Luftwaffen-Fibel des deutschen Jungen von Hermann Adler und Richard Schulz
Im Rahmen der nationalsozialistischen Propaganda wurde im Dritten Reich das Buch „Luftwaffen-Fibel des deutschen Jungen“ mit Unterstützung des Reichsluftfahrtministeriums von den Autoren Hermann Adler und Richard Schulz herausgegeben. Trotz der propagandistischen Färbung der Inhalte sind jedoch jene 80 Seiten höchst interessant, auf denen die Luftstreitkräfte sowie einzelne Einsätze beschrieben werden. Die sich anschließende Übersicht der Uniformen und Rangabzeichen dient Luftfahrthistorikern als gute Identifikationsmöglichkeit eigener Forschungen. Das Buch kann nachstehend als PDF-Dokument kostenlos heruntergeladen werden.
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Luftwaffen-Fibel des deutschen Jungen Herausgegeben von Hermann Adler und Richard Schulz INHALT Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg. Die Notzeit der deutschen Luftfahrt Die neue Luftwaffe Aufbau und Aufgaben der Luftwaffe Fliegertruppe Flakartillerie Luftnachrichtentruppe Die Fallschirmtruppe Die Panzer-Division „Hermann Göring“ Die Baueinheiten Die Luftwaffe im Polenfeldzug Der Luftkrieg über der Nordsee Sprung nach dem Norden Die Luftwaffe im Westfeldzug Luftwaffe gegen britische Insel Luftkrieg über dem Mittelmeer und Nordafrika Die Luftwaffe im Balkanfeldzug Die Eroberung Kretas Rückblik und Ausblick Die Waffen des Kriegsflugzeuges - Bordwaffen Starre Bordwaffen Bewegliche Bordwaffen Anordnung der Bordwaffen Abwurfwaffen Bomben Flugzeugtorpedos Die Waffen der Flakartillerie Schwere Flakgeschütze Leichte Flakgeshütze Richtungshörer Scheinwerfer Luftsperrmittel Auf einem Feldflugplatz Abzeichen Tafel der Uniformen und Abzeichen Luftwaffenwimpel Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg Der Weltkrieg gab der Entwicklung des Flugwesens einen .gewalti- gen Auftrieb. Die unter dem Zwang der Kriegsnotwendigkeit er- zielten Fortschritte hätten in Friedenszeiten eine wesentlich längere Zeitspanne erfordert. Der Zeitpunkt des Kriegsbeginns war für die deutsche Fliegerei in verschiedener Hinsicht ungünstig. Das deutsche Militärflugwesen war noch zu jung. Man war zudem gerade im Begriff, sich ent- sprechend den Erfahrungen bei den letzten Wettbewerben von den „lauben‘ auf Doppeldecker umzustellen. Vor allem aber war sowohl die Zahl der vorhandenen Flugzeuge wie die Zahl der ausgebildeten Flugzeugführer und -beobachter ungenügend. Etwa 300 deutschen Flugzeugen standen rund 1200 feindliche Flugzeuge gegenüber. Der Weg der technischen Entwicklung führte zunächst von den Eindeckern mit dreißigpferdigen Motoren zu Tauben und Doppel- deckern mit Motoren von 80 und sogar 100 PS. Solche Flugzeuge wurden in den ersten Kriegsmonaten verwendet. Ihnen folgten nach und nach Kriegsflugzeuge mit Motorenstärken von 120, 150, 180, 220 PS bis zu den mehrmotorigen Riesenflugzeugen mit einer Motorenleistung von 1800 PS. Die Bewaffnung der Flugzeuge bestand zunächst aus einer Pistole, die wohl nur zum persönlichen Schutz bei Landung in fremdem Gebiet bestimmt war. Die nächste Stufe der Bewaffnung stellte der außenbords angeschnallte Mehrladekarabiner mit einem Magazin für fünfundzwanzig Schuß dar. Darauf folgte das auf einem Dreh- kranz angebrachte Maschinengewehr für den Beobachter. Dazu kam ‘dann das durch den Kreis der Luftschraube schießende, starr ein- gebaute Maschinengewehr des Flugzeugführers. Schließlich hatten die Jagdflugzeuge zwei oder drei starr eingebaute Maschinengewehre. Groß- und Riesenflugzeuge hatten bis zu sechs bewegliche Maschi- nengewehre. Bei Marineflugzeugen wurde z. T. eine Flugzeugkanone 6 Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg (Kaliber 2 cm) an Stelle desBeobachter-Maschinengewehrs verwendet. Die Entwicklung der Abwurfmunition war nicht minder umwälzend. Neben Fliegerpfeileri dienten „Fliegermäuschen‘ zur Bekämpfung von Truppenansammlungen. Diese „‚Kleinstbomben“ waren Hand- granaten von etwa 800 Gramm Gewicht. Sie wurden in Mengen Aufklärungsflugzeug Aviatik C M/1915 abgeworfen. Ferner wurden Sprengbomben von 5, 10, 20 und 50 Kilogramm verwendet. Sie wurden teils mit, teils ohne Zielfernrohre abgeworfen. Von 1916 ab wurden die bisherigen tropfenförmigen Bomben abgelöst durch wirkungsvollere Bomben in Torpedoform, mit Gewichten von 12!/e, 50, 100, 300 und 1000 Kilogramm. Außerdem wurden Brandbomben verwendet. Jagdeinsitzer Fokker D VII Das Lichtbildwesen hatte bereits vor dem Kriege durch den Frei-. ballonsport und durch Verwendung in Luftschiffen Anregungen er- halten und Erfahrungen sammeln können. So wurde bei Kriegs- anfang jede Feldfliegerabteilung mit zwei Bildgeräten von 25 cm Brennweite ausgerüstet. Doch taten Karte und Bleistift zunächst Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg 7 bessere Dienste wegen der schnelleren Übermittlung der Erkun- dungsergebnisse. Erst der Beginn des Stellungskrieges verschaffte dem Luftbildwesen die ihm gebührende Beachtung. Von nun an wurden neben den bisherigen Geräten auch Kammern mit größerer . Brennweite und mit größeren Platten verwendet. Die Auswertung Jagdeinsitzer Fokker Dr ] der Lichtbilder machte Fortschritte. Es gelang, die feindlichen Stel- lungen so genau festzulegen, daß eine planmäßige Bekämpfung durchgeführt werden konnte. Durch den Austausch von Führer- und Beobachtersitz (der Beobachter saß ursprünglich vor dem Flug- zeugführer) wurde es nicht nur möglich, Kammern mit größeren Seejagdeinsitzer Hansa-Brandenburg Brennweiten zu verwenden, sondern auch sie senkrecht einzubauen. Damit fiel das bisher notwendige ‚„Entzerren‘‘ der Aufnahmen fort. Die Bilder konnten zu „Luftbildkarten‘‘ zusammengestellt werden, die der Artillerie, der Infanterie und nicht zuletzt der Führung gute Dienste leisteten. Nach und nach wurden Bildgeräte von 25, 30, 8 Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg 50, 70 Zentimeter Brennweite, ferner Plattenreihenbildner und schließlich die Rollfilmkammer eingeführt. j Die anfänglichen Aufgaben der Flieger bestanden lediglich in der Erkundung und Aufklärung. Die Fliegermeldungen haben während des Bewegungskrieges im Osten und Westen der Truppenführung Großkampfflugzeug Gotha G V wertvolle Unterlagen für ihre Entschlüsse geliefert. So sagte Hin- denburg: „Ohne Flieger kein Tannenberg!‘“ Der Stellungskrieg brachte neue Aufgaben, so z.B. Artillerieschießen mit Fliegerbeob- Infanterie- und Schlachtflugzeug Halberstadt CLIV achtung. Zur Übermittlung der Beobachtungsergebnisse stand zu- nächst nur die Leuchtpistole zur Verfügung. Damit wurde die Lage der Schüsse zum Ziel durch verschiedenfarbige Leuchtzeichen vom Flugzeug zum Boden gemeldet. Dann erschienen die ersten Funk- geräte für Flugzeuge an der Front. Sie gaben die Möglichkeit ge- nauerer Nachrichtenübermittlung vom Flugzeug zum Boden, wäh- Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg 9 rend für Nachrichten von unten nach oben Sichtzeichen mit Hilfe von Tüchern ausgelegt wurden. Schließlich wurde im letzten Teil des Krieges der Funkwechselverkehr eingeführt. Das Flugzeug hatte an Bord. nur einen Sender, sondern jetzt auch einen Empfänger an Bor Schlachtflugzeug Junkers-Fokker J1 Das nächste Betätigungsfeld der Flieger war der Bombenwurf. Die Erfahrungen mit den Bombenwürfen bei Aufklärungsflügen führten zur Bildung eines ersten Kampfverbandes. Er erhielt die Tarn- SL ES \ 2 rn SUN Aufklärungsboot Friedrichshafen Rs II bezeichnung B.A.O., d.h. Brieftauben-Abteilung Ostende. Kurze Zeit danach folgte die Aufstellung der: B.A.M., der Brieftauben- Abteilung Metz. * Aus den Bombenangriffen der feindlichen Kampfflieger erwuchs die Notwendigkeit ihrer Bekämpfung. Die Erdabwehr durch Geschütze‘ versagte zunächst wegen deren geringer Zahl. Die Maschinen- Luftwaffenfibel 2 10 Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg gewehre aber waren bei größeren Flughöhen wirkungslos. Es ent- standen die Jagdflugzeuge. Sie wurden vorerst einzelnen Flieger- abteilungen an Brennpunkten des Kampfes zugeteilt. Mit diesen Einsitzern errangen Boelcke und Immelmann ihre ersten Lußisiege. Die Entwicklung führte zur Bildung von Jagdstaffeln und später zur - Zusammenfassung in Jagdgeschwadern. Erst die Durchführung eines großzügigen Aufbauplanes konnte die Fliegertruppe in die Lage versetzen, die gesteigerten Anforderun- gen der Führung und der schwer ringenden Erdtruppe zu erfüllen. Durch planmäßigen Einsatz der Industrie, durch Serienbau der nach ihrer taktischen Verwendung verschiedenen Flugzeugarten, durch Vermehrung der Fliegerschulen wurde das vom Feldflugchef gesteckte Ziel erreicht. Ende 1915 standen 82 Feldfliegerabteilungen, 14 Artilleriefliegerabteilungen und 6 Kampfgeschwader (Bomben- verbände) mit insgesamt 764 Flugzeugen und 40 Jagdeinsitzern zur Verfügung. Außerdem wurden die Verbündeten (Österreich-Ungarn, Türkei) mit Flugzeugen versorgt. Die Schlachten bei Verdun und an der Somme waren Prüfungen, welche die erstarkte Fliegertruppe in harten und verlustreichen Kämpfen siegreich bestand. Die Kämpfe der Jahre 1917 und 1918 brachten den Luftstreit- kräften gewaltige Erfolge, aber. auch die größten Verluste. Fern- aufklärer, ausgerüstet mit neuen, schnellen Flugzeugen, mit ver- vollkommneten Bild- und Funkgeräten, führten in großen Höhen bis zu 7000 Meter im Einzelflug ihre Aufträge durch. Die Tätigkeit der Artillerieflieger war für die Überwachung der gegnerischen Artillerietätigkeit und für deren Bekämpfung nicht mehr zu ent- behren. Feindliche Erdabwehr und Luftkämpfe konnten die Durch- führung der Aufgaben wohl vorübergehend hemmen, niemals auf die Dauer verhindern. Der vom Kämpfer im Schützengraben am meisten geschätzte Helfer war der Infanterieflieger. Wenn alle anderen Nachrichtenmittel ver- ‚sagten, brachte der in geringer Höhe fliegende Infanterieflieger Mel- dung über die Lage der vorderen Linie. Bei drohendem Feind- angriff forderte er zu dessen Abwehr Sperr- oder Vernichtungs- feuer der Artillerie an. Durch heftige feindliche Erdabwehr und Geschoßböen hindurch versorgte der Infanterieflieger die Truppe aber auch mit Munition und Lebensmitteln. Die Schlachtflieger (Zweisitzer) begleiteten als Schutzflugzeuge die Artillerie- und Infanterieflieger. Schlachtstaffeln griffen im Tief- Die deutschen Luftstreitkräfte im Weltkrieg 11 angriff in den Erdkampf ein. In der Erkenntnis ihrer Wirkung wurden je vier Staffeln zu einem Schlachtgeschwader zusammen- gefaßt. Diese Schlachtgeschwader wurden als fliegende Reserve den Armeeoberkommandos unterstellt, um an Brennpunkten kampf- entscheidend eingesetzt zu werden. . Die Kampfflieger bildeten Geschwader zu drei oder sechs Staffeln. Sie führten ihre Bombenangriffe bei Tag und Nacht durch bis weit ins feindliche Hinterland. London und Paris hat immer wieder der Besuch der Kampfgeschwader gegolten, neben vielen anderen mili- tärisch wichtigen Zielen. Über und zwischen allen anderen Fliegern aber war das Gebiet der Jagdflieger. Obwohl sie fast an allen Fronten auf eine zahlen- mäßige Übermacht der Gegner trafen, haben sie unter Führern wie Richthofen durch rücksichtslosen Einsatz die Herrschaft in der Luft immer wieder erkämpft. Diese Aufzählung wäre unvollständig, wollte man nicht des stillen Heldentums der Seeflieger gedenken. Sie versahen auf Flügen weit über See einzeln oder zu zweien durch all die Kriegsjahre den Vor- postendienst für die Flotte. Deutsche Flieger im Osten wie im Westen, in Finnland wie über England, in Italien wie auf dem Balkan, am Suezkanal und am Euphrat, über Nord- und Ostsee wie über fernen Meeren taten ihre Pflicht bis zum bitteren Ende. Die große Zahl der Opfer ist ein Beweis für ihren Einsatz. Die Fliegertruppe verlor an Toten, Verwundeten und Vermißten bis zum Kriegsende etwa 9000 von insgesamt 17000 im Flugdienst ausgebildeten Offizieren, Unter- offizieren und Mannschaften. Die Leistung der deutschen Luftstreitkräfte aber und die Achtung, die ihr die Gegner zollen mußten, belegt am eindringlichsten das Schanddiktat von Versailles. Darin wurde Deutschland die voll- ständige Vernichtung der gesamten Luftrüstung auferlegt und jede ‘ militärische Betätigung verboten. Auf Befehl des Feindes mußten rund 15 000 Flugzeuge, 27000 Motoren, 16 Luftschiffe abgeliefert oder vernichtet. werden. 37 Luftschiffhallen mußten zerstört, sämt- liche Flugplätze umgepflügt werden. Nur eins hatten die haß- und offenbar immer noch angsterfüllten Urheber des Versailler Vertrages mit ihrem Vernichtungswillen nicht erfaßt und auch nicht erfassen können: den Geist eines Boelcke, den Geist eines Richthofen, den alten deutschen Fliegergeist. 2° 12 Die Notzeit der deutschen Luftfahrt 28. Juni 1919: Diktat von Versailles: Artikel 198: Deutschland darf Luftstreitkräfte weder zu Lande noch zu Wasser als Teil seines ‚Heereswesens unterhalten. Artikel 201: Deutschland ist die Herstellung oder Einfuhr von Luftfahrzeugen für sechs Monate verboten. Artikel 202: Das gesamte militärische Luftfahr- zeuggerät Deutschlands ist binnen drei Monaten abzuliefern. Artikel 210: Es wird eine Interalliierte Luftfahrt- Überwachungskommission („„Schnüffelkommis- sion‘) eingesetzt. Artikel 313—320: Beschränkung der deutschen Lufthoheit. 10. Januar 1920: Das Diktat von Versailles tritt in Kraft. 22. Juni 1920: 29. Januar 1921: Ehe die im Versailler Diktat festgesetzte Sperr- frist abläuft, fällt die Botschafterkonferenz in Boulogne eine willkürliche Entscheidung. Danach beginnt die Sperrfrist erst zu laufen drei Monate nach der Ablieferung des gesamten. deutschen Luftfahrtgeräts. Das bedeutet eine Hinauszöge- rung auf unbestimmte Zeit. Deutsche Einsprüche nützen nichts. Der „Oberste Rat‘ zwingt Deutschland, die Ent- scheidung der Boulogner Konferenz anzuerken- “nen. Das Ziel ist die Knebelung der zivilen deut- schen Luftfahrt. Es wird Deutschland verboten, Polizeiflugzeuge zu halten. 14. April 1922: 5. Mai 1922: 24. Juni 1924: 22. Mai 1926: Die Notzeit der deutschen Luftfahrt 13 Die Botschafterkonferenz übermittelt Deutsch- land die „Begriffsbestimmungen“. Darin werden Deutschland ‚bewaffnete oder irgendwie gepan- zerte Flugzeuge“ verboten. Für deutsche Flug- zeuge werden beschränkt: die Steigfähigkeit, die Geschwindigkeit, der Flugbereich, die Nutzlast. Ein Überwachungsverfahren für deutsche Fabri- ken, Flugzeuge, Flugzeugführer, Flugschüler usw. wird eingeführt. Die „Interalliierte Luftfahrt-Überwachungskom- mission‘ wird aufgelöst und — ersetzt durch das „Luftfahrt-Garantie-Komitee‘‘. Das ist eine Änderung des Namens zum Zwecke neuer Schi- kanen und neuer Schnüffeleien. Die Botschafterkonferenz gleicht die „Begriffs- bestimmungen‘‘ dem technischen Fortschritt an. Aus der Sprache der ‚‚Interalliierten‘ ins Deutsche übersetzt, heißt das: weitere Erschwerung der deutschen Luftfahrt. Denn die Zahlen der Flug- zeuge, Motoren, Flugzeugführer, Flugschüler usw. für den Bedarf der zivilen deutschen Luftfahrt werden erneut begrenzt. Die Pariser Luftfahrtvereinbarungen bringen die Aufhebung der Baubeschränkungen für Luftfahr- zeuge. Jedoch bleibt die geldliche Unterstützung des deutschen Flugsports aus öffentlichen Mitteln verboten. Ebenso wird das Verbot der deutschen Militärluftfahrt’ aufrechterhalten. Das Versailler Diktat und die Pariser Luftfahrtvereinbarungen blei- ben „Oberstes Gesetz‘‘ — bis zum 30. Januar 1933. 14 Die neue Luftwaffe Der Geburtstag der neuen deutschen Luftwaffe ist der 1. März 1935. Mit Rücksicht auf die damalige außenpolitische Lage trat dieses Ereignis in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung. Staaten mit starker Rüstung hatten neue Pläne für eine weitere Aufrüstung bekanntgegeben. Militärbündnisse waren entstanden. Frankreich führte die zweijährige Dienstzeit ein. So war es eine Selbstver- ständlichkeit, daß Deutschland die ihm so lange vorenthaltene Gleichberehtigung in der Luft sich selbst wieder verschaffte. „Die Luftwaffe ist als neuer Wehrmachtteil geschaffen. Sie knüpft an die ruhmreiche fliegerische Tradition des Weltkrieges. Hell leuchtet in ihr der Name des Rittmeisters Freiherrn von Richthofen und seines Jagdgeschwaders. Seinen Sieges- und Kampfeswillen hat als heiliges Vermächtnis der letzte Geschwaderkommandeur, der Reichsminister der Luftfahrt, General der Flieger Göring, durch Kampf und Not treu und unerschütterlich gehütet. Seine Tatkraft ließ im Rahmen der neuen Luftwaffe ein erstes Jagdgeschwader er- stehen. Diesem Jagdgeschwader übertrage ich heute die Fortführung der Überlieferung des Jagdgeschwaders Richthofen und befehle hierzu: Das Jagdgeschwader führt fortan die Bezeichnung: Jagd- geschwader Richthofen.‘‘ — Erlaß des Führers und Obersten Be- fehlshabers der Wehrmacht vom 14. März 1935. Andere Geschwader erhielten Namen wie Boelcke und Immelmann als ein äußeres Zeichen für ruhmreiche Vergangenheit und stolze Überlieferung. Dem Geschwader, das aus den Sammlungen der SA. erstand, wurde der Name Horst Wessel verliehen. Ein Sinnbild für den Geist der neuen Luftwaffe, der Frontsoldatentum und Natio- nalsozialismus in sich vereinigt. Die deutsche Luftwaffe umschließt alles, was zur Verteidigung des deutschen Luftraumes notwendig ist. So traten zur Fliegertruppe als weitere Waffengattungen die Flakartillerie und die Luftnachrich- tentruppe. In der Gewißheit dieses Schutzes konnte der Führer im - März 1936 die Sicherung der deutschen Westgrenze durch Auf- hebung der entmilitarisierten Zone verkünden. Deutsche Jagd- staffeln überflogen den Rhein, um sich auf ihren neuen Horsten niederzulassen. Flakartillerie rückte mit Verbänden des Heeres in neue Standorte auf dem linken Rheinufer ein. Aufbauund Aufgaben der Luftwaffe 15 In aller Stille wurde gehandelt. Der Aufbau und Ausbau der Luft- waffe wurde fortgesetzt. Die Allgemeinheit erfuhr davon nur wenig. Die Erfolge, die der Staatsführung des Dritten Reiches beschieden waren, sind in ihrem ganzen Umfang und erst recht in ihren Aus- wirkungen heute noch nicht zu übersehen. Klar vor aller Augen aber liegt die Tatsache, daß die erfolgreiche deutsche Politik der vergangenen Jahre nicht möglich war ohne den zielbewußten Auf- bau und Einsatz der Wehrmacht durch den Führer. Im Rahmen der Wehrmacht aber hat die Luftwaffe, die eigenste Schöpfung des Reichsmarschalls Hermann Göring, eine entscheidende Rolle gespielt. Am Kampf um die Freiheit des Großdeutschen Reiches hatte die Luftwaffe entscheidenden Anteil. Die Wiedervereinigung der Ost- mark mit dem Reich, die Befreiung des Sudetenlandes, die Errich- tung des Protektorates Böhmen und Mähren, die Heimkehr des Memellandes sind Meilensteine auf diesem Wege. Die Luftwaffe bewies hierbei nicht nur ihre Daseinsberechtigung, sondern auch ihren hohen Leistungsstand und ihre Einsatzbereitschaft. Voller Stolz empfing in den letzten Maitagen des Jahres 1939 das deutsche Volk die aus Spanien zurückkehrenden Freiwilligen der Legion Condor. In den 32 Monaten des Krieges in Spanien haben deutsche Soldaten unvergeßlichen Waffenruhm geerntet und der Welt bewiesen, daß die junge deutsche Wehrmacht jedem Gegner gewachsen ist. Flieger, Kanoniere der Flakartillerie und Funker der Luftnachrichtentruppe kämpften zusammen mit Kameraden des Heeres und der Kriegsmarine fern der Heimat. Die Empfindungen der spanischen Nation brachte General Kindelan, der Befehlshaber der spanischen Luftwaffe, zum Ausdruck, als er sagte: „Es wäre ungerecht, wenn wir auch nur einen Augenblick bei der Erinnerung an harte Zeiten und glücklich überwundene Schwierigkeiten den unendlichen Dank vergessen würden, den wir unseren Verbündeten schulden für den Beitrag ihrer unübertrefflichen Technik und ihres beispiellosen Arbeits- und Opfergeistes. Gott schenkte uns die besten Flieger der Welt als Helfer. In hundert Kämpfen standen wir zusammen. Sie wichen keiner Gefahr, noch scheuten sie ein Opfer.“ Aufbau und Aufgaben der Luftwaffe. Die Luftwaffe bildet zusammen mit dem Heer und der Kriegsmarine die deutsche Wehrmacht. Dessen ungeachtet werden Teile der Luft- waffe für Kriegsdauer oder für gewisse Zeitabschnitte und Zwecke 16 Die neue Luftwaffe den Oberkommandos des Heeres oder der Kriegsmarine zur Ver- fügung gestellt. Hierbei handelt es sich in erster Linie um Auf- klärungsverbände. Aber auch Einheiten der Flakartillerie und der Luftnachrichtentruppe können bei den anderen Wehrmachtteilen eingesetzt werden. Die Masse der Fliegertruppe, der Flakartillerie und der Luftnachrichtentruppe jedoch bildet die sogenannte opera- tive Luftwaffe. Sie dient der selbständigen Führung des Luftkrieges ‚im Rahmen der Gesamtkriegführung. Das Reichsluftfahrtministerium ist die oberste Verwaltungsbehörde ‘ der Luftfahrt, und im Frieden auch die oberste Kommandobehörde der Luftwaffe. Während des Krieges besteht eine Sonderorgani- sation für die oberste Kommandobehörde der Luftwaffe außerhalb des Reichsluftfahrtministeriums. Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe ist Reichsmarschall Hermann Göring. Dem Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luft- waffe unmittelbar unterstellt sind die Luftflottenkommandos. Sie vereinigen in sich die Befehlsgewalt über Fliegerkorps, Flakkorps und Luftgaukommandos, also über Luftangriff, Luftverteidigung und Bodenorganisation. Taktische Einheiten der fliegenden Verbände sind die Staffel mit etwa 9, die Gruppe mit etwa 30 Flugzeugen, während mehrere Gruppen zu einem Geschwader, das einem Regimentsverband ent- spricht, zusammengefaßt werden. Alle diese Einheiten sind im all- gemeinen nur aus Flugzeugen einer Waffengattung, also Stukas, Jägern usw., zusammengesetzt. Die in den OKW-Berichten immer wieder genannten Flieger- und Flakkorps sind Einheiten der höhe- ren Führung, die sich aus Verbänden der verschiedenen Waffenarten zusammensetzen und einem Kommandierenden General unterstehen. Neben den Fliegerkorps und Flakkorps bestehen im Reichs- und im besetzten Gebiet, gleichfalls unter dem Befehl von Komman- dierenden Generalen, die Luftgaukommandos. Ihnen sind die ge- samte Luftverteidigung, die Bodenorganisation, das Nachschub- wesen und die Ausbildungs- und Ersatzeinheiten ihres Befehls- bereichs unterstellt. Ebenso wie Heer und Kriegsmarine ist auch die Luftwaffe in ver- schiedene Waffengattungen gegliedert, und zwar in die Flieger- truppe, die Flakartillerie, die Luftnachrichtentruppe und - als jüngste Sondereinheiten - die Fallschirmtruppen, die Division „Hermann | Göring‘ und die Bautruppen. Die Waffengattungen unterscheiden Fliegertruppe 17 sich durch die verschiedenen Waffenfarben. Innerhalb der Waffen- gattungen gibt es verschiedene Waffenarten,*die jetzt im einzelnen behandelt werden sollen. Fliegertruppe. Die Aufklärung wird von den Nah- und Fernaufklärern durch- geführt, wobei die Nahaufklärer im allgemeinen für Zwecke. des Heeres eingesetzt werden. Verhältnismäßig kleine, wendige Flug- zeuge mit kurzen Lande- und Startstrecken erkunden die ihnen zu- gewiesenen Geländestreifen entweder mit dem Auge oder mit Handbildkammern aus niedrigen oder mittleren Höhen. Ihrer Be- zeichnung entsprechend haben die Nahaufklärungsflugzeuge die Aufgabe der sogenannten Gefechtsaufklärung und der taktischen Erkundung im Kampfgebiet und dessen unmittelbarem Hinterland. In gewissem Sinne kann man hier auch die auf größeren Kriegs- * schiffen eingesetzten Bordflugzeuge nennen, die von den Schiffen abgeschleudert, nach Rückkehr neben dem Schiff auf dem Wasser niedergehen und mit Kranen wieder an Bord genommen werden. Auf dem Lande werden als Nahaufklärer die Hochdecker wie Hs 126, über See die He 114 zur Küstenüberwachung, an Bord der Schiffe die Schwimmerflugzeuge Ar 196 verwendet. Die Besatzung der Nahaufklärer besteht aus zwei Mann: einem Beobachter als Kommandanten und einem Flugzeugführer. Der Beobachter be- dient die Handbildkammer oder das eingebaute Bildgerät und das drehbare MG., der Flugzeugführer etwaige starre Waffen. Selbst- verständlich müssen die Beobachter mit den taktischen Belangen des Heeres bzw. der Kriegsmarine besonders gut vertraut sein, um ihre Aufgabe in deren Diensten erfüllen zu können. Meldungen über Aufklärungsergebnisse können vorweg auch durch Funk oder durch den Melde-Abwurf abgesetzt werden. Mit Funk arbeiten auch die als Artillerie-Beobachter verwendeten Aufklärer. Die Fernaufklärung ist im Laufe des Krieges zu größter Bedeutung angewachsen. Sie beschafft Unterlagen für die höchste Führung nicht nur der Luftwaffe, sondern auch des Heeres, der Kriegsmarine und der gesamten Wehrmacht. Für die Fernaufklärung, insbesondere für die bewaffnete Aufklärung, werden verschiedene Flugzeug- muster eingesetzt. Bekannt ist das Mehrzwecke-Flugzeug Do 17, der sogenannte „Fliegende Bleistift“, und sein Nachfolger, die Do 215. Doch gelangen auch die He 111 und die Ju 88 als bewaff- Luftwaffenfibel 3 18 Die neue Luftwaffe nete Aufklärer zum Einsatz, während das viermotorige Muster Fw 200 der bewaffneten Aufklärung über dem Atlantik dient. Über See werden auch die Muster Do 18 und Do 26 verwendet. Die Arbeit der Fernaufklärer ist angesichts der großen Räume, über die sich ihr Tätigkeitsfeld erstreckt, eine besonders schwierige. Die Erfüllung ihrer Aufgabe verlangt von der Besatzung gute Navi- gation und Blindflugausbildung, um mit Sicherheit an das zu er- kundende Ziel heranzukommen. Taktisch geschulter Blick, um unterwegs unvermutet auftauchende Ziele in ihrer Bedeutung zu erkennen und richtig anzusprechen ist ebenso notwendig wie gute Funkausbildung, um gegebenenfalls eigene Kampfverbände schnell heranzubringen. Gute Ausbildung am Bildgerät erfordert das wie ein Filmaufnahmeapparat arbeitende Reihenbildgerät. Völlige Be- herrschung des Flugzeuges und seiner Abwehrwaffen bei Angriffen durch feindliche Jäger ist eine selbstverständliche Voraussetzung. Endlih muß der Aufklärer, der seinen Auftrag fast immer im Alleinflug durchführt, die Kaltblütigkeit besitzen, sich durch keinen Zwischenfall von seiner Aufgabe abbringen zu lassen. Für die Aufklärung gilt der Satz, daß sie das Auge der Führung ist, die ohne sie blind wäre. Die Kampfflugzeuge müssen ebenso wie die Fernaufklärer eine möglichst große Reichweite, möglichst große Geschwindigkeit, Tragfähigkeit und Gipfelhöhe haben. Da die Tragfähigkeit zwischen Brennstoff und Bombenlast aufgeteilt werden muß, gibt die Ver- . wendung von Zusatztanks und vielen Bombenaufhängevorrichtun- gen einen Spielraum, der es gestattet, einmal die Bombenlast zu- gunsten der Brennstoffmengen zu kürzen, das andere Mal um- gekehrt zu verfahren. Dieser Umstand macht es erklärlich, daß vielfach die gleichen Flugzeugmuster zur Fernaufklärung und zum Bombenangriff verwendet werden. Da Führung, Ausbildung und Nachschub erleichtert werden, wenn die Anzahl der verwendeten Flugzeugmuster gering ist, wird von den oben angedeuteten Mög- lichkeiten weitgehend Gebrauch gemacht. Voraussetzung hierzu ist eine wohldurchdachte Konstruktion, die das Wechseln zwischen Brennstoff und Bomben erleichtert. Die Besatzung eines Kampf- flugzeuges und eines Fernaufklärers zählt drei bis fünf Mann; bei den viermotorigen steigt sie bis auf sieben Mann. Die Aufgaben der Besatzung sind: Kommandant,. Flugzeugführer, Bordfunker, Bordmechaniker, Bombenschütze. Die geringere Wendigkeit der schweren Kampfflugzeuge, die durch die große Tragfähigkeit be- Fliegertruppe 19 dingt ist, erschwert die Verteidigung gegen einen Jagdangriff. Derartige Flugzeuge haben deshalb Waffen, die den gesamten Raum rings um das Flugzeug beherrschen. Die Waffen sind in einer Bodenlafette, in einem Rumpf- oder Heckgefechtsstand und in der - Kanzel beweglich angebracht. Darüber hinaus können weitere starre Waffen eingebaut sein. Kampfflugzeuge führen im allgemei- ‚nen den Anflug gegen ein Ziel, meist auch den Abflug, in ge- schlossenem Verband, in der Staffel zu etwa 9 Flugzeugen oder der Gruppe zu etwa 2—3 Staffeln durch. Hierbei ist die Flugform so gewählt, daß sich die Flugzeuge bei der Abwehr feindlicher Jäger unterstützen können. Doch hat gerade der Luftkrieg gegen England auch erfolgreiche Einzelangriffe deutscher Kampfflugzeuge gebracht. Die bekanntesten deutschen Kampfflugzeugmuster sind die He 111, ferner die Ju 88 und die schon genannten Do 17 und Do 215. Flug- zeuge über See können statt Bomben auch Torpedos zum Angriff gegen Schiffsziele tragen. Wichtigstes Gerät eines Kampfflugzeuges ist neben der Blindflugeinrichtung das Bombenabwurfgerät bzw. das Bombenvisier. Die Zielvorrichtung berücksichtigt die eigene Flughöhe und Fluggeschwindigkeit (somit die Fallzeit und den -Vorhaltewinkel für den Abwurf). Derartige Geräte müssen äußerst genau arbeiten und einfach zu bedienen sein. Das gleiche gilt für die Blindfluggeräte. Bekannt ist, daß die deutsche Luftwaffe neben überaus wirksamen, ganz leichten Brandbomben von etwa Ikg Gewidft und gegen Truppenziele verwendeten etwa 10 kg schweren Splitterbomben mit rasanter Wirkung über Bomben schwersten Kalibers verfügt. Derartige schwerste Bomben werden auch von Sturzkampfflug- zeugen gegen sogenannte Punktziele verwendet. Die deutschen Stukas haben sich Weltruf erworben. Ihre Angriffe auf Schiffe aller Art, auf Befestigungen, Brücken, Wasser-, Gas- und Elektrizitäts- werke, Bahnhöfe usw. haben beim Gegner unendlichen materiellen Schaden angerichtet. Die deutschen Stuka- Angriffe haben den Durchbruch im Westen gemeinsam mit den Panzern erzwungen und den Blitzkrieg ermöglicht. Der Rückzug der stärksten Seemacht der Erde aus dem Wirkungsbereich der deutschen Bombenangriffe begann bei den Shetland-Inseln, wiederholte sich vor Namsos, An- dalsnes und Narvik und findet heute seine Fortsetzung im Mittel- meer. Neben die alterprobte Ju 87 trat die Ju 88, gleich geeigriet für den Bombenangriff aus dem Horizontal- wie aus dem Sturz- flug. Das Auslösen der Bombe in geringer Höhe über dem. Ziel gr + 20 Die neue Luftwaffe und das Abfangen des Flugzeugs aus dem Sturz bedeuten eine ge- waltige Beanspruchung des Materials und der Besatzung. Es ist bis heute noch keiner Macht gelungen, den deutschen Stukas Gleich- wertiges entgegenzusetzen. Träger des Luftkampfes „Mann gegen Mann“ sind die Jagdver- bände. Überaus schnell, schneller als die Kampfflugzeuge, vor allem kleiner, daher wendiger, aber mit stärkster Bewaffnung, haben die Jagdflugzeuge sowohl beim Schutz von Kampfverbänden als auch bei freier Jagd über Feindesland und im Abwehrkampf über dem eigenen Gebiet große Erfolge erzielt. Neben das ein- motorige einsitzige Jagdflugzeug ist der etwas schwerere und stär- ker bewaffnete zweimotorige und zweisitzige Zerstörer getreten. Me 109, He 112, Me 110 sind die bekanntesten Baumuster. Oft haben diese Flugzeuge mit ihrer überaus starken Bewaffnung von MG. und Kanonen auc in den Erdkampf eingriffen. Die Waffen: sind in den Flügeln, im Motorengehäuse oder in der Luftschrauben- welle angebracht und werden mit einem einfachen Druck auf einen Knopf zum Feuern gebracht, wobei mit dem ganzen Flugzeug ge- zielt wird. Die Nachtjagd ist das jüngste Betätigungsfeld dieser Waffe. Außerhalb der eigentlichen Waffenarten stehen die Trans- porteinheiten. In Norwegen haben Transportflugzeuge den Kämpfern von Narvik erst das Durchhalten ermöglicht. Sie haben auch Fallschirm- und Luftlandetruppen auf die Flugplätze des riesigen, verkehrsarmen Landes, an wichtige strategische Punkte wie Dombas, herangebracht und überdies, ohne Rücksicht auf Wetter, einen ununterbrochenen Nachschub an Gerät, Brennstoff, Lebens- mitteln, Munition usw. aufrechterhalten. Sie brachten die Kämpfer nach der Festung Holland und Schwerverwundete in die Heimat. Fallschirmjäger wurden über der Landenge von Korinth abgesetzt. Nach Kreta trugen die Transportgeschwader Fallschirmjäger, Luft- landetruppen und Nachschub. Flakartillerie. Die Flakartillerie ist die Trägerin der Luftverteidigung. Die leichten Einheiten sind mit Maschinenkanonen von einem Kaliber bis zu 4cm ausgerüstet, die in Batterien und Abteilungen zusammen- gefaßt sind. Die leichte Flakartillerie, die eine große Feuergeschwin- digkeit hat, dient zur Abwehr von Sturz- und Tiefangriffen. Sie wird nahe an dem zu schützenden Objekt eingesetzt, während die Flakartillerie - Luftnachrichtentruppe | 21 schwere Flakartillerie in weiterem Umkreis um die zu schützenden Gebiete aufgestellt wird. Diese Tatsache erklärt sich aus dem Ver- lauf der Kurve, die eine aus einem hochfliegenden Flugzeug ab- geworfene Bombe durchmißt. Infolge der Eigengeschwindigkeit des Flugzeuges, die sich der Bombe mitteilt, fällt sie nicht senkrecht, sondern - ähnlich wie ein Geschoß - in einer Parabel zur Erde. Die waagerechte Entfernung des Aufschlagpunktes der Bombe vom Ab-_ wurfpunkt beträgt bei größeren Abwurfhöhen mehrere Kilometer. Das Flugzeug muß deshalb vom Abwehrfeuer möglichst bereits vor dem Augenblick, in dem es die Bomben auslöst, gefaßt werden. Die Flakartillerie hat ihre Aufgabe weitgehend erfüllt, wenn sie den Gegner zwingt, seine Bomben entweder vorzeitig oder schlecht- gezielt abzuwerfen oder vor dem Ziel abzudrehen. Der deutschen Flakartillerie ist es nach den Berichten des Oberkommandos der Wehrmact in noc nicht einem Kriegsjahr gelungen, 1500 Feind- flugzeuge zum Absturz zu bringen. Der schweren Flakartillerie sind eigene Scheinwerferabteilungen bei- gegeben, die mit ihren Flakscheinwerfern und Horchgeräten dem Aufsuchen des Gegners bei Nacht dienen. Mehrere Geschütz- und Scheinwerferabteilungen werden in Regimenter zusammengefaßt. Außer in der Luftverteidigung wurde die Flakartillerie mit besonde- rem Erfolg im Erdkampf zur Vernichtung stark ausgebauter Be- festigungsanlagen und zur Panzerbekämpfung eingesetzt. Im Kampf mit feindlichen Panzern haben sie Seite an Seite mit den mechani- sierten Divisionen des deutschen Heeres Durhbruch um Durchbruch erzwungen. Luftnachrichtentruppe. Eine Besonderheit der deutschen Luftwaffe ist ihre Führungstruppe, die Luftnachrichtentruppe. Sie ist das Nervensystem, für die schnelle Übermittlung der Befehle und Nachrichten innerhalb der Luftwaffe . verantwortlich und durch ihre Ausbildung und ihr hervorragendes Gerät für den Krieg der schnellsten Waffe besonders geeignet. In ihren Reihen werden auch jene Nachrichtenmänner ausgebildet, die später zum fliegenden Personal übertreten. Entsprechend den ver- schiedenen Arten der Nachrichtenübermittlung gibt es Einheiten für den Fernsprech-, Fernschreib-, Funkdienst. Neben der Nachrich- . tenübermittlung obliegt dieser Truppe der gesamte Flugsicherungs- und Flugmeldedienst. Jeder Fliegerhorst hat einen Nachrichtenzug oder eine Nachrichtenkompanie, jedes Luftgaukommando und Luft- 22 u Die neue Luftwaffe flottenkommando Luftnachrichtenregimenter, die in Abteilungen gegliedert sind. Das Nachrichtennetz der Luftnachrichtentruppe erstreckt sich zum fernsten Feldflugplatz und Luftspäher, so daß den Einheiten jeder- zeit Befehle übermittelt und Meldungen von ihnen empfangen werden können, auch auf dem Marsch und während des Fluges. " . Motorisierte Funkstellen ergänzen das feste System. Ober- und unterirdische Kabel werden von Baukompanien verlegt, Funk- feuer- und Peilstellen, Wetterdienststellen sind auf alle wichtigen Punkte verteilt. Der Flugmeldedienst ist Tag und Nacht im ganzen Reich und allen besetzten Gebieten tätig und überwacht den ge- samten Flugverkehr von Freund und Feind. Seine Meldungen sind die Grundlage für die rechtzeitige Alarmierung bei Feindeinflügen. Die Fallschirmtruppe. Die Fallschirmtruppen der Luftwaffe, die in diesem Kriege zum ersten Male eingesetzt wurden, erhalten neben der Ausbil- dung im Absprung eine an die der Infanterie angelehnte, für ihre Sonderaufgaben bestimmte Ausbildung, bei der blitzschnelles Er- fassen der Lage und rücksichtsloses Anpacken des Gegners, Höchst- - leistung im Einzel- und Gruppenkampf im Vordergrund stehen. Die Panzer-Division „Hermann Göring“. Die Panzer-Division „Hermann Göring” ist eine voll motorisierte Sondereinheit und kann zu besonderen selbständigen Unternehmungen eingesetzt werden. Ihr Name wird immer mit den heldenhaften Kämpfen in Afrika verbunden sein. Eingestellt werden Freiwillige als: Panzergrenadiere, Panzerjäger, Panzerspäher, Panzerpioniere, Panzermänner, Panzer- fernsprecher, Panzerfunker, Panzersturmkanoniere, Kradschützen, Panzerartilleristen, Flakartilleristen und Nachrichtensoldaten. Die Baueinheiten. Die Baueinheiten der Luftwaffe haben zusammen mit dem Reichsarbeitsdienst in den besetzten Gebieten eine Bodenorgani- sation geschaffen, die so vielseitig und aufgelockert ist, daß der Führung weitgehende Berücksichtigung des Wetters und der Tar- nung gegenüber dem Gegner ermöglicht wird. Die Luftwaffe im Polenfeldzug 23 Die Luftwaffe im Polenfeldzug. Am 1. August 1939, dem Tage der Wiederkehr des Kriegsbeginns vor 25 Jahren, erließ der Oberbefehlshaber der Luftwaffe einen Tagesbefehl, der mit den folgenden Worten schloß: ‚Geboren aus dem Geiste der deutschen Flieger des großen Krieges, verschworen der Idee unseres Führers und Obersten Befehlshabers, - so steht heute die deutsche Luftwaffe, bereit, jeden Befehl des Führers blitz- schnell und mit ungeahnter Stoßkraft durchzuführen. Unser Geden- ken gilt heute dem Tage vor fünfundzwanzig Jahren, unser Blick ist vorausgerichtet in die Zukunft unseres ewigen Deutschlands.‘ Der durch England irregeleitete polnische Staat hat die in diesen Worten liegende Warnung ebensowenig ernst genommen, wie er sich über die Vorschläge der Reichsregierung glaubte hinwegsetzen zu können. So zog in den Herbsttagen des Jahres 1939 wie Heer und Kriegsmarine auch die Luftwaffe aus, um, dem Befehl des Führers folgend, das Reich vor den sich ständig mehrenden und verstärkenden Bedrohungen durch Polen zu schützen und dessen Angriffsabsichten zunichte zu machen. In dem nun folgenden Feld- zug der 18 Tage hat die Luftwaffe die in sie gesetzten Erwartungen bestens erfüllt. Aufklärer im Verbande des Heeres oder als „Späh- trupp‘‘ der Kampfgeschwader brachten von ihren Flügen, die sich oftmals bis an die Grenze der Sowjet-Union und über fünf Stunden und mehr ausdehnten, Meldungen von entscheidender Bedeutung. Kampfflieger und Sturzkampfflieger bewiesen ihre Schlagkraft. Jäger und Zerstörer erkämpften und hielten die Luftherrschaft. Transportstaffeln brachten Munition nach vorn, Verwundete in die Heimat. Flakartillerie wirkte sowohl gegen den Feind in der Luft als auch im Erdkampf. Die Männer der Luftnachrichtentruppe sorgten dafür, daß die Verbindungen über weite Strecken schnell hergestellt wurden und zuverlässig arbeiteten. Über den Einsatz der Luftwaffe sagte der Schlußbericht des OKW.: „Nach den Befehlen des Generalfeldmarschalls Göring (Chef des Generalstabes Generalmajor Jeschonnek) wurden zwei starke Luft- flotten unter den Generalen der Flieger Kesselring und Löhr ge- bildet und zur Führung des Luftkrieges gegen Polen eingesetzt. Diese beiden Luftflotten haben die polnische Fliegertruppe restlos zerschlagen, den Luftraum in Kürze beherrscht. In engster Zusam- - menarbeit mit dem Heere haben in ununterbrochenen Einsätzen Schlacht- und Sturzkampfflieger Bunkerstellungen, Batterien, Trup- 24 Die neue Luftwaffe penansammlungen, Marschbewegungen, Ausladungen usw. ange- griffen. Durch ihre Todesverachtung haben sie dem Heer unendlich viel Blut erspart und zum Gesamterfolg in höchstem Maße bei- getragen. Die Flakartillerie nahm den deutschen Luftraum unter ihren Schutz und wirkte besonders im Anfang des Feldzuges mit an der Vernichtung der polnischen Fliegertruppe. Im ganzen sind rund 800 Flugzeuge vernichtet oder vom Heere erbeutet, ein letz- ter Rest außer Landes geflüchtet und interniert.“ Nach Beendigung des Feldzuges in Polen richtete Generalfeldmar- schall Göring in einem Tagesbefehl vom 27. September 1939 an. die Soldaten der Luftwaffe Worte der Anerkennung für die Leistun- gen und zugleich als Richtschnur für dte Zukunft: „Als wir in diesen Krieg für Deutschlands Freiheit zogen, wußte ich, daß ich mich auf meine Luftwaffe verlassen konnte. Kame- raden, wie ich euch allen im Geiste ins Auge sah, als wir diesen uns aufgezwungenen Krieg begannen, um euch zu verpflichten, das Letzte für Volk und Vaterland zu geben, so drücke ich jedem von euch jetzt die Hand, als Oberbefehlshaber meinen Soldaten, als Kamerad meinen Kameraden. Nach deutscher Soldatenart binden wir jetzt nach errungenem Sieg den Helm fester. Welche Aufgaben uns auch erwachsen mögen, welche Befehle uns auch unser Führer und Oberster Befehlshaber gibt: ‚Vorwärts für unser ewiges Deutschland ‘“ Der Luftkrieg über der Nordsee. In den letzten Tagen des Monats August 1939 versicherte das britische Reich abermals und ausdrücklich, daß es den Polen „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ Hilfe leisten würde. Danach und nach dem Bündnisvertrag mit Polen mußte eigentlich erwartet werden, daß die in London sitzenden Urheber des Krieges ihrem polnischen Bundesgenossen in irgendeiner Form zu Hilfe kommen würden. Tatsächlich aber blieb jegliche Hilfe aus. Die Tätigkeit der britischen Luftwaffe im polnischen Schicksalsmonat September war so geringfügig, daß sie als Entlastung für den Bundesgenossen nicht gewertet werden kann. Die Briten begannen ihren Krieg mit dem versuchten Einflug eines Verbandes englischer Kampfflugzeuge am 4. September 1939. Diese etwa 20 bis 25 Flugzeuge machten den Versuch, Wilhelmshaven - und Cuxhaven sowie die in den Flußmündungen liegenden deut- Der Luftkrieg über der Nordsee 25 schen Kriegsschiffe anzugreifen. Durch Flakartillerie und Jäger wurde der Angriff auf Cuxhaven vereitelt, während die Wilhelms- haven zugedachten Bomben ins Wasser fielen. Die Hälfte der An- greifer wurde abgeschossen. In diesem völlig mißlungenen, dafür später aber in einem Film „The lion has wings‘‘ besonders groß aufgezogenen Unternehmen bestand die britische „Hilfe“ für Po- len. Denn bis zum Ablauf des achtzehntägigen Feldzuges in Polen machte England auch nicht den kleinsten Entlastungsversuch zu- gunsten seines polnischen Verbündeten. Die hin und wieder er- folgenden nächtlichen Einflüge einzelner Flugzeuge nach Nord- westdeutschland und die bei dieser Gelegenheit abgeworfenen Flug- blätter können schlechterdings nicht als eine Unterstützung der Polen in ihrem Kampf aufgefaßt werden. Das Ergebnis dieser Flüge und einer ziemlich geringfügigen Luftaufklärung der Briten über der Nordsee hatte immerhin das eine Ergebnis, daß die bmwitische Luftwaffe im September 1939 bereits 27 Flugzeuge im Luftkampf und durch Erdabwehr verlor. Die bis dahin von der deutschen Luftwaffe durchgeführte Über- wachung der Nordsee ist von den Engländern offenbar falsch be- urteilt worden. Sonst hätten sie es wohl bei aller ihnen eigenen Überheblichkeit unterlassen, starke Seestreitkräfte in die mittlere . Nordsee zu entsenden, um damit die britische Seeherrschaft in die- sem Raume unter Beweis zu stellen. Dieser Versuch der Engländer forderte zu dem nunmehr beginnenden Kampf der deutschen Luft- waffe gegen die englische Flotte heraus. Den Auftakt bildete gewissermaßen die Versenkung eines briti- schen Flugzeugträgers durch ein deutsches U-Boot und der bald danach erfolgreich durchgeführte Bombenangriff auf einen zweiten Flugzeuträger sowie die Beschädigung des Schlachtschiffes ‚‚Hood“ durch Bombentreffer deutscher Flieger. Es folgte der Bombenwurf auf einen englischen Kreuzer bei der Insel May. Dann griffen im Zusammenwirken mit Einheiten der Kriegsmarine unsere Flugzeuge feindliche Seestreitkräfte sowohl vor der norwegischen Westküste wie im nördlichen Teil der Nordsee an. Wenig später erschienen deutsche Kampfflugzeuge über der Bucht von Scapa Flow und brachten dem britischen Schlachtschiff „Iron Duke“ schwere Treffer bei. Überraschend erfolgte ein Luftangriff im Firth of Forth auf die Kreuzer „Southampton“ und ‚Edinburgh‘ sowie den Zerstörer „Mohawk“. Dagegen war der Versuch der Engländer, Wilhelms- haven und Cuxhaven mit Bomben zu belegen, ein vollkommener Luftwaffenfibel 4 26 Die neue Luftwaffe Fehlschlag. Von zwölf anfliegenden Flugzeugen wurden fünf ab- geschossen. Die durch diese Kampfhandlungen geschaffene Lage beleuchtet der amtliche Bericht vom 11. Oktober, in dem es zum Schluß heißt: „Die fortdauernden Maßnahmen der Kriegsmarine mit dem Ziel der Kontrolle des Handelsverkehrs durch die Nordsee und der Ver- hinderung der Banngutversciffung nach den Feindländern, der er- neute Vorstoß deutscher Luftstreitkräfte in die nördliche Nordsee haben bewiesen, daß die Nordsee ein Seegebiet ist, in dem die See- und Luftherrschaft in deutscher Hand liegen, und daß der Gegner in diesem Gebiet sich jederzeit schwersten Schlägen aussetzt. Weiter hat sich bestätigt, daß die Reichweite der deutschen Luftwaffe über die Nord- und Westgrenze Englands hinausgeht und der Feind im gesamten Gebiet der Nordsee gestellt werden kann, wo immer er sich zeigt. Daß darüber hinaus deutsche Flieger die englische Flotte in dem von ihr angeblich beherrschten Raum mit größtem Erfolg angreifen konnten - an einem Ort und zu einem Zeitpunkt, den die Deutschen bestimmten -, hat vor aller Welt offenbart, daß die Zeit der unbeschränkten britischen Seeherrschaft in der Nordsee ein für allemal vorüber ist.‘ Diesen eindeutigen Feststellungen hatte der Erste Lord der briti- schen Admiralität die Behauptung entgegengestellt, daß künftig deutsche Angriffe nicht mehr möglich sein würden. Dies versuchte er glaubhaft zu machen, indem er darlegte, daß zu dieser Winters- zeit die englische Insel durch Nebel, Regen und schlechtes Wetter geschützt sei. Es war eine Täuschung. Am Tage nach dieser Rede wurde von einem deutschen Kampffliegerverband ein Angriff gegen die Shetlandinseln durchgeführt. Hierbei wurden zwei feindliche Flugboote zerstört. Ein vermutlicher Treffer gegen einen englischen Kreuzer konnte mit Sicherheit nicht beobachtet werden. Der wenige Tage später von drei englischen Flugzeugen gemachte Versuch, Wilhelmshaven anzugreifen, wurde durch rechtzeitig einsetzende Abwehr vereitelt. Bomben wurden nicht abgeworfen. Die deutsche Luftwaffe aber setzte ihre täglichen Aufklärungsflüge nicht nur über Frankreich fort, sondern auch über England, und zwar bis nach Schottland, Scapa Flow und über die ganze Nordsee. Am 25. November griffen deutsche Kampfverbände englische Seestreit- kräfte in der nördlichen Nordsee an. Dabei wurden vier Volltrefier erzielt, einer davon auf einem Kreuzer der „Aurora“-Klasse. Wiederholte Versuche britischer Flugzeuge, die deutsche Küste mit Der Luftkrieg über der Nordsee 27 Bomben zu belegen, mißlangen, auch wenn der Anflug über hol- ländisches Gebiet erfolgte. Ein am 3. Dezember unternommener Angriff englischer Kampfflugzeuge gegen Helgoland hatte Außer einem Treffer auf einem kleinen Fischlogger kein Ergebnis. Die nächsten englischen Flüge galten dann - abermals ohne Bomben- wurf - Schleswig-Holstein, wobei diesmal wiederum dänisches Hoheitsgebiet überflogen wurde. Alle diese Bemühungen der Briten aber konnten nicht verhindern, daß der Schnelldampfer „Bremen‘‘ am 12. Dezember unter dem sicheren Geleit deutscher Flugzeuge in die Heimat zurückkehrte. Im Zusammenhang mit der Rückkehr der ‚Bremen‘ flogen in den folgenden Tagen wiederholt britische Flugzeuge in die Deutsche Bucht ein. Daraus entwickelte sich am 14. Dezember im Gebiet der nordfriesischen Inseln ein Luftkampf größeren Umfanges. Von zwanzig Angreifern schossen deutsche Jäger zehn Flugzeuge ab. In den frühen Nachmittagsstunden des 18. Dezember versuchten mehr als fünfzig der neuesten britischen Kampfflugzeuge einen Einbruch in den deutschen Luftraum. Sie flogen in großer Höhe und kamen auf einem ungewöhnlichen Kurs. Trotzdem gelang es ihnen nicht, unbemerkt an die deutsche Küste heranzukommen. Vor der Küste lagen die Sprengwolken der Flakbatterien wie eine Sperrmauer, als die deutschen Jäger genügende Höhe gewonnen hatten und zum Angriff ansetzten. Was ihnen nicht sogleich zum Opfer fiel, geriet in das Abwehrfeuer der Flakartillerie und mußte abdrehen, um abermals von Jagd- und Zerstörerflugzeugen gefaßt zu werden. Einzelne sich wieder sammelnde Staffeln der Briten wurden bis weit hinaus auf die Nordsee verfolgt, zum Kampf ge- stellt und vernichtet. Nur wenige entkamen. - „Vierunddreißig britische Flugzeuge wurden nach hartem Kampf abgeschossen. Wir verloren zwei Flugzeuge.‘ - So meldete der Bericht des Oberkom- mandos der Wehrmacht vom 19. Dezember. Die Verluste der Bri- ten erhöhten sich noch um zwei weitere Flugzeuge, so daß in dem bis dahin größten Luftgefecht dieses Krieges insgesamt 36 Kampf- flugzeuge des damals modernsten englischen Baumusters ‚‚Vickers- Wellington‘ abgeschossen wurden. Aber nicht nur Jäger und Zerstörer waren so erfolgreich. In den folgenden Tagen führte die deutsche Luftwaffe unter schwierigsten Wetterverhältnissen Erkundungen und Angriffe gegen Seeziele in der Nordsee durch. Vier Schiffe britischer leichter Seestreitkräfte wurden durch Bombentreffer zerstört. Ferner berichtet das Ober- 3° 28 Die neue Luftwaffe kommando der Wehrmacht am 20. Dezember: ‚In den letzten drei Tagen hat die deutsche Luftwaffe 23 Schiffe der britischen Vor- postenstreitkräfte vernichtet.‘ Am letzten Tag des Jahres 1939 versuchten englische Flugzeuge, die deutsche Nordseeküste anzufliegen. Sie wurden frühzeitig er- kannt und abgewehrt. Beim Rückflug aus der Deutschen Bucht flogen sie - wie schon so oft - in niederländisches Hoheitsgebiet ein. Die deutsche Luftwaffe unternahm am Neujahrstage Auf- klärungsflüge gegen die Shetland- und Orkney-Inseln. Bei dem am 2.Januar versuchten Einflug in die Deutsche Bucht wurden drei britische Vickers-Wellingtöon-Bombenflugzeuge von Messer- schmitt-Flugzeugen - ohne deutsche Verluste - abgeschossen. Eine norwegische Zeitung konnte nicht umhin, festzustellen, daß die Vickers-Wellington-Flugzeuge wohl für Langstreckenflüge geeignet erschienen, daß aber die neuen Messerschmitt-Flugzeuge außer- ordentlich gefährliche Maschinen sein müßten. Am Vor- und Nachmittag des 9. Januar unternahmen deutsche Kampfflugzeuge einen Erkundungsvorstoß gegen die englische und schottische Ostküste. Hierbei wurden vor der Norwichküste vier bewaffnete Kriegs- und Handelsschiffe, nämlich Vorpostenfahr- zeuge, angegriffen und versenkt. Vor der schottischen Küste wurde von vier bewaffneten Handelsschiffen das Feuer auf die Flugzeuge eröffnet. Bei der Abwehr dieses Angriffes wurden die Dampfer versenkt. Der folgende Tag brachte den Versuch von neun Bristol- Blenheim, die deutsche Küste mit Bomben anzugreifen. Sie wurden von vier deutschen Flugzeugen gestellt, die drei britische Flugzeuge abschossen und ein weiteres so stark beschädigten, daß es vermut- lich seinen Heimathafen nicht mehr erreichte. Am 11. Januar wur- den vor der schottischen Küste drei Vorpostenboote und ein be- waffneter Handelsdampfer, der das Feuer auf die deutschen Auf- klärer eröffnete, versenkt. Ferner wurde im Luftkampf ein briti- scher Jäger abgeschossen. Einzelne nächtliche Einflüge der Eng- länder erfolgten am 12. Januar wieder unter Verletzung der hol- ländischen Neutralität. Ein Bristol-Blenheim wurde gesichtet und abgeschossen. Bei einem Einflug von acht britischen Bombern in die Deutsche Bucht konnten nur zwei - und ohne Erfolg - ihre Bomben werfen. Der eine wurde abgeschossen, der zweite beschädigt, wäh- rend die übrigen sechs Briten unter der Wirkung der Abwehr vor- zeitig abdrehten. Inzwischen führten deutsche Aufklärer ihre Er- kundungstätigkeit mit größter Regelmäßigkeit gegen Großbritan- Ber Luftkrieg über der Nordsee 29 nien und Frankreich durch. Feindliche Flugzeuge flogen mehrere Male einzeln und nachts - so am 18. und 19. Januar - nach Nord- westdeutschland über holländisches Gebiet ein und aus. Demgegenüber konnte das OKW. am 30. Januar bekanntgeben: „im Rahmen der Aufklärungsflüge der Luftwaffe in der Nordsee wurden am 29. Januar, wie schon durch Sondermeldung bekannt- gegeben, feindliche Geleitzüge bewaffneter Handelsdampfer und Vorpostenboote angegriffen. Trotz stärksten feindlichen Abwehr- feuers und der Gegenwehr britischer Jagdverbände wurden sieben feindliche bewaffnete Handelsschiffe und zwei Vorpostenschiffe vernichtet. Ein feindlicher Jäger wurde bei Hartlepool abgeschossen. Sämtliche eigenen Flugzeuge sind wohlbehalten zurückgekehrt.” Der nächste Tag hatte das gleiche Ergebnis: Deutsche Fliegerver- bände wurden auch im Laufe des 30. Januar zur Aufklärung über der Nordsee und der englischen Küste von den Orkneys bis zur Themsemündung eingesetzt. Hierbei wurden wiederum sieben be- waffnete Handelsdampfer versenkt, ein weiterer schwer und mehrere andere leicht beschädigt. Außerdem wurden zwei britische Vor- postenboote zum Sinken gebracht. Eine Sondermeldung berichtete am 3. Februar von der trotz stärkster Jagd- und Flakabwehr durchgeführten Versenkung eines Minensuchbootes, von vier Vorpostenbooten und neun Handels- dampfern durch die deutsche Luftwaffe. Es folgt am 9. Februar die Versenkung von sechs britischen oder im britischen Geleit fahren- den Schiffen mit einer Gesamttonnage von 15000 Tonnen sowie von zwei britischen Vorpostenbooten. In dieser Weise wurde die bewaffnete Aufklärung während des Monats Februar 1940 mit Erfolg fortgesetzt. Trotz starker Ab- wehr traten keine oder nur unbedeutende Verluste ein. Die Ant- wort der Briten auf die deutsche Luftkriegführung über der Nord- see war schwach. So konnte nach einer Kriegführung von sechs Monaten in der Luft das OKW. am 2. März 1940 als militärisches Ergebnis u.a. feststellen: „Die deutsche Luftwaffe war an der siegreichen Entscheidung des polnischen Feldzuges in hervorragender Weise beteiligt. Gleich- zeitig mit dem Zerschlagen der polnischen Luftwaffe sicherte sie mit anderen Teilen den deutschen Luftraum im Westen. Ihre Über- legenheit hinsichtlich der Einsatzbereitschaft der Besatzungen und der Güte des Materials trat immer wieder in Erscheinung. Die auch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen gegen England und Frank- 30 Die neue Luftwaffe reich durchgeführten Erkundungsflüge ergänzten die vorhandenen Unterlagen über die Maßnahmen des Gegners. In der Aufklärung gegen England gelangten die deutschen Flugzeuge trotz feindlicher Gegenwehr immer wieder bis zu den Orkney- und Shetland-Inseln. Wiederholt wurden Angriffe auf feindliche Seestreitkräfte, be- waffnete Handelsschiffe und Geleitzüge durchgeführt. Es wurden 65 Schiffe mit rund 75 000 BRT. versenkt. Es handelt sich hierbei in der Mehrzahl um feindliche oder mit Banngut für England fahrende neutrale Handelsschiffe sowie um einige Schiffe brifischer leichter Seestreitkräfte.‘ Diesem Ergebnis entsprah auch die Luftkriegführung über der Nordsee im Monat März. Immer wieder unternahm die deutsche Luftwaffe erfolgreiche Vorstöße gegen die britische Ostküste in ihrer gesamten Ausdehnung, gegen die Orkney- und Shetland-In- seln. Britische und in britischem Geleit fahrende Handelsschiffe wurden trotz starker Gegenwehr immer wieder gefaßt, angegriffen und ihnen erhebliche Verluste beigebracht. Die britischen Seestreit- kräfte wurden in ihren Verstecken aufgesucht und ebenfalls an- gegriffen. Bei einem Vorstoß nach Nordwesten wurden hierbei am 16. März 1940 in Scapa Flow mindestens vier Kriegsschiffe durch Bomben getroffen und beschädigt. Die britische ‚Vergeltung‘ be- stand auch jetzt noch ausschließlich in gelegentlichen Einflügen in die Deutsche Bucht, die fast ausnahmslos unter Verletzung neutra- len Hoheitsgebietes durchgeführt wurden. Die bei diesen Flügen hin und wieder abgeworfenen Bomben fielen fast ohne Ausnahme buchstäblich „ins Wasser‘. Deutsche Jagdflugzeuge und Flakartil- lerie erzielten hierbei eine ganze Reihe von Abschüssen. Wenn man den Zeitabschnitt von Beginn des Krieges bis etwa Anfang März 1940 überblickt, kommt man zu folgenden Festste)- lungen: Die deutsche Luftwaffe ist von der reinen Aufklärung zur bewaffneten Aufklärung übergegangen. Während der ganzen Zeit und nirgends ließ sich die deutsche Luftwaffe das Gesetz des Han- delns vorschreiben. Sprung nach dem Norden. Die Unternehmungen, die zur Besetzung von Dänemark urd Nor- wegen führten, sind ein Schulbeispiel für die Zusammenarbeit der drei Wehrmachtteile: Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe. Nur durch das ausgezeichnet aufeinander abgestimmte Zusammenwirken der Sprung nad dem Norden 31 Waffengattungen aller drei Wehrmachtteile war der erzielte Er- folg überhaupt möglich. Die Eigenart der Luftwaffe, die darin liegt, daß sie große Ent- fernungen in sehr kurzer Zeit zurücklegen und an weitab liegenden Punkten überraschend auftreten kann, war beim Einsatz im Norden von besonderer Bedeutung. Man kann auf Grund der Wehrmacht- berichte mit Recht sagen, daß dieses Moment der Überraschungen in vielen Fällen für den Ausgang der einzelnen Unternehmungen entscheidend war. An den Erfolgen haben alle Waffengattungen der Luftwaffe ihren Anteil. Aufklärer und Kampfflieger, Jagdflieger und Flakartillerie, Verbände der Luftnachrichtentruppe, die umfangreiche Bodenorgani- sation und der Flugsicherungsdienst wie die Einheiten, die den Nachschub durch die Luft durchführten, haben - jeder an seinem Platz - zum Gelingen beigetragen. Die in harter Friedensarbeit betriebene Ausbildung und die Erfahrungen aus mehr als sieben Kriegsmonaten haben zusammen mit der Einsatzfreudigkeit jedes einzelnen Mannes den Erfolg verbürgt. Die Unterlagen für den Einsatz der Streitkräfte der Kriegsmarine, der Luftwaffe und des Heeres lieferten die Aufklärungsverbände. Sie waren bei der Vorbereitung und Durchführung des Unter- nehmens wahrhaft das Auge der Führung. Planmäßig und sorgfältig überwachten Aufklärer den weiten Seeraum zwischen den britischen Inseln und den Küsten von Norwegen und Dänemark. Ungünstiges Wetter und die unübersichtliche Küste Norwegens konnten die Arbeit der Aufklärer wohl erschweren, aber nicht ver- hindern. Ununterbrochen wurden sowohl die schottischen Häfen als auch die Inseln und Fjorde der norwegischen. Küste überwacht und nach den dort stehenden Teilen der englischen Flotte abgesucht. Jeder Flug brachte durch Funkmeldungen und Luftbilder wertvolle Feststellungen. Eine weitere, wenn nicht die wichtigste Aufgabe der Luftaufklä- rung bestand darin, die Standorte der britischen Seestreitkräfte aufzuspüren, sie zu melden und nach Möglichkeit am Feind zu bleiben, um die darauf angesetzten Kampfverbände fortlaufend über den Weg des Feindes zu unterrichten. Zahlreiche Kampf- fliegereinheiten wurden auf dänische und norwegische Flughäfen verlegt. Von dort aus unternahmen sie unverzüglich. ihre Angriffe gegen die durch die Luftaufklärung gemeldeten Einheiten der briti- schen Flotte. Als Erfolg hatten die Berichte des Oberkommandos 32 Die neue Luftwaffe der Wehrmacht immer wieder schwere Treffer auf feindlichen Kriegs- und Transportschiffen zu verzeichnen. Die neuen Stützpunkte der Kampfflieger in Norwegen und Däne- mark wurden durch Jagdflieger und Flakartillerie gegen feindliche. Luftangriffe geschützt. Die aus den Kämpfen in Polen, im Westen und über der Nordsee zur Genüge bekannten deutschen Jagdflug- zeuge haben ihre Überlegenheit auch im Norden wieder bewiesen. In gewohnter Schnelligkeit und Einsatzbereitschaft haben deutsche Jäger die Herrschaft im Luftraum über Dänemark und Norwegen angetreten. Bei der Abwehr feindlicher Luftangriffe wurden die Jäger erfolg- reich unterstützt durch zahlreiche Verbände der Flakartillerie, die sowohl in Dänemark als auch besonders an der norwegischen West- _ küste eingesetzt wurden. Alle für den Feind wichtigen Ziele stehen nun bei Tag und Nacht unter dem Schutz von Batterien aller Ka- liber, deren Treffsicherheit bei nächtlichen Anflügen durch Flak- scheinwerfer wesentlich gefördert wird. Das auf dem Luftweg überführte Personal der Bodenorganisation hat alle mit den fremden Flughäfen verbundenen Schwierigkeiten schnell und reibungslos überwunden, und so die sofortige Einsatz- bereitschaft der fliegenden Verbände sichergestellt. Für die Her- stellung der für die Führung des Luftkrieges unumgänglich not- wendigen Nachrichtenverbindungen über weite Strecken sorgte die Luftnachrichtentruppe. Ihre Aufgabe war die Herstellung von Ver- bindungen zwischen den einzelnen Teilen der Luftwaffe durch Ver- stärkung des vorgefundenen Fernsprechnetzes, Übernahme vor- handener Funkstellen und vor allem Sicherung der Verbindung mit den in der Luft befindlichen fliegenden Verbänden. Die Durch- führung aller dieser Aufgaben und dazu das Aufrechterhalten der Verbindung mit der Heimat wurden trotz schwieriger Verhältnisse ° einwandfrei gelöst. Was von den „schwarzen -Männern“ der Bodenorganisation und von den Nachschubeinheiten geleistet wurde, kann man sich nur vorstellen, wenn man einen Begriff davon hat, was alles zum reibungslosen und erfolgreichen Einsatz fliegender Verbände not- wendig ist. Tatsächlich standen nicht nur Treibstoff, Munition und Bomben aller Kaliber zur Verfügung, sondern auch jeder Splint und jede Schraube, deren Vorhandensein für die sichere Durch- führung der Flüge nötig ist. Gerade in dieser Hinsicht haben Organisation, Nachschub und fachmännisches Können des techni- Sprung nach dem Norden 33 schen Bodenpersonals die Voraussetzungen für die immer wieder gemeldeten Erfolge geschaffen. Die knappen Sätze der Berichte des Oberkommandos der Wehr- macht geben nur wenige nackte Tatsachen wieder. Aber auch där- aus kann man bereits den entscheidenden Anteil ablesen, den die deutsche Luftwaffe in dem siegreihen Ausgang auch während die- ses Blitzfeldzuges gehabt hatte. Sie hatte sich in erster Linie als überlegenes Aufklärungsmittel erwiesen. Schon ehe das britisch- französische Expeditionskorps bei Namsos und Andalsnes landete, war sein Anmarsch und die ungefähre Stärke bekannt. Kampf- flugzeuge konnten daher die britische Transportflotte bereits auf haher See angreifen und ihr schwere Verluste zufügen. Noch ver- lustreicher aber wurde dann das Landungsunternehmen für die Briten, obwohl sie an den beiden ausgesuchten Plätzen die Gunst aller geographischen und der Wetterverhältnisse sowie vor allem die aktive Unterstützung durch die norwegischen Behörden auf ihrer Seite hatten. Aus englischen Eingeständnissen ist inzwischen bekannt geworden, daß nicht nur 40 Panzerkampfwagen durch deutsche Bombentreffer auf den Boden der Nordsee geschickt worden waren, sondern daß große Verpflegungs- und Nachschubläger nach Angriffen deutscher Flugzeuge in Flammen aufgingen. Infolgedessen geriet schon vor der ersten Gefechtsberührung zwischen deutschen Truppen und britischen Verbänden die Versorgung der Engländer spürbar in Unordnung, zumal die Norweger nicht in der Lage waren, Ersatz zu stellen. Am unmittelbarsten aber wurde der Anteil der Luftwaffe in den letzten Apriltagen spürbar, als es galt, die in Eilmärschen von Süden und Norden vordringenden Einheiten des deutschen Heeres im Gulbrandsdal und bei der Eroberung von Dombaas zu unter- stützen. Deutsche Kampfflugzeuge brachen jeden Widerstand, setz- ten feindliche Artillerie außer Gefecht, verhinderten durch Zer- störung der Wege und Bahnanlagen auch den letzten Nachschub, ja, sie griffen auch unmittelbar in den Infanteriekampf ein, wo es zur Vernichtung feindlicher Maschinengewehrnester usw. erforder- lich war. So konnte das kühne Unternehmen der Vereinigung des von Oslo und Drontheim aus operierenden deutschen Heeres mit einem Mindestmaß an eigenen Verlusten und einem Höchstmaß an Einbuße gegnerischer Kampfkraft siegreih zu Ende geführt werden. Zusammenfassend ist zu sagen, daß der entscheidende An- Luftwaffenfibel 5 34 Die neue Luftwaffe teil der Luftwaffe an dem raschen Sieg in Norwegen im wesentlichen auf folgende Tatsachen zurückzuführen ist: 1. Beherrschung des Luftraumes über Norwegen und der Nordsee, die dem Gegner jeden Einblick in die deutschen Operationen verwehrte, während die eigene Aufklärung lückenlos sofort aus- wertbare Ergebnisse brachte. 2. Wirkungsvolle Bekämpfung der britischen Transportflotte und ihrer Sicherungskräfte auf hoher See und bei den Landungs- manövern, wodurch nicht nur die Zahl der zum Einsatz bestimm- ten Verbände stark vermindert wurde, sondern auch erhebliche Mengen an Kampfgerät, Munition, Lebensmitteln usw. vernich- tet werden konnten. 3. Zerstörung wichtiger Hafenanlagen durch Bomben, wodurd die Ausladungen beträchtlich verlangsamt wurden. 4. Vernichtung von Munition und Verpflegungslagern, was erheb- liche Versorgungsschwierigkeiten beim Feind verursachte. 5. Ständige Störung der rückwärtigen Verbindungen und dadurch Verhinderung eines geordneten Nachrichtenwesens sowie not- wendiger Nachschubtransporte. 6. Unmittelbare Beteiligung an Kampfhandlungen durdı Bomben und MG., also Vernichtung feindlicher Widerstandsnester und Erschütterung des Gegners. 7. Versosgung der Kampfgruppe Narvik aus der Luft. Wenn man abschließend feststellt, daß sich dieser gesamte Einsatz unter teilweise ungünstigen geographischen und klimatischen Be- dingungen vollzog, so kann man der Tapferkeit und ständigen Einsatzbereitschaft der deutschen Luftwaffe nur höchste Achtung bezeugen. Die Auswirkungen des skandinavischen Unternehmens aber sind im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Krieges von ganz besonderer Bedeutung. Die Luftwaffe im Westfeldzug. In der großen Schlacht in Flandern und im Artois, dieser größten Vernichtungsschlacht aller Zeiten, ist besonders erstaunlich das Zeitmaß, in dem der Angriff vom ersten bis zum letzten Tage durchgeführt wurde. Diese überraschende Schnelligkeit der Bewe- gung wurde ausgelöst durch die Panzertruppe und vor allem die Luftwaffe. Diese beiden neuen Waffen erzwangen den Einbruch in die feindlichen Befestigungen mit einer bisher unvorstellbaren Wucht, und sie schrieben gleichzeitig das Zeitmaß für die Ent- Die Luftwaffe im Westfeldzug 35 wicklung der Kämpfe vor. Sie haben der deutschen Infanterie die Wege geebnet und ihr kostbares Blut erspart. — Diese Erfolge be- weisen die enge Zusammenarbeit zwischen der Luftwaffe und dem Heer. Sie hat sich in allen Abschnitten der Schlacht bewährt. Die der Luftwaffe im Verlaufe der Schlacht gestellten Aufgaben dienten stets - wenn auch nur mittelbar - der Unterstützung der Erdtruppe. In der zeitlichen Reihenfolge war dies zuerst der Kampf um die Luftüberlegenheit. Darauf folgte eine unmittelbare Unter- stützung des Heeres. Dann richtete sich der Kampf der Luftwaffe gegen die rückwärtigen Verbindungen des Feindes. Mit der fort- schreitenden Einkreisung der feindlichen Armeen galt der Einsatz der Luftwaffe der Zermürbung des Feindes. Schließlih war das Kampfgebiet der Luftwaffe der Kanal zur Umfassung des flüchten- den Feindes aus der Luft. Neben diesen großen Aufgaben liefen zahlreiche Sonderaufträge. Sie bestanden im wesentlichen in der unmittelbaren Unterstützung von Angriffen des Heeres auf be- sonders wichtige und schwierige Punkte sowie vereinzelt auch in der Abwehr feindlicher Gegenangriffe, Die Erringung der Überlegenheit in der Luft ist die Voraussetzung für den Sieg. Sie gewährt dem Heere die Freiheit des Handelns und sichert die Erdtruppe vor feindlichen Überraschungen aus der Luft. Deshalb begannen bereits am Morgen des 10. Mai rollende An- griffe gegen die feindlichen Flughäfen. Sie erfaßten die in der Nähe der Front befindlichen Flugplätze der Heeresaufklärungsverbände und der Jagdflieger sowohl als die Flughäfen der Kampfverbände weit im Innern Frankreichs. In Hoch- und Tiefangriffen wurden die Bodenanlagen getroffen und zahlreiche feindliche Flugzeuge auf Rollfeldern und in den Hallen zerschlagen oder.im Luftkampf ab- geschossen. Als Ergebnis meldeten die Wehrmachtberichte in den ersten drei Tagen der Schlacht besonders hohe Zahlen vernichteter Feindflugzeuge. Zu gleicher Zeit wurden Verbände der Fallschirm- und Luftlandetruppe im Rücken der feindlichen Sperrlinien ab- gesetzt. Ihre Aufgabe bestand darin, wichtige und schwierige Ab- schnitte durch Angriffe von rückwärts zu nehmen und für den weiteren Vormarsch wertvolle Brücken zu nehmen und zu halten. Ihr Einsatz war von entscheidender Bedeutung bei der Einnahme des Sperrforts Eben Emael und bei der Bezwingung der Festung Holland. Ebenfalls vom ersten Angriffstage ab wurden Teile von ‚Jagd- und Kampfverbänden zur unmittelbaren Unterstützung der Erdtruppe eingesetzt. 5* 36 Die neue Luftwaffe Zur Erzwingung des Übergänges über die Maas und zum Durch- “ bruch durch die Maginotlinie am 13. und 14. Mai wurde der Schwer- punkt für die Masse der Kampf- und Jagdverbände unmittelbar vor die Front der angreifenden Erdtruppe verlegt. Dadurch gelang es, Befestigungen von neuzeitlichster Bauart und Bewaffnung in kurzer Zeit zu Fall zu bringen. Die Wirkung der Angriffe unserer Sturz- kampfflugzeuge trat besonders hervor. Feindliche Luftstreitkräfte versuchten durch Masseneinsatz den Durchbruch durch die Maginot- linie zu verhindern. Ihnen traten Jagdflieger und Flakartillerie wirkungsvoll entgegen. Die sich daraus ergebenden Kämpfe im Raume von Sedan endeten mit einem Verlust von 70 abgeschosse- nen Flugzeugen für den Feind. Nach Abweisung der letzten Gegenangriffe des Feindes war die oben geschilderte unmittelbare Unterstützung des Heeres nur noch in wenigen Fällen erforderlich. Deshalb wurde etwa ab 16. Mai der Einsatz der Kampfverbände auf die rückwärtigen Verbindungen des Feindes verlagert. Die Hauptziele waren nunmehr Bahnen und Straßen, auf denen der Feind Reserven auf das Kampffeld führen wollte. Ferner fielen Munitions- und Verpflegungslager sowie Tankanlagen den Luftangriffen zum Opfer. Die vom Feinde heran- geführten Reserven kamen infolge der Einwirkung der deutschen Luftwaffe verspätet oder gar nicht zum Einsatz. Diese Reserven erlitten bereits weit hinter der Front schwere Verluste. Der Nach- . schub von Munition, Verpflegung und Treibstoff wurde empfindlich getroffen. So wirkten sich die Angriffe der Luftwaffe mittelbar und doch schnell zum Vorteil des Heeres aus. Nachdem durch den Vorstoß zur Küste der Ring um die feindlichen Armeen geschlossen war, griff die Luftwaffe nunmehr den immer mehr einschrumpfenden Raum des Feindes an. Sie zermürbte ihn und hinderte die Ordnung seiner Verbände. Die zum Durchbruch angesetzten Feindkräfte wurden mit Bomben und Maschinen- gewehrfeuer aus der Luft zersprengt. Dem Versuch des Feindes, sich aus der tödlichen Umk über den Kanal zu retten, wurde durch Umfassung aus der Luft in Richtung auf den Kanal und die Kanalhäfen begegnet. In vielen Luftkämpfen, besonders am 29. 5. und 1. 6., wurden inı Raume von Dünkirchen zahlreiche feindliche Flugzeuge abgeschossen, Kampf- und Sturzkampfverbände versenkten Kreuzer, Zerstörer und Trans- portschiffe, andere wurden in Brand geworfen. Die dabei dem Feinde zugefügten Verluste wirdman in vollem Umfange erst später erfahren. Die Luftwaffe im Westfeldzug 37 Seit dem 10. Mai meldeten die Berichte des OKW. rund 3500 ab- geschossene und auf dem Boden zerstörte feindliche Flugzeuge. Davon fielen etwa 619 der Flakartillerie zu. Auch sie hatte an den Erfolgen also einen entscheidenden Anteil. Das beweist schon der 12. Mai, an dem durch Flak im Raume von Maastricht bei der Ab- wehr englischer Luftangriffe 25 Flugzeuge abgeschossen wurden. So schützte die Flakartillerie die vorderen Linien des Heeres gegen feindliche Luftangriffe und verwehrte zusammen mit Jagdfliegern der feindlichen Luftaufklärung den Einblick. Darüber hinaus griffen Batterien aller Kaliber in den Erdkampf ein. Insgesamt hat die Flakartillerie in diesen Wochen 125 feindliche Panzerkampfwagen zur Strecke gebracht. Ja selbst englische Kriegsschiffe wurden im Kanal vom Feuer deutscher Flakbatterien gefaßt und versenkt. Wie in Polen so auch in Flandern und Nordfrankreich hat die Luft- nachrichtentruppe das Nachrichtennetz eingerichtet und ausgebaut. Ihr rücksichtsloser und schneller Einsatz war auch hier wieder eine Voraussetzung für den Erfolg der fliegenden Verbände. In gleicher Weise haben die Bodenorganisation der Fliegertruppe und die Nach- schubverbände hervorragenden Anteil an dem Erfolg. Transport- verbände bewiesen wiederum ihre Unentbehrlichkeit für die neu- zeitliche Kriegführung. Wirken und Wirkung der Luftwaffe im Westkrieg fanden die beste und schönste Würdigung in der großen Rede des Führers vor dem Großdeutschen Reichstag am 19. Juli 1940: „im Rahmen des Heeres fochten dieses Mal aber auch Teile der Flakartillerie unserer Luftwaffe. In der vordersten Front halfen sie mit, die feindliche Widerstands- und Angriffskraft zu brechen. Über ihre Wirkung kann erst später berichtet werden. Die Luftwaffe selbst. Als der Morgen des 10. Mai dämmerte, senk- ten sich Tausende von Kampfflugzeugen und Sturzkampfflugzeugen, gedeckt durch Jäger und Zerstörer, auf die feindlichen Lufthäfen. In wenigen Tagen war die restlose Luftherrschaft erkämpft. Sie wurde in keinem Augenblick des Kampfes mehr aus der Hand ge- geben. Nur dort, wo sich vorübergehend keine deutschen Flieger zeigten, konnten feindliche Jäger oder Bomber für kurze Augen- blicke in Erscheinung treten. Im übrigen blieb ihr Wirken in die Nacht verbannt. Der Einsatz der Luftwaffe in diesem Kampf er- folgte unter dem Befehl des Generalfeldmarschalls. Ihre Aufgabe war: 1. die feindliche Luftwaffe zu vernichten bzw. vom Firmament zu entfernen: 38 Die neue Luftwaffe 2. die kämpfende Truppe direkt und indirekt durch ununterbrochene Angriffe zu unterstützen; 3. dem Feinde die Elemente der Führung und der Bewegung zu zer- stören; 4.die feindliche Moral und Widerstandskraft zu zermürben und zu brechen. Die Art ihres operativen Einsatzes im großen sowie ihre Anpas- sung an die taktischen Erfordernisse des Augenblicks waren her- vorragend. Wenn ohne die Tapferkeit des Heeres niemals die er- rungenen Erfolge hätten erreicht werden können, dann wäre ohne den heroischen Einsatz der Luftwaffe alle Tapferkeit des Heeres doch nur eine vergebliche gewesen.“ Luftwaffe gegen britische Insel. Nach dem Zusammenbruch Frankreichs trat im Westen scheinbar Ruhe ein. Tatsächlich entfaltete sich eine umfangreiche und rast- lose Tätigkeit, die der Vorbereitung des Kampfes gegen die britische Insel diente. Die ganze Last dieses Kampfes lag naturgemäß auf der Luftwaffe und der Kriegsmarine. Die in den besetzten Gebieten vorhandenen Flugplätze wurden ausgebaut, neu angelegt. Der Flakschutz wurde eingerichtet. Mit der Einteilung des weiträumigen Operationsgebietes in einzelne Abschnitte galt es, den Nachschub an Treibstoff und Munition zu organisieren. Als etwas Neues kam hinzu, daß Vorkehrungen für die Sicherheit der über See fliegenden deutschen Flugzeuge getrof- fen werden mußten. Zu diesem Zweck wurden die Verbände mit Schwimmwesten und Schlauchbooten ausgerüstet. Der Seenotdienst wurde erweitert. Hierzu wurden neben Schwiinmerflugzeugen im- mer mehr schnelle, kleine Seefahrzeuge eingesetzt. Später kamen die Seenotbojen hinzu, die in großer Zahl eingesetzt wurden. Die Luftwaffe begann mit ihren Angriffen auf kriegswichtige Ziele auf der Insel und auf den Geleitzugverkehr durch den Kanal. Auf- klärer überwachten nicht nur den Schiffsverkehr, sondern auch die ganze britische Insel. Die englischen Häfen, die das Ziel der über See kommenden Zufuhren bildeten, wurden fortgesetzt mit Bom- ben beworfen und vermint. Als Begleitschutz der Kampfverbände fliegende Jäger errangen in Luftkämpfen mit englischen Jagdflug- zeugen große Erfolge. Der Kampf gegen die britische Handelsschiffahrt wurde aber nicht Luftwaffe gegen britische Insel 39 nur im Kanal und an den englischen Küsten geführt, sondern ebenso weit draußen auf dem Atlantik. Fernkampfflugzeuge grif- fen mit steigendem Erfolg in den Handelskrieg ein. Diese Einsätze erstreckten sich von Gibraltar bis zum Nordkap und reichten weit nach Westen auf den Atlantik. Einer der beachtenswertesten Er- folge war die Vernichtung des gewaltigen Transportschiffes „Em- press of Britain‘ von 40000 BRT. durch Fernkampfflugzeuge im Zusammenwirken mit einem U-Boot. Die deutsche Luftwaffe besckränkte sich bei ihren Angriffen auf die Bekämpfung kriegswichtiger Ziele. Im Gegensatz dazu hörten die Engländer nicht auf, die Wohnviertel deutscher Städte mit Bomben zu bewerfen. Infolgedessen begannen in der Nacht zum 7. Septem- ber 1940 großangelegte Vergeltungsangriffe der deutschen Luft- waffe. Es wurden bereits in den ersten drei Nächten Bomben aller Kaliber von mehr als 1 Million Kilogramm auf das Hafen- und Industriegebiet an der Themse, auf Handelsschiffe, Docks, Speicher, Versorgungs-, Betriebs- und Verkehrsanlagen geworfen. Weitere Angriffe richteten sich gegen Öllager und Dockanlagen von Thames- haven, gegen Sprengstoffabriken und andere Anlagen der Rüstungs- industrie. Die Hoffnung der Engländer, daß das Wetter die Fort- setzung der Angriffe auf die Insel und die Handelsschiffahrt ver- hindern würde, erwies sich als trügerisch. Die Zahl der in der Zeit von November 1940 bis Februar 1941 durch die Luftwaffe ver- senkten Handelsschiffe belief sich auf 513 000. BRT. Hinzu kom- men noch die im einzelnen nicht feststellbaren Verluste durch Mi- nen. In der gleichen Zeit errangen viele der bekanntesten Jagd- flieger wie Mölders, Galland, Wick zahlreiche Luftsiege. Flakartil- lerie und Nachtjäger fügten den in das Reichsgebiet einfliegenden Feindverbänden schwere Verluste zu. Luftkrieg über dem Mittelmeer und Nordafrika. Nachdem dem Bestreben der Briten, im Norden und Nordwesten Europas Fuß zu fassen, der Erfolg versagt geblieben war, richteten sie ihre Anstrengungen auf den Süden. Man glaubte, eine schwache Stelle der Achsenmächte in Nordafrika entdeckt zu haben, die es auszunutzen galt, um von hier aus einen Druck gegen Italien aus- zuüben. Deshalb und um den weiteren Vormarsch der Armee Grazianis gegen Ägypten aufzuhalten, wurden dem britischen Ober- befehlshaber, General Wavell, Truppen und Material in großem Ausmaß zur Verfügung gestellt. Mit diesen überlegenen Kräften 40 . Die neue Luftwaffe stießen die Briten in die Vorbereitungen zu einer Offensive der Italiener hinein und erzwangen die Räumung der Cyrenaika. Die- sen-Anfangserfolg trachteten die Briten auszunutzen und sahen sich bereits auf dem weiteren Vormarsch nach der Westküste Afrikas. Während im Kampf gegen die britische Insel italienische Verbände zusammen mit deutschen Kampfgeschwadern geflogen waren, griff nun die deutsche Luftwaffe zur Unterstützung der italienischen Wehrmacdt ein. Am 10.Januar 1941 trafen starke Verbände der deutschen Luftwaffe in Süditalien ein. Schon bald danach trafen die Bomben deutscher Flugzeuge den Flugzeugträger „Illustrious“ und den Kreuzer „Southampton“. Es folgten Angriffe auf Malta, die den in den Häfen liegenden Schiffseinheiten und den Flugplätzen auf der Insel galten. Dann griffen die deutschen Verbände zum erstenmal den Feind in Afrika an. In der Nacht zum 18. Januar 1941 bombardierten deutsche Kampfflugzeuge die militärischen Anlagen im Gebiet des Suezkanals. Inzwischen war der Angriff der Briten von Derna aus an der Küste entlang bis nach Bengasi vorgetragen worden. Die zähe italienische Abwehr wurde nunmehr erfolgreich unterstützt durch die Angriffe deutscher Sturzkampfflugzeuge gegen die für den feindlihen Nach- schub wichtigen Hafenstädte Bardia und Sollum. Die erste Ge- fechtsberührung' mit dem deutschen Afrikakorps geschah am 26. Fe- bruar 1941, und schon einen Monat danach befand sich der Feind auf der ganzen Linie in der Rückwärtsbewegung. Bengasi wurde zurückerobert. In diesen Erfolg teilen sich Panzer- und Luftwaffen- verbände. Während die Hauptkräfte des Afrikakorps sich noch im Anmarsch befanden, hatten die Verbände der Luftwaffe bereits ihre Angriffe auf den bis auf 500 km an Tripolis vorgestoßenen Gegner gerichtet. Nunmehr begann ein enges Zusammenarbeiten zwischen Erdtruppe und Luftwaffe, das eine wesentliche Voraussetzung für die weiteren Erfolge bildete. Der Einsatz der deutschen- Luftwaffe unter den schwierigen Ver- .hältnissen des afrikanischen Kriegsschauplatzes stellte besondere Anforderungen. Die Besatzungen mußten mit Tropenausrüstun- gen versehen werden. Die Triebwerke der Flugzeuge. bedurften eines besonderen Schutzes gegen den feinen Wüstensand. Die Aus- rüstung des Flugzeuges wurde ergänzt durch Zelt, Wasserbehälter, Verpflegung und Buschmesser, um für den Fall einer Notlandung Vorsorge zu treffen. Alle diese Schwierigkeiten wurden gemeistert. Staatssekretär Luftflotte Fliegerkorps, Flakkorps Division Luftnachrichten-Regiment Geschwader (Fliegertruppe) Flakregiment Gruppe (Batl.) Fliegertruppe Flakabteilung Staffel (Fliegertruppe) I Generolteldmorschall im Feldanzug - 2 Major [Flakartillerie) im Parodeonzug - 3 Leutnant (Luffnach richlentruppe) im Feldanzug - 4 Stabsfeldwebel (Fliegertruppe) im Dienstanzug - 5 Unteroffizier (Fall- schirmjöger) mit Sonderbekleidung - 6 Oberleutnant (Fliegertruppe) mit Fliegerschutzanzug - 7 Hauptmann [Fliegertruppe) mit Mantel - 8 Wehrmachtbeamter mit Umhang [im Ofliziersrang] - #9 Generalfeldmarschall - 10 Generolöberst - 11 General der Flieger - I2 Generolleutnont - 13 Generolmojor - 14 Öberst (Flieger: ruppe) - 15 Öberstleuinont [Flakartilleriel - 1& Major [Lufinachrichtentruppe] - 17 Hauptmann (Flieger- truppe) - 18 FI-Öberingenieur (Ingenieurkorps der Luftwaffe) - 19 Assistenzoret - M) Stabsfeldwebel [Fliegertruppe) - 21 Öberfeldwebel (Regiment General Göring) - 22 Unterwachtmeister (Flokartillerie) 23 Unteroflizier (Fliegertruppe) - 24 Obergefreiter (Fliegertruppe) - 25 Gefreiter (Unteroflizieranwärter) 24 Flieger - 27 Sonderführer im Öffiziersrang - 33 Amtigehilfe (Wehrmachtbeomter im Feldwebelrang)] 49 Tatigkeitsabreichen für Mannschaften und Unterofliziere (am linken Unterörmel des Woflenröcs): 24 Verwoltungsunteroffizier 3% Gerötererwalter für Kraftfahrzeuggeröt - 31 Gerötevrerwalter für Flug: zeuggerät- 32 Geröteverwalter für Scheinwerfergeröl - 33 Geröteverwolter für Luftnachrichlengerät - 34 Geprüfter Fernsprecher - 35 Geprufter Fernsprechunteroffizier - 3% Geprüfter Fernschreiber - Ge- prüfter Fernschreibunteroffizier - 38 Kroftfohrergersonol - 39 Flugmeldepersonal - 40 Geprüfter Funker - di Geprüfter Funkunteroflizier - 42 Geprüfter Peiltunker - 43 Geprüfter Horchfunkerunteroffizier - 44 Trup- pennochrichtenpersonal 45 Feuerwerker 46 Woflenunterofliziere der Fliegertruppe und Luffnachrichten- ruppe - 47 Woflaenunteroffiriere der Flokartillerie und Regt. General Göring - 48 Sanitätspersonol - #7 Anwürlerobzeichen (hier für Geräteverw. Kfz. - 5 Fliegende: Personal - 51 Fliegertechn, Personal - 5? Flakörtillerieobzeichen - 53 Seemännisches militärische: Bocthpersonal — Le # ee u m (Ei Bi [| | „ | ’ = m a 7 ee ee u a —. Er eh El u FE EEE; Ta A ee u aa Reichsmarscall = Führer Flakartillerie A | A| .z| | mn Regiment Göring Luftnachrichtentruppe Luftkrieg über dem Mittelmeer und Nordafrika 41 Während die Briten über Verbände verfügten, deren Besatzungen im Kolonialdienst geschult, also mit den klimatischen Bedingungen vertraut waren, mußten sich die deutschen Soldaten erst diesen neuen Verhältnissen anpassen. Die britischen Luftstreitkräfte hatten in Ägypten eine Grundlage für ihren Nachschub, während die deut- schen Verbände Personal und Material auf dem Wege über das Mittelmeer ersetzen und ergänzen mußten. Um so höher ist der Erfolg zu werten, den die deutsche Luftwaffe im Verein mit dem Afrikakorps und den italienischen Verbündeten gegen den in jeder Hinsicht begünstigten Feind errangen. Die Luftwaffe im Balkanfeldzug. Zu Beginn des Feldzuges gegen Serbien und Griechenland wurde die Luftwaffe zur Erkämpfung der Luftherrschaft eingesetzt. Bereits am ersten Angriffstage meldete der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht zahlreiche Angriffe auf serbische Flugplätze. Das Ergebnis wurde mit dem Abschuß von 24 und der Zerstörung am Boden von 44 feindlichen Flugzeugen verzeichnet. Damit hatte bereits die an sich nicht sehr starke serbische Luftwaffe einen emp- findlichen Schlag erhalten. Vom zweiten Angriffstage an unterstütz- ten Teile der Luftwaffe das Vorgehen des Heeres durch Angriffe gegen feindliche Ansammlungen, Kolonnen, Stellungen und Ver- kehrsmittel. Gleichzeitig gingen die Angriffe auf die feindlichen Flugplätze weiter. Bei einem Verlust von 7 eigenen Flugzeugen wurden innerhalb der ersten zwei Tage rund 100 feindliche Flug- zeuge vernichtet. Das beweist, daß in dieser kurzen Zeit die Luft- überlegenheit bereits errungen war. An dieser Tatsache ändert es auch nichts, daß der Feind am nächsten Tage den Versuch machte, ungarische Streitkräfte anzugreifen, wobei er im übrigen 9 Flug- zeuge im Luftkampf und durch Flakartillerie verlor. In der Zeit vom 8. bis 13. April richtete sich die Wirkung der Kampfverbände egen die mittlerweile nach Osten und Nordosten ausgewichenen Teile der feindlichen Luftwaffe und ihrer Bodenorganisation. Als Ergebnis verzeichnet der OKW.-Bericht vom 13.4. z.B. wieder 39 am Boden zerstörte feindliche Flugzeuge. Und doch liegt gerade in dieser Zeit der Schwerpunkt für den Einsatz der Luftwaffe in der Unterstützung des Heeres. Der Bericht vom 9.4. erwähnt u.a., daß Sturzkampfflugzeuge und Flakartillerie bei der Durchbrechung der Metaxaslinie mitwirkten. Das Vorgehen gegen Belgrad von Nor- den her wurde durch die Luftwaffe vorbereitet, indem sie Ver- 42 Die neue Luftwaffe kehrswege im Gebiet der Save zerschlug. Die aus der Steiermark vorgehenden deutschen Heeresteile wurden in gleicher Weise unter- stützt. Angriffe von Kampfverbänden erzielten Treffer in Trans- portzügen und sperrten in den entscheidenden Tagen das Bahnnetz für Truppenverschiebungen des Feindes. Am 13.4. richteten sich vernichtende Angriffe von Jagd-, Kampf- und Sturzkampfverbän- den gegen feindliche Marschkolonnen, die sich der Umklamme- rung Belgrads entziehen wollten. An den folgenden beiden Tagen wurden durch Luftangriffe schwere Zerstörungen in Truppenlagern und Bahnanlagen von Sarajewo angerichtet. Während so der Schwerpunkt des Einsatzes in der Zeit vom 6. bis 18. April über Serbien lag, wurde doch außerdem der Durchbruch durch die Metaxaslinie am 9.4. von Sturzkampfflugzeugen und Flakartillerie unterstützt. Zweifellos hat die Tätigkeit der Luft- waffe auch für den so überraschend schnellen Vormarsch auf Salo- niki eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Erst verhältnismäßig spät erscheinen in den Berichten Angaben über das Auftauchen britischer Flugzeuge. Am 15.4. wurde der Abschuß von 6 Bristol- Blenheim in der Nähe des Presba-Sees und ein Angriff auf einen Flugplatz bei Athen gemeldet. Am folgenden Tage wurden 3 feind- liche Flugzeuge im Luftkampf und weitere 17 am Boden zerstört. Von nun an werden fast täglich im Luftkampf abgeschossene oder am Boden zerstörte Feindflugzeuge gemeldet. Insgesamt belaufen sich die Verluste der britischen und der griechischen Luftwaffe in der zweiten Hälfte des Monats April auf etwa 160 Flugzeuge. Während dieses Kampfes gegen die feindliche Luftwaffe wirkte auch in Griechenland die deutsche Luftwaffe zur Unterstützung des Heeres. Nach dem Bericht vom 20.4. waren Kampf- und Sturzkampfflug- zeuge an den Einnahmen von Larissa und Trikkala beteiligt. Wäh- rend am 15. 4. Truppenansammlungen bei Deskati zersprengt wurden, brachten am 17.4. Sturzkampfflugzeuge dem bei Servia zurückgehenden Feind schwere Verluste bei. Am 19. 4. wurden feindliche Kolonnen in der Gegend von Larissa und Janina an- gegriffen. So wird der Feind auch in der Luft verfolgt bis auf den Peloponnes. Am 27.4. erfolgt ein Angriff auf feindliche Truppen im Raume von Argos und Tripolis. Diese Kampfhandlung steht offenbar im Zusammenhang mit dem Einsatz deutscher Fallschirm- jäger an der Landenge von Korinth. Das Ergebnis dieser über- raschenden Landung von Fallschirmtruppen war die Besetzung des für die Verteidigung besonders geeigneten schmalen Übergangs Die Luftwaffe im Balkanfeldzug 43 zum Pelöponnes und 900 Briten sowie eine große Zahl von schwe- ren und leichten Geschützen als Beute. * Da von Anfang an mit dem Bestreben der Engländer, wieder auf ihre Schiffe zu gehen, gerechnet werden mußte, richteten sich Auf- . ‚klärung und Angriffe besonders auf die Häfen an der griechischen Ostküste. Der Piräus, der Hafen von Athen und die Reede von Salamis waren hierfür von besonderer Bedeutung. Luftangriffe am 9,, 12., 15. und 16. April erzielten Treffer in britischen Treibstoff- lagern, setzten eine große Mühle in Brand und versenkten zahl- reiche Kriegs- und Handelsschiffe. In der Zeit vom 9. bis 16. April wurden 1 Zerstörer und 16 Handelsschiffe, die der Flucht der Briten dienen sollten, allein im Hafen von Piräus vernichtet. Am 17. und 19. April wurden erfolgreiche Angriffe an anderen Teilen der grie- chischen Ostküste und im Hafen von Chalkis gemeldet. Die bereits in den Ebenen Polens, Hollands, Belgiens und Frank- reichs bewährte Luftwaffe hat sich auch unter den volkommen an- deren Verhältnissen des Balkans bewährt. Sie hat in engen Ge- birgstälern und Schluchten den Erdtruppen den Weg für den Vor- marsch geöffnet. Die Luftaufklärung hat alle Verstecke an der buchtenreichen griechischen Küste ausgespäht. So gelang die Nie- derwerfung der Feinde und die Verjagung der letzten Briten von . europäischem Boden durch die wirksame Unterstützung des Heeres durch die Luftwaffe innerhalb einer unvorstellbar kurzen Zeitspanne. Die Eroberung Kretas. Die Trümmer des in Griechenland geschlagenen britischen Expe- ditionsheeres hatten sich nach Kreta geflüchtet. Kreta sollte die britische Stellung im östlichen Mittelmeer sichern. Alle taktischen und strategischen Vorteile vereinigten sich hier auf seiten der Bri- ten. Aus Ägypten waren große Mengen frischer und wohlaus- gerüsteter Infanterie, Artillerie jeden Kalibers und Panzer aller Art herübergebracht worden. Verbände der britischen Luftstreit- kräfte hatten die Flugplätze bezogen. Bereit stand auch die britische Mittelmeerflotte. Von Kreta aus sollte - einem Tagesbefehl des neuseeländischen Generalmajors Freyberg zufolge - ganz Griechen- land wieder erobert werden. Unter diesen Umständen ist es verständlich, daß nicht nur Deutsch- land, sondern die Welt aufhorchte, als das Oberkommando der Wehrmacht bekanntgab: „Deutsche Fallschirmjäger und Luftlande- 44 Die neue Luftwaffe truppen stehen seit den frühen Morgenstunden des 20. Mai auf der Insel Kreta im Kamp£ gegen Teile des britischen Heeres. In kühnem Angriff aus der Luft eroberten sie, unterstützt durch Jagd-, Zer- störer-, Kampf- und Sturzkampffliegerverbände taktisch wichtige Punkte der Insel. Nach weiterer Verstärkung durch Verbände des ‚Heeres gingen die deutschen Truppen zum Angriff über. Bald war der Westteil der Insel fest in deutscher Hand. Die deutsche Luft- waffe zerschlug den Versuch der britischen Flotte, in die Entschei- dung um Kreta einzugreifen, vertrieb sie aus dem Seegebiet nörd- lich Kreta, versenkte und beschädigte eine große Anzahl feind- licher Kriegsschiffe und errang die Luftherrschaft über dem gesam- ten Kampfraum!“ Der Inhalt dieses Wehrmachtberichts ist das Ergebnis eines sorg- fältig durchdachten und vorbereiteten Planes, in dem die unermüd- liche und aufopferungsvolle Arbeit der Fernaufklärer eine be- deutende Rolle spielte. Als in der Morgendämmerung die deut- schen Kampf- und Sturzkampfverbände vom griechischen Festland zum Angriff gegen Kreta starteten, wußte jeder Flugzeugführer genau, welches Ziel er anzufliegen hatte, wie es aussah und mit welcher Abwehr zu rechnen sein würde. Über das Ägäische Meer brausten an jenem 20. Mai die Verbände der deutschen Kampf- flieger. Die Sturzkampfflugzeuge stürzten sich mitten hinein in das Trommelfeuer der wild schießenden britischen Flakbatterien an Kretas Küste. Dann zeigten gewaltige Rauchpilze, Explosionen und Feuerschein von der Wirkung der schweren Bomben. Kaum war die erste Welle vorüber, so war der Himmel abermals voller Flug- zeuge. Ungeheuer war ihre Zahl. Sie drückten herab und brausten im Tiefflug auf die Insel zu - deutsche Transportmaschinen, dicht besetzt mit Fallschirmjägern. Die englische Flakartillerie feuerte aus allen Rohren. Aber die Transporter kehrten sich nicht daran, sondern flogen gleichmäßig weiter, verlangsamten dann ihren Flug, um den Fallschirmjägern den Absprung zu erleichtern. Ganze Wol- ken von weißen Fallschirmen senkten sich auf die Erde nieder. Noch während sie herabschwebten, warfen die Fallschirmjäger Handgranaten und feuerten aus ihren Maschinenpistolen. Der Erd- kampf begann. Während die deutschen Truppen in erbittertem Kampf Stück um Stück des bergigen Geländes an sich rissen, führten die Transportflugzeuge immer neue Verstärkungen heran. In letzter Stunde setzte England seine Mittelmeerflotte ein. Nördlich Kreta wurde deren Entlastungsvorstoß von deutschen Kampf- und Sturz- Die Eroberung Kretas 45 kampffliegerverbänden abgefangen. Zahlreiche Kriegsschiffe wurden versenkt. Dieser Schlag vernichtete den Glauben an die Unbesieg- barkeit und unterhöhlte das Vertrauen in den Schutz durch eine starke Kriegsflotte. Nach einer Woche war in engem’ Zusammenwirken zwischen flie- genden Verbänden einerseits und Gebirgsjägern, Fallschirmjägern . und Luftlandetruppen andererseits der Feind aus seinen Stellungen bei Canea geworfen. Der Versuch der Briten, sich von der Haupt- stadt aus zurückzuziehen, wurde durch die Luftwaffe verhindert, der es gelang, in der Suda-Bucht 4 Transporter zu versenken und 2 weitere schwer zu beschädigen. Am 1.Juni, 13 Tage nach dem ersten Absprung deutscher Fallschirmjäger über Kreta, wurde - nachdem sich kurz zuvor deutsche und italienische Truppen die Hand gereicht hatten - der letzte Stützpunkt der geschlagenen Bri- ten, der Hafen Sfakia, besetzt. Damit war die ganze Insel vom Feinde frei. Rückblick und Ausblick. Der Aufbau der neuen Luftwaffe ist als unmittelbare Folge des politischen Weitblicks des Führers anzusehen. Als erste Macht hat Deutschland die kampfentscheidende Bedeutung einer starken Luft- waffe erkannt und danach gehandelt. Die neue Luftwaffe ist das Schulbeispiel einer Gemeinschaftsleistung. Wissenschaftler und Forscher erzielten in unermüdlichem Fleiß wertvolle Erkenntnisse als Voraussetzungen für den Aufbau der Luftwaffe. Die Rüstungsbetriebe mit ihren Ingenieuren und Tech- nikern, mit ihren Einfliegern und dem Heer der Facharbeiter liefer- ten Flugzeuge, Waffen, Gerät und Ausrüstung in beispielloser Güte und Menge. Flieger-HJ. und NS.-Fliegerkorps sorgten für vor- militärische Ausbildung und für Nachwuchs. Alte und junge Sol- daten, Ingenieure und Beamte, Angestellte und Arbeiter halfen in eiserner Pflihterfüllung, den dritten Wehrmachtteil zu dem Werk- _ zeug zu gestalten, dessen Großdeutschland in dem ihm aufgezwun- genen Kampf um sein Recht und sein Dasein bedarf. Das beweist der bisherige Ablauf des jetzigen Krieges. Wohl haben auch Heer und Kriegsmarine im Vergleich zum Welt- krieg ihre Kampfverfahren geändert und erweitert. Allein die Luft- . waffe hat sich von einer Hilfswaffe des Heeres, die sie im Weltkrieg 46 Die neue Luftwaffe war, zu einem selbständigen Wehrmachtteil entwickelt, der aus sich heraus in der Lage ist, den Kampf allein und entscheidend zu führen. Ein Vergleich der Leistungen und Zahlen der Fliegertruppe des Weltkrieges mit denen der neuen Luftwaffe im jetzigen Kriege ist mit Rücksicht auf die grundlegende Änderung der Verhältnisse nicht möglich. Es genügt aber auch, die Erfolge der Luftwaffe im jetzigen Kriege rückschauend zu betrachten, um daraus auf ihre weitere kriegsentscheidende Wirkung schließen zu können. Nachdem Polen, Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Serbien und Griechenland niedergeschlagen wurden, steht die Luftwaffe gemeinsam mit Heer und Kriegsmarine im harten aber siegreichen Kampf gegen Sowjet-Rußland. Danach hat die deutsche Luftwaffe nur noch ein Ziel: Britannien. So fliegen nach wie vor deutsche Kampf- und Sturzkampfgeschwader, Jagd- und Zerstörerverbände gegen England und seine Stützpunkte und Schiffe. Vernichtete Flug- platzanlagen, am Boden zerstörte und im Luftkampf abgeschossene Flugzeuge sind das für die britischen Luftstreitkräfte schmerzliche Ergebnis. Darüber hinaus gehen die Luftangriffe auf die für den Feind kriegswichtigen Hafenanlagen und Rüstungsbetriebe weiter. Die dauernde Versenkung von Schiffsraum und die Vernichtung von Vorrats-, insbesondere Betriebsstofflagern, beeinträchtigen wirksam den feindlichen Nachschub. Im Eismeer ebenso wie weit draußen im Atlantik führen Fernkampfflugzeuge im Zusammen- wirken mit Unterseebooten und anderen Streitkräften der Kriegs- marine den Kampf gegen die Überseeverbindungen des britischen Reiches. Deutsche Bomben und Bordwaffen treffen den Feind im Mittelmeer und in Afrika, wo immer sie ihn finden. Die deutsche Luftwaffe wird mit Heer und Kriegsmarine auch den Zusammenbruc des letzten Feindes erzwingen. 47 Die Waften des Kriegsflugzeuges In der Frühzeit seiner Entwicklung bildete das Kriegsflugzeug mit seiner Bewaffnung noch keine vollkommene Einheit. Das Flugzeug war zuerst entstanden mit dem einzigen Zweck, sich im Luftraum bewegen zu können, und erst später hatte es, nachdem seine mili- tärische Bedeutung feststand, Waffen als erwünschte Beigabe er- halten. Heute bilden das Kriegsflugzeug und seine Waffen eine unlösbare Einheit. Bauform des Flugzeuges und Bewaffnung sind aufeinander abgestimmt; das Wichtigste sind die Waffen, das Flug- zeug selbst ist nur das Mittel, um sie an den Feind zu bringen. Grundsätzlich sind zu unterscheiden: Bordwaffen und Abwurf- waffen. Erstere sind Schußwaffen, die der Bekämpfung von Luft- und Erdzielen dienen; zu den letzteren zählen in der Hauptsache die Bomben mit den dazugehörigen Abwurfeinrichtungen. Bordwaffen. Als Schußwaffen für Flugzeuge sind nur selbsttätig arbeitende Maschinenwaffen tauglich. Da infolge der hohen Fluggeschwindig- keiten das Schießen vom Flugzeug aus auf ein bestimmtes Ziel sich im allgemeinen in sehr kurzer Zeit abspielt, kann die ge- _ wünschte Feuerwirkung nur durch hohe Feuergeschwindigkeit und eine Vielzahl von Waffen erreicht werden. Besonders starre Waffen werden daher meist in mehrfacher Anzahl angeordnet, und auch bewegliche Waffen werden neuerdings immer häufiger in Mehrfach- lafetten zusammengefaßt eingebaut, um die Feuerwirkung zu ver- vielfachen. Als Bordwaffen finden Verwendung luftgekühlte Maschinen- gewehre (MG.) bis zu einem Kaliber von rund 8 mm und über- schwere Mg.s bis zu einem Kaliber von etwa 13,7 mm. Diese Maschinenwaffen verfeuern Vollgeschosse mit einer Feuergeschwin- digkeit von 1000 bis 1200 Schuß je Minute. Zum Überprüfen der Schußlage ist es üblich, in die Munition in regelmäßigen Abständen Leuchtspurgeschosse einzustreuen. Die Wirkung der kleinkalibrigen Maschinenwaffen ist gegen lebende Ziele ausreichend, aber nicht immer gegen tote Ziele, wie z.B. Fahrzeuge und Flugzeuge. 48 Die Waffen des Kriegsflugzeuges Aus diesem Grunde ist man bereits im Weltkriege dazu über- gegangen, Maschinenkanonen (MK.) als Bordwaffen heranzu- ziehen, und zwar überwiegend. vom Kaliber 20 mm. Diese Kanonen verfeuern mit empfindlichen Aufschlagzündern versehene Spreng- geschosse, die beim Auftreffen zerspringen und weitaus stärkere Zerstörungen anrichten als Treffer kleinkalibriger Vollgeschosse. Flugzeuge, die von solchen Sprenggeschossen getroffen werden,. erleiden mindestens schwere Beschädigungen, wenn sie nicht sofort der Vernichtung anheimfallen. Seitdem die zunehmenden Abmes- sungen der Kampfflugzeuge in Verbindung mit dem Übergang zur Ganzmetallbauweise die Wirkung kleinkalibriger Vollgeschosse immer mehr herabgesetzt haben, ist die Flugzeugkanone in den Vordergrund getreten. Sie bildet besonders bei Jagdflugzeugen, deren wichtigste Aufgabe die Bekämpfung feindlicher Kampfflug- zeuge ist, die Hauptbewaffnung. Bei Beginn dieses Krieges verfügte die deutsche Luftwaffe fast allein über Jagdflugzeuge mit Kanonen- ausrüstung; ihr britischer Gegner ist erst sehr viel später zur Ver- wendung von Flugzeugkanonen übergegangen. Starre Bordwaffen. Die ersten Waffeneinbauten bei Flugzeugen waren behelfsmäßiger Art. Man versuchte, zuerst mit einfachen Handfeuerwaffen und später mit drehbar angeordneten, beweglichen Maschinengewehren den Gegner in der Luft zu bekämpfen. Es zeigte sich sehr bald und wird auch durch die Überlegung bestätigt, daß die Treffgenauigkeit beim Schießen vom Flugzeug aus dann am größten ist, wenn Flug- richtung und Schußrichtung zusammenfallen; in diesem Falle näm- lich braucht beim Zielen die Eigengeschwindigkeit nicht berück- sichtigt zu werden, die sonst, etwa beim Schießen seitwärts zur Flugrichtung, das Treffen erheblich erschwert. Am einfachsten wird also das Schießen aus dem Flugzeug, wenn eine Waffe fest in der Flugzeuglängsachse oder parallel dazu ein- gebaut ist. Der Schütze kann dann nicht mehr mit der Waffe selbst zielen, sondern muß das ganze Flugzeug auf das Ziel richten; mit anderen Worten, der Schütze muß gleichzeitig Flugzeugführer sein. Dementsprechend sind starre Waffen immer in Flugrichtung schie- ßend angeordnet und werden vom Flugzeugführer selbst bedient, der dadurch zielt, daß er sein Flugzeug unmittelbar auf das Ziel zusteuert. Starre Bordwaffen sind daher ausgesprochen für den Angriff brauchbar. Starre Bordwaffen . 49 Die natürliche Stelle für den Einbau starrer Bordwaffen im Flug- zeug liegt in der Nähe der Flugzeuglängsachse, d.h. im Rumpf. Bevor jedoch an die praktische Verwendung im Rumpf starr ein- gebauter MG.s bei einmotorigen Flugzeugen üblicher Bauart zu denken war, blieb die Aufgabe zu lösen, wie die Waffen vom Rumpf aus nach vorn feuern können, ohne dabei die davorliegende, schnell umlaufende Luftschraube zu treffen. Diese Aufgabe wurde bereits im Weltkriege in Deutschland gelöst und das Ergebnis später von allen kriegführenden Staaten über- nommen. Um das Schießen von Maschinengewehren durch den Luftschraubenkreis ohne Gefahr für die Luftschraube selbst zu er- möglichen, werden die Waffen derart gesteuert, daß ein Schuß nur dann freigegeben wird, wenn gerade kein Luftschraubenblatt vor der Gewehrmündung steht. Eine solche Steuerung kann vom Motor her entweder über eine Steuerwelle auf mechanischem Wege erfolgen, oder auch mit Hilfe hydraulischer, pneumatischer oder elektrischer Einrichtungen. Wiewohl sich die Steuerung starrer Bordwaffen auf das beste be- währt hat und auch heute noch in großem Umfange angewendet wird, ergaben sich doch mit der fortschreitenden Leistungsverbes- serung der Flugzeuge gewisse Schwierigkeiten. Wenn nämlich im Luftkampf Sturzflüge ausgeführt werden, so haben diese unter Um- ständen eine erhebliche Steigerung der Luftschraubendrehzahl zur Folge. Bei gesteuerten Maschinenwaffen muß nun aber die erhöhte Drehzahl zwangsläufig eine schnellere Schußfolge herbeiführen; können die Waffen jedoch eine erhöhte Schußleistung nicht mehr aufbringen, so treten naturgemäß Störungen auf. Außerdem ist die Anordnung mehrerer Waffen im Rumpf und die Unterbringung eines genügenden Munitionsvorrates begrenzt; mehr als 2 MG.s sind beispielsweise beim einmotorigen Flugzeug nur schwer ein- zubauen. Deshalb ist man im Kriegsflugzeugbau dazu übergegan- gen, die starren Bordwaffen teilweise oder ganz außerhalb des Luftshraubenkreises im Flügel einzubauen und un- gesteuert feuern zu lassen. Letzteres ist beispielsweise bei den englischen Jagdflugzeugen vom Muster „Spitfire‘ und „Hurricane“ der Fall. deren Flügel auf jeder Seite 4 MG.s trägt. Nur bei zwei- oder viermotorigen Flugzeugen besteht hierzu keine Ver- anlassung, weil der freie Rumpfbug genügend Raum für mehrere starre Bordwaffen bietet und die Luftschrauben der Flügelmotoren nicht stören. 50 Die Waffen des Kriegsflugzeuges Für Flugzeugkanonen ist ein Einbau im Rumpf und ein Schießen durch den Luftschraubenkreis überhaupt nicht möglich. Die Gefahr eines Versagens der Waffensteuerung ist naturgemäß nie ganz auszuschalten. Trifft aber einmal ein Sprenggeschoß einer Kanone ein Luftschraubenblatt, so wird dies zu einer schweren Beschädi- gung des Flugzeuges und mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Absturz führen. Daher werden Flugzeugkanonen grundsätz- lich so eingebaut, daß sie ungesteuert und nicht zwiscien den umlaufenden Luftschraubenblättern hindurchschießen. Vielmehr werden sie bei Einmotorenflugzeugen entweder im Rumpf in Ver- bindung mit einem sogenannten Kanonenmotor eingebaut oder im Flügel außerhalb des Luftschraubenkreises. Beim Anbau an einen Kanonenmotor feuert die Kanone durch eine hohle Luftschrauben- welle, also mitten durch die Luftschraubennabe. Der Motor selbst ist, um dies zu ermöglichen, so ausgebildet, daß seine Kurbelwelle über ein Getriebe die gesondert angeordnete und über oder unter dem Motorgehäuse liegende Luftschraubenwelle antreibt. Diese Art einer Motorkanone ist bisher nur bei Triebwerken in Reihen- bauart verwirklicht worden. Vor ihrer Verwendung im Flugzeug müssen starre Bordwaffen sorgfältig eingerichtet werden, damit sie genau in Flugrichtung feuern. Da viele Flugzeuge mehrere starre Waffen besitzen, die nicht alle in der Längsachse, sondern nur parallel dazu eingebaut werden können, werden diese so ein- gerichtet, daß sich ihre Schußgarben in einem bestimmten Punkt vor dem Flugzeug kreuzen. Auf diese Weise wird für die günstigste Schußenttfer- nung eine zusammengefaßte Feuer- wirkung erreicht. Die Munitions- zuführung bei starr eingebauten Flugzeugwaffen erfolgt in der Regel mit Hilfe von Gurten, die es gestat- ten, einen beträchtlichen Vorrat an Munition unterzubringen. Das A us- lösen der Waffen erfolgt im allge- meinen durch Betätigung von Druck- knöpfen an der Steuersäule im Führer- Reflexvisier für Jagdflugzeug raum des Flugzeuges. Bei neuzeit- Bewegliche Bordwaffen 51 lichen Einbauten ist die Bedienung der Waffen, z.B. Behebung von Ladehemmungen, auch dann möglich, wenn die Waffen vom Flug- zeugführer nicht unmittelbar zu erreichen sind. Hierzu gibt es Fernbetätigungsanlagen, mit deren Hilfe auch im Flügel eingebaute Waffen bedient werden können. Für das Zielen mit dem ganzen Flugzeug, wie es bei der Verwen- dung starrer Bordwaffen erforderlich ist, bedient sich der Flugzeug- führer besonderer Visiereinrichtungen. Die früher üblich gewesenen einfachen Visiere sind heute meist durch hochwertige optische Geräte, wie z.B. Reflexvisiere, ersetzt. Bewegliche Bordwaffen. Obwohl starre Bordwaf- fen große Vorteile bie- ten, so läßt sich doch auf bewegliche Waffen nicht verzichten. Denn mit starren Waffen kann man wohl angreifen, aber sich im Luftkampf nicht verteidigen. Flugzeuge, die sih dem Angriff des Gegners durch über- legene Geschwindigkeit oderbessereSteigleistung Flugzeug-MGC. in Kuppellafette für Bugstand nicht entziehen können, wie z.B. Kampfflugzeuge oder solche, die ihren Flug zur Erfül- lung ihres Auftrages unbeirrt fortsetzen müssen, wie z.B. Auf- klärungsflugzeuge, werden daher mit beweglihen Abwehr- waffen ausgerüstet. Als solche finden überwiegend Maschinengewehre Verwendung. Maschinenkanonen werden nur selten, und zwar bei größeren Kampfflugzeugen, eingebaut, die in der Lage sind, die erforderliche schwere Kanonenlafette aufzunehmen. Die beweglihen Maschinenwaffen ruhen in Lafetten, die ein Bewegen der Waffen über einen bestimmten Bereich ermöglichen; meist genügt es, wenn von den Waffen ein beschränktes Schußfeld bestrichen werden kann. Von den verschiedenen Lafettenarten sind als wichtigste zu nennen die Drehkränze und die Schwenklafetten. 52 Die Waffen des Kriegsflugzeuges Die Drehkränze werden in der Regel auf dem Rumpfrücen ein- gebaut und gestatten ein Drehen der dazugehörigen Waffe nach den Seiten. Bei den Schwenklafetten sind die Waffen gewöhnlich in einem beschränkten Bereich um einen Zapfen nach allen Rich- tungen drehbar. Besondere Lafettenbauarten finden sich beispiels- weise im Rumpfboden großer Kampfflugzeuge; es sind die soge- nannten Bodenlafetten (Bolas), die das Schießen nach unten, also auch den Angriff auf Erdziele, ermöglichen. Bei neuzeitlichen Flugzeugen mit hoher Geschwindigkeit ist es er- forderlich, die Schützen dem starken Flugwind zu entziehen. Daher sind die Waffenstände mehr oder minder durch Hauben oder Kuppeln abgedeckt. Vielfach sind diese Windschutzverkleidun- gen mit den Lafetten der beweglichen Waffen vereinigt und bilden dann z.B. die sogenannten Kuppel- oder Linsenlafetten. Eine besondere Art von beweglichen Waffeneinbauten hat sich im englischen Flugzeugbau herausgebildet. Dort sind bei größeren Kampfflugzeugen motorgetriebene Kupellafetten, auch MG.-Türme genannt, in Gebrauch, die bis zu 4 Maschinengewehre vereinigen und sich vom Schützen mit Hilfe von Elektromotoren oder Druck- ölantrieb bewegen lassen. Besonders als Heckstände am Rumpf- ende sind derartige motorgetriebene Kuppeln üblich. Tede bewegliche Bordwaffe oder jede in einer Mehrfachlafette zu- sammengefaßte Gruppe von Waffen muß von einem besonderen Schützen bedient werden. Je nachdem, wo die Waffe eingebaut ist, muß der Schütze die Waffe stehend, kniend oder liegend bedienen. Gezielt wird entweder über Visiere mit Kreiskorn oder über optische Visiere, die eine Berücksichtigung der Ziel- und Eigen- bewegung gestatten. Die Munitionszuführung bei beweglichen Waffen erfolgt in der Regel aus Trommeln, kann jedoch auch durch Gurte vorgenommen werden, die durch bewegliche Zuleitungs- schläuche laufen. Anordnung der Bordwaffen. Flugzeuggattungen, die in der Hauptsache dem Angriff auf Luft- ziele dienen, also Jagd- und Zerstörerflugzeuge, sind ganz oder überwiegend mit starren Bordwaffen ausgeri.stet. Jagdeinsitzer haben gewöhnlich 2 bis 8 starre MG.s, von denen 2 im Rumpf eingebaut sein können. Für Jagdeinsitzer, die mit Kanonen bestückt sind, ist üblich eine Anordnung, die ent- weder 1 ungesteuerte Motorkanone und 2 ungesteuerte Flügel- Anordnung der Bordwaffen - Abwurfwaffen | 53 MG.s zeigt, oder gesteuerte MG.s im Rumpf und 2 ungesteuerte Kanonen im Flügel. Zerstörer (oder Jagdmehrsitzer) haben als Zweimotorenflugzeuge sämtliche starren Waffen im Rumpfbug angeordnet. Üblich. sind 2 Kanonen und mindestens 2 MG.s; dazu kann auf dem Rumpf- rücken für die Verteidigung ein bewegliches MG. oder Doppel-MG. kommen. Aufklärungsflugzeuge werden vielfach mit 1 bis 2 gesteuer- ten starren MG.s im Rumpf und einem beweglichen MG. zur Ver- teidigung nach hinten ausgerüstet. Ähnlich pflegt die Bordbewaff- nung von anderen Zweisitzern zu sein, z.B. von Sturzkampf- flugzeugen. Anders verhält es sich mit den Flugzeugen, die ausschließlich dem Angriff auf Bodenziele dienen und einen Luftkampf nur in der Verteidigung führen können. Sie sind durchwegs nur mit beweg- lichen Waffen ausgerüstet. Zu ihnen rechnen in erster Linie die Kampfflugzeuge. Diese zeigen eine Vielfalt von Waffenanordnungen; am häufigsten ist. eine Bewaffnung, die aus je einem MG. oder Doppel-MG. im Rumpfbug, auf der Rumpfoberseite und an der Rumpfunterseite besteht; die Waffen auf und unter dem Rumpf sind vielfach auch zu einem Heckstand am Rumpfende hinter dem Leitwerk zusam- mengefaßt. Mit dieser Bewaffnung ist grundsätzlich eine Verteidi- gungsmöglichkeit nach allen Richtungen gegeben. Die beweglichen Bordwaffen des Kampfflugzeuges, die im Bug und unter dem Rumpf angeordnet sind, dienen außer zur Verteidi- gung gegen Jagdangriffe auch zum Beschuß von Erdzielen, ebenso wie andererseits Jagd- und Zerstörerflugzeuge mit ihren starren Waffen neben Luftzielen auch Bodenziele sehr wirkungsvoll an- greifen können. Abwurfwaffen. Als die Bedeutung des Flugzeuges zum gezielten Abwurf von Sprengkörpern erkannt worden war, entstanden hierfür zunächst verhältnismäßig sehr einfache und wenig wirkungsvolle Bomben. Erst allmählich wurde dann die nach strömungs- und waffentech- nischen Grundsätzen entwickelte Bombe zu dem Kampfmittel, wie es in diesem Kriege in größtem Maße Verwendung findet. Nach der Bombe wurde der Flugzeugtorpedo geschaffen und in jüngster Zeit die aus dem Flugzeug über See abgeworfene Mine. 2) BEWESLICHES M@. rn MUNITIONSTROMMELN j __ y STARRES M®. urENUUGUESSEEE S \ STERNMOTOR STROMERZEUGSER Aufklärungsflugzeug Henschel Hs 126 as BEWEGLICHES MY. \ VBRSTELL-" LUFTSCHRAUBE LANDEKLAPPE WASSERKÜHLER BOMBE IN ABWURFLAGE FEDERBEIN BOMBEN UNTER DEM ELÜGEL . STURZFLUGBREMSE . Sturzkampfflugzeug Junkers Ju 87 SS . i = Verstellbares Luft- Nr. 11 = Gepanzerte Wind- Dr 20 = Gashebel schraubenblatt schutscheibe: r.21 = Einschiebbare . 2 Luftschraubenkappe Nr. 12= Schiebehaube Einstiegleiter . 3== Luftschraubennabe (abwerfbar) ° Nr. 22 = Hauptholm . 4= Lüfterrad Nr. 13 = Antenne Nr. 23 = Motor BMW 801 . 5 = Panzerringu. Olkühler Nr. 14 = Seitenflosse Nr. 24 = Kanone . 6 = Staurohr Nr. 15 = Seitenruder Nr. 25 = Einschwenkbares Nr. 7=MG Nr. 16 = Höbenruder Fahrgestell . 8= Querruder Nr. 17 = Höhenflosse Nr. 26 — Bremsrad . 9= Trimmkante Nr. 18 = Spornrad Nr. 27 = Positionslicht .10>= Motortraggerüst Nr. 19 = Führersit Nr. 28 = Randkappe 85 Abwurfwaffen 59 Bomben. Ihrer Zweckbestimmung nach gibt es verschiedene Arten von Bom- ben. Die wichtigsten sind: die Sprengbombe und die Brandbombe; von untergeordneter Bedeutung, weil nur ein Hilfsmittel beim Bombenwurf, ist die Leuchtbombe. An Sprengbomben verwendet jede Luftwaffe im allgemeinen verschiedene Arten und Kaliber, Bei der deutschen Luftwaffe wird außerdem noch unterschieden zwischen Splitterbomben und Minen- bomben. Die Splitterbombe, gewöhnlich im Gewicht von 10kg, wird gegen lebende Ziele eingesetzt. Bei verhältnismäßig großer Wand- stärke enthält sie nur eine kleine Sprengstoffmenge, zerlegt sich aber in sehr viele kleine Splitter. Die größeren Bombenarten, die bei der deutschen Luftwaffe im Gewicht von 50kg, 250kg, 500kg und mehr üblich sind, zählen zu den Minenbomben. Bei diesen beträgt der Anteil des Spreng- stoffs-am Gesamtgewicht etwa die Hälfte; der Mantel ist nur so stark bemessen, daß er beim Eindringen der Bombe in die Erde der Beanspruchung standhält. Minenbomben werden gegen tote Ziele eingesetzt und wirken in der Hauptsache durch den von der hohen Sprengladung erzeugten starken Druck. Schwere Bomben sind im- stande, auch größte Bauwerke, Befestigungsanlagen, gepanzerte Fahrzeuge und Schiffe zu vernichten. Brandbomben sind fast durchwegs verhältnismäßig kleine Ab- wurfkörper von etwa 1 bis 10 kg. Beim Auf- — schlag auf den Boden zer- springen sie nicht, son- dern verbrennen einige Minuten lang unter Ent- wicklung sefir großer h Hitze. Vielfach findet o als Brandsatz für Brand- bomben Thermit Ver- wendung, das nicht mit / Wasser, sondern nur mit B00Kg 2350xg S5OKg 10Kg Ikg jand a en Bomben der deutschen Luftwaffe. den Brandbomben in grö- Links: Minenbomben ; rechts: 10-kg-Splitter- ßeren Mengen zugleich bomben und 1-kg-Brandbombe 60 Die Waffen des Kriegsflugzeuges abgeworfen, um möglichst viele Brandherde entstehen zu lassen. Leuchtbomben dienen nicht der Zerstörung, sondern der Er- hellung des Erdbodens, damit der Kampfflieger bei Nacht sein Ziel finden und zum Bombenwurf anfliegen kann. Eine Leuchtbombe besteht im allgemeinen aus einem zylindrischen Blechkörper mit einem Leuchtsatz, der unter starker Lichterscheinung abbrennt. Damit die Leuchtbombe nur langsam zu Boden schwebt und mög- lichst lange ihr Licht verbreitet, hängt sie an einem Fallschirm, der sich nach dem Abwurf entfaltet. Zur Entzündung werden Bomben durch Aufsclagzü nder ge- bracht, deren Eigenart darin besteht, daß sie vor dem Abwurf vollkommene Sicherheit bieten; dies ist notwendig, weil die Bom- ben beim Abflug oder gegebenenfalls auch bei einer Landung starken Stößen und Erschütterungen ausgesetzt sind. Von einem guten Bombenzünder muß daher verlangt werden, daß er erst dann scharf wird, wenn die Bombe das Flugzeug verlassen hat. Bei der deutschen Luftwaffe sind elektrische Zünder im Gebrauc. Ihre Wirkungsweise beruht darauf, daß beim Abwurf ein Speicher- kondensator im Zünder aus der Bordbatterie elektrisch aufgeladen wird; wenn die Bombe bereits das Flugzeug verlassen hat, fließt ‚von diesem Speicherkondensator ein elektri- scher Strom im Verlaufe einiger Sekunden zu dem eigentlichen Zündkondensator, der dann beim Auftreffen auf den Boden die Zündung auslöst. Damit ist jede Möglichkeit einer ver- frühten Zündung ausgeschaltet. Je nach Bedarf können Bombenzünder vor dem Abwurf so eingestellt werden, daß die Entzündung des Sprengstoffes mit oder ohne Verzögerung er- folgt. Die Einstellung mit Verzögerung wird gewählt, wenn eine Bombe zur Vergrößerung ihrer Minenwirkung vor dem Zerspringen tief in das Erdreich eindringen soll, oder bei Tief- angriffen, damit das Flugzeug nicht mehr von den Sprengstücken der Bombe getroffen wird. Als Besonderheit sind ferner die sogenannten Langzeitzünder zu erwähnen, die die Zündung 500-kg-Minenbomben.mit 2 Seitenzündern im Schnitt Abwurfwaffen . 61 der Bombe erst nach Stunden oder gegebenenfalls erst nach Tagen auslösen. . Die Unterbringung von Bomben im Flugzeug kann auf ver- schiedene Art und Weise erfolgen. Kleinere Bomben können in Magazinen gelagert werden, die sich im Rumpfinnern befinden und mehrere Bomben zugleich aufnehmen. Größere Bomben werden vielfach einzeln imRumpfanAufhängegeschirren befestigt, und sehr große Bomben werden gegebenenfalls unter dem Rumpf auf- gehängt. Auch unter dem Flügel ist bei manchen Flugzeugmustern die Befestigung von Bomben möglich. Die Bomben-Aufhängevorrichtung muß eine sichere Befestigung und Auslösung ermöglichen. Bei neuzeitlichen Flugzeugen lassen ' sich die Bomben einzeln oder in regelmäßigen kurzen Abständen hintereinander (Reihenwurf) auslösen. Zur Ausführung von Reihen- würfen gibt es besondere Abwurfgeräte, die sogenannten Reihen- abwurfautomaten, die selbsttätig eine Bombe nach der anderen in Bruchteilen einer Sekunde zum Abwurf bringen. Die beim Bombenwurf verwendeten Zielgeräte, die früher von einfachen mechanischen Visieren gebildet wurden, sind heute zu sehr leistungsfähigen optischen Geräten weiterentwickelt worden. Diese unter der Bezeichnung Bombenfernrohre oder ‚Lotfernrohre‘ bekannten Zielgeräte arbeiten weitgehend selbsttätig. Sie bestim- men, wenn sie einmal auf den Zielpunkt eingestellt sind, von selbst den notwendigen Vorhaltewinkel und lösen gegebenenfalls auch selbsttätig den Bombenabwurf aus. Die mit derartigen Bom- benzielgeräten erreichte Treffgenauigkeit ist außerordentlich hoch. Flugzeugtorpedos. Die erstmalig im jetzigen Krieg in größerem Umfange zur Ver- wendung gekommenen Flugzeugtorpedos dienen ausschließlich zum Angriff auf Seefahrzeuge. Der aus dem Flugzeug abgeworfene Torpedo unterscheidet sich in seinem grundsätzlichen Aufbau nicht von dem bei der Kriegsmarine verwendeten: Im Wasser befindlich, läuft er mit eigener Kraft in der gleichen Richtung weiter, in der er in das Wasser eingetaucht ist. Eine Seiten- und Tiefensteuer- vorrichtung sorgt dafür, daß er die beim Abwurf gewählte Rich- tung und die vorbestimmte Lauftiefe einhält. Dementsprechend erfolgt der Angriff eines Torpedoflugzeuges so, daß dieses das angegriftene Seefahrzeug unter dem von Geschwin- digkeit des Zieles und Abwurfentfernung abhängigen Vorhalte- 62 | Die Waffen-der Flakartillerie winkel anfliegt. Aus der vorherbestimmten Entfernung wird dann aus niedriger Höhe der Torpedo gelöst und taucht nach kurzem Fall in Angriffsrichtung in’ das Wasser ein. Die Waffen der Flakartillerie Die Entwicklung besonderer Waffen zur Bekämpfung von Flug- zielen wurde in Deutschland bereits längst vor dem Weltkriege aufgenommen. Weil damals das Flugzeug als Waffe noch keme Bedeutung besaß, sollten die in jener Zeit geschaffenen Sonder- ‘ waffen vorzugsweise der Bekämpfung von Ballonen und Luftschif- fen dienen; sie trugen daher auch die Bezeichnung „Ballonabwehr- kanonen“. Als Grundlage dienten die beim Heer verwendeten leichten Feldgeschütze, denen durch besondere bauliche Ausgestal- tung ein größeres Seiten- und Höhenrichtfeld gegeben wurde. Aus diesen ersten Ballonabwehrkanonen entstanden später als voll- kommen neue Waffen Flakgeschütze leichten und schweren Ka- libers (Flak = Flugabwehrkanone). Bereits Ende des Weltkrieges waren leistungsfähige Flakwaffen vorhanden, die als unmittelbare Vorläufer der heute verwendeten Geschütze anzusprechen sind. Die grundlegenden Anforderungen an die Waffen der Flakartillerie sind: Leichte und schnelle Richtbarkeit nach allen Seiten, um den Bewegungen der heute sehr schnell fliegenden Flugziele nachkom- men zu können; hohe Geschoßgeschwindigkeit, um die Flugzeit bis zum Ziel möglichst gering zu halten, damit das beschossene Ziel nur geringe Ausweichmöglichkeiten hat; hohe Feuergeschwin- digkeit, damit in der kurzen Zeit, während derer ein vorbeifliegen- . des Ziel beschossen werden kann, möglichst viele Schüsse abgegeben werden können. Außerdem muß leichte Beweglichkeit gefordert werden, damit der Feuerschutz gegen Luftangriffe schnellstens da eingesetzt werden kann, wo es notwendig ist. Schwere Flakgeschütze. Die Hauptwaffe der Flakartillerie ist das schwere Flakgeschütz. Es dient zur Bekämpfung hochfliegender Flugzeuge, d.h. von Flug- zielen, die sich in Höhen von etwa über 1000 m bewegen. Die schwere Flakartillerie der deutschen Luftwaffe ist in diesem - Kriege auch vielfach im Erdkampf eingesetzt worden, vor allem zur Abwehr von Panzerkampfwagen und zur Niederkämpfung von Be- Schwere Flakgeshütze - Leichte Flakgeschütze 63 festigungsanlagen. Hierzu sind die neuzeitlichen Flakgeschütze wegen ihrer hohen Feuergeschwindigkeit, der gestreckten Flugbahn “ und großen Durchschlagskraft ihrer Geschosse vorzüglich geeignet. Die deutsche Flakartillerie verfügt in der Hauptsache über Ge- schütze vom Kaliber 8,8 cm. Diese unterscheiden sich von den bei der Heeresartillerie verwendeten Waffen vor allem dadurch, daß sie nach allen Seiten und nach oben bis zur Senkrechtstellung ge- richtet werden können. Mit Ausnahme von ortsfesten oder auf 'Kriegsschiffen befindlichen Flakgeschützen ist die schwere Flak- artillerie voll motorisiert. Ihr Gerät wird von geländegängigen Zugmaschinen, die zugleich die Bedienungsmannschaften befördern, gezogen. Nach dem Abprotzen in Feuerstellung steht das schwere Flakgeschütz auf einer Kreuzlafette. In der Regel bilden vier Ge- schütze eine Batterie mit gemeinsamer Feuerleitung. Schwere Flakgeschütze feuern im Einzelschuß. Sie werden mittelbar nach den Angaben eines sogenannten Kommandogerätes gerichtet; nur im Erdkampf werden Bodenziele unmittelbar anvisiert. Als Munition werden je nach Zielart Granaten mit Zeitzünder, Auf- schlagzünder oder Panzergranaten verwendet; Geschoß und Kar- tusche mit Treibladung sind, um schnellstes Laden zu ermöglichen, zu einer Patrone vereinigt. Bei sehr hoher Geschoßgeschwindigkeit werden Schußhöhen von über 10000 m erreicht. Infolge der Schwie- rigkeiten, die für die schwere Flak bei der Bekämpfung schnell- fliegender Flugzeuge bestehen, sind Volltreffer nur unter günstig- sten Bedingungen möglich. Die Flakgranate besitzt deshalb eine große Sprengwirkung, die, sofern die Granate in unmittelbarer Nähe des Flugzeuges detoniert, erhebliche Beschädigungen des "Flugzeuges und damit auch seinen evtl. Absturz bewirken kann. Leichte Flakgeschütze. Zur Abwehr tieffliegender. oder im Sturzflug angreifender Flug- zeuge dienen in der Hauptsache leichte Flakgeschütze. Auch sie werden gelegentlich im Erdkampf eingesetzt, z. B. zur Panzerabwehr und zur Niederkämpfung schwerer Infanteriewaffen. Bei der deutschen Flakartillerie finden leichte Flakgeschütze vom Kaliber 2cm und 3,7 cm Verwendung. Ihre Lafetten lassen eine besonders leichte und schnelle Richtbarkeit zu, um auch sehr tief- fliegenden und sich daher sehr rasch durch das Gesichtsfeld be- wegenden Zielen folgen zu können. Es gibt leichte Flakgeschütze, 64 Die Waffen der Flakartillerie bei denen mehrere Rohre in einer Lafette vereinigt sind. Derartige Zwillings- oder Vierlingsgeschütze besitzen eine außerordentlich hohe Feuerkraft. Leichte Flakgeschütze sind Maschinenwaffen, die Reihenfeuer ab- geben und kleine Granaten verfeuern. Die Geschosse sind mit empfindlichen Aufschlagzündern versehen, die sich, wenn sie ihr Ziel verfehlen, nach einer bestimmten Flugzeit von selbst zerlegen; _ hierdurch wird vermieden, daß sie beim Wiederauftreffen auf den Boden Schaden anrichten. Die Ziele werden durch optische und mechanische Visiereinrichtungen unmittelbar anvisiert, wobei das auf Grund der Entfernung des Zieles und seiner Fluggeschwindig- keit ermittelte Vorhaltemaß zu berücksichtigen ist. Da die Geschosse mit einem Leuchtsatz versehen sind, lassen sich ihre Flugbahnen Entfernungsmesser für leichte Flakgeschütze an der Leuchtspur mit dem Auge verfolgen, so daß notfalls die Visiereinstellung verbessert werden kann. Auch die leichten Flakwaffen sind mit wenigen Ausnahmen motori- siert. Sie werden im Kraftzug, d.h. an geländegängige Kraftwagen angehängt, fortbewegt. In Sonderfällen sind leichte Flakgeschütze auch unmittelbar auf Kraftfahrzeugen aufgebaut (Selbstfahrlafetten). Kommandogerät. Das Verfahren, nach dem das Schießen der schweren Flakartillerie erfolgt, ist anders, als es bei der Artillerie des Heeres üblich ist. Kommandogerät . 65 Ein Flugzeug, das sich mit großer Geschwindigkeit im Raum be- wegt, kann nicht unmittelbar mit einem Geschütz anvisiert werden, da es sich während der Flugzeit des Geschosses unter Umständen einen Kilometer und mehr fortbewegt. Es bleibt auch keine Zeit zum Einschießen auf das Flugziel, d.h. zum Verbessern der Richt- werte der Geschütze auf Grund der beobachteten Trefferlage, weil beim raschen Vorbeiflug ohnehin nur Zeit für die Abgabe weniger Schüsse vorhanden ist. Die Grundlage für das Schießen der schwe- ren Flakgeschütze muß vielmehr eine genaue Zielvermessung bieten. Hierzu und zur Ausrechnung der Angaben, nach denen die Geschütze gerichtet werden müssen, dient das Kommandogerät. Die Vermessung eines Flugzieles erfolgt laufend, und zwar durch immer wiederkehrende Messung der Entfernung, der Seiten- und Höhenrichtung des Zieles zum Geschütz bzw. zur Batterie. Nach diesen als „‚Ortungswerte‘ bezeichneten Meßwerten kann ein Flak- geschütz jedoch nicht gerichtet werden, vielmehr muß es auf den Punkt im Raum feuern, an dem sich das Ziel nach Ablauf der Geschoßflugzeit befinden wird. Dieser Punkt wird ‚Vorhaltepunkt“ genannt. Die hierfür notwendigen Werte sind die Schußwerte. Die Ermittlung der jeweiligen Entfernung des Flugzeuges von deı Batterie erfolgt u.a. mittels eines großen Entfernungsmeßgerätes durch einen Entfernungsmeßmann (E-Meßmann). Die Umwandlung dieser Werte (Ortungswerte = Werte für Entfernung, Seitenwinkel und Höhenwinkel) in die für den Vorhaltepunkt gültigen ‚„Schuß- werte‘ (Seitenwinkel, Rohrerhöhung und Zünderstellung) besorgt das Kommandogerät, das grundsätzlich eine Art Rechenmaschine darstellt und die Durchführung notwendiger Rechenoperationen in kürzester Frist ermöglicht. Das Endergebnis dieser Rechnung sind die für das Richten der Geschütze erforderlichen Angaben über Rohrerhöhung und Seitenrichtung sowie über die Zünderlaufzeit. Alle diese Werte werden laufend auf elektrischem Wege an jedes Geschütz der Batterie gegeben. Das Kommandogerät berücksichtigt sogar die durch Wettereinflüsse bedingten Verbesserungen der "Schußwerte. Mit Hilfe des Kommandogerätes ist es möglich, die Flakgeschütze laufend gerichtet zu halten, so daß beim Feuerbefehl die Kanoniere lediglich die Patronen aus der Zünderstellmaschine zu nehmen, in ‘das Rohr zu schieben und abzufeuern haben. Die während dieser Handhabung verstreichende Zeit wird bei der Angabe der Schuß- werte bereits im vorhinein berücksichtigt. > 66 Die Waffen der Flakartillerie Richtungshörer. Zum Flakschießen bei Nacht werden Flugziele mit Scheinwerfern angeleuchtet, damit sie vom Kommandogerät angemessen werden können. Erfahrungsgefiäß ist es sehr schwierig, ein hochfliegendes Flugzeug mit dem Scheinwerfer sofort zu erfassen. Daher ist als Hilfsmittel für das schnelle Erfassen eines Flugzieles mit dem Schein- werfer der Richtungshörer entwickelt worden, der das Flugziel an- peilt, noch bevor es in Reichweite des Scheinwerfers gekommen ist. Das menschliche Gehör ist an sich in der Lage, die Richtung zu einer Schallquelle zu bestimmen, aber im wesentlichen nur genau genug nach der Seite und weniger gut nach der Höhe. Die Richt- empfindlichkeit des menschlichen Gehörs beruht auf dem Vorhan- densein von zwei Ohren. Wendet man den Kopf nicht genau der Schallquelle zu, so hat der Schall zu dem einen Ohr einen etwas größeren Weg zurückzulegen als zu dem anderen. Der geringe Zeit- unterschied, mit dem infolgedessen die Schallwellen ankommen, genügt, um die menschlichen Sinnesorgane zu beeinflussen und einen Eindruck von der Schallrichtung hervorzurufen. Die für die Flakartillerie geschaffenen Richtungshörer bedeuten nichts anderes als eine Vergrößerung des menschlichen Gehörs mit dem Zweck einer besseren Richtungsempfindlichkeit. Beim Rich- tungshörer ist sozusagen der Ohrenabstand vergrößert, außerdem sind zwei Paar Ohren (Trichter) vorhanden, von denen ein Paar nach den Seiten und das andere Paar nach der Höhe peilt. Das Ergebnis ist eine bessere Richtgenauigkeit, als sie das menschliche Gehör aufweist, und infolge der vergrößerten Horchmuscheln eine beträchtliche Hörweite. Die deutsche Flakartillerie verwendet ein als „Ringrichtungshörer“ bezeichnetes Horchgerät. Seine 4 Horchtrichter sind nämlich in Form eines Ringes angeordnet. Jedes Trichterpaar wird von einem Horcer bedient. Der ganze Ringtrichter kann nach allen Seiten geschwenkt werden. Die Werte, die ein Richtungshörer liefert, sind ungenau, weil der Schall sich nur mit einer Geschwindigkeit von 330m in der $e- kunde fortpflanzt, so daß sich bis zum Ankommen der Schallwelle das Flugzeug bereits sehr weit von dem Punkt entfernt hat, den der Richtungshörer anpeilt. Deswegen sind neuzeitliche Richtungs- hörer mit einem Schallverzugsrechner ausgerüstet, der laufend diesen Fehler ausgleicht. | Scheinwerfer - Luftsperrmittel 67 Zu jedem Scheinwerfer gehört ein Richtungshörer. Nach dessen Angaben wird der Scheinwerfer gerichtet und dann in Tätigkeit gesetzt. In den meisten Fällen wird er das Flugziel auf Grund der Angaben des Richtungshörers sofort erfassen; wenn nicht, genügt meist ein kurzes Suchen. Scheinwerfer. Bei der deutschen Flakartillerie werden überwiegend Scheinwerfer von 60 cm oder 150 cm Spiegeldurchmesser verwendet. Ihre Licht- stärke ist außerordentlich groß und beträgt beim großen Schein- werfer etwa 1100 Millionen Hefner-Kerzen, was bei entsprechen- den Witterungsverhältnissen eine Leuchtweite bis zu 16 km ergibt. Die Lichtquelle des Scheinwerfers wird von einer Gleichstrom- bogenlampe gebildet. Zum Bündeln der Lichtstrahlen dient ein Parabolspiegel aus Glas. Der elektrische Strom zur Speisung der Bogenlampe wird von einem besonderen Maschinensatz aus ge- liefert, der aus einem Verbrennungsmotor mit angekuppeltem Gleichstromerzeuger besteht. Luftsperrmittel. Der deutschen Flakartillerie angegliedert sind Luftsperreinheiten, die zum Schutz besonders wichtiger Ziele eingesetzt werden. Das wichtigste Luftsperrmittel ist der Sperrballon. Mit seiner tropfenförmigen Hülle und Steuerwülsten sieht der Sperrballon äußerlich ähnlich aus wie der für Aufklärungszwecke verwendete Fesselballon. Er kann bis zu mehreren tausend Metern Höhe stei- gen und bildet mit seinem Haltekabel ein gefährliches Hindernis für Flugzeuge. Bei sehr starkem Wind macht die Verwendung von Sperrballonen Schwierigkeiten, weil die Gefahr eines Abreißens der Ballone von ihren Haltekabeln sehr groß ist. In diesem Falle wird der Sperrballon durh den Sperrdrachen ersetzt, der bei ent- sprechenden Windverhältnissen ebenfalls bis in große Höhen auf- gelassen werden kann. 68 Auf einem Feldflugplatz Am dämmrigen Himmel der Bretagne beginnt der erste Stern zu, flackern, als die „Jot-Dora‘“ in den Feldflugplatz einer Kampf- fliegergruppe einschwebt. Sie ist das letzte Flugzeug, das zurück- erwartet wird. Vor vielen Stunden war sie hier gestartet mit dem Kurs Nordnordwest und dem Auftrag: Bewaffnete Fernaufklärung über den Gewässern der englischen Südwestküste. Während der Flugmeldeposten durch den Fernsprecher zum Grup- pengefechtsstand seine Meldung durchgibt: „Jot-Dora soeben ge- landet“, rollt das Flugzeug holpernd zu seinem Liegeplatz. Noch einmal dröhnen kurz die Motoren auf, einige matte Umdrehungen der Luftschrauben, dann fällt die Einstiegklappe. Steif vom langen Eingezwängtsein auf dem engen Sitz, klettert als erster der Kom- _ mandant des Kampfflugzeuges aus dem Rumpf. Bordschütze, Funker und Flugzeugführer folgen. Im PKW. wird die Besatzung zum Gefechtsstand gebracht. Der Ein- satz, der hinter ihr liegt, war ohne besondere Ereignisse. Ein paar kleine Frachter, die durch die Dünung des St.-Georgs-Kanals. dümpelten, wurden gesichtet, ein englischer Jäger hatte sie bei Cap Lizard erwischt, aber nur einige belanglose Treffer im linken Flügel anbringen können. Ihre Bomben war die ‚„Jot-Dora‘ auf ein Vor- postenboot losgeworden, das ihr mit seinem Flakgeschütz mehr schlecht als recht einige Granaten entgegengesandt hatte. Auf dem Gefechtsstand - eine niedrige, tief im Boden stehende Baracke, die unter Gebüsch und Tarnnetzen fast verschwindet - wird knapp und sachlich Meldung erstattet, dann geht es zum wöhl- verdienten Abendessen mit den Staffelkameraden. Für den Gruppenkommandeur und seinen Adjutanten ist der Ar- beitstag noch nicht zu Ende. Die Besatzung, die sich soeben zurü- gemeldet hat, war zwar die letzte für heute, aber der Einsatz für morgen früh muß noch vorbereitet werden. Der Geschwaderbefehl ist der gleiche wie gestern: Bewaffnete Fernaufklärung in den Plan- quadraten X, Y, Z. Auf einem Feldflugplatz 69 Wie wird das Wetter sein? Aus dem Hörer des Fernsprechers klingt die timme des Meteorologen von der Wetterwarte: „Also gegen Mittag wird die Regenfront bis an das Einsatzgebiet herangerückt sein!“ Dann ist es zweckmäßig, die ersten Starts in die frühen Morgenstunden zu verlegen, um das gute Wetter noch auszunutzen. In wenigen Minuten ist dem Adjutanten der Rahmenbefehl für den Früheinsatz diktiert. Einzelheiten sind nicht notwendig, denn die Besatzungen 'kennen Aufträge dieser Art schon zur Genüge. Schnell werden noch die Startzeiten festgelegt. Vom FeindAug zurück Der Technische Offizier der Gruppe erscheint. Er meldet, daß bis 3 Uhr früh sämtliche Flugzeuge startklar sein werden. Schäden besonderer Art hatte es ja heute nicht gegeben. Die „Cäsar“ hatte einige Schrammen von Flaksplittern mitgebracht, die „Jot-Dora“ einige MG.-Treffer im Flügel, ein anderes Flugzeug hatte eine leichte Motorenstörung und ein unklares Funkgerät gemeldet. Es sind also nurKleinigkeiten, die inder Nahtbehoben werden müssen. In der Messe, die geschickte Hände zu einem freundlichen Aufent- haltsraum gestaltet haben, sitzen die Besatzungen beisammen, so 70 Auf einem Feldflugplatz wie sie im Flugzeug zuein- ander gehören. In der einen oder anderen Ecke werden die Erlebnisse des vergange- nen Tages ausgetauscht, hier wird noch gegessen, dort sitzen einige Gruppen beim Schachspiel zusammen oder lesen. Früh, sehr früh, geht es in die Unterkünfte. Sehr zeitig am nächsten Morgen schon werden die ersten Besatzungen wieder starten. Für die Männer, denen die Pflege der Flugzeuge und Waffen anvertraut ist, hat der Arbeitstag eine andere Einteilung. Ihr Dienst hat mit dem Augenblick wie- der begonnen, als das erste Kaum ist ein Flugzeug vom Feind zurück, gehen die Flugzeugwarte an die Arbeit Eine Luftschraube wird überprüft Kampfflugzeug vom Feindflug zurückkam; jetzt, während die fliegenden Besatzungen Ruhe haben, sorgen sie dafür, daß die Kampfgruppe am neuen Tage bis zum letz- ten Flugzeug einsatzbereit steht. Jedes Flugzeug wird von einigen dieser „schwarzen Männer‘ betreut, wie sie ihrer Schutzkleidung wegen genannt werden. Sie stehen zwar nicht unmittelbar am Feind, wie die eigentlichen Flieger, aber ihre Tä- tigkeit ist wie die des gesamten Boden- personals mit kampfentscheidend. Diese Männer kennen „ihr‘‘ Flugzeug in- und auswendig. Sie hören schon am Klang der Motoren, ob sie einwandfrei arbeiten, und "sie kennen all die kleinen Launen, die auch ein Flugzeug oder ein Motor haben kann. Ihre ganze Fürsorge gilt „ihrem“ Flugzeug und „ihrer‘‘ fliegenden Besatzung, für deren Sicherheit und Leben sie zu einem großen Auf einem Feldflugplatz 71 Teil verantwortlich sind. Kaum ist ein Flugzeug von seinem Flug zurückgekehrt, und noch sind die Motoren heiß vom stunden- langen Lauf, da beginnen schon die Warte mit ihrer Arbeit. Sind von der Flugzeugbesatzung besondere Schäden gemeldet, so werden . diese zuerst untersucht und, wenn es mit den Mitteln eines Front- flugplatzes möglich ist, behoben. Im übrigen sind gewisse, regel- mäßig nach jedem Flug wie- derkehrende Durchsichten ünd Überprüfungen vorzunehmen. Es ist der höchste Ehrgeiz des Wartungspersonals, die Flug- zeuge bis zum nächsten Ein- satz wieder startklar melden zu können. Vielfältig ist die Arbeit des Flugzeugwarts. Er untersucht Flügel und Rumpf. Leichte Schußverletzungen können an Ort und Stelle behoben wer- den, auf jeden Fall aber muß der Wart feststellen, ob nicht wichtige Bauteile beschädigt sind und die Flugsicherheit be- einträchtigen. Ruder sind auf ihre Gängigkeit zu prüfen, und Waffenwart bei der Arbeit die Steuerung muß nachgesehen werden. Viele Griffe sind zu tun, bis das Flugzeug startklar ge- meldet werden kann. Auch Kleinigkeiten dürfen nicht übersehen werden. Selbst klare Scheiben der Besatzungsräume sind wichtig, sonst ist der Flieger in der Sicht behindert und kann im Luftkampf den Gegner viel- leicht in der entscheidenden Sekunde zu spät erkennen. Überhaupt ist Sauberkeit des Flugzeuges außen und innen für den Wart eine Selbstverständlichkeit. Viel Arbeit nimmt auch die Pflege der hydraulischen und elektri- schen Anlage an Bord eines Flugzeuges in Anspruc. Viele Kilo- meter von Leitungen sind in einem neuzeitlichen Kampfflugzeug verlegt, und überall kann ein Bruch entstehen, wenn nicht gar ein _ Treffer ein ganzes Bündel von Leitungen zerreißt. Hier müssen Öl- leitungen auf ihre Dichtigkeit geprüft werden, dort ist ein Kurz- 72 Auf einem Feldflugplatz schluß in einem elektrischen Netz zu beseitigen, kurzum, die War- tung dieser unentbehrlichen Einrichtungen erfordert nicht nur viel fachliches Können, sondern auch äußerste Zuverlässigkeit. In der kurzen Zeit, die zwischen zwei Einsätzen oft nur zur Verfügung steht, bedeutet die Beseitigung von Beschädigungen oder das Aus- . wechseln einzelner Bauteile eine gewaltige Arbeitsleistung. Ein Schlauchboot wird nachgesehen Gegenstand ganz besonderer Pflege und Wartung sind naturgemäß die Triebwerke des Flugzeuges, von deren zuverlässigem Arbeiten die Erfüllung des Kampfauftrages und schließlich das Leben der Flugzeugbesatzung in entscheidendem Maße abhängt. Wenn bei anderen Dingen die tägliche Durchsicht nicht immer erforderlich ist, so ist es beim Flugmotor eine Selbstverständlichkeit, daß er vor jedem neuen Flug nachgesehen wird. Nicht etwa, daß er aus- gebaut und auseinandergenommen wird; dies geschieht nur zu fest- gelegten Überholungszeiten oder wenn eine schwere Beschädigung: festgestellt ist. Es gibt aber eine Reihe von Arbeiten, die unerläß- lich ist, wenn, der Motor stets zuverlässig arbeiten soll. So z:B. sind Kraftstoff- und Schmierstoff-Filter zu reinigen, Zündkerzen auszuwechseln, Leitungen zu überprüfen, u.a.m. Oft sind es nur Auf einem Feldflugplatz 73 . Kleinigkeiten, die daran schuld sind, wenn ein Flugmotor nicht einwandfrei laufen will, aber in jedem Fall muß die Ursache in oft stundenlanger Arbeit erst gesucht und dann beseitigt werden. Mit gleicher Sorgfalt wollen auch die Lufischrauben gepflegt wer- den, besonders ihre Verstelleinrichtungen. Es gehört viel Ver- ständnis und Erfahrung dazu, die Aufgaben eines Luftschrauben- warts zu erfüllen. Oft ist ein Motor krank und die Zeit einer Nacht nicht ausreichend, Flüssiger Sauerstoff wird nachgefüllt j um ihn wieder betriebsfertig zu machen. Dann sind die schwarzen Männer des Bodenpersonals gezwungen, den ganzen Motor aus- zuwechseln. Einen solchen Triebwerksaustausch mit den auf einem Feldflugplatz zur Verfügung stehenden Mitteln in wenigen Stunden durchzuführen, ist nicht leicht, aber eine eingespielte Mannschaft, die jeden Handgriff kennt, wird auch damit fertig. Mit Hilfe von Hebezeugen wird der Ausbau des beschädigten und der Einbau des neuen Motors meist in überraschend kurzer Zeit durchgeführt. Viele Flugzeuge wären täglich nicht einsatzbereit, wenn nicht der Austausch eines Triebwerkes von den erfahrenen Männer des Bo- . denpersonals in höchster Vollkommenheit beherrscht würde. 74 Auf einem Feldflugplatz Feinere, aber deswegen nicht weniger wichtige Arbeit verrichten . die Instrumentenwarte. Sie kennen all die vielfältigen Instrumente vom Kompaß bis zum Wendezeiger, mit denen ein Kriegsflugzeug von heute ausgerüstet ist; sie verstehen es auch, die Ursachen dieser oder jener kleinen Störung zu finden, die oft unvermeidlich sind. Vor allem aber hat der Instrumentenwart zu prüfen, ob die Geräte nach den Beanspruchungen eines Feindfluges noch richtig Beladen mit Bomben anzeigen. Nicht das Versagen eines Instrumentes allein ist gefähr- lich, viel größeren Schaden kann ein falsch arbeitendes Instrument herbeiführen. Dem Instrumentenwart ist daher eine große Ver- antwortung übertragen. In ähnlicher Weise will auch die Funkanlage gepflegt sein. Viele der hierzugehörenden Geräte sind sehr empfindlich und bedürfen einer regelmäßigen Überwachung durch gutausgebildete Fachleute, wenn sie im entscheidenden Augenblick nicht versagen sollen. Schließlich gehört zur Kameradschaft der schwarzen Männer auch der Waffenwart. Für ihn gibt es sehr selten eine Nacht oder einen Tag, an denen er nicht seiner Tätigkeit nachgehen muß. Selbst Auf einem Feldflugplatz 75 wenn die Bordwaffen des Flugzeuges während eines Feindfluges nicht eingesetzt werden mußten, müssen sie doch stets peinlich sauber gehalten werden. Das bedeutet, daß Maschinengewehre und Kanonen häufig ausgebaut, gesäubert, eingebaut und wieder ein- gerichtet werden müssen. Auch Bombenmagazine und die dazu- gehörigen Abwurfgeräte bedürfen der laufenden Überwachung. Von der Einsatzbereitschaft der Waffen hängt der Erfolg eines Kampfauftrages in erster Linie ab. Für jeden Waffenwart ist es der Tanken höchste Ehrgeiz, daß ‚seine‘ MG. und „seine‘‘ Kanonen im Kampf niemals eine Ladehemmung oder eine andere Störung haben. Stunde um Stunde vergeht so von der kurzen Nacht, die die Rück- kehr des Kampfflugzeuges von dem neuen Start trennt. Fleißige Hände und wache Augen haben jedes Flugzeug der Kampfflieger- gruppe untersucht, aber wenn der letzte Handgriff getan ist und die letzte Motorhaube sich geschlossen hat, ist die Gruppe noch längst nicht startbereit. Wenn die Sternbilder des Himmels die nahe Dämmerung ankündi- gen, rollen die Tankwagen zu den Liegeplätzen der Flugzeuge. Viele 76 Auf einem Feldflugplatz hundert Liter Kraftstoff werden in die leeren.Behälter gepumpt. Die Tankwarte, die dicke Schläuche in die Einfüllöffnungen gesteckt haben, kennen ihren Auftrag. Soundso viel Liter Kraftstoff und eine bestimmte Menge Schmierstoff müssen getankt werden, nicht mehr und nicht weniger. Dann kommt die Versorgung mit Münition. Die starren Bordwaffen erhalten die ihnen zustehenden langen Gurte mit der endlosen Reihe von Patronen. Für die beweglichen Bordwaffen wird Trom- mel auf Trommel verstaut. Schwere Bombenkarren rollen heran, und kräftige Männerfäuste schieben die leichteren Brocen in die Magazine; die schweren Bomben werden dagegen zu den Auf- hängegescirren hochgehebelt oder emporgewunden. Es ist schwere Arbeit, das Bombenladen, und den Männern, die eine Maschine nach der anderen beladen, wird warm dabei. Noch immer ist nicht alles an Bord, was vorhanden sein muß, wenn gestartet wird: der Mundvorrat für die Besatzungen; aber auch dies ist nicht vergessen. Wenn die Flugzeuge an den Start rollen, werden die Mannschaften aus der Küche erscheinen, die Arme voller Thermosflaschen mit heißen Getränken, in Körben sorgsam bereiteten Mundvorrat und den Notproviant, ohne den kein Ein- satz über See geflogen wird. Während noch die Flugzeugwarte ihrer Arbeit nachgingen, sind die Besatzungen der zuerst startenden Flugzeuge geweckt worden. Rechtzeitig natürlich, damit sie ohne Hast sich fertigmachen und frühstücken können. Auf dem Gefechtsstand der Gruppe sitzt schon wieder der Kom- mandeur an der Arbeit. Soeben hat er die Frühwettermeldungen durchgesehen; sie bestätigen die Vorhersage des Abends. In einer halben Stunde also werden die ersten drei Flugzeuge der zweiten Staffel starten. Ihr Auftrag ist der gleiche wie gestern, die Besatzungen brauchen daher nicht mehr besonders eingewiesen zu werden. Da treten die Männer auch schon zur Einsatzbesprechung ein. Mit kurzen Worten erläutert der Kommandeur an Hand der großen Karte nochmals den Auftrag: Bewaffnete Fernaufklärung; lohnende Schiffsziele können dabei mit Bomben angegriffen werden. Die Wetterlage macht keine Schwierigkeiten. „Alles klar?“ „Zu Befehli“ Auf einem Feldflugplatz 77 Die Besatzungen stapfen in ihren Pelzstiefeln zu ihren Flugzeugen. Sie wissen, alles wird vorbereitet sein. Schon laufen die Motoren, ‚um warm zu werden. Die Bodenmannschaften, die immer nach alle -Hände voll zu tun haben, begrüßen stolz ihre Besatzungen.. Durc die Einstiegöffnung im Rumpfboden klettern die Männer in ihre Flugzeuge; während der Flugzeugführer den Lauf der Motoren überprüft, überzeugen sich die anderen kurz davon, daß die Waffen in Ordnung sind, die Signalmittel nicht vergessen wurden, einer sieht nach, ob das Schlauchboot richtig verpackt ist und ob die Sauerstoffbehälter für die Atemgeräte aufgefüllt sind. Dann rollen die Flugzeuge hintereinander zum Start. Kurze Wink- zeichen, und dröhnend ziehen die Motoren die Flugzeuge von der. Startbahn in den dämmernden Morgen. Vor neuem Start Luftwaffenflugzeugführerabzeichen (Kranz in Silber, Adler metallgrau) Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen (Kranz in Gold, Adler in Silber) Flakkampfabzeichen Fliegererinnerungsabzeichen Fliegerschützenabzeichen Frontflugspangen für Transportflieger Die Spangen werden in Bronze nach 20, in Silber nach 60 und in Gold nach 110 Feindflügen verliehen. Schlachtflieger und Zerstörer erhalten nach ent- sprechenden Einsätzen die gleiche Frontspange wie Jäger.
