wirkenden Haupt- antriebsschraube geliefert, wobei vorausgesetzt ist, daß der Führer beizeiten den Motorwiderstand ausgeschaltet hat. Durch entsprechende Einstellung der Hub- schrauben hat der Führer also die Möglichkeit, die Fallgeschwindigkeit und die hiervon abhängige Horizontalgeschwindigkeit der Maschine in bestimmten Grenzen zu regeln, so daß er ohne irgendwelche weitere Hilfsmittel die Maschine sicher zum Landen bringen kann. Unmittelbar vor dem Landen wird er natürlich die Hubschrauben auf maximale Steigung einstellen, um. dadurch die Landung sanfter zu gestallen. Die oben beschriebenen Vorgänge unmittelbar nach dem Versagen des Motors spielen sich verhältnismäßig langsam ab, da die stark stabilisierende Wir- kung der Kreiselräder eine rasche Veränderung des Neigungswinkels der Haupt- tragflächen und damit ein plötzliches Auf- oder Abkippen der Maschine verhin- dert. Der Führer hat also genügend Zeit, die erforderlichen Handgriffe zu tun, die sich nach dem Gesagten auf die Ausschaltung des Motorwiderstandes und auf die Bedienung der als Höhenstener bezw. als Fallbremse wirkenden Hub- schrauben beschränken. Schließlich möge noch beschrieben werden, wie sich der Aufstieg und das Landen vollzieht, und in welcher Weise manövriert wird, um die Fahrgeschwin- digkeit zu regeln In Anfahrtstellung haben die Haupt-Tragdecken einen Neigungswinkel von Scite 412 „FLUGSPORT“. No. 13 etwa 10—12“ zur Horizontalen, und die pro Flächeneinheit wesentlich geringer belastete Schwanz-Tragdecke einen solchen von etwa 8-—-10°. Trotz dieses geringeren Neigungswinkels wird bei der gewählten Lastverteilung der Augen- blick, wo beim Anfahren die Tragkraft der Decke der Belastung das Gleichge- wicht hält, bei der Schwanz-Tragdecke früher, d. h. bei einer geringeren Geschwin- digkeit, eintreten als bei den Haupt-Tragdecken. In diesem Augenblick nun, wo also das Hinterteil der Maschine die Tendenz hat, sich unter der Einwirkung -- der Tragkraft der Schwanz-Tragdecke vom Boden abzuheben, wird der Führer die Hubschrauben einschalten, d. h. dieselben auf mehr oder weniger große Stei- gung einstellen. Diese erzeugen dann unter Inanspruchnahme des Kraftüber- schusses des Motors die noch fehlende Hubkraft, um gemeinsam mit der Trag- kraft der Haupt-Tragdecken auch das Vorderteil vom Boden abzuheben, sodaß nunmehr die Maschine schwebt und zunächst mit unveränderter Neigung und wachsender Geschwindigkeit in die Höhe geht. Dieser Zeitpunkt des Abhebens vom Boden wird bei dem großen Neigungswinkel der Tragdecken schon bei verhältnis- mäßig geringer Geschwindigkeit und entsprechend kurzer Anfahrbahn erfolgen. Hat die Maschine dann eine genügende Höhe erreicht, so wird der Pilot, um diese Höhenlage beizubehalten, die Hubschrauben nach und nach auf geringere Steigung einzustellen. In dem Maße, als dies geschieht, senkt sich die Maschine vorne unter Ueberwindung des Kreiselwiderstandes langsam nieder, sodaß der Neigungswinkel der Decken und zwar sowohl der Hauptdecken als auch der Schwanz-Tragdecke, in gleichem Maße vermindert wird. Diese Verkleinerung des Neigungswinkels hat eine bedeutende Verminderung des Stirnwiderstandes zur Folge und da zu gleicher Zeit der vorher auf den Antrieb der Hubschraube ver- wendete Teil der Motorleistung mehr und mehr frei wird und auf verstärkten Antrieb der Hauptantriebschraube, d h. auf Erhöhung der Tourenzahl des Motors, wirkt, so wird die Fahrgeschwindigkeit rasch zunehmen. Da aber, wie eingangs er- wälnt, die Tragkraft der Decken mit dem Quadrat der Fahrgeschwindigkeit zu- nimmt, so wird die Maschine, trotzdem die Hubschrauben nach und nach auf gar keine oder doch nur ganz geringe Steigung eingestellt worden sind, und diese so- mit keine oder eine verhältnismäßig sehr kleine Hubkraft erzeugen, nicht fallen, sondern in gleicher Höhe mit großer Geschwindigkeit dahinschweben. Mit anderen Worten: die Haupt-Tragdecken tragen nunmehr infolge der stark ge- steigerten Geschwindigkeit trotz des auf etwa 5° verminderten Neigungswinkels, die ganze Last des Vorderteils allein oder doch nahezu allein. Damit in diesem Falle das Gleichgewicht zwischen Vorderteil und Hinterteil der Maschine vor- handen sei, mußder Neigungswinkel der Schwanz-Tragdecke, wie bereits erwähnt, annähernd um soviel kleiner sein, als derjenige der Haupt-Tragdecken, als der geringeren spezifischen Flächenbelastung entspricht. Bei der gewählten Lastver- teilung und Größenbemessung der verschiedenen Tragdecken wird demnach der Neigungswinkel der Schwanz-Tragdecke nur etwa 3 4° sein dürfen, wenn der Neigungswinkel der Haupt-Decken auf 5" vermindert ist. Will der Pilot die Maschine in geringere Höhe niedersinken lass-n, so bietet sich hierfür als einfaches bekanntes Mittel die Verminderung der Tourenzahl des Motors, oder aber, sofern die Hubschrauben auch bei voller Geschwindigkeit noch einen kleinen Rest von Tragkraft erzeugen, die Einstellung desselben auf völlige Null-Steigung. “Will er dagegen wieder höher steigen, so genügt es, die Maschine durch Ein- stellen der Hubschrauben auf mehr oder weniger Steigung vorne wieder aufzu- richten, wodurch natürlich die Geschwindigkeit entsprechend vermindert wird. Legt man aus bestimmten Gründen — beispielsweise zum Zwecke des Landens und der der Beobachtung des Geländes — Wert darauf, möglichst langsam zu fahren, sp wird man die Hubschrauben auf große Steigung einstellen und damit die Haupt-Tragdecken entlasten und zugleich die Tourenzahl des Motors, soweit diese nicht ohnedies durch Einschalten der Hubschrauben stark reduziert wird, durch Drosselung der Gemischzufuhr vermindern. Dergestalt hat man es 'n der Hand, durch Veränderung des Neigungswinkels der Tragdecken und größere oder geringere Entlastung derselben mittels der Hubschrauben, sow e durch Verände- rung der Tourenzahl des Motors, nicht nur jede beliebige Höhenlage, sondern auch innerhalb gewisser durch die Verhältnisse der Maschine gezogenen Grenzen jede gewünschte Fahrgeschwindigkeit einzuhalten. Als untere und obere Grenze dürften bei der in der Tafel dargestellten mit einem 100 bis 110 pferdigen Motor versehenen Maschine bei voller Belastung (ca. 400 kg Nutzlast) etwa 50 bis 60 km bezw. 90 km in Betracht kommen. Zum Zwecke des Landens wird der Pilot die Maschine zunächst auf die geringstmöglichste Geschwindigkeit einstellen und dann, in geringer Höhe No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 413 über der Landungsstelle angelangt,die Hauptantriebsschraube durch Ausrückung einer zu diesem Zwecke vorgesehenen Klauenkupplung oder dergl. ausschalten und zugleich die Hubschrauben auf die größtmöglichste Steigung (3-4 m) ein- stellen. Die ganze Motorleistung wird alsdann auf den Antrieb der Hubschratut- ben verwendet, sodaß sich die Maschine sehr sanft auf den Boden aufsetzen wird. Da die Hubschrauben und mit ihnen die Kreisel auch dann noch vom Motor angetrieben werden, wenn die Flugmaschine durch Ausschaltung der Hauptantriebsschraube zum Landen gebracht worden ist, so ist die Maschine auch auf dem Boden stehend, gegen Umkippen durch den Wind gesichert, sofern dieser nicht allzu heftig von der Seit: anpackt. Als Nachteil der Stabilisator-Propeller ist zu erwähnen, daß dieselben, auch wenn sie bei voller Fahrt auf Null-Steigung eingestellt sind, Kraft verzehren Um diesen Nachteil nach Möglichkeit zu eliminieren, sind die Stabilisator-Achsen nach hinten geneigt anzuordnen, etwa so, daß sie bei voller Fahrgeschwindigkeit wenn die Welle der Haupt-Antriebsschraube horizontal! liegt, mit der Vertikalen einen Winkel von etwa 5 Grad einschließen. Dergestalt ergeben die Schrauben- flügel, selbst wenn sie auf Null-Steigung eingestellt sind, als rotierende Aeroplan- flächen immer noch eine keineswegs zu vernachlässigende Tragkraft, ohne daß zum Antrieb der Stabilisator - Propeller mehr Kraft erforderlich wäre, als zur Ueberwindung des Reibungswiderstandes der unter den rotierenden Flächen hin- wegstreichenden Luft ohnedies aufgewendet werden muß. Die Hubkraft der Schrauben erzeugt zwar infolge der Achsenneigung eine rückwärts gerichtete also auf Hemmung wirkende Seitenkomponente, indessen ist diese bei dem ge- ringen Einfallwinkel der Maschine bei Schnellfahrt so klein, das sie gegenüber den sonstigen Fahrwiderständen nicht in Betracht kommt. Wenn es dagegen darauf ankommt, die Fahrgeschwindigkeit zu verzögern etwa behufs Beobachtung des Geländes oder zum Zwecke des Landens, so kann die entsprechend dem stark vergrößerten Neigungswinkel und der gleichfails sehr bedette.d verstärkten Hubkraft der Schrauben ganz beträchtlich angewachsene Seiten-Komponente nur vorteilhaft wirken Besonders beim Landen, wobei, wie weiter oben erwähnt, die ganze Motorleistung auf den Antrieb der Hubschrauben verwendet wird, wird die unter diesen Umständen sehr starke Seiten-Komponente staık bremsend wirken, sodaß die Maschine sich unter der Einwirkung der Hubschrauben nicht nur sanft auf den Boden aufsetzen wird, sondern auch rasch zum Stehen kommt. Das ganze Gewicht der mit einem 100 bis 110 pferdigen Motor ausge- rüsteten und für eine Nutzlast von ca. «00 kg (Insassen und Betriebsstoff) be- rechneten Maschine wird sich nach einer überschläglichen Berechnung bci sehr solider Bauart auf ca. 700 bis 800 kg belaufen, wovon auf die beiden Stabilisator- Propeller etwa 130 - 140 kg entfallen. Es ist dabei angenommen, dab der Rahınen der Maschine aus Hohlprofil-Hölzern zusammengebaut wird, die grobe Festigkeit bei geringem Gewicht ergeben. Außer den kräftig gehaltenen '[rag- balken der Haupttragdecken und selbstredend den Schlittenkufen, die aus Massivhölzern herzustellen sind, sollen nur die im Haupt - Luftstrom liegenden Streben zum Zwecke der Erzielung geringen Stirnwiderstandes massiv mit Fischbauchquerschnitt ausgeführt werden, Schließlich möge noch erwähnt werden, daß die beiden am Hinterteil der Maschine unterhalb der Schwanztragdecke angeordneten gewöhnlichen Seiten- steuer, die eventuell zum Steuern flacher Kurven verwendet werden können, mehr als Stabilisierungs-Flossen dienen sollen. Bei normaler Fahrt werden sie wohl kaum zum Steuern benutzt werden, da die weiter oben beschriebene Differential - Steuerungsvorrichtung feinfühlig genug ist, um auch ganz flache Kurven mittels der Hubschrauben sicher steuern zu können Dagegen werden diese Steuer beim Lenken der Maschine während des Anfahrens bezw. beim Landen zweifellos gute Dienste tun, zu welchem Zwecke sie gemeinsam mit dem hinteren Lenkrad betätigt werden. Seite 414 „FLUGSPORT“. _No. 13 Rundschau. Inland. Das Flugmaschinenführer-Zeugnis erwarben: Plochmann aus München auf dem Flugfeld „Mars“ am 4. Juni. Fiugmaschine Enders. Ingenieur Enders, Nürnberg, hat einen Eindecker gebaut, welcher sich in seiner konstruktiven Durchführung insbesondere des Rumpfes, von allen bisherigen Konstruktionen unterscheidet. Die Maschine ist in beistehenden Abbildungen dargestellt. Der Rumpf besteht aus einem 7 m langen Stahlrohr, welches, nach vorn gegabelt, den Motor trägt. Das Gewicht des Rumpfes, welcher eine sehr hohe Festigkeit besitzt und fast unzerstörbar ist, beträgt nur 25 kg. Weiter werden durch die Konstruktion die Reibungs- widerstände geringer als bei den bisherigen gitterförmigen Holzrümpfen ausfallen, Flugmaschine Enders. Enders verwendet eine eigenartige Abfederung der Vorderräder, welche gestattet, daß die Maschine beim Anfahren gerade läuft, nach allen Richtungen federt und seitliche Stöße amortisieren kann. Wir werden an anderer Stelle noch auf diese Abfederung zurückkommen. Zum Betriebe dient ein Dreizylinder-Motor mit Luftkühlung von 32 PS. Neu’ an der"Maschine und in Fachkreisen als vorzüglich anerkannt ist die gesetz-"—— *— lich gechützte magnet-elektrische Zündung, die bei allen deutschen und franzö- sischen Fabrikaten bei Dreizylinder - Motoren mit 60 Grad versetzten Zylindern noch nicht angebracht wurde. Der neue Motor ist dem französichen weit über- legen und arbeitet infolge seiner magnet-elektrischen Zündung sehr sicher. Die nebenstehende Abbildung zeigt die Maschine bei einem Kopfsturz, welcher vollständig gefahrlos sowohl für die Maschine als auch für den Führer verlaufen ist. Die vorliegende Maschine wird von der Nürnberger Moto- ren- und Maschinenfabrik unter der Schutzmarke „Sylphe-triplex* demnächst in den Handel gebracht werden. Die Maschine wird inallen ihren Teilen in der Nürnberger Fabrik hergestellt. No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 415 Flugmaschine Ruhl. Ruhl in Würzburg hat einen Eindecker von II m Spannweite und 9 m Länge gebaut. Zum Betriebe dient ein 40 PS Anzani-Motor deutsches Fabrikat. Der Apparat hat eine automatisch wirkende Fallschirmvor- richtung erhalten, die im Falle einer Gefahr durch einen Fußtritt losgelöst wird und so in Tätigkeit tritt. Fiugmaschine Enders. (Ein Kopfsturz.) Flugmaschine Suwelack. Ingenieur Suwelack in Billerbeck in Westfalen hat einen Eindecker gebaut, welcher von einem luftgekühlten Vierzylinder-Escher- Motor von 36 PS angetrieben wird. Die Konstruktion zeigt nebenstehende Abbildung. Das Fahrgestell besteht aus zwei Kufen, Besondere Anlaufräder Flugmaschine Suwelack. Seite 416 _„ELUGSPORT“. No. 13 sind nicht vorhanden. An dem Vorderteil der Kufen sind zwei einfache Rollen, welche ein Einbohren der Kufen in in den Erdboden verhindern sollen, angebracht. Suwelack hat mit dieser Maschine bereits Flüge von 2', km Länge in 8 m Höhe ausgeführt. Der Vierzylinder-Eschermotor soll sich bei diesen Versuchen gut bewährt und bei einem Dauerversuch von 1’, Stunden keinerlei UÜecberhitzung gezcigt haben. Das deutsche flugtechnische Institut in Köppern i.T. hat in seinen Werkstätten einen Eindecker für die Schüler des Instituts gebaut. Die Maschine wird durch einen wassergekühlten Zweizylinder-Motor von 24 PS, ähnlich dem Escher-Motor betrieben. Die beistehende Abbildung zeigt den Apparat mit abgenommenen Tragdecken, als Lehrmaschine dienend. Lehrmaschine des deutschen Flugtechnischen Instituts in Köppern i. T. Flugmaschine Züst und Schlegel. Der von den beiden Flugtechnikern konstruierte und unseren Lesern bekannte Flugapparat wurde am 23. Juni auf dem Exerzierplatz in Konstanz versucht. Nach kurzem Anlauf neigte sich der Apparat stark seitwärts und wurde beschädigt. Flugmaschine Paul Schmidt, Magdeburg. Ingenieur Schmidt hat mit seinem Eindecker auf den Rennwiesen am Herrenkrug bei Magdeburg einen Flug von 500 m-Länge in 8 m Höhe ausgeführt. Wiencziers Unfall in Budapest. Bei einem fast einstündigen Dauerflug in 100 m Höhe löste sich während des Fluges ein Verbindungsdraht. Wiencziers wurde durch die Zuschauer durch Winken auf die Gefahr aufmerksam gemacht und versuchte zu landen. In 10 m Höhe brach jedoch die rechte Tragdecke ab, wodurch der Apparat zu Boden stürzte. Wiencziers blieb dabei unverletzt. Ausland. Der neue Zweidecker von Voisin. Voisin hat für Metrot einen neuen Zweidecker gebaut, welcher in Roucn sehr gut geflogen ist Voisin hat bei nen nn m na ann une No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 417 dieser Maschine die Querwände herausgelassen und für die Schräglagensteuerung besondere Hilfsklappen, wie bei Farman, angeordnet. Der kastenförmige Schwanz ist verschwunden und an dessen Stelle nur eine Fläche gesetzt worden. Das hintere Seitensteuer dient gleichzeitig für die Dämpfung. Die neue Voisin-Flugmaschine. Flugmaschine Henry und Maurice Farman. Die Gebrüder. Farman haben gemeinschaftlich eine Maschine gebaut, deren Charakteristik hauptsächlich in der Profilierung der Tragdecken liegt und zwar ist die untere Seite der Trag- decken vollständig gerade, während die obere Seite das bisherige Profil zeigt. Flugmaschine von Henry und Maurice Farman. Bekanntlich hat Maurice Farman bei seinen früheren Maschinen bereits gerade Tragdecken angewendet. Jedenfalls ist durch die Anwendung der geraden Decken von Maurice Farman noch nichts bewiesen. Leutnant Savoia, der am 30. Juni von Rom nach Bracciano flog, wollte am 1. Juli nach Rom zurückfliegen. Wenige Minuten nach dem Abfluge brach ihm das Höhensteuer und er fiel aus einer Höhe von 125 Metern auf das Ufer- gelände des Braccianersees herab. Der Apparat wurde leicht beschädigt, Leutnant Savoia blieb unversehrt. Seite 418 „FLUGSPORT“. No. 13 Verschiedenes. Robls Flugunfall. Ueber den Todesturz von Robl ist in den Tageszeitungen zur Genüge berichtet worden. Wir wollen daher den traurigen Vorfall nur registrieren. Thormann, Robls Monteur, schilderte den Vorgang folgendermaßen: Als der Apparat fertig montiert war und flugbereit auf dem Felde stand, erschien Robl im Flugdreß, aber Thorman redete ihm ab zu fliegen. Das Publi- kum wurde unruhig und Robl blickte nervös umher. Thormann bot alles auf, um Robi am Fliegen zu verhindern, und wies auf den böigen Wind hin, der über das Flugfeld fegte, aber Robl war nicht zu halten. Er ließ sich eine Zigarette geben, zündete sie an und setzte sich in seinen Apparat. Die Schraube wurde angedreht und Thaddäus Robl trat seine letzte Fahrt an. Nach wenigen Metern ging der Apparat in die Höhe, schwankte aber sehr bedenklich, und Thormann versuchte nochmals Robl durch Winken zur Landung zu veranlassen. Robl flog indessen weiter, und unter dem Beifall der Menge beschrieb er einige Kreise mit stark schwankendem Apparat. Plötzlich senkte sich der Apparat sehr schnell und flog auf die zum Beistande anwesenden Soldaten zu. Was nun geschehen ist, weib niemand recht. Thormann hatte den Eindruck, als ob Robl alles aufwandte, tm nicht in die Abteilung Soldaten hineinzufliegen und dadurch den Sturz verursachte. Jedenfalls kippte der Apparat plötzlich nach vorn über und Robl fiel heraus. Hinter ihm her sauste der Apparat, und mit einem Kanonenschuß ähnlichen Knall fiel der Motor auf die Erde und der in Trümmer gehende Apparat begrub Robl unter sich. Nachklänge von der Budapester Flugwoche. Die französischen Flieger haben in Budapest nicht gerade die besten Eindrücke zurückgelassen. Man plant eine reinliche Scheidung zwischen professionellen und Amateurfliegern. Ungarn beabsichtigt aus der Federation Aeronautique Internationale auszutreten, da die Federation nur französische aber nicht internationale Interessen vertrete. Geschäftliche Nachrichten. L. Chauviere Ing. Frankfurt a. M. Die bekannte Holzschraubenfabrik erhielt auf der Intern. Ausstellung für Sport und Spiel die „goldene Medaille.“ Am 1. Juli hat die Firma ihre erkstätte in der Günderodestr. 5 in Betrieb genommen. Otto Schwade & Co., Erfurt, hat den Bau von Aeroplanen und Motoren aufgenommen. Von zwei Commisaren des Aero-Club de France hat der Inge- nieur Herr H, Schwade am 10. Juni 1910 auf dem Camp de Chalons sein brevet de pilote brillant absolviert und damit das Führerzeugnis erworben. Herr Schwade ist einer der wenigen Aviatiker, welcher bei der Erlernung des Fliegens niemals „Kleinholz“ gemacht hat. Wir wünschen ihm weiterhin recht viel Erfolg. Briefkasten. B. G. Das Gewicht der Antoinette-Maschine ohne Führer beträgt 500 kg, das Tragflächenareal 39 qm. Die angefragte Bleriot - Maschine besitzt 16 qm Tragfläche und wiegt 180 - 200 kg. ie Flugmaschine von Antoinette ist im Flugsport Nr. 25 Jahrgang 1%9 und die Bleriot-Maschine in Nr. 24 genauestens mit Zeichnungen beschrieben. M.N. in Hildesheim. Grade baut 3 Typen seiner Maschinen und zwar: a) 12 PS-Motor, 85 Bohrung, 85 Hub, 1800 Umdrehungen per Minute max., 2 Cylinder, Magnetzündung Bosch, 20 qm Fläche, 60-70 km Geschwindigkeit, S0 kg Gewicht, 8 m breit, 7 m lang, 1 Person. Mk. 8000. -. b) 20--24 PS-Motor. 85 Bohrung, 85 Hub, 1800 Umdrehungen per Min. max., 4 Cylinder, Magnetzündung Bosch, 30 qm Fläche, 70-80 km Geschwindigkeit, 125 kg Gewicht, 10 m breit, 8,5 m lang, 1 Person. Mk. 12000, —. c) 40—48 PS-Motor, 105 Bohrung, 105 Hub, 1800 Umdrehungen p. Minute max., 4 Cylinder, Magnetzündung Bosch, 45 qm Fläche, 75-85 km Geschwindig- keit, 180 kg Gewicht, 12 m breit, 10 m lang, 1-2 Personen. Mk. 16000. — ern nn Ammann mn ann No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 419 Zahlungsbedingungen sind so gehalten, daß “, des Betrages bei Bestel nach Vorführung der Maschine bar gezahlt wird. i \ Bestellung, Lernen und vollständige Orientierung iiber die Einzelheiten des Fliegers und des Fliegens erfolgt bei Erwerb eines Apparates kostenlos in Bork. „Den Werdegang der Flieger von Gorrissen. Euler und Grade hier zu schildern, würde zu weit führen. von Gorrissen ist ein Schüler Eulers. Der längste offiziell bestätigte Flug Eulers ist 1 Stunde !8 Minutnn, der längste offiziell bestätigte Flug von v.Gorrissen beträgt 39 Minuten 40 Sekunden und zwar wurde dieser Flug auf dem Truppenübungsplatz bei Darmstadt mit einer Euler-Maschine ausgeführt. Ueber spätere längere Flüge von v. Gorrissen ist uns nichts bekannt. Grade soll seinen ersten Flug amı 25. Oktober 1908 in Magde- burg ausgeführt haben. Derselbe ist jedoch, so weit uns bekannt, nicht offiziell estätigt. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 152. Flugzeug-Interessenten. j Wir machen darauf aufmerksam, daß Interessenten, die sich mit Kapital für neue Erfindungen auf dem Gebiete der Flugtechnik zu interessieren wünschen anzuraten ist, sich an den Vorstand des Deutschen Fliegerbundes, Frankfurt a. M. Neue Mainzerstraße 76!T. zu wenden. Derselbe steht mit einer Reihe von Kapital suchenden Erfindern in Verbindung und ist auch in der Lage, durch eine sachverständige Kommission die betr. Erfindungen auf ihren praktischen Wert prüfen zu lassen. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter n Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1522. Unser Mitglied Herr v. Gorrissen flog am 14. Jıni in Hannover 14 Minuten und 40 Sekunden. —Er-steHte-in 100-.m Höhe den Motor ab und ging im Gleit- flug zur Erde. v. Gorrissen erhielt den ersten Frühpreis und den zweiten Preis für den Dauerflug. Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. l. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377. 2, » Ing. Gg. Schollmeier. Seite 420 „FLUGSPORT“. No. 13 Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheinı, Mittelstr. 37a. Kassier: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversamnmlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in dem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Flugveranstaltungen des Mannheimer Flugsport-Clubs. Besichtigung der Maschinen durch Dr. Lanz. von links nach rechts: _Schönfelder (I. Vors.), Temmler. (Beis:), Weiß (Flieger), Thelen (Flieger), Dr. Lanz, Ehrenpräsident des Mannheimer ‚Flugsport - Clubs, ‘Ing. Ursinus, Lindner, Müller, Reinhardt. Am 26. Juni veranstaltete der Mannheimer Flugsport-Club ein Schaufliegen. Es war dies das erste mal, daß sich Flugmaschinen im Fluge in Mannheim zeigten. Trotz des starken Windes hatte sich eine große Menschenmerige auf dem Flugplatz, d. i. der Mannheimer Garnisonsexerzierplatz, versammelt. Der Besuch der Ver- anstaltung war ein sehr reger. Unter: den Besuchern sah man die ersten Bürger Mannheims, u. a. den Ehrenpräsidenten des Mannheimer Flugsport-Clubs, Herrn Dr.Karl Lanz, welcher sich von den anwesenden Fliegern Thelen und Weiß sehr eingehend die Verbesserunger an ihren Maschinen erklären ließ. (Vergl. oben- stehende Abb.) Um 6 Uhr begann der Wind abzuflauen. Weiß zog seine Bleriot-Maschine aus dem Schuppen und versuchte trotz des immer noch starken Windes (4—5 m-sec.) zu fliegen. Er erzielte 2 Flüge in Länge des Exerzierplatzes. Bei einem zweiten Versuche verlor Weiß infolge schlechten Arbeitens des Motors in einer Kurve die Geschwindigkeit, fiel zu Boden und beschädigte die linke Tragdecke. Hierauf bestieg Thelen die dem Herrn Lohner gehörende Wright- Maschine und führte mehrere elegante Kreisflüge in 30 m Höhe aus. Die wohlgelungene Veranstaltung, welche den jungen Klub erhebliche An- Sirengungen kostete, wird eine würdige Erinnerung für das erste Arbeitsjahr des iubs bilden. No. 13 „FLUGSPORT«“. Offizielle Mitteilungen Seite 421 des | Frankfurter Flugtechnisch. Vereins | Sitz Frankfurt a. Main. | Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: l. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. „ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. | l. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. i Kassierer: Oberleutnant a. D. zur See Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. Beisitzer: Ing. Böninger und Pega. Wir haben noch eine Flugmaschinen-Halle_ 12x10x365 m zu vermieten. Reflektanten belieben baldigst ihre Gesuche an die Geschäftsstelle des Vereins zu richten. Der Vorstand des Frankfurter Flugtechnischen Vereins. > Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Fernsprecher 1. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Bohn, Tauentzienstr. 16 . . 2. 2 .2...307 2. Vorsitzender: Privatdozent Dr. von dem Borne, Krietern, Kreis Breslau Erdbebenwarte . 2 22 0ooL nn 1. Schriftführer: Ingenieur Stoeckicht, Gartenstraße 7 . . - . 2.2... 10972 2. Schriftführer: Kaufmann Kutsch, Ohlauufer 10 . . . 2 2 2.2.2.2 .10993 Bibliothekar: Dr. Ing. Heller, Kronprinzenstraße 4 . . 2 22 2022..2454 Flugwart:: Ingenieur Walzel, Museumsplatz IS . . 2. 2 2 22 202020..3513 Schatzmeister: Kommerzienrat Dr. jur. G. Heimann, Ring 3. . . . . . 2655 Sportkommission: Fritz Heidenreich, Freiburgerstraße 21 nn. 2888 Hans Ledermann, Rentier, Hohenzollernstraße 107° . . 3204 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstraße 3. 2.2 2 222022. 9054 Beisitzer: Universitätsprofessor Dr. Rich. Abegg, Parkstraße 3. . . 2. .2.......1166 Freiherr von Durant, Langendorf | Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 . . 2 2 2 2.222... 29701 H Universitätsprofessor Dr. Lummer, Göppertstraße I. . 2 2 2 222....68 ; Steinbruchbesitzer Nicolaier, Kaiser Wilhelmstraße 14 . . . 22.2... 9280 } Ingenieur C. von Sallwürk, Gartenstraße 89 . . 2983 Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- H deutscher Lloyd) . » 2: 2 m m nenn. 2701 ; bet Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 ' erbeten. Seite 422 „FLUGSPORT“. No. 13 Von der Flugmaschinen-Ausstellung des Schlesischen Flugsport-Clubs. Von links nach rechts. Oben: Ing. Ursinus, Ing. Stoeckicht. Mitte: Schorich, Brunnhuber, Kutsch, Nicolaier. Unten: Oberl. Boldt, Frau Oberl. Boldt, Heidenreich, Frau Kutsch. Die mit .der OFI veranstaltete Flugmaschinenausstellung fand vom 19.— 23. Juni statt. (vergl. den Ausstellungsbericht in der vorliegenden Nummer.) Nur durch das intensive gemeinschaftliche Arbeiten der Clubmitglieder während der Ausstellung war es möglich, die große Arbeit zu bewältigen. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Geschäftsstelle: Geibelstr. 75. Vorsitzender: Direktor Probst. Schriftführer: C. Kremer. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Steinstr. 70 Vereinsabend statt. Gäste willkommen. Die nächste Generalversämmlung findet am 23. Juni statt. Oifizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 28 IH. Vorstand: r Gi Ldemas | ie wa Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 281. Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe 2, » Redakteur Goldfreund, Leipzig. No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 423 Schatzmeister; Bergdirektor Otto Prochnow. Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vereinslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holiten. \ Vorstand: \ 1. Vorsitzender: A. Breuer, Wasserwerksdirekt.,‚ Oberhausen 2. » Fritz Nohlen, Gemeindevorsteher, Holten. | Schriftführer: Uhrmacher Hallen, Oberhausen. / Schatzmeister: Trutenau, Maschinenmeister, Oberhausen. Vertreter dieser: Carl Nohlen, Gutsbesitzer, Holten. 1. Flugwart: Julius Niehues, Mechaniker, Wesel. 2. Flugwart: Schnarre, Architekt, Holten. Beisitzer: Ingenieur Heuser, Oberhausen. » Redakteur Huhn, Oberhausen. Geschäftsführer des Vereins ist Redakteur Rudolf Huhn zu Oberhausen; an diesen sind ausnahmslos alle Sendungen zu richten. Letzte Nachrichten. Die Flugwoche von Reims, Dic bedeutendste Flugveranstaltung von Enropa, die Woche von Reims, hat begonnen. 75 Flugmaschinen stelien startbereit. Leider hat sich am Eröffnungstage ein sehr bedanerlicher Unglücksfall er- eignet. Charles Wächter, einer der ältesten und bedeutendsten An- toinette-Piloten, ist abgestürzt und war sofort tot. Wächter war der einzige, welcher am 3. Juli vormittags bei 16 sec/m Wind flog. Nach- dem Labouchere und Weymann kurze Flüge ausgeführt hatten nnd die Unmöglichkeit ihres Beginnens einsahen, wurden die Flüge nnter- brochen. Um 4 Uhr nachmittags begann der Wind abzuflauen. 5 Uhr 45 Min. führte Latham einen Höhenflug von 500 m Flöhe ans. Morane erreichte sogar die Höhe von 800 m. Wächter flog verhält- nismäßig sehr ruhig ınd sicher in 400 m Höhe. Da plötzlich, ca. 3 km von den Tribünen entfernt, beginnt Wächter schnell abzn- steigen und ın 200 m Höhe sieht: man, wie sich dlie Tragdecken bewegen und nach oben zusammenklappen. Wächter stelit aufrecht zwischen den Tragdecken in seiner Maschine und der Apparat stürzte mit noch laufendem Motor zur Erde. Der Flieger war sofort tot. Wächter gehörte zu den eifrigsten Fliegern der Antomette- Werke. Er war der Schwager des bekannten Ingenieure der An- toinette-Werke Levavasseur. Anf keiner Flngveranstaltiing konnte man eine derartige fieber- hıafte Flugtätigkeit beobachten wie zur Zeit in Reims. Die Flieger zogen verschiedentlich wie Vogelschwärme in Grnppen von 5 nnd mehr Apparaten, versnchend den vorgeschriebenen Abstand von 50 Seite 424 „FLUGSPORT“. No. 13 m zu halten, vorbei. Man muß staunen, wie die Flieger ihre Apıpa- rate zu lenken verstehen, um nicht gegenseitig zu kollidieren. Charles Wächter +. Zuschriften an die Redaktion. (Ohne Verantwortung der Redaktion). Warnung vor Direktor Pivot und Genossen. Kaufen Sie keine Flug- maschine: von der Firma Montgolfier, bevor Sie mich zu Rate gezogen. Direktor Pivot, rue de Laborde, Parıs, verspricht alles, nimmt Anzahlung, liefert aber nicht ! Bchufs gemeinsamen Vorgehens wollen sich Hineingefallene melden bei Wilh. Mün ster, Halle a. S., Marktplatz 24. : Wahren, 16. Juni 1919. Ihrem Artikel „Welchen Weg müssen die Flugmaschinen-Konstrukteure gehen?“ im Flugsport möchte ich nicht ganz zustimmen. Die Tendenz der französischen Konstrukteure immer stärkere Motoren einzubauen, findet ihre Erklärung in der Tatsache, daß alle Maschinen für die Bestreitung von Wett- bewerben bei denen die Geschwindigkeit ausschlaggebend ist, gebaut werden. Es wird erst dann in diesen Bestrebungen eine Aenderung eintreten, wenn die Motorstärke mit gewertet wird. Ihre Aeußerung mit einem Gnom - Motor könne man ein Scheunentor zum Fliegen bringen ist meiner Meinung nach kein Hinderungsgrund für seine Anwendung in der Farman’schen Maschine, im Gegenteil eine Empfehlung. Ueber die Anbringung der Schraube bin ich der Meinung, daß die Schraube unbedingt samt dem direkt gekuppcelten Motor vorn hingehört. Der Führer soll No. 13 „FLUGSPORT“. Seite 425 nicht durch den hinter ihm eingebauten Motor bei einem Unfall erschlagen werden (Siehe Hauptmann Ferber, Singer und Fernandez). Die schweren Massen gehören unbedingt vor den Führer. Die neue Voisin-Maschine ist nur das ver- nünftig angewande Resultat aus den Schlüssen, die die oben genannten Unfälle zulassen. Die Schraube soll nicht übersetzt werden, sonst wird, wenn nicht egenläufige Schrauben in Anwendung kommen, das krängende Moment zu groß. Es läßt sich auch mit Schnelläufern ein befriedigender Wirkungsgrad erreichen. Die Forderung die Tragdecke hinten-elastisch zu machen kann ich nur befürworten. Hiergegen verstoßen fast alle französischen und auch sehr viele deutsche Konstrukteure. Etrich hat meiner Meinung nach gar keinen so geringen Kraftbedarf, denn 50 PS sind schon eine ganz anständige Leistung. Eine frühere Maschine mit 24 PS brachte er nicht in die Luft. Wie weit in diesem Falle der Motor der schuldige Teil war, möchte ich dahingestellt sein lassen. Wenn ich dem Flugmaschinen-Konstrukteur einen Rat geben darf, so ist es der: baue keinen zu schwachen Motor ein, denn man braucht zum Steigen und Kurvenfahren manchmal mehr Kraft als zum Fliegen allein. Außerdem kann man auch einen zu starken Motor drosseln Ferner soll man keine so hochbeinigen Maschinen bauen, z. b. Farman. Die Landung auf schlechtem Boden wird dadurch sehr gefährlich. Wright und Curtiß haben ungefähr das Richtige getroffen, die Tragdeckenden können ja durch Räder oder Kufen gegen Beschädigungen geschützt werden. b es bei Zweideckern angebracht ist die untere Fläche zu verkleinern bezweifle ich. Außerdem sieht es sehr unschön aus. Ich hoffe, daß Sie diesen Ausführungen im Flugsport Raum geben werden und zeichne mit . Hochachtung Fr. Schneider Wahren bei Leipzig, Feldstr. 3. Der Einsender irrt, wenn er behauptet, daß die französischen Konstrukteure ihre starken Motoren einbauen, um Rennmaschinen zu schaffen. Bei dem Bau von Rennmaschinen sind wesentlich andere Gesichtspunkte: geringste Stirnwider- stände bei kleiner Tragfläche geringstes Gewicht usw. maßgebend. (cf. die Er- folge von Curtiß in Reims 1909 und Audemars auf Santos Dumont in Juvisy). Die Behauptung, daß unbedingt der Motor vorn hingehöre, ist, was die _ Anordnung des Motors betrifft, richtig. Daß der Motor hinten eingebaut werden soll, habe ich auch nicht behauptet. Daß hingegen die Schraube gleichfalls vorn angeordnet werden soll, ist hinsichtlich der Stabilitätsverhältnisse wohl vorteilhaft, aber infolge der großen Belästigung des Fliegers durch den Schraubenwind unter allen Umständen zu vermeiden. Alle diejenigen Flieger, welche längere Zeit hinter einer Schraube gear- beitet haben, müssen mir bestätigen, daß es kein Vergnügen ist, stundenlang in dem ölgeschwängerten Luftstrome auszuhalten. Diesem Umstand muß unbedingt Rechnung getragen werden, wenn die Flugmaschine als Luftautomobil ausgebildet werden soll. Essind mir mehrere Flieger bekannt, die sich durch den Schrauben- zug Hals- Augen- u. Ohrenleiden zugezogen haben. Da die Steuerung der Flugmaschinen ohnehin die größte Aufmerksamkeit erfordert, ist die physische Entlastung des Fliegers eine große Notwendigkeit und das Nachhintenlegen der Schraube begründet. Einsender hat jedenfalls noch nie längere Zeit hinter einer Schraube gearbeitet, er würde sonst anders urteilen. Ueber den Kraftbedarf der Etrich-Maschine, hoffe ich, daß Eitrich sich selbst dazu äußert. Die Verkürzung der unteren Tragdecke bei Farman hat sehr wohl eine praktische Bedeutung. Bei gleich langem Unter- und Öberdeck streift bei schrägem Aufkommen das Tragdeckende sehr leicht den Boden und ein Unfall ist in den meisten Fällen unvermeidlich. Auch eine etwaige Kufe erfüllt nicht den Zweck, wie es für den .ersten Augenblick scheinen ınag. ‚Die Maschine dreht sich sofort um das den Boden berührende Tragdeckende und Kommt dadurch in noch größere Schräglage. Diese Gründe waren mabrebend, das untere Deck zu verkürzen. Ob eine derartige Konstruktion unschön aussieht, darauf kommt es vorläufig im Flugmaschinenbau nicht an. Man wird mit der Zeit manches schön finden, was jetzt dem Auge häßlich erscheint, rsinus. „„FLUGSPORTT. WWWERRREN YY VG EEE V © GENE © Gleitflieger, Doppeldecker, Wrighttrag- decken Konstruktion, 20 qm Tragfläche, Flugmaschinen-Gestelle doppelseitig bespannt, sehr solid, 40 kg schwer, Konstruktion besibewährt, neu, nach Zeichnungen preiswert zu verkaufen. (150) und Anfragen an P. Fruchtermann, Wien IV. Schelleing. 17, Il. 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Be- M 4 werber mögen Ihre Anfragen richten an die Redaktion N) W des „Flugsport“ u. d. Kennwort „Deutscher Rotationsmotor“. v | gen | gm | gerumin, |: gene |. gemume | gerum | geuüilin | gpiiiie, | Pike | göeiiem | geile, | geümumn | EHEITEHEFE FE HE FE IFE HE FE HE H Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Repr&sentant pour la France: E, Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bel portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 14. Frankfurt a. M., 20. Juli 1910. Jahrg. IL Flngmaschine von Maxim. (Hierzu Tafel VI.) Hiram Maxim, der bekannte englische Ronstrukteny, dessen erste Maschine im ‚Jahre 1903 in Ermangelung eines zweckmäßigen Motores erfolglos geblieben. war, hat nınmehr eine neue Maschine fertiggestellt, die den französischen Erfahrmgen. sowie seinen eigenen zahlreichen Versuchen Rechnnng trägt. In Nachsteheudem bringen wir unseren Lesern eine Beschreibung des außerordentlich interessanten .Doppel- deckers. Das Fahrgestell der Maschine mht auf zwei pnenmatisch gefederten Rädern, die un- abhängig von einander ın großem Abstande angebracht sind. ‚Jedes Rad ist an einer massiven Gabel montiert, die vorn «drehbar an dem Rahmen befestigt ist und hinten von der pneumatischen Federung gehalten wird. Von der Gabel geht eine bogenförmige Eschenholz- kıufe nach vorn zum Schutze des vorderen llöhensteuerx. Der Schwanz wird von zwei kleinen Rädern getragen, die gleich- zeitig mit dem Seitensteuer drehbar sind. Dies ermöglicht das Knrven- fahren auf dem Boden, weun das Seitenstener wegen seringer Ge- schwindigkeit noch keine Wirkung zeigt. Der Rumpf ist gitterförmig ausgebildet. Das Banmaterial besteht größtenteils ans amerikanischer Jellow-Pine. Die mittleren Streben zu beiden Seiten des Motors sind Stahlröhren und «dienen als Kihlleitung. Die Tragdecken liegen senkrecht übereinander und bestehen im der Tanptsache ans drei Teilen. Der mittlere, zwischen dem Rahmen gelegene Teil ist horizontal, während die beiden seitlichen Teile nnter einem Winkel Seite 427 „FLUGSPORT". No. 14 von 15° gegen !die Horizontale geneigt sind, um eine antomatische Seitenstabilisierung zu erreichen. Die Tragdecken sind zweiseitig mit giummierter japanischer Seide, welche bei geringem Gewicht schr stark ist, überzogen. In der Unterseite der Tragdecken sind Luftlöcher angebracht, um einen Ans- gleich des Druckes an der Innen- und Anbenseite der Decken herbei zu fiihren. Diese Löcher haben 5U)mm Durchmesser nnd liegen ’/, von der Vorderkante entfernt. Zum Schutze gegen Fliegen sind sie mit feinem Gace überzogen. Höhensteuer ınd Schwanzfläche besitzen dieselbe Ansführung nnd sind unter sich krenzweise verbunden. Beide bestelen ans zwei übereinanderliegen- den Steuerflächen, die dnrelhı Vor- nnd Rickwärtsbewegmng des Hand- rades d bewegt werden. Das Seitensteuer ist zwischen den Schwanzflächen angebracht und wird gleichzeitig mit den kleinen Hinterrädern durch Drehen des Handrades verstellt. Die seitliche Stabilität wird durch Verwindnng der oberen Tragdecken herbeigeführt. Hier- zu dient der Fusslebel k. Der wassergekühlte 4 Cylinder Motor ist eigene Koustruktion von Maxim. Die kleine Schraube h hat 1520 mm Durchmesser und ist mit dem Motor direkt gekuppelt. Die beiden anderen haben 3450 mm Durchmesser und werden durch Seilübertragung gegenlänfig angetrieben. Auf dem Unterdeck sind nebeneinander 3 Sitze e angebracht. Zwischen den mittleren Streben ist unter dem Öberdeck der Kühler aufgehängt. Wie das Publikum bei Flugversuchen sich verhalten soll. Nicht überall stehen dem Flieger zur Erprobung seiner Maschine geeignete, mit über mannshohen Umzäunungen versehene scharf be- wachte Flugplätze zur Verfügung. Der Flieger ist schon zufrieden und hocherfreut, wenn er seitens der Militärverwaltungen irgend einen Exerzierplatz zur Verfügung gestellt bekommt. Die Maschine ist: fertig. Eines schönen Tages zieht der Flieger seine Maschine aus dem Schnppen und will mit den Flngversuchen beginnen. Der Motor ist angeworfen und der Flng soll losgehen. ‚Jetzt strömt, durch das Geräusch des Motors herbeigelockt, von allen Ecken des Exerzierplatzes das Publikum (meistens Kinder) in groben Scharen herbei, dem Flieger die Bahn versperrend, umringt die Maschine nnd sucht das Wnnderding in nächster Nähe zu sehen. Der Flieger indessen, entsetzt, sieht schon ım Geiste die schweren Verwundungen, welche der schnell rotierende Propeller hervorgerufen 2 gan un No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 428 hat, und stellt, nm eine Katastrophe zu verhüten, so schnell wie möglich den Motor ab. Es ist ausgeschlossen, den Versuch fortzn- setzen, und der Flugapparat wird in seinen Sc ınppen zurückgebracht, nmringt von der johlenden Menge. Ex wird beschlossen, die Flugversuche am nächsten Morgen früh nm 4 Uhr fortzusetzen. Ein späterer Versuch am gleichen Tage oder des Abends ist ausgeschlossen. Ueber die Belästigungen der Flieger durch allzu große Nen- gierde wird von allen Seiten heftig geklagt. Es ist höchste Zeit, dab das Publikum ermahnt und auf die Gefalıren dieses Verhaltens aufmerksam gemacht wird. Wie leicht kann es vorkommen, daß em Stick des Propellers abspringt und ins Publikum fliegt. Die Ver- letzungen, die hierbei entstehen könneu, sind oft schwerwiegender Natur. Es ist Anfgabe der Erwachsenen, dafür Sorge zu tragen, dab Kinder bei Flugversnelien überhaupt vom Platz fern gehalten. werden. Das Publikum kann durch Selbstdisziplin viel dazn beitragen, die gute Sache zu fördern, ohne daß es nötig ist, die oft unangenchme polizeiliche Absperrung in Anspruch zu nelımen. Das Pnblikum wird, wenn es am Rande des Uebungsplatzes stehen bleibt, viel eher anf seine Kosten kommen und es dadurch dem Flieger ermöglichen, dal er m Ruhe seinen Flug ausführen kann. Selbst an den Grenzen des Platzes soll das Publikum noch vor- sichtig sein und bei etwaigem zufälligem Ueberschreiten des Platzes der Flngmaschine sofort ausweichen. Falls die Maschine sich bis anf 10--20 m genähert hat, ist es dem Flieger nielit mehr möglich, die Steuerung so zu betätigen, um dem Hindernis ausweichen zu können. Das einzige Mittel zur Rettung für die im Wege stehende Person ist, sich so schnell wie möglich platt auf die Erde zu legen. Sie wird auf diese Weise noch am wenigsten verletzt und vor allen Dingen. außer Bereich des so sehr gefürchteten Propellers kommen. Ganz besonders aber sei das Publikum gebeten, bei etwaigen Unglücksfällen die Ruhe zu bewahren und nicht die Unglüeksstätte zu stürmen. Dem Rettungspersonal werden dadurch die Arbeiten sehr erschwert. Auch sei auf die bestehende Feuers- und Explosionsgefahr bei abgestürzten Maschinen aufmerksam gemacht und dringeud davor ge- warnt, sich der Unglücksstelle zu "nähern. Hoffentlich tragen die Tageszeitungen dazu bei, das Publikum über das Verhalten bei Flug- versuchen zu belehren und somit die Flieger bei ihren Arbeiten zu unterstützen. Die Flugwoche von Reims. Das Ergebnis der Woche von Reims ist in mehrfacher Beziehung von höchster "Bedentung. Wenn schon das Meeting, das sich im vorigen ‚Jahr in der Champagne abspielte, unlengbar als der Ansgangspunkt jener Bewegung zugunsten der modernen Flugschiffahrt angesehen werden uk, die in "beispielloser Weise an Intensität zunahm nnd sich mit Blitzesschnelle iiber die gesamte Knlturwelt verbreitete, so wird das diesjährige Meeting vou Reims den unvergänglichen Rılım haben, nicht nur Iugsportliche Resultate gebracht zu haben, die alle kühnsten Erwartungen bei weitem übertr afen, sondern gleichzeitig No. 14 Seite 429 _mFLUGSPOR T“. ımd mehr noch der Flngmaschimentechuik eine klar hervortretende Direktive gegeben, der Industrie neue und verheißungsvolle Bahnen eröffnet zu haben. Schon während der aviatischen Woche von Rouen haben wir Gelegenheit gehabt, auf die erkennbare Ueberlegenheit der Ein- deeker hinzuweisen, die trotz oder vielleicht gerade infolge der anber- ordentlich ungünstigen Witterungsverhältnisse Ihre Zuverlässigkeit: und Stabilität erwiesen haben. Nun, in Reims hat der Monoplan seinen yinınph vollkommeu gemacht: er geht als Sieger aus dem Kampfe hervor. Nicht weniger als 76 Apparate der verschiedenen Systeme sind in der Flugwoche von Reims in Bewerb getreten: 29 Eindecker und 47 Yweidecker. Von ersterer Klasse waren es: 8 Antoinette gesteuert von Latham, Labonchere, Wächter, Tlıomas, von Mumm u. a. m. gesteuert von Leblanc, Balsan, Morane, Aubrun, Mamet Cattaneo, Olieslagers, Noel, Aquaviva u. a. m. gesteuert von Hanriot, Wagner, Deletang gesteuert von Nieuport, Niel, Nagues gesteuert von Dubonnet 12 Bleriot 4 Hanriot d Nieuport, 1 'Tellier 1 Werner & ı Pfleiderer ! und von der Klasse der Zweidecker . 18 Farman gestenert von Van den Born, Effimoff, Christiaens, Nicolaus Kinet, Martinet, Weyman, Alfred Frey, de Baeder, Tetard, Fischer, Cheuret, Chavez, Lentnants Föquant und Cammermanı n. a. m. 2 Breguct gestenert von Bathiat, Hesne 3 Sanchez Besa gesteuert von Pecquet n.a. m. 3 Savary gesteuert von Cammermann, Andre Frey, Brunean de Laborie gestenert von Sommer, Verstraeten, Bonvier, Lind- paintner, Legagnenx, Daillens u. a. m. gesteuert von. Bunan-Varilla, Effimoff, Bregi, Meötrot, Collier, Dufour, Madame de Laroche 4 Wright: gestenert von Graf Lambert, Gasnier, Hanptmann Eteve. Die Charakteristiken dieser Typen sind hinlänglich bekannt, nur seien hier einige Details derjenigen Apparate angegeben, dieim Laufe des Meetings durch ihre sensationellen Leistungen besonders hervor- getreten sind. Die Antoinette-Apparate von Labouchere und Latham haben Antoinette-Motoren. Der Bleriot von Morane hat einen Gnom-Motor, cbenso wie die meisten übrigen Bleriot-Apparate, die im Bewerb standen (mit Ausnahme des Noel’schen, der einen Anzani-Motor zum Antrieb hat). Die Hanriot-Eindecker sind sämtlich mit dem Ülerget- Motor versehen. Tellier hat einen Panhard - Levassor-, Nienport Darracı-Motorec. Die Farman-Apparate von Effimoff, van den Born, Christiaens, Martinet, Kinet, F&quant haben Gnom-Motoren, diejenigen von Fischer, -Jullerot, Tetard haben E. N. V.- und derjenige von le Baeder einen Wolseley-Motor. Sanchez Besa hat E. N. V.-Motoren, ebenso wie Savary. Sommer hat durchweg Guom-, Voisin fast ansschließ- gesteuert von Pischoff. 8 Sommer 4 Voisin No. 14 Seite 430 hell E. N. V.-Motoren (init Ansnalime des Bunau-Varilla-Apparats, der durch einen Gobron- und des Dufour’schen Apparats, der durch einen Labor-Picker-Motor angetrieben wird). Die Wright sind bekanntlich mit dem Wriglit-Barrigna-Motor versehen. Der Beginn des Meetings war wenig versprechend gewesen. Niclit nur, dab das Wetter sich trübe nnd regnerisch anließ, dab ein zem= lich scharfer Wind über das von unzähligen Menschenscharen be- setzte Aerodrom dahinfegte, der Eröffnungstag brachte leider, wie in der vorigen Nummer bereits kurz gemeldet, den tötlichen Absturz des Antoinette-Piloten Wächter,nachdem sich dieser am Vormittag des Kröffnungstages emreh seine trotz hef- tigen Windes unter- nommenen Flüge be- sonders hervorgetan hatte. Wächter hatte mit seinem Eindecker, der einen 50 PS-Motar hatte nnd von der be- kaunten Latham’schen Type ist, im Regen 50 km’ zurückgelegt und sich so vor scinen Mitbewerbern einen schönen Vorsprung ge- sichert. Um 6 Uhr abends flog er noch- mals ab, diesmal um den Flöhenpreis, naclı- dem Latham 500 m und Morane 800 m erreicht hatten. Er nınflog zweimal die Balın und hatte etwa 400 m Flughöhe er- reicht, als er sich, nach liuks abbiegend, zum Abstieg anschick- te. Plötzlich sah man, als sich der Aviatiker gerade am äußersten Ende der Balıu befand, den Apparat in voller Geschwindigkeit senkrecht herabsansen. Die beiden großen Flächen hatten siclı nach oben zusammeugefaltet, nach- dem ihre Verbindung mit dem Rumpf gerissen war. Iu 200 m Höhe wurde Wächter aus seinem Apparat geschleudert und stürzte zur Erde, wo er mit zerschmetterten Gliedern sofort tot liegen blieb. Eine authentische Erklärung des unglücklichen Vorfalls hat man bis heute nicht gefunden, doch wird allgemein angenommen, daß Wächter zu schnell und mit zu großer Neigung abgestigen ist, und das an Woche von Reims. Pischoff auf österreichischem Eindecker Werner u. Pfleiderer. Seite 431 „FLUGSPORT“. No. 14 einer Stelle, wo, wie die Aviatiker wußten, die sich brechenden Winde einen Wirbel hervorrufen. Andere behaupten, dab Wächter über- haupt wicht den Motor augehalten hatte. Der traurige Vorfall hatte eine arge Mißsbimmung in den Beginu des Meetings hineingetragen und die Sympathie für den unglücklichen Piloten, dessen Gattin und Kind dem Todesfluge beigewohnt hatten, ließ alle weiteren Flugver- suche an diesem Tage einstellen. Nichtsdestoweniger war der Tag nicht ergebnislos gewesen: Im Höhenflug erreichten Morane 862 m, Latham 566 ın, Leblane 91 m. Den weitesten Flug ohne Unter- brechung braclite Tetard mit 87,125 kmı zustande; nach ihm folgten Olieslagers mit 75,250 km, Tindpaintner mit 64,625 km u. s. w. Im Preis dev Konstrukteure hatte sich der unglückliche Wächter mit einer Gesaint-Kilometerzahl von 142,625 an die Spitze des Klasse- ments gestellt, während Weyman mit 139,750 km und Olieslagers mit: 100 km den zweiten bezw. dritten Platz einnahımen. Auch am zweiten Tage herrschte schlechtes Wetter. Zwar hatte der Regen aufgehört, aber es ging ein sehr starker Wind. Trotzdem werden die Tagespreise bestritten. Iın Geschwindigkeitspreis über 10 km siegte Morane mit # Min. 48 Sek. und stellte somit, einen neuen Weltrekord anf. Labouchere brauchte 8 Minuten 14 Sek., Deletang S Min. 23 Sek. Latlıam führte einen schönen Distanzflug von 105 km in 1 Stunde 27 Min. 10 Sck. aus. Aber Olieslagers schlägt ılın mit I Stunde 25 Min. 12 Sck. über die gleiche Distanz. Einige kleine Unfälle, die dieser Tag brachte, verliefen zunı Glück ohne emmstere Folgen. Martinet, von Mumm, Aubrun, Bathiat, Frey, Cheuret, 'Thomas, Daillens und Weyman stürzten. Natürlich gab eioso Massenstürzerei Anlah zu eimer allgemeinen Panik, ca das Publikum noch unter den Eindruck des traurigen Vorfalles des vor- hergehenden Tages stand. Bald aber verbreitete sich die bernhigende Mitteilung, daß keiner der Piloten Schaden gonommen habe; die Apparate allerdings sind in Trümmer gegangen. Nur Martinet scheint doch, wie spätere Meldungen besagen, innere Verletzungen davonge- tragen zu haben, die ihn lange Zeit aus Krankenlager fesseln werden. Die Rekords fallen wie die Blätter von den Bäumen. Was auf dem diesjährigen Meeting von Reinıs in Rekorde geleistet worden ist, steht in der Geschichte des Sports einzig da. Derjenige Aviatiker, der mit irgend einer Flugleistung einen neuen sensationellen Flug- rekord geschaffen hatte, konnte sich seines Triumphs meist nicht einmal bis zum nächsten Tage erfreuen. Die Ereignisse überstürzten sich geradezu. Der dritte Tag des Meetings brachte einen neuen und sehr bedeutungsvollen Triumph des Eindeckers. Es fanden die Aus- scheidungsbewerbe für die Beteiligung der französischen Aviatik an dem internationalen Gordon-Bennett statt. Im vorjährigen Meeting hatte, wıc erinnerlich, Latham einen Weltrekord für Geschwindigkeit aufgestellt, indem er die 100 km in 1 Stunde 28 Minuten 17 Sekunden hinter sielı brachte. An diesem dritten Tage des diesjährigen Meetings ist dieser Rekord dreimal geschlagen worden: von Leblanc, von Latham selbst und schheßlich von Labouchere, welch letzterer sich überhaupt in diesem Meeting zum ersten male als ein Meister des Eindeckers zeigt. Bei den erwälinten Ansscheidungsläufen handelte es sich um die Qualifizierung von drei französischen Aviatikern für em un No. 14 „FLUHSSPORT“. Seite 432 die Teilnahme am Gordon-Bennett. Es waren 100 km zu durchfliegen und diejenigen drei Aviatiker, welche die beste Zeit erzielt hatten sollten als die von Frankreich zu entsendenden Piloten gelten. Als Sieger aus diesen Ausscheidungsläufen gingen hervor: Deblans mit 1:19:13--3; Latham mit 1:24:58 -——-3; Labouchöre mit 1:95 :24 fürwahr glanzvolle Leistungen der Eindecker! Alle bisherigen Rekorde sind damit über den Haufen geworfen Bezeichnend aber ist. daß nicht ein einziger Zweidecker sich für den Gordon-Bennett zu quali- fizieren vermochte! Die Bestürzung darüber ist eine unglaubliche. Uebrigens hat Leblanc, der sich mit seinem 100 km-Fluge zum Re- kordmann der Welt aufgeschwungen hat, ein beachtenswertes Beispiel von Geistesgegenwart, gezeigt, durch die er unabschbares Unheil ver- hütet: hat. Er hatte seine 100 km eben erreicht und landete gerade‘ Woche von Reims. Baronin de Laroche abgestürzte Maschine. : FIV » rn, an R .. Der vierte Tag, der Donnerstag, salı den Besuch des Präsidenten der französischen Republik, der in Begleitung des Ministerpräsicenten Briand, des Justizministers Barthou, des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Pichon, des Kriegsministers General Brun und des Seite 435 „FLUGSPORT“.. No. 14 Erfrischungshallen befand, als sich Madame de Laroche mit ihrem Voisin-Zweidecker in die Luft erhob. Nur wenige Aviatiker befanden sich in der Bahn: Latham, Lindpaimtner, Buncau-Varilla, Weyman u. a. ın. Nachdem Madame «de Laroche die Startlimie überflogen hatte, wandte sie sich nach der Seite der 'Tribinen und passierte ziemlich niedrig über diese hinweg. Nach der Kurve am zweiten Mast erhob sie sich auf 50 Meter Höhe. Als sie am Ende der zweiten Runde anlangte, hielt ce Aviatikerin vom fünf- ten Mast ab, um nicht. in den Luftwirbel hın- eimzugeraten, den zwei in der Nähe fliegende andere Apparate verur- sachten. Sie entfernte sich nm etwa 200 Meter une hielt gerade auf die Richtung nach dem llanriot’schen Schuppen lin, als plötzlich sich der Apparat überschlng und wie eine Eisen- nasse auf die Erde stürzte. Ein Schrei des Entsetzens entrang sich der Brust aller Anwesen- den, dann trat Totenstille ein, die nur von den herüberklingenden Wal- zerweisen des Zigeuner- orchesters unterbrochen wurde. Inzwischen war alles nach der Unfall- stelle gelaufen, wo der Zweidecker, in tausende von Splittern zerborsten, an der Erde lag, und inmitten des Trümmer- haufens clie besinnungs- lose, schrecklich zuge- richtete Pilotin. Man schaffte die Sclhwerver- letzte uach Reims ins Hospital, wo die Aerzte furchtbare Wunden an der unglücklichen Fran feststellten. Selbstverständlich hatte «lie traurige Nachricht von clem schweren Unfall der Awiatikerin, die sich iu den Kreisen ilırer Berufskollegen wungeteilter Sympatlue wid Achtung erfreute, eine mntlose Stinmmung verbreitet und miemand inochte mehr einen Aero- L Woche von Reims. 100 PS Gnom in Morans Bl£&riot-Maschine No. 14 „FLUGSPORT.“ Seite 436 plan besteigen, sodaß man für diesen Tag das Meeting abbrechen mußte. Hier sei gleich bemerkt, daß sich inzwischen das Befinden der Madame de Laroche, allen Voraussagungen zuwider, wesentlich gebessert hat, und wenn die junge Dame auch noch in sehr bedenk- lichem Zustande darniederliegt, so hegen die Aerzte jetzt wenigstens Hoffnung auf die Erlaltung ihres Lebens. Der sechste Tag, der wieder so traurig ondete, hatte vorher aufs uene ganz hervorragende Flngleistungen gebracht. Olieslagers bringt mit einem Danerfluge von 2 Stunden 55 Minuten 5 Sckunden, während deren er 225 km zurücklegte, den Tagescdistanzpreis an sich. Cattaneo machte 180 km, Latham 160 km, Labouchere 125 km. Der Geschwindigkeitspreis (über 10 km) fällt an Leblane in 6 Minuten 33°), Sekunden, vor Morane in 6:35-2; Olieslagers ın 7:36-4 uud Labouchere in 7: 44-4. Im Preis der Konstruktenre hält Olieslagers mit 1013 km die Spitze, vor Latham mit 723,500 km und Labouchere mit 639,250 km. Außerordentlich ergebnisreich war der folgende, der siebente Tag des Meetings, an dem Labouchere wieder die Rekords der Welt Woche von Reims. Oben: Andre Frey auf Savary. Unten: Bruneau de Laborie auf Savary. Tragfl. 30 qm. 8,5 m Spannw. 2 Schrauben.-Motor 60 PS E.N.V. für Distanz- und Dauerflüge-schlug und Morane mit 105 km Durch- schnittsgeschwindigkeit flog. Außerdem stellten Mamet und Aubrun neue Passagier-Rekords auf. Jeder Tag dieses Meetings bringt neue Ueberraschungen und die Leistungen des Vortages, die man kaum mehr als überbietbar ansah, werden aufs neue durch immer sensatio- nellere Flüge in den Hintergrund gedrängt. Labouchere macht einen ununterbrochenen Flug von 340 km ın 4 Stunden 37 Minuten. Immer wieder sinc cs die beiden Eindecker-Typen von Antoinette und Bleriot, die die ihren des Tages einlieimseu und Triumph auf Trinmph hänfen. Morane placiert sich im Höhenpreis mit einem Fluge ın 741 m als erster. Mamet fliegt mit zwei Passagieren über Seite 437 „FLUGSFORT“. No. 14 eine Distanz von 92,750 kn. Aubrun mit cinem Passagier über eine Distanz von 137.125 km in 2 Stunden 9 Minuten 7 Sckunden. La- \ ’ ‘ a. D bouchere hat nun für Antoinette den Weltrekord für Distanz errungen . . BR “ bei) den vor ihm Wricsht, Paulhban, Latham, Farman und Olieslagers inne oO ’ ? dligkeitsflng Morancs mit _einem _ Blöriot-Eindecker. Es war gegen 5 Uhr nachmittags, als sich Morane, mit seinem Apparat, deu bekannten neuen Bleriot, der mit einem 10 PS Gnom-Motor (Sielie S. 434 n. 435) ausgesattet. ist, in die Balın begab. Die Tragflächen clieses Eindeckers haben nnr ein Ausmaß von 12 Qnacratinetern. Die Stahldrähte sind verstärkt und mut dreifachen Spannern. Die vierzelin Zylinder des Motors sind so in zwei Gruppen zu sieben an- geordnet, daß diejenigen der zweiten Gruppe zwischen denen der ersten Gruppe erscheinen. Die Schraube hat 2,30 m Durchmesser. Der Eindrnck, den der Apparat beim Abflug machte, war der eines Blitzes. Er schoß förmlich in die Luft und da die Flugbalın in dem Woche von Reims. Ölieslagers gewinnt den Michelin-Pokal 392,750 km in 5 St. 3 Min. 5'/, Sek. Angenblick ziemlich belebt war, salı man mit wnverkennbarem Bangen den kleinen Apparat mit seiner phantastischen Geschwindig- keit sich in die Lüfte erheben. Gewand aber passierte Morane seine Kollegen und es hatte den Anschein, als ob alle anderen Apparate wie durch -Zaubermacht festgehalten würden, während nur der kleine KEindecker kometenartig dahinsauste, Die erste Babrunde von 5 km machte er in 2 Minuten 53 Sekunden, die zweite in 2:51, was eine durchschnitttliche Stundengeschwindigkeit von 105,283 km bedeutet. Die Landung erfolgte in durchaus glatter Weise, in voller (fesclhwindigkeit. Wahnsinniger ‚Jubel umbrauste den Piloten. Der letzte Tag des Meetings brachte die würdige Apotheose der ganzen Veranstaltuug, in dem die glänzenden bisherigen Leistungen wiederum um ein bedeutendes überboten wurden. Olieslagers schlägt alle bisherigen Rekords, inden er in wnunterbrochenem Fluge 392,00 km in 5 Stunden 3 Minuten 5 Sekınden zurücklegt. No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 438 Das ist: die glänzendste Leistung des an sensationellen Flügen so über- aus reichen Meetings. Aber außerdem hat am letzten Tage Morane noch seinen eigenen sensationellen Geschwindigkeitsrekord vom Tage vorher überboten. Er. flog die 10 km in 5 Mimnten 42 Sekunden. also ınit melır als 106 km dnrelischnittlicher Stundengeschwindigkeit. Das General-Klassement des Mectings stellt sich demnaclı folgen- dermaßen dar: „Großer Preis der Champagne“ 1. Antomette, 2601 km: 2. Bleriot, 2303 km; 3. Farman, 1902 km; 4. Sominer, 126) knı. „Preis der größten ununterbro chenen Distauz“ 1. Labouchere (Antoinette) 340 km in 4:37:00; 2. Olieslagers (Bleriot), 225 km in 2:55:05:1 (mit seinem großen Distanzflug figuriert Olieslagers im „Michelinpokal“); 3. Tetard (Farman), 185 km; 4. Cattaneo (Bleriot), 180 km. „Ausscheidungs-Bewerb für den Gordon-Bennett-Pokal“ 1. Leb- lanc (Bleriot), 100 kın in 1:19:13-3; 2. Latham (Antoinette), 100 km in 1:24558:3; 3. Labouchere (Antoinette), 100 kın in 1:25:24. „Höbenpreis“ 1. Latham (Antoinette, 1384; 2. Chavez (Bleriot), 1150 m; 3. Morane (Bleriot), 750 ın; 4. de Baeder (Farman), 494 ın; 5. Cattaneo (Bleriot), 410 m; 6. Tetard (Farman), 403 m; 7. Lind- paintner (Sommer), 345 m; 8. Wagner (Hanriot), 293 m; 9. Nienport (Nienport), 91 m „Damen-Preis“ 1. Raymonde de Laroche, (Voisin), 5 km. „Preis der Passagiere“ (mit einem Passagier) J. Aubrun (Bleriot), 137,125 km in 2:09:07-4. Desgleichen (mit zwei Passagieren) 1. Ma- met (Bleriot). 92,750 km. „Geschwindigkeits-Preis“ (über 2) km) 1. Morane (Bleriot) 12:45-3 (mittlere Stundengeschwindigkeit 106,508 km); Leblanc (Bleriot) 12:55-4; 3. Olieslagers (Bleriot) 13:15. Desgleichen (über 10 km) 1. Morane (Bleriot) 5:42-2; 2. Labouchere (Antomette) 6:31; 3. Leblanc (Bl£riot) 6:33. Desgleichen (über 5km) 1. Morane (Bleriot,) 3:15. „Preis Michel Ephrussi“ 1. Leblanc (Bleriot) 19:41-1; 2. Wagner (Hanriot) 20:57-4; 3. Nienport (Nieuport) 23:22-3; 4. Pischoff (Werner) 24:46-1; 5. Lindpaintner (Sommer) 25:51-1; 6. Hanriot (Hanriot) 26:35. „Michelin-Pokal“ 1. ÖOlieslagers (Bleriot), 392,750 km in 5:03:05-1 (Welt-Rekord für Distanz nnd Flugdauer). „Preis der addierten Höhen“ 1. Latham {Antoinette} 8093 m; 2. de Baeder (Farman) 6460 m; 3. Morane (Bleriot) 4336 m; 4, Cha- vez (Bleriot) 2217 m; 5. Cattaneo (Bleriot) 1162 m; 6. Tetard (Farman) 990 m; 7. Lindpaintner (Sommer) 651 m; 8. Wagner (Hauriot) 566 m; 9. Nieuport (Nienport) 228 m. „Preis der addierten Distanzen‘ 1. Olieslagers (Bleriot). 1693 km in 19:11:45; 2. Weyman (Farman) 1254 km; 3. Fischer (Farman) 1160,250 km; 4. Labouchere (Antoinette) 1154,560 km; 5. Latham (Antoinette) 926,500 km; 6. Legagnenx (Sommer) 875 km; 7. Thomas (Antoinette) 860,250 km; 8. Kinet (Farman), 677.655 km; 9. Uatta- neo (Bleriot), 5095 km; 10. Lindpaintner (Sommer), 539,250 km; 1l. Hanriot (Hanriot) 539 kın; 12. Effimoff (Sommer) 341,500 km; 13. Wagner (Hanriot) 315 km; 14. Bonvier (Sommer) 315 km: 15. Aubrun (Bleriot), 314 km; 16. Tetard (Farman), 292,115 kın; u. Ss. w. RI. Seite 439 „FLUGSPORT“. No. 14 Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Auf den französischen Aerodromen ging es in letzter Zeit ver- hältnismäßig ruhiger zu; fast alle Kräfte waren dnreh die großen Meetings beansprucht, namentlich aber durch dasjenige von Reims, über welches an anderer Stelle eingehend berichtet wird. Das Aviationsmeeting von Lille hat am letzten Donnerstag bo- gonnen; an ihm nehmen teil Labouchere (Antoinette), Frey (Farman), Bathiat (Breguet), de Baeder (Farman) und Vidard (Hanriot). Catta- neo, der für Bleriot startete, erlitt leider schon am. Eröffnnngstage einen ziemlich ernsten Unfall. Nachdem er über die Esplanade da- hingeflogen war, machte er, rm das Manöverfeld von Ronclin zu erreichen, eine scharfe Schwenkung in der Richtung anf Ronbaix. Unterwegs aber wurde er dadurch, daß sein Benzin ausging, gc- zwungen, in Masqnehal zu landen, ınd zwar in einem (Getreidefeld. Dabei passierte ihm das Mallıeur, dab sich die Räder seines Ein- deckers in den Ackerfurchen fingen; der Apparat überschlug sich und ging vollständig in Trümmer. Cattaneo selbst hat ziemlich bedeutende Verletzungen erlitten und mnbte im Automobil fortgeschafft werden. Die aviatischen Feste von Quimper haben am gleichen Tage begonnen. Dort sind die beiden Bleriot-Piloten Simon und Barrier, sowie der Voisin-Pilot Cheuret engagiert. Zu der „Woche vou Marseille“, über die ich schon früher be- richtet habe, hat man glücklich fünf Aviatiker zusammengetrommelt; Aubrun ‚Bleriot), Martinet (Farman), Oheuret (Farman), Herveux (Bl£riot), Wallon (Sommer). Außerdem wird voraussichtlich Fischer (Farman) teilnehmen. Nun stehen die beiden Meetings von Caen uud Nantes bevor, von denen ersteres in der Zeit vom 25. Juli bis 2. August stattfindet. In ihm werden 12 Apparate vertreten sein; es haben gemeldet für Bleriot: Morane, Anbrun, für Antoinette: de Chauveau, Hauptmann Burgeat, Labouchöre, für Sommer: Daillens, Pailette, Rigal, für Far- man: Martinet, Crochon. Dabei sei bemerkt, daß der oben angce- gebene Name de Chauvean das Pseudonym eines der hervorragend- sten französischen Militär-Aviatiker ist, Das Programm dieses Mee- tings ist reichhaltig genug: Ein „Preis der Normandie“ für ein Flug- rennen von Caen nach einer noch zu bestimmenden Stadt, mit kurzem Aufenthalte in dieser, und Rückflug nach Caen (10000 Francs), „Großer Preis von Caen“ für Gesamtheit der Distanzen (10 000, 5000, 3000, 1500, 1000, 1000 Francs); ferner Tagespreise für Dauer-, Höhen-, Geschwindigkeits- und schönsten Sch webeflug. Das ändere der beiden Meetings, dasjenige von Nantes, geht an den Tagen vom 14. bis 21. August vor sich. Auch hier sind ansehn- liche Preise für die Aviatiker zu gewinnen, von denen em „Ge- schwindigkeits-Preis“ besonders erwähnt sei, dem je ein Ausschei- dungslauf für Eindecker und Zweidecker vorausgehen wird. Im End- lauf werden sich dann der schnellste Eindecker und der schnellste Zweidecker gegenseitig zu messen haben. Nun geht man ernstlich daran, der oft erwälinten Großen Dop- pelwoche der Aviation, die für die Seine-Bai geplant war, feste Ge- stalt zu geben. Die Veranstaltung soll am 25. August beginnen und No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 440 sich bis zum 6. September ausdehnen. Bekanntlich handelt es sich dabei um Havre, 'Tronville und Deanville. Die notwendigen Vor- arbeiten auf dem Acrodrom von Hoc haben bereits begonnen. An Preisen gelangen hier insgesamt 265000 Frances zum Anstrag. Das Meeting verspricht ein großer Erfolg zu werden. Natürlich konzentriert sich das wesentlichste Interesse nınmehr anf den „Cirenit de l’Est“, den, wie gemeldet, der Pariser „Matin“ veranstaltet und mit 100000 Frances ausstattet. An diesem "Freitag ist die Nennutngsliste für den Bewerb geschlossen worden Nicht weniger als 29 Aviatiker haben sich für diesen Bewerb einschreiben AassenN.: de Baeder (Farman), Aubrun (Bleriot), Martinet (Farman) Andemars (Demoiselle), Labouchere (Antoinette), Thomas (Anioinctte), Simon (Bleriot), Morane (Bleriot), X. (Savary), X. (Savary) Vallon (Sommer), Daillens (Sommer), Meötrot (Voisin), Legagnenx (Sommer) Bathiat (Breguet), Lonis Bröguet (Bregnet), Noel (Bleriot), Lindpaint- ner (Sommer), Effimoff (Sommer), Roger Sommer (Sommer), Wey- man \Farman), Latham (Antoinette), X. (Nienport), X. (Nieuport) X. (Nienport), X. (Avia), von Pischof (Pischof), Busson (Bleriot), Wagner (Hanriot). _ In Monrmelon sind die verschiedenen Schulen in vollem Be- triebe, wenngleich, wie vorher gesagt, ein großer Teil der ersten Kräfte in Bewerben abwesend war. In der Voisin-Schule ist Collienx anf dem Luftwege von Reims wieder eingetroffen. Adamenko, Mi- chalkewitz, Issalene, Pizzagalli, Forest, de Ridder und Laitsch ver- vollkommnen sich ersichtlich in der Steuerung der Zweidecker. In der Sommerschule fliegen Mauvais, Glorieur, Molla, die Brüder Vis- saux und Schmidt mit gutem Erfolge. Bei Antoinette wurde dieser Tage der nene Eindecker von Laffont erprobt. Der Apparat zeigte sich in jeder Beziehung zuverlässig. In Bue üben in der Farman-Schule Goudry und Stoevenant sowie der Marinelentnant Byassou und der Hauptmann de La Porte. Pierre Marie hat mit einem Esnault-Pelterie-Eindecker, der einen 50 PS-Gnom-Motor erhalten hat, die Flugübungen begonnen und bereits kleine Flüge ausgeführt. ” Die Bleriotschule in Issy-les-Moulineaux ist jetzt schr stark be- setzt. Leutnant Byrr und andere üben dort fleißig. Auch die Far- manschnle hat gut zu tun; dort sind es Leutnant Cammermanın, Robert, sowie viele andere, die ihre Flugexerzitien fortsetzen. Anch zwei Demoiselle-Apparate von Bayard-Olement werden in Issy ge- steuert. Die Farmanschnle zu Etampes hat, wie bereits gemeldet, eine besonders große Anzahl von Schülern, unter denen sich Herbster Mahieu, Soldatenkow, Vynmalen und Madame Aboukaia hervortun. Cngnet hat auf seinem Bleriot das Pilotenpatent erlangt. ... In ‚JInvisy, wo wieder cine etwas „muffige“ Temperatur herrscht fliegen einzelne Aviatiker hier und da. Champel auf seinem Voisin hat sich hübsch eingearbeitet. Am Mittwoch hat er schon einen hübschen Flug ansgeführt, durch den er viel von sich reden gemacht hat: er flog mit seinem Zweidecker vom Aerodrom zu Juvisy ab und landete in Sartronville, in einer Entferunng von 5UV km, die er in genan 45 Minuten zurückgelegt hatte. Noch interessanter war ein Seite Aal „FLUGSPORT“. No. 14 Flug, den Busson auf seinem Blöriot-Kindecker am Donnerstag zu Wege brachte, ıwd mit dem cr den Graf Lambertschen Flug über Paris ernenerte. Busson erhob sich kurz nach 6 Uhr in Juvisy, logte ınehrere Bahurunden daselbst zurück, erhob sich alsdann in beträcht- liche Höhe und wandte sich dann in der Richtung nach Paris. Um 6% Uhr passierte er über dem Park Montsouris, folgte daranf dem Lanf der Seime und_gelangte so nach dem Eiffelturm, den er nm- kreiste. Er befand sich da in 500 m Höhe. Alsdanı beschrieb Busson eine große Kurve nnd kehrte auf demselben Wege nach Ju- visy zurück, wo cr nn 7'% Uhr dicht vor seinem Fliegerschnppen landete. In Versailles übt. jetzt Eugene Renaux, ein bekanuter ehemaliger Radrennfahrer, auf einem Farman-Apparat mit anffällig gutem Er- folge. Er hat, trotz heftigen Windes, dieser Tage einen Flug von 45 Minuten zu Wege gebracht, nach dem er glatt landete. In Bouy operieren die „Cracks“ von Henri Farman, Van den Boru, Martinet, Weyman, Fischer usw. Farman selbst fliegt fleißig mit den neu fertiggestellten Apparaten, um ihre Flugfähigkeit zu prüfen. Auch Tetard ist. daselbst fleißig an der Arbeit. Auch in Lyon wird jetzt ein neues Aerodrom installiert. Henri Colombes hat bereits mit Flugübungen auf einem Eindecker Dufour begonnen. Ferner wird auch Troyes, das nnr zwei Stunden von Paris gelegen ist, demnächst ein modern eingerichtetes Aerodrom ‚ haben. Es hat. sich dort eine Gesellschaft gebildet, welche zu Saint- Parres-des-Vandes ein Terrain von 120 Hektaren zu dem genannten Zwecke erworben hat. Dieses liegt inmitten einer großen Ebene von ctwa 800 Hektar und ist als Aerodrom vorzüglich geeignet. Im nächsten Monat soll die Bahn eröffnet werden. Auch die französische Militär-Aviation regt sich neuerdings eifrig. Der bekannte Leutnant Fequant flog dieser Tage von Vin cennes nach Issy-les-Moulineaux. Dort hatte sich eine ungehenere Menschenmenge angesammelt, um den Aviatiker zu begrüßen. Wie gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten, drängten die Leute so dicht an den landenden Piloten heran, daß Fequant, um nicht in die Menge zu geraten, brüsk landen mußte. Dabei ging leider sein Apparat in Trümmer. Zum Glück blieb der Aviatiker unverletzt. Der Pariser Gemeinderat hat dieser Tage eine Summe von 10000 Francs votiert, die zum Ankanfe von Wertgegenständen be- stimmt ist, welche an diejenigen Offiziere zur -Verteilmmg gelangen sollen, die sich in der Aviation besonders hervorgetan haben. Aber auch das Kriegsministerium hat eine erfreuliche Maßnahme getroffen, durch die die Militärpersonen, welche sich mit der Luftschiffahrt in ihren verschiedenen Abarten befassen, gefördert werden sollen. Nicht nur werden Offiziere und Mannschaften fortlaufend eine Löhnungs- zulage erhalten, sondern für einen jeden einzelnen Abflug soll ihnen cine besondere Eintschädigung ausgezahlt werden. Man kann der französischen Heeresverwaltung, welche den Wert der modernen Flug- schiffahrt erkannt hat und ihre Offiziere und Mannschaften in ihrem Eifer zu erhalten weiß, zu dieser Malinalıme beglückwünschen. Eine schöne Fingleistung war es, die Manrice Farman dieser Tage wieder ın den Vordergrund brachte. Scin Pilot Tabutean führte wit dem nenen Zweideeker einen weiten Ueberlaudflug ans, bei dem Tafel VI, ‚Flugsport‘, Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine 1910, t 01 ! | ı u - 1580 -—- Flugmaschine von = Hiram Maxim. 2 DT Frau ‘ ‘ ‘ 14 ’ | ı ı ! . } ‘ \ a a BE DIR: j a RE . H D \ L.t (er en ı Ya ' } I \ 1 Anl. ae R j \ in a a ‚ 2 R ' ‚ } I ’ R a ı ‘ TER EEE | . # ! 4% 4 ‘ Ni N Lu... 1} " “ir ' & No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 442 —ar— er in zwei Stunden 45 Minuten eine Distanz von 231 km zurück- legte. Wäre nicht das Aviationsmeeting von Reims mit seinen sensa- tionellen Flugleistungen dazwischen gekommen, so hätte Tabntean mit diesem Fluge einen neuen Rekord geschaffen gehabt. Der nene Maurice Farman, der bei diesem Fluge eine durchschnittliche Stunden- geschwindigkeit von 84 km erreicht hat, ist mit einem 60 PS Acht- zylinder-Renault-Motor ausgestattet. Da das Brüsseler Meeting „national“ werden soll, kommen. nnr die Aviatiker Van den Born, Olieslagers, de Caters, Ohristiaens, Ver- straeten, de Laminne, de Ridder, Duray, Nicolaus Kinet in Beträcht, allerdings zum Teil recht bekannte und bewährte Piloten. Das Brüs- seler Meeting geht in der Zeit vom 23. Juli bis 4. Angnst vor sich und wird mit großen Preisen ausgestattet. Als Acrodroin ist. das Rennfeld von Stockel hergerichtet worden. Sensationeller dürfte sich noch die Mailänder Veranstaltung ge- stalten. Dort soll am 25. September bis zum 3. Oktober eine groß- artige avlatische Organisation vor sich gehen, an der die Italienische Aviations-Gesellschaft, sowie der Aero-Clnb von Italien teilnehmen. An Preisen stehen 300000 Francs zur Verfügung. ‚Jetzt hat eine zweite Dame, Fränlein Marvingt, das Piloten- Patent erworben. Die junge Dame soll beabsichtigen, in Zukunft an öffentlichen Meetings teilzunehmen. Im Nachbarlande Belgien scheint sich die Aviation, die durch das oben erwähnte Brüsseler Meeting nene Nahrung erhalten dürfte, gleichfalls recht lebhaft zu entwickeln. Dieser Tage hatten die Brüs- seler die Ueberraschung, einen ihrer Aviatiker, einen jungen Ingenienr ars Charleroi, namens Alfred Lauser, über die Stadt hinwegfliegen zu sehen. Lauscr, der erst seit zen Tagen auf dem Aerodrom von Hasselt seine Flugübungen abhält, flog am vergangenen Sonntag von dort mit seinem Farman-Zweidecker ab nnd wandte sich nach dem Ausstellnngsgeläude in Brüssel. Er ging in 400 m Höhe über Tirle- mont und Lonvain hinweg, doch zwang ihn eine Panne an seinem Motor, in Tervueren zu landen. Nachdem er seinen Motor in Ord- nung gebracht hatte, erhob er sich aufs neue und gelangte dann glatt bis nach dem Sportiplatz in der Weltausstellung, wo aber für seine Landung nichts vorbereitet war. lLauser geriet in einen dort gespannten Stahldraht, der ihm die Schraube des Apparats wegrib und den Apparat nmstürzte. Glücklicherweise kam der Pilot mit dem Schrecken davon. ÖOlieslagers, der nach seinen Triumplhen in der Reimser Woche nach seiner Heimatstadt Antwerpen fulır, ist dort mit einem unbeschreiblichen Jubel empfangen worden. Die Mitglie- der des dortigen Aero-Clubs hatten sich zum Empfange des "Weltrekord-Fliegers eingefunden und man trug den jungen Belgier im Triumph nach seiner Wohnung. Die Internationale Konferenz für Lnftschiffahrt, welche bekannt- lich in Paris tagte, ist in die Ferien gegangen und die Herren sind in ihre Heimat zurückgekehrt, um sich erst wieder im Monat No- vember zusammenzufinden. Die erste Sitzung ist anf dem 27. No- vember festgesetzt. Bevor sie anseinandergingen, haben sie dem Aero-Olnbde Francein Anerkennung der gastfreundlichen Anfnalıme, die er den Mitgliedern der Konfereuz zu teil werden ließ, einen präch- tigen Silberpokal überreicht. In einer der letzten Sitzungen hatten Seite 443 „FLUGSPORT“. No. 14 die Herren die drei Aviatiker Bleriot, Paulhan und Latlam zu sich eingeladen, um deren Meinnng und Rat betreffs Reglementierung des Tuftverkehrs zu hören. Dabei hat Bleriot den (Grundsatz vertreten, (laß die bevorzugteste Stellung im Luftverkehr der sphärische Ballon einnehmen ınüsse, weil er hüfloser als alle anderen Luftfahrzenge sei; danıı müsse der Lenkballon kommen, der wegen seines großen Um- langes weniger leicht beweglich sei. Der Aeroplan müsse beiden anderen Gattungen von Fahrzeugen weichen. Für nächtliche Fahr- ten befürwortet Bleriot eine vordere und eine hintere Laterne. Das Anbringen einer Fahne, wie sie die Konferenz zur Unterscheidung der Nationalität vorgeschlagen hat, hält Bleriot für sehr nnpraktisch und sogar gefährlich, weil sich die Fahne leicht in den Motor bezw. in die Drähte verwickeln nnd Unfälle herbeiführen könne. Die Frage blieb vorlänfig offen. RI. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Der Tod hat in den letzten Wochen unter den Fliegern eine reichliche Ernte gehalten; nun ist ihm auclı Rolls, der bedentendste englische Flieger, auf dem Meeting von Bournemouth zum Opfer ge- fallen. Das ist für den englischen Flugsport augenblicklich ein nner- setzlicher Verlust. Denn Rolls widmete sich dieser neuen Technik wicht nm Geldpreise zu gewinnen oder nm Reklame für eine be- stimmte Fabrikmarke zu machen oder aus Freude an Bravourstücken, sondern als echter Sportsmann nur um der Sache willen. Dazu kam, daß er eine ungewöhnlich günstige Kombination aller der Eigen- schaften war, die einen tüchtigen Flieger ausmachen. Er war ein vorzüglicher Ingenieur und hatte auf der Universität Cambridge den Doktorgrad für mechanisclie Wissenschaft erworben. Der ın Gemein- schaft mit seinem Freunde Royce von ihm konstmuerte Royce-Rolls Motorwagen gilt als eines der besten englischen Fabrikate. Er war ein kühner Rennfahrer nnd hat mehrere internationale Rennen ge- wonnen. Er gründete 1901 auf einer Balionfahrt in einer Hölle von 1600 m den englischen Aero Club. Seit er im Oktober vorigen ‚Jahres mit Wilbur Wright den ersten Flug machte, ließ ihn die Fascination des Fliegens nicht mehr los. Er löste alle andereu Verpflichtungen und widmete sich dem Flugsport mit aller Energie. Sein Doppelflug iiber den englischen Kanal am 2. Juni ist in aller Erinnerung, und wie hoch die öffentliche Meinung ihn schätzte, geht auch daraus 0 hervor,: daß die Militärverwaltung ihm den Unterricht in der Flüg=" knnst bei der Luftschiffer-Abteilung in Farnborough übertrug. Die Ursache des Unfalls ist diesmal nicht zweifelhaft. Der von . . us Ka un: > . - Rolls benntzte Wrightflieger hatte ursprünglich kein Schwanzstück. Für den Kanaltlug hatte Rolls jedoch ein kleines festes Schwanzstück anbringen lassen, und neuerdings war dieses durch ein. bewegliches Schwanzstück ersetzt worden, das ein Patent der Wrights ist und gleichzeitig mit (dem Ilebosteuer betätigt wird. Als die englischen - Du . . ni. Bi . »e . 3 A x R r “ [7 - _ Mechaniker dies von Fraukreich her übergebrachte Schwanzstück an brachten, schienen die Maße nicht ganz mit der Zeichnung überein- No. 14 „FLUGSPORT“ . Seite 444 zustimmen. Bei einer Untersuchung der zerstörten Maschine zeigte sich, daß die Leiste, welche das Schwanzstück mit dem Rumpfe ver- bindet, an der linken Seite von dem linken Propeller getroffen war und daß beide Flügel des linken Propellers Schrammen hatten. Zu diesem Tatbestande stimmt gut der Vorgang bei dem unglücklichen Fluge selbst. Bei einem Wettbewerbe um das Landen innerhalb cines Kreises von 100 m Durchmesser hatte Rolls, um in den Kreis zu gelangen, eine scharfe Wendung nach links zu machen. Dabei ist die linke Verbindungsleiste des Schwanzstückes mit den Flügeln des linken Propellers in Berührung gekommen und zerbrochen. Man konnte beobachten, wie Rolls durch Bewegung des Hebeplans helfen wollte, aber die Maschine stürzte mit solcher Wucht auf den Boden, daß einige Stäbe sich 4 Fuß weit in die Erde gruben. Seit dem Tode Pilchers, der bei Versuchen mit einem Lilienthalschen Gleit- flieger umkam, ist dies der erste tötliche Unfall eines Fliegers im England. Dies Ereignis hat natürlich über das ganze Fest von Bourne- month einen Schatten geworfen. Dazu kam, daß auch Major Alfred Rawlinson mit seinem Farman-Biplan stürzte und schwere Verletzun- gen erlitt. Sonst sind aber täglich sehr schöne Leistungen gezeigt worden, und der Held der Woche war Morane mit seiner Bleriot- Maschine (50 h. p. Gnom-Motor). Er gewann am 13. Juli den Hö- henpreis mit einer Höhe von 4100 Fuß (1250 m) und ebeuso am 15. ‚Juli den Preis für den schnellsten Flug um den Needles-Leuchtturm und zurück, wobei er die Luftlinie von ca. 34 km trotz dichten Nebels ın 25 Min. 12 Sek. zurücklegte, während Drexel (ebenfalls mit Ble- riot-Maschine) 35 Min. 28 Sek. gebrauchte. Auch bei dem Preis- fliegen um den kürzesten Abflug blieb Morane nur um einen Zoll hinter der besten Leistung zurück. Hier gewann Dickson mit 32,40 m den ersten Preis (M. 4000), während Morane mit 32,43 m sich mit dem zweiten Preise begnügen mußte. In dem Bewerbe um das Landen innerhalb eines Kreises, wobei Rolls umkam, siegte Grahame White, indem er nır 2m vom Mittelpunkte des Kreises entfernt blieb. Christiaens gewann mit 8 m Entfernung den zweiten Preis. Auch den Preis für die schnellste Runde um die Bahn gewann Morane mit 1 Minute 53 Sekunden, während der Preis für die lang- samste Runde von Dickson in 3 Minuten 1 Sekunde gewonnen wurde. Aufsehen erregte die Methode Moranes beim Abflug. Er ließ durch seine Mechaniker die Schwanzfläche seiner Maschine hochheben und dann, wenn er das Zeichen zum Abflug gab, plötzlich senken. Infolge dessen schien die Maschine fast direkt in die Luft zn springen. | Die Zusammenstellung aller Resultate des Bournemouther Flugmeetings müssen wir auf den nächsten Bericht verschieben. Das am 2. Juli beendigte Meeting von Wolverhampton lat unter der schlechten Witterung sehr zu leiden gehabt. Innerhalb einer Stunde wurden einmal 5 Maschinen schwer beschädigt und flug- unfälug gemacht. Leutnant Gibbs’ Maschine wurde zerstört, weil sie in den Luftstrom der vor ilır fliegenden Maschine Grahame Whites geriet. Im Wettbewerbe nmın «en längsten Gesamtflug fiel der erste Preis (M. 20000) Grahame White zn (1 St. 23 Min.), «der zweite Setie 445 „FLUGSPORT“. No. 14 Preis (M. 4000) Leutnant Gibbs (Farman-Maschine, 1 St. 13 Min.). Dritter war Cecil Grace (Short-Maschine, 56 Min.). Für Monoplane wurden nachträglich besondere Preise geschaffen, die Radley (Bleriot), G. Barnes (Humber) und A. Boyle (Avis-Monoplan) zufielen. Im Wettbewerbe um die drei schnellsten Runden gewann Rolls den ersten, Grahame White den zweiten Preis. Den schnellsten Abflug machte Cockburn mit seinem Farman-Biplan. _ Infolge des schlechten Wetters war der Besuch in Wolverhamp- ton so gering, daß die Unterzeichner des Garantiefonds mit 25 Proz. ihrer Zeichnungen herangezogen werden müssen. Flugmaschinen-Motore. Nachdem in England und Amerika das Flugwesen größere Aufnahme ge- funden hat, ist es an der Zeit, den dortigen Fortschritten auf dem Gebiete des Flugmotorenbaues einige Beachtung zu schenken. Wir werden in den nächsten Nummern mehrere derartige Konstruktionen besprechen. Bemerkenswert ist zu- nächst, daß der Rotationsmotor in Amerika und England nicht das seiner viel- seitigen Verwendung entsprechende Interesse gefunden hat. Man ist dortselbst Abb. 1. eh HE A ==2 =: u EEE EEE Abb. 2. Abb. 3. F 7 NH | N _ AWTTZIRZTZE a u: Abb. 4. Abb. 5. Abb. 6. RTIN 2 | No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 446 allgemein der Ansicht, daß der Rotationsmotor in seiner jetzigen Form nicht den Ansprüchen Genüge leisten kann, welche man an einen Flugmotor zu stellen hat Motore mit Luftkühlung und feststehenden Zylindern verwendet man nur für kleinere Typen. Fast alle größeren Maschinen sind mit Wasserkühlung ausgestattet. Interessant und solid durchkonstruiert ist der Motor der Aerial Navi- gation Company in Girard (Kansas). Diese Firma baut einen Zweizylinder- Motor mit gegenüberliegenden Zylindern, ähnlich wie Escher und Dutheil & Chalmers, von 150 mm Bohrung un®130 Hub. Dieser Motor soll bei 1800 Touren 45 PS leisten. Die Firma probiert außer diesem Zweizylinder-Motor noch Vier- und Sechszylinder-Motoren. Die Konstruktion der Zylinder ist aus den neben- stehenden Abbildungen 1- 6 ersichtlich. Der Zylindermantel ist auf das Kurbelgehäuse aufgeschraubt, während die gußeisernen Zylinder in diesen Mantel eingepreßt sind. Der Wassermantel ist innen mit spiralförmigen Rippen versehen, die den Explosionsraum von außen ver- stärken. Durch die Spirale wird ferner eine intensive Zirkulation und Kühlun bewirkt. ° Die Anordnung der Kühler in dem Zylinderkopf zeigt Abb. 2. Die Ab- dichtung ist eine solide. Die Ventilmäntel sind luftgekühlt. Ventilsitz und Ventil kann herausgeschraubt werden. Der Kolben besitzt innen stirnförmig angeordnete Kühlrippen. Die gesteuerten Ein- und Auslaßventile haben 50 ınm lichten Durchmesser. Der Hub beträgt 12 mm. Genannte Firma ordnet, ohne Rücksicht auf das hiermit verbundene höhere Gewicht, zur Dämpfung des Auspuffgeräusches besondere Dämpfer an. (Fortsetzung folgt.) Fingtechnische Das Flugmaschinenführer-Zeugnis erwarben: Paul Poulain am 3. Juli in Johannisthal, Erich Lochner aus Aachen am 5. Juli auf einer Euler-Maschine in der Euler-Fliegerschule in Griesheim bei Darmstadt. Hans Dorner am 11. Juli in Johannisthal. Felix Laitsch aus Chemnitz am 12. Juli in Mourmelon auf Voisin’ Flugmaschine Schudeisky. _Ingenieur_Walter Schudeisky in Bremen hat einen Flugapparat gebaut, welcher in nebenstehenden Abbildungen wiedergegeben ist. Die Haupttragflächen bestehen aus einer Kombination von unteren V-förmig gestellten und oberen horizontalen Flächen, welche mit Streben und Diagonal- verspannung verbunden sind. Zur Dämpfung der seitlichen Schwankung sind unterhalb des Führersitzes am Rumpf zwei steile V-förmig gestellte Schwert- flächen angeordnet. Der Rumpf ist wie bei dem Antoinette-Apparat gitterförmig ausgebildet. In den Schwanz ist das Höhen- und Seitensteuer in der bekannten Weise eingebaut. Das aus Stahlrohr hergestellte vordere Fahrgestell ruht auf 2 Rädern. Der Schwanz wird durch ein ausweichbares Räderpaar, ähnlich wie sie Farman am vorderen Fahrgestell verwendet, getragen. Die Spannweite der Seite 447 „FLUGSPORT“. No. 14 Maschine ist 12 m, die Gesamtlänge 13 m. Zum Betriebe dient ein 50 PS wassergekühlter Motor, welcher direkt mit einer Chauviere-Schraube gekuppeit ist. Die Maschine macht einen sehr soliden Eindruck. Auf den Ausgang der Versuche darf man gespannt sein. Flugmaschine Schudeisky (Seiten- und Vorderansicht). Aus der Euler-Fliegerschule. Am 11. Juli flogen August Euler und Erich Lochner, Aachen, Schüler des Herrn Euler, dreimal je etwa 30 Minuten, zusam- men 1'/, Stunden, in Höhen von etwa 30 bis 140 m. Zwischenlandungen erfolg- ten mit abgestelltem Motor aus etwa 40 m Höhe, um die Gleitflugfähigkeit der Euler-Maschinen zu zeigen. Euler flog wiederholt Kurven von 40 bis 50 m Durchmesser rechts und links herum, dabei einmal um sein Flugmaschinenhaus. Auch begegneten sich die Maschinen, flogen übereinander weg in einem Abstand von etwa 40 m, wo sich die Piloten mit vom Steuer losgelassenen Händen grüßten. Weitere sehr interessante Flüge wurden am 12. Juli vor Mitgliedern des Frankfurter Vereins für Luftschiffahrt ausgeführt. Zunächst startete Lochner nach bereits 80 m Anlauf. Kurze Zeit darauf folgte Euler, welcher bereits bei 50 m vom Boden abkam. Die Flieger manövrierten mit bewundernswerter Sicherheit. Euler flog in kleinen Kreisen über die Köpfe der Zuschauer hinweg, umkreiste die Hallen, flog Links- und Rechtskurven und stieg schnell in ver- schiedene Höhenlagen. Von besonderem Interesse waren die Landungsmanöver. In 50 bis.60 m Höhe wurden die Motore abgestellt und in langsamem, sicherem Gleitflug senkten sich die Apparate zu Boden. Nach einer kurzen Pause stieg Lochner nochmals auf und führte einen Ueberlandflug von über '% Stunde aus, in welchem er Höhen bis zu 300 m erreichte. Der Flieger passierte die Ortschaften Griesheim, Wolfskehl bis nach dem Rhein hinunter, Goddelau, Erfelden, Stockstadt, Biebesheim, Gernsheim etc. Ueberlandflug nach Müggelbergen. R. Thelen, der Flugmaschinenführer der Ad Astra-Fluggesellschaft, führte am 11. Juli von Johannisthal bei Berlin nach einigen Höhen- und Passagierflügen, einen Ueberlandflug aus. Thelen stieg zunächst auf dem Flugfelde bis zu 200 m Höhe auf und hielt dann die Richtung No. 14 „F “ | u Seite 448 nach dem Müggelturm. Er überflog die Ortschaften Adlershof, Grünau, umkreiste den Müggelturm und kehrte nach dem Aufstiegplatz zurück. Der Flug dauerte 29 Minuten. Thelen gewann mit diesem Flug den von der Wright-Gesellschaft ausgesetzten Ehrenpreis. mim nn na nen nn — — mn Kapitän Engelhard startet in Budapest für den Passagierpreis. Kapitän Engelhard gewinnt auf der Budapester Flugwoche den P i is mit 1 Stunde und 4 Minuten, RBTETPTEIS In den Stanz- und Ziehwerken A.-G. zu Hainsberg wird zurzeit eine Flugmaschine im Auftrage eines Döhlener Konstrukteurs hergestellt, mit welcher demnächst Versuche gemacht werden sollen. Seite 449 ....., FLUGSPORT". No 1 Flugmaschine Röttges-Carre. Hans Röttges aus Bremen hat eine Flug- maschine konstruiert, welche in der Anordnung der Tragdecken erheblich von allen bisherigen Formen abweicht. Die Maschine, welche in untenstehenden Abbildungen dargestellt ist, wurde von der Firma Pega-Emich-Sommer in Gries- heim gebaut ınd wird zurzeit auf dem Griesheimer Fxerzierplatz bei Frankfurt Fiugmaschine Röttges-Carre (Seiten- u. Vorderansicht). von Röttges versucht. Der Apparat ist komplett aus Stahlrohren, autogen ge- schweißt, hergestellt. Die Spannweite beträgt 8 m, die Gesamtlänge 13,5 m und das Gewicht mit Führer 400 kg:-Zum-Betriebe dient ein 30 PS Motor von Palous & Beuse. Das Fahrgestell besteht aus 4 Rädern, von welchen die vorderen steuerbar angeordnet sind. Die Chauviere-Schraube wird mittels Gallscher Kette angetrieben und befindet sich hinter dem ersten Tragdecken-Carre. Das Trag- flächenareal beträgt 57 qm. Der Flieger Strack unternahm auf den Wiesen am Pulverwege bei Duis- burg Flugversuche, die anfangs sehr gut gelangen. Hierdurch ermutigt, ging Strack in eine Höhe bis zu 60 m und vollführte mehrere Kurven. Beim Abstieg suchte der Flieger einen Gleitflug auszuführen, stieß jedoch so heftig auf den Boden auf, daß der Apparat beschädigt wurde. No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 450 Vollmoeller hat mit seiner Maschine Nr. IV auf dem Cannstatter Wasen sehr gute Flüge ausgeführt und gedenkt demnächst das Pilotenzeugnis zu erwerben Vollmoeller im Fluge auf dem Cannstatter Wasen. Cornelius Hintner ist mit seinem Eindecker auf dem Truppenübungsplatz Sennelager aus 20 m Höhe infolge starken Windes abgestürzt. Der Apparat ging in Trümmer, der Pilot kam mit leichten Verletzungen davon. Hans Dorner gewann am 1}. Juli den dritten Lanzpreis in Höhe von 3000 Mark. Dorner verwendete einen Eindecker von 28 qın Tragfläche, welcher mit einem 24 PS Motor 280 kg wiegt. Flieger Plage ist mit seiner Maschine in Johannisthal am 7. Juli infolge Versagens des Motors abgestürzt. Plage blieb unverletzt, während sein Apparat zerstört wurde. E. Rumpler hat einen Zweidecker nach Farman gebaut, welcher am 8. Juli in Johannisthal erprobt werden sollte. Die Maschine erhob sich nach kurzem Anlauf ca. 1,5 m hoch und flog in scharfer Rechtskurve gegen die Umzäunung, an welcher sie zerschellte. Der Unfall scheint auf Versagen der Steuerung zurückzuführen sein. Der Militärflugapparat, weicher durch Dr. Brück gesteuert wird, führte am 8. Juli einen Flug von 28 km Länge und am 9. Juli einen Dauerflug von 1 Stunde aus. Ausland. Das französische Flieger - Offiziercorps ist jetzt auf 47 Flieger angewachsen. Daniel Kinet F, welcher am 10. Juli auf dem Flugplatz von Gent verun- glückte, ist seinen Verletzungen erlegen. Alexander Pfitzner 7, ein Ungar, soll durch seine fehlgeschlagenen Flug- versuche derartig entmutigt gewesen sein, daß er seinemLeben in Massachusetts selbst ein Ziel gesetzt hat. „FLUGSPORT“. No. 14 Flugskonkurrenzen. Nationale Flugwoche Johannisthal vom 7. bis 13. August. Der Nen- nungsschluß für diese Konkurrenz ist am 28. Juli, abends 6 Uhr. Das Nennungs- geld beträgt 100 Mk., für den Lanzpreis außerdem noch 50 Mk. Das Nennungs- eld muß bei Abgabe der Nennung beigefügt werden und wird demjenigen ewerber, weicher während der Flugwoche wenigstens einma!t 5 Minuten geflo- gen ist, zurückgezahlt. Die Flugzeuge und Monteure werden auf dem Flugplatz kostenlos unter- gebracht. Da die Flugplatz-Gesellschaft jede Verantwortlichkeit bei etwaigen Unfällen durch Schuld des Fliegers oder durch Dritten ablehnt, so ist es dringend zu empfehlen, sich gegen Haftpflicht zu versichern. Für die Woche sind folgende Preise ausgeschrieben: A. Ausschreibung des Königl. Preuß. Kriegsministeriums. I. Höhenpreis. 1. Preis 5000 Mk., 2. Preis 3000 Mk., 3. Preis 1000 Mk. Nationale Wettbewerbe für deutsche Führer und Flugzeuge. Der Be- werber darf noch keinen Geldpreis von 5000 Mk. gewonnen haben. Geringste vorgeschriebene Höhe 50 m. ll. Belastungspreis. 1. Preis 5000 Mk., 2, Preis 3000 Mk. 3. Preis 2000 Mk. und 4. Preis 1000 Mk. Nationale Wettbewerbe für deutsche Führer und Flugzeuge. Bewerber darf noch keinen Preis von 5000 Mk. gewonnen haben. Das Gewicht des Führers einschließlich des aus Sand bestehenden Ballastes muß mindestens 140 kg betragen. Die Flugdauer muß mindestens 5 Minuten- betragen. Personen an Stelle des Ballastes mitzunehmen ist verboten. Für denjenigen Bewerber, welcher an den beiden vorstehenden Wettbewerben teilnimmt, einen ersten Preis gewonnen hat und in dem anderen Wettbewerbe die vorgeschriebene Minimalleistung erfüllt, ist vom Kriegsminister, Exzellenz von Heeringen, ein Ehrenpreis gestiftet worden. B. Preis des Kaiserlichen Aero-Klubs in Höhe von 5000 Mk. Täglicher Dauerpreis für 7 Tage bei mindestens 20 Minuten Fiugdauer. 1. Preis 500, 2. Preis 200 Mk. Falls dieser Preis nicht täglich ausgeflogen wird, wird aus der nicht zur Verteilung gelangenden Summe ein Totalisationspreis für die größte Gesamtdauer des Passagierfluges gebildet. C. Zusatzpreis der Motorluftschiff-Studien-Gesellschaft 3000 Mk., derart, daß zu den Preisen des Kaiserl. Aeroklubs, und zwar zum |. Preis 300, zum zweiten Preis 100 Mk. täglich zugegeben werden, falls der Flug mit einem Passagier ausgeführt wird. Das Mindestgewicht einschließlich des Passagiers muß 140 kg betragen, Falls auf diese Weise der Preis nicht ausgeflogen wird, dann soll die Restsumme dem Totalisationspreise zuge- schlagen werden. D. Totalisationspreis, gebildet aus den nicht gewonnenen Preisen von B und C für die größte Gesamtdauer des Passagierfluges. Der erste Sieger erhält-drei Viertel, der zweite ein Viertel der Summe. E. Preis für die größte Gesamtflugzeit für die längste Gesamtflugdauer bei dem Dauerfiuge mit und ohne Passagier, im Höhen- und Belastungspreis des Kriegsministeriums. Die Höhe des ersten und zweiten Preises kann noch nicht angegeben werden, da die Stiftungen hierfür noch nicht feststehen. Unter ihnen befinden sich 1000 Mk. vom Kaiserlichen Automobilklub. F. Preis für den kürzesten Anlauf vor dem Aufstieg, 500 Mk, gegeben von der Deutschen Bioskop-Gesellschaft. Der Preis wird demjenigen Be- werber zugesprochen, dessen Flugzeug die kürzeste Strecke auf dem Boden rollend zurücklegt, ehe es sich vom Boden erhebt. Gemessen wird die Strecke vom Mittelpunkt zwischen den Vorderrädern vom Standort in No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 452 gerader Linie bis zu dem letzten sichtbaren Berührungszeichen der Erde. n den Start muß sich ein Rundflug über den Flugplatz anschließen. G. Ehrenpreis des Kaiserlichen Aero-Klubs für den absolut längsten Flug mit Passagier. Außerdem finden Wettbewerbe statt um H. den Bleichröder-Preis 1910. 1. Preis 10000 Mk., gegeben von Dr. James Bleichröder-Berlin, 2. Preis 1000 Mk, gestiftet vom Kaiserl. Automobilkfub. Geflogen wird nach "den bekannten Bedingungen (dreimaliges Umfliegen der Flugbahn Johannisthal mit zwei Zwischenlandungen. J. Lanzpreis der Lüfte, nach den bekannten Bedingungen. Es sind noch auszufliegen: der 4. Preis in Höhe von 2000 Mk. n 5. ”» » ” ”„ 1500 ”» ” 6. ” ” n ” 1000 ” gestiftet vom Kaiserlichen Automobil-Klub und vom Berliner Verein für uftschiffahrt. Für die Mülhausener Flugveranstaltung waren gemeldet: Jeannin, von Gorrissen, Thelen und Behrend. Der erste Flugtag war leider durch starken Wind beeinträchtigt. Jeannin blieb 34 Minuten und von Gorrissen 15 Minuten in der Luft. Am 2. Tage hatten sich ca. 30,000 Personen eingefunden. Es starteten außer den genannten Fliegern noch Amerigo auf Sommer und Barrier auf Bleriot. Gegen 8 Uhr waren gleichzeitig 5 Maschinen in der Luft. Thelen gewann an diesem Tage den Passagierflug Preis und den Totalpreis mit 58 Minuten 26 Sek. Die Flüge am 3. Tage begannen unter strömendem Regen. Thelen gewann gegen 7 Uhr den Frühpreis und den Dauerflugpreis. Der Schnelligkeitspreis fiel an Behrend, welcher die vorgeschriebenen 10 km trotz des starken Windes in 10 Minuten 3 Sekunden zurücklegte. Den 1. Preis der Gesamtdistanzen, Ehrenpreis der Stadt Mülhausen, gewam Jeannin, den zweiten Thelen. Jeannin gewann ferner den Höhenpreis mi m. Flugpreise. 40000 Dollars sind für einen Flug von Indianopolis nach St. Louis und zurück von Lambert, Präsident des Aero-Club von St. Louis, gestiftet worden. Patentwesen. Vorrichtung zur Aufrechterhallung der Stabilität von Flugmaschinen.*) ‚Gegenstand der Erfindung ist eine Vorrichtung zur Aufrechterhaltung der Stabilität von Flugmaschinen, die in der Weise wirkt, daß die beispielsweise bei ener Wendung der Flugmaschine schräg gestellten Tragflächen selbsttätig wieder in die horizontale Lage zurückgedreht werden. In der Zeichnung ist die Erfindung in einer beispielweisen Ausführungs- form dargestellt und zwar in - Abb. 1 im Querschnitt nach der Linie A—B in der Abb. 2 und in Abb. 2 in Draufsicht. Die Tragfläche der Flugmaschine ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Den Hauptteil derselben bildet ein Flächenpaar b, b!, das auf einem starren Rahmen befestigt ist, der um eine an dem mittleren Längsbalken a befestigte Achse c schwingen kann. In den Flächen b, b! sind zu beiden Seiten der Achse c gleich große Oeffnungen d, d'! angeordnet, die durch je einen Klapp- flügel e, e' vollständig bedeckt werden. Jeder dieser Klappflügel e, e! ist aut einem Rahmen befestigt und etwas unterhalb der Achse c der Flächen b, b' an dem Balken a drehbar gelagert. Die beiden Klappflügel e, e' sind durch Arıne *) D.R. P. Nr. 221,328. Oskar Heeren in Paris. No. 14 Seite 453 „FLUGSPORT“. f, f! miteinander verbunden, deren jeder mit einem Ende an einem der Flügel und mit dem anderen Ende an einer Muffe g angelenkt ist, die längs der die Gondel i tragenden Stangen h gleiten kann. . Die äußeren Ränder der Klappflügel e, e' überragen an der Unterseite ein wenig die Innenränder der Flächen b, b', so daß wenn die durch die Flächen b b' und die Klappflügel e, e! gebildete Gesamttragfläche horizontal steht, die Abb. 1. DV \.\ N rn nn nn B ’ Abb. 2. Klappflügel e, e' durch den Luftdruck an die Flächen b, b' angedrückt werden. Diese Wirkung kann auch durch besondere Mittel, z. B. durch Federn, erreicht oder unterstützt werden. An den Flächen b, b! sind Haken k, k' und an den äußeren Rändern der Flügel e, e! entsprechende Vorsprüuge I, 1! so angeordnet, daß bei der horizontalen Lage der Gesamttragfläche b, b', e, e' die Vorsprünge 1, I! nicht mit den Haken k, k! in Eingriff stehen, während bei der geneigten Lage der Vorsprung I oder I! der jeweilig nach unten geneigten Seite in den entsprechenden Haken k oder k! eingreift. Diese Anordnung ist zwar nicht un- bedingt nötig, erhöht aber die Sicherheit der Flugmaschine. Die Wirkungsweise der Vorrichtung ist folgende: _ Angenommen, die Flächen b, b! neigen sich bei einer Drehung der Flug- maschine oder durch einen seitlichen Windstoß in die in der Abb. I in gestri- chenen Linien gezeichnete Stellung, dann wird gleichzeitig der rechte Klapp- flügel e' durch die auf ihn drückende Fläche b! geneigt, und da dieser Klapp- flügel e' durch die Gelenkstangen f, f' zwangläufig mit dem linken Flügel e verbunden ist, so wird der letztere ebenfalls nach unten geneigt und kommt in die zum Fi Der auf die zwangläufig miteinander verbundenen Klappen e, e! von unten wir- kende Luftdruck sucht nunmehr die sämtlichen Flächen in die horizontale Lage zürückzuführen. . Die Tragflächen werden also selbsttätig in ihre horizontale Lage zurück- geführt, sobald sie sich nach links oder rechts neigen, und dadurch wird die Stabilität der Flugmaschine erhöht. Um der Vorrichtung eine größere Sicherheit zu geben, um z. B. zu ver- hüten, daß bei der schrägen Lage der Tragflächen durch einen seitlichen Wind- stoß die Fläche b! nach oben gedrückt und von dem Flügel e! getrennt wird, sind die oben beschriebenen Haken k, K' und Vorsprünge I, I! vorgesehen, durch die die jeweilig nach unten geneigte Fläche b oder b! mit dem entsprechenden Flügel e oder e! fest verbunden ist. } ymmetrische Stellung, wobei die Oeffnung d aufgedeckt wird.“ No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 454 Diese Verbindung kann natürlich auch auf andere Weise erfolgen. Ebenso kann die in der Zeichnung dargestellte beispielsweise Ausführungsform in gewissen Grenzen beliebig abgeändert werden. Patent-Ansprüche. 1. Vorrichtung zur Aufrechterhaltung der Stabilität von Flugmaschinen, gekennzeichnet durch auf jeder der beiden Tragflächenseiten angebrachte, zur Flächenvergrößerung dienende Flügel, welche zwangläufig derart miteinander verbunden sind, daß bei Schrägstellung der ganzen Tragfläche der mit der einen Flächenseite gesenkte Flügel selbsttätig den anderen niederzieht und dadurch eine Oeffnung auf der anderen Tragflächenseite herbeiführt. 2. Vorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch beiderseits an der Längsachse der Tragflächen (b, b') befestigte, zum Verschließen von Tragflächen- öffnungen (d, d’) dienende Klappflügel (e, e'), welche durch Gelenkstangen (f, f!) mit einer auf der senkrechten Tragstange gleitenden Hülse (g) verbunden ist. 3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei der Schrägstellung der Tragflächen (b, b') die jeweilig nach unten gerichtete Fläche (b oder b!) sich selbsttätig mit dem zugehörigen Klappflügel ( e oder e') mittelst entsprechend angeordneter Haken (k, K') und Vorsprünge (I, I’) oder der- gleichen kuppelt. Verschiedenes. Erfahrungen mit dem Bleriot-Apparat. Herr Oberleutnant Bruno Thomas hat im März die Bleriotsche Flugschule in Pau in Südfrankreich besucht und teilt nun in der Zeitschrift des Oesterreichischen Flugtechnischen Vereins seine Ein- drücke und Erfahrungen mit. Nach einer ausführlichen Beschreibung seines Appa- rates, eines „Bl&riot XI“ mit dreizylindrigem luftgekühltem Anzani-Motor von 25HP. und Chauviere-Holzschraube, kommt Herr Oberleutnant Thomas zu den Schlüssen : Die an dem Apparat auftretenden Defekte sind solche, die durch die nor- male Abnutzung und solche, die durch Stürze und Zufälle anderer Art hervor- gerufen werden. Die der ersten Art haben ihre indirekte Ursache in dem mangelhaften Material, in der schleuderhaften Montierung und zum Teile in der unrichtigen Konstruktion einiger Bestandteile. Diese Mängel sind derart häufig, daß ein jeder Apparat in der Regel alle zwei bis drei Tage einer mehrstündigen Reparatur unterzogen werden muß. Hiebei handelt es sich hauptsächlich um den Ersatz von gerissenen Drähten, um die Befestigung oder den Ersatz von Schraubenmuttern, welche nicht versplintet waren, um die Verbindung von gesprungenen Holzteilen, den Ersatz gebrochener oder verbogener Stahlröhren und gebrochenerSchraubenbolzen und Splinte,die Reparatur.geplatzter Pneumatiks. Wegen dieser kleinen Mängel bedarf der Apparat vor jeder Benutzung einer gründlichen Untersuchung, denn sie sind die häufige Ursache von Stürzen und schweren Beschädigungen. Gerissene Spanndrähte, welche die Flügel zu tragen haben, sind immer die Ursache einer lange dauernden Regelung der Flügel deren Lage geändert wurde. Die Defekte, welche durch Unglücksfälle verursacht wurden, sind in erster Linie auf die Ungeübtheit des Piloten. oft aber auch auf ein Versagen des Motors, den Einfluß von Windstößen oder den Bruch von Bestandteilen des Apparates zurückzuführen. Sie verursachen besonders dann bedeutende Kosten, wenn ein Flügel oder der Propeller bricht. Letzterer Fall wird oft durch ganz unbedeu- tende Ursachen, das Streifen eines Zaunes, das Reißen eines Drahtes, der sich im Propeller verfängt usw. hervorgerufen, denn die Endpunkte“tGer Schraube rotieren mit einer Geschwindigkeit von 150 Metersekunden und es genügt eine leichte Berührung, um ein Zersplittern des Propellers zu bewirken. Von den 20 bis 30 Unglücksfällen, die sich im Laufe von 14 Tagen ereig- net haben, seien folgende charakteristische angeführt: 1, Ein Apparat rollt auf dem Boden, ein Rad stößt gegen einen etwa 30 Zentimenter hohen Erdhügel, es bricht das Fahrgestell und in weiterer Folge der Propeller. 2 Ein Apparat rollt auf dem Boden, es bricht ein Rad aus unbekannter Ursache (Konstruktionsfehler?‘, der Apparat überschlägt sich nach vorne es bricht ein Flügel. 3. Ein rollender Apparat fährt infolge eines Windstoßes gegen einen Zaun, es bricht der Propeller, die Motorachse verbiegt sich, das Fahrgestell bricht. 4. Ein Pilot vollführt rollend zu rasch eine Wendung, es bricht die Gabel eines Vorderrades, in weiterer Folge das Fahrgestell und ein Flügel. 5. Bei einem Apparat schlägt die Explosionswelle eines Zylinders Seite 455 „FLUGSPORT“. No. 14 durch das Zuleitungsrohr zum Vergaser, das Benzin entzünde' sich, der Apparat fängt Feuer. 6. Ein Pilot landet schräg, es bricht das Fahrgestell.7. Ein Apparat wird vom Winde gegen ein Pylon des Flugfeldes getrieben, es bricht ein Flügel, der Apparat stürzt herab, es bricht das Fahrgestell und der Tragkörper. 8. Bei einem Apparat versagt der Motor in 30 Metern Höhe, der Apparat fällt senk- recht herab und zerbricht vollständig. 9. Bei einem Apparat in 150 Metern Höhe bricht bei ruhigem Wetter die Motorachse, der Propeller fällt zu Boden, der Pilot stellt den Motor ab, vollführt einen Gleitflug und landet glatt. In all diesen ! ällen blieben die Piloten unverletzt. Der Aufflug des Apparats erfolgte nach Erlangung einer bestimmten Geschwindigkeit gegenüber der Luft. Der Weg, der hierfür rollend am Boden zurückgelegt werden muß, schwankt zwischen 30 und 200 Metern, je nach der Bodenbeschaffenheit der Stärke und Richtung des Windes, der Geschicklich- keit und dem Mute des Piloten. Bei Ingangsetzung des Apparats spielt sich folgender Vorgang ab: Der Pilot überprüft den gesamten Apparat, die Batterie, den Stand des Benzins und des Oels, und steigt hierauf auf seinen Sitz, die Füße ruhen auf dem Scheit, welches das Seitensteuer regiert, die Hände umfassen das Lenkrad der „Glocke,“ welche bei Betätigung nach vor- und rückwärts das Höhensteuer, bei Betätigung nach links und rechts das Verwinden der Flügel bewirkt. Am Lenkrade befindet sich unmittelbar unter den Händen des Piloten der in der Längsrichtung des Monoplans drehbare Hebel für die Regelung der Zündung und der Kontakt- knopf zur Unterbrechung desselben. Vor sich hat der Pilot den Oel- und Ben- zinstandzeiger sowie das Manometer für den Oeldruck, zu seiner Rechten am Tragkörper den Hebel zum Dekompressieren der Zylinder. Der Pilot stellt den Kontaktknopf auf „sicher“ und den Zündhebel auf Nachzündung, Ein Gehilfe spritzt mit einer Spritzkanne in die Zuleitungsröhren, welche vom Vergaser zu den Zylinder führen, Benzin und dreht den Propeller, bis ein Zylinder mit komprimiertem Gasgemenge gefüllt ist. Hierauf öffnet der : Pilot den Hahn der Schmierung, reguliert dieselbe und stellt den Kontaktknopf auf „Zündung“ worauf der Motor durch Weiterdrehen des Propellers in Bewe- gung gesetzt wird Das Andrehen des Motors erfordert eine gewisse Geschick- lichkeit und ist nicht ohne Gefahr, da schwere Verletzungen durch die rasch rotierende Schraube nicht ausgeschlossen sind. Wird nun der Zündhebel etwas auf Vorzündung eingestellt, so rollt der Apparat auf allen drei Rädern nach vorwärts. In diesem Stadium der Bewe- gung ist das Gesichtsfeld des Piloten äußerst beschränkt, da ihm durch den Motor und den Benzinbehälter die Aussicht nach vorne zum Teile genommen ist. Hebt sich jedoch nach Erlangung einer größeren Geschwindigkeit und Be- tätigung des Höhensteuers der Schwanz des Apparats, so gewinnt der Pilot genügend Uebersicht nach vorwärts und schräg vorwärts und schräg nach ab- wäits. Aus dieser Lage bewirkt nun der Pilot den Aufflug durch Vorgehen mit der Zündung und gleichzeitiges Abwärtsdrücken des Höhensteuers. Der Mono- plan gewinnt hiebei immer mehr an Auftrieb und hebt sich schließlich schräg nach vorne vom Boden. Zur Erlangung des Horizontalfluges ist das Höhensteuer in die Mittellage zu bringen. Der Flug des Apparates bei ruhiger Luft und in gerader Linie soll mit horizontaler Querachse und beinahe horizontaler Längsachse er- folgen. Hat der Pilot den Aufstieg durch zu starkes Herabdrücken des Höhen- steuers und ungenügende Vorzündung bewirkt, so liegt der Schwanz des Apparates zu tief und dieser kann bei Aenderungen des Windes oder durch Versagen des Motors senkrecht herabstürzen. Während des Horizontalfluges in gerader Richtung gleicht der Pilot den Einfluß des Windes in der Längs- oder vertikalen Richtung durch Betätigung des Höhensteuers und nötigenfalls durch Veränderung der Zündung aus, die seit- lichen Schwankungen werden durch das Seitensteuer, in Ausnahmsfällen, bei starken Gleichgewichtsänderungen durch Verwinden der Tragflächen ausgeglichen. Zum Wenden werden Seitensteuer und Verwinden der Flügel gleichzeitig .be- nützt Zur Veränderung der Höhenlage dient das Höhensteuer; da aber seine Wirkung besonders beim Abstieg sehr stark ist, so ist seine Anwendung beim Landen untunlich. Der Pilot hat vielmehr in der Höhe von 2 bis 4 Metern den Flug in horizontaler Richtung aufzunehmen und ein langsames Herabsinken durch Finstellung des Motors auf Nachzündung zu bewirken. Bei geschickter Führung kann der Apparat hiebei ohne Stoß auf allen drei Rädern landen. Da es jedoch für den Piloten äußerst schwierig ist, den richtigen Moment für die Aenderung der Flugrichtung und der Zündung zu bestimmen — eine No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 456 genaue Schätzung der Höhe ist nicht möglich — so besteht die Gefahr, daß der ilot entweder zu früh den Apparat in die Horizontale lenkt und beim Abstellen der Zündung heftig und zu steil herabfällt oder aber daß er noch vor Aufnahme des Horizontalfluges auf dem Boden anprallt. In beiden Fällen sind mehr oder minder schwere Beschädigungen des Apparates unvermeidlich. Nach dem Landen wird mittelst des Kontaktknopfes die Zündung unter- brochen und der Dekompresseur geöffnet, denn bei stärkerer Erhitzung hat der Motor gewöhnlich Selbstzündun und rotiert weiter. ie lätigkeit des Piloten während des Fluges wird i erster Linie durch den Wind beeinflußt, denn selbst bei Windgeschaindigkeiten unter 2 m sind die Schwankungen des Monoplans um beide horizontale Achsen heftig und unvermutet; bei Wendungen treten sie in verstärktem Maße auf. Die Lenkung der Flugmaschine erfordert deshalb eine unter allen anderen Verhält- nissen ungewohnte Raschheit der Ueberlegung und des Entschlusses, eine strenge Beherrschung der unwillkürlich auftretenden Reflexe gegen die Aenderungen des Gleichgewichtes, welche zu weit ausholende Bewegungen veranlassen, die Fähigkeit, die Labilität des Apparats durch kleine, genau bemessene Impulse zu meistern. Ganz bedeutend werden diese Schwierigkeiten nuch dadurch gestei- gert, daß der Pilot genötigt ist, seine Aufmerksamkeit gleichzeitig mehreren Vor- gängen zuzuwenden, denn der Gebrauch des Höhen- und Seitensteuers, des Zündhebels und eventuell die Verwindung der Trägflächen erfolgt gewöhnlich gleichzeitig. Ueberdies ist die stete Ueberwachung des Motors, der Schmierung ces menzinstandes werläßlich. Defekte am Motor, Reißen oder Brechen eines standteiles des arats lassen sich in d ii Bestz des Genör ipparats | er Regel bei ihrem Entstehen nur in Versagen des Motors oder des Propellers hat bei richtiger La s Apparats in der Luft keinen Sturz zur Folge, vorausgesetzt, daß ae ee Geistgegenwart genug besitzt, den Apparat schräg nach abwärts zu wenden und so die notwendige Geschwindigkeit für die Erhaltung der Stabilität durch die Beschleunigung der Schwerkraft erhält. Die Schwierigkeiten des Erlernens des Fliegens ergeben sich aus den erwähnten Anforderungen, welche an den Piloten gestellt sind. Hierzu kommt noch das anfängliche Unvermögen, die einzelnen Steuervorrichtungen ihrer Stärke nach richtig einzuschätzen und die etwa auftretenden Defekte rechzeitig zu erkennen. ., ‚Aus diesen Gründen ist es erforderlich, daß der Anfänger zuerst einige Zeit mit stets wachsender Geschwindigkeit am Boden rollt, um zuerst das Seiten- steuer und die Zündung beherrschen zu lernen. Allerdings ereignen sich dabei viele Unglücksfälle, da der Monoplan dem oft unrichtigen Steuern je nach seiner Geschwindigkeit zu wenig oder zu kräftig Folge leistet, so daß Zusammenstöße mit anderen Objekten oder Apparaten gewöhnlich sind. Das Unterbrechen der Zündung führt nicht zum sofortigen Stillstand der Maschine, sie rollt infolge der prägheit und wegen Mangel h einer Bremse oder Reversionsvorrichtung des Opellers noch weiter, ist dabei aber infolge der geringe indi i Wirkung des Seitensteuers gänzlich entzogen. geringen Geschwindigkeit der . Die von Ungeübten gesteuerten Apparate sind auch am Boden sehr em- pfindlich gegen Windstöße, die ungewollte Wendung n oder selbst ein Umwerfen der Apparate yerursachen. . esitzt der Schüler eine genügende Sicherheit, um den Apparat Linie zu erhalten, so kann er durch Vermehrung der Vorzündung an neiich kleine Sprünge, später gerade Flüge in ganz geringer Höhe ausführen. In dieser Periode des Lernens sind es hauptsächlich die seitlichen Schwankungen, sowie die Unmöglichkeit der Beurteilung, wie hoch der Monoplan über dem Boden schwebt, welche dem Piloten Schwierigkeiten bereiten und_ihn. veranlassen wieder den Boden zu berühren. Es bedarf unbedingt einer gewissen Stärke an Mut und Entschlossenheit, um über diesen Abschnitt des Erlernens hinwegzu- kommen und Flüge in größerer Höhe und später Wendungen auszuführen. Letz- teres gestaltet sich infolge Aufbäumens des Apparats und Abweichens nach un- gewünschter Richtung schwierig. Die Ursache hierfür li i ichti - Winden der Tragflächen g erfür liegt im unrichtigen Ver er Flugplatz Bleriots in Pau hat die ungefähr i Ellipse von 1500 m Länge und 500 bis 700 m Breite. Der Boden ist ua der Peripherie in der Breite von 100 bis 200 m eben genug, um mit den Apparaten rollen zu können; der übrige Teil des Feldes ist mit Sumpfadern durchzogen mit Heidekraut bewachsen und für die Benützung als Flugplatz vollständig unge- eignet, da hier landende Apparate ats eigener Kraft nicht mehr fortbewegt werden können. a Seite 457 „FLUGSPORT“. No. 14 Der Unterricht, welcher den Schülern zuteil wird, beschränkt sich am ersten Tage auf die Erklärung, in welcher Weise die einzelnen Hebel funk- tionieren. In der Folge ist der Schüler gänzlich auf sich allein angewiesen, erlangt seine Kenntnisse nur durch praktische Erfahrung und Erfragen bei Fort- geschritteneren, die große Zahl der Reparaturen, die bei den am Flugplatze zer- brochenen Apparaten ausgefiihrt wird, und die nicht genügende Zahl an Ange- stellten bringen es mit sich, daß oft nicht einmal ein Gehilfe zum Ingangsetzen des Motors zur Verfügung steht. Die Ausführung der Reparaturen, welche gewöhnlich in der Mon- tierung vorhandener Ersatzstücke besteht, hat sich die Firma bei entsprechend hohen Preisen vorbehalten. Im allgemeinen bietet der Flugplatz an einem für das Arbeiten günstigen Tage das Bild, daß während der Windstille, das heißt in der Zeit von 7 bis 9 Uhr früh und von 5 Uhr 30 Minuten bis 6 Uhr 30 Minuten abends, 4 bis 6 Apparate auf der Bahn rolten und 2 bis 3 auf kurzen Strecken fliegen. Die übrige Zeit des Tages wird zur Ausführung von Reparaturen und Instandhaltung der Apparate benützt. Bei Windstärken von etwa 3 m versuchen es auch geübte Piloten nicht, aufzusteigen. Eine Lernzeit von etwa 5 im Apparate verbrachten Stunden dürfte im allgemeinen hinreichen, um einen durch Automobillenken und ähnliche Sports vorgebildeten Schüler hinreichend auszubilden, um Flüge von einigen Kilometern auszuführen. Es entspricht dies mit Rücksicht auf jene Tage, welche infolge schlechten Wetters und notwendig gewordener Reparaturen verloren gehen, einem Aufenthalte von 3 bis 6 Wochen auf dem Flugfelde. Der Gesamteindruck, welcher sich bei der Arbeit mit dem Äero- plane „Bleriot IX“ aufdrängt, ist ungünstig. Seine Verwendung als Ver- kehrsmittel oder für Kriegszwecke scheint in der bestehenden Form ausge- schlossen. Konstruktive Äenderungen, welche seine Verwendungsmöglichkeit erhöhen sollen, müssen sich in erster Linie auf Verbesserungen des Motors, der seitlichen Stabilität und der Unempfindlickeit gegen Beschädigungen erstrecken. Der Grand Prix der Aviation des Automobil-Club de France. Paris- Brüssel und zurück. 150000 Frances. Wie erinnerlich hatte der Automobil- Club de France seinerzeit die Organisation eines Internationalen Grand Prix der Aviation beschlossen, für den er die Summe von 150000 Francs auswarf. Vor kurzem ist die Festsetzung des Reglements für diesen bedeutenden Bewerb erfolgt und geben wır nachstehend die wesentlichsten Bestimmungen desselben wieder: Der Betrag von 150.000 Francs wird in drei Preise geteilt, von denen der erste 100000 Francs, der zweite 30000 Francs, der dritte 20 000 Francs beträgt, und die denjenigen drei Piloten zugeteilt werden, welche den vorgeschriebenen Flug von Paris nach Brüssel und zurück, mit einem Passagier an Bord, in der besten Zeit ausgeführt haben werden. Die beiden Insassen, der Pilot und sein Begleiter, müssen zusammen 150 kg wiegen; die Gewichtsdifferenz muß durch Ballast ergänzt werden. Indessen kann nicht etwa die zweite Person ganz durch Ballast ersetzt werden. Die für den ganzen Flug aufgewendete Zeit darf 36 Stunden nicht übersteigen. Der Bewerb kann sofort nach Veröffentlichung dieses Reglements, also vom heutigen Tage an, bestritten werden. Abflug und Ankunft haben auf der Ebene von Issy-les-Moulineaux zu er- folgen und werden von einem offiziellen Kommissar und einem Zeitnehmer kon- trolliert , die unter Verantwortlichkeit des Piloten einberufen werden. Eine einzige Etappe ist obligatorisch; sie hat in Brüssel auf der Ebene von Eterbeck zu erfolgen. Sie wird daselbst gleichfalls von einem Kommissar und einem Zeitnehmer kontrolliert, die ebenso, wie bei der Abfahrt in Paris; - auf Veranlassung und Rechnung des Piloten einberufen werden. Die Dauer des Aufenthalts in Brüssel ist den Bewerbern freigestellt. In- dessen wird eine Höchst-Neutralisation von drei Stunden jedem Bewerber gewährt, d.h. der Aufenthalt in Brüssel wird von der für die Gesamtreise verwendeten Zeit in Abzug gebracht, sofern er nicht länger als drei Stunden gedauert hat. Die Apparate werden beim Abfluge an ihren wesentlichen Teilen gestempelt; die Stempel müssen in Brüssel und bei der Ankunft in Paris intakt gefunden werden. Für den Bewerb gelten die Bestimmungen der Internationalen Aeronau- tischen Federation, sowie der Bewerb allen von dieser Vereinigung qualifizierten Piloten offen ist. Die Anmeldungen sind an das Sekretariat der Sportkommission des Auto- mobil-Club de France in Paris zu richten und müssen dort spätestens zwei volle Tage vor dem beabsichtigten Abflug eintreffen. No. 14 „FLUGSPORT". Seite 458 Bei der Nennung ist ein Betrag von 1000 Francs zu hinterlegen, der den startenden Piloten zurückerstattet wird; ferner sind die Type, sowie die wesentlichsten Charakteristiken des Apparats anzugeben. Die einmalige Nennung ist nur für einen Abflugversuch giltig; dieser Ab- flug gilt als geschehen, sobald der Aeroplan die Grenzen des Manöverfeldes von Issy-les-Moulineaux überschritten haben wird. . Die Kommission kann von dem Piloten verlangen, daß er sich an Bord seines Apparates mit denjenigen Kontrollinstrumenten versieht, die sie für not- wendig hält, ohne daß der Bewerber verlangen kann, daß diese Instrumente für alle Bewerber die gleichen sind. (!?\. Sowohl während des obligatorischen Aufenthalts in Brüssel, als auch wäh- rend der sonstigen fakulativen Aufenthalte, die der Bewerber nehmen mag, sind Neuverproviantierungen gestattet. Aber das Bugsieren oder Schleppen des Apparates mit einer Geschwindigkeit, welche diejenige eines zu Fuß gehenden Menschen übersteigt ist streng untersagt. Hierzu sei noch noch erwähnt, daB die bei dem vorgeschriebenen Fluge zu- rückzulegende Distanz 530 km in der Luftlinie beträgt. RI. Wettbewerb für Luftschrauben. In dem nationalen Wettbewerb für Luftschrauben, den die Ila im vorigen Jahre ausgeschrieben und für den das Kriegsministerium Preise in Höhe von 6000 Mk. zur Verfügung gestellt hatte, ist die Entscheidung des Preisgerichts nunmehr gefallen. In der großen Gruppe, in der eine Zugkraft von 300 kg verlangt wurde, erhielt den ersten Preis Ingenieur Hermann Ruthenberg-Weißensee, den zweiten Preis Oberbaurat Rettig-Berlin. In der zweiten Gruppe, Zugkraft 150 kg, wurde der erste Preis Professor Reißner- Aachen, der zweite Monteur Groß-Ems, zuerkannt. Das Preisgericht für den internationalen Wettbewerb wird voraussichtlich Ende dieses Monats zu- sammentreten. Eisenbahnwagen für Fiugmaschinen sind in England auf der London and Nord Western Railway im Betrieb. Sie besitzen die beträchtliche Länge von 15 Metern; ihre Breite beträgt 2,6 Meter und ebenso viel die Höhe des Waggons. Rechts und links sind je zwei Türen von 1,5 m Breite und 1,7 m Höhe angebracht, außerdem haben beide Enden des Wagens große Flügeltüren, so daß die Flugmaschinen von allen Seiten aufgeladen werden können. Clenn H. Curtiß hat seine Versuche, Geschosse aus seiner Flugmaschine nach Zielen zu schleudern fortgesetzt. Am 14. Juli ist Curtiß im Hafen von New-York aufgestiegen und hat versucht, eine Anzahl Orangen von wechselnder Höhe auf Deck der im Hafen liegenden Kriegsschiffe zu schleudern. Bei einer Stunden eschwindigkeit von fast 60 Kilometer gelang es ihm, aus 105 Meter Höhe die Schiffe zu treffen. Bei Verwendung von Bomben wären sicher die getroffenen Schiffe vernichtet gewesen. ‚Vorträge über Aviatik werden im nächsten Studienjahre auf dem Poly- technikum zu Budapest durch Professor Dr. Banki abgehalten. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. ___ Erster Deutscher Ueberlandflug. Der Deutsche Fliegerbund wird Mitte August einen Ueberlandflug ver- anstalten, welcher in Frankfurt a. M. beginnen und über Wiesbaden, Mainz nach Mannhe m führen soll. Die Länge der Strecke beträgt ca. 100 km. Eine noch festzusetzende Anzahl von Zwischenlandungen soll gestattet werden. Im Ganzen kommen Preise in Höhe von 50000 Mk. und mehrere von hohen Gönnern ge- stiftete Ehrenpreise zum Austrage. Die Propositionen werden von einer aus aktiven Fliegern bestehenden Commission ausgearbeitet und können vom 27. Juli ab von Teilnehmern am Fluge beim Deutschen Fliegerbund, Neue Mainzerstr. 761 eingefordert werden. Seite 459 „FLUGSPORT“. No. 14 7 | Offizielle Mitteilungen er SS => des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8. Vorstand: l. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. „ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civit-Ing. Öskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektoratt: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter „ Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Unser Mitglied, Herr Erich Lochner, Aachen, erwarb sich am 5. Juli auf einer Euler-Flugmaschine das Flugmaschinenführer - Zeugnis. Er umflog den Darmstädter Truppenübungsplatz 9 mal mit 3 Zwischenlandungen. Die zurück- gelegte Strecke betrug 35 km, die höchste Höhe 100 m. Lochner hat diese Flüge nach 10 Tagen Lehrzeit ausgeführt. Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Cieschäftsstelle: Weststraße 2811. ” Vorstand: Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 2811. Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. 2. » Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vereinslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Am 13. Juli fand eine außerordentliche Hauptversamlung statt. Die beiden Hauptberatungspunkte betrafen Statutenänderungen und einen Kassenbericht unseres neuen Schatzmeisters. No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 460 Br Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher LIoyO) "ersten Schriftführer. Hera lle Stoetkient Ontterer ol Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, t . erbeten. (Tel. 10972). 5 Gartenstr. 37 Die in Gemeinschaft mit der OFI veranstaltete Flugmaschinen-Aussellung wurde während der Dau:r von 4 Tagen von 20000 Personen besucht, ein Beweis für das stets wachsende Interesse ist die festgestellte Tatsache, daß der Besuch gegen Ende der Ausstellung ganz gewaltig stieg. Es ist bedauerlich, daß die usstellung nicht länger geöffnet sein konnte Unser Mitglied Heidenreich hat mit seinem Apparat erfolgreiche Flug- versuche gemacht und gedenkt sich demnächst um das Pilotenpatent zu be- werben. Ingenieur Fahlbusch hat bereits nach seinen ersten Versuchen einige wohlgelungene Flüge ausgeführt. Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377. 2. n Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37a. 2, „ Kaufmann Müller. Kassier: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. Flugwart: Josef Bechler. Materialverwalter: Fabrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in dem Ciub-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen, Der Mannheimer Flugsport-Club hat in seiner am Samstag den 16. d. Mts. abgehaltenen gutbesuchten Mitgliederversammlung eine Ergänzung bezw. Erweiterung des Vorstandes vorgenommen. Zum 2 Vorsitzenden wurde anstelle des durch Wegzug ausgeschiedenen Ingenieurs Schollmeier Kaufmann Lindner gewählt. Da sich die Vereinsgeschäfte ständig umfangreicher gestalten, wurde der Posten des Schriftführers doppelt besetzt und zum 2. Schriftführer Kaufmann Müller gewählt. Außerdem wurde mit Rücksicht darauf, daß zur An- schaffung eines Gleitfliegers geschritten werden soll, die Stelle eines Flugwarts geschaffen, die in der Person des Herrn Bechler mit einem bewährten Fachmann besetzt wurde. Die Materialverwaltung wurde Fabrikant Hauk anvertraut. Die Zusammensetzung des erweiterten Vorstandes_ist_ aus den oben stehenden Mit- teilungen ersichtlich. Das Erste Mannheimer Schaufliegen, mit dem sich der junge Club einführte, hat finanziell nicht so abgeschnitten, wie man gehofft hatte. Schuld daran waren verschiedene Umstände, vor allem das schlechte Wetter, das namentlich die Bewohner der Umgegend davon abhielt, nach Mannheim zu eilen. Das bessere Publikum wurde durch zwei hervorragende künstlerische Veranstaltungen veranlaßt, wegzubleiben. Und schließlich hat es sich auch ge- zeigt, daß der Exerzierplatz, so ideal er als Flugfeld ist, sich doch nicht so ab- sperren läßt, daß das Zaunpublikum gezwungen ist, sich eine Eintrittskarte zu lösen. Wenn der Stadtrat nicht einer nachträglichen Eingabe Folge gegeben und dem Club 600 Mk. bewilligt hätte, dann wäre eine Unterbilanz vorhanden ge- wesen. Nun kommt der Ueberlandflug Frankfurt - Wiesbaden - Mainz— Mannheim, dem der Club als Mitglied des Deutschen Fliegerbundes ebenlalls mit größtem Interesse entgegensieht. Herr Dr. Lanz, der Vertreter des Clubs im Vorstand Seite 461 „FLUGSPORT“. No. 14 i i Fluges des Deutschen Fliegerbundes, hat sich um das Zustandekommen des ganz besondere Verdienste erworben. Seinen Bemühungen ist es wohl in erster linie zu verdanken, daß der Stadtrat in seiner letzten Sitzung sich im Prinzip entschlossen hat, sich an dem Ueberlandflug finanziell zu beteiligen, Sch Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: . itzender: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen, 5) Vorsitz Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. n Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen. Schriftführer: ° Dr, Albert, Holten. Kassierer: Bankdirelstor Heck, Oberhausen. . iftführer un assierer: Stellvertr. Schrift Kaufmann u. Oberleutnant d. R. Knigge, Oberhausen, 1. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 2. Architekt Schnarre, Holten 3 Flugtechniker Nihues, Wesel. 4. n Gutsbesitzer Tender, Holten. 5. „ Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. 6. B n ” » Kaufmann Zündorf, Marxloh. eisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. Beigeordneter Sigloch, Hamborn. Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. Redakteur Krause, Köln. B Oberingenieur Weidler, Oberhausen. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakt eu Rudolf Huhn, Oberhausen zu richten. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karisbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Heinr. Jahn, Schritführer. Jos. Lang, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission. Protokoll der Sitzung vum 14. Juli 1910: Es wird beschlossen, Offerte einzuholen wegen Ankauf von Flugapparaten. Die Illustrierte Zeitschrift „Flugsport“ wird als offizielles Organ des Clubs erklärt. -- Aufnahme neuer Mitglieder. ” » ” ” ” No. 14 „FLUGSPORT“. Seite 462 Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendircktor. Stelivertr. „ Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schriftführer: C. Kremer, Kaufmann. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Heinrich Blaurock, Oberst, Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasscs, Kaufmann. Josef Wahlen, Referendar. Zuschriften sind zu richten an den 1. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst, Düsseldorf, Graf Adolfstr. 83. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Club-Abend statt. Der Düsseldorfer Flugsport - Club wurde der Ortsgruppe Düsseldorf des Deutchen Luft-Flotten-Vereins angegliedert, der eine Interessengemeinschaft mit dem Niederrheinischen Verein für Luftschiffahrt hat. Der Zweck des Düsseldorfer Flug-Sport-Clubs ist: Die Pflege und Förderung des Flugsportes mit Flugmaschinen. Schaffung von Flugfeldern und Schuppen für Flugapparate. Einrichtung einer Bremsstation für Motore. Abflugvorrichtungen für Gleitflieger. Beschaffung der zum Bau von Flugapparaten nötigen Teile. Anschaffung eines Lernapparates. Beteiligung an Ausstellungen und sonstigen flugtechnischen Ver- anstaltungen. Anschluß an Vereinigungen, die ähnliche Ziele verfolgen. Vereinbarung mit Versicherungsgesellschaften wegen günstiger Unfall-, Haft- und Feuerversicherung. Austausch der Erfahrungen auf dem Gebiete der Flugtechnik. Errichtung einer Fachbibliothek. Zwei Schuppen für Flugapparate sind bereits auf dem Garnisons-Exerzier- platz in Düsseldorf-Lohausen, der dem Verein für seine Versuche in liebens- würdiger Weise zur Verfügung gestellt wurde, errichtet. Mitglieder des Clubs sind mit der Montage der Apparate beschäftigt und sollen die Flugversuche in der nächsten Woche beginnen. Das Fluggelände ist etwa 1 Kilometer lang und breit und eignet sich durch die guten Bodenverhältnisse vorzüglich zu Flugversuchen. “Zu erreichen ist der Platz von Düsseldorf aus mit der Kleinbahn Diissel- dorf-Duisburg, von der Haltestelle Lohhausen Restaurant „Landeskrone“ in un nn m_ 1" ac el. u a, wenigen Minuten. Zuschriften an die Redaktion. (Ohne Verantwortung der Redaktion). Bezugnehmend auf Ihren Artikel im Heft 13 S. 425 ersuche ich Sie höfl., in Ihrer geschätzten Zeitschrift folgenden Zeilen Raum zu geben: Meine bisherigen Versuche, statt des 45 HP Clergetflugmotors einen 2O HP Automotor in meinem Monoplan zu verwenden, hatten zwar noch nicht den gewünschten Erfolg, doch fliegt der Apparat auch noch bei stark gedrosseltem Motor. Es ist meines Erachtens zweckmäßiger, einen kräftigen Motor zu ver- wenden und diesen nicht voll zu beaufschlagen als einen schwächeren, der stets mit Vollgas arbeiten muß und sich infolge der hohen Tourenzahl zu direktem Eingriff schlecht eignet. Seite 463 „FLUGSPORT“. No.214 Betreffs Ihrer übrigen Ausführungen bin ich folgender Ansicht: Der Motor gehört unbedingt nach vorn, und wenn man auf den Vorteil des direkten Eingriffs nicht verzichten will, die Schraube ebenfalls. Die Auspuffgase lassen sich bei wassergekühlten Motoren leicht unter die Tragfläche ableiten und dürfte es auch möglich sein, den Piloten durch zweck- mäßige Vorrichtungen gegen den Schraubenwind zu schützen. Im übrigen wird auch durch Reduktion des schädlichen Stirnwiderstandes der Apparate und Ver- besserung der heutigen Luftschrauben sich der Slip und damit die Differenz der Fluggeschwindigkeit und der des Schraubenwindes allmählich reduzieren. Ich ziehe einen soliden wassergekühlten Vierzylindermotor entschieden einem filigranen Rotationsmotor (Gnome) vor, da die Betriebsdauer des letzteren mit dem hohen Kaufpreis in keinem Verhältnis steht und man bei entsprechender Kraftökonomie auch mit Automotoren fliegen kann, was durch den Flug meines Monoplans III mit dem 70 HP österr. Daimler-Prinz Heinrich-Motor (der komplett 300 kg wiegt) zur Genüge bewiesen wurde. Hochachtend * * * In allen Gauen unseres Vaterlandes regt es sich, um auf dem Gebiete des Flugwesens Ersprießliches und Hervorragendes zu leisten. Jedoch trotz des viel- seitigen Entgegenkommens der Luftschiffahrtsvereine (durch Gewährung von Unterstützungen, Vergünstigungen mancher Art usw.) will es uns immer noch nicht gelingen, mit dem Auslande einigermaßen Schritt zu halten. Es müssen also widrige Umstände mitsprechen, die unsere Techniker und Erfinder, die doch sonst auf allen Gebieten anerkannt Hervorragendes leisten, an der vollen Entfaltung ihres schöpferischen Genies behindern und beengen. Und da kommt einem unwillkürlich die Frage: „Woran liegt das?“ Die Beantwortung dieser Frage wäre sehr zweckmäßig, und es würden sich wohl recht viele gewichtige Gründe hierfür anführen lassen. Ein Punkt jedoch sei wegen seiner leichten Durchführbarkeit bei einigem guten Willen herausgegriffen. n den letzten Ausstellungen in Frankfurt und Berlin sind verschiedene gute Modelle, sowohl von Ingenieuren, als auch von Laien, ausgestellt worden, die wirklich größere und intensivere Beachtung verdient hätten, Die Frage geht nun dahin, ob den Konstrukteuren solcher Modelle, einerlei ob sie Ingenicure oder Nichtfachleute sind, nicht durch einen Preiswettbewerb mit Geldprämien geholfen werden kann, damit ihnen wenigstens für ihre Mühe und oft nicht zu bezahlende Arbeit eine wenn auch noch so kleine Vergütung und Aufmunterung zuteil wird? Manch einer würde dadurch zu weiterer, ersprießlicher Tätigkeit angespornt werden, und andere wieder, die der Sache bisher, sei es aus Mangel an Zeit oder Geld, ferngestanden haben, würden auf diese Weise eine Anregung zu ernstem Nachsinnen erhalten. Denn es braucht wohl nicht erst darauf hinge- wiesen zu werden, daß sich gerade sehr oft bei denjenigen beachtenswerte Gedanken vorfinden, die aus Zeit- oder Geldmangel an der Entwickelung ihrer Ideen behindert sind. Auch wäre eine Prämierung in Gestalt von Medaillen nicht von der Hand zu weisen. Das beste Beispiel hat uns Frankreich gegeben. Hat doch bekanntlich Paulhan bei einem solchen Preismodell-Ausstellen einen Original Voisin-Apparat (ohne Motor) erhalten. Der Besitz eines solchen Apparates hat ihn wohl sicher- lich mit dazu begeistert, seine ganze Kraft und Person in den Dienst des Flug- wesens zu stellen, und zwar mit dem Erfolge, daß er einer der berühmtesten Fahrer geworden ist. en Daß ein Preisausschreiben auf alle, die sich für die Aeronautik interessieren, einen starken Reiz ausübt, braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden. Darauf sei jedoch speziell hingewiesen, daß durch die Aussicht auf eine Unter- siützung auch dem Minderbemittelten und Nichtfachmanne Gelegenheit gegeben wird, seine Gedanken zum Ausdruck zu bringen, die, wenn sie von berufener Seite weiterentwickelt werden, in manchen Fällen vielleicht viel zur Vervoll- kommnung des Flugwesens beitragen können. Es wäre wünschenswert, daß die Herren Vorstände der Vereine [diesem Vorschlage näherträten. Kk. Igo Etrich. nr 5 Er rasen vs 25-26 PS Luftgekühlt mit Fabrik- „Neuer Aeroplanmotor ’ garantie, besonderer Umstände halber unter Preis abzugeben. Gefl. Offerten an die Expedition unter T. N. 500. Flugsport Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Rep:&sentant pour la France: F, Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Ersclieint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ vergehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 15. Frankfurt a. M., 3. August 1910. Jahrg. Il. Deutscher Fliegerbund. Propositionen für den Ueberlandflug Frankfurt-Wiesbaden-Mainz-Mannheim. Zulassung. sı. Teilnehmer. Zur Teilnahme an dem Fluge ist jeder berechtigt, der die dentsche Staatsangehörigkeit besitzt und einem dem Deutschen Flieger- bund angeschlossenen Vereine angehört. ‚Jeder Bewerber kann behebig viele Apparate nennen, muß je- doch die von ihm genannten Apparate sämtlich selbst stenern. Apparate. Zugelassen sind Flugzeuge (Flugmaschinen aller Systeme in- und ausländischer Fabrikate), unabhängig von der Form, Größe und An- triebsvorrichtung. Jedes Flugzeug wird vor der Abfahrt von Dele- gierten des Deutschen Fliegerbundes besichtigt und abgestempelt. Entspricht ein Flugzeug nicht den bei der Nennung gemachten An- gaben, so kanı dasselbe von dem Wettbewerbe ausgeschlossen werden. Für die Flugzeuge stehen auf dem Startplatze eiuc Anzahl Zelte zur Verfügung. Für die Unterbringung der Apparate am Ziel in Mannheim hat der Bewerber selbst zu sorgen. SB. Befähigungsnachweis. Die Teilnehmer am Fluge müssen im Besitze eines Klugzeug- führerpatentes der Födclration acronantigue internationale sein oder No. 15 Seite 465 „FLUGSPORT" M nr 1 N "_ vor (dem Meldeschlnß die zur Erlangung IR F a Ar er 1 iner schen N - rlıc 3 och vor einer vom LDenisc g forderlichen Bedingung 15 ‚Flieger? stimmten Kommission erfüllt haben. Die EA 5 : ndflüce u | i "ber } mindestens 3 geschloss g Der Bewerber muß mindlest g > Rundili von io mindestens 5 km Länge, ohne den Brdborlen zu bern ei 7 A K .f . \ , A 6. , ofü Der Bewerber ist verpflichtet, nach ] auseeführt haben. cr Be h nn "Run u alten. Pie Landung ndflng 3 ‚einen Motor anzu Rundflng zu landen und sei h nun "u > s M ‚ darf höchstens J50 m weit von las | 5 otors dal 1068 i nnd das Anhalten des Mc ı a elnet " x folge wricher dem Bewerber bierfür bezeit „Jem Punkte erfolgen, welcher de .) [43 „wurde. “4 Ss . Anmeldung. as n Fluge ist schriftlich an das Präsulinm Die Anmeldung zu deı ET. des Dentschen Fliegerbundes, Frankfurt a. M., Nene M zu richten. 1a 3 enthalten: Die Anmeldung mub enti : u 1. Angabe les Vereins, dem der Bewerber ang . g schrift des Führerzeugnisses. \ an. 2 Srabe der Art der gemeldeten Flugzeuge, sowie ihre Größen “ verhältnisse (Länge, Breite, a e | onen 3 } ist der 15. Augus ra . nungs ik nd muß ber Angabe der Nennung beigefügt geld beträg ‘+ die Nennung ungültig. srden. hne das Nenngeld ıst die Nenn DD 00, he- worden, ich angemeldet hat und iunerhalb des für den Wettbe werb festgesetzten Zeitraums (fr. $ 5) nicht gestartet ist, hat ein Rengeld von 150 M zu zahlen. | or eo nicht vor ” Ohne besondere Vereinbarung dürfen die Flugzeug i ? dem Flugplatze eintreffen. \ vom een Bewerber erhält one Nummer zugeteilt, welche in Ziffern von 1 m Höhe sichtbar geführt werden muß. Falls nicht besondere Apparates sichtbar Und senkrecht, angebracht sein. | SB. Zeitpunkt. Der Flug darf an jedem Tage in der Zeit vom 16. bis 22. ü innerhalb der Zeit von morgens Ausust 1910 ausgeführt. werden und zwar inner a nicht ehört und Ab- D 8 Uhr bis 10 Uhr abends, d. h. die Landung später als 10 Uhr abends erfolgen. | $ 6. Strecke. ] furt a. M.-Gries- e: dem Exerzierplatz zu Frankt n a en ei wie ‚baden, von dort nach dem hein aus, nach dem Rennjlatz bei Wies ' von dort macı Mainzer Sand und von dort naclı dem Mannheimer A Diatz- Br der Wahl der Streke zwischen den einzelnen genannten Fun s 1 1 frei. lie Flieger 1. Start. tccheim statt Der Start: findet auf dem Exerzierplatz zu Arion vcim sta " Der Plieser hatt vor Verlassen (des Platzes eine geschlossene kun Je g \ über dem Platze zu Thegen. No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 466 ‚Jeder Flieger hat seine Absicht zu starten, dem vom Deutschen Fliegerbunde bestimmten Starter rechtzeitig anzuzeigen. s8. Zwischenlandungen. Eine Zwischenlandung von höchstens einstündiger Dauer ist auf tem Wiesbadener Rennplatz nnd Mainzer Sand gestattet. Ein längerer Anfenthalt und sonstige Zwischenlaudnngen werden in «die Flugzeit. eingerechnet. Bei den Zwischenlandungen darf Benzin nachgefüllt werden, auch dürfen Reparaturen vorgenommen werden. Zulässig sind alle Reparaturen. Die Answechslung des Apparates mit einem neuen ist verboten. Im Streitfall entscheidet das Preisgericht nach seinem Ermessen, ob eine Reparatur vorgelegen hat: oder nicht. Bei den Zwischenlandungen Wiesbaden und Mannheim müssen die Falırer ihren Weiterflug dem «ort befindlichen Starter ankündigen. Der Flieger kann nach einer Zwischenlandung den neuen Start an einer beliebigen Stelle vornehmen, jedoch darf er die Maschine nicht mit einer größeren Geschwindigkeit als die eines zu Fuß gehenden Menschen dorthin schaffen lassen. In Wiesbaden und Mainz muß der Abflug nach der Zwischenlandung vom Rennplatz bezw. Mainzer Sand aus stattfinden. 9. Kontrolle. Zur Kontrolle sind auf dem Startplatz und Zielplatz sowie auf den oben bezeichneten Zwischenlandungsplätzen vom Deutschen Fhegerbund bestimmte Kontrolleure mit Stoppuhren zur Stelle. Anßer- dem befahren naclı Möglichkeit Kontrolleure in Automobilen die Strecke, um (lie Einhaltung des $ 8 zu beanfsichtigen. s 10. Sieger. Sieger ist derjenige, der die vorgeschriebene Strecke ($ 6) in der kürzesten Zeit im Fluge zurücklegt nnter Abzug des einstündigen Aufenthaltes bei den gestatteten Zwischenlandungen. sl. Passagierflug. Demjenigen, welcher bei dem Fluge einen Passagier mitmimmt; wird von der Gesamtheit der Zeit, die er für den Flug benötigt, '/, Stunde gutgeschrieben. Der Passagier muß ein Mindostgewicht von 55 kg haben. s 12. Wiederholung. ‚Jedcom Flieger ist cs freigestellt, den ganzen Flug zwecks Er- zielung eines besseren Resultates ein oder mehrere male zu wiederholen. s 13. Preise. Der Sieger erhält einen Preis von 25000 M. in bar und einen Ehrenpreis. Der zweite Sieger erhält einen Preis von [OVOU M, nebst Elirenpreis. Einen Preis von 6000 M. (Zuverlässigkeitspreis) erhält derjemge, welcher au einem noch bekannt zu gebenden Tage, sowie Seite 467 „FLUGSPORT“. No. 15 einer noch festzusetzenden Stunde anf dem großen Sande In. Mar landet. Landen mehrere Bewerber zu der festgesetzten Zeit, “ Ke t derjenige den Preis, der dic Strecke Frankfurt-Mainz am schnellsten zuriickgelegt hat. Ben az Die Auszahlung der Preise erfolgt. innerhalb 14 Tagen, gozant vom Tage der Veröffentlichung der Entscheidung des Preisgeriehl dureh das Präsidium des Deutschen Fliegerbundes. s 14. Entscheidende Stelle. in . “ . .. - 2 ” .. un. > ‚S >21] leoer- Die Entscheidung über die Flüge fällt das vom en bund eingesetzte Preisgericht anf Grund der von de | erstatteten Berichte. s 15. Protest. ] ] N iscericlhts müss gi Proteste gegen die Entscheidung des Preisgericlts müssen binnen 3 Tagen nach Bekanntgabe der Entscheidnng bei dem Br jun c os ‘ 1. an : ede Dentschen Fliegerbundes sehriftlich eingegangen sem, Mi e on Protest ist der Betrag von 500 M. einzuzahlen, welcher zurückgezahlt wenn der Protest als berechtigt anerkannt wird. Ueber den Protest entscheidet ınter Ausscliluß des Rechtswegs in Schiedsgericht, bestehend ans 7 Mitgliedern, von denen das Präsidi 1e 1 ]lı bundes 3 benennt, während die 3 Präsidium des Deutschen Fliegerbundes \ he 1 ; \ be en sınd. 1e 6b el- andern von dem Einleger des Protestes zu beneun N s nannten Schiedsrichter wählen zusammen eınen mann. s 16. Das Ueberfliegen von Städten. Das Ucberfliegen der Städte Frankfurt a. M., Höchst, Wiesbaden, Mainz, Worms, Mannheim verpflichtet den Bewerber zur aahlung einer Konventionalstrafe von 100 M. an das Präsidium des Dentschen 1 > x Kliegerbundes. s 17. Zahlung für Schäden. . Jeder Flieger ist für den von ihm angerichteten Schaden ver- antwortlieh und haftet, für denselben allein. Vor Antritt des Fluges hat sich jeder Bewerber dem Präsidium des Dentschen Fliegerbun es gegenüber schriftlich zur alleinigen Haftung, für Schä Ion m ver pflichten. Der Deutsche Fliegerbund lehnt ‚für sich sowie für se Organc jede Verantwortung für etwaige Unfälle ab. .Ss.18. Jeder Wettbewerber bescheinigt durch seine Anmeldung, daß er sich diesen Bestimmungen für den Ueberlandflug, sowie allen sonstigen Anordnungen des Dentschen Fliegerbundes unterwirft. Das Präsidium des Dentschen Fliegerbundes behält sich etwa notwendig werdende Aendernngen ler Propositionen vor. No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 468 Gleitflug-Skizzen. Gruner-Günther. Im Spätherbst 1908 wars, als sich die Nachrichten häuften von Flügen, die Menschen auf „Schwerer als Luft“-Maschinen ausgeführt. hatten, als man endlich Bilder des Wrightapparates salı, der schon lange von sich reden gemacht hatte. Natürlich bemächtigte sich so- fort das „Kino“ dieser Sensation und brachte Aufnalımen von Flügen der Amerikaner und der französischen Schule. Und so kam es, daß das Kino den letzten Stoß gab und zur Arbeit zwang, einer Arbeit, die wir als zukünftige Ingenieure mit Begeisterung in Angriff nalımen, galt sie doch der Eroberung des Raumes, den wir bisher mit denı Ballon nur unzulänglich beherrschten. Der Eindruck, den der elegante Flug eines Delagrange und Wriglit hinterließ, trieb uns, ähnliches zu versuchen und zwar zunächst an kleinen Modellen die Gesetze zu studieren, die beim Fliegen ın Betracht kommen. An Hand einer ungeahnt wachsenden Literatur bauten wir ein Modell um das andere und lernten von jedem etwas ncues. Endlich, nach fast dreiviertel Jahren, fanden wir unseren Typ, der sich besonders durch seine Ruhe und Stabilität im Flug aus- zeichnete. Dieses Modell wurde in allen Größen gebant und als Drachen, als Gleitfliegermodell oder als kleiner Motorflieger mit Gummischnurantrieb allen möglichen Bedingungen unterworfen und ausprobiert. Und immer wicder zeigte sich die ruhige Sicherheit, mit der es durch die Luft glitt. Michaelis 1909 entschlossen wir uns daher, einen Gleitflieger von solchen Abmessungen zu bauen, daß wir uns ihm selbst anver- trauen. konnten. Zu Weilinachten 190% war die Maschine fertig, und bald fanden wir auch einen geeigneten Platz in den Weideplätzen des Gutsbesitzers Uhle ın Harthau, die uns in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt wurden und die für unsere Versuche genügten. Der Apparat wurde durch Schnee und Sturm von Chemnitz nach Harthau transportiert — 5 Uhr morgens, um kein Aufsehen zu erregen — und sollte noch an demselben Vormittag probiert werden. Doch der Wind wurde so stark und böig, daß wir uns nicht getrau- ten, den Apparat zu besteigen, da wir ja noch nie in einem Flugzeug durch die Luft gefahren waren. Wir mußten uns also dem Verderber schon so mancher Flugwoche beugen und uns gedulden. Jedoch bald kam ein Nachmittag, der uns das Fliegen erlaubte. Zuerst kamen Sprünge über 5 bis 6 m dicht über dem Boden dahin. Es galt zu- nächst- den günstigsten Punkt für den Flieger zu bestimmen, üm darnach die Steuerhebel in handlicher Nähe: anzubringen; anfangs hatten wir nur das Höhcenstener in Gebrauch, sahen jedoch nach wenig Uebungen, daß es unbedingt nötig war, die Verwindung der Tragflächen einzuführen, um ein Mittel gegen seitliches Kippen zu haben. Nach Anbringen dieses Steuerorgans wendeten wir cine andere Startniethode an, der wir danu bis jetzt tren geblieben sind. Zuvor versuchten wir, einfach selbst ınıt dem Apparat dem Winde entgegen den Hang hinabzwlaufen, kamen aber auf diese Weise zu keinen längeren Flügen, da das Gefälle zu gering war. So gingen wir cdemn dazu über, den Apparat derart hochznführen, daß voru ein o«der zwei Seite 469 „FLUGSPORT“. No. 15 Personen an einer 15 m langen, festen Hanfschnur zogen. Naclı wenig Schritten hebt sich der Schwanz, und kurz darauf fühlt sich der Flieger selbst angehoben. Sobald er merkt, daß der Apparat frei vom Boden ist, gibt er allmählich Höhenstener, woranf das Flugzeug ruhig ansteigt und je nach der Stärke des Windes langsam oder rasend schnell durch die Luft dahingleitet. Fühlt sich der Flieger hoch genug, so stellt er das Höhenstener anf Horizontalfahrt. In diesem Augenblick hört sofort der Zug in der Schnur auf, die losge- lassen wird. Die Starter laufen seitlich weg, denn schon hat sie der Flugapparat eingeholt und schwebt über ilıren Köpfen. Der Flieger ‚sucht sich möglichst lange in der Luft zu halten, pariert seitliche Stöße mit der Flächenverwindung, mit der er auch Kurven fahren kann, und landet schließlich möglichst gegen den Wind. Infolge seiner kauernden Lage im Flugzeug, die das Mittel zwischen Lilien- thals Hängen und Wrights Liegen darstellt und damit beider Stel- lungen Vorteile in sich vereinigt, ist es dem Flieger möglich, beide Steuer- hebel zu bedienen. Im letzten Augenblick vor der Landung läßt er das Flugzeug noch etwas ansteigen und vernichtet dadurch Vorwärts- geschwindigkeit, sodaß der Apparat sanft aufsetzt. Zuweilen gelingt dieses letzte Manöver nicht mehr. Dann behält der Fahrer die Fübhe auf den Kufen, die den Apparat nach einer kurzen Auslaufstrecke zum Stehen bringen. Da beim Kurvenfahren nnd bei der Wiederherstellung der -Querstabilität stets Vorwärtsgeschwindigkeit verloren geht, halten zwei weitere Personen an zwei an den Flächenenden angebrachten knrzen Stricken den Apparat während des Startes möglichst horizon- tal. Fliegt die Maschine in 2 bis 3m Höhe, so werden die Flächen frei gegeben, um nicht ein weiteres Steigen zu verhindern. Auf diese Weise sind wir bei gutem Winde bereits nach ca. 1ÜO m Anlauf in 4 bis 5 m Höhe gewesen. Diese Startmethode dürfte sich dann be- sonders empfehlen, wenn der Fall des Geländes nicht groß genug ist, sodaß cin Änlaufen des Fahrers mit dem Apparat allein nicht genügt, um das Flugzeug hoch zu ‚bringen. Uns verhalf sie bis jetzt zu Flügen von 8 bis 10 m Höhe und über 70 m Länge, jedoch hoffen wir in nächster Zeit mit einem 25 m langen Hanfstrick den Apparat auf 15 bis 20 m Höhe zu bringen. Natürlich sind auch wir nicht von Kleinholz verschont worden, das durch mancherlei Gründe verursacht wurde. Im Anfang waren es meist falsche Stenergriffe, die das Flugzeug in Schräglage zur Erde kommen ließen. Nachdem diese Kinderkrankheiten überwunden waren, kostete uns der sog. „alleinstehende Baum“ eine Tragfläche, der daraufhin einfach dank dem Eintgegenkommen unseres Wirtes abgesägt wurde. Die Konstruktion unseres Flugzeugs, die den Flieger naclı allen Seiten schützt und es ihm möglich macht, sich gewissermaßen in den. Apparat hineinzuzwängen und sich eines mit iım zu fühlen, hat uns bis jetzt vor allen Verletzungen bewalırt und uns die Gewißheit gegeben, daß bei Beachtung der allernötigsten Vorsichtsmalßregeln keine Gefahr für den Flieger besteht. Unser Apparat ist, wie die Abbildungen zeigen, ein Eindecker mit kasten- förmigem Schwanz, der zum Patent angemeldet ist. Er hat 14 qm Haupttragfläche und 6 qm Stenerfläche. Der Kasten dient als Hölıen- und Seitensteuer nınd gleichzeitig als Stabilisationselement. Als Material für den Rumpf und die Flächen benntzten wir Eine im Anfang ei der Apparat um so der Erde entfernt. Natürlich behält die Maschine r digkeit, vorausgesetzt, daß durch zu brüsles Ans verloren geht, und die An von selır langsamer Fahrt ist Zeit der Uebung bedient man No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 470 Fichtenholz. In letzter Zeit haben wir noch das ändert, indem wir die Kufen ähnlich denen der Ursiu ordneten. Hierdurch gewinnt das Flugzeug nimmt auch Landungsstöße besser über die ganze Konstruktion auf. Was auch heutzutage über den Gleitflug gesagt werden möge das Eine steht fest, er ist stets von Vorteil und unbedinet nötie Für Konstrukteure nener Apparate, die noch nicht Gelegenheit hatten Au giner vor erprobten und bewährten Maschinen zu fliegen. Ein eibiges Vortra »m F > in gefä lichen und unerwarleten Lagen macht in bekamen nn can, Gl ıcheı gen, ekannt mit den Eigen- tümlichkeiten des Windes und. gewöhnt ihn an Geschwindigkeiten. Fahrgestell ver- us-Maschine an- an gutem Aussehen und Gleitflüge Gruner-Günther, Oben: Vor dem Start. Mitte: Der Start. Unten: Im Fluge. gonartig berührende Erscheinung ist z. B. die, dab angsamer zu fliegen scheint, je mehr er sich von uhig ihre Geschwin- ı bi teigen nicht zuviel gst vor plötzlichem Fallen, was ja die F olge st, ist meist unbegründet. Nach einiger die Ilebel schon instinktiv und stellt Seite 471 „FLUGSPO RT“. Bu No. 15 vor allem, ohne es zu wissen, fortwährend die Qnerstabilität wieder her, Eigenschaften, die bei dem späteren, wegen seiner grösseren Geschwindigkeiten bedeutend gefährlicheren Motorflug nicht zu unter- schätzen sind. Fehler in der Konstruktion sind bei dem leichten, kleinen Gleitflieger rasch zu beseitigen und ebenso bedarf es keiner großen finanziellen Anstrengungen, wenn man einmal stürtzt und ctliches zerbricht. j Es wäre eben doch zu wünschen, daß Erbauer neuer Maschinen und auch andere Menschen, die sich später einem Flugzeug anver- trauen wolleu, sich zuerst mit dem Gleitflieger hinaus in die Luft wagten und sich auf ihm mit den Regeln bekaunt machten, die für den Flug in Betracht kommen und auclı bei dem richtig konstruierten Motorflugzeug sofort in Kraft treten, sobald einmal der Motor versagt. In dem Augenblick wird jede Flugmaschine zum Gleitflieger und der Führer wird um so mehr Aussicht haben, Häuser und Bäume bei seiner ungewollten Landung stehen zu lassen, je geübter er darin ıst, seinen Apparat möglichst lange in der Luft zu halten und sich so einen annehmbaren zum Landen Platz auszusuchen. Pariser Briei. Von unserem Pariser Korrespondenten. Es ist überans bedawerlich, daß die prächtige flugsportliche Manifestation von Reims, die auch in diesem ‚Jahre, und zwar in er- höhtem Maße, die Aufmerksamkeit der gesamten Kulturwelt auf die bewundernswerten Erfolge der modernen Flugwissenschaft, gelenkt hat, mit einem schrillen Mißton enden mußte. Nicht nur, daß das Organı- sations-Comit6 infolge des beträchtlichen Defizits und der dadurch bedingten persönlichen materiellen Opfer von der ferneren Veran- staltung des klassischen Aviationsmeetings von Reims Abstand zu nehmen sich gezwungen sieht, jetzt haben auch noch 21 der an der Reimser Woche beteiligt gewesenen Bewerber einen Monstre - Prozeß gegen die Organisatoren angestrengt, welche sie für den Verlust der zu Schaden gekommenen Apparate verantwortlich machen, weil die eigentliche Flugbahn nicht, wie im Engagementsvertrage vorgesehen und wie auch durch das Reglement des Aero - Olub gefordert wird, 100 Meter, sondern nur 25 Meter breit, gewesen wäre und zu beiden Seiten. dieses 25 m breiten Streifens Getreide stand, das eine Höhe von 1,20 m und 1,30 m hatte und so das Manövrieren der Acroplane unmöglich machte. Die Kläger haben diesen Befund durch einen Gerichtsvöllzieher feststellen lassen und-verlangen nun Ersatz für alle zertrümmerten oder beschädigten Apparate, deren es allerdings in Reims eine große Anzahl gab. Martinet, der bekanntlich stürzte, verlangt außerdem 20000 Frances Schadenersatz, da er drei Wochen bettlägerig war. Man ist hier auf den Ausgang des Prozesses be- greiflicherweise sehr gespannt, bedauert aber allgemein, daß diese Aktion wobl das „Meeting der Champagne“ definitiv begraben wird. Anch sonst: sind die französischen Aviatiker recht mißgelaunt, weil die ihnen gelegentlich der letzten Meetings zugefallenen Preise noch immer nicht zur Auszahlung gelangt sind. Es schemt irgend etwas hier „nicht zu stimmen“. Denn gemäh der vom Aero - Club No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 472 für alle Meetings erlassenen Bestimmungen sind ja in der Tat die Preise bci diesem Club hinterlegt, sodaß es sich also nur nm den schwerfälligen Apparat. der offiziellen Anerkennung des Klassements handeln kann. Diese lange Verzögerung ist: ımso unverständlicher. als das von den Kommissaren am letzten Tage eines jeweiligen Mectings aufgestellte Klassement olıne Appell zu acceptieren ist. Natürlich lıat sich die Presse des Vorgangs bemächtigt nnd ınan zieht spöttisch Parallelen mit England, von wo die Aviatiker mit gefüllten Taschen heimkehren, weil ihnen die gewonnenen Preise sofort ausbezahlt werden, während sie hier die vor Wochen und Monaten erworbenen Preise noclı immer nicht erheben können. Natürlich vermag dicse kleine „Unstimmigkeit“ den Eifer der französischen Aviatiker nicht zu erschüttern und cs wird fleißig weiter „gemeetingt“. Da ist. jetzt «das Meeting von Caen, das mit 100000 Francs an Preisen und Prämien dotiert. ist und in dem sich elf, zum Teil hervorragende Aviatiker messen: für Bleriot: Morane, Aubrun: fir Hanriot: Marcel Hanriot; für Antoinette: Burgeat, Labonchere ; für Sommer: Daillens, Paillette, Rigal; für Henri Farman: Crochon, Martinet und für Maurice Farman: Renaux. Es ist dies das erste mal, daß Maurice Farman an einem Öffentlichen Meeting teilnimmt. Als der Beginn des Meetings am ersten Tage durch den üblichen Kanonenschlag verkündet wurde, war cs der junge Marvel Hanriot, der als erster auf dem zierlichen Eindecker in die Schranken sauste. Er trug auch den Haupterfolg des Tages davon, indem er den besten Dauerflug mit 2 Stunden 55 Minuten 50 Sekunden zu Wege brachte. Außer ihm führten noch Martinet einen Flug von 2:51:50, Paillette einen solchen von 1:00:27 und Renaux einen von 0:50 aus. Den Höhenpreis des Tages errang Paillette mit 297 Metern, während sich der kleine Hanriot mit einem Fluge in 101 Metern als zweiter placierte. Der zweite Tag des Meetings wurde durch einen orkanartigen Sturm völlig vereitelt. Nur der junge Hanriot uud Paillette, sowie schlieb- lich auch Morane wagen es, einen Flug zu unternehmen, ohne aber länger als wenige Minuten in der Luft bleiben zu können. Bei weitem schöner gestaltete sich der dritte Tag, an dem wiederum der kleine Hanriot den besten Dauerflug (1 Stunde 30 Minuten) voll- brachte, während Martinet mit 1:20:58, Crochon mit 1:02:13, Paillette mit 0:53 :46—3, Morane mit 0:35:28--4, Renaux mit 0:28:05 folgen. Im Höhenpreis wurde Morane mit 908 m erster, Hanriot mit 284 m zweiter. Die „berühmte“ Woche in Maıseille dauert nun schon fünfzehn Tage und noch ist ein Ende nicht abzusehen, ein Zeichen, daß die Unternehmer dabei ihre Rechmung finden. Aubrun, der anfänglich die Sache mitmachte ist zur Teilnalıme am Meeting von Caen abge- reist; Fischer, Cheuret, Wallon tun ihr bestes, erzielen aber nur mäßige Resultate, die ein weitergehendes Interesse nicht erwecken können. Wenig glimpflich ist auch das bereits erwähnte Meeting von (Jumper verlaufen, wo Simon und Barrier für Bleriot und Chemet. für Voisin einige Schanflüge zum besten zu geben trachteten. In Toulouse geht im Augenblick ein Meeting vor sich, an dem 7 Aviatikor teilnehmen: Aucdemars (Demoiselle Ol&ment - Bayard), Cheuret (Farman), Delpech (Llamriot), Granel, Kühling, Jane Hervieu Seite 473 „FLUGSPORT“. No. 15 (Bleriot), Niel (Nienport). In der Nähe von Toulouse ist übrigens dieser Tage Gibert schwer abgestürzt und hat dabei ernste Ver- lotzungen erlitten. In diesem Monat gelien die Aviationsfeste von Saint-ÖOmer (6., 7. und 8. Angust), sowie das mehrfach erwähnte Meeting von Nantes vor sich. In Saint-Omer werden Antoinette durch Thomas, Voisin durch Ernest Paul, Bleriot durcli Mollien, Farman durch ‚Jullerot vertreten sein. Das Meeting von Nantes verspricht einen größeren Umfang anzunehmen. Im Augenblick liegen 5 Meldungen dazu vor: Marcel Hanriot (Hanriot), "Thomas (Antoinette), Renaux (Maurice Farman), Niel (Nieuport), Morane (Blöriot). Ein großer Preis der Geschwindigkeit soll auf diesem Meeting bestritten werden, das in zwei Aussclieidungsläufen für Eindecker bezw. Zweidecker und in einem Endbewerb zwischen dem besten Eindecker und dem besten Zweidecker zum Austrag gelangen wird. Drei Bahnrunden werden dabei zurückzulegen sein und zwar wird die Zeit von dem Anugen- blick an gerechnet, wo der Kommissar das Zeichen zum Abflug geben wird. Außerdem wird ein Fernflug von Nantes nach Blain und zurück veranstaltet mit kurzer Landung in Blain. Der Abflug der Apparate erfolgt in kurzen Abständen. Im Monat September folgen dann die grosse Doppelwoche der Seine-Bai und das Meeting von Bordeaux. Erstere Veranstaltung, die sich auf die Zeit vom 25. August bis 6. September erstrecken wird, _ wird vorraussichtlich eine gewisse Anzahl unserer bekanntesteu Aviatiker vereinigen. Latham und Labouchere, die beiden erfolg- reichen Antoinette-Piloten, werden sicher dabei sein. Das Meeting, das sich zwischen Havre, Trouville und Deauville abspielen wird, dürfte recht interessant werden. Die große Woche von Bordeaux nimmt am 9. September ihren Anfang und dauert bis zum 18. September. Sie wird sich auf dem Aerodrom von Beau-Desert, das dicht vor den "Toren von Bordeaux liegt, abspielen., Außer den 245.000 Francs an Preisen, die dort zum Austrag gelangen, wird noch ein besonderer Preis des Präsidenten der Republik, der dem Meeting beiwohnen wird, zur Verteiluug gelangen. Auch ein besonderer Preis für Offiziere soll gestiftet werden, zu welchem Zwecke der Generalrat der Gironde dieser Tage eine Sub- vention von 25.000 Frances votiert hat. Das Aerodrom ist ganz modern und sehr praktisch angelegt und weist umfangreiche und be- queme Nebenbaulichkeiten auf. Der Andrang zu dem Meeting von Bordeaux, das unter dem Protektorat des Aero-Club vor sich geht, dürfte ein ungewöhnlich großer sein. Ferner. bringt--men-hier- dem großen Mailänder Meeting ein ganz besonderes Interesse entgegen und es steht ausser allem Zweifel, dab die italienische Veranstaltung , die bekanntlich ın der Zeit vom 25. September bis zum 3. Oktober vor sich geht, von hier aus stark beschickt sein wird. Bis jetzt haben sich Labouchere (Antoinette), Küller (Antoinette), BRuchonnet (Antoinette), Chavez, (Bleriot), Cattaneo (Bleriot}, Mollien (Bleriot) für Mailand eintragen lassen. Die Beteiligung der Zweidecker aber wird, da diese T'ype in Italien gar- nicht Fuß zu fassen vermag, nur schwach sein, doch heißt es, daß 3 Voisin mit Metrot, Paul und Ravetto teilnelimen werden. Ebenso wird wohl der von den Veranstaltern im Zusammenhange mit dem ——das-Patent an sich bringen. No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 474 Mailänder Meeting ausgeschriebene Alpenflug für den ja ein besonderer Preis von 100 000 Lire festgesetzt ist, wenig Glück haben. Aber von allen bevorstehenden aviatischen Ereignissen kann doch wohl der Circuit de l’Est des Pariser „Matin‘“ das berechtigte Inter- esse für sich in Anspruch nehmen. Dieser Bewerb scheint sich in der Tat zu einer grandiosen aviatischen Manifestation auszuwachsen und täglich laufen neue Kundgebungen seitens der von dem Bewerb berührten Städte in der fraglichen Region ein, die auch ihrerseits von Spezialpreiseu und großen Festen, die die Gemeinden zugunsten der Aviatiker beschlossen haben, Mitteilung wachen. .Je näher das Datum der ersteu Etappe, die bekanntlich von Paris nach Troyes führt, rückt, desto fieberhafter wird die Spannung, die zudem noch durch eine außerordentlich geschickt geführte Campagne des „Matin“ gesteigert wird. Am 9. August also wird der Start erfolgen und nicht weniger als 35 Aviatiker nehmen an dem verlockenden Be- werbe teil. Die Reihenfolge des Abflugs, wie sie durch das Loos festgesetzt worden ist, wird die folgende sein: 1. Nieuport (Nieuport), 2. Breguet (Breguet), 3. Martinet (Farman), 4. de Baeder (Voisin), 5. Latham (Antoinette), 6. Champet (Voisin), 7. X. (Nieuport), 8. X. (Nieuport), 9. Aubrun (Bleriot), 10. X. (Voisin), 11. Labouchere (Antoinette), 12. Metrot (Voisin), 13. X. (Savary), 14. Bathiat (Breguet.) 15. Eifimoff (Sommer), 16. Bielovucic (Voisin), 17. X. (Avia), 18. Chateau (Tellier), 19. Morane (Bleriot), 20. Killer (Antoinette), 21. Legagneux (Sommer), 22. Leblane (Bleriot), 23. Noel (Bleriot), 24. Wagner (Hanriot), 25. Sommer (Sommer), 26. Weymann (Farman), 27. X. (Savary), 28. Busson (Bleriot), 29. Rigal (Sommer), 30. Dail- liens (Sommer), 31. de Pischoff (Pischoff). 32. Wallon (Sommer), 33. Lindpaintner (Sommer), 34 Audemars (Demoisselle Olöment-Bayard), 35. Simon (Bleriot). Besonders große Empfangsfestlichkeiten bereiten die Städte Douai, Nancy, Amiens u. s. w. vor. Wir werden über den Verlauf dieses sensationellen Bewerbs in den beiden nächsten Nummern dieses Blattes eingehend berichten. Auch die verschiedenen Aviations-Lehrfelder setzen ihre Tätig- keit fort. In Mourmelon hat jetzt die Antoirette-Schule unter der Leitung Laffonts sehr vielzu tun. Es üben dort die Leutnants Joste und Clavenade, der Major Robillart, der russische Oberst Zelinsky, der Ar- gentinier Leclerc, Romanoff, Goffin, Cure, Neurisse, der Sekretär des Aero-Ölub von Odessa, Makowctzky, ferner Chioni, Bresson, Meyer, Cronier d’Esterre, Komerow, Mademoiselle Marvingth, welch letztere dieser Tage ihr Pilotenpatent erworben hat. Leutnant Mailfert vom 19. Infanterie-Regiment konnte schon bei seinem vierten Flugversuch Tage einen Flug von 1 Stunde 10 Mimuten zu Wege brachte, sowie vor allen Dingen Bregi, welcher am letzten Sonntag einen Ueberland- flug von mehr als zweistündiger Dauer in beträchtlicher Höhe aus- führte. Issalene, Michalkewitz, Adamenko, Pizzagallı und Forest fliegen trotz heftigen Windes schon ansehnliche Distanzen. Herın von Mumm gelang dieser Tage ein schr hübscher Flug über die Städte Reims, Betheny und Vitry hinweg. In der Farman-Schule hatten in dieser Woche die Offizierspiloten Gelegenheit, vor einer Delegation von Marincoffizieren ihre Gewandheit in der Steuerung der Zweidecker zu zeigen wobei sich namentlich die Leutnauts Fequant, Bei Voisin sind es Bielovucic-der dieser Seite 475 „FLUGSPORT“. No. 15 Sito u. a. hervortaten. Ersterer führte einen Flug von 86 km in I Stunde 17 Minuten querfeldein über Jouy, Grandes-Loges, Chalons, Lepine, 'Thılloy, Sommesuippes, Saint-Hilaire, Mourinelon und Saint- Cyr aus und wurde von seinen Kameraden stürmisch beglückwünscht. Henry Farman selbst führte einen Apparat vor, den er mit 275 kg Nutzlast belastet hatte. Auch Leutnant Remy zeigte schließlich, dab er gute Fortschritte gemacht hat. Leutnant Bassot ist dieser Tage das Pilotenpatent erteilt worden. Dufour führte einen für Rußland bestimmten Apparat im Fluge vor. Bei Sommer, wo Bouvier kürz- lich einen von der Regierung bestellten Militär-Aeroplan zur Ab- lieferung brachte, naclıdem er mehrere befriedigende Flüge vorgeführt, hatte, üben außerdem Molla, Glorieux, Vissanx, Mademoiselle Dutrieux nu. a. m. Auch bei Köchlin sind einige Eleven damit beschäftigt, sich in der Steuerung des Eindeckers dieser Type zu vervollkommnen. Madamc Niel, die Gattin des Nieuport-Piloten, erwarb dieser Tage auf einem Koechlin-Eindecker ihr Pilotenpatent. Auch Jolliot macht sich mit dieser Apparat-Type vertraut. Weiß unternahm neulich einen Ueberlandflug von freilich nur kurzer Entfernung, der ihm aber gelang. Der Nieuport-Eindecker wird, wie oben erwähnt, von Niel mit viel Geschick gesteuert. Anch in Issy-les-Moulincaux flog man dieser Tage vor den offiziellen Komissaren um das Piloten - Patent, wobei Lesna, Duflot und Bahieu (auf Bleriot-Eindeckern), Continet (auf Eindecker Odier-Ven- döme), der Holländer Ernst Archer (auf Bleriot-Eindecker) und der Russe Ladislaus Lewkowicz (desgleichen) Erfolg hatten und das Patent erlangten. Der Russe bewies clabei eine erstaunliche Geistes- gegenwart, ohne die er wahrscheinlich schwer zu Schaden gekommen wäre. Als er eben die erste Kurve nahm, kreuzte eine Abteilung (enie-Soldaten das Flugfeldl. Um diesen auszuweichen, mußte Lew- kowicz etwas zu sehr nach rechts halten und geriet in dieser Richtung auf einen Zweidecker, der eben dort gelandet war. Im letzten Augenblick wußte der Russe seinen Apparat noch herumzureißen; es war die höchste Zeit, denn die beiden Räder seines Apparats zer- schnitten noch den oberen Flügel des Zweideckers, der sich sofort auf die Seite legte; aber ein Unglück war verhütet. Der Kommissar beglückwünschte den Russen zu seiner Geistesgegenwart, die bei einem Anfänger tatsächlich anerkennenswert ist. Taddeoli, Storve, Mahieu, Leona und Hubert steuern ihre Bleriot-Eindecker mit zunehmender Sicherheit. Der Saulnier-Eindecker, der zuletzt von Darioli gesteuert. wurde, ist dieser Tage vollständig zertrümmert worden; Darioli stürzte ans 10 m Höhe herab, nahm aber selbst keinen Schaden. Leblee und Müller üben auf einem Zenith-Apparat ohne nennenswerten Erfolg. In der Bleriot-Schule zu Etampes stieg Moissan dieser Tage mit einem neuen zweisitzigen Apparat bis auf 600m Höhe und hielt sich 40 Minuten in der Luft. DBrier flog 22 Minuten und landete im Schwebefluge. Ersterer erhielt sein Pilotenpatent. Leblanc unter- nalım einen Ausflug nach Juvisy, von wo er ohne Unfall zurück- kehrte. Bei Henry Farman, wo Herbster die Leitung der Schule hat, wurden recht schöne Resultate erzielt. Matziewitsch bringt das Patent an sich, Hoffman nnd Kostin fhegen im gerader Linie kurze Distanzen. Ferner üben «dort Toguhawa, Colomb, Orus, Cavalieri, Salart u. a. ın. No. 15 „FLUGSPORT." Seite 476 In Juvisy steuern Didier einen Farman-Zweidecker, Godart einen Voisin, Ladougne einen Goupy und führen einige hübsche Flüge ans. Letzterer “erreichte bei einem dieser Flüge eine Höhe von 400 m. Die Reimser Hanriot-Schule belebt sich immer mehr. Graf Campo Scipio, Chassagne, Delagrange, Delpech, Boivin, Xavier Martin und Moser kommen ersichtlich voran. Martin nnd Chassague haben ihr Pilotenpatent erhalten. Der Mosersche Hanriot-Eindecker ist mit einem 50 PS Aster-Motor versehen worden, der sich auscheinend gut bewährt. Bei Farman hat Perin nach mehreren erfolgreichen Flugversuchen jetzt sein Piloten - Patent erworben, ebenso auclı Beanud. In Chartres wird der Savary-Zweidecker jetzt außer von Picard auch von Paul Sartori, dem bisherigen Automobil-Rennfahrer, ge- steuert. Picard hat mit einem 5 km-Fluge das Pilotenpatent an sich gebracht. Die Wright-Schule zu Villacoublay ist andanerud mit gutem Erfolge tätig. "Die Genie-Leutnants Lucca und Sanlnier, welche : unter der Anleitung des Grafen Lambert die Stenerung der "Wright- Zwei- decker erlernt haben, erwerben das Pilotenpatent, sodaß jetzt fünf Offizierspiloten auf Wright-Apparaten existieren. Einen schönen Flug über das Meer hin nuternalım in dieser Woche Molon zu Havre anf seinem Bleriot, den er mit einem nenen Fünfzylinder-Anzany-Motor ausgestattet hat. Der Flug danerte etwas über eine Stnnde, wobei Molon eine Distanz von etwa 90 km zurück- legte. In der Farman-Schule zu Buy wurden kürzlich die beiden für Rußland zur Abheferung bestimmten Apparate versucht, wobei Dufonr mit ihnen Flüge von 32 bezw. 12 Minuten ausführte. Sommer Und Lindpaintner liegen in Mouzon ihrem „Training“ für den „Circnit de l’Est“ mit Eifer ob. Sommer hat zu diesem Zwecke einen neuen Zweidecker hergestellt, den er „Renn-Aeroplan“ nennt und der mit 85 km- Geschwindigkeit in der Stunde fliegt Dieser Tage evolutionierte Sommer mit diesem Apparat in 400 m Flughöhe über Mouzon, Autreconrt, Villers Memilly, Bazeilles und Balan insgesamt während 1 Stunde 30 Min. In Colet steuern Versepuis und Garos Demoiselle- Eindecker, Obre einen Eindecker eigener Konstruktion; trotz heftigen Windes vermögen sie einige gelungene Flüge zuwege zu bringen. In der Versailler Schule von Maurice Farman führt dieser mehrere Flüge aus und nimmt nacheinander seine Eleven, von denen die Hauptleute du Perron und Byasson, der Leutnant Benda, sowie “Brandel nüd Derome sich mit dem Apparat vertraut maclien. "Frank Barba hat das Pilotenpatent erhalten. Wie man sielıt, gedeihen die Pilotenpatente jetzt in Frankreich wie die Brombeeren. ‚Jetzt sind cs 150 derartiger Patente, die der Aero-Club de France erteilt hat. Unter den neuerdings veröffent- lichten Patenten seien erwähnt diejenigen von de Petrowsky (Sommer), Doroginsky (Antoinette), Loraine (Farman), Ruchonnet (Antoinette), Tabuteau (Maurice Farman), Verliae (Antoinette). Maasdyck (Antoi- nette), Maillois (Wright), Leutnant Chevreau (Wright), Vidart (Han- riot), de Lesseps (Sommer), Cliateau (Tellier), Kühling (Bleriot, Seite 477 22200» FLUGSPORT“. No. 15 General Bonnier (Farman), Gronier (Farman), Cugnet, (Bleriot), Bo- runique (Robert Esnanlt-Pelterie), Leutnant Letheux (Farman), Lent- nant Remy (Farman), Renaux (Maurice Farman), Mauvais (Sommer), Lentnant Basset (Farman), Leutnant Maillefert (Farman), Garros (De- moiselle Cl&ment-Bayard), Obre (Obre), Versepnis (Demoiselle Cl&ment- Bayard), Beaud (Farman). Es ist erstaunlich, wie groß zumal die Anzahl von Offizieren ist, die sich hier der Aviation widmen. Es wird aber auch alles inögliche seitens der zuständigen Stellen getan, nm deren Interesse für den Flugsport zu erregen und wach zu erhalten. Von der be- sonderen Vergütung, welche die Offiziere, die einen Abflug unter- nehmen, für jede Flugleistung erhalten sollen, habe ich berichtet. Jetzt hat der französische Kriegsminister diejenigen Offiziere ernannt, die der Kommission zugehören sollen, welche über den bekannten Lazare-Weiller-Preis für Offiziere entscheiden soll. Außer einigen hohen Offizieren, wie z. B. dem General Roques, dem Direktor der Genie-Abteilung im Kriegsministerium, gehören der Kommis- sion noch an: die Herren Leon Bartlıou, Graf de la Vaulx, Soreau n. a. m. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat der Ligue Nationale Acrienne die Ausbildung einer Anzahl von Schülern der großen staat- lichen Schulen zu Aviateuren übertragen. Infolgedessen werden eine große Anzalıl von Eleven der polytechnischen Hochschnlen, der Hoch- schulen für Bergwerks- und Hoclibauwesen seitens der genannten Liga verschiedenen Konstrukteuren von Aeroplanen überwiesen werden, um dort ıhre Unterweisung zu erhalten, sodaß sie das Pilotenpatent erwerben können. Mit begreiflichem Interesse verfolgt man hier auch den Verlauf des großen aviatischen Meetings zu Brüssel, das am Sonnabend ver- gangener Woche seinen Anfang nahm. Die Eröffnung des Meetings ‚erfolgte ım Beisein einer ungeheuren Menschenmenge, die sich auf ‚dem Rennfelde zu Stockel eingefunden hatte, obgleich ein heftiger Wind, der zeitweilig sich mit Regenschauern ablöste, den Aufenthalt auf dem weiten Felde recht unbehaglich machte. Um "4 Uhr er- schienen der König und die Königin auf dem Flugfelde und verlangten die Aviatiker zu begrüßen. In demselben Augenblick verlie5 Van den Born seinen Schuppen, um mit seinem Zweidecker direkt vor der königlichen Tribüne zu landen. Nachdem er die Glückwünsche des Königspaares entgegengenommen hatte, wollte er sich mit seinem Apparat wieder in die Luft erheben; aber der Motor hatte sich heiß elaufen und deshalb zog es der Aviatiker vor, seinen Apparat in die Halle zurückzuschaffen. Die Resultate des ersten Tages waren ‘ die folgenden: Höhen-Preis, Lanser (Farman) 425 Meter; Olieslagers 350 Meter. Der zweite Tag, der günstigeres Wetter brachte, salı mehr als 50000 Personen auf dem Aerodrom. Im Preis für Dauer- flüge wurde ÖOlieslagers (Bleriot) mit 26 Minuten 28 Sekunden erster, Kinet (Farman) zweiter. Den Höhenpreis brachte Ölieslagers mit einem Fluge in 776 Meter Höhe an sich; Lanser(Farman) 500 Meter. Am Mittwoch hatte Ölieslagers das Mißgeschick, sich mit seinem Apparat zu überschlagen. Lanser fliegt 48 Minuten 24 Sekunden und 1 Stunde 15 Minuten 15 Sekunden, Kinet 42 Minuten 24 Sekun- den und 58 Minuten 6 Sekunden. De Ridder (Voisin) führt einen No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 478 Flug, mit seiner Gattin an Bord, aus. Bei prächtigem Wetter fliegen am Donnerstag Kinet (Farman) während 30 Minuten 22 Sekunden. De Ridder, der um den Geschwindigkeits-Preis flog, legte drei Bahn- runden in schwindelnder Schnelligkeit zurück, hält aber wenige Meter vor den Kommissaren an, sodaß sein Flug nicht «qualifiziert werden kann. Am Tage darauf führt Kinet einen Dauerflug von 30 Minuten 4 Sekunden aus, Lanser einen solchen von 7 Minuten 45 Sekunden, de Caters (Voisin) 7 Minuten 16 Sekunden. Einen besonders interessanten Verlauf nahm das Meeting am letzten Sonnabend. Der Tag brachte eine Sensation: Olieslagers, der während des bisherigen Verlaufs des Brüsseler Meetings schon den. Verlust von drei Apparaten erlitten hat und sich in einer ziemlich gereizten Stimmung befand, nahm gegen 5’, Uhr nachmittags als erster seinen Abflug. Nach einem Fluge von 2", Stunden Dauer war er infolge eines Defekts am Motor gezwungen, zu landen. Aber als- bald nahm er aufs neue seinen Abflug und brachte durch einen Flug in 1460 Meter Höhe den Höhen-Weltrekord an sich.*) Bisheriger In- haber dieses Rekords war Latham nach seinem 1380 m Höhenflug zu Reims. Auch sonst wurden am Sonnabend recht ansehnliche Flug- leistungen vollbracht, von denen ein Dauerflug Kinets von 1 Stunde 4 Minuten 22 Sekunden erwähnt sei. Auch von jenseits des „großen Wassers“ werden wieder einmal recht interessante Nenigkeiten gekabelt. Von den abenteuerlichen. Meldungen über sensationelle Flugleistungen von Brookins, der in Atlantic City in 1902 Meter Höhe geflogen sein soll, und von anderen amerikanischen Aviatikern sei hier ganz abgesehen, denn jene Flüge sind offiziell nicht konstatiert worden. Aber eine andere Nachricht muß das Interesse aller Aviatiker erregen: man hat in Amerika in in aller Heimlichkeit, aber anscheinend mit gutem Erfolge, einen neuen Zweidecker probiert, der, wenn man den Nachrichten aus dem klas- sischen Lande des „Bluff“ glauben soll, alle bisherigen Flugmaschi- nensysteme weit hinter sich lassen soll. Der Achtzylinder-Motor soll angeblich 75 kg (?) wiegen und nicht weniger als 150 PS entwickeln. Das Prinzip der Stabilisation ist einfach und nen und stellt das Wrightsche System in den Schatten ..... so meldet man aus Amerika. Warten wir ab, ob sich dieser neue Riesenvogel nicht etwa als... eine Ente entpuppt. Uebrigens soll in Amerika gelegentlich des diesjährigen Gordon- Bennett ein großer internationaler Bewerb organisiert werden, der, wie alle derartigen Unternehmungen jenseits des Ozeans, einen Stich ins Riesenhafte erhalten soll. Der Präsident des Aero-Club von America, Herr Cortland F. Bishop, der augenblicklich hier in Paris weilt, hat sich zu diesem Projekt folgendermaßen ausgelassen: „Man kann hier in der alten Welt sich unmöglich eine Vorstellung machen, in welchem Grade der moderne Flugsport drüben das ganze Land passioniert. Die aviatischen Erfolge unscrer Piloten haben die öffent- lielıe Leidenschaft aufgepeitscht und man kann sich von der Strömung keinen Begriff machen. Der Enthusiasmus ist unbeschreiblich. Der Aero-Ölub ist mächtiger als je. Mehr als vierzig andere Klubs haben sich uns angeschlossen. Wir wollen nun im Oktober ein Aviations- *) Dieser Rekord ist durch Tyck am 1. 8. mit 1700 m gedrückt worden. Seite 479 „FLUGSPORT“. No. 15 meeting veranstalten, wie cs biser noclı nicht gesehen worden ist. Wir sind eben dabei, den Betrag von einer Million Francs aufzu- bringen, wovon 500000 Francs als Preise bestimmt werden sollen. Es wird ein Monstre-Meeting werden, bei dem wir die enropäischen Aviüatiker und alle, die sich für die Aviation interessieren, drüben zu schen hoffen. Was die Wriglhts anbelangt, so kann jeder Europäer in aller Ruhe zu uns kommen und an dem Meeting teilnehmen. Die Wrights haben geglaubt, daß sie die Herren der Atmosphäre sind. Hente aber hat ıhr Widerspruch nicht die geringste Wirkung mehr; das können Sie Ihren Lesern sagen. Was die Einzelheiten nnseres Mectings anbetrifft, so sind diese noch nicht definitiv festgesetzt. Ich vermag Ihnen indessen schon zu sagen, daß es auf Long Island, das heißt also in New-York, vor sich gehen wird, auf einer immensen Ebene, die in ilırer ganzen Be- schaffenheit, ohne Wohnhäuser, ohne Bänme, eine ideales Flugfeld darstellt.“ Am 8. Oktober wird auch der aviatische Bewerb vor siclı gehen, für den die beiden Zeitungen, die „New-York Times“ und die „Ohicago Evening Post“, einen Preis von 25.000 Dollars gestiftet haben: der Flug von Chicago nach New-York. Der Abflug der teil- nehmenden Apparate wird von 10 Uhr morgens ab in Abständen von je einer Minnte erfolgen Die Bewerber haben das Recht, so viele Zwischenlandungen vorzunehmen, wie sie wollen, müssen aber die ganze Reise in 168 Stunden (also in sieben Tagen) beendet haben. Bisher sind für dieses Aeroplan-Rennen gemeldet: Hamilton (Curtiss), Clenn Ourtiss (Curtiss), Thomas Galdwin (Wright), ©. C. Mars (Wright), Mac Andy (Curtiss). Die Meldung, daß auch Latham seine Nennung eingesandt hätte, sind wir in der Lage, zu dementieren. Latham geht freilich nach Amerika, aber nur, um am Gordon Bennett teilzunehmen. Schließlich sei noch ein Schreiben erwähnt, das der französische Minister der öffentlichen Arbeiten an die Ligue Nationale A6rienne gerichtet hat: „Das Direktions - Comite der L. N. A. hatte die Güte, ein Schreiben an mich zu richten und mich zu ersuchen, Maßnahmen zu treffen, daß.die Luftfahrstrassen zur Sicherung der Luftschiffahrt mit leicht erkennbaren Signalen ausgestattet werden mögen, damit die Aviatiker, die sonst Gefahr laufen, zu kollidieren, nicht in Kontakt miteinander kommen. Ich glanbte, nichts besseres tun zu können, als das Schreiben dem Präsidenten der Internationalen Luftschiffahrts- Konferenz zu übermitteln, welche ihrerseits nach der gleichen Richtung hin bereits Wünsche an die Regierungen zum Ausdruck gebracht hat.“ Samiel, hilf! Keiner weiß, was gemacht werden soll und jeder schiebt’s anf den anderen. Und schließlich wird gar nichts geschehen. Parturimnt montes, nascetur ridieulns mus. .... Rl. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Das am 16. ‚Jnli beendigte internationale Meeting von Bonrne- month bedentete einen weiteren Triumph für die französischen Fa- briken und den Gnom-Motor, während die englischen Maschinen sich nicht auszeichneten und anclı die englischen Motoren mit dem Gnom- Motor nicht konkurrieren konnten. Die Antomettefahrikate, die in No. 15 „FLUHGSPORT“. Seite 480 Reims so glänzend abschnitten, sind in Bonurnemouth nicht hervor- getreten, dagegen hat der Bleriot-Monoplan anch diesmal ebenso wie in Reims den bisher so erfolgreichen Farman-Biplan geschlagen. Der Besuch war so ausgezeichnet, daß irgend ein finanzieller Verlust aus- geschlossen ist. Im folgenden stellen wir die Resultate der Wettbe- werbe zusammen: I. Geschwindigkeit in 5 Runden (13 km) 1. (Lstl. 1000) Morauc, 9 Min. 34”), Sek. 2.(, 400) Audemars, 11 Min. 30 Sck. 3. (y 100) Wagner, 12 Min. 12"); Sek. 4.(„ 50) Drexel 13 Min. 123/, Sek, H. Schnellste einzelne Runde: (100 Lstl.) Morane 1 Min. 533/, Sek. III. Höhe: 1. (Lstl. 1000) Morane, 1248 m 2.(, 400) Drexel, 729 m 3.(, 100) Grahame-White, 581 m 4.(„ 50) Dickson, 409 m IV. Uebersee-Flug nach dem Needles-Lenchtturm: 1. (Lstl. 800) Morane, 25 Min. 12°, Sek. 2. ( „ 400) Drexel, 35 Min. 38 Sek. 8. ( „ 100) Grahame-White, 45 Min. 37 Sek. V. llöchstes (tewicht: (Lstl. 350), Dickson. VI. Längster Flug: 1. (Lstl. 300) Gralame-White, 2 St. 34 Min. 56'5 Sck. = 146,500 km. 2. (Lstl. 150) Christiaens, 2 Stunden 20 Minuten 52"; Sek. — 102,750 kın. 3. (Lstl. 60) Audemars, 27 Min. 17’, Sek. — 28,700 km. 4. (Lstl. 40) Dickson, 21 Min. 52%, Sek. == 10 km. VII. Landen innerhalb eines Kreises (Lstl. 250), Grahame-White. VIll. Kürzester Abflug: Erster Preis, Dickson. IX. Allgemeiner Verdienstpreis (Lstl. 500): Morane. Wir berichteten schon über die Unglücksfälle auf diesem Meeting. Der letzte Tag wurde jedoch noch durch einen weiteren Unfall ge- stört, indem Boyle mit dem Kopfe nach vorn aus seinem Aeroplan geschleudert wurde. Glücklicherweise war sein Kopf durch einen aufgeblasenen Gummihelm geschützt, sodaß er mit einer Gehirner- schütterung davon kam. Er lag mehrere Tage bewußtlos, ist aber jetzt in Rekonvaleszenz. — Das von Boyle angewandte Schutzmittel (luftgefüllte Gummipolster um Kopf, Hals und Brust) ist in den letzten Tagen in den Fachzeitschriften vielfaeh diskutiert und em- pfohlen worden. Zu Ehren des in Bournemonth verunglückten Rolls wird die Aereal League (Luftschiffahrts-Liga) des britischen Reiches jetzt eine „Nationale Flugschule“ gründen, deren Kosten im Betrage von 50000 Mk. durch Sammlungen aufgebracht werden sollen, während man Platz nud Gebäude von der Stadtverwaltung geschenkt zu erhalten hofft. Der Name Rolls soll «dauernd mit dieser Stiftung verbunden bleiben. Die Franenabteilnug derselben Liga hat ein Rolls-Stipendinm für Studien in aviatischer Mechanik beim „Reichsinstitut für Technik und Technologie“ gestiftet. Seite 481 „FLUGSPOoRT"“. No. 15 Während der großen Flottenmanöver an der Küste von Wales hat Mr. Grahame-White die Bedeutung der Flugmaschine für See- gefechte mehrfach praktisch bewiesen. Als die Flotte aus der Bucht von Torquay fuhr, flog er über sie hinweg nnd hielt sich längere Zeit in einer Höhe von 300 ın direkt über dem Könige auf, der auf lem Schlachtschiff „Dreadnouglht“ war. Ueber diesem Schauspiel vergaß die Bevölkerung ganz die sonst so gewaltige englische Schlacht- flotte mit ihren 50000 Mann Besatzung und den unzähligen Schiffen, die einen Wert von 2 Milliarden Mark repräsentieren, und alle Augen waren auf den kühnen Flieger gerichtet, der in einer Geschwindigkeit von 60 km ım Zickzack die viel langsamer fahrenden Schiffe be- gleitete. Man kann verstehen, daß die englischen Marine-Offiziere über diesen „unvermeidlichen Kerl in der Luft“ ennuyiert waren, aber andererseits hatte dieser Flug auch zur Folge, daß die Beden- tung der Flugmaschine für die Flotte in ernsthafte Erwägung gc- zogen wurde. Vor einer parlamentarischen Gruppe, die den "Titel „Parliamentary Aerial Defeuce Oommitee“ führt, hielt der bekannte Kommandant der englischen Militär-Ballonschule Oberst .J. E. Capper einen 1'% stündigen Vortrag, in welchem er diese Frage beleuchtete. Es entspricht der angenblicklichen englischen Stimmung, wenn er dabei auch besonders die Frage in Erwägung zog, ob der Aeroplan bei der Landung fremder Truppen im Falle einer Invasion zur Ver- teidigung gebraucht werden könne. An das am 6.-—-13. August in Lanark (Schottland) stattfindende zweite englische Internationale Flugmeeting knüpft man. große Erwartungen. Bisher haben die folgenden Flieger ihre Teilnahme zugesagt: Blondeau, Colinore, Alan Boyle, Graham Gilmour, ‚James Radley, Marcel Hanriot, Drexel, Leutnant Gibbs, Cecil Grace, „Ed- mond“, Vidart, Cattaneo, Chanoz, Cody, Audemars, Cockburn, B. Dickson, Ogilvie, Barnes, Kuller, Tetard. Die schon oft gerügte Unart des Publikums, bei schwierigem Wetter den Flieger zu waghalsigen Unternehmungen zu drängen, ist jetzt auch in England zu beobachten gewesen. In Newcastle (Irland) hatte der irische Flieger Harry Ferguson Flugversuche angekündigt, mußte sie aber des stürmischen Wetters wegen verschieben. Darauf durchbrach die Volksmenge die Einfriedigung des Platzes, warf die Maschine zu Boden, trampelte auf die Tragdecken und zerbrach alles, was nicht .niet- und nagelfest war. Etwas ähnliches ereignete sich bei dem Meeting in Blackpool, das am 28. Juli begann. Etwa 10000 Personen hatten ihr Eintrittsgeld bezahlt und warteten den ganzen Nachmittag vergeblich auf eine Vorführung. Endlich rib ilınen die Geduld; sie stürmten die Schranke, welche die Flugma- schinen vom Publikum trennt und drängten schon in die Flug- schuppen, wo sich etwa ein Dutzend Aeroplane befanden. Nur das Zugeständuis der Direktion, daß das Eintrittsgeld zurückgezahlt werden sollte, verhinderte schlimmere Ausschreitungen. Ueberhaupt hat das Meeting von Blackpool recht unglücklich angefangen. Die Flugmaschinen der Herren Roe und Grace wurden auf dem Wege nach Blackpool im Eisenbahnwagen. durch Brand zer- stört, und an zwei Nachmittagen tobte ein solcher Sturm, daß an Fliegen nicht zu denken war. Unter diesen Umständen ist es günstig, dab das Meeting in zwei Teile zerfällt, von welchen der erste voın No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 482 28. Juli bis 3. August, der zweite am 16.20. August stattfindet während in die Zwischenzeit das Meeting von Lanark fällt Die Meldungen für Blackpool zeigen ein bedeutendes Uebereewicht der Bleriot-Maschinen. Es haben gemeldet: ” Chavez (Bleriot-Monoplan), Cattaneo Bleriot), Drexel (Blerio Mac Ardle (Bleriot), Grace (Bleriot und Wright). orale Formen Biplan), Grahame-White (Bleriot und Farman), Radley (Bleri6t) Roe (eigener Triplan), Morane (Bleriot), Gibbs (Farman). — Die hier aufgeführte Bleriot-Maschine Whites ist dieselbe Maschine, mit welcher Morane auf dem Meeting von Bournmouth so erfolgreich war. Die in Blackpool ausgesetzten Preise betra ) ; OO AN g ragen Insgesammt Flugmaschinen-Motore., (Fortsetzung.) Einen neuen Rotationsmotor mit 5 Zylindern hat neuerdings die Firma Georg Hoffmann, Frankfurt a. M., herausgebracht. Die großen Erfolge der Rotationsmotore in Frankreich veranlaßten den Konstrukteur einen Motor für Deutschland zu schaffen. Wie beistehende Abbildung erkennen läßt, rotiert das Kurbelgehäuse um die feststehende Kurbelwelle. Letztere ist hohl ausgebildet und dient zur Zufuhr des Gasgemisches, Die Kolbenboden enthalten die Saugventile, welche entlastet sind. Um das Auspuffgeräusch zu reduzieren, ist ein Auspuffrohr, welches gleich- zeitig zur Versteifung der Zylinder dient, angeordnet. Rotationsmotor von Hoffmann. Das Gewicht dieses nenen Motors beträgt pro PS 1,3 kg und wird in folgenden Typen angefertigt‘ Seite 483 „FLUGSPORT“. j No. 15 3 Zylinder ca. 30 PS 5 » » 50 » 7 „ „ 80 „ 10 » „to „ 14 » „ 160 „ Die Schraube kann sowohl direkt gekuppelt, als durch Kettenübertragung in bekannter Weise angetrieben werden. Besonderer Wert ist auf die Schmierung der Zylinder gelegt worden. Durch geeignete Konstruktion und Anordnung der Kolben ist vermieden, daß das Oel im Uebermaße infolge der Zentrifugalwirkung aus den Zylindern herausgeschleudert wird. Auf den französischen Flugfeldern hat man in letzter Zeit verschiedentlich den neuen Motor von Esnaulit-Pelterie als vorzüglich nennen hören. Die 5 Zylinder (vergl. beistehende Abbildung) liegen nicht mehr wie bei den früheren Der neue Motor von Esnault-Pelterie. Motoren, in zwei verschiedenen Ebenen, sondern arbeiten jetzt auf einer Kurbel- kröpfung. Die Ein- und Auslaßventile werden durch einen zweiarınigen Hebel gemeinschaftlich gesteuert. No. 15 „FLUGSPORT.“ Seite 484 Der Vergaser ist in den Motorgehäuse über der Kurbelwelle angeordnet, von welcher strahlenförmig nach den Zylindern die Vergaserleitungen führen. Die Ventilstangen werden durch eine bekannte Steuerscheibe, in welche eine den Ventilhüben entsprechende Nute eingefräst ist, betätigt. Der Gesamtquerschnitt des Auspuffes ist sehr groß bemessen. Die Aus- puffrohre führen symetrisch nach beiden Seiten (cf. Abbildung). Dieser Motor besitzt 110 mm Zylinder-Durchmesser und 160 mm Hub und soll hierbei durchschnittlich 50 PS leisten (Forts. folgt.) Eine neue Luftschrauben-Versachsanlage. Eine neue Luftschrauben-Versuchsanlage hat die Firma Vickers, Sons & Maxim, Borrow -- in — Furness auf ihren Werken errichtet. Diese Ver- suchseinrichtung besteht aus einem ca. 50 m langen wagerechten Gitterträger, welcher in der Mitte durch ein Spannwerk an einer großen leicht drehbaren Säule aufgehängt ist. Die Versuchsschraube wird auf einen Bock eingesetzt und durch eine Transmission, welche über den Gitterträger durch die Säule nach einem Elektro- motor geleitei wird, angetrieben. Der Beobachtungsstand befindet sich inner- halb der Säule, in welcher sämtliche Meßinstrumente untergebracht sind. Der ganze Träger ist durch ein Gegengewicht auf der anderen Seite ausgeglichen. Luftschrauben-Versuchbsanlage Die Achse, auf welcher die Versuchsschraube sitzt, wirkt auf eine Feder und zeigt so den Achsialschub an. Mit diesem Apparat können Schrauben bis zu 120 km Geschwindigkeit geprüft werden. Für Vorversuche mag diese Prüfungseinrichtung genügen. Für genauere Messungen ist entschieden ein Schrauben-Versuchswagen auf gerader Strecke, wie wir ilın in Deutschland verwenden, vorzuziehen, da durch die Kreis- bahn, welche die Schraube beschreibt, entschieden korrekturbedürftige Messungen Seite 485 „FLUGSPORT“. No. 15 entstehen und die Luft in der Nähe des Arbeitsbereichs des Apparates in sehr stark wirbelnde Bewegung gesetzt wird, welche ein einigermaßen genaues Re- sultat nicht zuläßt. Fiugtechnische Rundschau. Inland. Der Kronprinz wohnte in Döberitz Flugversuchen bei. Am 28. Juli halb 7 Uhr startete Brunnhuber mit Hauptmann de la Roy als Passagier arı Bord in Gegenwart des Kronprinzen und Oberleutnant Huth zu einem Ueberlandflug. Er passierte die Dörfer Dyrotz und Wustermark, überflog den bei Priort liegenden Ba:ınhof der Kleinbahn Wildpark-Nauen und kehrte, einen weiten Bogen über den Truppenübungsplatz fliegend, zu seinem Flugplatz zurück. Nachdem er den- Der Kronprinz wohnt den Fiugversuchen iu Döberitz bei. Im Apparat Brunnhuber u. Hpt. de la Roy. X. Oberleutnant Huth. selben noch mehrere mal umkreist hatte, wandte er sich dem nördlich gelegenen Verschiebebahnhof Wustermark zu und landete nach halbstündiger Flugdauer. Die von Offizieren während des !'Iuges genommene Ilöhe betrug 200 Meter. In Johannisthal ist in den letzten Tagen tüchtig gearbeitet worden. Am 28. Juli stellte Wiencziers mit 700 m einen neuen, deutschen Höhenrekord auf. Poulain führte mit Frau Kluytmann auf seinem Eindecker einen Passagier- flug aus. Dorner hat am 20. Juli starkes „Kleinholz“ gemacht und seinen Apparat vollständig zertrümmert. Der arme Dorner hat eben kein Glück. An der Berliner Flugwoche werden 14 Flieger mit 25 Maschinen teil- nehmen. Es haben sich gemeldet : Kapitän Engelhard (2 Wright), Thelen (2 Wright), Keidel (2 Wright), Schauenburg (1 Wright), Heim (2 \Vright), Jeannin (2 Aviatik Doppeldecker), Wiencziers (3 Antoinette-Maschinen von Pilot), Laitsch (1 Voisin), Grade (2 Grade), Plochmann (1 Grade), Brunnhuber (2 Sommer und 1 Farman No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 486 gemeldet durch Oberltnt. Huth), Ellery von Gorrissen (1 Euler), Behrend (Schultze- Herford) und Dorner (1 Dorner). Erich Lochner hat noch in letzter Stunde eine Euler -Fiugmaschine zur Berliner Flugwoche gemeldet. Die Sportkommission, welche für Zulassiing ausschlaggebend sein soll, war leider in 3 Tagen nicht zu erreichen. Von Seiten der Berliner Flugplatz-Gesellschaft wurde Lochner mitge- teilt, daß die Zulassungskommission vor nächsten Sonnabend, kurz vor dem Meeting, nicht mehr zusammen zu bringen sei, um über die einige Stunden ver- spätete Nennung zu entscheiden. Die gemeldete Flugmaschine wird in den Berliner Zeitungen als eine „Euler-Schubert“-Maschine bezeichnet, Wer ist denn Schubert? Uns unverständlich ! Die Baden-Badener Flugtage, welche am 24. Juli zu Ende gingen, hatten unter der ungünstigen Witterung sehr zu leilien. Den Totalisationspreis von Bilder aus Baden-Baden. Oben: Behrend im Fluge. Unten: Amerigo, Jeannin, Behrend. 2000 Mark für 61 Min. 56 Sek. erhielt Jeannin, den 2. Preis, 1500 Mark, für 56 Min. 41 Sek. Behrend. Amerigo hat info'ge des ungünstigen Wetters das Fliegen ganz aufxegeben. Seite 487 „FLUGSPORT“. No. 15 Ausland. Eindecker Requila. Diese Maschine besitzt bei einer Spannweite von 10 m 20 qm Tragfläche. Die Gesamtlänge beträgt 7 m. Mit dem 50 PS Gnom- Motor wiegt die gesamte flugfertige Maschine 400 kg. No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 488 Eindecker Nicois I. Maurin & Willaume haben für Nicois einen Eindecker von 9 m Spannweite und 7 m Länge gebaut. Die Tragfläche beträgt 22 qm. Zum Betriebe dient ein 45 PS Motor von Clement Bayard. Der Apparat wiegt mit Führer 340 kg. Eindecker von Requila. (Vorder- und Seitenansicht.) Eindecker Henry Chazal Henry Chazal hat einen Eindecker mit vorn iegendem Höhensteuer und hinten liegender Stabilisierungsfläche gebaut. Das Seitensteuer ist hinten. im Schwanz untergebracht. Zum Betriebe dient ein Eindecker von Henry Chazal. 40 PS E.N. V.-Motor, welcher vermittels Gall’scher Kette eine Chauviere-Schraube von 2,40 m Durchmesser antreibt. Für die Schräglagensteuerung sind besondere Steuerklappen vorgesehen. Oben: Eindecker Nicois 1. Unten: Eindecker Nieuport. Eindecker von Nieuport. Diese Maschine zeigt in ihrer konstruktiven Durchführung eine bemerkensw«rte Einfachheit, Das Fahrgesteli besteht aus einer Kufe, an welcher ein Räderpaar aufgehängt ist. Höhen- und Seitensteuer sind im Schwanz untergebracht und s’'nd in einem Cardan beweglich. Zum Be- triebe dient ein 30 PS Darracg-Motor. Die Maschine hat sich in Reims sehr gut bewährt. Die Flugmaschine im französischen Heercsdienst. In den demnächst stattfindenden großen Manövern der französischen Armee werden beiden Geg- nern zum ersten male offiziell Flugmaschinen-Detachements, bestehend aus je 8 Fliegern, zur Verfügung gestellt. Die Verwendungsmöglichkeit wie Aufklärungs- dienst, Auswerfen von Sprengkörpern etc. soll praktisch versucht werden. Von den Wiener Steinfelde,. Ca.i Warchalowski erwarb am 28. Juli das Flugmaschinenführerzeugnis. Hauer stürzte auf dem Apparat von Bader aus 15 m Höhe ab. Die bekannten Flieger v. Umlauff, v. Petroczy führten unter anderen sehr schöne Flüge aus. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. 77h. St. 13300. Vorrichtung zum Landen und Abfliegen von Luftfahr- zeugen. Heinrich Strieffler, Landau, Pfalz. 7. 9. 08. Seite 489 „FLUGSPORT“. No. 15 4 Gebrauchsmuster. .. ‚77h. 424131. Schutzvorrichtung für Luftfahrzeuge, bestehend aus Gondel, eüigeh Segel und Steuer. Hermann Campe, Berlin, Seestr. 68B. 2.5. 10. R 7rh._ 426164. Gondel für Luftfahrzeuge mit Fußrasten. — Hermann Schubert, Zittau. 9. 6. 10 Sch. 36045. 7rh. 426191. Fiugapparat in Form eines Torpedos. — Wilhelm Rade- macher, Neustadtgödens. 4. 5. 10. R. 26948. » 7rh. 42709. Federnde Lagerung für Laufräder oder Kufen von Flug- apparatenı. — Siemens-Schuckertwerke G. m. b. H., Berlin. 25. 11. 09. S. 20 883. 77h. 427251. Ausbalanciertes Steuer für Flugmaschinen. — O.R. Max Weiße, Berlin, Boxhagenerstr. 38. 19. 2. 10. W. 29936. Th. 427252. Gestell für Flugmaschinen mit Tragflächen in Form von Nürnberger Scheren. — O.R. Max Weiße, Berlin, Boxhagenerstraße 38. 19. 2. 10. W. 29937. zrh. 427413. Drachenflieger in Form eines langgestreckten Rechtecks mit seitlich daran anschließenden Kurvensteuerflächen. — Karl Schermer, Lehe. 14.6 10. Sch. 36549. Besuch der Japanischen Kommission bei der Wright-Gesellschaft. Von links nach rechts: q Oberlt. Mente, Fridolin Keidel, Hauptm. Hino, Japaner (unbekannt), ‘Dir. Klose, Oberst One, Major von Tschudi, Hauptm. Hildebrand. . 77h. St. 13527. Vorrichtung zum Landen und Abfliegen von Luftfahr- zeugen; Zus. z. Anm. St. 13300. Heinrich Strieffler, Landau, Pfalz. 26. 11. 08. 77h. St. 13776. Vorrichtung zum Landen von Luftfahrzeugen; Zus. z. Anm. St. 13300, Heinrich Strieffler, Landau, Pfalz. 20. 2. 09. No. 15 _ „FLUGSPORT“. Seite 4% 77h. St. 14092. Vorrichtung zum Abfliegen und Landen von Luftfahr- zeugen; Zus. z. Anm. St. 13300. Heinrich Strieffler, Landau, Pfalz. 24. 5. 09. 77h. Sch. 29869. Drachenflieger. Paul Schneider, Tegel, Hauptstr. 28. 6. 4. 08. 7rh. St. 14313. Vorrichtung zum Landen von Luftfahrzeugen; Zus. z. Anm. St. 13300. — Heinrich Strieffler Landau, Pfalz. 26. 11. 08. \ 7rh. H. 44837. Wendeflügelrad für Flugmaschinen mit gleichzeitigem Auf- und Vortrieb. — Karl Hahlweg, Stettin, Paradepl. 3. 3. 10. 08. Patenterteilungen. 77h. 224053. Schraubenpropeller. Dr. Ing. Hans Reißner, Aachen, Lütticherstr. 166. 13. 8. 09. R. 29076. 7rh. 224.476. Luftschraube aus einer Fläche mit ellipsenartigem Grundriß — Antoine Padoue Filippi, Paris; Vertr.: B. Petersen, Pat.-Anw., Berlin SW 11 22. 9. 07. F. 24219. Verschiedenes. Deutsche Fiugmaschinen nach Japan. Nachdem die von der Japanischen Regierung zum Ankauf von Flugmaschinen entsandte Kommission einen längeren Aufenthalt auf den französischen Fiugplätzen genommeu hatte. trafen die Herren vor kurzem in Berlin ein, um auch die deutsche Fabrikation kennen zu lernen. Nach einem Besuch der Fabrik der Deutschen Wright-Gesellschaft in Reinicken- dorf entschlossen sich die Mitglieder Passagierflüge auf dem neuen Modell in der Fliegerschule der Wright-Gesellschaft in Adlershof zu unternehmen. Die Japanischen Offiziere wurden von Korvettenkapitän Engelhard und Fridolin Keidel in einigen Rundflügen mit der Wirkungsweise der Verwindung und Besuch der Japanischen Kommission bei der Wright-Geselischaft. Hauptmann Hino mit seinem Lehrer Keidel auf einer für Japan bestimmten Wright-Maschine. Seite 491 „FLUGSPORT“ No. 15 Steuerung der Wrightmaschinen etc. vertraut gemacht und äußerten sich außer- ordentlich befriedigt über die schönen Fiüge, speziell über die gute Stabili- sierung der deutschen Wrightmaschinen, sodaß sich Herr Oberst Ono entschloß, dem anwesenden Direktor Klose der Wright-Gesellschaft den Auftrag sofort zu erteilen. Die erste Maschine soll bereits Anfang August nach Japan exped ert werden. Die Offiziere haben ebenfalls mit dem Unterricht begonnen. Besuch der Japanischen Kommission bei der Wright-Gesellschaft. Außerordentliclh entziickt war die Kommission über den prächtigen Ueber- landflug des Fliegers Thelen, der am gleichen Abend von einem Ausflug nach Marienfelde zurückkehrte. Unser Bild zeigt die Japaner mit dem erfulgreichsten deutschen Wright-Piloten. Literatur. Leitfaden der Luftschiffahrt und Flugtechnik von Dr. Raimund Nimfiühr. Preis geb. Mk. 13,50. A. Hartlebens Verlag Wien und Leipzig. Die vor zwei Jahren erschienene erste Auflage dieses Leitfadens von Nim- führ hat in Fachkreisen große Anerkennung gefunden und war bereits gegen Ende vorigen Jahres vergriffen. Diese freundliche Aufnahme gab Veranlassung zu der Herstellung einer zweiten, wesentlich verbesserten Auflage. In der neuen Auflage ist das rein theoretische Kapitel über die Stabilisierung der Drachen- flieger weggelassen. Dafür ist dem Fortschritt der Flugtechnik ein breiter Raum gewährt worden. .. ++ An&konstruktiven Zeichnungen, die in dem Leitfaden Aufnahme gefunden haben, sind zu erwähnen der Bieriot Nr. 12, die Antoinette-Maschine, der Santos Dumont,*!der Farman sowie Fahrgestelle etc. Diese Konstruktionszeichnungen entstammen der Zeitschrift „Llugsport“ aus Nr. 24, 25 und 26 vom Jahrgang 1909 und Nr.%4 1910. Leider hat der Verfasser übersehen, den „Flugsport“ als Quelle anzugeben. “> No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 492 Katalog der Historischen Abteilung der ersten Internationalen Luftschiffahrt- Ausstellung (ILA) zu Frankfurt a. M. 199 von Dr. L. Liebmann und Dr. G. Wahl. 76 Abbildungen und 2 Tafeln. Preis brosch. M. 24.— geb. M. 26,50. Verlag von Franz Benjamin Auffarth, Frankfurt a. M. Demnächst wird ein ausführlicher Katalog mit Kommentar der Historischen Abteilung der „Ia“ erscheinen. Es ist eine ser dankensworte Aufgabe, der Nachwelt einen Leitfaden über die wichtigsten Gegenstände, welche noch nie in einer derartig vielseitigen Weise wie in Frankfurt zusammengeströmt waren, zu eben. Für Forschungsarbeiten ist dieser Katalog von unschätzbarem Wert. ir werden später auf die Erscheinung zurückkommen. Briefkasten. H. G. in Hamburg. Der neue Bleriot No. 13 mit 50 PS Gnom-Motor wird in Paris mit 25000 Francs verkauft. Der 50 PS Gnom braucht pro PS und Stunde 300—350 g Benzin. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankiurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender :: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377 2. » Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37a. 2. 1» Kaufmann Müller. Kassierer: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. Flugwart: Josef Bechler. Materialverwalter: Fabrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in dem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Seite 8°. „FLUGSPORT“. _________ Ne 15 T 4 m EEREFEEITTTTTTITIEEFERT IETH stil III) Ill) Offizielle En > Mitteilungen RL Ar L BEN des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557. Vorstand: l. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. .n Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Öskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. . Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. . Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: 1. Vorsitzender: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. 2. „ Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. n Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen. Schriftführer : Dr, Albert, Holten. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. Stellvertr. Schriftführer und Kassierer: Kaufmann u. Oberleutnant d. R. Knigge, Oberhausen, l. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 2. „ Architekt Schnarre, Holten 3. R Flugtechniker Nihues, Wesel. 4. w - Gutsbesitzer Tender, Holten. 5 n Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. 6. n Kaufmann Zündorf, Marxloh. Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. Beigeordneter Sigloch, Hamborn. Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. Redakteur Krause, Köln. „ Oberingenieur Weidler, Oberhausen. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteı Rudolf Huhn, Oberhausen zu richten. No. 15 „FLUGSPORT“. Seite 494 Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Geschäftsstelle: :Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . 2 2 2 m 2 2 nee en... Tel. 2701 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. (Tel. 10972). In den letzten Tagen gingen mehrfach Notizen durch die Tageszeitungen laut welchen am Sonnabend eine sogenannte Breslauer Flugwoche ihren Än- fang nehmen soll. Auf vielseitige Anfragen hin halten wir es für geboten, be- sonders darauf hinzuweisen, daß der Schlesische Flugsportclub sowie auch seine Mitglieder, die Herren Heidenreich und Ingenieur Fahlbusch der An- gelegenheit völlig fern stehen. Es entspricht durchaus nicht dem Wesen des Clubs, mit unfertigen Dingen an die Oeffentlichkeit zu treten. Wie verlautet, hat auch die Ostdeutsche Flugindustrie G. m. b. H. mit der beabsichtigten „Flug- woche“ nichts zu tun. Vielmehr hat die Ostdeutsche Flugindustrie nur gestattet, daß die Schlesischen Flieger, welche die Fliegerschuppen auf ihrem Fluggelände gemietet haben, während der Zeit Flugübungen machen dürfen, während welcher der „Parseval“ in Oberschlesien weilt. Auch ist das Fluggelände während der Uebungen für das Publikum gesperrt. Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Greschäftsstelle: Weststraße 2811. Vorstand: Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 28L. Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. 2. Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller. Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vereinslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. ,„ Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schriftführer: C. Kremer, Kaufmann. Schatzmeister: Car! Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Josef Wahlen, Assessor, Setie 495 „FLUGSPORT“. No. 15 Zuschriften sind zu richten an den 1. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst, Düsseldorf, Graf Adolfstr. 83. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Club-Abend statt. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Heinr. Jahn, Schritführer. Jos. Lang, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission. Der Aviatikerklub Karlsbad hielt am 28. Juli in seinem Klubheim im Hans Sachs-Keller (Hotel Nürnberger Hof) eine Hauptversammlung ab, welche wiederum einen zahlreichen Besuch aufwies. Daß das Interesse für diese Neu- gründung ein lebhaftes ist, beweist die verhältnismäßig große Zahl von neuen Beitrittsanmeldungen, so daß der Klub trotz seines erst einwöchentlichen Be- stehens bereits 35 Mitglieder zählt. Der Präsident Ludwig Stark begrüßte die Erschienenen: auf das Herzlichste, indem er seiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck gab, und erteilte Ingenieur Petrik das Wort, der zunächst das Arbeitsprogramm des Klubs entwickelte. In erster Linie müsse es sich darum handeln, durch Abhaltung volkstümlicher Vorträge zur allgemeinen Aufklärung und Vertiefung des Wissens über die Flugtechnik und verwandte Gebiete bei- 'zutragen. Zu diesem Behufe werden zweimal monatlich Klubabende abgehalten werden. Im Sommer werden dann auch Experimente im Freien und Schauflüge ver- anstaltet werden. Bezüglich der Schaffung des in den Statuten vorgesehenen tech- nischen Beirates werden die Wahlen in denselben erst dann vorgenommen, wenn der Klub eine größere Anzahl technisch gebildeter Mitglieder zählt. Hierauf hielt Ingenieur Petrik einen Vortrag, in welchem er einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Flugtechnik gab. Redner befaßte sich zunächst mit dem Jesuiten Francisco Lana, der schon im Jahre 1670 mit seinem damals großes Aufsehen erregenden Buche „Prodromo overo saggio de alcune inventioni nuove dremesso all’arte maestra“ die Vorarbeiten zur Erfindung unseres heutigen Luft- ballons schaffte. Sein Luftschiff sollte luftleer gepumpte Metallblechkugeln tragen. Es handelte sich aıso um die Verwertung des Archimedischen Prinzips, welches zum ersten Male seine Früchte in Portugal trug, woselbst schon 1709 Don Gusmao vor dem König Don Juan V. in Lissabon aufstieg. Ein teilweiser Mißerfolg brachte dem Erfinder Spott ein und die Erfindung geriet in Vergessen- heit. Erst 1783 wurden die Versuche wieder durch Montgolfier aufgenommen, der zu Annonay einen mit warmer Luft gefüllten Ballon öffentlich auffahren ließ. Und nun ging es Schritt für Schritt vorwärts Redner schildert nun mit großer Sachkenntnis die verschiedenen teils erfolgreichen, teils mißlungenen Versuche auf diesem Gebiete, würdigt ausführlich die Tätigkeit der Bahnbrecher, wie Pitatre de Rozier, Gifard, Dupuy de Lome, Paul Hänlein, Renard und Krebs, Wölfert, Otto Lilienthal usw. bis auf die modernen Zeppelin, Parseval, Groß, Santos Dumont u. a. Als Ingenieur Patrik nach anderthalb Stunden seinen Vor- trag beendet hatte, tohnte-ihn-reichlicher Beifall. Hornoff erklärte sodann an der Hand eines sorgsam gearbeiteten Modells den von ihnı erfundenen Dreitecker, bei dem vor allem darauf Bedacht genommen ist, einen eventuellen Absturz möglichst gefahrlos zu gestalten, was der Erfinder durch eine eigenartige Anbringung der Steuerungen, ausbauchende Tragflächen usw. zu erreichen hofit. Es entwickelte sich hierauf eine recht lebhafte Wechselrede über verschiedene aviatische Fragen, an der sich Mitglieder und Gäste beteiligten, worauf Präsident Stark die Versammlung mit einem Dank an die Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen und das Interesse, das sie an den Verhandlungen bekundet, schloß. Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Rep:esentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonnitre 159. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bel portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 16. Frankfurt a. M., 17. August 1910. Jahrg. I. Deutscher Fliegerbund. Ueberlandflug Frankfurt-Mainz-Mannheim. Das größte deutsche flugsportliche Ereignis, der Ueberlandflng Frankfurt a. M.-Mainz-Mannheim, hat am 16. August begonnen. Für den Flug hatten gemeldet: 1. v. Tiedemann (auf Sommer), 2. Erich Lochner (auf Enler), 3. v. Gorrissen (anf Euler), 4. v. Mıumm (auf Antoinette), 5. ‚Jeannin (auf Farman,) 6. Wiencziers (auf Antoinette), 7. Lindpaintner (auf Sommer), 8. Thelen (auf Wright), 11. Ploch- mann (auf Grade) 12. August Euler (auf Euler). Lochner, ein Schüler Eulers, war am 10. August lıier in Frank- furt eingetroffen uud eröffnete am 13. August den Reigen mit einem Ueberlandflug von 1’ Stunden. Der Aufstieg erfolgte vormittags 5 Uhr 24 Min. vom Griesheimer Exerzierplatz aus. Lochner um- kreiste zunächst; mehrmals den Exerzierplatz und verschwaud daun in 80 m Höhe in südlicher Richtung. Er flog über Schwanheim nach Kelsterbach und von da nach Raunheim, Rüsselsheim. Er ımkreiste die Opel’sche Fabrik und flog dann in 100 m Höhe wieder zurück nach dem Exerzierplatz, wo er & Uhr 54 Min. vor seinem Schuppen landete. Es ist bedauerlich,h daß Lochner, welcher hiermit die Be- dingungen des früheren Opelpreises erfüllte, für seine Leistung nicht belohnt wird. - - Am Sonntag begann auf dem Griesheimer Exerzierplatz e ein reges Treiben. Die 14 Fliegerschuppen. welche 16 Maschinen beherbergen können, fangen an sieh nach und nach zu füllen. Außer Lochner hat v. Tiedemann mit dem Training begonnen. Sonntag abend führte Lochner um 6 Uhr 30 Min. in 50 m Höhe mehrere Rundflüge ans, bei welchen er das Niddatal und Sossenlieim passierte Gegen 7% Uhr zeigte sich plötzlich am Horizont im Süden des Exerzierplatzes über dem Goldsteinor Wald eine £lugmaschine, an deren charakteristischer Sillinuette die anf dem Platze anwesenden Seite 497 „FLUGSPORT"“. No. 16 Fachleute die Maschine Eulers erkannten. Euler zog in großer Ge- schwindigkeit im 100 m Höhe in rmhigem sicheren Fluge über den Main und landete, einen großen Bogen beschreibend, direkt im Gleit- fluge auf dem südlichen Teil des Exerzierplatzes, Es ist dies das erstemal, daß in Deutschland ein Flieger anf dem Flugwege sich zu einer Konkurrenz begeben hat. Euler war um 6 Uhr 55 Min. in Griesheim bei Darmstadt aufgestiegen und überflog die Ortschaften Büttelborn, Groß-Geran, Nanheim, Schönauer Hof, Rüsselsheim, Raun- heim, Mönchshof, Sindlingen, Schwanheim, Goldstein und traf 7 Uhr 32 Minuten in Frankfurt eiu. Er benötigte demnach für die 40 km lange Strecke 37 Minuten. Euler wurde von der anwesenden Ober- leitung des Ueberlandfluges, Herrn Oberst Ilse, zu seinem Erfolg be- glückwünscht. Die neue Maschine von Enler, mit welcher er den Ueberlandflug ausführte, ist in beistehenden Abbildungen dargestellt. Kurz vor Eintreten der Dunkelheit war ex v. Tiedemann ge- lungen, seinen Apparat in Ordnung zu bringen. Er führte, rasch auf 50 m steigend, eineu Flug von mehreren Runden aus, “ Neuester Euler-Typ. (Seiten- und Rückansicht.) Am 16. August 5 Uhr morgens begannen die Vorbereitungen für den Mainzer Flug um den Zuverlässigkeitspreis. Leider brachte der erste Aufstieg einen Unfall. Um 6 Uhr 15 Min. wollte v. Tiede- mann einen Probeflug ausführen. Nach kurzem Anlauf stieg der Ap- parat rapid auf 30 m Hölle und glitt plötzlich, halb nach rechts sich umschlagend, ab. v. Tiedemann wurde sofort von den bereitstehenden Hilfsmanuschaften aus seiner Lage befreit nd von den anwesenden fa) „FLUGSPORT“. Seite 498 1% - Diego Er, Thelen »- ?aueno ersten deutschen Flugzeugfüht®‘ | Seite 499 „FLUGSPORT“. No. 16 Acorzten in Behandlung genommen. Es konnte festgestellt werden, daß die Verletzungen glücklicherweise nicht lebeusgefährlich sind. v. Tiedlemann gab an, daß die Stenerung plötzlich versagt lıabe, so dab er nicht in die Kurve gelangen kounte. Nach Anlegung von Not- verbänden brachte man den Flieger ins Städtische Krankenhans, von wo er sich um 12 Uhr über den Stand der Konkurrenz erkundigte. Sein Befinden ist zufriedenstellend. Vom Ueberlandilug Frankfurt a. M.—Mainz—Mannheim. Oben: von Mumm vor dem Start. Mitte: von Tiedemanns abgestürzte Maschine. Unten: Plochmann vor dem Start. - . Um 10'% Uhr sollte der Start um den Zuverlässigkeitspreis- be- ginnen. Infolge der ungünstigen Windverhältnisse und bestellenden (ewitterstimmung nahmen die meisten Flieger davon Abstand, zu starten. Die Windrichtung wechselte fortwährend. Um 11 Uhr 15 Min. erschien v. Mumm am Start ınd machte energische Versuche hoch zu kommen. Nachdem er bei einem dritten Versuch su einem Stoppelfeld dicht bei der Landstraße wieder zu Boden gedrückt wurde, gab er den Flug auf. Plochmann, welcher gleichfalls zu starten versuchte, wurde durch eine Gewitterböe zu Boden gudrückt und zerbrach sich Jdax Fahrgestell. No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 500 Kurz vor 12 Uhr gab die Oberleitung das Zeichen, daß für den Mainzer Preis nicht mehr gestartet werden könnte. Am 16. Aug. begaunen nm.7 Ulr abends weitere Probeflüge. Lochner, welcher in der Richtung nach Cronberg abgeflogen war und die Nidda passierte, mußte plötzlich infolge Aussetzens des Motors aus 80 m Höhe im Gleitfluge landen. Gegen 7 Uhr 30 Min. probierte Thelen seine Maschine und führte melırere schöne Runden aus. Am Mittwoch, den 17. Aug. startete morgens frülı 5 Uhr 5 Min. 54 Sek. R. Thelen mit von Gorrissen als Passagier. Er stieg schnell auf 30—40 m Höhe und verließ den Platz in der Richtung auf Höchst. Thelen passierte um 6 Uhr 25 Min. 45 Sek. den Zielriehterpunkt aın Fesselballon auf dem Mainzer Sande in 280 m Höhe und flog ın der Richtung nach Worms davon. In der Nähe von Weisenau platzte plötzlich ein Zylindermantel, wodurch Thelen gezwungen war zu landen. Die 85 km lange Strecke Frankfurt-Mainz hat 'Whelen in 32 Min. zurückgelegt. (Siehe letzte Nachrichten.) Le Circuit de l’Est. Ein Triamph der Aviation. Von unserem Pariser Korrespondenten. Wie immer man über die rein rechnerischen Motive des „Matin“ und über die lärmhafte Aufmachung denken mag, mit der er seinen „Circuit de YEst“, den Riesenfernflug durch Frankreich, in Szene ge- setzt hat, das eine wird man dem genannten Blatte nicht absprechen können, daß es sich auf die Organisation derartiger Sensations-Arran- gements vortrefflich versteht. Wer hätte nicht, noch vor einem Jahre nur, gelächelt, wenn man vorausgesagt hätte, daß in diesem Sommer unsere modernen Aero- plane einen Fernflug von 800 km über eine vorher genau abgesteckte Strecke und in sechs Etappen unternelimen werden, die an bestimmten Tagen und innerhalb bestimmter Stunden zurückzulegen sind. Gewiß war dazu in allererster Reihe die unvergleichliche Entwicklung der Aviation, die gewaltige Arbeit von Wissenschaft und Technik not- wendig, aber der bekannte Bleriot-Pilot Aubrun hatte wohl das rich- tige getroffen, als er dieser Tage sagte: „Wir hängen nicht etwa nur von unseren Maschinen und vom Wetter ab, sondern weit mehr noch von dem Glauben, den die Menschheit in uns hat, jenem Vertrauen, das größer ist, als wir es selbst-zu ums haben, das uns große, un- überwindlich scheinende Aufgaben stellt, une das uns den Impuls zu rastlosem Fortschreiten eingibt.“ Man muß die Eigenart der Franzosen, ihr leicht zu erregendes M *. 7 * .- x Nationalgefühl kennen, man muß in jahrelanger Beobachtung erkannt haben, welche Resonanz in Paris jede Kulturbewegung, zumal wenn sie geeignet ist, die französische „Suprematie* in den Vordergrund zu rücken, findet, um zu begreifen, welche fieberhafte Aufreaüig sich (ler Massen bemächtigt hatte, eine Aufregung, die mit jedem Tage, welcher das „Ereignis näher brachte, an Intensität zunahm und f2]; : * rlar Pay schließlich in dem Massenauszug der Pariser nach Issy eudete. Man Seite 503 „FLUGSPORT“. No. 16 flug, daß 16 der Aviatiker „bestimmt“ starten werden und er brachte sogar langatmige Interviews mit den 16 präsumptiven „Helden“, in lenen diese ihre absolute Siegeszuversicht zum Ausdruck brachten. Am Sonnabend (der Abflug war auf Sonntag früh angesetzt) ging es denn zu Issy-les- Moulineaux recht lebhaft zu und von allen Seiten kamen die Avia- tiker auf dem Luft- und Landwege herbei. Einen triumphalen Prolog zu dem Circuit lieferten Latham und Weymann, welche beide, die Champagne und die Marne iiberquerend, auf dem Luftwege in Issy eintrafen. Aber diese schönen Leistungen Lathams und Weymanns sind am selben Tage von den Offiziers-Aviatikern sogar noch überboten worden. Der Leutnant Cronier von den 2. Kürassieren war, mit Leutnant Jost vom 3. Jäger-Bataillon an Bord, von Caen auf dem Luftwege nach Paris gekommen. Sie waren um 5 Uhr morgens von Caen abgeflogen und etwa 1';, Stunde später in der Nähe von Evreux gelandet, von wo sie um 6 Uhr abends wieder abflogen, um gegen acht Uhr zu Vincennnes einzutreffen, wo sie der telegraphisch benachrichtigte Oberstleutnant Estienne erwartete. Die Landung in Evreux, etwa 130 km von Caen, hatten die Offiziere vorgenommen, weil ihnen in dem ihnen vom Mititär- Gouverneur erhaltenen Flugbefehl die Aufforderung dazu erteilt worden war. Die ı ffiziere des in Evreux garnisonierenden 10. Dragoner-Regiments hatten ihre Kameraden erwartet und Oberst Trafford hatten einen herzlichen Empfang für sie bereiten lassen. In einer beachtenswerten Ansprache führte Oberst- leutnant Estienne aus, daß dieser Flug, zu dem die Offiziere kommandiert worden waren, ihnen zeigen sollte, welcher Art die Beteiligung der Armee an dem Circuit sein muß. „In unserem Sinne soll dieser Bewerb nicht sportlicher, sondern rein militiärischer Natur sein, das heißt, die daran teilnehmenden Offiziere sollen genau in die Lage versetzt werden, als ob es im Kriegsfalle wäre. Ohne vorher präparierte Aerodrome, ohne gezeichnete Strecken, die Karte und den Kompaß in der Hand, so hat der Offizier zu fliegen. Unsere Offizierspiloten waren in in Mourmelon, in Villacoublay und in Caen. Wir haben ihnen nicht gesagt, kommt nach Issy, um euch mit den anderen Bewerbern zu vereinigen. Wir haben vielmehr gesagt: Wo Ihr Euch auch befindet, versucht mit eigenen Mitteln, wann und wie Ihr es für geeignet und ausführbar haltet, Nancy zu erreichen, als gemeinsamen Sammelpunkt. Unterwegs habt Ihr diese und diese Erkundi- gungen zu machen, genau als ob es sich um eine Rekognoszierung im Felde handelte. Die Aviateure von Caen waren die entferntesten, deshalb sind sie zuerst abgeflogen. Aber ihre Aufgabe ist nicht beendet; sie haben sich morgen bei Tagesanbruch wieder in die Atmosphäre zu erheben, einem neuen Bestimm- ungsorte entgegen. Sie werden von hier aus direkt nach Chalons gehen und von dort des Abends aufs neue nach Nancy aufbrechen. Zu gleicher Zeit werden andere Offiziers-Piloten von anderen Punkten nach demselben Ziele auf- brechen. Wenn dieser militärische Aviationsbewerb reussiert, wie ich zuversicht- lich hoffe, so wird er ein historisches Datum darstellen, das Datum desjenigen Tages, an dem die Aviation praktisch ein Mittel der Kriegsführung geworden ist.“ ... - Die Ansprache des Oberstleutnant Estienne, des Leiters des Militärflug- wesens in Frankreich, ist in extenso wiedergegeben worden, weil sie klar zeigt. in welchem Sinne und mit welchem Ernste die französische Heeresverwaltung die Aviation fördert und mit welchem Erfolge sie das seit einem Jahre bereits getan hat..... Am Sanntag morgen bot das Manöverfeld von Issy mit seinen unzähligen Menschenscharen, mit dem imposanten Gürtel von Automobilen und Fuhrwerken aller Art einen unvergeßlichen Anblick. Der schon eingangs erwähnte vorzüg- liche Ordnungsdienst hatte in der Mitte jenes lebenden Gürtels das immense Feld freigemacht, das sich den erwartungsvollen Blicken in seiner unübersehbaren Ausdehnung darbot. Um 4 Uhr wird der erste Apparat aus der Halle gezogen. Allmählich bricht die Dämmerung an und nun erkennt man den Eindecker Noels, der auf dem Boden dahinrolit und sich in die Luft erhebt. Jetzt kommt der Appa- rat von Leblanc und Kurz darauf der von Breögi hervor; beide erheben sich in die Luft, Während dieser Vorbereitungen wächst die Spannung des Publikums aufs äußerste, alles deutet darauf hin, daß der Anfang naht, Estaffeten eilen geschäf- tig hin und her, eine Kavallerieabteilung setzt im Galopp über das weite Feld. An den nunmehr sämtlich herausgezogen Maschinen machen sich die Mechaniker zu schaffen, ziehen hier noch einnıal eine Schraube an, spannen dort nochmals [2 > FI No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 504 einen schlaffen Draht. Plötzlich hört man einen tausendstimmigen Schrei: „il part“ Und in der Tat sieht man Aubrun auf seinem kleinen Bleriot nach einer schönen Schleife über dem Manöverfelde sich direkt in der Richtung nach Mon- trouge entfernen, in das goldige Licht der soeben aufgehenden Sonne getaucht. Und während noch aller Blicke dem dahineilenden Riesenvogel folgen, erhebt sich ein zweiter zum Abflug; es ist Leblanc, gleichfalls auf einem Bl£riot-Ein- decker, dann folgen Mamet und Lindpaintner, letzterer auf einem Farman. Diese vier ersten Apparate sind in kurzer Zeit hintereinander abgeflogen, alles war in Ordnung. Jetzt folgen die schwierigeren Abflüge. Die Zweidecker von Bievoluciec und Bregi umkreisen erst mehrere Male das Feld, bevor sie starten; auch der Eindecker von Busson umschreibt zahlreiche Kurven und landet wieder- holt, bevor er sich entschließt, den anderen zu folgen. . Im ganzen haben acht den Abflug genommen: Aubrun (Bleriot), Bregi (Voisin), Legagneux (Farman), Leblanc (Bleriot), Weymann (Farman , Busson (Bleriot), Lindpaintner (Sommer), Mamet (Bleriot. Zum allgemeinen Erstaunen hat Latham erklärt, daß ihn ein körperliches Unbehagen verhindere, am Abflug teilzunehmen. Es ist das in hohem Maße bedauerlich, da nun kein einziger An- toinette, ja sogar kein einziger Eindecke" außer der Bleriot-Type am Bewerbe teilnimmt, sodaß bei der anerkannten Ueberlegenheit der Eindecker über die Zweidecker der Ausgang des Bewerbes, von unvorherzusehenden Zufällen abge- sehen, kaum mehr zweitelhaft ist. Uebrigens hat Latham denseiben Nachmittag die Heimreise im Aeroplan angetreten; er ist auf dem Luftwege nach Maillebois, dem Wohnsitze seiner Mutter gegangen... . Circuit de l’Est. Leblanc fliegt nach Douai Während die kühnen Piloten die ihnen vorgeschriebene Strecke, welche durch verschiedenfarbige Fahnen,die auf hohen Gebäuden, auf Fabrikschornsteinen und auf Kirchtürmen allenthalben die Strecke entlang angebracht sind, gekennzeich- net ist, verfolgen, harrte draußen in Issy die Menge unbeweglich, in der Meinung, daß sich noch weitere Aviatiker zum Abfluge entschließen würden. Und in den wohlig behaglichen Räumen des „Matin“-Palastes am Boulevard Seite 505 „FLUGSPORT“. No. 16 Poissoniere sitzen die Administrateure ‘und bestimmen mit selbstzufriedener Miene die riesigen Auflageziffern, in denen die in wenigen Stunden erscheinen- den „Editions sp&ciales“ ihres Blattes den Parisern das Resultat der ersten Etappe verkünden werden. Selbstverständlich veröffentlicht der „Matin“ na.h jeder einzigen Landung eine derartige Spezial-Ausgabe und in hunderttausenden von Exemplaren setzen die brüllenden Zeitungsverkäufer ihre Blätter in den Straßen ab... die Rechnung stimmt. Von den acht Aviatikern, die in der ersten Etappe gestartet sind, langten sechs am Bestimmungsorte an. Das Klassement ist folgendes: 1. Alfred Leblanc in 1 Stunde 32 Minuten 20 Sekunden, 2. Aubrun in 1:37:25, 3. Lindpaintner in 2:25:00, 4. Legagneux in 3:59 35, 5. Weymann in 4:56:45, 6. Mamet in 5:08:19. Bregi blieb mit seinem Voisin infolge einer Motoren-Panne in Pont- carre, Busson mußte mit seinem Bleriot in Nangis anhalten. Selbstverständlich wurden die ankommenden Piloten in Troyes mit stürmischen Ovationen em- pfangen und in den Straßen der Stadt drängte sich eine freudentaumelnde Menge in Feststimmung. Am gleichen Tage führten 5 Offiziers-Piloten einen schönen Flug von Mourmelon nach Nancy aus. Leutnant Mayol flog mit einem Wright-Zweidecker von Villacoublay nach Troyes, wo er mit jubelnder Begeisterung empfangen wurde. Man trug ihn im Triumph auf den Schultern. Leutnant Bellanger, der sich von Verdun nach Nancy begeben wollte, mußte, da sein Abflug durch die Menge behindert war, brüsk landen und beschädigte seinen Apparat nicht unbe- deutend. Leutnant Cronier, der am Tage vorher den schönen Flug von Caen nach Paris ausgeführt hatte, erlitt zu Vincennes, von wo er sich mit dem Leut- nant Jost nach Nancy begeben wollte, einen bedauerlichen Unfall. Der Zwei- decker erhob sich einige Meter vom Boden, schien aber keine Aufstiegkraft zu besitzen und kam sehr bald auf den Boden zurück. Beim zweiten Versuch rollte der Apparat einige hundert Meter auf dem Boden dahin und erhob sich dann, . sodaß der Pilot eine Kurve versuchte. Als er aber plötzlich eine Baumgruppe “ vor sich sah, suchte er den Apparat zu brüsk herumzuwerfen; dieser neigte sich stark zur Seite und verlor das Gleichgewicht. Der Zweidecker stürzte schwer auf den Boden, und zwar aus einer Höhe von 12 Metern. Leutnant Jost blieb bei dem Sturze unversehrt und konnte sich selbst erheben. Dagegen blieb Cronier besinnungslos liegen. Die zweite Etappe führte am Dienstag von Troyes nach Nancy. Nur drei Aviatiker vermochten diese Etappe zu Ende zu bringen: 1. Leblanc ın 2: 19: 49, 2 Aubrun in 2:27:50, 3. Legagneux in 5:31:26. Unser Landsmann Lind- paintner landete auf halbem Wege zu Vallert, von wo er Nancy per Eisenbahn erreichte. Weymann konnte nicht abfliegen, weil sich bei seinen Vorbereitungen die Hinterzelle seines Apparates verbogen hatte. Auch Mamet, Busson und Bregi waren nicht abgeflogen. Das Resultat ist umso anerkennenswerter, als ein starker Nebel, mit Regenschauern durchsetzt, die an sich schon schwierige Aufgabe der Piloten noch wesentlich erschwert hatte. Die gleichzeitigen militärischen Evolutionen gewannen an diesem Tage ein besonderes Bild, indem die Militärverwaltung eine Radfahrer-Abteilung gegen die an der deutsch-französischen Grenze anlangenden Aeroplane manöverieren ließ. Das Experiment war ein sehr interessantes und ergab als Resultat, daß es einer der Kompagnien gelang, die drei Aeroplane zu entdecken, zu signali- sieren und anzugreifen. Die Schiedsrichter haben angenommen, daß der Angriff der Radfahrer unter den Umständen, wie er erfolgt ist, die Apparate hätte ver- nichten oder sie sehr behindern können, indem er sie aus ihrer Flugrichtung hätte bringen und gegen eine stark bewaldete und für sie gefährliche Gegend nn rätte" werfen können. Sie hätten dann in eine Höhe steigen müssen, die nicht nur ihnen die Möglichkeit der Beobachtung genommen, sondern auch ihre eigene Stabilität gefährdet hätte. An dem folgenden Tage unternahm der französische General Maunoury arı Bord des Apparats Cammerman einen Flug von Nancy an die deutsche Grenze, bis dicht an die Grenzpfähle, umkreiste den Bahnhof Moncel-sur-Seille und kehrte darauf nach Nancy zurück. Der furchtbare Lärm, den man um diesen Flug in Frankreich machte, indem man der Leistung — mit einer deutlichen Spitze gegen die östlichen Nachbarn — den Charakter einer patriotischen Helden- tat gab, war unnötig und unnütz. Selbstverständlich schallte aus den reichslän- dischen Blättern das entsprechende Echo heraus und so wurde in die ganze Sache eine Pointe hineingetragen, die weder den Aviatikern, noch der Aviation zu besonderer Ehre gereichen kann. Die Stimmung, die andauernd in Nancy c No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 506 herrscht, ist zu bekannt, als daß die Franzosen nicht hätten vermeiden sollen, durch derartige zwecklose Mätzchen auf der einen Seite grundlos zu verletzen, auf der anderen Seite aber gefährliche Leidenschaften wachzurufen. — Die Vor- gänge an der Grenze haben einen bedauerlichen Mißton in die Veranstaltung getragen. Mit der dritten Etappe Nancy—M&ziöres, 160 km, verändert sich das Ge- samtbild des Bewerbes, denn außer den beiden bisher siegreichen Bl£riot-Piloten bleibt kein einziger Apparat in der Konkurrenz. Die dritte Etappe haben nuı Alfred Leblanc und Aubrun zurückgelegt und zwar ersterer in 2:05:20, letzterer in 3:42:28, Circuit de Est. Links oben: Aubrun. Unten: Leblanc mit Deutsch de la Meurthe im Gespräch. Während Leblanc die Fahrt ohne jeden Zwischenfall ausführen konnte hatte Aubrun das Pech, daß ihm unterwegs durch einen heftigen Windstoß seine Karte weggeweht wurde. Er mußte deshalb, da ihm jede Möglichkeit zur Orientierung fehlte, in Chalons-sur-Marne landen, von wo er nach einem Aufenthalte von 40 Minuten den Flug fortsetzte. . j Legagneux versuchte mit seinem Sommer-Zweidecker zu wiederholten Malen von Mezieres abzufliegen ; bis 8Uhr abends quälte er sich mit dem Motor herum und schließlich stellte er die Maschine in die Halle ein. Es ist zweifel- haft, ob er die Fahrt fortsetzen wird, denn für das Generalklassement kann er ja nım nicht mehr in Betracht kommen... .. . . . Leider ist auch unser Landsmann Lindpaintner infolge einer Motorpanne in Malzeville, 6 km von Nancy, liegen geblieben. Nach verschiedenen Ver- suchen, wieder in Gang zu kommen, wobei er wiederholt nur kurze Strecken von 500 Metern zurückzulegen vermag, erklärt Lindpaintner, daß sein Motor offenbar nicht stark genug sei, um die Fahrt fortzusetzen und gibt deshalb end- ültig auf! Schöne Leistungen haben an diesem Tage die Offiziers-Piloten, namentlich der Leutnant Cammermann, vollbracht. Dieser flog um 5 Uhr 32 vom Aerodrom zu Nancy ab. Als er über Saint-Michel passierte, riß der Stoff an seinem Apparat. Cammermann suchte im Schwebefluge zu landen, geriet dabei aber auf ein sehr ungeeignetes und von Zäunen und Pfählen dicht besetztes Terrain in der Nähe der Eisenbahn-Haltestelle Dompcervin. Der Apparat wurde dabei schwer beschä- digt. Leutnant Cammermann und sein Begleiter, Leutnant Vullierme, gingen dann Setie 507 „FLUGSPORT“. No. 16 zu Fuß nach dem benachbarten Städtchen und besorgten sich die nötigen Werk- zeuge, vermittelst deren sie den Apparat wieder soweit herrichteten, daß sie von neuem abfliegen konnten. Um 11 Uhr 45 trafen sie in M&zieres ein. Leutnant Fequant, mit dem Hauptmann Marie an Bord, ging des morgens um 5 Uhr von Nancy ab mit der Absicht, nach M&zieres zu gelangen. Indessen besagen die Telegramme, daß die beiden Offiziere abends in Mourmelon-le-Grand eingetrof- fen sind. Der Grund, weshalb sie ihre Absicht geändert haben, ist nicht bekannt. Von Interesse ist es, daß der Kriegsminister, General Brun, an Leutnant Cammermann telegraphiert hat, daß er ihn für die Ehrenlegion vorgeschlagen .habe. — Wie man sieht, werden in Frankreich die aviatischen Pfadfinder prompt geehrt und ermutigt. Das ist nicht der letzte Grund, weshalb die Aviation sich hier so gewaltig entwickelt hat. Leutnant Remy, der auf einem Farman-Zweidecker von Mourmelon abge- gangen war, ist nach einer Zwischenlandung in Vendeuil zu Douai angelangt. Am Sonnabend, dem Tage der vierten Etappe, haben die bis dahın besieg- ten Elemente versucht, ihre Revanche zu nehmen. Ein fürchterliches Unwetter herrschte den ganzen Tag über. Es blieb den Aviatikern nichts anderes übrig, als sich vor dem entfesselten Elemente zu beugen. Als um etwa 4', Uhr aber der Regen nachließ und die Sonne die Wolken durchbrach, entschlossen sich die beiden Bleriot-Piloten Aubrun und Leblanc (Mamet und Legagneux waren bereits kurz nach 7 Uhr früh abgeflogen, hatten aber nach wenigen Kilometern infolge des Stnrmes landen müssen und blieben dort liegen), das Wagnis zu unterneh- men, weil sonst, sobald um 5', Uhr die offizielle Frist für dieEtappe abgelaufen war, das ganze bisherige Werk in Frage gestelit worden wäre. Es war aller- dings ein Wagnis, ein tollkühnes, und die beiden Aviatiker werden sich wohl noch lange an diesen Flug von Me&zieres nach Douai, 130 km Entfernung, erin- nern. Zuerst Aubrun und nach ihm Leblanc, die beiden Piloten haben Me&zieres verlassen und den Kampf mit dem grollenden Element aufgenommen. Kurz nach "ihrem Abflug beginnt es wieder zu regnen und voller Besorgnis sahen die Tau- sende, die dem Äbflug beiwohnten, namentlich aber ihre Freunde, die beiden wagemutigen Männer dahinziehen, der Ungewißheit, vielleicht der ernsten Gefahr entgegen. Man kann sich unmöglich von der Stimmung eine Vorstellung machen, die nun in Mezieres, sowie in Douai, das von dem Äbflug benachrichtigt war, herrschte, und in Paris, woselbst die vom „Matin“ ausgegebenen Extrablätter den erfolgten Abflug meldeten, hatten sich gegen Abend unzählige Tausende vor dem Matin-Gebäude angesammelt, angstvoll die Depeschen studierend, die von Zeit zu Zeit aus den Ortschaften, welche die Aviatiker haben passieren sehen, eintrafen. Man konnte nicht glauben, daß die Sache gut ablaufen wird. Endlich um 6 Uhr 40 Minuten erhebt sich ein Jubelgeschrei, das sich die Boulevards entlang durch Straßen und Gassen fortpflanzt: Aubrun ist in Douai angekommen! Und nicht lange nachher kommt die beruhigende Meldung, daß auch Leblanc glück- lich gelandet ist. — Was haben die beiden Männer aber durchzemacht! Aubrun sagt, er hätte die zwei schlimmsten Stunden seines Lebens durchlebt. Gleich nach seinem Abflug wurde er zunächst gewahr, daß sein Motor nicht recht in Ordnung sei. ‚Dazu peitschte ihm der Regen ins Gesicht, wie mit Nadelstichen. Die Karte war in wenigen Minuten ein trauriger zerfetzter Klumpen. Der Sturm entriß dem Piloten seine Schutzbrille und er vermag nichts mehr zu erkennen. Jetzt geriet er in einen Sturmwirbel und gewahrte eineStadt, die er als Landre- cies erkannte. Vergeblich versuchte er, auf einer Ebene zu landen, der Sturm drehte ihu beständig im Kreise herum. Endlich, halb wider Willen, landete er auf einem Bergplateau. Jetzt versucht er, seinen Motor in Gang zu bringen, vergeblich. Er läuft nach der Stadt, um sich Benzin zu besorgen und telegra- phiert an Bleriot, daß er ihn holen kommen möge. Während er ratlos an seinem Motor herumbastelt, setzt dieser sich plötzlich in Gang. Flugs ‘chwingt er sich auf seine Maschine und nimmt von neuem seinen Äbflug. Mit rasender Ge- schwindigkeit gehts jetzt über den Wald von Nouvion hinweg, in ständiger Gefahr, durch die Windwirbel aus seinem Sitze gerissen zu werden. Endlich... das Aerodrom von Douai, wo er landet, um erschöpft in die Arme seiner Freunde zu sinken, -— Aehnlich ist es Leblanc ergangen. Aubrun hat diese Etappe gewonnen; er hat sie in 2 Stunden 19 Minuten 4 Sekunden (mittlere Stundengeschmindigkeit 60 km) zurückgelegt, während Leblanc 3 Stunden 3 Minuten 18 Sekunden brauchte, aber Leblanc hält noch die Spitze im Klassement. Dieses stellt sich nach der vierten Etappe wie folgt dar: Ss No. 16 „FLUGSPORT.“ Seite 508 Sämtliche vier Etappen, insgesamt 605 km: 1. Leblanc in 9 Stunden 13 Min. 56 Sek. _ (mittlere Stundengeschwindigkeit 65 km) 2, Aubrun in 10 Stunden 10 Min. 5 Sek. Etappen Paris—Troyes, .Troyes-Nancy, insgesamt 310 km: 3, Legagneux in 9 Stunden 30 Min. 48 Sek. Etappe Paris— Troyes, Distanz 135 km: 4 Lindpaintner in 2 Stunden O0 Min. 25 Sek. 5, Weymann in 4 Stunden 17 Min. 27 Sek. 6. Mamet in 5 Stunden 8 Min. 9 Sek. Ei r 3 Wenn diese Zeileu erscheinen, wird der Oirenit de l’Est sem Ende erreicht haben und wenn man von diesem gigantischen Bewerb vom rein sportlichen Gesichtspunkte sprechen wollte, so müßte man sich anf mehr oder minder gewagte „Prophezeimngen“ einlassen. Von (en 35 Aviatikern, die für den Circuit eingeschrieben waren, sind nur 14 am Start zu Issy-les-Moulineanx erschienen, 8 haben den Abflug für die erste Etappe unternommen, 6 für die zweite, nur zwei haben die dritte und die vierte Etappe durchgemacht. Wie viele bis ans Endziel des Bewerbs durchhalten werden, kann für uns von keinerlei Bedentung sein. Ob der Circuit bis ans Ende dureh- geführt oder mangels Teilnehmer vorzeitig abgebrochen werden wird: ist nur von untergeordnetem Interesse für uns. Was hier festgeste werden soll, das ist der gewaltige moralische Effekt, den schon der bisherige Verlauf der Veranstaltung erzielt hat und erzielen mußte. Einen eklatanteren Sieg (ler Aviation, wie er schon zu dieser Stunde vorliegt, hat wohl niemand erwarten können. Diese rogelmälligon, an vorbestimmten Daten ausgeführten Fernflüge über die 150 nn« 300 km stellen einen neuen Merkstein in der Eintwicklungsgeschichte der Aviation dar, der für ihren gegenwärtigen Stand wıd für ılırc künftige weitere Entwicklung von höchster Bedeutung sein mub. Wir wollen nicht soweit gehen, wie die französischen berufonen und unberufenen Preßstimmen, nun den völligen Bankrott der al- lon-Luftschiffahrt zu prognostizieren, aber, was wir in diesen Tagen von den Aviatikern, die am Cirenit teilnalımen, namentlich aber von den militärischen Aviatikern gesehen haben, wird doch reichliel zu denken geben. RI. Pariser Brief. Während die Blicke der gesamten Menschheit, soweit sie an dem gewaltigen Vordringen der luftbezwingenden Bewegung Anteil nimmt, voll Erwartung gegen den Osten Frankreichs gerichtet sind, wo sich im Augenblick ein für die Aviation historisches Ereignis ab- spielt, ist naturgemäß das Interesse für die alltäglichen Vorgänge auf den einzelnen Arbeitsstätten etwas abgeschwächt. Nur hier und da leuchtet irgend eine besondere Flugleistung hell anf und läßt erkennen, daß unermüdlich und erfolgreich weiter gearbeitet wird. So war es, als Latham am letzten Freitag unerwartet über den großen Bonle- Seite 59 „FLUGSPORT“. No. 16 vards in Paris erschien, die er auf seinem Antoinette-Eindecker in ihrer ganzen Länge übersetzte, um anf dem Manöverfelde zu Issy- les-Moulineaux zu landen. Er war um 8 Uhr 55 von Chalons abge- flogen und hatte seinen Weg nach Paris genommen; die Landung erfolgte um 12 Uhr 5 Minuten. Als der Antoinette-Pilot über Paris war, hatte er eine Flughölhle von 400 Metern. Bemerkt sei, dal die Entfernung von Chalons naclı Paris 180 km beträgt und daß Latlıam diese Distanz ohne Zwischenlandung zurückgelegt hat Er hat damit. den „Preis Falco“ gewonnen und ist also dem Leutnant Fequant, der dieser Tage, nach Beendigung der militärischen Flüge, die Reise von Chalons nach Issy ım den Falco-Preis nnternelimen wollte, zuvorge- kommen. Auch ein Flug von Mouzon nach Mourmelon. über die Ardennen hürweg, den uuser Landsmann Lindpaintner kürzlich unternommen hat, wurde hier viel besprochen. Lundpaintner hatte VW) km olıne Zwischenlandung zurückgelegt. Ebenso wırde ein Flug von de Baeder viel bemerkt, bei dem er drei Passagiere am Bord hatte und eine Ge- samtnutzlast von 322 kg auf seinem Zweidecker beförderte In Murmelon sind die Schulen von Antoinette, Farman, Sommer andanernd in stiller Arbeit damit beschäftigt, immer neue Piloten heranzubilden. Dabei kommen seitens der Lehrenden und Lernenden hier ünd da recht bemerkenswerte Flugleistungen zum Vorschein. Latham führte dieser Tage einen für das Kriegsministerium bestellten Eindecker der Abnahme-Koammission in einem schönen Ueberlandflnge ‘von 2 Stunden 15 Minuten Dauer vor. Henri Farman nahm anf seinem Zweidecker drei Passagiere mit, die er während einer Stunde 4 Minnten nnunterbrochen in der Luft promenierte. Bleriot bant jetzt gar einen Eindecker zu vier Sitzplätzen, die logische Entwicklung zum Luft-Omnibus. Ein bisher völlig unbekannter Pilot, Wynmalen, ist in Mourmelon bei seinem vierten Flugversuch bis auf 1100 Meter Flughöhe gestiegen ; cr steuerte einen Farman-Zweidecker. In Juvisy ist es namentlich Ladougne, der Erwähnung ver- dient; er steuert’bekanntlich den Goupy-Zweidecker, mit dem er einige hübsche Resultate erreicht hat. Dieser Tage flog er mit einem Pas- sagier während einer Stunde, also auch in Juvisy gibt es Sensationen. Chateau hat dieser Tage auf dem Tellier-Eindecker einen Hin- und Herflug von Juvisy nach Buc mit gutem Gelingen ausgeführt. Auf dem Manöverfelde zu Issy-les-Moulineaux, das am vorigen Sonntag den denkwürdigen Abflug zum Circuit de l’Est, der an an- derer Stelle eingehend besprochen wird, gesehen hat, spielte sich am Donnerstag darauf ein eigenartiges Schauspiel ab, indem bei einer militärischen Uebrng, welche das-.101.-Infanterie-Regiment und die 1. Kürassiere unter General Martineau vor einer Mission der Touaregs abhielten, Parent vom General die Erlaubnis erbat, den Poulain- Orange-Zweidecker den exotischen Gästen vorzuführen. Der Apparat, der damit seine erste öffentliche Probe ablegte, hat 52 m Totalfläche und einen 80 PS-Labor-Motor. Seine Spannweite beträgt 11,50 m, seine Länge 10 m. Alle Flächen sind am Ende abgerundet. Der Apparat erwies sich anscheinend stabil und wird vielleicht noch von sich reden machen. In der Farmansechule zu Etampes üben zahlreiche Eleven: Bill, No. 16 „FLUGSPorRTt“. Seite 510 Colombe, Togukawa, Kostin, die schon selbständige Flüge ausführen, sowie Kauffmann, Sartow, Orus, Loew, die sich gleichfalls mit dem Zweidecker vertraut zu machen suchen. Bei Bleriot erlangte Amont sein Piloten-Patent; Senator Raimond, der sich mit erfreulichem Eifer der Aviation widmet, konnte schon hübsche Flüge in gerader Linie ausführen. In Chartres, wo Poillot bereits sein Diplom mit der Savary- Maschine erwarb, gab es am Freitag eine angenehme Ueberraschnng, indem Lonis Paulhan auf seinem Farman-Zweidecker von Buc aus zu Besuch kam. Seine Gattin folgte ihm mit den Mechanikern im Automobil. In der Wright-Schule zu Villacoublay hatte Lentnant Chevreau, der sich dieser Tage bei den militärischen Rekognoszierungsflügen so vorteilhaft auszeichnete, vorher einen prächtigen Ueberlandflug aus- geführt, wobei er über Velizy, Bievres, Vauboyen in 80 m Höhe da- hinging. Graf Lambert macht andauernd seine Passagierflüge. In Rennes, wo Busson mit seinem Blöriot-Eindecker während dreiviertel Stunden in beträchtlicher Höhe flog, stürzte de Lesseps mit seinem Sommer-Zweidecker und zog sich dabei leichte Verletz- ungen zu. Auch in Marseilles trug sich ein Unfall zu, der leicht schlimme Folgen hätte haben können. Dort experimentierte bekanntlich Fabre seinen Hydro-Aeroplan, von dem LonisPaulhan so entzückt war, daß er Teilhaber des Fabreschen Patents wurde. Bei einen der Versuche in voriger Woche ging der Apparat plötzlich in den Fluten unter und zog den Piloten mit sich. Glücklicherweise war ein Dampfer an der Unfallstelle, sodaß der Aviatiker und sein Apparat, letzterer frei- lich in beklagenswertem Zustande, herausgefischt werden konnten. Auch die früher erwähnten Feste von Saint-Omer sind zu Ende gegangen, ohne daß die daran beteiligten Aviatiker Thomas (Antoi- nette), Ernest Paul (Voisin), Jullerot (Farman), Mollien (Bleriot) es über unbedeutende Flüge brachten. Der letzte Tag wies noch einen Besuch von 60000 Menschen auf, welehen Gelegenheit gegeben war, einen Halbstunden-Flug des Antoinette-Piloten zu bewundern. Der Schluß der Woche von Caen, über deren Beginn ich berichtet, gestaltete sich in hohem Grade interessant. Am vierten Tage plazierte sich Lentnant Cammerman im Offiziers-Geschwindigkeits-Bewerb als Sieger vor Cronier und Acquavia. Paillette (Sommer) führte den besten Dauerflug mit 3:13:56 aus; dann folgen Marcel Hanriot (Hanriot) mit 8:02:46, Crochon (Sommer) mit 1:21:20-2, Martinet (Farman) mit 1:03:4&-1, Chauveau (Antoinette) mit 0:36. Am Tage darauf hielt wieder der kleine Hanriot mit einem Fluge von 2:18:49 die Spitze vor Chanyeau mit 2:11:12, Martinet mit 1:17:20-1 u. s. w. In dem Ausscheidungsbewerb für den Geschwindigkeits-Preis wurden im Vorlaufe für Eindecker Morane (Bleriot) mit 0: 04: 27-1 und im Vor- laufe für Zweidecker Renaux (Maurice Farman) mit 0: 06:09-2 Sieger. Im Entscheidungslauf, der wegen der ungünstigen Witterung auf den letzten Tag des Meetings verschoben war, siegte Morane (Bleriot) ın 0:04:33-2. Anch in einem am letzten Tage veranstalteten Ueberland- flug auf eine Distanz von 21 km siegte Morane in 0:13:56, während Marcel Hanriot in 0:18:15-3 zweiter wurde. Die Spitze des General- Klassements nimmt der kleine Hanriot, welcher mit der addierten Seite 511 „FLUGSPORT“. No. 16 Flngdaner von 9:57:56-1 den „Großen Preis von Caen“ gewinnt. Zweiter ist: Martinet mit 6:49:10, Dritter Paillette mit 6:38:22, Vierter Chanvean mit 3:41:40. Den Höhenpreis errang Morane mit seinem 1250 Meterflug vor Anbrun, 475 m. Der „Pokal Henri Dentsch de la Meurthe“ für einen Ueberlandflug (35 km) wnrde dem Lent- nant Acynavıa (0: 80:23-3) zugesprochen. Für das Meeting von Nantes, das bekanntlich in der Zeit vom 14. bis 21. Angust vor sich gelıt, haben sich 11 Aviatiker: Thomas für Antoinette, Cheuret, Van den Born, Martinet für Heuri Farman, Renaux für Maurice Farman, Niel für Nieuport, Morane, Simon für Bleriot, Crochon, Paillette für Sommer, Bathiat für Hanriot, einschreiben lassen. An Preisen sind für dieses Meeting 80000 Frances ausgesetzt, die sıch anf einen „Geschwindigkeits-Preis“, einen Höhen-, einen Passagier- nnd einen Dauerflugpreis, sowie auf einen solchen für Regelmäßigkeit verteilen. Außerdem wird bei dieser Gelegenheit ein interessanter Feruflug von Nantes nach Blain, eine Distanz von 80 km veranstaltet. Für das Meeting von Bar-le-Duc (14. und 15. August) sind ‚Jullerot (Henri Farman), Bara (Maurice Farman), Chauveau (Antoinette) Gandart (Voisin) gemeldet. Die „Große Doppelwoche der Seine-Bai“, von deren Organisation in der Zeit vom 25. August bis 6. September wiederholt die Rede war, scheint sich zu einer imposanten aviatischen Manifestation ent- wickeln zu sollen. Nicht weniger als 41 Apparate (24 Eindecker und 17 Zweidecker) werden daran teilnehmen. Es sind dies 4 Antoinette (Latham, Thomas, Küller, Wiencziers), 11 Bleriot (Morane, Leblanc, Mamet, Molon, Bathiat, Aubrun, Busson, de Lesseps, Barrier, Simon, Darioli), 1 Defeure (Defeure‘, 1 Demoiselle Clement-Bayard (Audemars), 5 Hanriot (Marcel Hanriot, Moser, Chassagne, Martin, Bathiat), 1 Noue- Obre (Noue), 1 Tellier (Audemars), 2 Breguet (Brögmet, de Baeder), 1 Cody (S. Cody), 1 Goupy (Ladougne), 3 Henri Farman (Martinet, Legagneux, Crochon), 1 Maurice Farman (Barra), 2 Savary (Picart, Poillot), 5 Sommer (Mignot, Paillette, Tetard, Bouvier, de Petrowski), 2 Voisin (Hallaure, Bielovuciee). An Preisen gelangen 255000 Francs zum Austrag. Neben den bekannten mannigfachen Preisen hat man auch einen „Preis der Konstrukteure“ ım Betrage von 25000 Francs geschaffen, welcher am letzten Tage des Meetings demjenigen Kon- strukteur zugeteilt werden wird, dessen Apparate während der ganzen Dauer des Meetings die größte Distanz zurückgelegt haben werden. Drei Apparate einer Type können an dieser Totalisation teilnehmen, die aber nicht unter 500 km während der vier Tage ın Havre und 500 km während der vier Tage zu Trouville-Deauville betragen darf. Auch die Woche von Bordeaux_wird einen großen Umfang annehmen.” Bekanntlich geht sie in den Tagen des 11. bis 18. Sep- tember vor sich und ist mit 245000 Francs an Preisen ausgestattet, zu denen noch ein von dem bekannten Wein- Industriellen Hennessy gestifteter Preis von 40000 Francs für einen Fernflug von Bordeaux nach Cognac hinzukommt. Bis jetzt hat Latham seine Beteiligung angezeigt. Auch mit «diesem Bewerbe wird ein mit 22000 Francs dotierter Fernflug über eine Distanz von 50 km verbunden sein. Ueber den Anfang des grolen Belgischen Meetings, «as am 4. dieses Monats sein Ende erreichte, habe iclı berichtet. Leider ist No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 512 dieses schöne Meeting, das cine Reihe großartige Flugleistungen zeitigte durch einen beklagenswerten Unglücksfall wesentlich beeinträchtigt worden: Nicolas Kinet, der sich wiederholt hervorgetan, der erst in Reims mit einer Gesamt-Kilometerzahl von 677 km einen chrenvollen Platz. behauptet, und der anch im Brüsseler Meetino sich so gut gehalten hatte, daß es sich schließlich nur noch um den Entscheidungskampf zwischen ihm und Ölieslagers handelte, ist das Opfer dieses Unfalls geworden. Am sechsten Tage hatte Kinet sich im Tagespreis der Dauer mit 1:04:22 und im Passagier-Preis als erster placiert, während Olieslagers seinen prächtigen Höhenflug von 1460 Metern vollbrachte, der aber schon zwei Tage später durch Tyek mit einem Fluge in 1720 Meter Flughöhe gedrückt wurde. Am gleichen Tage flog Lanser 1 Stunde 9 Minuten 15 Sekunden. mit einem Passagier an Bord, ohne Unterbrechnng, während Kinet ins- gesamt 2:45:04 in der Luft zubrachte. Als am Tage darauf der König mit großem Gefolge das Meeting besuchte, verhinderte un- günstiges Wetter die volle Entfaltung der Kräfte. Der darauf foleende vorletzte Tag des Meetings sollte leider den vorerwähnten schweren Unfall bringen. Kinet, der sich im Preis der addierten Flugdauer an die Spitze gebracht hatte, hatte auch an diesem Tage wieder drei Flüge von ingesamt 2 Stunden 35 Minuten 44 Sekunden ausgeführt als sich Olieslagers, sein intimster Konkurrent, an seine Verfolgung machte. Plötzlich erhob sich cin heftiger Sturmwind. Olieslagers vermochte rechtzeitig zu landen, Kinet aber, von einem Wirbel er- faßt, überschlug sich und stürzte mit seinem Apparat aus einer Höhe von 60 Metern herab. Der Bedauernswerte hatte den sofortigen Tod gefunden. Auch nach Italien hin richtet sich naturgemäß die Aufmerksam- keit, wo die Aviation immer festere Formen anzunehmen im Begriff ist. Neuerdings ist in Pardenona in Anwesenheit des Herzoo der Abruzzen eine neue italienische Aviationsschule eröffnet worden. In Pescara hat ein Meeting mit recht ansehnlichem Erfolge stattgefunden und Padua setzt Leonino da Zara auf seinem selbstgeschaffenen Aerodrom seine Flugübungen eifrig fort. Besonders lebhaft interessiert. sich die Militärverwaltung für die Aviation und der Leutnant Savoia konnte dieser Tage zu Rom sogar den Kriegsminister als Passagier an Bord seines Apparats nehmen. Die Italienische Aviations-Gesell- schaft will, wie es scheint, etwas Ordnung in die Dinge bringen und teilt öffentlich mit, daß nur vier Pilotendiplome von ihr bisher er- teilt worden seien und zwar: Leutnant Calderara (Wright), Cattanneo (Bleriot), Amerigo (Sommer), Leutnant Savoia (Voisin). Aus den Vereinigten Staaten kommt soeben die telegraphische Nachricht, daß” zu New-York am Donnerstag der Aviatiker Walter Brookins schwer verunglückt ist. Brookins, der, wie gemeldet, Welt- rekordmann für Höhenflug ist, führte einen Abstieg ın Spiralen aus als plötzlich der Apparat: sich überschlug. Brookins fiel aus seinem Apparat mitten in die Menge, nnd wurde selbst schwer verwnndet. Einer von den Zuschauern wıırde getötet, sieben verletzt. Wie er- innerlich hat Brookins in Atlantie City vor kurzem sich bis zu 1802 Meter erhoben, was nachträglich dureh den Acro-Club von Amerika offiziell bestätigt worden ist. Von dem Preis der „New- York Times“ in Höhe von 25000 Dollars für einen Flug von Chicago „FLUGSPORT". No. 16 Seite 513 nach New- York ist hier bereits die Rede gewesen. Als Zeit für diesen Bewerb ist nun die Woche vom 8. bis 15. Oktober festgesetzt. Einige besondere Preise, die gelegentlich dieses großen Fernfluges gestiftet worden sind, erhöhen den ausgesetzten Betrag auf etwa 40000 Dollars. Auch hier in Frankreich gibt es einige neue Preise, so den „Preis Henri Bonnet“, der für einen am Cirenit I’ Est teilnehmenden Aviatiker bestimmt ist, der einen geschlossen Rundflug von 15 km ausgeführt haben wird, indem er dabei das höchste Nutzgewicht transportiert hat. Ein anderer Preis, von David Mennet gestiftet, soll in Douai bestritten werden. Die Teilnehmer an diesem Bewerbe müssen, nachdem sie wenigsten eine Bahnrunde zurückgelegt haben, mit abgestellter Zündung die Abfluglinie in einer Höhe zwischen 50 und 100 Metern überfliegen und dann landen, ohne die Zündung an- gestellt zu haben. Angesichts der in vielfacher Beziehung durchaus bemerkens- werten Erfolge, welche die französische Militär-Aviation in letzter Zeit zu verzeichnen hat, dürfte es von Interesse sein, festzustellen, daß gegenwärtig 19 Offiziere der französischen Armee das Piloten- Patent des Aero-Klub de France besitzen: ein General, ein Major, fünf Hauptleute und 12 Leutnants. Und diese Liste verlängert sich mit jedem Tage. Die Militär-Aviation hat (lemnach hier einen ganz gewaltigen Fortschritt gemacht. Nach einer Periode des unsicheren Experimentierens, des Hin- und Herlavierens hat die Militärverwal- tung erkannt, daß die französische Aviation, wie das ja nach Lage der Dinge ganz selbstverständlich ist, einen großen Vorsprug vor den- jenigen anderer Nationen hat nnd scheint fest entschlossen zu sein, sich diesen Vorsprung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Von den mannigfachen Ehrungen der Aviatiker zum Zwecke des Ansporns ist hier schon die Rede gewesen. (Man hat jetzt die Leutnants Cammermann und Fequant, sowie Louis Paulhan zu Rit- tern der Ehrenlegion ernannt). Was die: Offizierspiloten anbetrifft, so gewährt ihnen die Heeres- verwaltung alle Erleichterungen zur Fortführung ihrer praktischen Versuche. Man gibt ihnen jeden gewünschten Urlaub, man stellt ihnen dasjenige "Terrain zur Verfügung, das die Offiziere als besonders geeignet für ıhre Experimente bezeichnen. Man gibt ihnen bereit- willigst die von ihnen gewünschte Anzahl von Mannschaften zur Hilfeleistung. Jetzt soll nun auch der letzte Uebelstand, der bisher zu verzeichnen war, abgestellt werden. Diejenigen Offizierspiloten nämlich, welche, entfernt von irgend einem Industrie-Zentrum, in entfernten Gegenden, weit fort von den Ateliers der Konstrukteure, ihren Flugstudien obliegen, haben bisher vielfach darunter gelitten, daß man ihnen Mannschaften zur Verfügung gestellt hatte, die von dem Flugapparat, den sie zu handhaben hatten, nicht die entfernteste Vorstellung hatten. Bei vorkommenden Pannen und Unfällen hatten die Offiziere selten jemanden zur Hand, dem sie die Wiederinstand- setzung des Apparates anvertrauen konnten. Man will also ın Zu- kunft die experimentierenden Offiziere möglichst in die Nähe einer Aeroplan-Fahrik plazieren oder wenigstens in die Nähe einer Stadt, aus der sie sich die Hilfe von erfahrenen Mechanikern beschaffen können. Ferner soll die Auswahl der den Offizieren zur Hilfeleistung No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 514 beigegebenen Mannschaften in Zukunft in der Wei ) in erster Reihe solche Leute berücksichtigt ern Fa vn privaten Tätigkeit her (als Mechaniker, Schlosser etc.) schon wenie- Jens eine geringe Kenntnis der in Frage kommenden Reparaturen Zweier großer Projekte sei noch Erwäh : Ei r Aviatiker, namens Moisant, der am letzten Sonntag die Aufmarkeunı keit der auf dem Manöverfelde von Issy angesammelten Menge da- durch hervorrief, daß er in gewandtem Fluge auf einem Bleriot-Ein- decker auf dem Felde anlangte und inmitten der Menge landete, will in Kürze den Flug von Parıs nach London unternehmen. Er be- reitet das Projekt in Gemeinschaft mit seinem Freunde Gaste dem bekannten Automobilfahrer, vor. Moisant soll ein sehr ener Jischer und unerschrockener Mann sein und es ist nicht ausgeschlossem daß er seine Absicht auszuführen suchen wird. „ Pas andere Projekt betrifft die Veranstalt i ies Aviations-Woche zu Issy-les-Moulineaux in der "Zeit vom 4 er September zu Wohltätigkeitszwecken und verbunden mit einer großen Lotterie, deren Hauptgewinn ein Bleriot-Apparat, deren zweiter Ge- wınn ein Kugelballon sein wird... . fix und fertig zum Mitnehmen. Rl. Der Flugsport in England, (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Das Städtchen Lanark, mitten zwischen den beiden Glasgow und Edinburgh in einem Tale des schottischen Neem romantisch gelegen, war vom 6. bis 13. August der Schauplatz des zweiten internationalen Flugsportmeetings in England. In der Ge- schichte des englischen Flugsports wird dies Meeting dauernd in Er- ınnerung bleiben, weil es endgültig den Beweis brachte, daß die eng- Lachen Aileger sich schz jyohl den ausländischen an die Seite stellen . Bo stand am Aben . kürzesten Abflug folgendermaßen: © August der Weitbowerb um den 1. Mac Ardle (Engländer) 23,5 m, 2. Gilmour (Engländer) 31,7 m, 3. Radley (Engländer) 33,2 m, 4. Blondeau (Franzose) 36 ın, 5. Ogilvie (Engländer) 42 m, 6. Cattaneo (Italiener) 47 m, .. Dickson (Engländer) 48 m, 8. Cockburn (Engländer) 62 m, r „race (Engländer) 97 m, so dıe besten drei Leistungen waren bei den Eneländern. Fast ebenso gut war am 10. August der Prei li „listen e nso Eu ko ngust isbewerb um die schnellsten . Radley (Eugländer) 9 41'/,” — 91 km per Stunde . Cattaneo (Italiener) 10° 40” — 84 km per Stunde . Grace (Engländer) 14’ 4°,” — 63,5 km per Stunde . Diekson (Engländer) 14° 39%” — 61 km per Stunde . Drexel (Amerikaner) 14° 41°,” -— 60,5 km per Stunde. eowe Seite 515 „FLUGSPORT“. 2....,Ne. 16 IT. m m I m Te In einem Wettbewerb aber standen die Ausländer unerreicht da. nämlich im Höhenfluge. In dieser Beziehung war die Reihen- folge am selben 10. August folgendermaßen: 1. Chavez (Peruaner) 1601 m, 2. Drexel (Amerikaner) 1302 m, 3. Cattaneo (Italiener) 988 m, 4. Grace (Engländer) 756 m, 5. Vidart (Franzose) 396 m. Hier sind die ersten drei Plätze durch Ausländer eingenommen, und an der Spitze derselben steht derselbe Chavez, der erst eine Woche vorher in Blackpool mit einer Höhe von 1794 m einen Welt- rekord aufgestellt hatte. Freilich machen diese Höhenangaben auf Genauigkeit keinen Anspruch. Bei Chavez zeigten die beiden Baro- graphen am 10. August eine Höhe von 1500 m und 1950 m, während die offizielle Messung 5250 engl. Fuß — 1601 m war, also beträcht- iche Differenzen. Nach dieser glänzenden Leistung im Höhenfluge fühlte sich Chavez des Preises so sicher, daß er schon am selben Abend nach Paris zurückreiste, während das Meeting noch 4 weitere Tage dauerte. Aber es kam anders, als er erwartet hatte; am 13. August stellte der Amerikaner J. Armstrong Drexel mit 6750 engl. Fuß — 2058 m einen neuen Weltrekord auf. Diese Messung beruht auf dem Baro- graphen, während die Theodoliten seinen Flug nur bis zu einer Höhe von 1300 m verfolgen konnten: dann verschwand die Flugmaschine in den Wolken. Drexel schuf diesen Rekord auf demselben Bleriot- Monoplan mit 50 h. p. Gnom-Motor, mit welchem Leon Morane ın Burnemouth so sensationelle Leistungen erzielte; der jetzige Besitzer, Cecil Grace, hatte Drexel die Maschine für diesen Tag geliehen. Sehr merkwürdig sieht die Registrierung dieser phaenomenalen Höhe auf dem Barographen aus. Da der Flugplatz 700 Fuß über dem Meeres- spiegel legt. so war die tatsächlich erreichte Höhe 7450 Fuß — ca. 9275 m. In dieser Höhe war die Luft so kalt, daß Drexels linke Hand erstarite. | Um diesen Höhenflug recht zu würdigen, muß man bedenken, welche Aufmerksamkeit der Motor in dieser kalten und dünnen Luft erfordert. Wurde doch noch im letzten Herbste eineHöhe von 1000 Meter als das Non plus Ultra für den jetzigen Aeroplan - Motor - angesehen. u Obwohl wir die Mitteilung der endgültigen Resultate dieses ın- ternationalen Meetings auf das nächste mal verschieben müssen, können wir doch schon einige allgemeinere Beobachtungen hier be- richten.. Die Biplane Farmans sind auch auf diesem Meeting nicht so erfolgreich gewesen wie die Monoplane Bleriots, die fast alle Preise einheimsten. Codys „Mähmaschine“ hatte auch in Lanark keinen Erfolg und vermochte sich nur zu wenigen Sprüngen über den Boden zu erheben. Im Gleitfluge zeigte sich der 16 jährige Marcel Hanriot als ein unübertrefflicher Meister. Als eine ziemlich gefährliche Uebung haben sich in Lanark wie ın Bournemouth Preisbewerbe um das größte Gewicht bewiesen. Kapitän Dickson machte einen Versuch, indem er einen Passagier von 95,25 kg trug, und außerdem Bleiplatten von 25,4 kg an seine Maschine band, während er selbst 63,5 kg wog, alles zusammen ‚No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 516 184 kg. Beim Landen brach dic Maschine in einen Graben ein, der mit Rolır bedeckt war. Die Passagiere kamen ohne Schaden davon, aber die Maschine wurde total zerstört. Völlig mißlungen ist in Lanark eineUebung, die man als Werfen nach einem Ziele bezeichnen kann. Im Mittelpunkte der Flugbahn war cin weißer Kreis von 12 Fuß Durchmesser, und die Flieger hatten die Aufgabe, 3 Orangen nach dem Ziele zu werfen, während sie darüber hinwegflogen. Der beste Wurf Ogilvies war 62 Fuß vom Zuele, während Cecil Grace das Ziel allerdings nur um 23 Fuß fehlte. Da diese Flüge in einer Höhe von 10—20 Fuß ausgeführt wurden, so kann man diese Resultate nicht als günstig für die Annahme be- zeichnen, daß durch Bombenwerfen die Flugmaschine im Kriege große Bedeutung gewinnen könne. Sehr aufregend war in Lanark ein Unfall Champels mit seiner Farmanmaschine. Der Motor versagte über einer Tannenschonung und die Maschine stürzte in dieselbe. Die Tannenwipfel brachen unter der schweren Last, aber der Fall wurde doch so sehr aufge- halten, daß der Flieger unversehrt von der Maschine steigen konnte. Um die Maschine frei zu bekommen, mußte in der Schonung eine breite Bahn geschlagen werden. Merkwürdiger Weise wurde an der- selben Stelle wenige Tage später die Antoinette-Maschine Küllers zerstört. Küller, der auf dem Meeting den Beinamen „Der fliegende Holländer“ trug, ist überhaupt auf diesem Meeting vom Unglück ver- folgt worden und hat viel Kleinholz gemacht, aber er selbst ist glück- licherweise stets heil davon gekommen. Sehr traurig lief dagegen ein Mme. Franck begegnender Unfall ab. Sie ist die Frau eines in Paris lebenden englischen ‚Journalisten und hatte bei Henry Farman die Flugkunst erlernt. Vor einigen Wochen wurde öfter angekündigt, daß sie einen Flug über den Kanal machen wolle, aber es wurde nie etwas daraus. Jetzt wollte sie auf dem Bolden-Rennplatz bei Sunderland Flugvorstellungen geben, wo- zu 7000 Personen erschienen waren. Nach einigen graziösen Runden begann ihr Farman-Biplan plötzlich zu schwanken und stieß mit dem rechten Deck an eine hohe Flaggenstange. Der Aeroplan überschlug sich und fiel in einen Garten, wo Zuschauer dicht gedrängt standen. Ein Junge wurde durch den Motor erschlagen, andere Zuschauer er- litten leichtere Verletzungen, während Mme. Franck selbst einen Doppelbruch ‘am linken Bein und Verletzungen am Kinn erlitt. Gleichzeitig mit dem Meeting in Lanark fanden auch in Black- pool sehr gute Flüge von Grahame White, Tetard, Roe und Harding statt. Der Besuch war hier täglich gut, und dazu trug eine glück- liche Idee des Komitees bei. Die Eintrittskarten der Zuschauer wurden nämlich nummeriert und aus je 500 Karten wurde eine ge- zogen, welche das Recht zu einem freien Fluge mit White, Tetard oder Roe gab. So konnten manche für 1 Schilling das Vergnügen eines Passagierfluges genießen, und andere welche dazu nicht den rechten Mut finden konnten, versteigerten ihre Karte an den Meist- bietenden. Bei Grahame White läßt .sich ein täglicher Fortschritt in seiner Kunst beobachten, und er selbst äußerte, daß jeder Flug ihm eine neue Lehre bringe und seine Erfahrung bereichere. Am 10. August machte er wieder einen 2stündigen Ueberlandflug von Black- pool nach Lancaster, Barrow und zurück zum Ausgangsorte, No. 16 Seite 517 „FLUGSPORT“. Endlich sei noch berichtet, daß die Firma W. & S. Pollock in Glasgow die Fabrikation von Aeroplanen aufgenommen hat. Die erste Maschine, welche soeben fertigestellt ist, gilt als die größe Flug- maschine, die bisher nach dem Bleriot-Typ gebaut ist. Die Maße sind: Gesamtlänge des Hauptdecks 40 Fuß, Breite des Decks 7,5 Fuß, Länge des Chassis 24 Fuß. Hinterer Steuerplan 4,5 Fuß x 4,5 Fuß; vorderer Jebeplan, aus drei kleinen Planen bestehend, 9,5 Fuß x 4,5 Fuß. Der Rahmen ist von Eschenholz hergestellt. Der 60 h. p. Pollock-Motor hat 4 Einzelzylinder mit Luftkühlung. Der Propeller ist verstellbar und hat einen Durchmesser von 6,75 Fuß. Ein Stückchen Wahrheit über die französischen Flugzeuge. Von Krastel. An erster Stelle in bezug auf praktische Unzweckmäßigkeit muß man den Bl£riot stellen. Im. allgemeinen ist er der Schaukeligste in der Luft (seitlich) und die Stürze mit ihm sind die zahlreichsten. Daß sie trotzdem nicht viel Opfer gekostet haben, liegt vielfach daran, daß der Pilot durch Holzbauteile nach allen Seiten ziemlich geschützt und vom Motor nicht bedroht wird. Eine unangenehme Spezialität der Type sind Brände in der Luft. Die Ursache seiner geringen Ruhe im Flug ist die geringe Geschwindigkeit als Folge eines großen Stirnwiderstandes. Für den Gleitflug ist ebenfalls der hohe Stirnwiderstand und die hohe spezifische Flächenbelastung höchst ungünstig. Sitzt man glücklich drin (zum Einsteigen muß man, wie bei den meisten heutigen Apparaten, ein guter Turner sein), so findet man die Aussicht derart versperrt, daß man sich vorkommt wie ein Blinder, und ein sicheres Urteil über die Beschaffenheit der jeweiligen Landungsstelle hat man vom Sitz aus ganz und gar nicht. Hat man einen Flug glücklich vollbracht, so ist man halb blind durch die Auspuffgase des Motors, die man direkt ins Gesicht bekommt, und außerdem tropft einem das Schmieröl von Nase und Bart und die Vorderseite des Anzuges ist zum Auswringen voll davon. Man sitzt während des Fluges in einem wirklichen Oelregen, sodaß man sich während desselben sogar die Augen auswischen muß; das Tragen einer Schutzbrille ist aus dem gleichen Grunde unmöglich und Bleriot hat, um diesen schweren Mangel zu bemänteln, das wasser- helle Rizinusöl zum Schmieren genommen, da fällt die Schweinerei dem Laien weniger auf. Ueber den von Bl£riot, Kanaltype, verwendeten Anzanimotor an anderer Stelle näheres. Das Anfahrgestell Bleriots kann allen vorkommenden Beanspru- chungen ‚der Richtung nach.am besten folgen, aber im Falle eines nur geringen Defektes’an demselben knickt der gesamte Apparat gänzlich hilflos und ganz jämmerlich zusammen. Schüler, die allein beim Rollen, ohne eigentliche Stürze ein halbes Dutzend Apparate zertrümmern, sind daher keine Seltenheit. Leblanc z. B., einer der besten Bileriotpiloten, hat ca. ein Dutzend Apparate geopfert, bis er die Landung genügend sanft fertig brachte. Die Kanaltype ist im ganzen so wenig flugreif, daß man sie heute beinahe geschenkt bekommt. Die neuesten Bleriot-Erfolge in Reims etc. sind nur der Anwendung einer verschwenderisch übermäßigen Maschinenkraft zu danken (50 x 100 PS). Antoinette. Dies ist auch heute noch einer der modernsten Apparate überhaupt. Seine konstruktive Durchbildung im e’nzelnen und die werkmännische ! No. 16 Seite 518 ‚Den »fürseinen:. .- « sten Überlandflud: Üteiner.Deutschen ht Maschine ;, ‚Adlershof. futigenPiloten BCE | Ausführung sind musterhaft und müssen in hohem Maße anerkannt werden. Man fühlt dort das Walten befähigter und energischer Techniker wie Kapitän Ferber und Ing. Levavasseur. Der einzige, offensichtlich und wirklich wunde Punkt ist das Anfahrgestell: Die Räder sind weder schwenkbar, nocn seitlich verrückbar und vor allem viel zu klein, was hier ein doppelter Nachteil ist, weil der Schwerpunkt des Flugzeuges über den Rädern liegt. Kleine Räder haben auf nicht ganz hartem und ebenem Boden viel größeren Roliwiderstand, als große, bei nur wenig nach- giebigem Boden werden sie außerdem durch das be- deutende Gewicht des Appa- rates (ca. 550 kgı noch be- sonders tief eingedrückt und der Apparat kippt stark nach vorne. Die Radachse wird unterstützt von einem „Amor- tiseur“, zwei ineinanderge- schobenen Stahlrohren, die eine Pufferfeder enthalten und außerdem die einge- schlossene Luft zur Pufferung benutzen. Das dickere der beiden Rohre dient zugleich als Stützmast für die Spann- drähte der Flügel. An diesen Spanndrähten hängt während des Fluges die ganze Last des Apparates. Dader Stütz- mast nur eine beschränkte _ Höhe hat und die Tragflächen V-förmig nach oben stehen, ist der Winkel, den Spann- drähte und Flügel ein- schließen, außerordentlich spitz und die Spannung der Drähte außerordentlich hoch. Bei den schweren Massen werden daher diesen Drähten beim Anfahren geringfügige Unebenheiten des Bodens verhängnisvoll und es ist eine Ueberlandflug-Ehrenpreis derFlugmaschine Wright G.m. b.H. gewöhnliche Erscheinung am Seite 519 „FLUGSPORT". No. 16 Antoinette, daß nach jedem Fluge einer oder einige derselben gerissen sind. Passiert dies beim Anfahren, so hängt das Apparatgewicht nur noch an dem Hauptträger des Flügels, der zwar sehr kräftig ist, aber für diese Beanspruchung nicht mehr genügt. — Der Pilot hat, da er über den Flügeln sitzt, keine Ahnung von der Gefahr. Wiencziers ist auf diese Weise in Budapest aus 10 m Höhe mit gebro- chenem Flügel abgestürzt, hatte aber Glück dabei. Den Unfall Wächter führe ich mit aller Bestimmtheit auf die gleiche Ursache zurück. Farman und Sommer: Beide verdanken ihre Erfolge dem Gnömemotor. Der sitzt, wie der Pilot selbst, unmittelbar auf dem unteren Deck, wodurch der Schwerpunkt bedeutend tiefer liegt, daher die unzweifelhaft größere Stabilität. Die für diesen Fall zu fürchtenden Pendelungen sind durch eine große „Länge über alles“ vermieden, die aber gewiß kein Vorzug ist. Der tiefsitzende Motor mit großer Schraube verlangt hochbeinige Kufen, die man in der Sucht nach Leichtgewicht zu leicht gemacht und durch eine zahlreiche Verspannung zu retten gesucht hat, was aber das Uebel nur verschlimmert. Zahlreiches „Kleinholz“, auch bei den guten Führern, ist der unvermeidliche Erfolg. Daß die Art des Pilotensitzes für ein ernstes Verkehrsmittel nicht so bleiben kann, ist klar und bewirkt, daß dieser Typ schon heute von weiterblickenden Technikern als ver- altet angesehen wird. Die tragenden Räder hat man, um am Schwanz eine Lauf- vorrichtung zu sparen, unter den Schwerpunkt gerückt, wodurch das Filug- zeug, dank der hohen Kufen, beim Landen eine starke Tendenz hat, nach vorne zu kippen. Dazu lassen die Fabrikanten noch leichtsinnig und gedankenlos vor den Rädern Schrauben durch die Kufen hindurchragen, an denen sich der Apparat jeicht fangen kann und ein Purzelbaum ist dann unvermeidlich. Diese Ursache kostete Lindpaintner kürzlich in Puchheim seinen neuen „Sommer“. Flugtechnische Rundschau. Inland. Ueberlandflug-Ehrenpreis gewonnen von Robert Thelen. Am 11. Juli hat Robert Thelen den von der deutschen Wright-Gesellschaft für den ersten —— ST rm. en a LE 228... WI LI Manchbien wann Aam IMaharlandilur surürk \ No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 520 Ueberlandflug auf einer deutschen Wright-Maschine ausgesetzten Ehrenpreis durch seinen Flug nach den Müggelbergen gewonnen. Der Preis ist in der Abbildung auf Seite 518 dargestellt. Flugmaschine Schroth. Schroth in Brunn hat einen Eindecker kon- struiert, dessen Rumpf gemäß der von uns in Nr. 9 auf Seite 256 gegebenen Flugmaschine Schroth. Anregung hergestellt ist. Er besteht aus einem 6 m langen Holzrohr von 8 mm Wandstärke. Das Gesamtgewicht dieses Rumpfes beträgt 50 kg. Die beistehende Abbildung zeigt die Maschine nach einem Sturz. Ausland. Schraubenilieger System Ludw. Ös jr. in Bekescsaba. Ös hat einen neuen Schraubenflieger Konstruiert, welcher von den bisherigen Konstruktionen Schraubenflieger System Ludw. Ös jr. Seite 521 „FLUGSPORT“. No. 16 erheblich abweicht. Die Maschine besteht, wie vorstehende Abbildung zeigt, aus 2 Tragdecken, weiche im Prinzip eine große horizontal rotierende Schraube dar- stellen. An den beiden Enden der horizontalen Hubdecken sind symmetrisch zwei Treibschrauben angeordnet, welche das sogenannte Hubdeck in Rotation versvtzen. Der Konstrukteur hat durch diese Anordnung das Reaktionsmoment, welches bisher imıner durch eine zweite horizontale gegenläufige Schraube kompensiert wurde, ausgeglichen. Man darı auf die Resultate der Versuche sehr gespannt sein. Flugkonkurrenzen. Die Resultate der Berliner Flugwoche. Höhenpreis. 1. Thelen für cine größte erreichte Höhe von 298,76 m. Belastungspreis des Kriegsministeriums. 1. Thelen, 2 Engel- hard, 3. Dorner. Täglicher Dauerpreis. An demselben partizipieren zum größten Teile Jeannin und Wiencziers, während zum kleineren Teile noch Engelhard, Thelen und Brunnhuber beteiligt sind. Passagierpreis gewannen Wiencziers, Engelhard und Dorner. Die beiden ersteren erhielten außerdem auch den Totalisationspreis für Passagierflüge. Für die größte Gesamtflugzeit erhielt Jeannin mit 2 Stunden 41 Minuten den ersten und Wiencziers mit 2 Stunden 35 Min. den zweiten Preis. Den Preis für den kürzesten Anlauf mit 47,3 m erhielt Thelen. - --Von.der Berliner Flugwoche, Dorner in seiner Maschine. —— - Die Gesamtzahl der zur Verteilung gelangenden Preise betrug 26000 Mark. Diese Preise stehen in keinem Verhältnis zu den vielen Maschinen, welche bei der Konkurrenz vernichtet wurden. Selbstverständlich kann hiermit der Fiueplatz- Gesellschaft kein Vorwurf gemacht werden. Die Leitung hat für die Beschaffung von Preisen alles getan, was sie tun konnte. Es liegt eben an den deutschen Verhältnissen. Man braucht sich daher nicht zu wundern, daß in Frankreich die Flugtechnik sich so viel schneller entwickelt hat. Von den nicht ausgeftogenen Preisen der Flugwoche hat das Kriegsministerium den Betrag von 1500 Mk. für den abgestürzten Aviatiker Heim bestimmt, der bei seinem letzten Flug eine gute Leistung vollbracht hatte. No. 16 „FLUGSPORT“. Seite 522 Schraubenpropeller.*) Die bisherigen Schraubenpropeller (Lenkballons, Flugmaschinen usw.) sind fest auf ihrer Drehachse angebracht. Eine genaue Ausbalancierung der Träg- heitshauptachse und Fernhaltung aller plötzlichen Winkeländerungen der Dreh- achse ist bei solcher Befestigung nötig, um die Propellerwelle, die auch gewölın- lich Motorwelie ist, zu schonen. Ferner ist eine Ausnutzung der Kreiselwirkung des Propellers für die Stabilisierung von Luftfahrzeugen bei der bisherigen An- ordnung nicht möglich wegen der Kleinheit des Effekts. Die neue Anordnung soll einerseits eine freie Einstellung des Propellers in die Achse des größten Hauptträgheitsmomentes ermöglichen und dadurch unzu- lässige Beanspruchungen der Welle verhindern, andererseits den durch die Kreisel- wirkung im Raume ruhenden Propellerstrom und Propellerschub als stabilisierende Kraft ausnutzen. Sitzt der Propeller z. B. freifliegend auf dem Flansch der Motorwelle, so soll er nicht wie bisher fest mit diesem verschraubt, sondern durch irgend eine Vorrichtung gekuppelt werden, die eine Drehung der Propellerdrehebene zuläßt, z. B. durch ein Universalgelenk, nach Abb. 1 beiliegender Zeichnung. Daß ein um einen festen Punkt rotierender Körper sich mit der Achse seines größten Trägheitsmoments in die Achse des Drehmontes_ einstellt, ist bei näherer Betrachtung einleuchtend. Diese Einstellung wird, wie Versuche zeigen, Abb.3 im allgemeinen nicht gestört, wenn der Körper ein Schraubenpropeller ist, auf den außer dem Drehmoment auch die von der Winkelstellung der Achse abhängigen Luftwiderstände wirken. Versuche haben ferner gezeigt, daß bei Winkeländerungen der Motorwelle die Propellerebene zunächst erhalten bleibt und langsam und aperiodisch in die neue Lage senkrecht zur gedrehten Motorwelle übergeht. Diese Eigenschaft ») D. R. P. 224053. Dr. Ing. Hans Reißner in Aachen. Seite 923 „FLUGSPORT“. No. 16 kann für die Erzeugung eines stabilisierenden Drehinomentes eines Flugapparates in verschiedener Weise benutzt werden, beispielsweise unmittelbar, wenn der Propeller vor dem Schwerpunkt angreift, oder ınittelbar durch die Luftstromwir- kung des im oder hinter dem Schwerpunkt befindlichen Propellers auf die Schwanzflächen. In Abb. 2 und 3 bedeutet L die Luftschraube, F die Schwanzfläche, S den Schwerpunkt, P den Propellerschub, y den Hebelarm von P um S nach einer Drehung des Systems um den Winkel «. Abb. 2 zeigt, wie der sich parallel bleibende Propellerschub P ein zurückdrehendes Moment P- y um den Schwer- punkt S erzeugt, Abb. 3 wie der sich parallel bleibende Luftstrom des Propellers auf die mit dem ganzen System gedrehten Schwanzflächen F zurück- drehend wirkt. Zweckmäßig wird die Bewegung der gelenkigen Verbindung begrenzt, damit der Ausschlagwinkel z. B. bei plötzlichen Stößen, oder bei Verlust eines Propellerflügels nicht so groß werden kann, daß rotierende Teile gegen andere Teile. des Fahrzeuges anstoßen. Patent-Anspruch. Schraubenpropeller, dadurch gekennzeichnet, daß er frei fliegend, in der Ruhe im indifferenten Gleichgewicht gelenkig auf der Antriebswelle sitzt, so daß er sich bei der Rotation selbsttätig in die zur Antriebswelle senkrechte Ebene einstellt. Verschiedenes. Flugtechnische Ausstellung in Lemberg. Anläßlich der in den Monaten September und Oktober d J. in Lemberg stattfindenden Techniker-, Architekten- : und Baumeisterrage, sowie des Berg- ued Hütteningenieurkongresses wird in der Zeit vom 1. September bis 15. Oktober unter dem Protektorate des flugtech- nischen Vereines „Aviata“ Fürsten Lobumirski in Lemberg die erste flugtech- nische Ausstellung veranstaltet, in der Zeichnungen, Konstruktionen, Pläne, Mo- delle von Ballons und Flugmaschinen, Flugmotore, Schrauben, fertige Flug- maschinen, Bestandteile usw. ausgestellt werden. Während dieser Zeit werden auch im Vereine mit der „Aviata“ und der Kärntner Aerosektion die Aviatiker Heim und Sablatnig auf dem großen Exerzierfelde Schauflüge veranstalten. In der Provinz Brandenburg ist das Veberfliegen der Städte verboten- Der Oberpräsident für die Provinz Brandenburg hat folgende Bekanntmachung erlassen: Auf Grund der 88 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landes- verwaltung vom 30. Juli 1883, sowie der 88 6, 12 und 15 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 wird, da die Angelegenheit keinen Auf- schub gestattet, vorbehaltlich der Genehmigung des Provinzialrates für den Umfang der Provinz Brandenburg und den Landespolizeibezirk Berlin hierdurch verordnet, was folgt: ° 81. Der Aufstieg mit Flugmaschinen zu Schauflügen auf Flugplätzen und zu Ueberlandflügen ist nur solchen Personen gestattet, welche sich im Besitze ‘eines Führerzeugnisses für Flugzeuge nach den Bestimmungen der Fede- ration A6ronautique Internationale betinden. $& 2. Die Veranstalter von Schau- flügen oder von Ueberlandflügen haben die beabsichtigten Flüge mindestens drei Tage‘vorher der Ortspolizeibehörde, welche für den Flugplatz oder für den Ausgangsort der Ueberlandflüge zuständig ist, anzuzeigen. Die Führerzeugnisse der beteiligten Flieger sind spätestens 24 Stunden vor Beginn des Fluges der zuständigen Ortspolizeibehörde durch die Flieger selbst vorzu- legen. & 3. Bei Ueberlandflügen ist das Ueberfliegen von ge- schlossenen Ortschaften verboten. — Bei Schauflügen dürfen die Schranken des Flugplatzes nicht überflogen werden. $ 4 Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden, soweit nicht nach sonstigen gesetzlichen Vor- schriften eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 60 Mk bestraft. S ®. Diese Polizeiverordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung in Kraft. _ Potsdam, den 29. Juli 1910, Der Oberpräsident. Die Provinz Brandenburg, die Wiege der preußisc..en Schneidigkeit, marschiert wieder an der Spitze, Das Veberfliegen einer Stadt kostet 60 Mark. No. 16 „FLUGSPORT“ Seite 524 Jeder einsichtige Flieger wird auch ohne die Bestimmung das Ueberfliegen einer Stadt, wenn er nicht genügend Sicherheit hat, vermeiden. Sehr hart ist das Verbot betreffend die Ueberschreitung der Flugplatz- grenzen. Es kann sehr leicht vorkommen, daß ein Windstoß den Flieger aus der Bahn drückt, ohne daß er es vermeiden kann. Wenn schon das Verbot des Ueberfliegens einer Stadt gerechtfertigt erscheint, wäre es doch Pflicht gewesen, die Fliegerkreise wegen der zu erlassenden Maßnahmen zu befragen. Die Porträts der 20 ersten deutschen Flugzeugführer sind--auf-einem Tableau in vorliegender Nummer zusammengestellt. Dieses Tableau ist in Post- kartenformat ausgeführt und von der Flugplatz-Gesellschaft Berlin- Johannisthal in Berlin erhältlich. Ein neuer Militärflugplatz? In dem märkischen Orte Niederneuendorf bei Spandau sind seit längerer Zeit umfassende Terrainkäufe vorgenommen worden, ohne daß die Bewohner bisher über die zugrunde liegenden Zwecke unterrichtet worden sind. Wie verlautet, sollen die Ankäufe im Auftrage der Militärverwaltung erfolgt sein, die dort einen neuen großen Flugplatz errichten will. Ob indessen die Verhandiungen mit dem die Terrains aufkaufenden Kon- sortium zu einem Erfolge führen werden, ist zurzeit noch fraglich. Letzte Nachrichten. Vom Ueberlandflug Frankfurt - Mainz— Mannheim. Am Mittwoch den 17. August abends 6 Uhr 3 Minuten stieg Wiencziers auf einem Antoinette von den Albatros-Werken auf und verließ den Griesheimer Platz in der Richtung nach Höchst. Er traf 6 Uhr 33 Minuten auf dem Mainzer Sande ein. 6 Uhr 33 Min. 45 Sek. stieg Jeannin auf und passierte 7 Uhr 5 Min. den Zielrichterp'inkt am Fesselballon auf dem Mainzer Sande. Jeannin mußte in- folge der einbrechenden Dunkelheit in Sandhofen, 7 km vom Mannheimer Exer- zierplatz niedergehen. Thelen flog um 6 Uhr abends bei Ginsheim auf, mußte jedoch wegen Heislaufens des Motors bei Gernsheim wieder landen. v. Mumm versuchte gleichfalls zu starten, wurde jedoch in ein Stoppelfeld abgetrieben. Am 18. August morgens versuchten zu starten v. Mumm, v. Gorrissen und Plochmann. Mumms Maschine schien wieder zu streiken. Er geriet in Gärtnerei-Anlagen, wo er sich das Fahrgestell und die Schraube total zerbrach. Das Interesse, welches dem Ueberlandflug-Unternehmen entgegengebracht wird, ist ein sehr großes. Vom Großherzog von Baden ist noch ein Ehrenpreis gestiftet worden. Weiter ist vom Deutschen Fliege:bund noch ein Betrag von 5000 M. als dritter Preis bereit gestellt. Der Circuit de V’Est ist beendet. Leblanc benötigte eine Gesamtzeit von 12 Stunden 56 Sekunden und Aubrun 13 Stunden 38 Min. 15 Sek. Leblanc hat im ganzen an Preisen 127000 Francs und Aubrun 113000 Francs gewonnen. Paris-London. John Moisant ist am 17. August von Paris über Amiens, Dover nach London geflogen. Latham, welcher sich gleichfalls an dem Fluge Paris-London beteiligte, stieß auf dem Flugplatz von Amiens gegen einen Baum und zertrümmerte seinen Apparat vollständig. Firmennachrichten. Flugmaschine Blum Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin. Unter diesem Namen wurde in das Berliner Handelsregister ein Unternehmen eingetragen. Zweck des Unternehmens ist: Die Herstellung und der Vertrieb von Flugmaschinen aller Art, der von dem Mitbegründer Blum auf Flugmaschinen angemeldeten Patente. Das Stammkapital beträgt 50 000 Mk. Geschäftsführer ist Seite 525 „FLUGSPORT“. No..t6 t Fuchs in_Beriin. Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter aflang. Der Gesellschaftsvertrag ist am 5. Juli 1910 festgestellt. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, so wird die Gesellschaft durch mindestens zwei Ge- schäftsführer oder durch einen Gesäftsführer und einen Prokuristen vertreten. Außerdem wird hierbei bekanntgemacht: Bekanntmachungen der Gesellschaft er- folgen durch den Deutschen Reichsanzeiger. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. " Protektorat : Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter n i . Schey, Schatzmeister. , . en ae Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen KU a In Se des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins ' Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557. Vorstand: 1. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. n Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Eiyiling. © skar Ürsinus. _ ll 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. . Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. . Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. > N u Na \ N N I N I LTE Der Frankfurter Flugtechnische Verein verfügt durch seine Mitglieder über 11 flugfähige Maschinen. Das Betreten des Giriesheimer Exerzierplatzes während des Ueberland- fluges ist bis zum 22. August nur gegen Eintrittskarte zulässig, welche im Vor- verkauf im Reisebürcau Schottenfels (Bethmannstr. 52) erhältlich. sind. Der Preis No. 16 „FLUGSSPORT“. Seite 526 ist auf 3 M. pro Person für einmaligen Eintritt und auf 20 M. pro Wagen für einmalige Benutzung festgesetzt. Unsere Mitglieder erhalten im Vorverkauf gegen Vorzeigen ihrer Mitgliedskarte eine Ermäßigung auf 2 M. An den Tages- kassen findet keine Ermässigung statt. Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim. Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, MannheimN. 4, 21. Telcf. 377 2, n Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37a. 2, » Kaufmann Müller. Kassierer: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. Flugwart: Josef Bechler. Materialverwalter: Fabrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in dem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 28 III. Vorstand: Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 281. Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. 2. » Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller. Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vere nslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. m Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. „ Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schriftführer: C. Kremer, Kaufmann. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Josef Wahlen, Assessor. Zuschriften sind zu richten an den 1. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst, Düsseldorf, Graf Adolfstr. 83. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Club-Abend statt. in gg! U) 7 To ao || | BE ug ni Seite 527 | „FLUGSPORT“. No. 16 = “ Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . . . 2 2 2 2 2 22 2.2... Tel. 2701 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. (Tel. 10972). Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhild. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: 1. Vorsitzender: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. 2, „ Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. n Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen. Schriftführer : Dr, Albert, Holten. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. Stellvertr. Schriftführer und Kassierer: Kaufmann u. Oberleutnant d. R. Knigge, Oberhausen, 1. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 2 „ Architekt Schnarre, Holten 3 »; Flugtechniker Nihues, Wesel. 4 Fu Gutsbesitzer Tender, Holten. 5. „ Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. 6. n Kaufmann Zündorf, Marxloh. Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. » Beigeordneter Sigloch, Hamborn. 'Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. n.: Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. n Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. n Redakteur Krause, Köln. n Oberingenieur Weidler, Oberhausen. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen zu richten. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Heinr. Jahn, Schritführer. Jos. I.ang, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission. Flugsport Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Representant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 17. Frankfurt a. M., 7. September 1910. Jahrg. II. Moderner Flugmaschinenbau. Civilingenieur O. Ursinus. Schwerer als Fliegen ist die Kunst, kein Kleinholz zu machen. Ein großer Teil von Kleinholz wird beim Anfahren und beim Landen durch ein mehr oder weniger gutes Fahrgestell verursacht. Für Lernende ist ein gutes Fahrgestell unerläßlich. Die Fahrgestelle der bekannten Typen Antoinette, Bleriot, Voisin, Farman und Sommer habe ich bereits ın früheren Artikeln beı der Beschrei- bung der Typen ausführliclı besprochen. Viele Konstrukteure und auch die Brüder Wright gingen von der Auffassung. aus, daß ein Paar Kufen das solideste Untergestell für die Landung abgeben. Das Fahrgestell dient bekanntlich dazu, die Maschine vor dem Abheben vom Boden und beim Niedergehen zu tragen und ctwaige Stöße von den empfindlichen Teilen der Maschine fern zu halten. Die seitliche Stabilität, insbesondere die Beeinflussung derselben durch die Tragdecken während des Anfahrens kann und darf durch das Fahrgestell nielıt amortisiert werden. Der Flieger muß sich von An- fang an daran gewöhnen, die seitliche Stabilität anch während des An- fahrens durch die Stenerorgance zu bewirken, welche zur Gleichge- wiehtserhaltung in der Luft nötig sind. Es ist dalıer fehlerhaft, an den Tragdeckenenden Hilfskufen anzuordnen, die unter Umständen, wenn sich der Flieger darauf verläßt, gefährlich werden können. Das Fahrgestell, welches in «der Hauptsache aus 2 Rädern oder Räderpaaren besteht, mnl so konstrniert sein, daß es beim Anfahren seitlichen Abweichungen von der Flugrichtung folgen und seitliche Stöße beim Landen vertragen kann. Das seitliche Durchbrechen der Räder und Brechen der Radachsen kann vermieden werden Seite 529 „FLUGSPORT“. No. 17 1. durch Selbsteinstellung der Räder in die Abtreibrichtung (Bleriot und Voisin), 2. durch elastische Aufhängung der Räder (Enders und Euler), 3. durch Anordnung von starren Kufen, welche starke Stöße aufzunehmen vermögen (Farman und Sommer). | j Abb. 1. YERRER SIR uZ BRAUT Kr LARAA N rn nn Das Fahrgestell von Voisin ist in Nr.1, Jahrgang 1909, Seite 5 und das Fahrgestell von Bleriot in Nr. 24, Jahrgang 1909 auf Tafel III dargestellt. Eine Ausführung nach der zweiten Kategorie zeigt das in oben- stehender Abb. 1 dargestellte Fahrgestell von Enders. Die Radachse ist durch 3 Gummischnüre, welche durch Flügelschrauben verschie- [ - mm m No. 17 „FLUGSPORT‘. Seite 530 denartig angespannt werden können, aufgehängt. Diese Abfederung gestattet, dab die Maschine beim Anfahren gerade läuft, jedoch etwaigen Abweichungen folgen kaun und ebenso beim Landen seit- liche Stöße elastisch auffängt. Die Konstruktion geht aus der Ab- bildung zur Genüge hervor. Eine große Anwendung hat die dritte Kategorie, eine Kombi- nation von Kufen und elastisch anfgehängten Rädern, gefunden. (Farman, cf. Tafel II, Nr. 4 und Sommer Tafel IV, Nr. 11, Jahrgang 1910). Diese Anordnungen sind mit verschiedenen Aenderungen in vielen anderen Konstruktionen wieder zu finden. Die Anordnung von Kufen hat große Vorteile, aber auch große Nachteile. Die Konstruktion des Fahrgestells gestaltet sich bei der Anordnung von Kufen (cf. Farman) äußerst einfach. Damit die Kufen sich nicht in die Erde spielen, hat Sommer dieselben mit dem vorderen Höhensteuer verbunden. Die leichten Stöße werden durch die Gummiaufhängung aufgenommen, während stärkere Stöße, nach- dem die Gummistränge durchgefedert haben, von den Kufen aufge- nommen werden. Beim seitlichen Aufkommen wird selbstverständ- lich, so lange die Gummistränge noch nicht vollständig durchgefedert Abb. 2, 3 u. 4. sind ıınd der Apparat noch auf den Rädern rollt, die Schräglage all- mählich ausgeglichen. Sobald jedoch der Apparat stark seitlich aufkommt und bis auf die Kufen durchfedert, wird die aufgekommene Kufe stark bremsen und der Apparat um diesen Punkt sich seitlich drehen. Das entgegengesetzte Flächenende wird einen starken Auftrieb er- halten und der Apparat in noclhı größere Schräglage gelangen. Bei sehr großen Apparaten mit großen Dämpfungsflächen. tritt «dieser Um- stand weniger in Erscheinuug als bei kleinen Apparaten, z. B. Ein- deckern mit kleinen Dämpfingsflächen. Bei diesen Apparaten ist Seite 53 m FLUGSPORT“. No. 17 gerade die Anordnung von 2 Kufen verhängnisvoll und bildet oft die Veranlassung zu Kleimholz. Holzrumpf, ausgeführt von Schroth. Abb 5. Dieser Umstand bestiunmte mich, au mehier Maschine eine Kombination init einer Kufe zu verwenden. Pie Konstriiktion eines derartigen Binknfen- Kahrgestells ist in den Abb.2, 3 nnd + «dargestellt. Die Kufe a ist mit den Trasdecken b starr verbunden. Die Raldachse e ist einerseits an der Kufe dureh Gummischnüre d aufgehängt und gegen die Tragdecke bei f ah- gefedert. Diese Konstruktion. hat weiter (len Vorteil, daß das Räder- paar «durch einen Seilzug g zwangs- länfig gesteuert werden kann, um bei geringerer Geschwindigkeit, wo die Stenerungsorgane noch nieht funktio- niereun, die Maschine zu stenerm. Die oben geschilderten Wahrnch- mungen haben mehrere Konstruk- teure veranlaßt, nenerdings statt 2 Kufen eine Kufe zu verwenden. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß die deutschen Konstrukteure, nachdem sie die Mängel der fran- zösischen Konstrnktionen konnen ge- lernt: haben, ihre eigenen Wege gehen und daß sich bald mehrere bewährte Typen von Fahrgestellen entwickeln werden. Auch ın Rumpf-Konstruktionen sind nenerdings einige neue Formen herausgekommen. Die Konstmkteure waren dabei bemüht, für den bisher überall nachgeahmten schr diffizilen Gitteriumpf einen Wrsalz zu schaffen. Das Reiöen eines einzelnen Spann- drahtes beim Gittenmmpl a la Bleriot kann unter Tiuständen den ganzen Apparal in Kleinholz verwandeln. Schreiber dieses nahm mm „Ilng- sport“ Nr. 9, Jahrgang 1910 auf Seite 256 Veranlassung. auf vor- seliedene Fabrikationsmöglichkeiten hinzuweisen und gab in Abb. 15 auf Seite 256 die Ausführmugesinöglieh- keiten einer Rannpfkonstinktion, die jetzt neuerdings aufgegriffen und praktisch durchgeführt worden ist, Seite 532 Abb. 6. nme mtr # .l #1 H Rumpf von Enders. Abb. 5 zeigt eimen derar- tigen 6 m langen Rumpf aus Holzeohr. Die Wandung he- steht aus S mım starken sich krenzenden spiralförınig ver- laufenden Jlolzlagen. Zwischen jeder Ilolzlage befindet sich. eine Leimwandselucht. Der äußere Yeıl des Rumpfes wird entweder mit einer Leinwanid- schicht oder mit einer dicht nebeneinander gewickelten Lage von Bindfaden überzo- gen. Das Gewicht dieses fast, unverwüstlichen Rumpfes beträgt mut Verstärkungs- stücken für den Motor 50 kg. Eine weitere schr solide Rumpfkonstruktion ist die von Enders in Nürnberg (s. Abb. 6). An einen vor- deren aus Stahlblech geprebß- ten Teil schließt sicli hinten ein konisches Stalılrohr an, an welchem. alle Steuerteile angcordnct sind. In dem vorn befindlichen gegabelten Teil befindet sich ın sehr geschützter Lage der Führer- sitz. Der Konstrukteur scheint von dem Gedanken geleitet. zu sein, dem Flieger Stürze möghehst angenehm zu ge- stalten und Verletzungen durch Holzsplitter, durch Beibrechen ces Motors und Benzinbehäl- ters vollständig zu vermeiden. Die vorliegende Konstruktion scheint tatsächlich diesem Um- stand gerecht zu werden. Es ist ein erfreuliches Zei- chen. feststellen zu können, daß «ie deutschen Konstruk- :tenre bereits beginnen,systema- tisch nach bestimmten Rich- tungen zu arbeiten und dab die Zeiten, als man noch zwischen zwei Bamnbusstangen 2 Segel spannte und einen Motor darunter setzte, vorbei sind. Seite 533° „FLUGSFORT“. No. 17 Die berufene deutsche Fachpresse und der deutsche Flugsport. Die deutsche Zeitschrift für Lnftschiffahrt, Ilustr. Aeron. Nachr., das offizielle Organ aller Dentschen Luftsch.-Vereine, schreibt in seiner letzten Ausgabe unter *) Dies ist die korrigierte Höhe, anstelle der ursprünglich berechneten 2058 m (6600 Fuß anstelle von 6750 Fuß). Seite 547 „FLUGSPORT“. No. 17 werden können, die meisten Zuschauer sparen daher das Eintrittsgeld. Außerdem hat man den Eindruck, daß die Preise nicht ernsthaften Konstrukteuren, sondern kapitalkräftigen Fabriken zugute kommen, Man rechnet daher damit, daß sich die Flugmaschinen in Zukunft durelı Honorare bei Vorstellungen und durch Passagierflüge bezahlt machen müssen. Die größten Preise fielen in Blackpool an die folgenden Flieger: l. Gralıame White, Lstr. 490, 2. Grace, Lstr. 220, 3. Tetard, Lstr. 110, 4. MacArdle, Lstr. 30, 5. Cattaneo, Lstr. 20. Grahame White hatte sich den ersten Preis durch seinen Fleiß wohl verdient. Leider gelang es ihm jedoch nicht, den Daily Mail- Preis von tausend Pfund Sterling zu gewinnen, der demjenigen zu- fallen sollte, der vor dem 14. August die größte Gesamtentfernung in Ueberlandflügen zurückgelegt hatte. Noch am letzten Tage ver- mehrte Grahame White seine Kilometerzahl durch 253 km, doch hatte Paulhan einen solchen Vorsprung, daß ihm der Preis nicht mehr abgenommen werden konnte. Grahame White ist jetzt nach Amerika abgereist und wird am 3. Scptember in Harvard und vom 24 September bis 4. Oktober in San Francisco fliegen. Viel bemerkt ist hier, daß Mr. Grace, der sich mit seinem Far- man-Biplan: in Blackpool und noch mehr in Lanark auszeichnete, jetzt zum Monoplan übergegangen ist. Er hat sich Freunden gegenüber dahin ausgesprochen, daß er über das Verhältnis von Monoplan und Biplan durchaus kein endgültiges Urteil abgeben wolle, daß aber jedenfalls der gegenwärtige Biplan nicht mit dem Monoplan kon- kurrieren könne, weil letzterer verhältnismäßig eine viel größere Motor- kraft habe.und daher viel schneller sei. Mr. Grace übt mit seinem neuen Monoplan in Sheppey und machte bei seinem fünften Aufstieg schon einen Flug von 68 Minuten, wobei er eine Höhe von 915 m erreichte. Auf das Preisausschreiben der australischen Regierung für einen brauchbaren Kriegsaeroplan sind jetzt im ganzen 41 Bewerbungen eingegangen. Der Verteilung des Preises von 100000 M. wird mit Spannung entgegengesehen. Soeben ist auch der erste Bericht der englischen BRegierungs- kommission für Aeronautik erschienen. Wir werden das nächste mal einen ausführlichen Bericht über denselben bringen. Veber den vom Deutschen Fliegerbund veranstalteten Ueberlandflug Frankfurt-Mannheim und dessen Einzelheiten ist in den Tageszeitungen zur Genüge be- richtet worden. Indessen dürfte es von Interesse sein, die geflogenen Zeiten nachstehend zu registrieren, Am 17. August vormittags, Thelen mit v. Gorrissen als Passagier, Frankfurt ab 5 Uhr 54:40, Mainz passiert 6 Uhr 27. Gab kurz hinter Mainz den Flug auf. No. 17 „FLUGSPORT“. Seite 548 m Am 17. August nachmittags, Wiencziers, Frankfurt ab 6 Uhr 3: 21, an Mainz 6 Uhr 33. Startete am 18. August früh 7 Uhr 45 in Mainz, mußte nach 15 Minuten bei Achheim landen und gab den Flug auf. Am 17. August nachmittags, Jeannin, Frankfurt ab 6 Uhr 33 : 45 an Mainz 7 Uhr 3:44, ab Mainz 7 Uhr 18:28, landete 7 Uhr 10 in Sandhofen. Am 19. vormittags stieg Jeannin wieder auf und landete -7-Uhr 10730 in Mannheim. Die Gesamtflugzeit betrug 36 Stunden -- 40) Minuten. Jeannin aui „Aviatik‘. > | Lochner auf Euler. Wiencziers auf Antoinette-Albat: os. PlochmannaufGrade. Ueberlandilug Franki ırt-Mainz—Mannheim. Am 20. August vormittags, Lochner, Frankfurt ab 5 Uhr 8: 47, an Mainz 5 Uhr 48:10, ab Mainz 6 Uhr 25, an Mannheim 9 Uhr 27. Die Gesamtflugzeit betrug 3 Stunden 41 Min. 44 Sek. No.. 17 Seite 549 „FLUGSPORT“. Am 20. August: vormittags, Jeannin, Frankfurt ab 5 Uhr 59:39, umkreiste den Zielpunkt in Mainz 6 Uhr 34:14, landete in Mann- heim 7 Uhr 45:20. Gesamtflngzeit 1 Stunde, 45 Min. 41 Sek. Am 22. August mittags, Lindpaintner, Frankfurt ab 1 Uhr 50: 21, an Mainz 2 Uhr 26:56, ab Mainz 4 Uhr 22: 14'/,, an Mannheim 7 Uhr 46. Gesamtflugzeit 4 Stunden 56 Min. 44 Sek. Die beste Zeit erreichte demnach Jeannin mit 1 Stunde 45 Min. 41 Sek., die zweitbeste Lochner mit 3 Stunden 41 Min. 44 Sek. und die drittbeste Lindpaintner mit 4 Stunden 56 Min. 44 Sek. [ Ueberländilug Frankfurt— Mainz— Mannheim. Seine Hoheit Prinz Albert zu Schleswig Holstein-Glücksburg, Präsident des Deutschen Fliegerbundes, läßt sich von Jeannin Bericht über seinen Flug erstatten. Vom Mainzer Sande. (Von -unserem Mainzer Korrespondenten.) Hell und klar schien am 16. August die Sonne auf den Mainzer Truppen- übungsplatz. Heute, am ersten Tage des Ueberlandfluges, sollten die ersten Flieger eintreffen. Jedoch die Erwarteten erschienen nicht. Wir vertrösteten uns auf die kommenden Tage. — Die betrübende Nachricht von dem Absturze v. Tiedemanns erregte große Teilnahme. Am +17. August-in-früher Morgenstunde erschien plötzlich ein Wright- Apparat, Thelen, mit einem Passagier, v. Gorrissen, an Bord über dem Großen Sande. Es war das erstemal, daß eine Flugmaschine den Rhein bei Mainz pas- sierte. Der Eindruck auf Jung und Alt war ein wirkungsvoller, nachhaltender. Die Begeisterung war eine enorme. Da plötzlich, dicht hinter Mainz — man vernahm das regelmäßige Knattern des Motors sehr weit — hörte man Aus- setzer. Die Maschine ging im Gleitflug zur Erde. Die Ursache der Landung verbreitete sich sehr schnell. Fin Zylindermantel des Motors war infolge schlechter Wasserzirkulation heiß geworden und geplatzt. Zum Glück erfolgte die “andung in der Nähe der Automobil-Fachschule in Mainz, welche die Fabri- kation von Flugapparaten betreibt und zufällig im Besitze eines Flugmotors der gleichen Iype war. Der defekte Zylinder wurde ausgewechselt und durch einen neuen ersetzt. Seite 550 No. 17 „FLUGSPORT"“. Die beiden Flieger konnten bereits nach 1’, Stunden wieder weiterfliegen. Nach kurzer Zeit mußten die Flieger jedoch wieder niedergehen und konnten erst gegen Abend ihren Flug fortsetzen. Das Publikum machte sich bald mit der,Tatsachef;vertraut, daß sich für die Fliegerei am besten die Morgen- und Abendstunden eignen. Am gleichen Abend zeigten sich am Horizont zwei Flieger, zunächst Wiencziers auf seinem Antoinette-Eindecker. Der Eindruck, welchen der Ein- decker machte, war ein großartiger. Wiencziers umkreiste den Sand und landete glatt. Eine ganz eigenartige Stimmung bemächtigte sich der Zuschauer. Sie hatten alle Gelegenheit, vielfach zum erstenmale ein solches Wunderding zu sehen.‘ In respektvoller Weise näherte man sich dem Riesenvogel. Jeder hätte gern erfahren, wie es da oben aussieht und welches Gefühl man hat, von Frankfurt nach Mainz zu. fliegen. Wiencziers versuchte nach kurzem Aufenthalt wieder zu starten. Ein Pneu- maticdefekt hinderte ihn jedoch daran. Am gleichen Abend kam auch noch ein Zweidecker in Sicht, der ungemein ruhig dahinflog und mitten auf dem weißen Kreuze, das das Ziel auf dem Erd- boden markierte, landete. Mit einer fabelhaft guten Berechnung stelite Jeannin seinen Motor ab, um im Gleitfluge da zu halten, wo die strengen Mainzer Starter die Stoppuhr drückten. Ueberlandflug Frankfurt—Mainz— Mannheim. Lindpaintner auf dem Mainzer Sande vor dem Start. _... Jeannin flog herrlich, landete herrlich und startete genau_so_ wunderbar. Er zeigte sich als Meister in der Luft. Wie wir dann vernahmen, hat die Dunkel- heit sein Endziel nicht erreichen lassen. Die bisherige Abwicklung des ersten deutschen Ueberlandfluges hat alle Gönner, Freunde und Neugierigen hoch befriedigt und konnte das Unternehmen nur mit Dank und Begeisterung als ein schönes betrachtet werden. Es vergingen zwei Tage; es wurde langweilig, man glaubte nicht, daß noch einmal die Sache ernstlich genommen werde. Am Sonntag morgen in aller Frühe kam wirklich der langersehnte Lochner nach einigen Irrfahrten über Wiesbaden infolge starken Nebels. Sein Gnome- motor ließ Zündungen aus, man hörte es schon von weiter Ferne, aber er landete glatt und fein. Lochner war, als er ankam, wütend, weil seine Monteure noch nicht am Platze waren, der eine hatte verschlafen, der andere kam mit dem Auto von Frankfurt, das nicht so ungehindert auf der Erde dahinsausen konnte. Seite 551 „FLUGSPORT“. No. 17 Die Flugmaschine bekam durch Taschentücher Benzin filtriert, prima Oel und bald war der Mainzer Landsmann Lochner wieder in der Luft und fuhr merk- würdigerweise dem in Sicht kommenden Jeannin entgegen, um in einer Kurve den Weg nach Mannheim weiterzufahren. Jeannin umkreiste den Sand und flog elegant weiter. Die lauten Jubelrufe begleiteten ihn sicherlich überall bis zu seiner glatten Landung in Mannheim. Der darauffoigende Montag war der letzte Tag des Wettbewerbes, und in Mainz sagt man: Heute geht es um die Wurscht! Der Montag war ein niederträchtiger Fliegertag; Gewitterregen, Hagel und Wind tanzten miteinander am Himmel. — Man glaubte nicht, daß heute ein Flieger startet, bs plötzlich aas Telephon meldete, daß Lindpaintner, der inzwischen von den oft lange Wartenden als Windpeter umgetauft wurde, in Frankfurt abgefahren sei. „Denn die Elemente hassen das Gebild von Menschenhand“ — O wie wahrheitsgemäß zeigte sich an diesem Tage dieser Dichterreim. Lindpaintner kam nach 42 Minuten langem Kampfe gegen den Wind mit lahmen Armen hier an. Er landete und jammerte über seine Schmerzen im Arme, mit dem er gegen das Steuer boxen mußte. Er nützte die Stunde, die für die Landung in Mainz vorgesehen war, für seine Erholung ehrlich aus und, als diese verflossen war, und er sich wieder in die Luft schwingen wollte, kamen erneute Regenglisse und so verzögerte sich der Aufenthalt für die Preisgewinnung recht unangenehm, für die Anwesenden auf dem großen Sande umso angenehmer, denn Lindpaintner erfreute alle aviatsch gutgesinnten Herzen durch seinen eiskalten und doch so herzlichem Humor. Nach zweistündigem Aufenthalt zog er wieder von dannen nach Mannheim zu, und mit diesem Wegfluge war auch für Mainz der Ueber- landilup beendigt. — Er war schön und alle waren dankbar über die so erha- bene Veranstaltung. Ein voller Erfolg des Deutschen Fliegerbundes. Mögen doch derartige Veranstaltungen noch oft wiederkehren ! Eindrücke bei der Landung in Mannheim. Wohl selten ist eine derartige Begeisterung ausgelöst worden, wie durch das Erscheinen der Flieger in Mannheim. Interessant sind einige Mitteilungen der Flieger über ihren Flug. So berichtet Jeannin über seinen ersten Flug olgendes: „Als ich in Mainz aufstieg, hatte ich die bestimmte Hoffnung, in Mannheim in wenigen Stunden mich erholen zu können. Der Motor arbeitete ohne Fehl und ich erreichte ab Mainz eine Geschwindigkeit von über 85 km die Stunde. Leider aber konnte ich diese Geschwindigkeit nicht durchhalten, denn der Feind aller Flieger, der Wind, der aus Nordwest kam, fing an, allerhand Scherz zu treiben. Bald setzte er sich unten von rechts, bald drückte er links, doch ich kam immer noch voran, aber plötzlich fing er an, sich im Kreise zu drehen, als ob er mit meinem Apparat spielen wollte und nur mit aller Anstrengung konnte ich dem Bestreben meines Apparates, sich mitzudrehen, Herr werden. Schließlich unterlag der Schwächere aber doch dem Stärkeren und ich mußte zurück und versuchen, den Tücken meines Feindes zu entgehen oder ihnen bei- zukommen. Das gelang mir denn auch; zum Fliegen gehört nicht allein Mut und frisches Losgehen gegen die Gefahren, man muß auch manchmal nachgeben können, und wer’s zur rechten Zeit tut, kommt immer am besten zum Ziel. — Meine Route nach Mannheim habe ich eingehalten, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich flog links vom Rhein und habe ihn erst kurz vor Worms überguert, aber beim ‚zweiten Fluge werde ich wohl stets auf dem rechten Ufer bleiben, denn jenseits Oppenheim scheint mir das schlimmste Windloch zu sein. Wie ich mich orientiere? fragen Sie Einen Kompaß benutzte ich nie bisher. Ich habe ein besonderes Gefühl für die Richtung und noch nie hat mich das im Stich gelassen, erst jetzt hatte ich eine Probe davon. In der Nähe von Oppenheitn steht auf einem Berge ein Turm, den hatte ich mir, als ich mit dem Automobil die Strecke abfuhr, gemerkt, ich habe ihn ohne den Turm näher zu Gesicht zu bekommen — es war dichte Luft — in etwa 20 m Höhe überflogen. Was unter mir auf der Erde passiert, sehe ich genau, da ich Freude an der schönen Land- schaft habe und Städte und Dörfer kennen lernen will. Es ist etwas einsam, aber die Beobachtung hilft wie die Aufmerksamkeit, mit der der Apparat bedient sein will, darüber hinweg. Ich bin sicher, daß mich auf dem Fluge nur wenige Bauern, die auf dem Felde arbeiteten, bemerkten, manche schwenkten die Mütze. No. 17 „FLUGSPORT'“. Seite 552 Den Wind hatte ich eine Zeitlang ganz vergessen, er ließ mich hinter Worms ziemlich in Ruhe, und um mich über ihn zu unterrichten, ob er überhaupt noch wehe, stellte ich das Tiefensteuer und senkte mich herab auf die lange, vor mir auftauchende Pappelreihe, um an den Spitzen der Bäume die Stärke des Windes feststellen zu können. Sie schwankten ziemlich heftig, und so war also unten die Strömung der Luft größer als oben. Ich stieg wieder empor, um dann, da ich bei dem raschen Dunkeln, das durch Nebel und Rauch leider sehr beschleu- nigt wurde, und den in ineinander verschwimmenden Lichtern nicht recht wußte, wo ich war, bei Sandhofen niederzugehen."Sehr unangenehm sind für den Flieger die Blitzableiter auf den Schornsteinen; ihnen auszuweichen, erfordert oft eine besondere Kunst.“ Ueber seinen zweiten Flug sagt Jeannin: „Anfänglich war er ebenso glatt und flott wie der erste, aber in der Windecke bei Oppenlieim hatte ich wieder schwer zu kämpfen gehabt. Der Apparat schaukelte so stark, daß ich seekrark wurde und ihn nur mit Aufbietung aller meiner Energie in der Hand behielt. — Ueberlandflug Frankfurt Mainz— Mannheim. Jeannin in Mannheim. Wäre ich nicht in bessere Windströmung gekommen, ich hätte meinen Flug dann noch einmal wiederholen müssen, wenn mir nichts Schlimmeres passiert wäre.“ Die Ankunft des zweiten Mannheim-Fliegers, Lochner auf Euler, wurde mit großer Spannung erwartet. Kaum daß das Telephon die Ankunft gemeldet hatte, so erscheint aber auch schon der Apparat an der nördlichen Spitze des Exerzierplatzes über den Bäumen. Ein prachtvolles Bild, wie die Maschine, immer größer werdend, näher kommt. Der Apparat senkt sich, das Surren des Motors verstummt und leise gleitend rollen die Räder über den Sand. Die Hüte und Mützen fliegen und ein freudiges Hoch empfängt den aus dem Apparat Stei- genden, der sich der Händedrücke kaum erwehren kann. Lochner erzählt, daß er in einem ihm unbekannten Wald wegen plötzlichen Versagens des Motors abgestürzt sei. Glücklicherweise konnte er in eine Schneise kommen, wo weicher Waldboden den Sturz abschwächte. Nach halbstündigem Suchen fand er einige Bauern, die hilfsbereit den Apparat aus dem Wald und auf freies Feld mit ihm zogen und schoben. Dort reparierte er ilın und stieg nach einstündigem Aufent- halt wieder auf. Fast wäre ihm noch ein Malheur passiert Er stellte die Zün- dung ein und drehte den Propeller an. Die hilfefreudigen Bauern hatte er zum Halten des Apparates überredet. Als aber der Motor zu knattern anfing, liefen die Hilfsmannschaften davon und erst nochmaliges Bitten und der Hinweis auf die Ungefährlichkeit vermochte die Ausreißer zu bewegen, wiederholt Hand anzu- legen. So konnte Lochner nach diesem Intermezzo aufsteigen und sein Ziel erreichen. Seite 553 „FLUGSPORT“. No. 17 Die Begeisterung steigerte sich noch mehr, als am letzten Abend, kurz - vor Torschluß, 7 Uhr 45:5, gerade als drohende Gewitterwolken sich am Himmel zeigten, Lindpaintner auf dem weißen Zielkreuze sich niederließ. Der begeisterte Empfang läßt sich durch Worte nicht schildern. E. Am 22. August abendi, veranstaltete der Deutsche Fliegerbund im Frankfurter Hof ein Schlußbankett, an welchem sämtliche Flieger, außer Lindpaintner, welcher noch in Mannheim weilte, teilnahmen. Der Präsident des Bundes, Prinz Albert von Schleswig-Holstein, braclite das Hoch auf die Flieger aus. Oberst Ilse sagte in seiner Rede, heute könne man noch kein bestimmtes Urteil fällen, doch dürfe man stolz sein auf die Leistungen der dentschen Flieger. Danu sprach er über das Zu- standekommen «des ersten dentschen Ucberlandfluges. Eine Haupt- schwierigkeit bereitete die Feststellung «der Ronte, und man entschied sich für Frankfurt— Mainz— Mannheim, weil dort die Flußlänfe eine ‘bessere Orientierung gestatten. Die Preisverteilung fand am 23. August vormittags statt. 1. Preis, 25000 Mark und Ehrenpreis des Prinzen Albert zu Schleswig- Holstein-Glücksburg, Jeannin. 2. Preis, 10000 Mark und Ehrenpreis des Frankfurter Flugsport- Clubs, Lochner. 3. Preis, 5000 Mark und Ehrenpreis des Großherzogs von Baden, Lindpaintner. Passagierflug, Ehrenpreis des Großherzogs von Hessen, Thelen. Bester Flug nach Mainz ohne Passagier, Ehrenpreis des Frankfurter Flugsport-Clubs, Wienceziers. Beste Schauflüge, Ehrenpreis, Plochmann. Propositionen zu dem Wettfernfliegen Trier-Metz. 25000 Mark Preise gewährleistet‘ von den Stadtverwaltungen Metz und Trier. Zeit 27. September bis I. Oktober 1910. 81. Zulassung. Zu dem Wettfernfliegen werden nur in Deutschland gebaute Flugzeuge zu- gelassen. Ausländische Systeme sind erlaubt. Desgleichen ist die Wahl des Motors völlig freigestellt. Der Pilot muß die deutsche Staatsangehörigkeit be- sitzen und Inhaber eines inländischen Flugzeugführerpatents sein. Jedes Flugzeug wird vor der Abfahrt von dem Starter besichtigt und abgestempelt. Entspricht es nicht den bei der Nennung gemachten Angaben, so kann es von dem Wett- bewerb ausgeschlossen werden. 82. Zeit des Fliegens. Der Flug darf nach Wahl der Flieger an jedem Tage in der Zeit von 27. September bis 1. Oktober einschließlich ausgeführt werden. Es ist nach- mittags zwischen 2 und 5 Uhr zu starten. Falls während dieser 5 Tage an mehr als zwei Tagen mittags um 12 Uhr eine größere Windstärke aıs 6 Sekundenmeter festgestellt wird, so wird für jeden solchen Tag ein weiterer, anschließender Tag freigestellt. Sämtliche Teilnehmer sind verpfichtet, 2 Tage vor Beginn des Fliegens, d. h. am 25. ınd 26. September, in Trier in den Nachmittagstunden von 4-8 Uhr, Seite 554 No. 17 „FLUGSPORT“. günstige Witterung vorausgesetzt, Vorflüge zu unternehmen. Desgleichen liegt den Sieger die Verpflichtung ob, am 2. Oktober in Metz, falls die Wiiterung günstig ist, nachmittags zwischen 4 und 8 Uhr Nachflüge zu veranstalten. Ob die Witterung günstig ist, wird durch den Vertreter des Kaiserlichen Aeroklubs in dem Preisgericht entschieden. Falls die angeordneten Vor- und Nachflüge infolge ungünstiger Witterung ganz oder teilweise haben unterbleiben müssen, so bleibt eine Verringerung der Preissummen vorbehalten, und zwar derart, daß für jeden nicht ausgeführten Vor- oder Nachflug M. 1000.— von den Preissummen gestrichen werden. Unterbleiben die Vor- und Nachflüge aus anderen Gründen z. B. infolge von Beschädigungen der Maschine, so kann eine Verringerung der Preissummen bis zıı deren Hälfte eintreten. Preisträger sind jedoch in alten Fällen diejenigen Flieger, die nach $ 4 dazu den Anspruch erworben haben. Aus dem hiernach unter Umständen nicht zur Auszahlung gelangenden Teil der ausgestzten Preissummen werden Trosipreise an diejenigen Flieger gezahlt, welche die Bedingungen des $& 4 erfüllt haben, jedoch nicht Preisträger sind, dagegen aber die Vor- und Nachflüge bestimmungsgemäß ausgeführt haben. Wenn diese Bedingungen für die Auszahlung der Trostpreise überhaupt nicht erfüllt sind, so verfallen die etwa zur Streichung gekommenen Teile der Preissummen den veranstaltenden Stadtgemeinden. S 3. Flugbahn. Es ist die Strecke vom Exerzierplatz in Trier bis zum Exerzierplatz auf der Friedhofsinsel in Metz zurückzulegen und zwar muß über dem Lauf der. Mosel oder über einem der beiden Ufer auf einem Streifen von ungefähr je 100 m landeinwärts geflogen werden. Alle Krümmungen des Flußlaufes sind mitzu- nehmen. Die Strecke beträgt rund 105 Kilometer. Jeder Flieger erhält eine Karte des zurückzulegenden Weges im Maßstab 1:25000 sowie einen Plan des Landungsplatzes in Metz mit eingetragenen Hindernissen und schwierigen Stellen. 84. Sieger. Sieger ist, wer die ganze Strecke ohne Zwischenlandung zurücklegt und außerdem nach Ueberfliegen der Ziellinie in Metz unmittelbar im Anschluß an den Fernflug ohne vorherige Landung den besten Höhenrekord iiber dem Lan- dungsplatz ausführt. Das Vorrecht haben jedoch unbedingt diejenigen Flieger, welche mit einem Passagier an Bord ohne Zwischenlandung in Metz landen, auch wenn gegenüber den Einzelfliegern ein Höhenrekord nicht erreicht wird. Führer und Passagier müssen mindestens zusammen 130 Kilogramm wiegen, Schnelligkeit wird in keinem Falle gewertet. Bei gleichen Leistungen mehrerer Flieger entscheidet das vom Obmann des Preisgerichts zu ziehende Los. _ Die Auszahlung der Preise erfolgt innerhalb 14 Tagen, gezählt vom Tage der Veröffentlichung der Entscheidung des Preisgerichts, durch die Stadtver- waltung M etz. 85. Preise. Als Preise sind ein 1. Preis von 20000 M. und ein zweiter Preis von 4000 M. ausgesetzt. Weitere Preise für die Vor- und Nachflüge werden gege- benenfalls noch festgesetzt im Gesamtbetra;;e von mindestens 1000 M. (Vergl. letzter Absatz.) Die Preise gelangen voll zur Verteilung, falls Flieger ohne Zwischenlan- dung von Trier nach Metz gelangen. Seite 955 „FLUGSPORT“. No. 17 Falls kein Flieger die aufgestellten Bedingungen voll erfüllt, jedoch eine Landung in Metz erfolgt, kann das Preisgericht durch einstimmigen Beschluß Teilpreise zuerkennen. Bezüglich der in Trier zu veranstaltenden Vorflüge behält sich der Trierer Klub für Luftschiffahrt vor, seinerseits besondere Preise auszusetzen, desgleichen die Stadtverwaltung Metz gegebenenfalls für die Nachflüge. Anmeldung. Die Anmeldı ng zu dem Fluge muß spätestens bis zum 10. September d. J. abends 6 Uhr bei dem Kaiserlichen Aeroklub in Berlin W. 30, Nollendorfplatz 3, schriftlich eingegangen sein. Die Anmeldung muß enthalten: 1. die Angabe der Staatsangehörigkeit des Piloten; 2. eine Abschrift des vorgeschriebenen Führerzeugnisses ; 3. die Angabe der Art des gemeldeten Fahrzeuges, seinen Erbauungs- ort, die Größenverhältnisse nach Länge, Breite und Höhe sowie die Marke des Motors. Der Anmeldung ist ein Nennungsgeld von 50 M. beizufügen. Eine An- meldung ohne das Nennungsgeld ist ungültig. Der Einsatz wird zurückerstattet, falls ein Vorflug von mindestens zwei Runden und außerdem Start zum Fern- flug von mindestens !/,stündigem Aufenthalt in der Luft erfolgt ist, andernfalls verfällt der Einsatz zu Gunsten der veranstaltenden Städte. Jeder Bewerber erhält eine Nummer zugeteilt, welche in Zifern von Im Höhe seinerseits herzustellen ist und sichtbar an seinem Apparat während des ganzen Fluges geführt werden muß. Falls nicht besondere Bestimmungen im Einzelfall erfolgen, müssen die Ziffern an beijen Seiten des Apparates sichtbar und senkrecht angebracht werden. 87. Unterbringung der Flugmaschinen. Die Flugmaschinen müssen spätestens am 23. September, abends 6 Uhr auf dem Trierer Exerzierplatz fertig montiert sein. Fir kostenlose Unterbringung daselbst wird auf Grund der Anmeldung gesorgt. Durch die Bereitstellung der Unterbringungsräüme wird seitens des Kaiserlichen Aeroklubs oder der veran- staltenden Städte keinerlei Haftung für etwaige Beschädigung der Apparate, Feuersgefahr und so weiter übernommen. Für Unterkunft der Flugmaschinen in Metz bis nach dem Nachflug wird gleichfalls auf Grund der Anmeldung Sorge getragen. Auch hier wird irgend- welche Haftung nicht übernommen. Die Unterbringungsräume werden bis zu einer Größe von 13 Meter auf 16 Meter bereit gestellt, größere werden auf Grund besonderer Vereinbarung hergerichtet. 88. Start. Der Start befindet sich auf dem Exerzierplatz in Trier. Vor Verlassen des Platzes hat der Flieger eine geschlossene Runde über den Platz zu fliegen. Jejer Flieger hat seine Absicht zu starten dem vom Trierer Klub für Luft- schiffahrt zu stellenden Starter rechtzeitig anzuzeigen. 89. Kontrolle. Die Kontrolle während des Fluges geschieht durch Kontrollstationen auf der ganzen Strecke, No. 17 „FLUGSPORT“. Seite 556 8 10. Wiederholung des Fluges. Jedem Flieger ist es freigestellt, innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit den ganzen Flug zwecks Erzielung eines besseren Resultates ein oder mehrere Male zu wiederholen. Br 811. Preisgericht. Das Preisgericht besteht aus einem Vertreter des Kaiserlichen Aeroklubs als Obmann sowie aus je einem von den beiden Stadtverwaltungen Metz und Trier zu ernennenden Delegierten. Die Entscheidung wird auf Grund der von den Kontrolleuren zu erstatten- den Berichte gefällt werden. Der Höhenrekord in Metz wird durch militärische Schiedsrichter festgestellt werden 812. Proteste. Proteste gegen die Entscheidung des Preisgerichts müssen binnen 3 Tagen nach Bekanntgabe der Entscheidung bei dem Kaiserlichen Aeroklub in Berlin schriftlich eingegangen sein. Mit jedem Protest ist der Betrag von 500 M. ein- zuzahlen, welcher zurückgezahlt wird, wenn der Protest als berechtigt aner- kannt wird, andernfalls jedoch zu Gunsten der veranstaltenden Städte Metz und Trier verfällt. Ueber den Protest entscheidet unter Ausschluß des Rechtsweges ein Schiedsgericht aus 7 Mitgliedern, von denen der Kaiserliche Aeroklub 3 benennt, während die 3 andern von dem Einleger des Protestes zu benennen sind. Die 6 ernannten Schiedsrichter wählen zusammen einen Obmann. 8 13. Haftung für Schäden. Jeder Flieger haftet für allen Schaden, den er selbst erleidet oder Dritten gegenüber anrichtet, allein. Der Kaiserliche Aeroklub sowie die veranstaltenden Städte lehnen jede Verantwortung ab. 8 14. Schlußbestimmungen. Durch die Anmeldung unterwirft sich jeder Flieger den obigen Bestimnt- ungen sowie auch allen sonstigen Anordnungen, die im Interesse eines unge- störten Gelingens der Veranstaltung seitens des Kaiserlichen Aeroklubs getroffen werden. Der Kaiserliche Aeroklub behält sich etwa notwendig werdende Aende- rungen obiger Bestimmungen vor. Unter den vorstehenden Bedingungen wird wohl nicht ein einzigeı Flieger sich an der Konkurrenz beteiligen. Wir wünschen, daß der Flug zu- stande kommt und daß die Propositionen so schnell wie möglich geändert werden. Daß dies nötig ist, beweisen die in verschiedenen Tageszeitungen erschienenen scharfen Kritiken. Wir machen uns ja lächerlich vor dem Auslande. Es muß unbedingt jedem Flieger freigestellt sein, zwischen 5 Uhr morgens und 7 Uhr abends zu starten. Ebenso muß die Bestimmung mit den Vor- und Nachflügen fallen. Hiermit fallen auch die Bedingungen über die teilweise Verringerung der Preise. Seite 557 „FLUGSPORT". | No. 17 No. 17 2.0.» FLUGSPORT“. Seite 558 Die Bedingung unter $ 3, dem Laufe der Mosel mit Differenzen bis zu 100 m zu folgen, ist praktisch nicht erfüllbar, daher unzulässig. Es kann niemand einwandsfrei kontrollieren, ob der Flieger sich 100.oder 101 m von Ufer der Mosel entfernt hat. Außerdem sind die Terrainverhältnisse an der Mosel an verschiedenen Stellen derartig ungünstig, daß der Flieger gezwungen ist, um sich nicht in Gefahr zu bringen, den Lauf der Mosel stellenweise zu verlassen. Zu $ 4: Sieger muß unbedingt derjenige sein. welcher die ganze Strecke am schnellsten zurücklegt. Zwischenlandungen müssen gestattet sein. Den Höhenrekord im Anschluß an den Flug ohne vorherige Landung auszuführen, ist fast undurchführbar. Vielleicht wird für diesen Höhenrekord ein besonderer Preis ausgeschrieben. Wir enthalten uns an dieser Stelle prinzipiell jeder weiteren Kritik und hoffen, daß die Leitung den vielen berechtigten Wünschen, welche dieser Tage vonseiten mehrerer Flieger an sie gelangten, Rechnung trägt und die Propositionen so schnell wie möglich ändert. Die Redaktion. A Flugtechnische A Rundschau. t Inland. Das Fiugmaschinenführer-Zeugnis erwarben: E u Dr. Arntzen auf Wright am 31. August in Johannisthal. = August Euler führte am 31. August mit seiner Gattin einen Passagierflug E von 43 Minuten aus. Die neue Euler-Maschine, welche besonders für Passagier- flüge konstruiert ist und hauptsächlich militärischen Zwecken dienen soll, besitzt cin verlängertes Chassis, in welchem hinter dem Sitz des Führers der Sitz für den Mitfliegenden angeordnet ist. Nebenstchende Abbildung zeigt den oben erwähn- ten Passagierflug. Eindecker Falk Hl Dieser Konstruktion sind bereits 2 Maschinen, Falk I und Il, welche infolge konstruktiver Fehler verlassen wurden, vorausgegangen. Die Grundlagen des „Falk Ill“ sind kurz folgende Es soll das Prinzip der Nei- August Euler und Frau während des 43 Min. Fiuges am 31. Aug. 1910. gungswinkeldiiferenz (hohe automatische Stabilität) mit den Vorteilen des vorderen Höhensteuers kombiniert werden. Die vordere, also zugleich als Tragdlecke die- Eindecker „Falk II“. nende Steuerfläche von 3m ist außer zur Höhenstenerung auch seitlich ncigbar. . . i Seite 559 „FLUGSPORT“. No. 17 Die 10 qm große hintere Fläche ist nır mit etwa Il kg belastet, dagegen die vordere mit 13-14 kg. Der Apparat kann infolgedessen bei einem Motordefekt niemals seine Vorwärtsgeschwindigkeit verlieren. Der hinter der Tragdecke eingebaute 10 PS Neckarsulm-Motor von 35kg Gewicht treibt eine Holzschraube von 1,8 m Durchmesser und 1100 Touren mittels Kette. Der Motor macht maximal 2600 Touren und besitzt 2 in V-Form angeordnete Zylinder. Das Gesamtgewicht des Apparates mit Führer beträgt 160 kg, ist also sehr gering. Auf eine Abfederung ist vorläufig verzichtet. Die Versuche, die der Konstrukteur Focke bei Bremen auf dem Exerzier- platze vornimmt, werden durch Motorschwierigkeiten stark behindert, da die starke Kompression des Zweizylinders das Anwerfen fast unmöglich macht. Nach Einbau einer Hilfs-Akkumulatorenzündung werden die Versuche wieder aufgenommen. Neesemann aus Buchholtz bei Hamburg hat einen Flugapparat konstruiert, mit dem er am 27. August Flugversuche unternahm, die anfangs vorzüglich verliefen. Dann aber explodierte der Motor und Neesemann stürzte 15 m hoch ab. Der Apparat ist total zertrümmert. Neesemann selbst ist unverletzt davon- gekommen. Zu den Kosten des Apparates hatte die Gemeinde Buchholtz 3000 Mk beigetragen. Erich Thiele, Leipzig führte den ersten Ueberlandflug in Sachsen, welcher 20 Minu en dauerte, aus. Thiele flog mit seinem Eulerapparat über die Ortschaften Radefeld, Freiroda, Schkeuditz, Wahren nach dem Exerzierplatz “ bei Lindenthal zurück. Die Landung erfolgte im Gleitfluge aus 40 m Höhe. Die Flugleistungen auf dem Flugplatz Johannisthal im August 1910, (abgesehen von der Flugwoche vom 7. bis 13. August). Geflogen wurde an 28 Tagen. rn} Welche Flieger haben a ET che Weiche Apparate wurden geflogen ? gemacht ? eschädigt: Dr. Arntzen Allers Farman (Brunnhuber) Behrend Colombo Wright (Engelhard) Brunnhuber Eyring z. Teil mit Harlan (Ing. Grulich) Dorner . Dr. Huth Wright (Hahn) Engelhard Ing. Grulich Aviatik(Oberlt.Haslinger) Heim Dr. Haefelin Behrend (Hintz) Jeannin Hahn Kanis (Kanis) Keidel Hanuschke Schütze (Oberlt. Linck) Laitsch Oberlt. Haslinger 2 mal Dr. Lissauer "Aintz— nn Wright (Oberlt. Mente) Plochmann Kanis Rumpler (Plage) 2 mal Poulain Oberlt. Linck Telschow-Pahlitzsch (Telschow) 3 mal Schauenburg Oberit. Mente j 1 Thelen Möller Trinks (Trinks). Wiencziers Plage Schütze Telschow Timm Trinks Valentin No. 17 „FLUGSPORT.“ Seite 560 Hans Vollmoeller, Stuttgart versuchte am 14. 8. um das Pilotenzeugnis zu fliegen. Er legte zwei prächtige Runden zurück in etwa 50 m Höhe. Bei der zweiten, etwas brüsken Landung machte der Apparat auf dem Boden eine ungewollte Drehung und mit noch laufendem Motor sauste derselbe in die etwas weit vorgedrängte Menge, dabei wurde ein Knabe vom Propeller tötlich verletzt. Der Apparat wurde beschädigt Vollmoeller hatte die Absicht, sich aın Ueber- landflug Frankfurt-Mannheim zu beteiligen. Sein Apparat ist jetzt mit einem Gnom-Motor versehen und hat bis zu 90 km Stundengeschwindigkeit. Der Flieger Schlüter aus Frankfurt a. M., welcher bei Celle auf dem Exerzierplatz übt, ist am 26. August abgestürzt. Schlüter sprang aus 8 m Höhe aus der Maschine und erlitt einen Schlüsselbeinbruch. Wurfversuche aus Flugmaschinen wurden am 28. August in Johannis- thal unternommen. Es beteiligten sich die Aviatiker Laitsch, Dorner und Behrend, während dem ehemaligen Radweltmeister Poulain ein Wurfversuch aus seinenı Eindecker zu gefährlich schien. Er startete aber um den Sonntagsdauer- preis, den er auch gewann. Als Sieger aus den Versuchen, für die Mitglieder aus dem Aeroklub einige Preise gestiftet hatten, ging Laitsch hervor, der zwei mal bei sechs Würfen mitten in die acht Kreise von je zehn Meter Durchmesser hineintraf. Interessant war es zu beobachten, daß die aus einer Mindest- . höhe vos 20 Metern geschleuderten 3 Kilogramm schweren, aus Sandsäcken be- stehenden Geschosse in einem Winkel von 45 Grad zur Erde sausten und dann noch einige Meter weiterrollten. Ausland. Einen Flug mit 5 Passagieren führte der unsern Lesern bekannte Flieger Breguet am 29. August in Douai mit seinem Zweidecker aus. Er hat hiermit einen neuen Weltrekord aufgestellt. Morane’s Höhenrekord von 2115 m ist offiziell von der Sportkommission "anerkannt worden. Morane schlug am 3. September diesen Rekord mit 2582 m. Glenn H. Curtiß hat den Eriesee überflogen und hiermit den hierfür aus- gesetzten Preis von 14,000 Dollars gewonnen. Um 2.47 Uhr stieg er in Cedar Point auf und landete bereits um 4.29 Uhr am anderen Ufer bei Euklid. Er hat somit die 60 Meilen Luftlinie in einer Stunde 42 Minuten durchflogen. Auf dem Weg nach Cedar Point hat er am Tag vorher nur 79 Minuten gebraucht, da ein ziemlich heftiger Wind ihn schnell vorwärts trieb. In Issey-les-Moulineaux stießen am I. September 2 Bleriot-Apparate zusammen. Beide Apparate gingen in Trümmer. Die Flieger blieben jedoch ufverletzt. “© = "Hiner führte am 28. August einen Fernflug aus, für welchen er 28 Minuten - benötigte. Armand Dufaux gewann am 30. August den für die Ueberfliegung des Genfer Sees ausgesetzten Preis von 5000 Fr. Ein Denkmal für Kapitän Ferber wird in dessen Heimatstadt, Boulogne sur Seine errichtet werden. Seite 561 „FLUGSPORT“. No. 1 Patentwesen. Patentanmeldungen. 7Th. S. 26912. Flügel für Flugmaschinen mit Querrippen aus mehreren übereinander liegenden Stahldrähten. — Siemens-Schuckert-Werke G. m. b. H. ‚24. 6. 08. 77h. H 45735. Kraftübertragungsvorrichtung für Flügel -von-Fiugmaschinen. — Heinrich Haack, Hamburg, Luruperweg 12. 13. 1. 09. Patenterteilungen. 7rh. 225788. Flüssigkeitskühler für die Motoren von Luftschiffen und Flugmaschinen jeder Art. — Louis Bleriot, Neuilly, Seine, Frankr.; Vertr.: B. Wassermann, Pat.-Anw., Berlin SW 68. 23. 3. 99. B 5360. Flugkonkurrenzen. Die Züricher Flugwoche so!i vom 8. bis 16. Oktober stattfinden. Die Konkurrenz ist mit 100000 Francs Preisen dotiert. Die vom Oesterreichischen Aero-Ciub projektierte Flugwoche auf der Simmeringer Heide bei Wien wird nicht stattfinden, da nur zwei Meldungen ein- gelaufen sind. Verschiedenes. Die Resultate des Luftschrauben-Wettbewerbes auf der „Jla“ sind jetzt endgültig bekannt geworden. Die Prüfungen haben bereits im Anfang dieses Jahres stattgefunden, jedoch hat sich die sehr zeitraubende Berechnung der Re- sultate, sowie der Urteilsspruch des Preisgerichts bis jetzt hinausgezogen. Der internationale Wettbewerb für Luftschrauben brachte folgende Ergebnisse: Klasse A (bıtster Wirkungsgrad) 1. Preis: Prof. Reißner-Aachen, 2. Preis: Ober- baurat Rettig-Berlin; Klasse B (bester Gütegrad der Raumausnutzung) 1. Preis: Prof. Reißner-Aachen, 2,Preis: Oberbaurat Rettig-Berlin; Klasse C (beste Eignung als Schnelläufer) 1. und 2. Preis: Th. Zeise-Altone. 30 Flugmaschinen, 10 Eindecker und 20 Zweidecker, hat das französische Kriegsministeriim in Auftrag gegeben. Die Maschinen dürfen ein Mindestge- wicht von 300°kg nicht überschreiten und müssen 60 km in der Stunde fliegen. Die Maschinen müssen mit 2 Passagieren 300 km zurücklegen können. Falls diese abgeliefert werden, wird die französische Armee bis Ende dieses Jahres über 60 Flugmaschinen verfügen. Literatur. Signale in Krieg und Frieden. Von Dr. Fritz Ulmer. Mit 5 Tafeln und zahl- reichen Abbildungen. Preis geb. Mk. 1.80. — Naturwissenschaftliche ‚Bibliothek, Verlag von Quelle & Meyer, Leipzeig. In "diesem Schriftchen ist das Signalwesen von seinen einfachsten Anfängen im Altertum an bis zu seiner höchsten Vervollkoınmnung im modernen Land- und Seeverkehr behandelt. Gerade zur Zeit, wo sich auf dem Gebiete der Luft- schiffahrt das Bedürfnis nach einem Signalwesen geltend macht, wird diese Broschüre manches Interessante bieten. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. No. 17 „FLUGSPORT“. Seite 562 7 | dl) Offizielle HERSSISSSS Mitteilungen des Sitz Frankfurt a, Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2 n Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., \ Bergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. Der Frankfurter Flugtechnische Verei . . 2a: über 11 flugfähige Maschinen. che Verein verfügt durch seine Mitglieder Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. , Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schriftführer: C. Kremer, Kaufmann. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst, Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Zuschrift ind scht Josef Wahlen, Ässessor. en sind zu richten an den 1. i Düsseldor Grat And zu ric orsitzenden Herrn Paul G. Probst, n jedem ersten Mittwoch im nat fi j ömi iser“ Club-Abar om ch m Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig. Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 28 III. - Vorsitzend Oberleh vorstand: orsitzender: erlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, . 28n. Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. einzig, Weststr. 28 2. Fa Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller. Bücherwart: stud. math. Hans Röse, Vors, der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vere nsiokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. . In der am 17. August stattgefundenen Sitzung wurde vom Vorsitzenden über den Ueberlandflug Frankfurt-Mannheim und über die Flugwoche in Brüssel berichtet Auch wurden interne Angelegenheiten des Vereins verhandelt. Seite 563 „FLUGSPORT“. No. 17 Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter R Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377 2. M Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37 a. 2. „ Kaufmann Miller. Kassierer: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. Flugwart: Josef Bechler. Materialverwalter: Fabrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in dem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: “ Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: ? > Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. I Vorstand: - u _ — 1. Vorsitzender: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. Fe Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. „ Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen. Schriftführer : Dr. Albert, Holten. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. Stellvertr. Schriftführer und Kassierer: Kaufmann u. Oberleutnant d. R. Knigge, Oberhausen, 1. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 2 » Architekt Schnarre, Holten 3. » Flugtechniker Nihues, Wesel. 4. n Gutsbesitzer Tender, Holten. 5. Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. 6 » Kaufmann Zündorf, Marxloh. No. 17 „FLUGSPORT“. Seite 564 Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. n Beigeordneter Sigloch, Hamborn. Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrıum. Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. Redakteur Krause, Köln. „ Oberingenienr Weidler, Oberhausen. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen zu richten. . Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord- deutscher Lloyd) . . Tel. 2701 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. (Tel. 10972). Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Karl Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission Dr. Kropf, Clubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Fischer, Beisitzer. Richard Krüger, „ In der Vollversammlung am 25. September wurde beschlossen, dem österr. Flugtechnischen Verein in Wien als Mitglied beizutreten. Ing. Petrik hielt einn Vortrag über alte und neue Systeme von Flugmaschinen wozu F. W. Keitsch die Zeichnungen in größerem Maßstab lieferte. Der Vortrag fand großen Beifall. In Kürze wird der Klub einen großen Projektionsabend veranstalten, wozu bereits die nötigen Vorbereitungen getroffen werden. Ing Degano teilt mit, daß sein Aeroplan soweit fertig ist, daß mit den Flugversuchen bald be- gonnen werden kann. Dr. Lampl erklärt sich. bereit, -über-. die neuesten Vorkommnisse in der Aviatik Vorträge zu halten, was mit großem Beifall aufge- nommen wird. wLr-LUFTSCHRAUBEN- rasr. FRANKFURT a. MAIN KEPLERSTR. 32a Luft - Schrauben aller Art Konkurrenzlos in Ausführung und Preis Hoher Nutzeffekt! Mässige Preise ! Prospekt kostenlos. Neuc Friedrichstr. 1, An die Argus Motoren-Gesellschaft, Reinickendorf. Im Besitz Ihres gefl. Schreibens vom 25. d. Mts. teilen wir Ihnen mit, daß wir mit dem von Ihnen gelieferten Luftschiffmotor, soweit die Zuverlässigkeit in Betracht kommt, in jeder Weise zufrieden waren. Hochachtungsvoll „Jkaros,“ G. m. b. H., gez. Dr. Valentin. A.ANZANI = 112 Boulevd. de Courbevoie COURBEVDOIFE (Seine) Frankreich Der Anzani-Motor allein gestattete es Bleriot, den Kanal zu überfliegen, Gewicht: 2 kg per PS. Preis 100.— Er.per PS. 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Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung Dedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Representant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzhand Mk. 14.—. Durch Posthezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 18. Frankfurt a. M., 21. September 1910. Jahrg. Il. Ueberlandilug Trier-Metz. Die Propositionen für den Ueberlandflug Trier--Metz sind bis zur Stunde nicht geändert worden. Man hat also den Wünschen der Flieger nicht Rechnung getragen. Die beiden Städte Trier und Metz haben, wie man sagt, jegliche Abänderungsvorschläge abgelehnt. Man sagt sich dort: „es haben ja 5 Flieger gemeldet!“ Es sind dies folgende: Kapitän Engelhard, Oberleutnant von Moffner, Thelen, Jeannin und Vollmoeller. Jeannin, Thelen und Vollmoeller werden, trotzdem sie gemeldet haben, nur an dem Flug teilnehmen, wenn die Propositionen geändert werden. Infolge der Stellungnahme Thelens wird die Wright-Gesell- schaft durch private Verpflichtungen auch gezwungen sein, dem Start fern zu bleiben. Es erscheinen demnach keine Flieger am Start. Wie es scheint, hoffen die beiden Städte Metz und Trier ihre Ausgaben aus den Eintrittsgeldern zu decken. Wir haben es daher nieht mit einer reinen Konkurrenz zu tun, sondern mit einer Schau- flugvefanstaltung. Für eine solche sind die Propositionen auch zu- geschnitten. Der Flugsport mil) rein bleiben. Oder sollen sich nnsere deutschen Flieger zu Akrobaten ausbilden? Dem Kaiserlichen Aero- Club, welcher das Protektorat iibernommen hat, wird die Saclıe sehr unangenehm sein. Er hat versucht, Verhandlungen anzubahnen. Sie sind gescheitert. Seite 566 „FLUGSPORT“. No. 18 Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Die beiden großen aviatischen Meetings von Havre-Trouville und Bordeaux haben hier ein lebhaftes Interesse erweckt, umsomehr, als man nach den bemerkenswerten Einzelleistungen der letzten Zeit sich aut besonders markante Vorgänge gefalst machen konnte. Und diese Erwartung ist auch nicht getäuscht worden. Ueber den Aufangs- Verlauf des Meetings der Seine-Bai, soweit es sich in Havre abspielte und die darauf folgende Seine-Uebergqnerung betraf, ist in dem vorigen Berichte die Rede gewesen. Der zweite Teil des Meetings, der auf dem Acrodrom von Trouville-Deanville vor sich ging, begann bei herrichem Wetter unter den günstigsten Auspizien. Der in der vorigen Nummer (des „Flugsport“ schon kurz gemeldete prächtige Höhenflug Moranes von 2582 Metern stellt einen neuen Weltrekord dar, an dessen Bekämpfung sich, wie später berichtet werden soll, indessen eine große Anzahl von Aviatikern heranmacht. Trotzdem die folgenden Tage teilweise recht: stürmisches Wetter brachten, unternahmen dennoch mehrere Piloten, allen voran Latham, Fhigversuche, die ihnen zum Teil auch glückten. Nur ein kleiner Umfall ist hier zu verzeichnen gewesen: Poillot, der auf seinem Savary-Zweidecker einen schönen Flug von 16 km ausgeführt hatte, wnrde in der, allerdings schr ungünstig angelegten Tribünenkurve von einem Windwirbel erfaßt und heftig anf den Boden aufgestoßen, wobei sein Apparat schwer beschädigt wırde. Das offizielle Klassement ergab folgendes: „Preis der addierten Distanzen“: 1. Simon (Bleriot) 1226,600 km; 2. Latham (Antoinette) 1066,800 km; 3. Aubrun (Bleriot) 637 km; 4. Mamet (Bleriot) 627,200 km; 5. Morane (Bi£riot) 466,600 km; 6. Killer (Antoinette) 439,600 km; 7. Wiencziers (Antoinette). „Preis des größten Distanzfluges ohne Unterbrechung“: 1. Latham (Antoinette) 123 km in Deauville, 112 km in Havre; 2. Mamet (Bleriot) 106 km in Havre, 84 km in Deauville; 3. Aubrun (Bleriot) 82 km in Havre, 131 km in Deauville; 4. Simon (Bleriot) 96 km in Havre, 116 km in Deauville. Höhen-Preis: 1. Morane (Bieriot) 2582 Meter. „Preis der addierten Höhen“: 1. Morane (Bleriot) 8973 m, 2. Latham (Antoinette) 6723 m, 3. Hanriot (Hanriot) 1385 m. „Geschwindigkeitspreis“: 1. Morane 12:48: 2. Aubrun 13:35. „Preis. der Passagiere“: 1. Wiencziers (An- toinette) 60,800 km, „Preis der Seine-Ueberquerung“: 1. Latham, 16mal in 3:34:36—1,2 Morane 11 mal in 2:01 :22--3, 3, Aubrun 9mal in 1:42:47=3. Die „Woche von Bordeaux“ hatte am vergangenen Sonntag ilıren Anfang genommen. Ausser dem vom Minister der öffentlichen Arbeiten gestifteten Preise, der in einer kostbaren Sevres-Vase be- stand, sollte auch der „Preis des Präsidenten der französischen Republik“, den dieser kürzlich der Aviation zur Verfügung gestellt hatte, zum ersten male bestritten werden. Das Reglement dieses Preises bestimmt, dab das vom Präsidenten gestiftete Kunstwerk (ein Adler, der mit gespreizten Flügeln eben seinen Abflug von einem Felsen nehmen will: „/’Essor“) demjenigen französischen Konstrukteur zufallen soll, dessen Ajparat am ersten Sonntag des Meetings von Bordeaux die besten (sesamtleistungen zu verzeichnen haben wird, das heißt, der in den drei täglichen Preisen für Geschwindigkeits-, Höheu- nnd Distanzilug die besten Resultate erzielt haben wird. Von den am Meeting teilnehmenden 22 Apparaten waren 12 Eindecker (7 Bleriot mit Morane, Aubrun, Leblane, Mollien, Simon, Tyck, 5 Antoinette wit Lathaın, Ruchonnet, Küller, von Mumm, Thomas) {4 —_ian___[. No. 18 „FLUGSPORT". Seite 567 und 10 Zweidecker (4 Heuri Farman mit. Tegagneux, Martinet, Van den Born, Jullerot, 1 Sommer mit Rigal, I Ponlain-( range mit Parent, 4 Voisin mit Bielovucie, Bregi etc.). Ferner nahınen sechs Offiziers- Piloten an dem Meeting teil: die Leutnants Girard, Camernann. Remy, Cheyrean, Fequant, Byasson, und zwar Girard anf einem Sommer, Chevreau auf Wright, Byasson auf einem Maurice Farman. die drei übrigen auf Heuri Farman-Zweideckern. Am ersten Taoo brachte Thomas (Antoinette) den Tages-Preis der höchsten Distanz mit 162,500 kın in 2 Stunden 17 Minuten an sich. Bielovucie voll- brachte 160 km in 2:03:11-4, Simon 75 km in 0:57:55. Die erölite addierte Distanz verzeichnete Thomas mit 292,500 kn, Simon mit 237,500 km, Küller mit 222,500 km, Bielovucie mit 187 500 km. Den besten Höhenflug führte Morane mit 1260 Metern, den besten Ge- schwindigkeitsflug gleichfalls Morane (10 km in 6:36) und den besten Abflug Bielovucie ans. Vom zweiten Tage sind zu erwähnen: der beste Abflug: Audemars (Demoiselle), der schnellste Flur: Morane (25 km in 16:22-2), der beste Höhenflug: Morane mit 90 Meter die größte Distanz in ununterbrochenem Fluge: Thomas (155 km in 2:13), die größte addierte Distanz: Thomas 288 km. Am dritten Tage zeichneten sich besonders aus im besten Abflug: Audemars, im Höhenflug: Morane (1470 Meter), im (teschwindigkeitsflug: Morane (10 km in 6: 54-1), im längsten ununterbrochenen Fluge: Bielovneic (125 km), in der größten addierten Distanz: 'T’homas (262,500 km). Besonders interessant war der vierte Tag, der auch den Pernflug Bor- deaux-Arcachon und zurück (88 km) brachte, für den Deutsch de la Meurthe einen Sonder-Preis gestiftet hatte. Sieger in diesem Bewerb wurde Morane in 0:59:43-3. Derselbe Bleriot-Pilot: vollbrachte auch den besten Höhenflug mit 1040 Metern, den besten Geschwindiekeits- flug (10 km in 6:41-1), während Audemars den besten Abtlue. Thomas die größte addierte Distanz (323,500 km), Simon den weitesten Flug ohne Unterbrechung (280 km) ausführten. Am fünften Tage bringt Küller den Abflug-Preis an sich, indem er 10 km in 10:08-4 und 27,5 km in 23: 59-4 vollbringt. Die beste Geschwindigkeit erzielte Morane (15km in 9:48, 10km in 6: 32-2) den besten Höhenflug Morane mit 1950 m, den besten ununter- brochenen Flug Aubrun mit 230 km in 2:48:52, die höchste addierte Flughöhe Legagneux (der jetzt einen Bleriot-Eindecker steuert) mit 3582 m. Die größte addierte Distanz bringt Thomas mit 3525 km zu Wege. Am folgenden Tage drückt Aubrun seinen eigenen Rekord, indem er einen ununterbrochenen Flue von 317 kmin 3:43 :56-4 ausführt: Den besten Abflug: vollbrinet Mar- tinet, den besten Höhenflug Legagneux (1570 m), den besten Ge- schwindigkeitsflug. Morane (IO-km- in 6:23-4), die größte addierte Distanz Aubrin (405 km), die größte addierte Höhe Legagnenx (4780 m). An diesem Tage traten auch die Militär-Piloten in die Schranken, indem sie um den Spezialpreis starteten. Die Lentnants Camermann, Remy, Fequant, Chevreau und Byasson führen schöne Flüge aus, letzterer einen solchen von 1:30:34 mit einem Passaeier. Am vorletzten Tage gelangte der zweite Ueberlandflug Bordeanx — Marganıx- — Libourne zur Bestreitung, wobei Morane mit 1:02 : 45-2 Sieger blieb. In dem 10 kın-Geschwindigkeitsflug für Offiziere plazierten sich Leutnant Remy (Farman) mit 10:56 nnd Leutnant Chevrean (Wrieht‘ Seite 568 „FLUGSPORT“. No. 18 mit 11: 24-1 als die ersten. Küller führte den besten Abflug, Le- gagneux den besten Höhenflug (1240 m), Morane den besten Ge- schwindigkeitsflug (10 km in 6: 28-5), Küller den längsten ununter- brochenen Flug (105 km in 1:22:59-1), Thomas die weiteste ad- dierte Distanz (252,5 km) aus. Aubrun brillierte durch eines jener „Husarenstückchen“, die stets Eindruck machen. Er war, von Bor- deaux abfliegend, gegen 4-Uhr nach Margeaux gelangt und wandte sich von dort zum Erstaunen der zahllosen Zuschauer nach Norden in der Richtung anf den „Bec d’Ambe&s“, den Zusammenfluß der Gi- ronde und der Dordogne. Er flog dem französischen Geschwader entgegen, das den Präsidenten der Republick nach Bordeaux brachte. In der Tat erreichte er dieses, begrüßte von den Höhen herab den Präsidenten, umkreiste mehrere male die Torpedoboote, deren Mann- schaft auf Deck dem wagemutigen Aviatiker eine stürmische Ovation darbrachten, und wandte sich alsdann nach Libourne, wo er das Aero- drom überflog, worauf er in schöner Kurve sich nach Bordeaux zu- rückwandte, woselbst er glatt landete. Natürlich trug man ihn hier im Triumph. Der letzte Tag des Meetings nahm einen glänzenden Verlauf. Wie bereits vorher gesagt, war der Präsident der Republik zu diesem Schlußtage des Meetings nach Bordeaux gekommen. Von interessan- ten Einzelleistungsn seien erwähnt der endgiltige Sieg des Leutnants Remy im militärischen Geschwindigkeitsbewerb gegen Leutnant Chevreau (diese beiden Offiziere hatten sich im Vorlauf für die Ent- scheidung qualifiziert). Leutnant Remy legte die vorgeschriebenen 25 km in 25: 52-4 zurück, während sein Mitbewerber 27 : 18-4 be- nötigte. Morane zeigte sich wieder bewundernswert; er schafft immer neue Rekords und ist ersichtlich bemüht, den „Grand Prix du Präsi- dent“ für Bleriot zu erkämpfen. Er legte die 60 km in 39: 32-2 zurück und schlägt so den Rekord Olieslagers (40:56); in 46: 19-1 ist er bei 70 km angelangt (Rekord Olieslagers 47 :45-1); dann in 53:05 bei 80 km (Rekord Olieslagers 54 : 44-3). Und weiter fallen die Rekords: Mit meisterlicher Gewandtheit führt Morane seinen Ein- decker zum Siege. Er legt die 90 km in 59:52-2 (Rekord Olies- lagers war 1:01:28-1) zurück und bringt so den Stundenrekord mit 90 km an sich (bisheriger Rekord Olieslagers mit 87 km). Aber Morane setzt seinen Flug fort; er erreicht 100 km in 1:06:39-4 (bisheriger Rekord Olieslagers 1:08). Endlich bei 122,5 km, die er in 1:22: 53-1 hinter sich gebracht hat, beendet der Bleriot-Pilot, von der zahllosen Menge laut nmjnbelt, seinen Flug. Das: Generalklassement des Meetings von Bordeaux stellt sich wie folgt: „Grand Prix du President de la Republique“: Bleriot (für die Rekords von Morane); „Preis der größten Distanz in ununterbrochenem Fluge“: I. Aubrun (Bleriot) 315 km, 2. Simon (Bleriot) 280 km; „Preis der Passagiere“: 1. Bielo- vucie ıVoisin) 60 km in 1:02:01-3; „Pokal Michelin“: Aubrun (Bleriot) 315 km; „Großer Höhen-Preis“ : 1. Morane (Bleriot) 2100 m, 2. Legagneux (Bieriot) 1520 m; „Großer Preis der addierten Höhen“: 1. Morane (Bl£riot) 18930 Meter, 2. Legag- neux ıBleriot) 14902 m, 3. Tyck (Bleriot, 10665 m, 4. Bregi (Voisin) 9085 m, 5. Gibert (Bleriot) 6710 m; „Ueberlandflug-Preis“ : Morane (Bleriot); „Offiziers- Preis“: 1. Remy (Farman) 110 km in 2:08:24, 2. Fequant (Farman), 3. Chevreau (Wright), 4. Byasson (Maurice Farman); „Geschwindigkeits-Preis“: 1. Morane (Bleriot) 25 km in 16:02-4; 2. Aubrun (kleriot) 25 km in 16:47-4; „Großer Preis der addierten Distanzen“: 1. Thomas (Antoinette) 2100 km, 2. Küller (An- 4 No. 18 „FLUGSPORT'. Seite 569 toinette) 1750 km, 3. Simon (Bleriot) 1165 km, 4. Aubrun (Bleriot 932,500 km, 5. Bielovucie (Voisin) 850 km, 6. Morane (Bleriot) 470 km, 7. Martinet (Farman) 389,500 km, 8. Bregi (Voisin) 292,500 km, 9. Audemars (Demoiselle Clement- Bayard) 268 km u. s. w. Was sie gewonnen haben: Morane (Bleriot) 52 000 Il’rancs -——-- Aubrun (Bleriot) 37000 „ und einen Kunstgegenstand--- - Thomas (Antoinette) 22000 „ Legagneux (Bl&Eriot) 14500 „ Simon (Bleriot) 950 „ Küller (Antoinette) 8300 „ Tyck (Bleriot) 8000 „ Bielovucie (Voisin) 6800 „ Bregi (Voisin) 4400 „ Gibert (Bleriot) 3000 „ Audemars (Demoiselle) 1200 „ Martinet (Farman) 0 ,„ sowie die Offizierspiloten Remy (Farman) 7000 „ Fequant (Farman) 3000 „ Chevreau (Wright 1000 „ Byasson (M. Farman) 1000 „, Besonders lebhaft geht es jetzt um den „Michelin-Preis“ her, der, wie erinnerlich, einen Flug (mit einem Passagier an Bord) von Paris nach Clermont-Ferrand, dort die Umkreisung der Kathedrale und die Landung auf dem Gipfel des Puy-de-Döme vorschreibt. Die Leistung erschien früher als etwas schwierig, aber seit dem Circuit de /’Est waren die Franzosen der Meinung, daß sie auch diesen Flug leicht zu Stande bringen würden, der bekanntlich seitens des be- kannten Pneumatik-Industriellen Michelin mit 100000 Francs dotiert ist. Die beiden Bedingungen, die diesen Bewerb erschweren, sind die, daß der Flug (über eine Distanz von 420 km) in weniger als sechs Stunden mit einem Passagier an Bord vollbracht sein muß und daß die Konkurrenten auf dem 1400 m hohen Berggipfel zu landen haben. Der erste, der sich an das Wagnis heranmachte, war Wey- mann, der in der Tat am Mittwoch in der vergangenen Woche auf seinem Farman-Zweidecker, einen Passagier an Bord, vom Park des Aero-Club in Saint-Clout um 11 Uhr 58 Minuten 59 Sekunden ab- flog, sodaß er vor 5 Uhr 58 Minuten 59 Sekunden in Clermont-Fer- rand landen mußte, um sich den Preis zu sichern. Weymann über- flog gegen Mittag die Loire bei Gien, passierte Cosne, und gelangte um 3 Uhr nach Neronde, woselbst erlandete. Nach nur ganz kurzem Aufenthalte flog er wieder ab und machte ein zweites mal in der Nähe von Moulins, 32 km von Nevers halt. Er hatte jetzt eine Di- stanz von 290 km hinter sich gebracht. Leider irrte nun der tapfere Pilot infolge des nebligen Wetters von seinem Wege ab. Er ge- langte so um 4 Uhr 30 Minuten nach Montlucon, das er überflog, indem er sich nach Cannat zuwandte. Dort passierte er um 5 Uhr 40 Minuten, um schließlich als er erkannte, daß er sich in seiner Flugrichtung geirrt hatte, zu Volvics, 6 km von Riom, um 7 Uhr Abends zu landen. Weymann hatte die Distanz von Paris nach Volvic, gleichfalls 420 km, in 7 Stunden durchflogen. Der bedauer- liche Irrtum, ohne den er wahrscheinlich den PreisMichelin errungen hätte, hat aber Weymann nicht entmutigt. Er will schon in wenigen Tagen den Versuch wieder aufnelımen. Anßer ihm rüsten sich auch Seite 570° ..._„FLUGSPORT“. No. noclı Jacqmes de Lesseps mit seinem Bleriot-Eindecker, sowie die bei- den Voisin-Piloten Colliex und Dnfour zu dem Fluge nach Clermont- Ferrand. Auch in Issy-les-Moulineaux gab es dieser Tage eine Sensation. Chavez, der sich für die Alpenüberqmerung trainierte, verinochte auf seinen Bleriot einen Höhenflug von 2680 Metern auszuführen. Und wenige Tage später nnternahm auch ‚Jacıues de Lesseps auf dem gleichen Flugfelde einen Höhenflug, bei dem er es auf 2170 Meter brachte. Er will den Rekord Chavez angreifen. Sonst ist aus Issy wesentliches nichts zu melden, nur, daß die dortigen Handel- nnd (tewerbetreibenden einen geharnischten Appell erlassen haben, daß man „endlich“ einmal wieder ein grolies Meeting in Issy veranstalten möge, weil sonst alle die Existenzen, welche sich durch das Flug- feld haben anlocken lassen, zu Grunde gingen. Man vertröstet: sie auf den kommenden Sommer. In Etampes zeigen sich die verschiedenen Schulen recht rührig. Bei Bleriot hat Liyprowski sein Pilotenpatent erworben. Die italienischen Offiziere Gazzera und Ginoechio, sowie die übrigen Bleriot-Eleven konnten recht ansehnliche Flüge, teilweise auch gegen starken Wind, ausführen. Bei Farman ist es der In- senieur Camarota, der bemerkenswerte Fortschritte macht. Michel Maluen führte einen schönen Ueberlandflug von Mourmelon über Montmirail nach Etampes aus, wobei er einen Passagier an Bord hatte. In der Reimser Hanriotschule versuchte ein „anonymer“ russi- scher Prinz dieser Tage einen Eindecker dieser Type, den er sich vollständig ın weiß und gold hat lackieren lassen und vermochte schon recht schöne Kurven und geradlinige Flüge zu vollbringen. Augeblich will sich der Russe mit diesen lackierten Apparat an dem Flug Brüssel—Petersburg beteiligen. In der Sanchez Besa-Schule ist ein Australier, Hammond, mit Flugversuchen beschäftigt, bei denen cr auffälligen Erfolg hat. Er konnte dieser Tage einen weiten Ueber- landflug ausführen. In Monrmelon herrscht reges Lebeu. Bei Antoinette kommt die neu diplomierte Aviatrice, Mademoiselle Marvingt, gut voran. Der russische Oberst Zelinsky fliegt schon selbständig. Major Colus, der einen für das Kriegsministerium bestimmten Apparat steuert, fülırt mehrere lange Flüge, auch im Nebel, ans. Auch die Koechlin- und Farman-Schulen haben ganz gut zu tun. Namentlich in letzterer wird eine große Tätigkeit entwickelt. Loridan, Kostin, Delarge, Dufour, sowie die Öffizierspiloten, zu denen wieder eine stattliche Anzahl hinzugekomnien ist, sind fleißig an der Arbeit. Hauptmann Marie fliegt von Bouy nach Uhalons und zurück, Leutnant Sido machte einen Ueberlandflug von mehr als 1's Stunden, Leutnant Menard fliegt ununterbrochen 2 Stunden 32 Minuten und viele andere machen gleichfalls bemerkenswerte Fortschritte. Weymann, von dessen Flug weiter oben die Rede war, versucht einen neuen, kleinen, und schr schnellen Apparat, der siclı ausgezeichnet zu be- währen scheint. Binen neuen von Cantal erbauten Eindecker steuert Fischer mit gutem Erfolge. während Cheramy einen von ilım selbst koustrwerten Zweidecker versucht, mit dem er dieser Tage den ersten Ucberland£lug ausführen konute. nt No. 18 „FLUGSPORT". Seite 571 In Chartres ist Robert Savary (damit beschäftigt, einen nenen zweisitzigen Apparat in Gang zu setzen. den er mit euem E. N. V.- Motor versehen hat. Leider ist kürzlich anf dem Aerodrom von Chartres ein Unfall vorgekommen, indem die Prinzessin Dolgoruki aus etwa 15 m Hölıe abstürzte, wobei sie freilieh keime ernsten Ver- letzungen davontrug; der Apparat wurde zertrümmert. In Douay hat“ die Sonmmerschule flott zu tun; die Bleven, unter denen der Leutnant: Saglietti hervorragt, machen ente Fortschritte. In Boulogne-snr- Mer, (las sich mit besonderem Bifer der Förde- rung der Aviation widinen zm wollen scheint, gab seit einigen Tagen nur Leutnant Fequant wird von Infanterie mit einem Maschinen- - gewehr angegriffen. Henry (ournay auf einem Hanriot-Flieger Schauflüge zum besten, die aber «lieser Tage durch einen Unfall des Piloten unterbrochen wurden. Gournay, der sich in der Hauptsache für den Flug Bon- logne —Folkestone, von dem nachher die Rede sein wird, vorbereitet, flog vom Strande in Bonlogne ab nnd wandte sich nach Wimerenx, von wo er naclı Bonlogne zurückkelren wollte. Als er sich in 30 au Höhe über den Gestaden befand, wurde Gourmay von einemWirbel- wind erfaßt, der den Apparat kopfüber auf den Strand warf.%& Durch einen glücklichen /ulall blieb der Pilot unversehrt, dagegen wurde ler} Seite 572 „FLUGSPORT“. No. 18 der Eindecker schwer beschädigt. Der vorerwähnte Flug Boulogne- Folkestone wird nun doch wohl zu Stande kommen. Der Bürger- meister von Boulogne hat der Ligne Nationale Aerienne mitgeteilt, daß die Stadtgemeinde den Betrag von 25000 Frances votiert hat in der Voraussetzung, dab auch die englische Stadt Folkestone ihrerseits den gleichen Betrag bereitstellt. Diese 50000 Francs sollen alsdann zu dem in der vorigen Nummer eingehend besprochenen Projekte des Bonulogne-Folkestone-Fluges benutzt werden, wobei, wie erinnerlich, die Strecke zwischen den beiden genannten Städten, mit einem Passa- gier an Bord, mehrere male in derselben Woche zu durchfliegen ist, wobei der Apparat aber mindestens einmal Kontakt mit dem Meeres- spiegel nehmen muß. Inzwischen aber hat die Stadt Folkestone ihrer- seits einen Preis von 10000 Frances für einen Flug von Boulogne naclı Folkestone ausgeschrieben, an dem sich mehrere französische Aviatiker zu beteiligen beabsichtigen. Eine schöne Flugvorführung veranstaltete der Aviatiker Bertin, der in Casteljaloux einen von seinem Vater gebauten Apparat vor einem zahlreichen Publikum vorführte Bertin Sohn, ein ehemaliger bekannter Motorradfahrer, erweist sich als ein recht geschickter Pilot, (ler wiederholt Flüge von mehreren Kilometern bereits mit einer Stundengeschwindigkeit von mehr als 100 km zurücklegen konnte. In dem „Pokal Armand Deperdussin“ ist der Aviation ein neuer ‚Preis bereit gestellt worden, der in einem Kunstgegenstand von 25000 Frances Wert besteht, welcher demjenigen Piloten zufallen soll, (ler auf einem Zweidecker oder Eindecker französischer Konstruktion bis spätestens zum 1. Januar 1911 einen nnunterbrochenen Flug von 100 km in geschlossenem Kreise ausgeführt haben wird. Der Be- werb ist nur für solche Aeroplan-Typen offen, die einen gleichwer- tigen Preis in einem Meeting noch nicht gewonnen haben. Der Pilot mub einen Passagier an Bord haben und das Gewicht beider muß mindestens 150 Kilogramm betragen oder bis zu dieser Höhe durcli Ballast ergänzt ‚werden. Auch Deutsch de la Meurtlie hat einen nationalen Aviations- Pokal gestiftet, der als Wanderpreis gedacht ist und demjenigen Kon- strukteur endgiltig zufallen soll, der ihn dreimal gewonnen haben wird. Als Anfgabe ist ein Flug von Paris (Issy-les-Moulineaux) nach Orlean (Manöverfeld) olıne Unterbrechung gestellt, doch muß sich der Pilot mindestens während der Hälfte des Fluges in einer Flughöhe von wenigstens 300 m halten. Der Preis wird nicht dem Piloten, sondern dem Konstrukteur des Apparats zn teil. Natürlich von unvergleichlich höherer Bedeutung ist der „Grand Prix“ des Automobil-Club de France, den jener, wie seiner- zeit berichtet worden ist, in Höhe von 150000 Frances für einen Flug von Paris nach Brüssel ausgesetzt hat. Soeben ist nun das Regle- ment für diesen Bewerb veröffentlicht worden. Darnach soll der ge- nannte Betrag denjenigen drei Aviatikern zugeteilt werden, die vor dem 1. Januar 1911 mit einem Passagier an Bord in der kürzesten Zeit den Flug von Paris nach Brüssel und zurück ausgeführt haben werden. Die beiden Insassen müssen zusammen mindestens 150 kg wiegen. Die für den Flug aufgewendete Zeit darf keineswegs 36 Stunden überschreiten. Abflug und Ankunft haben auf dem Manö- verfelde von Issy-les-Moulineaux zu erfolgen, wo die Kontrolle seitens No, 18 „FLUGSPORT“. Seite 573 eines bestellten Kommissars erfolgen wird. Eine einzige Flugunter- brechung, und zwar diejenige in Brüssel, ist obligatorisch, wo die Landung auf der Ebene von Eterbeck zu erfolgen hat. Die Dauer des Anfenthalts in Brüssel ist dem Piloten überlassen, doch wird nur eine Neutralisation von drei Stunden gewährt, die von der Gesamt- flugzeit abgerechnet werden. Die drei Preise, die au die drei besten Leistungen, also an diejenigen Piloten, die die kürzesten Zeiten ge- braucht haben werden, zur Verteilung kommen, sind für alle Piloten offen, die von der Federation Aeronautique Internationale qualifiziert sind. Anmeldungen zu dem Bewerb, die zwei Tage vor dem Ab- Das neue französische Automobilgeschütz zur Bekämpfung von Flugmaschinen. flug an das Sekretariat der Sport-Kominission des Automobile-Club de Frange, 8. Place de la Concorde, Paris, gelangen müssen, sollen von einem Reugeld von 1000 Frs. begleitet sein, das den Startenden zurückgezahlt wird. Im Zusammenhange mit diesem Preis hat der Gemeinderat von Paris einen Betrag von 25000 Francs bestimmt für den Aviatiker, der, in dem Grand Prix des Automocile-Club startend, als erster in Brüssel anlangen wird, sofern diese Ankunft mit der Anwesenheit der Pariser Gemeinderäte in Brüssel zusammenfällt (25., 26. und 27. September). Wie schon früher berichtet, hatte die Pariser Gemeinde-Ver- waltung den Beschluß gefaßt, einen Betrag von 250 000 Francs zur Seite 574 on „FLUGSPORT“ No. 18 No. 18 FLUGSPORT“ Seite 575 Förderung aviatischer Zwecke auszusetzen und zu diesem Behufe vor- aussichtlich ein großes Meeting in Paris zu veranstalten. Später machte sich in Kreisen der Gemeinderäte der Wunsch geltend, den hat von «dem Kolonialminis "wi » jeder on en olonialminister erwirkt, daß jeder (feneralgouverneur r n Kolonien eine Enquete veranstaltet, wo und in welchem Um- ange Aviationsschulen eingerichtet und Apparate hinübergeliefert Betrag nicht für eiu Meeting, sondern für einen groben Fernflug, als werden sollen. Ferner sollen in Südalgier Aviationsstatior welcher die Strecke Paris — Bordeaux— Toulouse —Marseille— Lyon — nnd eine reguläre Aeroplau-Verbindung zwi chen Aloter ı angnegt Dijon—Paris vorgeschlagen ist, zu verwenden. Jetzt hat nun dic { buktu eingerichtet: werden. Dieses Proickt mer NN wnd Tim- Ligue Nationale A6rienne sich in einem Schreiben an den Gemeinde- Sahara auf dem lnftwege wird in avlatischen En erguierung der rat Quentin-Bauchart, den Antragsteller im Pariser Gemeinderat, ge- allgemein als durchführbar angesehen Socan Metz der aior wieht wendet, worn ansgeführt wird, warum die Liga ex für geratener hält, Algier gebürtig ist und die lokalen Verhälfmiss e a ker las Geld lieber für andere Zwecke zu bestimmen: „Nach Ansicht daß die Sache nur schwer realisierbar wäre Die u A ‚mein; aller Techniker hängt die ganze Entwicklung der Avi- Distanz beträgt 2000 km. Das ist die IR THEmRAGE Cure liegende ation absolut nur von der Art des Motors und der südalgerischen französischen Posten bis nach Timbuktu aan Schraube ab. Ebenso steht es fest, daß wir einen rich- tigen Aviationsmotor noch nicht haben. Die heutigen Motoren sind zu schwer, ungenügend regulär undvonzu begrenzter Marschdauer. Und was die Schraube anbe- eat langt, so übermittelt sie kaum 50 bis 60 Prozent der ihr u BE “ % "I zugeteilten Kraft dem Apparat. Ein Meeting oder ein Br 2 “ nener Circuit kann der Aviation nicht das verschaffen, was ihr fehlt: den Motor und die Schraube, den tech- nischen Fortschrittt, dessen sie bedarf. Preise für Meetings und Circuits können die Städte leicht aufbriu- ‚gen, die einen direkten Nutzen von derartigen Veran- staltungen haben; aber Aufgabe von Staat und Kom- munen ist es, ihre finanzielle Subvention zur Veran- staltung großer Bewerbe von Motoren und Schrauben j bereit zu stellen. Nach dieser Richtung können sie bei weitem segensreicher wirken. "Wir wünschen deshalb drin- gend, daß die von der Stadt Paris bereit gestellten 250000 Francs dazu verwendet würden, einen Bewerb von Motoren nnd Schrauben zu dotieren, der uns vielleicht den Motor, der die Aviation revoluti- onisieren wird, ‚und die Schraube, die ein Nutzergebnis von. 7O bis 80 Prozent sichert und das Gewicht des Motors um 30 oder 40 Pro- zent erleichtert, bringen wird.“ Dieser Schritt der Ligue Nationale und die Ausführungen in ihrem begründenden Schreiben rufen natür- lich berechtigtes Interesse hervor. Auch der Aero-Olnb de France hat einen aufselenerregenden Schritt vor: er soll, wie verlautet, die Absicht haben, die Bestätigung einer Reihe in letzter Zeit erteilter Piloten-Diplome zu versagen! Es soll nicht in allen Fällen die Bestimmung innegehalten worden sell, dal die Bewerber vor dem Kommissär des genannten Klubs drei Dingen dürfte das Projekt an dem Umstande scheitern, dal der feine Wüstensand beständig vom Winde in der Luft hemimgewirbelt wird. nn Prüfungsflüge zu absolvieren haben. Bestätigt wurden dagegen zahl-—- Lhtham auf Antoinette einen-Rel ognoszierungsflug”ausführend reiche ordnungsmälig erteilte Diplome, darunter diejenigen von Er würde in den Motor dringen und diesen schr b: ih . Zn Graf Robillard, Sanchez Besa, Poillot, Ulianin, Gournay, Leutnant machen 8 sehr bald betriebsunfähig Baugnies, Kauffmann, Mönard, Caille, Koechlin, de Langhe, Senator Reymond, Raigorodski u. s. w. Ferner hat der genannte Klub die französischen Militär-Behörd ‚Orde Bestimmungen, welche den Erwerb des Pilotenpatents betreffen, teil- erscheint nach den L, atın ehö F en an der Aviation, und das weise geändert. Diese Aenderungen sollen anscheinend die Prozedur ’ rechtiet. Gelegentlich FRI: er Offiziersaviatiker durchaus be- etwas umständlicher machen, ohne indessen die von dem Bewerber den großen Manöver haben. Augenblick ın dder Picardie stattfinden- beanspruchten Leistungen zu erhöhen. als Reservisten ein en; aDen Di 1] ilitär-Piloten, zu denen noch die Die Ligue Nationale A6srienne, überzeugt, dab die Verwendung sind, geradezu roh Pe nel an und Latham hinzugekommen der Aeroplane in den Kolonien vorzügliche Resultate zeitigen kann, ausoezeichneter a 1BO8 86 eistet. Mehr als einmal ist infolge der ausgezeichneten Rekognoszierungen der Aviatiker der ganze Operati- . un . . Ein noch gröheres Interesse als die Zivilbehörden zeigen clie Seite 576 „FLUGSFORT“. No. 18 onsplan geändert, und die hohen militärischen Autoritäten sind des Lobes voll über die Rolle, welche die Aviation in den Manövern ge- spielt hat. Die Leistungen der Leutnants Sido, Bellanger, Aquaviva, sowie von Latham habeı die eminente Bedeutung der Militär-A viation dargetan. Wir werden in unserer näclısten Nummer in einer beson- deren Besprechung auf.die Entwicklung und den hentigen Stand der französischen Militär-Aviation zurückkommen. Heute sei nur erwähnt, daß der Kriegsminister soeben einen neuen Auftrag auf 10 Eindecker Bleriot und auf 20 Zweidecker Henri Farman er- teilt hat, von denen sieben Apparate zur Aufnahme von drei Per- sonen (den Piloten einbegriffen) eingerichtet sein müssen. Diese 30 Apparate müssen innerhalb drei Monaten geliefert sein. Ferner hat das Kriegsministerium bestimmt, daß im kommenden Jahre die für die Heeresverwaltung benötigten Flugmaschinen im Wege des Wett- bewerbs beschafft werden sollen. Das Kriegsministerium wird dieje- uigen Bedingungen zusammenstellen, welche die von ihm gewünscht- ten Apparate erfüllen sollen und wird gleichzeitig einen Preis von 100000 Frances aussetzen für denjenigen Konstrukteur, der diesen Bedingungen am besten gerecht geworden ist. Außerdem will sich die Kriegsverwaltung das Recht ausbedingen, selbst Apparate zu bauen und wird in diesem Falle dem betreffenden Konstrukteur pro Apparat eine Entschädigungslizenz bewilligen. In dieser Woche hat die zweite Konferenz der Internationalen Luftschiffahrts-Gesellschaften zu Boulogne stattgefunden, wobei der Beschluß gefaßt worden ist, im Hinblick auf die vielfach durch sie verursachten Unglücksfälle die zur Abgrenzung der Aerodrome üb- lichen Pylone ganz zu unterdrücken und an ihrer Stelle auf den Boden gemalte große weilie Zeichen zu verwenden. Mehrere Neuer- findungen wurden der Konferenz vorgelegt, so ein von Hervieu ge- bauter Fallschirm und ein von Marie erfundener Schutzhelm, sowie auch sonstige Schutzkleidung. Als nächsten Konferenzort wählte man Folkestone, wo ‚sich die Konferenz gegen Ende Oktober d. J. ver- sammeln wird. Die Vorbereitungen für die am 15. Oktober beginnende große internationale aeronautische Ausstellung haben begonnen, und ein Heer von Arbeitern ist damit beschäftigt, im Grand Palais in den Champs Elysees die Stände für die Aussteller herzurichten. Von dem Umfang und der Bedeutung der diesjährigen Ausstellung kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß im vor- jährigen Salon im Ganzen 22 Flugmaschinen vertreten waren, wäh- rend in diesem Jahre bereits nahezu 60 angemeldet worden sind. Einige neue Aeroplan-Typen seien noch erwähnt: Zunächst bot es hier eine Sensation, daß die bekannte Automobil-Firma de Dion- Bouton demnächst mit einem großen Zweidecker herauskommen will, der für vier Personen bestimmt sein soll. Der Apparat ist 20 Meter breit und hat zwei Schrauben, die durch einen 100 PS-Motor ange- trieben werden. Die zweite Schraube ist aber ausrückbar und soll nur dann eingeschaltet werden, wenn die andere aus irgend einem Grunde nicht mehr funktioniert. Der Apparat soll im Monat Oktober fertig werden, und wahrscheinlich wird ihn Leutnant Maillefert in Mourmelon bei den ersten Versuchen steuern. Die neuliche unfreiwillige Landung des Aviatikers Parisot in- mitten von Paris (der genannte Pilot war gegen 5 Uhr früh mit No. 18 „FLUGSPORT". Seite 577 einem Passagier an Bord seines Farman-Zweideckers aufgestiegen und flog parallel mit der Seine bis zu den Tuillerien. Dann überquerte er die Champs Elysees und passierte über die große Brücke Alexan- dre III. die Seine und gelangte nach dem Place des Invalides, wo er landen wollte. Bei der frühen Stunde waren nur sehr wenige Per- sonen anwesend, unter ihnen aber natürlich ein Photograph. Parisot flog ganz niedrig iiber dem Trottoir dahin, doch plötzlich mußte er einem verschlafenen Droschkengaul ausweichen, wobei er mehrere Straßenlaternen nnd Promenadenbänke umriß, hat eine wahre Litera- tur gegen die Gefährlichkeit des Landens innerhalb von Städten her- vorgerufen Von allen Seiten melden sich die „sachverständigen Federn“, die in romanisch lebhaft gefärbten Schilderungen die Kata- strophen“ ausmalen, an deren bekanntem „Vorabend“ wir stehen. Und wie immer, wenigstens hier in Frankreich, hat die Preßkam- pagne erreicht, was sie gewollt: die berufenen Schützer der öffent- lichen Sicherheit sind erwacht und haben Anordnungen „erlassen“ die geeignet sind, den friedlich schlummernden Citoyen davor zu be- wahren, von so einem landenden Ungeheuer mitsamt seinem Hause wegrasiertt zu werden. Der Polizeipräfekt von Paris hat dem Aero- Club von Frankreich ınitgeteilt, daß er in Zukunft das Landen von Aeroplanen innerhalb der Städte und Ortschaften nicht mehr gestat- ten könne. Es ist das das erste mal, daß sich die Pariser Polizei mit der Aviation beschäftigt, und es ist zu befürchten, daß es nicht das letzte mal sein wird. Ferner haben die Behörden kund und zu wissen getan, daß fortab der Eiffelturm, das bisher so beliebte Zielobjekt aller Aviatiker, nicht mehr umkreist werden darf, weil die dort oben installierte 'Telegraphie ohne Draht dadurch belästigt würde und außerdem die Aviatiker in Gefahr gerieten. Offenbar ist man hier der Meinung, daß jetzt zu viel Aeroplane in der Luft herumfliegen. Wenigstens macht man sich allenthalben an die „Reglementierung des Luftverkehrs“ heran, und es werden Be- stimmungen erlassen, die wegen ihrer Unausführbarkeit zum Teil nur humoristisch wirken können. Ernster ist die Verfügung des Obersten Hirschauer, wonach sich Aeroplane nicht näher als 500 m in horizon- taler Richtung kommen dürfen. Ferner sollen Aeroplane in allen Fällen den Lenkballons ausweichen, die ihren Flug unverändert fort- zusetzen haben (das ist das seinerzeit besprochene Bleriot’sche Re- zept). Zwei sich begegnende Aeroplane sollen nach rechts ausweichen. Wenn sie in gleicher Richtung fliegen, so sollen sie links vorbei- fliegen. Da hätten wir ja nun hier eine richtige „Luftverkehrsord- nung“. Aber das ist noch nicht alles. Auch die Bourgeois werden aufsässig. Ein Besitzer in der Nähe von Buc ist gegen Maurice Farman klagbar geworden, weil er durch das Drüberwegfliegen über seinen Landsitz — in seiner Ruhe gestört würde. Das Knattern des Motors mache nicht nur ihn, den offenbar zartbesaiteten Bauer, son- dern auch seine Pferde scheu. Das Gericht wird da keine leichte Aufgabe mit seiner Entscheidung haben. Auch das Oomite der Association Generale Adronautique hat sich dieser Tage in den Räumen des Aero-Olub zusammengefunden, um zu der Frage der Luft-Verkehrswege Stellung zu nehmen. Man be- schloß, im Interesse der Förderung des Luft-Tourismus nunmehr mit dem genauen Studinm der Strecken von Paris naclı Bordeaux, von Seite 578 „FLUGSPORT“. No. 18 Bordeaux nach Biarritz und von Biarritz naclı Pau zu beginnen. Diese Luftstraßen sollen durch Signale abgesteckt werden, nm jede Kollisionsgefahr der Apparate untereinander bezw. dieser mit irgend welchen Hindernissen zu verhüten. Professor Mac Adic, Chef des meteorologischen Instituts, hat eine Maschine erfunden, die den Flug von Luftschiffen messen und aufzeichnen kann. Sie zeigt den zurückgelegten Weg, mißt genan die Dauer des Flugs, die Anzalıl der Kilometer, sowie die Höhen- variationen. Man legt hier der Erfindung großen Wert bei. RI. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Die am 30. April 1909 von der englischen Regierung eingesetzte Kommission für Aeronautik hat ihren ersten Bericht veröffentlicht, der mit vielen Tafeln und Abbildungen ausgestattet ist und einen erfreulichen Einblick in die Tätigkeit dieses Instituts gestattet*). Freilich darf man ja nach einer einjährigen Tätigkeit noch keine großen abgeschlossenen Resultate erwarten. Die Kommission hat: sich vielmehr in den meisten Fragen zunächst darauf beschränkt, das bis- herige Material zu sammeln un«d die früheren Arbeiten zu registrieren. So enthält das letzte Fünftel des ersten Bandes nichts als Auszüge aus wichtigeren ausländischen Veröffentlichungen über aviatische Technik. lLanchester hat einen wertvollen Bericht über das Verhält- nis von Gewicht und Arbeit bei den bisherigen Motoren für Luft- maschinen geliefert, Rosenhain einen Anfsatz über die bisherigen leichten Metallegierungen, Stanton einen „Bericht iiber neuere Unter- suchnngen der Kräfte, die in einem Luftstrome auf ebene Flächen wirken“. Jedoch bemerken wir auch schon Ansätze für größere eigene Arbeiten. So haben Froude und Mallock Experimente mit ebenen und gekrümmten Flächen gemacht, die sich mit verschiedener Geschwindigkeit im Wasser bewegen, Lanchester hat den Widerstand fischähnlicher Körper untersucht, Sir G. Greenhill einen wertvollen Aufsatz über den Schraubenpropeller beigesteuert. Die Prüfung der Luftschiffahrtsmotoren für den Alexanderpreis von 20 000. Mk. ist von der Kommission begonnen, aber noch nicht abgeschlossen worden. Eine Arbeit Sir Greenhills über „Die Theorie der Stromlinie hinter einem ebenen Deck, mit besonderer Beziehung auf die Theorie des Aeroplans“, die auch aus dem Institut hervorgegangen ist, wird be- sonders veröffentlicht werden. Einzelne euglische Zeitungsstimmen haben es_getadelt, dal das Institut sich nur theoretischen Arbeiten widmet und für die Praxis so wenig tut, daß es insbesondere Erfindern und Fabrikanten recht. wenig zur Hilfe kommt. Demgegenüber hat bei der Jahresversamm- lung der lıochangesehenen „Britischen wissenschaftlichen Vereinigung“, eines naturwissenschaftlichen Kongresses, der Anfang September in Sheffield tagte, der Mathematiker G. H. Bryan Jarüber geklagt, dal bei der Konstruktion der Flugmaschinen die Mathematik so sehr ver- *) Raport of the Advisory Committee for the Aeronautics fort the year 1909 - 1910. London, Wyman & Sons. 185 S. 8vo. Preis 8 sh, 5. d. No. 18 „FLUGSPORT«“ Seite 579 nachlässigt würde. Alle Fragen über Gleichgewicht und Stabilität ve- hörten nur vor das Forum des Matliematikers, und wenn derMathematiker vorher gefragt worden wäre, so hätten die meisten, ja vielleicht alle Un- glücksfälle im Flugsport vermieden werden können. Aber auf dem Kongresse selbst wurde geltend gemacht, daß beide Stand- punkte Extreme wären, die in ihrer törichten Einseitiekeit nnr schäd- lich sein könnten; und ohne die praktischen Flieger würden hente noch manche Mathematiker behanpten, daß eine Flugmaschine die fliegen könne, unmöglich sei. Trotzdem ist es gut, daß in England die Theorie der Flugmaschine uicht vernachlässigt wird. Zahlreiche Aufsätze in den Zeitschriften, den mathematischen sowohl wie in den Fachzeitschriften für Ingenieurwissenschaft und Flugsport, zeigen, mit welchem Eifer man die mathematischen Grundlagen des Klieeens studiert. | Wir erwähnen hier besonders noch einen Aufsatz Van Larard über die Luftpropeller in der Zeitschrift „Eugineering“ (2. Sept.), und dann die Ausführungen Bryans selbst und anderer Mathematiker über seitliche Stabilität und die Wirkune vorderer und hinterer Steuerplane anf dem erwähnten Kongresse. ” Während die französischen Fabrikanten weiter ihre Modelle nun. als abgeschlossen anzusehen scheinen und dieselben fabrikmäßig herstellen, arbeitet man in England eifrig an neuen Modellen. Viele originale Züge zeigt z. B. die Flugmaschine, die der Marine-Lentnant. J. W. Seddon konstruiert hat. Sie gilt als die orößte geoenwärtive Flugmaschine und hat eine Tragfläche von 92 Quadratmeter. während ährend das Gewicht annähernd 1000 kg beträgt. Nach ihrer äußeren An- lage kann man sie kurz als einen „landem-Biplan“ bezeichnen. Die beiden Tragflächen der beiden Hauptdecks sind aber nicht durch Streben, sondern durch dünne runde Stahlröhrenreifen verbunden Die Maschine ist von der Firma Accles & Pollock in Oldbury gebaut, die beiden Motoren von je 80 HP sind von der New Engine Co ge- liefert und treiben 2 Beedle-Propeller. Die Maschine befindet sich augenblicklich für Probezwecke in Dunstall. Endlich sei noch erwähnt, daß jetzt auch von Lanchester, dem bedeutendsten Flugtheoretiker in England, eine Flugmaschiue erbaut Viel Aufsehen hat die Ankündigung einer Erfindung erregt, die in der Barrower Fabrik der Firma Vickers, Sons und Maxim gemacht sein soll. Es handelt sich um eine neue Aluminiumlegierung die den Namen „Duralumin“ erhalten hat. Die Firma bewahrt strenges Schweigen darüber, wie diese Verbindung zusammengesetzt ist und wie sie lvergestellt wird. Duralumin soll etwas schwerer als Alumi- num sein, kann dafür aber leicht zu Draht gezogen werden und gleicht überhaupt in seinen fiechanischen Eigenschaften einem milden Stahl. Es rostet nicht und kann kalt und warm leicht bearbeitet werden. Durch die Bearbeitung scheint es an Stärke und Festigkeit noch zu gewinnen. Wie die meisten Metalle, kaın es mit, eigentlich allen anderen Metallen plattiert werden. Wenn diese Beschreibung des Dnralumin wirklich zutrifft, so ist seine anscedehnte Verwendune für Flngmaschinen gesichert. ” ” Von Einzelflügen erwähnen wir, daß Mr. Jones (Robert Loraine) den lange beabsichtigten Flug über den inländischen Kanal am 11. September glücklich ausgeführt hat, wenn er auch die letzten Seite 580 „FLUGSPORT“. No. 18 Meter schwimmen mußte, und dab Moisant am 6. September seinen Flug von Paris nach London nach langer Unterbrechung erfolgreich vollendete. Der Engländer Grahame White hat bei dem lOtägigen Fliegen in Boston die größten Preise davongetragen, nämlich 124.000 Mark. Die amerikanische Presse hat ihn wegen seiner Leistungen in Boston als den erfalırensten und geschicktesten Flieger der Welt ge- priesen. Seine Preise betrugen mehr als doppelt soviel als die aller anderen Flieger zusammen. Grahame White ist jetzt vom Royal Aero-Club zusammen mit Mr. Radley und Mr. Alec Ogilvie als Re- präsentant Groß-Britanniens für das Gordon-Bennett-Preis-Fliegen er- nannt, das in New York stattfinden soll. Für das Flugsport-Meeting in Doncaster (19. bis 31. September) sind die folgenien Flieger gewonnen: Marcel, Hanriot, .J. Mamet, Beaud, Ladougne, Brunean de La- borie, Küller, Paul de Lesseps und Madame Dutrien. Zu der internationalen Konferenz in Boulogne, welche besonders über Sicherheitsapparate für Flugmaschinen berateu soll, sind 11 eng- lische Delegierte entsandt, unter anderen die praktischen Flieger Bertram Dickson und Moore-Brabazon, und der bekannte Schrift- steller Rudyard Kipling, der in den Londoner Zeitungen eine interes- sante Diskussion über diese Frage der Sicherheitsapparate anregte. Eine „Erste Weltausstellung für Luftschiffahrt und Flugsport“ soll vom 1. Dezember bis zum 31. Januar im Kristall-Palast bei London stattfinden. Schraubenflugmaschine Sternemann. Fr. Sternemann, Hamburg, hat in Gemeinschaft mit Dr. Ing. W. Siebert eine Schraubenflugmaschine konstruiert. Die Maschine ist aus nahtlos gezogenen Präzisionsstahlrohren gebaut und autogen geschweißt. Die leichteren Konstruk- tionsdetails sind aus Bambus hergestellt. Die Maschine ist in nebenstehenden Abbildungen dargestellt. — Zum Betriebe dient ein 50 PS Motor von Palous & Beuse. i Dr. Ing. W. Siebert, der Mitarbeiter an dieser Maschine, sagt über die Konstruktion in einem Expos& folgendes: Wird der Schraubenflieger oder der Schwingenflieger die Flugmaschine der Zukunft sein? Professor Prandti äußert sich in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure vom 30. April 1910 darüber also: Die erhebliche Ueberlegenheit des Aeroplans in Beziehung auf Flugfähig- keit „schließt allerdings nicht aus, daß mit dem Fortschreiten der Technik einst noch die ersehnte, vom Platz aufsteigende Flugmaschine (etwa als Schrauben- flieger kommen wird“ ; und weiter: „Die Konstruktionsschwierigkeiten sind beim Schwingenflieger wohl noch größer als beim Schraubenflieger. — Als weiter erschwerend kommt hinzu, daß für den Anlauf, der hier wie bei den Aeroplanen nötig ist, noch besondere Hilfsmittel herangezogen werden müssen.“ Manche andere Aeußerungen von Fachleuten und — was wohl noch über- zeugender wirkt — das Vorgehen einiger unserer größten Industriegesellschaften beweisen, daß dem Schraubenflieger die Zukunft gehört, soweit nicht Sportzwecke, hohe Fluggeschwindigkeiten oder längere Ueber- landflüge in Frage kommen. No _ 0» FLUGSPORT« Wie sollen die Hubschrauben gebaut sein ? scheidet über Erfolg oder Mißlingen. Ste erste, der große Flächen für die Hubsch sammen mit dem Verfasser im Winter 1908;09 das Modell eines Schraubenfliegers mit einer H 1,3 m größtem Durchmesser. Das Ergebnis, auf d genden Tabelle in dem Wert für die Zifter I dieser Ziffer ergibt sich aus der Formel P=K:.F.v: Darin ist P die Hubkraft in kg F die Fläche in qm V die Geschwindigkeit in m/Sek. Die Hubkraft ist also um hältnissen die Ziffer K ist. Seite 581 Die Lösung dieser Frage ent- fnemann war meines Wissens der rauben praktisch anwandte und zu- untersuchte. Benutzt wurde dafür ubschraube von 0,8 qm Fläche und as es ankommt, ist in der nachfol- { niedergelegt. Die Bedettung so größer, je größer unter sonst gleichen Ver- . 1 SEN 5 um ar, - Ri j N s’Ä& Bee ww wg" Schraubenflugmaschine Sternemann. Tabelle über Werte der Ziffer K. Winddruck auf ruhende Flächen nach der Hütte K = 0,13 Versuche von Frank und Eiffel a) zur Bewegungsrichtung senkrechte Flächen . b) zur Bewegungsrichtung geneigte Flächen bei Winkeln von 15° bis 50° Versuche von Klingenberg an Hubschraube von 6m Durch- messer und verschiedenen Flügelabständen Versuche von Siebert-Sternemann an Hubschraube von 1,3 m Durchmesser und verschiede winkeln K = 0,07 bis 0,08 K = 0,025 bis 0,070 K = 0,034 bis 0,20 nen Steigungs- : j . .. . K = 0,027 bis 0,14 oweit geneigte Flä i ist i v. Lößel’sche Rechnungsverfahren baue nt kommen, "U Mn allen Fällen das Bei den Versuchen von Profe je nachdem ein größerer oder flächen verschen war, wie tessor Klingenberg ändert sich der Wert K, geringerer Teil der Schraubenradfläche mit Flug- aus folgendem hervorgeht: Seite 582 „FLUGSPORT“. No. 18 Von der Schraubenfläche waren mit Flugflächen bedeckt der zwölfte Teil. -. . 22.0. K= 0% vierte »ee..e.. K=014 Das ganze . . . 2.20... K = 0048 Bei unseren Versuchen wurde der Wert . K = 0,14 erzielt, wenn die ganze Radfläche mit Flugflächen bedeckt war, d.h. K war rund dreimal so hoch. Dies verdient hervorgehoben zu werden, da die Schraube um so kleineren Durchmesser und damit geringeres Gewicht erhält, je größer K unter sonst gleichen Verhältnissen ist. Unmittelbar in Vergleich gesetzt werden können die Werte allerdings nicht, da der Unterschied in der Schraubengröße zu bedeutend war. Gehoben wurden bei unseren Versuchen mit 1 PS Motorleistung 12,3 kg bei einer Flächenbelastung von 4,6 kg/qm, SR — a N Fe] Bi A Flugmaschine Sternemann. Das Ergebnis der Versuche war so ermutigend, daß im Herbst 1909 mit dem Bau einer großen Flugmaschine begonnen wurde. Hierbei wurde der Grundsatz verfolgt, die bei Drachenfliegern gewonnenen Erfahrungen so weit _ wie möglich zu benutzen. Es wurden demgemäß richtige Aeroplanflächen an den Armen des Hub- schrauben-Gestelles befestigt, die ähnlich wie bei jedem Aeroplan wirken müssen; sogar günstiger als bei diesem sollten diese Flächen arbeiten, denn sie werden direkt vom Motor auf ihrerKreisbahn vorwärts getrieben, während sie beim nor- malen Aeroplan erst mittelbar durch die vom Motor angetriebene Luftschraube vorwärts gedrückt werden. Gleichfalls aus der Technik der Drachenflieger sind übernommen das solide Fahrgestell, auf welchem sich sämtliche Bestandteile der Flugmaschine aufbauen. Hierzu rechnen außer Motor und Hubschraube die noch anzubringende Trieb- rs 5) No. 18 „FLUGSPORT“. Seite 583 schraube, die dem Apparat eine Vorwärtsbewegung erteilen soll, Höhen- und Tiefensteuer, sowie eventuell kleine Seitenflächen. — Die beiden konzentrisch angeordneten, links und rechts umlaufenden Hubschrauben von rund 7m und 5m Durchmesser bergen eine Gesamtflügelfläche von rund 32 qm. Das Gewicht der Schrawbenräder nebst Zahnradgetriebe und Standsäule beträgt 150 kg. Bei dem von Professor Klingenberg untersuchten Schraubenpaar mit 8 m und 6 m Durchmesser (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure vom 18. Juni 1910) war das Gewicht der gleichen Teile 190 kg, und zwar wurde dies nur ‚dadurch erreicht, daß mit Stahldrahtspeichen verspannte Räder benutzt wurden. Nach Ansicht des Verfassers hält eine derartige Konstruktion den bei der Vorwärtsfahrt neu auftretenden, einseitig in Richtung der Achse wirkenden Kräf- ten keineswegs Stand, wenn anders eine Gewichtsersparnis erzielt werden soll. Diese kurze Darstellung bezweckte, zu zeigen, daß bei dem Bau der Flug- maschine planmäßig vorgegangen wurde und daß diese Ergebnisse nicht im geringsten hinter den Arbeiten anderer Bewerber um den Preis, den ersten flug- flugfähigen Schraubenflieger gebaut zu haben, zurückstehen Wird es in der nahen Zukuft gelingen, diesen Flieger zu bauen? Professor Klingenberg hat gezeigt, daß dies möglich ist, wenn der Flugapparat mit Motor einschließlich Kühler und Benzinvorrat, mit Verbindungswelle und mindestens einer Person ein Gewicht von 360 kg nicht überschreitet. Herr Sternemann und der Verfasser halten es für erreichbar, daß nicht nur die genannten Teile, son- dern auch die noch für den praktischen Betrieb erforderliche vorwärtstreibende Schraube, sowie Lenkflächen innerhalb der genannten Gewichtsgrenze oder bei stärkerem Motor innerhalb einer entsprechend höheren Gewichtsgrenze herge- stellt werden können. Flugmaschinen-Motore, (Fortsetzung v. Seite 484.) Der Flugmaschinen -Motor von Lascelles von der Firma White _ Child und Beney, London besitzt 4 Zylinder, von denen je 2 unter] 90° auf ein Kurbellager arbeiten. Der Motor hat 100 mm Zy- linderdurchmesser und 120 Hub und sollsbei 1300 Tou- ren 25 PS leisten. Die _ _Steuerventile liegen, um eine a intensive Kühlung zu er- zielen, in der gleichen Ebene wie die 4 Zylinder. Der neue sternförmige Fünfzylinder-Motor von A n- zani ist neuerdings von Molon in einen Bile£riot- Apparat eingebaut worden. Dieser Motor, welcher aus dem Dreizylinder durch Hin- Motor von Lascelles, Steuer-Seite. zufügen von zwei Zylindern hervorgegangen ist, soll 50 PS leisten. Damit das Seite 584 „FLUGS PO IRT “ Oel nicht in die unteren Zylinder läuft, sind vor dem Kolben besondere Oel- fänger angeordnet. Ob An- zani mit dieser Type etwas gutes geschaffen hat, bleibt dahingestellt. Im deutschen Flugsport besteht-nach wie vor das Bedürfnis nach weiteren *$# wirklich guten Motoren. Die großen Automobilfirmen sind zur Zeit derartig mit Arbei- ten überhäuft, daß sie nicht daran denken können, Mo- toren zu bauen. Sie müssen sich vorläufig darauf be- schränken, ihre Motoren auf den Ausstellungen zu zeigen. Motor von Lascelles, Vergaser-Seite. In nächster Zeit werden mehrere Typen von Rotations-Motoren von sich reden machen. Es sind dies: der reaktionfreie Motor Escher, der Hofmann-Mo- B 7 R ER h u N 50 PS Anzani in Bleriot. (Daneben Anzani!. tor, der Siebenzylinder-Motor von Starke & Tarabochia und der Siebenzylinder- Motor von Kielieg & Pulver. Man darf sehr gespannt sein, welche von diesen Typen reüssieren wird Franz Clouth + Am 7. September starb der in Fachkreisen bekannte Seniorchef der Firma Franz Clouth G. m. b. H,, Cöln-Nippes. — Franz Clouth wurde am 18. Februar 1838 in Cöln geboren tınd erhielt seine Schulbildung und kauf- männische Lehre in seiner Vaterstadt. Nachdem er zu seiner weiteren Aus- bildung einige Jahre im Auslande zubrachte, kehrte er 1860 nach ‚Cöln zurück, um hier ein eigenes Geschäft zu gründen. Sehr bald wandte er sich dabei der & Fr No. 18 „FLUGSPORT“. Seite 555 Gummiwarenbranche zu, die zu jener Zeit im allgemeinen noch in ihren Anfängen steckte und kaum die Bedeutung ahnen ließ, die sie heute im Welthandel ein- nimmt. Bereits 1864 begann er in kleinen Verhältnissen selbst zu fabrizierenn. Der ungeheure wirtschaftliche Aufschwung, welchen Deutschland nach den großen politischen Ereignissen der Jahre 1870 und 1871 genoinmen, blieb nicht ohne günstigen Erfolg auf die Ausdehnung des Geschäfts, so daß im Jahre 1875 die Errichtung einer neuen, größern Fabrik in Nippes erforderlich wurde, die von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Ausdehnung zunahm--Die immer weitere Kreise ziehende Entwicklung der Elektrotechnik, deren ciminente Bedeutung für die Zukunft Franz Ciouth mit klarem Blicke erkannte, veranlaßte ihn im Jahre 1891, neben seinem bisherigen Fabrikbetriebe, zu der Errichtung einer Fabrik von iso- lierten Drähten und Kabeln jeder Art. Die Ausdehnung des Kabelwerkes, in welchem zu jenem Zeitpunkt 600 Arbeiter beschäftigt wurden, ließ es wünschens- Franz Clouth +. wert erscheinen, seine bis dahin mit der Gummiwarenfabrik gemeinsameiV eı wal- tung unabhängig von dieser zu gestalten, weshalb diese ganze Abteilung im Jahre 1898 in ein selbständiges Unternehmen unter der Firma „Land- und See- kabelwerke A.-G.“ mit Franz Clouth als Vorsitzendem des Aufsichtsrates umge- wandelt wurde. Franz Clouth hat in den letzten Jahren ein wesentliches Interesse der Luftschiffahrt zugewandt, und neuerdings beschäftigte er sich auch mit dem Bau von Luftballons und lenkbaren Luftschiffen, deren eines im vorigen Jahre auf der Jla in Frankfurt a.M. und in diesem Jahre durch seine Fahrten nach und in Brüssel berechtigte Anerkennung gefunden hat. Bei den außerordentlichen Anforderungen an seine Person, die der Betrieb seiner Fabriken an ihn stellte, und der groben Pflichttreue gegen sich selbst, die keinerlei Rücksichtnahme kannte und die äußerste Anspannung aller Kräfte von sich wie von seinen Beamten verlangte, fand Franz Clouth dennoch Zeit zu Seite 586 „FLUGSPORT“. No. 18 wiederholten und weiten Reisen, die ihn durch ganz Europa, durch Afrika und nach Indien führten. Seine besondere Aufmerksamkeit wandte er dabei dem Studium der Bedingungen eines plantagenmäßigen Anbaues von Kautschuk zu. Auch literarisch betätigte er sich durch eine Monographie über die Kautschuk- Industrie. Das Buchzerschien 1873, 1879 und 1899 bei Bernh. Fr. Voigt in Wei- mar. Eine englische, ergänzte und umgearbeitete Ausgabe dieses Werkes erschien unter dem Titel: Rubber, Guttapercha und Balata 1903 in London und New York. . . Franz Clouth hat sich durch seine rührige Tätigkeit in der Industrie selbst ein dauerndes Denkmal gesetzt. Sein Name wird in seinen Werken fortleben. Fingtechnische Rundschau. Inland. Das Flugmaschinenführer-Zeugnis erwarben: Oskar Müller aus Bremen am 4. September auf dem Flugfeld Habsheim bei Mülhausen i. Elsaß auf Aviatik-Doppeldecker. Baron von Krumm aus Warschau am 4. September auf dem Flugfeid Habsheim auf Aviatik-Doppeldecker. Leon Lecomte aus Mülhausen i. Els. am 11. September auf dem Flugfeld Habsheim auf Aviatik-Doppeldecker. | Ingenieur Gustav Otto aus München auf dem Flugfeld Puchheim auf Aviatik-Doppeldecker. Tuschner macht zur Zeit auf dem Flugfeld „Mars“ mit Tuschner-Krebs- Gleitflieger Flugversuche. Es sei hierzu bemerkt, daß der Frankfurter Flug- technische Verein einen Gleitflieger ähnlicher Konstruktion im Vorjahre auf der En Tuschner mit Gleitflieger Tuschner-Krebs auf dem Flugfeld „Mars“. „la“ versuchte. Das Fliegen mit diesen Gleitfliegern ohne hintere ; Stabilisie- rungsfläche ist sehr schwer und erfordert große Geschicklichkeit für die Erhal- tung der Längsstabilität. Flugmaschine von Felix Balzer, Gommern. Dieser Apparat ist ein Zweidecker mit nach rückwärts gestaffelten Haupttragdecken, welche nicht im e No. 18 „FLUGSPORT“. Seite 587 Luftschatten liegen. An den beiden Tragdeckenden sind zur Erhaltung der seit- lichen Stabilität kleine Hilfssteuerflächen vorgesehen. Die Seitensteuerung und zwei kleine Stabilisierungsflächen sind hinten angebracht. Das Se’tensteuer wird zwangsläufig mit den Hilfssteuerflächen für die Schräglagensteuerung betätigt. Zweidecker von Felix Balzer. Oben Vorder- und unten Rückansicht. Das Höhensteuer ist vorn angeordnet. Zum Antriebe dient ein 25 PS Anzani- Motor, welcher sich für den zu schwer ausgefallenen Apparat zu schwach erwie- sen hat. — Es ist ein neuer Apparat im Bau, welcher bedeutend leichter konstruiert wird. Hans Grade hat am 16. September, abends, die erste Probe seines ver- besserten Motors in Form eines Dauerfluges gemacht, Er flog 1 Stunde 4 Min. 30 Sekunden, erreichte dabei eine Höhe von 60-70 m und landete erst um 7 Uhr, als ihn die Dunkelheit dazu zwang. Damit scheinen die Schwierigkeiten, welche ihm der Motor monatelang bereitete, behoben zu sein. --—— Fritz Heidenreich führte am 7. September einen Ueberlandflug, aus ——- gehend vom Gandauer Exerzierplatz, nach Schmiedefeld, Mariahöfchen, aus und kehrte an den Aufstiegplatz zurück, wo er noch einige Runden und Figurenffüge ausführte. Adolf Symanzik, Borszymmen, unternahm aın 12. September auf seinem von ihm selbst konstruierten Flugapparat mehrere Probeflüge, bei denen sich der Apparat bestens bewährt hat. Es ist ein eleganter Eindecker, der in allen Teilen auf das sauberste ausgearbeitet ist und einen sehr grten Eindruck macht. Eindecker Frese. Frese vom Düsseldorfer Flugsport-Klub hat einen Ein- decker gebaut, mit welchem bereits mehrere kleine Flüge ausgeführt wurden. Seite 585 „FLUGSPORT“. No. 18 Der Apparat besitzt 9,2 m Spannweite und eine Gesamtlänge von 8,7 ın. Das Tragflächenareal beträgt 27 qm. Zum Betriebe dient ein 3 Zylinder luftgekühlter Motor von 120 mm Zylinderdurchmesser und 120 Hub, welcher effektiv 35 PS leistet. Das Gewicht der kompletten Maschine mit Benzin beträgt 230 kg. Die Konstruktion des Apparates läßt erkennen, daß der Erbauer mit der neueren Technik vertraut ist. Die Profilierung der Tragdecken ist nach der von Ursinus im „Flugsport“ Nr. 3 i910 auf Seite 61 ff. gegebenen Anregung durchgeführt. Der schöne Apparat ist leider vor einigen Tagen total verbrannt. Durch Aus- Eindecker Frese (Vorder- und Hinteransicht). puffunken fing der Vergaser während des Fluges Feuer, welches unter Vermitt- lung des Celluloidgefäßes an dem Akkumulator auf die Tragflächen übersprang. Es ist bedauerlich, . daß die Versuche durch diesen Zwischenfall unterbrochen wurden. Hoffentlich trägt der Düsseldorfer Flugsport-Klub dazu bei, daß der Apparat schnellstens wieder gebaut wird. Max Berk aus Naumburg baut zur Zeit in Fulda einen Zweidecker mit verstellbarem Oberdeck. Gabrisch in Georgenberg hat einen Apparat gebaut, mit welchem er bereits mehrere Flüge in 7 m Höhe ausgeführt haben soll. Ausland. Hamilton stürzte am 10. September, anlässig einer Konkurrenz gegen ein Automobil ab’ Die Maschine wurde total zertrümmert. Hamilton, dessen Flug- kunststücke von der amerikanischen Presse sehr viel besprochen wurden, ist schwer verletzt. Unfall von Carl Warchalowski anlässig des Preisfliegens in Wiener- Neustadt. Wie die Tageszeitungen bereits berichteten, unternahm Erzherzog Leopold Salvator mit Adolf Warchalowski am 8. September einen Passagierflug. Der zu gleicher Zeit aufgestiegene Carl Warchalowski stürzte ab, da bei der allzu großen Annäherung der beiden Apparate ein Luftwirbel entstanden war. Das Publikum, das der Meinung war, der Erzherzog sei abgestürzt, geriet in ea RN No. 18 „FLUGSPORT“. Seite 589 große Aufregung. Die Schranken des Flugfeldes wurden durchbrochen und alles eilte zu dem abgestürzten Apparat. Carl Warchalowski erlitt einen schweren Beinbruch und wurde in das Spital von Wiener Neustadt überführt. _— Flugkonkurrenzen. Flugwoche Berlin-Johannisthal vom 9. — 16. Oktober. Meldeschluß 27. September, abends 6 Uhr. Zugelassen sind nur Flieger deutscher Nationali- tät. Ausländische Maschinen können benützt werden. Nur der Lanzpreis ver- langt deutsche Flugmaschinen. Es sind folgende Preise ausgeschrieben: I. Großer Preis des Königl. Preuß. Kriegsministeriums 25000 Mark. 2. Preis gestiftet von Graf Zeppelin aus der Zeppelinspende, 10000 Mark. An mindestens der Hälfte aller Tage, an denen während der Fiugwoche überhaupt Flüge von mindstens 1 Runde stattfinden, muß der Bewerber minde- stens je eine Stunde geflogen sein und dabei jedesmal mindestens 300 ım Hölıe erreicht haben. Gewinner des Preises, ist derjenige, dessen vorstehend aufge- führte Flugleistungen in der Summe der Dauer am größten sind, gleichgültig ob die Leistungen mit einem oder zwei Flugzeugen ausgeführt sind. Der Gewinner kann durch dieselbe Leistung nicht gleichzeitig andere Preise gewinnen, dagegen ist gleichzeitige Bewerbung um andere Preise statt- haft. und der Bewerber kann alsdann, wenn er vorstehend aufgeführten 1. oder 2. Preis nicht gewinnt, andere Preise gewinnen. Bei etwaiger Gleichheit der Fiugleistungen in bezug auf die Summe der Dauer entscheidet die längstdauernde Tagesleistung. Wenn der Bewerber un diesen Preis durch die gleiche Leistung die beste Leistung auch in anderen ange- meldeten Wettbewerben hat, so rückt, falls er auf vorstehende Preise reflektiert; in den anderen Wettbewerben derjenige Bewerber an seine Stelle, der die nächstbeste Leistung hat. ‚Ik Preis des Königl. Preuß. Kriegsministeriums mit vorgeschriebener Belastung und Höhe. 3 Preise von 5000, 3000 und 1000 Mark. Der Bewerber darf noch keinen Geldpreis von 5000 M. oder mehr gewonnen lıaben. Der Flug muß mit Ballast von 70 kg ausgeführt werden, und zwar je einma! an drei verschiedenen Tagen. An jedem dieser Tage muß einmal die Höhe von !00 m überschritten werden. Gewinner ist derjenige, dessen Summe der Flugzeiten der angemeldeten Preisflüge bei Schluß der Flugwoche die größte ist, gleichgültig ob die Leistungen mit einem oder zwei Flugzeugen ausgeführt sind. Das Kriegsministerium behält sich vor, falls die Witterung die Erfüllung vor- stehender Bedingungen verhindert, evtl. auch bei Minderleistung Preise zuzu- sprechen. Dieser Preis kann zugleich mit den Preisen III (tägl. Dauerpreis), IV (Zusatzpreis zu vorigem) und V (Preis für längstdauernden Passagierflug) gewonnen werden. Weiter führen die Ausschreibungen folgende Wettbewerbe an deren Aus- flugbedingungen wir nur auszugsweise wiedergeben: II. Preis des Kaiserlichen Aeroklubs 5000 M, Täglicher Dauerpreis (8 Tage), mindestens je 20 Minuten ununterbrochener Flugdauer. 1. Preis 400 M., 2. Preis 200 M. täglich. Falls diese Preise nicht täglich ausgeflogen werden, wird aus der übrigbleibenden Summe ein Preis für den längstdauernden Passagierflug (siehe V) gebildet. Es können der 1. und 2. tägliche Frühpreis auch von demselben Bewerber gewonnen werden. IV. Zusatzpreis von- der Motorluftschiff-Studiengesellschaft 3000 M. und zwar derart, daß zu den Preisen des Aeroklubs für den I. Preis täglich 250 M. und für den 2. Preis täglich 100 M. zugegeben werden, falls der Flug Seite 5% „FLUGSPORT“. No. 18 mit Passagier oder 70 kg Ballast ausgeführt wird. Die hier etwa nicht ausge- flogenen Gelder werden dem Preis V zugeschlagen. . V. Preis für den (ngstdauernden Passagierflug gebildet aus den Restbe- trägen der Preise Ill und IV. 1. Preis ?/, der Summe, 2. Preis '/, der Summe. VI. Preis für die größte Höhe. 4000 M. zugleich mit einem Ehrenpreise im Werte von 1000 M. gestiftet von der Herrenmoden-Firma Hermann Hoffmann. . Mindestleistung für diesen Wettbewerb 300 m Höhe. Der Geldpreis Kann nicht zugleich mit dem großen Preis des Kriegsministeriums oder dem Zeppelin- Preis gewonnen werden wohl aher der Ehrenpreis. VI. Preis für den kürzesten Anlauf vor dem Aufstieg, 500 M., gestiftet vom Berliner Verein für Lufttchiffahrt. De: Preis wird demjenigen Bewerber zugesprochen, dessen Flugzeug, nach dem er es auf ein gegebenes Zeichen in Lauf gesetzt hat, die kürzeste Strecke auf dem Boden rollend zurücklegt, ehe es sich vom Boden erhebt. Es wird gemessen von dem Mittelpunkte zwischen den vorderen Stand- rädern von dem Standort in gerader Linie zu dem letzten sichtbaren Berüh- rungszeichen der Erde. An den Start muß sich ein Rundflug von beliebigem Durchmesser über den Flugplatz anschließen. Der Start muß für alle Teilnehmer an dem Wettbewerb an derselben Stelle erfolgen. VIII Preis für den geringsten Benzinverbrauch. 500 M., gestift n der Firma E. Rumpler, Luftfahrzeugbau G. mb H ‚ Bestiftel von de IX. Bleichröderpreis 1910, Wettbewerb für Flugzeuge mit deutschen Führern. 1. Preis 10000 M., gegeben von Dr. James v. Bleichröder. 2. Preis 1000 M., gegeben vom Kaiserlichen Automobilklub. Die Bewerber müssen die Flugbahn in Johannisthal an einem beliebigen der dafür bestimmten Tage freischwebend dreimal mit zwei Zwischenlandungen umfliegen Als Höchstflugzeit sind 15 Min. festgesetzt Die Zwischenlandungen müssen zwischen letztem Eckpfosten und Startlinie erfolgen und mindestens eine Minute dauern. Die bisher besten Leistungen um den Bleichröder-Preis sind: Dorner mit 10 Min. 8°/, Sek. und Laitsch mit 10 Min. 19'/, Sek. X. Zusatzpreis zum Lanzpreis der Lüfte, gestifte vom kaiserl. Automobil- klub und vom Berliner Verein für Luftschiffahrt. 1. Preis 1500 M. 2. Preis 1000 M. Die Bedingungen sind dieselben geblieben wie bisher. Als Preisrichter sind bestimmt die Herren Major a. D. v. Tschudi, Prof. Dr. Süring und Direktor Krell. Neu ist eine Erklärung zu der Vorschrift, daß zu diesem Wettbewerb zu benutzende Flugzeug von einem Deutschen „konstruiert“ sein müsse, Dazu wird gesagt, daB es nur von einem Deutschen konstruiert, d. h. also wohl ge- baut sein müsse, nichtaber erfunden. Es darf nicht die sklavische Nachahmung eines schon vorhandenen Flugzeuges darstellen, darf aber die konstruktive Ver- wertung nachahmenswer!er Vorbilder einschließen. Ebenso darf der Motor nicht einem tremden Motor einfach nachgebildet stin, jedoch ist eraubt, einzelne Teile fremder Motoren beider Konstruktion zu verwenden Vielleicht bringt uns die Flugwoche einige angenehme Ueberraschungen. Patentwesen. : Deutschland. Patentanmeldungen. 77h. B. 50913. Drachenflieger mit um Querachsen des Gestells pendelnd aufgehängten Tragflächen. Alexander Baumann, Charlottenburg, Tauroggener- straße 1, und Ernst Emil Freytag, Zwickau i. Sa. 30. 7. 08. Patenterteilungen. ..,27b. 226540. Luftpumpe mit Kurbelschleifenantrieb für pneumatische Gleichgewichtsregler von Flugmaschinen. Karl’ Willems, Saaralben, Lothr., Sol- vaydorf. 27. 1. 10. W. 34001 No. 18 m FLUGSPORT“. | Seite 591 77h. 226597. Steuerungseinrichtung für ' lugzeuge. Robert Esnault-Pel- terie, Billancourt, Seine, Frankr., Vertr. M. Mintz, Pat.-Anw., Berlin SW. 11. »5. 12. 08. E. 14200. 7Th. 226765. Flugmaschine mit auf wagerechten Wellen zwischen besonderen Saug- und Druckkammern angeordneten Flügelrädern. Alfred Wunderlich, Brüssel, Vertr.: R. Deißler, Dr. G. Döliner, M. Seiler und E. Mamecke, Pat.- Anwälte, Berlin SW. 61 28. 12. 07. W. 28962. 7Th. 226766. Vorrichtung zur Uebung in Kunstflug und zur Erprobung yon Flugapparaten. Dr. Richard Alexander-Katz, Berlin, Kleiststraße 8. 8. 12. 08. . 16 487. 7Th. 226852. Propellerantrieb. Bertram George Cooper, Surbiton, Engl.; Vertr.: S. Goldberg, Pat.-Anw., Berlin SW. 68. 6.2 09. C. 17611. 77h. 226853. Aufhängung für die Tragräder von Luftfahrzeugen. Louis Bieriot Neuilly, Frkr.; ‘Vert.: A. Elliot, Pat.-Anw., Berlin SW. 48. 13. 1. 09. . 52762. Gebrauchsmuster. 77h. 430467. Am Motor gelagertes, gegenläufiges Antriebs-Kettenrad bei Doppelschrauben-Drachenfliegern. — Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin. 20. 6. 10. A 14975. 77h. 430503. Propeller aus Pappmashe, insbesondere für Luftfahrzeuge. — Bernhard Plage, Charlottenburg, Droysenstr. 17. 5. 4. 10. P 17154. 77h, 430622. Orientierungs- und Signalisierungs-Vorrichtung zur Ablesung von Luftfahrzeugen aus bei Tages- und Nachtbeleuchtung,. — Kurt v. Franken- berg und Ludwigsdorf, Berlin, Pariserstr. 18. 12. 4. 10. F 22097. 77h. 430674. Flugmaschine, deren Tragflächen sowohl einzeln. als auch zusammen bewegt werden können. — Wolfg. Gaulinger, München, Schrainmer- straße 2. 25. 6. 10. G 25062 77h. 430825. Zur Versteifung der Trag- und Gleitflächen an Flugappa- raten dienende Spante.e — Josef Schreiner, Steinstr. 85, und Jakob Wahlen, Bismarckstr. 65, Düsseldorf. 20. 7. 10. Sch 36 981. 77h. 431 191. Antriebsvorrichtung für Flugmaschinen. — Richard Beck- mann, Cöln a. Rh., Antwerpenerstr. 48. 3. 6. 10. B 48188. 77h. 431 414. Luftschraubte. — Paul Veeh, München, Fendstraße 5. 5. 7. 10. V 8281. 7Th. 431656. Treib- und Steuerschraube für Luftschiffe, Drachenflieger u. dgl. — Gustav F. Voß, Neumünster. 6. 7. 10. V 8279. 77h. 431 657. Drachenflieger zur Beförderung von Reisenden. — Gustav F. Voß, Neumünster. 6. 7. 10. V 8280. B 7Th. 432665. Gleitflieger. Jakob Bauder, Schnaitheim, Württ. 12.7. 10. . 48742. 77h. 432747. Mehrwellige, hohl überbaute und zu öffnende Trag- u. dgl. Flächen für kombinierten Ein- und Zweidecker-Flugapparat. Hermann Witter, Frankfurt a. M., Hahnstr. 22. 20. 6. 1. W. 31 002. 7Th. 432937. Aufhängevorrichtung für Flugzeugmotoren. Friedr. Seck, München, Lothstr. 16. 28. 7. 10. S. 22632. Drachesflieger mit verwindbarer Traofläche.*) Die Erfindung bezieht -sich-auf- eine besondere Art der Verwindung der Tragflächen bei Drachenfliegern, um das Gleichgewicht in der Querrichtung her- zustellen. Diese Art der Verwindung besteht im wesentlichen darin, die Neigung der vorderen und der hinteren Stange, zwischen welchen der die Tragfläche bildende Stoff gespannt ist, zueinander zu ändern, ohne dabei die Stangen selbst biegen zu müssen, Die Neigung der vorderen und hinteren Stange kann nun besonders vorteilhaft durch die im folgenden beschriebene und auf der Zeichnung schematisch dargestellte Anordnung erzielt werden. a! ist die vordere, b' die hintere Stange, die durch Schnüre miteinander verbunden sind, und zwischen denen der Stoff oder das sonstige elastische, die Tragfläche bildende Material gespannt ist. Die vordere Stange ist gelenkig auf *) D. R. P. Nr. 222674. Robert Esnault Pelterie in Billancourt, Frankr. Seite 592 „FLUGSPORT“. No. 18 zwei Armen c', c’ befestigt, die nach oben hin konvergieren, während die hintere Stange b' gleichfalls gelenkig auf den Armen m', m? montiert ist, die nach oben hin divergieren. Die Arme c', c?, m’ und m? sind an ihrem unteren Ende auf den in Traglagern e', e? ruhenden Achsen d', d’ aufgekeilt, die Lager sind ihrer- seits fest an den Hauptträgern f', f? der Gondel oder des Flugmaschinenkörpers efestigt. uf dem Ende der rechts liegenden Achse d’ ist ein Kurbelarm h! auf- gekeilt, der gelenkig an eine Verbindungsstange i! angeschlossen ist, welche mit ihrem anderen Ende an einem Kurbelarm j angelenkt ist, der seinerseits auf der unverschiebbareu, aber drehbaren Achse k' befestigt ist. Diese Achse trägt den Stellhebel I". Diese Bewegungsübertragung bezweckt, die Drehung der in der Längs- richtung nicht verschiebbaren Achsen d' und d? im umgekehrten Sinne wie die deın Stellhebel I! erteilte Bewegung zu bewirken, so daß man das Gleichgewicht in der Querrichtung wieder herstellen kann, wenn man den Hebel I! auf die Seite hinneigt, auf der der Apparat sich gehoben hat. Wenn man den Hebel 1! z. B. im Sinne des in der Zeichnung angegebenen Pfeiles bewegt, dreht sich die Achse d? umgekehrt wie der Hebel I!; dasselbe findet natürlich ebenfalls statt für die Arme c? und m? und für die Arme c', m! und die Achse d'. Infolge der konvergierenden Anordnung der Arme c!, c® nimmt die vordere Stange d' die in der Zeichnung strichpunktiert dargestellte Stellung a’, ein. Die Stange neigt sich auf der rechten Seite und hebt sich auf der linken Seite an. Die hintere Stange b! nimmt die umgekehrte, in der Zeichnung mit strichpunktierten Linien angegebene Stelle bh‘, ein. Hierbei hebt sich die Stange rechts und sie neigt sich auf der linken Seite. Durch eine derartige Verwindung der Tragfläche wird die Flugmaschine sich rechts wieder senken und links heben. An Stelle der beschriebenen Uebertragung, die die Achse d* mit dem Handhebel I! verbindet, kann man jede andere Vorrichtung benutzen, welche den Drehungssinn umkehrt. Die beschriebene Art der Verwindung hat den Vorteil, daß keine Seile dazu gebraucht werden. Außerdem kann man bei entsprechender Anordnung der Achsen d' und d? und der Arme c', c:, m’ und m” erreichen, daß die wirksame Oberfläche der Tragfläche an der einen Seite vergrößert, an der anderen ver- kleinert wird. Hierdurch wird die zur Wiederherstellung der Gleichgewichtslage dienende Kraft vergrößert. No. 18 „FLUGSPORT“. . Seite 593 Patent-Ansprüche. 1. Drachenflieger mit verwindbarer Tragfläche, dadurch gekennzeichnet, daß die vordere und hintere Stange, zwischen welche der Stoff der Tragfläche gespannt ist, an Armen gelenkig befestigt sind, durch deren Drehung eine gegen- läufige Neigung der beiden Stangen herbeigeführt wird. 2. Drachenflieger nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Ge- lenkarme auf im Gestell des Drachenfliegers drehbar geladerten Achsen (d', d?) _. - befestigt sind, und zwar derart, daß die zum Tragen der Vorderstange (a!) die- nenden Arme (c', c?) nach oben hin konvergieren, die zum Tragen der Hinter- stange (b') dienenden Arme (m!, m?) nach oben hin divergieren. Gleitfläche für Lufit- oder Wasserfahrzeuge *) Der Gegenstand der Erfindung betrifft die zum Gleiten in.Luft oder Wasser bestimmten Flächen, d.h. Drachenflächen, Steuerflächen, Propellerflächen u. dgl., und besteht in der Herstellung von besonders leicht Luft oder Wasser schneidenden Flächen, die auch die Forderungen der Festigkeit, Leichtigkeit, bequemen Herstellbarkeit und Wetterfestigkeit erfüllen. Solche Flächen sind bisher entweder aus vollen Holzplanken ‚und Metall- blechen oder aus Quer- und Längsrippen mit Stoffbezug hergestellt worden. — Beide Ausführungen leiden an dem Uebelstand, daß sie infolge ihrer Dicke oder Abb. 2. Abb. 1. Abb. 3. a Yy PT 0) N 3 N S SR c BEE RE 4 __L__[_ L.___. LT mm mn nn 2 der aus der Fläche hervortretenden Rippen einen hohen schädlichen Widerstand besitzen, daß sie aus Holz angefertigt, nicht fornıbeständig sind, aus Metallpro- filen schwierig herstellbar sind. . Der Stoffüberzug zeigt ferner eroße elastische und bleibende Formände- rungen an der unrechten Stelle, große Öberflächenreibungen und erfordert beson- dere Diagonalversteifungen. *), D. R. P. Nr. 222266. Dr. Ing. Hans Reiliner in Aachen. Seite 594 „FLUGSPORT“. No. 18 Diese Nachteile sollen durch eine neuartige Ausbildung der Tragflächen vermieden werden, wie sie in Abb. 1 im Grundriß, in Abb. 2 im Schnitt nach A-B der Abb. 3 und in Abb. 3 im Schnitt nach C—D der Abb. 1 dargestellt ist. Eine gewellte, dünne Platte c, bei der die Wellenberge und Täler in der Bewegungsrichtung verlaufen, erhält die quer zur Bewegungsrichtung notwen- digen Hauptrippen durch beiderseitig auf den Wellen befestigte Bänder a, so daß zwei Bänder mit den dazwischenliegenden Wellen eine zug-, druck-, biegungs- und knickfeste Gurtung bilden. ‚In der Bewegungsrichtung entstehen s - nur sehr kleine Widerstände, und die Diagonalversteifung von einer Rippe zur andern wird schon durch die gewellte Platte selbst besorgt. Die so gebildete Gurtung kann entweder als biegungsfeste Hauptrippe eines Einflächendrachens oder als Stabkräfte aufnehmender Gurt des Gerippes eines Zweiflächners dienen. Im Falle, daß die zwischen den Gurtungsbändern liegenden, als Vergitterung dieser Gurtung wirkenden Wellen für die Aufnahme der Querkräfte der Gurtung zu schwach sind, ist eine Verstärkung der Wellen an der betreffenden Stelle durch ein aufgelegtes Wellenband b beabsichtigt. Die Wellen können runde oder eckige Form haben. Patent-Anspruch. Gleitfläche für Luft- oder Wasserlahrzeuge, dadurch gekennzeichnet, daß eine gewellte, dünne Platte, bei der die Wellenberge und -täler in der Bewe- gungsrichtung verlaufen, quer zur Bewegungsrichtung auf beiden Seiten mit Bändern verbunden wird, um die Gleitfläche ohne erhebliche Vergrößerung des Bewegungswiderstandes zu versteifen. Verschiedenes. Auf der Brüsseler Weltausstellung ist die Flugtechnik nur in beschei- denem Maße vertreten. Nach und nach sind in den letzten Tagen in verschiedenen Abteilungen noch einige Apparate aufgestellt worden. In der französischen Automobil-Abteilung finden wir folgende Apparate: einen Sommer mit E. N. V.- Motor, einen Hanriot wit Darracq-Motor, einen Santos-Dumont mit Darracg, einen Bleriot mit Anzani und einen Esnault-Pelterie mit Esnault-Pelterie-Motor. In der deutschen Automobilabteilung sieht man einige deutsche Flugmotoren. Neben den Adlerwerken zeigen Daimler und Benz je einen 50 PS-Vierzylinder- Motor. Unseres Erachtens wäre es besser, wenn diese Motoren nicht auf der Brüsseler Ausstellung wären, sondern sich in einer deutschen Flugmaschine efänden. Die Erbauung einer Flugmaschinenhalle abgelehnt. Der Flugtechniker - Oppermann in Hannover beabsichtigt, mit seinem Apparat Versuche zu unterneh- men. Der Hoibesitzer Plinke in Langenhagen hat demselben seine Wiese neben cem Exerzierplatze hinter dem Schießstande zu diesen Versuchen auf die Dauer von 2 Jahren unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Oppermann hatte sich nun an die Stadtverwaltung gewandt um Bewilligung der Mittel zur Erbauung einer Halle für seinen Flugapparat. In der am 16. September stattgefundenen vertrau- lichen Sitzung der städtischen Kollegien stand_diese Angelegenheit zur Beratung, sie wurde aber abgelehnt, weil man sich keinen Vorteil für die Stadt davon versprach. Die Stadtverwaltung wird sich späterhin mit der Frage des Baues einer großen Halle für die Unterbringung der verschiedenen lenkbaren Luftschiffe beschäftigen. (? -) Das Endresultat der Münchener Fiugwoche ist folgendes: Dauerflug-Preis: 1. Lindpaintner (Sommer und Farman) 3:17:33. 2. Jeannin (Aviatik) 1:49:37°/,. 3. Otto (Aviatik) 1:23: 56°/,. Höhenflug-Preis: 1. Lindpaintner 250 Meter. Schnelligkeits-Preis über 10 Kilometer: 1. Lindpaintner 10:09/,. 2. Je- annin 10:58°/,. Passagier-Preis (Ehrenpreis des Komm-.Rat Braun): }. Lindpaintner 55: 44*/,;. No. 18 „FLUGSPORT“. Seite . „„Ueberlandflug-Preis (Ehrenpreis des Vize räsidenten der Ak i ü Aviatik in München Dr. James von Bleichröder): 1. Lindpaintner (2 endet München nezw. Dachau). 2. Otto (1 Flug nach Dachau). esamt-Preis: 1. Lindpaintner 4 Stund. j 3, i 2:8:0), „rreis BR und. 49 Min. 14°/, Sek. 2. Jeannin eulingspreis für in Puchheim trainierend i : :23: 2. Scheuermann {Bleriot) 12 Sek. nde Flieger: 1. Otto 1:23:56%), Ein Schaufliegen fand am 28. August auf dem i dorf statt. Durch Wetter usw. waren die Vorbei platz einem ßS- Gelingen der Veranstaltung gegeben, und der Wright-Pilot Thelen der Ad Astra. Gesellschaft konnte denn auch den zahlreich erschienenen Zuschauern mehrere äußerst wohlgelungene Flüge zeigen. Wie wir soeben sagten, waren zahlreiche Zuschauer erschienen und wäre auch hierdurch für den Heringsdorfer Rennverein ein pekuniärer Erfolg gesichert gewesen, wenn hierbei nicht jemand anders mit- Resprochen hätte und zwar ist dieses der Herr Amtsvorsteher zu Heringsdorf ie Zuschauer waren wie gesagt erschienen, aber nicht auf dem Rennplatz, son- dern auf einem neben dem ennplatz entlang führenden Landwege, von welcheın sie das Fliegen natürlich ebenso gut verfolgen konnten wie vom Pfatze selbst mit dem Unterschied, daß sie hier kein Entree bezahlen brauchten. Dem Publi- kum kann man es natürlich nicht verargen, wenn es unnötige Geldaus aben unterläßt, dahingegen wäre es doch wohl ein Leichtes gewesen, den Weg 5% ab- zusperren, ‚daß derselbe nur für den nachweislich notwendigen Verkehr offen gewesen wäre. und nicht für viele Hunderte von Menschen, welche sich dort Es ist im höchsten Grade bedauerlich, wenn der i gebenden Stellen so wenig Unterstützung findet, Ücher ale goei den en kommen kann man sich ja leider bei uns überhaupt nicht beklagen, der Hero S- dorfer Fall dürfte aber ein ganz besonders erwähnenswerter sein und dürfte eeignet sein i i ispi i geeigne ‚ auf ihn als ganz besonders nicht nachzuahmendes Beispiel hinzu- Firmennachrichten. j Nordiska Fiugzeug-Geseilschaft mit beschränk dieser Firma wurde in das Handelsregister zu Berlin ee einer tragen. Gegenstand des Unternehmens: Der Bau, die Erprobung und der Ver. trieb von Flugmaschinen nach dem System des Herrn Professor Sohlmann. Das Stammkapital beträgt 20000 Mk. Geschäftsführer: Professor Johannes Sohlmann in Helsingfors, Edmund Rumpter in Berlin. Prokura: Dem Robert Harpner in Berlin ist Gesamtprokura erteilt worden. Er vertritt die Gesellschaft mit dem Geschäftsführer Sohlmann. Der Gesellschaftsvertrag ist am 15. Juni, 5. Juli und risten. Für den Fall, daß Rumpler an der Vertretun verhindert i i Vertretung durch den Prokuristen. — Außerdem wird hierbei bekannt gemacht, Die Gesellschafterin E. Rumpler, Luftfahrzeugbau-Gesellschaft mit beschränkter Haftung, übernimmt eine Stammeinlage von 10,000 Mk., auf welche folgende Sacheinlagen in Höhe von 8000 Mk. zur Anrechnung gelangen: a) ein Motor System Rumpler von S0 PS fertig gebremst, b) zwei Luftschrauben, c) einen Kühler, ij ein Benzin-Reservoir, e) ein Oel-Reservoir. Be Briefkasten. O. F. Oldenburg. Das flugtechnische Studium is i pfehlen. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß das Flugwesen Sen als be- sonderer Industriezweig entwickeln wird. Parallel zur Flugtechnik würden wir Ihnen das Studium des Automobilbaues empfehlen. Ein Reifezeugnis ist heutzu- tage „unerläßlich. Von der Technischen Hochschule in Aachen können sie einen diesbezüglichen Lehrplan einfordern. In der Hauptsache em- Seite 596 „FLUGSPORT“. No. 18 fehlen wir Ihnen, in einer der französischen Fliegerwerkstätten zu praktizieren, bei welchen Sie bei einigermaßen guter Fürsprache sicher ankommen werden. Für Deutschland wollen Sie sich einen Prospekt von der Direktion der Automobil- Fachschule Mainz, Abteilung für Flugtechnik, senden lassen. Letzte Nachrichten. Vom Simplon-Flug. Von den vielen für den Simplon-Flug gemeldeten Fliegern sind bis jetzt eingetroffen: Weymann auf Farman (dieser Apparat ist besonders für den Simplon-Flug konstruiert und äußerst leicht), Chavez, Cattaneo, Paillette und Wiencziers auf Bleriot mit 50 PS Gnom-Motor. Die Organisation für den Flug ist vorzüglich. Die Hauptkontrolistationen Brieg, Simplon, D’Ormodossola, Stresa, Beveno und Mailand sind durch Telephon sowie durch eine Heliographenlinie verbunden. Letztere wird von Militär be- dient. Ebenso sind eine große Anzahl von Rettungsstationen, denen viele Rad- fahrer und Automobile attachiert sind, vorgesehen. Am Sonntag, den 18. Sept., durfte infolge des Eidgenössischen Beettages nicht gestartet werden. Am 19. Sept., vormittags 6 Uhr 5 Min. startete Chavez und stieg bis auf 2300 m Höhe. Als er ein Schneefeld passierte fiel er plötzlich infolge absteigen- der Luftströme um ca. 50 m. Dies veranlaßte Chavez zum Abstieg. Er erklärte bei seiner Ankunft, daß der Flug enorme Schwierigkeiten biete. Auch Weymann machte mit seinem Farman einen Aufstieg, landete jedoch nach wenigen Minuten. Am 20. Sept. konnte vormittags infolge des Nebels und Regens nicht ge- startet werden. Wiencziers will absolut mit einem neuen Bi£riot starten. Man sprach davon, daß der Flug verschoben werden soll. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M, Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. FLUGTECHNISCHER ] Offizielle Mitteilungen des Flugtechnischen Vereins Leipzig Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 28 11. Vorstand: Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Weststr. 281. Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe. Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzeister: Kaufmann R. Müller. Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vereinslokal: Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. UGSPORT“. ‚Seite | 3% Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. | Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557 Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. „ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kenn Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. . Der Frankfurter Flugtechnische Verein verfügt durch seine Mitglieder über 12 flugfähige Maschinen. BIN w“ BÄN AN N N LIN NEN SI Offizielle Mitteilungen des Düsseldorier Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Steilvertr. „ Jut. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Josef Wahlen, Ässessor. Zuschriften sind zu richten an den ]. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst Düsseldorf, Graf Adolistr. & An jedem ersten Mittsioch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Club-Abend statt. Offizielle Mitteilungen Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Heheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernliard Flinsch, Vorsitzender der technischen Konmmisston. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Seite 598 „FLUGSPORT fi No. 18 0 en — Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender : Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377. ‘ Kaufmann Lindner. j n T Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37a. 2. „ Kaufmann Net S hreiber Kassierer; Schlossermeister Josel Sci . Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. Flugwart: Josef Bechler. i - Fabrikant Hauk. en und dr m Monat Mitgliederversammltung, an d dritten Samstag | \ den un instagen zwanglose Zusammenkunft in dem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. = Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Geschäftsstelle: Freiherr von Kloch, Neue Schweidnitzerstraße 4 (Nord. 701 5 Me en Ran a on den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr. 37 erbeten. (Tel. 10972). Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — — Flugplatz Holten. Sitz Oberhausen i. Rhlid. Ehrenvorsitzender: rmeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: Oberbürge ‚rsi : Wi -werksdirektor Breuer, Oberhausen. 5 Vorsitzender: Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. , Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudah Huhn, Oberhausen. iftführer: Dr. Albert, Holten. rer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. r iftfü d Kassierer: Stellvertt a karın u. Oberleutnant d. R. Knigge, Oberhausen art: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 5 Auewar Architekt Schnarre, Holten , Fluggtechniker Nihues, Wesel. ' Gutsbesitzer Tender, Holten. Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. R Kaufmann Zündorf, Marxloh. zsınawı No. 18 „FLUGSPORT“. Seite 569 Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. n Beigeordneter Sigloch, Hamıborn. „ Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. ». Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. » Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. » Redakteur Krause, Köln. Oberingenieur Weidler, Oberhausen. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen zu richten. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Karl Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission Dr. Kropf, Clubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Fischer, Beisitzer. Richard Krüger, „ Zuschriften an die Redaktion. (Ohne Verantwortung der Redaktion). Nürnberg, !6. Sept. 1910. In der Nr. 17 der Zeitschrift „Flugsport“ vom 7. September d. J. ist auf Seite 531 und 532 eine Holzrumpf- und Blechrumpfkonstruktion, erstere von Schroth, letztere von Enders-Nürnberg, abgebildet. Demgegenüber muß ich erwidern, daß dieses Rumpfchassis, ob aus Holz gefertigt oder aus Stahlblech gepreßt, ist vorerst nicht wichtig zu untersuchen, von mir schon lange vor Enders konstruiert worden ist und daß ich bereits im Dezember 1909 den Rumpf zum Gebrauchsmuster angemeldet habe, welches mir unter Nr. 406310 am 11. Januar 1910 erteilt wurde, also auch schon vor Ihrer Veröffentlichung in Ihrer geschätzten Fachzeitschrift. Diese Tatsachen habe ich auf Ansuchen von Enders im Monat März d. ]. mit Herrn Enders besprochen und hat derselbe damals anerkannt, daß ich die älteren Rechte besitze. Inzwischen hat Herr Enders die Patentanmeldung für dieses Rumpfchassis eingereicht und, um Patentstreitigkeiten zu vermeiden, habe ich auf Antrag von Herrn Enders mit demselben ein Abkommen getroffen, nach welchem mir das — „mir ohnedies gesetzlich zustehende — Vorbenützungsrecht und die-Uebertragung - des Patentes auf meinen Namen ausdrücklich zugestanden, gleichzeitig aber auch die alleinige Ausnützung des Patentrechtes garantiert wurde, wobei sich Herr Enders verpflichtete, in der Angelegenheit weitere Schritte nicht mehr zu unter- nehmen. Ich mache also vollen Anspruch auf dieses Rumpfchassis, das das Resultat meiner langjährigen, persönlich betriebenen Versuche mit Flugmaschinen meiner eigenen Konstruktionen, aus gepreßten Stahl-Konstruktionsteilen in meinen Werk- stätten hergestellt und montiert, darstellt. Hochachtungsvoll ergebenst gez. Rud. Chillingworth. Seite 600 Die Firma E. E. C. Mathis in Straßburg i. Els. hat sich das Monopol des rotativen Gnome-Motors für Deutschland gesichert. Dieser Motor hat alle Weltrekorde geschlagen, die bis jetzt im Flugwe:en erreicht worden sind, denn bekanntlich hat der Rotationsmotor Gnome so erhebliche Vorteile vor allen an- deren Flugmotoren, daß ihm für die nächste Konkurrenz unstreitbar sämtliche Erfölge mehr oder weniger zufallen müssen. Der 50 HP Gnome-Motor .ist.zirka 100 kg leichter als alle anderen Flugmotore und ist dieser Umstand hauptsächlich die Ursache seiner kolossalen Erfolge. Dank dem rotativen Gnome-Motor flog Paulhan 1500 m hoch; Farman flog 4 Stunden lang mit 2 Personen, mit 3 Per- sonen Belastung über 1 Stunde. ir können die Firma E. E. C. Mathis zu ihrem Entschlusse, sich das Monopol dieser berühmten Motore zu sichern, nur beglück wünschen. Ein neues Flugfeld. Bereits im Frühjahr dieses Jahres berichteten wir über die Absicht der Vorort-Bodengesellschaft, ihr großes, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Teltow bei Berlin gelegenes Gelände als Flugfeld einzurichten. Das Projekt wurde dadurch verzögert, daß bereits ein Teil der angreuzenden Pächter ihr Land bestellt hatten und hohe Entschädigungen verlangten. Wie wir erfahren, ist das ganze hundert Morgen große Terrain nunmehr vollständig frei gemacht und geebnet worden. Die Gesellschaft hat jedoch die Durchfüh- rung ihres Projektes nicht allein übernommen, sondern vielmehr die Herstellung und den Betrieb des Platzes als Flugfeld dem Internationalen Luftschilfahrtshaus bezw. dessen Direktor, Herrn Adolf Hinrichsen, überlassen, da der von dieser Firma geplante Flugplatz in Hoppegarten aus technischen Gründen aufgegeben worden ist. Man hat auch bereits mit der Herstellung einer Reihe von Schuppen, einer zementierten Abflırgbahn, besonderer Wege, Unterkunftshallen usw. begon- nen. Als technischer Beirat für das neue Unternehmen wurde der bekannte Flugtechniker, Herr Dr. Ernst Valentin, gewonnen. Als besonderer Vorteil wird dem neueu Fiugfelde nachgerühmt, daß es unmittelbar an dem um 20 Minuten von Berlin entfernten Bahnhof Teltow gelegen ist und von einer besonderen Industriebahn an der ganzen Peripherie umfahren werden kann. Der Boden des Feldes ist mit einer harten Grasnarbe bedeckt und vollständig eben. Flugtechnische Literatur. Zu beziehen vom Verlag des „FLUGSPORT“, Frankfurt a. M. Der Vogeiflug als Grundlage der Pliegerkunst von Otto Lilienthal. Preis Mk. 10.—. Leitfaden der Luftschiffahrt und Flugtechnik von Dr. Raimund Nimführ. Preis Mk. 12.-. Hilfsbuch für den Luftschiff- und Flugmaschinenbau. Eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Konstruktionen, sowie Anleitung zur Berechnung der Leistungen und’ des Wirkungsgrades von Luftschiffen, Flugmaschinen aller Art und von Treibschrauben. Von Dr. R. Wegener von Dallwitz. Preis Mk. 9.— Wie der Vogel fliegt und wie der Mensch fliegen wird von Ingenieur Wilhelm Kress. reis Mk. 4.—. Die Luftschiffahrt von A. Hildebrandt. Preis Mk. 15.—. Laviation, de Crete ä Cröte, de Ville ä Ville et de Continent A Continent von Ferber Preis Fr. 5.—. Das Fiugprinzip, eine popuär wissenschaftliche Naturstudie von Car. Buddenstädt Preis Mk. 5.50. Aeronautischer Kalender 1909|10. Preis Mk. 3.—. Der Vogelflug von Wilh. Winter. Preis Mk. 3.60, Lnftwiderstand und Luftfrage von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.— Flight-Velocity von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.— Resistance of Air and the question of ilying von Ing. Samuelson. Preis Mk. 2.—. Motorflugapparate von Ansbert Vorreiter. Preis Mk. 2,80. Luftreisen von Johannes Poeschel. Der Bau von Riesenluftschiffen von Wetzel. Preis Mk. 2.—. Luftkrieg von R. P. Hearne mit einem Geleitwort von SirH. Maxim. Preis Mk. 6.—. Wie der Vogel fliegt von Milla. Preis Mk. 1.—. Die endgültige Lösung des Flugproblems von Nemceihy. Preis Mk. 2.--. Flugsport Jllustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Representant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten” versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet, Nr. 19. Frankfurt a. M., 5. Oktober 1910. Jahrg. II. Vom Ueberlandflug Trier—Metz, Ueber den Artikel „Ueberlandflug Trier— Metz“ in der letzten Nummer des „Flugsport“ schreibt die Trierer Landeszeitung, daß es allen Anschein nach Zweck des Artikels sei, den Wettflug zu dis- kreditieren und man wohl nicht fehl gehe, wenn man hinter diesem Artikel dieselbe Quelle vermutet, die kürzlich einmal Kritik an den Bedingungen für den Wettfernflug übte u. s. w. Die genannte Zeitung, welche sich diese Kritik anmaßt, ist im vorliegenden Falle fehlgegangen. Der Artikelstammt von dem Unter- zeichneten, der im Auftrage der folgenden deutschen Flieger, die doch wohl ein Wort mitreden dürfen, handelte: E. von Gorrissen, Erich Lochner, August Euler, Emil Jeannin, Erich Thiele, Hans Grade, Eugen Wiencziers und Hans Vollmoeller. Alle diese Flieger hatten sich verpflichtet, falls die Propositionen nicht abgeändert werden, an dem Ueberlandflug nicht teilzunehmen. Auch .Jeannin ließ durch Herrn Chatel dem Unterzeichneten telephonisch mitteilen, daß er nur teilnehmen werde, wenn die Propositionen geändert würden. — Es ist hier nicht der Platz, die Aeußerungen über die Propo- sitionen seitens der Flieger wiederzugeben. Auch verbietet es das Taktgefühl, angesichts des Todesfalles beim Ueberlandflug noch über die Veranstaltung zu sprechen. Oskar Ursinus, Civil-Ingenicnr. Seite 602 „FLUGSPORT“. No. 19 Eindecker Etrich. Der Eindecker von Igo Etrich ist unsereu Jwesern aus melıreren Abbildungen ziemlich bekannt. Etrich war einer der ersten, welcher in Oesterreich auf einer sclbstgebanten Maschine flog. Die Konstruk- tion des Etrich’scheu Eindeckers Type III, genannt die „Möve“, ist, in nebenstelienden Abbildungen im Grund-, Auf- und Seitenriß wiedergegeben. Das Fahrgestell besteht aus einem Hauptlaufrad und zwei Hilfsnnterstützungsrädern, welche an den Flügelenden, ähnlich wie bei Esnault-Pelterie, auge- bracht sind. Ncucerdings hat Etrich seinen Apparat mit 2 Haupt- laufrädern versehen. Etrich ging bei der Konstruktion des einräd- rigen Fahrgestelles auch vou der Anschauung aus, daß die Flug- maschine das Gleichgewicht durch die Tragflächen erhalten ınub. Und das ist richtig. Sobald eines der beiden Hilfsstützenräder den Boden berührt, wird die Maschine eine Kurve nach der den Boden berührenden Seite ausführen, Zur Sicherung des Laufrades und der Schraube ist eine Hilfskufe angeordnet. Der vorn eingebaute Vierzylinder-Motor von 60 PS treibt eine Chauviere-Schranbe von 2,3 m Durchmesser. Charakteristisch beim Etrich-Eindecker ist die Koustruktion der Tragdecken. Sie sind nach dem Prinzip des Zanonia-Samens mit den an den Flügelenden negativ verlaufenden Winkeln ausgebildet. Diese rück- wärtig nach oben gebogenen Lappen werden durch ein System von Drähten, in einem Steuerzug sich vereinigend, nach oben gezogen bezw. nachgelassen. Diese Einrichtung dient zur Schräglagensteue- rung, Die Betätigung des Steuerzuges für die Schräglagensteuerung geschieht durch ein Handrad. Die Rippen sind zu ®/, aus Fichtenholz und auf der rückwärtige Seiten durch angesetzten dünnen Bambus elastisch ausgebildet. Vergl. den ım Grundriß dargestellten rechten Flügel nebenstelender Abbildung (nach Hofmann, Fachzeitung für Flngtechnik, Wien.) Die Spanı- weite beträgt 15 m, die Tragdeckentiefe 2,8 m. Vor- und Rückwärtsziehen der Steuersäule betätigt. Der Sclıwanz wirkt auch während des Fluges tragend und dient gleichzeitig als Höhensteuer. Die Seitensteuerung wird in bekannter Weise durch Pedale bewirkt. Der Rumpf besteht aus einem Holzgerippe, welches mit düunem Alumimiumblech verkleidet ist. 603 „FLUGSPORT“. Eindecker von igo Etrich No. 3. (Möve). Fläche 32 qm. Das Gewicht der kompletten, bemannten Maschine Apparat. . 140 kg Motor . .....200 „ Benzin, Oel . . 50 , Führer. . ...% ” —___. beträgt 400 kg Die erzielte größte Flnggeschwindigkeit betrug 80 km. Seite 604 „FLUGSPORT“. No. 19 Inzwischen hat Etrich eine neue Type, den Etrich IV, heraus- gebracht. Dieser neue Eindecker besitzt 14,5 m Spannweite, und eine Gesamtlänge von 1O m. Die Gesamttragfläche beträgt 50 qm. Zum Antriebe dient ein 50 PS Rumpler-Motor mit 8 Zylindern anf dessen Welle eine Holzschraube von 2,5 m Durchmesser montiert ist. Dieser neue Apparat wiegt komjplett in betriebsfertigem Zustande 350 kg. Ilner, der Flieger Etrich’s hat mit dieser neuen Maschine bereits mehrere Passagiertlüge, Etrich einen von 12 Minnten Dauer in 50 m Höhe, ausgeführt. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Ca yest!... Es ist gekommen, wie es jeder Eingeweihte er- warten mußte. Daß der „Matin“ sich seine „Gloire“ um den „Circuit de l’Est“ nicht kampflos verdunkeln lassen wird, konnte man vor- aussehen. Die intime Feindschaft zwischen den beiden hiesigen großen Zeitungen „Matin“ und „Journal“ ließ vermuten, daß ersterer gegen das Projekt des internationalen Friedens-Circuit des „Journal“ schon beizeiten einen spitzen Pfeil abschießen wird; und der „Matin“ hat deren so viele in seinem Köcher. Die Frage war nur, welchen Trumpf er ausspielen wird. Jetzt ist’s raus, ca y est: Auf der zu Boulogne-sur-Mer abgehaltenen Konferenz der aeronautischen Liguen von Frankreich, England und Belgien, die offenbar nur als Mittel zum Zweck dienen sollte, machte die französische Ligue Nationale Aörienne den Vorschlag eines internationalen Circuit zwischen den drei genannten Ländern, der mit 300000 Frances dotiert werden soll. Sonderbarerweise fand dieser Antrag, obgleich doch die drei Länder schon in dem anderen Circuit engagiert sind, einstimmige Annahme und die anwesenden Bürgermeister der großen in Betracht kommen- den englischen und französischen Küstenstädte schlossen sich der all- gemeinen Begeisterung für dieses neue Projekt an. Die Sache „klappte“ ausgezeichnet, jeder der beteiligten Faktoren spielte die ihm vom Matin zugewiesene Rolle täuschend naturgetreun: ein anderer, noch größerer Circuit war geschaffen, der mit 300000 anstatt 200000 Frances ausgestattet ist und von dem, und das ist für die Drahtzieher das wesentlichste, Deutschland ausgeschlossen ist. Der neue Circuit, der in der ersten Hälfte des Monats August kommenden Jahres zum Austrag gelangen soll, wird anf einer von den bisherigen gleichartigen Veranstaltungen abweichenden Basis vor sich gehen, indem die verschiedenen Städte, die bei dem Fernfluge berührt‘ werden, je nach ihrer eigenen Bedeutung, an dem Ganzen mitzuwirken haben werden. Sie werden in drei Kategorien einge- teilt: 1. Pylon-Städte, d. h. solche wo die Aeroplane beim Passieren kontrolliert werden, aber nicht anhalten; 2. Bewerb-Städte, wo die Teilnehmer am Fluge sich eine bestimmte Zeit aufhalten müssen, die für einen an dem betreffenden Orte zu veranstaltenden Höhen-Be- werb bestimmt ist und in die Gesamtflugzeit nicht miteingerechnet wird; 3. Meeting-Städte, d. h. solche, wo die Piloten ihren Flug unterbrechen und an einem bezw. zwei Meeting-Tagen teilnehmen No. 19 „FLUGSPORT.“ Seite 605 müssen. Der Circuit wird eine zweimalige Ucberquerung des Kanals einbegreifen: die eine von Calais naclı Dover, die andere von Folke- stone nach Boulogne. Eine Flotte von Torpedobooten wird sowohl von englischer, wie französischer Seite bereitgestellt. Außerdem wird eine große Anzahl von Yachten die Flugstrecke entlang im Kanal Aufstellung nehmen. Wenn auch bei dem bekannten Örganisationsgeschick der Hinter- männer dieser Veranstaltung deren Gelingen außer Frage stelıt, so wird deslialb doch wohl das Riesenprojekt des „Journal“ an Bedeutung nicht verlieren, umsowcniger, als ja erfrenlicherweise inzwischen auclı der Berliner Ullstein-Verlag mit einer namhaften Summe (100000 Mark) an die Seite des „Journal“ getreten ist. Ferner hat der Brüs- seler „Petit Bleu“ einen weiteren Betrag von 25000 Francs zu dem gleichen Zwecke gestiftet, sodaß jetzt dieser Circuit mit 350000 Fres. dotiert ist. Freilich sind die von Ullstein gestifteten 100000 Mark lediglich für die Etappe Paris-Berlin bestimmt. Uebrigens hat Baron Joseph de Crawhez, der Präsident der Sport-Kommission des Aero- Chavez, der Simplonflieger, vor dem Start. Club von Belgien, das Protektorat der belgischen Organisation dieses europäischen -Circuit übernommen. Angesichts dieser gigantischen Pläne, wie sie für die nächste Zukunft von der Aviation gehegt werden, müßte das völlige Miß- lingen des Fernfluges Paris-Brüssel-Paris um den Grand Prix des Automobil-Clubs de France zu denken geben, wenn nicht dieser Ver- such von zwei Aviatikern ausgegangen wäre, denen jede Erfahrung und Gewandtheit mangelte. Bekanntlich handelt es sich bei dem ge- nannten Preis um einen Flug von Paris nach Brüssel und von dort zurück nach Paris mit einem Passagier an Bord. Dazu kam dann noch ein Preis von 25000 Frances, den die Stadt Paris für denjenigen Aviatiker bestimmt hatte, der während des Aufenthalts der Pariser Gemeindemitglieder in Brüssel (25. bis 27. Scptember) daselbst mit Seite 606 „FLUGSPORT“. No. 19 einem Aeroplan ankommen würde. Das Erstaunen war nicht gering, als bekannt wurde, daß gerade Loridan und Mahieu, zwei bisher un- bekannte Farman-Piloten, den Flug unternelimen wollten. Unter ge- waltigen Andrang des Publikums ging am vergangenen Sonntag früh auf dem Manöverfelde von Issy les Moulineaux der Abflug vor sich. Mahieu kam bis nach Bagatelle (im Bois de Bonlogne), wo er auf dem dortigen Sportplatz seinen Motor in Stand setzte. Als er wieder abfliegen wollte, rannte er gegen einen großen Hund an, der von der Schraube zerrissen wurde. Der Apparat ging in Trümmer. Loridan fiel etwa 1 km von Saint Quentin mit seinem Zweidecker herab, blieb aber zum Glück in den dichten Zweigen eines Baumes hängen, von wo man ihn unversehrt, den Apparat aber in traurigem Zustande herunterholte. Nach dieser ersten Probe gaben die beiden Piloten ihre Absicht, nach Brüssel zu fliegen, auf. Inzwischen wartete man in der belgischen Hauptstadt vergeblich auf das Eintreffen der Franzosen, aber das Fest-Comite blieb ebenso, wie der vorbereitete Champagner, kalt gestellt. Glücklicher verlief das Meeting von Dijon, das zunächst infolge der ungünstigen Witterung zwar um einige Tage verschoben werden mußte, dann aber noch ungestörten Verlauf nahm. Beteiligt waren drei Eindecker: 2 Bläriot (Simon, Barrier', 1 Hanriot (Marcel Hanriot) und drei Zweidecker: 1 Henri Farman (Martinet), 1 Maurice Farman l Sommer (Rigal. Außerdem starteten noch um die Spezial- preise: Madame Martlie Niel (Koechlin), Daillens (Sommer), Blan- chard (Eindecker Chesnay). Im Generalklassement hält der junge Hanriot mit einem 30 Minutenfluge die Spitze vor Martinet (15 : 35). Den Geschwindigkeitspreis holte sich Renaux für die Zweidecker und Hanriot für die Eindecker. Im Entscheidungsgang zwischen diesen beiden siegte der Eindecker. Weniger günstig wickelte sich das Meeting von Maubeuge ab, wo infolge der stürmischen Witterung nur recht belanglose Flüge zustande kamen. Am letzten Tage des Meetings verbreitete sich das Gerücht, daß’ Fontenelle schwer gestürzt und sterbend ins Hospital geschafft worden sei. Zum Glück bestätigte sich diese Meldung nicht: weder Fontenelle, noch sonst einer der Piloten ist in Maubeuge zu Schaden gekommen. Aber auch ohnedies hat die Aviation eine schwarze Woche zu verzeichnen. Besonders tragisch ist der Tod Geo Chavez, des Siegers im Alpenfluge. Chavez, der erst ein Alter von 23 Jahren erreicht hatte, war durch seine vielfachen prächtigen Leistungen in den Kreisen der Aviation bekannt: geworden. Seine letzte denkwürdige Tat, den Flug über. den Simplon, hat er mit dem Tode bezahlen müssen. * In Domodossola beim Landen infolge eines Windstoßes aus geringer Höhe auf die Erde geschleudert, noch ehe er den Rest der gestellten Aufgabe, den Flug von Domodossola nach Mailand, vollen- den konnte, erlitt er so furchtibare Verletzungen, daß er in hoffungs- losem Zustande ins Hospital geschafft werden mußte. Zuerst schien sich sein Zustaud wunderbarerweise zu bessern nnd man hegte schon Pläne für scine Ueberführung nach Paris. Chavez selbst wehrte sich ınit der ganzen Zähigkeit eines jungen atlhletischen Körpers gegen den grausamen Tod, der ihn mitten ans semem Ruhme lhierauszureißen drohte. Er hatte die Genugtunng zu hören, dab No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 607 das „atländer Organisations Comite, obgleich der ‚Flug nicht ganz eendet war, ihm dennoch in Anerkennung seiner Ueberquerung dier Alpen einen Preis von 50W0 Läire zu Teil werden lassen | Chavez im Fluge über den Schluchten im Tale von Condo. will, eine Nachricht, die dem armen Chavez Freudentränen entlockte. Leider hat es nicht sein sollen: am Mittwoch ist der Besieger der Alpen seinen furchtbaren Verletzungen erlegen. Die französische Regierung hat auf Anregung der Ligue Nationale Aörienne beschlossen, ilım das Krenz der Ehrenlegion aufs Grab zu “legen. Mit Chavez scheidet ein Aviatiker aus der modemen Ths- sportlichen Bewegung ans, der zu den kühnsten Hoffnungen berech- tigt hatte. Sein Höhenflug von 2650 m kurz vor seiner Abreise nach Brieg ist seinerzeit gemeldet worden. Wie verlautet, hat das Organisations-Öomite beschlossen, den Betrag von 50000 Lire an die Familie des unglücklichen Chavez ausznzahlen und außerdem den tragischen Vorgang an der Landungsstelle zu Domodossola durch einen Denkstein zu verewigen. Ein weiteres Opfer hat die Aviation in diesen Tagen gefordert. Poillot, der bekannte Savary-Pilot ist tötlich gestürzt. Poillot, von Beruf Journalist, hatte sich seit einiger Zeit der Aviation gewidmet Seite 608 „FLUGSPORT“. No. 19 und leitete «lie Savary-Schule zu Chartres. Dort ist er bei einem Fluge, mit einem Eleven an Bord seines Apparats, gestürzt, wobei er augenblickhel den Tod fand, während der Eleve mit dem bloßen Schrecken davonkam. Poillot, der sich in den Kreisen seiner ehe- ınaligen wıd späteren Berufsgenossen großer Beliebtheit erfreute, wird hier schmerzlich beklagt. So groß auch die augenblickliche Bestürzung über diese be- klagenswerten Unfälle ist, so können und werden sie natürlich die unaufhaltsame Bewegung nicht einzuschränken vermögen und die Arbeit wird allerorten mit unvermindertem Eifer fortgesetzt. In Chartres, wo das letzterwähnte Unglück sich ereignet hat, macht Graf Malinski viel von sich reden: er führte auf seinem Farman- Ziweidecker einen schönen Fernflug von Chäteaudun nach Chartres aus, mit einer Zwischenlandung in Bourdiniere.e Am nächsten Tage setzte er von dort seinen Flug nach Aunau und weiter nach Etampes fort. In der Savary-Schule flog Leutnant Harle eine Rundstrecke von 20 km und erwirbt sein Pilotenpatent. Leutnant Pellioux führt einen 45 km-Flug aus und gelangt dabei weit über die umliegenden Ortschaften. Die Prinzessin Dolgoruki auf ihrem Bleriot und die Eleven Ronneaux, Foin und Leutnant Briey auf Eindecker Gregoire vollbringen recht hübsche Flüge. In Mourmelon ist dieser Tage der Leutnant Vullierme abge- stürzt und hat ernste Verletzungen davon getragen. Wynmalen führte am letzten Donnerstag auf einem Farman-Zweidecker von der Militärtype einen Höhenflug von 2425 m aus und stellte sich damit in den Höhenrekords (hinter Chavez mit 2680 m und Morane 2582 m) auf den dritten Platz. Latham, der sich für seine Teilnahme am amerikanischen Gordon Bennett trainiert, probierte dieser Tage einen neuen 100 PS Antoinette-Motor, der für den am Gordon Bennett teil- nelımenden Eindecker bestimmt ist, und erzielte eine Geschwindig- keit von 110 km die Stunde. Der 16 Zylinder-Motor arbeitet sehr regelmäßig. Die übrigen Antoinette-Piloten und Eleven, namentlich Chatain, Mäkowetski, Laffont, Mademoiselle Marvingt, setzen ihre Tätigkeit fort. Ein neuer Eindecker Train, vom Konstrukteur ge- steuert, mit einem 5 Zylinder Anzani-Motor versehen, zeigt sich sehr stabil und Flüge bis zu 50 Minuten Dauer werden ohne Schwierig- keit zu Wege gebracht. Leutnant Bellanger flog am Donnerstag - von Sissonne nach Mourmelon, eine Distanz von 58 km, in 45 Minuten. Von dort begab sich der Offizierspilot gleichfalls auf dem Luftwege nach Vincennes. Dieser Tage wurde auf dem Flugfelde von Mour- melon im Beisein der Generale Boirin und Meunier eine Mitrailleuse installiert, mit der Schießversuche auf im Fluge befindliche Aero- plane vorgenommen werden sollen. In der Hanriotschule zu Reims kommen die Eleven Chassaigne, Durafour, de Feure u. a. m. anscheinend gut voran. Vidard stieg sogar auf 350 m Höhe und der anonyme Prinz E. macht, selbst im stärksten Winde, erfolgreiche Flugversuche. Bei Sanchez Besa wurde ein fürTransvaal bestimmter zweisitziger Apparat mit gutem Erfolg probiert. In Issy-les-Monlineaux ist dieser Tage der Aviatiker Colliex bei einem Flugversuche infolge Absturzes aus 20 Meter Höhe verun- glückt. Der Apparat wurde zertrümmert, Colliex erlitt eine tiefe Wunde an der Stirn, die aber nichts bedenkliches hat. No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 609 In Etampes erwirbt in der Bleriotschule Depireux sein Piloten- patent, Lusetti, Cazzera und Lemartin machen erfolgreiche Probe- flüge. Prier, der zur Leitung der Bleriotschule in London ausersehen ist, setzt seine Serie bemerkenswerter Flüge fort. Gilbert übt sieh in Ueberlandflügen. Leblanc trainiert sich für den Gordon Bennett. Er hat einen Apparat mit einem 100 PS Gnom-Motor, identisch mit dem an Graham Whrtoexpedierten Apparat, der für England in den Bewerb gelt. Bei Farman übt jetzt Hauptmann Burk mit gutem Erfolge. Orus erlangt sein Pilotenpatent. Herbster und Bill haben mit der Unterweisung der zahlreichen Eleven vollauf zu tun. Ein neuer Tellier-Eindecker, der mit einem Robert Esnault-Pelterie-Motor ausgerüstet ist, wird viel beachtet. Interessant ging es in Douzy zu, wo in der Sommerschnule meh- rere neue Eleven eingetroffen sind. Der italienische Leutnant Sagi- letti ist, nachdem seine Unterweisung beendet, nach Rom abgereist. Sommer hat einen neuen Zweidecker, sowie seinen ersten Eindecker, den er mit einem Gnom-Motor versehen hat, herausgebracht. Am Chavez Absturz bei Domodossola. Donnerstag probierte er auch vor wenigen Eingeladenen seinen Zwei- decker mit zwei Motoren. Der erste Versuch gelang in zufrieden- stellender Weise, doch scheint ein Anlaß zu besonderer Begeisterung nicht vorhanden zu sein. In Versailles, auf dem Aerodrom von Maurice Farman zu Buc produzierte sich Leutnant Cheutin in besonders bemerkenswerter Weise. Er konnte wiederholt Flüge von mehr als halbstündiger Dauer selbständig ausführen. Auch ein weiter Fernflug gelang ihm. Er sowie sein Kamerad, der Leutnant Binda von den 12. Alpenjä- gern, erlangten ihre Pilotenpatente. Maurice Farman selbst hat mehrere Ueberlandflüge mit gutem Erfolge vollbracht, darunter einen Besuch in Montiguy bei dem bekannten Aviatiker Gaudry. Die eigentliche Sensation von Buc aber war der Flug des vorerwähnten, Seite 610 „FLUGSFORT“ No. 19 eben erst patentierten Offizierseleven, des Lenutnants Binda, der. von Buc abfliegend, über La Miniere, Guyancourt, Chäteaufort, Gif Saclay einen Fernflug von mehr als 100 km in 1 Stunde 15 Minuten fertio bringt Pierre Marie dagegen ist mit seinem Eindecker oestürzt. ohne sich erheblich zu verletzen. ” In Juvisy setzt Gaudard auf seinem Voisin-Zweidecker seine Flugversuche mit Erfolg fort; er konnte dieser Tage einen 45 Minn- tenflug, mit einem Passagier an Bord, in 40 m Höhe ansführen. Denhaut steuert daselbst einen neuen Eindecker, dessen Konstruktiou außerordentlich stark an die Demoiselle-T’ype erinnert. Maslenikoff steuert einen Farman-Apparat. Ein neuer Tellier-Eindecker wird von Dubonnet, Chäteau u. a. nacheinander gesteuert. Es wird von be- sonderem Interesse sein, daß der bekannte Sportsmann, Chevalier Rens de Knyff, der gleichzeitig Leiter der renommierten Automobil- firma Panhard & Levassor ist, auch seinerseits mit der Aviation be- gonnen hat, indem er sich in der Steuerung eines Tellier-Pan- hard-Eindeckers unterweisen läßt. Der Genannte will lediglich als Amateur den Flugsport betreiben, nicht aber in Meetings starten. Ein neu erteiltes Pilotenpatent, das ein gewisses Interesse zu erwecken geeignet ist, sei noch erwähnt: George Blanchet, der be- kannte Aeronaut, der drei Jahre hintereinander den „Grand Prix des Aero-Club“ für sphärische Ballons gewann, und sich neuerdinos der Aviation zugewendet hat, konnte dieser Tage sein Pilotenpatent erlangen. In den nächsten Tagen wollen sich Henri Molla und Louis Gandart um den Preis bewerben, den die Zeitschrift „Louche & tout“ ausgesetzt hat und der einen Flug von mindestens 60 km in ge- schlossenem Kreise zur Voraussetzung hat. Das von der Ligue A@rienne mit großer Energie betriebene Pro- jekt der Einführung der Aviation in den Kolonien scheint sich auf gutem Wege zu befinden. Der Kriegsminister hat die genannte Liga jetzt autorisiert, von den in Südalgier befindlichen Offizieren des geo- graphischen Dienstes die ihr crforderlich erscheinenden Auskünfte über die bei einer Ueberquerung der Saharah in Betracht kommen- den Verhältnisse zu verlangen Die Liga hat an den Chef jener Brigade, den Hauptmann Bou6 ein methodisches Fragenregister ge- langen lassen, betreffend die Natur des Terrains, die Wasserstellen die Landungsmöglichkeiten, die Verproviantierungsverhältnisse die klimatischen Bedingungen etc. Ferner hat die gleiche Liga eine regel- mäßige Post-Aeroplan-Verbindung zwischen Tananariva, Ambositra und Fianarantsoa (in Madagaskar) ins Auge gefaßt. Die Distanz be- trägt 400 km. Der Generalgouverneur von Madagaskar, Herr Pic- quie, stelit dem Plane sehr sympathisch gegenüber und ist enuschlos- sen, ihn mit allen Kräften zu fördern. Er will einen Apparat er- werben und diesen einem dortigen Beamten anvertrauen, der sich in dessen Steuerung unterweisen lassen und alsdann alle 14 Tage nach Ankunft der Post aus Frankreich diese die genannte Strecke entlang zur Verteilung bringen und gleichzeitig die abgehende Post einsam- meln soll. Die Verwirklichung dieses Projektes erscheint durchaus nicht unmöglich zu sein, wie Kenner jener Gegenden versichern, denn auf dem ganzen Wege seien Ortschaften, linreichende Ver- sorgungsmöglichkeiten mit Wasser, Betriebsstof etc. vorhanden. No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 611 Nach Madagaskar werden andere Kolonien an die Reihe kom- men, und der Kolonialminister hät bereits in dieser Absicht zwei Schüler der Kolonial-Hochschule bestimmt, welche ihre Ausbildung als Aviatiker erhalten sollen. In Sargon hat die dortige Sektion der Liga dem Gouverneur einen Bleriot zum Geschenk gemacht und einer der Administratoren von Indo-China, der augenblicklich in Frank- reich seine Ausbildung als Aviatiker erhält, soll bei seiner Rückkehr in die Kolonie den Apparat steuern. Anch im Kongo und in Woest- afrika sind die Generalgouverneure entschlossen, sich der Acroplane als Schnellkuriere zu bedienen. Im Algier soll bei Coloınb-Bechar cin aviatisches Zentrum geschaffen werden und dort sollen auch die praktischen Möglichkeiten einer Durchqucerung der Salaralı auf dem Luftwege erwogen werden. Wie man hieraus ersicht, wird die pral- tische Verwendung der Aviatik in allen Teilen französischen (icbietes und innerhalb aller Verwaltungen tatsächlich mit allem Ernste be- trieben. Besonders verdient macht sich in dieser Beziehung die genannte Ligue Nationale Aerienne, die sich jetzt auch mit der Stadt Aix-les- Bains in Verbindung gesetzt hat, um dort ein Meeting nach voll- ständig neuem Prinzip zu organisieren. Es handelt sich dabei um ein täglich zwei- oder dreimal zu wiederholendes Aeroplan-Rennen in gerader Linie, bei dem alle teilnehmenden Flugmaschinen zugleich auf Pistolenschuß von der Startlinie abzufliegen haben werden. Die Rennstrecke wird 33 km messen und werden die Apparate wälırend der ganzen Dauer dieses Fluges den Augen der 'Tribünenbesucher sichtbar sein, was natürlich die Sensation beträchtlich erhöhen wird. Dieser eigenartige Bewerb, der im kommenden Jahre abgchalten werden soll, wird mit 200000 Frs. an Preisen dotiert sein. Ein anderes, gleichfalls eigenartiges Projekt, dessen Realisierung aber wohl weniger wahrscheinlich erscheint, geht von derseiben Liga aus: es soll ein Flugbewerb auf der Strecke Royan-Fort de Suzac, Mündung der Gironde, Fort Verdon, Leuchtturm von Cordouan, Fort Chay, Royan stattfinden. Der Aeroplan wird diese Strecke (40 km, wovon 30 km über dem Meere) während acht Tagen, mit einem oder zwei Passagieren, zurückzulegen und bei jedem dieser Flüge min- destens einmal Kontakt mit dem Meere zu nehmen haben. (!) Bisher wnrde der „Kontakt“ mit dem Meere von den Aviatikern als gefähr- lich und nicht gerade als erstrebenswert angesehen; hier soll er gar als Bedingung gestellt werden. Das dürfte das Gelingen des Planes sehr in Frage stellen. Das bemerkenswerteste Unternehmen der rührigen Liga aber ist wohl der ernsthafte Versuch, richtige Luftverkehrslinien zu tra- cieren. Es soll dies durch ein sinnreich erdachtes Zahlensystem ge- schehen, das in großen Buchstaben, auf der Erde aufgemalt, den Piloten an der Hand eines Index die sofortige Orientierung er- möglicht. Der Aero-Club de France, der in weniger geräuschvoller, aber deshalb nicht weniger wirkungsvoller Weise für die Interessen der Aviation eintritt, hat kürzlich wieder eine Reihe neuer Diplome be- stätigt, darunter diejenigen von Blanchard, Loridan, Gude, Visseaux, Servies, Cordonnier, Kostin, Wassilieff, Madame Niel u. s. w. Die Kommission des Aero-Club hat nunmelır dem Arbeitsminister das Seite 612 „FLUGSPORT“. No. 19 von ihr ausgearbeitete Reglement nnterbreitet für die beiden von dem genannten Ministerium ausgeschriebenen Bewerbe, für welche es je 10000 Franes an Preisen ausgeworfen hat und zwar für diejenigen französischen Konstruktenre, die vor dem 15. April 1911 a) eine wichtige Vervollkommnung der Flugapparate bewirkt und b) die besten Landungs - Bedingungen für AÄeroplane geschaffen haben werden. Auch zu der in voriger Nummer besprochenen Frage, ob es ratsamer sei, die von Kommunen und Behörden gestifteten großen Beträge zugunsten der Aviation für Motoren- und Schraubenbewerbe oder für Stadt-zu-Stadt-Flüge oder andere aviatische Veranstaltungen zu verwenden, nimınt jetzt der Aero-Club Stellung, und zwar durch Rens Gasnier, das bekannte Mitglied der Aviationskommission: „Ich glaube, daß die Flugrennen für den Augenblick die Aviation wesent- lich mehr fördern können, als derartige Motoren- und Schrauben- Konkurrenzen. Was soll es für einen Sinn haben, einen Motor zu prämlieren, der auf der Versuchsbank während mehrerer Stunden tadellos gegangen ist? Auf dem Aeroplan muß man den Motor sehen und beurteilen. Er befindet sich dort häufig in Bedingungen, die von denen auf der Versuchsbank grundverschieden sind. Besonders die luftgekühlten Motoren, deren Verwendung die heutige Tendenz immer mehr zuneigt, befinden sich auf einem Apparat nicht in den- selben Kühlungsvoraussetzungen wie in dem Saal, wo der Versuch statthat. Man könnte auf diese Weise sehr leicht zu der Anomalie gelangen, einem Motor den ersten Preis zuzuerkennen, der, auf einen Aeroplan aufmontiert, die wenigst guten Resultate liefert. Außer- dem, wenn man einen Bewerb für Motoren von gegebener Stärke veranstaltet, so wird man gezwungen sein, einen Äeroplan für den Motor zu konstruieren, anstatt einen Motor für den Aeroplan zu schaffen. Heute, wo die Apparate fliegen und weite Reisen machen, baut der Ingenieur, der einen Aeroplan konstruieren will, seinen Plan auf der Geschwindigkeit, die er erzielen, und auf dem Gewicht, welches er ‘mit dem Apparat heben will, auf. Wenn seine Berech- nungen beendet sind, geht er zum Motorenfabrikanten und verlangt diejenige Motorstärke, die er braucht. In diesem Augenblick sind die Aeroplane in den weitaus meisten Fällen das Werk von drei Personen: des Konstrukteurs des Apparats, desjenigen des Motors und endlich desjenigen der Schraube. Aber die beiden letzteren müssen unbedingt dem ersten nachgeordnet sein. Wie könnten Schraubenbewerbe beweiskräftige Resultate zeitigen, da die Schraube, deren Nutzeffekt auf dem einen Apparat gut ist, gen stattfinden, die von der Wirklichkeit weit entfernt sind. Viel richtiger wäre es, die Preise, die für die Bewerbe ausgesetzt wären, zu teilen unter die Fabrikanten des Apparats, des Motors und der Schranbe. Vorderhand sollten wir unsere ganze Kraft auf die Organi- sation von Flugbewerben richten, da nur sie den wahren Wert eines Ayparats zum zeigen imstande sind. Unsere Flugmaschinen haben noch nicht ihre definitive Form erreicht und nur durch die prak- tischen Erfahrungen bei langen Flügen wird sich diese eudgiltige No. 19 „FLUGSPORT“ Seite 613 Form erkennen lassen. Behalten wir zunächst die einfache Ge- schwindigkeitsformel bei und teilen wir den Preis dem schnellsten Apparat zu, denn die Geschwindigkeit trägt auch zur Stabilität bei. Der Apparat, der das höchste Nutzgewicht zu tragen vermag, sollte gleichfalls gefördert und belohnt werden. Es wäre bedauerlich, wenn dic großen Fernflüge, wie Paris—Bordeanx, nicht wieder zustande kämen. Und auch der Flng durch Frankreich, den die Stadt Paris zu dotieren beabsichtigt, würde die Quelle großen F ortschritts be- deuten. Alle Flugleistungen, die wir heute bewundern, sind lediglich durch die enormen Geldsummen gefördert worden, die man den Avia- tikern in den großen Meetings und Flugrennen gewährt hat. Ohne diese Preise würden wir heute noch nicht alle Eigenschaften der mo- dernen Aeroplane kennen, und hätten wir nicht die zahlreichen und geschickten Piloten erstehen sehen, die wir bewundern. Vergessen wir nicht, daß die Aviation in erster Reihe eine Experimental-Wis- senschaft ist nnd daß sich das wirkliche Laboratorium des Aeroplans in der Luft befindet.“ Flugwoche von Mailand. Von links nach rechts: Fischer, Eros, Aubrun, Simon, Paulhan, Cail€E u. Thomas. Wie man sieht, ist dieser Standpunkt demjenigen der Ligue Aerienne in der gleichen Frage geradezu entgegengesetzt. Auf Veranlassung des Präsidenten der Ligue Nationale Aörienne hat sich ein Comit& gebildet, welches die Errichtung eines Denkmals für den verunglückten Hauptmann Ferber, der bekanntlich seinerzeit in Boulogne-sur-Mer ums Leben kam, plant. Das Monument soll aus einer Granitpyramide bestehen, die von einem bronzenen Adler mit gespreizten Flügeln gekrönt sein wird. Als Kuriosum sei erwähnt, daß die Herren Henri Farman, Er- nest Archdeacon und Henri Deutsch de la Meurthe eine äußerst rührige Propaganda zu Gunsten der Einführung und Verbreitung der Esperanto-Sprache unter den Aviatikern aller Völker betreiben. Sie Seite 614 „FLUGSPORT“. No. 19 versichern in ihem Aufrufe, daß wenn alle Aviatiker diese Sprache verstehen und reden werden, völlige Eintracht unter den Luftflotten der verschiedenen Völker gesichert sein würde. In Mourmelon wird das Esperanto gelehrt und auch an verschiedenen anderen Orten soll es eingeführt werden. Henri Farman, der Russe Effimoff und der Belgier Van den Born sprechen und schreiben fliessend das Esperanto und eine hiesige Fachzeitschrift der Aviation hat einen Teil ihres Raums zur Veröffentlichung von Artikeln in dieser, Universalsprache zur Verfügung gestellt. Eine offizielle Aufstellung regelt den Anteil, den die einzelnen Länder in der Vertretung bei der diesjährigen Konferenz der Federation Aeronantique Internationale haben werden. Es werden verfügen: Frankreich (36 Aeroplane, 810.983 kbm Gas) iiber 12+12=-24 Stimmen Ver. Staaten (15 n 255.000,» ») ». B+1l=16 „ Deutschland ( 5 n 2261162 „ 5)». 2+12=14 n England (7 n 217.734 5» m) nm. 8+ 9=12 „ Belgien (6 „ 219.000 „ ») » 27 I-1l n Schweiz ( 23830 „ ») n 1 9=10 n Italien ( 6350 „ 4) » 117 4=5 n Oesterreich ( 43.500 „ ») » 17 2=3 „ Spanien ( 24.600 „ „)» 11 n Schweden ( 1850 „ „)» 1rl=2 „ Rußland { 16.500 ” ” ) ” 1+ 1 ” Holland ( 15.600 „ „)» 112 „ Dänemark ( 8700 „nn 11 1= „ Norwegen ( ? n „1112 n An Stelle des verstorbenen Berichterstatters Oberst Moedebeck wurde der Präsident des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt, Herr Professor Bamler, gewählt. Als Ort der Zusammenkunft ist Paris bestimmt, als Termin die zweite Hälfte des Monats Oktober, sodaß also die Konferenz mit dem internationalen aeronautischen Salon zeitlich zusammenfällt. An dem belgischen Meeting, das in der Zeit vom 8. bis 16. Okto- ber auf dem Aerodrom von Kiewit-Hasselt vor sich gehen wird, werden 3 Henri Farman-Zweidecker (de Laminne, Lauser, Verschaeve), 2 Bleriot (Deprieux, Kühling), 1 Voisin (Frenay), 1 Hanriot (Kool- hoven), 4 Aviator (Graf von Hespel, Domenjoy, Lauser, X...) ver- _ treten sein. Das Mailänder Meeting, das durch den obenerwähnten Todessturz Chavez’ eine so traurige Einleitung gehabt hat, zeitigte einen Erfolg wie er in Italien bisher noch nicht zu verzeichnen gewesen ist. Nicht weniger als 200000 Personen waren bei der Eröffnung des Meetings am vergangenen Sönntäg auf dem Aerodrom von Taliedo zugegen. 26 Aviatiker sind an dem Meeting beteiligt gewesen, unter denen sich bemerkenswerterweise die Italiener besonders hervorgetan haben. So konnten am ersten Tage sämtliche Preise von ihnen be- hauptet werden: der „Geschwindigkeits-Preis“ (über 50 km) von Cattaneo in 35:27-4, der „Preis der längsten Distanz ohne Unter- brechung“ von Ruggerone (60 km), der „Höhen-Preis von ÜCattaneo (300 Meter), der „Passagier-Preis’ von Cagno (10 km mit 120 kg). Erst an den folgenden Tagen schienen sich die französischen Aviatiker wiedergefunden zu haben. Am zweiten Tage brachte Cattaneo mit -—— -— Barnes; herabzuspringen. No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 615 einem Fluge in 1650 Meter Höhe den „Höhen-Preis“ an sich. Am dritten Tage kam der König unangemeldet von Racconigi zu dem Meeting, besichtigte alle Fliegerschuppen und nnterhielt sich mit mehreren der Aviatiker, besonders mit Paulhan. Der Graf von Turin ging bei einem Fluge Ruggerones an Bord von dessen Apparat. Am folgenden Tage war das Aerodrom zum Zeichen: der Trauer aus An- laß der Ueberführungsfeierlichkeiten der Leiche Chavez’ geschlossen. Der folgende Tag sah unseren Landsmann Wieneziers und den Amerikaner Weymann um den „Dom-Preis“ starten, bei dem die Um- kreisung des Mailänder Domes bedingt war. Weymann trug den Sieg davon. Üattaneo flog 72,500 km ohne Unterbrechung und brachte auch deu „Höhen-Preis mit 1250 Metern an sich. Am letzten Sonnabend stellte Wynmalen einen nenen Höhen- rekord auf, er hat mit, seinem Fiarman-Zweidecker in Monrmelon die Höhe von 2780 Meter erreicht und so auch den von Chavez kurz vor sciner Abreise zu dem verhängnisvollen Simplonfluge aufgestellten Rekord um genau 100 Meter geschlagen. Wynmalen, ein geborener Holländer, ist noch nicht lange in der Aviation praktisch tätig,hat sich aber schon mehrfach als gewandt, vor allem aber als furclitlos erwiesen. Er hat ein Alter von 29 Jahren. RI. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Nach den beiden großen internationalen Flugsport-Meetings von Bournemouth und Lanark konnten die kleineren nationalen Meetings in Folkestone (19.—23. September), Doncaster (19.—24. September) und Burton-on-Trent (26.—30. September) natürlich nur eine zweite Rolle spielen. Doch wurden auch auf diesen Meetings tüchtige Leistungen gezeigt und Höhenflüge von über 600 m wurden an jedem Tage gemacht. In Folkestone zeichnete sich der Franzose Moisant und der Engländer Grace aus, in Doncaster und Burton M. de Les- seps und Ladougne. i Leider liefen diese Meetings jedoch nicht ganz ohne Unfälle ab. In Folkestone hatte Barnes mit seinem 30 HP Humber-Monoplan einen erfolgreichen Flug ausgeführt und sich zum Landen entschlos- sen, als der Wind ihn plötzlich über eine Baumgruppe trieb. Da die Flugmaschine nur noch 4 m über der Erde war, entschloß sich einem Fuße in der Maschine hängen, der Monoplan überschlug sich und schoß wieder hoch in die Luft, und Barnes fiel aus einer Höhe von 10 m aufKopf und Schulter. Er erlitt einen Arm- und Schädel- bruch und wurde für einige Zeit schon aufgegeben. ‚Jetzt ist seine Rekonvalescenz jedoch schon weit vorgeschritten. Der 'Tod Chavez in Domodossala hat auch hier große Teilnahme hervorgerufen, da Chavez sich schon auf den Meetings von Black- pool und Lanark als ein hervorragender Flieger bewiesen und im Blackpool am 2. August mit einem Höhenfluge von 1794 m einen Unglücklicherweise blieb er—jedoeh—-mit- -- Seite 616 „FLUGSPORT“. No. 19 Weltrekord aufgestellt hatte. Die vielen Unglücksfälle der letzten Monate haben leider auch dazu beigetragen, daß Sir Hiram Maxim öffentlich seinen Entschluß ausgesprochen hat, sich vom Flugsporte zurückzuziehen. Er begründet das damit, daß seine Flugmaschine jetzt soweit sei, um praktisch ausprobiert zu werden. Er selbst fühle sich aber viel zu alt, um diese Proben selbst vorzunehmen; und an- dererseits wisse er niemanden, dem er zumuten könne, sich den mit diesen Proben verbundenen Gefahren auszusetzen. Was nun aus der fertiggestellten Maschine werden soll, die wir früher beschrieben haben, wird nicht angedeutet; Sachverständige haben aber schon von Anfang an vorausgesagt, daß diese Maschine niemals in das Stadium praktischer Versuche treten würde. Dagegen hat es Ueberraschung und bei einigen aufrichtige Freude hervorgerufen, daß der nnermüdliche Cody wieder hervorgetreten ist und mit seiner neuen Maschine ın Aldershot recht gute Flüge gemacht hat, wobei er den Major O’Gor- man von der militärischen Ballonfabrik in Farnborough als Passagier trug. Bei dem Meeting in Bournemouth erklärten manche seine Maschine als die beste vorhandene, wenn sie nur mit der nötigen Motorkraft ausgerüstet würde. An den großen englischen Manövern dieses Jahres beteiligten sich die Offiziere Dickson und Gibbs mit ihren Aeroplanen zum Zwecke der Aufklärung. Doch sind ihre Leistungen dabei nicht so rückhaltslos anerkannt worden wie in Frankreich von der frauzösi- schen Heeresleitung. Während die einen Berichterstatter rühmen, wie wertvoll ihre Dienste gewesen seien, behaupten andere, daß man mehr von ihnen erwartet hätte. Dem Fernerstehenden ist ein endgültiges Urteil darüber nicht möglich, und es ist ja auch selbstverständlich, daß auch die militärische Beobachtung von einer Flugmaschine aus durch Debung gelernt sein will. Jedenfalls fordern jetzt alle größeren Zeitungen die sofortige Einführung des Aeroplans in die englische Armee. Von großer Wichtigkeit für den englischen Flugsport ist es, daß es Bleriöt jetzt nach vielen vergeblichen Mühen gelungen ist, in der Nähe Londons eine Flugschule zu gründen. Er hat sich das Aerodrom in Hendon gesichert, und dasselbe wurde am 24. September durch einige Flüge des Vorstehers der Schule, M. Prier, eingeweiht. Prier hat bisher das Bleriotsche Fluginstitut in Etampes seit seinem Bestehen geleitet. Die Schule ist auf 6 Lehrlinge berechnet, und alle Plätze sind für die nächste Zeit besetzt. Infolge einiger Ausschreitungen läßt der Aero-Club jetzt durch die Zeitungen mitteilen, daß er in dem gegenwärtigen Stadium der Flugmaschine den Flug über Städte und dicht bevölkerte Plätze für gefährlich halte, und daß er ein Comit& gebildet habe, welches solche Fälle untersuchen und eventuell eigene Mitglieder des Aero-Clubs oder Flieger mit internationalem Certificat, wenn sie solche Flüge unternehmen, nach Umständen bestrafen soll. Dieser Schritt ist des- halb zu billigen, weil er polizeiliche Vorschriften hoffentlich unnötig macht. No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 617 Petersburger Brief. (Von unserem Petersburger Korrespondenten). Im Febrmar dieses ‚Jahres machte der Vorsitzende des Auxs- schusses zur Verstärkung der Kriegsflotte durch private Stiftungen, (Großfürst: Alexander Michailowitsch, den Stiftern den Vorschlag, den verfügbaren Rest von Rbl. 800000 zur Anschaffung einer Luftflotte zu verwenden. Die Stifter waren einstimmig mit diesem Vorschlag einverstanden. Es wurden eine Anzahl Öffiziere aus Armee und Flotte nach Frankreich beordert, das Fliegen praktisch zı erlernen. Anch wurden mehrere Flugapparate, hauptsächlich Farman-Zwei- decker augeschafft. Bei dem zur Zeit in St. Petersburg stattfindenden allrussischen Flugfest, das am 21. September begonnen hat nnd bis 7. Oktober dauern soll, treten neben den bekannten Piloten Kfimoff. Utoclikine, Lebedeff nnd Segno*), auch die genannten Offiziere mit in Konkur- renz, sowie auch einige Offiziere des militärischen aeronantischen Parks. Der grolie Erfolg der Offiziere während des Meetings, es wnırden auch bei starkem böigen Winde Flüge von über zwei Stunden Dauer ausgeführt, z. B. flog Leutnant Rudneff 2 St. 24 Min. 30 S., veranlaßte den Großfürsten, folgendes Telegramm an den Zaren ab- zusenden: „Bin glücklich mitzuteilen: Der Oberstleutnant Uljoninoff, Kapitän Matziewitsch, Leutnaut Piotrowski und Sekonde-Lent- nant Matiejewitsch, die vom Ausschuß naclı dem Ausland beor- dert und das Pilotenzeugnis dort erwarben, fliegen sehr erfolg- reich und um vieles besser als die ausländischen Piloten während der Petersburger Flngwoche im Frühjahr. Es fliegt auch wnn- derschön der Leutnant Rudneff**) von der militärischen Luft- schifferabteilung. Erlaube mir zu behaupten, die Aviation findet in Rußland festen Boden. Der unter meinem Präsidium tätige Ausschuß, wie auch die neuen Piloten nnd deren Schüler, werden ihr bestmöglichstes tun, um in der Aviatik hinter nn- seren Konkurrenten nicht zurückzubleiben und zur Elıre unseres tenren Vaterlandes und zur Freude Ew. Majestät beizntragen.“ Dieses Telegramm wurde vom Zaren wie folgt beantwortet: „Freue mich über die erfolgreichen Flüge unserer Offi- ziere. Uebermittle Ihnen meinen aufrichtigen Wunsch weiterer Erfolge in dieser neuen Waffe des Militärwesens. Zugleich erläßt der Großfürst in den Zeitungen einen Anfruf um weitere Stiftungen zwecks einer möglichst schnellen Gründung einer russischen Luftflotte. In diesem Aufruf werden besonders das Streben. und der Wagemut der oben genannten Offiziere hervorgehoben. Es heißt darin u. a.: „Wir haben Militärflieger, die in ihrer Kunst den Kameraden — den Öffiziers-Piloten der französischen Armee — um nichts nachstehen. .... . Auch wird in dem Aufruf bekannt gegeben, daß sich der Ans- schuß zur Verstärkung der Kriegsflotte entschlossen habe, sogleich *) Fliegt auf einem Apparat „Rossija* in Petersburg nach dem System Farman mit unwesentlichen Abänderungen gebaut. ##) Wurde vorı Lebedeff, der sein Pilotenzeugnis bei Farman erworben hat, in Rußland instruiert. Seite 618 „FLUGSPORT“. No. 19 weitere 20 Drachenflieger zu bestellen. Ferner sollen im nächsten Jahre 30 Offiziere nach Frankreich bcordert werden, um dort bei Roger Sommer ihr Pilotenzeugnis zu erwerben. Weitere Bestellungen von Flugapparaten sind in Aussicht genommen. Infolge der ungünstigen klimatischen Verhältnisse in St. Peters- burg wird die Aviationsschule für den Winter bis April nach der Umgegend von Sebastopol verlegt. Im Sommer werden dann die Uebungen wieder in Petersburg stattfinden. Flugmaschinen-Motore. (Fortsetzung v. Seite 584.) Der 50pferdige Gnom-Rotationsmotor mit 7 Zylindern ist der zur Zeit am meisten verwendete Flugmaschinen-Motor. Dieser Motor wird von der Firma Societ& des Moteurs Gnome, Paris, 49 Rue Lafitte, gebaut und in Deutschland durch die Firma E. E. C. Mathis, Straßburg i. Els., welche das Monopol besitzt, vertrieben. Infolge immer wiederkehrender Anfragen über diesen Motor dürften nachstehende Detail- Ausführungen von Interesse sein. Bei der Konstruktion dieses Motors hat man prinzipiell alle Leichtmetalle vermieden und durch Verwendung von erstklassigem Stahl- material, meistenteils Nickelstahl, die Ab- messungen der verschiedenen Konstruktionsteile auf ein Minimum reduziert, so daß der Motor Abb. 1 auf ein sehr geringesGewicht gebracht worden ist. . Die 7 Zylinder, welche ein äußerst wirkıngsvolles Schwungrad abgeben, bedingen einen äußerst gleichmäßigen Gang. Die hierdurch bewirkte intensive Kühlung des Motors ist noch von keinem anderen Flugmotor erreicht worden. Abb. 2 No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 619 Abb. 1 zeigt eine schematische Anordnung des Gnom-Motors. Die Zündung der Zylinder erfolgt in der Reihenfolge je einen Zylinder überspringend, so daß bei 2 Umdrehungen alle Zylinder gezündet haben. Sämtliche 7 Pleuelstangen wirken auf einen Kurbelzapfen. Von diesen 7 Pleuelstangen ist eine Haupt- pleuelstange, welche besonders stark konstruiert ist, direkt auf den Kurbelzapfen gelagert, während die 6 anderen Pleuelstangen unter Vermittlung von Zapfen an dieser Hauptpleuelstange gelenkig befestigt sind. Die Kurbel besteht aus 2 Teilen, der Hauptkurbelwelle, der Kröpfung und der Verlängerung. Der Hauptteil der Kurbelwelle (links) in Abb. 2 ist hohl gebohrt und dient zur Zuführung des Gasgemisches und der Schmierrohre. In der Abb. 2 sind die Kugellagerringe links und rechts von der Kröpfung auf die Welle aufgeschoben. Letztere führen das Schmieröl zu den Pleuelstangen und Lagerstellen, von wo es dann durch Kanäle nach den Zylindern gelangt. Abb. 3 zeigt die Anordnung der Pleuelstangen mit anmontierten Augen für die Kolbenböden. Diese Kolbenböden werden in den Kolben, Abb. 5, einge- schraubt. In dem Gußstahlkolben sind neben mehreren Oselrilten die Kolben- dichtungsringe eingesetzt. . A “ | men x m Abb. 3 N Part Weiter sind in den Kolbenböden die Saugventile, Abb. 6, untergebracht. Diese automatisch wirkenden Saugventile sind durch eine Doppelhebelüber- setzung, ähnlich der Ausbalancierung bei den Mercedes-Vergaserschwimmern, ausgebildet. Dieser Mechanismus be- wirkt, daß bei zu- nehmender Touren- zahl die Ventilbe- lastung die gleiche bleibt. Abb.7 zeigt sche- matisch die An- ordnung der Saug- ventil-Ausbalan- cierung. Abb. 8 zeigt den Flansch Abb. 4 5 und 6 zur Aufnahme des Seite 620 „FLUGSPORT“. No. 19 Propellers und der Verteilerscheibe. Die Verteilerscheibe, Abb. 14, ist in bekannter Weise ausgebildet und besitzt 7XKontakte. Abb. 9 zeigt den Antrieb der Nocken- räder. Der Antrieb des Planetenge- triebes wird durch ein Zahnrad, wel- ches auf der Kurbelwelle sitzt und hinter den Rädern auf Abb. 9 nicht sichtbar ist, bewirkt. Das Gehäuse, Abb. 10, zur Aufnahme der Zylinder ist aus einem Stück aus Gußstahl hergestellt. Die Zylinder, Abb. 11, gleichfalls aus Gußstahl, werden durch Stifte gehalten. Die Abb. 8 Abb. 11 Abb. 10 Abb. 12 No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 621 Löcher für die Stifte sind in Abb. 10 sichtbar. Die Zylinder und die Rippen sind vollständig aus einem Stück glatt abgedreht und das Auge zur Aufnahme der Zündkerze besonders eingeschraubt. Die Auspuffventile, Abb. 12, werden durch einen zweiarmigen Hebel unter Vermittlung eines Hilfsdoppelhebels betätigt. Die Ventile werden durch eine Plattfeder geschlossen gehalten. Weitere Zubehörteile wie Magnet, Verteilerscheibe, Oelpumpe, Vergaser zeigen die Abb. 13— 16. Abb. 13 Abb. 15 Abb. 16 Die Firma Societ& des Moteurs Gnome baut folgende Typen: Zahl der u Typen PS Zylinder Bohrung Hub | Tourenzahl | Gewicht n— 3% 30 5 100 100 1300 60 n— 50 50 7 110 120 1200 76 a — 100 100 14 110 120 1200 100 | Der Siebenzylinder-Motor, welcher am meisten verwendet wird, verbraucht pro Stunde 2 Liter Oel und 300—350 g Benzin pro PS. Seite 692 „FLUGSPORT“. No. 19 N Fiugtechnische Rundschau. Inland. Das Flugmaschinenführer-Zeugnis erwarben: Ingenieur Kahnt am 18. September in Bork auf Grade. Ingenieur Rode am 18. September in Bork auf Grade. Bruno Jablonski am 20. September in Johannisthal auf Wright. Hanuschke am 25. September in Johannistal auf einem Eindecker eigener Konstruktion. Auf dem Euler-Flugplatz in Griesheim wird intensiv gearbeitet. Euler hat wieder eine neue Type herausgebracht, diesmal eine Rennmaschine von nur 20 qm Tragfläche. Die Tragdecken sind bei diesem Apparat nur I m breit. Die < Euler mit Passagier im Fluge. ersten Versuche mit demselben waren überraschend. Bereits nach 30 m Anlauf verläßt die Maschine den Boden. Die Geschwindigkeit läßt sich regulieren zwischen 35 und 95 km. — Trotz des geringen Tragflächenareals besitzt die Maschine eine große Tragfähigkeit. Am Sonntag demonstrierte Euler die Gebrauchsfähigkeit seiner Passagier- miaschine und führte mehrere Passagierflüge mit Ingenieur Ursinus und dessen Gattin aus. Letztere war von dem sanften Start der Maschine so begeistert, daß sie kaum zu bewegen war, dieselbe wieder zu verlassen. Nebenstehende Abbildung zeigt die Maschine im Flug. 1 No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 623 Dr. Gans-Fabrice hat am 4. Oktober mit einer Euler-Flugmaschine, Militärtype für 2 Personen, einen Flug von 3 km zurückgelegt. Er steuerte die Maschine selbständig, nachdem er sie nur zweimal je 5 Minuten auf dem Lande versucht hatte. Hans Vollmoeller ist am 19. September aus 10 m Höhe abgestürzt. Voll- moeller wurde schwer verletzt. Flugmaschine Dorner. Bei einem Probelauf des Motors flog im Schuppen ein Zylinderkopf ab gegen das Benzinreservoir, welches sich sofort entzündete und den ganzen Apparat in Flammen setzte. Der Apparat war nach wenigen Minuten vernichtet. Cornelius Hintner machte am 27. September auf dem Forster Felde bei Holzminden einen Flugversuch. In 15 m Höhe geriet plötzlich aın Motor etwas in Unordnung, sodaß der Apparat abstürzte. Hintner wurde leicht verletzt. Kapitän Engelhard’s Flüge in der Lüneburger Heide. Der Flugplatz Adlershof, der bisher den Wrightpiloten als Uebungsfeld diente, ist wohl für die erste Ausbildung ausreichend, gestattet jedoch dem Piloten nicht, größere Flüge zu unternehmen, da die Vorstände der anliegenden Gemeinden bekanntlich ein Verbot gegen Ueberlandflüge erlassen haben und der junge Aviatiker für einen Ausflug nach Grünau etc. mit 60 Mark in Strafe genommen wird. Um die militärische Brauchbarkeit ihrer Maschine demonstrieren zu können, sandte die deutsche Wrightgesellschaft ihren ältesten Lehrer, Herrn Korvetten- Engelhard auf Wright in der Lüneburger Heide {Start zum- Höhenflug). kapitän Engelhard nach der Lüneburger Heide und zwar wurde als Startplatz ein Gelände bei Schneverdingen gewählt, wo der Gesellschaft die von der Firma Oertz aufgeführten Fliegerschuppen zur Verfügung standen. Kapitän Engelhard unternahm von dort aus weite Ueberlandflüge über die Heide und erzielte auch beträchtliche Höhen, aus weichen er auf verschiedenes Gelände Sandsäcke auswarf, um die Treffmöglichkeit zu prüfen. Für die längste Passagierfahrt nahm er Herrn Dr. Elias vom Reichsamt des Innern mit, der mehrere Aufnahmen während des Fluges machte, von denen wir aus Platzmangel leider nur ein Bild bringen können. Kapitän Engelhard beabsichtigte ebenfalls, Versuche mit drahtloser Telegraphie zu machen. Die von einer Berliner Firma gestellten Apparate trafen Seite 624 „FLUGSPORTT. No. 19 jedoch nicht rechtzeitig ein, sodaß der Pilot für diesmal darauf verzichten mußte. Nach der Berliner Flugwoche sollen die Versuche auf der Lüneburger Heide mit mehreren Maschinen wieder aufgenommen werden, und speziell die drahtlose —- (Aufnahme aus 70 m Höhe bei 60 km Geschwindigkeit). Telegraphie dabei ausprobiert werden. Die Masten für die Geberstation werden bereits errichtet, auch befindet sich am Ort selbst eine Lichtzentrale, sodaß nur die notwendigen Transformatoren von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie noch zu beschaffen sind. Fritz Heidenreich fliegt nicht vor Zaungästen. Fritz Heidenreich sollte am 25 September Schauflüge in Liegnitz veranstalten. Die ‚Begeisterung des Publikums in Liegnitz war sehr groß. - Als Heidenreich seine Maschine flugbereit machte, waren wohl 40000 Menschen anwesend — aber nur als Zaun- gäste! Sie belagerten zwei öffentliche neben dem Fluggelände gelegene Wege und gedachten so kostenlos ihren Hunger nach aviatischen Genüssen befriedigen zu können. Heidenreich dachte aber mit vollem Recht nicht daran, mehrere hundert Mark seines eigenen Geldes zu opfern, um den Liegnitzern völlig gratis die erste Flugmaschine vorführen zu dürfen. Er setzte sich vielmehr nach vergeb- lichem Warten auf zahlende Gäste (von denen bis zur festgesetzten Zeit nur 250 gekommen waren) auf sein Automobil und fuhr davon. Die langen, recht humoristisch wirkenden Gesichter der Liegnitzer dürften ihm einigermaßen Ent- schädigung für die pekuniären Unkosten und den persönlichen Aerger ge- wesen sein. So müßten es alle deutschen Flieger machen. Flugpreise. B. Z.-Preis der Lüfte 100,000 Mark. Die durch ihre aktuelle Bericht- erstattung auf dem Gebiete des Flugwesens bekannte „B. Z. am Mittag“ hat durch die Ausschreibung ihres Preises den richtigen Moment erfaßt. Die Preis- kalamität in Deutschland begann fast unerträglich zu werden. Es scheint, als hätten in Deutschland die Balloninteressen alle verfügbaren Kapitalien verschlun- gen. Man muß staunen, welch geringes Verständnis in Deutschland der Flieger ei entgegengebracht wird. No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 625 Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß der Verlag Ullstein auf diese Weise versucht, das Verständnis für das Flugwesen in breitere Kreise zu tragen und diese von der großen Entwicklungsfähigkeit der Flugmaschine zu überzeugen. Die für die Organisation dieses großen Fluges Paris—-Berlin bestehenden Pro- jekte der „B Z. am Mittag* lassen eine gute Durchführung des Fluges mit Sicherheit erwarten. — Wie wir hören, wird der Deutsche Fliegerbund, welcher durch seinen vorzüglich organisierten Uebertandflug Frankfurt-Mannheim viel von sich reden machte, zur Hauptmitarbeit herangezogen werden. Ernst Plochmann 7. Ernst Plochmann ist am 29. September auf dem Habsheiiner Flugplatz bei Mülhausen i. Eis. tödlich verunglückt, mit Lilienthal das dritte Opfer des deutschen Flugsports. Plochmann widmete sich im Februar dieses Jahres dem Flugsport, erwarb einen Grade- Apparat und erhielt am 21. Juli das Pilotenzeugnis Nr. 16. Er nahm auch am Ueberlandflug Frank- furt a. M.— Mainz — Mannheim teil und erhielt bekanntlich für seine vorzüglichen Schauflüge einen Ehrenpreis. Um sich auf dem Zwei- decker auszubilden, ging er nach Mülhausen, wo er auf einem Aviatik - Doppeldecker ternte. Bei seiner dritten Flugübung am 29. September, morgens 7 Uhr, stieg er steil an. Der Motor setzte noch im Anstieg aus und der Apparat stürzte rückwärts zu Boden. Plochmanr erlitt außer einer Fraktur am Kopfe schwere innere Verletzungen, sowie einen doppelten Bein- bruch. Er starb noch am selben Abend um 11 Uhr im Kranken- hause, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben. Plochmann war ein begeis- terter Jünger des Flugsports. — Durch sein bescheidenes Wesen eroberte er sich die Sympathien aller Kollegen Er hinterläßt seine Frau mit 2 unerzogenen Kindern. Piochmanns Scheiden wird in Flieger- kreisen aufs tiefste betrauert. Ernst Plochmann + Seite 626 „FLUGSPORT“. No. 19 Flugkonkurrenzen. Ueberlandflug Trier—Metz. Für den Ueberlandflu hatten : von Mossner, Haas, Kapitän Engelhard, Thelen und Jeannn. Dem austflug gingen, wie aus den unseren Lesern bekannten Propositionen hervorgeht, Schau- flüge voraus. Thelen und Jeannin führten Höhenflüge bis zu 250 m und Engel- hard mehrere Passagierflüge bis zu 25 Minuten Dauer aus. Thelen machte während der Vorflüge den längsten Flug von 1 Stunde 39 Min. 13 Sek. . Am 27. September begann der eigentliche Fernflug. Jeannin stieg nach- mittags 3 Uhr 44, trotz der immer noch einsetzenden Windböen. mit Leutnant Verdejanu als Passagier auf und ging schnell auf 100 m Höhe. Um 4 Uhr 9Min überflog Jeannin die Ortschaft Wallen in geringer Höhe und 18 Minuten später passierte der Flieger Palzen. Von hier aus stieg Jeannin auf 150 m hinauf und überflog in dieser Höhenlage um 4 Uhr 50 Min Sierck, 5 Minuten vor 5 Uhr Königsmachern und 5.27 Uhr Ueckingen. Ueber dieser Ortschaft erreichte der kühne Flieger die größte Höhe des Üeberlandfluges mit 450 m, von der er kurz vor Metz auf 160 m wieder herabging. Um 5 Uhr 42 Min. wurde der Flugapparat über der Stadt Metz gesichtet. Nachdem Jeannin längere Zeit wohlgelun- gene Manöver in der Luft vollführt hatte, ging er um 6 Uhr 8 Min. nieder helen, welcher 4 Uhr 29 Min. startete, mußte bereits 4 Uhr 43 Min "bei . , ..bei er landen. Er kehrte um 4 Uhr 56 Min. auf den Start- m 28. September startete wieder Thelen um 4 Uhr 25 Mi um 5 Uhr >5 Min, bei Diedenhofen landen. Er startete am 9. Wieder An Diedene Höhenflug Die andete ‚um 4 Uhr 33 Min. in Metz. Er führte zuvor noch einen Am 30. September startete um 4 Uhr 59 Min. En elhard i und stieg schnell auf eine Höhe von 500 m. Um 6 Uhr 20 Minuten passsugier Metz und flog in westlicher Richtung weiter. Er landete um 7 Uhr 40 Minuten 12 km nördlich von Nancy, in der Nähe des Fabrikstädtchens Pompey. — Die 200 km lange Strecke legte Engelhard in 2 Stunden 41 Min. zurück. Engel- ard wurde von den Franzosen aufs liebenswürdigste empfangen. Seine An- kunft, Wurde durch die Gendarmerie ‚nach Nancy gemeldet und die dortige Mili- een ndigte das Kriegsministerium. — . Der Apparat wurde sofort Am 30. September 4 Uhr 57 Min. startete Th i von Metz infolge eines Benzinrohrbruchs landete. eien, welcher bereits 11 km Am 1. Oktober startete Haas. Nach kurzer Zeit i Ki . . ‚gegen 5Uhr 30 kam die Nachricht, daß er bei der Ortschaft Wellen aus 180 m Höhe een Dei ie von ;Augenzeugen berichtet wird, soll der Apparat sich plötzlich in der uff zusammengezogen und das vordere Höhensteuer sich gelöst haben. Man vermutet, daß ein Spanndraht in einen der Propeller kam, welcher den Apparat a eeer er ger Jüngsten Wright-Piloten, ist mithin das vierte Opfer des Den ersten Preis von 20,000 Mk. erhielt Jeannin. V i i j ‚000 . - Von dem t erhielten En eihard „und Thelen je 2000 Mk. Thelen erhielt ferner den Preis rg, den Ehrenpreis - i und den Ehrenpreis des Luftschifferkorps. es Statthalters von Elsaß „othringen Patentwesen. Deutschland. TH W313 Patentanmeldungen. WW. 6. Schmiervorrichtung für di i und Flugmaschinen. Ernst Wachter, Gottmadingen, Bah vellen 0. „uiischiffen Patenterteilungen. . Th. ‚226 074. Steuerungsvorrichtung für Flugzeuge, Luftschi Louis Bleriot, Neuilly sur Seine, Frankr.; Vertn: & Fehlert- ge er F. Harmsen, A. Büttner, Pat.-Anwälte, Berlin SW. 61. 25. 7.08. B. 50861. No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 627 Gebrauchsmuster. 7rh. 434185, Flugzeug. Gabriel Letsch, Mülhausen i. Els., Karnispfad 33. 25. 7.10. L. 24733. Trh, 434252. Verbindungsart von Längs- oder Querträgern mit den Ver- bindungsstreben (Sprossen) von Flugmaschinen. Ernst Heinkel, Grunbach, O.-A. Schorndorf. 7.7. 10. H. 46905. 77h. 434608. Kielfläche für Flugfahrzeuge, Dr, A. Haefelin, Schöneberg- Berlin, Meranerstraße 5. 21. 6. 10. H. 46704. Verschiedenes. Ein Orientierangsinstrument für Flugmaschinen. Wie wir hören, ist es Herrn Bankier und Ingenieur Böninger Frankfurt gelungen, ein Verfahren zu finden, nach welchem es möglich ist, auf jedem in Bewegung befindlichen Fahr- zeug, also auch in einer Flugmaschine, Luftschiff oder Ballon, jeweils die Richtung und Geschwindigkeit der Fortbewegung zur Erde gemessen, zu bestimmen. Desgleichon kann man mit diesem Verfahren den jeweiligen Ort bestimmen, über welchem sich das Luftfahrzeug befindet. Es geschieht dies durch direkte Anzeigung auf einer besonderen sphärischen Karte. Das Verfahren beruht auf der Ablenkung der : Richtung der Erdschwer- kraft im Weltraum gemessen. Vermittels eines Kreisels werden die Ablenkungen zur Kenntnis gebracht und dienen zur Anzeige der Richtung und Geschwindigkeit der Fortbewegung sowie zur Bestimmung des jeweiligen Standortes. Das Verfahren ist in der Praxis noch nicht erprobt. Wenn es sich in der Praxis bewä rt, so scheinen wir es mit einer ungeheuer wichtigen Sache zu tun zu haben. Das Verfahren ist in allen seinen Teilen zum Patent angemeldet, Firmennachrichten. Dorner Flugzeug-Gesellschaft m. b H. Unter dieser Firma_ wurde in das Handelsregister zu Berlin eine neue Gesellschaft eingetragen. Gegenstand des Unternehmens: Der Bau, der Betrieb und die Verwertung von Flugmaschinen, die Erwirkung und Verwertung von Patenten und sonstigen Schutzrechten, die Vornahme von Handelsgeschäften jeder Art, soweit sie mit der Flugtechnik oder dem Flugsporte im Zusammenhang stehen, sowie die Beteiligung an Konkur- renzen. Das Stammkapital. beträgt 100,000 Mk. Geschäftsführer: Kaufmann Richard Goetze in Treptow-Berlin und Diplom-Ingenieur Hermann Dorner. Deutsche Fluggesellschaft mit beschränkter Haftung, Frankfurt a. M. Das Stammkapital ist auf 75,000 Mk. erhöht worden. Frau Direktor Robert Woerner ist zum weiteren Geschäftsführer bestellt. — Zuschriften an die Redaktion. (Ohne Verantwortung der Redaktion). Deuben, den 23. September 1910. In den neuesten Nummern des „Flugsport“ und anderer flugtechnischer Zeitschriften wird die Photographie des neuen Schraubenflugzeuges von Sterne- mann und Dr. Ing. Siebert veröffentlicht. Vergeblich sucht man jedoch eine Mitteilung über die Versuchsergebnisse mit demselben, obgleich einem Versuch anscheinend nichts im Wege steht. Dieses Beispiel einer neuen Flugzeugtype ist bezeichnend dafür, daß das Drachenflugzeug — trotz der wunderbaren Erfolge, die im allgemeinen mit dem- selben erzielt wurden — noch lange nicht als endgültige Lösung der Frage der Beherrschung der Luft angesehen werden kann. Scite 698 mELUGSPORT“. No. 10 Die Kritik setzt ein bei der Form des Abfluges, man hofft noch immer auf das Ideal: den senkrechten Aufflug! Wahrscheinlich wird man sich aber — auch in Zukunft — wenigstens mit einem „steil-schrägen“ Aufflug „vom Platz weg“ zufrieden geben. Es ist das aber auch etwas ganz anderes als der jetzt notwendige, oft mehrere hundert Meter lange Anlauf. Der Grund dieses Nachteiles bedingt auch die ständige Vorwärtsgeschwin- digkeit, natürlich relativ zur umgebenden Luft; daß dies nun wiederum ein großer Nachteil ist, sieht man aus den vielen Kleinhholz machenden Landungen! Schraubenflugzeuge haben zugegebenermaßen in Beseitigung aller dieser Mängel etwas Bestechendes — leider treten unangenehme Schwierigkeiten der Erteilung einer größeren Vorwärtsgeschwindigkeit entgegen. Ohne extra Gleit- flächen wird man da wohl kaum auskommen — dann sind aber die Hubschrauben im Wege, und beim Aufflug dagegen stören wiederum diese Gleitflächen. elbst wenn diese Einwendungen sich mit der Zeit nicht als stichhaltig erweisen sollten, findet man doch, daß der Schwingenflieger mehr Chancen als der Schraubenflieger hat. Wenn richtig konstruiert, kann man von einem Schwingenflieger die Mög- lichkeit eines fast senkrechten Ab- resp. Auffluges, das Verweilen an einem Ort im Luftraume und die Erzielung einer größten Vorwärtsgeschwindigkeit erlangen. Allerdings — so einfach wie beim Drachenflieger bleibt dann der Mecha- nismus nicht mehr, soll das aber wirklich von vornherein der Verwirklichung aller dieser Forderungen das Todesurteil fällen können ?! Der eingangs erwähnte Schraubenflieger scheint für eine Verstellung der Schraubenflächen nicht eingerichtet zu sein, es ist aber klar, daß diese Verstel- lung ganz unumgängig notwendig ist, also — der Schraubenflieger wird ebenfalls noch viel komplizierter als er jetzt schon ist. — Der Schwingenflieger gewinnt dagegen sofort an Existenzberechtigung, wenn man den Flügeln nicht mehr eine oszillierende, sondern eine gleichmäßige rotierende Bewegung erteilt und wenn man durch eine besondere Steuerfähigkeit die Fligel während des Hochganges als „tragende“ Gleitflächen ausnützt. ährend des Niederganges verrichten die Flügel also eine Vortriebs- und Hubarbeit und werden beim Hochgang unter Verwendung der Vorwärtsgeschwin- digeit nochmals als Hubmittel ausgenützt. Legt man den Schwerpunkt des Apparates tief — Motor und Führersitz — wendet man ferner für die Längsstabilität ein horizontales Vorder- und Schwanz- steuer an, so muß ein solches Vehikel schon flugfähig sein, denn die Seitensta- bilität wird durch verschiedene Einstellung der Flügelneigungen erzielt. Ein zwangsläufig mit dieser Flügelverstellung gekuppeltes hinteres Seiten- steuer wird natürlich diese Wirkung noch erhöhen. Die Verstellbarkeit der Flügel, die außerdem noch in Schraubenform ver- wunden werden müssen, bietet dem Konstrukteur zwar einige Schwierigkeiten, die Lösung ist aber relativ einfach. Ein so eingerichteter Schwingenflieger ist vermutlich auch zum Gleitflug qualifiziert; Schreiber dieses ist aber der Ansicht, daß man wohl besser der Notwendigkeit eines solchen durch Anwendung von zwei selbsttätig gegen- einander auskuppelbaren Motoren aus dem Wege geht. Die Volleistung dieser zwei Motore benötigt man beim Aufflug, während für die reine Fortbewegungsarbeit, da durch die eigenartige Verwendung der Flügel als Vortrieb und Hubmittel — wenigstens auf der Niedergangsseite — der Wirkungsgrad und somit der Kraftbedarf gegenüber der Drachenflugzeuge viel günstiger sein wird, nur eine Teilleistung der Motore, die eventuell von nur einem derselben geliefert werden kann, genügt. Obgleich vorstehend beschriebenes System einer Flugmaschine schon seit Mai 1%8 zum Patent angemeldet ist und seine Konstruktionsdetails sich nicht wesentlich geändert haben, konnte aus den bekannten „chronischen“ finanziellen Gründen der Bau eines Apparates noch nicht ins Auge gefaßt werden. Der Nachweis der Plugfähigkeit steht somit allerdings noch aus! — Zum vorläufigen Ersatz dieses stelle hiermit vorstehende Type zur Dis- kussion und würde gern Veranlassung nehmen, falls ich dazu erınutigt würde, zeichnerische Details bekannt zu geben. Deuben b. Dresden. Ing. Karl Kropp. No. 19 „FLUGSPORT“. Sons & Maxim behauptet Seite 629 Crefeld, 1. Oktober 1910. i i irma Vickers Fl rt „Nr. 18, Seite 579 lese ich, daß von der Firma ers Maxim bei wird, sie hätte ein neues Metall ‚„D uralumin‘ enannt, erfunden. So viel mir bekannt ist, wird Duralumin in den Dürener Metallwerken (Rheinland) seit einer Reihe von Jahren hergestellt. Der Name Duralumin deutet auch schon auf Düren hin. Vieıleic gesch. Leser daraufhin aufmerksam zu machen, daß sich mit-fremden Federn schmückt. ht ist es angebracht, Ihre die betr. englische Firma Rudolf Puller, stud. Ing. Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des FLUGTECHNISCHR| Flugtechnischen Vereins Leipzig Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 38 II. Vorstand: i : rer Ingen. Alfred Freund, Leipzig, Vorsitzender: Oberleh g ne u. chriftführer: Kaufmann Arthur Erbe > ' n Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller. Bücherwart: stud. math. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Goldenes Einhorn. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Vere'nslokal: Offizielle Mitteilungen Ga if RN, RR des a: ii nkfurter Flugtechnisch. Vereins f Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4597. Vorstand: 1. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. „ Di 1-Ing- Krastel. Schriftführer: Civildng. 5 Skar preinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinüs. Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. . Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. . I Der Frankfurter Flugtechnische Verein verfügt durch seine Mitglieder über 12 flugfähige Maschinen. Zuschriften sind zu richten an den Frankfurter Flugtechnischen Verein, Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. ur mul Seite 630 „FLUGSPORT“ No. 19 Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim j Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, MannheimN. 4, 21. Telef. 377 2. un Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufman OskarKlinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37 a. = 00. Kaufmann Müller. Kassierer :Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer :Fritz Brück, Ernst Specht Herm. Temmler. Flugwart: Josef: Bechler. MaterialverwalterFadrikant Hauk. jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in bem Club-Lokal Flotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. rn Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. „ .. Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Zuschriften sind icht Pe a enssessor. zu richten i Düsseldorf Graf Au Tic an den 1. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst An jedem ersten Mittwoch im M i i Sn april Club-Abernd statt im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand? ” . T 1. Vorsitz.: Univers.-Prof. Dr. Lummer, Göpperstr. 1, eispnon 2. ”. Fabrikdirektor Dr. Bergreen, Schottwitz, 1228 1. Schriftführer: Ing. Stoeckicht, Gartenstraße 37, 10972 2. » Kaufm. Kutsch, Ohlauufer 10, 10993 Schatzmeist. : Kommerzienr. Dr. jur. Heimann, Ring 53, 2655 Bibliothekar: Kaufmann Nicolaier, Kaiser Wilhelmstr. 14, 1159 Sportkommission: Hauptmann Engel, Kl. Scheitnigerstr. 9 Ing. Fahlbusch, Fränkelpl. 6 Fritz Heidenreich, Freiburgerstr. 21 2888 Flugwart: Ing. Walzel, Museumsplatz 15 3513 Syndikus : Notar Dr. Oestreich, Gartenstr. 43, 9054 No. 19 „FLUGSPORT“. Seite 631 Beisitzer: Telephon Kaufmann Erich Breit, Guttenbergstraße 8, 10040 Freiherr v. Durant, Langendorf, Kr. Gleiwitz Freiherr v. Kloch, Neue Schweidnitzerstr. 4, 2701 Generaldi:ektor Dr. Kuthe, Schweidnitzer Stadtgr. 15, 3286 Bankvorstand Matthias, Gartenstr. 60, 3989 Ing. v. Sallwürck, Gartenstr. 89, 2983 Zahnarzt Dr. med. Scheps Neue Schweidnitzerstr. 4807 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr 37 erbeten. (Tel. 10972.) Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat : Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. ' Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. „ Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen. Schriftführer : Dr. Albert, Holten. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. Stellvertr. Schriftführer und Kassierer: Kaufmann u. Oberleutnant d. R. Knigge, Oberhausen Ingenieur Heuser, Oberhausen. nn Architekt Schnarre,. Holten Flugtechniker Nihues, Wesel Gutsbesitzer Tender, Holten. Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. Kaufmann Zündorf, Marxloh. Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. Beigeordneter Sigloch, Hamborn. Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. Redakteur Krause, Köln. Oberingenieur Weidler, Oberhausen. ” 1. Flugwart: 2m 3. » 4. 5. » 6. » Beisitzer: Seite 632 „_„FLUGSPORT". No. 19 Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteur Rudolf Hulın, Oberhausen zu richten. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlstad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Kart Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission Dr. Kropf, Clubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Fischer, Beisitzer. Richard Krüger, n Letzte Nachrichten. An der Flugwoche zu Johannisthal am 9.—16. Oktober nehmen teil 22 Flieger mit 34 Maschinen: 1 u. 2 Gustav Otto auf Aviatik u. Sommer. — 3-5 Robert Thelen auf Wright. — 6 u. 7 Hans Grade auf Grade. — 8 u.9 Walter Lissauer auf Grade. — 10 James Schwade auf Schwalbe Schwade — 11 u. 12 Eugen Wiencziers auf Bleriot. — 13 u. 14 Fritz Heidenreich auf Heidenreich. — 15 u. 16 Engelhard auf Wright. — 17 u. 18 Willy Mente auf Wright. — 19 u. 20 Robert Mossner auf Wright. — 21 Bruno Hanuschke auf Hanuschke. — 22 u. 23 Alfred Frey auf Farman. - 24 u. 25 E. v. Gorrissen auf Farman u. Euler. - 26—29 Lindpaintner auf Sommer, Farman u. Hanriot. — 30 u. 31 E. Jeannin auf Farman (Aviatik). — 32 S. Brunnhuber auf Farman (Albatros). — 33 O. Kahnt auf Grade. — 34 u. 35H. Dorner auf Dorner. — 36 Felix Laitsch auf Voisin. — 37 Franz Rode auf Grade. 38 Raimund Eyring auf Dr: Huth. — 39 Paul Haves auf Haves. nu on Reiclis- u. Staatsbehörden A 1 u mM l n 1 u m ] ) t als gut anerkannt und gekauft Man verlange Prospekt. Otto Nikolai, Boppard a. Rh. Versteigerumg eines Flugapparates. Am Samstag den 8. Oktober 1910, nachmittags 3 Uhr, zu Straßburg i. E. auf dem Polygon in der Halle des Herrn E. E. C. Mathis daselbst versteigere ich auf Grund des & 373 u. f. des Handelsgesetzbuches gegen Barzahlung: I Original-Antoinette-Flugapparat (Eindecker 50 HP 8 Zylinder). 206 J. Gross, Kaiserl. Gerichtsvolizieher, Straßburg, Finkmattstraße 4 I. Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte 6“ „Flugwesen unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Representant pour la France: E, Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 20. Frankfurt a. M., 19. Oktober 1910. Jahrg. II. Ueber eine neue, notwendige Bedingung für die automatische Seitenstabilität der Drachenflieger von H. Reissner-Aachen. In früheren Mitteilnngen') hatte ich über die wichtigste not- wendige Bedingung für die automatische Längsstabilität der Drachen- flieger mit Bezug auf die neuen Versuchsergebnisse iiber die Druck- punktwanderung einige Bemerkungen gemacht, aus denen ich mehr und mehr den. Schluß ziehe, daß infolge der wohl jetzt unzweifelhaft bewiesenen Umkehrung des Avanzinischen Gesetzes bei gewölbten Tragflächen d. h. infolge der starken Rückwanderung des Druck- punktes mit abnehmenden Einfallswinkeln die automatische Längs- stabilität wahrscheinlich nur mit erheblich flacher stehenden Schwanz- tragflächen oder mit sehr schmalen (Jalousie-) Tragflächen konstruktiv zu verwirklichen ist. Es war allerdings bei dieser Behauptung noch unsere Unkenntnis der Beeinflussung hintereinander geschalteter Tragflächen in Kanf zu nehmen. In den folgenden Auseinandersetzungen möchte ich anf die wichtigste, bisher nicht bekannte notwendige Bedingung der anto- matischen Seitenstabilität hinweisen, auf die ich durch Anwendung der Bryanschen Methode der kleinen Schwingungen unter Benutzung meiner Ansätze über die Seitensteuerung?) gekommen bin und anf deren ausschlaggebende Wichtigkeit und häufige Nichterfüllung in der Praxis mich sehr geschickte Zahlenrechnungen meines Assistenten Herrn Dipl.-Ing. K. Gehlen aufmerksam gemacht haben. Die schwierigen Betrachtungen über die Seitenstabilität haben bisher der sn frülı verstorbene Ferber®) und Deimler®) und zwar ') Flugsport 1910. 2) Zeitschr. f. Flugt. u. Motorl. 1910, Heft 9 u. 10. ») Revue d’Artillerie 1906. *) Dissertation Göttingen 1910. Seite 64 „FLUGSPORT“. No. 20 nach der Bryanschen Methode eingeleitet. In beiden Arbeiten wird man jedoch die hier gegebene notwendige Bedingung, trotzdem sie die einzige wesentliche neben der schon bekannten und im Folgenden auch behandelten Lage des seitlichen Druckcentrums hinter dem Schwerpunkt darstellt, nicht finden und zwar weil Ferber die mab- gebenden Dämpfungskräfte nicht einführt und Deimler das seitliche beim Kurveufahren entstehende Kippmoment der Tragflächen nicht berücksichtigt. Ferbers Rechnungen geben infolgedessen zu ungünstige, Deimlers Rechnungen zu günstige Ergebnisse. Der qualitative zu Grunde liegende Sachverhalt ist der folgende: Bei einer seitlichen Schräglage des Systems, d. h. bei einer Winkel- abweichung der Tragflächen von ihrer Normallage um die Längs- achse der Flugmaschine neigt sich auch die ursprünglich senkrechte Auftriebskraft der Tragflächen um denselben Winkel und bekommt dadurch eine wagerechte, seitliche Componente, die nach der tiefer liegenden Seite der Tragflächen gerichtet ist. Diese wagerechte Com- ponente sucht den Schwerpunkt der Maschine nach der tiefer liegen- den Seite der Flächen hin zu verschieben. Die Stabilitätsbedingung wird nun angeben, unter welchen Umständen diese seitliche Verschie- bung des Systems eine Rückdrehung, d. h. eine Rückkehr in den normalen Zustand bewirkt. Bisher glaubte man, daß dazu eine Lage der Vertikalflächen (Steuer und Leitflächen) der Maschine oberhalb des Schwerpunktes genüge, indem dann das System unter ihnen zu- rückschwinge; man übersieht aber, daß infolge des Ueberwiegens der hinteren Leitflächen das Ganze auch eine Schwenkung in der Hori- „ontalebene mit dem Kopfende nach der tieferen Seite hin ausführen wird, dab infolge dieser Schwenkung die höheren Tragflächenenden einen stärkeren Auftrieb erfahren und dadurch auf eine Verschlim- merung der Schräglage hinwirken werden. Es wird sich nun bei der quantitativen Auswertung dieser Einflüsse zeigen, daß die konstruktiv mögliche Höhenlage der Leitflächen und Seitensteuer nur einen ge- ringen günstigen Einfluß hat, daß es bei horizontalen Tragflächen vielmehr darauf ankommt, durch Gegenflächen weit vor dem Schwer- punkt die Schwenkung in den Wind zwar nicht ganz verschwinden zu lassen, aber stark zu vermindern, wenn man nicht zu Flächen- konstruktionen mit besonders großem seitlichem Widerstand übergeht.) Schließlich erweist sich aber das Mittel der V-Stellung der Tragflächen, das in neuerer Zeit, wenigstens bei Zweideckern, ver- nachlässigt worden ist, als besonders wirksam ohne die Richtkraft des Systems in den Wind zu beeinträchtigen, wenn es in dem richtigen Verhältnis mit der Vertikalflächenanordnung kombiniert wird. Im Allgemeinen enthalten die Stabilitätskriterien der Flugma- schine die Massenträgheitsmomente des Systems. Solche Kriterien mögen dynamische genannt werden. Das hier besprochene Krite- rıum dagegen gilt unabhängig von den Trägheitsmomenten und kann deswegen als statisches Stabilitätskriterium bezeichnet werden. Die rechnerische Ableitung soll nielit nach der strengen Bryan- schen Methode der Schwingungen erfolgen, sondern erheblich ein- facher aus den Gleichgewichtsbedingungen, was eben wegen des feh- !) Verf. denkt dabei an eine augenblicklich im Versuchsstadium befindliche Weilblechtragfläche eigener Konstruktion, über die demnächst berichtet wer- en soll. No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 635 enden. Hinflusses der Trägheitsmomente bei dieser Bedingung er- Daß die un Folgenden mitgeteilte Bedingung tatsächlich die ausschlaggebende ist und die anderen vier Bedingungen der kleinen Schwingungen wohl immer von selbst erfüllt sind kann allerdings auf Grund der folgenden Betrachtung nicht gezeigt werden. Es ge- winnt aber durch sie die mechanische Durchsichtigkeit. ” . _Wir fragen zunächst, wie groß die Drehmomente Lu. M um die Schwerpunkt-Längsachse der Maschine bezw. um die Schwer- punkt-Senkrechte sind, die infolge einer seitlichen Winkelabweichun p der Systemachse von der Bahntangente und infolge einer Bahn krümmung l/r (Schwenkung) entstehen, unter der Voraussetzung daß beide Grölien so klein sind, daß ihre Einflüsse unabhängig von ein- ander betrachtet und superponiert werden können. Nennen wir L- und M, die Drehmomente um die beiden oben genannten Aclısen infolge einer Krümmung 1 und L» und Mg, die Drehmomente infolge einer Winkelabweichung I, so dürfen wir für kleine I/r und @ die Einzeleinflüsse übereinanderlagern in der Form: 5 )....L=L4 tie p 2). ...M=M-+ ) M, — Mey Bevor die spezifischen Drehmomente L, M, L» My aus den Ap- paratabmessungen ausgerechnet werden, soll erst gezeigt werden, wie das Stabilitätskriterium allgemein abgeleitet werden kann. Wir stellen uns vor, daß die bei einem seitlichen Kippen ent- stehende, oben erwähnte seitliche Componente des Auftriebs eine seit- liche Geschwindigkeit des Schwerpunkts (Abtrieb) auch eine seitliche Winkelabweichung der Systemachse von der Bahntangente erzeugt hat. Wirkt um die Senkrechte kein Drehmoment M wie es etwa ) wo b die Entfernung eines parallel der Längsachse ' Tr ansgeschnittenen Tragflächenstreifens von der Mitte aus bedeutet. Der Luftdruck anf ein Tragflächenelement wird also: IND=cdFu*’(i+te) wo .d das Differentialzeichen, i + e den wirksamen Luftstoßwinkel einer " * a rm n #1 ar , . mit der Wölbungssehne unter i getroffenen Tragfläche bedeutet. Drücken wir n, durch u inter Beachtung der Kleinheit von b/r aus, so ergibt: sich dD=«dF (v + 22 u)G+te) PIE. n 2 See = ST No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 637 Dieser Druck auf ein Flächenelement hat die Verticalcomponente dD cos i und die Horizontaleomponente dl) sin 1. Die Verticalcom po- nenten. erzeugen das Drehmoment um die Längsachse cles Systems, las sich durch Summiernng über alle Flächenelenmeute ergibt. ‚2u . L,”=/dD cosib= c vos — 1+ of dF Die Horizontalcomponenten erzeugen das Drehmoment um die Verticale durch den Schwerpnnkt, clas sich ebenfalls dureh Summierung über alle Flächenelemente einer Tragfläche ergibt. 2n . M,? Jan sinib=esmiı — + ofy dk Hierin bedeutet /b®dF das "Trägheitsniomient einer Tragfläche inbez. auf die Schnittlinie der Fläche mit der verticalen Mittel-Längs- ebene und soll in Folgendem mit J bezeichnet werden. Durch die Bahnkrümmnng: entstehen aber auch Druckkräfte anf die Leitflächen, deren Druckmittelpunkte nicht auf der Schwerpunkts- verticalen liegen, indem das System bei einer Bahnkrümmung um diese Verticale mit der Winkelgeschwindigkeit u/r schwingt. Dabei bewegen sich die Leitflächen im Abstand & hinter dem Schwerpunkt mit. der Umfangsgeschwindigkeit Zu/r vom Krümmungsmittelpunkt der Bahn fort. Die aus u und Zu’r resultierende Geschwindigkeit ändert. sich dabei nur um höhere Potenzen von £&/r, aber es entsteht ein zu berücksichtigender kleiner Luftangriffswinkel Eu/m = Er =tg 9, =9p, und damit wird der Druck auf eine Leitfläche z. B. f, =cf, w Zr, der für positive &, also für die Schwanzflächen nach dem Krümmungs- mittelpunkt hinwirkt. Dieser Druck hat ein Drehmoment, um die Längsachse vom Betrage c f, u? E/rn, das das äußere Tragflächenende nach oben zu drücken sucht, wenn n die Höhenlage des Druckmittelpunkts über dem Schwerpunkt positiv ist; ferner ein Drehmoment um die Verticale x c f, u?=, das die Schwenkung um die Verticale zu hemmen und die r Bahnkrümmung zu hindern sucht. Durch Zusammenfügen aller dieser Drehmomente für alle 'rag- flächen und alle Leitflächen erhalten wir die gesuchten Coeffizienten unter Beachtung der Drehsinne d. h. der Vorzeichen IL,=cewW2fy L=—cwNf@Jite)cosi+fyE) M‚=cw3Bfg M, = — cr (2 3 (i + €) sini+tf E) Hier wird es Manchem die Anschanung erleichtern, sich zu er- innern, dah D fr; bezw. SfE das statische Moment aller Leitflächen um die Längsachse bezw. uın die Verticalachse des Systems bedeutet, daß ferner S f &2 das 'Trägheitsmoment aller Leitflächen um die Vertical- achse, &fEn das Centrifugalmoment um die Längs- nnd Vertical- achse sind. Die Stabilitätsbedingung la wird also: in 2(2JGte)sini+fE‘) 2 (2) +e)eositfüä)NtE > —y (J (ite) sini +f8:) | Seite 638 „FLUGSPORT“. No. 20 oder da der Klammerwert im Nenner stets positiv ist: 1b)Nfy- (2 Jüte) sinitfgr) —2fE => (2 J&+e) cos i +£nE) >0 Hierbei ist zu berücksichtigen, das M, und Mp wegen der Curs- haltung des Systems entgegengesetztes Vorzeichen haben müssen, daß also ÜfE positiv sein muß, was bedeutet, daß der Druckmittelpunkt des Verticalflächensystems hinter dem Schwerpunkt liegen muß. Wir werden sehen, daß es darauf ankommt, Sfn und & fE2 mög- lichst groß und ZfE möglichst klein zu machen d. h. die Vertical- flächen möglichst hoch zu legen und ihr Trägheitsmoment um die Verticalachse möglichst groß zu machen, ohne daß das statische Mo- ment um dieselbe Achse groß wird. Dabei hat man aber konstruktiv auf den Wert von Zfn wenig Einfluß. (Fortsetzung folgt.) Pariser Briei:. Von unserem Pariser Korrespondenten. Der 1. Internationale Aeronautische Salon*), der zu Paris am letzten Sonnabend seine Pforten öffnete, mußte als die glanzvolle Apotheose der für die Aviation im allgemeinen, im besonderen aber für die französische Aviation so bedeutungsvollen uni erfolgreichen Saison gelten, und es war vorauszusehen, dab seitens der einschlägi- gen Industrien die gewaltigsten Anstrengungen gemacht werden würden, um dieser Veranstaltung den Eclat eines grandiosen Blend- fenerwerks zu geben. Schon in den frühen Morgenstunden bot die mit Flaggenmasten und Blumenarrangements reich dekorierte Anfahrtstraße zu dem in- mitten der herbstlich öden Champs Elysees gelegenen Grand Palais ein eigenartiges und reizvolles Bild. Während hunderte fleißiger Hände in jener lautlosen Stille, die durch die Nähe eines feierlichen Moments erzeugt wird, bemüht waren, von haushoch beladenen Fuhr- werken aller Art die letzten Ausstellungsobjekte abzuladen, die ent- weder verspätet die Ateliers verlassen hatten oder infolge des Eisen- bahnausstandes nur mit Schwierigkeit von der Bahn-Abfertigungs- stelle herauszubekommen gewesen waren, rollten schon in langen Linien die Wagen und Automobile heran, welche die auserlesene Schar der geladenen Gäste heranbrachte. Und als pünktlich um 10 Uhr das gesamte Ministerium unter den Klängen der Marseillaise die Ausstellungshalle betrat, war diese schon mit einem zahlreichen und distinguierten _ Publikum dicht: gefüllt. Da fehlte auch nicht einer, der in der aviatischen Industrie eine Rolle spielt oder zu spielen glaubt. Beim Betreten der großen Ausstellungshalle bietet sich dem Be- schauer ein überaus vielseitiges Bild dar: Zunächst fällt das Auge auf den dicht am Eingang placierten Bleriot-Stand, auf dem vier mon- tierte Riesenvögel von mehr oder minder großer Reputation ihre gi- gantischen Flügel spannen. Dahinter, unter der die große Halle krönenden Kuppel, war ein Elırenstand in Rotundenform vorgesehen, *) Siehe a. d. Artikel „Vom Pariser Salon 1910“. — — No. 20 „FLUGSPORT"“., Seite 639 in den sich die vier Marken Antoinette, Maurice Farman, Cl&ment- Bayard und die französische Wright-Gesellschaft teilen. Im Mittel- stück schließt sich alsdann Henri Farman an, während die beiden lang auslaufenden Seitenflügel alle die übrigen bekannten Marken der einschlägigen Iudustrie aufgenommen haben. Am Plafond, dicht hinter der durch eine geschmackvolle Stern-Dekoration herausgeho- benen Mittelkuppel, bläht ein riesiger Lenkballon der „Zodiae“- Marke seinen gelben Leib, während in den Seitenflügeln einige gi- gantische Ballonkugelu über den Ständen der Ballonhüllenfabrikanten schweben. Das Gesamtbild mit seinen nahezu sechzig flugfertig montierten Aeroplanen verschiedenster Modelle ist ebenso eigenartig wie interes- Vom Pariser Salon 1910. Zweidecker Maurice Farman. sant. Unwillkürlich erinnert man sich des vorjährigen Salons mit seinen wenigen Flugmaschiuen und seinen zahllosen Modellen. In diesem Jahre ist es umgekehrt. Die Modelle sind weniger geworden die Ideen und Pläne scheinen unter dem voranstürmenden Elan der Flugbewegung feste Gestalt und Form angenommen zu haben. Ob sich auch alle die gehegten Hoffnungen verwirklicht haben, ist eine andere Frage. | Was dem Beschauer auf den ersten Blick auffallen muß, ist die verhältnismäßig geringe Berücksichtigung, welche der Gedanke der Sicherung von Leib und Leben der Aviatiker gefunden hat. Ange- sichts der vielfachen Unfälle der letzten Zeit hat es an Anregun Fon in dieser Hinsicht wahrlich nicht gefelilt, und ınan hätte Sncinen sollen, daß in diesem Salon wenigstens der Versuch gemacht werden würde, in der angegebenen Richtung einen Schrittt voranzukommen Was aber auf diesem Gebiete zu sehen ist, ist nicht nur spärlich, sondern zum großen Teile weder nen noch interessant. Vielleicht bleibt es einem besonderen Bewerbe vorbehalten, : in dieser für die Seite 640 „FLUGSPORT“. No. 20 Avsatik hochbedeutsamen Frage eine nutzbringende Entwicklung in Fluß zu bringen. Man hatte anfänglich die Absicht, während der Dauer des Sa- lons von den verschiedenen Flugplätzen in der näheren und weiteren Umgebung von Paris Fernflüge nach dem Grand Palais zu veran- stalten. Eine umfangreiche Organisation solcher Schauflüge, die in der Tat eine Wirkung auf das große Publikum nicht verfehlt hätte, war schon mit Rücksicht auf die erschwerenden Bestiminungen, welche die Pariser Polizei-Präfektur für Flüge und vor allen Dingen für Landungen über und ın Paris erlassen hatte, kaum durchzufüh- ren. Nichtsdestoweniger hatten am Eröffnungstage einige tatendur- stige Aviatiker, allen behördlichen Bestimmungen trotzend, Flüge nach Paris unternommen, und wenn sie es auch nicht wagten, vor dem Ausstellungs-Palaste zu landen, so ließen sie es sich nicht neh- men, über ihm hoch in den Lüften zu kreisen und so das vieltausend- köpfige Publikum, das ihnen begeistert zujubelte, zu stürmischen Kundgebungen hinzureiben. Und innen in der Ausstellung wogte und drängte eine unabseh- bare Schar Schaulustiger, so dab es stellenweise geradezu unmöglich war, voran zu kommen. Gewiß, das sind zum überwiegenden Teile Neugierige, die „mit dabei sein“ wollen. Immerbin spricht die Tat- sache, daß die Ausstellungsräume schon am ersten Tage überfüllt waren, für die außerordentliche Popularität, deren sich die Aviation in Frankreich, und namentlich hier in Paris, in allen Schichten der Bevölkerung erfreut. Als gegen Abend, kurz vor Schluß der Aus- stellung, bekannt wurde, daß draußen über der Riesenkuppel des : Grand Palais einige Aeroplane evolutionierten, da ging es wie ein Lauffeuer durch die dichten Massen, und in lebensgefährlicher Hast stürmte alles den Ausgängen zu, um das oft. gesehene Schauspiel von neuem zu genießen. Erst war Legagneux allein gekommen, dann kam er ein zweites mal mit Martinet als Passagier, und gleichzeitig hatte sich auch Wynmalen aufgemacht, um der aviatischen Ausstel- lung seine Huldigung darzubringen. Während Legagneux zuerst den Eiffelturm in mäßiger Höhe umkreiste, beschrieb Wynmalen über dem Grand Palais seine eleganten Kurven, und hier traf dann auch kurz nachher Legagneux ein. Die beiden Farman-Apparate nahmen schließlich ihren Weg wieder ihrem Abflugsorte zu. Der Flug Le- gagneux’s mit Martinet an Bord seines Apparats war der erste Passa- 'gierflug über der Stadt Paris. Wie es heißt, sollen diese Luftbesuche gewissermaßen nur das Präludium zu dem Fernfluge Paris-Brüssel bilden, der dieser Tage mit allem Eifer vorbereitet und versucht werden wird. Bei diesem Fernflug Paris-Brüssel handelt es sich bekanntlich um den vom Automobil-Club de France ausgesetzten „Grand Prix d’Avi- ation“. Nach dem verunglückten Versuche von Mahieu und Loridane, diese Lorbeeren an sich zu bringen, ließen mehrere andere Aviatiker verkünden, daß sie nunmehr das Experiment aufnehmen wollen. Parisot, Wynmalen und Legagnenx bereiten sich seit mehreren "Tagen vor, mit je einem Passagier an Bord, wie es das Reglement vor- schreibt, den Flug zu unternehmen, und zwar wird Legagneux von Martinet, Wynmalen von Dufour begleitet sein. Uebrigens soll der Versuch des Paris-Ölermont-Ferrand-Fluges in Kürze von Tabuteay, dem erfolgreichen Pyrenäen-Flieger, sowie No. 20 . „FLUGSPORTT. Seite 641 von Weymann, der schon einmal un diesen Preis gestartet: hatte und, wie seinerzeit berichtet, zwar die gleiche Distanz geflogen, aber vom rechten Wege abgeirrt war, erneuert werden. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Baronin de Laroche, die in Reims seinerzeit so schwer stürzte, nahezu vollständig herge- stellt ist. Jedenfalls trägt die junge Dame anch nicht das geringste äußere Anzeichen ihres Unfalles, ıınd sie soll sogar die Absicht haben, sehr bald wieder sich der Aviatik zuzwwenden. Kurz vor der Ansreise nach Amerika zur Teilnahme am Gor- don-Bennett der Aviation, wohin die Franzosen, mit Ausnahme des von seinem letzten Unfall noch nicht ganz wiederhergestellten Labonchere, sich nun bereits begeben haben, haben sie sämtlich auf.den verschiedenen Flugplätzen noch ernste 'Trainierungsflüge vorgenommen, wobei na- mentlich Latham sich hervortat, indem er erstaunliche Geschwindig- keiten zu erzielen wußte. Anstelle von Labouchere hat man nrın Aubrun delegiert, sodaß entgegen der Entscheidung des Vorlaufs nicht zwei Antoinette (Latham, Labouchere) und ein Bleriot. (Leblanc), sondern ein Antoinette und zwei Bleriot die französischen Farben drüben zu verteidigen haben wergen. Aber auch sonst ging es in Monrmelon interessant zu. Wyn- malen vermochte den von dem kurz vor seinem 'Todessturze zu Do- modossola von Chavez aufgestellten Höhenrekord von 2680 m noclı um 100 m zu überbieten, indem er die offiziell registrierte Flug- höhe von 2780 m erreichte! Wie vorher beits erwähnt, übte sich Latham vornehmlich im Schnellfliegen. Bei einem dieser Versuche auf seinem Antoinette-Eindecker mit einem 16 Zylinder 100 PS An- toinette-Motor führte er einen Flug während 35 Minuten mit 118km Stundengeschwindigkeit aus. Ein neuer Pilot, namens Train, flog mit einem Eindecker eigener Konstruktion, der einen Fünfzy- linder Anzani hat, während 1'/J, Stunden. Auch ein leibhaftiger. Prinz tummelt: sich jetzt zu Mourmelon in den Lüften: der Prinz von Orleans, der gegenwärtig in der Antoinette-Schule zu Mourmelon seine Unterweisung erhält, ist ein Sohn der Infantin Eulalia von Spanien, der Tante Alfons XIII. Neben diesem prinzlichen Aviatiker üben bei Antoinette unter Laffonts Leitung der Leutnant Clavenad, sowie Chevalier, Neri, Goffin, Gobe u. a. m. mit gutem Erfolge. Gastambide, der bekannte Ingenieur-Konstruktenr, der in (femein- schaft: mit Mengin seinerzeit einen der ersten französischen Eindecker gebaut hat, hat jetzt gleichfalls für Antoinette mit der Ausbildung von Piloten begonnen. Bei Koechlin kommen Denis, Frantz und Madame Niel anscheinend weiter voran. | In Etampes, welches der als Aviationslchrer sehr beliebte Far- man-Pilot Herbster verlassen hat, um einem Rufe als Direktor und Chef-Pilot der Schule von Maurice Farman zu Buc zu folgen, ereig- nete sich am letzten Sonnabend ein Unfall. Brehat unternahm auf einem Bleriot-Eindecker die vorschriftsmälsigen Prüfungsflüge zur Er- langung des Pilotenpatentes und langte eben naclı dem dritten Flnge vor seinem Schuppen an, als er in ciner Höhe von 25 ın von Brögi, der sich soeben erheben wollte, ohne den landenden Brehat gewahr zu werden (?!), angerannt. Beide Apparate, die heftig zusaınmenge- stoßen waren, stürzten zur Erde, wobei beide Piloten etwa 10 Meter weit aus dem Sitze herausgeschleudert wurden. Bregi hat ziemlich | No. 20 Seite 642 „FLUGSPORT“. erhebliche Verletzungen am Kopfe davongetragen, während Brehat beide Beine gebrochen hat und auch sonst so schwere Verletzungen erlitten hat, dab sein Zustand bedenklich erscheint. Abgesehen hier- von arbeitete die Bleriotschule zu Etampes mit gutem Erfolge, und namentlich Lemartin, Semeniuk, Thomas, de Villenenve, de Trans, Perreyon, Beart und Charpentier taten sich vorteilhaft hervor. Einige Neulinge, wie Graf Boisse, de Conrcenay, Foye, konnten schon län- gere Flüge ın gerader Linie ausführen. Bei Henri Farman unter- ualımen die Lentnauts Bousqnet und Crombez weitere Ueberland- flüge, während der vorübergehend anwesende Weymann einen viel bemerkten Gleitflug mit einem Passagier ausführte. Bei Tellier hat Becne mit einem Apparat dieser Typ, der einen neuen 60 PS-Panhard- Motor bekommen hat, einige gelungene Flüge ausgeführt. In Issy-les-Moulineaux flog dieser Tage Grandseigne mit seinem Caudron-Zweidecker über einem manövierenden Regiment dahin und erregte den Beifall und das Staunen der Vaterlandsverteidiger, Cham- pel probierte einen neuen Voisin, mit dein er längere Ueberlandflüge zu unternehmen gedenkt. Oolliex ist noch immer mit der Ingang- setzung des früher bereits erwälinten neuen Eindeckers Voisin be- schäftigt ; es scheint, daß da etwas nicht „klappt“. In Chartres geht es in der Schule von Honury recht lebhaft zu. Gastinger, Le Coutellee, Metant, Rivollier, Longueville erziclen hübsche Flüge. Lentnant de Driey vermochte dieser Tage, trotz heftigen Windes, einen ansehnlichen Flug zustande zu bringen. In der Savary-Schule haben die Leutnants Harle und Pelloux ıhr Pilo- tenpatent erworben. In Juvisy herrscht Stille. Nur Auger und Zorra, letzterer der Sekretär der unternehmenden Avia-Pilote-Gesellschaft, mühen sich ohne sichtlichen Erfolg, voranzukommen. Zorra stürzte dieser Tage aus ganz geringer Höhe ab und beschädigte seinen Ap- parat ziemlich erheblich. Zu Reims, in der Hanriotschule, üben Chassagne, Kolkhoven und Xaver Martin mit gutem Erfolg. Vidard bleibt bei einem Flug- versuch bereits 35 Minuten in der Luft. In Pont-Levoy (wo Morlat mit einem neuen Eindecker heraus- gekommen ist), in Nevers (wo jetzt Daillens seine Schauflüge auf seinem Zweidecker Sommer ausführt), in Douai (wo Breguet bis vor kurzem recht bemerkenswerte Ueberlandflüge ausführte), in Villacou- blay (wo Graf Lambert seine Versuche mit einem neuen Wright fortsetzt, wobei er die Maschine mit 210 kg Nutzgewicht belastet) wird die Arbeit fortgeführt. Besonders eifrig geht es jetzt in Buc bei Maurice Farman her, der von den französischen Offizieren augenschieinlich stark bevorzugt wird. Leutnant Binda unternahm am Freitag auf einem Aeroplan dieser Type einen Flug von Buc nach dem Militärübungsplatze von Chartres und von dort zurück nach seinem Aufstiegort, wobei er im ganzen 150 km in 1 Stunde 40 Minuten hinter sich gebracht hat. Auch Loridan und Renaux üben fleißig. Bei Esnault-Pelterie haben Pierre Marie und Laurence einige knrze Flüge zu Wege gebracht. Im allgemeineu hat jetzt die Meetings-Stimmung ganz bedeutend nachgelassen und, abgesehen von einigen bedeutungslosen (derartigen Veranstaltungen, wie dem Meeting von Mening, bei dem Verrept. seinen Apparat zertrümmerte, und demjenigen von Valenciennes, das nn nn Seite 643 No. 20 „FLUGSPORT“. dieser Tage vor sich gehen wird, spricht man hier nur noch von „großen Sachen“. Der Mißerfolg der letzten großen Meetings, wie Reims (mit einem Defizit von 500000 Francs), Nizza (mit einem Defizit von 550000 Francs), Bourmemouth (mit eineın Defizit von 10000 Pfd. Sterlg.), Lanark (mit einem Defizit von 8400 Pfd. Sterlg.) mögen wohl nicht zum wenigsten zu der gegenwärtigen großen Meetings- Unlust beigetragen haben und alles Interesse wendet sich den ein- zelnen Bewerben und Fernflug-Veranstaltuugen zu. ARTEN ee, Rt Vom Pariser Salon 1910. m - Voisin Militär-Typ mit Geschütz. (Seiten- u. Vorderansicht ) Etwas „zielbewußter“ werden die Aviatiker doch wohl zu Wege gehen müssen, wenn sie reussieren wollen. Geld zu verdienen haben sie Gelegenheit genug, denn abgesehen von einigen ganz großen Preisen, von denen wiederholt und auch heute die Rede war, sind nach einer von einem hiesigen Fachblatte aufgestellten Statistik noclı recht ansehnliche Sümmchen bis zum 1. Januar zu gewinnen. Ans der langen Blütenlese seien nur der „Preis Deutsch de la Menurtle“ Seite 644 (30000 Frances), der „National-Pokal der Aviation“ (Paris-Orleans LO000 Franes). der Grand Prix Michelin (100000 Francs), der „Pokal Michelin“ (160000 Francs), genannt. Auch sonst sind noch einige interessante Bewerbe iın Gange, s0 derjenige „Bonlogne-Folkestone“, um clen Preis Forest, um den sich, wie verlautet, ein Eneländer, namens Wyckham, der dieser N'age in Calais zur Besichtignug des „Terrains“ war, bewerben will; der „Preis Touche-atout, für einen [ranzösischen und von einem Franzosen gestenerten Apparat, der die gröbte Flugdistanz, aber nicht weniger als 60 km, in geschlossenen Kreise zurückgelegt haben wird. Uebrigens will noch ein zweiter Engländer, Colinore mit Namen, den Kanalflıg von Bonlogne nach Folkestone unternehmen. Er hat seme ursprüngliche Absicht, allein zu starten, aufgegeben nnd will nun zusammen mit dem vorerwähnten Wycekhanı abfliegen. Ein eigenartiger Unglücksfall passierte am letzten Sonnabend. Der Aviatiker Baillod von Lyon, der seit einigen Tagen auf dem Flugfelde von Limoges mit einem Hanriot-Eindecker Schanflüge ver- anstaltet, hatte für den Sonnabend-Nachmittag wieder eine seiner Flugvorstellungen angekündigt. Eine ungeheucre Menschenmenge hielt das Flugfeld und die angrenzenden Straßen dicht besetzt. Nach- dem der Motor mit ciniger Müho in Stand gesetzt war, flog der Apparat ab. Kaum hatte er 50 Meter zurückgelegt, als er mit, einem Flügel gegen einen Leitungspfosten der elektrischen Straßenbahn stieß, infolgedessen der Apparat sich ansclhickte, auf ein dicht von Menschen besetztes Trottoir herabzusteigen. Baillod stellte die Zündung ab, trotzdem aber erfaßte die noch im vollen Schwunge sich befindliche Schraube ein junges Mädchen von 14 ‚Jahren, die Tochter des Balın- hofsvorstehers, lem sie den Kopf buchstäblich wegriß. Einem da- neben stehenden Mädchen wurde die Stirn gespalten. Noch mehrere andere Personen erlitten, zum Glück weniger verhängnisvolle, Ver- letzungen. Der infolge des traurigen Vorfalls fast wahnsinnige Aviatiker mußte von seinen Freunden mit Gewalt am Selbstmord verhindert: werden. Er ist festgenommen und sein Ajparat konfisziert: worden. Zu bemerken ist, daß die Polizeibehörde für die ihr ge- fährlich erscheinenden Schauflüge Baillods die Verantwortung nicht übernelımen wollte und dicse deshalb ausschließlich den städtischen Behörden überlich. Der belgische Aviatiker Van den Born war dieser Tage hier, um auf der Durchreisc nach Marseille Abschied zu nehmen; er hat sich nach Indo-China, China und Japan begeben, wo er aviatische Vorführungen veranstalten will. Von dort wird sich Van den Bom nach Nordemerika begeben. Dali auch die Franzosen in die exotischen Länder gehen und ihre Fliegekunst dorthin tragen wollen, habe ich bereits erwähnt. Die Verwirklichung der Projekte für die Durchquerung der Saharah von Südalgier nach Timbuktu hat neuerdings, von militärischen Kennern der in Betracht kominenden Gegenden gefördert, eine große Wahrscheinlichkeit angenommen. Kbenso wird mit der Einführnng der Aviation in den französichen Kolonien am Senegal, am Niger, in Guinea, an der Elfenbejuküste Erust gemacht und die betreffenden Generalgouverneure. die von dem zuständigen Ministerium mit ent- sprechenden Verhaltungsmaßregeln verschen worden sind, betreiben No. 30 „FLUGSPORT“. Seite 645 die Durchführung der Projekte mit anerkennenswertem Eifer, und „war dies umsomehr, als sic persönlich sich als begeisterte Anhänger des Flugsports bekunden. Es ist also zu erwarten, dab in absehbarer Zeit ein reguläres nnd weitausgedehntes Flugnetz die einzelnen frau- zösischen Kolonien überspannen wird. Die erste Nntzanwendung will die Postverwaltung darans ziehen; sie bereitet sich schon allen Ernstes auf eine regelmäßige Pöstbefördernng vermittelst der Aeroplane inner- halb der Kolonien vor. Aber auch in Frankreich selbst faßt man bekanntlich che Iu- stallation solcher regelmäßiger, allerdings weniger «der Befördernug von Gütern und Postsäcken, als dem Tourisums gewidmeten Lnft- Verkehrslinien ins Auge. Viele der ersten interessierten Vereiigungen Vom Pariser Salon 1910. Oben: Zweidecker Breguet. Unten: Zweidecker Sloan & Cie. arbeiten mit großem Eifer und mit Gründliehkeit an Projekten, die der Verwirklichung dieses Gedankens gewidmet sind. Es ist deshalb natürlich, daß man sielı sowohl an diesen Stellen, wie auch seitens der Aufsichtsbehörden ernstlich mit der Frage zu beschäftigen begiunt, wie der Luftverkehr der Zukunft am zweckdienliclsten zu regeln ist. So hat jetzt beispielsweise auch der große und bekannte „Tonring- Club de France“ seine Bereitwilligkeit erklärt, an der Organisation des Lufttourismus mitzuwirken. Es ist dies eine Entschetdung, die für die zukünftige Entwicklwig der in Rede stehenden Probleme von allergrößter Wichtigkeit sein kann. Auch eine nene Vereinigung hat sich unter der Bezeichnnng „Association Gencrale Aernonautigqne* gebildet, welche die Förderung nnd die Popnlarisiernng des Luft- Tonrisinns zur Anfgabe hat. Der Acro-Club de France hat eme be- sondere kartographische Kommission mit der Ausarbeitung geeigneter Seite 646 „FLUGSPORT“. No. 20 Projekte beauftragt. General Roques, Abteilungsdirektor im Kriegs- ministerium, ist Präsident dieser Kominission. Viele Aero-Clubs und sportliche Vereinigungen haben sich der Bewegung angeschlossen. Weniger erfreulich ist es, dab sich auch die Polizeibehörden, vielleicht im selbstverständhchen Interesse der öffentlichen Sicherheit, in die Frage mischen und zwar tut dies besonders nachdrücklich der Polizei- Präfekt mit einer „Verordnung“, in der er nicht nur das Landen, sondern auch das Ueberfliegen von bewohnten Ortschaften verbietet. In denjenigen Fällen, wo sich das Ueberfliegen von solchen Ort- schaften dnrchaus nicht vermeiden ließe, soll es jedenfalls in einer so beträchtlichen Höhe geschehen, daß die Aviatiker im Falle eines Motorendefektes die Möglichkeit haben, im Gleitfluge anßerhalb der Ortschaften zur Erde zu kommen. So gut gemeint diese Verordunng ist, so wird sie sich in der Praxis selbst bei bestem Willen der Piloten häufig nicht gut befolgen lassen, denn cin wesentlicher Teil der Landungen erfolgt heute, „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe“. Dagegen hat der Aero-Club de France die Initiative in zwei Fragen ergriffen, die von allgemeiner Bedeutung sind und wohl überall mit Interesse verfolgt werden. Zunächst hat er beschlossen, sich mit dem Ersuchen an die Föderation Asronautique Internationale zu wenden, eine neue Formel für die Geschwindigkeitspreise in der Aviation aufzustellen. In den meisten der bisherigen Meetings und Bewerbe war es üblich, einen Geschwindigkeitspreis über eine be- stimmte Kilometerzahl, rings um die Aerodrompfosten herum, zu be- stimmen, wobei die Flughöhe nicht in Betracht kam. Bei dem Vor- schlage des Aero-Club handelt es sich, wenn man sich so ausdrücken darf, um einen „vertikalen“ Bewerb, bei dem die Teilnehmer nach der Geschwindigkeit klassifiziert werden sollen, mit der sie Höhen von 500, von 1000 oder von 1500 Metern erreicht haben werden. Es wird das eine Art von Aufstieg-Bewerb sein, der sicherlich nicht muinteressant ist. Die andere Frage betrifft die Höhen-Messung : der Aero-Olub wünscht, daß in Zukunft ernstere und zuverlässigere Methoden zur Höhenfeststellung angewendet werden. Bekanntlich werden über die in den Meetings von den Luft-Virtuosen erreichten Flughöhen häufig recht phantastische Zahlen gegeben. Der Aero- Club verlangt, daß andere Methoden eingeführt werden, welche eine absolut zuverlässige Feststellung der Flughöhen ermöglichen. Eine interessante Entscheidung hat auch kürzlich der französische Marineminister getroffen, indem er die Bestimmung traf, daß ein Kreuzer, der „Fondre“, künftig als Begleitschiff von Aeroplanen zu ‚fungieren ‚habe. Der genannte Kreuzer zweiter Klasse, der im Jahre 1895 vom: Stapel lief und 6000 Tons Wasserverdrängung hat, ist 114 Meter lang und 15 Meter breit. Sein Deck wird augenblicklich von allem Oberbau befreit und derart eingerichtet, daß es zur Auf- nahme von Aeroplanen, nachdem diese als Rekognoszierungs-Apparate über dem Meere evolutionniert haben, dienen kann. Auch dies zeigt ein bemerkenswertes Verständnis der französischen Verwaltungsbehörden für die Entwicklungsuotwendigkeiten der Aviation an. Parallel ınit «dein Bestreben, die Aviation mit allen Kräften zu fördern, geht der nur allzu natürliche Wünsch, sich gegen „die anderen“ Klugmaschinen wirkungsvoll zu verteidigen. So befindet No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 647 sich augenblicklich ein Amerikaner hier, ein Maın namens Goldberg aus Chicago, Direktor einer großen dortigen elektrischen Fabrik, welcher ein Verfahren gefunden hat, vermittelst dessen alle Aeroplane und Lenkballons durch die Elektrizität unfelilbar vernichtet werden. Der Erfinder kommt, wie es heißt, aus Berlin und Wien und will in Frankreich seine Patente verkaufen. Hier nimmt man die Sache nicht allzu ernst. Einen originellen Preis hat ein französischer Oberst für die Aviation ausgesetzt. Er ist bestimmt für denjenigen Aviatiker, der während des laufenden Jahres noch, also vor dem 31. Dezember, eine photographische Aufnahme einer Stelle oder eines Objektes bringt, das vorher von dem Kommissar des Bewerbs dem Bewerber bestimmt worden ist. Den Punkt des Abflugs kann der Pilot selbst wählen. Ebenso kann er einen beliebigen photographischen Apparat naclı eigener Wahl benutzen. Im Moment des Abflugs wird der Kommis- sar den aufzunehmenden Punkt oder Gegenstand dem Bewerber be- zeichnen, ıınd die Negativ-Aufnahme muß spätestens 24 Stunden nach j Fe: Vom Pariser Salon 1910. Bieriot Militär-Typ. erfolgtem Abflug abgeliefert werden. Zu bemerken ist, daß die’Auf- nahme entweder durch den Piloten selbst oder durch eine an Bord befindliche Begleitperson erfolgen kann. Der aufzunehmende Punkt oder Gegenstand wird sich innerhalb eines Radius von 5 km vom Abflugsorte aus befinden müssen. Eine interessante Frage ist durch die aviatischen Unfälle der letzten Zeit auf die Tagesordnung gekommen: die Frage, ob es an- Seite 648 200.» FLUGSPORT“. No. @ gezeigt: erscheint, die Erlangung des Pilotenpatents schwieriger zu gestalten, als bisher, sodaß die Anzahl derjenigen, die sich in den Besitz des Patents setzen können, wesentlich verringert. Denn wenn der Acro-Club jetzt 200 derartige Patente bewilligt hat, so ist es un- zweifelhaft richtig, daß, wein die Dinge sich so in gleicher Weise fortentwickeln, wir in einem Jahre in Frankreich anstatt der 200 paten- tierten Aviatiker-Pilnsten deren 2000 haben werden. Naclı den heutigen Bestimmungen setzt sich derjenige, welcher drei Probeflüge von 5 km glücklich vollbracht hat und innerhalb eines Umkreises von 100 Metern von einem vorher selbst bestimmten Punkte ge- landet hat, in den Besitz eines Patentbriefes, der ilın das Recht ver- leiht, sich an allen Meetings zu beteiligen. Unter den auf diese Weise erlangten Patenten sind ohne Zweifel nicht wenige, die nur die Unzmlänglichkeit dessen, der sie erhalten hat, dartun Bei den Prüfungsflügen ist: niemals die Rede von der Flughöhe und doch wird jeder Aviatiker wissen, daß das ein wesentlicher Punkt für den Fliegenden ist. Ebenso wenig wird eine Selbst-Orientierung bean- sprucht oder sonst: eines jener Details, die es dahin bringen könnten, daß die Aviation als in die Domäne der praktischen Dinge einge- treten bezeichnet werden könnte. Hier in Frankreich wird vielfach befürwortet, daß das Pilotenpatent in Zuknnft nicht mehr auf so leichte Weise erhältlich sei, wie bisher. Es würde das auch unbe- dingt heilsam sein, weil es den jetzt überland nehmenden „Snobis- mus“ ‚in der Aviation hintanhalten würde. Mit besonders lebhaftem Interesse blickt man hier auf die Vor- gänge in den Vereinigten Staaten, wohin jetzt, wie vorher erwähnt, auch die französischen Aviatiker abgegangen sind, um im heißen Wetistreite den Vorrang in der Aviation zu verteidigen, Als ein ge- wissermabßen tröstendes Präludium sieht man hier die schöne Leistung Leblanes an, der in Saint-Louis den Geschwindigkeits-Rekord schlug, indem er die Meile (also 1609,30 Meter) in 53 Sekunden, also mit einer durchschnittlichen Stundengeschwindigkeit von 109,3 km zurück- legte. Der Meilen-Rekord ist in Frankreich nie konstatiert worden, sodaß Leblane damit einen neuen Rekord geschaffen hat, indem er gleichzeitig die bisher beste Geschwindigkeit (von 106,508 km über 5 km durch Morane am 10. Juli 1910 im Meeting von Reims) über- traf. Man sieht diese Leistung Leblancs hier vielfach als ein un- trüglich ‘günstiges Vorzeichen für das Gordon Bennett an. Aber die Franzosen werden doch wohl mit den Amerikanem, die in der Aviation einen ganz gewaltigen Anlauf genommen haben, zu rechnen lıaben. Am besten wird die rapide Entwicklung der flugsportlichen Be- 'strebungen jenseits des großen Wassers durch die zahllosenFernflug-Unter- nehmungen illustriert, die drüben im Gangesind. Brookins, der auch in der alten Welt einen wolilbegründeten Namen hat, vollbrachte vor kurzem einen Flug auf seinem Wright-Zweidecker von Chicago nach Spring- feld, eine Distanz von 192 Meilen (rund 309 km), für die er, ein- schließlich der Zwischenlandungen, eine Zeit von 7 Stunden 10 Min. benötigte. Die erzielte mittlere Geschwindigkeit beträgt 51,480 km die Stunde. Brookins, der damit den „Herald“-Preis in Höhe von 10000 Dollars an sich brachte, steht aber drüben nicht allein. Am Freitag: hat, gleichfalls zu Saint Lowis, der Aviatiker Welsh in einem Ausdauer-Bewerb einen nnunterbrochenen Flug von 3 Stunden 5 Min. 40 Sek. zu Wege gebracht und damit einen neuen amerikanischen No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 649 Rekord für Dauerflüge aufgestellt. „Nach berühmten Mustern“ arrangiert man in den Vereinigten Staaten jetzt munter die gigan- tischsten Feruflüge, die, wiealles drüben, einen Stich ins Unübertreff- bare haben. Von Saint Louis naclıı New-York (eine Gesamtdistanz von 1650 km), ein Flug von Waslıington nach Baltimore und zurück (128,700 km), eine Luftpromenade von Chicago nach New-York (eine Entfernung von 1460 km), die von Eugen Ely versucht, aber nach mehreren mißglückten Anläufen aufgegeben wurde, und nun wird von "William Randolph Hearst, dem Besitzer verschiedener amerikanischer Zeitungen, ein Preis von 50000 Dollars für einen amerikanischen „Circuit“ bestimmt, der am 24. Noveinber seinen Anfang nehmen und über folgende gewaltige Strecken führen soll: 24. Novem- ber Saint Louis—-Ciueinnati (500 km), 27. November Cineinuati-- - Columbus (200 km), 30. November Columbus—-Oleveland (304 km), 3. Dezember Öleveland—Harrisburg (396 km), 6. Dezember Harris- burg—Philadelphia (150 km), 9. Dezember Philadelphia—New-York (100 km), also eine Durchquerung der Vereinigten Staaten. Für jede der genannten Etappen ist eine Flugzeit vou 48 Stunden bewilligt mit beliebig vielen Zwischenlandungen. Die bekannte Patent - Streitgeschichte zwischen den Brüdern Wright und den französischen Konstrukteuren hat uns dieser Tage ein „Jubiläum“ gebracht: Vor einem Jahre war es, am Eröffnungs- tage des ersten Pariser Salons, als die Compagnie Generale de Navigation Aörienne, wie wir seinerzeit gemeldet hatten, bei mehreren Konstruk- teuren wegen Verletzung der Wright’schen Flächenverkrümmungs- Patente Beschlagnahmungen vornehmen ließ und heute, nach einem Jahre, während der zweite aeronautische Salon im Glanze seines Festschmuckes erstrahlt, steht der erste Termin in jener leidigen Sache an. Die von den Wrigts verfolgten Firmen sind: Antoinette, Bleriot, Henri Farman, Gebrüder Farman, Clement-Bayard, Santos Dumont, Fernandez, Robert Esnault-Pelterie, Compagnie Aerienne, Office d’Aviation, Banque d’Automobile, Koechlin. Und noch ein zweites Jubiläum haben wir zu verzeichnen, ein Jubiläum, das freilich in der überhastenden Fille der Ereignisse sang- und klanglos vorübergegangen ist: Zwanzig Jahre sind es am 9. Oktober gewesen, daß Ölemens Ader auf einem Felde bei Armanvillers, in Gegenwart seiner zwei treuen Mitarbeiter Vallier und Espinosa, den Erfolg hatte, daß sich seine „Eole“, sein Flugapparat, sein Lebens- werk, dem er Vermögen und Stellung und Zukunft geopfert hatte, zum ersten Male vom Boden erhob und während mehrerer Sekunden in der Luft schwebte, wobei er eine Distanz von 50 Metern von der Aufstiegstelle zurücklegte! Eine wahnwitzige Freude bemächtigte sich der drei Männer, die von aller Welt als „Narren“ verspottet wurden. Und heute, zwanzig Jahre später, feiert die Aviation ihre unvergleich- lichen Triumphe, von Erfolg zu Erfolg schreitet die moderne Be- wegung, draußen in den Champs Elysees schen wir ein halbes hundert Flugmaschinen vereinigt, die Siege auf Siege gehäuft und sich die Luft, die Elemente unterjocht haben. Under, Ader, er kann an dem Jubel, an dem Siegestaumel nicht teilnelımen, weil er, von allen ver- lassen, verhöhnt, ruiniert, wirklich das geworden war, als das man ihn bezeichnete, weil er den Boden für die heutige Saat zu bestellen bemüht war. — — Tragödie des Lebens... ... R. Seite 650 „FLUGSPORT“. No. 20 Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) " Dank der großen Erfolge, welche die militärische Aufklärung durch Flugmaschinen bei den französischen Manövern erzielte, hat die englische Heeresverwaltung sich jetzt entschlossen, die aviatischen Heereseinrichtungen neu zu organisieren. Es ist eine Reformation an Haupt und Gliedern geplant. Der bisherige Leiter, Oberst J. E. Capper, der die Ballonschule in Farnborough seit 7 ‚Jahren geleitet und die militärische Bedentung der Aviatik schon seit einem Jahr- zehnt betont hat, obwohl damals alle Engländer noch darüber lach- ten, wird diese Stellung nun aufgeben und ersetzt werden durch den Major Sir A. Bannerman, der einerseits in dem Rufe eines sehr be- fähigten Ingenieur-Offiziers steht und andererseits mit der kriegs- mäßigen Seite der Luftschiffahrt sich seit Jahren beschäftigt hat. Da die bisherigen Einrichtungen in Farnborough für die neue Entwick- lung viel zu klein sind, ist eine bedeutende Geldsumme für Neuer- richtung von Gebäuden und Schuppen ausgesetzt, und überhaupt hat das Kriegsministerium seinen Entschluß ausgesprochen, daß keine Kosten gescheut werden sollen, um das Institut auf die Höhe des gegenwärtigen Flugwesens zu bringen. Für die Leitung der militärischen Flugübungen war früher Rolls in Aussicht genommen. Nach seinem tötlichen Unfalle in Bournemouth war Kapitän Bertram Dickson der gegebene Leiter, der sich auch bei den englischen Manövern freiwillig mit einer Flug- maschine beteiligte. Der dabei benutzte Biplan war ein „Bristol-Bi- plan“ der Firma British and Colonial Aeroplane Co. in Bristol. Nun hat aber auch Dickson auf dem Flugmeeting in Mailand einen schweren Unfall erlitten, indem sein Monoplan mit einem unter ihm fliegenden Biplan zusammenstieß. Es ist bisher fraglich, ob Dickson so weit wieder hergestellt werden wird, um den erwähnten arbeits- reichen Posten übernehmen zu können. Besondere Hoffnungen setzt man in England auf die Benützung des Aeroplans im Seekriege, und zwar zum Schutze gegen Untersee- boote, welche den Schlachtschiffen immer gefährlicher werden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß man aus der Höhe eines Ballons auf den Grund des Oceans sehen und Dinge unter dem Wasser, z. B. Fische, beobachten kann. Es können daher die Bewegungen der Unter- seeboote nicht mehr unbeobachtet ausgeführt werden. Ebenso kön- nen dann vom Aeroplan ans Seeminen und Unterwasser-Befestigungen entdeckt werden. Bei einer Höhe von 150 m ist eine Flugmaschine natürlich ein geeignetes Objekt für Gewehrfeuer, aber darauf werden die Kon- strukteure wohl später Rücksicht nehmen. Vielleicht steht es auch mit solchen militärischen Plänen in Verbindung, wenn der bekannte Ingenieur F. W. Lanchester, dessen Aeroplan-Konstruktion. wır vor kurzem erwähnten, seinen Aeroplan gänzlich aus Metall herstellen will. Im übrigen hört man, daß die Konstruktion Lanchesters ganz den Linien folgen wird, welche er schon im Jahre 1897 in einem englischen Patente festgelegt hat. Während die Verwendung des Aeroplans im Kriege nın schon erprobt und nicht mehr bloße Phantasie ist, war es wohl reclıt ferne No. 20 „FLUGSPORT“, Seite 651 Zukunftsmusik, welche auf dem Londoner Weltkongreß für Stadtan- lage und Stadtverwaltung uns von einem Redner vorgespielt wurde M. BR. Hönard, der Oberstadtbaumeister von Paris. malte dabei das zukünftige Stadtbild aus. Sie ist schon von ferne sichtbar infoloe eines hohen Turmes im Zentrum der Stadt, welcher als Landmarke für Lnftschiffer und zugleich als Station für drahtlose Telagraphie dient. In einiger Entfernung vom Zentrum ist ein Ring von Häusern mit ganz flachen Dächern, die als Landungsstätten für die verschie- denen Formen von Luftfahrzeugen eingerichtet sind. Von hier ans wird dauernd der Luftverkehr mit den Hauptstädten aller Länder vermittelt. Solch ein gigantischer Plan würde, wie der Redner aus- führte, natürlich viel Geld kosten, aber anderseits würde die Erobe- rung der Luft auch Frieden und Wohlstand bringen und sich so aı Ende doch bezahlt machen. Die Versammlung dankte für den Vor- trag mit einer Beifallssalve, aber darüber ist kein Zweifel. daß kein einzigen Engländer unter den Zuhörern die Ausführungen des „han- eoachen had azosen für mehr als eine amüsante Unterhaltung an- Auf dem Fluggrunde in Cheppey sind jetzt 18 Schuppen, die fast: stets mit Flugmaschinen besetzt sind. Unter andern sind. dort die ‚Dunne-Maschine, Howard-Wrights Biplan (eine Vereinigung von Farman und Sommer), der Batchelor-Monoplan mit Alvaston- Motor, eine Konstruktion von Mr. Batchelor aus Rochester; ein Bi- plan des bekannten Aeronauten Professor Huntington, bei welchem das untere Deck weit hinter dem oberen steht, sodaß es fast wie ein Schwanzstück aussieht (getrieben mit Wolseley-Motor); weiter der große Monoplan von Jobbling mit einer Breite von 60 Fuß welcher die Besonderheit hat, daß die Enden der beiden Schwingen in einem Winkel von etwa 130 Grad nach hinten zurückgelegt sind; der ‚Jezzi-Biplan, der meist dem Farman-Modell folgt. Außerdem sind mehrere von der Firma Short erbaute Maschinen dort, mit welchen die Herren Cecil Grace, Egerton, Moore-Brabazon und Frank Mac Clean regelmäßig üben. ‚In der New-Forest-Flugschule üben die Herren jor . Cook Barrington, Kennet, Aitken, Poggioli und Johnstone. „aior „Oook, Die Eröffnung der Bleriotschule in London ist programmäßig verlaufen, Prier hat gute Flüge vorgeführt und mit seinem Unter. richte begonnen. Besonders aber ist auf dem Fluggrunde von Brooklands stets ein reges Leben. Jetzt fliegen dort Graham Gilmour mit Bleriot- Maschine, Blondean mit Farman-Maschine, E. Keith-Davis mit Hanriot- Maschine, Macpie mit besonderen Biplan und Spottiswood mit Avis- Monoplan. Außerdem sind dort Maschinen der Humber-Fabrik und.. von Spepcer-Stirling und die Bleriot-Maschinen der Fl ( ugschulen von Lane und Grahame-White häufig in Tätigkeit zn schen. Ohne einen ernsteren Flug-Unfall verläuft freilich auch in Eng- land kaum eine Woche. Der Monoplan von Henry @. Ferguson einem Flieger aus Belfast, wurde bei einem Fluge in Irland von eınem Windstohe erfaßt, und zwar so heftig, daß er fast in eine senkrechte Lage gebracht wurde. Der Flieger kam mit einigen Ver- letzungen davon. i | Bei der Abrechnung des internationalen Flugineetings in Lanark Seite 652 „FLUGSPORT“. No. 20 hat sich ein Manco von 175000 Mark ergeben. Dagegen hat das kleinere Meeting von Burton-on-Trennt einen kleinen Ueberschuh gebracht. Vom Pariser Salon 1910. Civil-Ing. Oskar Ursinus. Der diesjährige Salon übertrifft den "vorhergehenden an Reich- haltigkeit und Verfeinerung der Konstruktionen ganz bedeutend. In der Systeımfrage läßt die Ausstellung jedoch immer noch keine Fort- schritte erkennen. Das Verhältnis der Eindecker und der Zweidecker ist das gleiche wie im Vorjahre. Man hält mit Hartnäckigkeit an der bisherigen Fundamental-Konstruktion fest. Es mag eigentümlich erscheinen, daß nicht cin einziger französischer Konstrukteur versucht hat, den Weg, welchen Pischof und Dorner, deren Konstruktionen F N IE ). Vom Pariser Salon 1910. große Vorteile in sich vereinigen, eingeschlagen haben, zu verfolgen. Indessen kann man mit Freude konstatieren, daß verschiedene französische Flugtechniker intensiv an der konstrutiven Verbesserung ihrer Apparate gearbeitet haben. Auffallend ist die Tatsache, daß die bekanntesten Firmen wie: Bleriot, Antoinette und Farman etwas neues nicht zeigen. Man hätte annehmen müssen, daß die Millionen, welche an Preisen gewonnen wurden, auch auf die Systemfrage fördernd einwirken würden. Dies scheint nicht der Fall zu sein und gibt sehr zu denken. Bleriot war in der Hauptsache bemüht, die Konstruktion zu verfeinern. Die hocheleganten veruickelten und policrten Ausstellungs- No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 653 Maschinen sind für das Auge bestimmt. Im großen ganzen ist, außer er zweisitzigen Maschine, unter geringen Abänderungen, wie Ersatz Vom Pariser Salon 1910. Von oben nach unten: Eindecker Tellier; EindeckerRob.Esnault- Pelterie; Demoiselle Clement Bayard; Eindecker und rechts Schraubenflugzeug von Vuitton. Seite 654 „FLUGSPORT“. No. 20 des hinteren Laufrades durch ein Paar einfache Kufen, die Maschine die gleiche wie die Kanal-Type geblieben. Auch der Antoinette-Apparat zeigt keine nennenswerten Ver- änderungen. Am allerwenigsten verändert ist die Farman-Maschine. Es ist nicht gerade günstig, daß der Beschauer die äußerst: primitive Bau- art in nächster Nähe studieren kann. Das hintere Seitensteuer ist beispielsweise mit dünnen Drahtseilchen und Messingspannchrauben a la miniatur von 2 mm verspannt. Wenn schon diese Verspannung keinen allzu großen Belastungen unterworfen ist, so kann doch unter irgend ‚welchen Umständen durch diese wenig akkurate Arbeit ein Unfall herbeigeführt werden. Selbst den der Flugtechnik fernstehenden Ingenieur dürfte diese Arbeitsweise überraschen. Nur wenige Flugtechniker, wie Paulhan und Breguet, experimen- tieren und suchen etwas neues zu schaffen. Paulhan hat einen Zweidecker ausgestellt, dessen koustruktive Durchführung sich von allen bisherigen bekannten Zweideckern unterscheidet. Wir werden auf diese Maschine noch ausführlich zurückkommen. Eine besondere Klasse für sich bilden diejenigen Konstrukteure, die einen besonders modellierten Eindecker bauten und zur Aus- stellung brachten. Hinter ihren Ständen warten sie jetzt auf die Käufer und auf den großen Gewinn. — - Wir wollen nur wünschen, daß ihre Hoffnungen sich erfüllen. Auch hier wird es viele, manchen Erfindern nicht ersparte Enttäuschungen geben. Paris ist ja groß. Und der französische Sportsman gibt entschlossener nnd melır als der deutsche. Diese Tatsache haben bereits unsere deutschen Flugtechniker erkannt. Man sieht sogar im Salon einige bekannte Namen vertreten. Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande. — — — Auffallend ist die große Anzahl von Propeller-Ausstellern. Alles IHolzpropeller in allen nur denkbaren Formen. | Viele Stände von Spezialfirmen für Zubehörteile, wie Spann- schrauben, Steuerräder. Komplette Steuereinrichtungen, Benzingefäße sind vertröten. Man kann hier im Salon zum erstenmale von einer Flugmaschinen-Industrie sprechen. Alle diese Einrichtungen und Neuerungen von konstruktiven Eirzelteilen werde ich weiter unten ausführlich an Hand von Skizzen beschreiben. Sehr sauber durchkonstruiert und gut durchgearbeitet ist der Zweidecker von Maurice Farman. Für diese Maschine hegt die Militärverwaltung ein besonderes In- teresse. Eigenartig ist die geringe Tragflächenwölbung. Die Sehnen- höhe beträgt nur 25 mm. Sehr sauber durchgeführt ist der Steuer- mechanismus, welcher auf Kugellagern läuft. Auch auf die Details werde ich später zurückkommen. Der von der Compagnie A6örienne ausgestellte Voisin Zweidecker ist vollständig aus Stahlrohr gebaut. Zum Betriebe dient ein 50 PS Gnom-Motor mit Voisin-Metallschraube. Dieser Zweidecker ist für Militärzwecke koustrwiert. Auf dem Passagiersitz ist ein kleines Ge- schütz aufmontiert. No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 655 Voisin bespannt, seine Apparate jetzt auch doppelseitig. Die Bespannung wird am hinteren Ende durch Schnüre zusammen gehalten. Eigenartig ist der den Lesern des „Flugsport“ bekannte Apparat von Breguet. Breguet hält bekanntlich den Passagierrekord, welchen er mit ‚ 5 Passagieren mit \ - einer Geschwindig- keit von 68 km flog. Die spezifische Flächenbelastung betrug hierbei 31 kg, das Gewicht der 6 Personen 420 kg. Breguet baut 2 Ma- schinen, eine nor- male Type von 350 kg, welche 85 km fliegt und eine Rennmaschine von 250 kg für 100 km Geschwindigkeit. Zum Betriebe dient. ein Esnault-Pelterie- Motor von 60 PS. Das Fahrgestell ist äuberst solid durch- konstruiert und be- sitzt pneumatische Abfederung. Eine eigentüm- liche Form zeigt der Zweidecker von Sloan & Cie., welchem eine sehr gute seitliche auto- matische Stabilität nachgerühmt wird. -—Der-50-PS Gnom- 1 motor ist vorn an- geordnet, während das Seiten- und Höhensteuer in be- kannter Weise im - Schwanz unterge- Vom Pariser Salon 1910. bracht ist. Die Oben: 100 PS Gnom 14 'Cyl. Maschine ist schr Jnten: 60 PS Filtz 6 Cyl. sauber gearbeitet. Seite 656 „FLUGSPORT“. No. 20 Der neue Bleriot, Type Militärmaschine zeigt einige Abänderungen im Einbau des Motors. Zum Abfangen des Motorgewichtes ist ein besonderes Strebenpaar (siehe neben- stehende Abbildung) angeordnet. Ein Teil des Benzinvorrates kommt unter den Sıtz des Führers. Der Führersitz ist bei dieser Maschine "etwas nach vorn verschoben. Diese Abänderung bedingte auch ‘eine Abänderung verschiedener Stenerbetätigungsorgane. Die Steuerglocke befindet sich nicht mehr senkrecht über dem Seilzug. Für die Ver- wındung bei der vorliegenden Konstruktion mußte daher eine kleine Transmission, welche in der nebenstehenden Abbildung ersichtlich ist, eingeschaltet werden. Der Seilzug für das Höhenstener läuft nicht melır über Rollen, sondern wird durch mehrere unter der Glocke befind- liche zweiarmige Hebel bewirkt. Die Societ& Anonyme des Chantiers Tellier stellt eine Passagiermaschine von 11,9 m Länge und 11,8 m Spann- weite aus. Die Gesamttragfläche beträgt 26 qm, das Gewicht 475 kg. Zum Betriebe dient ein Sechszylinder wassergekühlter Motor von Panhard und Levassor. Die Maschine macht einen sehr guten Ein- druck. Robert Esnault Pelterie zeigt neben seinem Motor, auf welchen wir in einem besonderen Ar- tikel noch zurückkommen, einen Eindecker mit der bekannten leuch- tend roten Bespannung. Der Apparat hat 13 m Spannweite nnd 13 m Länge. Das Gewicht mit Führer beträgt 480 kg und fliegt mit 90 km Geschwindigkeit. Das Fahrgestell mit einer Kufe ist sehr stark dimensioniert. Ebenso scheint man bei der Dimensionie- rung der Stahlbänder für die Verspannung mit großer Sicherheit ge- rechnet zu haben. Die Stahlbänder sind doppelt verwendet und, um ein Schlingern und Schwirren zu vermeiden, mit Band um- wickelt. Clement-Bayard stellt zwei Demoiselle aus. Ein Apparat nach Santos Dumont (der Name Santos Dumont ist eigentümlicherweise nirgends zu finden) und einen verbesserten Apparat mit abgefederten Rädern und Kufen. Die Art der Ab- federung werden wir in einer späteren Skizze wiedergeben. Zum Betriebe dient ein 30 PS Zweizylinder Motor von Clement Bayard, Der Stand von Louis Vuitton zeigt neben dem Modell eines Eindeckers mit. eigentümlicher Flächen- gestaltung die unsern Lesern bekannte Schraubenflugmaschine, welche sich noch nicht vom Boden erhoben hat. Vuitton setzt indessen un- verdrossen seine Experimente fort. Die Compagnie Generale de Navigation Acrienne zeigt ihre neue Wright-Maschine mit hinterer horizontaler Stabilisierungsfläche, Diese Stabilisierungs- No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 657 fläche wird zwangläufig mit dem vorderen Höhenstener bewegt und zwar in der Weise, daß, wenn das vordere Höhenstener Unterwind bekommt, das hintere Höhensteuer Oberwind erhält. Die Ausführung des Apparates läßt erkeunen, daß die deutschen Wright-Maschinen den französischen um nichts nachstehen. (Fortsetzung folgt.) Interessant ist das Studium der ausgestellten Flugmotoren. Auch hier streitet man sich ob Luft- kühlung, obWasser- kühlung, ob Rota- tion oder stationär- Beginnen wir mit dem erfolgreich- sten dem luftge- kühlten Rotationsmotor Gnom. Die Societe des Moteurs Gnöme zeigt außer ihren bekannten 50 PS Siebenzylinder- und 100 PS Vierzehn- zylinder-Motoren einen 7OPSSieben- zylinder-Motor. Letzterer besitzt nicht mehr die Gas- zuführung durch die Kolben, sondern durch ein beson- deres Zuleitungs - rohr außerhalb der Zylinder. Die Zylin- der sind am Ende des Kolbens in be- kannter Weise an gebohrt. Wie ver- lautet, ist dieser Motor nur ein Ver- suchsobjekt und wird nicht fabrik- ' mäßig hergestellt. 45 PS Anzani 5Cyl. Er scheint sich 55 PS Bertlaud 4 Cyl. demnach nicht be- währt zu haben. Vom Pariser Salon 1910. Seite 658 „FLUGSPORT“. No. 20 Einen weiteren Rotationsmotor System Filtz bringt die Firma Filtz Pere & Fils, welcher bei 800 Touren 60 PS leistet, zur Ausstellung. Das Gewicht beträgt Q) kg. Der Motor besitzt 110 mm Hub- und 130 mm Zylinderdurchmesser. Die Auspuffstutzen’ sind so angeordnet, daß bei der Rotation eine Saugwirkung entsteht. Durch eine eigenartige Anordnung der Gaszuführungsrohre wird eine gute Mischung des Gases bewirkt. Die Zündung der Zylinder erfolgt hintereinander. Sämtliche Ventile sind zwangläufig gesteuert und leicht zugänglich. Anzani stellt neben seinen bekannten Zwei- und Dreizylinder-Typen mehrere Fünf- zylinder-Motore aus. Bei den Fünfzylindern besteht das Gehäuse atıs zwei Teilen, Vom Pariser Salon 1910. 50 PS Masson6Cyl. was eine-solide Befestigung der Zylinder ermöglicht. Eine turbinenartige Gas- inischvorrichtung soll patentiert sein. Ein- und Auslaßventile sind gesteuert. Die Zylinderdurchmesser betragen 105 mm und der Hub 130 mm. Dieser Motor leistet bei 1250 Touren 50 PS. Das Gewicht beträgt 75 kg. H. Berthaud zeigt einen ventillosen Vierzylinder-Motor von 55 PS. Das Gewicht dieses Motors beträgt 85 kg. Le Masson zeigt einen luftgekühlten Sechszylinder-Motor von 50 PS. Die Zylinder sind in bekannter Weise fächerförmig angeordnet, die Einlaßventile durch Kurven- scheiben zwangläufig gesteuert. Für die Zündung sind zwei Magnete vor- gesehen. Das Gewicht des betriebsfertigen Motors beträgt 105 kg. (Fortsetzung folgt.) No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 659 ARE Fingtechnische RN == Rundschau. Inland. Der neue Harlan-Apparat hat in Johannisthal vor kurzem seine ersten Flüge ausgeführt. Ingenieur Grulich, der Führer des Apparates, führte sofort einen Flug von 5 km aus. Es sei dabei bemerkt, daß Grulich noch nie eine Flugmaschine gesteuert hat. Der Harlan-Apparat ist sehr sauber gearbeitet und gut durchkonstruiert. Zum Betricbe dient ein 50 PS Argus-Motor. Wir werden später auf die konstruktiven Einzelheiten dieser Maschine zurückkommen. Die Flugmaschine Poelke, Frankfurt hatsich gestern bei ihrem Flugver- sıche umschlagen und wurde stark beschädigt. Bei vorliegendem Zweidecker ist das Höhen- und Seitensteuer in bekannter Weise im Schwanz untergebracht. Der 40 PS Hoffmann-Motor mit direkt gekuppelter Schraube befindet sich vor dem Führersitz. Flieger Steinmann unternahm am 13. Oktober in Süchtelen bei Viersen mit einer selbsterbauten Flugmaschine einen Flugversuch. In 5 m Höhe neigte sich der Apparat plötzlich nach vorn und stürzte steil ab. Steinmann wurde schwer verletzt. Eindecker Goebel. Wilhelm Goebel in Tapiau in Ostpreußen hat einen Eindecker von 22 qm Tragflächen konstruiert Zum Antriebe dient en 34 PS- Dreizylinder-Haacke-Motor. Die Gesamtlänge beträgt 9 m, die Spannweite 11 m. Der Führersitz befindet sich unter den Tragdecken. Höhen- und Seitensteuer sind in bekannter Weise in den Schwanz verlegt. Die Schräglagensteuerung wird durch Flächenverwindung bewirkt. Die Flugmaschine Gromann, welche auf dem Hamburger Flugplatz Groß- borstel versucht wird, stürzte am 6. Oktober aus einer Höhe von 15 m ab. Der Führer blieb unverletzt. Curt Richter aus Leipzig soll in der Nähe von Frankfurt einen Zweidecker gebaut haben, der verschiedene Vorteile aufweisen soll Zum Betriebe dient ein Delfosse-Motor. Die Flüge sollen auf dem Sportplatz oder auf dem Exerzier- platz in Leipzig-Lindenthal ausgeführt werden. Ausland. Der Absturz Morane’s wird von Augenzeugen wieder recht verschieden dargestellt. Morane, mit seinem Bruder als Passagier an Bord, bewarb sich um den Michelin-Preis mit der 100 PS Bl£riot-Passagiermaschine. Der Aufstieg erfolgte am 6. Oktober in Issy-les-Moulineaux um 9 Uhr 40 Min. vormittags. Kurz hinter Creteil ereignete sich der Unfall. Die Schilderung eines Augenzeugen sagt, daß der Apparat sich plötzlich gesenkt und hierbei eine scharfe Wendung, fast im rechten Winkel, nach links beschrieben habe. Diese Senkung des Apparates kann sehr wohl durch einen Luftstrom herbeigeführt worden sein. Die scharfe Linkswendung hingegen resul- tiert aus der bekannten Kreiselwirkung des Gnöme-Motors. Durch eine Direktion nach rechts durch das Gauchissement erhielt der Apparat ein gyroskopisches Moment weiter nach unten, so daß Morane nicht mehr in der Lage war, den Apparat in genügender Höhe zu halten. Er schlug auf und das Unglück war Seite 6 „FLUGSPORT“. No. 20 geschehen. Morane am Steuer erlitt einen linken Beinbruch, während sein Bruder sich einen rechten Beinbruch zuzog. Ein genaues Studium des abgestürzten Apparates ergab, daß der Führer und der Passagier nach vorn abgestürzt waren und: auf den Motor kniend zu liegen kamen. Das dazwischen befindliche Benzinreservoir war vollständig zusammengedrückt und über die Konturen des Motors gepreßt. Ein einfaches gepolstertes Kissen vor den Füßen des Führers und Passagiers hätte die Bein- brüche entschieden verhindert. Flug Paris-Brüssel. Der große Preis des französischen Automobilklubs ist vorläufig gewonnen. 100,000 Mk. und 25,000 Mk. erhält bekanntlich derjenige, welcher die Strecke Paris-Brüssel und zurück bis 31. Dezember 1910 in der kür- zesten Zeit zurücklegt. Als erster startete Wynmalen mit Ducour als Passagier am 16. Oktober um 7 Uhr 37 Min. in Issy-les-Moulineaux und landete nachdem er in St-Quentin Benzin eingenommen hatte, um 1 Uhr 15 Min. auf dem Felde von Etterbeck bei Brüssel. Um 2 Uhr 25 flog er in Brüssel wieder ab und landete infolge Dunkel- heit in St-Quentin. Am 17. Oktober, 6 Uhr 40 vorm., setzte Wynmalen seinen Flug fort und landete 12 Uhr 13 in Issy-les-Moulineux. — Die Gesamtflugzeit betrug 27 Stunden 50 Min. 26 Sekunden. Legagneux, welcher für den Flug Paris-Brüssel 38 Minuten weniger brauchte, mußte infolge Motordefektes den Start in Brüssel verschieben. Antoinette 100 PS. Latham hat auf dem Felde von Chalons mit dem neuen Antoinette-Eindecker mit einem 16 Zylinder-Motor von 100 PS eine / Antoinette mit 16-Zylinder-Motor von 100 PS. Geschwindigkeit von 110 km in der Stunde erreicht. Latham will mit dieser Maschine um den Coup Gordon-Bennett konkurrieren. Vorstehende Abbildung zeigt die Maschine im Flug. No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 661 Hauptmann Leo Mazicwitsch stürzte am 5. Oktober in Petersburg aus 500 m Höhe, nachdem der Motor seines Farman-Zweideckers plötzlich versagte, aus der Maschine und war sofort tot. Die Flugmaschine langte in einiger Ent- fernung von dem Toten verhältnismäßig gut auf der Erde an. Wäre der Pilot in der Maschine sitzen geblieben, so wäre er vielleicht mit dem Leben davon gekommen. Flugpreise. Ein neuer Flugpreis von 200000 Mk. Der Zeitungskönig William Ran- dolphe Hearst hat einen Preis von 50000 Dollar für einen Flug vom Atlantischen Ozean zur Pazifischen Küste ausgesetzt. Die Reise des Fliegers darf nicht länger als dreißig Tage dauern. Er kann von Boston oder Newyork über Chicago nach Los Angeles oder San Francisco fliegen. Auch vom Stillen Ozean darf er auf- steigen. Während der 720 zum Flug erlaubten Stunden kann er landen so oft er will und seine Maschine ausbessern. Bedingung ist jedoch, daß die ganze Luftreise mit ein- und demselben Apparat ausgeführt wird. Der Preis ist ein Jahr lang — bis zum 10, Oktober 1911 — offen. Flugkonkurrenzen. Von der Berliner Flugwoche. Auf keiner Flugwoche in Johannistal ist so intensiv geflogen worden wie diesmal. Die O’ ganisation war mustergültig Es scheint, als ob Johannistal einen neuen Impuls bekommen habe. In Fachkreisen war man auf Ueberraschungen gefaßt. Die sportlichen Leistungen waren groß- Von der Berliner Flugwoche. Der Startplatz. artig. Die Höhenrekords sprangen rapid von 690 m (Jeannin), 805 m (Wiencziers) auf 1560 m (Wiencziers). Das Kriegsministerium bekundete ein großes Interesse an der Veranstal- tung. Generalleutnant von Lyncker, der Chef der Verkehrstruppen, war fast täglich am Startplatz zu sehen. Diesmal waren auch fast sämtliche Flugmaschinen-Typen vertreten. Den Seite 662 „FLUGSPORT“. No. 20 Berlinern waren neu: der Hanriot, der 50 PS Bleriot und der Etrich mit 50 PS Rumpler-Motor. . Das Berliner Publikum scheint nach und nach mehr Interesse für den Flug- sport zu zeigen. Die Tribünen waren mehr denn je gut besetzt. Ueber die Freignisse der einzelnen Flugtage ist in den Tageszeitungen zur Genüge berichtet worden. Die Resultate sind kurz zusammengefaßt folgende: Großer Preis des Kriegsministeriums. 1. Lindpaintner (Sommer und Albatros) 11:37:53 (25,000 Mk.). 2. Jeannin (Aviatik) 8:7:20 (15,000 Mk.) Belastungspreis des Kriegsministeriums. 1. S. Brunhuber (Albatros-Zweidecker) 3:58 (5000 Mk.). 2. Wiencziers (Bleriot) 2:12 (3000 Mk.). 3. Preis (1000 Mk.) nicht ausgeflogen. Von der Berliner Flugwoche. DerKronprinzbeglückwünschtWiencziers zuseinemHöhenflug. Höhenpreis (4000 Mk. und Ehrenpreis): 1. E. Wiencziers (Bleriot) 1560 Meter. Bleichröder-Preis. 1. E. Wiencziers (Bleriot) 7:27 (10,000 Mk.). 2. R. Thelen (Wright) 9:16 (1000 Mk.). Preis für den längsten Passagierflug. 1. Thelen (Wright) 1:50:27. 2. S. Brunhuber (Albatros) 1:45:56. No. 20 „FLUGSPORT“. Seite 663 Preis für den kürzesten Anlauf: R. Thelen (Wright) 29,74 m. Tägliche Dauerpreise. 1. Tag. 1. Lindpaintner (Sommer u. Albatros) 400 Mark. 2. Mente (Wright) 200 Mark. —_ 2. Tag. 1. Jeannin (Aviatik). 2. Lindpaintner. — 3.Tag. 1. Lindpaintner. 2. Jeannin. — 4. Tag. 1. Simon Brunhuber (Albatros). 2. Lindpaintner. — 5. Tag. !. R. Thelen (Wright). — 6. Tag. 1. S. Brunhuber. 2. Thelen. — 7. Tag. 1. Jeannin. 2. Thelen. -- 8. Tag. 1. Lindpaintner. 2. Brunhuber. Zusatzpreise. 4. Tag: Brunhuber (250 Mk.) — 5. Tag. R. Thelen (250 Mk.). — 6, Tag. 1. Brunhuber (250 Mk.). 2. Thelen (100 Mk.). — 7. Tag. Thelen (100 Mk.). —- 8. Tag. Brunhuber (100 Mk.). Am letzten Tag der Flugwoche wohnten der Kronprinz und die Kronprin- zessin den Veranstaltungen bei. Der Kronprinz bekundete ein reges Interesse und besichtigte die Apparate von Grade, Dorner, Wiencziers und Etrich. Der Kronprinz überreichte Wiencziers als Anerkennung für seinen Höhenflug eine goldene Kravattennadel. Gewissermaßen als Finale der Johannisthaler Fliegerei fand am 17. Oktober ein Ueberlandflug von Johannisthal nach Döberitz statt. Das Kriegsministerium hatte die verschiedenen Flugmaschinenfabriken Albatros, Wright und Etrich- Rumpler aufgefordert, ihre Maschinen vorzuführen. Der Ueberlandflug sollte dazu dienen, die Gebrauchsmöglichkeiten der Maschinen zu untersuchen. Um 4 Uhr 35 Minuten stieg Iliner auf Etrich mit Oberleutnant Görtz auf und verließ nach der zweiten Runde das Flugfeld.e Um 4 Uhr 52 Min. startete Jeannin mit Leutnant v. Thuena und 4 Uhr 53 Minuten Leutnant v. Tarnotzy auf „Albatros“. Die Apparate flogen auf der vorschriftsmäßigen Route Buckow, Marienfelde, Teltow, Wannsee nach Döberitz. Als um 4 Uhr 45 Minuten in Döberitz die telephonische Meldung von dem Start einlief, stieg Leutnant Maggenthur auf seinem Sommer-Apparat auf und beobachtete die Ankunft der 3 Flieger. Nach 23 Minuten trafen sämtliche in Johannisthal gestarteten Maschinen in Döberitz ein. Patentwesen. Deutschland. Patenterteilungen. 77h. 227769. Luftschraube. Albert Hirth, Cannstatt. 3. 11.08. H. 45076. 77h. 227979. Windschutzvorrichtungen für Landungsstellen von Luftfahr- zeugen. Hermann Gothan, Celle. 2. 9. 08. G. 27 542. 77h. 228073. Vorrichtung zum Landen von Luftfahrzeugen; Zus. z. Pat. 227242. Heinrich Strieffler, Landau. Pfalz. 21. 2. 09. St 13776. 77h. 228074. Vorrichtung zum Landen von Luftfahrzeugen; Zus. z. Pat. 227242. Heinrich Strieffler, Landau, Pfalz. 17. 8. 09. St. 14313. Gebrauchsmuster. en 77h. 434961. Vorderkantenstrebe für die Tragflächen bei Flugmaschinen, welche ein gewölbtes Hohlprofil in Verbindung mit einem trägerartigen aufweist. Otto Trinks, Berlin, Rankestr. 1. 19, 7. 10. T. 12116. 77h. 435299. Flugapparat mit nach unten verlängerten, mittleren Trag- deckstreben. Otto Trinks, Berlin, R.'nkestr. 1. 24 8. 10. T. 12238. 7Th. 435343. Vereinigte Stabilisier- und Steuervorrichtung für Flugappa- rate. Johann Weber, Erdorf. 4. 8. 10. W. 31353. Seite 664 „FLUGSPORT“, No. 20 Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des FLUGTECHNISCHER | Flugtechnischen Vereins Leipzig Sitz Leipzig. Cieschäftsstelle: Weststraße 28 II. Vorstand: Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig. Weststr. 2811. Schriftführer: Kaufmann Arthur Erbe, Leipzig. 2. n Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller. Beisitzer: Georg Boecker, Leipzig. n Oswald Hönicke, Leipzig. Bücherwart: stud. phil. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vereinslokal: Goldenes Einhorn am Johannisplatz. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Jeden 2. und 4. Donnerstag finden Arbeitsabende statt. Unser Verein wird in diesem Jahre noch vier Arbeitsabende abhalten und zwar am 27. Oktober, 10. November, 24. November und 8. Dezember. Besondere Einladungen zu diesen Arbeitsabenden sollen nicht ergehen. Die Themen werden : jedesmal am Dienstag vor dem betreffenden Arbeitsabend in den Leipziger euesten Nachrichten und im Leipziger Tageblatt bekannt gegebun. Der vorletzte Arbeitsabend fand am 29. September statt uud zwar behandelte Herr Oberlehrer Ingenieur Alfred Freund das Thema „Fluplätze und Fiug- straßen“. Er sprach über die günstigste Lage der Flugplätze und über den störenden Einfluß eines anliegenden Waldes infolge ungünstiger Luftströmungen. Der Startplatz soll keineswegs am Walde liegen. Es soll mehr Sorgfalt auf die Bodenbeschaffenheit verwendet werden, insbesondere bezüglich der Abflugstelle. Die Zuschauertribüne und die teuersten Plätze für das Publikum sollen in der Nähe der Fliegerschuppen liegen und nicht, wie es beispielsweise in Stockel bei Brüssel der Fall ist, weit davon entfernt, ohne daß es Jemand vergönnt ist, an die Fluzeuge heranzutreten oder auch nur das Starten aus unmittelbarer Nähe zu beobachten. Das Interesse am Filuge selbst wird ohnedies allmählich er- lahmen, während das Interesse an dem konstruktiven Aufbau der erfolgreichen Flugzeuge stets bleiben wird. Die Weiterentwickelung deutet auf Zunahme der Ueberlandflüge. Die Ueberlandflüge, die unbedingt für die Weiterentwickelung der Flug- technik nötig. erscheinen, bergen immerhin Gefahren für den Verkehr und auch für den Piloten. Es scheint deshalb angebracht, für die Ueberlandflüge überall Flugstraßen anzulegen, die nach Möglichkeit einzuhalten sind Die endgültige Form einer brauchbaren Flugstraße ist noch nicht festgelegt worden. Die Flug- straße Johannisthal—Mars erfüllt den Zweck noch nicht vollkommen. Die Be- zeichnung der Straße muß noch deutlicher sein. Vielleicht wird es einmal mög- lich werden, die Fiugstraße mit Signalen zu versehen, die von Wetterwarten aus betätigt werden, so daß der Pilot an jeder Stelle seines Fluges über außer- gewöhnliche Luftströmungen orientiert wird. Die Rechtsverhältnisse dürften dann so liegen, daß der Passant die Flugstraße nur auf eigenes Risiko betritt, genau wie der Straßenpassant bis zu einem gewissen Grade verantwortlich ist, sofern er nicht aufmerksam beobachtet, dürfte der Passant einer Flugstraße genötigt sein, vor dem Betreten nach oben zu schauen, um zu sehen, ob sich ein Flug- zeug nähert. Die zunehmende Anzahl von Flugplätzen legt den Gedanken nahe, sämt- liche Flugplätze durch Flugstraßen zu verbinden und so ein Netz von Flugstraßen und Landungsplätzen zu erzielen. Auf diese Weise kann allmählich das ganze No. 20 „FLUGSPORT“ Seite 665 Land ein Flugstraßennetz erhalten. Die Flüge würden sich dann viel anregender gestalten lassen. Da der Staat ein außerordentliches militärisches Interesse an der Entwickelung der Flugzeuge nehmen dürfte, sollte man Geldmittel durch vom Staate erlaubte Lotterien aufbringen, um ein derartiges Flugstraßen-System herzurichten Eine rege Aussprache schloß sich diesen Ausführungen an, aus der sich Zustimmung der gut besuchten Versammlung mit den Ausführungen des Vor- tragenden ergab. Der Il. Teil des Abends bildete die‘ Besprechung eines in Brüssel aus- gestellten Flugmaschinensystems, vertreten durch einen Herrn Patentanwalt Wunderlich. Im Prinzip stellte dieses System eine Kappe dar, die also unten offen ist und in welche durch Propeller Luft hinein gepreßt wird, die genötigt ist, nach unten abzufließen. Hierdurch entsteht ein Auftrieb, der gestatten soll, das Flugzeug direkt vom Boden zu erheben. Die Steuerung wird im wesent- lichen in der Weise bewirkt, daß die nach unten austretende Luft jalousieartig drehbare Flächen passieren muß und je nach der Einstellung dieser Flächen die Richtung der Auftriebskraft nach vorn oder nach hinten geneigt wird, so daß eine Steuerung möglich erscheint. Diesem Referate des Herrn Oberlehrer Freund schloß sich eine äußerst anregende Diskussion an. Diese ergab, daß an und für sich die Erzielung eines genügenden Auftriebes möglich erscheine, andererseits jedoch die Propeller unter derartig ungünstigen Bedingungen arbeiten würden, daß von einer Wirtschaftlichkeit eines solchen Betriebes nicht gesprochen werden kann. Auch dürften die Steuerungen an sich dazu beitragen, die Wirtschaftlich- keit des Ganzen erheblich zu mindern. Insbesondere würden noch eine Reihe von Stabilitätsfragen zu lösen sein. Thema des X. Arbeitsabends am 27. Oktober im Saale des Rosental-Casino, Leipzig, Rosenthalgasse : „Die Zukunft der Schraubenflieger“. Vortragender: Herr Hans Peters. Am IX. Arbeitsabend den 13. Oktober berichtete zunächst Herr Max Keil über ein von ihm entworfenes Flugmaschinenmodell. Hierauf sprach Herr Ober- lehrer Ing. Freund über: „Ein- oder Mehrdecker ?“ Offizielle Mitteilungen ZEIDIIANSSN = zu FRE AN N Dar 3 des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557. Vorstand: 1. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. „ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Öskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. Der Frankfurter Flugtechnische Verein verfügt durch seine Mitglieder über 12 flugfähige Maschinen. Zuschriften sind zu richten an den Frankfurter Flugtechnischen Verein, Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. SSR Seite 666 „FLUGSPORT“. No. 20 Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377 2, „ Kaufmann Lindner. . . 1. Schriftführer: Kaufman OskarKlinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37 a. . u Kaufmann Müller. Kassierer :Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer :Fritz Brück, Ernst Specht Herm. Temmler. Flugwart: Josef: Bechler. MaterialverwalterFadrikant Hauk. IL Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in bem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. „ Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Josef Wahlen, Assessor, Zuschriften sind zu richten an den I. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst Düsseldorf, Graf Adolfstr. 83. “ An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Club-Abend statt. . ODifizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. —— - Vorstand Teicphon . Vorsitz.: Univers.-Prof. Dr. Lummer, Göpperstr. 1, 5) ” Fabrikdirektor Dr. Bergreen, Schottwitz, 1228 1. Schriftführer: Ing. Stoeckicht, Gartenstraße 37, 10972 2. » Kaufm. Kutsch, Ohlauufer 10, 10993 Schatzmeist. : Kommerzienr.Dr. jur. Heimann, Ring 53, 2655 Bibliothekar : Kaufmann Nicolaier, Kaiser Wilhelmstr. 14, 1159 Sportkommission: Hauptmann Engel, Kl. Scheitnigerstr. 9 Ing. Fahlbusch, Fränkelpl. 6 Fritz Heidenreich, Freiburgerstr. 21 2888 Flugwart: Ing. Walzel, Museumsplatz 15 51 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstr. 43, No. 20 „FLUGSPORT." Seite 667 Beisitzer: Telephon Kaufmann Erich Breit, Guttenbergstraße 8, 10040 Freiherr v. Durant, Langendorf, Kr. Gleiwitz Freiherr v. Kloch, Neue Schweidnitzerstr. 4, 2701 Generaldirektor Dr. Kuthe, Schweidnitzer Stadtgr. 15, 3286 Bankvorstand Matthias, Gartenstr. 60, 3989 Ing. v. Sallwürck, Gartenstr. 89, 2983 Zahnarzt Dr. med. Scheps Neue Schweidnitzerstr. 4807 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr 37 erbeten. (Tel. 10972.) Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protekiorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter „ Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: 1. Vorsitzender: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. 2. n Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. » Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen. Schriftführer : Dr. Albert, Holten. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. Stellvertr. Schriftführer und Kassierer: Kaufmann u. Oberleutnant d. R. Knigge, Oberhausen 1. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. _ 2, » Architekt Schnarre, Holten 3. » Flugtechniker Nihues, Wesel. » Gutsbesitzer Tender, Holten. „ Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. “on Kaufmann Zündorf, Marxloh. eisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. n Beigeordneter Sigloch, Hamborn. » Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. » Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. » Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. » Redakteur Krause, Köln. „ Oberingenieur Weidler, Oberhausen. 4 5. 6 B Seite 668 „FLUGSPORT“. No. 20 Alte Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen, zu richten. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Karl Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission Dr. Kropf, Clubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Bischer, Beisitzer. Richard Krüger, Aufruf zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren des Ingenieurs und Flugtechnikers Otto Lilienthal. er Hoch gingen die Wogen der Begeisterung, als Graf Zeppelins langes: schweres Ringen um die Beherrschung des Luftmeeres von so ungeahnten Er- folgen gekrönt wurde. Da gedachte man von neuem jenes Helden, der als erster deutscher Flug- techniker den jahrtausendelangen Wunsch der Menschheit, dem Vogel gleich zu fliegen, verwirklichte. Der Name Otto Lilienthal war wieder in aller Munde! Auf seinen grundlegenden Versuchen und seinen Theorien bauten die Wrights, wie sie selber aussprachen, und — als Folgeerscheinung — die Franzosen, auf. Auf Lilienthals Lebenswerk fußend, konnte die moderne Flugtechnik ihre großen Erfolge erringen! Der erste Verwirklicher der großen Idee war auch ihr erstes Opfer. — So blieb dem Forscher zu seinen Lebzeiten eine Ehrung ver- sagt, und es ist an der Zeit, diesem ersten Helden der Aviatik durch die Er- richtung eines Denkmals eine Ehrenschuld des deutschen Volkes abzutragen. Möge darum jeder nach seinen Kräften beisteuern, damit diesem Pionier der Lüfte ein würdiges Denkmal in Groß-Lichterfelde — wo er gelebt und seine Flugversuche machte — erstehe. Aus den einkommendeu Geldern soll auch ein dauernd kranker Sohn des Erfinders unterstützt werden. Die Deutsche Bank und die Dresdener Bank mit allen Filialen haben sich bereit erklärt, auf Konto: „Lilienthal-Denkmal“ Beiträge entgegenzunehmen. Briefe und Postanweisungen gefl. an: Arbeits-Ausschuß zur Errichtung eines Lilienthal-Denkmals, Berlin W 66, Wilhelmstr. 45. — Wir sind auch bereit, Bei- träge gegen Quittung in Groß-Berlin abholen zu lassen. Ueber die eingehenden Beträge wird in Fach- resp. Tagesblättern quittiert. n Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ nn unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Brief- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Repre&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bel portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 21. Frankfurt a. M. 2. November 1910. Jahrg. 11. Ueber eine neue, notwendige Bedingung für die automatische Seitenstabilität der Drachenflieger von H. Reissner-Aachen. (Schluß.) Apparate mit einer Vertikalfläche f, gewölbten, unter demselben Sehnenwinkel stehenden Tragflächen und ebenen unter i = O stehenden Dämpfungsflächen lassen sich am einfachsten erledigen. Gleichung 1b vereinfacht sich hier zu: > oobi Da cot i etwa zwischen 7 und 10 liegt, müßte also die Vertikal- fläche 7 bis 10 ma] so hoch über dem Schwerpunkt als hinter dem Schwerpunkt liegen, man erhält also, da man in der Höhe konstruktiv nicht weit gehen kann, ein System mit sehr schlechter Richtungs- einhaltung. Nimmt man dagegen mehrere Leitflächen und macht man ZfE nur wenig größer als O, läßt man also Druckmittelpunkt des Leitflächensystems und Schwerpunkt nahezu zusammenfallen, so würde für die Stabilität eine ganz geringe Höhenlage des Druckmittelpunkts über dem Schwerpunkt genügen. Es muß eine genauere Untersuchung der kleinen Schwingungen lehren, wie weit es vorteilhaft ist, den Druckmittelpunkt an den Schwer- punkt heranzurücken. Jedenfalls darf es nur sehr wenig sein und mit der Rückwärtsverlegung, d. h. mit dem Einstellbestreben des Apparats in die Windrichtung muß das Trägheitsmoment') um die senkrechte Schwerpunktsachse und die Höhenlage der Leitflächen über dem Schwerpunkt sofort beträchtlich vergrößert werden. Mit dieser 1) Es sind überall die geometrischen Trägheitsmomente %f&°, nicht etwa die Massenträgheitsmomente gemeint. Seite 670 „FLUGSPORT". No. 21 schädlichen Wirkung eines zu weit zurückliegenden Druckmittelpunktes hängt auch die schlechte Steuerbarkeit der bisherigen Flugmaschinen und die Notwendigkeit der Flächenverwindung ın der Kurve zu- sammen. Welchen Einfluß hat nun eine V-förmige Neigung der Trag- flächen auf die seitliche Stabilität? Ferber hat diesen Einfluß durch Anordnung einer Leitfläche gleich der Vertikalprojektion der V-förmigen Tragflächen darstellen wollen. Wir werden über den Wert dieser Vorstellung im folgenden urteilen können. . Wir haben hier zu fragen, um wieviel sich der Angriffswinkel V-förmig gestellter Tragflächen gegen den ursprünglichen „wirksamen“ Angriffswinkel i+ e der gewölbten Tragfläche, deren Sehne unter dem Winkel ıi zur Horizontalen steht, bei einer Schwenkung mit dem Krümmungsradius r und einem Abtrieb p ändert. Sei « der Kielwinkel der V-Stellung positiv von der Querbhori- zontalen nach oben gerechnet, bilde die Längsachse des Systems mit der „ideellen“ Tragfläche den „wirksamen“ kleinen Winkel i+e und der Luftstrom mit der Längsachse des Apparats den kleinen Winkel w, so lehrt die Trigonometrie, daß der für den Luftdruck in Betracht kommende geänderte „wirksame“ Luftstoßwinkel den folgenden Wert erhält: itetsin«-w wo das +Zeichen für die auf der Abtriebseite, das Zeichen für die auf der anderen Seite der Längsachse liegenden Flächenelemente gilt. Die Winkelabweichung ® des relativen Luftstroms kann ent- weder durch den Abtriebwinkel 9 oder durch die Seitenschwenkungs- geschwindigkeit = des im Abstand x hinter dem Schwerpuukt sich befindenden schmalen, parallel der Längsachse herausgeschnittenen Flächenstreifens entstanden sein und ist im letzteren Falle mit den früheren Vorzeichenregeln gleich — = So wird der Druck auf ein Flächenelement im Abstand b von der Schwerpunktslängsachse des Apparats gemessen in der Tragfläche, positiv nach der Innenseite der Kurve in Anlehnung an den früheren Ausdruck AD = ou ar|ı _ me] (i +elsin« o-%)) -—- Dieser Elementardruck Differential von D hat wıederum eine Hori- zontalcomponente parallel der Längsachse dD sin i und eine Compo- nente in einer zur Längsachse senkrechten Ebene (Querebene) dD cos i. Die erste Componente ergibt das Drehmoment um die vertikale Schwerachse dD sin i b cos & positiv für die auf der Abtriebseite liegenden Flächenelemente. Die zweite Componente ergibt das Drehmoment um die Längs- achse AD cos i (b + y sin «), wo y die Höhe der Kiellinie der Trag- flächen über dem Schwerpunkt ist. Das Vorzeichen dieses Dreh- moments ergibt sich richtig, wenn wir b und « auf der Abtriebseite positiv, auf der anderen Seite negativ rechnen. Setzen wir nun für -______ No. 21 „FLUGSPORT." Seite 671 AL’ an 2bcosal f. _ X cu’dF : Zr I6 tre+tsına | _ r)) cosi(b+ysin«) 2b cosal/. dM’" = en? ı_ « x . cu ar |ı Zr I6+ e+sin« 6 — *})sin ı bcos « Multiplizieren wir aus und beachten wir, daß die Produkte von n und 9 als kleine Größen höherer Ordnung gegen — und ? selbst r Yernachlässigt werden können und daß auch « und i + ce als Jeine Größen betrachtet werden dürfen, so können wir bei Berück- sic nigung bis zur öten Potenz kleiner Größen mit sin« — &, COS &-=] einfacher schreiben, nachdem noch über Ä ei iner h en, ı ı über alle Flächenstreif | Tragfläche summiert ist: mer 0 . 2(i+e) / L’’ = cu si Ef ars far itrstale-&}) i r) + ya i+ far] M’' = aussi [2489 . cu?sini m b’dF+ bar (ite+a[,-2))] Hier können wir wieder / b?dFals Trägheitsmoment .J der Trag- fläche in bezug auf die Kiellinie bezeichnen, /dF-. « und /bdFli+e) verschwinden, weil symmetrisch von der Längsachse liegende Flächen- Sreifen sich tilgende Werte liefern und nur « /bdF verschwindet nicht weıl sowohl bdF als « von der Abtriebseite nach der e | \ h ntgegengesetzt ihr Vorzeichen umkehren. Setzen wir für eine rechteckige Tragfläche b bdF = — | af a«F ri wo b, die Gesamtspannweite der Tragfläche bedeutet, so wird LM" = au c [-# Fe, ,pb x cu’ cos ı = taF-- (? _ &)] M’" = an? s] ’ - 2.J (i + E) „ba _ X | 111 = tarz2(» >)| Durch Vergleich mit den früheren Coeffiej Ö i , oefficienten könne d Einfluß der V-Stellung von Tragflächen durch die foleenden er yänzten spezifischen Drehmomente darstellen ” s | ou 2(intarb,) Mes IGtotinetambr) 4 MZeun(tätarb;) M, om S(@Jite)ittg+arbxi) 4 Aäch Flierin Ist wegen der Kleinheit des Stellungswinkels ı der 'Trao- tachen cos ı= ], sıni :j gesetzt worden. ” Seite 672 „FLUGSPORT“. No. 21 nn Wir nehmen jetzt den prägnantesten Fall nur einer Tragfläche unmittelbar über dem Schwerpunkt also mit x— O0 und nur einer Vertikalfläche f. Eine horizontale, ebene Schwanzfläche möge vorhanden sein, tritt aber in diesem transversalen Stabilitätskriterium nicht auf. Das Kriterium wird dann Ile): (intaFbe)(2JGte)i +) — (FEraFlai) (2JGte)+ nd) >0 4 » .. . . r Pr ‘ Multiplizieren wir aus und beachten wır, daß das Trägheits- moment einer Tragfläche von der Spannweite b,, gemessen in der 2 Flächc selbst, J-R, ist, so vereinfacht sich der Ausdruck 1c) er- heblich und als Stabilitätsbedingung ergibt sich (E — in) (aF tt — 2) (it <)) >UV und da Ein immer positiv ist a > z ai +e) Setzen wir z. Bb,=10m, i+e—0,14 (8), E&=5m, so muß die V-Neigung der Tragflächen gegen die horizontale Querachse des Systems 2 10 _ yo sein. Wir haben also in der Tat in einer allerdings nicht unbeträcht- lichen V-Neigung der Tragflächen ein sehr wirksames Mittel zur Er- zielung transversaler Stabilität vor uns. Vergleichen wir die Wirkung der V-Stellung mit der der Leit- flächen, so können wir sagen, daß die V-Stellung der Tragflächen im Schwerpunkt gerade so wirkt, wie eine Vertikalfläche gleich der Trag- flächenprojektion auf die vertikale Längsebene, in der Höhe gleich einem Viertel der Spannweite über dem Schwerpunkt und einer Ent- fernung hinter dem Schwerpunkt gleich einem Viertel der Spannweite multipliziert mit dem. Sinus des Luftstoßwinkels i. Die Wirkung ist also sehr viel günstiger, als Ferber angesetzt hatte, aber man wird gut tun, die Kıel- oder V-Neigung nur wenig größer als den Mindestwert der Stabilitätsbedingung zu machen, da seitliche Windstöße wegen des großen L% sonst ein zu starkes Aus- schwingen hervorrufen. Fragen wir schließlich, in welchem Gleichgewicht sich ein System mit V-Stellung aber ohne Vertikalflächen befindet, so haben wir in Gleichung 1a) f=0 zu setzen und erhalten für jedes F, «, b,,iund x identisch Null. Ein solcher Apparat auch mit V-Tragflächen hinter oder vor dem Schwerpunkt befindet sich demnach nach dieser Be- dingung in indifferentem Gleichgewicht, weshalb sich die Fortlassung einer Leitfläche nicht empfiehlt, die man ja auch ohnehin als Seiten- steuer braucht. Ueberdies werden die dynamischen, die Massen- verteilung enthaltenden Kriterien die Indifferenz wahrscheinlich ın Instabilität verwandeln. No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 673 Zusammenfassung. Es wird eine bisher nicht beachtete Bedingung der Seitenstabilität von Drachenfliegern, die unabhängig von der Massenverteilung gilt, angegeben, die neben der Bedingung der Richtungseinstellung gelten muh. .. Diese deshalb statisch genannte Bedingung ist die. ausschlag- gebende und am schwierigsten konstruktiv zu erfüllen. Bei horizontal in der Querrichtung Jiegenden Tragflächen komnit es darauf an, die Vertikalflächen so zu verteilen, dab ihr 'Trägheits- moment um die Schwerpunkts-Vertikalachse und ihr statisches Moment. um die Schwerpnnkts-Längsachse möglichst groß werden, ıhr statisches Moment um die Schwerpunkts-Vertikalachse möglichst klein, jedoch größer als Null, wird. Dabei sind die Hebelarme über und hinter dem Schwerpunkt positiv gerechnet. Eine V-Stellung von im Schwerpunkt befindlichen "Tragflächen wirkt wie eine Vertikalfläche gleich der Summe der vertikalen Trag- flächenprojektionen in einer Höhe gleich einem Viertel der Quer- spannweite über denı Schwerpunkt und einer Entfernung hinter dem Schwerpunkt gleich dieser mit dem Luftstoßwinkel multiplizierten Höhe und erleichtert die Erfüllung der Stabilitätsbedingnng außer- ordentlich. Ein System ohne Vertikalflächen mit V-Stellung der Tragflächen befindet sich, soweit die statischen Bedingungen aussagen, im in- differenten Gleichgewicht, das durch die dynamischen Bedingungen wahrscheinlich instabil wird. Es ist wünschenswert, mit Hilfe der Bryanschen Methode der kleinen Schwingungen festzustellen, wie weit es notwendig und vor- teilhaft ist, die beiden statischen Stabilitätskriterien nach der Seite der Stabilität hin zu überschreiten. Wahrscheinlich werden die stabilsten Schwingungen bei einer nur geringen Ueberschreitung der Kriterien ins stabile Gebiet sich einstellen. Vom Pariser Salon 1910. Civil.-Ing. Oskar Ursinus. (Fortsetzung von Seite 657). Der Eindecker von Deperdussin macht mit seiner sechsflügeligen Schraube einen eigentümlichen Ein- druck. Die Uebertragung der Gewichte auf das Fahrgestell ist gut. Der Rumpf besteht aus zwei Teilen. Die Hauptträger, auf welchen ein 50 PS Mercedes-Motor montiert ist, sind unten durch Zedernholz verkleidet. Der gitterförmige Schwanz ist mit diesen Hauptträgern verschraubt. Diese Anordnung ist für die Demontage und für den Versand sehr praktisch. Die beiden vorderen von den Kufen nach dem Motor führenden Streben tragen oben einen Schuh, durch welchen ein Drahtseil geführt ist und mittels welchem das gesamte Motorgewicht abgefangen wird. Beachtenswert an diesem Eindecker, mit welchem Busson dieser Tage geflogen ist, ist die saubere Holzarbeit. Seite 674 „FLUGSPORT"“. No. 21 Der Eindecker Köchlin zeigt keine beachtenswerten Veränderungen. Das Fahrgestell macht einen sehr komplizierten Eindruck. Die Abtederung ist in allen Teilen patentiert. Der 7U PS wassergekühlte Labor-Motor ıst auf Vom Pariser Salon 1910. Eindecker Deperdussin mit sechsflügeliger Schraube. einem besonderen Gitterträger, welcher ein sehr gestückeltes Aussehen hat, aufmontier. Für die Schräglagensteuerung sind kleine Steuerflächen vorgesehen, die durch eine Rückenlehne des Führers instinktiv betätigt werden. TieronkmesPruechtn AR: Vans. Dan Hacle lage ı Wu, Vom Pariser Salon 1910, Eindecker Köchlin. No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 675 Derartige Hilfssteuerflächen sind besser ausgebildet an dem Apparat von Passerat und Raduguet. Das Fahrgestell ist äußerst leicht und wie es scheint zu zierlich aus- gefallen. Der Schwanz wird von zwei Kufen aus spanisch Rohr getragen. Vom Pariser Salon 1910. : Eindecker Passerat & Raduguet. Einen größeren Apparat, eigentlich mehr Doppelflächner stellen ; B. Clerget & Cie. | aus. Dieser Eindecker besitzt eine sehr große mittragende Schwanz- fläche und ist für drei Personen (Militärapparat) bestimmt. Zum Betriebe dient ein 200 PS Clerget-Motor, welcher direkt mit einer Schraube von 3 m Durchmesser gekuppelt ist. Auf die Erfolge mit dieser 900 kg schweren Maschine darf man gespannt sein. Zu den interessantesten Stücken des Salons gehört der : neue Apparat von Louis Paulhan, hervorgegangen aus den Werkstätten von H. Fabre. Das Charak- teristische an dieser Maschine ist die eigentümliche Konstruktion und die zusammenlegbaren elastischen Flügel. Durch die Trägerkonstruk- tion ist eine Verspannung des Apparates vermieden, die nach Paul- han nebenbei 8 qm Tragfläche repräsentieren sollen. Die Konstruk- tion der Gitterträger und die Befestigung der Rippen geht aus den Abbildungen 1, 2 und 3 auf Tafel VII hervor. Die Gitterträger sind aus 12 cm breiten 0,5 cm dicken Eschenholzbrettern unter Ver- wendung von kleinen winkelförmig gebogen Laschen aus Kupferblech zusammengenietet. Diese Gitterträgerkonstruktion besitzt eine sehr hohe Festigkeit. Ein solcher Träger wurde in 3 m Länge eingespaunt und ergab eine Knickfestigkeit von 2300 kg. Die Bespannung wird an denanden Gitterträgern befindlichen Knöpfen angehängt, die Rippen in die Scheiden der Bespannung hineingeschoben und durch zwei U-förmig gebogene Schrauben nach der bekannten Fahrradnippel- Seite 676 „FLUGSPORT“. No. 21 No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 677 ee ! I konstruktion an den Gitterträgern aufgehängt. (Siehe Abb. 1-3 Stellen, wo starke Stöße zu übertragen sind z. B. an den nach vorn Tafel VII.) Die Bespannung wird dann an einem am hinteren führenden, als auch an den nach hinten führenden Haupt- Rippenende befindlichen Haken mittels einer Schnur straff gezogen. | trägern angeordnet. oo Die Rippenenden sollen wälırend des Fluges 3 cm nach oben durch- Für die Steuerung dient das vorn befindliche Höhensteuer. federn. Eigenartig und sehr solid erscheint die verschiedentlich Größere Stabilitätsunterschiede werden durcli die lintere verstellbare elastisch ausgeführte Hauptstrebenverbindung. Auf der rechten horizontale Schwanziläche ausgeglichen. Zum Betriebe dient ein 50 nn \ -—PS-Gnom-Motor mit einer Schraube 2,4 m Durchmesser. Der Appa- rat wiegt komplett 330 kg. Die Spannweite beträgt I2 m, die Länge 10 m. Die ganze Maschine läßt sich in einer Kiste von 5 m Länge, | 2 m Breite und I ıı Höhe transportieren und wiegt versandiertig 400 kg. Einer der eigenartigsten Apparate des Salons ist: der Apparat: von Henry Coanda | (1905 im 11. Artillerie-Regiment zu Berlin). Die Tragdecken dieses Apparats sind aus kreuzweise verleimten Fournieren hergestellt. Das eigenartige und in Abb. 4 Tafel VII dargestellte Profil ist das Resultat langjähriger Versuche und zeigt große Aehnlichkeit mit dem von Ursinus in Nr. 3 S. 62 Abb. 2 des Flugsport vorgeschlagenen und ausgeführten Profil. Zur Führung des Luftstromes und gleich- zeitig zur Veistärkung der Tragdecken sind besondere Rippen ange- ordnet. Coanda behauptet, mit dieser 'Tragdeckenprofilierung eine Belastung von 33 kg pro qm erzielt zu haben. Die Spannweite der Maschine beträgt 10,30 m, die Länge 12,50 m. Zum Betriebe dient ein 50 PS Motor, welcher mit einem Turbinenpropeller, der einen Zug Vom Pariser Salon 1910. Oben: Eindecker Clerget, unten: Zweidecker Paulhan. r ’ * a N Vom Pariser Salon 1910. Zweidecker Coanda. von 300) kg entwickeln soll, direkt gekuppelt ist Das (esaıntgewicht der Maschine ist: mit 425 kg angegeben. Durch die solide Trag- Seite der Abbildung 3 auf Tafel VII ist eine derartige Verbindung deckenkonstruktion und innere Versteifung sind Spanndrähte voll- dargestellt. Um den unteren Teil einer oberen senkrechten Haupt- ständig vermieden. Vollständig neu ist die im Schwanz nnterge- strebe ist ein breites Gummiband von ca. 12 cm Breite und 1 cm brachte Seiten- und Höhensteuerung, welche durch vier korrespon- Dicke gelegt, welches andererseits um den oberen Teil der unten nach dierende dreieckige Klappen, gleichfalls aus Fournieren, betätigt wird. den Kufen und Rädern führenden Streben gelegt uud befestigt ist. Der Rumpf ist in bekannter Weise bootsförmig ausgebildet und Eine derartige elastische Verbindung hat Paulhan an verschiedenen trägt links und rechts, wie bei Antoinette, die Kühler, Coanda ist Seite 678 _„FLUGSPORT“. No. 21 mit einer kleineren. Maschine derselben Type mit 30 PS Motor bereits 37 Min. geflogen. Die hierbei erzielte Geschwindigkeit soll 110 km betragen haben. Ausser den bereits erwähnten neuen Strebenverbindungen von M. Farman (s. Abb. 5 Tafel VII) zeigt Ratmanoff eine neue Strebenverbindung, welche in Abb. 6 wiedergegeben ist. Diese patentierte Strebenver- bindung besteht aus zwei Schrauben mit geschlitzten Köpfen, durch welche ein Steg gesteckt ist, an welchem beiderseits die Spanndrähte befestigt sind. Diese Verbindung soll in der Hauptsache ein unab- hängiges Anziehen der Schrauben ermöglichen und dann der Strebe eine bessere Führung geben. Bekanntlich kann man bei der Bleriot- Verbindung die zwei korrespondierenden Spanndrähte nicht unab- hängig von eirander anziehen. Auch ist die Lagerung der Strebe eine sehr primitive. Dic in Abb. 7 dargestellte Strebenverbindung von Bonnet Labranche hat den Vorteil, daß der Längsträger durch ein Durchbohren nicht geschwächt wird. Sie hat allerdings den Nachteil, daß zwei korre- spondierende Spanndrähte nicht unabhängig von einander an- gezogen werden können. Wenn auch theoretisch betrachtet zwei korrespondierende Spanndrähte gleichmäßige Spannungen aufzuweisen haben, so können doch irgend welche Konstruktions-Eventualitäten ‚notwendig machen, dal die Spanndrähte ungleichmäßig angezogen ‘ werden müssen. (Forts. folgt). Flugmotoren. (Fortsetzung v. Seite 658.) Sehr interessante Einzelheiten zeigt der Viale-Motor von der Societe Viale & Comp. Die 3 Zylinder (s. beistehende Abbildungen 1, 2 u. 3) sind unter einem Winkel von 68° gelagert. Um eine regelmäßige Zündung Abb, 3 No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 679 der Zylinder, die »unter den gewöhnlichen Verhältnissen unter 72° gelagert sind, zu ermöglichen, greifen die beiden Pleuelstangen der beiden schrägen Zylinder an einer Hauptpleuelstange E an. Durch die geringere Neigung der Zylinder von 65° wird eine bedeutend bessere Oelung der Zylinder erreicht. Um den Lufiwiderstand auf ein Minimum herabzudrücken, ist das Gehäuse granat- förmig ausgebildet. Ein- und Auslassventile sind besonders gesteuert. Um einen raschen Auspuff zu ermögliche:, sind zwei Auspuffventile von sehr großem Quer- schnitt vorgesehen. Ein Heißwerden der Auspuffventile ist daher vollständig ausgeschlossen. Die zwei Auspuffventile a und b (Abb. 1) haben verschiedenen Durchmesser. Das kleine Ventil a öffnet sich zuerst und erst wenn der Druck sich verringert, Öffnet sich das große Ventil b. Der Hub des großen Ventils ist durch eine Stellschraube i regulierbar. Die Betätigung der Steuerstange h geschieht durch eine Kurvennut m, n (Abb. 3), in welcher unter Vermittlung von zwei- armigen Hebeln r und s Kurvensteine p laufen. Der Motor von 105 mm Zylinder- durchmesser und 110 mm Hub leistet bei 1500 Touren 32-35 PS. u Vom Pariser Salon 1910, 35 PS Viale 3 Zyl. Sehr interesant ist der — ... Zwölfzylinder-Rotationsmotor von Breton. u Dieser Motor kann beliebig von 10 bis zu 60.PS beansprucht werden. Je zwei Zylinder wirken vermittels eines Doppelhebels indirekt auf die Kurbelwelle. Das Gewicht des Motors soll nur 95 kg betragen. . Sehr sauber gearbeitet ist der Sternmotor Canton Unne, ausgestellt von Emile Salmson, im Verhältnis zu seiner Leistung der leichteste wassergekühlte Motor des Salons. Die Zylinder sind aus Stahl und tragen Kupfermäntel autogen geschweißt. Diese Kupfermäntel sind durch zentrisch angeordnete Radiatoren verbunden. In umstehender Abbildung sind verschiedent- Seite 680 „FLUGSPORT“. No. 21 lich die Radiatoren abgenommen. Durch die Anordnung der Radiatoren in der Nähe des Schranbenzuges wird eine intensive Kühlung bewirkt. Als Material für die Kolben ist Guß* eisen verwendet. Ein- und Auslaßventile sind gesteuert. Die Motoren werden ir zwei Typen gebaut. Ein Motor von SO—90 PS mit 7 Zy- lindern, 1200 Touren in der Minute von 120 mm Bohrung, 140 mm Hub und einem Gewicht von 100 kg, sowie eine kleinere Type von 50-60 PS nit 5 Zylindern und 1200 Touren. Die Bohr- rung beträgt 120 mm, der Hub 140 mm. und das Gewicht 82 kg. Sehr interessante Konstruktions - Eigen- heiten besitzt der wassergekühlte Vierzylinder-Motor der Schweizerischen | Werkzeugmaschinen- fabrik in Oerlikon. I Je zwei Zylinder von | 100 mm Bohrung und 200 mm Hub sind ge- genüber gelagert. Die Stahlzylinder besitzen Kühlmäntel aus Alu- minium, welche nach einem besonderen Ver- fahren ohne Lötung befestigt sind. Für jeden Zylinder ist ein Ri einziges Ventil für den Vom Pariser Salon 1910. Ein- und Auspuff, das Oben: 60 PS Bräton 12 Zyl. Rotation. axial am Zylinderbo- Unten: 90 PS Canton Unne 7 Cyl. Sternmotor. den befestigt ist, vor- gesehen. Das Ventil ist mit einem auf den Schaft passenden Kolbenschieber aus einem Stück hergestellt. Die zweistufigen Nocken bewirken außer dem Oeffnen und Schließen des Ventiltellers durch diesen Kolbenschieber das abwechselnde Oeffnen und Verdecken der Ein- und Austrittsöffnungen in der konzentrischen Ventilkammer. Durch die konzentrische Anordnung des Ventils direkt am Zy- linderboden ist die Bauart der Zylinder außerordentlich vereinfacht. Alle schäd- No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 681 lichen Nebenräume sind vermieden, da die Frischluft sowie die verbrannten Gase durch das gleiche Ventil durchströmen. Es ist somit die Ueberhitzung und jede Deformation auf ein Minimum herabgedrückt. Typisch für diesen Motor ist die aus rundem Chromnickelstahl gebogene Kurbelwelle. Die Kurbelkröpfung hat den Vorteil, daß die Kugellager über die Enden der Kröpfung leicht aufgestreift werden können, und daß gefährliche Quer- schnitte, wie sie bei Kurbelwälfen mit 'eingedrehten Lagerstellen sich ergeben, Vom Pariser Salon 1910. 70 PS Oerlikon 4 Cyl.-Motor. vermieden sind. Die Kugellager für die Kurbelwelle sind sehr groß dimensioniert. Sämtliche rotierenden Teile, selbst die Kolbengelenke laufen auf Kugellagern. Die Zylinder sind an den der Kurbelwelle zugelagerten Enden in bekannter Weise angebohrt, wodurch die Leistung um 30%, erhöht wird. Infolge der Anwendung des Kurbelkugellagers erübrigt sich die sonst nötige intensive Schmierung. Aus diesem Grunde ist der Rahmen offen gelassen worden. Diese Abweichung von der bisherigen Bauart des Fliugmotors hat eine bedeutende Gewichtsersparnis mit sich gebracht und trägt außerdem wesentlich zur Kühlung bei. Bei Motoren mit großem Hub, wie der vorliegende, würde ein Kurbelge- häuse eine unnütze Gewichtsvermehrung mit sich bringen. Für je ein Zylinderpaar ist ein besonderer Vergaser vorgesehen. Eine besondere Vorrichtung des Magnetapparates erzeugt selbst beim langsamen An- drehen einen genügend kräftigen Funken. Das Gewicht des Motors mit Ver- gaser und Magnet beträgt ca. 75 kg. Der Motor leistet bei 900 - 1200 Touren 50-70 PS. (Forts. folgt.) Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Der Salon dauert noch an, und mit ungeschwächter Kraft übt er seine ungeheure Anziehungskraft auf die Menge aus. In der herr- lichen Ausstellungshalle flutet unausgesetzt ein Leben und Treiben eigener Art, und durch die breiten Wege wälzt sich und schiebt sich ein Strom von Menschen, der in den Nachmittagstunden eine be- ängstigende Stärke annimmt. Und an den Ständen, in deren dunkel- rote Monotonie man durch ein geschicktes Arrangement künstlicher Blumen eine hellere Abwechslung zu bringen gesucht hat, warten die Seite 682 „FLUGSPORT“. No. 21 „Erfinder“ und Konstrukteure auf den Erfolg, in dessen Erwartung sie sich zu den schweren Opfern an Zeit und Arbeit und Geld ent- schlossen hatten. Aber im allgemeinen wird ihre beschauliche Ruhe nur hier und da von einem vorwitzigen Neugierigen gestört, dem sie, resigniert lächelnd, die gewünschten „Explikationen“ geben, um dann ihre unterbrochene Zeitungslektüre wieder aufnelımen zu können. Nur an den Ständen der bekanuten Marken oder an solchen, welche der Name eines bekannten Aviatikers ziert, staut sich die Menge. Da wird verhandelt und gehandelt und manchmal auch abgeschlossen. Ab und zu taucht einmal das Gesicht eines populären Piloten auf, der dann von allen Seiten umringt und mit mehr oder weniger ver- nünftigen Fragen bestürmt wird. Im allgemeinen aber ist die Auslese an Aviatikern im Salon nur sehr gering. Abgesehen von Paulhan, von Bleriot, von Rougier usw., die ja als Aussteller in den Salon gehen, ist von praktischen Aviatikern nur wenig zu sehen. Die Herren scheinen von derartigen Zerstreuungen, die nichts einbringen, nicht allzuviel zu halten und ziehen es vor, inzwischen neuen Lorbeeren nachzujagen. So haben wir dieser Tage wieder einige recht beachtenswerte Flugleistungen zu konstatieren, die zum Teil sogar einen sensationellen Charakter haben. Hierhin gehört in erster Reihe ein prächtiger Flug von Maurice Tabuteau, der am letzten Freitag auf einem Zweidecker der Maurice Farman-Type zwei neue Rekords (für Distanz und Dauer) aufstellte. . Tabuteau flog auf dem Aerodrom von Maurice Far- man ununterbrochen während 6 Stunden 1 Minute 35 Sekunde und legte in dieser Zeit 465,720 km zurück. Er hat damit also den Distanzre- kord Olieslagers vom 3. Juli d. J. mit 392,750 km, sowie den Daner- rekord desselben Aviatikers vom gleichen Tage mit 5:03:05—1 um ein beträchtliches. geschlagen. Erwähnt sei, daß der Zweidecker Tabuteaus mit einem neuen Achtzylinder Renault ausgerüstet war. Tabuteau hat damit einstweilig die Anwartschaft auf den Mi- chelin-Pokal und den damit verbundenen Preis von 25000 Francs erlangt. Wie erinnerlich, fällt die Trophäe nebst dem Preis dem- jenigen Aviatiker zu, der bis Ablauf des Jahres den längsten Flug ohne Unterbrechung vollbracht haben wird. Der Pokal Michelin, der im Jahre 1908 gestiftet wurde, fiel im ersten Jahre an Wilbur Wright (mit einem Fluge von 123,200 km in 2:18:33—2), im Jahre 1909 an Henri Farman (mit einem Fluge von 234212 km in 4:17:35—2), und in diesem Jahre hätte bisher Aubrun (mit einem Fluge von 315 km in Bordeaux) die Anwartschaft, die ihm nunmehr von Tabuteau entrissen ist. Einige schöne Flugleistungen brachte auch der fortgesetzte Ver-- ___ such "um den Grand Prix des Automobile-Club de France für einen Flug von Paris nach Brüssel und zurück. Am Sonntag vergangener Woche hatten sich Wynmalen (mit Dufour an Bord seines Farman-Zwei- deckers) und Legagneux (mit Martinet an Bord) an die schwierige Aufgabe gemacht. Wie schon kurz gemeldet, hatte Wynmalen den Erfolg, den vorgeschriebenen Flug in der Zeit von 27 Stunden 50° Minuten 28 Sekunden glücklich zu vollbringen. Allerdings hatte sich an diesen Flug ein häßlicher Streit um die 100000 Francs ange- schlossen, indem von vielen Seiten behauptet wurde, daß der junge Holländer keinen Auspruch auf den Preis habe, weil der „offizielle“ m No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 683 Zeitnehmer bei seinem Abflug zu Issy-les-Moulineaux nicht zugegen gewesen war. ‚Schließlich entschied die Sportkommission des Auto- mobile-Club, daß der Preis dennoch Wynmalen zufallen soll, sofern nicht bis zu Ende des Jahres eine bessere Leistung vorliegt. Und nun begann von neuem ‚die Jagd um diesen Preis. Legagneux, der am gleichen Tage mit Wynmalen gestartet war, hatte weniger Glück. Er war wohl richtig bis nach Brüssel gelangt, auf dem Rückwege Tabuteau fliegt auf dem Felde von Etampes, 6 Std. 1 Min. 35 Sek. Oben: Tabuteau im Fluge. Unten: Tabuteau vor dem 230 Liter fassenden Benzinbehälter. nach Paris aber blieb er in Saint-Quentin liegen und gab auf. Am letzten Freitag unteruahm der Farman-Pilot Mahieu, der schon ein- mal, wie erinnerlich, den Versuch gewagt hatte, aber mit seiner Ma- schine in den Banmzweigen hängen geblieben war, von neuem den Flug. Er flog wın 12 Uhr, mit de Manthe au Bord, von Issy ab Seite 684 „FLUGSPORT“. on No. 21 und landete um 3 Uhr in Dravecy, von wo er nach kurzem Anufent- halte wieder weiterging, um über La Fere und Tergnier sich nach Brüssel zu wenden. Gegen 5 Uhr landete Mahieu in Braine-le-Comte, etwa 30 km von Brüssel entfernt, wo sie, da es inzwischen Nacht geworden war, zu bleiben beschlossen. Am nächsten Morgen sollte die Weiterreise alıgetreten werden. In Brüssel, wo man Mahieu mit Spannung erwartete, hatteman, als es zu dunkeln begann, auf der Ebene von Etterbeck große Feuer augezündet, die dem Piloten als Orientierung dienen sollten und erst, als aus Braine-le-Comte die telephonische Meldung eintraf, daß Mahieu dort bleibt, wurden die Fanale verlöscht. Issy-les-Moulineaux, das so als Ausgangspunkt interessanter Flugunternehmungen die Aufmerksamkeit auf sich lenkte (auch der Engländer Morrisson hat seinen Versuch, nach London zu fliegen, dieser Tage wiederholt, aber mit noch größerem Mißerfolge als das erste Mal, indem er gleich nach dem Abflug zur Erde stürzte, wobei der Apparat zertriimmert wurde), Issy-les-Moulineaux, das eigentliche Aerodrom von Paris, hat nun auch seinen ersten schweren Unfall zu verzeichnen : Vier Piloten, nämlich Bregi, Bielovucie, Blanchard und Paillette, hatten nach Beendigung des Meetings von Bourges es unter- nommen, auf dem Luftwege nach Issy-les-Moulineaux zurückzufliegen, eine Distanz von 200 km. Um 7 Uhr morgens waren sie zusammen abgeflogen und hatten, sehr bald von einander getrennt, unterwegs ‘in Orleans und Etampes Station gemacht Nur Paillette blieb ın Orleans liegen, die anderen setzten ihren Flug fort. Gegen 1 Uhr 10 Minuten landete Bregi als erster auf seinem Voisin-Zweidecker in Issy, nachdem er vorher noch über die Voisinsche Fabrik dahinge- flogen und die Baronin de Laroche aus der Höhe begrüßt hatte. Nach ihm langten Bielovucie und zuletzt Blanchard an. In etwa 50 m Höhe stellte dieser die Zündung ab und schickte sich zum Landen an. Plötzlich, als der Eindecker sich nicht mehr als 5 m vom Boden befand, richtete sich die Spitze der Maschine auf, der hintere Teil schleifte auf dem Boden, und schließlich überschlug sich der Apparat, wobei der Motor auf den unglücklichen Piloten fiel und ihm den Brustkasten eindrückte Soweit sich an den Trümmern der Maschine noch Feststellungen vornehmen ließen, scheint es, als ob der Unglücksfall auf den Bruch der Steuerung der hinteren Stabili- sierungsfläche zurückzuführen sei. Blanchard, der nur ein Alter von 25 Jahren hatte, war, wie im Gegensatze zu den verbreiteten Ge- rüchten gesagt werden muß, durchaus kein unerfahrener Pilot. Leider ıst damit die schwarze Serie der letzten Tage noch nicht erschöpft. Nochein anderes Opfer hat die Aviation gefordert, und zwar den bekannten Hauptmann Madiot, der auf dem Aerodrom der Brayelle zu Douai am vergangenen Sonntag ums Leben kam. Madiot hatte an dem geriannten Tage einen glatten Flug von einigen Minu- ten in etwa 100 m Höhe vollbracht und wandte sich eben dem Aerodrom zu, um zu landen, als man gewahrte, daß der Apparat, dessen Motor noch weiterging, mit großer Geschwindigkeit zu Boden stürzte, wo er in Trümmer ging. Sein Pilot, der Hauptmann Madipt, hatte den sofortigen Tod gefunden. Madiot ist in der aeronautischen Welt vornehmlich durch seine Studien der Flugdrachen bekannt ge- worden, und von ihın war seinerzeit das Projekt ausgegangen, die Tafel VI. „Flugsport“, Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine. Konstruktive Einzelheiten aus dem I Pariser Salon 1910”) von Civiling. Oskar Ursinus. \\ RU Abb. 4 *, Nachbildung verboten. No. 21 „FLUGSPORT“ Seite 685 Armee mit einer Flotille von solchen Drachen zwecks Rekognoszie- rungsdienstes zu versehen. Auch Morlat ist in Pont-Levoy am Dienstag schwer verunglückt. Er fiel gelegentlich der Flugversuche, die er täglich dort unternahm, aus 10 m Höhe und trug ernste Verletzungen davon. In Mourmelon hatte die Farman-Schule dieser Tage interessanten Besuch. Der amerikanische Kriegsminister kam in Begleitung des französischen Generals Goirau, des Kommandeurs des 6. Armeekorps, um die Ateliers Farman zu besichtigen. Leutnant Maillefert flog, mit dem Minister an Bord, mehrere Bahnrunden in 120 m Höhe. Auch andere Offiziere führten dem Genannten ihre Apparate im Fluge vor, wobei namentlich Leutnant Remy, Hauptmann Balinski und Leutnant Menard hübsche Resultate erzielten. Die Antoinetteschule macht unter der Leitung von Robert Gastambide recht bemerkens- werte Fortschritte, und eine große Anzahl von Eleven füllt die Flug- bahn. Von Interesse ist, daß die mehrfach erwähnte junge Avia- tikerin, Mlle. Marvingt, dieser Tage ihr Pilotenpatent erflogen hat. Sıe ist, nach Madame de Laroche und Madama Niel, Mademoiselle Dutrieux die vierte französische Aviıatikerin. In Etampes ist die Bleriotschule in vollem Betrieb. Eine große Anzahl von Eleven bereitet sich hier zu der Pilotenprobe vor. Auch in der Tellierschule herrscht Animation. Prinz Nissole steuert; einen Eindecker dieser Type mit einem R. E. P.-Motor und vermag sclıon hübsche Ueberlandflüge zustande zu bringen, während Emile Du- bonnet, der zur Aviation sich zurückgefunden zu haben scheint, einen Eindecker derselben Type, der aber einen neuen Sechszylinder Pan- hard-Motor zum Antrieb bekommen hat, steuert. Die Wrightschule zu Villacoublay wird vom Grafen Lambert mit gutem Geschick geleitet. Ein junger Eleve, Gatoux mit Namen, flog dieser Tage die Strecke Pievre-Jouy-Versailles-Velizy und landete schließlich in einem schönen Schwebefluge von 300 Metern auf dem Aerodrom. Von Reims wird aus der Hanriotschule gemeldet, wie der Prinz Eristoff (ohne einen Prinzen tuts jetzt keine Schule mehr) in stürmi- schem Wetter auf dem Eindecker Flugexperimente vorgenonımen hat, die glatt verliefen. Auch von Lafargue, Vasseur u. a. werden gute Resultate berichtet. In Chartres ist ein bedauerlicher Unfall vorgekommen. Der Aviatiker Fontaine landete mit seinem Zweidecker Savary auf einem frisch aufgeworfenen Ackerfelde, außerhalb des Flugplatzes, wobei der Apparat vollständig demoliert wurde und der Pilot schwere Ver- letzungen davontrug. Glimpflicher verlief ein Unfall, den Gibert in Perigueux erlitt. Er war von Blanzac gekommen und landete in schönem Schwebe- fluge gegen sechs Uhr abends zu Sallecourbe, in der Nähe von Peri- gueux. Als er von dort wieder abflog, um nach Chamiers zu .ge- langen, verirrte er sich in der Dunkelheit und stieß mit seinem Ap- parat gegen einen Baum. Die Maschine überschlug sich und stürzte zur Erde, wo sie in Trümmer ging. Der Pilot blieb nıversehrt. In Juvisy ist jetzt de Pischoff eifriger als je mit Flugübungen beschäftigt. Am Donnerstag flog er während 18 Minuten in 50 m Höhe und nahm dann nacheinander mehrere Passagiere an Bord, Seite 686 „FLUGSPORT". No. 21 darunter auch den Hauptmann Boams, der von dem österreichischen Kriegsministerium hierher geschickt ist, um die Steuerung eines Pi- schoff-Apparats zu erlernen. Ferner versuchte Haynes einen neuen Eindecker, ohne sich mit ihm vom Boden erheben zu können. Einige Meetings haben sich in letzter Zeit abgespielt. Anßer dem bereits vorhin erwähnten von Bourges, das durch den Todes- sturz Blanchards ein so betrübendes Nachspiel hatte, ist es das Mee- ting von Valenciennes, das sich auf dem Territorium von Marly ab- spielte und an dem Bathiat, Parent und Monthier teilnahmen. Be- sonders tat sich Bathiat auf seinem Hanriot-Eindecker hervor. Einen recht stürmischen Verlauf aber nahm ein Meeting von Angoulöme, zu dem sich eine ungeheure Menschenmenge auf dem Manöverfelde von Grapillet eingefunden hatte. Nachdem Busson unter lebhaften Zurufen der Zuschauer einige Bahnrunden in 50 m Höhe geflogen war, verlangte man stürmisch den anderen Bewerber, Lesire, der sich aber mit Rücksicht auf das ungünstige Wetter weigerte, zu starten. Eine unbeschreibliche Szene entwickelte sich nun. Das wütende Publikum riß die Barrieren um und mehr als20000 Menschen drangen auf das Flugfeld und gingen gegen den Schuppen vor, in- dem sich der arme Pilot befand. Unter den Rufen: „Spitzbuben“ begann der Sturm: Da zog Lesire im letzten Augenblick einen Zwei- decker aus dem Schuppen und versuchte ihn in Gang zu bringen. Zum Unglück wollte es ihm nicht gelingen und schon begann die Menge, die einen Augenblick gestutzt hatte, von neuem zu toben, als Busson die Situation rettete, indem er einen neuen Aufstieg unter- nahm, der ihm auch gelang. Plötzlich hörte man den Ruf: „er fällt“. Alles eilte nach der Seite des Flugfeldes hin, auf welches in der Tat Busson mit seinem Apparate aus ganz geringer Höhe abge- stürzt war. Glücklicherweise war ihm nichts geschehen und das Pub- likum umjubelte ihn und trug ihn auf den Schultern nach den Flie- gerhallen. Und inzwischen hatte sich der arme Lesire, von dem die allgemeine Wut ein wenig abgelenkt war, auf „englisch“ empfohlen. Er war im Automobil auf und davon gegangen, das gescheiteste, das er tun konnte. Das Meeting von Menin wurde in der Hauptsache von Made- moiselle Dutrieux und Beaud bestritten. Beiden gelangen recht hübsche Flüge, zum Teil mit Passagieren und über Land. Jetzt interessiert man sich nur noch für große Fernflüge, für die ja bekanntlich ziemlich große Aufgaben gestellt sind. Aber auch hier beginnen sich schon wieder die leidigen Auswüchse und Ueber- treibungen, bemerkbar zu machen. So schreibt ein Comite in Aix- les-Bains für das kommende Jahr einen Bewerb aus, bei dem ein „Ueberlandflug-Rennen“ organisiert werden wird, das sich mehrere male am Tage wiederholen soll. Alle Bewerber starten gleichzeitig. Das war schon früher von mir berichtet worden. Aber jetzt werden die Einzelheiten dieser Veranstaltung bekannt, die in der Tat das ganze Projekt in anderem Lichte erscheinen lassen. Offenbar soll jenes „Rennen“ gleichzeitig die Bewerbe für Geschwindigkeit, für Höhenflüge und für Landung im Schwebefluge ersetzen. Gleich nach dem Start werden sich die Aviatiker anf 1200 m Höhe zu er- heben haben, um den Mont Revard überfliegen und den Mont Nivo- let erreichen zu können. Alsdann werden sie (las Tal in 1360 m No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 687 Höhe zu überfliegen haben, über den See von Bonrget und Dent-du- Chat zu kreisen und schließlich, unter Beschreibung eines weiten Bogens im Schwebefluge zu Aix-les-Bains zu landen haben. Die Gesamtdistanz beträgt 321 km. Das ist schon mehr Wahnsinn. nnd es wäre Zeit, daß sich die zuständigen Instanzen mit der Frace be- schäftigten, auf welche Weise derartige Uebertreibungen gewinn- lüsterner Unternelimer zu verhindern wären. Bekanntlich ist kein Projekt so tollkühn, daß sich nieht Leute finden, die an das Wagnis herangehen. Im Interesse der Aviation aber licoen derartige Spiele- reien mit Menschenleben nicht. Sollte es nicht möglich sein, anf eınem internationalen Kongreß eine gemeinschaftliche Formel für die Meetings von 1911 festzulegen? Das dürfte noch wichtiger sein, als der „Kampf“, den der Aero-Chıb de France gegenwärtig gegen alle anderen Clubs führt, die den Titel Aero-Club „usurpiert“ haben. Der Aero-Club hält diese Bezeichnung gewissermaßen als sein geisti es Eigentum, das er sich nieht von all den kleineren Clubs nehmen lassen will. Die Herren scheinen ernste Sorgen zu haben. In dem Zwist um den „Daily-Mail“-Preis zwischen Paulhan und Graham White ist nunmehr endlich die Entscheidung gefallen: der Aero-Olub de France und der Aero-Club von Großbritannien haben Louis Paulhan En neger erklärt, nachdem festgestellt worden war, ab die von Paulhan durchflogene Di : x 1131,127 km des Engländers) beträgt. Oistanz 1800,900. km gegen . Aus England ist übrigens dieser Tage Besuch hier gewesen Eine Delegation der Aeronantischen Liga von Großbritannien unter Führung des Generalsekretärs Stephan A. Marples besichtigte den Salon und ging dann nach Mourmelon, um dort die Aviationsschulen eingehend kennen zu lernen. „ „ Mit_ welchem Eifer die Einführung der Aviation in die franzö- sischen Kolonien gefordert wird, ist bereits früher hervorgehoben worden. Jetzt hat der Aero-Club von Oran (in Tunis) beschlossen ein Aeroplan-Rennen, verbunden mit aviatischen Bewerben, zu ver. anstalten, und zwar zu dem Zwecke, um das ganze französische Afrika, von Tunis bis Oran, von den Aviatikern überqueren zu lassen Voraussichtlich wird sich dieses Projekt noch vor Ende dieses Jahres realisieren. Die Piloten scheinen gern in die Kolonien und in die exotischenlLänder zu gehen. Nach Van den Born, von dessen Abreise nach Indochina, China, Japan und den Vereinigten Staaten berichtet worden ist, sind es jetzt Baron de Caters und Tyck, die sich Abreise nach Indien rüsten. u Es soll nicht unterlassen werden, zu melden. daß i Tage auf einem Eindecker Robort' Esnault-Pelterie einen a 2 Stunden 7 Minuten ausgeführt hat, bei dem er über die Ortschaften Villauroy, Tonssus le-Noble, Voisins-le Bretonneux Guyoncourt kreiste und eins Distanz von etwas mehr als 200 km zurücklegte. Es ist les wo : 3 | Gebraucht naer erste Flug solchen Umfanges, den diese Type zu Wege Die neue Association G&nerale Adronauticue t di übs Idee gehabt, die Arbeiter, die in den Bermehttischen Aka Er schäftigt sind, durch Belohnungen zu erhöhten Eifer anzurecen Auf Vorschlag der Atvlierchefs werden Diplome und Medaillen ans Bronze, Silber und Vermeil an die betreffenden Arbeiter zur Ver- teilung gelangen, je nach der Dauer ihres Arbeitsverhältnisses. Seite 688 „FLUGSPORT“. No. 21 Aber auch die Behörden und offiziellen Stellen sind nach wie vor auf die Förderung aller auf die Entwicklung der Aviation ge- richteten Bestrebungen bedacht. In dem Budget des französischen Handelsministeriums ist ein Betrag von 100000 Frs. für die erwähn- ten Zwecke aufgenommen worden. Nicht ohne Interesse wird es sein, wie diese Forderung begründet wird: „Es genügt nicht, eine Wissenschaft zu gründen; man muß sie kennen lernen und ihre Ent- wicklung zu fördern suchen, indem man die Wissensdurstigen unter- richtet und alle betreffenden Dokumente sammelt. Man kann heute mit Sicherheit behaupten, daß die Aviation den Anlaß für eine be- deutsame Industrie geben wird, woraus sich die Notwendigkeit er- gibt, sofort mit der Ausbildung von Ingenieuren zu beginnen. Die durch die Iniative des Majors Roche in Paris gegründetetechnisch-aeronau- tische Schule gibt eine komplette Unterweisung in allen Fragen, die die Luftschiffahrt, die Flugtechnik und die Motoren betreffen. Wir haben die ‚Pflicht, eine derartige Institution zu subventionieren. ‚Jeder Tag ist Zeuge einer neuen, Großtat eines Helden der Luft, eines Fern- fluges, der an Kühnheit seine Vorgänger übertrifft, einer immer be- wundernswerteren Leistung. Gestern war die Aviation nur ein Sport. Heute erhebt sich der Aeroplan, ein wunderbares Instrument für Reise und Transport, aus seinen Anfängen heraus und die Rolle, die er erst kürzlich gelegentlich der Manöver in der Picardie gespielt hat, hat bewiesen, daß er auch ein Instrument des Krieges ist.“ Und davon scheint man wirklich hier durchdrungen zu sein, denn es ist erstaunlich, in welchem Umfange und mit welchem Ernste die Heeresverwaltung die Einführung der Aviation in die Armee be- treibt. Ein Zeichen dafür, welche Bedeutung man der Aviation ın diesen Kreisen beilegt, ist der Umstand, daß das Kriegsministerium eine neue Heeresinspektion für diesen Zweig der Armee geschaffen und den General Roques, den Abteilungsdirektor im Kriegsministerium zum Generalinspekteur der Militär-Aviation ernannt hat. . Daß natürlich die praktische Aviation im..Heere mit ungewöhn- lichem Eifer betrieben wird, versteht sich von selbst, und fast jeder Tag bringt neue Fortschritte und beachtenswerte Leistungen. Erst dieser Tage wieder haben die Öffizierspiloten durch einige schöne Flüge von sich reden. gemacht. Der Marineleutnant Byasson flog von Buc nach Vincennes, wobei er mit seinem Zweidecker Maurice Farman Paris überquerte, und von dem Polygon zu Vincennes nahm Byasson seinen Abflug nach Mourmelon, wo er glatt landete. Am Tage darauf kehrte der Offizier auf dem Luftwege von Mourmelon an den Aus- gangspunkt seiner Mission, nach Vincennes zurück. Auch dieser Flug ging ohne jede Störung voustatten. Nach ‚erstatteter Meldung flog dann Byasson von Vincennes wieder ab und nahm seine Richtung nach Buc, wo er vor der Farman’schen Fliegerhalle prompt landete. Ein anderer Offizier, der Leutnant Mönard, flog von Mourmelon nach Vitry-le-Francois und umkreiste die Stadt und ihre Hauptgebäude mehrere male. Nachdem er einen Ehrenwein, den ihm eine dortige sportliche Vereinigung angeboten hatte, angenommen hatte, begab sich der Pilot auf gleichem Wege wieder nach Monrmelon zurück, Der Haupmann Bellanger, dessen sich die Leser wohl noch von seinem prächtigen Fluge Paris - Sissonne — Mourmelon - Paris her erinnern, ist am letzten Sonnabend auf seinem Bleriot-Eindecker von Vincennes No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 689 abgeflogen und nach 3% stündigem Fluge glücklich in Chalons an- ekommen. Der Schiffslentnant Delage hat: gleichfalls einige gelungene Ueberlandflüge ausgeführt. Es.sind dies nur einige wenige Leistungen, die zur Charakteristisierung der Entwicklung der Militär-Aviation herausgehoben worden sind. Nun hat der Marineminister den vorerwähnten Schiffsleutnant und Militär-Piloten Byasson beauftragt, in Gemeinschaft mit dem Marineingenieur Mercier einen geeigneten Platz in Toulon ausfindig zu machen, auf dem ein Marine-Aerodrom errichtet werden könnte. Das in Frage kommende Terrain soll sehr groß und vor allen Dingen frei sein, sodaß unfreiwillige Landungen ohne große Gefahr für Aviatiker und Apparate zu bewerkstelligen sind. Außer den Flieger- hallen und Kasernements soll die Installation ein Ateliers nmfassen, in welchem die erforderlichen Reparaturen vorgenommen und kleines Versuchsmaterial hergestellt werden können. Die Einrichtung des Aerodroms soll in der Weise erfolgen, daß es in Friedenszeiten als Experimentierfeld dient, in Kriegszeiten aber ohne weiteres für den aviatischen Dienst benutzt werden kann. Mit Vorliebe ist ein Terrain zwischen Toulon und Nizza ins Auge zu fassen. Leutnant Battini vom 28. Infanterie-Regiment hat dieser Tage Versuche mit einem von ihm selbst konstruierten Eindecker zu (Gonesse unternommen. Er legte bereits zwei Kilometer mit dem Apparat zurück, wobei er durchschnittlich 200 Meter Flughöhe inne- hielt. Bei einer scharfen Knrve aber wurde der Apparat vom Winde erfaßt und teilweise zerstört. Unter Bezugnahme auf die beiden bedauernswerten Unfälle, denen der französische Hauptmann Madiot und der deutsche Leutnant Mente zum Opfer gefallen sind, gibt der Aero-Club de France bekannt, daß er soeben zwei Preise von je 10000. Francs gestiftet habe, welche bestimmt sind, für Vorrichtungen zum Schutze der Aviatiker ver- wendet zu werden. Der erste Preis von 10000 Francs wird dem- jenigen französischen Konstrukteur zugeteilt werden, welcher der Jury einen Aeroplan unterbreiten wird, welcher den Voraussetzungen für Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten und in verschiedenen Terrains, geringste Laufstrecke beim Landen am besten entspricht. Der zweite Preis inı Betrage von 10000 Francs wird demjenigen französischen Konstrukteur zugeteilt werden, der den Flugmaschinen im allgemeinen oder einem ihrer Teile eine wesentliche Verbesserung zugeführt haben wird (hierbei sind Verbesserungen, die lediglich den Motor betreffen, nicht in Betracht gezogen). Schließlich seien noch zwei Veranstaltungen erwähnt, die hier natürlich mit dem lebhaftesten Interesse verfolgt werden. Die eine _ ist das Meeting von Brüssel, das sich auf der Ebene von Etterbeck, in der Nähe der belgischen Hauptstadt abspielt, und über dessen Aus- gang in nächster Nummer zusammenhängend berichtet werden wird. Seite 690 „FLUGSPORT“. No. 21 Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Die Fachzeitschriften tadeln es, daß für Luftschiffe so kolossale Summen ausgegeben werden, während doch die Flugmaschinen schon jetzt den Luftschiffen iu ilırer Brauchbarkeit für militärische Zwecke überlegen wären. Das Kriegsministerium kann demgegenüber darauf hinweisen, daß es jetzt doch auch zwei Flugmaschinen angekauft habe. Es hat aber Aufsehen erregt, daß die eine dieser beiden Ma- schinen ein Paulhanscher Biplan ist. Von den anderen Maschinen weiß man doch, was sie leisten können, während die Paulhansche Konstruktion praktisch noch unerprobt ist und erst zeigen muß, ob sie ihre Ansprüche auch erfüllen wird. Die Paulhanschen Patent- rechte in England sind von Holt Thomas erworben worden, der Paulhan bei seinen Flügen in England stets zur Seite gestanden hat Thomas war auch als englischer Korrespondent bei den französischen Manövern, und daher sollen seine Beziehungen zum englischen Kriegs- ministerium herrühren. Am 25. Oktober hielten Mitglieder der drei Aero-Liguen von Frankreich, Belgien und England eine Zusammenkunft in Folkestone ab, um die in Boulogne gepflogenen Beratungen über Sicherheits- maßregeln für Flugmaschinen fortzusetzen. Etwas merkwürdig ist, daß der Vorsitz bei dieser Versammlung dem bekannten Schriftsteller Rudyard Kipling übertragen wurde. Kipling hat zwar einmal in einer Zeitung eine Zuschrift über den Schutz des Flugschiffers gegen Unglücksfälle veröffentlicht, steht sonst jedoch dem Flugsport durchaus fern. Aber Kipling ist eine politische Persönlichkeit und bekannt als Pananglist und Deutschenfeind, und das wird auch wohl erklären, weswegen er in solcher Weise ausgezeichnet wurde. Als englische Delegierte waren sonst noch erschienen : Oberst Massy, E. S. M. Perowne, S. A. Marples, J. T. C. Moore-Brabazon, C. C. Turner und die Bürgermeister von Folkstone und Dover; von Frankreich der Bürgermeister von Boulogne, M. Quinton und M. Archdeacon; von Belgien der Baron de Veriere. Während der Verhandlungen erklärte M. Quinton die Luftjacke und den Lufthelm, die jetzt in Frankreich ausprobiert werden, und erwähnte, daß die französische Liga einen Preis von 20000 Frs. für einen zuverlässigen Motor ausgesetzt habe, ebenso wie in England für denselben Zweck ein Preis von 25 000 Frances ausgesetzt ist. Turner schlug einen Preis für ein Instrument vor, an welchem der Flieger ablesen kann, ob seine Maschine sich neigt und wieviel; dieser Vorschlag wurde auch angenommen. End- lich wurde ein Preis von 40000 Mark ausgesetzt für den ersten Flieger, der innerhalb einer Woche mit einem oder zwei Passagieren viermal über den englischen Kanal zwischen Boulogne und Folkstone fliegt, und dessen Maschine sicher auf dem Wasser niedergehen kann und zum Abfluge keiner Hilfsmittel bedarf. Ueber den großen Preis für einen Flug über die französische, belgische und englische Küste wurde jedoch keinerlei Beschluß gefaßt. An demselben Tage fand eine Versammlung der Aeronautischen Gesellschaft von Großbritannien statt, in welcher besonders über die Verwendung von Acroplanen im Kriege verhandelt wurde. Besonders wurde das Schlenderu von Explosivstoffen aus Flugzeugen besprochen No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 691 und ein Artillerienberst gab sein Urteil dahin ab, daß diese Gefahr zunächst nicht groß sei. Ein Treffen von der Luft aus sei viel schwieriger als der Laie sich vorstellte. Selbstverständlich könne durcli Zerstörung von Trockendocks und Corditfabriken großer Scha- den angerichtet werden, aber zunächst käme der Aeroplan hauptsäch- lich als Mittel für militärische Aufklärung in Betracht. Auf den Fluggründen von Hendon, New Forest, Brooklands und Sheppey wird fleißig weiter geübt, doch sind dort in letzter Zeit keine bemerkenswerten Leistungen erzielt worden, und bald wird auch die winterliche Jahreszeit eine Einschränkung der Uebungen veran- lassen. Dem deutschen Aufrufe zu Beiträgen für ein Lilienthaldenkmal kann man zur Seite stellen, daß jetzt in England für ein Denkmal zu Ehren Percy Pilchers gesammelt wird. Pilcher, ein Schüler Lilien- thals, verunglückte am 30. September 1899 durch einen Sturz mit seinem Gleitflieger in Stanford Park bei Market Harborough. Er konnte so seine Pläne, einen Gleitflieger mit einem Motor auszu- rüsten, nicht mehr ausführen. Pa Amtliche Bekanntmachungen, das Flugwesen betr. Ueber die Maßnahmen, weiche staatlicherseits gegenüber den Luft- schiffahrten und dem Flugwesen getroffen werden müssen, schweben zurzeit internationale Verhandlungen, an denen auch Deutschland beteiligt ist. Nach ihrem Abschluß, der zu Ende dieses Jahres zu erwarten ist, sollen zur Er- füllung der internationalen Vereinbarungen und zur Erzielung der auf diesem Gebiete nach Lage der Verhältnisse gebotenen Einheitlichkeit der Bestimmungen vom Reiche gesetzgeberische Maßnahmen eingeleitet werden. Die in letzter Zeit sich häufenden Unglücksfälle bei Flugversuchen und Luftschiffahrten, sowie die Zunahme der Flugwettbewerbe und solcher Luftschiffahrten, bei denen Fahrgäste mitgenominen werden, lassen es aber nicht tunlich erscheinen, die reichsgesetz- liche Regelung abzuwarten. Vielmehr werden im Interesse der öffentlichen Sicherheit schon jetzt gewisse Maßnahmen im Wege der Einwirkung auf die Vereine, sowie des Erlasses polizeilicher Anordnungen vorzusehen sein. Hierbei kann freilich nicht unbeachtet bleiben, daß es sich um eine Materie handelt, die einerseits wegen ihrer Neuheit und des Mangels an ausreichenden Erfahrungen besondere Schwierigkeiten bietet, andererseits auch zu möglichster Rücksicht- nahme und Schonung der noch im Anfang stehenden Entwicklung nötigt, um weiteren Fortschritten auf dem neu gewonnenen Gebiete keine Hemmungen zu bereiten. Diese Erwägungen werden auch bei der Anwendung und Durchführung der nachstehenden Anordnungen stets im Auge behalten werden müssen. Wie diese Anregungen nach vorherigen Besprechungen und inı Einvernehmen mit den Vertretern der die Interessen des Flugwesens und der Luftschiffahrt wahrneh- menden Vereine zustande gekommen sind, werden die Behörden auch bei ihrer Handhabung auf Fühlung mit den Vereinsorganen Bedacht zu nehmen haben. Nach Lage der Verhältnisse wird es sich empfehlen, von der Zusammen- fassung der Anordnungen in eine mit Strafvorschriften ausgestattete Polizeiver- ordnung im allgemeinen abzusehen, und soweit nicht die Art der Anordnung den Erlaß einer Verordnung erfordert, zu versuchen, ob nicht das Interesse der all- gemeinen Sicherheit in ausreichender Weise durch polizeiliche Verfügungen an die in Betracht kommenden Vereine und an Einzelpersonen nach folgenden Grundsätzen gewahrt werden kann: A. Flugwesen. 1. Flugversuche der nicht mit einem Führerprüfungszeugnis ausgestatteten Personen sind außer an den für diese Zwecke hergerichteten und eingefriedigten Flugplätzen da zuzulassen, wo mit Rücksicht auf die Lage zu den Verkehrs- straßen und den Umfang des Verkehrs von einer derartigen, nötigenfalls auf Seite 69%2 „FLUGSPORT“. No. 21 bestimmte Tagesstunden begrenzten oder durch gewisse Schutzmaßnahmen ein- eschränkten Benutzung eine Gefährdung der Öffentlichen Sicherheit nicht zu efürchten ist. 2. Flieger, die ein Prüfungszeugnis besitzen, werden im allgemeinen außer- halb der bewohnten Ortschaften überall mit ihrem Flugzeug aufsteigen dürfen. Wo aber die besonderen Verhältnisse es erforderlich machen, haben die Polizei- behörden auch über die Grenzen der Ortschaften hinaus einen Bezirk zu bestim- men, in welchem das Aufsteigen ohne Erlaubnis verboten ist. 3. Von einem allgemeinen Verbot des Ueberfliegens bewohnter Ortschaften ist abzusehen. Die Flieger sind aber vor dem Ueberfliegen größerer Ortschaften unter Hinweis auf die Tierbei drohenden Gefahren zu warnen. Auch ist ihnen das Ueberfliegen von Sprengstoffabriken, Petroleumlagern, Gasanstalten und ähnlichen feuergefährlichen Anlagen, sowie von Grundstücken, die von elektri- schen Hoehspannungsleitungen netzartig überzogen sind, zu verbieten. Flüge über Befestigungen und innerhalb eines Umkreises von 10 km von solchen sind, falls nicht eine schriftliche Erlaubnis der zuständigen militärischen Behörde (Gouvernement, Kommandantur etc.) erteilt ist, zu verbieten. Bei der Landung von Fliegern, die hiergegen verstoßen haben, sind sowohl sie selbst als auch Mitfahrende als der Spionage verdächtig anzusehen; ihre Personalien sind festzustellen, und es ist nachzuforschen, ob verdächtige photographische Aufnahmen oder Zeichnungen gemacht worden sind. 4. Eine besondere Kennzeichnung der Flugzeuge soll einstweilen nicht gefordert werden. 5. Alle Personen, welche Flüge, abgesehen von den unter Ziffer 1: bezeich- neten Flugversuchen, an dazu geeigneten Stellen unternehmen wollen, bedürfen dazu eines „Zeugnisses für Flugzeugführer“, welches von dem Vorstande des Deutschen Luftschifferverbandes, Berlin W 9, Voßstraße 21, ausgestellt worden ist. Dieses Zeugnis muß darüber Auskunft geben, mit welcher Art (Typ) von Flugzeugen der Inhaber zu fliegen für befähigt erachtet worden ist. Das Aufsteigen mit einem anderen ine als dem in dem Führerzeugnis bezeichneten ist zu unter- sagen, bis der betreifende Flieger die Ausdehnung seines Zeugnisses auf den anderen Typ bei dem Vorstande des Deutschen Luftschifferverbandes ein- geholt hat. 6. Von einer Prüfung und Abnahme der Flugzeuge kann vorläufig noch abgesehen werden. 7. Die Polizeibehörden haben namentlich darauf zu achten, daß Personen, welche Schauflüge und sogenannte Passagierflüge (Mitnehmen von unbeteiligten Dritten, Führeraspiranten etc.) ausführen, sich im Besitze des Flugzeugführer- zeugnisses (Ziffer 5) befinden. Der Vorstand des Deutschen Luftschifferverbandes wird von jedem Falle der Erteilung, Ausdehnung oder Entziehung des Flugzeugführerzeugnisses dem Polizeipräsidenten in Berlin Mitteilung machen. Bestehen hinsichtlich eines solchen Zeugnisses oder seines Inhabers Zweifel, so hat die Polizeibehörde sich um Auskunft an den Polizeipräsidenten in Berlin zu wenden. 9. Im übrigen ist die Flug- und Sportplatz-Gesellschait Berlin- Johannisthal in Berlin W 35, Lützowstraße 89/90, bereit, Auskünfte über Flieger und Flug- zeuge zu erteilen. B. Luftschiffahrt‘*) C. Fesselballone.*) D. Allgemeines. 1. Für-Ausländer treten an die Stelle der unter A5, Bal, bl und CI == ‚erwähnten"Zeugnisse die entsprechenden, von dem Vorstande des Deutschen Luftschifferverbandes anerkannten ausländischen Zeugnisse. 2. Die Bestimmungen unter A, B und C finden keine Anwendung auf die Luftfahrzeuge der Militärverwaltung. 3. Die Polizeibehörden haben von den ihrerseits erlassenen Anordnungen allgemeiner Natur, namentlich von solchen, durch die aus besonderen Gründen das Aufsteigen von Fliegern auch außerhalb geschlossener Ortschaften verboten oder von einer besonderen Erlaubnis abhängig gemacht wird, sowohl dem *) Siehe Reichsanzeiger vom 29. Oktober 1910. No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 693 Deutschen Luftschifferverbande als auch den in der Anlage*) aufgeführten Fach- blättern mitzuteilen. Kosten dürfen den Behörden durch die;Veröffentlichung der Anordnungen in diesen Blättern nicht entstehen. Berlin, den 22. Oktober 1910. . „Der Minister _ Der Minister des Innern. der öffentlichen Arbeiten. In Vertretung: v. Breitenbach. Holtz. An die Herren Regierungspräsidenten und den Herrn Polizeipräsidenten in Berlin. Die VI. Konferenz der internationalen aeronautischen Föderation, (Von unserem Pariser Korrespondenten.) Die statutenmäßige Konferenz der internationalen aeronautischen Föderation fand am Mittwoch, Donnerstag und Freitag voriger Woche zu Paris in den Räu- men des Aero-Club de France statt. Diese Konferenz ist bekanntlich alljährlich durch die Statuten vorgeschrieben und zwar in 1905 zu Paris, in 1906 zu Berlin, in 1907 zu Brüssel, in 1908 zu London, in 1909 zu Zürich abgehalten worden. Zu der diesjährigen Generalversammlung waren von verschiedenen Nationen zahlreiche Fragen zur Tagesordnung angemeldet worden, und zwar aııs Deutschland: 1. Meeting-Kalender (Antrag, jedem zur Föderation gehörigen Lande eine internationale Woche mit Exklusivität zu gewähren, gleichviel welches die Summe der zur Verfügung stehenden Preise sei:, 2. Beratung des von Herrn von Frankenstein vorgeschlagenen Orientierungssystems (das in der Anbringung von Zahlen und Buchstaben von großen Dimensionen auf Dächern hoher Baulich- keiten besteht), 3. Beratung über das Dimensionen-Zertifakat für Ballons und Aeroplane (Vorlegung eines Modells durch Professor Busley), 4. Bestätigung des an Stelle des Oberstieutnants Moedebeck zum Sekretär-Berichterstatter gewählten Professors Bamler, 5. Abänderung des 8 7 der Statuten dahin, daß „alle Jahre nach dem 15. Oktober eine Konferenz stattzufinden hat“. Aus Oesterreich: Antrag, daß einer der Vizepräsidenten der Föderation von Oesterreich-Ungarn zu stellen sei. AusEngland: 1. Ausarbeitung eines allgemeinen Reglements für die Pilotenpatente, 2. die von den Militär- und Marinebehörden aller Länder ausge- stellten Patente sollen anerkannt werden, 3. über Schäden, die dritten Personen zugefügt werden, 4. Kontrolle der Höhe der ausgesetzten Preise seitens der Sportkommission jeden Landes, 5. nationale und internationale Meetings. Von Belgien: Berufung des Aero-Club von Belgien gegen das Klassement Olies- lagers im Meeting von Reims 1910. Aus Frankreich: 1. Berufung des Aero- Club de France gegen das Klassement des Gordon-Bennett zu Zürich 1909, 2, Unifizierung der Patente, 3. Anerkennung der Weltrekords. Aus Italien: 1. Antrag, daß die durch den aeronautischen Kalender festgesetzten Meetings die einzigen sein sollen, welche in den betreffenden Ländern als internationale Meetings vor sich gehen dürfen, 2. Antrag, daß die aviatischen Schausteltungen der Kontrolte der Sportinstanzen unterliegen sollen, im Interesse von Aviatikern und Publikum, da die Lokalbehörden nicht in der Lage sind, die notwendigen Dispositionen zu treffen. Aus der Schweiz: 1. Antrag auf gänzliche Unter- drückung des aeronautischen Kalenders, dessen wesentlichstes.Resultat gewesen ist, der Entwicklung der Aviation, namentlich in den kleinen Ländern, Hindernisse zu bereiten, 2 Antrag, in den Reglements stets die betreffenden Landungs- bedingungen zu präzisieren, 3. Antrag, daß das Datum der Konferenzen jeweilig im Laufe der Tagung bestimm: wird und nachträglich nicht geändert werden kann. Als am Mittwoch mittag Graf Henri de la Vaulx als Präsident den Kongreß eröffnete, waren folgende Staaten durch ihre Vertreter anwesend: Deutschland, Oesterreich, Belgien, Vereinigte Staaten, Frankreich, England, Holland, Italien, Norwegen, Rußland, Schweden und die Schweiz. Entschuldigt waren Dänemark und Spanien. *) UD.a. Zeitschrift „Flugsport“. Siehe Reichsanzeiger vom 29, Oktober 1910. Seite 694 „FLUGSPORT“. No. 21 Nachdem Graf de la Vaulx die Anwesenden begrüßt und seinem Bedauern Ausdruck gegeben hatte, daß der Präsident der Föderation, Prinz Roland Bona- parte, durch eine wissenschaftliche Reise verhindert sei, widmete er Worte ehrenden und herzlichen Gedenkens für den verstorhenen Oberstleutnant Moede- beck, sowie einige andere verstorbene Mitglieder. Sobald durch den Sekretär des Kongresses, den Grafen Castillon de Saint- Victor die Vollmachten-Prüfung vorgenommen worden war, ging man zur Tages- ordnung über. Nach kurzer Befürwortung der anwesenden ÖOesterreicher und Ungarn wurde der Ungarische Aero-Club einstimmig in die Föderation aufge- nommen. Indessen hob ein englischer Delegierter hervor, daß das nicht etwa einen Präzedenzfall darstellen dürfe. Die Zulassung des Aero-Clubs von Egypten wurde vertagt, diejenige des Aero-Clubs von Canada, als gegen die Statuten verstoßend, direkt abgelehnt. Der deutsche Delegierte, Professor Bamler, verliest alsdann seinen sehr eingehenden und vorzüglich gefaßten Bericht über das abgelaufene aeronautische Jahr. Da, wo der Berichterstatter von der Aviation sprach, hob er mit vollem Rechte hervor, daß unter Berücksichtigung der beträchtlichen ständigen Zunahme an Piloten die Unfälle verhältnismäßig geringer werden. Der Antrag der Schweiz auf Unterdrückung des aeronautischen Kalenders, der von Deutschland, Frankreich, England und Holland unterstützt wird, findet einstimmige Annahme. Auf Antrag von England und Frankreich wird die Unifizierung der Piloten- patente für alle Gattungen von Luftfahrzeugen beschlossen. Es wurde sofort eine Kommission ernannt, welche sich über die Voraussetzungen für diese allge- mein einzuführenden Patente schlüssig werden soll. Hierauf kommt der Antrag Englands, betreffend die dritten Personen zu- gefügten Schäden, zur Verhandlung. Die englischen Delegierten schlagen vor, daß in denjenigen Fällen, wo ein Aviateur einen Unfall verschuldet hat, die Organisationskomitees die von jenem gewonnenen Preise nicht auszahlen sollen, ehe nicht die Entschädigungsfrage völlig geregelt ist. Major von Tschudi ent- gegnete, daß man die Kviatiker, die an Meetings teilnehmen wollen, vielleicht verpflichten könne, sich gegen die dritten Personen zuzufügenden Schäden zu versichern. In Deutschland akzeptieren die Gesellschaften derartige Versiche- rungen. Hieran knüpfte sich eine längere Aussprache. Der französiche Dele- ierte Leon Barthou und der belgische Vertreter Fernand Jacobs betonten die nzuträglichkeiten, die der Antrag Tschudi mit sich bringen würde und die An- gelegenheit wurde vertagt. Am nächsten Tage berichtete bereits die Kommission über ihre Beschlüsse betreffend die Pilotenpatente. Soweit die Aviation dabei in Frage kommt, wur- den sämtliche Vorschläge der Kommission angenommen, sodaß nunmehr folgende Bestimmungen Geltung haben werden: Die sportliche Instanz, welcher die Kontrolle der Aviation in dem jeweiligen zur Föderation gehörigen Lande untersteht, ist allein befugt, die Pilotenpatente an Personen auszuhändigen, die mindestens das Alter von 18 Jahren erreicht haben müssen. Es können dies sein a) Angehörige desselben Landes; b) Ausländer, die einem Lande angehören, das nicht der Föderation ange- schlossen ist; c) Ausländer, die einem Lande angehören, das wohl der Föderation ange- schlossen ist; aber in diesem Falle kann das Patent erst nach Geneh- migung der sportlichen Instanz jenes Landes, dem der Bewerber zugehört, ausgeliefert werden. Die Bewerber um das Piloten Patent werden folgende drei Bewerbe zu bestehen haben ° 1. Zwei Distanzbewerbe, deren jeder verlangt, daß ein geschlossener Rund- flug von mindestens 5 km Länge vollbracht wird; 2. Einen Höhenbewerb, bei dem sich der Bewerber mindestens 50 m über dem Abflugpunkt zu erheben haben wird; 3. Der vorangeführte Höhenbewerb kann mit einem der erstgenannten Distanzbewerbe verschmolzen werden. Die Bahn, auf der der Bewerber die beiden erstgenannten Bewerbe auszu- führen haben wird, muß durch zwei höchstens 500 m von einander entfernte Pfähle abgesteckt werden. Nach jeder um einen dieser Pfähle ausgeführten Kurve hat der Bewerber umzuwenden und dann den anderen Pfeiler zu nehmen, sodaß sich also der Flug No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 695 aus einer ununterbrochenen Serie von „Achten“ zusammensetzen wird. Für jede dieser „Achten“ wird die Entfernung der beiden Pfähle von einander als die zurückgelegte Distanz gerechnet. ei jedem der Bewerbe muß die Landung erfolgen: . 1. indem der Motor spätestens in dem Moment angehalten wird, wann der Apparat den Boden berührt; 2, auf eine Distanz von mindestens 50 m von einem durch den Bewerber vor Antritt des Fluges selbst bestimmten Punkte. j Die Landungen müssen in durchaus normaler Weise vor sich gehen und der Kommissar wird in seinem Berichte gerade über diesen Punkt die genauesten Angaben zu machen haben, indem die Auslieferung des Patentes in allen Fällen fakultativ ist. Die verantwortlichen Koınmissare werden einer Liste zu entneh- men sein, die die Sportinstan’ jeden Landes alljährlich neu aufstellt. j Diese neuen Bestimmungen, die vom 15. Februar nächsten Jahres in Kraft: treten, stellen das Minimum dar, das in allen Ländern verlangt werden muß, doch ist jedes Land für sich berechtigt, noch weitere und schärfere Anforderungen an die Bewerber zu stellen.. . . Die Piloten-Patente werden in zwei Sprachen, in Französisch und in der jeweiligen Sprache jedes Landes, abgefaßt werden. Außerdem wird in sechs verschiedenen Sprachen eine Bitte’ an die Behörden der betreffenden Länder angefügt werden, dem Piloten freundliche Unterstützung zu gewähren. . Man ging dann zur Bestätigung der Rekords über. Dann folgten die ver- schiedenen Berufungen. Diejenige des Aero-Club de France wurde von Surcouf warm verteidigt. Er wies nach, daß Leblanc im Gordon-Bennet zu Zürich die angegebene Kilometerzahl geleistet habe und daß sein sportlicher Eifer nicht bezweifelt werden kann. Er beantragte für Leblanc den zweiten Platz, der ihm auch von der Konferenz (gegen zwei Stimmenthaltungen) bewilligt wurde. Der vom belgischen Aero-Club eingelegte und von dessen Präsidenten Fernand Jacobs vertretene Appell zugunsten Ölieslagers, betreffend einen Preis von 5000 Franken, wurde von Frankreich (durch Surcouf) bekämpft und schließ- lich verworfen. . Man schritt dann zur Bureaubildung für das Jahr 1911. Deutschland prä- sentierte einen neuen Vizepräsidenten an Stelle des Professors Bamier in der Person der Exz. v. Nieber. Zum Kommissar für 1911 wurde an Bamlers Stelle der italienische Hauptmann Mina erwählt. Alte übrigen Mitglieder wurden aufs neue bestätigt. on Nachdem Professor Hergesell dem Grafen de la Vaulx für die vollendete und liebenswürdige Art, wie er die Debatten geleitet, unter allseitiger Zustim- mung gedankt hatte, schloß die Konferenz. ı Am Sonnabend besuchten die Mitglieder der Konferenz den aviatischen Salon in dei Champs Elyse&es. Flugtechnische Rundschau. Inland. ü Höhen: Zeit: Wiencziers auf u Euler auf Euler Deutscher Bleriot 1560 m. 3 St. 6 Min. 18 Sek. hannisthal am 15. 10.10. Truppenübungsplatz bei ekord Joba Darmstadt am 25, 10. 10. Das Flugmaschinenjfäührer-Zeugnis erwarben: Friedrich Treitschke, am 18. Oktober. Seite 696 „FLUGSPORT“. No. 21 August Euler hat einen neuen deutschen Dauer- und Distanzrekord von 3 Stunden 6 Min. 18 Sek. aufgestellt. Euler hat in aller Stille seine Maschine immer mehr verbessert. Die Konstruktion der Tragdecken weicht von der bisher üblichen Bauweise vollständig ab. Ueber den bedeutungsvolten »ffi- ziell beglaubigten Rekordflug vom 25. Oktober entnehmen wir dem Protokoll- buch Eulers folgendes: Herr August Euler startete heute morgen um 10 Uhr 15 Minuten, um den deutschen Distanz- und Dauer-Rekord zu schlagen. Er flog insgesamt 3 Stunden, 6 Minuten, 18 Sekunden ohne die Erde zu berühren und landete um I Uhr 21 Minuten 18 Sekunden, 60 m von seiner Flug- maschinenhalle entfernt. Die durchschnittliche Höhe wärend des ganzen Fluges betrug 25-30 m die geringste Höhe nicht unter IO m und die größte Höhe etwa 80 m. Der wind war sehr unregelmäßig, böig, teilweise ganz abflauend, teilweise sehr eftig. Mit diesem Fluge ist der deutsche Dauerrekord, welcher auf 2 Stunden 40 Minuten steht, um 26 Minuten und 18 Sekunden geschlagen. gez. von Hiddessen, Leutnant im Leih-Dragoner-Regiment 24 und amtlicher Zeitnehmer des Deutschen Luftschiffer-Verbandes. gez. Heinrich Scanzoni von Lichtenfels, Leutnant im Leib-Garde-Regiment 115 gez. Charles de Beaulieu, Leutnant im Leibgarde-Regiment 115 gez. Albrecht Graf von Rechteren Limpurg, Leutnant im Leibgarde-Regiment 115- gez. Kage, Feuerwerks-Hauptmann. : Bereits am 24. Oktober, 5 Uhr 7 Min. nachmittags, führte Euler. einen Flug von 1 Stunde 13 Min. 26,5 Sek. aus. Euler in seiner neuen Maschine mit welcher er einen deutschen Zeit-Rekord von 3 St. 6 Min. 18 Sek aufstellte Während dieses Fluges bezw. bei der Abfahrt hatte die Flugmaschine 147,2 kg Betriebsstoffe an Bord. Der Start erfolgte glatt nach 60 m Anlauf. Die durchschnittliche Höhe des Fluges betrug ca. 20 m, die geringste Flughöhe Um 5 Uhr 50 Minuten war vollständige Dunkelheit eingetreten,*sodaß der Flug während einer halben Stunde in vollständiger Dunkelheit ausgeführt wurde Der Apparat war in der Luft nur noch an dem teurigen Reif, welchen der Gnome-Motor in der Dunkelheit macht, zu erkennen. ‚Die Landung erfolgte glatt ohne jede Beschädigung des Apparates, vor der mit vielen elektrischen Bogenlampen beleuchteten Flugmaschinenhalle. « U. No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 697 Auch dieser Flug wurde von offiziellen Zeitnehmern mittels Stoppuhr genauestens kontrolliert. Die nebenstehende Abbildung zeigt Euler in seiner Maschine vor Beginn des Fluges. Einen Flug von Halle nach Leipzig versuchte Poulain am 26. Oktober auszuführen. Er stieg 3 Uhr 45 Min. auf den Bassendorfer Wiesen bei Halle auf, verirrte sich aber im Nebel und mußte um 5 Uhr bei Schkeuditz infolge Benzinmangels niedergehen. Poulain setzte seinen Flug am nächsten Tage fort und landete 2 Uhr Mittags in Lindenthal b. Leipzig. Die Fliugmaschinen-Geselischaft Professor Baumann und Freytag hat die Versuche mit ihrem Dreidecker begonnen Die betreffende Maschine besitzt drei übereinander liegende Tragdecken. Das Höhensteuer eben- falis drei übereinander liegende Flächen, isf in den Schwanz verlegt. Für die Seitensteuerung dienen zwei an den vorderen Tragflächen angeordnete einzieh- bare, dreieckige Hilfsflächen. Zum Betriebe dient ein 26 PS Escher- Motor. Heinrich Ahrens in Elmshorn hat einen leichten Eindecker gebaut, welcher komplett mit 24 PS Motor 180 kg wiegt. Oberleutnant Mente + stieg am am 25. Oktober auf dem Flugplatz Herrenkrug bei Magdeburg mit seinem Wright-Apparat auf (Ueber den Todes- sturz Mentes haben bereits die Tageszeitungen zur Genüge berichtet.) Mente kam glatt vom Boden und hielt sich in einer Höhe von 60- 80 m, beschrieb um die Bahn einen kleinen Kreis und wollte landen. Er stellte den Motor ab und wollte im Gleitflug niedergehen. In diesem Moment wurde der Motor wieder angestellt, der Apparat neigte sich sehr stark nach vorn und stürzte zu Boden. Mente war sofort tot. Ausland. Leutaant Saglietti ist am Donnerstag, den 27. Oktober auf dem Flug- felde von Centocelle abgestürzt. Saglietti, Direktor des italienischen Flieger- corps, unternahm auf einem Farman-Apparat einen Höhenflug und ging aus 300 m im Gleitflug nieder. Plötzlich, in ca 75 m Höhe, sah man, wie das Höhensteuer sich vertikal stellte und der Flieger versuchte, dasselbe zu diri- gieren. Der Apparat stürzte zu Boden und wurde zertrümmert. Saglietti ver- suchte in 15 m Höhe aus der Maschine zu springen, der Apparat riß den Flieger um und erdrückte ihn. Vliajcu, ein Ungar, hat, wie aus Bukarest gemeldet wird, während der rumänischen Manöver mit seiner Flugmaschine glänzende Erfolge erzielt. Die rumänische Regierung hat ihm eine Subvention von 50000 Lei zugewiesen. An der Spitze des Unterstützungs-Komitees steht Prinz Ferdinand. —Iner gewann am 31. Oktober mit seinem Etrich-Eindecker die beiden Landespreise von 5000 Kr, für den längsten Flug auf dem Flugfelde Wiener- Neustadt. Iiner flog 2 Stunden, 50 Min. und 50 Sek. Flugkonkurrenzen. Einen Flug Berlin--Wien projektiert der Ocsterreichische Automobil-Klub. Die Organisation so}l von dem Oesterreichischen Automobil-Klub, bezw. vom Kaiserl. Automobil-Klub in Berlin durchgeführt werden. Zum Start sind nur deutsche und österreichische Flieger zugelassen. Seite 698 „FLUGSPORT“. No. 21 Der Ueberlandflug Bork — Johannisthal, veranstaltet vom Verein Deutscher Flugtechniker, Berlin, fand am Sonntag, den 30. Okt. statt. Die Or- ganisation klappte vorzüglich. Alles ging programmäßig. Den Fliegern war eine bestimmte Route, die vom Verein markierte Flugstraße Bork-—-Johannisthal, vorge- schrieben. In der Nähe von Treppin war durch ausgelegte weiße Laken und durch ein Teerfeuer eine Marke gebildet, welche die Flieger im geschlossenen Kreis passierte er in 40 m Höhe den Wendepunkt und landete 2 Uhr 55 Min. in Johannisthal. Die offizielle Flugzeit betrug 41 Minuten 10 Sek., entsprechend einer Stundenigeschwindigkeit von 100 km. Grade startete um 2 Uhr 26 Min., rundete um 2 Uhr 50 Min. den Treppiner Wendepunkt und landete nach 53 Min. in Johannisthal. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 83 km. Thelen startete 2 Uhr 34 Min. Seine Flugzeit betrug 56 Min. 15 Sek. Das Resultat ist folgendes : 1, Preis Wiencziers, 2500 Mark, 2. Preis Grade 1500 Mark, 3. Preis Thelen 1000 Mark. Von der amerikanischen Flugkonkurrenz. Das Gordon Bennett-Rennen im Belmont-Park hat die Konstrukteure gezwungen, neue Renntypen herauszu- bringen. Clenn H. Curtiß, der vorjährige Gewinner des Gordon Bennett-Preises, war mit 2 Renn-Eindeckern von je 14 qm Tragfläche erschienen. Zum Betriebe dienen 65 PS Curtiß-Motoren. Latham erschien mit seinem 100 PS Antoinette, mit welchem er Geschwin- digkeiten bis zu 105 km erzielte. Interessant sind die neuen Wright-Maschinen, Renntype, von 7,5 m Spann- weite und 1,1 m Tragdeckenbreite. Die Wrights haben das vordere Höheusteuer (s. nebenstehende Abbildung) vollständig weggenommen und steuern mit einer hinter das Seitensteuer c verlegten horizontalen Fläche b. An den vorderen Enden drr stehengebliebenen Kufen sind zwei vertikale dreieckige kleine Dämpfungsflächen a vorgesehen. Diese Dämpfungsflächen waren bekanntlich früher zwischen dem Höhensteuer angeordnet. Die Amerikaner sandten folgende Flieger in das Rennen: Brookins auf Wright mit 70 PS Achtzylinder-Motor, Hamilton auf Hamilton mit 110 PS Acht- zylinder-Motor und Drexel auf Bleriot mit 50 PS Gnoim-Motor. Die französischen arben waren vertreten durch Latham auf Antoinette, Leblanc auf Bleriot und Aubrun auf Bleriot ‘England hatte entsandt: Graham White auf 100 PS Bieriot, Ogilvie auf Short-Wright und Radley auf 100 PS Bileriot. Am 31. Oktober hat Johnstone auf Wright einen neuen Höhenrekord von 2962 m aufgestellt. (Und am 31. 10. 3200 m.) Orville Wright erreichte mit seiner 65 PS Maschine 101 km Stundenge- schwindigkeit. . Im vorigen Jahre wurde die Trophäe (in Reims) über 20 km bestritten und von Clenm "A. Curtiß in 15 Minuten 50°/, Sekunden gewonnen Zweiter war Bleriot in 15:56. Dieses Jahr wurde die Distanz von -20 Bahnrunden, also von 100 km, festgesetzt. Von den 8 Bewerbern nahm Graham White um 8 Uhr 42 Min. als erster seinen Abflug. Er brachte die zwanzig Bahnrunden in 1 Stunde 1 Min. 4 Sekunden lıinter sich. Alfred Leblanc nahm mit mit vollem E'an seinen Start um 9 Uhr 20 Min. Nach Beendigung der vierten Runde hatte er vor dem Engländer einen Vorsprung von |! Minute 20 Sekunden.. Die erste Runde hatte er in 2:45 zurückgelegt. Eine fieberhafte Aufregung herrschte, als Leblanc seine 19. Runde zurücklegte, er hatte jetzt, da 52 Minuten 49°/, Sekunden flog, eine durch- » schnittliche Geschwindigkeit von 107,150 km erreicht. In der letzten Runde hatte Leblanc das Malheur, daß sein Apparat sich plötzlich zur Seite neigte und aus einer Höhe von 100 Fuß auf einen Telegr phenpfeiler herabstürzte. Das Benzin war völlig ausgegangen. Leblanc erlitt eine Verletzung über dem rechten Auge, die aber nicht gefährlich zu sein scheint. Ogilvie, von der englischen Mannschaft, der einen Wright steuerte, flog un 8 Uhr 8 Min. ab, landete nach I2 Runden und setzte dann den Flug fort, indem er nach 2 Stunden 6 Minuten 36 Sekunden die 100 km hinter sich brachte. Brookins stürzte mit seinem Wright vor den Tribünen und wurde ohnmächtig davongetragen. Latham flog um 10 Uhr 59 Mi- Ar. ite 699 No. 21 „FLUGSPORT“ Seite i i feiler und wäre beinahe i 15. Runde stieß er gegen einen P k \ non He eibüne der Schiedsrichter geworfen worden. Er zog Sieh, aus dem Kampf zurück, mit der Begründung, dal der Wind die Flüge sein a zu j erreiße und ‘er keine Aussicht habe, die von Graha ee nen Br au übertreffen eländı er eahan ot Fe .04 Zweiter im Klasse- i des Engländers Graham ite eriot in 1: 1:08. merk wurde Ögitvie _ Engländer, Wright) in 2:06:36. Wright’s neue Rennmaschine. Diese unverhoffte Niederlage ist den Franzosen ee a die Nerven gefallen und ihr einziger Trost SE Aal Anh dcr Französischen In’ Graham White einen Bleriot stet ‚als » Gastrie® in etten Ueberschriften verkünden können. .. - - Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. 77h. Sch. 31388. Wärmeisolierende Hülle für Luftfahrzeuge. Julius Schwarz, Freiburg i. B., Zasiusstr. 89. 14. 11. 08. Adrian i ir Luftfahrzeuge. 53279. Höhen- und Seitensteuerung für f f Baumann Kifenberg b. Zürich; Vert.: Max Werner, Pforzheim. 22. 2. 09 Patenterteilungen. 7Th. 228241 Wendeflügelrad für Flugmaschine, mit ter Auf- n | Stettin, Paradeplatz 3. 4. IV. W®. HM. . und Vortrieh, STE, a onzloft. Jul us Rund, Göthestr. 10, und Max Samson, -M. 19.8.09. R.910. Taunus; Eric für Ruderflugapparate mit mehreren ein. niederschlagenden, durch Kurbelwelle und Zugorgane bewegten . Teltow. 14 9. 09. B. 55621. Erhard Brunsmann, SChUBeH HUT im Verwinden der Tragflächen von Drachen- fliegern. Robert Esnault-Pelterie, Billancourt, Frkr.; Vertr.: M. Mintz, Pat.-An- i 4. 07. E. 12486. . wait Be Vorrichtung zum Aufsteigen und Fortbewegen In der Luft i i © Christoper ÄAntoonovich, St. ;ckstoß explodierender Gas emische vi, en Vertr.: R Loll, Pat -Anw., Berlin SW. 48. 21. 2.09. A. 16 Gebrauchsmuster. j Th. 436489. Signalballon, S. Saul, Gummiwarenfabrik, Aachen. 18. 8. 10. S- Eh 436583. Federndes Anfahrgestell für Flugapparain beste as f i 1 Stoß-Abschwächung e h En ch gesichert "sind. Hermann Brand, Stuttgart, Reuchlinstr. 28. nn 1 i | hinen mit vier die Ecken eines 91. Rumpfgerippe für Flugmaschin ine Trance" qurchsetzenden Tngsstäben, deren zwei in wagerechten und zwei in Seite? 700 „FLUGSPORT“. No. 21 senkrechte Ehenen ausgebogen sind. Wolfgang Harlan, Charlottenburg- Westend, Kastanienallee 18. 9. 9, 10. H. 47734. u Th. 436592. Aus Stahlhülsen zusammengesetztes Verbindungstück für die Stäbe von Flugmaschinen. Wolfgang Harlan, Charlottenburg- Westend, Kastanienallee 18. 9.9. IQ. H. 47735. 77h. 436609. Flugmaschine. Wilh. Emil Pröhl, Plauen i. V., Melanchtonstr. 43. 5. 10. 09. P. 16187. 77h. 436722. Lenkbarer Flug- apparat. Franz Ewerlin, Alt-Pasarge bei Braunsberg, Ostpr. 9. 9. 10. E. 14725. Verschiedenes. Eine Deutsche Fachschule für Flugwesen. Jede Technik erfordert ihre Schulung und so auch die Flug- technik.. Als vor einem Jahre dieselbe auch in Deutschland festen Fuß faßte, nahm die Erste Deutsche Automobil- Fachschule in Mainz Veranlassung, an ihre bestehende, in weitesten Kreisen bekannte Lehranstalt, eine Abteilung anzugliedern, in welcher der Flug- technik ganz besonderes Interesse gewidmet wird. Langsam und zielbewußt ist diese Abteilung ausgebildet worden. Es wurde eine Lehrstätte geschaffen, in der Sports- und künftige Berulsleute nicht nur das Fliegen erlernen, son- dern auch bis ins Kleinste mit der Flugmaschine vertraut gemacht werden. In den mit der Lehranstalt ver- bundenen Fabrikations-Räumen werden Flugapparate nach den bewährten Systemen gebaut und auf dem Uebungsfelde ausprobiert. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand. Der Specialkonstrukteur, welcher in einem 15wöchentlichen Kursus mit der gesamten Flugmaschine ver- traut gemacht wird, hat Gelegenheit, sich auf dem Flugfelde die notwendige Aui dem Flugfelde der Auto-Fachschule Mainz Abt. Flugwesen. Maschine zu verschaffen. -- Auf dem Truppenübungsplatze in Dotzheim bei Wiesbaden, wurden große Hangars errichtet, in welchen 6 Flugmaschinen untergebracht sind, die für das Erlernen des Fliegens von den zahlreichen Besuchern benützt werden. Ein- und Zweidecker mit verschie- denen Motorsystemen sind für die Flieger vorhanden. Die neben- stehende Abbildung zeigt uns die zum Start bereitstehenden Apparate auf dem Flug elde. Erfahrung in der Handhabung der_.__. No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 701 Deutscher Flieger-Bund. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. Telefon, Amt I, No. 1581. Die Generalversammlung des Deutschen Fliegerbundes findet am 13. November, vormittags 9 Uhr, in Leipzig, Hotel Hauffe, statt. _ Das Präsidium des Deutschen Fliegerbundes. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter oo. Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, - Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. Telefon, Amt I, No. 1581. Unser Mitglied, Herr August Euler, hat am 25. Oktober in Gegenwart des Starters unseres Klubs, Herrn Leutnant v. Hiddessen den deutschen Rekord mit 3 Stunden 6 Min. 18 Sek. geschlagen. Wir erlauben uns, Herrn August Euler auch an dieser Stelle nochmals unseren Glückwunsch für die große sport- liche Leistung auszusprechen. In den letzten Monaten sind unserem Club als neue Mitglieder beigetreten: Freiherr Moritz von Bethmann, Dr. Gustav v. Brüning, Referendar v. Bieler, Oberst v. Hofacker, Chef des Generalstabs des XVIll. Armeekorps, Dr. With. Merton, Professor Dr. Spiess, zu Frankfurt a. M.. Direktor M. Hoffmann, Main- kur b. Frankfurt, Otto E. Lindpaintner, München, Dr. Gustav Wolft, Homburg v. H., Oberleutnant W. Huth, Berlin, und Oberleutnant im Gardekiirassier- regiment v. Tiedemann, Berlin. U Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem am 22. Obtober erfolgten Ableben unseres hochverehrten Mitgliedes Herrn Wilhelm B. Bonn welcher unserem Klub seit dessen Gründung angehört hat, geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir werden ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Der Vorstand des Frankfurter Flugsport-Gluh. Seite 702 „FLUGSPORT". No. 21 Offizielle Mitteilungen des Mannheimer - Flugsport-Club. Sitz Mannheim ‚Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377 2. n Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufman OskarKlinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37 a. 2 , Kaufmann Müller. Kassierer :Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer :Fritz Brück, Ernst Specht Herm. Temmler. Flugwart: Josef: Bechler. MaterialverwalterFadrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in bem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. l Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557. Vorstand: l. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. » Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. Am Montag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr, fand im Savoy-Hotel ein Dis- kussions-Abend statt. Ingenieur Böninger eröffnete die Sitzung. Zunächst be- richtete Ingenieur Ursinus über die den Verein interessierenden Vorgänge auf . dem Luftschiffertag in Dresden. Hiernach referierte Förster Wagner-Wiesbaden über Turbinenschrauben’ Anknüpfend an die Versuche von Ingenieur Eiffel über Luftwiderstände der ver- schiedenen Flächenformen, stellte Referent die Behauptung auf, daß durch seine Schraubenkonstruktion eine hohe Pressung erzielt werde. An den Vortrag schloß BLUE ee ‚sich_eine, rege Diskussion an, an welcher sich Ingenieur Böninger, Ursinus und-—- Starke beteiligten. Um die langwierige Diskussion abzukürzen, wurde auf An- trag von Ingenieur Starke beschlossen, eine Luftschrauben-Kommission zu bilden, für welche Ursinus, Böninger und Hoffmann gewählt wurden. Darauf erteilte Ing. Böninger Redakteur Krause-Köln das Wort zu einem Vortrag mit Lichtbildern über den „Einfluß der Vogelrumpfgestaltung auf die Stabilität“. Der Vortragende ging aus von den interessanten Versuchen von Leonardo da Vinci und demonstrierte dann an zahlreichen Modellen, welche er im Fluge vorführte, den Einfluß der Tragdecken und Rumpfgestaltung. Ingenieur Böninger dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen, worauf eine sehr lebhafte Diskussion über den Vortrag einsetzte, an welcher sich die Herren Dr. Albrecht, Ing. Böninger, Ursinus und Starke beteiligten. Schluß der Sitzung 11 Uhr 30 Min. No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 703 Der Frankfurter Fiugtechnische Verein verfügt durch seine Mitglieder ü 12 flugfähige Maschinen. u ‚Der Zuncenifter sind zu richten an den Frankfurter Flugtechnischen Verein; Frankfurt a, M., Bahnhofsplatz 8. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. „ Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Josef Wahlen, Assessor. Zuschriften sind zu richten an den |. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst ü Adolistr. 83. u ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser Club-Abend statt. —— Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. d: Vorstan Telephon i ö 1 986 itz.: Univers.-Prof. Dr. Lummer, Göpperstr. 1, D) Vorsitz Fabrikdirektor Dr. Bergreen, Schottwitz, 7 a 1. Schriftführer: Ing. Stoeckicht, Gartenstraße 37, 10972 2, n Kaufm. Kutsch, Hei Ohlauufer 10, 0983 chatzıneist. : Kommerzienr. Dr. jur. Heimann, king 99, Behflothekar: Kaufmann Nicolaier, Kaiser Wilhelmstr. a4 1159 Sportkommission: Hauptmann Engel, Kl. Scheitnigers r. Ing. Fahlbusch, Fränkelpl. 888 Fritz Heidenreich, Freiburgerstr. 21 2858 Flugwart: Ing. Walzel, . Museumsplalz 15 512 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstr. 43, Ai Bei sitze Hkönb Be 8 10040 i it utfenbergstra . Keiner Y ra Langendorf, Kr. Gleiwitz Freiherr v. Kloch j Neue Schweidnitzerstr. 4, 2701 Generaldirektor Dr. Kuthe, Schweidnitzer Stadtgr. 15, | 3288 Bankvorstand Matthias, Gartensit 90, 3 Dr med. Scheps Neue Schweidnitzerstr. 4807 esische Flugsportklub hielt am 21. Oktober im Theaterrestaurant eine Mieiederversammlung ib, in der u. a. auch über die Flug veranstaltungen des Breslauer Aviatikers Heidenreich, die am Sonntag, Montag, . jenstag und Mittwoch, nachmittags von 3 Uhr an auf dem Flugplatze der „ i in ı elms- ruh stattfanden, beraten wurde. Eröffnet wurde die Versamm ung dure ‚ei n Bericht des Vorsitzenden des Klubs Professor Dr. Lummer über den Luitschifie Seite 704 „FLUGSPORT“. "No. 21 tag in Dresden. Der Flieger Fritz Heidenreich erzählte dann interessante per- sönliche Erlebnisse von der Berliner Flugwoche und sprach nach den Erfahrungen dieser Woche über den derzeitigen Stand der deutschen Flugtechnik. Er führte dabei aus, daß sich die deutsche Flugtechnik in letzter Zeit außerordentlich ent- wickelt habe. Die Flieger hätten diesmal eine viel größere Sicherheit gezeigt. Nach seinen Beobachtungen — er selhst fliegt einen Eindecker — scheine es leichter zu sein, im Zweidecker als im Eindecker zu fliegen, weil der Zweidecker besser das Gleichgewicht halte; er sei daher besonders für Höhenflüge und Wind geeignet. Der Eindecker nehme dagegen die Kurven besser wie der Zweidecker. Neue Typen von Flugmaschinen seien auf der Flugwoche nicht zu sehen ge- wesen. Die einzelnen Konstruktionen hätten ihre besonderen Vorzüge wie auch ihre Fehler. So hat sich bei dem Wrightapparat, mit dem Thelen flog, während des Fluges ein Schaden an der Kettenführung eingesteilt wie bei dem Unfall des Aviatikers Haas. Nur durch die Geschicklichkeit Thelens sei ein schlimmer Un- fall vermieden worden. Er selbst habe mit viel Widrigkeiten zu kämpfen gehabt. Zunächst se! sein Apparat völlig zertrümmert angekommen und er habe ihn wieder „zusammen- nageln“ müssen. Völlig unzutreffend habe das „Berliner Tageblatt“ berichtet, daß sein Apparat vom Ausschusse beanstandet worden sei Bei den Versuchsfahrten habe sein Motor wiederholt versagt, ein Zylinder nach dem andern sei ihm weg- geplatzt und schließlich habe er, um überhaupt noch starten zu können, einen rohen Zylinder als letzten Ersatz einbauen müssen. Mit diesem sei er gerade noch vor Beendigung der Flugwoche um den Zusatzpreis des Lanzpreises ge- flogen. Die Bestimmung dafür sei das Fliegen einer Acht um zwei etwa tausend Meter voneinanderstehender Pfosten. Trotz des starken Windes sei er gut um die Kurven gekommen und sei — um den Preis sicher zu haben — noch ein Stück über das Ziel hinausgeflogen, als plötzlich schon beim Ausrollen, unver- sehens ein großer Flugapparat, der Zweidecker des Fliegers Brunhuber, der ge- rade abfliegen wollte, mit ihm seitlich karambulierte. Beide Apparate stürzten um und wurden arg beschädigt; bei seinem Apparat brach, wie er ausführte, der rechte Flügel und das Steuer weg; die Flieger selbst kamen ohne Verletzungen avon. Der Vorsitzende: Professor Dr. Lummer sprach nach dem Vortrage die Hoffnung aus, dem Aviatiker bald einen vollkommenen Motor beschaffen zu können. Der Motor ist nach der Flugwoche in der Fabrik mehrmals untersucht und ergänzt worden; zur Sicherheit hatte aber Heidenreich für die Flugvorführungen in Wilhelmsruh noch seinen zweiten Motor in Stand gesetzt. Um für die Aviatik Propaganda zu machen, wurde ein besonderer Ausschuß gewählt. In diesem Winter sollen wieder verschiedene Vorträge gehalten werden, den ersten hält der Vorsitzeud@ des Klubs, Professor Dr. Lummer, über „Die physikalischen Grundlagen der Flugtechnik.“ Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr 37 erbeten. (Tel. 10972.) Offizielle Mitteilungen des [Fwerseniscttr] Flugtechnischen Vereins Leipzig Sitz Leipzig. Cieschäftsstelle: Weststraße 281. Vorstand: Vorsitzender: Öberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig Weststr. 2811. Schriftführer: Redakteur Goldfreund, Leipzig. 2. » Ing. Gustav Birkner, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Miiller. Beisitzer: Georg Boecker, Leipzig. » Oswald Hönicke, Leipzig. Biücherwart: stud. phil. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. No. 21 „FLUGSPORT“. Seite 705 Vere’nstokal: Goldenes Einhorn am Johannisplatz. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Jeden 2. und 4. Donnerstag finden Arbeitsabende statt. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. 2. n - Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. » Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudoif Huhn, Oberhausen. Schriftführer: Dr. Albert, Holten. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. 1. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 2 Architekt Schnarre, Holten ” Flugtechniker Nihues, Wesel. Gutsbesitzer Tender, Holten. Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. . n Kaufmann Zündorf, Marxloh, Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. Beigeordneter Sigloch, Hamborn. Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. .Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. Redakteur Krause, Köln. » . Oberingenieur Weidler, Oberhausen. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen, zu richten. ” n n nam » ”» - Offizielle Mitteilungen des = Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: -- „———Ludw--Stark, Präsis. ; Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Karl Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Komimnission. Dr. Kropf, Clubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Fischer, Beisitzer. Richard Krüger, n „FLUGSPORT'. Aufruf zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren des Ingenieurs und Flugtechnikers Otto Lilienthal. Hoch gingen die Wogen der Begeisterung, als Graf Zeppelins langes, schweres, Ringen um die Beherrschung des Lufimeeres von so ungeahnten Erfolgen gekrönt wurde. Da gedachte man von neuem jenes Helden, der als erster deutscher Flug- techniker den jahrtausendelangen Wunsch der Menschheit, dem Vogel gleich zu fliegen, verwirklichte. Der Name Otto Lilienthal war wieder in aller Munde! Auf seinen grundlegenden Versuchen und seinen Theorien bauten die Wrights, wie sie selber aussprachen, und — als Folgeerscheinung — die Franzosen, auf. Auf Lilienthals Lebenswerk fußend. konnte die moderne ‚Flugtechnik ihre großen Erfolge erringen! Der erste Verwirklicher der großen Idee war auch ihr erstes Opfer. — So blieb dem Forscher zu seinen Lebzeiten eine Ehrung versagt, und es ist an der Zeit. diesem ersten Helden der Aviatik durch die Errichtung eines Denkmals eine Ehrenschuld des deutschen Volkes abzutragen. Möge darum jeder nach seinen Kräften beisteuern, damit diesem Pionier der Lüfte ein würdiges Denkmal in Groß-Lichterfelde — wo er gelebt und seine Flug- versuche machte — erstehe. Aus den einkommenden Geldern soll auch ein dauernd kranker Sohn des Erfinders unterstützt werden. Das Ehrenkomitee: Sr. Hoheit Prinz Albert von Schleswig-Holstein; Hauptmann von Abercron; Landrat von Achenbach (Kreis Teltow); Kommerzienrat Aust, München; Generalmajor B:cker; von Böhlendorff-Kölpin, M d.R.; von Conrad, Exzellenz, Oberpräsident der Provinz Brandenbnrg; Exz:lleuz Graf von Götzen, Hamburg; Major Gross, Kommandeur des Luf.schiiferbataillons; Bankdirektor von Gwinner, M. d. Herrenhauses; Präsident des Patentamts Hauss; Prof>ssor Horgesell, Straßburg; Hauptmann, Hildebrandt; Geheimer Kommerzienrat Jacob; Oberst Jise, Chef des Stabeg des 18. Korps; Staatssekretär Kraetke, Exzellenx; Wirkl. Geheimer Rat Kröcher, Exz., Präsid. d. Abgeordneteuh; Oberbürgermeisier Kirchner; Dr. Karl Lanz, Mannheim; Gehelmer Oborregierungsrat Dr. Lewald; Exzellenz von Lindequist, Staatssekretär des Reichs - Kolonialamtis; Exzellenz Freih. von Manteuffel, Wirkl. Geh. Rat, Präsid. d. Herrenhauses; Professor Marcuse; Consul Mehlhorn, Anklam; Dr. von Meister, Regierungspräsident, Wiesbaden; Exzellenz von Nieber, General- leutnant z. D.; Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Paasche, M. d. R.; Major v. Parseval, Dr. Ing.; Graf Bopp von Oberstadt, München; von Passavant, Frankfurt a. M.; von Pustau, Kapt. 2. S.; Geheimer Baurat Dr. Ing. Rathenau; Victor Sılberer, Präsident des Wiener Aeroklubs; Bürgermeister Schulz, Gr. Lichterfelde; Fabrikbes. Tancr&, Anklam; Direktor Tischbein, Hannover; Kommerzienrat G. Vischer, Unter-Türkheim; Major von Tschudi; Bürgermeister Unglaube, Anklam; Exzellenz von Wrochem, Generalleutnant; Fedor von Zobeltitz; Graf von Zeppelin, Exzellenz. Verein Deutscher Flugtechniker. I. Vorsitzender Dr. Fritz Huth. Arbeits-Ausschuß: Vereins-Ausschuß: H. Bothmer, Konsul, Groß-Lichterfelde-Ost G. Bogas, Diplom-Ingenieur Ulmenplatz2. J. Krüger, Kommerzienrat, R. Clemens, Architekt Groß-Lichterfelde-Ost, Bahnhofstr. 38 und H. Damoes, Maler Berlin W.66, Wilhelmstr. 45. R.C.Schmidt 0. Schmal-Carbar, Schriftsteller. Verlagsbuchhdlr., Berlin W. 62, Keithstr. 6. Beiträge für das Lilienthal-Denkmal werden von der Expedition des Flugsport jederzeit angenommen u. an dieser. Stelle’quittiert. Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. Telefon 4557. Briei- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Representant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnemeni: Bei porlofreier Zusendung unler Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jalır Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 22. Frankfurt a. M., 17. November 1910. Jahrg. Il. Vom Pariser Salon 1910. Civil.-Ing. Oskar Ursinus. (Fortsetzung von Seite 678). Von den neuen Apparaten, die sich in der Hauptsache durch die Flächengestaltung der Tragdecken von den bekannten unter- scheiden, sind die von Eugen Gangler, Regy freres und die Kon- struktionen der Societ® Anonyme de Construction d’Appareils Adriens besonders zu beachten. Die Maschine von Eugen Gauglar (Abb. 1) besitzt Zweischrauben-Antrieb. Der Motor befindet sich hinter den Tragdecken, während der Führersitz vorn angeordnet ist. Der Flieger besitzt daher ein ausgezeichnetes Gesichtsfeld. Die ganze Formgebung verleiht der Maschine ein schönes Aussehen. Der Eindecker „La Fregate“ von der Societ& Anonyme de Construction d’Appareils Aeriens zeigt eine äußerst saubere Holzarbeit. Alle Holzteile sind mit Stoff überzogen und verleimt. Der Gitterträger Rumpf wiegt nur 20 kg. Die Tragdecken zeigen Vogelflügelform (s. Abb. 2), deren Flügelenden leicht nach oben gebogen—-sind-—Die- ausgestellten und bezogenen Tragdecken zeigten so recht, daß bei guter Holzarbeit nicht nur ein geringes Gewicht, sondern auch eine hohe Festigkeit zu erzielen ist. Die Spannweite beträgt 11 m, die Länge 8 m. Das Gewicht des kompletten Apparates beträgt 230 kg. Den Eindecker von Regy freres zeigt Abb. 3. Die Tragdecken besitzen eine ähnliche Form wie die von Esnault Pelterie, sind nur bedeutend schmäler gehalten. Der Schwanz ist dem der neuen Bleriot-Maschine nachgebildet. Seite 707 „FLUGSPORT“. No. 22 Derßkleine Eindecker Nieuport ist unseren Lesern von der Reimser Woche her bekannt. Dieser Ap- parat besitzt bei 14 qm Tragfläche eine Spannweite von 84 m und eine Gesamtlänge von 7 m. Sein Gewicht beträgt komplett mit Abb. 1. Motor 230 kg. Auffallend an dieser Maschine ist die geringe Anzahl von Spanndrähten. Es befinden sich oberhalb und unterhalb nur je 4 Spanndrähte, welche sehr stark gehalten sind. Abb. 2. No. 32 „FLUGSPORT“. Seite 708 An dem Eindecker Hanriot ist wenig geändert. Die Schwanztragfläche ist etwas verkleinert, Hingegen beträgt die ganze Länge noch 9,5 m bei einer Spannweite von 11 m. In einem Seitenbau finden wir, sehr versteckt, den unseren Lesern gleichfalls bekannten Eindecker Pischofif (s. Flugsport Nr. 14, S. 430). Der Apparat besitzt 28qm Tragfläche. Sein Gesamtgewicht beträgt 350 kg. Wir werden anf diesen Apparat in einer der nächsten Nummern ausführlich zurückkommen. DD] U Abb. 3. Roger Sommer brachte noch nach Eröffnung des Salons einen Eindecker, dem Bleriot sehr ähnlich, zur Ausstellung. Zur Steuerung hat Sommer einen ge- wöhnlichen Hebel, wie an seinem Zweidecker verwendet. Weiter ist noch eine große Anzahl bekannter Maschinen, die wir unseren Lesern bereits mehrfach im Bilde vorführten, wie der Doppeldeeker-von-Goupy mit Bleriot-Fahrgestell, der Zweidecker von Vendöme mit seinen geschwungenen Linien etc. ausgestellt. Interessant, indessen wenig beachtet, ist ein Spezialkompaß für Flieger mit kardanischer Aufhängung und elektrischer Beleuchtung durch Batterien von der Propulsa Societ6 Anonyme. Dieser Kompaß ist so eingerichtet, daß er beliebig an der Maschine angebracht oder am Bein angeschnallt werden kann. „FLUGSPORT“. __No. %2 Flugmotoren, (Fortsetzung v. Seite 681.) Außer dem bekannten Achtzylinder E. N. V.- Motor sehen wir einen E. N. V. Vierzylinder wassergekühlt. Aus- und Einlaß sind gesteuert. Der Motor leistet normal 30 PS und wiegt 60 kg. Infolge des Renommees dieser bekannten Marke wird dieser Motor viel beachtet. Der Zweizylinder Coudert-Motor besitzt eine eigenartige Ein- und Auslaßsteuer- ung. Die Ventile sind konzentrisch gelagert. Der Motor wiegt kom- plett mit Oelpumpe und Vergaser 60 kg. Dutheil & Chalmers, deren Fabrikate sich dieses Jahr unter der Marke „Eole* präsen- tieren, zeigen außer ihren bekannten klei- nen Zweizylindern einen 100 PS Dutheil & Chalmers. Diese Maschine besitzt acht Zylinder, hei wel- chen vier paarweise dem Explosionsraum zugekehrt angeordnet sind. Vier Zylinder arbeiten auf je eine Kurbelwelle, je einen Propeller antreibend. Diese beiden Kurbel- Vom Pariser Salon.; 3 PSE N. V. 4 Zyl. 30 PS Coudert 2 Zyl. wellen sind durch eine Transmission unter Vermittlung von Kegelrädern mitein- ander verbunden. Dieser Motor ist hauptsächlich für Ballonzwecke konstruiert, dürfte jedoch auch für Flugmaschinen zu verwenden sein. Auf dem Stand von Tellier befindet sich ein 55 PS Panhard-Motor mit 6 Zylindern. Ein- und Auslaßventile sind gesteuert. Die Kühlmäntei sind aus Kupfer. Der Motor ist außerordentlich sauber gearbeitet. Von den V-förmigen Motoren, welche diesmal verhältnismäßig wenig Neuerungen zeigen, beansprucht der 200 PS Cierget-Motor infolge seiner hohen Leistung besonderes Interesse. Die Stahlzylinder tragen einen kupfernen Kühlwassermantel. Das Gehäuse ist in bekannter Weise aus No. 22 „FLUGSPORT." Seite 710 Vom Pariser Salon. 100 PS Dutheil und Chalmers 8 Zyl. Vom,Pariser Salon. 55 PS 6 Zyl. H. Panhard. — 200 PS Clerget 8 Zyl. Aluminium hergestellt. Die innerhalb der Zylinderköpfe gelagerten Ein- und Auslaß- ventile sind gesteuert. Den deutschen Besucher dürfte der 70 PS Daimler-Moto: interessieren, welcher auf den Apparat von Deperdussin montiert ist. Der Motor scheint vom Versuchsstand direkt nach der Ausstellung gewandert zu sein. Ueber die Versuchsresultateist noch nichts bekannt. Neuerdings ist Deperdussin mit dieser Maschine geflogen. Besonderes Interesse be- ansprucht der ventillose Motor Broc. Wie der aufgeschnittene Zy- linder erkennen läßt, sind in dem sehr lang aus- gebildeten Kolben Kanäle angeordnet Diese Kolben werden zwangläufig um ihre Achse gedreht. Dadurch kommen die Kanäle wechsel- weise mit dem Ein- und Aus- laßkanal in Verbindung. Wenn die Details dieser zwangläufigen Bewegung des Kolbens den starken Seite 711 2.0» FLUGSPORT“. No. 22 Beanspruchungen gewachsen sind, dürfte einer Arbeitsmöglichkeit des Motors nichts im Wege stehen. Durch Tabuteau’s neuen 6 Stunden-Rekord werden mit einem Schlage die Renault-Motoren besonders beachtet. Bereits im Vorjahre war, wie unsern Lesern bekannt, diese Firma mit mehreren Motoren im Salon ver- treten. In diesem Jahre zeigt die Firma neben einem kleinen 25 PS 4 Zylinder- Motor einen 50 PS Renault- Achtzylinder-Motor von 9 mm Zylinder- durchiesser u. 120 mın Hub. Um eine inten- sive Kühlung zu er- zielen, ist eine be- sondere Luftturbine vorgesehen, welche einen stark gepreßten Luftstrom zwischen den Zylindern, die in einem Blechgehäuse liegen, hindurchbläst. Das gewählte Verhält- nis von Zylinderdurch- messer und Hub scheint ein sehr günstiges zu sein. Der Motor ist vielfach tagelang un- unterbrochen auf der Bremse gelaufen. Zu den eigenartigsten Motoren des Salons gehört der 45 PS Beck-Motor mit oszillierenden Kol- ben. Der Motor be- steht aus vier segment- artigen Zylindergehäu- sen, an deren beiden Enden sich je ein Ex- plosionsionsraum be- findet. Die Zylinder- Abbild. erkennen läßt, zweimal angebohrt. Das ist die Grenze zwischen den oberen und unteren Zylindern. Zwischen beiden ist das Gehäuse zur Aufnahme des Hebels, welcher die Be- wegung der Kolben mittels eines komplizierten Doppelhebelgelenks auf die Kurpziwelle überträgt, aufgeschlitzt. Die Maschine leistet bei 1000 Touren 45 PS- Der Durchmesser der Kolben ist 100 mm, der Hub 140. Das Gesamtgewicht be- trägt 145 kg. Vom Pariser Salon. 70 PS Daimler 4 Zyl. — 40 PS Brok 4 Zyl. gehäuse sind, wie die -- No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 712 25 PS Renault 4 Zyl. Vom Pariser Salon 1910. 50 PS Renault 8 Zyl. Seite 713 „FLUGSPORT"“. No. 22 Außer den bekannten Motoren von Clement-Bayard, wie sie für die „Demoiselle“ verwendet werden, sehen wir die Motoren von Gobron mit den kreuzweise angeordneten Zylindern, Gregoire-Gyp, in bekannter Ausführung (vergl. Bericht über den vorjährigen Salon). Die Erfolge der Rotationsmotoren haben die mannigfaltigsten Konstruk- tioneti gezeitigt. M- P: Ligez zeigt einen Dreizylinder-Rotationsmotor mit entgegengesetzt rotierenden Propellern. Das Gehäuse rotiert mit 400 Um- drehungen, während der Propeller 900 Umdrehungen macht. Vom Pariser Salon 1910. 45 PS Beck 8 Zyl. Weiter sehen wir einen Zweizylinder- Sigma-Rotationsmotor welcher bei 1140 Touren 35 PS leistet. Die Schraubenflügel sind an die Zylinder köpfe montiert. Als Zündung ist ein Mea-Magnet verwendet, der neuerdings in Frankreich immer mehr Aufnahme findet. Eine originelle Motorenkonstruktion zeigt M. Weiss und‘ zwar sind bei dieser Konstruktion die Kolben feststehend, während die Zylinder sich über denselben auf- und ab bewegen. An den Zylinderköpfen greifen die Pleuelstangen an, die andererseits mit der darüber liegenden Kurbel- welle in Verbindung stehen. Aus- und Einlaßventile sind in dem unten liegenden Kopfe des Kolbens untergebracht und zwangläufig gesteuert. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Wenngleich die stürmische Witterung der letzten Tage nicht nur die Arbeit auf den verschiedenen Flugplätzen stark beeinträch- tigt, sondern vor allem jede größere Flugunternehmung unmöglich gemacht hat, ist man nichtsdestoweniger hier fleißig am Werk ge- wesen und hat sich mehr der „inneren“ Arbeit gewidmet, nachdem No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 714 der am vorigen Mittwoch erfolgte Schluß des internationalen Salons wieder viele Kräfte frei werden lieb. Am lebhaftesten geht es jetzt um den Großen Preis des Auto- mobil-Olub de France her: die 100000 Francs sind eine lockende Beute, und es verlohnt die Mühe, sie dem armen Wynmalen, der sie recht und redlich verdient hatte, abzujagen.__Jetzt hat die Sport- Kommission des Automobil-Club de France in einer ad hoc anberaum- ten Sitzung den Holländer mit seinem Anspruch abgewiesen, so daß die erste Entscheidung der genannten Kommission, wonach Wynmalen als Sieger gelten soll, wenn nicht bis zu Ende des Jahres ein anderer Aviatiker die gleiche Leistung in besserer Zeit vollbringt, aufrecht erhalten bleibt. Aber der junge Holländer will — und das mit vol- lem Rechte — die Angelegenheit vor die internationale aeronautische Foederation bringen. Hoffentlich hat sein Appell in dieser Körper- schaft, die keinerlei chauvinistische Rücksichten zu nehmen hat, mehr Erfolg. Iuzwischen bemühen sich aber die Franzosen, die Wynmalen’- sche Leistung zu schlagen, bisher freilich ohne Erfolg. Der erneute Versuch Mahieus, der bei seinem ersten Versuche bekanntlich mit seinem Apparat in den Baumwipfeln eines Parkes hängen blieb, ver- lief zwar günstiger als der erste; Mahieu langte nach zweimaliger Etappe in Brüssel an, gab aber dort auf. Indessen heißt es, daß er von neuem den Flug unternehmen will. Außer ihm ist es Legagneux (der neu ernannte „Offizier der Akademie“), der den in Gemeinschaft mit Martinet bereits unternommenen Flug von neuem versuchen will. Legagneux war seinerzeit, wie erinnerlich, bis Saint Quentin gekom- men und hatte dort den Flug aufgegeben. Jetzt trainiert er täglich für die schwierige Reise, und sein großes Selbstvertrauen sieht sich schon im Besitz der Felle, die dem jungen Holländer wegzuschwimmen drohen, denn auch die beiden Piloten von Maurice Farman, Tabuteau (der Weltrekordmann für Flugdauer und Distanz) und Renaux, wol- len sich an den Versuch machen. Ersterer wıll Louis Dufour, den Begleiter von Wynmalen auf der gleichen Reise, an Bord seines Zwei- deckers nehmen. Natürlich lockt der täglıch angekündigte Abflug viele tausende Menschen nach Issy hinaus, die indessen mit den „lo- kalen“ Flugvorführungen, an denen sich vornehmlich Darioli, Colliex, Hauptmann Bellinger beteiligen, fürlieb nehmen. Darioli flog dieser Tage auf seinem Bleriot-Eindecker nach Paris, die Seine entlang, um sich den Stand der Ueberschwemmungen anzusehen. Bregi und Col- liex steuern ihre Voisin-Zweidecker. Brisson vollführt mit dem neuen Deperdussin (aus dem Salon her bekannt) recht ansehnliche Flüge, während Guay, welcher den gleichfalls aus dem Salon bekannten Apparat „La Frögate“ zu steuern unternehmen wollte, das Pech hatte, gleich zu Beginn die Maschine schwer zu beschädigen. Eine kleine, aber bezeichnende Episode ist noch von Issy zn berichten : Als vor einigen Tagen, wie in der vorigen Nrımmer des Blattes berichtet wurde, Blanchart bei seiner Rückkehr von Bourges beim Landen in Issy schwer verunglückte, hielt gerade auf dem Manöver- felde eine Abteilung der 1. Kürassiere eine Uebung ab. Als man die Leiche des armen Blanchart forttrug und an der übenden Militär- Abteilung vorüberkam, kommandierte der Leutnaut Mougenot die Seite 715 „FLUGSPORT“. No. 22 militärische Ehrenbezeigung für den verunglückten Aviatiker. Die Szene wirkte in ihrer Spontanität auf die hunderte, die in tiefer Be- stürzung über den grausigen Vorfall dem traurigen Zuge folgten, er- greifend. Jetzt haben die in Issy übenden Aviatiker, darunter Le- gagneux, Noel, Bielovucie, Paillette, Busson, Martinet, in einem öf- fentlichen Schreiben dem Offizier für seine delikate Teilnahmebezen- gung gedankt. Aber die bemerkenswerteste Konsequenz, die vielleicht nicht überall begriffen werden wird, war die, daß der Kommandant von Paris den Offizier öffentlich belobte .. . In Mourmelon verursachten die Farman’schen Versuche der Be- förderung mehrerer Personen das berechtigtste Interesse. Am letzten Sonnabend gelang Henri Farman in der Tat ein 20 km-Flug mit vier Personen an Bord! Das Gewicht der fünf Personen, einschließlich des Benzins, betrug, 354,500 kg. Am selben Tage wiederholte er das Experiment mit vier Personen, von denen eine das respektable Ge- wicht von 91 kg hatte. In diesem Falle betrug das Gesamtgewickt, einschließlich der 67 kg des Piloten, sowie von 22,500 kg Benzin und 10,500 kg Oel 370 kg, also noch 16 kg mehr. 'Bei diesem zweiten Fluge blieb Farman nahezu 20 Minuten in der Luft. Bei dieser Gelegenheit sei einer Unternehmung gedacht, wohl der ersten dieser Art, die seitens der Gebrüder Farman ins Leben gerufen worden ist. Es handelt sich um einen regelmäßigen Passa- gier-Ueberlandflug, für den die genannten Unternehmer die Gegend zwischen Buc, in der Nähe von Versailles, dem dortigen Flugplatz von Maurice Farman, und dem Aerodrom Henri Farmans zu Etampes gewählt haben. Diese öffentlichen Aeroplanflüge folgen einer be- stimmten, durch Flaggen abgesteckten Strecke von etwa 25. Meilen, also etwas mehr als 40 km, und die dazu benutzten Apparate sind imstande, mehrere Personen gleichzeitig zu befördern. Gebrüder Farman haben einen Tarif auf der Basis von 20 Francs pro Kilo- meter festgesetzt, bei einer Mindestdistanz von 5 km, sodaß also der Mindestbetrag, der: für einen solchen Flug zu bezahlen ist, 100 Frs. ist. Für weitere Distanzen können besondere Abmachungen getroffen werden. Wie aus dem Vorstehenden zu ersehen ist, funktioniert dieser Betrieb bereits recht lebhaft und es will scheinen, als ob das Unternehmen sich rentabel. gestalten wird. Die Rührigkeit der Farmans scheint nicht ohne Einfluß auf die anderen Schulen zu sein, denn auch bei Antoinette, bei Köchlin, bei Nieuport wird mit Volldampf gearbeitet. Namentlich Antoinette sind, unter der rührigen Leitung Gastambides, im Begriff, eine Serie von Versuchen zu beginnen, die das Problem der ‚Luftschiffahrt auf dem Meere“ lösen sollen. Es handelt sich dabei im wesentlichen um eine ingeniöse Vorricktung, die der bekannte Levavasseur erfunden hat und die es ermöglichen soll, mit einem Aeroplan von einem Schiffsmast abzufliegen und auf ihm sich wieder niederzulasen. So phantastisch das auf den ersten Blick erscheint, so ıst dennoch durch die genannte Erfindung, für die soeben das Patent angemeldet wor- den ist, die Möglichkeit der Realisierung gegeben. Gegenwärtig arbeitet man in den Ateliers zu Puteaux eifrig an der Ausführung und Montierung der Vorrichtung, und schon in nächster Woche denkt man in Puteaux mit der Errichtung der Masten beginnen zu können, die zu den Versuchen dienen sollen. Selbstverständlich interessiert - hohen Gebäude zu passieren haben. No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 716 sich der französische Marineminister für diese Erfindung sehr lebhaft, und es besteht die Absicht, falls sich das System bewährt, alle Kriegsschiffe so einzurichten, daß die Aeroplane von ihren Masten abfliegen und ebeudort auch landen können. Es leuchtet ein, welche enorme Bedeutung diese Erfindung, sofern sie sich praktisch be- währt, sowohl für die Marine, als auch in erster Reihe für die Ent- wicklung der Aviation und der mit ihr verbundenen Industrien haben würde. Bleriot hat seine Zelte zu Etampes abgebrochen und ist über den Winter nach Pau gegangen. In der Tellier-Schule tut sich Edouard Chateau hervor und Eugene Duflot, der dieser Tage sein Pilotenpatent erworben hat, verließ am Sonnabend auf seinem Bleriot- Eindecker Etampes und flog, trotz dichten Nebels, der die Orientierung sehr erschwerte und eine mehrmalige Landung not- wendig machte, bis nach Vervins, seinem Wohnorte, eine Distanz von 200 km. In Juvisy hat von Pischoff mehrere recht schöne Flüge auszu- führen vermocht und dabei auch den Hauptmann Leveque während 20 Minuten an Bord seines Apparats genommen. Auch in der Goupy- Schnle wird fleißig geflogen. Mit dem neuen Apparat Paulhan wird jetzt in Saint-Cyr ge- flogen und zwar ist es Oaille, der ihn steuert. Uebrigens hat sich Louis Paulhan mit dem bekannten Meeting-Unternehmer Gabriel Amand assoziert, um gemeinschaftlich mit diesem den Bau und Ver- trieb von Apparaten zu betreiben. Natürlich handelt es sich dabei um Apparate der Paulhan’schen Type. In Frankreich gibt es noch genug zu tun und zu verdienen, und die Preise, die bis zum Ende dieses Jahres zu bestreiten sind, sind zahlreich und namhaft. Auch neue Preise sind wieder geschaf- fen worden, darunter einige von allgemeinerem Interesse: Da ist ein 10000 Frs. „Preis, der nach dem Stifter „Prix Dominique Soule“ ge- nannt ist und der eineni Aviatiker zufallen soll, der auf einem Aero- plan, mit oder ohne Motor, die Ebene überquert haben wird, die sich vom Pic du Midi im Süden der Stadt Bagneres-de-Bigorre 'hinzieht. Es ist das mehr ein Schwebeflug, der von den Bewerbern verlangt wird. Ferner hat man einen „Luft-Cireuit“ von Lisieux geschaffen, der in einer großen Schleife die Ortschaften Lisieux, Orbec, Vimou- tiers, Livarot, Saint-Pierre-sur-Dives, Mezidon, Lisieux umfaßt, wobei eine Flugunterbrechung in Livarot vorgesehen ist. Originell ist, daß die Bewerber über jeder der genannten Ortschaften zwischen einem durch Signale bezeichneten Kirchturm und einem anderen bestimmten Der „Pokal Deperdussin“ wird demjenigen Aviatiker zufallen, der an Bord eines Apparates, der bisher niemals mehr als 25000 Frs. Preise erobert hat, eine Distanz von 100 km, mit einem Passagier an Bord, zurückgelegt haben wird. Edouard Chateau wird demnächst zu Etampes um diese Trophäe starten. Der Aero-Club des Departements Bearn hat einen „Pokal Paris-Pau“ gestiftet. Ursprünglich war dieser Bewerb als eine Ueber- yuerung der Pyrenäen gedacht, für die sich Leblanc bereits hatte einschreiben lassen. Angesichts der vielfachen Unfälle der letzten Zeit aber hat man einen Fernpflug Paris-Pau daraus gemacht. Seite 717 „FLUGSPORT"“. No. 22 Eigenartig ist ein „Pokal“, den der Aero-ClJub de France für chiejenige mit dem genannten Club verbündete aviatische Vereinigung ausgesetzt hat, die am 31. Dezember dieses Jahres die grösste Anzahl von Mitgliedern haben wird, die mit dem Piloten-Patent verschen sind. Auch einen „weiblichen“ Pokal gibt cs jetzt: den „Pokal Femina“, welchen- .der bekannte Verleger Pierre Lafitte ausgesetzt. hat. Der. Femina-Pokal soll derjenigen Aviatrice zufallen, die, mit einem voll- gültigen Pilotenpatent versehen, bis zum 31. Dezeniber 1910 um Mitternacht in Frankreich den längsten Flug ohne Unterbrechung ausgeführt haben wird. Ein „Preis des Obersten Leve“ bestimmt, dass derjenige Aviatiker Sieger sein soll, welcher im Laufe des Jahres 1910 während eines Fluges selbst oder durch eine Begleitperson von einem Aeroplan aus die beste Aufnahme eines vorher von dem offiziellen Kommissar zu bezeichnenden Punktes geliefert haben wird. ‚Jeder Bewerber hat das Recht, seine Abflugstelle selbst zu wählen. Er muss das Negativ- Clich& der Aufnahme spätetsens innerhalb 24 Stunden nach offiziellem Abflug beibringen. Die Aufnahme muss in einer Höhe von minde- stens 100 Meter über dem aufzunehmenden Punkte und in einem Winkel von 45 Grad erfolgen. Originell ist die Idee des bekannten Marquis de Dion, der die Schaffung eines „Preises des grössten Abstands“ propagiert. Er geht dabei von der, übrigens gerade von französischen Militär-Autoritäten vielfach vertretenen Ansicht aus, dass es für einen Aeroplan unter Umständen von grösster Wichtigkeit ist, sein Flugtempo mässigen zu können. Nun will Marquis de Dion einen Preis ins Leben rufen, der demjenigen Apparat zugedacht ist, der zwischen seiner höchsten und seiner geringsten Fluggeschwindigkeit den grössten Abstand zu reali- sieren vermag. In hiesigen aviatischen Kreisen bringt man der Idee ein sehr starkes Interesse entgegen und Ladougne hat sich bereits für den Preis, zu dem der-„Auto“ 10.000 Francs beigetragen hat, ein- schreiben lassen. Das Hauptinteresse aber dreht sich um die Frage, was aus dem von der Stadt Paris zur Förderung aviatischer Zwecke ausgesetzten Betrage von 100.000 Francs werden soll. Es ist früher bereits berichtet worden, wie sich eine Meinungsverschiedenheit bezüglich der zweck- mässigsten Verwendung des Geldes ergeben hat und wie der Aero- Club de France und die Ligue Nationale A6rienne, als die beiden in diesem Falle wohl zuständigsten Instanzen, den entgegengesetzten Standpunkt vertreten und mit seltener Heftigkeit verteidigen. Die Pariser Stadtverwaltung, welche eine eigene Gruppe für Aviation geschaffen hat, hat ın einer Sitzung vom letzten Sonnabend die verschiedenen Projekte einer Prüfung unterzogen. Von hohen sport- lichen und offiziellen Persönlichkeiten hatte man zu dieser Beratung “eingeladen: die Herren Quinton und Archdeacon, die Präsidenten der Ligue Nationale Aerienne, de Celigny, Generalsekretär derselben Vereinigung, General de Lacroix, ehemaliger Generalismus der fran- zösischen Armee und anerkannte Autorität. Rene Quinton vertrat zunächst mit grosser Wärme den Standpunkt, dass man das Geld für einen Motoren-Bewerb verwenden soll, was von ungleich höherem Nutzen für die Aviation sein würde, als die Veranstaltung eines sportlichen Bewerbs. Für derartige Unternehmungen seien schon No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 718 Unsummen geopfert worden, während für die Vervollkommnung des Motors, mit des wichtigsten Teils der Aviation, nichts geschehen ist. Dagegen blieb der Gemeinderat Quentin-Bauchert, von dem der Antrag zur Bewilligung der Summe ausgegangen war, bei seinem Projekte eines grossen Fernfluges bestehen, indem er die Vorteile, die die Aviation aus derartigen Bewerben ziehe betonte. Wenn ein Mo- torenbewerb notwendig sei, so solle man sich an den Staat wenden, der die Verpflichtung habe, auch seinerseits helfend beizuspringen. „Was wir wollen“,so schloss Herr Quentin-Bauchart, „das ist, fliegen sehen Jssy les Moulinaux. Oben: Thomann. Unten: Bussou auf Depperdussin mit 50 PS Daimler. undfdazu geben wir das Geld her, nicht für rein technische Bewerbe. Natürlich sprach sich Ernest Archdeacon im Sinne seines Kellegen Quinton aus. Man müsse sich vor allen Dingen für den Motor in- teressieren, ohne den ein Sportbewerb gar keinen Nutzen bringen könne. Die Aviation ist erst an dem Tage geboren worden, wo ein Motor, stark und leicht genug, geschaffen war, nm den „Schwerer als die Luft“ in die Luft zu erheben und die verschiedenen Epochen der Aviation waren stets und werden stets Epochen des Aviations- Seite 719 „FLUGSPORT“. No. 9 motors sein. Die Aviation hat mit dem Motor von 3kg pro PS be- gonnen, die zweite Periode ist durch den Motor von 1,3 kg bezeich- net, mit dem man Dauer und Höhe des Fluges, sowie die Anzahl der Passagiere erhöhen konnte. Wenn ein mit 150000 oder 200000 Frances dotierter Bewerb einen Motor von 500 bis 600 Gramm pro PS erstehen ließe, so würde damit eine neue Periode eingeleitet sein, die zu dem endgiltigen Triumphe des Aeroplans führen würde. Darauf nahın General de Lacroix das Wort, um in längerer Aus- führung die hochbedeutsame Rolle zu charakterisieren, welche der Aeroplan für die nationale Verteidigung zu spielen berufen sei. In eingehender Weise, an der Hand von Zahlen und Karten, suchte der Redner nachzuweisen, daß man widerstandsfähige Apparste bauen müsse, die ohne Unterbrechung mehrere 100 km fliegen und sich außer Schußweite halten können. Mit hinreichend mächtigen Schein- werfern wird man alle Bewegungen des jeweiligen Gegners verfolgen und die Konzentration der feindlichen Armeen feststellen können. Einen starken Eindruck machte die vom Gemeinderat Grebauval auf- geworfene Frage: „Wenn wir wirklich das Geld für einen Motoren- bewerb verwenden und angenommen, der ideale Motor sei gefunden, kann uns die Ligue Nationale Bürgschaft dafür geben, daß dieser Motor auch wirklich Eigentum Frankreichs bleibt?“ Das wirkte. Man sah ein, daß der mit 100000 Francs prämiierte Motorenkon- strukteur nichtsdestoweniger seine volle Dispositionsberechtigung über :seinen Motor behalten würde, den er an denjenigen Staat verkaufen könne, der ihm am meisten dafür bieten würde. Man vermochte nicht, einen endgiltigen Entschluß zu fassen und verschob die Ent- scheidung auf eine spätere Sitzung. Inzwischen aber hat der vor- genannte Gemeinderat Quentin-Bauchart den Antrag gestellt, die ur- sprünglich in Aussicht genommene Summe von 100000 Francs auf 200000 Francs zu erhöhen, weil sonst der Betrag für sein Projekt nicht ausreiche. Es soll eine „Tour de France d’Aviation“, eine Aviationsreise durch Frankreich, veranstaltet werden, deren Strecke von Paris über Bordeaux, Toulouse, Marseille, Lyon zurück nach Paris führen würde. Zwischen diesen Städten sollen natürlich noch Zwischenlandungen eingeschoben werden. Der Bewerb soll inter- national sein, soweit die Nationalität der Aviatiker in Betracht kommt, aber nur für Maschinen von französischer Fabrikation offen sein. Es wird abzuwarten sein, was schließlich bei diesem Streit heraus- kommen wird. - Auch an die Sicherheit der Aviatiker beginnt man jetzt zu denken. So hat der hier lebende Grieche Zaharof jetzt einen Preis von 50000 Frances gestiftet, um, nach dem Beispiel des Veritas- Bureaus für den Automobilimus, ein gleiches Burean für die Aviation zu gründen, das die laufende Kontrolle der für öffentliche Flüge be- stimmten Apparate auszuüben haben wird. In dieses Komitee sollen Delegierte der Gesellschaft französischer Zivilingenieure, des Aero- Club de France, der Handelskammer für die aeronautischen In- dustrien, der Aviatiker und Versicherungsgesellschaften berufen werden. Ernster sind schon die Bestrebungen, die Sicherheit der Aviation durch Schaffung neuer Garantien zu fördern. So ist durch die Initiative des Aero-Club de France eine Prüfungs - Kommission No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 720 geschaffen worden, welche ein Garantie-Certifikat über Solidität und gutes Funktionieren der Aeroplane ausstellen soll. Die erforderlichen Versuche mit den Apparaten sollen vor Staats-Ingenieuren oder vor den Delegierten der zuständigen Gesellschaften vorgenommen werden. Die Meinungen über die Zweckmäßigkeit dieser Einrichtung sind sehr geteilt. Bleriot und Voisin sprechen sich für eine solche tech- nische Kommission aus: ersterer meint, die Konstrukteure könnten damit zufrieden sein, denn sie würden durch die Certifikate gedeckt werden. Voisin meint, der Minister der öffentlichen Arbeiten sollte jene Kommission ernennen und die Versuche, die mit den gebauten Apparaten vorgenommen werden, sollten sehr eingehend und mannig- fach sein. So sollte man auch einen Schwebeflug, mit angelassenem und angehaltenem Motor, mit einem Abstiegwinkel von mehr als 15% verlangen. Reservierter drücken sich andere aus: Levavasseur ist der Ansicht, ein Bureau „Veritas“ könne gutes stiften, aber von der technischen Kommission fürchte er für die Zukunft der Aviation. Robert Esnault-Pelterie meint, von zwei Uebeln wähle er das Bureau Veritas als das kleinere. Hier werden wenigstens Leute vom Fach vertreten sein, während sich die technische Kommission aus staatlichen Minen-Ingenieuren zusammensetzen soll. „Offenbar will man uns die Hände binden“. Breguet ist ganz folgerichtig der Meinung, daß, wenn man schon einmal eine technische Kommission schaffen will, sie aus Mitgliedern der Handelskammer der aeronautischen Industrien zusammengesetzt sein soll. Einen absolut ablehnenden Standpunkt nimmt Henri Farman ein. „Alle Kommissionen, Comites, Unter- kommissionen und Untercomites können garnichts beweisen. Kein ÖOertifikat, kein amtlicher Stempel wird die Unvorsichtigen und Nach- lässigen daran verhindern können, sich den Hals zu brechen. Glaubt man wirklich, daß es einen Konstrukteur oder einen Piloten gibt, der auf einen Apparat geht, bevor er sich vergewissert hat, daß alles in Ordnung ist und alles funktioniert? Was will man mehr? Natürlich schließt das nicht aus, daß nachher irgend ein Unfall passiert; aber gegen einen solchen wird auch das Oertifikat und die Kommission nicht schützen können. Wieviele Unfälle sind auf die Nachlässigkeit der Aviatiker und auf schlechte Behandlung des Apparats zurückzu- führen. Die Piloten sollen ihren Apparat selbst besorgen und ihn nicht den Arbeitern überlassen. Alle Kommissionen der Welt werden nicht verhindern, daß Unfälle vorkommen.“ Nun hat am gestrigen Sonnabend die erste Sitzung der viel- kritisierten „technischen Kommission der Luftschiffahrt“ unter Vor- sitz des Herrn Oailletet, vom Institut de France, stattgefunden, und zwar in den Räumen des Aero-Club. Leon Barthou betonte in seiner Ansprache, -daß in allen Ländern die Behörden im Begriff sind, von den Aeroplanen Flugversuche zu verlangen, ehe die Erteilung von Oertifikaten genehmigt wird. Frankreich folge nur dem Beispiele anderer Länder. Aber der französische Minister der öffentlichen Ar- beiten wird gewissen Gesellschaften, welche genügende Garantien hier- für bieten, das Recht geben, an Stelle der Staatsingenieure die Üerti- fikate zu erteilen. Die erste Aufgabe wird es sein, festzustellen, in welchem Umfange die Vorführungen vor der Kommission zu geschehen haben. Die Kommission, welche sich aus Konstrukteuren, Technikern und Aviatikern zusammensetzt, hat ihren Vorstand provisorisch wie Seite 721 „FLUGSPORT“. No. 22 folgt konstituiert: Senator Dr. Raymond, Präsident; Loreau, Major Renard und Marchis, Vizepräsidenten; Major Ferrus, Sekretär und Professor Berget, Berichterstatter. Viel kommentiert wird die Ansicht Orville Wrights, im Dezember nach Paris zu kommen, um hier eine neue Maschine, die ein besonders hohes Maß von Sicherheit dem Piloten. gewähren soll, im Fluge vorzu- führen. Man ist hier gewissermaßen in Verlegenheit, wie man dem Amerikaner, dessen Prozeß gegen die Mehrzahl der hiesigen Konstruk- teure noch schwebt, entgegenkommen soll. Inzwischen hat man hier- her gekabelt, daß Fräulein Wright, die Schwester der amerikanischen Aviater, einen Weltrekord aufgestellt habe, indem sie, als Debut ihrer aviatischen Laufbahu einen Ueberlandflug von 120 km mit 100 km- Stundengeschwindigkeit ausgeführt habe. Si non e vero, buen trovato. .... Inzwischen ist auch das in voriger Nummer erwähnte Meeting von Brüssel zu Ende gegangen, in dem neun Apparate vereinigt waren. Das ziemlich gleichzeitig abgehaltene Meeting von Kiewitt- Hasselt ergab folgendes Resultat: „Circuit de la Campine“, Zweidecker: 1. Frenay (Voisin), 170,760 km in 3:09:52, 2. Chevalier de Laminne (Farman), 167,240 km in 3:29:41-1, 3. Verschaeve (Farman); des- gleichen für Eindecker: 1. Kühling (Bleriot) 7,240 km. „Geschwindig- keits-Preis“ über 7 km: Zweidecker: 1. Frenay (Voisin) in 6:19, für Eindecker: 1. Kühling (Bleriot) in 5:15. „Höhen-Preis“ Zweidecker: 1. Beaud (Farman) 720 Meter, Eindecker: 1. Kühling (Bleriot) 350 Meter. „Preis des transportierten Nutzgewichts“: 1. de Laminne (Farman) mit 200,400 km. „Fernflug Maastricht“: 1. de Laminne (Farman) in 1:02:18-4, 2. Beaud (Farman) 1:26: 11-3, 3. Verschaeve (Farman). Leider ist in Mouseron (Belgien) ein bedauerlicher Unfall vor- gekommen, indem der Aviatiker Peeters, der in der genannten Stadt in Gemeinschaft mit Berthiat Flugvorführungen veranstaltete, einen schweren Sturz tat. Zum Schlusse meines heutigen Berichtes will ich einer neuen Schöpfung des bekannten Großindustriellen und Förderers der modernen flugsportlichen Bewegung, des oftgenannten Deutsch de la Meurthe, Erwähnung tun. Der Genannte hat bekanntlich seinerzeit die Grün- dung eines aerotechnischen Instituts beschlossen gehabt, durch das er Konstrukteure und Piloten in ihren Bestrebungen zur Vervoll- kommnung der Luftschiffahrt wirksam unterstützen wollte. Seitdem hat Deutsch de la Meurthe das herrliche Gebäude, das diesen Zwecken bestimmt sein soll, zu Saint-Cyr erbauen lassen und hat es nun der Universität Paris übergeben, die ihrerseits beim Staatsrat die Ge- nehmigung zur Annahme der Schenkung nachgesucht hat. Selbst- verständlich ist das nur eine Form und die Konstituierung des In- stituts ist seit langem vorbereitet. Als Direktor wird Herr Maurain, Professor an der wissenschaftlichen Fakultät zu Oaen, fungieren. Das Verwaltungscomit& setzt sich aus hervorragenden Persönlichkeiten zu- sammen, von denen wir hier nur die Namen Deutsch de la Meurthe, Leon Barthou, Bleriot, Oberstleutnant Bouttiaux, Cailletet, Carpentier (Präsident der technischen Kommission der Ligue Nationale Acrienne), Oberstlentnant Estienne (Direktor des militärischen Aviations - In- stituts zu Vincennes), Henri Kapferer, Professor Painlev@, Professor No. 23 „FLUGSPoRF“. Seite 723 Marchis, Professor Le Cornn, Professor Picard, Chefingenieur Sauvage, Soreau (Präsident der Aviations-Kommission des Aero-Olub de France), Professor Urbain, Voisin, Chefingenieur Weiss erwähnen wollen. Das Institut, zu dessen Errichtung, wie erinnerlich, der Donator einen Be- trag von 500000 Francs lıergegeben hatte, bedeckt ein enormes Terrain und wird das Studium der Luftschiffahrt mit praktischen Konstruktions- und Flugexperimenten in vollstem Umfange möglich machen. Die Sensation des Tages bildet der militärische Aeroplan-Bewerb für 1911, wie ihn der neue Generalinspekteur der Miltär - Aviation, General Roques, organisiert. Dieser interessante und bedeutungsvolle Bewerb ist an anderer Stelle eingehend besprochen. RI. Der Flugsport in England. (Originalbericht unseres Londoner Korrespondenten.) Hier herrscht eitel Freude, daß der Gordon-Bennett-Pokal jetzt nach England in die Hände des Londoner Aero-Clubs kommt und daß das internationale Gordon-Bennett-Fliegen im nächsten Jahre in England stattfinden wird. Die englischen Flieger haben in Amerika gezeigt, daß der Flugsport in England jetzt aus seiner Kindheit her- aus ist; wir wagen aber auch die Prophezeiung, daß im nächsten Jahre beim Gordon-Bennett-Fliegen der englische Flugmaschinenbau zeigen wird, welche Fortschritte er in den letzten zwei Jahren ge- macht hat. Der Sieg Grahame Whites war hier nach den früheren Berichten aus Amerika erwartet worden, aber seine Leistung ist noch bedeutender als seine besten Freunde ihm zutrauten. Er durchflog die 20 Runden (100 km) in 1 Stunde 4 Min. 3 Sek., d.h. in der Hälfte der Zeit des zweitbesten Fliegers. Dies war wiederum ein Engländer, Alec Ogilvie, der 2 Stunden 6 Min. 37 Sek. gebrauchte. Dabei ist allerdings die Zeit mitgerechnet, die er zur Reparierung der Zündung benötigte; eigentlich war er nur 72Minuten in der Luft. Ogilvie benutzte eine Wrightmaschine vom Typus C mit 36 PS-Wright-Motor. Sehr bedauerlich ist allerdings der Streit der englischen Flieger mit dem amerikanischen Aero-Club wegen des Fluges von Belmont Park nach der Freiheits-Statue, wofür ein Preis von 40000 M. aus- gesetzt war. Grahame White leistete am 30. Oktober diesen Flug in 35 Min. 2 Sek., de Lesseps in 44 Min. 56 Sek., Moisant in 34 Min. 38 Sek. Grahame White wollte darauf seinen Flug wiederholen, um eine noch-bessere Leistung zu erzielen, das Komitee entschied jedoeh, - daß das Meeting jetzt offiziell geschlossen werden müsse und sprach Moisant den Preis zu. Grahame White behauptet demgegenüber 1) daß ihm offiziell mitgeteilt sei, daß der Schluß des Abfliegens um 3 Uhr 45 Min. stattfinde, während Moisant der Abflug noch nach 4 Uhr erlaubt sei; 2) hätte das Komitee erklärt, daß jeder Bewerber sich vorher durch einen Flug von 1 Stunde qualifizieren müsse; er selbst habe das getan und dabei seine Maschine zerbrochen, während Moisant der Abflug ohne solchen Probeflug erlaubt sei; und 3) sei das Komitee sich selbst vorher nicht darüber klar gewesen, ob der Flug nach der Freiheitsstatue am Sonntag beendigt werden solle “ No. 2 Seite 723 „FLUGSPORT“. 0 A . . f store Flüge am Montag erlaubt sein sollten ; und au dem > all die Ausdehnung bis Montag in Aussicht ven men Der amerikanische Flieger Armstrong Dreze | nahm en. Seine Landsleute die Partei RT m kun i gie Sein itt aus dem amerikanischen Aero-Ju ; d „dieser ng in dem Augenblick geschlossen, als en de en keit des Gewinnes eines Amcrikaners sah. So sei mich Be ut n der Wiederholung seines Fluges gehindert wol en, st ea Radley Aubrun und. andere. An dem folgenden Een en Club nahmen daher nur wenige Flieger teil, wä en ve ame W to, Lesseps Latham, Mac Ardle, die Curtiß-Mannse ai wi a er Drexel zu einem Oppositiousdiner eingeladen wur en en an Wri ht erschienen bei keinem dieser beiden Feste u on a 3 it keiner beider Parteien. Doch herrscht hier die ein 5 aa diese Streitigkeiten nicht aus einem bösen Willen der l e er sc dor aus ihrer Unbestimmtheit und Unklarheit entstan ion ee ie N e- länder können mit den in Amerika errungenen er a och zufrieden sein besonders da Grahame White am N ber mann einen Preis von 12000 M. FE Mao ur Darin u Easn BR ] j Sek. zur ac | = N naten 43 ar. White benutzte dabei einen 60 PS- tor Kennedy, Vorsitzender der aviatischen Abteiling ger Motor Union hielt am 8. November einen Vortrag über ge Tran der Unslücksfälle bei den internationalen Meetings m Pi; . ; aoncn und Lanark. Nach seiner Statistik wurden 13 Ung ur ig e u Versagen des Motors und unfreiwilligen Abstieg voran Il h veisen 10 Unglücksfälle dem Landen auf ungeeignetem. Bo en heftigen Windstößen, 5 dem Brechen des Propellers, un ı eu en Ursachen zuzuschreiben sind. Für zukünftige Mee nes, ei in neter und großer Platz die erste Bedingung, und es BL haft, ob ein Platz von 3 km Länge grob ‚genug a Gordon-Bennett-Fliegen im nächsten Jahre ın Gro) nn a rn finde, müsse man damit rechnen, dab Geschwindig- er en a ufie ver Stunde nicht, ausgeschlossen Seien, PR fände getroffen h 3 dı opelle ten solche liegen, die Passagiere ‚ragen, darauf Vestehen daß die Passagiere, besonders Damen, alle emo legten, die während des Fiegens ‚Jösen a etände Haark et ü tires. »olche ein Fe In a nen rotierenden Propeller zum Brechen zü DEREN Cody bewirbt sich jetzt um den englischen Michelimpra# und hat in Aldershott ine Flug ee Kine Bodingun Er den N 1 m) zurüc . od Kein Ka Be u er oA Aeroplan völlig britischer Herkunn I und as sei Codye Mschine der Ral, Fe" Ch er Moto 1 ilfen ıı Farnbor ‚ges a her Herkunft und, von ren In, er, der Mili- Jetzt ist anclı Major Baden-Fowell, Ger. i mir lär-Ballon- Abteilung in Faruboronglı, unter Ka Fi gangen. Auf der 34. ‚Jahresausstellung der Falrradurdus No. 33 „FLUGSPORT“. Seite 734 Agricultural Hall hat er zwei Flugmaschinen ausgestellt. Die größere hat ein Rahmenwerk aus Bambus, der Pilot sitzt vor dem Haupt- deck, dem Motor und dem Propeller, und die Hebeplane, die von un- gewöhnlicher Größe sind, werden durch Knieliebel reguliert. Eine kleinere Maschine, noch kleiner als die Demoiselle, ist in den meisten Zügen der größeren ähnlich, doch sitzt der Pilot hinter dem Motor; auch hier sind die Stabilisierungsplane zwischen dem Piloten und dem Schwanzstück von beträchtlicher Größe. Zu der indischen Ausstellung in Allahabad hat die Humber Co. 6 ihrer Aeroplane abgesandt, nämlich 2 Humberbiplane mit Gnom- motor, 3 Monoplane mit 3-Zylinder Humbermotor und eine besonders schöne Ausstellungsmaschine Auf den ersten 5 Maschinen werden die Herren E. Keith-Davies und Pequet, beides Flieger mit inter- nationalen Certificaten, Vorstellungen geben. Kapitän Dickson ist jetzt von seinem schweren Unfall in Mai- land soweit wiederhergestellt, daß er nach England zurückkehren konnte. Endlich sei noch ein Gegenstand erwähnt, der in der Fach- presse und in mündlichen Verhandlungen in letzter Zeit viel be- sprochen ıst. Es handelt sich um eine gleichmäßige Anlage der Steuerung. Bei den bisherigen Flugmaschinen sind zwei ganz ent- gegengesetzte Prinzipien in Gebrauch, und bei manchen Maschinen werden sogar zwei direkt entgegengesetzte Methoden gleichzeitig an- gewandt, So kommt es, daß man jetzt dieSteuerung jeder Maschine besonders erlernen muß, während es doch keine Schwierigkeiten für einen Flieger machen sollte, jede Maschine zu steuern, wenn er eine steuern kann. Bei der Flugmaschine scheint es das natürliche zu sein, daß der Steuerhebel der Bewegung des eigenen Körpers ent- spricht, also entgegengesetzt wie beim Fahrrad, wo man die Maschine zu derselben Seite steuern muß, nach welcher sie sich neigt. Wenn z. B. ein Aeroplan zu schnell abwärts fliegt, so hat der Pilot die Neigung sich rückwärts zu lehnen, und automatisch sollte dabei die notwendige Umstellung des Hebedecks erfolgen, und nicht eine ent- gegengesetzte Bewegung des Stenerhebels notwendig sein. Wenn die Maschine sich seitwärts neigt, hat der Flieger die Tendenz sich aufrecht zu setzen, wie in einem schaukelnden Boote, und diese Körperbewegung sollte sich dem Steuermechanismus automatisch mit- teilen. Beim Steuern mit den Füßen würde aber der natürliche Im- puls sein, das Steuer anf die Seite zu stoßen, in welche man die Maschine abzulenken wünscht. Der Gedanke, in dieser Hinsicht die — . — - Konstruktion der Flugmaschinen einheitlich zu gestalten, ist so empfehlenswert wie nur möglich, und am einfachsten würde der Vorschlag zum Ziele führen, durch eine Rundfrage bei den Fliegern festzustellen, welche Methode sie bevorzugen würden. Hoffentlich hat diese Diskussion in den Zeitschriften einen praktischen Erfolg. Seite 725 „FLUGSPORT“. No. 22 II. Fliegerbu’ destag in Leipzig am 13. November 1910, (Vorläufiger Bericht.) An der am Sonntag stattgefundenen Tagung des Deutschen Fliegerbundes nahmen folgende Vereine teil: mo Bayrischer Flugsport-Club, München, Flieger-Club Mainz, Flugtechnischer Verein Leipzig, Flugtechnischer Verein Nürnberg, Frankfurter Flugsport-Club, Frankfurt a. M., Frankfurter Flugtechnischer Verein, Fraukfurt a. M., Mannheimer Flugsport-Club, Mannheim, Schlesischer Flugsport-Club, Breslau, Verein Deutscher Flugtechniker, Berlin, Westdeutscher Verein für Flugsegler, Oberhausen. Außerdem waren hierzu eingeladen: der Deutsche Luftschiffer- Verband, vertreten durch Oberleutnant z. See Rasch, Westfälischer Flugsport-Club, Münster und Flugsport-Verein Berlin. Prinz Albert von Schleswig-Holstein-Glücksburg war leider verhindert, an der Ver- sammlung teilzunehmen, auch Major von Parseval war infolge Krank- heit nicht erschienen. Die Versammlung nahm zunächst den Bericht über das erste Vereinsjahr entgegen, das sehr reich an Arbeit war, aber auch manch schönen Erfolg gezeitigt hat, so u. a. den ersten deutschen Ueberlandflug Frankfurt— Mannheim. Die dafür erwachsenen außerordentlichen Ausgaben betragen zusammen 58.000 M. (40.000 M. für Preise und 18.000 M. Unkosten), welche Summe hauptsächlich von Frankfurter Freunden des Flugsportes, sowie von den Städten Mainz, Mannheim und Frankfurt (je 57000 M.) gestiftet worden it. Nach dem von PBankdirektor Schlieper-Darmstadt erstatteten Kassenbericht betragen die Einnahmen an Mitgliederbeiträgen 983,65 M., denen 947,99 M. als Ausgaben gegenüberstehen. Hieran schlossen sich lange Beratungen über die zukünftige Gestaltung des Verhält- nisses des Deutschen Fliegerbundes zum Deutschen Luftschiffer- verband. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß der Deutsche Flieger- bund in Zukunft die gemeinsame Vertretung aller deutschen flug- technischen Vereinigungen nicht mehr außerhalb, sondern innerhalb .des Deutschen Luftschifferverbandes darstellen soll. Bei den Ergänzungswahlen zum Vorstand wurden gewählt: Oberst Ilse-Frankfurt a. M., Ingenieur Ursinus-Frankfurt a. M., Kapitän v. Pustau-Berlin und Dr. Gans-Frankfurt. Das Amt des Geschäftsführers wurde von Rottenburg übertragen. Als Ort für die nächste Bundesversammlung wurde Berlin gewählt, Zum Schluß wurden mehrere Anträge des Frankfurter Flug- sport-Clubs besprochen und angenommen, wonach alljährlich eine Wanderausstellung zu veranstalten ist und Preisausschreiben für Sicherheitsapparate zur Verhütung bezw. zur Milderung von Unfällen bei Flugmaschinen zu erlassen sind. Die Tagung begann morgens 9 Uhr undendigte abends gegen 7 Uhr. Die Resultate der Verhandlungen lassen erwarten, daß der Deutsche Fliegerbund mit seinen Vereinen in der nächsten Flieger- saison eine wichtige Rolle spielen und im Verein mit dem Deutschen Luftschiffer-Verband das deutsche Flugwesen kräftigen wird. 2.0. „FLUGSPORT“ Seite 726 Ein französischer Bewerb für Militär he | -Aeroplane mit 1,100,000 Fr. an Preisen und Prämien. (Von unserem Pariser Korrespondenten.) In einem meiner letzten re äßi i j ! gelmäßigen Berichte hatte ich man in rankreich eine besondere Generalinspektion für die million I nautik geschatten und den bisherigen Abteilungsdirektor i Sterium. en General Roques, mit diesem wichtigen Posten betraut h C ewaltigen Organisati ' ıg ganisationstalent des n - alinspekteurs und nahm als-sicher an, daß dieser in Kürze schon tt Sinne gigantischen P anti PORH ne werde. lane zur Reorganisation der Militärluftschiffahrt herauskom- und Die Erwartungen haben nicht ‚ Was ın diesem Falle vielleicht noch wertvoll zugreifen zu wollen und hat gelegentlich des Schlußbanketts zum aerona a . .. . der In Sener Grobartignen Jahr 1911 in großen Zügen ‚kundgegeben, einen Plan, ewaltige Erregung, ja geradezu eine Sensation h regung i ‘ tıorı geschaffen hat. Details klarlegen: In nachstehendem die Pläne des Generals Roques in Es wird im Jahre 1911 ein Bewerb für Aeroplane stattfinden, für den die nachstehenden Summen ämi ä Bestellt werden umme als Prämien und Anschaffungsbeträge zur Verfügung ihren Dem Konstrukteur, der als Erster klassiert ist ‚ Ankauf des siegreichen Apparats . . B. Sofortiger Auftrag auf zehn gleiche Ap- 19,000 Fr. parate zum Preise von je 40,000 Fr. mit einer Prämie von 500 Pr. für jeden Ap- parat und für jeden Kilometer mittlere Geschwindigkeit, die eine Fluggeschwin- digkeit von 60 km übers'eigt (bis zu 80 km 500,000 Dem, Konstrukteur, der als Zweiter klassiert ist Auftrag auf sechs Apparate zum Prei je 40,000 Fr. nebst Prämie von 500 Fr. Dro Kilometer, wie oben . . rn 300,000 Dem Konstrukteur, der als Dritter klassiert ist Auftrag auf vier Apparate wie oben mit Prämie... 000 200,000 Im Falle, daß nur ein einzi i ing , . ger Konstrukteur die Bed ilitä verwaltung voll zu erfüllen vermag, so fällt diesem, außer der aa Mär. 100,000 Fr. der ganze Auftrag auf i Fr. zwan 2 i den gleichen Bedingungen wie vorher ans hhurate zu und zwar immer. unter An dem Bewerbe kann jeder Apparat, gleichviel welcher Type, teilnehmen » » Die wesentlichsten Bestimmun Die en d der Militärverwaltung in dem Bewerbe Vor ehnments a stehenden Bedingungen entsprechen: Sie müssen gen folgendes: Die en Apparate müssen nach- C nicht einbegriffen die ‚ Wasser etc. befördern können ; Mechaniker, einen für den Beobachter Kür en Filoten, einen für sen e) eine eigene ergeben; f) auf frisch geackerten Feldern, auf Luzernenfeldern feldern landen und von ebendort wieder abfliegen Können "d Stoppel- können; Seite 727 „FLUGSPORT“. No. 22 g) leicht transportabel sein, eingepackt oder nicht, per Achse oder Eisen- bahn, und schnell, ohne minutiöse Regulierung, in Betrieb gesetzt werden können. Die Apparate, die nicht alle diese Bedingungen erfüllen, werden von dem Bewerb ausgeschlossen. Ferner sind folgende Eigenschaften nicht bedungen, aber erwünscht: Die Apparate sollen möglichst a) entweder mit doppelten oder so eingerichteten Steuerungsorganen ver- sehen sein, daß sie ebenso im Handbereich des Mechanikers wie des Piloten sind, so daß jeder von ihnen unabhängig die Führung über- nehmen kann; b) sich durch die an Bord ausgeführten Manöver ohne fremde Hilfe in die Luft erheben zu können; c) vor dem Beobachter ein unbehindertes Gesichtsfeld haben, das durch keinerlei Teile des Gestells gestört wird. Die Anmeldungen zu dem Bewerbe haben bis zum 1. Januar 1911 zu erfol- en. Die Vorführung der Apparate gschieht vom 1. Oktober 1911 ab. Es finden usscheidungsbewerbe und endgiltige Klassifizierungsbewerbe statt. Erstere bestehen aus: a) einer Besichtigung, dazu bestimmt, ob die Apparate die in vorstehenden Absätzen aufgestellten Bedingungen erfüllen; b) drei Flügen, die mit der vollen Belastung von 300 kg auszuführen sind und mit voller Flugausrüstung und zwar auf Strecken, die in einem Landungsterrain enden, das den vorerwähnten Bedingungen ent- spricht; c) einem Flug, gleichfalls mit voller Belastung, im Laufe dessen die Appa- rate um einen ihnen aufgegebenen Punkt herumfliegen und ohne Unter- brechung an die Abflugsstelle zurückkehren müssen. Die Kommissare stellen die Flugzeit hierbei fest, um sich zu vergewissern, daß der Apparat die vorgeschriebene Geschwindigkeit von mindestens 60 Kilometer hat; zwei Höhenflügen, gleichfalls mit voller Belastung. Die Apparate werden sich in mindestens 15 Minuten auf 500 m über dem Boden zu halten haben. Der ganze Monat Oktober wird den Konstrukteuren für diese Versuche gelassen, wobei sie selbst die Tage wählen können, vorausgesetzt aber, daß die Flüge in der vorgegebenen Reihenfolge geschehen. Bei allen Flugvorführungen kann einer der Militärkommissare an Bord des Apparates Platz nehmen. Wenn die Kommissare davon benachrichtigt werden, können Reparaturen vorgenommen werden, doch darf der Apparat nicht aus dem Militär-Aerodrom herausgehen. Die Bewerber haben das Recht, den Motor zu wechseln, sogar auch einen neuen Apparat zu probieren, aber die Ausscheidungsbewerbe müssen während der hierfür vorgesetzten Zeit beendet sein. Die endgiltigen Klassifizierungsbewerbe werden in folgender Weise vor sich gehen. Eine Kommission wird eine Liste derjenigen Apparate aufstellen, .die an dem Entscheidungssewerb teilnehmen können. Letzterer besteht aus einem Fluge hin und zurück von 300 km Länge mit Nutzbelastung von 300 kg. Der Abflug wird von 5 zu 5 Minuten gegeben, die Reihenfolge entscheidet das Los. fm Falle eines mißglückten Starts kann der Bewerber von neuem starten, aber erst, wenn alle übrigen Bewerber abgeflogen sind. Auf Verlangen eines d N . Bewerbers kann dieser Bewerb ein zweites und ein drittes mal wiederholt wer- den, aber dieses Verlangen muß innerhalb zwei Tagen nach dem vorherigen Bewerb ausgesprochen werden. Zwischen jedem neuen Bewerbe wird eine Frist von 48 Stunden für eventuelle Reparaturen oder Auswechselungen bewilligt, doch können im Laufe dieser Bewerbe weder der Apparat, noch der Motor aus- getauscht werden. Die anderen Bewerber können, wenn sie wollen, an diesen neuen Bewerben teilnehmen, aber das Endklassement wird auf der Basis des besten von jedem Apparat realisierten Fluges aufgestellt werden. Der erste Preis wird demjenigen Konstrukteur zufallen, der die wenigste Zeit zu diesem Fluge gebraucht hat. as sind in den wesentlichsten Punkten die Bestimmungen dieses gigan- tischen Bewerbes. Man kann sich leicht denken, welch einen Ansporn, welche Animation dieser Militärbewerb in die französische Aeroplan-Industrie hinein- bringt.... l. nd No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 728 Flugtechnische Rundschau. Inland. Priuz Heinrich von Preußen ist unter die Flieger gegangen! Als diese Nachricht sich verbreitete, fand sie wenig Glauben. Prinz Heinrich hat mit großem Interesse die Entwickelung des Flugwesens studiert und die Bedeutung und die Entwicklungsfähigkeit der Flugmaschine erkannt. Hierbei hat die Euler- Maschine sein besonderes Interesse erregt und ihn bewogen, die Steuerung dieser Maschine zu erlernen. In aller Stille wurde bereits vor acht Tagen mit den Versuchen begonnen. Prinz Heinrich, welcher eine sehr große Geschicklichkeit bei seinen Uebungen an den Tag legte, flog bereits beim ersten Versuch über | km. Die Maschine, die Prinz Heirrich benutzte, ist der neue Euler-Militärtyp von 18 qm Tragfläche bei 10 m Spannweite. Bei einer Belastung mit Passagier und Benzin ergibt dies eine spezifische Belastung der Tragdecken von 23 kg. Trotz dieser hohen Belastung kann man mit der Euler-Maschine den gestreck- testen Gleitflug mit denkbar sanftester Landung ausführen. Am Sonntag den 13. November wurden die Flugversuche auf dem Euler- Flugfeld wieder aufgenommen. Nachdem der Prinz unter der Führung Eulers einen längeren Passagierflug iiber Bäume und Telegraphenstangen ausgeführt hatte, machte er allein einen Flug von 2 km. Kurz darauf traf Prinzessin Heinrich auf dem Flugplatz ein und unternahm mit Herrn Euter einen Passagier flug von etwa 20 km Länge. Bei diesem Fluge wıurden Höhen von iiber 120 m erreicht. Die Landung erfolgte glatt im Gleitfluge mit abgestelltem Motor. Die Prinzessin war entzückt von dem schönen Fluge. Darauf entführte Herr Euler die Hofdame Fräulein von Oertzen in die Luft, wobei der Truppenübungsplatz zweimal umkreist wurde. Prinz Heinrich unternahm dann allein noch mehrere wohlgelungene Flüge über die ganze Länge des Platzes hin, welche deutlich zeigten, daß der Prinz die Steuerung der Maschine vollkommen beherrscht. Erst als die hereinbrechende Dunkelheit den Flügen ein Ziel setzte, verließen der Prinz und die Prinzessin den Flugplatz, nachdem sie Herrn Euier ihre Anerken- nung für die wohlgelungenen Flüge ausgesprochen hatten. Anwesend waren als amtliche Zeitnehmer des deutschen Luftschifferverbandes Leutnant von Ham- macher, Leutnant von Hiddessen, Leutnant Heinrich Scanzoni von Lichtenfels und mehrere Offiziere der Darmstädter Garnison. Während der letzten sechs Tage waren die Flugübungen durch andauernden Sturm und Regen unterbrochen. Nachdem am Dienstag den 15. November der Sturm sich einigermaßen gelegt hatte, flog Prinz Heinrich auf seiner Eulermaschine bei sehr starkem Wind eine volle Runde um den Darmstädter Truppenübungsplatz. Die zurückgelegte Ent- fernung betrug naeh offizieller Kontrolle 4 km. Der Flug bewegte sich in einer Höhe von 10-15 m. Start und Landung erfolgten schulgemäß und glatt. Gleitflugzeug von Willy Becker, Aachen-Forst. Willy Becker in Aachen hat vor kurzem Versuche mit einem Gleiter ausgeführt, mit welchem ihm Flüge bis zu 70 m in 5 m Höhe gelangen. Der Sitz des Fliegers befindet sich unter den Tragdecken. Vorn ist ein zweiteiliges Höhensteuer angeordnet, dessen ein- zeine Flügel von einander unabhängig zur Erhaltung der seitlichen Stabilität bewegt werden können. Oben hat der Apparat ein spitzwinkliges Dach, welches den Vorteil haben soll, daß der Apparat immer gut gegen den Wind eingestellt Seite 729 „FLUGSPORT“. No. 22 bleibt, hierbei stark tragend wirkt. Hinten ist das Seitensteuer angebracht und darunter eine Stabilisierungsfläche. vers. Gleitflugzeug von Becker Tr, PRERZR Zweidecker Poelke, No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 730 Eulers Zeit- und Distanz-Rekord von 3 Stunden 6 Min. 18 Sek. ist offi- ziell vom D. L. V. anerkannt worden. Zweidecker Poelke. Die nebenstehende Abbildung zeigt den Apparat während der Versuche auf dem Griesheimer Exerzierplatz. Die Maschine hat sich infolge des zu kurzen Schwanzes und des sehr weit vorn liegenden Schwer- punktes nach vorn geneigt. Ausland. Wright-Maschine mit 50 PS Gnom-Motor. Graf Lambert hat sich seinen Apparat modernisieren lassen. Zunächst ist das vordere Höhensteuer wegreful- len. Anstelte dessen ist die hintere horizontale Stabilisierungsfläche steuerbar \Wrightmaschine mit 50 PS _Gnom. eingerichtet An den vorderen Hatıptstreben--sind nach amerikanischem Muster zwei kleine vertikale Dämpfungsflächen angeordnet (s. Flugsport Nr.21 Seite 699 Der neue Wright-Apparat). Weiter ist in diesem Apparat anstelle des bisherigen wassergekühlten Motors ein 50 PS Gnom-Motor eingebaut. Lathams Schießversuche aus der Fluagmaschine. Bei seinen Flugver- suchen auf dem Flugfelde von Baltimore schof Lathanı aus seiner Maschine nach einem markierten Ziele. Zwei von sieben Schüssen trafen. Weiter warfen Latham und Drexel aus ihren Flugmaschinen 6 Bomben auf das Kriegsschiff „Detangare“. Sämtliche Bomben trafen. Kapitän Douw stieg darauf als Passa- gier des Grafen Lesseps mit dessen Eindecker auf und versuchte mit der Flinte Seite 731 „FLUGSPORT“. No. 22 nach dem Ziel zu schießen. Bei Schüssen aus über 100 m Höhe fehlte er nur um wenige Zoll das Ziel. Der Flieger Ely ist von dem Kreuzer „Birmingham“ ca. 50 km von der Küste entfernt aufgestiegen; nach 2 Minut. streifte der Propeller einen Wellen- berg, wobei er zersplitterte. Zweidecker Vedo Velli. In Issy-les-Moulineux wird zurzeit ein neuer Zweidecker, welcher durch seine phantastische Form viel Aufsehen erregt, ver- sucht. Der Rumpf, in welchem der Führersitz und der Motor untergebracht sind, ist vollständig geschlossen. Um dem Führer einen guten Ausblick zu gestatten, Zweidecker Vedo Velli. ist der vordere Teil des Rumpfes mittels unverbrennbaren zelluloidartigen Scheiben überzogen. Auf die Resultate der Versuche mit dieser Maschine darf man gespannt sein. , Dem Flieger Hoxsey in Amerika, welcher sich um einen Höhenpreis bewarb, blieb in 1000 m Höhe infolge Zündungsfehlers plötzlich der Motor stehen. Die Maschine glitt in einem Winkel von 45° zu Boden und wurde zertrümmert. Hoxsey wurde nur aus dem Sitz geschleudert und erlitt keinerlei Verletzungen. Flugkonkurrenzen. | Ein Ueberlandflug von Ulm nach Friedrichshafen soll im Frühjahr 1911 stattfinden. Veranlassung dazu gab eine Stiftung des Grafen Zeppelin, ein Preis von 25,000 Mark, für eine Flugveranstaltung in Württemberg. Die technische Leitung wird der Verein Deutscher Flugtechniker übernelımen. Für den Flug haben bereits zugesagt: Grade, Jeannin und Wiencziers. Der internationale europäische Rundflug, an welchem das „Journal“ mit 100,000 Mark und die „B. Z. am Mittag“ mit 100,000 Mark beteiligt sind, wird am 4. Juli von Paris aus seinen seinen Anfang nehmen. Er passiert die Städte Aachen, Düsseldorf, Bielefeld, Hannover, Magdeburg. Der Rückflug nach Brüssel von Berlin aus geht über die Städte Hamburg, Bremen, Oldenburg, Münster und Köln. Süddeutschland wird von dem Flug in keiner Weise tangiert. Wie verlautet, soll der „Hannoversche Kurier“ noch einen Zuschuß von 30,000 Mark leisten, No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 732 Ein Tournee durch die Vereinigten Staaten beabsichtigt die Deutsche Fluggesellschaft in Frankfurt a M. Es hat sich ein südamerikanisches Finanz- konsortium gebildet, welches unter der Leitung von E. Klein & Cie. in Sao Paulo, Brasilien, steht. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. 7Th. Sch 33926. Höhen- und Seitensteuerung für Luft- und Unterwasser- fahrzeuge. Werner von Schütz, Magdeburg, Kleinestr. 6. 15. 10. 09. 7Th. B 51589. Vorrichtung zum Aufsteigenlassen von Drachenfliegern an Ort und Stelle. Louis Bleriot, Neuilly, Frankr.,; Vertr.: C. Fehlert, G, Loubier, F. Harmsen und A. Büttner, Pat.-Anwälte, Berlin SW 61. 2. 10. 08, Patenterteilungen. 77h. 228982. Signalapparat für Luftfahrzeuge bzw. Ballons zur Kenntlich- machung des Fallens oder Steigens derselben. Philipp Lentz, Gr -Lichterfelde, Sternstraße 34. 20. 1. 09. L 27403. 77h. 229177. Flügel für Flugmaschinen mit Querrippen aus mehreren übereinanderliegenden Stahldrähten. — Siemens-Schuckert-Werke G, m. b. H,, Berlin. 25. 6. 08. S 26912. Gebrauchsmuster. 77h. 440038. Flugmaschine.e — Anton Schwarz, Mainz, Steingasse 4. 24. 9. 10. Sch 37 606. j 77h. 440483. Flugmaschine. — Emil Klawun, Stettin, Stoltingstraße 27. 6. 10. 10. K 45 466. 7Th. 440435. Doppelmotor mit zentralwirkendem Propellerpaar für Flug- apparate. Hermann Heinzke, Pudewitz i. Posen. 19. 9. 10. H. 47853. Drachenflieger*). Die Erfindung betrifft einen Drachenflieger mit einem an dem Tragschirm hefestigten Gestell und einer mit letzterem verbundenen pendelnden Gondel. Das Gestell trägt die Antriebvorrichtung und die Steuer, während die Kraftquelle und das Steuerrad in der Gondel untergebracht sind. Das Wesentliche der Er- findung besteht darn, daß die die Antriebvorrichtung und die Kraftquelle ver- bindende biegsame Antriebwelle und die Steuerkette durch das Verbindungs- gelenk zwischen dem Gestell und der Gondel hindurchgeführt sind. Hierdurch wird erreicht, daß beim Ausschwingen der nach allen Richtungen pendelnden Gondel weder ein Ausdehnen noch Zusammendrücken der Antriebswelle und Steuerkette erfolgt und diese somit immer in gleicher Weise wirksam bleiben. In der Zeichnung ist der Apparat in einer beispielsweisen Ausführungs- form dargestellt. Abb. 1 ist eine Seitenansicht, Abb. 2 eine Öberansicht des- selben. Abbildung 3 zeigt im Längsschnitt das Verbindungsgelenk der Gondel mit dem Rahmengestell. Der Tragschirm besteht aus einem Rahmen a, der durch Querverbin- dungen-a !-versteift ist. Auf dem Rahmen ist ein Ueberzug b aus Segelleinen __ oder dgl. über Stützen b'! derart gespannt, daß er sich nach Art eines flachen Schirmes über dem Rahmen a wölbt Das Steuer h dreht sich um den Zapfen i, der an der Querversteifung des Rahmens a befestigt ist. Das Ende des Steuers ist mit einer Kette oder einem Seilm verbunden, das über Rollen k läuft. Letztere sind in Böckchen I gelagert, die an der Querversteifung des Rahmens a festsitzen. Mit den Querversteifungen des letzteren ist ferner ein Rahmengestell c verbunden, in dem die Antriebschraube d gelagert ist: Auf der Achse der Treib- schraube sitzt das Kegelrad e, das mit dem Kegelrad f in Eingri‘f steht, das auf der biegsamen Antriebwelle g festsitzt Das Höhensteuer n ist in einem an der Querversteifung des Rahmens a befestigten Bock o drehbar gelagert und mit * D. R. P. Nr. 223586, Julius Wiese in Hamburg. Seite 733 „FLUGSPORT“. No. 22 einer Stange p gelenkig verbunden, die in den Löchern p! in verschiedener Höhe festgestellt werden kann. Der Rahmen a ist mit dem unteren Teil des Rahmen- gestelles c durch Stricke q verbunden. Das Rahmengestell c ist analog dem Rahmen a durch Querverbindungen versteift, an denen die Kugelschale r befestigt ist, in der das hohle Gielenk s auf Kugeln s1 laufend angeordnet ist. Das Gelenk s, durch welches die biegsaıne Welle g und das Seil m frei hindurchgeht, ist an der Gondel t befestigt, die an der Vorderseite spitz zuläuft und oben mit einem mehrarmigen Bügel t! versehen ist, der iny.der Mitte einen freien Raum für den Durchtritt von Welle g undSeil m besitzt. In der Gondel ist das Steuerrad u und der Motor v angebracht, und am unteren Ende derselben eine Richtklappe w, die mittels des Stiftes x festgestellt werden kann. Die Gondel ist an den 4 unter dem Rahmengestell c liegenden Ecken mit Puffern y ausgestattet, die die Neigung der Gondel zu dem Rahmengestell begrenzen, indem die Puffer gegen eine im unteren Teil des Rahmengestelles angeordnete Schiene c! stoßen. Um dieDrehung der Gondel um ihre Achse zu Abb. 3, Abb .1 Abb .2. begrenzen, ist sie durch Stricke z, die genügenden Spielraum lassen, mit dem Rahmengestell c verbunden. Der Flugapparat wird mit der am Rahmen a befestigten Oese a? aufge- hängt. Nachdenı die Stange p heruntergezogen und fegestellt und dadurch das Höhensteuer n nach oben gerichtet ist, wird die Treibschraı be d in Drehung versetzt, worauf der Apparat hochgehoben wird, dem man durch das Drehen des Ruders h die gewünschte Richtung gibt. Beim Verschieben der Stange p nach oben senkt sich das Höhensteuer n wieder und dementsprechend auch der Flugapparat. n: Die Klappe w hat den Zweck, die Gondel bei der Fortbewegung des Flugapparates in der Flugrichtung einzustellen. Die Stricke zur Begrenzung der Drehung der Gondel um ihre Acııse können auch durch federnde Arme ersetzt werden, die unten am Rahmengestell befestigt werden und bis über den oberen Rand der Gondel herabgehen. ” ee Patent-Ansprüche. 1. Drachenflieger mit einem mit dem Tragschirm verbundenen, die Antrieb- vorrichtung und die Steuer tragenden Gestell und einer mit letzterem verbundenen Gondel, in der die Kraftquelle und das Steuerrad untergebracht sind, dadurch ge- kennzeichnet, daß die biegsame Antriebswelle und die Steuerkette durch das Verbindungsgelenk hindurchgeführt sind. 2. Ausführungsform nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Gondel mittels eines auf Kugeln laufenden der biegsamen Antriebwelle (g) und der Steuerkette (m) freien Durchgang gewährenden Kugelgelenkes (r, s) mit dem Rahmengestell ic) verbunden ist. No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 734 Verschiedenes. Eine Gedächtnisstätte für verunglückte Flieger soll auf Anregung des Hauptmanns Hildebrandt geschaffen werden. Marconi beabsichtigt, eine Flugmaschine mit einer Station für drahtlose Telegraphie zu bauen. Die Maschine ist ein Eindecker und für vorliegenden Fall spezialisiert. Sie erhält einen besonderen Propeller, welcher es ermöglicht, daß durch einen ruckartigen Antrieb die Maschine vom Platz aus direkt in die Luft steigen kann. Fünf Flugnaschinen für die deutsche Heeresverwaltung. Infolge immer wieder an uns gerichteter Anfragen teilen wir mit, daß die Heeresverwaltung zurzeit nur 5 Flugmaschinen angekauft hat und zwar einen Farman (Albatros), einen Sommer (Albatros), einen Farman (Aviatik), einen Wright (Flugmaschinen Wright) und einen Etrich (Rumpler). Der Ankauf wurde bewirkt durch General- leutnant Freiherr von Lyncker, Oberst Schmidecke, Oberst von Voight-Rhetz, Oberst Messing und Oberstleutnant Ludendorff. Flugplatz Frankfurt am Main. Frankfurt wird demnächst einen neuen Flugplatz erhalten und zwar ist das Gelände westlich des früheren lla-Flugplatzes in Kussicht genommen. Dieser Platz ist zirka 1500 m lang und 600 m breit. Der Platz zeigt nicht die geringste Niveau-Differenz. Es dürfte dies der idealste Flugplatz Deutschlands werden. Literatur. Illustriertes technisches Wörterbuch in sechs Sprachen über Motorfahrzeuge, Automobile, Motorboote, Motorluftschiffe, Flugmaschinen, herausgegeben von Alfred Schlomann, Ingenieur. Preis geb. Mk. 12.50. ünchen, Verlag R. Oldenbourg. A. Schlomann, eine bekannte Autorität auf dem Gebiete der Lexigraphie hat jetzt einen 10. Band der Illustr. Techn. Wörterbücher herausgegeben, der für Flugtechniker von besonderem Interesse ist. Neben den wichtigsten Ausdrücken aus dem Gebiete des Automobil- und Motorbootwesens sind die wichtigsten Aus- drücke über Motoriuftschiffahrt und Flugwesen berücksichtigt. Allerdings ist der aufgeführte Wortschatz ein etwas beschränkter. Bei der großen Bedeutung des Flugwesens hätte der Verfasser diesen neuen Zweig etwas ausführlicher behan- deln müssen. Immerhin ist das Erscheinen dieses Buches mit großer Freude zu begrüßen und kann Flugtechnikern nur bestens empfohlen werden. Qtlizielle Witteilung Deutschen Flieger-Bundes. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. — Telefon, Amt I, No. 1581. - Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine König]. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter » Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. — Telefon, Amt I, No. 1581. Seitet735 „FLUGSPORT“. No. 22 Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim. Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21, Telef. 377 2. n Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufman OskarKlinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37 a. 2% Kaufmann Müller. Kassierer :Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer :Fritz Brück, Ernst Specht Herm. Teemmler. Flugwart: Josef: Bechler. MaterialverwalterFadrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in bem Ciub-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. MN] | Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tet. I, 4557. Vorstand: t. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. „ Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Boerleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M. “ ergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. Zuschriften sind zu richten an den Frankfurter Flugtechnischen Verei Frankfurt a M., Bahnhofsplatz 8. r Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. „ Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: ' Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Zuschriften sind seht Josef Wahlen, Assessor. uschriffen sind zu richten an den 1. itz F . Düsseldor, a Aka gi n orsitzenden Herrn Paul G. Probst n jedem ersten Mittwoch im Monat fi ömis iser“ Club-Aberd etatt ona findet im Hotel „Römischer Kaiser No. 22 „FLUGSPORT“. Seite 736 i Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport=Club. Sitz Breslau. Vorstand: Telephon 1. Vorsitz.: Univers.-Prof. Dt. Lummer, Göpperstr. 1, 986 2. n Fabrikdirektor Dr. Bergreen, Schottwitz, _ 1228 1. Schriftführer: Ing. Stoeckicht, Gartenstraße 37, 10972 2. n Kaufm. Kutsch, Ohlauufer 10, 10993 Schatzmeist. : Kommerzienr. Dr. jur. Heimann, Ring 53, 2655 Bibliothekar : Kaufmann Nicolaier, Kaiser Wilhelmstr. 14, 1159 Sportkommission: Hauptmann Engel, Kl. Scheitnigerstr. 9 Ing. Fahlbusch, Fränkelpl. 6 | Fritz Heidenreich, Freiburgerstr. 21 2888 Flugwart: Ing. Walzel, Museumsplatz 15 36513 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstr. 43, 9054 Beisitzer: Telephon Kaufmann Erich Breit, Guttenbergstraße 8, _ 10040 Freiherr v. Durant, Langendori, Kr. Gleiwitz Freiherr v. Kloch, Neue Schweidnitzerstr. 4, 2701 Generaldi ektor Dr. Kuthe, Schweidnitzer Stadtgr. 15, 3286 Bankvorstand Matthias, Gartenstr. 60, 3989 Ing. v. Sallwürck, Gartenstr. 89, 2983 Zahnarzt Dr. med. Scheps Neue Schweidnitzerstr. 4807 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr 37 erbeten. (Tel. 10972.) Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. | — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen, Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. R Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen.” Schriftführer: Dr. Albert, Holten. ” Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. 1. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 2. „ Architekt Schnarre, Holten. 3. „ Flugtechniker Nihues, Wesel. 4. „ Gutsbesitzer Tender, Holten. 5. „ Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. 6 Kaufmann Zündorf, Marxloh. Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. Beigeordneter Sigloch, Hamborn. Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. Seite 137 „FLUGSPORT“. No. 22 Beisitzer: Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. n Redakteur Krause, Köln. n Oberingenieur Weidler, Oberhausen. Alle Zuschriften sind ausnahmslos an den Geschäftsführer Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen, zu richten. 2.2000 Vffizielle Mitteilungen des. Flugtechnischen Vereins Leipzig Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 28 IM. Vorstand: Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig Weststr. 28111, Schriftführer: Redakteur Goldfreund, Leipzig. Ing. Gustav Birkner, Leipzig. Schatzreister: Kaufmann R. Müller Beisitzer: Georg Boecker, Leipzig. n Oswald Hönicke, Leipzig. Bücherwart: stud. phil. Hans 'Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. Vere'nslokal: Goldenes Einhorn am Johannisplatz. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Jeden 2. und 4. Donnerstag finden Arbeitsabende statt. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Karl Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der techn. Kommission. Dr. Kropf, Clubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Fischer, Beisitzer. Richard Krüger, n Junger ideenreicher Techniker ' Fluugmotor sucht gute Position im Flug- | » apparatebau, geht auch als Flug- ' 2 ey. Inftgekünlt zeugführer. Off. u. Flugtechniker zu verkaufen. Offerten u. L. 500 Frankentihal-fPlal), Pilgerstr. 28 part. : an die Expedition erbeten. Untall- und Haftplichtversicherungen für Avialiker Luftschiffer, Automobilisten u. Sportsleute etc. schliesst zu den günstigsten Bedingungen ab: Arthur Röder, Subdirektor der Schweizerischen National-Versicherungs - Gesellschaft, Basel Frankfurt am Main, Eibestraße 1A. Flugsport Jilustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger für das gesamte „Flugwesen“ unter Mitwirkung bedeutender Fachmänner herausgegeben von Oskar Ursinus, Civilingenieur. j Telefon 4557. Briei- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. Repr&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am 1. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbezug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenansabe gestattet. Nr. 23. Frankfurt a. M., 7. Dezember 1910. Jahrg. Il. Oktave Chanute + Am 23. November ist in Chicago der Altmeister des Flugwesens, Oktave Chanute infolge einer Lungenentzündung im Alter von 78 ‚Jahren gestorben. Chanute wurde im Jahre 1832 als Sohn eines Gymnasiallehrers in Paris ge- boren. Bereits seit den 70er Jahren beschäftigt er sich mit dein Flugproblem. Channte war ein eifriger Mitarbeiter, sozusagen «der Gutachter, von Langley. Interessant sind die Voröffentlichungen „Fort- schritte der Flugmaschinen“, New-York, Forney 39 Cortlandt St. 1804. Nach den verschie- dentlieh ımißlungenen Ver- suchen von Langley, führten ihm die planınäßigen Arbeiten Ialienthals auf den richtigen Weg. Er baut mehrere große GleitfIngapparate, mit wel- chen seine Assistenten Herring und Avery bemerkenswerte Flüge ansfülrten. Der erste Apparat von Ohanute besab bekanntlich 5 übereinander- liegende Tragdecken und einen Schwau zähnlich dem Oktave Chanute 7. von Penaud. Die später von Seite 739 „FLUGSPORT“. No. 23 ihm gebauten Gleitflugapparate erhielten nur noch 2 Tragdecken. Trotz seines damals bereits hohen Alters führte Chanute selbst einige Gleitflüge aus. Die Arbeiten von Chanute wirkten befruchtend auf die Brüder Wright, mit welchen er sich im Jahre 1900 in Verbindung setzte. Letztere begannen jedoch ihre eigenen Wege zu gehen und ihre Ma- schine selbständig in aller Stille zu vervollkommnen. Oktave Chanute, der bereits in seinen früheren Jahren nach Amerika kam, bekleidete dort in der Eisenbahn welt eine hervorragende Stelle als Chefingenieur der Chicago Alton Railway und der Erie Railway. Chanute hat durch seine anregenden und zielbewußten Vorarbeiten in der Entwicklungsgeschichte des Flugwesens sich selbst ein Denkmal gesetzt. Valkyrie-Flugnaschine. (Hierzu Tafel VIII.) Dieser Eindecker, welcher von der Aeronautical Syndicate, Limited, London N. W., gebaut wird, besitzt zwei Haupttragdecken, eine zweiteilige Haupttragdecke a-b und eine vorn gelagerte kleinere Tragdecke c, deren Neignngswinkel gegenüber der Haupttragdecke um einige Grad größer ist. Durch die Neigungswinkeldifferenz der beiden Haupttragdecken und durch die verschieden große spezifische Belastung auf diesen beiden Tragdecken wird eine automatische Stabilität erzielt. Auf dem gleichen Stabilitätsprinzip durch Winkeldifferenz be- ruht der Apparat von Focke in Bremen, welchen wir in Nr. 17 Seite 557 ff. beschrieben haben. Auch der Wrisht-Apparat ist, wenn man sich das vordere Höhensteuer festgestellt denkt, automatisch stabil. Die spezifisch hohe Flächenbelastung der vorderen Tragdecke ver- anlaßte die Konstrukteure der Valkyrie - Maschine, eine feststehende justierbare Fläche und eine besondere Fläche als Höhensteuer anzu- ordnen. Bei der Geschwindigkeitszunahme im Wellenfluge eines solchen stabilen Apparates nimmt der spezifische Druck dermaßen zu, daß es unmöglich wird, mittels Handkraft ohne feststehende Fläche noch das Steuer zu dirigieren oder in einer bestimmten Lage festzuhalten. Diese Tatsache dürfte auch seiner Zeit Mente in Magde- burg zu dem verhängnisvollen Sturz geführt haben. Bei vorstehend beschriebedem Apparat ist durch Anordnung einer festen horizontalen Stabilisierungsfläche dieser Nachteil vermieden. Das Höhensteuer d liegt vor den Haupttragdecken unter der Tragdecke c. Die Be- tätigung geschieht durch den Steuerhebel g durch Vor- und Rück- wärtsbewegung. Mittels dieses Steuerhebels werden wie bei Farman die beiden Hilfsflächen m mittels des Seilzuges h für die Schräglagensteuerung bedient. No. 23 „FLUGSPORT.“ Seite 740 Die Seitensteuer f befinden sich hinter den Haupttragdecken und werden «durcli Seilzüge i mittels Fußhebel n betätigt. Der Fußhebel n ist halbkreisförnig ausgebildet. Die Seile i laufen in einer Rille (les segmentartigen Fnl- lıebels. Dadurch wird vermieden, daß bei den größten Ausschlag des Hebels die Zugseile locker werden. Für cie seitliche Dämpfung sind vor der vorderen Tragdecke c zwei vertikale Dämpfnngsflächen e vorgesehen. Hinter dem Führersitz befindet sich der Vierzylinder-Green Motor von 30 PS mit direkt gekuppelter Schraube von 2,6 m Durchmesser. Die Trag- decke b hinter der Schraube ist verkürzt und besitzt eine geringere Neigung. Unter dieser Tragdecke befindet sich der Kühler k. Die Neigungswinkel der Tragdecken a—b, c sind verstellbar. Zu diesem Zwecke sınd die Rippen an der hinteren Spante o dreh- bar eingerichtet. Die vordere Kante der Tragdecken kann naeh oben und unten verschoben werden. Der Neigungswinkel zwischen der Tragdecke a und Propellerachse beträgt 9. Die Haupttragdecken sind durch sehr starke Spanndrähte an zwei Spannsäulen verspannt. Eigenartig sind die Details der Verschraubungen für die Spanndrähte (s. die Skizze auf Tafel VIII unten links). Die Anordnung eignet sich nur für sehr starke Drähte. Für die Ver- spannung des Rumpfes dürfte sich diese Konstruktion weniger eignen, da die Spanndrähte zu stark ausfallen. Im übrigen hat man ın Deutschland an Gleitflugapparaten bereits mehrfach derartige Kon- struktionen beobachten können und zwar wurden für die Spanndrähte Fahrradspeichen mit Normalnippel verwendet. Eindecker Schindler und Brzesky. Dieser Eindecker, von Schindler und Brzesky in Wien gebaut, zeigt verschiedene bemerkenswerte Neuerungen. Die Spannweite beträgt 10, die Gesamtlänge gleichfalls 10 m. Zum Betriebe dient ein 50 PS reaktionsfreier Rotationsmotor _ mit gegenläufigen Schrauben. Das Gehäuse des Motors rotiert m der Richtung der einen Schraube, während die Kurbelwelle mit der anderen Schraube in der entgegengesetzten Richtung rotiert. Ueber dem Motor befindet sich das Oelgefäß, unter welchem eine kleine Oelpumpe angebracht ist, die direkt von dem Motor angetrieben wird. Mittels dieses Motors wollen die Konstrukteure einen Zug von 300 kg erzielt haben. Die Ein- und Auslaßventile sind gestenert nnd dureh einen Doppelhebel mit einem Gegengewicht ausbalanciert, so dab bei allen Seite 741 „FLUGSPORT“. No. 23 Tourenzalileun die Ventilbelastung die gleiche bleibt. Der Magnet. ist durch Kegcelräder angetrieben. Brzesky-Motor mit gegenläufigen Schrauben. No. 23 „FLUGSPORT“. | Seite 742 Die Schräglagensteuerung bewirkt man durch Verwinden der Tragdecken. Weiter sind die Tragdeckenenden zwangläufig mit den beiden Enden der hinteren Stabilisierungsfläche verbunden, so daß beim Herunterziehen des rechten Tragdeckenendes die linke Seite der hinteren horizontalen Stabilisierungsfläche nach oben gezogen wird. Durch diese Kombi- nation soll gleichzeitig die Seitensteuerung bewirkt werden. Das Benzinreservoir sowie der Passagiersitz sind auf- fallend weit nach hinten verlegt Diese Anordnung scheint nicht korrekt. Wenn schon eine Mehrbelastung durch volles Benzinreser- Brzesky-Motor mit gegenläufigen Schrauben. voir und Passagier einen größeren Flugwinkel bedingt, so wird doch im vorliegenden Falle die hintere Stabilisierungsfläche eine viel zu große spezifische Belastung erhalten, die es dem Führer nicht er- möglicht, immer mit der rationellen Geschwindigkeit zu fliegen. Der Seite 743 „FLUGSPORT“. _ No. 23 Rumpf der Maschine ist aus Bambus gitterförmig mit Drahtverspan- nung hergestellt. Das Fahrgestell besitzt drei Räder, ähnlich den von Blcriot. Ein neuer Schrauben-Versuchswagen. Wie bekannt, ist es nicht richtig, die Güte einer Luftschraube nach ihrem Zug am Stande zu bestimmen. Es ist Hauptbedingung, daß die Schraube im Fluge den größten Wirkungsgrad ergibt. Die bisker in Dentschland bekannte Versuchseinrichtung war der bereits in „Flugsport“ Nr. 21 Jahrgang 1909 vorgeführte' Versuchswagen auf der „Ila“. Eine andere Versuchseinrichtung von Vickers & Sons be- schrieben wir in „Flugsport“ Nr. 15 Jahrg. 1910. Im letzten Pariser Salon war eine weitere etwas abweichende Type eines Schrauben-Versuchswagens von der bekannten Sclrauben- firma C.Chauviere, Paris, ausgestellt. Dieser Wagen ist wie ein Automobil gebaut; er hat vor allen Dingen den Vorteil, daß er nicht an ein Schrauben-Versuchswagen von Chauviere im Pariser Salon. bestimmtes Gleis gebunden ist und bei wechselnder Windrichtung auf dem Versuchsfeld in jeder Richtung fahren kann. Auf einem starken Automobil-Chassis (s. nebenstehende Abbildung) ist ein entsprechend holes Gerüst aufmontiert, auf welchen die Drucklager für die Schrauben befestigt sind. Die Schraube wird vermittelst Galle’- scher Kette durch einen 70 PS-Motor angetrieben. No. 23 j „FLUGSPORT“. Seite 744 Mittels dieses Schraubenwagens ist man imstande, Schrauben bis zu 2,60 m Durchmesser zu prüfen. Bei kleineren Schrauben, welche nicht in der Lage sind, dem Versuchswagen die nötige Ge- schwindigkeit, für welche sie geprüft werden sollen, zu erteilen, ar- beitet der Motor direkt auf die Triebräder. Durch geeignete Meßin- strumente werden die Schnelligkeit des Wagens, die Umdrehungszahl der Schraube, die achsiale Schubkraft, sowie das Drehmoment regi- striert. Der achsiale Schub wird durch eine pneumatische Uebertra- gung vermittelst eines Manometers registriert. Ebenso wird das Drehmoment durch eine pneumatische Transmission registriert. Der Antrieb der Schraubenachse geschieht durch ein Kegelrädergetriebe unter Zwischenschaltung eines Kardangelenkes. Die Stöße, die durch die Geschwindigkeitsdifferenz des Wagens, sowie durch Bodendiffe- renzen hervorgerufen werden, sind durch geeignete Konstruktionen kompensiert. Zur Eliminierung der Fehler, welche durch derartige Einwir- kungen hervorgernfen werden, ist eine Vorrichtung mittels Gegenge- wicaten vorgesehen, die im gleichen Verhältnis zur Masse der Schraube nnd der durch sie aktivierten Teile stellen. Durch ein System von Gelenkstangen sind diese Gewichte so ıniteinander verbunden, daß sie sich entgegengesetzter Richtung bewegen und die schädlichen Wir- kungen aufheben. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Der bevorstehende Schluß des Jalıres, der mit dem Ablauf der Bewerbsfrist für eine ganze. Anzahl mehr oder minder großer und wichtiger Preise zusammenfällt, hat lier eine für diese Jahreszeit ganz ungewöhnliche fieberhafte Tätigkeit hervorgerufen, die anch der Unbill der Witterung zu trotzen sucht. So sind wir täglich Zeuge der krampfhaften Versuche der französischen Aviatiker um den Grand Prix des Automobil-Club de France. Mit aller Gewalt will man den reglementmäßigen Flug von Paris nach Brüssel und zurück zu Wege bringen. um so noch vor Toresschluß die 150.000 Fres., nach denen der Holländer Wynmalen, der den vorgeschriebenen Flug ausgeführt hat, die Hand offen hält, hereinzubekommen. Bis jetzt freilich ohne Erfolg. — Mourmelon hat sein „Ereignis“ gehabt. Die bekannte junge Aviatrice Mademoisselle Marvingt, die wir schon öfters erwähnt haben flog auf ihrem Antoinette-Eindecker während 53 Minuten und erwarb damit die erste Anwartschaft auf den „Femina-Pokal“, jene von Pierre Laffite ausgesetzte Trophäe, welche derjenigen Pilotin zufallen soll, die bis Ende dieses Jahres die größte Distanz geflogen sein wird. Die in Mourmelon anwesenden Piloten hoben ın ihrer Begeisterung die junge Dame auf die Schultern und bereiteten ihr eine „Ovation“, die nach den Illustrationen der Presse zu urteilen, peinlicher gewesen sein muß, als die Fahrt auf dem Eindeckcr. Auch in Etampes macht eine weibliche Pilotin, Mademoiselle Dutrieun, von sich reden, Die junge Dame scheint es auf einen jener Preise abgesehen zu haben, die dieser Tage „fällig“ werden, auf Seite 745 „FLUGSFORT“. No. 23 welchen weiß sie selbst noch wicht. Sie kündet an, (dal sie von Etampes nach Orleans fliegen und dabei eiue frühere „Kollegin“, die Brettl-Diva Polaire, au Bord ihres Apparats mitnehmen will. Da hat es ein anderer, der junge Pilot Duflot, anders gemacht: er hat keine Ankündigungen erlassen, ist aber dieser Tage von Etampes um 10 Uhr morgens abgeflogen und landete gegen 'k3 Uhr nachmittags zu Vervins dicht vor dem Hause seiner Mutter, der er einen Besuch abstatten wollte. Die Leistung des jungen Mannes, der erst vor wenigen Tagen sein Patent erworben hat, wird viel besprochen. Noch größeres Aufsehen erregte cin Flug, den zwei Offiziere, der Leutnant Moillois und der Schiffsleutnant Delage, von Etampes aus wit ihrem Farman-Zweidecker unternalımen. Es handelte sich «dabei um einen Versuch um «len „Preis Lazare Weiller“‘ (25.000 Frs. dem- jenigen Offizier, der bis zum 31. Dezember, mit einem Passagiar an Borel, den längsten Flug olıne Zwischenlandung gemaclıt haben wird, wobei er an den Abflugspunkt zurückzukehren hat,) für den eine ganze Anzahl von Öffizierspiloten, darunter auch (der erfolgreiche Schiffsleutnant Byasson, angemeldet sind. Die beiden vorgenannten Offizierspiloten flogen bei kalteın, aber schönem Wetter von Etampes bis nach Blois und kehrten von «ort, ohne zu landen, wieder an den Punkt zurück, von (dem sie abgeflogen waren. Die durclhflogene Distanz beträgt 204 km. Im allgemeinen hielten sich «die Piloten in 300 m Flughöhe, nur mußten sie manchmal infolge des dichten Nebels bis auf 100 m herabgehen. Sie branchten zu dem Flnge 3 Stunden 15 Minuten und stellten somit einen neuen Passagierrekord für Fernfahrt und Rückkehr auf. In Juvisy, wo wie üblich große Ruhe herrscht, stattete dieser Tage der Senator Pauliat, Mitglied der Senatskommission für Aviation, (lem Atelier „Autoplan‘“ einen Besuch ab, woselbst Herr von Pischoff bekanntliclı seine Eleven ausbildet. De Pischoff führte auch einen seiner doppelsitzigen Militär-Aeroplane im Fluge vor und nahm dabei Herrn Zeller, den Direktor der bekannten Firma Werner & Pfleiderer, an Bord mit sich. Aus Reims, aus Lyon, aus Öhartres (woselbst neuerdings die Schule Savary eine überaus rege Tätigkeit entfaltet), aus der Wright- Schule zu Vıllacoublay ist nichts besonderes zu berichten. Sommer ist in Douzy lahm gelegt, indem sein dortiges Aerodrom überschwemmt ist. In Douai, wo Breguet eine ziemlich rege Wirksamkeit zeigt, und wo ein neuer Öffizierspilot, der Leutnant Eudmann, durch schöne Fernflüge von mehr als 60 km von sich reden macht, geht sonst alles den gewohnten Gang. In Saint COyr scheint sich der neue Paulhansche Zweidecker, von Caill& gesteuert, ganz gut zu be- währen; mehrere male hat Caille Ueberlandflüge, allerdings von kurzer.. Distanz ausgeführt, die glatt verliefen. In Buc bei Maurice Flarman ist es nun, da Tabuteau sich, wie vorerwähnt, nach Issy-les-Moulineaux begeben hat, um für den Paris- Brüssel-Flug zu starten, etwas rmlıiger geworden. Nach wie vor wird dieses Aerodrom von zahlreichen Offizieren besucht. Jı Coulommiers hat Niel einen neuen Eindecker, den Zens kon- struiert hat, versucht. Er vennochte damit ınelirere kleine Flüge auszufübren und sogar schon bei einem der ersten Flugversuche einen Passagier au Bord mitzunehmen. Der Eindecker, der an dem großen No. 23 „FLUGSPORT“ Seite 746 militärischen Bewerb des nächsten ‚Jahres teilnehmen soll, hat einen 35 PS-Gregoire-Gyp zum Antrieb. Zens ist übrigens nicht nur als Sportsmann bekannt. Es wurde von ihm gelegentlich eines sensatio- nellen Prozesses gegen den König von Spanien viel gesprochen. Er ist nämlich der unelieliche Sohn des verstorbenen König Alphons XII. von Spanien und hat als solcher, ebenso wie sein Bruder, während Lebzeiten des Königs eine regelmäßige Apanage aus Madrid bezogen. Nach dem Tode Alphons XII. wurde die Zahlung eingestellt und die Brüder Zens klagten gegen den König Alphons XTII, die Cortes aber haben die Ansprüche abgelehnt. Das Aerodrom von Crau bei Marseille, das manche schöne Flug- experimente gesehen hat, wird vollständig nmgewandelt. Es wird Zweidecker Paulhan. dort eine Aviationsschule erstehen, zu der auch Militär-Eleven ge- schickt werden sollen. Ebenso wird zu Compiegne eine neue Schule geschaffen, die von Hanriot geleitet werden wird. Mehrere Offiziere des in Compiegne garnisonierenden 2. Husaren-Regiments haben sich bereits als Eleven einschreiben lassen. Eines der interessantesten Aviations-Zentren aber scheint Pau werden zu wollen, jener kleine Ort, der durch die ersten Flugvor- führungen der Gebrüder Wright seinerzeit berühmt geworden ist. Nicht nur erwartet man immer noch, daß Orville Wright in nächter Zeit dort eintreffen wird, es haben sich auch einige neue und be- deutende Aviationsschulen dort installiert: vor allen Dingen die von Bleriot, die, wie erinnerlich, über den Winter von FEtampes nacl, dort verlegt worden ist. Die Bleristsehule--ist recht praktisch ange- legt. Die bekannte Flugbahn ist nach Westen hin verlängert worden und bildet eine Rundstrecke von etwa 12 km. Bleriot und Leblanc sind bereits in Pau eingetroffen. Fernerhin hat die Compagnie Acrienne den Plan gefaßt, in Pau ein großes Aerodrom mit Hallen und Ateliers zu schaffen, das nicht einer bestimmten Schule, sondern der Allgeineinheit zur Verfügung gestellt werden soll. Bleriot hat seine Schnle durch einige seiner bekannten „Haarnadel“-Flüge einge- weiht und dieser Tage hat man auch einen neuen Stabilisateur ge- prüft, der, wie verlautet, ausgezeichnete Resultate ergeben hat. Mit Seite 747 „FLUGSPORT“. No. 23 der Bleriotschule sind bereits mehr als zwanzig Eleven nach Pau übergesiedelt. Uebrigens hat Bleriot bekannt veseben, daß er vom 1. Januar ab für die ersten hundert neuen Eleven, die sich ein- schreiben werden, den Unterrichtspreis auf 800 Franes ermäßist. Jetzt ist auch das Reglement für den Preis Paris-Pau festgestellt, worden: der Pokal soll demjenigen Aviatiker zufallen, der in der Zeit vom 1. Januar bis zum 1. Juni 1911 die Luftreise Paris-Pau in längstens drei Tagen ausgeführt haben wird. Nicht unerwähnt darf eineLeistung bleiben, durch die die Marke R. EP. eımmal von sich reden ınacht. Laurens flog dieser Tage auf einem zweisitzigen Esnault-Pelterie, von seiner jungen Frau be- gleitet, 79 km in 60 Minuten. Es ist das also ein neuer Rekord so- gar, den der Esnanlt-Pelterie-Apparat aufstellt. Was die bevorstehenden grolien Bewerbe anbelangt, so wird es in erster Reihe interessicren, daß endlich der Aero-Club de France sich dazu verstanden hat, der „Journal“-Veranstaltune dem großen internationalen Aviations-Cireuit, an dem sich bekanntlich auch die Berliner „B. Z. am Mittag“, sowie der Brüsseler „Petit Bleu“ betei- ligen, sein Protektorat zngestanden hat. Natürlich gibt das der Sache noch ein besseres Relief nnd ınan kan nunmehr mit einem sicheren organisatorischen Erfolge rechnen. Die wenigen Tage bis zum ‚Jahresschluß werden von den Avia- tikeın kräftig ausgenutzt werden ınüssen, wenn die noch offenen Preise sämtlich umstritten werden sollen. Da ist in erster Reilıe uoch der „Michelin-Pokal“, auf den vorläufig Maurice Tabuteau mit seinem Fluge über 465 kın in 6 Stunden 1 Minute Anspruch hat. Thomas, der Antoinette-Pilot, sowie Henri Farman bereiten siclı mit allem Ernst daranf vor, den Rekord Tabuteaus anzugreifen nnd sich die Trophäe zu sichern. Farman hat sogar einen speziellen Apparat dazu gebaut. Der neue Zweidecker ist in drei Teile zerlegbar und hat geringere Dimensionen, als die gewöhnliche Type. Der Umfang der Reservoire (280 Liter Benzin und 100 kg Oel) gestatten ihm einen Flug von 12 Stunden ohne Erneuerung der Betriebsstoffe, Die Flächen dieses Zweideckers sind nicht, wie bei den gewöhnlichen F'arman-Apparaten, horizontal, sondern bilden einen Winkel, wie diejenigen des Apparats Ferber gewesen sind. Die Flügel sind dop- pelt bespannt. Um den Pilotensitz hat Farman eine spindelförmige „Karosserie“ aus Aluminium montiert, aus der nur der Kopf des Pi- loten herausragt. Ein Windschutz aus Mika schützt das Gesicht. Der Hebel des Tiefensteuers ist in der Weise angeordnet, daß der Pilot die Händo loslassen und vermittels der Knie die Steuerune fest- halten kann. > Auch die ‚weiblichen. Aviatsieen haben ihren „Femina-Pokal“ noch zu bestreiten, der im Augenblick, wie weiter oben berichtet wurde, dem Fräulein Marvingt zusteht. Jetzt sind es die Damen Dutrieu, Marthe Niel, die in den Wettbewerb eintreten. Natürlich wollen die Franzosen die Preise, die sie gewinnen auch wirklich haben und die mancherlei traurigen Erfahrungen die in dieser Beziehung im Lanfe dieses Jahres gemacht wurden haben den Aero-Club veranlaßt, die Regelung aller künftigen Meetings selbst in die Hand zu nelunen. In welcher Weise das zu. geschelien haben wird, muß erst noch festgesetzt werden. fa Seite 748 No. 22 „FLUGSPORT“. Der Drang der französischen Aviatiker, in die weite Welt hin- auszugehen, um dort mit ihren Flugvorführungen Geld, viel Geld zn verdienen, accentuiert sich immer mehr. Es ist berichtet worden, wie eine Anzahl von Piloten die Reise um die Welt angetreten haben. Jetzt geht nun auch Vallon mit seinem Sommer-Zweidecker nach China, wohin ilın ein vorteilhaftes Engagement ruft. Nachdem er während fünfzig Tagen den Chinesen etwas vorgeflogen haben wird, wendet sich Vallon nach Japan, woselbst er freilich schon sclıwieri- gere Aufgaben vorfinden wird, denn die Japaner sind in der Aviation keineswegs mehr so unerfahren und werden sich an harmlosen „Sprüngen“ des Zweideckers nicht Genüge sein lassen. In Osaki, in Zweidecker Paulhan im Fluge, am Steuer Caille. der Nähe von Tokio, macht man im Augenblick die ersten Versuche mit einem Aeroplan japanischer Konstruktion. Der Erfinder ver- mochte mehrere Flüge auszuführen, darunter einen von 40 Mimuten, wobei er eine Flugliöhe zwischen 50 und 350 m erreichte. Ferner hat der Baron Iga einen Apparat erfunden, der noch im Bau begriffen ist, und zwar in Hiratsuka, ın der Nähe von Yokohama. Dort wird auch eine Fabrik errichtet, die sich ausschließlich der Konstruktion von Aeroplanen widmen soll. ___ In_großem Umfange soll, wie schon wiederholt mitgeteilt, die französische Aviation in den Kolonien organisiert werden, wind die= — — Ligue Nationale Aerienne hat zu diesem Zwecke einen Kredit von 2 Millionen Francs verlangt, der in dem Budget des Kriegsministeriums für das laufende Etatsjahr auch bereits enthalten sein wird. Ferner sollen sofort 400000 Frs. bewilligt werden, um die ersten Apparate nach Westafrika schicken zu können, damit sofort ınit der Orga- nisation einer regelmäßigen Aviation in den Kolonien begonnen werden kann. Ein interessanter Fernflug wird zwischen Malaga und Ceuta vorbereitet. Die Stadt Malaga feiert im Monat Januar ein internatio- Seite 749 „FLUGSPORT“. No. 23 nales Sportfest, und bei dieser Gelegenheit soll ein aviatisclier Bewerb stattfinden, dessen Hauptattraktion ein Fernflug von Malaga nach Ceuta und zurück (über Gibraltar) bilden wird. Man befürchtet in- dessen in hiesigen aviatischen Kreisen, daß dieses Projekt sich nicht verwirklichen lassen wird, denn bei dessen Ausführung wären zwei befestigte Plätze, (fibraltar, die englische Festung, und Ceuta, die spanische Festung von Pointa Blanca, zır überfhegen und eine Di- stanz von 270 km, fast auschließlich über das Meer hin, zurückzu- legen. In Barzelona haben sich dieser Tage Paillette mit einem Som- ıner-Zweidecker und Andre mit einem Zweidecker Henri Farman, nach Buenos Aires eingeschifft, wo sie Cattaneo treffen wollen. Alle drei werden an verschiedenen aviatischen Schaustellungen in der ar- gentinischen Republik, in Chile und in Brasilien teilnehmen. Oattaneo feiert dort inzwischen wahre Triumphe. Der gewandte Bleriot-Pilot führt hübsche Fernflüge von Buenos Aires aus, während der andere Bleriot-Pilot Prevot auf dem Aerodrom von Villa Lugano Flugvor- stellungen gibt. Auch Jullerot hat sich nach Calcutta begeben. Er wird zuerst Indien bereisen und sich dann zu einer Tournee in Gemeinschaft mit dem australischen Piloten Hammond nach Australien begeben. Ver- anstalterin dieser Tournee ist die englische Aeroplan-Firma „Bristol“, die anch schon Tetard und Edmond engagiert hatte. Es ist früher mitgeteilt worden, daß die Ligue Natiouale Aerienne ihrerseits einen großen Motorenbewerb veranstaltet, für den sie eine Summe von 20000 Frs. ausgesetzt hat. Die zu diesem Bewerbe zu- gelassenen Motoren werden, je nach ihrer effektiven motorischen Stärke, in drei Kategorien eingeteilt werden: 1. unter 35 PS; 2. zwischen 35 und 70 PS; 3. über 7O PS. In jeder Kategorie wird das Gewicht pro Pferdekraft als Basis des Klassements dienen. In jeder Kategorie wird der leichteste Motor prämilert werden. Von den drei anf. diese Weise prämiierten Motoren wird derjenige, der das leichteste Gewicht pro PS aufweist, noch eine Zusatzprämie von 5000 Francs erhalten. Die Motoren werden bei zwei verschiedenen Proben je fünf Stunden mit voller Kraft zu gehen haben. Diese beiden Proben finden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Zu dem großartigen militärischen Flugmaschinen-Bewerb, von dem in voriger Nummer eingehend berichtet wurde, ist noch nachzu- tragen, daß das militärische Central-Etablissement für Aviation an die Handelskammer der aeronautischen Industrien eine gewisse An- zahl von Exemplaren des Programms jenes Bewerbs mit der Bitte übersandt hat, die Konstrukteure auf die Bedeutung des Bewerbes aufmerksank zu machen und sie zu veranlassen, sich vollzählig zu beteiligen, sowie die Anmeldungen rechtzeitig erfolgen zu lassen. Es versteht sich von selbst, daß die genannte Handelskammer mit vollem Nachdruck für die Anregungen eintritt, umso mehr, als der in Rede stehende Bewerb berufen ist, den beteiligten Industrien ungeahnte Förderung znteil werden zu lassen. Die Militär-Verwaltung in allen ihıren Zweigen setzt mit anerkennenswertem Eifer ihre Bestrebungen fort, die auf die Entwicklung der Militär-Aviation gerichtet sind und sie wird darin von einer gewissen Leidenschaft unterstützt, mit der sich alle ım Betracht kommenden Kreise der Aviation hingebeı. No. 23 „FLUGSPORT“. Seite 750 Nicht nur die Offiziere sind es, sondern auch die einfachen Mann- schaften, die sich zum Dienst bei der aviatischen Truppe drängen, ? {a und die Heeresverwaltnng hat sehr gut daran getan dab sie allen jenen Mannschaften eine besondere Vergütung für diesen Dienst ın Aussicht stellte. Aber auch als Erfinder betätigen sich die Soldaten und ihre Vorgesetzten fördern das mit allen Kräften. So haben jetzt wieder mal zwei junge Leute, die im 1. Dragoner-Regiment, das in ‚Joigny garnisoniert, einen Eindecker von der Bleriot-T'ype konstrniert, wobei ihnen ihre divekten Vorgesetzten jede erdenkliche Hilfe und Erleichterung gestatteten. - Zweidecker Paulihan im Fluge. Bei dieser Gelegenheit seien zwei weitere Neu-Konstruktionen erwähnt, die ein allgemeineres Interesse beanspruchen können. In einer großen Fabrik in dem Pariser Vororte Saint Denis wnrde ‚dieser Tage, ım Beisein einer vom Kriegsminsterıum delegierten Offiziers- kommission, ein großer Apparat mit drelibaren Flügeln, von Lefebure konstruiert, demonstriert. Die mit diesem Apparat erzielten Resul- tate sollen bessere sein, als sie bisher mit einem Sch wingenflieger er- reicht worden sind, nnd es soll die Aussicht bestehen, dab dieser Apparat in absehbarer Zeit in der Oeffentlichkeit erscheinen und sicl bemerkbar machen wird. Von höherem Interesse aber ist der Eindecker Train, der gegen- wärtig in Mourmelon probiert wird und sich ausgezeichnet zu be- währen scheint. Es ist Tatsache, daß Train bereits eine Anzahl von Apparaten in Auftrag bekommen hat und fleißig daran arbeitet. Ein sehr bekannter hiesiger Pilot läßt sich einen zweisitzigen Ein- decker von Train bauen, der mit einem 50 PS Gnuom-Motor versehen wird. Der Apparat Train wird als ein vobuster und vereinfachter Acroplan gerühnt, dessen Erbauer ersichtlich groben Wert darauf ge- legt hat, eine leicht steuerbare Maschine zu schaffen. Anscheinend ist ihm das gelungen. Der verhältäismäßig sehr niedrige Schwerpunkt Seite 751 „FLUGSPORT“. No. 23 des Apparats, sowic die Konzentrierung des Gewichts nahe an dem Mittelpunkt des Auftriebs geben ihm eine bemerkenswerte und fast selbsttätige Stabilisierung. Train ist mit seinem Apparat bei heftig- stem Winde geflogen. Die Steuerungen sind sehr einfach und auf dem Boden läßt sich die Maschine wie ein Automobil lenken, denn sein niedriger Schwerpunkt und seine sehr grolie Spurbreite verhin- dern das Drehen des Apparats. Das Probemodell, mit dem Traiu seine Flüge in Mourmelon ausgeführt hat, ist nur mit einem 20 PS- Motor ausgestattet gewesen, jetzt aber baut er ein Modell mit einem Fünfzylinder-Motor in Sternform von 40 PS, der für eine Geschwin- digkeit von 90 km die Stunde berechnet ist. Ein interessantes Experiment soll dieser Tage vor sich gehen. Der Leutnant Aquaviva soll auf Veranlassung des Generals Roques, des General-Inspekteurs der Militäraviation, auf seinem Bleriot-Ein- decker einen Apparat für Telegraphie ohne Draht montieren und der General will den Experimenten beiwohnen, die auf dem Manöverfelde von Satory, in der Nähe von Versailles, vor sich gehen werden. Die französischen Piloten, welche in letzter Zeit von Unfällen heimgesucht waren, haben sich ja soweit ziemlich alle wieder erholt. Die Brüder Morane, sowie der Antoinette-Pilot Thomas sind fast ganz hergestellt. Die letzten Unfälle haben eine gewisse Nervosität hervorgerufen, Man verlangt peremptorisch, daß irgend etwas geschähe, das all diesen Unfällen in Zukunft vorbeugen könne. Auf welche absurden Ideen man dabei schon gekommen ist, habe ich in meinem vorigen Bericht schon angedeutet. Kommissionen, Unterkommissionen, Veritas-Bureaus, Kontroll-Delegationen und dergleichen mehr, sind das Heilmittel, das man vorschlägt; aber niemand ist in der Lage, genau zu definieren, welches die Befugnisse, die Pflichten und die Rechte aller jener Kör- perschaften sein werden oder sein sollen. Daneben verlangt man Schutzvorrichtungen zur Verhütung bezw. zur Lir.derung der gefähr- lichen Stürze, und berufene und unberufene Erfinder beeilen sich, dem Bedürfnis des Augenblicks durch ingeniöse, aber mehr oder weniger unausführbare und ünpraktische Erfindungen zu genügen. Es will aber scheinen, als ob in allen den Anregungen und Vorwürfen doch der eigentliche Kern der Sache, vielleicht absichtlich, nicht be- rührt ist. Es muß vor allen Dingen hervorgehoben werden, daß die Art, wie der Aero-Olub de France seine „Piloten“ geschaffen hat, durchaus nicht einwandsfrei ist. Gewiß hat dabei der Wunsch mit- gespielt, den großen Vorsprung vor anderen Ländern zu wahren und monatlich eine imposante Liste von Neu-Patentierten veröffentlichen zu können. Der Aviation hat diese Nachsicht keineswegs genützt. Der erste beste Mensch, der herbeikommt, der in seinem Leben keinen Aeroplan gesehen hat, der nur die Dreistigkeit besitzt, sich auf eine Viertelstunde in den Pilotensitz zu zwängen, sich 15 m vom Boden zu erheben und dreimal 5 km zurückzulegen, wird einfach zum Meister-Piloten promoviert. Man fragt nicht einmal, ob der Appli- kant seine Maschine und ihre Bestandteile kennt, ob er einige aero- nautische Kenntnisse hat; man verlangt keinerlei mechanische Vor- bildung, noch auch irgend welche physikalische oder aerostatische Erfahrung. Es ist vielleicht gut, daß ein solehes Examen nicht an- gestellt wird, denn die meisten der offiziell zu Kommissaren bestell- No. 23 „FLUGSPORT". Seite 752 ten Mitglieder der ehrenwerten Vereinigung würden selbst dabei in arge Verlegenheiten kommen. Das aus etwa 80 Personen bestehende „Examen-Comite“ ist aus Personen zusammengesetzt, die auf gut Glück von der Liste der 1500 Mitglieder herausgenommen sind, die ihrerseits nicht etwa eine fachmännische Erfahrung nachzuweisen, sondern nur 60 Frs. jährlichen Beitrag zu zahlen haben, um Mit- glieder zu werden. Wenn man jeneListe ansieht, so wird man knapp fünf oder sechs Personen finden, die eine wirklicke Kompetenz in denjenigen Fragen besitzen, in denen sie als „Richter“ zu fungieren haben. Und auch jene fünf oder sechs Personen haben infolge ihrer Stellung ın der kommerziellen bezw. industriellen Welt genug zu tun, um sich noch mit der Prüfung von Piloten-Kandidaten ab- zugeben. Die anderen „Examinatoren“ sind Offiziere, S-hloßherren, Rentiers, gewiß alles sehr brave Leute, die aber von der Aviation geradesoviel verstehen, wie der Esel vom Seiltanzen. Aber sie haben nichts anderes zu tun und fühlen sich geschmeichelt, wenn sie in den Zeitungen gedruckt sehen, daß sie den „Marquis von Wind- beutel“ oder ‚„Mademoiselle Chochotte‘ als Piloten geprüft und aner- kannt haben. Das macht sich so schön. Aber was ist das Resultat dieses Schlendrians? Es haben sich zu viele junge Leute von jener Kategorie der abenteuerlustigen Müßiggängerei der Aviation zuge- wendet, in der Erwartung, sich aus den Erträgnissen des neuen „Sports“ Reichtümer schaffen zu können. Zum überwiegend größten Teile waren das unfähige Elemente, die naturgemäß der Aviation nur Schaden bereiten konnten. Man wird sich fragen müssen, ob es nicht an der Zeit ist, dagegen im Interesse der flugsportlichen Be- wegung Front zu machen. Es wird nicht zu umgehen sein, daß man von den betreffenden Kandidaten zunächst einmal eine hinreichende Kenntnis der Mechanik, der Physik und der Aeronautik verlangt, und daß man die Prüfungen solchen Personen anvertraut, die in jenen Materien wirklich kompe- tent sind. Wenn der Automobil-Olub nicht einmal einen einfachen Fahr- schein für einen Automobilfahrer auszustellen vermag, so ist es nicht ersichtlich, woher der Aero-Club seine Legitimation nimmt, um Pilo- ten zu ernennen. Das ist eine mindestens ebenso wichtige Aufgabe wie erstere und sollte Leuten übertragen werden, deren technische Kenntnisse ihnen gestatten, den Kandidaten technische und nicht oberflächliche Fragen zu stellen. Nur auf diese Weise wird man Piloten bekommen, die imstande sind, der aeronautischen Wissen- schaft wirkliche Dienste zu leisten, und nicht hirnlose Abenteurer, die man zu „Helden“ und zu „Märtyrern der Wissenschaft“ stem- pelt, wenn sie” die Opfer ihrer Unerfahrenheit und ihres Wahnsinns werden. Der Flugsport in England. (Originaibericht unseres Londoner Korrespondenten.) Der englische Aero-Club hat bei der internationalen Föderation für Aeronantik einen Protest eingereicht gegen die Verleihung des 40000 Mark-Preises für Moisants Flug von Belmont Park nach der Seite 753 „FLUGSPORT“. No. 23 Freiheitsstatue im Hafen von New York, und gleichzeitig an den Aero Club der Vereinigten Staaten telegraphisch das Ersuchen ge- richtet, den Preis an Moisant nicht auszuzahlen, bis die Entscheidung der Föderation vorliegt. Der Protest wird jedoch nicht damit be- gründet, daß das Meeting vorzeitig abgebrochen wurde. Vielmehr wird in derBegründung darauf lingewiesen, daß eine der Bedingungen für den Flug nach der Freiheitsstatue war, dal» ein Bewerber vorher auf dem Meeting mindestens einen Flug von einer Stunde gemacht haben müsse; Moisant war aber vorher nicht eine Stunde in der Luft gewesen und daher nicht zur Teilnahme an dem Wettbewerb be- rechtigt. Als offizielles Organ des Flugsports in England musste also der Aero-Club eingreifen und protestieren, und die Föderation wird sich nun wohl bei ihrer nächsten Tagung mit dieser Ange- legenheit befassen müssen. Nachı anderen Nachrichten wird dieser Streit jedoch auch vor die internationale Luftsportliga gebracht werden. Inzwischen ist Gralıame White am 5. Dezember aus Amerika heim- gekehrt und sollte am 7. Dezember von dem Aeroclub durch ein Fest- essen gefeiert werden Die Aerial League des britischen Reiches hat beschlossen, ıhm für seine Leistungen in Amerika die goldene Medaille zu überreichen. Dies ist die zweite Medaille, welche” die Liga ver- leiht; die erste erhielt der leider inzwischen verunglückte C. S. Rolls. Für das internationale Fliegen um den Gordon-Bennett-Preis, das im nächsten Jahre nun in England stattfinden wird, sind natür- lich die Einzelheiten noch nicht bestimmt worden, aber das ıst schon entschieden, daß es sich im nächsten ‚Jalıre nicht um eine Reihe von Rundflügen ın einem Aerodrom handelu wird, sondern dal; der Preis bei einem Ueberlandflug ausgeflogen wird, der wahrscheinlich im Südosten Englands stattfinden wird. Mit Spannung sieht man nnu iu Flugsportkreisen den Flügen entgegen, die in den nächsten Tagen gemacht werden sollen, um den 80000 Mk. Preis des Baron de Forest für den längsten Flug über den englischer :Kanal auf einer ganz englischen Maschine zu ge- winnen. Es haben dazu 30 Flieger geineldet, aber nur von 12 er- wartet man, daß sie wirklich fliegen werden. Der Flug muß vor Ende dieses Monats gemacht werden, und bereits haben Robert Loraine und Leutnant Wilkins ihre Wohnung in Folkestone aufge- schlagen, um das nächste schöne Wetter zu ihren Flügen zu beuntzen, während ın Eastelimrch die Herren Cecil Grace, Mac Clean und Sop- witl. starten werden. Der letztgenaunte Herr ist noch ein Neuling im Flugsport, leistete aber am 26. November in Brooklands schon einen Flug von 3 Stunden 12 Min., wobei er 173 km zurückleste. Infolgedessen hat er zunächst auch die meisten Aussichten für den Preis der Michelin Company, welcher 10000 Mk. beträgt und dem-: jenigen Flieger zufällt, der vor dem 31. Dezember ın England auf einer englischen Maschine die längste Strecke zurücklegt. Vor dem Fluge Sopwiths hatte Cody Anspruch anf den Preis. Sopwith fliegt auf Howard-Wright-Biplan. Andere Flieger, die für den Kanalflug gemeldet haben. sind Graham Gilmour (auf Martin - Handasyde - Monoplan) R. F. Macfie, A. V.Roe, Mac Ardle, Alec Ogilvie, Cody, Grahame White, und auclı die British & Colomal Acroplane Company hat einen ihrer Bristol-Bi- „Flugsport“, Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine. Tafel VII. Flugmaschine Valkyrie. ı 7 |! f rl N R l M 14: | h / I f ) Ba: / ' ! i E co. _—— | 01 77 nn Eee En FR De gas au IM N; um on d / ! \ / f ie dı N \ ı! j BE ib ausm on ERDE N 4.481... ) He H FOpSEEEEN BERN | ' qit : b FR L, s ! ! * PB | da Eu III a er Sy/NA I\ N oo: . | u / \ IN H — L—-{+n a L fi N LL- = Burn 9, 27-777 - 7 og ee — 5 7 ı o 0 u —— = | \ N | ı 2 ı | I R ‚l | 1] Ä 1850 2400 J ı i J lı o t be) N l = 7 ir} lu — | j m _.—.—.- Hr un S | | = 1900 = | ! Lo — No. 23 „FLUGSPORT“. Seite 754 plane gemeldet. Endlich wendet man ein besonderes Interesse dein Howard-Wright-Biplan zu, der für Kapitän Maitland gebaut ist nnd mit dem Leutnant Watkins fliegen wird. Dieser Aeroplan, der augenblicklich in einem Zelte bei den Baracken von Shorncliffe flug- bereit gemacht wird, ist nämlich mit einem Marconi-Apparat für drahtlose 'Velegraphie ausgerüstet. Der Apparat kann auclı von einem Passagier bedient werden, Lentnant Watkins wird jedoch bei dem Kanalflug versuchen, das Flugzeug mit rechter Hand und Fuß zu steuern, während die Linke den Telegraph nach dem Morse-Alphabet bedient. Bei den bisherigen Versuchen hat sich die Maschine be- währt. Der Ausschuß des Aero-Club hat jetzt den Marinebehörden zwei Aeroplane für die Uebungen von. Marineoffizieren in Sheerness und Uhatham zur Verfügung gestellt. Verschiedene Mitglieder des Olubs, die internationale Gertifikate besitzen, haben sich erboten, jede nur gewünschte Hilfe und Belehrung zu erteilen. Als Beweis für den Fortschritt des Flugsports kann man auch ansehen, daß Leutnant Snowden Smith, der Blondeans Schule in Brooklands durchgemacht hat, am 29. November auf einem Farman-Biplan einen Flug von Brooklands nach dem Lager von Aldershot machte, dort landete und nach kurzer Rast sicher nach Brooklands zurückkehrte. In Freshfield bei Liverpool hat OÖ. Patterson eine Flugschule gegründet und zur Eröffnung mit einem Passagier auf einem Far- man-Biplan den Flıb Mersey in einer Höhe von 160 Metern über- flogen. Die Bristoler Aeroplanfabrik unter Direktor Sir George White sendet jetzt den. Flieger Joseph Hammond mit einigen ihrer Maschi- nen uach Indien, Australien und Neuseeland, um dort Schanflüge zu veranstalten. Dagegen lıat die Bewerbung um den Alexanderpreis von 20000 Mk. für einen englischen Luftmaschinen-Motor kein sehr er- freuliches Resultat gehabt. Der Preis konnte nicht verliehen werden, weil keiner der eingelieferten Motoren die Forderung erfüllte, daß er 24 Stunden mit einer Leistung von 35 h. p. lief. Der Greenmotor lief 24 Stunden, entwickelte aber nur 31,5 h. p.; später leistete er allerdings bei einem Lanfe von 7 Minuten 36,4 h p. Die Wolseley- und Humber-Motoren mußten vor Beendigung der Prüfung wegen Fehler zurückgezogen werden. ARE \ Flugtechnische ELIIgED>I> nkschn Inland. Höhen: Zeit: Deutscher Wiencziers auf Euler auf Euler Bleriot 1560 m. 3 St. 6 Min. 18 Sek. Johannisthal am 15. 10.10. | Truppenübungsplatz bei ekord Darmstadt am 25. 10. 10, Seite 755 „FLUGSPORT'. Das Flugmaschinenführer-Zeugnis erwarben: Prinz Heinrich von Preußen auf Euler am 19. November auf dem Euler- Flugplatz in Griesheim bei Darmstadt. R. Eyring auf Dr. Huth-Flugmaschine am 23. November in Johannisthal. R. Grulich am 23. November auf Harlan-Eindecker in Johannisthal. Benno König auf Albatros-Doppeldecker in Grube lise N. L. R. Müller auf Aibatros-Doppeldecker in Grube Ilse N. L. Hoff auf Wright-Doppeldecker am 25. November in Johannisthal. Werntgen auf Dorner-Flugzeug am 25. November in Johannisthat. Prinz Heinrich von Preußen und sein Lehrmeister August Euler. Prinz Heinrich von Preußen erwarb das Flieger-Zeugnis Wie wir be- reits in unserem letzten Flugsport mitteilten, waren die Flugübungen des Prinzen auf dem Euler-Flugplatz nicht von bestem Wetter begünstigt. An den meisten „FLUGSPORT". Tagen betrug die Wind- geschwindigkeit über 10m. Am 19.-November vormit- tags, nachdem der Wind einigermaßen nachgelas- sen hatte, bestieg der Prinz die Maschine und erfüllte glatt die vor- schriftsmäßigen Runden mit den Landungen, und erwarb sich das Flug- maschinenführer -Zeugnis Nr. 38. Das Protokoll über den Prüfungsflug ist gezeichnet: v Hiddessen, v. Hammacher und August Euler als offizielle Zeit- nehmer. Prinz Heinrich ist nicht nur der erste Hohen- zollern, der das Flieger- zeugnis besitzt, sondern er ist das erste Mitglied eines regierenden Hauses, der das Flugzeugführer- patent erhalten hat. Der Prinz hat sich sehr lobend über die Flugfähigkeit der Euler-Maschinesowie über das Schulsystem Eulers ausgesprochen. Harlan - Eindecker. Dieser Eindecker, welcher durch seine wohlgelunge- nen Flüge viel von sich reden machte, ist sehr gut durchkonstruiert. Der Rumpf, sowie das Fahr- gestell sind äußerst solid durchgearbeitet. Zum Betriebe dient ein Argus-Motor von maximal 50 PS. Bereits beim ersten Versuche verließ der Apparat den Boden nachı 30 m Anlauf, obwohl der Motor nur auf die reich- liche Hälfte seiner Kraft eingestellt war. Bald er- reichte der Apparat eine Höhe von 20 m. Es stellte Seite 756 Prinz Heinrich von Preußen in seiner Eulermaschine. . Seitef757 Bu „FLUGSPORT“. No. 23 sich dadurch heraus, daß der aerodynamische Wirkungsgrad der ar. dem Flugapparat angebrachten Neuerungen zweifellos ein außerordentlich günstiger genannt werden muß. Schon bei dem zweiten Flugversuch überraschte der Pilot alle Zuschauer mit einem Flug von über 5 km, indem er den Flugplatz Johannisthal zweimal rundete. Es ınuß besonders hervorgehoben werden, daß der Pilot nie vorher auf einem anderen Flugzeug geflogen ist. Um so mehr muß es tiberraschen, daß der Führer bei dem Fluge 8 Kurven geschickt flog und sich auch aus dem Luft- wirbel, den ein vor ihm fliegender Wright-Apparat bildete, geschickt rettete. Harlan-Eindecker im Fluge. Schon am vierten Flugtage legte der Eindecker 9 km zurück und dies teilweise unter lästigen seitlichen Böen. Am 5. Flugtage legte der Apparat eine Strecke von 25 km in einer Stundengeschwindigkeit von ca. 75km zurück. Wie leicht das Harlan-Flugzeug zu steuern ist, ist aus dem Vorgesagten ohne weiteres zu ersehen. Dienstag den 22. November flog Ingenieur Grulich die Bedingungen für das Fliegerzeugnis. Zurzeit sind weitere Maschinen im Bau. Auf die Einzelheiten des Appa- rates werden wir in einer der nächsten Nummern ausführlich zurückkommen. Eugen Wiencziers flog am 27.November über München. Am Sonntag nachmittag stieg Wiencziers auf seinem 50 PS Bleriot-Eindecker von dem Exerzierplatz Oberwiesenfeld auf und überflog in großer Geschwindigkeit in ca. 150 m Höhe die Stadt in der Nähe der beiden Frauentürme. Einen Flug mit 3 Passagieren führte Brunnhuber auf einem Sommer- _. Apparat in Johannisthal am 23. November über 2,5 km aus _—- —— —— Vom Fiugplatz Johannisthal. Am 19. November führte Dorner seinen ersten Ueberlandflug aus. Er stieg schnell auf 100 m Höhe, umkreiste mehreremale den Fiugplatz und flog dann über Rudow bis zum Müggelsee und zurück... Grade-Rennmaschine. Grade hat einen neuen Renntyp herausgebracht. Tragflächenareal 20 qm mit normal 16 PS Motor. Die Maschine ergab bei ihrem ersten Versuch 103 km Geschwindigkeit. Als Passagierflug-Rekord ist der Fernflug Trier-Metz mit 2 Stunden 24 Minuten, von Jeannin zurückgelegt, offiziell anerkannt worden. Jeannin stellte r No. 23. „FLUGSPORT“. Seite 758 mit seinem Höhenflug von 430 m mit Passagier gleichzeitig auch einen deutschen Höhenrekord auf. Eindecker Schulze. G. Schulze in Burg b. Magdeburg hat einen Ein- decker gebaut, mit welchem er vor Kurzem bereits längere Flüge ausgeführt hat. Der Apparat ist ein Eindecker mit vorn liegender Schraube. Der Führersitz Eindecker Schulze. befindet sich wie bei Santos Dumont unterhalb der Tragdecken. Das Tragflächen- areal beträgt 24 qm. Zum Betriebe dient ein Dreizylinder-Hilz-Motor, welcher mit 850 Touren läuft. Der Apparat hat eine Geschwindigkeit von 50 Kilometer. Orville Wright befindet sich zurzeit in Berlin bei der deutschen Wright- Gesellschaft, um bei dem Bau von neuen Maschinen seine neueren Erfahrungen zu verwerten. Die deutschen Wright-Maschinen dürften naturgemäß demnächst ohne vorderes Höhensteuer auf dem Markte erscheinen. Vielleicht wird auch der Zweischraubenantrieb wegfallen. Außerdem werden durch den neueren stärkeren N. A. G.- Motor die Betriebssicherheit und der Aktionsradius sich erheblich vergrößern. Der Präsident des Deutschen Fliegerbundes auf dem Euler-Flugplatz. Am Mittwoch den 16. November statteten der Präsident des Deutschen Flieger- bundes, Seine Hoheit Prinz Albert von Schleswig Holstein-Glücksburg, nebst Gemahlin den Flugwerkstätten des Herrn Euler einen Besuch ab. In ihrer Be- gleitung befanden sich der zweite Vorsitzende des Frankfurter Flugsport-Klubs Assessor Dr. Meyer ıund der Schriftführer dieses Klubs Referendar v. Rotten- burg. Die Hoheiten besichtigten eingehen! die Werke und nahmen später den Tee zusammen mit seiner Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen ein, welcher sich zur Erlernung des Fliegens bei Euler aufhielt. — Leider konnte S. Kgl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen an dem Nachmittag wegen des schlechten Wetters keinen Aufstieg machen. Seite 759 „FLUGSPORT“. No. 23 Ausland. Der Eindecker von Müller-Partsch, welcher jetzt auf dem Wiener-Neu- stadter Steinfelde versucht wird, besitzt Zweischrauben-Antrieb. Auf der rück- Eindecker Müller-Partsch. wärtigen Seite der beiden Flächenenden befinden sich die Stabilitätslappen, wie sie Etrich und viele andere verwenden. Wie die vorstehenden Abbildungen No. 23 „FLUGSPORT“. Seite 760 zeigen, sind unter den Tragdecken, sowie unter der hinteren horizontalen Stabili- sierungsfläche dreiteilige Seitensteuer angebracht. Zum Betriebe dient ein 25 PS Anzani-Motor. Die Maschine erscheint sehr schwer und wird wohl mit dem 25 PS Anzani-Motor kaum in die Luft zu bringen sein. Absturz Johnstones. Johnstone, der am 6. November im Belmont-Park den Höhenrekord auf 3238 m brachte, stürzte aus großer Höhe beim Gleitflug ab.--Der. Unfall-wird folgendermaßen geschildert: In ca. 300 m Höhe brach wäh- rend eines steilen Gleitfluges die Strebe links neben dem Führersitz. Der Appa- rat faltete sich nach oben zusammen und überschlug sich mehrmals. Der Flieger ergriff die Längsspante der oberen Tragdecke mit beiden Händen und suchte mit dieser Fläche die Fallgeschwindigkeit zu vermindern. Piötzlich überschlug sich jedoch das Konglomerat der zerbrochenen Teile wieder und begrub im Stürzen den Führer unter sich. Johnstone war sofort tot. Armstrong Drexel erreichte auf seinem Bleriot-Eindecker am 23. November eine Höhe von 3048 m. Für den Aufstieg benötigte er 1 Stunde 10 Minuten, für den Abstieg 13 Minuten. Flugpreise. 300,000 Mark für einen Zuverlässigkeitswettflug beabsichtigt das Kar- tell Süddeutscher Luftschiffer-Vereine, dem die Vereine in Marburg, Wiesbaden, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg i. B, Straßburg, Konstanz und Frankfurt a. M angehören, auszuschreiben, Als Strecke ist die Linie Baden-Baden, Freiburg, Mülhausen, Straßburg, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt vorgesehen. Die Vor- bereitungen leitet der Frankfurter Verein für Luftschiffahrt. 500,000 Mark sollen für einen Ueberlandfilug Berlin - Hamburg—Han- nover—Berlin von mehreren Vereinigungen zusammen aufgebracht werden. Die Arbeiten werden vom Kaiserlichen Aero-Club, dem Verein Deutscher Motorfahr- zeug-Industrieller etc. geleitet. Patentwesen. Deutschland. Patentanmeldungen. zrh. E. 15280. Vorrichtung zum Regeln des Betriebsmittelzutritts von Motoren für Flugmaschinen. Robert Esnault-Pelterie, Billancourt, Frankr.; Vertr.: M. Mintz, Pat.-Anw., Berlin SW. 11. 18. 11. 09. 77h. Sch 31987. Flugmaschine mit in entgegengesetzter Richtung hori- zontal umlaufenden, ruderähnlichen Schraubenflügeln. Otto Schmidt, Nordhausen, Bahnhofstr. 4. 1. 2. 09. 7Th. K. 37736. Versteilbarer Kreiselantrieb für Luftfahrzeuge. Josef Kontzwald, Wien; Vertr.: Ludwig Schünemann, Hamburg, Kaiser Wilhelmstr. 64. 25.5 08. zrh. M. 39354. Durchsichtige Schutzwand für Flugzeuge, Automobile und andere Fahrzeuge und für Schutzbrillen. Max Mannesmann, Remscheid-Blieding- hausen. 21. 10. 09 7rh. B. 48794. Schraube für Flugapparate. Johann Burkard, Hamburg, Heimstr. 22. 13. 1. 08. zrh F. 25869 Ballonstoff. Friedrich Bernhard Fischer, Kötzschenbroda b. Dresden. 27. 7. 08. Patenterteilungen. 7Th. 229255. Kraftübertragungsvorrichtung für Flügel von Flugmaschinen’ Heinrich Haack, Hamburg, Luruperweg 12. 14. 1.09. H. 45735. Seite 761 _„FLUGSPORT". Gebrauchsmuster. 77h. 440895 Radlagerung für Flug-Fahrzeuge. Dr. Eugen Albert, München, Leopoldstr. 102. 5. 9. 10. A. 15366. 7rh 440896. Radlagerung für Flug-Fahrzeuge Dr. Eugen Älbert, München, Leopoldstr. 102. 5.9 10. A 15367. 7rh 441304. Flugmaschine William Hammant, London; Vertr.: Henry E Schmidt, Dr. W. Karsten u Dr. C. Wiegand, Patent-Anwälte, Berlin SW 11. 30. 10.09 H. 43570. 7Th. 441 338. Steuerung an Flugmaschinen. August de Crignis, Mannheim, R. 3. 9. 27.9. 10 C. 8119. 7’Th. 441727 Schwimmkörper-Anordnung an Aeroplanen Harbke / Helmstedt. 15. 10. 10 H. 48217 zrh. 441798. Aeroplan mit verspanntem Traggest-Il. D Harting, Harbke- Helmstedt. 15. 10. 10. H. 48 218. zrh 442243 Flugmaschine mit seitlichen und auf der Druckseite in den Begrenzungskörper des Propellerluftstromes eingebauten, in ihrer Neigung ver- stellbaren Tragflächen. Gustav Nowka, Steglitz, Birkbuschstr 86. 15 10.10. N 10172 7Th. 442246. Flugmaschine mit seitlichen und auf der Saugseite in den Begrenzungskörper des Propellerluftstromes eingebauten, in ihrer Neigung ver- stellbaren Tragflächen. Gustav Nowka, Steglitz, Birkbuschstr.86 17. 10.10. N. 10174 D. Harting, Verschiedenes. Pischoff-Eindecker an die russische Regierung: Die österreichisch- ungarischen Autoplan-Werke, Filialfabrik in Boulogne-sur-Seine, haben von der ‘ russischen Regierung vor kurzem eine Bestellung für mehrere Eindecker erhalten. Der Direktor der französischen Filialfabrik ist bekanntlich von Pischoff, der Konstrukteur der Maschinen. Eine Fliegerschule in Chemnitz. Der Exerzierplatz an der Zschopauer- straße soll als Flugplatz demnächst in starke Benutzung kommen. Felix Laitsch, der bekannte Voisin-Flieger, beabsichtigt, in Chemnitz einen Fliegerkursus zu ver- anstalten. : Denkmal für Otto Lilienthal. Lilienthal war der erste Deutsche, der mit seinem selbstkonstru- ierten Flugapparat tödlich verunglückte. Damals verlacht und ver- spottet, erkennt heute jeder Flugtechniker unumwunden die großen Verdienste Lilienthals an, auf dessen Versuchen die Ausländer mit Erfolg weiter arbeiteten. Während man in der Schweiz und Italien für ein Denkmal für den in Domodossola so unglücklich gelandeten Chavez in kurzer Zeit 100000 Francs zusammen hatte, laufen die Spenden für das Lilienthal-Denkmal recht spärliclı ein. Dabei steht Lilienthal himmelhoch über einem-Chavez,-dessen Mut damit keines- falls geschmälert werden soll. In seiner Geburtsstadt Anklam hat man bereits am (reburts- hause Lilienthals — er hat sich dort als Gymnasiast bereits mit dem Flugproblem beschäftigt — eine Gedenktafel angebracht. Die An- regung dazu ging von Verein Deutscher Flugtechniker aus, der auch zusammen mit dem (rundbesitzer-Verein in Gr.-Lichterfelde für die Ehrung Lilienthals -— für ein würdiges Denkmal wirbt. Nachstehend bringen wır die Liste der bisher eingegangenen Spenden. Weitere Spenden nimmt der „Arbeits-Ausschuß zur Errich- No. 23 Seite 762 „FLUGSPORT“. tung eines Lilienthal-Denkmals“ in Berlin W. 66, Wilhelmstraße 45 und die Expedition des „Flugsport“ mit Dank entgegen nnd wird hierüber von uns an dieser Stelle (mittiert werden. Beiträge für das Lilienthal-Denkmal. Graf v. Zeppelin, Exz. Mk. 200.— Uebertrag Mk. 3164.50 Verein deutscher Ingenieure „ 500.— [ Frau A. Hintze » .10- Frhr.Krupp v. Bohlen u. Halbaclı „ 500.— f Johannes Lüpke m 5. Arthurv.Gwinner,Bankdir.M.d.H. „ 300.— | Pfarrer Muhs » 5.— Major v. Parseval „ .%0.— | Dr. Souchon » .10.-— C. Brodtmann » 7.50 | Gesk n 3,— Alfr. Freiherr v. Lyncker » .10.— | Geh. Reg.-Rat Dr. v. Ubisch „.. 20.— v. Rotkirch » 20.- | J. Busse „ 10.— Oberhofmeister Frhr. v. Mirbach „ 10.- [ Pastor Steinemann » . %0- Kommerzienrat Aust „ 100.- | Dr Repenthin „ 10- Exz v. Köller „ .10.- | Hans Teller 1 5 Stresse » 4.— | Rektor Ed. Schlegel „ 6.— Ingenieur Wentzel n .—- } Kommerzienrat Arthur Schwarz „ 15.— Dr. E. Kuhnheim „..20.-- | Baurat Theising »„ 10- Oesterreichischer Aeroklub „ .85.— | Charles Nevir „200. Geheimrat H. Lueg „20. | Frau M. Stenzler „ 5,— Frau Geheimrat Messel »..2%0.— I Professor Kübler » I.— Generalmajor v. Finkler n 3— | Geh Rat Förster „20. Münchener Verein f. l.uftschiffahrt „ 50.— 1 Zentral-Verein Deutscher Kauıt- Kommerzienrat Seiler „.10- schukwarenfabriken, Berlin »„. .— Anhalt Verein f Luftschiffahrt „ 100.— } Direktor E. Spannagel „20. R. v. Mocki » 25— | Gr. Lichterfelder Bauverein »..20.— Kommerzienrat Piepmayer » .3.- | Rud Rutz u 5.— Kommerzienrat G. Hirsch „ 10.— } Postdirektor Hintze „ 8 — Ing. G M. Krause » .10.-- | Dr. Fiege » 10. Geheimrat Frhr. v. Gemmingen 5.— | Otto Oertelt „ 5.— General v. Dallmer » 3.— | Ueberschuss des Festes am 19.März Major Frhr. v. Maltzahn n 3 (inkl. Beitrag d. Hl. Pianoforte- Rittergutsbesitzer Kiepert » .80.- fabrikanten Götze „243.95 Oesterr. Automobilklub „ 100.- 1 Pfarrer Beyer „2%. Hannov. Verein f. Luftschiffahrt „ 100.— f Konsul Bothmer » 50. - Frau Kommerzienrat Sternberg „ 25-— | Karl Heyde »..20.— Frhr. v. Bodmann „..10.— } Professor Dr Kopfermann „» . 10 - Patentanwalt Ed. Breslauer „ . %- I F. Lüders, Berlin „ 1.— Dr. Stadthagen » 3.— | Frau Ingenieur Zorn (Samınlung Ministerialdirektor Halle A 6.— im Damenkränzchen) » 3.50 Generaldir Ing.Dr.v.Oechelhäuser ,„ 50.— | Architekt F. Burchardt „. 17.- Herbert Vorwerk n 1.— | Kaufmann F. Schönwald n 5.— Frau Major Bendemann „» 10.— | Major Groß „.39— Justizrat Dr. Alexander-Katz „. 20.- | Professor Dr. v. Knorre »„..10.- Architekt ‘ Ernst „ .%0-— | Rechnungsrat Hering » 1. — Arlt & Frike „..10-—- ] Wilhelm Jentsch „. 10- J. W. Grunewald ». .10.—- | Professor Arthur Krause „ 3.— R v. Kehler „ 3.— | €. Busch » 10.— Graf v. Götzen Exz. Kaiserl. Ges „ 20.— } Rechnungsrat Wolf „ l.— M. Steinthal „.50- | P. Freyta »„.10.— H. Buschbaum, Reg. Baurn. „..10.— | Dr. med. Stolte „..10.— Ing. P_Schauer u „ 30.- IM E. 2.8 Professor Körner n 5.- | Paul Emisch »„..109.— Professor Blumenthal n 5. Friedrich Nonnemasn n 9. Hermann Ziller „.20.— | Geh. Reg.-Rat Conrad Thuns „ 5.— Ing. Gustav Mees »„. 5#0— [ Geh. Kommerzienrat Ed Arnold „ 100 - Ungenannt „ .80.— | Felix Günther Greiz „ 10- Curt Pohl „ . 10.- I Dr. A Legner »„ 10- Professor v. Goerne „ 3.— | Geh. Rat Racke „ . 10.- Georg Werner „ 100.— I] Zinsen bis 30 v. 1910 „ 550 Professor OÖ. Morgenstern » 10.-- I Ludwig Ös jun., Bekeszsaba n 5.— Professor J. Andree „ .10- Uebertrag Mk. 3164.50 Summa Mk. 3636.45 Seite 763 „FLUGSPORT“. No. 23 Literatur. Eqnuilibre, Centrage et Classification des Aeroplanes. Von R. Saulnier. — Preis Frs. 3, — Librairie Aeronautique, 32 rue Madame, Paris. Diese Arbeit erweckt besonderes | teresse, da ein langjähriger Flugma- schinenkonstrukteur und erfahrener Pilot mit viel Verständnis ein Resumee über den heutigen Stand der ' Jugmaschinenwissenschaft gibt. Das Buch bringt ein Expose über die Betrachtungen, die heute die Kon- struktion einer Flugmaschine bestimmt und setzt die einzelnen Eigenschaften der bekannten Typen auseinander. Die Arbeit beginnt mit einer Studie über den Flug, von der der Verfasser den Flug der Gleitflieger und Drachenflieger ableitet. Dann folgen die Kapitel über das Lenken, das Halten in der Luft und den Gleitflug. Firmennachrichten. Die Gesellschaft für Flugmaschinen- und Apparatebau m. b. H. in Köln, kurz G.F.A. genannt, die bisher den Charakter einer Studiengesellschaft trug, tritt nunmehr an die Verwertung der im Laufe des Jahres gesammelten Erfahrungen heran. Die G. F. A. fabriziert komplette Flugzeuge eigener und fremder Konstruktion und befaßt sich außerdem mit der Lieferung sämtlichen Zubehörs. Die Gesellschaft hat von der Firma L. Hilz in Düsseldorf das Ver- kaufsmonopol der bekannten, in diesem Jahre in Deutschland von allen Fabri- katen nachweislich am meisten verkauften „Hilz-Flugmotoren“ erworben. Deutsche Flugmaschinenbau-Gesellschaft m. b. H., Berlin-Rummels- burg. Die Gesellschaft hat ihr Stammkapital durch bare Einzahlungen um Mk. 20,000 auf den Betrag von Mk. 110,060 erhöht. An Stelle des ausseschie- denen Herrn Max Schultze ist Herr Diplomingenieur Dr. Viktor Quittner, der bisher in der bekannten Ballon- und Flugzeugfabrik „Zodiac“ in Paris tätig war, als Gesellschafter in die Firma eingetreten und wird zusammen mit dem bisheri- gen Direktor Herrn Diplom-Ingenieur Alfred Marcel Joachimezyk die technische Leitung des Geschäftes übernehmen. In den von der Firma gepflegten Geschäfts- zweigen -— Bat von Flugzeugen aller Systeme, sowie von Motorbooten — tritt keine Aenderung ein, doch soll der von ihr bisher gebaute Eindecker System „Schultze-Herfort“, auf dem bekanntlich Behrend den zweiten Lanzpreis gewann, in nächster Zeit wesentlich verbessert werden. Aerowerke G. m. b. H. Düsseldorf-Oberkassel. Unter dieser Firma wurde ein Unternehmen gegründet. Gegenstand des Unternehmens: Herstellung und Vertrieb von Motoren für Flugmaschinen und Luftschiffe, sowie Kühlern, Propellern und anderen Bedarfsartikeln für die Luftschiffahrt. Zuschriften an die Redaktion. (Ohne Verantwortung der Redaktion). Ueber eine verbesserte Luftschraube. Von Eugen Richter, Stuttgart. Die praktischen Versuche verschiedener Konstrukteure haben einwandsfrei die Richtigkeit der Behauptung bewiesen, daß durch Schlagbewegungen von Fiächen die'Umwandlung der Motorleistung in Zug bezw. Hub mit einem größeren Nutzeffekt erfolgt, als dies bei der Anwendung von Luftschrauben der Fall ist. Zugleich zeigten aber diese Versuche die Schwierigkeit, die sich der konstruk- tiven Lösung des Schlagprinzips entgegenstellt. In Anbetracht letzterer Tat- sache und der für den Anfang genügenden Resultate der Luftschraube wurde die Lösung des Schlagprinzips zur Seite gestellt und das Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der Schraube gerichtet, welche Bestrebung bis heute auch von Erfolg begleitet war. Ob aber eine weitere, wesentliche Verbesserung der Luftschraube, die unbedingt nötig ist, unter Beibehaltung des seitherigen Wegs — also in der Hauptsache durch Ausfindigmachen der günstigsten Form — gelingt, ist sehr zweifelhaft. Es dürfte sich daher empfehlen, die Verbesserungsbestrebungen durch Herbeiziehung anderer Mittel zu unterstützen. man nenn era No. 23 „FLUGSPORT“. Seite 764 Als ein solches Mittel möchte ich eine Kombination des Schraubenprinzips mit dem Schlagprinzip in Anregung bringen, welches durch geringe Abänderung der heutigen Luftschraube erreicht wird. Die Schraube soll sich nicht nur kon- tinuierlich drehen, sondern zugleich periodische Schlagbewegungen ausführen, indem sie auf ihrer Achse vor- und zurück wandert. Bei der Rück wärtswande- rung leistet sie durch Drehung und Schlag Zug, bei der Vorwärtswanderung kann sie unter Umständen — aber natürlich nur durch Drehung — auch noch Arbeit leisten, wenn die Steigung nicht zu klein ist. Wenn schließlich auch die Arbeitsleistung bei dieser Periode Keine nennenswerte ist, so kann doch unter allen Umständen durch entsprechende Wahl der Steigung verhindert werden, daß die Schraube keinen schädlichen Widerstand leistet. Um keine stoßweise Arbeits- leistung der Schraube zu bekommen und um die Verschiebung der Gewichts- massen auszubalanzieren, ist mindestens entweder eine vierflüglige Schraube oder ein Paar zweiflüglige, auf derselben Achse und in derselben Richtung rotie- rende Schrauben anzuwenden. Während das eine Paar Flügel — zwei entgegen- gesetzte Flügel — oder die eine Schraube rückwärts wandert und hierbei Zug leistet, schiebt sich das andere Flügelpaar oder die andere Schraube vor, um einerseits die Arbeitsperiode sofort aufnehmen zu können, sobald sie das erste Flügelpaar bezw. die erste Schraube beendet hat und andererseits die stattfin- dende Gewichtsverschiebung auszugleichen. Was nun die Steigung und Form der Flügelflächen, den Durchmesser und die Tourenzahl und die Länge und Schnelligkeit der Verschiebung in der Achs- richtung der Schraube anbelangt, so müssen, um hierüber durchaus sichere Daten zu erhalten, praktische Versuche angestellt werden. Eine hierzu besonders geeig- nete Konstruktion ist folzende. Die Propellernabe ist auf der Achse verkeilt. An ihr sind symmetrisch vier runde Flügelschäfte mit Charnieren so befestigt, daß sie sich in der Achsrichtung vor- und zurückbewegen können. Die Flügel- blätter sind mittels Klemmschrauben an den Schäften befestigt, damit sie sowohl auf den Schäften verschoben als um dieselben gedreht werden können, wodurch eine bequeme Abänderung des Durchmessers und der Steigung der Schraube möglich ist. Die zur Erzielung der Schlagwirkung nötige Hin- und Herwande- rung der Flügel wird dadurch bewerkstelligt, daß jeder Flügel zwangläufig an einem gemeinsamen, am Flugzeugskörper angebrachten, wellenförmigen Führungs- ring entlang gleitet. Eine wesentliche Gewichtsvermehrung tritt bei dieser Kon- struktion nicht ein. Da der Hauptzug auf den Führungsring übertragen wird, können Nabe und Flügelschäfte leichter konstruiert werden. itizioile Mitteilung des Deutschen Flieger-Bundes. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frankfurt a. M. — Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter „ Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Als Mitglied wurde neu aufgenommen: Heinrich Scanzoni v. Lichtenfels, Leutnant im Leibg. Infant. Reg. 116. Am 19. November flog Se. Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Prerßen vor den offiziell als Zeitnehmer bestätigten Mitgliedern unseres Klubs 1/ Seite 765 „FLUGSPORT”. No. 23 v. Hammacher und v Hiddessen, Leutnants im Leibdragoner-Regt. Nr. 24, sowie August Euler die vorgeschriebenen Runden zur Erlangung des Führerzeugnisses für Flugmaschin: n. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. — Telefon, Amt I, No. 1581. nz M kl Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. » Dipl.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Öskar Ursinus. 1. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., Bergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. Am 10. Dezember, abends 8 Uhr, im Savoy-Hotel Vortrag Ing. Ursinus: „Die letzten Ereignisse auf dem Gebiete des Flugwesens“ mit Lichtbildern. Meeting von Reims, Nizza, Seine Baie, der Circuit de l’Est, Pariser Salon und zum Schlusse die wichtigsten deutschen Ereignisse und Flüge. Zuschriften sind zu richten an den Frankfurter Flugtechnischen Verein Frankfurt a M., Bahnhofsplatz 8. Offizielle Mitteilungen des Düsseldorfer Flugsport-Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. ‚Stellvertr. „ Jul. Mülter-Massdorf, Kunstmaler. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Josef Wahlen, Assessor. -— Zuschriften sind zu richten an den 1. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst Düsseldorf, Graf Adolfstr. 83. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Club-Abend statt. Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377. 2. n Kaufmann Lindner. No. 23 „FLUGSPORT“. Seite 766 1. Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37 a. 2 „ Kaufmann Müller. Kassierer: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmiler. Flugwart: Josef: Bechler. Materialverwalter;: Fabrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversanımlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in bem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. en Oifizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Telephon 1. Vorsitz.: Univers.-Prof. Dr. Lummer, Göpperstr. 1, 986 2. » Fabrikdirektor Dr. Bergreen, Schottwitz, 1228 1. Schriftführer: Ing. Stoeckicht, Gartenstraße 37, 10972 2. » Kaufm. Kutsch, Ohlauufer 10, 10993 Schatzmeist. : Kommerzienr. Dr. jur. Heimann, Ring 53, 2655 Bibliothekar: Kaufmann Nicolaier, Kaiser Wilhelmstr. 14, 1159 Sportkommission: Hauptmann Engel, Kl. Scheitnigerstr. 9 Ing. Fahlbusch, Fränkelpl. 6 Fritz Heidenreich, Freiburgerstr. 21 2888 Flugwart: Ing. Walzel, Museumsplatz 15 3513 Syndikus : Notar Dr. Oestreich, Gartenstr. 43, 9054 Beisitzer: Telephon Kaufmann Erich Breit, Guttenbergstraße 8, 10040 Freiherr v. Durant, Langendorf, Kr. Gleiwitz Freiherr v. Kloch, Neue Schweidnitzerstr. 4, 2701 Generaldi ektor Dr. Kuthe, Schweidnitzer Stadtgr. 15, 3286 Bankvorstand Matthias, Gartenstr. 60, 3989 Ing. v. Saliwürck, Gartenstr. 89, 2983 Zahnarzt Dr. med. Scheps Neue Schweidnitzerstr. 4807 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr 37 erbeten. (Tel. 10972.) Offizielle Mitteilungen des FLUGTECHNISCHER| Flugtechnischen Vereins Leipzig Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 2811. _ Vorstand: Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig Weststr. 281n. Schriftführer: Redakteur Gotdfreund, Leipzig. 2. „ Ing. Gustav Birkner, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller Beisitzer: Georg Boecker, Leipzig. » Oswald Hönicke, Leipzig. Bücherwart: stud. phil. Hans Röse. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund, Seite 767 FLUGSPORT“ No. 23 Vereinslokal: Goldenes Einhorn am Johannisplatz. Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch. Jeden 2. und 4. Donnersiag finden Arbeitsabende statt. Der für den 27. Oktober festgesetzte Vortrag des Ilerrn Hans Peters über „DieZukunft derSchraubenflieger“ mußte leider zurückgestellt werden. Hierfür hielt Herr Ingenieur G. Birkner einen Vortrag über „Die Grundlagen "der Ffügzeug-Motoren“ Dieser Vortrag war beabsichtigt als Einteitung - einer Vortragsreihe, in welcher nacheinander sämtliche heutigen Flugzeug-Motoren, soweit sie sich bewährt haben, zur besonderen Darstellung und Besprechung gelangen sollten. Herr Birkner schilderte in erster Linie die Wirkungsweise des Viertaktmotors und die grundlegenden Vorbedingungen, die zum Bau eines brauch- baren Motors erfüllt werden müssen. Am 10. November hielt der Flugtechnische Verein seinen XI. Arbeits- abend ab. Der neue Gleitflieger des Vereins, den unser Mitglied, Herr Fr. Schneider in Leipzig-Wahren vorzüglich sauber und sachgemäß gebaut hatte, wurde vorgezeigt und besprocben Da Herr Peters, der für diesen Abend einen Vortrag über „Prüfung von Propellern“ zugesagt hatte, nicht erschien (er kam so spät, dab etwas anderes unternommen werden mußte), sprang der Vorsitzende ein und sprach über das Thema „Allgemeines über Gleit-, Schrauben- und Schwingenflieger“. Der Vortrag regte zu einer interessanten Aus- sprache an, speziell über den Bau der Schwingenflieger. Insbesondere wurde von einem Teile der witglieder die Ansicht verfochten, daß der Schwingenflieger nicht gar so aussichtslos sei, vor allem Dingen glaubt man, den Mangel der hin- und hergehenden Bewegung dahin beseitigen zu können, dab man die Flügel- flächen eine Kreisbahn beschreiben läßt Eine weitere Klarstellung der ein- . schlägigen Fragen soll späteren Betrachtungen vorbehalten bleiben. Am Xl. Arbeitsabend, am Donnerstag, den 24. November, hielt Herr Oberlehrer Ingenieur Freund zunächst einen kurzen Vortrag über die Aufgaben des deutschen Fliegerbundes und betonte vor allen Dingen die Aenderung der Praxis der Preisstiftungen, daß es nicht nur darauf ankomme, daß Preise für Wettflüge ausgeschrieben würden, sondern daß auch technische Vervollkommnungen honoriert würden. Der Fliegerbund gedenke jetzt den An- fang hiermit zu machen und Preise auszuschreiben für Unfallverhütungen und der- gleichen mehr. Den Hauptvorirag des Abends hielt derselbe Redner „Ueber die phy- sikalischen Grundlagen der Flugtechnik.“* Da die ÄArbeitsabende des Flugtechnischen Vereins unter Beteiligung des weiteren Publikums — der Eintritt zu den Arbeitsabenden steht jedermann frei - abgehalten werden, so versuchte der Redner unter Ausschaltung mathematischer Ableitungen sein Thema gemein- verständlich zu gestalten. Er ging davon aus, daß Luft ein Körper sei, der, wie jeder andere Körper, sein Gewicht und seine Trägheit besitze. Hieraus leitete er, dem Gesetz folgend, daß in vertikaler Richtung an der Flugmaschine die Summe der abwärts gerichteten Kräfte gleich der Summe der aufwärts gerichteten Kräfte sein müsse, die Reaktion ab, .die die nach unten fortbewegten Luftteile auf die Flugmaschine ausüben. Herr Oberlehrer Ingenieur Freund schloß seine 'Darlegungen vorzeitig, um einem Herrn Schurig, der als Gast erschienen war, Gelegenheit zu geben, sein mitgebrachtes Papiermodell eines Flugapparates zu zeigen. Das Modell selbst war recht nett gearbeitet, zeigte jedoch, wie not- wendig es ist, daß die physikalischen Grundbegriffe, die beim Bau von Flug- zeugen anzuwenden sind, denen bekannter werden, die sich auf dem fraglichen Gebiete betätigen wollen. Der betreffende Herr sprach derartig unglaubliche Anschauungen aus, Dinge, die selbst einer oberflächlichen Kritik nicht Stand hie ten, daß leider der Schluß des Abends den erster Mißton in unsere sonst so fruchtbaren Arbeitsabende gebracht hat. Wohin soll es führen, weın Leute, die in ihrem Leben noch keinen Apparat haben fliegen sehen, oie vom Flugmaschinen- bau und von der einschlägigen Technik nicht die geringste Ahnung haben, Papier- modelle in die Welt setzen und weil sie deren schon einige Dutzend zusammen- geklebt haben, sich als Praktiker bezeichnen und glauben, sich über die elementar- sten Gesetze der Mechanik hinwegzusetzen können. Im vorliegenden Falle wurde der betreffende Herr ausfallend gegen die Versammlung, da man seine Dar- legungen nicht ernst nahm. No. 23 „FLUGSPORT“. Seite 768 Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler. E.V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhld. — Flugplatz Holtca. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: 1. Vorsitzender: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. 2. u Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3, » Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Hulın, Oberhatisen. Schriftführer: vakat. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. 1. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. . » Architekt Schnarre, Holten 3 » Flugtechniker Nihues, Wesel. 4, n Gutsbesitzer Tender, Holten. 5. 1 Maschinensmneister Trutenau, Oberhausen. 6. » Kaufmann Zündorf, Marxloh. Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. Bi Beigeordneter Sigloch, Hamborn. „ Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. u Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. n Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. n Redakteur Krause, Köln. n Oberingenieur Weidler, Oberliausen. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsvad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark. Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Karl Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der Kommtechn.i nssio Dr. Kropf, Clubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Fischer, Beisitzer. Richard Krüger, „ Unfall- und Haltplichtversicherungen für Avialiker Luftschiffer, Automobilisten u. Sportsleute etc. schliesst zu den günstigsten Bedingungen ab: Arthur Röder, Subdirektor der Schweizerischen National -Versicherungs - Gesellschaft, Basel —— Frankfurt am Main, Elbestraße1il. ı u „FLUGSPORT." Welcher Kapifalistf unterstützt zukunftsreich. Flugmaschinen Projekt D.R.P.angemeldet. 6000 Mk. erforderlich. Off. erb. u. D. N. 6066 an Rudolf Mosse, Dresden. (235) Ein gebrauchter noch so gut wie neuer Pünfzylinder otations-Molor Type GHF zu verkaufen. Off. u. A. 245 an die Exp. d. Bl. Gnome-Motor beinahe neu, nur zu einigen Klugversuchen gebraucht, sofort preiswert abzugeben. Gefl. Offerten unter Chiffre S.M. 5366 an Rud. Mosse, Stuttgart. (238 Eindecker Flug garantiert, Preis Mk. 3000. — . Tabriziert als Spezialität G. Schulze Burg b. Magdeburg, Bruchstr.17 Vereinsabzeichen Sport-Medaillen in allen Ausführungen. Bier-Controllmarken Jörgum & TrefZ, Frankfurt u. M. 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Brivf- Adr.: Redaktion und Verlag „Flugsport“ Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz S- Repr&sentant pour la France: E. Raphael, Paris, Rue du Faubourg Poissonniere 159. Erscheint regelmäßig am I. und 3. Mittwoch jeden Monats. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Abonnement: Bei portofreier Zusendung unter Kreuzband Mk. 14.—. Durch Postbozug Mk. 12.— pro Jahr Der Nachdruck unserer Artikel ist, soweit nicht mit „Nachdruck verboten“ versehen, nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 24. Frankfurt a. M., 21. Dezember 1910. Jahrg. II. Pfitzuer-Eindecker*). (Hierzu Tafel IX.) Dieser Eindecker besteht aus zwei Haupttragdecken a, deren Enden durch zwei verschiebbare Flächen b verlängert oder verkürzt werden können. Durch diese Verlängerung bezw. Verkürzung ent- steht auf der einen oder der anderen Seite ein größerer Auftrieb, welchen Pfitzner für die seitliche Gleichgewichtserhaltung benutzte. Das Höhensteuer c ist vorn angeordnet. Für die Dämpfung ist hinten eine horizon- tale Fläche d vorgesehen, Das Seitensteuer e hat Pfitzner nach vorn verlegt. Die Pfitznersche Steuersäule f ist unseren Lesern aus dem Artikel „Moderner Flugmaschinenbau“ in Flugsport Nr. 8 Seite 229 hinreichend bekannt. Durch Drehen des Handrades um seine Achse werden die Schiebeflächen b hin- und bewegt. Durch Vorwärtsneigen und Anziehen der Steuersäule wird das Höhensteuer ce betätigt. Dureh-Drehen-der Steuersäule um ihre Achse wird das Seitensteuer e gedreht. (cf. das Steuerungsschema auf Tafel IX). Durch die vorliegende Einrichtung der Verlängerung der Trag- deckenden sind die Wright’schen Patente umgangen. Die Konstruktion der verschiebbaren Flächen und der Führung erfordert eine äußerste Präzision. Bei Pfitzner wurden die verschiebbaren Flächen in aufge- schlitzten Stahlrohren geführt. Durch die geringste Beschädigung, *) Hiermit erledigen wir die Anfragen über die Pfitzner’sche Schräglagen- steuerung. Seite 770 „FLUGSPORT“ No. 94 Verbiegung können sich die Flächen festklemmen. Bei 55 km Geschwin- digkeit erhielt Pfitzner bei vollständig herausgeschobeuer Fläche an dem 'Tragdeckenende einen Auftrieb von 25 kg. Die Versuchs von Pfitzner waren nicht gerade sonderlich von Erfolg begleitet.*) Die Mißerfolge waren jedoch, wie verschiedentlich verlautete auf ein schlechtes Funktionieren des Motors, welcher nicht die nötige Zugkraft entwickelte, zurückzuführen. Um einen möglichst kurzen Auslanf der Maschine zu erzielen, sind an den Hinterrädern kleine Bremsvorrichtungen i, die mittels Seilzug vom Führersitz betätigt werden können, augeördnet. Das Gewicht der Maschine mit 15 1 Benzin, Kühlwasser und Schmieröl betrug 230 kg. Schräglagensteuerung von Hummel. Während Pfitzner die für die Schräglagensteuerung nötige Auf- triebsdifferenz an den Tragdeckenenden durch Vergrößerung der Flächen erzielt, wird bei vorliegender Konstruktion die Auftriebs- differenz dadurch bewirkt, daß ein Flächenstück der Tragdecken nach auswärts geschoben wird und so an einen größeren Hebelarm an- greift. Die Anordnung ist in nebenstehender Abbildung schematisch dargestellt. Die zwei Flächen a und b bilden mit ihren Streben ein Gelenk- viereck. Durch einen Drahtseilzug sind die Flächen zwangläufig mit einander verbunden. Der Draht- ı seilzug endigt an einem Hebel —-—. \ N v2 £ oder einer Seiltrommelam Führer- sitz. Mittels des Hebels und Seilzuges können die Flächen wechselseitig vom Mittelpunkte der Achse x-x entfernt oder der- selben genähert werden, und zwar bleiben die Flächen jederzeit parallel zu den Haupttragdecken. Pfitzner mußte für seine verschiebbaren Flächen einen beson- deren Rahnıen anordnen, welcher, auch wenn die Fläche eingezogen war, einen Luftwiderstand verursachte. Dieser Luftwiderstand fällt ber der vorliegenden Konstruktion weg. Weiter ist diese Konstruk- tion gegen Beschädigungen nicht so empfindlich wie die Schiebe- flächen von Pfitzner. Die vorliegende Konstruktion dürfte auch nicht unter die Wright-Patente fallen. I). 4 Schwingen- und Drachenfiugmaschine von Schelies. (Hierzu Tafel X.) Der vorliegende Apparat, welcher beim flüchtigen Ansehen einem gewöhnlichen Eindecker ähnelt, ist ein kombinierter Drachen- und Schwingenflugapparat. Die Maschine besitzt zwei Tragdecken bezw. Flügel a und b, deren Längsträger am Rumpf der Maschine *) Man sagt, daß er, durch die Mißerfolge entmutigt, freiwillig aus dem Leben geschieden sei. No. 24 | ___„FLUGSPORT“. Seite 771 ” . “ ke) stangen an, die andererseits mit den Kurbeln k, sitzend anf einer horizontalen Kurbelwelle, unter dem Motor liegend, verbunden sind. Diese”Kurbelwelle wird mittels Schnecke und Schneckenrad | eingespannt sınd. An den Kulissen f und eo greifen zwei Schub- Flugmaschine Schelies. und i durch Gall’sche Kette vom Motor angetrieben. Durch Ver- schieben der Kulissen f und g vom Führersitz aus kann der Flügel- ausschlag wechselseitig auf beiden Seiten beliebie roß Ber werden. An der hinten liegenden g groß reguliert v. dreieckigen Stabilisierungsfläche czsind [die Hauptsteuerorgane d und e angebracht. Diese beiden Flugmaschine Schelies mit beigelegten Tragdecken. Steuerflächen dienen sowohl für die Höhensteuerung als für die Schräglagensteuerung. Seite‘ 772 „FLUGSPORT“. No. 24 Die Betätigung geschieht durch eine nach allen Richtungen bewegbare 1 - ersäule m. en kombinierte Bewegung der Züge (vergl. die Pfeile) ist es möglich, die beiden Steuerflächen d und e als Höhensteuer, und wechselseitig betätigt, als Schräglagensteuerung zu verwenden. Die Seilzugführung dieser Steuerung geht aus der Abbildung hervor. Für die seitliche Dämpfung ist eine vertikale Dämpfungsfläche p hinter dem Führersitz angeord- net. Das hintere Laufrad h ist während des An- oder Auslaufes der Maschine auf dem Gelände mittels Fußpedal n steuerbar. Der Apparat kann ohne Propeller als Schwingenflugmaschine die Schlaggeschwindigkeit beträgt 4—40 m pro Sekunde, und mit arretierten Flügeln als Drachenfiugmaschine benützt werden. Für den Transport sind die Flügel zusammenleg- rdnet. er "Schelies nennt diesen Apparat „Touristenflugzeug“. Zum Be- triebe dient ein 3 Zylinder-Anzani-Motor von 110 mm Bohrung, 120 d 24 PS bei 1500 Touren. u Das Tragflächenareal als Drachenflugmaschine beträgt 26 qm, als Schwingenflugmaschine 20,4 qm. Zur Unterstützung der Räder ist ein Kufenpaar vorgesehen. In nebenstehenden Abbildungen ist eine Versuchsmaschine nach dieser Konstruktion wiedergegeben. Der Kettenantrieb dient nur als Provisorium anstelle des gebrochenen Schneckengetriebes. Pariser Brief. Von unserem Pariser Korrespondenten. Das überaus ungünstige Wetter der letzten Tage, der rauhe Wintersturm, der über einen beträchtlichen Teil Frankreichs dahin- fegte, hat naturgemäß die Arbeit der Aviatiker wesentlich beein- flussen, stellenweise sogar lahmlegen müssen. Sogar der Grand-Prix des Automobil-Klub de France, der bekanntlich bis zum 31. Dezember dieses Jahres entschieden sein muß, vermochte nicht zum Kampfe gegen die Elemente zu begeistern. Und es sind deren so viele; die nach den 150000 Frances verlangen! Je näher der Schlußtermin rückt, desto zahlreicher werden sie und die hiesigen Zeitungen wissen täglich zahlreiche Abflüge für den nächsten Tag anzukündigen . wenn das Wetter schön ist. Es ist das hier jetzt eine stehende Rubrik geworden. Tabutean, Graf Lambert, Legagneux, Loridan, Bregi, Lanser, Ame£rigo, sie alle gelten als präsumptive Bewerber, an den Flug Paris—Brüssel— Parıs unternehmen wollen und Andre No& verkündet sogar, daß er sich nach Douzy begibt, um dort einen Ein- decker Sommer, den er für sich bestellt habe, abzunehmen, mit dein No. 24 „FLUGSPORT“. Seite 773 LITT TI er sofort die Reise nach Brüssel und zurück antreten wolle. So leicht. ist die Sache denn doch nicht und mit rulmrederischen Ankündi- gungen allein wird sie nicht gemacht werden können. Wynınalen kann, glaube ich, ganz ruhig sein; die 150000 Frances sind ihm wohl sicher. Immerhin verursachen die vielen erfolglosen ıınd wohl auclı aussichtslosen Flugversuche, daß in Issy-les-Moulineanx verhältnis- mäßig reges Leben herrscht. Bregi yprobierte einen neuen Voisin, mit dem er aber nicht so recht zu Stande zu kommen scheint, Wey- mann hat Versuche mit einem Nieuport-Eindecker unternommen, der einen 50 PS Gnom-Motor zum Antrieb bekommen hat. Der Apparat zeigte sich sehr schnell, sodaß Weymann die Fahrt von Issy nach der Ebene von Etterbeck (Brüssel) in 2% Stunden zu machen hofft. Natürlich sind das alles mur müßige Flunkereien, denn „erstens kommt. es anders, zweitens wie man hofft.“ Loridan, dem wohl das Riesen- feld von Issy zu eng geworden ist, hat seinen Apparat nach Mour- melon schaffen lassen. Dort will er seine „Lrainierungsflüge“ fort- setzen, um dann „ganz sicher“ den (Grand Prix in seinen Besitz zu bringen. Die ganze Komödie macht. einen umso eigenartigeren Ein- druck, wenn man berücksichtigt, dal der Holländer Wynmalen den Preis bereits regelrecht gewonnen hat, daß man ihm aber den Lohn vorenthalten hat, um den französischen Aviatikern noch vor Tores- schluß Gelegenheit zu geben, dem armen Wynmalen die Bente ab- zujagen. Auch andere noch schwebende Preise konnten infolge der Un- bill der Witterung bisher nicht endgiltig zum Austrag gelangen. Da ist zunächst der „Pokal Michelin“, ‘dessen Anwartschaft im Augen- blick bekanntlich Maurice Tabuteau mit seinem Fluge von 465,5 km inne hat. Namentlich soll Henri Farman, der vorjährige Sieger im Michelin-Pokal und dessen bisheriger Besitzer, die Absicht haben, energisch an die Verteidigung der Trophäe heranzugehen und den von 'Tabuteau aufgestellten Rekord anzugreifen. Auch Legagnenx, der unbedingt überall „dabei sein“ muß, will um den Pokal starten, sobald das Wetter besser wird. Er hat in der Tat dieser Tage einen sehr ansehnlichen Flug auf seinem Bleriot-Eindecker ausgeführt: er flog etwas mehr als 390 km in 4 Stunden 35 Minuten. Als ernstester Konkurrent wird aber wohl Henri Farman zu betrachten sein, der sich, wie gesagt, in aller Stille fertig macht, um im gegebenen Augen- blick den Flug zu unternehmen. Er hat die Absicht, des morgens zwischen 4'% und 5 Uhr abzufliegen und die Aufgabe innerhalb eines einzigen Tages zu lösen, sodaß er eventwell noch vor Tagesnieder- gang in Paris zurück ist. Der neue Zweidecker, den. er für diese Reise bestimmt hat, ist von der Militär-Type, mit einigen wenigen Detail- Aenderungen, die namentlich dem’ Schutze des Piloten gegen die Kälte gewidmet sind. Um den „Deperdussin-Pokal“ bewerben sich ın erster Reihe Laurens auf seinem Rep-Eindecker, Köchlin und Mademoiselle Niel, letztere beide auf einem Köchlin-Eindecker. Aber auch Weymann schickt sich an, um diesen Preis zu starten. Er will dazn einen Ein- decker der Nieuport-"'ype, der mit einem 100 PS (inom-Motor aus- gestattet ist, benutzen. Um den „Preis Lazare Weiller“ sind noel dire; Konkurrenten im Felde: Lentnant Feqmant hat in Begleitung semes Brucdes mehrere Seite 774 „FLUGSPORT“. No. 24 Versuche unternommen,”die aber bisher erfolglos blieben Der Mari- neleutnant Byasson, welcher mit dem Hauptmann Duperron als Pas- sagier au Bord seine Versuche machte, sowie Leutnant Maillefert, mit Leutnant Clavenad an Bord, hatten nicht mehr Glück. Im Augenblick hat Leutnant Delage ınit scnmem Fernfluge Etampes- Bleis und zurück, einer Gesamtdistanz von 204 km in 3 Stunden 10 Minnten, die Anwartschaft auf den Preis. In gleicher Weise hat der erwälınte Damen-Preis, der „Pokal Femina“, unsere weiblichen Piloten auf die Beine gebracht, denn auch er ist vor Schluß des Jahres zu erledigen. Bekanntlich steht bis jetzt Mademoiselle Helene Dutrieu mit ihrem 60,8 km-Flug unter den Bewerberinnen voran. Wir haben jetzt fünf weibliche Aviatrieen und sie alle sind mit lobenswertem Eifer dabei, die Palme für sich zu erringen. Natürlich hat die Baronin de Laroche, die zwar wie- derhergestellt, aber noch nicht „flugfähig“ ist, keine ernste Aussicht auf die Trophäe. Dagegen wollen die Damen Niel, Herveu, Marvingt und Dutrieu den Kampf fortsetzen. In Pau ging es trotz des schlechten Wetters ziemlich lebhaft zu und namentlich eine bemerkenswerte Höhenflug-Leistung von Legagneux hat großes Interesse erweckt. Am vergangenen Freitag hat er den Welt-Höhenrekord mit 3200 m aufgestellt. Er flog am frühen Morgen auf seinem Bleriot-Eindecker mit Gnom-Motor ab und erhob sich in regelmäßiger Weise. Nach und nach verlor er sich in den Wolken und landete schließlich in schönem Schwebefluge nach 1 Stunde 34 Minuten, während deren er die erwähnte Höhe erreicht hatte. Der Abstieg im Schwebefluge dauerte 16 Minuten. Bisher haben dem- nach 10 Aviatiker Flughöhen von mehr als 2000 Meter erreicht: 1. Legagneux (Bleriot) 3200 m; 2. Johnstone (Wright) 2960 m; 3. Drexel (Bleriot) 2830 m; 4. Wynmalen (Farman) 2800 m; 5. Mo- rane (Bleriot) 2582 m; 6. Geo Chavez (Bleriot) 2580 m; 7. Jacques de Lesseps (Bleriot) 2170 m; 8. Legagneux (Bleriot) 2100 m; 9. Mars (Wright) 2100 m; 10. Morane (Bleriot) 2052 m. Der weiter oben erwähnte Dauerflug Legagnsux’s um den Mi- chelin-Pokal hat sich gleichfalls in interessannter Weise abgespielt. Legagneux nahm um 8 Uhr 50 Minuten früh seinen Abflug, um den „Michelin-Pokal“ zu attackieren. Er flog bis 1 Uhr 29 Minuten. Er hatte zwar noch Benzin für vier Stunden und die Maschine ging noch tadellos, aber ein heftiger Sturm und Regen überraschte den Piloten und zwang ihn, seinen Flug zu unterbrechen. Er hat 392 km in 4 Stunden 34 Minuten zurückgelegt und bleibt somit gegen Ta- buteau (Maurice Farman) mit seinen 465,5 km in 6 Stunden 1 Minute zurück; aber Legagneux ist schneller geflogen, als sein Rivale und konnte so alle zwischenliegenden Rekords schlagen. Er machte 84km in einer Stunde, 169,8km in zwei Stunden, 256,7 km in drei Stunden, 343,3 km in vier Stunden, sodaß er also 84 km in der ersten, 85,8 km in der zweiten, 86,9 km in der dritten, 86,6 km in der vierten Stunde hinter sich brachte. Man sieht, daß der Apparat in dem- selben Maße, wie er durch den Verbrauch an Benzin und Oel leichter wurde, seine Fluggeschwindigkeit erhöhte. Legagneux hätte mit seinem Vorrat etwa 77ÖÜ km fliegen können. Was sonst in Pau in diesen Tagen geleistet wurde, stelıt lıinter dieser Leistung natürlich weit zurück. Immerhin aber wird fleißig No. 24 „FLUGSPORT“. Seite 775 gearbcitet, und die Leutnants Princeteau und Rose haben ilıre Pilo- tenpatente erwerben können. In Mourmelon erregte eine Flngleistung des bekannten und viel- faclı genannten Hauptmann Bellanger viel Aufsehen. Bellanger hat einen Fernflug ausgeführt, mit dem er sich in die erste Reihe der Offizierspiloten stellte. Er flog um 10 Uhr 50 Minuten vom Militär- Aerodrom Maison Blanche zu Vincennes ab und landete mittags auf dem Manöverfelde von Calons zu Mourmelon. In 1 Stunde 10 Min. hatte also Hauptmann Bellanger 160 km zurückgelegt, also eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 135 km die Stunde crzielt. Der Wind ging sehr heftig, und der gewandte Offizierspilot hat, um seine Aufgabe erfüllen zu können, sich in einer Flughöhe von 1500 Metern halten müssen. Es sei daran erinnert, daß Hauptmann Bell- anger einen Bleriot mit Gnom-Motor steuert. Auch sonst ging es in Mourmelon lebhaft zu. In der Antoi- nette-Schule lassen sich zahlreiche Adepten der Aviation von Laffont und Gob&e in die Geheimnisse der modernen Flugwissenschaft ein- weihen, und ebenso herrscht in den anderen Schulen, namentlich in der von Henri Farman, reges Leben. Martinet ist damit beschäftigt, einen neuen Zweidecker der Farman-Type bereit zu machen, mit dem er sich gleichfalls an dem Flug Paris—Brüssel—Paris um den Grand Prix bewerben will. Unser Landsmann Lindpaintner versuchte den neuen Sommer, mit dem er trotz heftigen Windes und mit einer Nutzbelastung von 280 kg während 25 Minuten in der Luft blieb. Auch Train gelangen einige, allerdings nur kurze Flüge mit seinem eigen konstruierten Eindecker. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß Henri Farman sich soeben mit dem Bau eines Aeroplanes zu fünf komfortablen Sitzen beschäftigt. Farman will damit keine Rennmaschine schaffen, son- dern ein Transportmittel, das imstande wäre, das fünffache des Pilotengewichtes als Nutzlast zu tragen. Von den Passagierflügen Farınans ist ja schon berichtet worden, der „Aerobus, funktioniert nach wie vor, soweit eben das schlechte Wetter nicht die Flüge ver- hindert. Mit der gleichen Lebhaftigkeit wird in der Farmanschule zu Etampes gearbeitet. Farman selbst fliegt jetzt wieder recht: viel und scheint sica, wenn man den geflüsterten Gerüchten Glauben schenken will, auf „große Sachen“ vorzubereiten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er uns eines Tages eine Ueberraschung bereitet. Das Aerodrom von Beauce ist von Piloten und Anfängern gut bevölkert, und an- scheinend werden gute Fortschritte erzielt. Auf den verschiedenen Flugplätzen von Montpellier, wo Gibert mit mäßigen Flugleistungen das Publikum erwärmt, in Chartres, wo in der Savary-Schule Level das Pilotenzeugnis sich erfliegt, in Reims, wo die Hanriotschule der Zielpunkt vieler Interessenten ist, sowie auf dem Militärübungsplatze von Satory, wo der Leutnant Aqna- viva seino interessanten Versuche mit der Telegraphie ohne Dralıt auf Veranlassung der Militärbehörden fortsetzt, geht cs seinen ge- wohnten Gang. Tuteressant wäre eine Flugleistung von Barrier, die dieser auf seiner Aınerikareise dieser Tage in Memphis, Tennessee, ausgeführt haben soll. Er hat nämlich, wie lierhergelangte Meldungen besagen, Seite 776 „FLUGSPORTF“. No. 24 einen 23 km-Flug mit einer Geschwindigkeit von 87 Meilen, das heißt von 140 km, in der Stunde zustande gebracht. Aber man wird den Meldungen von jenseits des Ozeans mit einem gewissen, durch frü- here Erfahrungen berechtigten Mißtrauen begegnen müssen. Man hat schon zu viele Tartarennachrichten von drüben bekommen. Na- türlich spornen solche Meldungen, bei denen begreiflicherweise die zahlenmäßigen Angaben über den materiellen Erfolg der europäischen Aviatiker nicht fehlen, die hiesigen Piloten an, auch ihrerseits ihr Glück zu versuchen und an dem Goldregen teilzunehmen. Jetzt ist auch Audemars mit seiner „Demoiselle“ mit dem Daınpfer „Teutonic“ nach New-York abgefahren, wo er seinen Kollegen Simon, Barrier und Garros sich anzuschließen gedenkt, um mit ihnen zusammen eine Tournee durch die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Hierbei sei ein neues gigantisches Projekt erwähnt, das die Amerikaner vorhaben. Es handelt sich um die Durchquerung der Vereinigten Staaten im Aeroplan, von New-York nach San Franzisco, also vom Atlantischen bis zum Stillen Ocean. Dieser aviatische Bewerb, zu dem ein ame- rikanischer Preßmagnat 50000 Dollars beigesteuert hat, wird sehr reich mit Preisen dotiert sein. Bis jetzt stehen im Ganzen mehr als 5000 Dollars für den angegebenen Zweck zur Verfügung. Voraus- sichtlich wird die große Veranstaltung im Monat Mai des kommen- den Jahres vor sich gehen. Außerdem steht drüben ein großes avia- tisches Meeting bevor, und zwar das Meeting von Los Angeles (California), an dem die Piloten Latham, Villard, Moisant, Barrier, Simon, Audemars, Frisbie, Brookins, Mars, Hoseley, Radley, Harkness, Baldwin teilnehmen werden. Der „Zug nach dem Westen‘ offenbart sich unter den Avia- tikern, wir wir gesehen haben, in immer stärkerem Maße. Eine Anzahl von französischen Aviatikern bereisen zur Zeit die Vereinigten Staaten. Aber auch nach anderen Gegenden findet eine starke Aus- wanderung statt. So ist jetzt der erfolgreiche und häufig genannte Bielovucie, selbst ein Peruaner, von der Peruanischen Regierung heim- berufen worden, um in seinem Heimatlande eine militärische Aviati- onsschule zu begründen. Bieloyucie ist in Gemeinschaft mit Chailley mit zwei Voisin-Zweideckern abgereist und drei weitere Apparate dieser Type sind bereits direkt nach Peru abgesandt. Ein recht gelungenes Fest fand dieser Tage zu Ehren Paulhans statt, indem der Aeronautique Club de France die Verleihung der Ehrenlegion an den sympathischen Piloten und Konstrukteur feierlich begehen wollte. Am Ehrentisch sahen wir u. a. außer Paulhan selbst, die Herren Oberst Renard, Sauniere, den Präsidenten des genannten Klubs sowie den: Oberstleutnant Espitalier, Juillot, Capazza, Baudry, Ribeyre, etc. Oberst Renard hielt die Festansprache, nach der er Paulhan das Kreuz der Ehrenlegion in Brillanten anheftete. Am 31. Dezember findet hier ein großes Bankett der Aviatiker im Hotel Continental statt, an dem nur die patentierten Piloten teil- nehmen können. Eine originelle Einrichtung ist die, daß zur Ver- meidung irgend welcher vermeintlicher Bevorzugungen oder Zurücksetz- nngen die Aviatiker strikt nach der Nummer ihres Pilotenpatents placiert sein werden. Im Anschluß an dieses Bankett veranstaltet eine hiesige Zeitung in den Sälen des genannten Hotels eine Kunst- Soiree, zu der die hervorragendsten Kräfte der Oper und anderer No. 24 „FLUGSPORT“”. Seite 777 Kunststätten ihre Teilnahme zugesagt haben. Der Gedanke ist ein durchaus glücklicher und nachahmenswerter; ein derartiges Fest kann nur dazu beitragen, die beteiligten Kreise einander näher zu bringen und auf diese Weise die aviatische Bewegung zu fördern. Viel besprochen wird hier der Erfolg Amerigos, den er kürz- lich in Habsheım gelegentlich einer dortigen Veranstaltung gehabt hat. Der Flug von 3 Stunden 19 Minuten, mit dem Leutnat Oppen an Bord, wird hier gebührend beachtet und kritisiert. Natürlich wird mit, minutiöser Genauigkeit nachgewiesen, daß Ame£rigo kein Deutscher ist und daß der siegreiche Zweidecker zwar in Deutschland, aber von dem dort wohrenden Franzosen Maurice Pelletier gebaut worden ist. Amerigo selbst, das ist richtig, ist in San Remo geboren. Es ist bedauerlich, daß man sich hier, auch in Fragen von so internationaler Bedeutung, wie in aviatischen Fragen, nicht von einem zwecklosen und unschönen Chanvinismus nicht frei zu machen versteht. Das hat sich ja auch in dem bereits erwähnten Falle Wynmalen zur Genüge erwiesen. Uebrigens scheint der Holländer das ihm zugefügte Un- recht nıit philosophischer Ruhe aufzunehmen. Er ist inzwischen in seine Heimat zurückgekehrt und hat dort, in Gemeinschaft mit seinen Landsleuten Küller und Koolhoven, das erste holländische Aviations- Meeting bestritten, das auf den Aerodromen von Ede und Soesterber vor sich ging. Wynmalen hat dabei einen schönen Stadt-zu-Stadt- Flug ausgeführt, wobei er eine Flughöhe von 1060 Metern erreichte, womit ein neuer holländischer Höhenrekord aufgestellt ist. Auch die beiden anderen Piloten haben sich recht gut gehalten. Die brennende Frage: ob Rundflug durch Frankreich oder Motorenbewerb (für das von der Stadt Paris für die Aviation auszu- werfende Geld) ist augenblicklich ins Stoken geraten, indem durch einen tückischen Zufall dieser Tage der „Vater des Gedankens‘', der um die Förderung der Aviation hochverdiente Pariser Gemeinderat Quentin- Bauchart, ein hervorragender Sportsmann, ganz plötzlich aus dem Leben geschieden ist. Es steht ja außer Zweifel, daß der Antrag des Verstorbenen iuncrlıalb der Versammlung der Gemeinderäte von seinen Kollegen wieder anfgenommen werden wird, immerhin aber wird es langer Zeit bedürfen, ehe sich ein gleich versierter und begeisterter Förderer des ınodernen Flugsports unter den Stadtvätern gefunden haben wird, der außer dem guten Willen auch eine unermüdliche Energie und Arbeitskraft und einen weitgehenden Einfluß besitzt, wie es bei dem Verstorbenen der Fall war, wie es nun den Anschein hat, wird sich eineeigeutümliche Kombination der beiden grundsätzlichen Projekte vollziehen: man wird wahrscheinlich doch den großen Rundflug durch Frankreich veranstalten und die Preise — — -—- den Motoren zuteilen. So ist beiden gegnerischen Lagern ihr Wille geschehen. Nun, die Haupstsache bleibt, daß die Stadt Paris eine große Summe für die französische Aviation bereitstellt und daß diese voraussichtlich eine gewaltige Förderung dadurch erfährt. Vivat sequens. .... Und darauf kommt es schließlich an. Das scheint auch der Grundsatz aller hiesigen interessierten Körperschaften zu sein, die in seltener Einmütigkeit daran arbeiten, die Aviation mit allen erfind- lichen Mitteln zu stülzen une und zu fördern. Man köunte fast. neidisch werden Besonders stark interessiert man sich jetzt für das Problem der Luftstraßon-Anlage, das in einer der nächsten Nummern Seite 778 „FLUGSPORT“. No. 24 des „Flugsport“ unter Zugrundelegung der verschiedenen Projekte und Anregungen im Zusammenhange besprochen werden soll. In Gemeinschaft mit den privaten Interessenvertretungen arbeitet auch die Regierung und namontlich auch die Militärverwaltung mit großem Eifer an diesem Problem, das über kurz oder lang hier sicher eine rationelle Lösung erfahren wird. Natürlich wird dabei die an dieser Stelle oftmals ventilierte Frage der Installation der Aviation in den französischen Kolonien keineswegs vernachlässigt. Im Gegenteil scheint man in der erwähn- ten Materie ein gut Stück vorangekommen zu sein. Es wird nun sicher nicht mehr lange dauern, bis der Aeroplan auf dem afrikanischen Kontinent eine allgemeine und systematische Verwendung finden wird. Das zu diesem Zwecke eingesetzte Comit& der Ligue Nationale Aerienne (dieses Comite ist, nebenbei gesagt, ein rein militärisches) hat dieser Tage ein Projekt beraten, das die Einrichtung eines regelmäßigen Aeroplan-Dienstes in den französischen Besitzungen in Nordafrika zum Gegenstande hat. Außer dem General Bailloud, dem Kommandierenden des 19. Armeekorps und seinem Stabe waren viele Offiziere zugegen, die in Afrika gedient haben und mit den dortigen Verhältnissen gut vertraut sind, besonders Haupt- mann Cortier, Hauptmann Nieger und Leutnant Villatte, die in den in Betracht kommenden Fragen als Autoritäten gelten. Hauptmann Cortier setzte zunächst auseinander, unter welchen Voraussetzungen ein Aeroplandienst von Colomb Becahr nach Tombuktu, und zwar über In-Salah, In-Amjel, In-Ouzel, Asslar, versucht werden könnte. Dann äußerte sich General Bailloud, wie es vor allen Dingen, und zwar vor Inangriffnahme praktischer Versuche, notwendig sei, ein Instruktionszentrum zu schaffen, woselbst die verschiedenen Typen von Aeroplanen probiert und anf ilıre Verwendbarkeit an Ort und Stelle geprüft werden könnten. Denn es dürfte nicht außer Acht ge- lassen werden, daß man von den betreffenden Typen verlangen müsse, daß sie sich in einer mit Sand gesättigten Atmosphäre zu behaupten haben werden. Er schlägt die Orte Biskra, Colomb Becahr oder Laghouat vor. Das Comite wählte den erstgenannten Ort und rich- tete. an das Kriegsministerium den Wunsch, daß ein Zentrum aero- nautischer Recherchen errichtet werde, mit Vorliebe am Rande der Saharah. . Dort solle man die erforderlichen Voraussetzungen studie- ren, die derjenige Aeroplan zu erfüllen hätte, dem die Aufgabe zu- fallen wird, einen langen Flug in einer mit feinem Sande saturierten Atmosphäre und in ungewöhnlich hohen Temperaturen zu vollbringen, und ferner sollte man dort die erforderlichen Piloten heranbilden. 2. Soll dieses Zentrum sich in Biskra befinden, welches, in unmittel- barem Kontakt mit der Wüste Saharah, in einer friedlichen und sicheren Region belegen und mit der Küste durch eine Eisenbahn verbunden ist. Dort, als Ausgangspunkt für aviatische Unterneh- mungen, würden die Piloten alle nötigen Hilfsmittel zur Hand haben. 3. Sollen die im Laufe der eingehenden Studien zu Biskra erzielten Resultate und Feststellungen den Konstrukteuren von Aeroplanen sofort übermittelt werden, damit sie diesen als Basis für ihre Kon- struktionsstudien dienen könnten. Auch das Kolonien-Ministerium hat eine Kommission ernannt, welcher der General Lasserre angehört und die sich mit der gleichen No. 24 „FLUGSPORT". _ Frage beschäftigen soll. Hier handelt es sich um die Entscheidung, unter welchen Bedingungen in jeder der hauptsächlichsten Kolo- nien cine Luftflotte eingeführt und unterhalten werden könnte. In- zwischen gehen die Kolonien auf eigene Faust auch ihrerseits vor. Iı einer dieser Tage abgehaltenen anßerordentlichen Versammlung _des Aecro-Club von Oran wurde beschlossen, auf dem Flugfelde der Senia eine Pilotenschule einzurichten, die für Militärs und Civilper- sonen offen sein soll. Mit Unterstützung der lokalen Militärbehörden soll in Kürze ein Fernflug organisiert werden, dessen erste Etappe sich von Marnia nach Oudjda erstrecken soll; die zweite Etappe von Oudjda nach Taourirt soll später folgen. In einigen Tagen wird dieser Club sieben Acroplane besitzen. Ferner ist es nicht unınte- ressant, daß in Algier im nächsten Jahre ein aeronautischer Salon veranstaltet werden soll. Charakteristisch ist auch cine Meinungsäußerung des Generals Rocques, des bekannten General-Inspekteurs der französischen Mili- tär-Aviation gelegentlich eines Vorgangs der letzten Zeit, der hier viel besprochen worden ist. Die hiesigen Zeitungen meldeten, daß der dentsche Kaiser seine Abneigung gegen die Aviation und gegen die Aeronautik ausgesprochen und hinzugefügt habe, daß er von den Luftfahrzeugen als Kriegsmittel nichts halte und daß die Franzosen in dieser Beziehung große Enttäuschungen erleben werden. Ob diese Aeußerung des Kaisers authentisch ist, bleibe hier dahingestellt. Tat- sache ist, daß der deswegen interpellierte General Rocques gesagt hat: „C’est egal, nous en avons en France“. Und damit hat er ganz gewiß Recht. Hier gibt es eine Militär-Aviation. Man braucht sich nur den Bericht anzusehen, den derselbe General Rocques der Sentas- Gruppe für Aviation, die er dieser Tage bei sich empfangen hat, ge- geben hat. „Es ist nicht nur der Eintritt der französischen Offiziere in die verschiedenen Pilotenschulen, sondern vor allen Dingen auch ihre Rückkehr in ihre betreffenden Truppenteile nach Möglichkeit zu erleichtern. Es handelt sich für uns nicht darum, ein spezielles Aviations-Corps zu schaffen, sondern einen Dienst, der dem unseres Generalstabs analog ist, das heißt einen Cadre von Offizieren, die zu allen Waffengattungen gehören. Wir sind im Augenblick damit be- schäftigt, die Anzahl der Flugplätze für jedes Armeekorps wesentlich zu vermehren, um auf diese Weise die Instruktion der Offiziere leichter zu gestalten. Die erforderlichen Kredite werden vom Parla- ment gefordert und bewilligt werden. Was die Apparate anbelangt,“ so meinte der General, „haben wir uns an die privaten Industrien gewandt, um eine möglichst große Anzabl von Modellen zu haben. Man kann unmöglich eine einzige Type als militärischen Aeroplan acceptieren, denn die Apparate haben eine mannigfache, von einander ganz verschiedene Zweckbestimmung Die Armee braucht Beobach- tungs-, Vermittlungs- und auch Kampfaeroplane. Es ist für mich gar kein geringster Zweifel, daß der nächste Krieg mit einem Schar- mützel der Aeroplane untereinander, die in diesem Falle die Kaval- lerie ersetzen werden, beginnen wird. Wir sind deshalb eingehend damit beschäftigt, Aeroplane zu drei Sitzen uns zu beschaffen.“ Das klingt jedenfalls anders. Auch der Minister der Kolonien hat soeben einen (iosetzentwurf bei der Kammer eingebracht, mit dem er die Bewilligung von Seite 780 „FLUGSPORT“. No. 24 400000 Frs. fordert, um in den Kolonien militärische Aeroplanver- suche anstellen zu lassen. Diese Experimente sollen mit dem bevor- ‚stehenden Jahre in Westafrika ihren Anfang nehmen. Da mit dem Monat Mai die Wintersaison daselbst beginnt, sollen sofort die not- wendigen Apparate erworben und abgesandt werden, sodaß sie recht- zeitig ihren Bestimmungsort erreichen, sodaß vor Eintritt der Winter- salson die Studien abgeschlossen sein können, denn die kalte Jahres- zeit eignet sich nicht zu den Feststellungen, die im Interesse der Aviation in den Kolonien erwünscht sind. Der beanspruchte Kredit soll lediglich zur Beschaffung von Aeroplanen, Motoren und Be- standteilen, sowie zur Errichtung von Schuppen und zur Unterhal- tung des nötigen Personals während der Zeit der Experimente ver- wendet werden. ‚Eine interessante Konferenz fand dieser Tage in dem Großen Saale der Pariser Sorbonne statt, woselbst Robert Esnault-Pelterie, der Präsident der Handelskammer für Aeronautik, einen Vortrag über „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Aviation“ hielt. Das große Amphietheater war auf den letzten Platz dicht besetzt. Der etwa zweistündige Vortrag, der durch kinematische Vorführungen be- lehrend durchsetzt war, entwickelte in überaus anschaulicher Weise den Werdegang der Aviation, von ihren ersten Vorläufern an bis zu der gegenwärtigen Periode der Realisation. Von dem Motor sprechend, meinte der Vortragende, daß der Explosionsmotor wahrscheinlich nicht für alle Zukunft der Motor der Aeroplane sein wird. Andere Motoren werden ihn vorteilhaft ersetzen, eine T’hese, die übrigens innerhalb der französischen Aviation jetzt mit einer auffälligen Ueber- einstimmung allenthalben aufgestellt und behauptet wird. Fast gleichzeitig mit dieser Kundgebung fand eine Versamm- lung der französischen Civil-Ingenieure statt, in der Herr Soreau in interessanter Weise über den Aeroplan sprach. Bezüglich der Stabi- lität meinte Soreau, daß einzig die bespannte Fläche eine hinreichende Längsstabilisierung gewähren könne. Wenn sie ausreichend ist, dann komme es wenig darauf an, ob sich der Druckmittelpunkt nach voru oder hinten neige, oder ob er über oder unter dem Mittelpunkt der Schwere ginge; es sind andere Erwägungen, welche die geeignetste Position dieser beiden Punkte bestimmen. In dieser Hinsicht warnt Soreau vor der gegenwärtig herrschenden übertriebenen Tendenz, den Mittelpunkt der Schwere herabzusetzen, gerade als ob der Aeroplan eine Art schwingenden Pendel darstelle. Anch auf die Vervoll- kommnung der Schrauben müsse man das Augenmerk richten. Es sei nötig, daß die Flügel eine kontinuierliche, vollständig glatte Fläche haben. Wir kommen auf die interessanten Ausführungen Soreaus, die hier viel kommentiert werden, noch zurück. Zum Schlusse sei noch der bereits früher erwähnten Bewegung gedacht, welche die Sicherung der Aviation zum Gegenstande hat und hier jetzt mit großer Energie einsetzt. Jetzt hat sich auch aus der Kommission des Aero-Club de France eine Unterkommission ge- bildet, welche die Natur der Prüfungsbewerbe studieren soll, die man von den Aeroplanen verlangen soll, ehe sie das Zertifikat der Flug- fähigkeit zugeteilt erhalten. Dieser Kommission geliören an: Oberst Bouttiaux, Alfred Boyer-Gnillon, Lucien Chauviare, Robert Esnault- Pelterie, Oberst: Estienne, 'Tellier und Major Renard. No. 24 „ELUGSPORT“. Seite 781 Der Flugsport in England. (Originalbeiicht unseres Londoner Korrespondenten.) Ueber 50 Flieger haben für den Forest-Preis von 80000 Mark für den längsten Flug über den Kanal auf einer englischen Maschine gemeldet, und einige derselben sind schon seit Wochen bereit, die erste günstige Stunde zum Abfluge zu benutzen, aber es ist gar nicht ausgeschlossen, daß der Preis, der vor Ende dieses Jahres zum Aus- trag kommen muß, garnicht gewonnen wird. Seit Mitte November haben über dem Kanal Stürme geherrscht, die kaum je unterbrochen worden sind, und während der Nacht vom 16. bis 17. Dezember steigerte sich der Sturm zu einem Orkane, vor dem die Zelte, in welchen die Flugmaschinen untergebracht waren, nicht standhalten konnten. ‚Jetzt stehen nur noch 14 Tage zur Verfügung und es ist immerhin fraglich, ob während dessen die Witterung sich genügend bessert und der bisher angerichtete Schaden soweit wiederhergestellt ist, daß ein Abflug gewagt werden kann. Besonders hat in den Stürmen auch der Aeroplan des Kapitän Maitland gelitten, von welchem wir bereits berichteten, daß er mit - einem Marconi-Apparat ausgestattet ist. Dieser Apparat wiegt ca. 13 kg. und ist unter dem Sitze des Piloten angebracht. Eine andere Besonderheit dieses Aeroplans ist der Kompaß, der zwischen den Füßen des Fliegers befestigt ist. Die Herstellung eines für Aeroplane geeigneten Kompasses hat große Schwierigkeiten verursacht, weil die Magnetnadel durch die Vibrierungen, in welche der Aeroplan durch den Motor versetzt wird, zu stark beeinflußt wird. In dem Kom- passe Maitlands schwebt die Magnetnadel in Glyzerin; die Zähigkeit und Dickflüssigkeit des Glyzerins soll die Nadel vor den Vibrierungen der Maschine schützen. Grahame White wird nach Neujahr wieder nach Amerika zu- rückkehren, da er nur wegen des Kanalfluges nach England ge- kommen ist, Am 13. Dezember überreichte ihm Feldmarschall Graf Roberts die goldene Medaille, welche die Luftsportliga White ver- liehen hat. In seiner Rede führte der greise Feldmarschall aus, daß die Medaille ein Zeichen der Anerkennung sein solle für die Dienste, welche White zur Förderung des englischen Flugsports geleistet habe. Vor einem Jahre erst habe er die Kunst des Fliegens in Frankreich gelernt, im April habe er schon den Versuch wagen können, von J,ondon nach Manchester zu fliegen und im Oktober habe er in Amerika die besten Flieger Flieger Frankreichs, Amerikas nnd Eng- lands geschlagen. Das sei eine hervorragende Karriere in 12 Mona- ten, und jeder müsse wünschen, daß er in dieser Weise der Aviatik weiter -diene-— Denn daß die Flugkunst eine große Zukunft habe, sei ihm nicht fraglich. In seiner Antwort hob White hervor, wie schr er sich freue, daß das größte Flugmeeting der Welt im nächsten Jahre in England stattfinde. Das würde dem Flugsport hier sicher einen mächtigen Anstoß geben und besonders auch die englischen Fabrikanten und Kapitalisten aufwecken. Die Maschine, mit der er den Sieg gewonnen habe, sei von Bleriot in Fraukreich gebaut. Iın nächsten Jahre müsse der Gordon-Preis auf einer englischen Maschine gewonnen werden. Besonders möchte er aber den Feldmarschall darauf auf- Seite ve2 „FLUGSPORT“. No. 24 merksam machen, daß in Amerika eine Luftschifferreserve von 4000 bis 5000 Mitgliedern bestände, welche bereit sel, ım Falle eines Krieges mit ihrer Person und eventuell mit ihren Aeroplanen in den Dienst der Armee zu treten. Auch in England müsse eine solche Luftschifferreserve geschaffen werden, und er stelle sich für diesen Zweck mit all seinem Können zur Verfügung. Nach seiner Meinung könnten 100 Aeroplane der Flotte eines Feindes_viel mehr Schaden zufügen als 50 Dreadnoughts, und der ganze Aufklärungsdienst für die Marine könne durclı Acroplane bewerkstelligt werden. Wonn ihn die Gelegenheit geboten würde zu zeigen, wie inan von einem Kriegsschifie abflöge und wieder dort lande, so sei er dazu bereit. Bisher habe iu England aber nur die Presse den Flugsport unter- stützt; jetzt müsse auch die Regierung das Ihre tun. Der Gegenstand des „Luftrechts“ hat in England in letzter Zeit viel Interesse und Besprechung gefunden; doch sind .die rechtlichen Verhältnisse in England so abweichend von den deutschen, daß die hiesigen Debatten über den Gegenstand für deutsche Leser keinen Wert haben dürften. Flugtechnische Rundschan. Inland. Eindecker Heitmann. Heitmann in Altona hat zwei Eindecker-Typen herausgebracht, «ie zur Zeit auf dem Wandsbecker Exerzierp:atz, welcher gleich- zeitig als Flugplatz dient, versucht werden. Die kleinere Type wiegt 200 kg und besitzt ein Tragflächenareal von 30 qm. Der Apparat ist in zwei Ansichten in Eindecker von Heitmann, Type IV. (Vorder- und Seitenansicht.) WEEK EEE No.’ 24 „FLUGSPORT“. Seite 783 beistehenden Abbildungen dargestellt. Die größere Type von gleichfalls 30 qm wiegt 300 kg. Zum Betriebe dient ein Argus-Motor von 50 PS. Die beiden Apparate sind sehr sauber durchgearbeitet. Bei der kleineren Type liegt der Führersitz unterhalb und bei der größer-n Type oberhalb der Tragdecken. Amerigo flog am 11. Dezember 3 Stunden 19 Min. 39 Sek. Wie uns die Aviatik G. m. b. H. Mülhausen i. Els. mitteilte, stellte am Sonntag den 11./12. Amerigo auf einem Doppeldecker dieser Gesellschaft mit einem 55 PS Argus-Motor einen neuen Weltrekord mit einem Passagier auf Er flog mit Leutnant Oppen vom 5. Jäger-Regiment 3 Stunden 19 Min. 39 Sek, Das Benzingefäß faßte ca. 90 I und war beim Landen der Maschine leer. Nebenbei sei bemerkt, daß Amerigo schon allein mit seinem stattliichen Gewicht von 105 kg das Gewicht von zwei Passagieren repräsentierte. Mit vier Personen Belastung flog Brunnhuber über 5 km am 7. Dez. in Johannisthal und hat hiermit einen neuen deutschen Passagierrekord aufge- stellt. Brunnhuber startete mit seinem Albatros-Farman mit 50 PS Gnom-Motor um 4 Uhr 20 Minuten und erhob sich schnell auf 20 m Höhe, in welcher er die Flugbahn zweimal umkreiste. Das neue Wright-Flugzeug mit hinten liegendem Höhensteuer ist jetzt in Betrieb genommen worden. Am 6. Dezember stieg Engelhard auf 3-400 m Höhe, verließ den Flugplatz und flog über Rudow, Eichswald, Grünow zurück Das neue Wright-Flugzeug. Oben: Engelhard im Fluge. Unten: Die Flugmaschine von hinten gesehen. Seite 784 „FLUGSPORT“. No. 24 nach Johannisthal. Für die 32 km lange Strecke benötigte er 34 Minuten, ent. sprechend einer. Stundengeschwindigkeit von 9 km. Verwendet wurde der alte 33 PS-Motor. Orville Wright, der in den letzten drei Wochen seinen Aufenthalt in Berlin genomnien hatte, um der Deutschen Wright-Gesellschaft die Verbesserungen der amerikanischen Wrightmaschinen ebenfalls zu bringen, hat am 11. Dezember Berlin wieder verlassen, um auch der französischen Gesellschaft seine Unterstützung zu teil werden zu lassen. Die wesentliche Verbesserung des neuen Wright- Flugzeuges liegt darin, daß das vordere Höhensteuer ganz abgenommen wird und durch eine einfache Steuerfläche hinter dem Seitensterer ergänzt wird. Al,gesehen davon, daß durch diese Anordnung eine wesentliche Gewichtserleichterung ein- tritt, ist die Maschine nunmehr viel sicherer, da selbst beim Reißen der Steuerungs- drähte der Apparat mit dem hinteren Höhensteuer, das sich sofort in die Ebene der Hauptragflächen stellt, leicht im Schwebefluge herabkommt, wie dies von Orville Wright wiederholt in Amerika ausprobiert wurde. Besondere Vorzüge besitzt diese Art der Höhensteuerung noch darin, daß der Pilot jetzt in ungefähr ‘, der Zeit den Unterricht beenden kann, als früher, da er nur noch sein Augen- merk auf den Steuerungshebel für die Seitensteuerung zu legen braucht. Be- kanntlich ist mit dieser Steuerung gleichzeitig die Verwindung der Tragflächen zwangsläufig verbunden. Selbstverständlich hat Orville Wright auch die neue, für das Kriegsministerium bestimmte Fiugmaschine eingehend durchkalkuliert und soll, wie wir erfahren, dieser Militärtyp nur eine Schraube erhalten, wobei der Propeller direkt mit dem Motor, also ohne jede Uebersetzung, gekuppelt ist. Hans Grade flog am 14. Dezember mit seinem neuen Apparat von 13 m Spannweite mit 3 Passagieren. Zum Betriebe dieser Maschine dient ein 35 PS Motor. Prinz-Regent Luitpold von Bayern besuchte am 13. Dezember die Fliegerschule von Dr. Gans-Fabrice auf dem OÖberwiesenfeld, auf welchem Wiencziers als Fluglehrer tätig ist. Der Prinz-Regent war in Begleitung der Prinzen Rupprecht, Franz, Alfons und Heinrich, des Kriegsministers und zahl- reicher hoher Offiziere. Wiencziers und Leutnant Wildt voilführten mehrere schöne Flüge, die von den Besuchern mit großem Interesse‘ verfolgt wurden, Passagierflugwoche auf dem Darmstädter Truppenübungsplatz. Der Aviatiker August Euler hatte einer Anzahl von Offizieren der Darmstädter Gar- nison eine Passagierflugwoche versprochen. An den Flügen nahmen teil: 22. November 1910 Hauptmann Kage . . >... ca. 14 km in 12 Min, do. Leutn. Mehmed Ali (Türke) FE | >) Posen 23 November 1910 Leutn. von Hammacher. . .....133%,,1 n do. Ob.-Leutn. Real (Schweizer) 10 5, 8 do. Leutnant Mudra . . . . a © a | n do. ; -—vorrHiddessen . . 22... 12 „10 n 24. November 1910 Prinzessin Battenberg.. vn... MM ,„ „12 „ do. Prinz von Battenberg . . . . 2.2.2. 4 zn 3%» do. Leutnant Heinr. von Scanzoni . ...15,,„ Mh „ do. n Otto von Scanzoni . . .»...14 ,, 1% u do. Civil-Ingenieur Ursinus . . © ....6,,5 „ 26. November 1810 Ober-Leutnant von Hannecken . . .».. 6,8 n do. Leutnant Graf Vitzthum von Eckstädt . 10 „ u» 3 u 29. November 1910 Major Neumann . . . 2 2 2 2m A un Ben do. Oberleutnant Goerdz.. . . 2Flügeä 4 „Flugsport“ — ‚ Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine. Tafel IX. | | a ai | | Di | } | | dA N | I > © | 9150 ! 2 F---H 4 N___- 122== Br l N \_. ! j 702m j | } I nn un Ss | | 1- -- -1-- 44H -- ı 77T > TI NL Mon ! | I. __ j | \ _ ‚2440 sl — Flugmaschine Pfitzner. --.- I. --H-. 1 „Flugsport“, Organ der deutschen Flugtechniker-Vereine. Tafel X. Schwingen- und Drachen-Flugmaschine von Schelies. & *) Nachbildung verboten. No. 24 „FLUGSPORT'. Seite 755 1. Dezember 1910 Herr Dücker . . . 2. 2 ..2.2.2.2..2...20 km in16!, Min. do. Leutnant von Issendorff . . . . 2.2...8 26 PR do. Frau Euler. . 2. 2 2 2 2 22022. 16 u. B „ do. Leutnant Charles de Beauliien . . ..10 8 n Die Höhe der vorgenannten Flüge schwankte zwischen 30 und 150 m. Sämtliche Landungen erfolgten glatt im Gleitfluge aus 20 bis 50 m Höhe mit ab- gestelltem Motor. Es traten während der ganzen Zeit keinerlei Störungen noch ein Fehlstart ein. Ausland. Farman flog 8 Std. 12 Min. und 47 Sek. am Sonntag den 18. Dez. in Etampes. Für diesen Flug benutzte Farman den neuen vergrößerten Apparat mit sehr großem Tragflächen-Areal. Farman hatte 285 I Benzin sowie 100 kg Oel an Bord. Zum Betriebe diente ein normaler 50 PS Gnom-Motor. Neu an | ’ I fl SSSIISÄ I TNLIINTLINTL ILL E AR enaeee BASS x i } IN \ I} Br fh EFT aR% Ey i “ar emnn , Eu zn Der neue Farman, mit welchem Farman 8 Std. 12 Min. 47-Sek--Hog-in- Vorder- und Seitenansicht. dieser großen Maschine von ca. 17 m Spannweite ist die Schrägstellung der unteren Tragdecke Weiter sind im Schwanz statt 2 jetzt 3 Seitensteuer ange- bracht. Der Führersitz ist durch eine Haube verkleidet. Flug um den Foresi-Preis. Der junge englische Aviatiker Sopwith flog am Samstag morgen um 8 Uhr 16 Min. von rer Insel Sheppey, eine Themseinsel ab, um sich um den Forest-Preis zu bewerben. Er erhob sich sofort auf 600 m Höhe und flog auf Kanterbury zu. Um 9 Uhr wurde der Flieger in 800 m Höhe gesichtet. Die Maschine flog direkt auf den Kanal los und überquerte diesen um 2 Uhr 30 Min. Bei Beaunont, in der Nähe der französischen Grenze, fast Seite 786 „FLUGSPORT“. No. 24 90 Meiten landeinwärts, traf der Flieger unversehrt ein. Sopwith hat ungefähr 9880 km zurückgelegt. Am Sonntag den 18. Dez. versuchte Grahame White, trotz des böigen Windes, einen Aufstig, wurde jedoch aus 200 m Höhe herabgedrückt. Der Apparat wurde zertrümmert, Grahame White erlitt leichtere Verletzungen. Flugkonkurrenzen. Die Wettflüge 1911. Am 17. Dezember sind in der Flugzeugkommission des D. L. V. die Ter- mine für die nächstjährigen Flugmaschinenwettbewerbe festgesetzt worden: 9. bis 21. April: Fernflug Ulm—Friedrichshafen, weitere Ausdehnung even- tuell nach Stuttgart vorbehalten. Veranstaltet vom Verein Deutscher Fiugtech- niker unter Mitwirkung der württembergischen Luftschiffahrts-Vereine. Graf Zeppelin hat für diesen Flug 25,000 Mark gestiftet. 16. April: Nationales Wettfliegen in Dresden, veranstaltet vom Königlich Sächsischen Verein für Luftschiffahrt. 27. April bis 16. Mai: Nationaler Fernflug Aachen—Berlin. Als Zwischen- Etappen sind vorläufig vorgesehen: Köln, Essen, Bielefeld, Braunschweig, Halle. Veranstaltet vom Niederrheinischen und den übrigen in Betracht kommenden Vereinen für Luftschiffahrt. 6. Juni bis 18. Juni: Deutsche Strecke des Internationalen Europäischen Rundflugs 1911. — Dieser Wettflug bildet bekanntlich den auf das Reichs- gebiet entfallenden Teil des Internationalen Europäischen Rundflugs 1911 Paris— Berlin—Brüssel--London—Paris, und zwar sind als Etappenorte für die deutsche Strecke bis jetzt vorgesehen: Düsseldorf, Hannover, Berlin, Magdeburg, Ham- burg, Bremen, Münster i. W,, jedoch ist die genaue Route noch nicht endgültig festgelegt. Es besteht die Absicht, in diesen Städten während der sogenannten Ruhetage zwischen den einzelnen Etappenflügen durch Lokalkomitees größere Fiugveranstaltungen zu organisieren, an denen auch Flieger teilnehmen können, die nicht den ganzen Reiseflug von Paris aus mitgemacht kaben. 4. Juni bis 12. Juni: Nationales Wettfliegen in Johannisthal-Berlin; offen nur für Flieger, die bisher noch keinen Preis von 5000 Mk. und darüber gewon- nen haben. j 18. Juni bis 22. Juni: Nationales Wettfliegen in Kiel. 23. Juni und folgende Tage: Fernflug Kiel - Hamburg—Berlin, veranstaltet vom Motor-Luftschiff-Verein der Nordmark unter dem Protektorat des Prinzen Heinrich von Preußen. 1. Juli 1911 bis 30. Juni 1912: Großer nationaler Jahres-Flugwettbewerb der Berliner Kartell-Vereine (K. A. C, K. Ae C. und Berliner V. f. L.). Alle näheren Bestimmungen hierüber sind vorbehalten Zwischen dem 1. und 17. September: Flip über den Harz, veranstaltet von der Ortsgruppe Nordhausen des Sächs.-Thür. f. L. 24. September bis 10. Oktober: Nationales Herbstfliegen in Johannis- tkal-Berlin. September oder Oktober (während der Tagung des D. Luftschiffahrt-Ver- bandesı: Nationales Wettfliegen in Breslau, veranstaltet vom Schlesischen Flug- sport-Klub. November: Motoren-Wettbewerb in Berlin während der für den November geplanten aviatischen Ausstellung in Berlin in den Ausstellungshallen am Zoo. Vorläufig unbestimmte Termine. Der Kartellverband der sächsischen V. f. L. hat einen Rundflug durch Sachsen mit den vorläufigen Etappen Dresden--Leipzig—Plauen Chemnitz für 20. bis 29, Mai angemeldet; desgl.: Der Frankfurter V. f. L. zusammen mit dem südwestdeutschen V.f. L. einen Flug durch das obere Rheinthal für die Zeit vom 21. bis 28. Mai. Die Veranstalter der beiden vorerwähnten Flüge sollen sich untereinander einigen derart, daß der eine Flug später im Sommer stattfindet. No. 24 „FLUGSPORT“. Seite 787 Der Mageeburger Rennverein und der Magdeburger V. f. L. hatten eine internationale Flugwoche in Magdeburg für den 10. bis 18. Juni angemeldet. Dieser Termin konnte jedoch wegen der Kollision mit den anderen gleichzeitigen Veranstaltungen nicht genehmigt werden. Den Veranstaltern wurde daher die Wa.l eines späteren Zeitpunktes unter Berücksichtigung der sonst noch in Betracht kommenden Wettbewerbe, eventuell im Anschluß an den Fernflug Kiel—Hamburg—Berlin, anheimgegeben. Außerdem steht es den Veranstaltern frei, im Anschluß an den Fernflug Paris Berlin ein internationales Meetig im Juni abzuhalten. ou mm Patentwesen. Steuervorrichtong für Drachenflieger.*) Als Beispiel der Anwendung der Erfindung ist ein Drachenflieger in Abb. 1 im Aufriß und in Abb. 2 im Grundriß dargestellt; derselbe besitzt in Schulter- gelenken a, a, dreh- bare Fliügelträger, welche gleichzeitig auf Biegung und Verdrehung bean- sprucht sind. Als Steuerruder dienen zwei unge- fähr wagerecht lie- gende Platten b, b,, c, die um die Achsen b, b, drehbar sind, so daß damit der Flugmaschine alle Bewegungen im Raum gegeben wer- den können. Der rechte Flügel ist ausgestreckt und mit Segeln besetzt gezeichnet ; der linke Flügel ist nur im Gerippe darge- stellt und an den Rumpf angelegt. Das nnerste Segel der zweiten Reihe kann nun lediglich mit dem Flügel- querträger 1 zusam- menhängen, so daf der Steuerhebel d, b, f, ce unabhängig davon bleibt; oder es kann, wie ge- zeichnet, bei f mit dem Steuerhebel verbunden werden, wobei dann, wenn der Zwickel zwi- schen dem Steuer- hebel und dem hin- teren Endpunkt des Flügelquerträgers 2 auch durch ein Se- Abb. 2. gel ausgefüllt wird, *) D.R.P. Nr. 222493. Josef Hofmann in Genf. Seite 788 „FLUGSPORT“. No. 24 jedes Steuer sich aus dem oben bleibenden Teil b, b,, c und dem windschief werdenden Teil 2, b, f, c zusammensetzt. Abb. I zeigt den Drachenflieger in Anlaufstellung für den Abflug auf der wagerechten Bahn g, g mit um eine wagerechte Achse drehbarem Propeller h, Motor i, Benzingefäß k, wagerechter Tragfläche 5, a,, Schutzdach n und auf den Boden gelegtem Steuer d,, c.. Wenn nun der hinter dem Handhebel I des möbelrollenartig wirkenden Rades m sitzende Führer den Propeller angehen läßt, so wird die Maschine auf dem Rad m und den Rädchen oder Schleifen oder freien Enden c, zu laufen anfangen. Durch den Druck der Luft auf die Steuer werden sich diese aber sehr bald vom Boden abheben, und die Maschine wird nun auf dem Rade (oder Karren, oder Zweirad) m weiterlaufen. Sobald dann der Drachenflieger die nö- tige Geschwindigkeit für den Abflug hat, legt der Führer die Ruderhebel aus der Stellung d,, c, plötzlich in die Stellung d, c, wodurch die ganze Maschine sofort um den Winkel a nach hinten überkippt und in eine Stellung zum Boden kommt, wie wenn g,, g, die wagerechte Bahn wäre. Sie fliegt somit ab und geht, wenn die punktierte Lage d, c der Steuerruder wagrecht wird, in den horizontalen Geradeausflug über. Unmittelbar vor der Landung werden, um die Tragflächen zur höchsten Bremswirkung vorn aufzurichten, die Steuerhebel in die Stellung d,, c, gebracht. Statt zweier getrennter Steuer kann natürlich auch ein einziges Schwanzsteuer verwendet werden, welches durch die Hebel d, c windschief verdreht wird. Patent-Anspruch: Steuervorrichtung für Drachenflieger, deren Abflug dadurch eingeleitet wird, daß durch Umlegen von Stiützhebeln der Flugapparat nach hinten gekippt und hierdurch die ungefähr wagrechte Tragfläche schräg aufwärts gestellt wird, dadurch gekennzeichnet, daß diese Stiitzhebel nicht nur als Organe für den Lauf, sondern auch für den Flug ausgebildet sind, indem sie zwischen sich oder zwi- schen jedem Hebel und der benachbarten Tragfläche oder auf beide Arten zu- gleich Segelflächen aufnehmen, welche, durch die Hebel bewegt, die Steuerung des Fliegers bewirken. Verschiedenes. Eine Resolution hat der Berliner Flugsportverein in seiner 17. Sitzung gefaßt und angenommen. Die Resolution hat fulgenden Wortlaut: im Hinblick auf die im nächsten Jahre stattfindenden großen Flugkonkur- renzen bitten, wir. die maßgebenden Stellen, ihren Einfluß bei Abfassung der Wett-Ausschreibungen dahin geltend zu machen, daß dieselben auf die Neukon- struktionen von betriebssicheren Flugmaschinen befruchtend wirken mögen. Eine Förderung der Flugtechnik können wir in den bestehenden Ausschrei- bungen nicht erblicken, so lange nicht bei denselben die angewendeten Mittel für die Betriebssicherheit der Apparate in Betracht gezogen werden. Bei den Ausschreibungen muß eine Formel gefunden werden, welche fol- gende Faktoren berücksichtigt: a) Anzahl der Pferdestärke des Motors, b) Größe der Tragflächenbelastung pro qm, c) Benzinverbrauch. Aehnliche Bewertung der Konkurrenzen findet auch bei ähnlichen Wett- bewerben, z. B. beim Motorradrennen usw statt. Ferner ziehe man in Erwä- gung, den ‘Konstrukteur der- siegenden Apparate mit einem 10°%,igen Anteil zu bedenken. Hinsichtlich der nationalen Flugwochen scheinen uns Mißstände bei Zulas- sung der Apparate vorzuliegen, insofern, da die konkurrierenden Apparate aus- ländischen Ursprungs oder sklavische Nachahmungen ausländischer Fabrikate sind. Die rein deutschen Konstruktionen kommen in das Hintertreffen und gehen an Preisen meist leer aus. Deshalb meiden bei nationalen Flugwochen deutsche Flieger mit deutschen Apparaten die Wettbewerbe und haben deshalb nicht die Unterstützwig, die ihnen gebührt. Deshalb ist zu fordern, daß nicht nur deutsche Flieger, sondern auch rein deutsche Konstruktionen mit deutschen Motoren zu- gelassen werden. Wir hoffen, dal unsere Anregungen, die nur im Interesse des nationalen Flugsports gedacht sind, auf fruchtbaren Boden fallen werden. No. 24 „FLUGSPORT“. Seite 789 | Signalisierungsversuche mittels Glasbuchstaben vom Eiffel - Turm. Als Zeichen dienen Buchstaben von 1,75 Höhe, welche mit Spiegelglaskugeln von je 25 cm Durchmesser ausgelegt waren. Diese Buchstaben haben den Vor- teil, daß sie durch die Verwendung von Glaskugeln nach allen Richtungen _...__ Intensiv reflektieren. Beiträge für das Otto Lilienthal-Denkmal. Bei der Expedition des „Flugsport“ sind für das Lilienthal - Denkmal noch folgende Beiträge eingegangen: H. von Kiösterlein Mk. 2.— Rudolf Puller 1 2. - Kurt Schmidt n 1.— Parzival Runze Dr. Wiih. Treitschke Friedr. Treitschke Wolfgang Otto „ 5.— zuzüglich der bereits gesammelten quittierten Beiträge „ 4261 45 Mk. 4292.45 ” 1.— . 10- „ 10.— Seite 7% „FLUGSPORT“. No. 24 Oftizielle Mitteilung des Deutschen Flieger-Bundes. Sitz: Frankfurt a. M. Geschäftsstelle: Neue Mainzerstr. 76, Frarikfurt a. M. — Telefon, Amt I, No. 1581. Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugsport - Club. Sitz Frankfurt a. Main. Protektorat: Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein. Consul Hermann v. Passavant, Erster Vorsitzender. Assessor Dr. Alex Meyer, Zweiter n Freiherr v. Schey, Schatzmeister. Bernhard Flinsch, Vorsitzender der technischen Kommission. Referendar Otto v. Rottenburg, Schriftführer. Als Mitglied wurde neu aufgenommen: Alexander v. Meyer, Frankfurt a. M. Geschäftsstelle Fıankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 76. — Telefon, Amt I, No. 1581. | Offizielle Mitteilungen des Frankfurter Flugtechnisch. Vereins Sitz Frankfurt a. Main. Geschäftsstelle: Bahnhofsplatz 8, Tel. I, 4557. Vorstand: I. Vorsitzender: Civil-Ing. Paul Schubbert. 2. n Dipi.-Ing. Krastel. Schriftführer: Civil-Ing. Oskar Ursinus. l. Flugwart: Civil-Ing. Oskar Ursinus. Kassierer: Oberleutnant zur See a. D. Dornheim., Frankfurt a. M., . Bergweg 12. Beisitzer: Ingenieur Böninger, Oberleutnant zur See a. D. Arnoldi und Pega. . Am 10. Dezember, abends sprach Ing. Ursinus über die letzten Ereignisse im Flugwesen Beginnend vom Reimser Meetig schilderte der Redner unter Vor- führung einer ausgewählten Lichtbilderserie die markantesten Ereignisse und wichtigsten Flugmaschinenverbesserungen, wie sie sich während der Ver- anstaltungen des Circuit de }’Est, des Meeting von Seine-Baie, Nizza usw. zeigten. Besonderes Interesse beanspruchte die Bilderserie über den Simplon- Flug. Den Abschluss der internationalen Aviatik bildete der Pariser Salon. Aus den Ausführungen des Redners ging hervor, daß die Fortschritte auf dem Ge- biete des Flugwesens im Jahre 1910 weniger in der Prinzipienfrage, als in der Verfeinerung der Konstruktionen zu suchen sind. Die Ausstellungsobjekte des Pariser Salons ließen erkennen, daß die deutsche gründliche Ingenieurarbeit doch entschieden besseres zu leisten vermag. Zum Schlusse besprach der Vortragende die wichtigsten flugtechnischen Ereignisse in Deutschland. Das deutsche Flug- wesen krankt zur Zeit hauptsächlich an der Motorenfrage. Es ist Aufgabe der führenden Kreise des Flugwesens, hier Abhilfe zu schaffen, und durch Aus- No. 24 „FLUGSPORT“. Seite 791 schreiben von Preisen den deutschen Konstrukteur auszuspornen. Mit Vorführung der letzten Ereignisse auf dem Eulerschen Flugplatz bei Darmstadt, auf dem Prinz Heinrich das Pilotenzeugnis erwarb’ schloß der interessante Vortrag. . Zuschriften sind zu richten an den Frankfurter Flugtechnischen Verein Frankfurt a. M., Bahnhofsplatz 8. £.c77>—> Pffizielle Mitteilungen Vu des Düsseldorfer Flugsport=Club. Sitz Düsseldorf. Vorsitzender: Paul G. Probst, Hüttendirektor. Stellvertr. „ Jul. Müller-Massdorf, Kunstmaler. Schatzmeister: Carl Herbst, Architekt. Beisitzer: Hans Blaurock, Oberst. Emil Schröder, Dr. Ing. h. c. Wilhelm Grasses, Kaufmann. Josef Wahlen, Ässessor. Zuschriften sind zu richten an den 1. Vorsitzenden Herrn Paul G. Probst Düsseldorf, Graf Adolfstr. S3. . . An jedem ersten Mittwoch im Monat findet im Hotel „Römischer Kaiser“ Club-Abend statt. Offizielle Mitteilungen des Mannheimer Flugsport-Club. Sitz Mannheim Ehrenpräsident: Dr. Karl Lanz. 1. Vorsitzender: Rich. Schönfelder, Redakteur, Mannheim N. 4, 21. Telef. 377. 2. n Kaufmann Lindner. 1. Schriftführer: Kaufmann Oskar Klinkhart, Mannheim, Mittelstr. 37 a. 2: n Kaufmann Müller. Kassierer: Schlossermeister Josef Schreiber. Beisitzer: Fritz Brück, Ernst Specht, Herm. Temmler. Flugwart: Josef: Bechler. Materialverwalter: Fabrikant Hauk. Jeden ersten und dritten Samstag im Monat Mitgliederversammlung, an den übrigen Samstagen zwanglose Zusammenkunft in bem Club-Lokal „Hotel Royal“ am Bahnhofsplatz. Gäste stets gern willkommen. Offizielle Mitteilungen des Schlesischen Flugsport-Club. Sitz Breslau. Vorstand: Telephon 1. Vorsitz.: Univers.-Prof. Dr. Lummer, Göpperstr. 1, 986 2, n Fabrikdirektor Dr. Bergreen, Schottwitz, 1228 1. Schriftführer: Ing. Stoeckicht, Gartenstraße 37, 10972 2. „ Kaufm. Kutsch, Ohlauufer 10, 10993 Schatzineist. : Kommerzienr. Dr. jur. Heimann, Ring 53, 2655 Bibliothekar: Kaufmann Nicolaier, Kaiser Wilhelmstr. 14, 1159 Seite 792 „FLUGSPORT“., No. 24 Sportkommission: Hauptmann Engel, Kl. Scheitnigerstr. 9 Telephon Ing. Fahlbusch, Fränkelpl. 6 Fritz Heidenreich, Freiburgerstr. 21 2888 Flugwart: Ing. Walzel, Museumsplatz 15 3513 Syndikus: Notar Dr. Oestreich, Gartenstr. 43, 9054 Beisitzer: Kaufmann Erich Breit, Guttenbergstraße 8, 10040 Freiherr v. Durant, Langendorf, Kr. Gleiwitz Freiherr v. Kloch, Neue Schweidnitzerstr. 4, 2701 Generaldirektor Dr. Kuthe, Schweidnitzer Stadtgr. 15, 3286 Bankvorstand Matthias, Gartenstr. 60, 3989 Ing. v. Sallwürck, Gartenstr. 89, 2983 Zahnarzt Dr. med. Scheps Neue Schweidnitzerstr. 4807 Zuschriften an den ersten Schriftführer, Herrn Ing. Stoeckicht, Gartenstr 37 erbeten. (Tel. 10972.) Die letzte ordentliche Mitglieder-Versammlung fand am Freitag, den 16. Dezember a. c. unter Leitung des Vorsitzenden Herrn Prof. Dr. Lummer mit fol- gender Tagesordnung statt: 1. Bericht über den Bundestag des D. Fl.-B. zu Leipzig. 2. Vorbesprechung und Festsetzung der Generalversamlung. 3. Antrag auf Einführung einer für alle Mitglieder obligatorischen Fach- zeitschrift als Kluborgan für die Zeit vom 1. Januar bis 1. April 1911. 4. Antrag auf Bewilligung von 400 Mk. p. a. zur Beteiligung an dem in Gemeinschaft mit dem Schles. Verein für Luftschiffahrt und dem Aeroklub in den Räumen der „Ofi“ einzurichtenden gemeinschaftlichen Lesezimmer sowie einer Geschäftsstelle für den Klub. 5. Verschiedenes. Zu Punkt 1 erstattete Herr Stoeckicht eingehend Bericht über die zu Leipzig gefaßt n Beschlüsse. Insbesondere fand der unter der Voraussetzung, daß die von dem Vertreter des D.L.V. gegebenen Zusicherungen vom D.L.V. gebilligt werden, gefaßte Beschluß, daß der D. FI. B. in Zukunft die gemeinsame ertrefung aller deutschen flugtechnischen Vereinigungen nicht mehr außerhalb, sondern innerhalb des D. L. V darstellen soll, ferner der Beschluß einer alljähr- lich zu veranstaltenden Wanderausstellung, Ausschreibung von Preisen für den besten deutschen Flugmotor sowie für Sicherheitsapparate zur Verhütung schwerer Unglücksfälle bei Flugmaschinen beifällige Aufnahme der Versammlung. Zu Punkt 2 wurde die Generalversammlung auf Donnerstag, den 29. De- zember a. c. mit folgender Tagesordnung festgesetzt: 1, Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr :Geschäfts- und Kassen- berichte) * 2 Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Abänderungs- oder Zusatzanträge sind bis zum % Dez. a. c. schriftlich dem 1. Schriftführer einzureichen. Zu: Punkt 3 wurde einstimmig beschlossen, für die Zeit vom 1. Januar 1911 ‚bis 1. April 1911 das bisher neben anderen Zeitschriiten und Zeitungen als Klubzeitschrift benutzte Organ des D. F B., den „Flugsport“ auf Kosten der Klubkasse allen Mitgliedern zuzustellen. Sobald die Frage der für den D. L. V. allgemeinen Verbandszeitschrift spruchreif wird, was jedoch vor dem 1. April 1911 nicht zu erwarten steht, wird der Klub in neue Verhandlungen über diese Ange- legenheit‘,eintreten. R Zu Punkt 4 bewilligt die Versammlung die Summe; nähere Vereinbarungen sind in nächster Zeit zu treffen. Nach den Verhandlungen hielt zunächst Herr v. Schrabisch einen äußerst fesselnden Vortrag über „Ostafrika“ nach eigenen Erlebnissen und Erfahrungen im ostafrikanischen Schutzgebiet. Da der Vortrag, der von zirka 70 Licht- und kinematographischen Bildern begleitet war, über 2 Stunden in Anspruch nahm, mußte das angekündigte Referat des Herrn Stoeckicht „die neusten Ereignisse auf dem Gebiete des Flugwesens“ (mit zirka 70 Lichtbildern) verschoben werden. Wahrscheinlich wird das Referat auf der Generalversamlung am 29. Dezember zum Vortrag gelangen. Am 7. Dezember gewann unser Flieger Fr. Heidenreich auf dem Gandauer Exezierplatz den I. Preis des Klubs, nachdem er den 2. bereits bei Ablegung der Pilotenprüfung errungen hatte. Heidenreich erzielte in den letzten Tagen eine No. 24 „FLUGSPORT“ Siete 793 21 Minuten. Auch Herr Ing. Fahlbusch hat seine Fiugversuche uf Seinem Vollständig umgebauten und neuerdings mit einem 50 PS. Argusmotor versehenen Apparat eigener Konstruktion wieder aufgenommen Offizielle Mitteilungen des FLUGTECHNISCHER] Flugtechnischen Vereins Leipzig Sitz Leipzig. Geschäftsstelle: Weststraße 28 II. Vorstand: l. Vorsitzender: Oberlehrer Ingen. Alfred Freund, Leipzig vo “ s Weststr. 2811. 1. » Kaufmann Geog Boecker, Leipzig. l. Schriftführer : Ing. Gustav_Birkner, Leipzig. H. n Redakteur Goldfreund, Leipzig. Schatzmeister: Kaufmann R. Müller Beisitzer: Karl Berg, Leipzig. » Oswald Hönicke, Leipzig. _ l. Bücherwart: Lehrer Paul Hofmann, Leipzig. H. » Ing. Fr. Schneider, Leipzig. Vors. der Prüfungsabteilung: Oberl. Ing. Freund. . Vere'ns-Sitzungen jeden 1. und 3. Mittwoch im Goldenen Einhorn am Johannis- ar ER, itsabende): jed 2. und 4. Donnerstag im i eitsabende): jeden 2. un . Oelfentliche Vortragsabende (Ar Saale des Börsen-Restaurants. Am Xlll. und letzten Arbeitsabend in diesem Jahre sprach zunächst Herr Hans Peters über seinen neuen Schraubenflieger an Hand großer schematischer Zeichnungen. An dem Projekt des Herrn Hans Peters fiel in erster Linie die recht hübsche Durcharbeitung des Flugkörpers auf, Das Neue an der Maschine ist die besondere Anordnung mehrerer Motoren derart, daß jeder einzelne Motor infolge einer besonderen Kettenanordnung alle anderen Propeller, es sind im ganzen 3 vorgesehen, mit antreibt, so dab, wenn einer der Motoren aussetzen wollte, dennoch die Arbeitsleistung der übrigen Motoren auf alle Propeller verteilt bleibt. Eine zweite Besonderheit des Peters- schen Projektes ist die Formgebung der Propeller, die darauf hinzielen soll, das vor dem Propeller liegende zylindrische Luftvolumen nach hinten in eine Kegel- form zu bringen, so daß nach Ansicht des Herrn Peters eine bessere Kompres- sion der Luft hinter dem Propeller eintritt. Diese Absicht bedingt eine Krüm- mung der Propeller entgegensetzt der Flugrichtung. Außerdem will Herr Peters. die Propellerflügel so verstellbar machen, daß sie während des Anlassens der Motoren flachgestellt werden können, um den Luftwiderstand herabzumindern, und schließlich erst, nachdem die Motoren die richtige Tourenzahl erhalten haben, lit werden können. . angesieie sehr interessanten Ausführungen des Herrn Peters fanden bei der nachfolgenden Besprechung nicht in allen Punkten „die Zustimmung ‚der Ver- sammlung, wohl aber war man sich einig darüber, dab es zu begrüßen ist, wenn auch andere Systeme als nur der Gleitflieger fortentwickelt werden, und der Vor- sitzende wünschte im Namen der Versammlung Herrn Peters Glück zur Fort- entwickelung seiner Konstruktion. Anschließend an diesen Vortrag sprach Herr Redakteur Krause aus. Köln, der sich gerade zum Besuche in Leipzig aufhielt und unser lieber Gast war, über seine Ideen der zukünftigen Entwickelung des Gleit- flugzeuges. Herr Krause ist bekanntlich der Anschauung, dab ‚man bisher nur die eine Seite der Konstruktion eines Gleitfliegers genügend beachtet habe, nämlich die Fläche, nicht aber, was ihm eben so wichtig erscheine, den Körper, der mit der Fläche verbunden sei. Herr Krause suchte den Nachweis zu führen, daß die Natur auf die Gestaltung des Vogelkörpers im Interesse der Fliegel unst dieselbe Sorgfalt angewendet habe, wie auf die Gestaltung der Flügelo! eriläc en und daß der Mensch deshalb, sofern er Fortschritte auf dem Gebiete er Aviati machen wolle, mehr Sorgfalt auf den „Flugmaschinenkörper“ gegenü er ‚der Fläche verwenden müsse. Herr Krause suchte dieses an Papiermodellen yrachzu- weisen und behauptete insbesondere, daß ein unter den Flächen angebrachter Seite 714 „FLUGSPORT“. No. 24 glatter Körper ohne Vorsprünge die Stabilität des ganzen Systems erhöhe, ja, er behauptete, daß durch diesen den Flächen angehängten Körper eine absolute Stabilität erreicht werden könne. Die Diskussion sondierte, wie es in unserem Flugtechnischen Verein üblich ist, mit aller logischen Schärfe die Theorien des Herrn Krause. Man gab ohne weiteres zu, daß es wünschenswert ist, innerhalb einer Art von Schiffsrunpf, der-sa durchgearbeitet werden kann, daß ein geringster Widerstand erzielt wird, alle Einzelteile, ja auch den Piloten unterzubringen und dab eine derartige Gestal- tung eine Arbeitsersparnis beim Fliegen bedeute, nicht aber, daß hierdurch allein eine Selbststabilisierung des Apparates erreicht werden könne. Da die Anschau- ungen des Herrn Krause sich in erster Linie auf Versuchen mit Papiermodellen gründen, schien der Versammlung abermals ein Beweis für das Trügerische der- artiger Versuche gegeben. Trotz alledem bot der Vortrag und die anschließende Besprechung derartig viel Interessantes, daß der Verein Herrn Krause für seine Darlegungen außerordentlich dankbar sein kann. * Der Flugtechnische Verein in Leipzig hielt am Mittwoch den 14. De- zember im Goldenen Einhorn seine diesjährige Hauptversammlung ab. Herr Oberiehrer Ingenieur Alfred Freund erstattete den Jahresbericht. Der Flugtechnische Verein wurde am 26. Januar d. Js. gegründet und hat seit seiner Gründung eine ziemlich lang ausgedehnte Sturm- und Drangperiode durchmachen müssen, die schließlich keinem Verein, der ernstlich vorwärts strebt, erspart bleibt. Unsere Satzungen haben im Laufe mehrerer Besprechungen während der ganzen Zeit erst jetzt eine Form angenommen, die uns die Eintragung des Ver- eins ermöglicht. Während dieser vergangenen 11 Monate hat der Verein 33 Sitzungen abgehalten, darunter. 20 Mitgliederversammlungen, die organisa- torische Fragen betrafen und 13 öffentliche Vortragsabende (Arbeitsabende). Außerdemhaben wir einen Vortrag des Herrn G. Lilienthal im Saale des Leipziger Zentraltheaters arrangiert. Zu den Arbeitsabenden hatte jeder, der sich für die Aviatik interessierte, freien Zutritt und konnte an den Diskussionen teilnehmen. Nacheinander wurden Vorträge über die folgenden Themen gehalten: „Das Werk Lilienthals“, „Die Tragdecken“, „Flugmaschinensteue® rungen“, „Wright-Patente“, „Ueber die Materialien zum Bau von Flugmaschinen“, „Die bisherigen sportlichen Ergebnisse der Flugschiff- fahrt“, „Der jetzige Stand der Aviatik und unsere Zukunftspläne“, „Flugplätze und Fiugstraßen“, „Ein neues Flugmaschinensystem“ (Wunderlich-Brüssel), „Eine neue Flugmaschine, als flugfähiges Modell erklärt und vorgeführt vom Erfinder Max Keil“, „Eindecker oder Mehrdecker“, „Die Grundlagen der Flugzeugmotoren*, „Vorführung des Vereins-Gleitfliegers“, „Ueber die Aufgaben des Deutschen Flieger- bundes“, „Ueber die physikalischen Grundlagen der Flugtechnik“, „Ein neuer Schraubenflieger“, „Ueber die Gestaltung des Tragkörpers an Flugzeugen“. Trotz dieser regen Arbeit hat der Verein heute erst 27 Mitglieder, was sich auf den verhältnismäßig hohen Jahresbeitrag von Mk. 30.— zurückführen läßt und auch auf gewisse Leipziger Verhältnisse, die der Entwickelung des Flugtechnischen Vereins nicht günstig sind, Die Bibliothek konnte sich bei der nicht hervorragenden Finanzlage des Vereins nur langsam entwickeln. Immerhin besitzen wir. 26 gute Bücher über Flugtechnik, die von den Mitgliedern rege benutzt wurden. Der Technische Ausschuß ist wiederholt in Anspruch genommen worden. Die Qualität der Fragen war jedoch meist so, daß man nicht den dringenden Wunsch empfindet, diese Institution in gleicher Weise weiterzuführen. Wir müssen der Entwickelung überlassen, wie sich der Technische Ausschuß aus- gestalten wird. Der Deutsche Fliegerbund ist von unserem Verein mitgegründet worden. Da Herr Oberlehrer Ingenieur Freund Mitglied nicht nur des Präsidiums, sondern auch sämtlicher Kommissionen des Fliegerbundes ist, ist die Gewähr für eine ständige Verbindung unseres Vereins mit dem Fliegerbunde gegeben. Der Flug- technische Verein wird sich auch dem Luftschifferverbande anschließen und erhofft von diesem Anschluß eine weitere Förderung seines Strebens. Auch unser Verein leidet darunter, daß ein Teil der Mitglieder sich nicht rege genug an den Vereinssitzungen beteiligt. Es ist wünschenswert, daß die Zukunft hierin Abhilfe schafft. No. 24 „FLUGSPORT. Seite 795 Der Kassenbericht wurde vom Schatzmeister, Herrn Müller, gegeben Hiernach sind Mk. 710.08 eingenommen und Mk. 988.38 ausgegeben, so daß die Ausgaben die Einnahmen um Mk. 278.31 überschreiten. Ferner hat unser Verein sich einen Gleitflieger bauen lassen von unserm Vereinsmitglied Herrn Schneider. Mit diesem sollen Versuche unternommen werden. Statutenmäßig mußte der ganze Vorstand neu gewählt werden. Dieser setzt sich nunmehr wie oben angegeben .-zusammen. Besondere Anträge waren nicht eingegangen und standen deshalb auch nicht zur Beratung. In diesem Jahre finden keine weiteren Sitzungen statt. Die erste Mit- gliederversammlung wird am Mittwoch den 4. Januar 1911 im Goldenen Einhorn und der erste Öffentliche Vortragsabend (Arbeitsabend) am Donnerstag den 12. Januar 1911 im Saale des Börsen-Restaurants stattfinden. Offizielle Mitteilungen des Westdeutschen Vereins für Flugsegler.E. V. — Gleit- und Motorflug. — Sitz Oberhausen i. Rhid. — Flugplatz Holten. Ehrenvorsitzender: Oberbürgermeister Havenstein, Oberhausen. Ehrenmitglied: Kommerzienrat Reusch, Oberhausen. Vorstand: 1. Vorsitzender: Wasserwerksdirektor Breuer, Oberhausen. 2. „ Bürgermeister Dr. zur Nieden, Sterkrade. 3. „ Gemeindevorsteher Fritz Nohlen, Holten. Geschäftsführer: Redakteur Rudolf Huhn, Oberhausen. Schriftführer: vakat. Kassierer: Bankdirektor Heck, Oberhausen. il. Flugwart: Ingenieur Heuser, Oberhausen. 2. „ Architekt Schnarre, Holten 3. n Flugtechniker Nihues, Wesel. 4. n Gutsbesitzer Tender, Holten. 5. n Maschinenmeister Trutenau, Oberhausen. 6. „ Kaufmann Zündorf, Marxloh. Beisitzer: Königl. Landrat von Wülfing, Dinslaken. Beigeordneter Sigloch, Hamborn. Sanitätsrat Dr. Greven, Oberhausen-Styrum. Amtsgerichtsrat Wilms, Oberhausen. Luftschiffer Berg, Oberhausen-Styrum. Redakteur Krause, Köln. Oberingenieur Weidler, Oberhausen. Offizielle Mitteilungen des Aviatiker-Club Karlsbad. Sitz Karlsbad. Funktionäre des Clubs: Ludw. Stark, Präsis. Ingenieur Petrik, Stellvertreter. Karl Wieder, Schritführer. Heinr. Jahn, Schatzmeister. F. W. Keitsch, Gerätewart. Ing. Degano, Vorsitzender der Kommtechn.i.nssio Dr. Kropf, Cliubarzt. Jos. Lang, Beisitzer. Wilhelm Fischer, Beisitzer. Richard Krüger, Beisitzer.