Handbuch der Luftschiffahrt (Erster Teil) von Hermann Moedebeck
Bereits im Jahre 1886 verfaßte Hermann Wilhelm Ludwig Moedebeck (1857-1910) den Ersten Teil seines Buches „Handbuch der Luftschiffahrt mit besonderer Berücksichtigung ihrer militärischen Verwendung“. Darin geht er schwerpunktmäßig auf die Geschichte der Aeronautik ein. Moedebeck war Offizier im deutschen Kaiserreich und zählte zu den Pionieren der militärischen Luftschiffahrt.
Nachdem er im Jahre 1896 nach Straßburg versetzt wurde, wandte er sich zusehends auch dem Flugsport zu, zumal er gemeinsam mit Hugo Hergesell den Oberrheinischen Verein für Luftschiffahrt gründete, später Mitbegründer des Deutschen Luftschiffer-Verbandes war und die Gründung der Fédération Aéronautique Internationale forcierte. Der Erste Teil des Moedebeck’schen Handbuches kann nachstehend als elektronisches Buch (PDF Dokument) kostenlos heruntergeladen werden.
Handbuch der Luftschiffahrt (Erster Teil) |
Ergebnisse der elektronischen Texterkennung
HANDBUCH DER LUFTSCHIFFAHRT
MIT BESONDERER BERÜCKSICHTICHUNG IHRER
MILITAIRISCHEN VERWENDUNG
Vorrede.
Die zahlreichen Zuschriften und Anfragen. welche das Königliche
Ballon-Detachement seit seiner Formirung tartäglich erhielt, liessen es
wünschenswerth erscheinen, die in sehr vielen und zum Theil seltenen
Büchern und Zeitschriften zerstreut mitgetheilten Begebenheiten und
Erfindungen auf dem Gebiete der Aöronautik in emem übersichtlichen
und nicht zu kostspieligen Handbiuche zusammenzufassen.
Dieses Buch sollte eine schnelle Orientirunz über die Luftschiff-
fahrt ermöglichen und zu eingehenderem Studium dieser verheissungs-
vollen Technik anregen. Gleichzeitig sollte dasselbe auch für die prak-
tische Aeronautik ein Wegweiser sein.
Die Zahl der in Deutschland vorhandenen und als solche an-
erkannten Luttschiffer hat zur Zeit die Ziffer 4 noch nicht überstiegen.
Wenn aber die Ballons im Frieden der Wissenschaft dienen und
auch im Krigee gebraucht werden sollen, erscheint es als durchaus noth-
wendir. in der Nation cin grösseres Interesse für diese Berufsart zu
wecken und der sachgemässen Ausbildung ihrer Vertreter einen Impuls
zu geben,
Dies waren die leitenden Gesichtspunkte für die vorliegende Ar-
beit, mit deren Abfassung mich mein hochverehrter Vorgesetzter, Herr
Majur Buchhultz buchrt hatte.
Ich habe danach gestrebt, nur Vorhandenes aus «der Vergangen-
heit und Gegenwart zu bringen und nur ganz allgeimein gehaltene Fol-
gerungen daraus für die Zukunft abzuleiten, weil ich es als schädlich
für die Sache erachte, sie mit himmelstürmender Phantasie fördern
zu wollen.
Allen Denen, welche mir mit Rath und That zur Seite standen,
erlaube ich mir hiermit meinen freundlichen Dank auszusprechen. Ich
bitte die Betreffenden mich auch fernerhin als einen lernbegierigen Lehr-
ling der Aöronautik zu betrachten, der allen ihren Worten ein williges
Gehör schenkt.
Insbesondere danke ich auch dem Herrn Verleger, welcher das
Buch so reichlich ausgestattet hat und allen meinen Wünschen in be-
reitwilligster Weise entgegengekommen ist.
Berlin, im März 1886.
Hermann Moedebeck.
Inhalt des ersten Theile.
Geschichte der Aöronautik.
Vorgeschichte . . .
Die Entwicklung der Luftschifffahrt in Frankreich .
„ „ ” „ „ Italien
„ „ „ „ „ England .
„ „» Deutschland
Versuche mit Laftballons bei anderen Nationen
Die Luftschifffahrt im XIX. Jahrhundert
Die Entwicklung der lenkbaren Luftschiffe .
Französische Milltär-Aöronautik .
Amerikanische Militär-Atronautik
Englische Militär-Aöronautik
Deutsche Militär-Adronautik
Russische Militär-A&ronautik
Schlussbemerkung
Inhalt des zweiten Theile.
Theoretische und praktische Aöronautik.
1. Die Anfertigung des Ballons
2. Ballonstoff. — Zuschneiden und Nähen. _ Dichten der Hülle. _
Firnissen
3. Das Ventil . nn.
4. Das Netz . . . . . 2 22.
5. Der Tragering
6. Der Korb
7. Ballon-Zubehör
a. Apparate zum Landen .
b. Ballastsäcke
c. Instrumente .
8. Gefesselte Ballons
9. Montgolfieren .
Kapitel II. Mittel zur freien Bewegung in der Verticalen .
Kapitel III. Ueber die Construction lenkbarer Aörostaten .
Kapitel IV. Gase und Gasbereitung
Kapitel V. Umgang mit dem Ballon .
1. Füllung . . . 2. 2 2 0000.
2. Das Fahren .
3. Entleeren, Verpacken, Aufbewahren
4. Eigenschaften und Pflichten des Luftschiffers
Kapitel VI.
1. Die militärische Wichtigkeit der Aöronautik
A. Vortheile der Kriegsballons .
B. Nachtheile der Kriegsballone. .
C. Beurtheilung der Kriegsballons
D. Material und Personal
2. Die militärische Verwendung gefesselter und freier Ballons
A. Taktische Verwendung
2. Recognoseirunge-Ballons®
b. Ballon-Photographie .
c. Ballon-Signalwesen
d. Der Ballon als Waffe
B. Strategische und gouvernementale Verwendung. zu | Post- und
. politischen Zwecken .
Kapitel VII. Ueber die Vernichtung der Kriegsballons
Anhang.
1. Fallschirme. .
2. Drachen
Verzeichniss der Abbildungen
Namen und Sachregister .
Druckfehler und Berichtigungen
Erster Theil.
Die Geschichte der Aöronautik.
Kapitel I.
Vorgeschichte.
Die Anfänge der Geschichte der Luftschifffahrt lassen sich zurück-
fulgen bis in die mythenreiche Vorzeit des Menschengeschlechtes.
: erste Sage, welche zu ihr in Beziehung gebracht werden könnte,
die altgriechische Mythe von Helle und Phrixos in Thessalien.
- böse Stiefmutter Jno wollte beide dem Zeus opfern; sie entzogen
ı aber dem Tode durch die Flucht auf einem Widder mit goldenen
ess, welchen ihre verstossene Mutter Nephele ihnen gesandt hatte.
>h durch die Lüfte machten sie auf diesem die Reise nach dem fernen
ıde Aia (4 ala, poetisch = yaia, Erde). Helle fiel jedoch unterwegs
ddas Meer, welches noch heute ihren Namen trägt.
Gewöhnlich legt man der Erklärung eine meteorologische Natur-
rachtung zu Grunde, welche sich aus der Namenserklärung der
ıdelnden Personen leicht ergiebt. Danach hat Athamas, der Sohn
> Aiolos (Aeolus Gott der Winde) seine Gattin Nephele — die Wolke
rtrieben. In einem fernen Lande ist aus dieser zunächst der Blitz
= Helle) herniedergefahren und darauf Regen (= Phrixos, @plkos,
hauer) gefallen, welcher dieses Land zu einem fruchtbaren und daher
$chrenswerthen machte. Andererseits ist aber auch eine geschichtliche
kleidung sehr wohl möglich. Von dem alten Thessalien erzählten
e Griechen immer Wunderdinge. Die noch heute stehenden Cyklopen-
auern von Larissa legen auch ein beredtes Zeugniss von der hohen
tur ab, auf welcher sich seine ehemaligen Einwohner, die alten Pelasger,
mals befanden. Bei jenem Volke standen die Frauen im Rufe
T Zauberei. Er wird uns berichtet, sie hätten sich mittelst eines
Moedebeck, Luftschiffahrt. 1
_9 _
Apparates, der aus zwei mit Rauch gefüllten Säcken bestand, von heben
Bergen heruntergelassen. Warum sollten sie nicht schon die Feuerballons
gekannt haben? Auch das Geschlecht des Athamas ist vollkommen histo- |
risch und soll noch bis in die Zeit der Perserkriege als Priesterkönigs-
familie in Thessalien existirt haben. Auf diesem lastete auch noch der
Fiuch der Götter und es musste daher fortdauernd von jeder Greneratiun
ein Familienmitglied diesen geopfert werden. Für den Luftschiffer
möchte daher auch die Auslegung Geltung gewinnen, dass Phrixos
(epıkös emporstehend — starrend) der Sohn der Wolke, die Kunst seiner
Mutter gelernt hat und mit seiner Schwester Helle, d. i. das Feuer.
über das weite Meer wegzieht, um dem Tode zu entgehen. Nachdem
ihm über dem Meere das Feuer erloschen war, kam er zufällig glück-
lich auf die Erde herunter und verbreitete hier in fernem fremden Lande
die väterliche Cultur zum Segen der Einwohner. In Thessalien opfert
man aber statt der Entflohenen einen Widder. Durch diesen wurden sie
demnach gerettet.
Strabo!) erzählt uns auch, dass es bei den Hyperboräern, ver
muthlich die Thracier, eine Secte gegeben habe, deren Mitglieder für
heilig gehalten wurden und die den Namen Kapnobaten hatten, d. h
die durch Rauch sich Erhebenden. Man hat sich bis heute das Wort
noch nicht recht erklären können und daher vermutliet, dass xarvordım
oder xarvoßötns, d. i. Rauchschlucker damit gemeint sei, weil dies
näher zu liegen schien. Es lässt sich aber Nichts dagegen einzuwenden,
dass im Strabo xarvoßarns steht. Wenn wir das oben Gesagte über
die Frauen Thessaliens mit in Betracht ziehen, möchte daher die Ab-
leitung von Batveıv, d. i. gehen, vielleicht etwas mehr an Wahrscheinlich-
keit gewinnen.
Man kann auch annehmen, dass die Priesterkaste unserer ältesten
Culturvölker mit der Kenntniss der heute Montgolfieren genannten
Ballons vertraut gewesen waren. Da sie aber Alles als Geheimniss be
wahrten, was sie dem Volke gegenüber als Wunder der Gottheit auf-
führen konnten, ist ihr Wissen für die Nachwelt verloren gegangen.
Nur dunkle Andeutungen haben uns hier und da die Historiker hinter.
lassen. Als solche können die vom Orakel zu Hieropolis gelten.
Von letzterem schreibt Lucian, dass er Augenzeuge gewesen
wie die Priester das Orakel erhoben hätten, letzteres sich aber bald vom;
denselben losgemacht und alsdann frei in der Luft geschwebt hät
1) Strabo III, 296, 297.
A —_
durch die Erfindung des Drachens davon abzubringen. Später aber er-
fand er eine künstliche Taube, die sich von selbst in die Luft erhob.
Aulus Gellius sagt darüber:
„Viele griechische Schriftsteller, besonders der gelehrte Philosoph
Favorinus behaupten, dass Archytas eine hölzerne Taube verfertigt habe,
welche durch mechanische Hilfsmittel fliegen konnte. Sie wurde nämlich
durch ein Gleichgewicht emporgehalten und durch einen in ihr ein
geschlossenen verborgenen Athem (aura spiritus) bewegt.“ Er setzt hinzu
was Favorinus selbst sagt: „Archytas, ein Philosoph und Mechaniker zu
Tarent, machte eine hölzerne Taube, die fliegen konnte, die aber, sobald
sie niedergefallen war, sich nicht mehr von selbst erheben konnte“ E
ist interessant zu beobachten, wie diese wenigen Worte über Archytas
im Verlauf der Jahrhunderte zu Dissertationen anregten, die dem Ge
danken der Montgolfiere immer näher kommen. So empfiehlt der
berühmte Cäsar Skaliger!), die Taube aus Goldschlägerhaut zu fertigen
und mit dem Mark von Binsen zu füllen, welches eine verborgene Kraft
in sich haben sollte. Der Pater Lauretus Laurus sagt: „man setze mit
Morgenthau angefüllte und gut wieder verschlossene Eierschalen den
Sonnenstrahlen aus; sie werden sich in die Luft erheben und sich einige
Augenblicke darin erhalten. Wenn man nun also Eier der grössten
Schwäne nimmt oder Säcke aus sehr dünnen leichten Häutchen macht
und diese nun mit Salpeter, reinem Schwefel, Quecksilber oder einen
ähnlichen Stoff füllt, der sich durch Hitze verdünnt, so müssen sie empor-
steigen.“ Die grosse Anzahl der übrigen Autoren bringen nichts wesent-
lich Neues, sondern bestreiten nur ihre Behauptungen gegenseitig, oder
nehnien für einander Partei. Epochemachend für die Luftschifffahrt wurde
erst wieder das von dem Jesuitenpater Francisco Lana 1670 aus-
gearbeitete Projekt seiner fliegenden Barke, weil es eine ganz neue
wissenschaftliche Basis schaffte.?2) Dem’ Stande der Wissenschaft seiner
Zeit gemäss sind ja seine Behauptungen öfters irrige, seine Ausführungen
sind aber immerhin so wohl durchdacht, dass es sich verlohnt, ihnen mehr
Aufmerksamkeit zu zollen. Sie seien daher im Auszuge hier wörtlich
wiedergegeben. Er schreibt:
„Niemand hat es bisher für möglich gehalten, dass man ein Schiff
herstellen könne, welches durch die Luft fährt und von dieser wie vom
1) Traet. de Subtilitate ad Cardanum Exerc. CCCLXXVI.
2) Francesco Lana Prodromo onero saggio di aleune inuentioni nuone pre
so all’ arte maestra. Brescia 1670.
— 6 —
Maschine ähnlich einem Schiff gemacht; dieses wird mit einem Mat
mit Segeln und Rudern versehen. Vier gleich lange Stricke werden sa
den vier Kugeln angebunden, um sie an der Erde, nachdem die Luft
aus ihnen herausgezogen ist, zu befestigen, damit sie nicht eher auf
fliegen, als bis Menschen in die Maschine gestiegen sind. Bald nachdem
werden die Stricke gelöst und alle zu gleicher Zeit losgelassen. Das
Schiff wird sich dann in die Luft erheben und viel oder wenig Menschen
mit sich nehmen, je nach Grösse der Kugeln. Nach Belieben könne
diese Menschen sich der Ruder und Segel bedienen, während sie sehr
schnell über das Land und die höchsten Berge fortfahren können.“
Wie tief der Pater sein Projekt durchdacht hatte, davon geben di
Bedenken Zeugniss, welche er selbst dagegen aufführt und bis auf eine
zu widerlegen versucht. Er spricht darüber:
„Das erste Hinderniss, dem man begegnen könnte, würde ma
vielleicht in der vorgeschriebenen Art die Kugeln luftleer zu mache
antreffen, wobei die Umkehrung der Kugel über eine Röhre oder eine
Hals verlangt wurde und sie also von der Erde erhoben werden müsst,
was gewiss nicht ohne eine Maschine und nur mit grossen Schwierig
keiten der Grösse der Kugeln wegen, die dann noch dazu voll Wasser
sind, geschehen könnte.“
Lana schlägt dagegen nun vor, die Kugeln vor der Füllung mit
Wasser gleich hoch aufzustellen. Durch ein Loch oben wird das Wasser
dann hineingegossen. Darauf wird diese Oefinung fest verschlossen und
nun aus einer unteren das Wasser herausgelassen.
Die zweite Schwierigkeit kann von der Dünne des Gefässes her-
geleitet werden, wodurch es scheint, dass die Kugel zusammengedrückt
werden müsste, und wenn auch nicht gerade brechen, so doch Beulen
erhalten und ihre Rundung verlieren würde.*
Dagegen meint er, die Kugel hielt sehr viel äusseren Druck aus
und könne nicht leicht gebrochen werden; sie könnte also verhältnis
mässig dünnwandig sein. Wenn sie auch wirklich etwas deformirt
würde, so käme es darauf nicht so genau an, so lange sie nicht viel
von regulärer Fornı abwich.
„Die dritte Schwierigkeit wäre die Kugel aus Kupfer zu bilden“
Lana sagt, man könne zwei Halbkugeln machen und diese zusammen-
löthen, oder auch mehrere Theile.
„Viertens könnte ein Zweifel entstehen über die Höhe, bis zu welcher
sich unser Schiff in der Luft erheben wird und zwar so, dass, wenn &
sich über jegliche Luft erheben würde, ‚welche man allgemein auf
RR —
der Kugeln ist, sodass diese immer in der Folge über dem Schiff e-
hoben bleiben werden und niemals sich das Schiff über jene erheben
kann. Ausserdem, dass das Schiff nie ganz zur Erde fallen kann, wens
nicht die Luft in die Kugeln eindringt. So ist auch keine Gefahr ın
der Luft zu ersticken wie im Wasser und die Menschen sind auch, fet-
gebunden an den Balken oder Stricken des Schiffes, sicher vor jeglichen
Herausfallen. Zuvörderst bekenne ich, kann dieses unser Schiff vieler
Gefahr unterworfen sein, doch gleichwohl keiner grösseren als diejenige
der Seeschiffe ausgesetzt sind. Denn su wie diese können auch die
Luftschiffe mit Ankern versehen und solche an den Bäumen befestigt
werden und wie ich es eingestehe, dass dieser Luftocean der Ufer ent-
behrt, so hat man doch bei ihm die Bequemlichkeit, keine Häfen nöthis
zu haben zur Aufnahme der Schiffe und wenn eine augenblickliche Ge
fahr droht, kann man die Erde erreichen und aus der' Luft herabsteigen”
Schliesslich glaubt unser gelehrter Pater aber doch, seine Maschine
würde niemals zu Stande kommen. Weil sie ganz sicherlich sociak
Revolutionen in Gefolge hätte, würde Gott selbst das Unternehmen ver
eiteln. Lana's Werk erzeugte wieder eine grosse Anzahl gelehrter
Bücher, in welchen, einzelne wenige ausgenommen, der Beweis geführt
wurde, dass diese Luftschifffahrt wirklich unmöglich sei und jedes fernere
Nachgrübeln eine fruchtlose Thätigkeit. So meinte unter andern Borelli')
(geboren 1608 in Neapel), dass die Kugeln ungeheuer gross sein müssten
und die Dünne des metallenen Stoffes dem äusseren Luftdruck nicht
widerstehen würde. Er hielt die Herstellung so grosser Kugeln um
vor Allem das Luftleermachen derselben mittelst einer Luftpumpe für
unmöglich.
„Endlich, sagt er, würde noch an eine willkürliche Bewegung der
Maschine nie zu denken sein, da sie der Widerstand der Luft af
immer unmöglich machen müsste“ In Deutschland sprachen sich
Becher), Professor der Medicin zu Mainz, und Leibniz®) in äm-
lichem Sinne aus. Letzterer schlug gläserne Kugeln vor, erinnerte aber
zugleich daran, dass man sie niemals gross genug würde fertigen können,
um, nachdem sie luftleer gemacht sind, damit ein geringeres Gewicht
zu erreichen, als das des Volumens der verdrängten Luft. Man würde
sie ferner auch nicht dick genug machen können, um dem Druck der
1) De motu animalium.
2) Physica sub-terranea 1715.
3) De elevatione vaporum.
— 1 —
halb auch viel widersprechende Angaben über denselben. So wide
von einigen nicht mit Bartholomeus Lourengo identificirt. Es existit
ferner ein Bild seines Luftschiffes, welches vollständig falsch ist I
diesem sieht man eine Stange an der Decke befestigt, an der eine Meng
kleiner Bernsteinkugeln hängen; letztere sollten an dem Schiffskörper
befestigte grosse magnetische Kugeln anziehen und auf diese Art das
Schiff in die Höhe heben, welches zur Vorwärtsbewegung noch mit
Flügelrudern ausgerüstet war. Gusman hatte alsbald auch besondere
Anfeindungen von Seiten der Kirche zu bestehen, welche darin eine E-
schütterung des Glaubens zu finden wusste. Es begannen nämlich einige,
sich die Himmelfahrt Christi in der Wolke auf diese Art zu erkläre
Es ist daher verständlich, wenn weitere Versuche mit der Maschine «|
boten wurden. Dass einer aber stattgefunden hat ist historisch verbürg
unter Andern durch den Schriftsteller und Professor der Universität nı
Coimbra, Francisco Leiton Ferreira, welcher demselben persönlid
beigewohnt hat. Der König erkannte Gusman’s Verdienst an, inden
er ihn vor der Verfolgung der Kirche schützte und ihm eine Stelle as
Professor der Mathematik zu Coimbra anvertraute. Die Bibliothek datt
befindet sich noch im Besitze der Schriftstücke, welche auf die Ve-
suche und Anstellung Don Gusmans Bezug haben. Um die Glaub
würdigkeit der Geschichte dieses gelehrten Paters zu bekräftigen, seien
sie wörtlich wiedergegeben: !)
Sir.
„Der Licentiat Bartholomeo de Gusman giebt an, dass er
einen Apparat. erfunden hat, um durch die Luft zu gehen, in gleicher
Weise, wie man zu Lande und zu Wasser fährt, jedoch weit geschwinder,
indem man oftmals zweihundert und mehr Meilen Weges am Tage
zurücklegt. Man wird mit dem Apparate weit entfernten Heeres- und
Jandtheilen die wichtigsten Botschaften fast in derselben Zeit über
mitteln können, als dieselben expedirt werden. Dies hat für Eur
Majestät wegen der grösseren Entfernung Ihrer Besitzungen weit grössere
Wichtigkeit, als für alle anderen Fürsten, da auf diese Weise Mis-
regierung des Eroberten vermieden wird, die grossentheils durch ver
spätete Nachrichten von denselben erwächst. Ausserdem wird
Majestät Alles, was Sie bedürfen, viel rascher und sicherer
lassen können. Die Kaufleute können rasch Wechsel und
und alle belagerten Plätze können jeder Zeit mit Maı
—,— ..
1) Nach Frhr, vom Hagen, die Vorläufer Montgo)
- 2m —
Der letzte bedeutungsvolle Vorschlag wurde von dem Dominikaner
Pater Joseph Galien in seinem zu Avignon 1755 erschienenen Buche
„LArt de naviguer dans les airs, amusement physique et geometr-
que etc.“ gemacht. Er suchte darin die theoretische Möglichkeit eine
Luftschiffes durch sehr eingehende Berechnung eines von ihm entworfene
Projektes nachzuweisen. Sein Luftschiff war danach so gross wie die
Stadt Avignon. Er behauptete dabei, dass oben in der Region de
Hagels eine Trennung zwischen zwei Luftschichten stattfände, deren Dicht
sich verhielte wie 1:2. Mit dieser dünnen Luft aus der Hagelregim
meinte Galien, müsste das Luftschiff gefüllt werden. Dann würde &
ganz sicher nach oben getrieben werden, gleich einem unter Wasser
getauchten Stücke Holz, und man würde nun auf der dicken Schicht
schwimmen, wie das Schiff auf dem Wasser.
Von weiterer Bedeutung für die fernere Entwickelung der Ad
nautik war 1776 die Entdeckung des Wasserstoffes durch Cavendish
Es wurde zugleich gefunden, dass derselbe bedeutend leichter als #
mosphärische Luft sei. Im Jahre 1781 sah der englische Gelehrte
Cavallo die ersten mit Wasserstoff gefüllten Seifenblasen steigen. Seine
lebhafte Vorstellungsgabe brachte ihn sofort auf den Gedanken, ein
grössere Hülle von leichtem Stoff damit zu füllen. Er versuchte af
die Weise Säcke aus Papier und Schweinsblasen zu füllen, erfupr aber
dabei sehr bald, dass sie zu undicht sind, um das leichte Gas zu halten.
Ein Gedanke führte ihn darauf, die Goldschlägerhaut anzuwenden und
er befand sich bereits auf dem besten Wege, die Erfindung zu machen,
als von Paris her die vollendete Thatsache gemeldet wurde, dass Mont-
golfier zu Annonay habe einen Ballon steigen lassen.
Kapitel I.
Die Entwicklung der Luftschifffahrt
in Frankreich.*)
Stephan und Joseph Montgolfier waren die Söhne eines reichen
und bekannten Besitzers einer Papierfabrik. Diese Industrie war seit
den Kreuzzügen von der Familie betrieben worden. Die rastlose Thätig-
keit der folgenden Generationen hatte sie auf einen so hohen Ausbildungs-
grad gebracht, dass sie bald die besten Erzeugnisse dieser Art lieferte.
Es wird erzählt, dass die Montgolfier’s die Fabrikation Gefangenen
aus Damaskus abgelernt hätten. Die Familie wohnte damals im 14. Jahr-
hundert in Ambert in der Bretagne, und nahm auch dort bereits eine
gewisse Stellung ein; nach den Annalen dieser Stadt war um 1440 ein
Montgolfier daselbst Bürgermeister und es sollen zudem noch heute viele
ml.
1) Hauptsächlich benutzte Quellen:
Zeitschrift d. deutschen Vereins z. Förderung der Luftschifffahrt.
Astra Castra, Experiments and adventures in the atmosphere by Hatton
Tumor. London 1863.
Faujas de Saint-Fond, Beschreibung der Versuche mit der Luftkugel.
Wien 1784.
Dupuis Delcourt, Nouveau Manuel complet d’A6rostation. Paris 1850.
Kramp, Geschichte der Aerostatik. Strassburg 1784.
J. Turgan, Die Luftballone, übers. v. Frhr. v. Biedenfeld. Weimar 1862.
Sircos et Pallier, Histoire des Ballons. Paris 1876.
Les Ballons, par Fulgence Marion. Paris 1881.
Murhard, Geschichte der Kunst und Wissenschaften. Göttingen 1798.
Tiberio Cavallo, Geschichte und Praxis der Aerostatik. Leipzig 1786.
nn ee
war cn au
_- 16 —
Auf ein Zeichen wurde sie losgelassen und stieg nun mit grosser Ge
schwindigkeit bis zu einer Höhe von ca. 300 m. Darauf senkte sie üd
langsam wieder unter dem allmählichen Erkalten der eingeschlossena
erhitzten Luft. Der Fall wurde durch Entweichen derselben as
den vielen Knopflöchern beschleunigt. Sie fiel nach zehn Minute
in einem Weinberge, ca. 400 m vom Auffahrtsorte, nieder. Das 6e
rücht von diesem Versuch war in kurzer Zeit nach Paris gedrunge
Aus dem Schoosse der Akademie war sofort eine Commission erwählt
worden, welche die genauere Untersuchung des Ereignisses vornehme
sollte. Montgolfier wurde in Folge dessen eingeladen, nach Paris nm
kommen und hier sein Experiment zu wiederholen.
Inzwischen fingen aber auch verschiedene Physiker und Lie
haber an, sich mit der Anfertigung solcher Luftkugeln zu beschäftige
Faujas de St. Fond, ein Professor am Museum, liess sogar a
Subskriptionsliste herumgehen, um möglichst bald die Mittel zur Je:
führung eines Versuchs zu erhalten. Die Begeisterung war ad
zur Zeit su gross, dass es nur weniger Tage bedurfte, um 10:
Livres zu sammeln. Die Construction der Maschine wurde den Brüdes #°
Roberts, zwei schr geschickten Mechanikern, und dem Professor Charl#
übertragen. Da nichts Näheres über die Montgolfiere von Annonas #
kannt geworden war, musste Professor Charles selbst erfinderis® *
Werke gehen.
In der richtigen Erkenntniss, dass es nur der Füllung eine“ Kun
mit einem leichteren Gase als Luft bedurfte, wenn diese aum®
sollte, baute er eine solche von ca. 4 mı Durchmesser aus ge ui
welcher mittelst aufgestrichenem Gummi gedichtet war. Am untere
Theil derselben brachte er eine Blechröhre an mit drehbaren —= PM
zum Einlassen der Gasfüllung. Als Füllung wurde hierbei zuse? erst
Male Wasserstoff angewendet. Bei der Herstellung desselben stell
sich so viele Schwierigkeiten heraus, dass sie eine Zeit von vi=El Tage
in Anspruch nahm. Das Gas wurde aus Eisenfeilspähnen and @
dünnter Schwefelsäure dargestellt. Man hatte zur Entwickelunes anlp
einen schrankartigen Apparat in Gebrauch. Da er sich aber zuicht
währte, griff man auf einfache Fässer zurück. In einfachster Wal
wurde das Gas ohne Reinigen, Trocknen und Abkühlen sefoert.ä4;
Ballon eingelassen. Dadurch kamen viele Säurereste in?
hinein und ohne die innere Gummirung hätten sie |
ressen. Unter vielen Umständlichkeiten wurde
>n in der Nacht vom 26. zum 27. Aug. nach des
Rn 63 wi R
u U
ee in 0 Fa a
we Teer
En u Wa
„>
Pr
rn ei
re.
ee ne
ee 2 bon
3 " = ur $ E De
- a re
af =» u En 4 an Wo RR
u ig tere ni arg, Au
KBSF ENG
_- 0% —
der Mitte unter der Ballonöffnung an eisernen Ketten und Stangen und
konnte bequem von der Galerie aus mit neuem Feuerungsmaterial ver-
sorgt werden. Den Uebelstand einer sehr grossen Hitze mussten die
Reisenden mit in Kauf nehmen. An dem Bau der Ballons nahm da
gesammte Paris regen Antheil. Der Garten des Herrn Reveillon wurde
das Ziel aller Promenirenden. Am 10. October war der Aörostat fertig.
Ein französischer Edelmann, Pilätre de Rozier, hatte den festen Ent
schluss gefasst, eine Luftreise zu unternehmen, als er den ersten Ballon
auf dem Marsfelde hatte aufsteigen sehen. Es gelang ihm, sich die
Freundschaft Montgolfier’s zu erwerben. Er theilte ihm seine Wünsche
mit und erhielt die Einwilligung desselben zu seinem Vorhaben. An
15. October wurde der erste Versuch unternommen. Der beherzte und ehr-
geizige Rozier bestieg die Gallerie und liess sich durch den an Seilen ge
haltenen Aörostaten bis zu einer Höhe von 25 m heben. Er verweile
ca. 6 Minuten in dieser Höhe und fiel alsbald langsam mit dem Schwächer-
werden des Feuers. Am 17. October wurde der Versuch mit geringeren
Erfolge wiederholt. Es wehte an dem Tage ein ziemlich heftiger Wird
Die Haltetaue bildeten einen Winkel zwischen 40 und 50° mit der Har-
zontalen und man zog es daher vor, von neuen weiteren Auffahrten Abstand
zu nehmen. Es fehlte daraufhin allerdings nicht an Leuten, welche nur
mehr öffentlich ihren Spott darüber hinfliessen liessen. Montgolfier
führte dieselben jedoch in einer mathematisch physikalischen Erklärung
der Ursachen dieses fehlgeschlagenen Experimentes gründlich ab. Am
Sonntag den 19. October wurden die Versuche bei schönem Wetter wieder
aufgenommen. Um 4 Uhr Morgens wurde mit der Füllung begonnen,
die in 5 Minuten fertig war. Rozier bestieg die Gallerie und erhob
sich mit einem Gegengewicht auf der entgegengesetzten Seite der Gallerie
bis auf ca. 70 m. Ohne dass das Feuer weiter unterhalten wurde, ver
weilte er in dieser Höhe ca. 6 Minuten und senkte sich dann langsam
wieder herab. Das Feuer wurde darauf wieder geschürt und Rozier
erhob sich nun zum zweiten Male bis auf 80 m. Der Aörostat wurde
hierbei vom Ostwinde ergriffen und zum grössten Schrecken aller Zu-
schauer in die benachbarten Bäume geschleudert. Pilätre de Rozier
behielt aber seine Geistesgegenwart; er verstärkte das Feuer und stieg
zum allgemeinen Jubel wieder empor. Hierdurch wurde er darauf auf
merksam, dass man durch Verstärken oder Löschen der Gluth das
Steigen und Fallen des Ballons in der Hand habe und er überzeugte
noch an demselben Tage von der Richtigkeit dessen. Beim dritten
eigen nahm Pilätre de Rozier als Reisegefährten Girond de
ruhigt und ihm keine Hindernisse mehr in den Weg gelegt zu habe:
Es wurden nun Ballastsäckchen in die Ballongondel gelegt, der Anker
befestigt und ausserdem die zu wissenschaftlichen Untersuchungea
nöthigen Instrumente angebracht. Vor allen Dingen zur Höhenbestn-
mung ein Barometer. Der Idee nach .ist vieles von diesen Dinge
seitens Charles dem Jesuitenpater Lana nachempfunden worden, für
die Ausführung gebührt ihm jedoch auch das Verdienst eigener E-
findung. Um die Richtung des Windes festzustellen, hatte Charles
noch einen kleinen grünen Ballon von 2 m Durchmesser bauen lassen
Mit diesem schritt er vor der Abfahrt auf den anwesenden Montgolfier za,
indem er sagte: „Ihnen, mein Herr, gebührt es, uns den Weg in de
Himmel zu eröffnen!“ Es kennzeichnet sich darin ein äusserst feine
Taktgefühl eines edlen Charakters. Der Umstand, dass Foujas de St. Fond
bei dem ersten Versuch von Charles doch nur eine Verherrlichung
Montgolfier’s im Auge hatte und daher von den Verbesserungen des
letzteren und der Gebrüder Robert’s wenig Notiz nahm, hatte Dife-
renzen herbeigeführt, welche eine kleine Eifersucht auf Montgolfier
natürlich erscheinen liessen. Aus seiner eben geschilderten Handlung
ist ersichtlich, dass er die Priorität des Erfinders ehrte und sich nick
nach kleinsüchtiger Art mit seinem Verdienste überhob.
Unter Kanonendonner und lautem Jubel der zuschauenden Meng
stieg endlich der Ballon in die Höhe. Ueber den Eindruck, welchen
dieser Moment in Charles erweckte, hat er uns in einem Briefe Folgen
des hinterlassen:
„Nichts wird jemals in meinem Leben der frohen Empfindun
gleich kommen, die mich erfüllte, da ich mich über die Erde erhob; &
war kein Vergnügen, es war wirkliches Glück. Den fürchterlichen
Qualen des Hasses und der Verleumdung entflohen, fühlte ich, das
ich alle meine Feinde beschänte, indem ich mich über alle erhob. Auf
dieses moralische Gefühl folgte bald in mir eine andere, noch weit leb-
haftere Empfindung; es war das von uns noch nie gesehene, majestätische
Gemälde der ganzen Natur, das in seiner ganzen Unendlichkeit vor uns
lag; unter uns die ganze Menge von 300,000 Zuschauern, die sich uns
wie eine Wiese darbot; über uns der gewölbte lachende Himmel, den
auch nicht ein einziges Gewölke das Geringste seiner ganzen Schönhet
genommen hatte; und in der Ferne der entzückendste Anblick. Meis |
Freund, sagte ich zu Herrn Robert, wie gross ist unser Glück? Id
“eiss nicht, wie die Erde gegen uns gesinnt ist; aber ist nicht de
nmel für uns? Welche Heiterkeit? Welcher hinreissende Auftritt?
0 —
Während Dieses in Paris vor sich ging, fing man auch in de
zweiten Capitale Frankreichs, in Lyon, an das Bedürfniss nach einer
aörostatischen Maschine zu fühlen. Zufällig traf Joseph Montgolfier
Ende Septeniber 1783 daselbst ein. Hierdurch fanden sich sofort einige
Standespersonen veranlasst, für die Herstellung einer solchen Maschine
eine Sanımlung zu veranstalten und Montgolfier selbst zu bitten, de
Bau derselben zu übernehmen. Diese sollte bisher nie ausgeführte
Dimensionen erhalten, denn man beabsichtigte auch Pferde oder ander
Thiere mit hochzunehmen. Der Intendant der Provinz, Herr von Fle-
selle, nahm die Sammlung der Gelder in die Hand und erlangte sehr
bald die Summe von 4400 Livres. Die Maschine erhielt die Kugelfom
nit unten angesetztem abgestumpften Kegel. Die Kugel hatte 35n
Durchmesser; die ganze Höhe des Ballons betrug 42 m. Als Materialia
verwendete Montgolfier zwei Schichten gröbster Leinewand mit einer
dreifachen Mittellage von Löschpapier. Ueber dem Stoff lag ein mit
diesem vernälites engmaschiges Gurtnetz. Der grösseren Festigkeit
wegen waren die quadratischen Maschen noch durch diagonale Stepp-
nähte mit einander verbunden. Die Galerie war aus Weidengefiecht
und durch eine Anzahl starker Seile mit der Maschine verbunden.
Der obere Theil der Kugel war aus weissem Kattun, der übrige
Theil aus grauer grober Leinwand. Auf dieser letzteren waren zwe
grosse Medaillons gemalt. Das eine stellte die Geschichte, das andere
Fama dar. Der sich unten anschliessende koniche Theil bestand aus ver-
schieden gefärbten wollenen Streifen. Die Galerie war Aussen und
Innen mit buntem Kattun geschmackvoll drapirt. Die einzelnen trapez-
förmigen Theile der Maschine wurden durch Schlingen und dazu gefertigte
Knopflöcher zusammen verbunden. Am 7. Januar 1784 brachte ma
den Ballon in seinen Theilen nach einem der Felder nahe Lyon, welche
les Brotteaux genannt wurden. Hier waren bereits die Masten aufge
richtet und das zur Füllung nöthige Gerüst erbaut. Nach zwei Tagen
waren sämmtliche Theile fertig miteinander verbunden. Am 10. Januar
sollte nun der Versuch von Statten gehen, indess waren die Vorbe
reitungen immer noch nicht beendet. Den ganzen Tag verbrachte man
damit, die (Galerie an der Maschine zu befestigen. Zu diesem Zwecke
wurde der Ballon vollständig ausgedehnt und zeigte dabei den allerseits
herbeiströmenden Lyonern sich zum ersten Male in seiner Schönheit
Die Ausdehnung nahm nicht mehr als 27. Minuten in Anspruch. Die
“tsetzung dieser Arbeit wurde am 12. Januar in Angriff genommen
:ch das immerfort unterhaltene Feuer wurde die Maschine jedoch s
a. —
arbeitet, damit die Maschine am 19. nun endlich steigen könnte, De
Morgen nahte und diejenigen, welche den Muth hatten sich der Ya»
schine anzuvertrauen sahen zu ihren Entsetzen, dass sie überall klein
löcher hatte, als ob sie mit Schrot beschossen worden wäre. Jeder de
etwas mit Muntgofieren Bescheid wusste, musste sich sagen, dass die
Reise jedenfalls nur eine kurze werden könnte und hierbei mussten durch
die Nähe der schnell strömenden Rhone, bange Ahnungen in den 6e
müthern der Reisenden aufsteigen. Pilätre de Rozier wollte sich aber
durchaus nicht damit einverstanden erklären, dass man die Maschine
nur mit todtem Gewichte auflasse. Die Maschine wurde in dreiviertd
Stunden ausgedehnt. Das über dem oberen Theil liegende Netz hatte
Montgolfier weggelassen, weil es ebenfalls zu mürbe geworden war
und demnach überflüssiger Weise das Gewicht des Aörostaten vermehrt
Die Maschine war kaum ausgedehnt, als Prinz Carl von Ligne, Gnf
von Laurencin, Graf von Dampierre und Graf von La Port
d’Anglefort in die Galerie hineinsprangen. Montgolfier und Pilätre
de Rozier bemühten sich vergeblich, einige der Herren zum Verlassen
der Galerie zu veranlassen. Auch der Intendant, Herr von Fles-
selles, dessen Hilfe Montgolfier schliesslich in Anspruch nahn, ver
mochte keinen Einfluss auf sie auszuüben. Muntgolfier und Pilätre
de Rozier sahen sich daher gezwungen, gute Miene zum bösen Spiel
zu machen und ihre Feuerung nebst Ballast auf ein Minimum zu be
sehränken. Die Haltetheile wurden durchschnitten und während des
Aufsteigens der Maschine schwangen sich die beiden kühnen Erbauer
noch in die Galerie.
Als sie durch die plötzlich hinzugekummene Last noch etwas her-
untergedrückt wurde, benutzte ein Kaufmann Fontaine die Geleger
. heit, um auch noch schnell hineinzuspringen.
Der vollendeten Thatsache gegenüber konnten die Reisenden Nicht
mehr einwenden: man verzieh ihm seine Verwegenheit in Bücksich
auf die wichtigen Dienste, welche er beim Bau der Maschine geleistet
hatte. Das Feuer wurde sofort auissergewöhnlich verstärkt, denn die
Montgolfiere begann bereits sich wieder zu senken. Danach stieg se
dann langsam und bewegte sich majestätisch nach Nord-Osten. Der.
Eindruck, den dieses Ereigniss auf die zuschauende Menge auskbit,
wird als ein grussartiger geschildert.
Das Gefühl der Freude verwandelte sich jedoch bald i
”erzen derjenigen in Besorgniss, welchen der schlechte
aschine hekannt war, als sie sie der Rhone zutreiben ga
22 —
bemalt war. Diesem entgegengesetzt befand sich ein gestreiftes Steuer
segel. Zu beiden Seiten des Aequators sassen noch zwei Flügelrade,
die zur Fortbewegung, zum Heben und Senken des Aörostaten diena
und von der Gondel aus regiert werden sollten. Die Gondel selbst
war sehr schön roth angestriehen und vom mit einem Hahn versehen.
der die Devise trug: „Surgit nune Gallus ad aethera® Die Gondel war
ferner ebenfalls noch mit zwei Rudern versehen. Die erste Auffahrt
ging am 25. Februar 1784 von Statten. Der Ballon erhielt neben den
Appendix einen Riss, jedenfalls weil die Klappen nicht rechtzeitig ge
öffnet wurden. Eine zweite Fahrt wurde am 12. Juni 1784 unter-
nommen, an einem sehr schönen, windstillen Tage. Guyton de Mor-
veau und Virly bestiegen die Gondel, die in ihrer Ausrüstung einem
kleinen physikalischen Cabinet ähnlich war.'!)
Bei diesem Versuch machten sie von ihren Ruder- und Steuer-
organen den vielseitigsten Gebrauch. Sie wollen dadurch eine Ab-
lenkung von der Windrichtung erzielt haben. Schliesslich kamen sie
in Etevaux nieder. Als sie sich dann von hier aus im Ballon sitzend
nach Dijon an den Halteseilen zurücktransportiren lassen wollten, schlug
ein plötzlicher Wind den Aörostaten so heftig gegen den Boden, dass
1) Description de l’Adrostat de l’Academie de Dijon. Dijon et Paris 1784.
EERTEN ps DE)
sh IE. Fa er
EWG
ER
41 Die
— 31 —
verwandten, wie ihnen überall vorgeworfen wurde. Ihr Hauptauge-
merk richteten sie beim Bau der Maschine auf Vereinfachung. Die
sonst übliche Estrade mit den Mastbäumen machten sie dadurch über-
flüssig, dass sie an dem Ballonstoff selbst Masten befestigten, welche
sich unten auf die Galerie stützten. Hierdurch konnte der Ballonf
niemals vollständig zusammensinken und womöglich in die Gluthpfane
hineinfallen, denn diese Stützen blieben auch während der Fahrt an der
Maschine Die Füllung war auf diese Weise auch von der Estrade =
abhängig gemacht und konnte an belichiger Stelle stattfinden.
wollten dann ferner das einzige von Montgolfier vorgeschlagene Mitte
zur Lenkung versuchen. Es bestand dies in einer am grössten Umfan
ddes Ballons angebrachten Seitenöffnung von ca. 35cm Durchmesser. Di
warme ausgedehnte Luft sollte hieraus ausströomen und durch ihre
Reaction das Vorwärtstreiben des Luftschiftes bewerkstelligen. Um d+
bei eine bestimmte Richtung inne zu halten, wurde die Galerie aus
mit einem Steuer versehen. Die beiden Abb6's verbesserten ausserdem
die Ausrüstung der Maschine, indem sie zur Erstickung des Feuers der
Gluthpfanne einen Deckel eonstruirten und ferner eine Quantität Wasser
und Schwämme mitnehmen wollten. Schliesslich machte noch ein Anker und
eine Strickleiter den Inhalt der Galerie vollständig. Da nun Montgolfier
sowohl, wie der berühmte Naturforscher Saussure ausgesprochen hatten.
dass die Kenntniss der verschiedenen Luftströmungen wahrscheinlich
das einzige und sicherste Leitungsmittel für Ballons sein werde, be
absichtigten sie auch hierüber Untersuchungen anzustellen und hatten zu
dem Zweck zwei Pilotenballons gebaut, von denen einer mit Gas ge
füllt 50 m über der Maschine, der andere mit Luft 50 m unter der-
selben schweben sollte.
An einen sehr warmen Julisonntag sollte die Auffahrt von Statten
gehen. Die Abb&'s wollen absichtlich den Sonntag gewählt haben, da
mit auch die arbeitenden Classen das Schauspiel schen könnten: ®&
wurde ihnen jedoch von Frönmilern die Entheiligung des Feiertags vor-
geworfen und man sagt auch, dass die Königin, welche sehr gern den
Schauspiel beigewohnt hätte, aus diesem Grunde nicht gekommen se
Dessen ungeachtet. füllten sieh die Tribünen im Garten von Luxer
burg seit dem frühen Morgen und das Heizen der Montgolfiere konnte
um Mittar beginnen. Es ist nun unerklärlich, aus welchen Gründe
die gelehrten Pater, nachdem die Maschine längst Angt
die Luftfahrt nicht unternommen haben. Um !
stand eine gewisse Unruhe unter der zuse
_ 3 —
eine möglichst kleine Oberfläche bieten. In die Mitte dieses Ballos
hängten sie den kleinen Meusnier’schen voll atmosphärischer Luft.
Mittelst eines Schlauches war derselba mit einem Bilasebalg auf de
Galerie in Verbindung gebracht. Der Zweck der Einrichtung war, vm
der Gleichgewichtslage aus, ohne Gasverlust steigen und sinken zı
können. Die innere Luftblase wurde, je höher der Ballon stieg, immer
mehr entleert, sodass das ausgedehnte Gas die Stelle der Luft einnahm
Wenn man sinken wollte, glaubte Meusnier durch erneutes Luftein
pumpen in dieses Ballonet einen Druck auf das Füllungsgas und somit
eine Verdichtung desselben herbeiführen zu können. Zur horizontalen
Fortbewegung brachten Robert's am Vordertheil zwei Schirnruder a
von je 1!/, qnı Oberfläche, während sie die Lenkung durch ein Steuer
ruder von 6 qm Fläche bewirken wollten, welches an dem entgegen
gesetzten Ende der Galerie befestigt war. Um 7 Uhr 52 Minuten stieg
der Ballon mit den Gebrüdern Robert, dem Herzog von Charts
und Herm Collin Hullin auf. Mit Hilfe ihrer Ruder wollen die
Reisenden eine gewisse Abweichung von der Windrichtung erlangt
haben. Dies steht indess sehr im Gegensatz zu der Thatsache, dass der
Ballon sich um seine Verticalaxe gedreht hat. Robert selbst berichtet
darüber: „Windwirbel bemächtigten sich unserer Maschine und drehten
sie in einem Augenblick von der Rechten zur Linken dreimal ganz
herum. Die heftigen Stösse, welche wir empfanden, nöthigten uns zum
Verlassen aller unserer Lenkungsmaschinen, und wir hielten es sogar für
angemessen, den Taffet unseres Steuers zu zerreissen, um damit den
äusserst heftig auf uns einwirkenden Windfang zu zerstören.“ Dieser
Wirbelwind war sicherlich weiter nichts, als das gewöhnliche Rotiren
eines jeden solchen Ballons um seinen Schwerpunkt, sobald er seine
Gleichgewichtslage erreicht hat. Hierbei diente natürlich das Steuer al
gute Segelfläche zur Beschleunigung dieser Bewegung. Die Reisenden
wollen ferner heftige Erschütterungen verspürt haben und schreiben
diesen auch zu, dass die seidenen Schnüre, welche das Ballonet in
Innern hielten, zerrissen. Infolge dessen fiel das Ballonet auf die
untere Oeffnung des grossen Ballons und verstopfte diese. Als nun d#
aus den Wolken hervorbrechende Sonne das Gas des Ballons zu I"
weiteren Ausdehnung brachte, wurde die Lage der Luftschiffer eine sehr #*
peinliche. Sie hatten das baldige Platzen und dag Hinabetürzen in ü
schreckliche Tiefe vor Augen. Indessen
keit und, nachdem sie sich vergebl”
herauszuziehen, ergriff der Herz
rn ar ‚ 2. > en. &
de Rozier und Romain waren mit zwei Ballons gestiegen. Der obert
war der grösste und mit inflammabler Luft gefüllt; der untere kleinere,
der etwa 35 Pfund tragen mochte, war mit Feuer geheizt. Dieser war
nicht beschädigt, sondern nur der grössere, der im Gipfel eine Stelk
von 6° Durchmesser (2 m) hatte, die angesengt war, in deren Mitte ein
Loch im Taffet verbrannt war von 1' Durchmesser. Man hatte den Ballen
sorgfältig aufgehoben und ich schnitt mir noch eine Probe heraus, um den
Uebergang von der verbrannten Seide zur bloss versengten zeigen zu
können. Mehrere Personen, die den Ballon sahen, als ihm das Unglüc
begegnete, und die hinlänglieh von einander entfernt wohnten, zeigten
mir die Stelle, von wo aus sie es gesehen. Ich nahm die Winkel und
mass die Basis und fand, dass der Ballon damals zwischen 12,000 und
14,000‘ hoch (7) war. Man hatte eine kleine weisse Wolke gesehen, x»
wie wohl welche unter den Gewitterwolken hingen, und diese war n
der Nähe des Ballons gewesen. Es ist wahrscheinlich, dass aus dieser
ein elektrischer Funken (?) auf den Ballon geschlagen ist, der die ir-
flammable Luft entzündete u. s. w.“
Das sind also schon zwei sich widersprechende Berichte, von denen
letzterer insofern mehr Glaubwürdigkeit verdient, als Montgolfier als
Untersuchungscommissar Alles genau feststellen konnte. Wir sind der
Ansicht, dass wohl eine Gasexplosion die Katastrophe herbeigeführt haben
möchte. Die Montgoltiere brannte augenscheinlich bei der Auffahrt noch
nicht. Erst als man sich in der Gleichgowichtslago befand und hier
widrigen Wind antraf, suchte Rozier wahrscheinlich durch Anzünden
des Feuers die Montgolfiere auszunutzen. Bei der mangelhaften Diehtig-
keit der Gasballonhülle kann sich möglicher Weise in dem oberen
Theil der direct unter ihr befindlichen Montgolfiere etwas Knallgax ge
bildet haben. Ein Funke genügte unter solchen Umständen, die Ent-
zündung herbeizuführen und die Aufzehrung des Gases nach oben heraus
in kurzer Zeit zu vollenden. Es ist sonst nicht gut erklärlich, wie das
Gas aus dem nur fussbreiten, runden Loch so schnell entwichen sein
soll. Auch die Versengung und die Brandränder des Loches scheinen
gewissermassen Beweise hierfür zu liefern. Pilätre de Rozier ang
Romain waren die ersten Opfer, welche die Luftschifffahrt fordeyge
Pilätre war ein geborener Tothringer aus Metz. ui
Dieser Unglücksfall übte eine starke Rückwirkumm sei Aller
müther aus. Die Sympathien, welche man Ar
hegte, schienen jetzt, wo die Gefährliel
getreten war, vollkommen zu verschwin«
der Tragkraft seines kleinen Aörostaten. Er hat überall, wo er hernach
wieder aufstieg, das Gewicht seiner Maschine erleichtern müssen. Die
Luftschifffahrt geht nun vorläufig in die Hand speculativer Köpfe über,
welche daraus ein Gewerbe machen. Die ferneren Versuche aber, das
Problem der Lenkbarkeit zu lösen, erhalten immer mehr einen internatio-
nalen Charakter, indem bei der Seltenheit der darin gemachten Experimente
jedes Folgende sich auf die Erfahrungen des Vorhergehenden zu stützen
sucht. Wir werden diese deshalb in einem besonderen Capitel möglichst
ausführlich besprechen. Was aber Nutzen bringen kann, bricht sich immer
wieder Bahn. Wir können es daher mit Freuden begrüssen, dass in
unserer Zeit die Aöronautik wieder einen mächtigen Aufschwung genommen
hat, der ebenfalls von Frankreich ausgegangen ist, diesmal aber, unter
günstigeren Verhältnissen, hoffentlich zum besseren Gedeihen der Sache
beitragen wird.
up
# ne
dr RT .
R* 2 En vn y WETTE
TE TAFID a an
Be | Ei IhE ran) ® 3.7 |
FRE ” en a VIER Be: 4 Wi
a
8 —
Vermittlung seiner Freunde die nöthige Unterstützung seitens der
Akademie der Wissenschaften zu Bologna. Im Auftrage dieser baut
er hier eine sehr interessante Roziere. Der kugelförmige Gasballon der-
selben hatte 13 m (39° 9") Durchmesser. An seinem unteren Dritid
befanden sich einander gegenüber zwei Schläuche zum Füllen mit Ga
(gleichwie bei Lunardi’s erstem Ballon). Den oberen Theil umgab en
starkes Netz von 128 Maschen. Von der Mitte aus verminderte sic
diese Maschenzahl in vier Reihen so, dass das Netz in 16 Auslauf-
leinen endigte. Letztere waren an einem Ring von ca. 15 m (43)
Durchmesser befestigt. In dem Raum zwischen Ring und Gasbalk
befand sich in Form eines abgestumpften Kegels die Montgolfiere. &
bestand aus Seidenzeug, war 5 m (15,9) hoch und hatte oben 7!/, m
(22,6) Durchmesser. Von einem Flaschenzuge unten am Ballon gix
durch die Montgolfiere eine Kette, welche eine an drei Armen hängend |
kleine Weingeistlampe trug. Letztere war ringförmig von !/, m
innerem Durchmesser und hatte 32 Klappen, welche die Deckel nı
ebenso vielen Flammen waren. Sie fasste 24 Pfund Weingeist und
konnte beliebig herauf und herabgezogen werden. Am Ringe hing unter
der Montgolfiere die Galerie für den Luftschiffer. Diese bestand au
drei starken Reifen aus Buchenholz, die durch 16 gleichweit entfernte
Stricke an einander befestigt waren. Der unterste trug als Boden ein
Gitter von zolldicken Stäben. In seiner Mitte befand sich noch ei
concentrischer kleiner Ring von ca. !/, m (21°) Durchmesser, welcher
als Eintrittsöffnung diente und mit einem Netz bedeckt wurde Zur
horizontalen Fortbewegung war die Galerie noch mit zwei Wendeflügels
ausgerüstet von 2 m (6,5) Länge und 1?/, qm (15 Cubikfuss) Fläche,
wie sie bis zur Zeit noch von Niemand angewendet worden waren. Die
Gewichte der Roziere waren nach Zambeccari folgende:
Der Gasballon nebst Schläuchen zum Füllen . .. 125 Pfund.
Die Montgolere . . » 2 2 2 2 2 2 nn. I „
Netz und Stricke . . . a || BESSER
Galerie mit Stricken und Netz nr BB „
Kette und Flaschenzug . . . rn MH „
Zwei Wendeflügel nebst Zubehör vr... 14 „
Instrumente und Geräthschaften . . . ... 22 „
45 Maass Weingeist nebst Flaschen . . . .».. 8 „
Lebensmittel sammt Gefäsen . . . »...180 ,„
3—4 Luftschifler . . » 2 2 2 2 2 020. 72 ,„
Ballast. 2 oo 0 on 0 „
Summa 1984 Pfund.
gene
EN
Rn "0 ee
iger aufschieben
ge 52 a
: 12 Fr, Ber Kugler vor er r
ea wi el de a ge a u
ien AuMlug
ERS
HET TERN EEE
TEEN!
ne et
4
Az Sr ed Sie 28
> 4:4 IRRIE & W« y IR —.
ee a
- 50 —
meines Experimentes betrogen. Nur fünf junge Leute halfen mir; st
andere, die ich gleichfalls unterwiesen und die ihren Beistand versproche
hatten, waren mir abwendig gemacht worden und blieben aus. Das un
die üble Witterung waren Schuld, dass die aufsteigende Kraft des Balk
nicht in dem Maasse zunahm, als man nach dem Verbrauch von Mate
rialien hätte erwarten sollen. Jetzt wurde es düster in meinem Sinn.
Achttausend Scudi gab ich verloren — und sie sind es wirklich —
blieb nur die Ehre noch zu verlieren. Mit erschöpften Kräften, ohne den
ganzen Tag einen Bissen gegessen zu haben, Galle auf den Lippen, Ver
zweiflung im Herzen, so stieg ich um Mitternacht hinaus zu den Wolken
ohne eine andere Hoffnung als die, dass der Ball, der durch das viek
Hin- und Herschleppen bereits viel gelitten hatte, mich nicht weit trage
würde Andreoli und Grassetti waren meine Begleiter. Anfangı
wollte ich am Anker herumschweben bis es Tag würde. Als ich aber
merkte, dass der Ball eine Neigung zum Niedersteigen verrieth, ver
muthete ich, er habe bereits von der brennbaren Luft verloren, da die
schon erwähnte Beschädigung durch das Zusammenleimen des Firnise
unmöglich ohne alle bleibenden Folgen hatte ausgebessert werden
können. Um so eher schmeichelte ich mir, nahe bei Bologna ohne G*-
fahr wieder herabzusteigen. Wir schwebten langsam aufwärts und blieben
lange Zeit über der Stadt. Plötzlich aber erhoben wir uns mit grosser
Schnelligkeit und ein Südwestwind brachte uns den Zuschauern in einen
Augenblick aus dem Gesicht. Die Lanıpe, weiche bestimmt war die auf
steigende Kraft zu vermehren, wurde fürs Erste gar nicht gebraucht
Die Bemerkungen amı Barometer u. s. w. konnten beim schwachen Schein
einer Laterne nur sehr unvollkommen angestellt werden. Die fürchter-
liche Kälte in der Höhe, in welcher wir uns befanden, meine Nüchter-
heit seit mehr als 21 Stunden und der Kummer, der meine Seele be
lastete, alles das zusammen genommen bewirkte, dass ich ohnmächtig
wurde und in eine Art von Todtenschlaf auf die Galerie hinsank.
Meinem Gefährten Grassetti ging es ebenso; nur Andreoli blieb
munter und frisch, vielleicht weil er gut gegessen und brav Rum dazu
getrunken hatte. Zwar litt auch er viel von der schrecklichen Kälte
aber er that doch, was möglich war, um mich zu erwecken. Auch ge
lang es ihm endlich, mich auf die Beine zu bringen, nur meine Sinne
blieben verworren und ich fragte ihn wie im Traume: was es Neue
gebe und wohin wir gingen, wie viel die Glocke geschlagen und woher
der Wind wehe u.s.w. Es war damals 2 Uhr. Die Magnetnadel be
rührte den Boden und war uns folglich ganz unnütz; das Wachslicht
—_ 592 —
die See zu stürmisch, und wir selber nicht im Stande, Beobachtunge
anzustellen. Wir mochten ohngefähr in der Mitte des adriatischen
Meeres sein und zwar in der Richtung von Rimini. Trotz des sanfıes
Fallens tauchte dennoch die Galerie unter, wir standen bis an den halben
Leib im Wasser, oft wurden wir auch ganz von den Wellen bedeckt
Da der Ball zur Hälfte erschlafft war, so konnte der Wind sich darm
fangen wie in einem Segel, und so wurden wir mehrere Stunden lan
durch die stürmischen Wellen geschleift. Bei Tagesanbruch befanden
wir uns etwa 4 Meilen von der Küste von Pesaro, die wir erkannten
Schon schmeichelten wir uns glücklich dort anzulanden, als plötzlich eis
scharfer Landwind uns zurück auf das hohe Meer warf. Es war nm
völlig Tag geworden und wir sahen rings um uns her nichts als Wasser.
Himmel und unvermeidlichen Tod. Zwar wollte unser Glücksstern, das
uns mehrere Schiffe begegneten: aber sobald sie von ferne den leuchter
den Ball erblickten, geriethen sie in Furcht und steuerten weit von us
ab. Es blieb uns also keine andere Hoffnung, als die gegenüberliegende
Küste von Dalmatien zu erreichen; diese Hoffnung war natürlich sehr
gering und wahrscheinlich würden wir endlich von den Wellen ver-
schlungen worden sein, wenn nicht zu unserer Rettung ein Schiffer er-
schienen wäre, der, unterrichteter als die übrigen Entflohenen, den Ball
für das erkannte, was er war, und sein Boot schnell zu Hilfe sandte
Die Matrosen befestigten dasselbe durch ein starkes Seil an die Galerie,
und mit grosser Mühe wurden wir drei Kraftlosen hineingezogen. $-
bald die Maschine sich so erleichtert fühlte, strebte sie von Neuem in
die Höhe; vergebens strengten die Matrosen alle Kräfte an, sie nach
sich zu ziehen. Das Boot wurde stark bewegt. ihnen selber drohte Ge
fahr, sie eilten daher, das Seil zu kappen, und augenblicklich stieg der
Ballon unglaublich schnell in die Wolken, und verschwand aus unserm
Blicken. Es war 8 Uhr Morgens, als wir an Bord des Schiffes kamen.
Grassetti war dem Tode nahe, kaum gab er noch ein Lebenszeichen
von sich. Mir selber waren die Hände verstümmelt, Frost, Hunger,
Angst hatten mich gänzlich erschöpft. Der wackere Schiffer that, was
er konnte uns zu erquicken. Er führte uns glücklich in den Hafea
von Verada, von wo wir nach Pola gebracht wurden, wo man uns gat-
freundlich aufnahm und ein geschickter Arzt meine Hände operirte“
Aus diesem Berichte ist zu ersehen, wie Zambeccari seinen
eigentlichen Zweck nicht erreicht hatte. Es war lediglich eine unter
ungünstigsten Verhältnissen unternommene Fahrt mit einem Gasballon
Es erscheint darum nichts natürlicher, als dass ein so thatkräftiger Max
—_— 51 —
den Rudern gehorchte, so verschwanden alle Zweifel. Jetzt wurde ea
zweites Experiment gemacht.
„Die ausgeworfenen 25 Pfund wurden wieder eingenommen, us
noch 5 Pfund darüber, dass folglich das ganze Gewicht die aufsteigend
Kraft um 5 Pfund übertraf. Nicht mehr als zwei angezündete Flaämm
chen waren hinreichend den Ballon sichtbar anzuschwellen, und die »
verdünnte Luft hob ihn langsam so hoch als des Strickes Länge erlaubte.
Sobald aber durch die Klappe die Flämmchen wieder unwirksam gemack
wurden, wurde der Ball auch wiederum schlaffer und senkte sd
langsanı.*
„Der dritte Versuch bestand im Anzünden von sechs Flämmche
deren Wirkung natürlich wn so schneller war. Aber der Ball senkt
sich nicht, als die Flämmcehen ausgelöscht wurden, sondern erhielt sch
ungefähr zwei Minuten in dieser Höhe. Hiernach trafen die Luftschifer
Anstalten zur Abfahrt. Sie hatten einige Pfunde Uebergewicht. Sie zir-
deten acht Flämmchen an und gaben um 10 Uhr 50 Minuten ds
Zeichen zur Abfahrt. Langsanı stieg der Ballon in die Höhe. Das Wetter
war windstill und schön. Sie fanden nanıentlich in den niederen Höhe
verschiedene Luftströmungen. Dadurch wechselte ihr Ballon dreimal
den Curs und blieb lange Zeit in der Nähe von Bologna. Dabei machte
Zambeccari über seinen Apparat folgende lehrreiche Beobachtungen:
l) Ein Flämmchen mehr, hatte ein sofortiges Aufsteigen zur Folge.
Das immerwährende Brennen einer gleichen Fliammenzall
hielt den Ballon in gleicher Höhe.
2) Beim Löschen einer Flanme war die Wirkung des Fallens nicht
so plötzlich. Es verging erst eine gewisse Zeit, bis der
Ballon sich langsam senkte.
3) Sie hatten die Vertical-Bewegung vollkommen in der Hand und
sie führten vor dem Publikum den Versuch aus, sich 160 2
(500°) auf die Erde herabzulassen und wieder zu steigen.
Als der Ballon sich um 1 Uhr über Capo d’Argine, sechs Meile
von Bologna befand, beschlossen die Reisenden sich herabzulassen und
löschten deshalb die Lampen aus. „Als der Ball sich der Erde näherte,
schwebte er über einem morastigen Boden, der den Luftschiffern ea.
nasses Reisfeld schien. Augenblicklich zündeten sie zwei Fl
an, hoben sich wieder, flogen über das Posthaus weg, und da ae
wa 200 Schritte von da ein Feld gewahr wurden, wo keine Hinders
zu befürchten waren, so liessen sie sich herab. Kaum hatte der Ar
— 56 —
zufeilen, welches, da es durchweicht war, leichter nachgab. Endlich ge
lang es ihm, die Maschine wurde wieder flott, mit günstigem Wind
und guten Hoffnungen trieb sie der italienischen Küste zu.“
Von sieben Fischerbarken, die ihm begegneten, hatte schliesslich
eine den Muth heranzukonımen, um den Unglücklichen aufzunehmen
Der Ballon flog nach dieser Entlastung auf in Richtung auf die Türkei
und verschwand. Der wackere Schiffer Antonio Malta aus Chioggia
brachte Zambeccari zunächst nach Comachio und von da reiste @
nach Bologna zurück. Er wurde überall mit Jubel empfangen und sen
Einzug in der Stadt glich einem Triumphzuge. In den folgenden Jahren
fanden nun weitere Auffahrten von geringerer Bedeutung statt. 1806
stieg Andreani wiederum mit Carlo Brioschi in Neapel 180i
Andreoli allein zu Mailand und 1808 mit Brioschi zusammen in
einer Roziere in Padua. Letztere Fahrt hatte insofern einen unglück-
lichen Ausgang, als der Gasballon in der Höhe platzte und die Maschine
somit ziemlich schnell herunterkam. Die beiden Luftschiffer kamen glück-
licherweise ohne besonderen Schaden davon. 1809 stieg Andreoli in
Rom. Im Jahre 1811 besuchte Blanchard Italien und producirte sich
in Mailand, Rom und Neapel. Endlich machte 1812 Zambeccari einen
neuen Versuch, welcher leider den Tod dieses kühnen unerschrockenen
Mannes zur Folge hatte. Auf einer Wiese bei Bologna sollte das Auf-
steigen am 21. September vor sich gehen. Der Tag war jedenfalls etwas
windig, denn schon beim Füllen erlitt der Ballon dreimal Beschädigungen,
sodass er schliesslich nicht mehr genügend Auftrieb besass, um dre
Reisende mitzunehmen. Es kam daher nur Bonago mit. Die Maschine
wurde beim Loslassen sofort gegen einen Baum getrieben und der aus
der Lampe herausfliessende Spiritus setzte gleich Alles in Brand. Bonago
kletterte schnell auf den Baum. Er fiel, da er einen zu schwachen
Zweig ergriffen hatte auf die Erde Von etwas grösserer Höhe folgte
alsbald auch Zambeccari. Infolge der vielen Brandwunden und jeden
falls auch innerlichen Verletzungen starb er aber den nächsten Tag in
einem Alter von 50 Jahren.
Mit seinem Tode fand auch die fernere Ausbildung dieser von
Pilätre de Rozier angeregten Theorie ihr Grab. Diesbezügliche Pro-
jekte sind späterhin noch in grosser Zahl gemacht worden. Niemand
hat sich aber gefunden, der sie ausführen wollte. Dass die Versuche
Zambeccari’s bei seiner zweiten Fahrt von Bologna günstige Resultate
erzielt hatten, ist uns durch den Bericht der dortigen Akademie verbürgt
(s. Kotzebue, Reiseberichte II, S. 370). Es wird darin auch besonders
5 —
überlief. Ebenso regulirte sich der Zufluss des Spiritus von selbst.
Ferner brachte er an der Montgolfiere noch einen Fallschirm an und
schliesslich in der Gondel eine kleine Winde mit einem Gewicht von
50 Pfund an einer Seidenschnur, welches vor dem Landen herabgelassen
wurde, um den Aufprall zu vermindern. Im übrigen ist der Aörostat
dem von Zambeccari gleich. Ueber die Auffahrten, die zur Zeit und
später stattgefunden haben, geht aus der von Orlandi verfassten
Broschüre über seine Maschine nichts Näheres hervor. Die Entwick-
lungsgeschichte der Aöronautik in Italien hat hiermit ihr Ende erreicht.
In späteren Jahren ist hier niemals wieder etwas Bedeutendes darin
geleistet worden.
Kapitel UL
Die Entwicklung der Luftschifffahrt
in England.')
Es ist sonderbar, dass in einem Lande, wo man selbst auf Grund
wissenschaftlicher Versuche der Erfindung der aörostatischen Maschine
so nahe stand, erst fünf Monate nach dem Experiment Montgolfier's zu
Annonay zu einem gleichen Versuch geschritten wurde. Ein Italiener,
Graf Zambeccari machte, da er sich zufällig in London befand, im
November 1783 einen Ballon von ca. 3 m Durchmesser aus gefirnisster
Seide. Dieser wurde, einerseits des schönen Aussehens wegen, anderer-
seits auch zur Erhöhung der Dichtigkeit des Stoffes vergoldet. Einige
Tage wurde der kleine Ballon öffentlich in London ausgestellt. Am
25. endlich um 1 Uhr Nachmittags liess man ihn in Gegenwart einer
zahlreichen Menschennenge vom Artilleriegrund aus steigen, nachdem
man zuvor noch eine Blechkapsel mit der Anweisung der Adresse an
den glücklichen Finder, wo er ihn wieder abzugeben hätte, daran be-
nn nn
1) Hauptsächlich benutzte Quellen:
Astra Castra, Experiments and adventures in the atmosphere by Hatton
Turnor. London 1865.
M. Garnerin, Aeronautica. London.
Vincent Lunardi, Account on the first Arial Voyage in England. Lon-
don 1784.
Vincent Lunardi, The Account of five Arial Voyages in Scotland.
London 1786.
Tiberius Cavallo, History and Practice of Aerostation, London 1785.
Dupuis Delcourt, Nouveau Manuel complet d’A6rostation. Paris 1850.
Zeitschrift d. deutschen Vereins z. Förderung der Luftschifffahrt.
Auch die Haupthelden dieser Epoche verliessen nach und nach
hren Schauplatz, um später weniger begeisterten Elementen Platz zu
Nachen. Lunardi starb im Jahre 1806, während er sich gerade in
dssabon aufhielt. Blanchard starb 1809 anı Schlagfluss, nachdem er
6 Auffahrten gemacht hatte.
Kapitel V.
Die Entwicklung der Luftschifffahrt
in Deutschland.')
Die Kunde von den Ereignissen in Frankreich waren kaum ni
Deutschland gedrungen, als man auch hier allerorts sofort daran gi
Versuche mit den verschiedenartigsten aörostatischen Maschinen im Kleir
vorzunehmen. Schon am 27. December 1783 solite Berlin zum ers
Male das schöne Schauspiel einer aörostatischen Maschine genies
können. Professor Achard hatte einen kleinen Ballon von 1 m Dur
messer aus Goldschlägerhaut verfertigt und liess diesen mit Wassers
gefüllt vom Lustgarten aus fliegen. Er wendete sich, in schiefer Richt
aufsteigend, zunächst der Domkirche zu, um dann über die Kön
strasse die Richtung zwischen dem Schlesischen und Frankfurter TI
einzuschlagen. Er soll dann weiter über Friedrichsfelde gegangen s
Ueber seinen Verbleib ist nichts bekannt geworden. Einen zwe
derartigen Ballon liess Achard von dem Garten des Fürsten Reuss
am 2. Februar 1784 in Gegenwart Seiner Königlichen Hoheit des Prir
Heinrich, des Prinzen Ferdinand und der Prinzessinnen des Königlic
Hauses aufsteigen. Dieser hatte ca. 1!/), m Durchmesser.
1) Hauptsächlich benutzte Quellen:
Kramp, Geschichte der Aörostatik. Strassburg 1784.
Selbstbiographie von Carl Friedrich Claudius. Berlin 1834.
Geschichte d. Luftschwimmkunst von M. Zachariae. Leipzig 1823,
Silberer, „Im Ballon“. Wien 1883.
a
Ei a Pe Be
%
er ee rn Te
Mn
Ze “init DI
- ER de war
WETTER, Se a Pr EEE
rl e aan”
en 2 er Se near Br
re
REN ae __
= es wi a Bi u
nn
rg
rc
EX E EEE a
er
EEE
CE Rt 2
PERF RN
Brei a
LEE 4 te 2 Se
1
yi
ei Arch ag =
Zn
ne 5.7} A; erg
Ki
1800 Be Re Pr
Ne age zu en
N E ae pe
I RE
Schüler Robertson’s, in demselben Jahre mit d
aus grosser Höhe herab. Berühmt wurde endlich di
Mickan, weil derselbe die Eindrücke seiner Reise in ein Ge
sammenstellte und dieses zum Wohle der barmherzigen E
Ein Uhrmacher Deghen verfertigte zu jener Zeit: akt
apparat, durch welchen er in Verbindung mit einem Ballon ‚g
Vögeln zu fliegen hoffte Durch eine Hebelvorrichtung s
Flügel mittelst der Arme bewegt werden. Nachdem dienten
ausgeführten Versuche zu seiner Zufriedenheit ausgefallen
er sich in Paris öffentlich pr
Er machte aber glänzend Fiasko und
war schliesslich zufrieden, als er sl
mit Hilfe der Polizei den Schlägen ı
wüthenden Menge — £
kostbarer ie wurde
zerstört,
Am 19. August 1810 fuhr Jun
gius in Berlin mit dem Vo m er *
königlichen Blindenanstalt Zeune #
dritten und letzten Male auf. Die Ve T-
suche fanden im nächsten Jahre ih
Fortsetzung durch den
lichen Ballon eines Wachs tuchfabrikanten
Claudius (Fig. 13). Dieser hrachte nä im
lich sowohl über als unter dem Kot )
seines Ballons je einen Schirm om Ch
5 m Durchmesser an. Jeder derselbei
bestand aus lauter einzelnen Klappe®
von gefirnisstem Papier, welche mit
seidenen Schnüren an einem Gestell be
festigt waren. \
Vom Korbe aus konnten k
auf- und zugeklappt werden. Der obere
Schirm sollte die Steigkraft des Ballons ohne Ballastverlust vermehren,
der untere !) ein willkürliches Herabsenken ohne Gasverlust ge
statten. Die Klappen öffneten und schlossen sich bei Handhabung de
Sehirme entsprechend deren Gebrauchszweck. In Gegenwart von Jungius
1) Der Senkungsschirm ist auf dem Bilde kastenartig aufgeklappt.
4 ki.
—_ BB —
der Gegenstand diesem wilden Treiben ein Ziel setzen würde. In dieser
lebensgefährlichen Lage kam ich hart neben einigen Dörfern vorbei und
rief den einzelnen dies Schauspiel anstaunenden Bewohnern zu, mir zu
Hilfe zu kommen. Aber sei es Schreck oder Unentschlossenheit, nirgends
erfolgte Beistand. Jetzt gerieth ich in einen Teich, ward quer durch
denselben fortgerissen, und ebenso auch durch einen dicht daneben be
findlichen zweiten; kaum dass ich mich aus dieser Lebensgefahr erretiet
glaubte, tauchte ich bereits wieder in einen See, der an dieser Stelle
ziemlich dicht mit Schilf bewachsen war. In diesem zähen Boden fasste
der letzte übrige Zinken meines Ankers abermals Grund; aber immer
noch nicht im Stande, dem Sturme Widerstand zu leisten, trieb dieser
mich über den See nach dem jenseitigen Ufer hin, und hier endlich ge
rieth ich an eine Gruppe von Fichten und war so glücklich, im Herar
fahren an dieselben mich an einer von ihnen festzuklammern. Die G*
fahr verdoppeit den Muth und die Kräfte Die Fichten selbst kamen
mir zu Hilfe; ihre Zweige, die den Rest meines so lange auf der Erde
fortgeschleiften Hebeschirms vollends zertrümmerten, verstrickten sich
zugleich in das Netz des Balls und halfen ihn festhalten. Ich behielt
Besinnung genug, diesen Aufschub zu benutzen, um meine Rettung zu
vollenden. Mit der einen Hand hielt ich mich an dem Baume fest, mit
der andern schlug ich das Ankertau um den Stamnı, und als auf diege
Art der Ball fest genug war, stieg ich aus meinem Korbe.* ‘
Claudius liess es bei dieser einzigen Luftfahrt bewenden. Spätere
interessante Versuche haben in Deutschland nicht mehr stattgefunden.
Kapitel VI
Versuche mit Luftballons bei anderen
Nationen.
Franklin, der grosse Gelehrte Nordamerikas, war zufällig in Paris
vesend, als Charles den ersten Gasballon dort steigen liess. Auf die
nerkung eines um ihn Stehenden, dass man den Ballon ja doch nicht
ken könne, sagte er: „Kann denn ein neugeborenes Kind gleich
en?‘ Auf Grund des von ihm nach Amerika gesandten Berichtes
annen die Professoren Rittenhausen und Hopkin von der Uni-
stät in Philadelphia!) Versuche anzustellen. Da ihnen die Hilfs-
el, einen Ballon so gross zu machen, dass er einen Menschen tragen
nte, fehlten, verbanden sie 47 kleinere Ballons untereinander und
:hten unter diesen einen Korb an, in den sie bei ihren anfänglichen
tirfahrten Thiere hineinsetzten. Ein Mensch, der bald darauf es
te aufzusteigen, bat bereits, nachdem er fünf Meter hochgelassen
„ flehendlichst, ihn wieder herabzuziehen. Schliesslich fand sich
ch für Geld ein gewisser James Wilcok, der nach einigen Captiv-
ten sogar den Muth besass, für den Preis von 50 Dollars eine freie
rt zu wagen. An dem angekündigten Tage kamen von weit und
t die Amerikaner herangereist, um dem Schauspiel beizuwohnen.
Maschine stieg bis auf ca. 30 m und ging anfangs ganz ruhig vorwärts;
in auf einmal erhob sich ein Westwind, der Wilcok in nicht ge-
e Besorgniss versetzte. Seiner Instruction gemäss durchstach er so-
1) Wise, A., System of aäronautics. Philadelphia 1850.
80 —
fort hinter einander elf der kleinen Ballons und unbedachter Weise alle
von einer Seite. Die Folge davon war die, dass er sehr hart auf eine
Wand seines Kastens zu fallen kam und sich dabei eine Hand verrenkte.
Von weiteren angekündigten Versuchen ist Nichts mehr bekannt ge
worden. Gerade "wie in Deutschland, wurde auch hier in Amerika eine
selbständige Entwicklung der Luftschifffahrt durch die bald alle grösseren
Städte heimsuchenden französischen Erwerbsluftschiffer im Keime erstickt.
In Amerika waren es vornehnlich Blanchard und Robertson, welche
ihre Kunst zeigten und gefüllte Säckel dafür heimtrugen. Die Staaten,
welche ausserdem selbständig ihre aörostatischen Versuche anfingen,
traten nicht aus einem schr bescheidenen Rahmen hervor. Es sei daher
nur der in Dänemark gemachte!) noch erwähnt, weil bei ihm zuerst die
Cylinderform zur Verwendung gekonmen ist. Der Ballon hatte ca. 2m
Länge und 1 m Durchmesser und war von einem Professor Mylen-
städt gefertigt worden. Im Jahre 1808 und 1811 sollen von einem
gewissen Colding in Kopenhagen Versuche nıit einen lenkbaren Ballon '
angestellt sein, jedoch ohne jeglichen Erfolg.
Alle ferneren aörostatischen Versuche in den verschiedensten Staaten
entbehren der nationalen Selbständigkeit der Entwicklung und sind bei
Ermanglung einer jedweden Förderung als untergeordneter Art zu be
trachten.
I) Kramp, Geschichte der Aörostatik 1784. Strassburg.
|
1
\
|
nr
a A ee:
# a:
94 —
So sammeln sie von Jahr zu Jahr immer mehr Arbeiter und setzen
Stein auf Stein, mit dem inneren Bewusstsein und der freudigen Hof-
nung, sicher ihr Ziel zu erreichen. In allen Staaten finden die Ver- |
eine seitens der Militärbehörden das grösste Entgegenkommen. In Frani-
reich werden sie sogar auch vom Unterrichtsministerium nachhaltigst
unterstützt. Jules Ferry selbst ist Ehrenmitglied der „Soci6t& frangais
de la navigation a6rienne“.
Die Vereine beschränken sich demnach in ihrer Thätigkeit auf
Prüfung einlaufender bezüglicher Erfindungen, auf genaue Verfolgung
aller Vorkommnisse und möglichste Verbreitung derselben in Fac-
schriften. Einige setzen für gute Erfindungen oder Bearbeitungen schwie
riger Probleme auch Preise aus. Der französische Verein macht sogar
sehr häufig auch praktische Versuche, jedoch nur solche mit gewöhr-
lichen Ballons. Der deutsche Verein zur Förderung der Luftschifffahrt
ist gegenwärtig ebenfalls sehr im Aufblühen begriffen, sodass zu er
warten steht, dass er bald den ausländischen älteren Gesellschaften in
seinen Leistungen und seiner Mitgliederzahl ebenbürtig sein, wo nieht
sie übertreffen wird.
x tan N Air
rei en
ER)
RE N,
Faulstı
EN
— 180 —
dermann, der einmal eine Luftpumpe in der Hand gehabt, weiss, was
heisst, und welche Zeit es erfordert, Luft zu comprimiren. Da aber
ıe Wirkung nur durch schnellen Gewichtswechsel erzielt werden
nnte, so fällt damit der beabsichtigte Effect dieses Luftschiffes ausser-
lb des Bereiches der Möglichkeit. Guilli6!) machte 1816 den Vor-
hlag, den Ballon mit zwei durchgehenden auf einander senkrecht stehen-
n' Ebenen zu versehen und ihn mit Hilfe von Rollen und Tauwerk
n der Gondel aus drehbar zu machen. George Cayley?) nahm
Fig. 15.
‚en Gasballon und eine Montgolfiere an und setzte zwischen beide
ıe grosse von der Gondel aus zu dirigirende Ebene.
Mit vielem Fleiss und genauer Berechnung brachte ferner 1835
1) Manuels Roret. Dupuis Delcourt.
2) Astra Castra. Hatton Turnor, p. 310.
— 106 —
hydrostatischer Experimente, Prof. Wellner!) in Brünn (Fig. 17) d«
Idee von Neuem aufnahm und daraus das Project seines Segelballons
entwickelte. Er unterschied drei Typen:
1) ein kugelförmiger Warmluftballon mit drehbarer Segelfläche;
2) ein Ellipsoidballon mit fester Segelfläche und Wasserstoflgs
füllung;;
3) ein keilförmiger Fischballon mit Leuchtgasfüllung.
Prof. Wellner kam im Jahre 1883 nach Berlin und hielt hier übe
seine Theorie einen sehr interessanten Vortrag im deuschen Verein zu
Förderung der Luftschifffahrt.“ Es schloss sich kurze Zeit darauf en
praktischer Versuch an, der indess keine den Berechnungen +
sprechenden Resultate lieferte. Auch die tetraöderartige Form des Kal
ballons war bei dem Mangel eines genügend festen inneren Gestelles vol-
kommen unkenntlich geworden.
Hiermit hat diese Classe von Aörostaten ihren Abschlus e
reicht. ?)
C. Ausnutzung der. verschiedenen Luftströmungen. Verbesserum
des Aerostaten in der Weise, dass sie ohne Ballast oder 6#
verlust beliebig steigen oder sinken können.
Durch zahlreiche Beobachtungen ist festgestellt worden, dass sd
über uns stets Luftströmungen von verschiedener Richtung befinde
Kennt man einigermassen die Hauptströmungen, so kann man bei g*
schickter Ausnutzung derselben sehr wohl einen bestimmten Punlt
mit dem gewöhnlichen Kugelballon erreichen. Nur einer Verbesserug
bedarf letzterer dann noch: man muss ihn nämlich ohne Matera-
verlust beliebig in der Verticalen bewegen können. Verschiedene Te
suche und Vorschläge sind besonders zu diesem Zwecke gemalt
worden, und diese wollen wir in Folgendem kurz anführen.
]} Zeitschrift d. deutschen Vereins z. Förderung d. Luftschiffahrt. Bd. n.
-- „Der lenkbare Segelballon von Georg Wellner“. 8, 161 und 172.
2) Platte’s Project eines Ballons mit Segelfläche und Uebergewicht,
mehr zur Classe der Flugmaschinen gerechnet wer "eitschrift d. de"
Vereins zur Förderung d. Luftschiflfahrt 1882
Die Lenkung d. Luftballons mittelst einer verste
kl Z
ar?
— 190 —
gewissen Auftrieb besassen. Der Ringballon allein war indess schwere,
als die Luft. Nach der Art Depuis Delcourt’s wollte er nun dur
eine lange Seilverbindung beide Ballons von einander entfernen und
in derselben Weise, wie dieser Luftschiffer mit seiner „Flottille Aörienpe,
operiren. Die Anwendung von eigenartigen Windschrauben, Klapper-
rudern, ähnlich denen, die Lunardi 1784 in London gebrauchte, ht
sich Graf Apraxine für besagten Zweck patentiren lassen.') Ei
weiterer Gedanke von ihm ist die Anwendung zweier Fallschirme E
lässt einen geschlossenen Fallschirm durch einen kleinen Ballon in de
Höhe bringen und will dann durch ein schnelles Herunterziehen de
selben, wobei dieser sich öffnet, eine Zugkraft nach oben erreichen; dan
diese Arbeit nicht unterbrochen wird, ist der Ballon mit’zwei solchen
Schirmen ausgerüstet, die wechselseitg wirken. Ebenso lässt er ur
gekehrt Gewichte an Fallschirmen langsam herabschweben, um die n+
nıentane Entlastung zum Steigen auszunützen. Es wird überflüssig sch,
hier näher darauf einzugehen, wie sich in Wirklichkeit ein solche E
Versuch ‚gestalten würde. Der Vorschlag, lebendigen Ballast in Fım
von abgerichteten Vögeln mitzunehmen, ist entschieden lebensfähjger.
D. Die länglichen Aerostaten.
Die länglichen Ballons von Georg Stuwer in Wien und de
(febrüdern Robert in Paris sind uns bereits bekannt. Nach ihna
wurden bis zum Jahre 1834 keine mehr gebaut, desto mehr aber pr
jeetirt. Einzelne dieser Projecte sind seiner Zeit vielfach erörtert worde.
und verdienen um so mehr, auch hier nicht übergangen zu werde.
als sie theilweise zur Entwicklung dieser Classe von Ballons beigetras®
haben. Während eine Partei nach dem Fehlschlagen der Lenkversuct
mit dem Kugelballon ihr Heil in dem Studium und der zweckmässig@
Ausnutzung der Luftströmungen suchte, wollte die andere die Hoffnung
auf ein endliches Gelingen noch nicht aufgeben. Letztere ging DT
nunmehr von anderer Voraussetzung aus, indem sie sagte: der Balon
schwimmt in der Luft, wie ein Fisch im Wasser; will man ihm a
eine Eigenbewegung ertheilen, so muss er auch dem Fisch entsprochel
gebaut sein. Dem von Graf Milly?®) angeregten Gedemken folgte Dei
— — ——
1) Deutsches Reichs-Patent Nr. 6372 und 16497
2) Faujas de Saint-Fond, Bl. HT, 8
— 112 —
den Ballon durchlegen. Die Gondel sollte im Fischleibe angebradt
werden. In ihr befanden sich auch die Hebeleinrichtungen zum B
wegen der Flossen, deren je sechs auf jeder Seite sassen. Der Bel
hatte ausserdem drei Säcke, deren zwei hinten, einer vorm ss: #
sollten die Fischblase vertreten; Scott meinte, dass der Luftfisch sd
dem Boden bleiben würde, wenn das Gas durch Einziehen aller drä
Säcke comprimirt wäre. Würden nun die hinteren oder die vordere
eingezogen, so müsste entsprechend das Hintertheil oder der Kopf sinken,
während der Fisch in horizontaler Lage in der Luft schwimmt, wen
alle drei Blasen heraustreten.
Viel Erfolg verheissender war das um dieselbe Zeit geschaffen
Projeet «des französischen Genie-Generals Meusnier.!) Sein Ball
war eiförmig und bestand aus einer doppelten Hülle. Die äussere war
schr widerstandsfähig, die innere mit Gas gefüllte elastisch. Meusnier
wollte durch Einblasen von Luft zwischen beide Ballons auf die gan»
innere Gasblase einen Druck ausüben. Meusnier begnügte sich dab
mit einer inneren Spannung von 0,08 Atmosphären.
Es ist klar, dass nach der Theorie dieser innere Ueberdruck n
Folge der vingeblasenen Luft den Ballon, der sein Volumen nicht ver
ändern konnte, schwerer machen, also zum Sinken bringen must:
War er nun in eine diehtere Luftschicht gelangt, so konnte der Druk
wieder von Neuem vermehrt und das Sinken somit fortgesetzt werda
bis auf den Erdboden.
Zur horizontalen Fortbewegung wollte sich Meusnier einer At
Schraubenwelle bedienen, über «deren nähere Beschaffenheit Nichts be
kannt geworden ist.
Im Jahre 1705 machte Pauly) zu Paris einen praktischen Ver
such mit einem Fischballon, bei dem die Flossen unter der Gonded
angebracht waren. Die Fahrt verlief indess wie eine ganz gewöhnlich
mit einem Kugelballon. Pauly soll sich dann in England mit einen
gewissen Egg zusammengethan und dort einen Riesenluftfisch gebaut
haben, von dem aber nichts weiter verlautet.
Kurz darauf, im Jahre 1807, trat Prof. Zachariae, Lehrer der
Mathematik zu Kloster Rossleben, mit seinem Luftfischprojeet in dt
Oeffentlichkeit. Sein Ballon bestand aus drei Gaskugeln, die durch ei
1) Marey Monge, Etude sur l’A6rostation.
>) Zacharine, Geschichte der Luftschwim
-- 114 —
wirkt. Die Anziehungskraft kann durch einen vun einem kleiner
vanischen Trog ausgehenden elektrischen Strom, welcher mittelst }
(lrähten, die um die Magnetstäbe herum angebracht sind, geleitet
sehr gesteigert werden. Wechselt man die Pole, so wird die Hanı
von der einen Seite stark angezogen und zu gleicher Zeit von
anderen abgestossen werden, und bei wiederholtem Wechsel wir
Anziehung und Abstossung in der entgegengesetzten Richtung
finden. Ein Mechanismus, um die Pole nach der ersten Anregun
wechseln, kann leicht construirt und durch dieselbe Bewegung. w
“ die Handhabe soeben eingenommen, in Thätigkeit gesetzt werden.“
Vorläufer der später von Tissandier in die Aöronautik eingefül
Elektro-Dynamo-Maschine ist dieser Vorschlag des Italieners Polli
wiss nicht ohne Interesse.
Ein neues Project bot 1843 der Ingenieur Partridge in si
„Pneuniodromon“ !) (Fig. 20 u. 21).
Sein Ballon hatte die Form eines Sphäroides, dessen Länge, |
und Breite sich verhält wie 7:4:2. Im Innern sollte sich ein \
Ballon (Fig. 21) (Meusnier’s Ballonet) befinden, dei.den viertss
(les Grossen ausfüllt und mit Luft aufgeblasen ı
I) Mechan. Magazin 1843. — Illustr
- 15 —
Grossen in der Oberfläche straff zu erhalten, dann aber auch, um (nach
Meusnier) einen Druck auf das Traggas auszuüben und dadurch den
Ballon zum Sinken zu bringen. Ferner hoffte Partridge auch die
Fig. 21.
durch den Verbrauch des Brenumaterials für die als Motor dienende
Dampfmaschine eintretende Gewichts-Verninderung des Adrostaten durch
Operiren mit dieser Luftblase aufheben zu können. Zur Vermehrung
der Steigkraft war ausserdem noch gesorgt durch ein anı Bauch des
Ballonkörpers gedachtes Röhrensystem, welches durch die Dampfmaschine
geheizt werden sollte und demnach das Traggas erwärmen und ausdehnen
nıusste. Die Längsachse des Ballons erhielt ihre Steifigkeit durch ein sich
fest an diesen anschliesendes Sparrwerk, auf welchem sich das Röhren-
system stützt. Der Ballon sollte unterhalb der Röhren zur grösseren
Sicherheit mit Metallplatten bedeckt werden. Mit dem Sparrwerk ist
auch die“Gondel starr verbunden. Als Träger des ganzen Gespärr’s
erhebt sich in ihrer Mitte eine starke hohle Säule von durchbrochener
Eisenconstruction. In dieser befindet sich eine Spiralfeder von grosser
Kraft, welche gegen einen aus dem Boden hervorstehenden Puffer
drückt, um den Stoss bei der Landung aufzufangen. Ausserdem sind
an den Bodenkanten (er kastenartigen Gondel noch starke Federpuffer
befestigt.
_Ueber die Maschine selbst hat Partridge Nichts hinterlassen. als
f . S*
— 17 —
Giffard war ein genialer Mensch, der zu Stande brachte, was
»r ihm Niemand auszuführen wagte. Im Jahre 1852 stieg er in einem
inglichen Ballon (Fig. 22) auf, der thatsächlich als Motor eine Dampf-
aschine hatte. Der A&rostat hatte die Form einer Spindel von 44 mn
EAN
'BLELD
änge und 12 m grösstem Durchmesser. Sein Volumeninhalt fasste
500 cbm; die Auslaufleinen des ihn umgebenden Netzes liefen nach
iner 6 m unter dem Ballon befindlichen, 20 nı langen Stange. Weitere
m tiefer hing an dieser befestigt die Gondel mit der Dampfmaschine.
“2 einem Ende der Stange war zum Steuern ein dreieckiges Segel
ügebracht.
Die Maschine bestand aus einem stehenden Kessel ohne Röhren.
er zum Schutz gegen Feuergefalır mit feinem Drahtgeflecht vor dem
euerungsraum versehen war. Eine Röhrenleitung führte vom Kessel
ich dem aufrechtstehenden Cylinder, der an einem für die dreiflüge-
ge Propellerschraube an der (sondel errichtetem Gestell angebracht
ar. Die Feuerung wurde durch Coaks bewerkstelligt; der Schorn-
gän war zu grösserer Sicherheit nach unten u-förmig unigebogen.
Be Maschine soll eine Stärke von drei effeetiven Pferdekräften gehabt
— 18 —
Die (Gewichtsverhältnisse des Aörostaten waren folgende:
Ballon mit Ventil . . 2 2 2 2 2 20202..820 kg
Netz : u 2 ns a em en ru ID
Stange, Aufhängung, Steuer, Takellage . . 300 „
Maschine nit leerem Kessel . . 10 „
Wasser und Coaks in demselben bei der Abfahrt WW ,„
Fundament der Maschine, Gondel, Zubehör ete.. 420 „
Schlepptau . . 2 2 2 2 2 2 nn nn. 80 „
Luftschifler . © > 2 2 2 2 Er 2 nn. 70 „
Summa 1550 kg
bei einem (resammt-Auftrieb von 1625 „
il ebm Leuchtgas & 650 g Auftrieb als mittlerer Werth angenommen.)
Bei der am 24. September 1852 stattfindenden ersten Fahrt er-
wies sich der Aörostat als vollkommen stabil und sicher gegen Feuers
gefahr.
Die Stärke des Windes gestattete es allerdings nicht, den Ballen
vermittelst der Maschine in die Gewalt zu bekommen. Nur in wind-
stillen Momenten will Giffard eine Eigengeschwindigkeit des Ballons
von 2 -3 m erreicht haben. Die grösste von ihm erreichte Höhe war
1800 mı, er landete ohne Unfall bei Trappe. Gefährlicher verlief eine
mit einem neuen verbesserten Luftschifft 1855 unternommene zweite
Fahrt. (Fig. 23.) Dieser zweite Aörostat Giffard’s war der grösste
längliche, welcher bis heute jemals gebaut worden ist. Er war wie
der erste spindelförmig, hatte aber eine Länge von 72 m bei einem
— 121 —
& kleine Dampfmaschine bewegt und soll in der grossen Börsenhalle
"Washington immerfort im Kreise herumgeflogen sein. Die „New-
rk true Sun“ schrieb darüber: „Das Modell des Luftdampfers wurde
Fig. 26.
tern Nachmittags wieder mit brillantem Erfolg in der Börse probirt.
Mal hinter einander durchflog es den Kreis der Rotunde, seinem
uer gehorchend, gleich einem mit Leben begabten Wesen“. Porter
ıte später einen grösseren Ballon, wandte aber einen Firniss an, der
Hülle zerfrass.
Zu derselben Zeit erbaute F. Mariott zu Shell-Mount-Lake bei
Francisco sein Luftschiff „Avitor“ (Fig. 27). Es war 11,28 m lang,
Fig. 27.
i 3,35 m grösstem Durchmesser. Unterhalb der Mitte lief um den
llon ein Rahmen von Draht, Holz und Rohr. Bei Windstille arbeitete
r Apparat mit seiner Dampfmaschine ganz gut. Es wurde in Folge
ssen in Amerika nicht schwer, eine Dampf- Luftschifffahrtsgesellschaft
ı gründen. Der Wind blies indess Ballon nebst Actiengesellschaft
be ©" "wog.
rung von Paris 1870/71 machte den Franzosen den
a Luftballons recht wünschenswerth. Die Regierung
hi hen hr
SEELE
y
ki.
ae
la
A
=
_ 138 —
4) Als Motor wollte er eine von ihm erfundene rotirende Kol
(iasmaschine oder ein Reactionsrad anwenden, dessen Ark
äusserung beliebig gesteigert werden kann. Solche
wollte er mehrere in einem Luftschiffe anbringen. F
schlug er einfache Luftreaction als treibende Kraft vor. |
drei in den Gondeln placirte horizontal wirkende rotirend#
Kolbenmaschinen sollten die zu solchen Luftstrom nöthige
Ventilatoren getrieben werden.
Wir führen hier einen der drei Entwürfe in der Zeichnug
vor. (Kig. 30) Haenlein sagt darüber: „Zwei horizontale rote
Kolbenmaschinen setzen durch eine auf ihrer Achse befestigte Kurd
einen oscillirenden Cylinder in Bewegung, dessen Schieber und Kanik
derart eingerichtet sind, dass auf der einen Seite des Kolbens lat
comprimirt und auf der andern Seite verdünnt wird. Die comprimift
Luft wird durch Rohre nach dem in der hintersten Gondel placirte
Cylinder geleitet und in den Röhren, die ebenfalls mit dem Cylinde
in Verbindung stehen, eine Luftverdünnung erzeugt. Ein oscillirende
Cylinder setzt die Luftschraube direct in Bewegung.
In Amerika soll 1878 ein Prof. Ritschell ein Luftvelociped cr
struirt haben und die Versuche sollen geglückt sein. Die Nachricht X
aber nicht glaubhaft, weil man sonst später jedenfalls wieder etwas d*
von erfahren hätte.!)
Mit dem Jahre 1879 begann Baumgarten bei Leipzig sein
Versuche. Seine ldee war, ein Luftschiff schwerer als die Luft zı
schaffen, welches sich durch Hubschrauben erheben und sich durch si
wärts angebrachte dreiflüglige Wendeflügel in der Horizontalen bewege
sollte. Eine innige Verbindung zwischen Ballon und Gondel stellte ®
in der Weise her, dass er an der Unterseite des Ballons zwei Stf:
streifen befestigte, durch welche zwei entsprechende Stangen durchg*
steekt werden, welche ihrerseits mit der Gondel durch Klammern fet
verbunden werden. Die den Ballon tragenden Seile gingen durch die®
durch. Die Versuche 1880 in Leipzig hatten einen beinahe gefährliche
Ausgang. Baumgarten stieg durch Zufall in einem Ballon mit dre
CGiondeln allein auf; (Fig. 31) er befand sich in einer der äussere:
der Ballon war dadurch in seinem Gleichgewichte gestört, stellte
I) 8. Zeitschrift des deutschen Vereins zur Förderung der Luftschifffahrt.
3a. IT, S. 362.
Y | N
vn
Di«W a
pra: . m. al! En
NE, Vi
1 f ‘
hr gi Na»
N w' Ion
N Werl
am "
>
|
A
— 16 —
wärts wagerecht hervorstehende Balken gehen. Zur Erhaltung
Stabilität besitzt der Ballon ein Laufgewicht. Auf die Aehnlichkeit desi-
Meudoner Aörostaten mit dem Projeet Haenlein von 1874 ist bei
hingewiesen worden.!) Die Grundsätze, welche die französischen Officer
für ihre Construction aufgestellt haben, sind von allen vorhergehende.
französischen vollständig abweichend, lehnen sich dagegen an die
seher Constructeure eng an. Trotzdem wird aber jeder Verständi
mit Entschiedenheit der thörichten Behauptung entgegentreten. w
den Renard-Krebs’schen Ballon als gestohlenes Eigenthum hinstel -'
Renard und Krebs stellten folgendes Programm auf:
1) Stetigkeit der Fahrt mittelst der Gestalt des Ballons und de
Anyrdnung des Steuerruders.
2) Verminderung des Luftwiderstandes, durch die gewähltes
Dimensionen.
3) Möglichste Näherung der Mittelpunkte des Zuges und da
Widerstandes, um den Störungsmoment der verticalet
Stetigkeit zu vermeiden. Endlich
4) Die Erlangung einer Geschwindigkeit, die fähig ist, da
Winden zu widerstehen, welche drei Viertel der Jahre
zeit über in Frankreich herrschend sind.
Ueber die erste Fahrt berichtete Capitän Renard an die Academie
der Wissenschaften zu Paris?): „Um vier Uhr Nachnittags, bei fat
windstillem Wetter, stieg der freigelassene und wenig Steigkraft besitzende
Aörostat langsam bis zur Höhe des umliegenden Plateau’s. Die Maschin
wurde in Bewegung gesetzt und der Ballon beschleunigte unter ihren
Eintlusse seinen Gang, indem er getreulich der geringsten Wendung de
Steuers gehorchte. Is wurde zuerst die Richtung von Norden nach.
Süden eingeschlagen, indem wir auf das Plateau von Chatillon nad:
Verrieres losstenerten: in der Höhe der Strasse von Choisy nach Ve-.!
sailles angelangt, wurde, um nichts mit Bäumen zu thun zu bekommen
die Richtung geändert und das Vordertheil des Ballons nach Versalle.
zugewandt. Als wir uns oberhalb Villacoublay befanden, ungefähr.
4 km von Chalais (Meudon) entfernt und von der Art, wie der Bale
1
|
|
{
I) Zeitschrift des deutschen Vereins z. Förderung der Lkturhiffichrt. Bi.
Heft 1. - Tägliche Rundschau 20.1. 85. — Post u.
2), Zeitschrift des deutschen Vereins zur'
Bd. TI, 8. 312. -- I’A6ronaute No. 9 uw 10,
wi. f: ev. F
vu 14} as: "ER
» 7 = BANN > + R'
a ee pP
* die
Mr DR a a
EEE 35:
i; eV r 2.7)
t
7 EEE TE
2
A RR ee
rl EEE
Ki.
E er > u 4
y « a ar 4 VER ai ie.
En EEE: ar Val 5
nie re
a f
fe 2 dr I a nn
yan er er
’ m ne nie hen en
Fe W
er ‘
. nei
KA u. j Pur 2a 5
ei
Da ne 9 SF De,
Er PN BR“. 2
a ee
el
— 15 —
iren. Es mag bemerkt werden, dass diese schon den von der Spreu
hiedenen Hafer bilden. . Kühne Ideen treten darin zu Tage, Ideen,
wir eben mit unseren so unvollkommenen Mitteln nicht ausführen
aen. Bezeichnend ist, das von den deutschen Projectanten, welche
ihre Luftschiffe patentiren liessen, nur einer, nämlich der Oberförster
ımgarten, einmal im Ballon gesessen hat. Man sollte annehmen, er
ı dadurch einige Praxis erlangt. Aber trotzdem konnte sich auch
ımgarten nicht von unfruchtbaren Gedanken trennen, wie das von
genommene Patent auf einen „Metall- oder Hartglasballon“!) be-
st. Dabei soll aber auch anerkannt werden, dass in vielen Details
Ausführungen, wie Constructionen leichter Propellerschrauben, Wende-
»] u. s. w. von einzelnen ganz Gediegenes und praktisch brauch-
8 geschaffen worden ist.
1} Deutsches Reichs-Patent Nr. 18697.
‚
AUREER
10
Kapitel IX.
Französische Militär- Aöronautik.
.
Die Luftballons waren kaum erfunden, als auch schon Meus
und viele andere sie als nützliche Kriegs-Hilfsmittel erkannten un
maassgebender Stelle als solche vorschlugen. Sie fanden indess ir
maliger Zeit keine Beachtung ihrer Vorschläge.
Während des Krieges der I. Republik erinnerte man sich ders
wieder und schenkte ihnen eine grössere Aufmerksamkeit. Eine
sondere Anregung hierzu bot sich durch die Belagerung von Cundı
Jahre 1793. Der Commandant dieser Festung, General Chanzel.
suchte nämlich mit Hilfe eines kleinen Ballons, dem in der Nähe
findlichen französischen Heere unter Dampierre Nachrichten zukon
zu lassen, in denen er das Missliche seiner Lage klar legte und
schnelle Hilfe bat. Der Ballen, bei günstigem Winde aufgelassen,
aber jedenfalls nicht dicht genug, um das Gas längere Zeit halteı
können: denn er fiel sogleich im Lager des Cernirungscorps ni
und somit kamen «die Berichte über die Lage Cond6s in die Hände
Herzogs von Coburg.
Der Wohlfahrts-Ausschuss hatte in Paris eine Commission gebi
welche Vorschläge und Erfindungen bezüglich ihrer Verwerthung -
Wohle der Republik prüfen sollte (uyton de Morrsan, eini
siker, der 1784 bei den aöronautischen Versuchen Ur: kunde
Dijon mit thätig war, beantragte in der Commissk
Gefechten und Belagerungen als Observatorium zu.)
mission billigte diesen Vorschlag und unterbreite
een ee - erg
& Aa D wine ge hp Et r
ea: N we une
Er een Z
= Seren
Deine. Be el aueye a Peak van
a er a nn %
E En ae ern az
Rn a PET RER a.
" . gr h
> rl Nez A
Be ie he “4
Pr
De
ei N
I RT FREE: TERN
N a nee aa b
ar re MN er
u
nr ee TE ' ©
Bl 7
. EEE —. ‚PR I en Be 1
a ya
ändern: sag > gerseangee Pagpnszeni age ver Me
RT N ee
«. en ie w. N 2 -
id Ds Eu BEREITET = we're DR, r, >
Be EEE
ne
v\ = De Wen,
m er Auffl
"Al FE 5 ve
N
Fi - nützliche © ge EEE a: E =>
RE ne na
a 0 ey 2 au
Bee Auen ER ee wre Se eh
EEE ‚rimirenden Ei Pe
i ee, 2: Er ‚erschien mi
| se
FFIR
gr:
- ‘ 7 gr 3
ee A N
rk an Een RER j
Y Z
RN ET
ji
En 0a vr. ERROR Re
u Er A
M r de ee RE N a Br k:
a rn N 25 > MER \
ale In 22 20 5 a
EEE >
RD chic. Die © E Ba»
en IE Dar M; ni it d em
cke 1. ‘Der Marsch zit dem; gi
zz r, BER lätelich ! ge sl |
er
rt
N en
An E
Dr
U
a
\
RE N
a
zeug nr zul wer ae, re
N errektiuge ) e Lee. wi; EN EEE
ae 3 Er - ERZEN er EEE Er x Is a I, ö
ee De Bar er:
2 en
Äh
a er 6
1108 EM #1.
5” E
— 12 —
Telegraphisten bis zur Höhe von 150m. Er hatte einen Telegrapbe
Apparat bei sieh, der mit Tours in direeter Verbindung stand. As
den Telegraphen-Direetor Steenackers sandte er fulgende Depeske:
„Wir sind 180m hoch im der Luft und übersehen die Ebene wlr t
ein «liehter Nebel verdeckt uns aber den Wald. Wir werden den Ve
such bei klarerem Wetter wiederholen.*
Nach 20 Minuten kam von Tours folgende Antwort: „Wir beglüd-
wünschen Sie, halten Sie uns im Laufenden von allen Ihren Versuchen
Am 19. November kam der Befehl, den Ballon nach Gidy nuitten
das Lager zu transportiren. Duruof liess ihn zuvor schleunipst nad
einmal in Orleans firmissen und nachfüllen. da er viel Gas verloren hate.
Anı 20. Abends langte man nach einem sehr mühevollem Marsch in Gidr
an. Der Enthusiasmus der Soldaten beim Anblick dieser schönen neu
Maschine soll ein grussartiger gewesen sein: das gwesanmte Lager wur
freudig erregt. Am nächsten Tage stieg ein Generaistaßs- Offieier anf
Der Wind war heftige und warf den Ballon lebhaft hin und her. Er
musste daher, nachdem er kaum 40 m hoch war, wieder herabgrzure
und, als os stürmisch wurde, entleert werden.
Die Freude im Lager war demzufolge schnell verrauscht. As
demselben Taxe kamen die Brüder Tissandier mit Ballon „Jean Bar
in Orleans an. Mit vielem Eifer machten sie sich sofort daran, Duruf
bei der Arbeit, die „Ville de Langres® wieder in S:and zu setzen. be
hältlielı zu sein. Am 23. Nuvember waren alle Arbeiten wieder beendet.
und der Ballon konnte gefüllt nach dem 4km von Orleans entfernte
Schloss von Colombier, einer späteren Central-Station der Adrosten.
gebracht werden. Am 29. November folgte der „Jean Bart“ ebendahin
nach. Auf Grund eines Befehls des Generals d’Aurelles de Paladine
brach Tissandier mit seinem Ballon am nächsten Morgen sofort wieder
anf. um sich nach dem Lager von Chilleur zu begeben. Nach einen
äusserst sehwierigem Marsch von Früh 7 Uhr bis Abends 8 Uhr kan
er in Rebrechien an. Am nächsten Morgen wurde der „Jean Bar“
dureh einen plötzlichen Windstoss zerstört. Die Luftschiffer kehrte
nach Orleams zursiek und setzten sofort die aus Paris gekonmelt
„Kepubligue universelle" in verwendungsfähigen Zustand. Am 3 Ik
eomber wurde sie gefüllt un glücklich nach Schloss Colombier gebrachk
anı dh. Deeember befand sie sich auf dem Marsch nach Chilleur. Duruof
verblieb mit seinem Ballon in Sehloss Colombier als Reserve Es
onderbar, weshalb er nieht nach «dem Unglück des „Jean Bart für
hesen eingetreten ist. Die Niederlage der Loire-Armee liess die „Dept
— 164 —
nicht kräftig genug. Am 20. Decenber wohnte General Marivaus
den Auffahrten bei. Es bot sich den Luftschiffern an diesem Tage de
erhebende Anblick dar, die Armee des Generals Chanzy, weleher bad
den Oberbefehl in Le Mans übernahm, heranrücken zu sehen. De
folgenden Tage waren su stürnisch, dass die „Ville de Langres“ üften
Beschädigungen erlitt. In Folge dessen wurde sie auf Befehl Chanzy'
am 29. December entleert. Zur Thätigkeit kamen die Aörostiers in Le
Mans nicht mehr. Erst in Laval sollten auf Befehl Chanzy’s wiede
drei Ballons gefüllt und Reeognoseirungen vorgenommen werden. Un
3 Uhr Nachmittags am 29. Januar war. die „Ville de Langres“ wieder
fertig und fuhr verschiedene Male unter den günstigsten Verhältnisse
auf. Der inzwischen zu Stande gekummene Waffenstillstand machte ir
dess der weiteren Verwendung der Aüörostaten gerade in diesem günstg-
ston Monat ein Ende. Der Ballun wurde entleert, und die Lutftschiffer-
Compagnie kehrte nach Bordeaux zurück. Die zu den übrigen franzi-
sischen Armeen gesandten Luftschiffer gelangten nicht mehr zur Thätg-
keit. Sie seien daher hier nur kurz mit angeführt: Gilles und Fareot
wurden nach Lyon entsandt, Revilliod und Mangin nach Amiens zur
Nordarmee, Revillivd kam später zur Armee Bourbaki’'s. Schliesslich
wurde de Fonvielle kurz vor Waffenstillstand mit einem Ballen der
Armee Faidherbe's attachirt.
Bald nach dem Kriege 1870/71 hielt es die französische Regierung
für angemessen, die Aörunauten-Schule der ersten Republik zu Meudın
wieder zu eröffnen. Man hatte während der Belagerung den A&rostaten
seinem Werthe nach zu schätzen gelernt. Abgesehen von den Recognos-
errungen und den regelmässig unterhaltenem Postverkehr mit dem Lande,
hatten doch Gambetta und andere hervorragende Männer auf dies
Weise die Kapitale verlassen und letztere von aussenher durch ihr
Intelligenz in nachhaltiger Weise unterstützen können. Die Begeisterung,
welche das Wort dieses einstigen unternehmenden Advokaten bei seinen
Landsleuten entfammte, zauberte Armeen hervor, die mit den kühnsten
Plänen die Offensive ergriffen. Wie viele Verluste an Menschenleben.
wie viel» Beschwerden und Mühseligkeiten hat allein das Entkommen
dieses einen Mannes aus Paris dem deutschen Heere zugefügt!? —
Während der Belagerung hatten sich grosse Uebelstände bezüglich de
Ballondienstes herausgestellt. Die nachlässige Behandlung, welche allen
aßronautischen Bestrebungen von Seiten der Regierung vordem zu Theil
geworden war, rächte sich in fühlbarer Weise. Von den sämmtlichen
64 Ballons, welche Paris verliessen, konnten zunächst nur 15 mit Be
Il deln Fee oc No
— 168 —
des Gases unmöglich. Der Ballon ist von einem Netz umgeben, c
Maschen im unteren Theile nicht verknotet sondern leicht beweglich
damit der auf den Ballon bei etwaigen Pendeln desselben ausg
Druck sich stets gleichmässig vertheilt. Die Gondel selbst schwe
der Mitte eines Trapezes, an dessen unterem Theile das Haltekabe
festigt ist (Fig. 40). Man hat alles Mögliche gethan, um Schwankı
IT RE
Hann
| \ Se
Ei:
te
A v:
NE
AA e R
NN
A E
\ |
u Pe
Wil
und Drehungen derselben vollständig aufzuheben. Durch das
500 m lange Kabel geht ein Draht zur 'Telephon-Verbindung. Der I
ist ferner mit einem von Capitän de la Haye erfundenem Eggen
ausgerüstet. Ein solcher hat die Form eines spitzen Winkels, wı
auf jedem Schenkel fünf Zähne mit breiten Schaufeln hat und in s
Scheitelpunkt an dem Ankertau befestigt ist.
Schliesslich wurde für freie Fahrten das Schlepptau durch
von Hauptmann Krebs erfundene Vorrichtung ersetzt. Sie beste
— 169 —
inem. doppelt gelegten Ankertau, das sich zu einem einfachen ausein-
ınderziehen lässt. Das wird auf höchst einfache sinnreiche Art in der
Weise erreicht, dass das Ende des sehr langen Taues mit einem Gummi-
treiber hinter der Schlaufe der Ankeregge befestigt ist.!) Der Halbirungs-
punkt desselben muss demnach gerade um den Ballonring herumliegen.
Ist das doppelte Tau gespannt so verlängert es sich zu dem einfachen,
indem der Reiber langsam nach dem Ringe zuläuf. Die Bewegung
kann dabei durch eine in der Gondel angebrachte Bremse beliebig ver-
langsamt oder selbst arretirt werden. Die wichtigste Verbesserung der
Kriegs-Aöronautik liegt aber in dem sehr sekret gehaltenen Wasserstoff-
gas-Erzeuger, einer Erfindung von Charles Renard.?) Es ist ein ganz
automatisch immerfort arbeitender Apparat, der in der Stunde je nach
Bedarf 100— 250 cbm Wasserstoff entwickeln soll. Der Gaserzeuger
hat das Aussehen eines fahrenden Ofens mit einer Reihe metallener
Cylinder. Das in diesen Cylindern erzeugte Gas wird zunächst in einen
Wasserkühler, dann zur Reinigung durch eine Baumwollenschicht ge-
leitet?) und geht schliesslich durch einen Gummischlauch in den Ballon.
Ausser der Verbesserung der Captif-Ballons behält man auch die der
freien Ballons im Auge und sucht letztere ganz besonders für recht
lange Fahrten fähig zu machen.‘) Mit einem Ballon von 2140cbm hat
man es bereits fertig gebracht, sich 19 Stunden lang in der Luft zu
halten. Ebenso ist die Schnellphotographie mit in den Dienst der Aöro-
stiers eingetreten. Im Allgemeinen hat Frankreich in der Aöronautik
zur Zeit alle übrigen Nationen bei Weitem überholt.
—____
1) L’A&ronaute 1883.
2) Ibid. 1877, 8. 306.
3) La France militaire. Juni 1883.
4) L’A&ronaute 1881, 8. 93.
un ee Sa, PRATER
u as
ER EPORCEN
en re et
a a A
een
u
| er a a BI TEEN m7
.. ke
TE I
z
EEE Ei”
# a
eher
urch Flaggensignale von oben herab die Bewegung der leitenden Mann-
haften, so dass der Ballon immer ausser Schussbereich der Parazuays
dlieb, welche lebhaft auf denselben schossen, aber nie trafen. Später
gaben sie das Schiessen nach dem Ballon selbst auf und schossen nur
nach der Stelle, von wo aus die Leinen geführt wurden. Hier fanden
denn auch Verwundungen statt; es wurden aber so viele Mannschaften
in Reserve gehalten, dass durch die Verwundung einzelner Leute die
leitung des Ballons nicht verloren ging. Da diese Beschiessung den
Ballon nicht abwehrte, so machten die Parawuays, wenn er aufstier,
einen diehten Rauch vor ihren Retranchements, inden sie das Gras ab-
brannten, was aber auch nicht verhinderte, dass die Zahl ihrer Geschütze
— 106 Kanonen und 3 Mörser - gezählt und das innere Terrain bis
zum Passo Pocu (ca. 7 km) übersehen werden konnte. Jedenfalls scheint
die Ascension doch nicht hoch genug gewesen zu sein, um gerade den
Theil der Gegend zu recugnoseiren, auf den es eigentlich ankam. Als
der Ballon zum ersten Male erschien, rief er bei den Paraguays grosse
Befürchtungen hervor, namentlich als ihn eine Zeitlang eine Wolke ihren
Blicken entzog, so dass sie glaubten, er könne sich nach Belieben un-
siehtbar machen. Bald gewöhnten sie sich aber daran und besonders,
als sie sich überzeugten, «dass er von oben herab ihre Linien nicht
bombardiren konnte.“
Schneider fügt dann folgende nicht günstig klingende Bemerkung
hinzu:
„Wirklichen und entscheidenden Nutzen für die Kriegsführung hat
die Anwendung der Luftballons auch im diesem Kriege nicht gehabt
ud im weiteren Verlaufe desselben wurde er daher nicht wieder an-
gewendet.“
Bei Berücksichtigung des Unstandes, dass der Ballon bei den
späteren Belagerungen nicht mehr aufgestiegen ist, scheint diese Folgerung
Allerdings etwas Wahrscheinlichkeit zu haben. Es ist jedoch eben so
kicht ein Irrthum möglich, da ja doch die genauere Lage der Verhält-
Risse nicht bekannt ist. Darüber könnte allein der brasilianische Gencral-
ab Auskunft geben. Bemerkenswerth ist es aber, dass ein Hauptzweck,
der Marsch durch die weit ausgedehnten Nembuct-Sümpfe bis Nurdüst-
lich Humaitä an den Rio Hondo mit Hilfe der Ballons gelang. Nach
der Regenzeit liess Caxias fortwährend die Ballens nach Fuhrten und
Wegen Ausschau halten. „Wiederholte Ballon-Reeognoseirungen stellten
endich vom 12. Juli an fest, dass sich in den Nembuca-Sümpfen das
Wasser verlaufen und weite trockene Felder zum Vorschein zekonmen
Moedebeck, Luftschifffahrt. 12
— 118 —
waren; so dass nun vom 13. bis 23. Alles für den endlichen Vormarsch
vorbereitet werden konnte.“ !)
Hier widerspricht sich doch Schneider in seiner Behauptung
selbst, von Fischer-Treuenfels, welcher auf Seite der Paraguays den
Krieg persönlich mitmachte, ist auch der Ansicht, dass diese Thatsache,
sowie die plötzliche Regsamkeit im Lager des Caxias nach der Recognos
eirung im Juli, zu der Annahme der Nutzlosigkeit der Aörostaten im
Widerspruch stände. ?)
Nach Freiherm v. Hagen (Geschichte der militärischen Aöronautik)
haben sieh bein Transport des gefüllten Ballons, sowie des schwerfälligen
Gaserzeugers, durch die Sümpfe grosse Schwierigkeiten gezeigt. Die
Ballons erwiesen sich öfter als nicht dicht genug, waren daher stets vom
(raserzeuger abhängig. Letzterer wäre auch beinahe in die Gewalt des
Feindes gefallen auf einem Marsche nach Tuyucus, da die durch ds
Ballon - Material entstehenden Frictionen sich immer wiederholten, soll
schliesslich General Caxias von seiner weiteren Verwendung Abstand
genommen haben. Dieser Bericht erscheint sehr glaubwürdig und dürfte
auch wieder daran erinnern, dass in der Militär- Aöronautik nur eine
wohldurechdachte Vorbereitung im Frieden die Resultate wird liefern
können, welche man im Kriege von ihr erwartet.
li Schneider, Der Krieg der Triple-Allianz gegen die Republik Paraguay.
2) v. Fischer-Treuenfeld, Kriegs-Telegraphie. S. 175.
— 10 —
ungefähr 2 Meilen weit, bei 2200° jedoch bis auf 10 Meilen. Det
richt über diesen gelungenen Versuch hatte keine weiteren Onganisli
in Gefulgen. Das Kriegsdepartement beschränkte sich darauf, «ing
Projecte zu prüfen, ohne selbst zur Verwirklichung solcher Hand #
zulegen. Im Juli 1874 bot ein gewisser ©. A. Bowdler‘) einen.
geblich lenkbaren Ballon an, derselbe bestand aus dem ganz gewüh
lichen Kugelballon, hatte nur in der Gondel je eine Horizontal- ı
eine Vertical- Propellerschraube, die durch Handbetrieb in Bewegt
gesetzt werden sollten. Der Versuch, welcher zu Woolwich in ı
feierlicher Weise stattfand, verlief vollkommen resultatlos. Das Inter®
gestaltete sieh zu einem regeren, als die Nützlichkeit von Ballons |
Deutsch-Französischen Kriege hervorgetreten war. Im Jahre 1871
eine aus Officieren und Technikern zusammengesetzte Commission 5
bildet, der zu Versuchen, betreffend die Militär-Aöronautik, & het
Mittel zur Verfügung gestellt wurden. Im Arsenal zu Woolwich |
eine Werkstatt eingerichtet, woselbst die Anfertigung des Ballon
unter Aufsicht der Commission von statten gehen konnte. Dieselbe ®
stand aus Ingenieur Oberst Noble, Herrn F. Abel, Ingenieur Hay
mann Lee und Elsdale, sowie dem in der Aöronautik sehr I
Infanterie Hauptmann Templer. Im Jahre 1879 waren die Arbei
» weit gefördert und alle Versuche so gut abgelaufen, dass das Krieg
departement beschloss, die Ballons bei der Armee einzuführen. Di
englische Luftschiffereorps wur anfangs wenig zahlreich, ausser den ul
erwähnten Offieieren setzte es sich aus ca. 16 Unterofficieren und &
daten zusammen. Der fertigen Balluns?) gab es zur Zeit vier und zwar
Suladin mit einem Inhalt von 38,000 Cubikfuss.
Talisman „ m m „19,000 =
Saraven „ “ „ „ 15,000 B
Vedette „ 5 “ „ 14,000 MM
Sie waren aus einem besonders gewebten feinem Caliko gefertigt
von dem der Yard nur 1 Schilling kostete, während sich bei Seide d
Preis auf 16 Schilling belaufen hätte; diekge Battist hatte zudem roch
den Vortheil, dass er breiter lag. Die oben citirten Balleı sv v ern rd
für Leuchtgasfüllung, mit dem man die Versuche begin
Templer erfand ferner einen leichten Gnsemzeugit
[3
I) Major Buchholtz, der gegenwärtige Zuätun
Frhr. v. Hagen, Geschichte der militär. Adı
sehen Vereins zur Förderung der Luftschifffahrt
2) Deutscher Reichs-Anzeiger.
IST -
Gases niit und viele eiserne Cylinder, welche das eomprimirte Gas auf.
nehmen sollen. Es sind auch etwa 100 kleinere derartige Cylinder w-;
zefertigt worden. Jeder dieser letzteren soll 120 Cubikfuss Wassentof
as enthalten une Ieieht von Mannschaften transportirt werden könnet:
\ın 24. März wurde einer der Ballons nach dem rechten Wasser:
fort Suakin’s gebracht und während der Nacht aus den Cylinder-Ree
voirs mit Gas gefüllt. Am Morgen des 25. März begleitete er die Sikhs;
und 28. Eingeborenen-Infanterie halbwegs nach den Zarebas. Der Ballon!
war an dem mitten im Care betindlichen Ankerwagen befestigt. Ih
der Gondel befand sieh in Höhe von 200° Lieutenant Mackenzie. de
Telephon-Verbindung Tief nach einem berittenen Telegraphisten herunter.
Nach dem Bericht Tientenant Mackenzie's hat er das ganze nieder‘
Busehwerk der Gegend vollständig einsehen können. Er bemerkte feine.
liche Kaunselposten über vine Meile weit auf dem Wege nach Hasler :
Eine andere Truppe sah er sich nach Tamai zurückziehen und eine:
mitte nahe der Seeküste entlaufene Kameele einfangen. Als der Ball
so in der klaren Buft schwebte, kamen allerseits die Araber aus ihres
Verstecken hervor, um ihn besser anschauen zu können. Der Ballıa
bestand ans Goldschlärerhaut, hat 7000 Cubikfuss Inhalt bei 23° Durch
messer und wor in Summa nur 90 Pfund.)
Es seien nun in Folgendem über das Technische der englischen
Militär- A\öronantik. soweit sie dureh Veröffentlichungen bekannt seworden
sine, noeh einige Notizen wnzeben.
Ballon-Material.
Die Ballons sind kugelförmie: sie wurden anfangs aus jrummirtn
Senlenstoll dann aus dem billigeren Battist genäht, «der mittelst eines
Leinöltiemissex werliehtet wurde, Der Stoff hat in Schuss und Kette
eleich viel Fäden, besitzt daher eine bedeutende Festigkeit. Der Stoff
scheint indess nieht dieht genur gewesen zu sein?), denn nach den
peneren Berichten sie lie nach Egypten gesandten Ballons weder aus
Baumwolle noch aus Seile, sondern aus einem besonderen Material. Aller
Wahrscheinlichkeit nach besteht dieses in einer doppelten Lage präparirter
I Time» 29... 85 nnd 28 1, SH
> Es ownrde der „Pionier main sont Onbikfuss Hydrogengas gefüllt und zes
Fand, lass er nach Versanf van sieben Tagen nicht mehr ale 1000 Cubikfies
Joren hatte. ein Besultat, nit denn man indess nicht zufrieden owunnan.cek
seheint, lenn 0> bezannen hiermach alsbald Versuche mit |
Geldschläzerbant, mittelst weleber man da rar vollstäug
vermelile.
wage
y
u
B}
— 12 —
den Titel eines Werkstatt-Inspectors und Militär- Aöronauten die An-
leitung und Beaufsichtigung der auszuführenden Arbeiten und Versuche
übertragen. Der Zweck der Versuche ist vorläufig, den gefesselten
Ballon für den Krieg brauchbar zu machen. Die hierzu seitens der
Versuchsstation gemachten Experimente werden geheim gehalten.
Der Verfasser muss auch davon Abstand nelımen, Versuche des
Detachements auf Grund der in der Tagesliteratur hin und. wieder auf-
tauchenden Publicationen zusammen zu stellen, weil er damit für die
Zuverlässigkeit der letzteren eine gewisse Stütze liefern würde. Der,
geehrte Leser wird es daher verzeihen, wenn der Verfasser hier, wo es
das Wohl des Vaterlandes erheischt, schweigt und sich nicht herablässt,
die Beobachtungen unberufener Zaungäste, welche übrigens in alle in-
und ausländischen Militär-Zeitschriften übergegangen sind, zu berichtigen
oder zu bestätigen.
Kapitel XIM.
Russische Militär- Aö&ronautik.
Als Napoleon im Jahre 1812 mit der grossen Armee in Russland
einfiel, begann man daselbst zum ersten Male an den Ballon als Mittel
zur Vernichtung dieser Armee zu denken. Es fehlte auch nicht an An-
erbietungen von Leuten, die die Ausführung übernehmen wollten. Von
allen diesen beauftragte man einen deutschen Mechaniker Leppig im
Mai des erwähnten Jahres, einen lenkbaren Ballon zu bauen, von dem
aus man durch Herabwerfen von Boniben die französische Armee zu
vernichten gedachte. Der Ballon sollte sich «dureh riesige Flügel vorwärts
bewegen und überhaupt so gross sein, dass er 50 Soldaten tragen konnte.
In Dorfe Worunzowo, 7 Werft von Petersburg. wurde Leppigr, man
kann beinahe sagen, internirt. 12 Dragoner und 160 Infanteristen be-
wachten ihn und seine Arbeiten, denn es sollte alles ganz geheim
bleiben. Die zur Ausführung nöthigen Handwerker wurden daher auch
unter allerlei unverdächtigen Vorwänden nach und nach dorthin zu-
sammiengezogen. Die Hülle wurde in Moskau von Frauen genäht.
Ueber die Bekanntmachung, sowie den weiteren Gang der Versuche giebt.
Baron vum Hagen in seiner (reschichte der militärischen Aöronautik
folgendes an'): „Rostopschin (der Gouverneur) liess folgende Proclamation
an den Strassenecken anschlagen: „Es ist mir vom Kaiser aufgetragen
worden, einen grossen Luftballon bauen zu lassen, in welchem fünfzig
Personen hinfliegen werden, wohin sie wollen, mit dem Winde und
gegen den Wind. Wenn er vollendet sein wird, werdet Ihr's hören
ou
1) 8. Zeitschrift des deutschen Vereins zur Förderungz der Luftschifffahrt.
Bd. 1, 8. 354.
Moedebeck, Luftschitifahrt. 1:3
— 14 —
und Euch freuen. Ist das Wetter gut, so erhalte ich morgen oder über-
morgen einen kleinen Ballon zu Versuchen. Es wird Euch dies im
voraus verkündet, damit Ihr beim Erblicken des Ballons nicht glaubt,
dass er vom Verderber sei, sondern wisst, dass er zum Untergange und
Sturze desselben verfertigt wurde. Weitere Nachricht über den Fort-#
wanz des abenteuerlichen Unternehmens giebt uns ein Bericht des Gon-
verneurs vom 11. Juni, in welchem es wörtlich heisst: „Leppig hat
meine Zweifel widerlegt. Wenn der Ballon fertig sein wird, will der
Erbauer desselben nach Wilna fliegen. Wird er nicht etwa zum Feinde
fortfliegen? Und vom 20. Juni: „Ich bin vollkommen vom Erfolge
überzeugt, Leppig schlägt mir vor, mit ihm zusammen abzureisen, allein
ich wage nicht meinen Posten ohne allerhöchste Genehmigung zu ver-
lassen.“ Am 13. August waren dann endlich zwei kleine Probeballons
fertig geworden und man hoffte, den grossen Aörostaten am 30. der
selben Monats beendet zu haben. Die Probeballuns waren auf fünf
Mann berechnet, der Tag ihres Aufsteigens bestimmt, und die Stadt durch
Plakate hiervon in Kenntniss gesetzt. Statt der zur Füllung und Zu-
rüstung der Bälle veranschlagten sechs Stunden vergingen fünf Tage his
(lie Aörostaten steigen konnten. Ausserdem zeigte es sich, dass dieselben
nur zwei Personen zu tragen vermochten, und dass sie nicht willkürlich
xelenkt werden konnten. indem jedesmal bei den Versuchen, den Treib-
nmcechanismus in Thätigkeit zu setzen, die stählernen Sprungfedern der
Flügel zerbrachen. Ferner stellte sich eine sulche Menge unvorherge-
sehener Schwierigkeiten der Ausführung des Projectes entgegen, das
Rostopschin von weiteren Experimenten abstand und Leppig am 1. Sep
tember nach Petersburg abführen liess. Die Ballons und der sonstige
Apparat im Werthe von 163,000 Rubel wurde nach Nischnei Nowgorvd
reschickt.”
Demnächst fanden in Russland erst in den Jahren 1870/71 auf
Todleben's Veranlassung wieder Versuche statt. Es wurde zur Zeit
vom Ingenieur d’Andrt ein Ballon von 52 Fuss (17m) Höhe und
42 Fuss (14 m) Durchmesser erbaut. Der Stoff, persische Seide mit
aufgewalzter Gummilage, soll so dicht gewesen sein, dass der Ballon.
nachden er 22 Tage und Nächte im Freien verankert gewesen, nur
ein Viertel seines Wasserstoffgehaltes verloren hat. Seine Befestigung
an einem besonderen Wagen war wermittelst eines Drahtkabels bewerk-
stelligt, das gleichzeitig zur telegraphischen Verbindung mit dem Erd-
buden benutzt werden konnte. Die Versuche fanden im Lager der
Sappeurs bei Ust Jahura vier Meilen von Petersburg statt. Der gefüllte
— 15 —
n wurde mit zwei Luftschiffern in der Gondel dorthin gebracht.
or den Ausfall der Versuche ist nichts Näheres bekannt geworden.
Kosten beliefen sich zur Zeit im Ganzen auf 12,000 Rubel. Im
ce 1879 wurden dann durch General Major Lobko vom Kriegs-
isterium Versuche darüber angestellt, wie weit man bei verschiedenen
ıen aus der Gondel eines Ballons Beobachtungen anstellen könnte.
benutzte dazu das eben erwähnte alte Ballon-Material und stieg vom
logischen Garten aus bei klarem ruhigen Wetter auf bis zu einer
»* von 150m. Hier will er einen Umblick von 30 km Durchmesser
abt haben. Bis 10 km Durchmesser unterschied er Wagen und
sgänger und innerhalb 2—4km konnte er noch leicht jede einzelne
vcgung der Leute verfolgen.
Seit dem Russich-Türkischeu Kriege 1877 hat überhaupt das
sische Kriegsministerrum dem Ballonwesen eine fortdauernde, ein-
ende Aufmerksamkeit geschenkt. Ihre hervorragendsten Fürsprecher
der Armee sind, der Generalmajor Klinder und der General-
jor Lobko. Man hat auch hier, wie in anderen Staaten versucht das
jlikum mehr für die Aöronautik anzuregen, in der Hoffnung, für
ersfälle Elemente zu erziehen, welche eventuell gebraucht werden
ınten. Indess hat man hierbei wenig Entgegenkonmmen gefunden.
hierfür in’s Leben gerufene Luftschifffahrts-Gesellschaft erfreut sich nur
's künstlichen Daseins und ist wenig productiv. Nichts desto weniger
ss anerkannt werden, dass die oben genannten Herren mit grossem
r sich der Sache hingeben und ihre Hoffnung nicht verlieren. Die
itärischen Versuche werden nun in neuerer Zeit in den alten Admi-
täts-Werften zu Ochta bei Petersburg mit vielem Fleisse fortgesetzt.
selben erstreckten sich, wie überall auf Ballon captifs, auf lenk-
e Ballons und Erfindung von schnell arbeitenden Gaserzeugern.
ehemaliger Schiffscapitän, Kosztowits, soll es in allen diesen Dingen
on weit gebracht haben.
Der „Herold“ vom 2. August 1884 berichtet:
der vorigen Woche fand in der Admiralität der Grossochtaschen
fte eine Probe mit einem neuen kleinen Ballon captif von 650 Cu-
füss (24 cbm) Inhalt statt, der von unserem bekannten Erfinder und
ıstructeur Capitän Kosztowits sammt einer kleinen Batterie zur Er-
gung von 1000 Cubikfuss Hydrogengas construirt und in den
rkstätten für die elektrische Abtheilung des Minenressorts der kai-
lichen Kriegsmarine ausgeführt ist. Vermittelst eines elektrischen
paratex und einer Lampe, die von dem Ballon auf ca. 1000 Fuss
13*
— 16 —
wchoben wird, und auf dieser Höhe in einem Gesichtskreis von 63 fi
Werft im Radius sichtbar ist, kann man sich durch electrische Zeie-/7*"
die bestimmte Buchstaben und Sätze bedeuten, genau verständigen : ul
diese Art können nieht nur alle möglichen Befehle des Admiralitäf*
schiffes dem Gesehwader viel schneller und deutlicher mitgetheilt werde?
als dieses mit den bis heute angewandten Flaggen- oder LaternensignaleP
möglich war, sondern es kann auch eine vollständige Corresponden?
mit Hilfe dieser Lufttelegraphen geführt werden und zwar ebenso leicht
und verständlich, wie mit den gewöhnlichen Morse- Telegraphen auf
festem Lande. Selbstverständlich ist dieser Lufttelegraph nicht nur für
die Kriegsmarine, sondern auch für die Armee als sehr bequemer :
Feldtelegraph von grosser Wichtigkeit und Zukunft. Die praktische
Probe des Apparates bei der Ablieferung fiel auf das Beste aus und
füllte unter Anderem die zur Erzeugung von Wasserstuff speciell ein-
gerichtete Batterie in einem Zeitraum von kaum acht Minuten den
Ballon mit aussergewöhnlich reinem, daher auch sehr leichtem Gase; die
elektrische Einrichtung ist in der elektrischen Abtheilung des Minen-
ressorts hergestellt worden. Wie wir erfahren, soll dieser Apparat schon
bei den nächsten Flotten-Manövern zur Anwendung kommen.“
Thatsächlich haben diese Jaufttelegraphen bei dem Flottenmanöver
bei Kronstadt im August Anwendung gefunden und sind, da sie sich
bewährt haben, in der russischen Marine eingeführt worden.
Ob aber sonst die Angaben (der Zeitung den bestehenden Ver-
hältnissen entsprechen, ist sehr zweifelhaft.
Als dann in Deutschland die Versuchsstation des Ballon-Detache
ments eingerichtet wurde, entwickelte sich auch im Russischen Kriegs-
ministerium eine grosse Regsamıkeit auf miltärisch-aöronautischem Gebiete.
Itussland befindet sich hierin den andern (rossmächten gegenüber zur
/eit noch insofern im Nachtheil, als es keine praktischen Tuuftschiffer
besitzt, welehe diesen Titel mit einer verdienten Berechtigung tragen.
Die Itemierung sah sich daher im Auslande um und fand jedenfalls in
Frankreich Entgegenkommen. Sei es num, dass man mit den Ballons
des Capitäin Kosztowits nicht zufrieden war, sei es, dass man diese
einmal mit Ausländischem Fabrikat vergleichen wollte, kurzun es
wurde Ende des Jahres 1884 in der Ballonfabrik von Brissonnet in
Paris (Boulevard Schastopol 127). ein Ballon bestellt. Die Versuche
damit ergeben sich aus folgender Nachricht aus der „Neuen Zeit“ vom
24. August 1885:
„Gestern, Sonntag, fand im Polygon von Polkowo der erste Ver-
— 198 —
sein. Zum Schluss machten Yon und der Luftschiffer Louis (sudard
Jr. mit dem russischen Ingenieur General Boreskoff eine freie Fahrt.'
Als ein fernerer Beweis dafür, mit welcher Intensität Russland zur Zeit
(lie Aöronautik betreibt, kann der Umstand gelten, das Generalmajor
lLobko auf Anordnung des (reneralstabes sofort ein Buch über Aerı-
nautik verfasste, welches im August 1885 in russischer Sprache ver-
öffentlicht wurde.?) Nach französischen Berichten soll Seine Kaiserliche
Hoheit, der Grossfürst Wladimir sein hohes Interesse ganz speciell der
Aöronautik zuwenden. Die Luftschifffahrt-Gesellschaft steht jedenfalls‘
auch in Beziehungen zum Kriegsministerium, muss aber im Grunde ge
nonmen als eine Privatunternehmung betrachtet‘ werden, welche den
Bau eines lenkbaren Luftschiffes beabsichtigt. .
Letzteres, eine Construction des Capitän' Kosztowits, ist sehon
seit Jahren im Bau begriffen und lässt nur hin und wieder etwas vun
sich hören. Es hat die Cigarrenform, ist 200 Fuss lang (60 m) un!
in der Mitte, die Gondel eingerechnet, 80 Fuss (26 m) hoch und 51
Fuss (17 m) breit. Ausser einer Propellerschraube besitzt es zur Fort-
bewegung noch Flügel. Seine Maschine soll 50 Pferdekräfte stark sein.
Nach den Berechnungen von Kosztowits trägt es zehn Personen und
dazu noch 250 Pud Ballast. Die Cajüte ist sehr comfortable eingerichtet
und wird mit elektrischem Lichte beleuchtet. Der Termin der Fertig-
stellung dieses sonderbaren Luftschiffes wird von Jahr zu Jahr verschoben.
Die Zeitschrift des deutschen Vereins zur Förderung der iuft-
schifffahrt. spricht sich mit Bezug auf dasselbe folgendermaassen aus®): „Es |
ist zu lange und zu viel davon gesprochen worden, ohne dass man |
etwas von der Ausführung zu schen bekommen hat, um nicht allgemeines
Misstrauen wach zu rufen. Auch jetzt ist daran wieder alles still ge
worden: der Herr Capitän ist noch immer nicht fertig — wird er &
jemals werden”
1) La Nature. 17. October 1885. -— 1’Acronaute, October 1885.
2) Handbuch für Luftschifffahrt, zusammengestellt von L. L. L—o. St. Petem-
burg. Militärdruckerei im Gebäude der Generalstabes. (redruckt auf Befehl der
kriegswissenschaftlichen Abtheilung des Generalstabes.
3) Zeitschrift d. deutschen Verein« zur Förderung d. Luftschiflfahrt, Bd. II,
188-4. 8. 250.
Schlussbemerkung.
Ein Keil treibt den andern! Durch das Vorgehen der meisten
eurupäischen Staaten hat sich auch Italien veranlasst gesehen, der
Frage der Luftschifffahrt vom militärischen Standpunkte aus näher zu
treten. Die italienische Regierung hat sich eine vollständige Ballon-
Equipage, bestehend aus zwei Ballons, einem Transportwagen, einem
Gaserzeuger und einer locomobile, bei dem bekannten französischen
Luftschiffer Yon in Paris bestellt. Die Ballons sind kugelförmig vun
600 cbm Inhalt; sie sind aus chinesischen Pongh6e gefertigt und haben
unten ein automatisches Ventil. Der Korb hängt in einem Trapez
und bleibt, da er sich hierin noch gewissermassen in einem cardani-
schen Gehänge befindet, in Folge seiner Schwere stets in senkrechter
Lage unabhängig von den Schwankungen des Ballons. Das 500 m lange
Kabel wird auf einer Trommel mit Hilfe der Locomobile auf- und ab-
gerollt. Die Telephondrähte sind äusserlich um dasselbe in Spiralen her-
umıgewickelt, damit man sie besser revidiren und eventuell repariren
kann. Der Gaserzeuger soll in der Stunde 200 bis 300 ebnı Wasser-
„toff aus Eisen und Schwefelsäure hervorbringen. Der Apparat gleicht
im Wesentlichen dem im vorigen Kapitel beschriebenen russischen.
Die‘ Versuche, welche in Rom stattfanden, sind zufriedenstellend
| ausgefallen. Es ist ein Detachement formirt worden, welches der In-
‚enieur-Hauptmann Graf Alexandra Pecaro Giraldi befehligt. Der-
selbe soll während der Ausstellung zu Turin bei den Ballon captif von
Euröne Godard seine adronautischen Studien begonnen haben. Nach-
— 200 —
dem man sich beim Versuch von der Brauchbarkeit des gefewl
Ballons überzeugt hatte, wurde eine freie Fahrt unternommen. !)
Auch Oestreich hat in der letzten Zeit begonnen, der Luftsch
fahrt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das K. K. Obersthofmeis
amt hat dem Redacteur der Allgemeinen Sportszeitung, Victor Nill
rer?), wohl dem einzigen in Wien, der sich praktisch mit der Ai
nautik befasst hat, ein Terrain von ca 12,000 qm auf der Feuerweı
wiese im Prater zur Verfügung gestellt. Der betreffende soll hier
aöronautisches Etablissenient einrichten. Es scheint, als ob der Staat h
nit Privaten die Ausführung der so kostspieligen Versuche erleicht
will. Die Anstalt soll militärisehen und wissenschaftlichen Zwe
dienen.
t} Italia militare 1885, No. 75. — L’Atronaute 1885, No. 7, Juillet.
2) Allgemeine Sportszeitung. Wien 1885, No. 27 u. 29.
Druck: Badeli & Hille, Leipzig.
